Räume und Zeiten, an denen wir zur inneren Ruhe kommen und still werden, helfen uns, zu uns selbst zu finden und geben Gott Gelegenheit, zu uns zu sprechen. Jesus hat die Händler aus dem Tempel vertrieben, um ihn wieder zum Ort der Gottesbegegnung zu machen. Der für Gott frei gehaltene Sonntag hilft uns, von der Betriebsamkeit des Alltags loszukommen.
Jesus wollte mit seiner Tempelreinigung das Haus Gottes wieder zu einem Haus des Gebetes machen. Er steht damit in der Tradition der Propheten. Sein Anliegen ist auch heute noch aktuell. Was braucht es heute, um Gott zu dienen und ihn in rechter Weise verehren zu können?
Neulich sah man in der SZ ein kurioses Photo. Da standen die regierenden Häupter der EU regellos herum und alle starrten auf den Boden. Sie suchten nach ihrem jeweiligen markierten Standpunkt für das Gruppenfoto. Es ist eben nicht gleichgültig, wo man steht, am Rande oder im Zentrum.
Schon die Stellung also, die jemand oder etwas in einem Ganzen hat, bedeutet etwas, beinhaltet schon eine Botschaft.
Da ist es interessant, dass wir im heutigen Evangelium von Johannes etwas Ähnliches finden. Es berichtet von der Tempelreinigung, der Vertreibung von Händlern aus dem Tempel. Nicht nur Johannes, auch die anderen drei Evangelisten berichten davon, Matthäus, Markus und Lukas. Bei diesen jedoch steht die Tempelreinigung nach dem Einzug Jesu in Jerusalem, die Tage also kurz vor dem Ende des Wirkens Jesu auf Erden. Das dürfte auch der geschichtliche Ort gewesen sein.
Johannes dagegen stellt dieses Ereignis entgegengesetzt, unmittelbar an den Anfang des öffentlichen Wirkens Jesu. Das erweckt den Eindruck einer großen Überschrift, einer Programmansage.
Wenn wir etwas von diesem Programm Jesu erfahren wollen, müssen wir uns die Mühe machen, die Fakten näher zu betrachten, die örtlichen und zeitlichen Umstände genauer anzuschauen. So hören wir im Evangelium: "Das Paschafest der Juden war nahe, und Jesus zog nach Jerusalem hinauf. Im Tempel fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler, die dort saßen."
"Im Tempel." Der Tempel in Jerusalem bestand aus vielen Bauten, die ein beträchtliches Areal überdeckten. Im Zentrum stand das eigentliche Heiligtum. Dort befand sich der siebenarmige Leuchter und der Brandopferaltar. Um dieses Heiligtum lagen Vorhöfe: der der Priester, der Männer, der Frauen. Alles umgreifend dann der große Vorhof der Heiden, zu dem jedermann Zutritt hatte. Dieser Vorhof war eine riesige Anlage von etwa 400 mal 400 m Fläche, von gewaltigen, prächtigen Säulenhallen umstanden. Auf der Westseite dieses Vorhofs der Heiden, befand sich ein Verkaufsareal. Hier also spielte sich die Tempelreinigung Jesu ab.
Doch zurück zum Allerheiligsten. Dort stand wie gesagt der Brandopferaltar. Auf diesem wurde jeden Morgen zu Ehren Gottes ein Lamm dargebracht, dessen Fleisch dann verbrannt wurde. Den ganzen Tag bis zum nächsten Opfer sollte das Feuer brennen und sein Rauch zum Himmel steigen. Neben diesen offiziellen Opfern wurden viele private Opfer dargebracht.
Den ganzen Tag also sollte der Rauch zum Himmel steigen. Das erinnert an den Auszug aus Ägypten und den Zug durch die Wüste. Dort heißt es, dass Gott dem Volk vorauszog um ihm den Weg zu weisen, in der Nacht als Feuersäule und am Tag in einer Wolkensäule. An diese Wolkensäule, dem Zeichen der Gegenwart des wegweisenden Gottes, sollte das Rauchopfer erinnern.
Damit zeigt sich, dass der Tempel nicht nur die Gegenwart des Bundesgottes bedeutete, dem man Gebete und Gottesdienste weihte, sondern dass der ganze Gottesdienst ganz wesentlich mit der Opferung von Tieren und Speisen zusammenhing, dass der Opferkult eine zentrale Stellung einnahm. Das hebräische Wort für Altar war bezeichnenderweise "Schlachtstelle". Ein Exeget des Alten Testaments sagt deshalb, dass man die Bedeutung des Opferkultes für Israel gar nicht überschätzen könne. Das erweist sich gerade auch durch die Größe der Verkaufsstelle. Der Händlerbereich erstreckte sich ja auf ein Viertel des Vorhofs der Heiden, also auf einem Gelände von der etwa 100 x 400 Metern, d.h. 4 Hektar.
