Der Weg durch die Wüste hat den Israeliten das Äußerste abverlangt, und dann noch die Schlangenplage. Die Schlangen ein Symbol der Angst und des drohenden Todes. Das Gegenmittel ist die erhöhte eherne Schlange. Wer zu ihr aufschaut wird gerettet. Jesus ist der am Kreuz Erhöhte.
Sie kennen alle die Redewendung von den kleinen Sünden, die der liebe Gott sofort straft. Wenn das wirklich so wäre, dann müsste der Blinde so viel angestellt haben, dass ihm das Augenlicht genommen wird. Tatsächlich tritt die uralte Frage im Evangelium in den Vordergrund: "Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst? Oder haben seine Eltern gesündigt, dass er blind geboren wurde?" (Joh. 9,1-2). De Antwort Jesu folgt sofort: "Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden." (Joh.9,3).
Wir Menschen betreiben besonders in der Frage von Leid, Krankheit und Tod gerne Ursachenforschung. Einer oder einige waren oder sind die Katastrophenauslöser, die müssen ausfindig gemacht und zur Verantwortung gezogen werden. Ähnlich lautet die Fragestellung im Buch Ijob. Nach all dem Unglück, das diesem gläubigen Mann materiell, gesundheitlich und auch geistig/seelisch widerfährt, kommen die Freunde und trösten ihn nicht wirklich. Irgendetwas hat er am Kerbholz, er verheimlicht etwas, soviel Leid und Unglück auf einmal. Ijob bekommt für seine Glaubenstreue, für sein Durchhalten im Leid alles mehrfach zurück. Aber auch das ist keine befriedigende Antwort darauf, warum es Leid gibt.
Durch Jahrhunderte bis heute bleibt die Frage nach dem WARUM aktuell. Alle Versuche einer Antwort greifen zu kurz. Im 17. Jhdt. noch glaubt der berühmte Barockprediger Abraham a Sancta Clara zu wissen, warum die Türken Wien belagerten und die Stadt beinahe eingenommen hätten. Seine Antwort: Besonders die Frauen kleiden sich modisch, streichen sich die Lippen an, tragen Stöckelschuhe, die Männer vergnügen sich, rauchen, trinken, sind nicht viel besser - somit verdienten sie eine gerechte Strafe Gottes für das ausschweifende Leben. Ganze Bibliotheken mit Fachbüchern aus Literatur, Philosophie, Theologie, versuchen Antworten zu finden - vergeblich! Wie absurd dieser Tun- Ergehens- Zusammenhang ist, zeigt sich an einem Menschen, der schon blind zur Welt gekommen ist. Was soll der vor seiner Geburt angestellt haben?
Das Johannes- Evangelium will uns sagen: Jesus setzt Zeichen zum Heilwerden. Das wird von einer doppelten Symbolik begleitet: dem Speichel und dem Wasser. Der Blinde wird von Jesus mit Speichel berührt und soll sich im Teich Schiloach reinigen. Speichel und Wasser haben heilende Wirkung. Dem Wasser des Teichs Schiloach, den man heute als solchen kaum noch erkennen kann, wurde zur Zeit Jesu besondere heilende Wirkung zugesprochen. Das Johannes-Evangelium deutet den Namen vom Hebräischen her als "Gesandter".
Es geht hier um das Wasser der Gihonquelle, die geschützt unter einem Felsen auch durch das Kidrontal in einer Wasserleitung nach Jerusalem geführt und in einem künstlichen Teich, dem Schiloahteich gesammelt wurde. Diese Wasserzufuhr sprudelt recht unregelmäßig, nach uralter Überlieferung nur dann, wenn es die Götter zulassen, bzw. dann wenn es JAHWE (in der Person Jesu) will. Dieses Wasser "sendet" nach dem Evangelisten Johannes Heil. Jesus selber bezeichnet sich als Quelle, "wer Durst hat, komme zu mir und es trinke, wer an mich glaubt. Wie die Schrift sagt: Aus seinem Inneren werden Ströme von lebendigem Wasser fließen. Damit meint er den Geist, den alle empfangen sollten." (Joh.7,38-39).
Was bedeutet das alles? Heilung spielt sich auf doppelter Ebene ab: körperlich und auch geistig/seelisch. Jesus setzt nicht nur Zeichen körperlicher Heilung, sondern Heilung ist an allen Schriftstellen mit Glauben, mit Vertrauen verbunden. Wenn Vertrauen fehlt, kann Heilung nicht oder bestenfalls nur teilweise gelingen. Körper, Seele und Geist bilden eine Einheit. Der Blinde ist sehend geworden. Gott offenbart sich ihm in der Person Jesu. Als Geheilter legt er ein Bekenntnis ab: "Ich glaube, Herr!" (Joh. 9,38). Aus der Dunkelheit der Nacht, seiner Finsternis, kommt er zu Christus, dem Herrn, dem Kyrios.
