Lesung aus dem ersten Buch der Könige.
In jenen Tagen
machte sich der Prophet Elíja auf
und ging nach Sarépta.
Als er an das Stadttor kam,
traf er dort eine Witwe, die Holz auflas.
Er bat sie:
Bring mir in einem Gefäß ein wenig Wasser zum Trinken!
Als sie wegging, um es zu holen,
rief er ihr nach:
Bring mir auch einen Bissen Brot mit!
Doch sie sagte:
So wahr der Herr, dein Gott, lebt:
Ich habe nichts mehr vorrätig
als eine Handvoll Mehl im Topf
und ein wenig Öl im Krug.
Ich lese hier ein paar Stücke Holz auf
und gehe dann heim,
um für mich und meinen Sohn etwas zuzubereiten.
Das wollen wir noch essen und dann sterben.
Elíja entgegnete ihr: Fürchte dich nicht!
Geh heim und tu, was du gesagt hast!
Nur mache zuerst für mich ein kleines Gebäck
und bring es zu mir heraus!
Danach kannst du für dich und deinen Sohn etwas zubereiten;
denn so spricht der Herr, der Gott Israels:
Der Mehltopf wird nicht leer werden
und der Ölkrug nicht versiegen
bis zu dem Tag,
an dem der Herr wieder Regen auf den Erdboden sendet.
Sie ging
und tat, was Elíja gesagt hatte.
So hatte sie mit ihm und ihrem Haus viele Tage zu essen.
Der Mehltopf wurde nicht leer
und der Ölkrug versiegte nicht,
wie der Herr durch Elíja versprochen hatte.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem ersten Buch der Könige.
In jenen Tagen
sprach Elija aus Tischbe in Gilead zu Ahab:
So wahr der HERR, der Gott Israels, lebt,
in dessen Dienst ich stehe:
in diesen Jahren sollen weder Tau noch Regen fallen,
es sei denn auf mein Wort hin.
Danach erging das Wort des HERRN an Elija:
Geh weg von hier, wende dich nach Osten
und verbirg dich am Bach Kerit östlich des Jordan!
Aus dem Bach sollst du trinken
und den Raben habe ich befohlen,
dass sie dich dort ernähren.
Elija ging weg und tat, was der HERR befohlen hatte;
er begab sich zum Bach Kerit östlich des Jordan
und ließ sich dort nieder.
Die Raben brachten ihm Brot und Fleisch am Morgen
und ebenso Brot und Fleisch am Abend
und er trank aus dem Bach.
Nach einiger Zeit aber vertrocknete der Bach;
denn es fiel kein Regen im Land.
Da erging das Wort des HERRN an Elija:
Mach dich auf und geh nach Sarepta,
das zu Sidon gehört, und bleib dort!
Ich habe dort einer Witwe befohlen,
dich zu versorgen.
Er machte sich auf und ging nach Sarépta.
Als er an das Stadttor kam,
traf er dort eine Witwe, die Holz auflas.
Er bat sie:
Bring mir in einem Gefäß ein wenig Wasser zum Trinken!
Als sie wegging, um es zu holen,
rief er ihr nach:
Bring mir auch einen Bissen Brot mit!
Doch sie sagte:
So wahr der Herr, dein Gott, lebt:
Ich habe nichts mehr vorrätig
als eine Handvoll Mehl im Topf
und ein wenig Öl im Krug.
Ich lese hier ein paar Stücke Holz auf
und gehe dann heim,
um für mich und meinen Sohn etwas zuzubereiten.
Das wollen wir noch essen und dann sterben.
Elíja entgegnete ihr: Fürchte dich nicht!
Geh heim und tu, was du gesagt hast!
Nur mache zuerst für mich ein kleines Gebäck
und bring es zu mir heraus!
Danach kannst du für dich und deinen Sohn etwas zubereiten;
denn so spricht der Herr, der Gott Israels:
Der Mehltopf wird nicht leer werden
und der Ölkrug nicht versiegen
bis zu dem Tag,
an dem der Herr wieder Regen auf den Erdboden sendet.
Sie ging
und tat, was Elíja gesagt hatte.
So hatte sie mit ihm und ihrem Haus viele Tage zu essen.
Der Mehltopf wurde nicht leer
und der Ölkrug versiegte nicht,
wie der Herr durch Elíja versprochen hatte.
Lesung aus dem Hebräerbrief.
Christus ist nicht
in ein von Menschenhand gemachtes Heiligtum
hineingegangen,
in ein Abbild des wirklichen,
sondern in den Himmel selbst,
um jetzt vor Gottes Angesicht zu erscheinen für uns;
auch nicht, um sich selbst viele Male zu opfern,
wie der Hohepriester
jedes Jahr mit fremdem Blut in das Heiligtum hineingeht;
sonst hätte er viele Male seit der Erschaffung der Welt
leiden müssen.
Jetzt aber ist er am Ende der Zeiten ein einziges Mal erschienen,
um durch sein Opfer die Sünde zu tilgen.
Und wie es dem Menschen bestimmt ist,
ein einziges Mal zu sterben,
worauf dann das Gericht folgt,
so wurde auch Christus ein einziges Mal geopfert,
um die Sünden vieler hinwegzunehmen;
beim zweiten Mal wird er nicht wegen der Sünde erscheinen,
sondern um die zu retten, die ihn erwarten.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Lesung aus dem Hebräerbrief stellt Christus als "Hohenpriester" dar, unterscheidet ihn aber von den "Hohenpriestern" (Plural), die im Jerusalemer Tempel seit alters her Dienst getan haben. Die Typologie gewinnt nach dem Jahre 70 - der römischen Einnahme Jerusalems und der Zerstörung des Templs - an Bedeutung.
