Den Vorgängen in der Natur ist es abgeschaut, dass Altes absterben muss, damit Neues entstehen kann. Aus dem Sterben entsteht Leben. Jesus hat durch die Hingabe seines Lebens den Boden bereitet, dass Neues wachsen kann, neues Leben im Reich Gottes aufbrechen kann.
In der Spannung vor dem Osterfest warten viele Anhänger Jesu darauf, dass er sich als Messias in seiner ganzen Stärke zeigt. Sie verherrlichen ihn. Er aber sieht seine Verherrlichung in seinem Weg, der durch Leiden und Tod hindurch führt.
Sie kennen alle die Redewendung von den kleinen Sünden, die der liebe Gott sofort straft. Wenn das wirklich so wäre, dann müsste der Blinde so viel angestellt haben, dass ihm das Augenlicht genommen wird. Tatsächlich tritt die uralte Frage im Evangelium in den Vordergrund: "Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst? Oder haben seine Eltern gesündigt, dass er blind geboren wurde?" (Joh. 9,1-2). De Antwort Jesu folgt sofort: "Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden." (Joh.9,3).
Wir Menschen betreiben besonders in der Frage von Leid, Krankheit und Tod gerne Ursachenforschung. Einer oder einige waren oder sind die Katastrophenauslöser, die müssen ausfindig gemacht und zur Verantwortung gezogen werden. Ähnlich lautet die Fragestellung im Buch Ijob. Nach all dem Unglück, das diesem gläubigen Mann materiell, gesundheitlich und auch geistig/seelisch widerfährt, kommen die Freunde und trösten ihn nicht wirklich. Irgendetwas hat er am Kerbholz, er verheimlicht etwas, soviel Leid und Unglück auf einmal. Ijob bekommt für seine Glaubenstreue, für sein Durchhalten im Leid alles mehrfach zurück. Aber auch das ist keine befriedigende Antwort darauf, warum es Leid gibt.
Durch Jahrhunderte bis heute bleibt die Frage nach dem WARUM aktuell. Alle Versuche einer Antwort greifen zu kurz. Im 17. Jhdt. noch glaubt der berühmte Barockprediger Abraham a Sancta Clara zu wissen, warum die Türken Wien belagerten und die Stadt beinahe eingenommen hätten. Seine Antwort: Besonders die Frauen kleiden sich modisch, streichen sich die Lippen an, tragen Stöckelschuhe, die Männer vergnügen sich, rauchen, trinken, sind nicht viel besser - somit verdienten sie eine gerechte Strafe Gottes für das ausschweifende Leben. Ganze Bibliotheken mit Fachbüchern aus Literatur, Philosophie, Theologie, versuchen Antworten zu finden - vergeblich! Wie absurd dieser Tun- Ergehens- Zusammenhang ist, zeigt sich an einem Menschen, der schon blind zur Welt gekommen ist. Was soll der vor seiner Geburt angestellt haben?
Das Johannes- Evangelium will uns sagen: Jesus setzt Zeichen zum Heilwerden. Das wird von einer doppelten Symbolik begleitet: dem Speichel und dem Wasser. Der Blinde wird von Jesus mit Speichel berührt und soll sich im Teich Schiloach reinigen. Speichel und Wasser haben heilende Wirkung. Dem Wasser des Teichs Schiloach, den man heute als solchen kaum noch erkennen kann, wurde zur Zeit Jesu besondere heilende Wirkung zugesprochen. Das Johannes-Evangelium deutet den Namen vom Hebräischen her als "Gesandter".
Es geht hier um das Wasser der Gihonquelle, die geschützt unter einem Felsen auch durch das Kidrontal in einer Wasserleitung nach Jerusalem geführt und in einem künstlichen Teich, dem Schiloahteich gesammelt wurde. Diese Wasserzufuhr sprudelt recht unregelmäßig, nach uralter Überlieferung nur dann, wenn es die Götter zulassen, bzw. dann wenn es JAHWE (in der Person Jesu) will. Dieses Wasser "sendet" nach dem Evangelisten Johannes Heil. Jesus selber bezeichnet sich als Quelle, "wer Durst hat, komme zu mir und es trinke, wer an mich glaubt. Wie die Schrift sagt: Aus seinem Inneren werden Ströme von lebendigem Wasser fließen. Damit meint er den Geist, den alle empfangen sollten." (Joh.7,38-39).
Was bedeutet das alles? Heilung spielt sich auf doppelter Ebene ab: körperlich und auch geistig/seelisch. Jesus setzt nicht nur Zeichen körperlicher Heilung, sondern Heilung ist an allen Schriftstellen mit Glauben, mit Vertrauen verbunden. Wenn Vertrauen fehlt, kann Heilung nicht oder bestenfalls nur teilweise gelingen. Körper, Seele und Geist bilden eine Einheit. Der Blinde ist sehend geworden. Gott offenbart sich ihm in der Person Jesu. Als Geheilter legt er ein Bekenntnis ab: "Ich glaube, Herr!" (Joh. 9,38). Aus der Dunkelheit der Nacht, seiner Finsternis, kommt er zu Christus, dem Herrn, dem Kyrios.
Auch wir sind oft blind mit den Augen des Herzens. Vor allem mit der geistigen Not, blind gegenüber manchem Verzweifelten, gegenüber jenen, die ausgebrannt sind, nicht mehr weiterkönnen. "Wird schon wieder werden, reiß dich zusammen!" Das tröstende Wort, die helfende Hand können wie ein kräftiger Schluck frischen Wassers wirken, das wieder aufleben lässt. Gott ist immer auf der Seite jener, die Hilfe brauchen. Das zeigt auch die erste Lesung aus dem ersten Buch Samuel: David gegen Goliath.