Auch wir sind oft blind mit den Augen des Herzens. Vor allem mit der geistigen Not, blind gegenüber manchem Verzweifelten, gegenüber jenen, die ausgebrannt sind, nicht mehr weiterkönnen. "Wird schon wieder werden, reiß dich zusammen!" Das tröstende Wort, die helfende Hand können wie ein kräftiger Schluck frischen Wassers wirken, das wieder aufleben lässt. Gott ist immer auf der Seite jener, die Hilfe brauchen. Das zeigt auch die erste Lesung aus dem ersten Buch Samuel: David gegen Goliath.
Vierter Sonntag der Fastenzeit: Sonntag Laetare, Freudensonntag. Das Osterfest naht. Liturgische Farbe rosa, Zeichen der Morgenröte, Zeichen der aufgehenden Sonne, Hinwendung von der Finsternis ins Licht der Auferstehung. Jesus bringt auch heute mit diesem Evangelium die "Frohe Botschaft" und "Gute Nachricht", verbunden mit der Bitte: Glaubt und vertraut darauf!
Jeder, der schon einmal in einem Jugendlager war oder an einer mehrtägigen Wanderung teilgenommen hat, kennt diese Situation: Abends, wenn allmählich Ruhe einkehrt und man in einer Berghütte am Kamin oder auf dem Lagerplatz am Lagerfeuer sitzt, kommt oft eine Situation auf, in der Platz ist für sehr tiefgehende Gespräche. Es ist wohl diese Atmosphäre der Dunkelheit und der Stille, die den Raum schafft.
Eine ähnliche Situation haben wir im heutigen Evangelium. Nikodemus ist ein jüdischer Pharisäer, von denen anscheinend einige sehr an Jesus interessiert waren und ihm nicht feindlich gegenüber standen. Er sucht ihn eines Abends auf, um mit Jesus in eine tiefgehende Diskussion einzusteigen.
Ob das Setting der Situation wirklich so war oder nicht, spielt eine untergeordnete Rolle - wir können davon ausgehen, dass der Evangelist mit dieser Beschreibung der nächtlichen Situation eine ganz besondere Botschaft verband. Für solch eine nächtliche Gesprächsatmosphäre wie an einem Lagerfeuer haben nämlich die Heiligen Schriften sehr viel übrig und schreiben diesen Momenten ganz Besonderes zu. Im Psalm 134 etwa heißt es: "Preiset den Herrn, alle Diener des Herrn, die ihr in den Nächten im Hause des Herrn steht (Ps 134,1)." Oder bei Matthäus 10,27: "Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet (später) am hellen Tag."
Damit ist also diese Situation zwischen Nikodemus und Jesus nicht einfach ein geselliger Anlass, ein netter Abend bei einem Glas Wein, sondern viel eher geradezu ein Offenbarungsmoment. Wir hören, wie Jesus Nikodemus einführt in das Geheimnis seines göttlichen Heilswirkens. Jesus zeigt ihm seinen Gott und kann darauf setzen, dass die Atmosphäre der Situation dabei wirkt. Solche Offenbarungssituationen haben in den Beschreibungen der biblischen Autoren immer etwas Geheimnisvoll-Mystisches an sich - denken wir doch etwa an die Verkündigung des 1. Fastensonntages: Im Nebel auf dem Berg Tabor offenbart Gott den Jüngern seinen geliebten Sohn. Und alle Beteiligten werden aus der Bahn geworfen, sind völlig verdattert.
Warum aber kommt es überhaupt zu diesem Gespräch und zu dieser Situation, was will Nikodemus? Sein Anliegen wird bei Johannes nicht so ganz klar. Wir hören wenige Verse vor unserem heutigen Evangelium, wie Nikodemus an jenem Abend Jesus anspricht und als Gelehrten anerkennt, worauf Jesus antwortet:
"'Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.' Nikodemus entgegnete ihm: 'Wie kann ein Mensch, der schon alt ist, geboren werden? Er kann doch nicht in den Schoß seiner Mutter zurückkehren und ein zweites Mal geboren werden.' Jesus antwortete: 'Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.'" (Joh 3,3-5).