Dies wird näher bestimmt:
Christus geht in kein von Menschen errichtetes Heiligtum, sondern erscheint - für uns - vor Gottes Angesicht.
Christus opfert sich selbst, bringt aber keine jährlichen Opfer (Versöhnungstag) dar - und sein Opfer tilgt die Sünde ganz.
Wenn Christus wieder erscheint (und damit ist seine Epiphanie dann auch abgeschlossen und nicht wiederholbar), kommt er nicht wegen der Sünde, sondern um die zu retten, die ihn erwarten.
In diesem Dreiklang wird die Würde Christi einer Gemeinde verkündigt, die noch in den alten Bildern von Tempel, Hohenpriester und Versöhnungstag lebt. Aber in Christus und von Christus her bekommen die Bilder und Erfahrungen einen neuen Inhalt: Christus ist der Hohepriester, er ist vor Gottes Angesicht und es ist sein eigenes Blut, das für uns spricht. Der Hebräerbrief qualifiziert das als "Ende der Zeiten", weiß aber um das "zweite Mal" - und um die Errettung derer, die Christus erwarten. In einem eschatologischen Blick ist der Bann der Sünde "dazwischen" jedoch gebrochen.
Das 9. und das 10. Kapitel des Hebräerbriefes versuchen das Christusgeheimnis von den alttestamentlichen Opferriten her zu erfassen. Am Versöhnungstag betritt der Hohepriester das Zelt Gottes mit dem Blut des Sündopferbockes (vgl. Lev 16,15), um die Sünden des Volkes zu sühnen. Das Zelt Gottes fungiert als Abbild des himmlischen Thronsaales Gottes.
Jesus Christus aber hat den Himmel selbst betreten, um mit seinem eigenen Blut vor dem Angesicht Gottes zu erscheinen. Sein Opfer ist deshalb für alle Zeiten gültig und braucht nicht alljährlich wiederholt werden wie im Tempelkult.
Wenn Christus wiederkommt, erscheint er nicht, um das Opfer zu wiederholen, sondern um alle jene zu errretten, die auf ihn warten.
Hebr 9,24-26:
Den Urchristen fiel es schwer, sich vom prächtigen Tempelkult oder von verschiedenen heidnischen Opferkulten zu lösen. In diese Situation hinein möchte der Brief an die Hebräer nochmals die Bedeutung des Opfertodes Jesu Christi in Erinnerung rufen und auf den "neuen Bund" hinweisen. Dieser neue Bund wurde einmal geschlossen und muss nicht jährlich erneuert werden.
Die Opfer früherer Zeiten sind für die Christen nicht mehr notwendig und gelten als überholt. Sündenvergebung, Taufe und Eucharistie beruhen auf Opfertod und Auferstehung Jesu Christi.
Hebr 9,27:
Der Tod wird für uns Menschen ein Weg ins Leben, in die Rettung und Auferstehung. Die Christen sollen nicht müde werden, Gott treu zu bleiben.
Hebr 9,28:
Die Christen dürfen mit Zuversicht auf das Kommen Gottes warten und damit rechnen. Sie brauchen das Gericht nicht mehr zu fürchten. Heilspraktiken oder sogenannte "pharisäische" Leistungen sind zur Erlangung des Heils nicht notwendig.
Es geht um das Opfer Christi am Kreuz. Es ist ein Opfer, das endgültig ist (vgl Hebr 9,28). Und es ist ein Opfer, das durch ihn nötig ist, weil sonst niemand es tun konnte (vgl Hebr 9,25f).
Es hat eine Gültigkeit aus sich selbst und ist nicht daran gebunden, dass die Glaubenden es annehmen. Wenn dies aber geschieht, so ist es Zukunft für die Glaubenden.
Wenn die Parallelität zum Hohepriester aufgebaut wird, der für die Menschen das Opfer bringt und in ihren Anliegen betet, dann ist Christus der große Fürsprecher für die Gemeinde.
Der Hebräerbrief richtet sich nach gängiger Lesart an die Judenchristen des 1. nachchristlichen Jahrhunderts. Die Bedeutung der vorliegenden Perikope ist nicht ganz einfach zu bestimmen. Sie richtet sich nach der Gesamteinordnung des Textes. Zwei Meinungsströmungen lassen sich in der Exegese ausmachen: Handelt es sich um ein christologisches Lehrstück oder eine pastorale Mahnschrift? Wenn die Autoren des Briefes allein Lehraussagen machen wollten, ist die Beziehung der Leserschaft zweitrangig. Wie sie sich zu den Worten der Perikope stellen, ist dann eher abhängig, welche Autorität die Autoren für die Leserschaft haben. Wird hingegen dem Mahncharakter eine höhere Gewichtung zugemessen, dann will dieses Schreiben Einfluss auf die persönliche Christusbeziehung des Einzelnen nehmen sowie auf die christusbezogene Struktur der Gemeinde.
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit
lehrte Jesus eine große Menschenmenge
und sagte: Nehmt euch in Acht vor den Schriftgelehrten!
Sie gehen gern in langen Gewändern umher,
lieben es, wenn man sie auf den Marktplätzen grüßt,
und sie wollen in der Synagoge die Ehrensitze
und bei jedem Festmahl die Ehrenplätze haben.
Sie fressen die Häuser der Witwen auf
und verrichten in ihrer Scheinheiligkeit lange Gebete.