Von diesem Händlerbereich erzählt nun das Evangelium: "Jesus machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus, dazu die Schafe und Rinder; das Geld der Wechsler schüttet er aus, und ihre Tische stieß er um. Zu den Taubenhändlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!"
Jesus geht tätlich gegen Leute vor. Das ist das einzige Mal, dass wir von einer solchen Aggressionstat Jesu hören. Aber selbst dies ist mit Einschränkung zu verstehen. Denn wenn man die oben dargelegten Umstände genauer betrachtet, ergibt sich eine erstaunliche Diskrepanz: Der Händlerbereich beanspruchte wie schon gesagt eine riesige Fläche. Selbst wenn nicht nur Jesus, sondern alle Apostel zusammen auf die Händler losgegangen wären, hätten sie die Vertreibung nicht geschafft. Das Areal war viel zu groß, eine Tempelaustreibung auf der ganzen Linie ist deshalb nicht vorstellbar. Das zeigt sich auch darin, dass Jesus von niemandem gehindert wurde, weder von den Händlern selbst, noch von der Tempelpolizei, noch von den Römern. Jesus hat diese Austreibung sicher nur in einem kleinen Bereich des ganzen Marktes durchgeführt. Es handelt sich also um eine Symbolhandlung, eine Zeichensetzung, die zuerst einmal sagen soll, dass man den Tempel des Herrn nicht in eine Kaufhalle verwandeln darf. *)
Aber dahinter zeichnet sich eine andere Aussage ab, die klar erst später benannt wird (Joh 4,21 ff), eine Aussage von großer Tragweite: Jesus stellt die zentrale Bedeutung des jüdischer Gottesdienstes jener Zeit, in Frage: den Sinn von Schlacht- und Brandopfern jeglicher Art. Der ganze Opferkult des Tempels, in der Sicht Israels jener Zeit die Grundfesten der Verehrung Gottes, wird in Frage gestellt.
Warum? Weil es nur noch 1 Opfer geben wird, das Opfer des Gottessohnes am Kreuz. Im Brief an die Hebräer, zeitgenössisch mit dem Johannesevangelium, wird es klar ausgedrückt:
"Darum spricht Christus bei seinem Eintritt in die Welt: Schlacht-
und Speiseopfer hast du nicht gefordert, doch einen Leib hast du mir
geschaffen; an Brand- und Sündopfern hast du kein Gefallen.
Da sagte ich: Ja, ich komme, . . . um deinen Willen, Gott, zu tun." (Heb10:5)
Der Wille Gottes aber war, dass der Sohn seinen Leib ans Kreuz geben sollte, zur Vergebung der Sünden der Welt: "Jesus, der Gott gleich war, hielt nicht daran fest, wie Gott zu sein, . . . sondern er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz."
Ein für alle Mal sollten all die vielen Opfer aufgehoben und eingeschlossen sein in das eine Opfer des Gottessohns. Und dieses Opfer Christi am Kreuz ist zwar ein historisches Ereignis, hat Ort und Datum in der Geschichte, aber nicht nur. Es ist kein Geschehen, an das wir uns als ein vergangenes erinnern. Es ist zugleich übergeschichtlich. Wenn der Priester die Worte Jesu beim letzten Abendmahl spricht, "das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird, . . . das ist mein Blut, das für euch vergossen wird", dann ist für uns der Kreuzestod Christi Gegenwart.
Wenn wir nun hintreten zum Altar, zum Tisch des Abendmahls Christi, zum Opferaltar des Kreuzes, sind wir hineingenommen in Christi Erlösungstod. Dann geschieht, was wir nach der Wandlung beten: "Deinen Tod, oh Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit."
*) Die exegetischen Angaben sind größeren Teils entnommen aus: Ökumenischer Taschenbuchkommentar zum Neuen Testament 4/1, Jürgen Becker, Das Evangelium nach Johannes, Würzburg 21985, S. 120 ff
Gott, unser Vater,
du bist der Quell des Erbarmens und der Güte,
wir stehen als Sünder vor dir,
und unser Gewissen klagt uns an
Sieh auf unsere Not und lass uns Vergebung finden
durch Fasten, Gebet und Werke der Liebe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 3. Fastensonntag
Barmherziger Gott,
befreie uns durch dieses Opfer von unseren Sünden
und schenke uns die Kraft, auch den Brüdern zu vergeben,
wenn sie an uns schuldig geworden sind.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Fastensonntag
Kehrvers
Singt dem Herrn, alle Lander der Erde,
singt dem Herrn und preist seinen Namen. (GL 54,1)
Guter und großer Gott,
wir kommen zu dir, um dir Dank zu sagen
und dir unseren Lobpreis darzubringen.