Sehr schwierige Worte. Nikodemus hört einfach zu. Und was Jesus dann weiter zu ihm sagt, hat etwas Eigenartiges an sich: Mitten in der Dunkelheit der Nacht spricht Jesus - so hörten wir - vom Licht, das die Menschen suchen sollen, an dem sie sich ausrichten sollen. Wie einst die Juden beim Zug durch die Wüste sich am Zeichen des Mose, an der Schlange, ausgerichtet haben.
Diese Worte Jesu sind für Nikodemus, den frommen Synagogengelehrten, eine Herausforderung. Denn: Er sitzt ja - ganz wörtlich - mit Jesus im Dunkeln. Er hört die Worte Jesu und er scheint diesen Worten zu glauben - sonst hätte er Jesus vermutlich umgehend verlassen. Aber Jesus lässt ihn auf seiner Gottsuche auch ein gutes Stück allein. Er gibt ihm Ideen mit, die Nikodemus zum Licht der Welt führen, aber wie er hinkommt, muss er selber zusehen. Dazu hören wir dann aber nicht, dass Nikodemus sich überfordert fühlt und gar aufbegehrt. Anscheinend gelingt das Vorgehen Jesu. Nikodemus lässt sich auf das Experiment ein, er lässt sich beschenken - ganz offen und vorurteilsfrei. Wie Paulus das im Brief an die Epheser beschrieben hat: "Aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft Gott hat es geschenkt.”
Zwei Dinge scheinen dabei geholfen zu haben, dass das Werk Jesu gelingt: eben die Atmosphäre, in der die zwei zusammen treffen, und die Beziehung zwischen den zweien. Beides scheint so zu sein, dass Jesus den Nikodemus fordern kann.
Das lässt aufhorchen: Der Glaube mit den vielen Aspekten, die ihn manchmal doch schwierig und anspruchsvoll machen, lässt sich anscheinend also überzeugend vermitteln, wenn die Beziehung zwischen Zeugen und Empfänger stimmt und Raum und Zeit gut sind. Dann gilt auch wohl der Umkehrschluss: Wenn Menschen, die die Botschaft Jesu verkünden wollen, sich zu ihrer Umwelt in keiner Beziehung halten können, ist ihr Tun für die Katz - da können sie noch so rechtgläubig sein. Wenn Glaubensverkündigung geschieht in einem Klima von Streit, Neid und Missgunst, dann kann die Botschaft noch so wahr sein - niemand wird sie hören wollen.
Immer wieder hören wir Stimmen, die von einer Verdunstung des Glaubens sprechen, die mit der scheinbaren Gottlosigkeit dieser Welt hart ins Gericht gehen. Jesus und Nikodemus weisen aber durch ihr Miteinander darauf hin, dass es vielleicht gar nicht so sehr um fehlenden Glauben geht, sondern vielmehr um eine mangelhafte Kommunikation der Botschaft. Der Geist Gottes wirkt. - Nur woran soll der Glaubende sich ausrichten? Die Juden hatten auf ihrem Weg durch die Wüste das Zeichen der Schlange des Mose, - Nikodemus findet im Gottessohn das Licht der Welt, das seine Dunkelheiten erleuchtet.
Und wir in unserer Zeit? Woran können sich Suchende heute ausrichten ? Ob die Botschaft Jesu vom Heil auch heute noch an die Ohren der Menschen dringt, kommt sehr darauf an, ob wir es schaffen, eine Atmosphäre des Heils und heilende Beziehungen zu gestalten. Das gilt für jede Großmutter, die ihrem Enkel von Gott erzählt, wie auch für die Vertreter des kirchlichen Lehramtes.
Lieder:
GL 140: Kommt herbei, singt dem Herrn
GL 161: Du rufst uns, Herr, trotz unsrer Schuld (Kyrierufe)
GL 210: Das Weizenkorn muss sterben
GL 266: Bekehre uns, vergib die Sünde
GL 267: O Mensch, bewein dein Sünde groß
GL 268: Erbarme dich, erbarm dich mein
GL 273: O Herr nimm unsre Schuld
GL 274: Und suchst du meine Sünde
GL 291: Holz auf Jesu Schulter
GL 359: O selger Urgrund allen Seins
GL 366: Jesus Christus, duter Hirte
GL 377: O Jesu, all mein Leben bist du
GL 405: Nun danket alle Gott
GL 427: Herr, deine Güt ist unbegrenzt
GL 460: Wer leben will wie Gott auf dieser Erde
GL 464: Gott liebt diese Welt
GL Ö814: O höre, Herr, erhöre mich
GL Ö815: Sag ja zu mir, wenn alles nein sagt
Psalmen und Kehrverse:
GL 74: Wie könnt ich dich je vergessen, Jerusalem, du meine höchste Freude? - Mit Psalm 137 - I.
