Lesung aus dem ersten Buch Samuel.
In jenen Tagen sprach der HERR zu Samuel:
Wie lange willst du noch um Saul trauern?
Ich habe ihn doch verworfen;
er soll nicht mehr als König über Israel herrschen.
Fülle dein Horn mit Öl
und mach dich auf den Weg!
Ich schicke dich zu dem Betlehemiter Isai;
denn ich habe mir einen von seinen Söhnen
als König ausersehen.
Als Samuel den Eliab sah,
dachte er: Gewiss steht nun vor dem HERRN sein Gesalbter.
Der HERR aber sagte zu Samuel:
Sieh nicht auf sein Aussehen und seine stattliche Gestalt,
denn ich habe ihn verworfen;
Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht.
Der Mensch sieht, was vor den Augen ist,
der HERR aber sieht das Herz.
So ließ Isai sieben seiner Söhne vor Samuel treten,
aber Samuel sagte zu Isai: Diese hat der HERR nicht erwählt.
Und er fragte Isai: Sind das alle jungen Männer?
Er antwortete: Der jüngste fehlt noch,
aber der hütet gerade die Schafe.
Samuel sagte zu Isai:
Schick jemand hin und lass ihn holen;
wir wollen uns nicht zum Mahl hinsetzen,
bevor er hergekommen ist.
Isai schickte also jemand hin und ließ ihn kommen.
David war rötlich,
hatte schöne Augen und eine schöne Gestalt.
Da sagte der HERR: Auf, salbe ihn!
Denn er ist es.
Samuel nahm das Horn mit dem Öl
und salbte David mitten unter seinen Brüdern.
Und der Geist des HERRN war über David von diesem Tag an.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem ersten Buch Samuel.
In jenen Tagen sprach der HERR zu Samuel:
Wie lange willst du noch um Saul trauern?
Ich habe ihn doch verworfen;
er soll nicht mehr als König über Israel herrschen.
Fülle dein Horn mit Öl
und mach dich auf den Weg!
Ich schicke dich zu dem Betlehemiter Isai;
denn ich habe mir einen von seinen Söhnen
als König ausersehen.
Samuel erwiderte:
Wie kann ich da hingehen?
Saul wird es erfahren und mich umbringen.
Der HERR sagte:
Nimm ein junges Rind mit und sag: Ich bin gekommen,
um dem HERRN ein Schlachtopfer darzubringen.
Lade Isai zum Opfer ein!
Ich selbst werde dich dann erkennen lassen,
was du tun sollst:
Du sollst mir nur den salben, den ich dir nennen werde.
Samuel tat, was der HERR befohlen hatte.
Als er nach Betlehem kam,
gingen ihm die Ältesten der Stadt zitternd entgegen
und fragten: Bedeutet dein Kommen Frieden?
Er antwortete: Frieden.
Ich bin gekommen,
um dem HERRN ein Schlachtopfer darzubringen.
Heiligt euch und kommt mit mir zum Opfer!
Dann heiligte er Isai und seine Söhne
und lud sie zum Opfer ein.
Als sie kamen und er den Eliab sah,
dachte er: Gewiss steht nun vor dem HERRN sein Gesalbter.
Der HERR aber sagte zu Samuel:
Sieh nicht auf sein Aussehen und seine stattliche Gestalt,
denn ich habe ihn verworfen;
Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht.
Der Mensch sieht, was vor den Augen ist,
der HERR aber sieht das Herz.
Nun rief Isai den Abinadab und ließ ihn vor Samuel treten.
Dieser sagte: Auch ihn hat der HERR nicht erwählt.
Isai ließ Schima kommen.
Samuel sagte: Auch ihn hat der HERR nicht erwählt.
So ließ Isai sieben seiner Söhne vor Samuel treten,
aber Samuel sagte zu Isai: Diese hat der HERR nicht erwählt.
Und er fragte Isai: Sind das alle jungen Männer?
Er antwortete: Der jüngste fehlt noch,
aber der hütet gerade die Schafe.
Samuel sagte zu Isai:
Schick jemand hin und lass ihn holen;
wir wollen uns nicht zum Mahl hinsetzen,
bevor er hergekommen ist.
Isai schickte also jemand hin und ließ ihn kommen.
David war rötlich,
hatte schöne Augen und eine schöne Gestalt.
Da sagte der HERR: Auf, salbe ihn!
Denn er ist es.
Samuel nahm das Horn mit dem Öl
und salbte David mitten unter seinen Brüdern.
Und der Geist des HERRN war über David von diesem Tag an.
Samuel aber brach auf und kehrte nach Rama zurück.
Kv: Der Herr ist mein Hirt,
nichts wird mir fehlen. – Kv
Der HERR ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen. /
Er lässt mich lagern auf grünen Auen
und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
Meine Lebenskraft bringt er zurück.
Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit, getreu seinem Namen. - Kv
Auch wenn ich gehe im finsteren Tal,
ich fürchte kein Unheil;
denn du bist bei mir,
dein Stock und dein Stab, sie trösten mich. - Kv
Du deckst mir den Tisch
vor den Augen meiner Feinde.
Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt,
übervoll ist mein Becher. - Kv
Ja, Güte und Huld
werden mir folgen mein Leben lang
und heimkehren werde ich ins Haus des HERRN
für lange Zeiten. - Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Ephesus.
Schwestern und Brüder!
Denn einst wart ihr Finsternis,
jetzt aber seid ihr Licht im Herrn.
Lebt als Kinder des Lichts!
Denn das Licht
bringt lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor.
Prüft, was dem Herrn gefällt,
und habt nichts gemein mit den Werken der Finsternis,
die keine Frucht bringen,
deckt sie vielmehr auf!
Denn von dem, was sie heimlich tun,
auch nur zu reden, ist schändlich.
Alles, was aufgedeckt ist,
wird vom Licht erleuchtet.
Denn alles Erleuchtete ist Licht.
Deshalb heißt es:
Wach auf, du Schläfer,
und steh auf von den Toten
und Christus wird dein Licht sein.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die zweite Lesung des vierten Fastensonntags ist aus dem Epheserbrief genommen.
Nach Ansicht vieler Exegeten stammt der Brief an die Epheser aus nachpaulinischer Zeit, steht inhaltlich dem Kolosserbrief nahe und ist als eine meditative Erbauungsschrift anzusehen, die noch im ersten Jahrhundert verfaßt wurde und die Autorität des hl. Paulus für sich in Anspruch nimmt.
Der Textabschnitt ist einfach strukturiert: Es wird vor Rückfall in ein unchristliches Leben gewarnt, wie die Söhne des Ungehorsams es führen (Vers 6). Einst und Jetzt werden einander als Finsternis und Licht gegenübergestellt. Dieser Dualismus erinnert an die Gnosis und an Qumrantexte.
Vers 14 stammt wahrscheinlich aus einem christlichen Tauflied, eventuell entnommen aus einem Lied größeren Umfangs. Es wurde wohl während der Tauffeier von einem Vorsänger oder von der ganzen Gemeinde gesungen.
Kv: Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre! – Kv
(So spricht der Herr:)*
Ich bin das Licht der Welt.
Wer mir nachfolgt, hat das Licht des Lebens.
Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre!
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit
sah Jesus unterwegs einen Mann,
der seit seiner Geburt blind war.
Da fragten ihn seine Jünger:
Rabbi, wer hat gesündigt?
Er selbst
oder seine Eltern,
sodass er blind geboren wurde?
Jesus antwortete:
Weder er noch seine Eltern haben gesündigt,
sondern die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden.