Umso härter wird das Urteil sein, das sie erwartet.
Als Jesus einmal dem Opferkasten gegenübersaß,
sah er zu, wie die Leute Geld in den Kasten warfen.
Viele Reiche kamen und gaben viel.
Da kam auch eine arme Witwe
und warf zwei kleine Münzen hinein.
Er rief seine Jünger zu sich
und sagte: Amen, ich sage euch:
Diese arme Witwe
hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle andern.
Denn sie alle
haben nur etwas von ihrem Überfluss hineingeworfen;
diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat,
sie hat alles hergegeben, was sie besaß,
ihren ganzen Lebensunterhalt.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Das Evangelium hat in seiner "Langfassung" zwei, allerdings ineinander übergreifende Teile: die Warnung vor den Schriftgelehrten, die die Witwen bedrängen und finanziell ausnehmen - und das Opfer einer armen Witwe, das mehr wiegt als die Gaben, die von den Reichen kommen.
Die - pauschale - Kritik an den Schriftgelehrten dokumentiert im Markus-Evangelium auch den Ablösungsprozess der jungen christlichen Gemeinde von ihrer jüdischen Herkunft. (Weil antijüdische Ressentiments bedient werden könnten, abgesehen von der Stichhaltigkeit der Vorwürfe, sollte im Gottesdienst nur die Kurzfassung vorgetragen werden, zumal auf ihr das kerygmatische Gewicht ruht.) Die Möglichkeit, Schriftgelehrte und Witwe gegeneinander zu profilieren, ist zwar im Evangelium angelegt, aber kontextuell beschränkt und relativiert. Wesentlicher sind die Oppositionen von „arme Witwe“ und "viele Reiche", von "Scherflein" und "etwas vom Überfluss".
Von der literarischen Gattung her ist die Geschichte von dem Opfer der armen Witwe eine Chrie. Kennzeichen der Chrie ist die Erzählung einer einmaligen Begebenheit im Leben eines berühmten Mannes. Chrien erzählen nicht von Wundern, sondern von Überraschungen, ermöglichen Kritik und schenken eine nützliche Belehrung.
Jesus überrascht seine Jünger (Vers 43) mit dem Paradox, dass wenig mehr ist, wenn das wenige alles ist (Vers 44). Das Amen-Wort Jesu (Vers 43b) nimmt das letzte Urteil Gottes vorweg; sein Urteil wird schon in dieser Szene gesprochen.
"Die Witwe vollzieht den wahren Gottesdienst, wie ihn Jesus sich für einen gereinigten Tempel wünscht. Sie bringt sich selbst als Opfer dar. Indem der Evangelist mit der Szene vom Scherflein der Witwe Jesu Wirken in Jerusalem beschließt und mit der Endzeitrede fort fährt, in der die Zerstörung des Jerusalemer Tempels angekündigt wird, eröffnet er bereits den Ausblick auf die Passion Jesu. Er macht deutlich: Diese arme Frau hat mehr verstanden als die gebildeten Lehrer Israels. Was sie in ihrem Opfer tat, wird sich in der Lebenshingabe Jesu vollenden. Sein Lebensopfer wird den Tempel und den Tempelkult endgültig aufheben" (Franz Jung).
Mehr (und zum Teil anders): http://www.perikopen.de/Lesejahr_B/32_iJ_B_Mk12_38-44_Jung.pdf
Mk 12,38:
Eine auf den ersten Blick sehr erstaunliche Äußerung Jesu, gleichsam eine Warnung vor frommen Leuten, deren ganzes Leben auf die Belehrung des Volkes ausgerichtet ist. Einerseits haben sie großen Einfluss auf das Volk, andererseits sind sie aber ein Hindernis für den Glauben des Volkes.
Der Begriff "lange Gewänder" bezeichnet wohl die festlichen Sabbatkleider zur Zeit Jesu - ein faltenreicher Überwurf mit Fäden oder Quasten. Der Rang des Trägers wird hier auch durch die Kleidung sichtbar gemacht (vgl.: Num 15,38; Dtn 22,12). In diese Gewänder hüllten sich die Schriftgelehrten neben dem Gebet auch bei der Rechtsprechung oder beim Lösen von Gelübden.
Offensichtlich grüßten sie auch nicht von sich aus, sondern warteten auf den Gruß des/der jeweils Anderen. In der Synagoge saß das Volk auch oft auf dem Boden, während die Schriftgelehrten auf Bänken oder erhöhten Sitzen saßen - zumeist auch auf "Ehrenplätzen", in der Nähe des Thoraschreines.
Mk 12,40:
Witwen und Waisen standen in Israel unter dem besonderen Schutz des Gesetzes (vgl.: Ex 22,21; Jes 1,7ff; 10,2). Der Witwenstand war rechtlich und religiös sehr stark geschützt und es gehörte zu den selbstverständlichen Dingen des Alltagslebens, Witwen und Waisen beizustehen - zumal die rechtliche Position einer Frau in der damaligen Gesellschaft nicht so abgesichert war wie heute. Immer wieder schärften Propheten dem Volk die Schutzpflicht gegenüber den Witwen ein. Doch offensichtlich ohne große Wirkungen. Unter dem Deckmantel der Frömmigkeit wurde ihre jeweilige Notlage ausgenützt. Darauf bezieht sich auch das drohende Gerichtswort "Aber um so härter wird das Urteil sein, das sie erwartet". Nicht die Ehrenplätze und die Kleidung werden verurteilt, sondern die innere Haltung. (vgl.: Mt 6,5: Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.).