GL 517: Der Herr vergibt die Schuld und rettet unser Leben - Mit Psalm 24 (GL 38,2) oder mit Psalm 1 (GL 31,2) oder mit Psalm 40 (GL 41,2) - IV.
GL 518: Beim Herrn ist Barmherzigkeit und reiche Erlösung - Mit Psalm 146 (GL 77,2) - VII.
GL 639,3: Beim Herrn ist Barmherzigkeit, bei ihm ist Erlösung in Fülle - Mit Psalm 130 oder mit Psalm 103 (GL 57,2) - II.
Herr, unser Gott,
du hast in deinem Sohn
die Menschheit auf wunderbare Weise mit dir versöhnt.
Gib deinem Volk einen hochherzigen Glauben,
damit es mit froher Hingabe dem Osterfest entgegeneilt.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 4. Fastensonntag
Herr, unser Gott,
in der Freude auf das Osterfest
bringen wir unsere Gaben dar.
Hilf uns, gläubig und ehrfürchtig das Opfer zu feiern,
das der Welt Heilung schenkt und den Tod überwindet.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 4. Fastensonntag
Kehrvers
Der Herr ist mein Licht und mein Heil. (GL 38,1)
Barmherziger Gott und Vater,
Wir treten vor dich, um dir Dank zu sagen.
Vom Beginn der Schöpfung an
ist dir am Heil aller Menschen gelegen.
Kehrvers
Das Volk, das du dir erwählt hast,
hast du zurückgeführt in das Land,
das du seinen Vätern gegeben hast
und ihm Freiheit und Lebensraum gegeben.
Kehrvers
Als die Zeit erfüllt war,
hast du deinen Sohn in die Welt gesandt,
damit die Welt durch ihn gerettet wird.
Jeder, der an ihn glaubt, hat in ihm das ewige Leben.
Kehrvers
Allen, die im Glauben an ihm festhalten,
hat er den überfließenden Reichtum seiner Gnade gezeigt
und einen Platz im Himmel gegeben.
Dafür danken wir dir und loben wir dich
mit allen Engeln und Heiligen.
Danklied, z. B. Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben (GL 484)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn durch seine Menschwerdung
hat er das Menschengeschlecht
aus der Finsternis zum Licht des Glaubens geführt.
Wir sind als Knechte der Sünde geboren,
er aber macht uns zu deinen Kindern
durch die neue Geburt
aus dem Wasser der Taufe.
Darum preisen wir jetzt
und in Ewigkeit dein Erbarmen
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Fastensonntag 4
Gott hat die Welt geliebt - so hörten wir es im Evangelium.
Wenn er uns liebt, wird er auch seine Antwort an uns kennen,
wenn wir zu ihm rufen:
Vater unser...
Einleitung zum Friedensgebet:
Herr, wenn unsere Taten in deinem Licht deutlich werden,
sprechen sie von unserem Wollen und von unserem Versagen.
In einer solchen Gewissheit bitten wir dich:
Schaue nicht auf unsere Sünden...
Allmächtiger Gott,
dein ewiges Wort ist das wahre Licht,
das jeden Menschen erleuchtet.
Heile die Blindheit unseres Herzens,
damit wir erkennen, was vor dir recht ist,
und dich aufrichtig lieben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 4. Fastensonntag
Es erfülle euch der Segen des Vaters,
der uns Leben in Fülle schenken will. Amen.
Es erfülle euch der Segen des Sohnes,
dessen Licht uns begleiten soll. Amen.
Es erfülle euch der Segen des Heiligen Geistes,
in dem wir spüren dürfen, wo wir Gott finden. Amen.
Und der Segen des allmächtigen Gottes,
des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
begleite euch und den Alltag der neuen Woche. Amen.