Wir müssen, solange es Tag ist,
die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat;
es kommt die Nacht, in der niemand mehr wirken kann.
Solange ich in der Welt bin,
bin ich das Licht der Welt.
Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde;
dann machte er mit dem Speichel einen Teig,
strich ihn dem Blinden auf die Augen
und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach!
Das heißt übersetzt: der Gesandte.
Der Mann ging fort und wusch sich.
Und als er zurückkam,
konnte er sehen.
Die Nachbarn
und jene, die ihn früher als Bettler gesehen hatten,
sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte?
Einige sagten: Er ist es.
Andere sagten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich.
Er selbst aber sagte:
Ich bin es.
Da fragten sie ihn:
Wie sind deine Augen geöffnet worden?
Er antwortete: Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Teig,
bestrich damit meine Augen
und sagte zu mir: Geh zum Schiloach und wasch dich!
Ich ging hin,
wusch mich und konnte sehen.
Sie fragten ihn: Wo ist er?
Er sagte: Ich weiß es nicht.
Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war,
zu den Pharisäern.
Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht
und ihm die Augen geöffnet hatte.
Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei.
Er antwortete ihnen:
Er legte mir einen Teig auf die Augen
und ich wusch mich
und jetzt sehe ich.
Einige der Pharisäer sagten:
Dieser Mensch ist nicht von Gott,
weil er den Sabbat nicht hält.
Andere aber sagten:
Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun?
So entstand eine Spaltung unter ihnen.
Da fragten sie den Blinden noch einmal:
Was sagst du selbst über ihn?
Er hat doch deine Augen geöffnet.
Der Mann sagte:
Er ist ein Prophet.
Die Juden aber wollten nicht glauben,
dass er blind gewesen und sehend geworden war.
Daher riefen sie die Eltern des von der Blindheit Geheilten
und fragten sie: Ist das euer Sohn,
von dem ihr sagt, dass er blind geboren wurde?
Wie kommt es, dass er jetzt sieht?
Seine Eltern antworteten:
Wir wissen, dass er unser Sohn ist
und dass er blind geboren wurde.
Wie es kommt, dass er jetzt sieht,
das wissen wir nicht.
Und wer seine Augen geöffnet hat,
das wissen wir auch nicht.
Fragt doch ihn selbst,
er ist alt genug und kann selbst für sich sprechen!
Das sagten seine Eltern,
weil sie sich vor den Juden fürchteten;
denn die Juden hatten schon beschlossen,
jeden, der ihn als den Christus bekenne,
aus der Synagoge auszustoßen.
Deswegen sagten seine Eltern: Er ist alt genug,
fragt ihn selbst!
Da riefen die Pharisäer den Mann, der blind gewesen war,
zum zweiten Mal
und sagten zu ihm: Gib Gott die Ehre!
Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist.
Er antwortete: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht.
Nur das eine weiß ich,
dass ich blind war und jetzt sehe.
Sie fragten ihn: Was hat er mit dir gemacht?
Wie hat er deine Augen geöffnet?
Er antwortete ihnen: Ich habe es euch bereits gesagt,
aber ihr habt nicht gehört.
Warum wollt ihr es noch einmal hören?
Wollt etwa auch ihr seine Jünger werden?
Da beschimpften sie ihn:
Du bist ein Jünger dieses Menschen;
wir aber sind Jünger des Mose.
Wir wissen, dass zu Mose Gott gesprochen hat;
aber von dem da wissen wir nicht, woher er kommt.
Der Mensch antwortete ihnen:
Darin liegt ja das Erstaunliche,
dass ihr nicht wisst, woher er kommt;
dabei hat er doch meine Augen geöffnet.
Wir wissen, dass Gott Sünder nicht erhört;
wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut,
den erhört er.
Noch nie hat man gehört,
dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat.
Wenn dieser nicht von Gott wäre,
dann hätte er gewiss nichts ausrichten können.
Sie entgegneten ihm:
Du bist ganz und gar in Sünden geboren
und du willst uns belehren?
Und sie stießen ihn hinaus.
Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten,
und als er ihn traf,
sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn?
Da antwortete jener und sagte: Wer ist das, Herr,
damit ich an ihn glaube?
Jesus sagte zu ihm: Du hast ihn bereits gesehen;
er, der mit dir redet, ist es.
Er aber sagte: Ich glaube, Herr!
Und er warf sich vor ihm nieder.
Da sprach Jesus:
Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen:
damit die nicht Sehenden sehen und die Sehenden blind werden.
Einige Pharisäer, die bei ihm waren, hörten dies.
Und sie fragten ihn: Sind etwa auch wir blind?
Jesus sagte zu ihnen:
Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde.
Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen.
Darum bleibt eure Sünde.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Evangelientext ist dem Johannesevangelium entnommen. Er besteht aus mehreren Teilen: Zum einen aus dem Bericht der Blindenheilung, der keine direkte Verbindung zu den anderen drei Evangelien aufweist, und dadurch auf eine eigene von ihnen unabhängige Überlieferung hinweist. An ihn schließen sich sodann Dialogszenen in Form von Verhören an. Im letzten Teil kommt es zu einer Begegnung zwischen Jesus und dem Geheilten, der vom Geheilten zum Glaubenden wird.
Der Teich Schiloach, durch den die Heilung des Blindgeborenen vollendet wird, wird durch die Namensdeutung (Schiloach = der Gesandte) mit Jesus in Verbindung gebracht. Jesus heilt als der Gesandte des Vaters.
Das Anrühren des Breies ist Arbeit und somit für die gläubige Juden ein Sabbatbruch. Er wird zum "Aufhänger” für die Anklage Jesu.
Die eingangs gestellte Frage, wer den gesündigt habe und somit schuldig an der Blindheit des Mannes sei, ist zwar nur ein Randthema der Perikope. Wie schwer sich Anschauung dieser Art ausrotten läßt, zeigt sich sogar noch in unseren Tagen (AIDS als Strafe Gottes?).
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit
sah Jesus unterwegs einen Mann,
der seit seiner Geburt blind war.
Jesus spuckte er auf die Erde;
dann machte er mit dem Speichel einen Teig,
strich ihn dem Blinden auf die Augen
und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach!
Das heißt übersetzt: der Gesandte.
Der Mann ging fort und wusch sich.
Und als er zurückkam,
konnte er sehen.
Die Nachbarn
und jene, die ihn früher als Bettler gesehen hatten,
sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte?
Einige sagten: Er ist es.
Andere sagten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich.
Er selbst aber sagte:
Ich bin es.
Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war,
zu den Pharisäern.
Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht
und ihm die Augen geöffnet hatte.
Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei.
Er antwortete ihnen:
Er legte mir einen Teig auf die Augen
und ich wusch mich
und jetzt sehe ich.
Einige der Pharisäer sagten:
Dieser Mensch ist nicht von Gott,
weil er den Sabbat nicht hält.
Andere aber sagten:
Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun?
So entstand eine Spaltung unter ihnen.
Da fragten sie den Blinden noch einmal:
Was sagst du selbst über ihn?
Er hat doch deine Augen geöffnet.
Der Mann sagte:
Er ist ein Prophet.
Sie entgegneten ihm:
Du bist ganz und gar in Sünden geboren
und du willst uns belehren?
Und sie stießen ihn hinaus.
Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten,
und als er ihn traf,
sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn?
Da antwortete jener und sagte: Wer ist das, Herr,
damit ich an ihn glaube?
Jesus sagte zu ihm: Du hast ihn bereits gesehen;
er, der mit dir redet, ist es.