Mk 12,41:
Vor den Schatzkammern des Jerusalemer Tempels standen 13 Opferstöcke. 12 für die Tempelsteuer, Pflichtabgaben, die Opfergaben etc. Der diensthabende Priester nahm das Geld entgegen, fragte nach dem Verwendungszweck, prüfte es und warf es dann in den entsprechenden Opferstock. In den 13. Opferstock warf man die freiwilligen Gaben.
Mit den zwei kleinen Münzen der armen Witwe sind wahrscheinlich zwei "Lepta" gemeint, was etwa dem Lohn eines Tagelöhners entspricht und für den allernotdürftigsten Lebensunterhalt einer vierköpfigen Familie gereicht haben dürfte. Die Frau gibt also alles, was sie an diesem Tag zur Verfügung hatte und hat dabei nicht das Bewusstsein, etwas großes getan zu haben. Im Gegensatz zu denen, die einen Teil des Überflusses abgeben, gibt sie "alles".
Mk 12,43:
Die großen Spender werden von Jesus nicht getadelt. Glaube und Religiosität drückten sich immer schon auch in Geldopfern aus. Wichtig ist jedoch für ihn die innere Einstellung, die Bereitschaft zu teilen, gleichsam die Art, wie mit dem Geld "umgegangen", wie es "verwendet" wird. Reichtum ist als solcher nicht schlecht. Von Bedeutung ist aber, was man daraus macht und wie man ihn verwendet.
Das Evangelium erzählt zwei Begebenheiten, die vermutlich ursprünglich getrennt überliefert worden sind. Es ist zu fragen, ob die Erzählung vom Opfer der Witwe nicht eher eine Lehrgeschichte darstellt und in dieser Form nicht stattgefunden hat. Ähnliche Lehrgeschichten gab es im Judentum, gibt es auch in anderen Religionen. Die Witwe wirft griechische Münzen in den Opferstock, obwohl im Tempelbezirk nur jüdisches Geld erlaubt war. Jesus hätte wohl sehr nahe beim Opferstock sitzen müssen, um den Geldwert zu erkennen...
Im ersten Abschnitt spart Jesus nicht mit Kritik an den Schriftgelehrten. Als religiöse Führer haben sie repräsentative Verpflichtungen und müssen entsprechend auftreten. Die Gefahr, daß das, was sie reden und tun nur mehr Schein ist, ist bei allen Religionsdienern gegeben.
Gleichsam illustriert wird die Kritik Jesu durch die Geschichte von der armen Witwe. Der Stand der Witwen war im Judentum zwar gesetzlich geschützt wie sonst nirgends in der Antike. Dennoch waren sie der Willkür der Männerwelt ausgesetzt. Die Propheten kritisieren die Übergriffe auf die Hilflosen (vgl. Jes 10, 1f). Wie die Propheten achtet Jesus auf die rechte Opferhaltung, die ihm wichtiger ist als die Geldspende selbst.
Das heutige Evangelium ist eine Mahnschrift über Heuchlerei und Ehrlichkeit: Wer meint es ernst mit dem Glauben? Der Evangelist lässt Jesus die Thematik anhand von Gemeindeverantwortlichen verdeutlichen, die viel Gutes reden und weniger Gutes machen, und einer Witwe, die nichts zu sagen hat, aber durch Großzügigkeit auffällt.
Die Frühe Kirche hat das soziale Problem der Witwen - unverschuldete Not durch den Tod des Versorgers - auf eine kluge Weise gelöst. Witwen wurden in der Gemeinde mit einem diakonalen Dienst versehen. Ihre Wichtigkeit war schließlich so groß, dass sie - wie später die Jungfrauen - zu einem eigenen Stand innerhalb der Kirche erhoben wurden. Statt dass sie Not und Elend preisgegeben waren, wurden sie jetzt mit hohem Respekt geehrt.
Das heutige Evangelium enthält in der Langfassung zwei verschiedene Abschnitte, in der Kurzfassung bleibt der erste Abschnitt weg.
Der erste Abschnitt ist die Warnung vor der Falschheit der Schriftgelehrten. Sie sind nicht das, was sie sein sollen. In ihrem Amt halten sie die Synagogengemeinde am Leben, arbeiten aber zugleich an ihrem Untergang. Denn sie höhlen es von innen aus.
Der zweite Abschnitt zeigt am Beispiel der Witwe, wie Glaube eine Sache des Herzens ist. Als Arme und als Witwe ist sie doppelt ausgegrenzt. Gerade sie ist es aber, die zeigt, wie Jesu Botschaft umgesetzt werden kann. Zugleich werden die Jünger auf diese Frau und ihre Größe hingewiesen. Sie sollen lernen, die Menschen mit anderen Augen anzuschauen. Wenn sie es lernen, können sie es auch anwenden und die Größe und Würde aller Menschen erkennen.
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit
als Jesus im Tempel dem Opferkasten gegenübersaß,
sah er zu, wie die Leute Geld in den Kasten warfen.
Viele Reiche kamen und gaben viel.
Da kam auch eine arme Witwe
und warf zwei kleine Münzen hinein.
Er rief seine Jünger zu sich
und sagte: Amen, ich sage euch:
Diese arme Witwe
hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle andern.
Denn sie alle
haben nur etwas von ihrem Überfluss hineingeworfen;
diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat,
sie hat alles hergegeben, was sie besaß,
ihren ganzen Lebensunterhalt.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
In den Schriftlesungen begegnen wir zwei Frauen am Existenzminimum, die ihr Letztes geben, um zu helfen. Jesus stell sie berechnenden Schriftgelehrten gegenüber, die sich nicht auf Gott verlassen, sondern auf ihre Frömmigkeit.