…Nun scheint der Weg zur modernen Anwendung der Schlange als eines Symbols der medizinischen Wissenschaft sehr einfach. Es ist es aber nicht. Denn die Schlange als Symbol spielt jahrhundertelang keine Rolle mehr. Es ist bekannt, dass der Humanismus alle antiken Gottgestalten neu belebte. Sie finden sich seit dem 15. Jahrhundert in unendlicher Fülle wieder in der bildenden Kunst. Aber Äskulap erscheint nur selten unter ihnen. Von den bekannten Graphikern, Dürer, Holbein, Aldegrever, Stimmer, Binck oder Floris, wird Äskulap unter ihren antiken Göttergestalten entweder überhaupt nicht oder nur selten und dann beiläufig dargestellt. Äskulap gehörte weder zu den Planetengöttern, noch war die Medizin ins antike System der freien Künste aufgenommen. In diesem Zusammenhang fehlt also die Schlange fast immer. Sie fehlt sogar auf den Titelblättern der medizinischen Werke des Vesalius und meist auch auf denen anderer, obwohl man sich bei diesen Titelblättern an allegorischen Bildern gar nicht genug tun konnte. Aber die Schlange wird auf einem Umwege, der über die christliche Religion führt, wieder zu einem wichtigen und deutlichen Symbol. Zwar kannte das Christentum die Schlange schon in mancherlei Bedeutung.
Da es in der Bibel hieß: "Sei klug wie die Schlangen", wurde sie zum Symbol der Prudentia, und ihre Rolle beim Sündenfall machte sie zum Tier alles Bösen schlechtweg. Aber es war eine andere biblische Bedeutung, von der ausgehend sie wieder zum Symbol der Heilung wurde.
Die Aufrichtung der ehernen Schlange ist im alten Testament ein Heilvorgang. Das Volk leidet unter einer Schlangenplage und Moses stellt auf Geheiß Gottes das Schlangenbild auf, damit das Volk zu ihm aufblicke und nicht sterbe. Dieser Vorgang, der im Zusammenhang der Mosesgeschichte sehr nebensächlich ist, wurde im Mittelalter ein höchst beliebtes Thema.
Das Mittelalter hat den Hauptwert des Alten Testaments darin gesehen, das es das neue vorher verkündet habe. Und so hat die Theologie des Mittelalters die Aufrichtung der heilbringenden ehernen Schlange immer als eine parallele zur Kreuzaufrichtung aufgefasst. Deshalb erscheint sie so besonders häufig in Plastik und Malerei, Glasfenstern, Wirkteppichen und Buchmalereien. Sie wird schließlich zum reinen Attribut : an den französischen Kirchenportalen der Gotik erscheinen in langen Reihen diejenigen Gestalten des Alten Testamentes, die auf das neue vorbereitet haben. Unter ihnen ist Moses mit einer Säule, um die sich die eherne Schlange ringelt. ..."
Auch bei den Reformatoren spielt die eherne Schlange eine große Rolle. Martin Luther formuliert in einer Passionspredigt von 1521: "Die erene Schlang, die auff dem pfal hengt, ist Christus ans Creutz geschlagen." Er bezieht sich dabei auf Johannes 3,14f: "Und wie Mose in der Wüste eine Schlange erhöht hat, also muß des Menschen Sohn erhöht werden, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben." bzw. als Vergleichsstelle 4 Mose 21,8: "Da sprach der Herr zu Mose: Mache dir eine eherne Schlange und richte sie zum Zeichen auf; wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben."
Turner, C.W.: Symbole der Medizin. Ciba-Zeitschrift, Dezember 1934,
auf: http://www.armin-zimmermann.eu/Ramm/Clodius/Clodius_Wappen.html#Philipp_Melanchthon
"Denn wie jenes (das Gesetz) nur leblose Schatten gewisser Tugenden unklar abzeichnete, so stellt uns dieses (das Evangelium) das höchst lebendige Vorbild des Lebens, Christus, vor und durch den Anblick seines so gnadenvollen Antlitzes wird es jede Bewegung des Geistes durch seinen Glanz aufhellen. Und was denn anderes bedeutete jene für uns in der Wüste erhöhte Schlange, als dass wir mit festem Blick gläubig (fromm) zu Christus aufschauen" - so Melanchthon in einer Vorrede aus dem Jahre 1521 zur Ausgabe des Römerbriefs (MBW 142, T 1, 142f).
http://www.evang-kirche-eysoelden.de/pr100925.htm
... Wenn das Gift einmal da ist, das Denken besetzt und mutlos macht, das Gift, das überall einsickert und sich festsetzt, das Gift, das einen lähmt und leblos macht, dann ist das keine Lösung: “dass er die Schlangen von uns nehme.”
Dem Alkoholiker, der dabei ist, sich zu Tode zu trinken, kann man nicht sagen: ‘Hör doch auf zu trinken.’ Dem Depressiven, der seinen Lebensmut verloren und das Gift der Schwermut in sich aufgenommen hat, kann man nicht sagen: ‘Sei doch wieder fröhlich.’ Dem Volk Israel in der Wüste, das sich destruktiver Schwermut hingibt, ist nicht geholfen, wenn sein Bitte erfüllt wird, ”dass er die Schlangen von uns nehme.” (...)