Er aber sagte: Ich glaube, Herr!
Und er warf sich vor ihm nieder.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Sehen können ist ein großes Geschenk. Jeder sieht mit anderen Augen, sieht anderes unter gleichen Bedingungen. Auch der Blick auf das Leben fällt unterschiedlich aus je nach persönlichen Voraussetzungen. Im Glauben sehen Menschen das Leben anders. Jesus heilt unser Sehvermögen.
Ich erinnre mich noch gut an eine Vorlesung, als ich anfing Theologie zu studieren. Der Professor zeichnete an der Tafel ein X. Nun durften wir Studenten und Studentinnen sagen, was wir in diesem X sehen. Ein Student sah ein Multiplikationszeichen der Mathematik. Ein anderer dachte an das X Chromosom. Wieder ein anderer sah ein Andreaskreuz. Dieses Beispiel zeigt mir: Wenn wir vom „Sehen“ sprechen, dann kann sich das durchaus beziehen auf unsere organischen Augen. Doch es gibt ein anderes Sehen, es gibt eine andere Blindheit. An verschiedenen Gegenständen nehmen wir Unterschiedliches wahr. Das geschieht auch bei Menschen. Vor allem geschieht das auch bei Jesus, wie wir im Evangelium sehen werden.
Jesus hat sicher Menschen mit organischer Blindheit geheilt. Er hat ihnen neues Leben, eine neue Lebensqualität geschenkt. Wie wird sich wohl jemand fühlen, der endlich sehen kann oder wieder sehen kann? Das kann nur jemand erahnen, der das auch wirklich erlebt hat.
Im Evangelium geht es auch um ein anderes „Sehen“. Es ist das „Sehen“ mit den Augen des Glaubens. Dieses „Sehen“ mit den Augen des Glaubens ist auch ein Geschenk. Wie Jesus im Evangelium an den Blinden handelt, so will er auch an uns handeln. „Die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden“. Der Blinde erkennt immer mehr, was Jesus an ihm getan und gewirkt hat. Offen und ehrlich bekennt er das. Das bringt ihm harte Auseinandersetzungen mit den Schriftgelehrten ein. Auch seine Eltern können mit ihm nichts mehr anfangen.
Diese harten Auseinandersetzungen zeigen, wie sehr sich die Pharisäer und Schriftgelehrten gegen Jesus sträuben, wie sehr sie sich gegen den Glauben sträuben. Jeder, der an Jesus glaubt, wird von ihnen verstoßen. Sie sehen in Jesus einen, der den Sabbat missachtet. Für einige ist er ein Sünder, andere sind sich darüber unsicher, ob ein Sünder ein Wunder wirken kann. Doch der Mann, der von seiner Blindheit geheilt wurde, steht einfach zu dem, was er mit Jesus erlebt hat. Er findet immer mehr und immer tiefer zum Glauben an Jesus. Er erkennt immer mehr, je mehr sich Jesus mit ihm beschäftigt, wer Jesus für ihn ist. Jesus ist derjenige, der ihn geheilt hat. Er sieht auch, wer Jesus für die Menschen ist. Er bekennt Jesus als den Menschensohn. Immer tiefer wächst sein Glaube an Jesus. Eben das ist entscheidend.
Paulus beschreibt den Glauben an Jesus in seinem Brief an die Epheser mit dem Wort „Licht“. Jesus ist das Licht der Welt. Wenn wir an Jesus glauben, wenn wir IHN annehmen als unseren Herrn, wenn wir seine Worte annehmen, wenn wir eine Beziehung mit Jesus eingehen und diese auch pflegen durch Gebet, durch Gottesdienste, durch Werke der Liebe, dann leben wir im „Licht des Herrn!“ Wir leben im „Licht“, wenn wir glauben, wie sehr wir von Gott angenommen und geliebt sind. Wir leben im Licht, als „Kinder des Lichtes“ wenn wir die Mitmenschen annehmen als Söhne und Töchter Gottes, auch dann, wenn wir uns mit ihnen schwertun. Wir leben im Licht, wenn wir an das Ziel glauben, einmal in der Liebe Gottes zu leben. Unser Leben bekommt durch den Glauben, durch Jesus einen neuen Sinn, eine neue Orientierung.
Der Glaube an Jesus schenkt uns eine neue, eine andere Sicht auf die Welt und auf unser Leben. Wir leben in derselben Welt wie andersgläubige, wie nichtgläubige Menschen. Wir haben dieselben Probleme. Wir erleben Kriege, Streitereien. Wir erleben dieselben Unsicherheiten und Ängste durch die Corona Epidemie wie durch den Klimawandel. Wir haben genug Grund, die Welt, die Zukunft schwarz zu sehen. Doch wir können als Christen diese Welt weiterhin als eine gute Schöpfung Gottes ansehen. Wir können sie als einen Ort betrachten, den wir gestalten können. Wir können darauf hoffen, dass Gott seine Welt zum Guten führen wird. Durch den Glauben können wir eine ganz andere Sicht, die Sicht Gottes bekommen.
Jesu lehrt uns, unser Leben, diese Welt und vor allem unsere Mitmenschen mit den Augen Gottes anzusehen. Gott schaut auf das Herz des Menschen. So haben wir es ja in der Lesung aus dem Buch Samuel gehört. Nicht das „Aussehen und die stattliche Gestalt“ des Eliab lässt jemand zum König geeignet sein. Bei Gott zählen andere Qualitäten. Gott hat eine andere Sicht.
Jesus will auch uns eine neue Sicht auf das Leben schenken. Er wirkt auch an uns. Das kann auch uns Auseinandersetzungen bringen. Es kann auch für uns bedeuten, nicht verstanden zu werden. Wenn wir Jesus immer mehr erkennen, dann können wir auch zu unserem Glauben stehen. Lassen wir Jesus auch an uns wirken, lassen wir uns sehend, besser gesagt, immer tiefer glaubend machen.
Die Heilung des Blindgeborenen befreit ihn von seiner körperlichen Blindheit aber auch von der Blindheit des Herzens. Die Fastenzeit führt uns zu Jesus, der auch unsere Blindheit des Herzens heilen möchte.
Wir sind gewohnt, nach dem Schuldigen zu suchen. Das hat oft zur Folge, dass jemand zum Sündenbock gestempelt wird, und sich die anderen von Schuld freigesprochen fühlen. Jesus pflegt einen anderen Umgang mit der Schuldfrage, weil er von einem anderen Gottesbild ausgeht. Daraus ergibt sich auch eine neue Sichtweise und ein neuer Umgang mit dem Leid.
Jesus gibt dem Blindgeborenen nicht nur das Augenlicht wieder, er wird für ihn zum Licht des Lebens. Die Pharisäer schließen ihn aus der Gemeinschaft der Glaubenden aus, er schließt sich Jesus an. Wer Jesus als Licht erfahren hat, ist berufen, selbst zum Licht für andere zu werden.
Ein Resümee der bisherigen Fastensonntage zeigt, dass wir Begegnungen verschiedenster Art vor uns haben: Am ersten Fastensonntag waren es Begegnungen abstrakter Natur, die sich aber konkret auswirken und denen auch Jesus als Mensch nicht entkommen ist: den Versuchungen nach Besitz, Macht, Ansehen, Ruhm. Dabei geht es darum, Widerstand zu leisten gegen alles, was menschliche Beziehungen stören kann. Am zweiten Fastensonntag: Begegnung mit den Aposteln bei der Verklärung des Herrn. Die Jünger dürfen einen kurzen Augenblick auf die Zukunft werfen und die Wirklichkeit der Auferstehung genießen. Der dritte Fastensonntag zeigt, wie Konventionen durchbrochen werden. Jesus geht nicht nur zu den Selbstgerechten, sondern auch zu der samaritischen Frau, einer Ausländerin und kommt mit ihr ins Gespräch. Für Juden völlig undenkbar, dass es so etwas geben darf. Glatter Regelbruch! Die letzte Begegnung in der Fastenzeit ist die Begegnung Jesu mit dem Tod.