Am 11. November erinnert sich die Kirche an den hl. Martin von Tours. Ihn verbindet mit der Witwe von Sarepta (1. Lesung) und der Witwe im Tempel (Evangelium), dass sie spontan und auf Augenhöhe helfen. Ihr solidarisches Handeln beinhaltet eine politisch subversive Wirkung.
Wie es der Zufall will, liefert uns der heutige Sonntag gleich drei ermutigende Beispiele zum Umgang mit großen Nöten. In der ersten Lesung und im Evangelium begegnen uns zwei Frauen, die teilen, was sie haben. Und das als Frauen, die kaum wissen, wie sie den Tag überstehen sollen. Und auf den heutigen Sonntag fällt auch der Gedenktag des Hl. Martin. Somit heute drei Blitzlichter auf ein Grundthema unseres Lebens: wie geht das mit der Solidarität, was hilft in großer Not?
In der Lesung aus dem Ersten Testament wird geschildert, wie der Prophet Elija Hilfe erfährt. Politisch herrscht in dieser Zeit König Ahab - abgefallen vom Glauben und nun Anhänger des Gottes Baal. Ihm tritt Elija entgegen, verkündet ihm eine große Dürre und Hungersnot als Folge seines Versagens. Die Dürre bricht also nicht einfach herein übers Land, sondern ist Folge von politischen Entscheidungen des Herrschers. Sie ist sozusagen menschengemacht und dagegen kann daher auch angegangen werden, indem man den König damit konfrontiert und er sein Verhalten ändert. Somit handelt Elija auch politisch. Später wird er regelrecht zum Regenmacher werden, als der Konflikt eskaliert im Wettstreit mit den Baalspriestern. Jetzt aber muss er erst einmal Schutz suchen. Gott gibt ihm die Richtung vor: er versteckt sich vor dem Zugriff der Herrschaft, währenddessen die Dürre im Land um sich greift. Schließlich wird ihm von Gott aufgetragen nach Sarepta zu gehen: ein Witwe wird ihn dort versorgen.
Auch sie ist am Ende ihrer Kräfte und sieht eigentlich nur mehr den Tod für sich und ihren Sohn. Sich einmal noch satt essen und dann sterben! Und dann geschieht das Wunder: obwohl sie vom Wenigen, das sie noch hat, Elija etwas gibt, werden ihre Lebensmittel nicht weniger, ja sie erfährt: Es reicht für uns alle! Fürchte Dich nicht, sagt Elija zu ihr. Wer vertraut und die Angst ablegt, selber zu kurz zu kommen, erlebt: wer teilt, schafft mehr für alle. Es ist dies alltägliche Solidarität im Kleinen, das Mehl im Topf, das Öl im Krug. Wenn wir zusammenlegen, steigen wir alle besser aus.
Eingespannt ist diese kleine Schilderung aber in den politischen Rahmen: wenn die Politik versagt, und durch ihr Handeln Unheil produziert - dann müssen sich die Menschen anders organisieren, müssen teilen was sie haben, und sozusagen im Untergrund bereits jetzt eine andere Praxis leben. So überleben alle drei Beteiligten: die Witwe, ihr Sohn und Elija.
Wir kennen aus der Geschichte solche Beispiele: in politisch harten Zeiten ist es eine Möglichkeit solidarisch zu handeln, an das Sakrament des geteilten Brotes zu glauben. Die andere Möglichkeit wäre es, zuzumachen, das Wenige zurückzubehalten und letztendlich doch daran zugrunde zugehen. Aber wenn das Vertrauen geschenkt wird, dass in größter Not doch mehr möglich ist im Miteinander, dann geschieht ein Wunder.
Eine herzliche Einladung, einmal die gegenwärtige politische Debatte in Österreich daraufhin abzuklopfen: wer handelt in der Logik der Witwe, wer plädiert eher dafür, den Elija draußen vor die Hunde gehen zu lassen (mit vernünftigen Argumenten!).
Ebenso die zweite Frau, von der Jesus heute erzählt: er hat sie beobachtet im Tempel. Die vornehmen und noblen Männer, die, die wissen, wie es geht, die als gelehrt und belesen gelten: sie wissen um ihren Vorrang, und doch: sie stehlen den armen Witwen das Wenige, das sie noch haben, bringen sie am Ende auch noch um ihre Häuser.
Aber Jesus hat auch ein Auge für die am anderen Ende der gesellschaftlichen Skala: die arme Witwe, die fast nichts mehr hat, sie gibt auch das noch her. Und sie gibt damit unendlich mehr als die Reichen. Sie teilt wirklich. Nicht weil sie muss oder damit rechnet, dass das anerkennend beobachtet wird (wer wirft den größeren Geldschein rein, wer praktiziert mehr Charity im Lichte der Öffentlichkeit?). Nein, sie gibt, weil sie diese Haltung einfach lebt und wohl weiß, was das Leben und Überleben ermöglicht: das Teilen. Sie ist trotz der zeitlichen Distanz zur Witwe von Sarepta in einer ähnlichen gesellschaftlichen Situation: am Rande, ohne Versorgung durch die Familie. Doch auch sie wagt und gibt.