Du bist den Menschen nahe seit Anbeginn der Welt.
In dir leben wir, bewegen wir uns und sind wir.
Kehrvers
Mit dem Volk, das du dir erwählt hast,
hast du einen Bund geschlossen
und ihm durch Gebote den Weg gewiesen,
der zum wahren Leben führt.
Kehrvers
Als es dir einen Tempel errichtete,
um dich darin gebührend zu ehren
und dein Gedächtnis lebendig zu halten,
hast du ihn mit deiner Gegenwart erfüllt.
Kehrvers
In deinem Sohn Jesus von Nazareth
hast du auf neue Weise unter uns Menschen Wohnung genommen.
Er hat dir ein Haus aus lebendigen Steinen erbaut.
Darin bist du an allen Orten gegenwärtig,
wo Menschen dich im Geist und in der Wahrheit anbeten.
Kehrvers
Wir danken dir, dass wir durch die Frohe Botschaft
dich erkennen, dir begegnen und in deiner Gegenwart leben dürfen.
Mit allen Menschen, die mit aufrichtigem Herzen zu dir beten,
singen wir dir unser Lob.
Danklied, z. B. "Herr, unser Herr, wie bist du zugegen" (GL 414)
oder "Dein Lob, Herr, ruft der Himmel aus" (GL 381)
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen deinen heiligen Namen.
Denn jetzt ist die Zeit der Gnade,
jetzt sind die Tage des Heiles.
Du hilfst uns, das Böse zu überwinden,
du schenkst uns von neuem die Reinheit des Herzens.
Du gibst deinen Kindern die Kraft,
in dieser vergänglichen Welt
das unvergängliche Heil zu wirken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir dich
in deiner Kirche und vereinen uns
mit den Engeln und Heiligen zum Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig...
MB Fastenzeit 2
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken und deine Größe zu rühmen.
In jedem Haus des Gebetes wohnst du als Spender der Gnade,
als Geber alles Guten:
Denn du erbaust uns zum Tempel des Heiligen Geistes,
dessen Glanz im Leben der Gläubigen aufstrahlt.
Im sichtbaren Bau erkennen wir das Bild deiner Kirche,
die du zur Braut deines Sohnes erwählt hast.
Du heiligst sie Tag für Tag,
bis du sie, unsere Mutter, in die Herrlichkeit aufnimmst
mit der unzählbaren Schar ihrer Kinder.
Darum preisen wir dich in deiner Kirche
und vereinen uns mit allen Engeln
und Heiligen zum Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Kirchweihe 2
Wir verkündigen Christus als den Gekreuzigten,
Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit
(1 Kor 1,23)
Oder:
Christus spricht:
Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben
und es in Fülle haben.
(Joh 10,10)
Oder:
Selig, die wohnen in deinem Haus,
die dich allezeit loben.
(Ps 84,5)
Herr und Gott,
du hast uns mit dem Brot des Himmels gesättigt
und uns in dieser Speise
ein Unterpfand dessen gegeben,
was unseren Augen noch verborgen ist.
Lass in unserem Leben sichtbar werden,
was wir im Sakrament empfangen haben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Fastensonntag
Dienstag der 1. Woche
Jesus, du sendest uns aus,
von diesem Ort
in unser Leben, in unseren Alltag.
Aber du gehst mit uns.
Hilf uns, unsere Aufgabe und Sendung zu erfüllen.
Hilf uns, alles zu deiner größeren Ehre tun,
sei es in Worten,
sei es in Gedanken,
sei es Werken der Liebe.
Komm in diese Welt,
auch durch uns. Amen.
Jesus,
wir wollen sie leben - deine Gebote
wir wollen wie weitertragen - deine Liebe
wir wollen sie zeigen - deine Werte
Jesus,
du sendest uns aus - wie einst deine Jünger
du sendest deine Heiligen Geist als Beistand - wie einst zu deinen Jüngern
wir wollen dich verkünden - in Wort, aber mehr in Tat,
dass dein Wort Fleisch werde - wie einst durch deine Apostel.
Dazu segne uns jetzt.

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