Heute, am vierten Fastensonntag, geht es wieder um eine Begegnung: die Begegnung mit Krankheit und Leid, somit um das Hineingehen in letzte Tiefen menschlicher Existenz und was aber in besonderer Weise den Inhalt dieses Sonntags ausmacht: um Freude und Heil und um zum Glauben zu ermuntern. Das wäre Aufgabe jeder Religion, heilend zu wirken, was aber leider nicht immer geschieht. Wieder bricht Jesus in den Augen der Pharisäer eine Konvention: Heilung am Sabbat. Die Handlungsebenen dieses Evangeliums verdienen genauere Betrachtung: Da wird zunächst Ursachenforschung betrieben: Wer trägt Schuld an der Krankheit, (an Leid, Tod, Misserfolgen)? Diese Frage zieht sich durch die gesamte Perikope. Auch heute suchen wir nach dem Sündenbock, dem Verursacher allen Unglücks.
Worin liegt die Blindheit? Sie ist nicht nur in der Augenkrankheit feststellbar, die kein Licht zulässt und beim Blinden alles rundherum verdunkelt. Jesus führt zum Licht, er ist das Licht, er führt auch zum Licht des Glaubens. Die Blindheit liegt beispielsweise in Vorurteilen, in festgefahrenen Meinungen, im Denken, das keine anderen Sichtweisen zulässt, in der Realitätsverweigerung. Blindheit liegt auch darin "Sein Köpferl im Sand" zu verstecken, wie Arik Brauer formuliert: "Hinter meiner, vorder meiner, links, rechts güt's nix, ober meiner, unter meiner siach i nix. Spür nix, hear nix und i riach nix."- Weil Jesus auch von dieser Art von Blindheit befreien will, bückt er sich: Speichel und Erde als Mittel gegen die Augenerkrankung. Auch das Bücken hat Bedeutung. Jesus bückt sich genauso wie er es bei der Fußwaschung getan hat, er bückt sich, um den Dienst der Heilung zu leisten, nicht nur körperlich, sondern auch in der Einstellung des Menschen zu sich selbst und zu seiner Umgebung. Auch der Blinde bückt sich, um rein zu werden, um eine andere Sicht, einen Weitblick zu bekommen, im Sehen und im Erkennen antwortet der Blinde: "Ja, Herr ich glaube!" (Joh. 9,38). Der Blinde taucht durch seine Reinigung im Teich Schiloach in den Gesandten Gottes ein, um ein Glaubensbekenntnis abzulegen.
Bringt nicht dieses Evangelium auch für uns Anstöße weiter zu schauen als über den Tellerrand? Wir sehen nur, was wir wollen, wir sehen nur, wen wir wollen. Im Zeitalter der Reizüberflutung von Internet, Twitter, Facebook brauchen wir eine Auswahl an Informationen. Aber die Art von Blindheit wie sie uns in der Heiligen Schrift dargestellt wird, ist gefährlich, weil sie nicht als Not empfunden wird und man sie als Schutz gar nicht preisgeben will. Vielleicht ist es sogar ein Risiko, sehend zu werden, weil die Konsequenzen unbequem sind. Die Sehenden sind oft die Unbequemen, die sich nicht in bestimmte Schemata einordnen lassen, die auf Veränderung drängen und ihrer Zeit voraus sind- eine prophetische Gabe.
Dieses Evangelium ermutigt uns, sehend zu werden, zu glauben und zu vertrauen. Diese spektakuläre Heilung gibt uns zu verstehen, dass der Blindgeborene Zeichen der Gottesherrlichkeit ist. Die Pharisäer wollen Ordnung nach dem Gesetz Mose. Jesus durchbricht das Gesetz des Sabbat, also ein Formalfehler. Warum solche Umwege zur Heilung notwendig sind, bleibt ein Geheimnis. Durch den Weg des Leidens soll der Mensch auf eine neue Persönlichkeitsstufe gebracht werden.
Sonntag Laetare: Wir bleiben nicht bei Krankheit, Leid und Tod stehen. Der Übergang, das Reich Gottes, hat schon begonnen. Übergänge sind oft Zeichen der Herrlichkeit Gottes. Es ist ein Gott der Überraschungen. - Ich wünsche Ihnen Weitblick, Durchblick im Geiste Jesu, mit den Augen Gottes.
Lieder:
GL 140: Kommt herbei, singt dem Herrn
GL 221: Kündet allen in der Not
GL 268: Erbarme dich, erbarm dich mein
GL 271: O Herr, aus tiefer Klage
GL 272: Zeige uns, Herr, deine Allmacht (1. und 3. Str.)
GL 273: O Herr, nimm unsre Schuld (3. Str.)
GL 275: Selig, wem Christus auf dem Weg begegnet
GL 277: Aus tiefer Not schrei ich zu dir
GL 358: Ich will dich lieben, meine Stärke
GL 360: Macht weit die Pforten in der Welt (2. Str.)
GL 365: Meine Hoffnung, meine Freude
GL 372: Morgenstern der finstern Nacht
GL 377: O Jesu, all mein leben bist du
GL 385: Nun saget Dank und lobt den Herren
GL 392: Lobe den Herren, den mächtigen König
GL 418: Befiehl deine Wege
GL 427: Herr, deine Güt ist unbegrenzt
GL 428: Herr, dir ist nichts verborgen
GL 429: Gott wohnt in einem Lichte
GL 437: Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht
GL 446: Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun
GL 450: Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht
GL 459: Selig seid ihr, wenn ihr Wunden heilt
GL 468: Gott gab uns Atem, damit wir leben
GL 481: Sonne der Gerechtigkeit
GL 485: O Jesu Christe, wahres Licht
GL 489: Lasst uns loben, freudig loben
GL 640,1: Herr, unser Gott, bekehre uns
GL Ö814: O höre, Herr, erhöre mich
Psalmen und Kehrverse:
GL 37: Der Herr ist mein Hirt; erführt mich an Wasser des Lebens. - Mit Psalm 23 - VI.
GL 38: Der Herr ist mein Licht und mein Heil - Mit Psalm 27 - IV.
GL 447,1: Öffne meine Augen, dass sie sehen die Wunder an deinem Gesetz - Mit Psalm 4 (GL 664,2) oder mit Psalm 98 (GL 55,2) - VIII.
GL 518: Beim Herrn ist Barmherzigkeit und reiche Erlösung - Mit Psalm 57 (GL 649,6) - VII.
GL 629,1: Du führst mich hinaus ins Weite; du machst meine Finsternis hell - Mit Psalm 30 - I
GL 639,1: Erbarme dich meiner, O Gott, erbarme dich meiner - Mit Psalm 51 - IV.
Wir hören Gottes Wort, wir feiern Jesus in Brot und Wein. Das geschieht in jeder Eucharistiefeier. Sein Wort und seine Liebe schenken uns Augen des Glaubens, Augen der Hoffnung und Augen der Liebe.
Öffnen wir unser Herz für IHN, der die Blindheit unserer Herzen heilt.