Und wenn sie es selbst vielleicht gar nicht so einschätzt: sie ist damit viel näher am Reich Gottes als alle, die augenscheinlich alles richtig machen. Ihre Gabe kommt vom Herzen, nicht vom Sollen oder Müssen
Und als drittes Blitzlicht die Geschichte vom Heiligen Martin. In unseren Köpfen haben wir wohl das Bild: Martin am Pferd hoch oben, unten der Bettler, den friert. Spannend ist dabei: die ersten bildlichen Darstellungen (erhalten im Fuldaer Sakramentar ca. aus 975 als Übertragung der Darstellung aus der zerstörten Grabeskirche des Hl. Martin in Tours; siehe "Kontexte") des hl. Martin haben kein Pferd im Bild. Martin begegnet dem Menschen in Not auf Augenhöhe - er beugt sich nicht hinab vom kriegerischen Symbol des hohen Rosses, sondern steht dem frierenden Mann gegenüber: Auge in Auge. Und er teilt den Mantel - man könnte auch sagen: er vergreift sich am Staatseigentum, denn der Mantel ist ihm gegeben von der Herrschaft. Er ist Soldat und wird versorgt vom Staat. Aber jetzt, hier in dieser kurzen Begegnung reagiert er menschlich und hellsichtig: helfen tut jetzt nur etwas Wärmendes, und somit nützt er das staatliche Eigentum zur Linderung der Not seines Gegenübers.
So wird diese Legende brisanter und lädt ein, das ins Heute zu übersetzen: wo müssen wir an die staatliche Ressourcen gehen, wo ist die Not, die uns begegnet und wie schaffen wir uns selber Spielräume auch selber zu entscheiden, was wir tun können? Und: wie stellen wir beim Helfen Augenhöhe her?
Allen beschriebenen Menschen gemeinsam ist: sie helfen ganz direkt, sie teilen, was sie haben, sie zaudern nicht lange - sie tun es freiwillig, im Vertrauen, dass das jetzt das Richtige ist. Sie wägen nicht ab und schütteln voller Bedenken die Köpfe.
Und doch: auch wenn sie individuell helfen - gleichzeitig setzen sie damit auch ein Zeichen gegen die herrschenden Verhältnisse. Einmal wird ein Prophet im offenen Konflikt mit dem König unterstützt; dann beschämt die Gabe der Witwe am Tempeleingang das religiöse und gesellschaftliche Establishment und macht in einem kleinen Zeichen deutlich worum es wirklich geht. Und schließlich der Soldat des römischen Reiches: am Boden stehend nimmt er Kontakt auf mit dem bettelnden Mann, er teilt und nimmt in Kauf, das er evtl. auch Konsequenzen zu erleiden hat, weil er sich am Staatseigentum vergreift und aus seiner soldatischen Rolle fällt.
Verknöcherte ungerechte politische und religiöse Systeme werden nicht einfach gestürzt durch solche kleinen subversiven Zeichen und Handlungen: aber auf Dauer und wenn viele Menschen „unten“ so zu handeln beginnen, dann beginnen auch scheinbar mächtige Systeme zu wanken. Es braucht weiterhin solche Leute die etwas riskieren, die vertrauen, die damit gleichzeitig widerständig sind gegen den jeweiligen Ungeist der Zeit. Sie arbeiten bereits hier und jetzt mit am Reich Gottes. Es gibt sie auch heute, und wir können ein Teil dieser Bewegung sein. Das hilft in Zeiten der Dürre und Not.
© DSA Mag. Wilfried Scheidl, Leiter RegionalCaritas Linz
Jesus kritisiert die nicht aufrichtige Frömmigkeit der Schriftgelehrten als Vorbilder seiner Zeit und stellt ihnen das Verhalten einer Witwe gegenüber. Er möchte seine Zuhörer damit herausfordern, in ihrer Einstellung die Witwe nachzuahmen.
Das Verhalten der Witwe als Beispiel des rechten Gebens zu deuten, greift zu kurz. Wir werden unserer Verantwortung für die Armen der Gesellschaft erst gerecht, wenn wir von einer Haltung des Gebens vom Überfluss zu einer Haltung des Teilens und Sorgens für alle kommen.
Das Evangelium führt die Eitelkeit der Großen und Mächtigen in einer Pharisäerschelte vor und stellt ihr als Kontrast die arme Witwe gegenüber, die aus einer ganz anderen Geisteshaltung heraus lebt. Gott misst mit anderen Maßstäben.
Die Pharisäer, die Jesus hart anfasst und die Witwe, die ihre letzten Groschen opfert verkörpern zwei gegensätzliche Geisteshaltungen und unterschiedliche Arten von Gottesbeziehung.
Allmächtiger und barmherziger Gott,
wir sind dein Eigentum,
du hast uns in deine Hand geschrieben.
Halte von uns fern, was uns gefährdet,
und nimm weg, was uns an Seele und Leib bedrückt,
damit wir freien Herzens deinen Willen tun.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 32 Sonntag im Jahreskreis
Gott, unser Vater,
nimm unsere Opfergaben gnädig an
und gib, dass wir mit gläubigem Herzen
das Leidensgeheimnis deines Sohnes feiern,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 32. Sonntag im Jahreskreis
MB Mittwoch in der Karwoche
Kehrvers:
Dir sei Lob und Dank und Ehre!
Oder: Danket dem Herrn, er hat uns erhöht; Großes hat er an uns getan. (GL 404)
Guter Gott,
in dieser heiligen Feier möchten wir Dir danken
für all die Liebe, die du uns tagtäglich entgegenbringst.
Wir danken dir, dass Jesus Christus auf die Not der Menschen geachtet hat,
sich erniedrigt hat und Mensch geworden ist.