In der Geschichte von Mose und der Schlange geht es um Leben und Tod. Wie überlebe ich den Biss der Schlange? Wie stehe ich eine Krise durch, die mich schleichend vergiftet und in Schwermut stürzt? Nach dieser Geschichte nicht durch positives Denken, das derzeit so im Schwange ist, sondern durch das Anschauen dessen, was mich quält und mir zu schaffen macht.
Eine Weisheit, die heute nicht mehr gefragt ist. Die aber dennoch wahr ist. Die Verheißung Gottes gilt auch heute noch: “Wer gebissen ist und schaut die Schlange an, der soll leben.”
Pastor Dr. Christoph Schroeder, Predigt über 4. Mose 21,4-9, 02.04.2006 in der Auferstehungskirche Großhansdorf.
www.predigtpreis.de
Symeon der Neue Theologe (949-1022) ist einer der größten Mystiker der orthodoxen Kirche. Er stammt aus einem vornehmen Geschlecht und hätte Karriere machen können am kaiserlichen Hof. Er wählt das Kloster Studios im Süden von Konstantinopel. Mit 20 Jahren hat er eine intensive Lichtvision, die sein Leben verändert. Überwältigendes Staunen steht am Anfang seines inneren Weges. Er erfährt Gott als Licht, nah und unfassbar. Es ist, wie wenn die Sonne, die wir alle sehen, in unser Herz herunterkommt. Staunend fragt Symeon: »Wie sollte er bei dieser Schau nicht außer sich und überwältigt sein vom Staunen, wie sollte er den nicht lieben, der ihm das Leben gibt?« Dieses Umflutetsein vom Licht führt ihn zu einer persönlichen Gottesbeziehung, zur Gottesliebe, die überall spürbar wird. Symeon hält an dieser Hoffnung fest, obwohl er auch viel Schweres erlebt, Ablehnung, Rivalität und Neid. Er lässt sich trotz Kritik nicht beirren und er traut allen Menschen eine intensive Gotteserfahrung zu, die verwandeln kann. Bei ihm taucht die Spannung zwischen Amt und Charisma auf, weil er alle Menschen ermächtigt, Gott in sich zu entdecken. Er konkretisiert damit, was seit Athanasios von Alexandria (298-373) in der griechischen Theologie aufscheint: »Gott wurde Mensch, damit der Mensch Gott werde.«
Aus: Pierre Stutz, geborgen und frei. Mystik als Lebensstil. Kösel Verlag, München 2008.
Nächstdem, sprach ich, vergleiche dir unsere Natur in bezug auf Bildung und Unbildung folgendem Zustande. Sieh nämlich Menschen wie in einer unterirdischen, höhlenartigen Wohnung, die einen gegen das Licht geöffneten Zugang längs der ganzen Höhle hat. In dieser seien sie von Kindheit an gefesselt an Hals und Schenkeln, so daß sie auf demselben Fleck bleiben und auch nur nach vorne hin sehen, den Kopf aber herumzudrehen der Fessel wegen nicht vermögend sind. Licht aber haben sie von einem Feuer, welches von oben und von ferne her hinter ihnen brennt. Zwischen dem Feuer und den Gefangenen geht obenher ein Weg, längs diesem sieh eine Mauer aufgeführt wie die Schranken, welche die Gaukler vor den Zuschauern sich erbauen, über welche herüber sie ihre Kunststücke zeigen. - Ich sehe, sagte er. - Sieh nun längs dieser Mauer Menschen allerlei Geräte tragen, die über die Mauer herüberragen, und Bildsäulen und andere steinerne und hölzerne Bilder und von allerlei Arbeit; einige, wie natürlich, reden dabei, andere schweigen. - Ein gar wunderliches Bild, sprach er, stellst du dar und wunderliche Gefangene. - Uns ganz ähnliche, entgegnete ich. Denn zuerst, meinst du wohl, daß dergleichen Menschen von sich selbst und voneinander je etwas anderes gesehen haben als die Schatten, welche das Feuer auf die ihnen gegenüberstehende Wand der Höhle wirft? - Wie sollten sie, sprach er, wenn sie gezwungen sind, zeitlebens den Kopf unbeweglich zu halten! - Und von dem Vorübergetragenen nicht eben dieses? - Was sonst? - Wenn sie nun miteinander reden könnten, glaubst du nicht, daß sie auch pflegen würden, dieses Vorhandene zu benennen, was sie sähen? - Notwendig. - Und wie, wenn ihr Kerker auch einen Widerhall hätte von drüben her, meinst du, wenn einer von den Vorübergehenden spräche, sie würden denken, etwas anderes rede als der eben vorübergehende Schatten? - Nein, beim Zeus, sagte er. - Auf keine Weise also können diese irgend etwas anderes für das Wahre halten als die Schatten jener Kunstwerke? - Ganz unmöglich. - Nun betrachte auch, sprach ich, die Lösung und Heilung von ihren Banden und ihrem