Öffnen wir unser Herz, dass wir IHN, das Licht der Welt erkennen.
Bitten wir IHN um sein Erbarmen.
Herr Jesus Christus,
du machst die Blinden sehend, die Sehenden blind.
Wir verschließen dir oft die Herzen
und wir glauben deinem Wort nicht.
Herr, erbarme dich.
Du schenkst das Licht,
doch wir leben nicht immer als Kinder des Lichtes.
Christus, erbarme dich.
Du schaust auf das Herz eines Menschen,
wir lassen uns oft blenden von Äußerem.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
du hast der Menschheit, die blind war für das Wirken Gottes,
die Augen für seine Liebe zu seiner Schöpfung geöffnet.
Herr, erbarme dich.
Du hast uns herausgelöst aus unserer ohnmächtigen Verwicklung in Versagen, Schuld und Sünde.
Christus, erbarme dich.
Du hast uns zu Kindern des Lichtes gemacht,
deren Licht in der Welt leuchtet.
Herr, erbarme dich.
© P. Michael Lidy CSsR
Herr, unser Gott,
du hast in deinem Sohn
die Menschheit auf wunderbare Weise mit dir versöhnt.
Gib deinem Volk einen hochherzigen Glauben,
damit es mit froher Hingabe dem Osterfest entgegeneilt.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 4. Fastensonntag
Gott.
Du hast uns geschaffen - doch wir kennen dich kaum.
Du liebst uns - und doch bist du uns fremd.
Offenbare dich deiner Gemeinde.
Zeige uns dein Gesicht.
Sag uns, wer du bist und was du für uns bedeutest.
Lehre uns dich erkennen, dich verstehen, dich lieben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus. Amen.
MB Auswahl 2
Gott,
du hast deinen Sohn gesandt als das Licht der Welt.
Öffne unsere Augen und Herzen für seine heilende Nähe
und lass uns die Bedürfnisse der Mitmenschen erkennen.
Durch Christus, unseren Herrn. – Amen.
© P. Michael Lidy CSsR
Herr Jesus Christus,
du bist das Licht
du schenkst uns Licht,
Licht für die Augen den Blinden
Licht für die Augen unseren Herzen...
Bilde unser Herz nach deinem Herzen
durch dein Wort
und durch deine Liebe. - Amen.
Herr Jesus Christus, du bist das Licht der Welt und schenkst uns eine neue Sicht der Liebe.
Wir bitten dich:
Sei denen nahe, die körperlich blind sind durch Zuwendung und Liebe ihrer Mitmenschen.
Schenke diesen Menschen Mut und Kraft, ihr Leben zu meistern.
Ermutige die Menschen verschiedener Religionen, immer wieder das Gespräch mit Andersgläubigen zu suchen
und sich von der Achtung anderer Glaubensrichtungen leiten lassen.
Schenke allen eine echte und tiefe Begegnung mit dir und deiner frohen Botschaft, sodass sie dich als Weg, Wahrheit und Leben erkennen.
Lass alle, die über andere Menschen entscheiden müssen, nicht nur das Äußere sehen.
Öffne deiner Kirche immer mehr den Blick für ihre falschen und sündigen Wege, sodass sie wieder glaubwürdiger wird.
Gib, dass sich unser Herz nicht vor der Not der Mitmenschen verschließt.
Dir sei Lob und Preis, jetzt und in alle Ewigkeit. - Amen.
Zu Jesus Christus, der uns begegnen und heilen will, wenn wir versucht sind, vor der Wahrheit unseres Lebens die Augen zu verschließen, lasst uns beten:
Schenke allen Katechumenen Menschen, die sie zu ihrer Taufe und darüber hinaus auf ihrem Glaubensweg begleiten.
Öffne die Augen der Weltöffentlichkeit für die Sicherstellung von Lebensmitteln in den Hungerregionen Afrikas, um so humanitäre Katastrophen und weitere Fluchtbewegungen ungeheuren Ausmaßes zu verhindern.
Lenke unseren Blick auf das, was wir zur Bewältigung gemeinsamer Anliegen in der Gesellschaft beitragen können, und weniger auf das, was wir von ihr erwarten dürfen.
Mach uns sehend für das Licht, das uns durch den Glauben an dich jeden Tag geschenkt wird.
Wir beten für alle Kranken, Bedürftigen und Schwachen in unserem Haus. Stärke die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihren Dienst für unsere Bewohnerinnen und Bewohner leisten und ihre Kraft einsetzen.
Stärke uns und alle Sterbenden im Glauben an deine Auferstehung, durch die du der Welt Licht und Leben geschenkt hast.
Denn dir, Herr, ist unsere Blindheit für das Wesentliche im Leben vertraut. Durch deine Menschwerdung kam Licht in die Dunkelheit dieser Welt. Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben. So wollen wir dich loben und preisen in alle Ewigkeit. - Amen.
© P. Michael Lidy CSsR
Wir beten für alle Menschen, die organisch blind sind.Dir sei Lob und Preis, jetzt und in alle Ewigkeit. Amen.
Hilf ihnen, dass sie auf andere Weise die Schönheit deiner Schöpfung erfahren können und ihr Leben meistern können.
Wir beten für Menschen, die keinen Zugang finden zum Glauben.
Hilf ihnen durch unser Lebensbeispiel zu sehen,
wie hilfreich und erfüllend es ist, mit dir zu leben.
Wir beten für uns selbst.
Hilf uns in unserem Glauben zu wachsen
und die Welt wie auch die Mitmenschen mit den Augen der Liebe zu betrachten.
Wir beten für alle Kinder und Jugendliche.
Hilf ihnen zu wachsen und zu reifen
und deine Liebe zu allen Menschen zu erkennen.
Wir beten für alle, die in der Kirche Verantwortung tragen.
Hilf ihnen, die Zeichen der Zeit wahrzunehmen und das zu tun,
was notwendig ist für das Volk Gottes in heutiger Zeit.
Wir beten für unsere Verstorbenen.
Lass sie dich in ewiger Freude anschauen
und leuchte ihnen als das Licht des Lebens.
Lass uns erkennen, wie viel Wohltaten du uns täglich schenkst.Herr Jesus Christus,
Jesus, du Heil der Menschen, ...
Lass uns im Glauben und in der Liebe zu dir wachsen.
Jesus, du Heil der Menschen, ...
Gib uns den Mut, uns zu dir zu bekennen und dir die Treue zu halten.
Jesus, du Heil der Menschen, ...
Hilf allen Suchenden, dich zu finden.
Jesus, du Heil der Menschen, ...
Stärke uns, ein Ja zu sprechen zu unserer Berufung.
Jesus, du Heil der Menschen, ...
Öffne unser Augen für die Menschen, die unserer Liebe und Hilfe bedürfen.
Jesus, du Heil der Menschen, ...
Stehe bei den Sterbenden
und lass sie dich schauen dürfen in der Gemeinschaft mit dir.
Jesus, du Heil der Menschen, ...
Herr, unser Gott,
in der Freude auf das Osterfest
bringen wir unsere Gaben dar.
Hilf uns, gläubig und ehrfürchtig das Opfer zu feiern,
das der Welt Heilung schenkt und den Tod überwindet.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 4. Fastensonntag
Herr Jesus Christus,
du bist Menschen nahe,
du hast sie berührt,
dass sie dich spüren konnten.
Du kommst uns nahe
im Brot, das uns stärkt.
Du kommst uns nahe
im Wein, das uns Freude schenkt.
Brot und Wein sind Zeichen
deiner Liebe, deiner Nähe.