Kehrvers
Er hat sich der Armen und Schwachen angenommen
und sie aus ihrer Niedrigkeit erhöht.
Er hat uns die Fülle seines Lebens geschenkt.
Ein Leben, das sich nie erschöpft.
Kehrvers
Ihm vertrauen wir, wenn er einmal wiederkommt,
um die Welt zu richten.
Denn er sieht nicht auf äußeren Glanz,
sondern auf die Aufrichtigkeit des Herzens.
Kehrvers
Er rettet alle, die sich ganz auf dich verlassen
und dich mit ganzem Herzen suchen.
Darum loben und preisen wir dich mit der ganzen Kirche,
mit allen Engeln und Heiligen:
Danklied, z. B. GL 395: Den Herren will ich loben
Wir danken dir, treuer und barmherziger Vater,
für Jesus, deinen Sohn unseren Herrn und Bruder.
Seine Liebe galt den Armen und Kranken,
den Ausgestoßenen und Sündern.
An keiner Not ging er vorüber.
Sein Leben und seine Botschaft lehren uns,
daß du ein Gott bist, der sich der Menschen annimmt
wie ein Vater sich um seine Kinder sorgt.
Darum loben und preisen wir dich,
wir rühmen deine Güte und Treue
und verkünden mit allen Engeln und Heiligen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 3
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn wir erkennen deine Herrlichkeit in dem,
was du an uns getan hast:
Du bist uns mit der Macht deiner Gottheit
zu Hilfe gekommen und
hast uns durch deinen menschgewordenen Sohn
Rettung und Heil gebracht
aus unserer menschlichen Sterblichkeit.
So kam uns aus unserer Vergänglichkeit
das unvergängliche Leben
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir jetzt und in Ewigkeit
dein Erbarmen und singen mit den
Chören der Engel das Lob
deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 3
Wenn wir beten, kann es mechanisch werden oder lebendig.
Wo sind wir, wenn wir nun beten:
Vater unser...
Einleitung zum Friedensgebet:
Als Jesus nach Ostern seinen Jüngern Frieden sagte,
geschah das aus ganzem Herzen.
Es waren die Jünger, die es erst verstehen lernen mussten.
Herr Jesus Christus,
auch wir wollen verstehen
und hoffen auf deine Liebe,
wenn wir bitten:
Schaue nicht auf unsere Sünden...
Wir danken dir, gütiger Gott,
für die heilige Gabe,
in der wir die Kraft von oben empfangen.
Erhalte uns in deinem Geist
und lass uns dir stets aufrichtig dienen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 32. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger Gott, nimm von mir allen eitlen Sinn, alles Streben nach Lob, allen Neid, alles Begehren, jede Unersättlichkeit, Trägheit und Wollust, alle Neigung zum Zorn, alle Rachsucht, alle Schadenfreude, alle Lust daran, andere zum Zorn und Ärger zu reizen, alle Lust daran, andere in Bedrängnis und Not zu tadeln und zu verletzen.
So gib mir, guter Gott, einen demütigen, bescheidenen, ruhigen, friedlichen, geduldigen, barmherzigen, gütigen, zarten und zu Mitleid fähigen Sinn, kurz, alle Schattierungen der Nächstenliebe - in allen meinen Worten, in allen meinen Werken, in allen meinen Gedanken, als Vorgeschmack deines heiligen, gesegneten Geistes.
Thomas Morus in: Erhelle meine Nacht. Die 100 schönsten Gebete der Menschheit. Hg. von Benrhard Lang, C.H.Beck Verlag, München 2004.
Trösten geschieht vor allem im Reden, im Zusprechen von Worten, die wieder eine Sinn stiften in der Sinnlosigkeit, den jeder Verlust erst einmal verursacht. Aber die Worte dürfen kein bloßes Vertrösten sein. Denn das Vertrösten geht am Menschen vorbei. Ich sage irgend etwas, von dem ich selbst nicht überzeugt bin. Ich nehme Worte in den Mund, die keinen Halt geben und keinen Sinn stiften.
Trösten aber heißt, zum anderen hin sprechen, Worte sagen, die ihn erreichen, die ihm ganz persönlich gelten, die zu seinem Herzen vordringen. Trösten heißt, Worte finden von Herz zu Herz, Worte, die aus dem Herzen kommen und nicht auf irgendwelche leeren Floskeln zurückgreifen, Worte, die das Herz des anderen berühren, die ihm einen neuen Horizont eröffnen und ihm einen festen Stand ermöglichen.
Aus: Anselm Grün: Das kleine Buch vom wahren Glück, Herder Verlag, Freiburg /Brsg. Sonderausgabe 2007.

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In der heutigen Lesung wird die Begegnung Elijas mit der Witwe von Sarepta beschrieben.
Nicht zum Lesungstext gehört 1 Kön 17,9 mit dem Wort Gottes an Elija: "Mach dich auf und geh nach Sarepta, das zu Sidon gehört, und bleib dort! Ich habe dort einer Witwe befohlen, dich zu versorgen." Somit ist es nicht ein zufälliges Treffen, sondern ein gewollter Besuch eines Propheten bei der Witwe. Sie sollte unter der von Gott als Strafe verhängten Dürre (siehe 1 Kön 17,1) nicht leiden.
In dem Gebäck für den Fremden zeigt sie ihre Verwurzelung in der religiösen Tradition: Ein Fremder soll Hilfe finden. Gleichzeitig ist diese individuelle Hilfe für Mutter und Sohn ein Zeichen, dass Gott die Generation dieser Zeit nicht mehr in Kontakt zu ihm sieht. Nur ein "heiliger Rest" glaubt noch und lebt diesen Glauben.