Unverstande, wie es damit natürlich stehen würde, wenn ihnen folgendes begegnete. Wenn einer entfesselt wäre und gezwungen würde, sogleich aufzustehen, den Hals herumzudrehen, zu gehen und gegen das Licht zu sehn, und, indem er das täte, immer Schmerzen hätte und wegen des flimmernden Glanzes nicht recht vermöchte, jene Dinge zu erkennen, wovon er vorher die Schatten sah: was, meinst du wohl, würde er sagen, wenn ihm einer versicherte, damals habe er lauter Nichtiges gesehen, jetzt aber, dem Seienden näher und zu dem mehr Seienden gewendet, sähe er richtiger, und, ihm jedes Vorübergehende zeigend, ihn fragte und zu antworten zwänge, was es sei? Meinst du nicht, er werde ganz verwirrt sein und glauben, was er damals gesehen, sei doch wirklicher als was ihm jetzt gezeigt werde? - Bei weitem, antwortete er. -
Und wenn man ihn gar in das Licht selbst zu sehen nötigte, würden ihm wohl die Augen schmerzen, und er würde fliehen und zu jenem zurückkehren, was er anzusehen imstande ist, fest überzeugt, dies sei in der Tat deutlicher als das zuletzt Gezeigte? - Allerdings. - Und, sprach ich, wenn ihn einer mit Gewalt von dort durch den unwegsamen und steilen Aufgang schleppte und nicht losließe, bis er ihn an das Licht der Sonne gebracht hätte, wird er nicht viel Schmerzen haben und sich gar ungern schleppen lassen? Und wenn er nun an das Licht kommt und die Augen voll Strahlen hat, wird er nicht das Geringste sehen können von dem, was ihm nun für das Wahre gegeben wird. - Freilich nicht, sagte er, wenigstens nicht sogleich. - Gewöhnung also, meine ich, wird er nötig haben, um das Obere zu sehen. Und zuerst würde er Schatten am leichtesten erkennen, hernach die Bilder der Menschen und der andern Dinge im Wasser, und dann erst sie selbst. Und hierauf würde er was am Himmel ist und den Himmel selbst leichter bei Nacht betrachten und in das Mond- und Sternenlicht sehen als bei Tage in die Sonne und in ihr Licht. - Wie sollte er nicht! - Zuletzt aber, denke ich, wird er auch die Sonne selbst, nicht Bilder von ihr im Wasser oder anderwärts, sondern sie als sie selbst an ihrer eigenen Stelle anzusehen und zu betrachten imstande sein. - Notwendig, sagte er. - Und dann wird er schon herausbringen von ihr, daß sie es ist, die alle Zeiten und Jahre schafft und alles ordnet in dem sichtbaren Raume und auch von dem, was sie dort sahen, gewissermaßen die Ursache ist. - Offenbar, sagte er, würde er nach jenem auch hierzu kommen. - Und wie, wenn er nun seiner ersten Wohnung gedenkt und der dortigen Weisheit und der damaligen Mitgefangenen, meinst du nicht, er werde sich selbst glücklich preisen über die Veränderung, jene aber beklagen? - Ganz gewiß. - Und wenn sie dort unter sich Ehre, Lob und Belohnungen für den bestimmt hatten, der das Vorüberziehende am schärfsten sah und am besten behielt, was zuerst zu kommen pflegte und was zuletzt und was zugleich, und daher also am besten vorhersagen konnte, was nun erscheinen werde: glaubst du, es werde ihn danach noch groß verlangen und er werde die bei jenen Geehrten und Machthabenden beneiden? Oder wird ihm das Homerische begegnen und er viel lieber wollen und lieber alles über sich ergehen lassen, als wieder solche Vorstellungen zu haben wie dort und so zu leben? - So, sagte er, denke ich, wird er sich alles eher gefallen lassen, als so zu leben. - Auch das bedenke noch, sprach ich. Wenn ein solcher nun wieder hinunterstiege und sich auf denselben Schemel setzte: würden ihm die Augen nicht ganz voll Dunkelheit sein, da er so plötzlich von der Sonne herkommt? - Ganz gewiß. - Und wenn er wieder in der Begutachtung jener Schatten wetteifern sollte mit denen, die immer dort gefangen gewesen, während es ihm noch vor den Augen flimmert, ehe er sie wieder dazu einrichtet, und das möchte keine kleine Zeit seines Aufenthalts dauern, würde man ihn nicht auslachen und von ihm sagen, er sei mit verdorbenen Augen von oben zurückgekommen und es lohne nicht, daß man auch nur versuche hinaufzukommen; sondern man müsse jeden, der sie lösen und hinaufbringen wollte, wenn man seiner nur habhaft werden und ihn umbringen könnte, auch wirklich umbringen? - So sprächen sie ganz gewiß, sagte er.