Schenke uns neues Leben. - Amen.
Kehrvers:
Dem Herrn will ich singen;
machtvoll hat er sich kundgetan. (GL 624,2)
Guter und barmherziger Gott,
wir treten vor dich, um dir zu danken.
Wir danken dir für das Licht der Augen
und für alles Schöne und Großartige,
das wir mit unseren Augen wahrnehmen können.
Kehrvers
Wir danken dir für alles Große und Schöne,
das unseren menschlichen Augen verborgen bleibt,
was wir nur mit dem Auge des Herzens und des Glaubens wahrnehmen können.
Kehrvers
Wir danken dir, dass Du nicht auf die äußere Erscheinung siehst,
sondern du auf das Herz schaust
und mit deinem Geist und mit deiner Stärke erfüllst,
die du lieb gewonnen und erwählt hast.
Kehrvers
Wir danken dir für Jesus von Nazareth, deinen Sohn.
Er hat uns das Licht des Glaubens gebracht
und uns wie dem Blindgeborenen die Augen geöffnet
für dein Wirken in der Welt.
Kehrvers
Er hat uns von unserer Sünde geheilt
und uns mit dir versöhnt.
Er hat uns befähigt, die Werke der Finsternis abzulegen
und als Kinder des Lichtes zu leben.
Kehrvers
Für all das danken wir dir
und singen wir dir mit der ganzen Schöpfung zum Lob:
Danklied, z. B: Herr, deine Güt ist unbegrenzt (GL 427)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn durch seine Menschwerdung
hat er das Menschengeschlecht
aus der Finsternis zum Licht des Glaubens geführt.
Wir sind als Knechte der Sünde geboren,
er aber macht uns zu deinen Kindern
durch die neue Geburt
aus dem Wasser der Taufe.
Darum preisen wir jetzt
und in Ewigkeit dein Erbarmen
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Fastensonntag 4
Die Augen öffnen und sehen:
Die Menschen um uns
mit ihren Sorgen und Nöten
mit ihrer Angst und Ratlosigkeit.
Die Augen öffnen und sehen:
Die Quellen der Freude
die Zeichen der Hoffnung
den Anfang neuen Lebens.
Die Augen öffnen und sehen:
Wir sind nicht allein
Gott ist mit uns unterwegs
in unseren Brüdern und Schwestern.
Die Augen öffnen und sehen:
Das Licht unseres Lebens
die Freiheit der Herzen
die grenzenlose Liebe unseres Gottes.
Allmächtiger Gott,
dein ewiges Wort ist das wahre Licht,
das jeden Menschen erleuchtet.
Heile die Blindheit unseres Herzens,
damit wir erkennen, was vor dir recht ist,
und dich aufrichtig lieben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 4. Fastensonntag
Herr Jesus Christus,
der Blinde aus dem Evangelium
konnte mit offenen Augen seinen Weg gehen.
Segne uns,
dass wir mit geöffneten Augen unser Leben meistern,
indem wir Neues entdecken,
indem wir deine Wege erfahren,
indem wir deinen Willen für uns erkennen.
Lass uns deine Zeugen und Zeuginnen sein,
damit unsere Mitmenschen dir begegnen. - Amen.
Gott,
öffne mir die Augen,
mach weit meinen Blick und mein Interesse,
damit ich sehen kann, was ich noch nicht erkenne.
Gott,
öffne mir die Ohren,
mach mich hellhörig uns aufmerksam,
damit ich hören kann, was ich noch nicht verstehe.
Gott,
gib mir ein vertrauensvolles Herz,
das sich deinem Wort und deiner Treue überlässt
und zu tun wagt, was es noch nicht getan hat.
Gott,
ich weiß, dass ich nur lebe,
wenn ich mich von dir rufen und verändern lasse. - Amen.
© P. Michael Lidy CSsR
„Halt an, wo läufst du hin,
der Himmel ist in dir:
Suchst du Gott anderswo,
du fehlst ihn für und für!“
Dieses kleine Gedicht hat in den Tagen der Einschränkung unserer Bewegungsfreiheit für mich einen neuen Klang gewonnen. Es stammt von Angelus Silesius, der mit bürgerlichem Namen Johannes Scheffler hieß und im 17. Jahrhundert in Schlesien lebte.
„Halt an, wo läufst du hin“ – irgendwo hinlaufen können und sollen wir nun tatsächlich nicht. Jede und jeder muss einen Beitrag leisten, dass sich das Virus, mit dem die ganze Welt momentan kämpft, nicht weiter verbreitet. Deswegen ist tatsächlich „Anhalten“ gefordert, nicht zuletzt um ein gutes Beispiel zu geben!
Das „Anhalten“ kann aber auch zu einem „Innehalten“ werden. Angelus Silesius war Arzt und zugleich Mystiker. Die Ärzte und die Mystiker sind in diesen Tagen hoch im Kurs. Die Welt braucht jetzt beide! Für die Ärzte und Pflegekräfte beten wir, dass sie in der Behandlung der Kranken ihr Bestes geben, aber in aller Aufregung auch Momente der Ruhe finden. Zu Mystikern können wir alle werden, mehr als in den vergangenen Jahren.
„Mystik“ heißt ja nichts anderes, als tief im Geheimnis Gottes zu leben und umgekehrt zu erfahren, dass Gott mit seinem ganzen Himmel in uns lebt. Wir können dies erfahren, wenn wir die Bibel aufschlagen und in ihr lesen, wenn wir beten, singen oder ein Musikstück hören, wenn wir beim Blick aus dem offenen Fenster wahrnehmen, dass Gott uns auch in dieser außergewöhnlichen Zeit eine schöne Natur und den Frühling schenkt.
"Zuhause bleiben" heißt in diesen Tagen auch: bei sich selbst und bei Gott sein!
(c) Pater Martin Leitgöb
"Ich bin überrascht, wie Ihre Sehkraft in kurzer Zeit stark nachgelassen hat" - das sagte der Augenarzt zu mir. Lesen und Schreiben, in die Nähe sehen, das ist mir immer schwerer gefallen und beim Gehen hat es mich verunsichert. Das hatte ich immer deutlicher gespürt. Doch die Diagnose hat mich dann geschockt. Jetzt war es "amtlich". Ich bekam es mit der Angst zu tun.
Dann die Unsicherheiten vor der Operation. Kann man diesen Prozess noch aufhalten? Wird das wieder einigermaßen gut? In meinem Beruf brauche ich ein ordentliches Augenlicht. Oder werde ich möglicherweise auf einem Auge blind? Diese Fragen haben mich schon um getrieben.
Dank moderner Medizin kann ich nach drei Operationen für mein Alter wieder erfreulich sehen. Dafür bin ich sehr dankbar, den Ärzten und Gott. Vor noch nicht allzu langer Zeit wäre ich auf einem Auge blind gewesen. Und ich lebe in einem Land, in der die beste medizinische Versorgung selbstverständlich ist. Was da heute erreicht wird, damit Menschen wieder sehen können - das grenzt an Wunder.
Ein Wunder in der Bibel sehe ich seitdem mit anderen Augen. Es steht im Markusevangelium. Vom blinden Bettler Bartimäus wird erzählt. Mit letzter Kraftanstrengung und allen, die ihn daran hindern wollen zum Trotz, versucht er, an Jesus heranzukommen. Wenn ihm einer helfen kann, dann Jesus. Ihm zu begegnen, darin sieht er die Chance seines Lebens, wieder sehen zu können. Und so geschieht es. Bartimäus kann wieder sehen (10,46-52). Aber nicht nur das. Er ist ein anderer Mensch geworden. Sein Leben sieht er neu. Es heißt, dass er bei Jesus geblieben und sein Jünger geworden ist. Mich bewegt diese Geschichte heute anders als früher.