Die Verbindung zum Beispiel des Glaubens wird in Lk 4,26 deutlich, wenn Jesus sie in der Predigt in seiner Heimat zitiert. Der Glaube der Frau hat Gott handeln lassen.
Die erste Lesung ist einem Kreis von Erzählungen entnommen, der sich um den Propheten Elija rankt. Der Verfasser stellte die vorgefundene Geschichte, die ursprünglich einfach die Überlegenheit des Jahweh-Propheten demonstriert hat, in einen größeren Zusammenhang und verlieh ihr damit zusätzliche theologische Akzente.
Elija hat im Auftrag Jahwehs dem Volk Israel und den umliegenden Stadtstaaten eine Dürreperiode angekündigt. Nach drei Jahren erst wird diese Katastrophe mit einem Gottesurteil auf dem Berge Karmel enden. Dort kommt es zur großen Auseinandersetzung der jahwehgläubigen Prophetenschule des Elija mit dem Baalskult, der Fruchtbarkeitsreligion der kanaanäischen Städte. In diese Geschichte eingeflochten hat der Verfasser zwei Erzählungen von einer Witwe in Sarepta und deren Sohn.
Elija verläßt das Land Israel und geht auf das Wort des Herrn hin nach Sarepta, also mitten in das Land seiner Gegner, mitten ins Land der Baalsreligion. Unter den Ungläubigen wirkt Gott das Wunder der Errettung einer Witwe und ihrem Sohn. Im Gegensatz zum Volk Israel und seinem Königshaus glaubt die heidnische Frau an Jahwe.
1 Kön 17,10:
Der Prophet Elija handelte im Auftrag Gottes und begab sich nach Sarepta, einer Stadt, etwa 13 Kilometer südwestlich von Sidon, an der Straße nach Tyrus. Heute heißt der Ort Sarafant. Nachdem Elija während einer vorangegangenen Hungersnot durch einen von Gott gesandten Raben am Leben erhalten worden war, soll er jetzt von einer armen Witwe versorgt werden.
1 Kön 17,11-12:
Durstigen etwas zum Trinken zu geben, gehörte im Alten Orient zu den ersten Pflichten der Gastfreundschaft. Was zum Essen anzubieten ist gleichsam die zweite Pflicht. Die Witwe ist durchaus bereit zu helfen. Mit der Frage nach etwas Brot und der Unmöglichkeit diese Bitte auszuschlagen, schlittert sie aber in eine absolut existentielle Notsituation. Sie ist bereit ihre letzte Mahlzeit zuzubereiten und auch zu teilen, dann aber müssen sie und ihr Sohn verhungern.
1 Kön 17,13:
Elija spricht ihr vorerst Mut zu und verstärkt dann seine Bitte nach Brot – angesichts der Situation der Witwe eine genaugenommen unverschämte Forderung. Aufgrund der folgenden Verheißung glaubt sie ihm aber und bringt ihm Wasser und Brot.
1 Kön 17,15:
JHWH erhält die Menschen am Leben. Er ist ein Gott der Lebenden. Die Witwe glaubt und ohne berechnend zu sein, übt sie – im Vertrauen auf Gott – die Gastfreundschaft aus.
In dieser Erzählung begegnen sich eine Witwe und der Prophet Elija. Der Name der Frau ist nicht überliefert, erzählt wird aber, dass sie allein für sich und ihren Sohn sorgen muss. Als Witwe hat sie keine rechtlich gesicherte Stellung. Sie will den letzten Rest ihrer Vorräte verbrauchen und ist dann bereit, mit ihrem Sohn zu sterben. Indem sie mit dem Propheten aber teilt, werden Mehltopf und Ölkrug nicht leer. Bedrückende existentielle Erfahrung und Gottes schöpferische Kraft werden in dieser Erzählung verbunden.
Die Unterredung einerseits ("so wahr der Herr, dein Gott, lebt"), die Weisung andererseits ("denn so spricht der Herr...") drehen sich um Jahwe, den Gott Israels, der als Schöpfer der Welt Leben gewährt. In dieser Elija-Geschichte wird das auch für Sarepta bezeugt, einem Ort außerhalb Israels (und des Volkes Gottes).
Besonders in den Psalmen wird Gott angerufen als Freund und Helfer der Witwen und Waisen.
Psalm 146 z.B. liest sich wie eine hymnische Fassung der Elija-Geschichte.
Im 17. Kapitel des 2. Buches der Könige sendet Gott den Propheten Elija zum grausamen König Ahab, um ihn zur Vernunft zu bringen. Kein einfaches Unterfangen, und so wendet sich der Prophet zunächst einmal an die Menschen, die er trifft. Da geht es in der Lesung um die Witwe von Sarepta, einer Küstenstadt im heutigen Südlibanon. Es gelingt dem Propheten, die Witwe aus ihrem Elend zu reißen.
In der Antike waren Witwen ohne männliche Versorger im Umfeld nahezu todgeweiht: Sie hatten niemanden, der sie versorgen konnte. Besonders dramatisch wird diese Situation in der vorliegenden Perikope gezeichnet: Die Witwe hätte ja wohl noch einen Sohn, der aber nicht in der Lage ist, für sie sorgen. Vielmehr liegt es an ihr, für den Sohn aufzukommen. Und somit sind beide, obwohl sie mitten im Leben stehen, dem Untergang geweiht. In dieser Situation tritt nun Elija auf und rettet.