Dieses ganze Bild nun, sagte ich, lieber Glaukon, mußt du mit dem früher Gesagten verbinden, die durch das Gesicht uns erscheinende Region der Wohnung im Gefängnisse gleichsetzen und den Schein von dem Feuer darin der Kraft der Sonne; und wenn du nun das Hinaufsteigen und die Beschauung der oberen Dinge setzt als den Aufschwung der Seele in die Region der Erkenntnis, so wird dir nicht entgehen, was mein Glaube ist, da du doch dieses zu wissen begehrst. Gott mag wissen, ob er richtig ist; was ich wenigstens sehe, das sehe ich so, daß zuletzt unter allem Erkennbaren und nur mit Mühe die Idee des Guten erblickt wird, wenn man sie aber erblickt hat, sie auch gleich dafür anerkannt wird, daß sie für alle die Ursache alles Richtigen und Schönen ist, im Sichtbaren das Licht und die Sonne, von der dieses abhängt, erzeugend, im Erkennbaren aber sie allein als Herrscherin Wahrheit und Vernunft hervorbringend, und daß also diese sehen muß, wer vernünftig handeln will, es sei nun in eigenen oder in öffentlichen Angelegenheiten. - Auch ich, sprach er, teile die Meinung so gut ich eben kann. - Komm denn, sprach ich, teile auch diese mit mir und wundere dich nicht, wenn diejenigen, die bis hierher gekommen sind, nicht Lust haben, menschliche Dinge zu betreiben, sondern ihre Seelen immer nach dem Aufenthalt oben trachten; denn so ist es ja natürlich, wenn sich dies nach dem vorher aufgestellten Bilde verhält. – Natürlich freilich, sagte er. - Und wie? Kommt dir das wunderbar vor, fuhr ich fort, daß, von göttlichen Anschauungen unter das menschliche Elend versetzt, einer sich übel gebärdet und gar lächerlich erscheint, wenn er, solange er noch trübe sieht und ehe er sich an die dortige Finsternis hinreichend gewöhnt hat, schon genötigt wird, vor Gericht oder anderwärts zu streiten über die Schatten des Gerechten oder die Bilder, zu denen sie gehören, und dieses auszufechten, wie es sich die etwa vorstellen, welche die Gerechtigkeit selbst niemals gesehen haben? - Nicht im mindesten zu verwundern! sagte er. - Sondern, wenn einer Vernunft hätte, fuhr ich fort, so würde er bedenken, daß durch zweierlei und auf zwiefache Weise das Gesicht gestört sein kann, wenn man aus dem Licht in die Dunkelheit versetzt wird, und wenn aus der Dunkelheit in das Licht. Und ebenso, würde er denken, gehe es auch mit der Seele, und würde, wenn er eine verwirrt findet und unfähig zu sehen, nicht unüberlegt lachen, sondern erst zusehen, ob sie wohl von einem lichtvolleren Leben herkommend aus Ungewohnheit verfinstert ist oder ob sie, aus größerem Unverstande ins Hellere gekommen, durch die Fülle des Glanzes geblendet wird; und so würde er dann die eine wegen ihres Zustandes und ihrer Lebensweise glücklich preisen, die andere aber bedauern; oder, wenn er über diese lachen wollte, wäre sein Lachen nicht so lächerlich als das über die, welche von oben her aus dem Licht kommt. - Sehr richtig gesprochen, sagte er. -
Platon Politeia (Übersetzer: Friedrich Schleiermacher) Siebentes Buch.
gutenberg.spiegel.de

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.