Ich kann besser mitfühlen, denke ich an die sehbehinderten und blinden Menschen in den Armenhäusern der Welt, die keine Chance haben, geheilt zu werden. Es fehlt dort an medizinischen Voraussetzungen oder sie haben kein Geld für Operationen, die ihnen mit oft recht einfachen Mitteln die Sehkraft wiedergeben könnten.
Und ich denke an die Blinden hier, die blind geboren oder für immer erblindet sind. Ich möchte von ihnen lernen, in meinem Inneren mehr und tiefer wahrzunehmen. Vielleicht muss ich als Sehender manchmal die Augen schließen, um besser sehen zu können. Doch selbst wenn es Menschen gibt, für die ihr Blindsein endgültig ist, so muss es nicht ihr ganzes Wesen und ihre Existenz ausmachen Ich wünsche ihnen, dass sie über die Welt und die alltägliche Wirklichkeit hinausgehen. Und ich halte auch das für möglich; Wer nie das Licht der Welt gesehen hat - der kann vielleicht tief innen ein großes Licht schauen.
Aus: Michael Broch, Jesus Mit dem Herzen denken und glauben, Stuttgart 2013.
Gib mir, o Herr, ein wachsames Herz,
das nicht von dir abgelenkt wird
durch irgendwelche Träumerei,
ein edles Herz, das nicht klein gemacht wird
durch unwürdige Maßlosigkeit,
ein gerades und aufrechtes Herz,
das nicht verführt wird durch Gemeinheit,
ein starkes Herz, das nicht vor Traurigkeit verkümmert,
ein freies Herz
das sich von keiner bösen Macht beherrschen lässt.
Schenke mir, o Gott,
Verstand, der dich erkennt,
Eifer, der dich sucht,
Weisheit, die dich findet,
eine Lebensweise, die dir gefällt,
Geduld, die gläubig Dich erwartet,
Vertrauen, das am Ende dich umfängt.
Amen.
Thomas von Aquin, gefunden im Youcat/Jugendgebetsbuch.
Auf die Frage, wer an der tragischen Lage eines Blindgeborenen schuld sei, gab Jesus zur Antwort: "Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden." (Johannes 9,3).
Wir verwenden jede Menge Energie auf die Frage, wem wir die Schuld an unseren eigenen Schwierigkeiten und Katastrophen oder an denjenigen anderer zuweisen können: unseren Eltern, uns selbst, den Ausländern, den Juden, den Schwulen, den Schwarzen, den Fundamentalisten, den Katholiken... Es verschafft einem eine eigenartige Befriedigung, wenn man mit dem Finger auf jemanden zeigen kann, und wäre man der sogar selbst. Das liefert eine Art Erklärung und bringt immerhin einige Klarheit.
Aber Jesus erlaubt uns nicht, unsere eigenen Probleme oder diejenigen anderer mit Schuldzuweisungen zu erklären. Seine Herausforderung besteht darin, mitten in unserer Finsternis das Licht Gottes zu erkennen. Aus der Sicht Jesu kann alles, selbst die größte Tragödie, zum Anlass werden, dass sich Gottes Wirken offenbart.
Wie radikal neu wäre mein Leben, wenn ich bereit wäre, das Suchen nach Schuldigen bleiben zu lassen und lieber das Wirken Gott mitten unter uns zu verkünden! Ich glaube, das hat gar nicht viel mit den äußeren Lebensumständen zu tun. Alle Menschen geraten in tragische Situationen, werden mit dem Tod, Depressionen, Verrat, Ablehnung, Armut, Trennung, Verlust und vielem mehr konfrontiert. Selten haben wir besonders großen Einfluss darauf. Aber entscheiden wir uns dafür, das zum Anlass von Schuldzuweisungen zu nehmen, oder, um Gottes Willen zu sehen?
Die hebräische Bibel ist eine einzige Geschichte von menschlichen Tragödien, aber wenn man diese Tragödien als den Kontext durchlebt und in Erinnerung bringt, in dem sich Gottes bedingungslose Liebe zum Volk Israel offenbart, wird diese Geschichte zur Heilsgeschichte.
Aus: Henri Nouwen, Jesus. Eine Botschaft, die Liebe ist. Freiburg 2008.
Führe du mich, mildes Licht!
Wenn Finsternis mich umgibt, führe mich.
Dunkel ist die Nacht, und ich bin weit weg von zu Hause.
Führe Du mich und behüte meinen Fuß.
Ich möchte gar nicht sehen, was jetzt noch fern ist.
Mir reicht der jeweils nächste Schritt.
So habe ich nicht immer beten können:
Führe mich!
Ich meinte, meinen Weg allein zu kennen.
Ich liebte den geschönten, eitlen Tag,
in meinem Herzen regierte König Stolz.
Ach, Herr, vergiss es.
Doch jetzt, führe Du mich Deinen Weg.
Du warst immer bei mir mit Deinem Segen.
Und ich glaube daran, dass du mich weiter leiten wirst -
durch Matsch und Sumpf, über Felsen
und durch reißendes Wasser -,
bis meine Dunkelheit vorüber ist und mich am Morgen
das Lächeln Deiner Engel empfängt, das ich so liebe
und das ich zwischendurch verloren hatte. Amen.
Nach Lead Kindly Light von John Henry Newman, gefunden im Youcat/Jugendgebetsbuch.
"Wenn Licht und Finsternis zusammenkommen, siegt immer das Licht." Diejenigen, die es nicht glauben wollten, lud der Redner zu folgendem ein: "Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich in einem ganz lichterfüllten Raum, während es draußen ganz dunkel ist. Öffnen Sie die Fenster, öffnen Sie die Türen, lassen Sie die ganze Dunkelheit in den lichtvollen Raum hinein. Was geschieht? Verdunkelt sich der Raum? Wird das Licht im Raum von der einbrechenden Dunkelheit verschluckt? Nein!
Die Dunkelheit vergeht im Licht.
Oder stellen Sie sich dasselbe andersherum vor: Sie sind in einem dunklen Raum. Draußen ist es hell. Öffnen Sie wieder alle Fenster und Türen. Was geschieht? Das Licht strömt herein und vertreibt die Dunkelheit. So geschieht es immer, wenn Licht und Finsternis einander begegnen. Das Licht strömt hinein und vertreibt die Dunkelheit. So geschieht es immer, wenn Licht und Finsternis einander begegnen. Das Licht wird immer siegen.
Deshalb haben alle Mytologien darauf hingewiesen, die Finsternis meide das Licht, um nicht selbst Licht zu werden! Immer siegt das Licht! Wie trostreich und hoffnungsvoll ist dieses Wort im Hinblick auf geschichtliche Abläufe oder auf gegenwärtige Geschehnisse, die aussichtslos erscheinen; aber auch im Hinblick auf alles, was es an Unstimmigkeiten in unserem Leben gibt.
Herkunft unbekannt
Ausgangspunkt, Kern und Ziel unseres Glaubens ist dieser eine Satz: "Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe" 1Joh 4,8.
Ganz und gar auf ihn muss der Glaube ausgerichtet sein; jedes Wort und jeder Satz des Glaubens müssen sich daran messen lassen. Nichts, rein gar nichts, was der Liebe widerspricht, darf die Bezeichnung »christlich« beanspruchen.