Vierter Sonntag der Fastenzeit: Sonntag Laetare, Freudensonntag. Das Osterfest naht. Liturgische Farbe rosa, Zeichen der Morgenröte, Zeichen der aufgehenden Sonne, Hinwendung von der Finsternis ins Licht der Auferstehung. Jesus bringt auch heute mit diesem Evangelium die "Frohe Botschaft" und "Gute Nachricht", verbunden mit der Bitte: Glaubt und vertraut darauf!
Mit dem 5. Fastensonntag beginnen wir den 2. Teil der Fastenzeit, die Passionszeit. In den letzten beiden Wochen steht das Leiden unseres Herrn Jesus Christus im Mittelpunkt der Liturgiefeiern. In vielen Kirchen sind die Kreuze verhüllt, denn sehr oft sind die Kreuze als Siegeszeichen ausgestaltet.
Mit dem dem Betrachten des Leidens Jesu richten wir unsere Aufmerksamkeit auch auf die Leiden der ganzen Menschheit. Dieses kann uns nicht unberührt lassen, wenn wir das Leiden Jesu ernstnehmen. Wir nehmen Anteil am Leiden der Menschen und tragen es mit, wie Simon von Cyrene, Veronika oder die Frauen am Kreuzweg Jesus beigestanden sind.
Am Beginn des Gottesdienstes treten wir vor den Herrn und erkennen in ihm unseren Herrn und Kyrios trotz seiner Ohnmacht und Schwachheit.
Herr Jesus Christus,
du hast für uns gelitten.
Erbarme dich unser!
Herr, Jesus Christus,
du bist für uns gestorben.
Erbarme dich unser!
Herr, Jesus Christus,
du schenkst uns deine Liebe.
Erbarme dich unser!
Neues Gotteslob Ö721,7
Herr, unser Gott,
dein Sohn hat sich aus Liebe zur Welt
dem Tod überliefert.
Lass uns in seiner Liebe bleiben
und mit deiner Gnade aus ihr leben.
Darum bitten wir im Heiligen Geist durch Christus unseren Herrn.
MB 5. Fastensonntag
Vater im Himmel,
wie ein Weizenkorn in die Erde fällt und stirbt,
so hat dein Sohn sein Leben hingegeben.
Wir bitten dich:
Gib uns Kraft zu einer Lebensweise,
die sich am Beispiel deines Sohnes ausrichtet,
der mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit.
Erhöre uns, allmächtiger Gott.
Du hast uns durch dein Wort
zum Zeugnis eines christlichen Lebens berufen.
Reinige uns durch dieses Opfer
und stärke uns zum Kampf gegen das Böse.
Darum bitten wir im Heiligen Geist
durch Christus unseren Herrn.
MB 5. Fastensonntag
Kehrvers
Der Herr hat Großes an uns getan,
sein Name sei gepriesen.
(GL 69,1)
Guter und erhabener Gott, wir treten vor dich,
um dir zu danken und dir unseren Lobpreis darzubringen.
Du hast mit dem Volk, das du erwählt hast, einen Bund geschlossen
und ihm dein Gesetz ins Herz geschrieben,
um es aus der Knechtschaft fremder Mächte zu befreien.
Kehrvers
Durch Jesus von Nazareth hast du diesen Bund mit dem Haus Israel erneuert.
Obwohl er dein Sohn war, hat er durch Leiden Gehorsam gelernt.
Wie ein Weizenkorn, das in die Erde fällt, stirbt und reiche Frucht bringt,
hat er für uns sein Leben hingegeben und vollendet.
Kehrvers
Du hast seine Gebete und Bitten erhört,
ihn aus seiner Angst befreit und ihn aus dem Tod errettet.
Für alle, die auf ihn hören, ist er zum Urheber ewigen Heils geworden.
So hast du ihn verherrlicht und ihm einen Namen gegeben,
der größer ist als alle Namen.
Kehrvers
Dafür danken wir dir
und singen wir dir mit allen Engeln und heiligen unser Lob:
Danklied, z. B. Mein ganzes Herz erhebet dich (GL 143)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und das Werk deiner Gnade zu rühmen.
Denn das Leiden deines Sohnes
wurde zum Heil für die Welt.
Seine Erlösungstat bewegt uns,
deine Größe zu preisen.
Im Kreuz enthüllt sich dein Gericht,
im Kreuz erstrahlt die Macht des Retters,
der sich für uns dahingab,
unseres Herrn Jesus Christus.
Durch ihn loben dich deine Erlösten
und vereinen sich mit den Chören der Engel
zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Passionszeit 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und das Werk deines Erbarmens zu rühmen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn wiederum kommen die Tage,
die seinem heilbringenden Leiden und
seiner glorreichen Auferstehung geweiht sind.
Es kommt der Tag des Triumphes über den alten Feind,
es naht das Fest der Erlösung.
Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel
und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Passionszeit 2
Allmächtiger Gott,
du hast uns das Sakrament der Einheit geschenkt.
Lass uns immer lebendige Glieder Christi bleiben,
dessen Mahl wir empfangen haben.
Darum bitten wir im Heiligen Geist
durch Christus unseren Herrn.
MB 5. Fastensonntag

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