Gott ist die Liebe - was aber heißt das? Auch hier haben wir keine Definition, sondern nur ein Bild. Auch hier gilt: Zwischen dem, was wir als Liebe erfahren und erkennen, und der Liebe Gottes besteht trotz einer gewissen Ähnlichkeit ein ungeheurer Unterschied.
Unsere Liebe, selbst die gelungenste, ist nicht mehr als nur eine Vorahnung der Liebe Gottes. Genauso dürfen wir uns zwar sein Abbild nennen (Gen 1, 28), weil auch zu unserem Wesen die Liebe gehört, wir bleiben dabei aber so unendlich kleiner als er! Er ist die Liebe.
Ohne diesen Satz verstehen wir nichts vom Glauben, weder was Schöpfung bedeutet noch Erlösung. Worte wie Auferstehung, Dreifaltigkeit, Sakrament oder Gnade bleiben hohles Geschwätz, ohne Wirklichkeit und Wirkung. Daher muss man an dem Satz festhalten, oder besser: sich an ihm festhalten: Der, auf den alles im Glauben bezogen ist, ist identisch mit dem, was alles Leben erst ermöglicht und erfüllt - mit der Liebe selbst.
Herkunft unbekannt
Als das Kind Kind war,
ging es mit hängenden Armen,
wollte der Bach sei ein Fluß,
der Fluß sei ein Strom,
und diese Pfütze das Meer.
Als das Kind Kind war,
wußte es nicht, daß es Kind war,
alles war ihm beseelt,
und alle Seelen waren eins.
Als das Kind Kind war,
hatte es von nichts eine Meinung,
hatte keine Gewohnheit,
saß oft im Schneidersitz,
lief aus dem Stand,
hatte einen Wirbel im Haar
und machte kein Gesicht beim fotografieren.
Als das Kind Kind war,
war es die Zeit der folgenden Fragen:
Warum bin ich ich und warum nicht du?
Warum bin ich hier und warum nicht dort?
Wann begann die Zeit und wo endet der Raum?
Ist das Leben unter der Sonne nicht bloß ein Traum?
Ist was ich sehe und höre und rieche
nicht bloß der Schein einer Welt vor der Welt?
Gibt es tatsächlich das Böse und Leute,
die wirklich die Bösen sind?
Wie kann es sein, daß ich, der ich bin,
bevor ich wurde, nicht war,
und daß einmal ich, der ich bin,
nicht mehr der ich bin, sein werde?
Als das Kind Kind war,
würgte es am Spinat, an den Erbsen, am Milchreis,
und am gedünsteten Blumenkohl.
und ißt jetzt das alles und nicht nur zur Not.
Als das Kind Kind war,
erwachte es einmal in einem fremden Bett
und jetzt immer wieder,
erschienen ihm viele Menschen schön
und jetzt nur noch im Glücksfall,
stellte es sich klar ein Paradies vor
und kann es jetzt höchstens ahnen,
konnte es sich Nichts nicht denken
und schaudert heute davor.
Als das Kind Kind war,
spielte es mit Begeisterung
und jetzt, so ganz bei der Sache wie damals, nur noch,
wenn diese Sache seine Arbeit ist.
Als das Kind Kind war,
genügten ihm als Nahrung Apfel, Brot,
und so ist es immer noch.
Als das Kind Kind war,
fielen ihm die Beeren wie nur Beeren in die Hand
und jetzt immer noch,
machten ihm die frischen Walnüsse eine rauhe Zunge
und jetzt immer noch,
hatte es auf jedem Berg
die Sehnsucht nach dem immer höheren Berg,
und in jeder Stadt
die Sehnsucht nach der noch größeren Stadt,
und das ist immer noch so,
griff im Wipfel eines Baums nach dem Kirschen in einemHochgefühl
wie auch heute noch,
eine Scheu vor jedem Fremden
und hat sie immer noch,
wartete es auf den ersten Schnee,
und wartet so immer noch.
Als das Kind Kind war,
warf es einen Stock als Lanze gegen den Baum,
und sie zittert da heute noch.
Peter Handke - as featured in the movie "Der Himmel über Berlin" / "Wings Of Desire" by Wim Wenders, 1987.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.
Der Sinn der Bücher ist nicht so sehr Geschichtsschreibung. Vielmehr geht es darum, die Geschichte des Volkes Israel in allen Ereignissen auf die Führung Gottes hinzudeuten.
Die Davidsgeschichten, die mit 1 Sam 16 beginnen, sind nicht einheitlich. Das Zwiegespräch zwischen Jahwe und Samuel (16,1-13), durch das Samuel auf den rechten Sohn Isais hingeführt wird, ist ein Lehrstück. Der Kernsatz, der den Sinn dieser Erzählung zusammenfasst, ist 16,7: "Sieh nicht auf sein Aussehen... Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz."
Dieser Abschnitt schließt mit der Salbung Davids durch Samuel. Ein zweiter Erzählstrang erwähnt auch noch eine spätere Salbung Davids nach dem Tode Sauls in Hebron als eigentliche Königssalbung (2 Sam 5,3). So gesehen ist dieser erste Abschnitt als Bestimmungssalbung zu sehen.
Jahwe legt schon sehr früh ein Augenmerk auf David. Zugleich vollzieht sich ein Übergang von der Geschichte Sauls, der ja noch König ist, zur Geschichte Davids. Saul hat sich das Missfallen Jahwes zugezogen, das Königtum soll aber nicht als ganzes fallen gelassen werden. Somit erhält Samuel den Befehl David zu salben.
Samuel weiß nur, dass ein Sohn Isais aus Betlehem der Erwählte ist. Er begibt sich auf den Weg, wissend, dass ihn die Leute Sauls verfolgen könnten. Deshalb beauftragt ihn Jahwe zusätzlich, ein Schlachtopfer dort vorzunehmen, um die ganze Geschichte zu tarnen. Diese Anweisung steht in den ausgelassenen Texteilen (vgl. "ungekürzte Version") der Perikope. Genauso haben die Ältesten Betlehems Angst betreffs des Kommens Samuels - dies ist ebenfalls in der Sonntagsperikope ausgelassen -, weil sie um das Zerwürfnis zwischen Samuel und Saul wissen, und befürchten, dass ihnen Nachteile daraus erwachsen könnten.
Stark kontrastiert wird der Unterschied zwischen David und seinen Brüdern. Die Jugend und das Nicht-Anwesend-Sein Davids zur Kultfeier unterstreichen die noch Kultunfähigkeit des letzten Sohnes Isais.
Die Salbung bewirkt die lebenslange Geistbegabung. Aus Vorsicht gegenüber Saul fällt dabei nicht das Wort König.
David wird als junger Hirtenknabe vom Propheten Samuel zum König gesalbt. Bis zu seiner vollen Regentschaft kommt es aber zu leidvollen Auseinandersetzungen mit dem regierenden König Saul. Saul wird von einem bösen Geist geplagt, der gute Geist Jahwes ist von ihm gewichen.
Samuel erweist sich als getreuer Diener Jahwes. Gott selbst trifft die Wahl. Im Gehorsam gegenüber Gott salbt Samuel David, den jüngsten Sohn Isais.
Mit seiner Salbung zum König wird David vorherbestimmt, die kommende Geschichte Israels entscheidend zu beeinflussen. Als augenscheinliches Zeichen der Erwählung wird David mit Öl gesalbt; dadurch tritt er in ein besonderes Naheverhältnis zu Jahwe, dessen Geist ihn unterstützt.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive