Lesung aus dem Buch Exodus.
In jenen Tagen
kamen die Israeliten in die Wüste Sinai.
Sie schlugen in der Wüste das Lager auf.
Dort lagerte Israel gegenüber dem Berg.
Mose stieg zu Gott hinauf.
Da rief ihm der HERR vom Berg her zu:
Das sollst du dem Haus Jakob sagen
und den Israeliten verkünden:
Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern angetan habe,
wie ich euch auf Adlerflügeln getragen
und zu mir gebracht habe.
Jetzt aber,
wenn ihr auf meine Stimme hört
und meinen Bund haltet,
werdet ihr unter allen Völkern
mein besonderes Eigentum sein.
Mir gehört die ganze Erde,
ihr aber sollt mir als ein Königreich von Priestern
und als ein heiliges Volk gehören.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Wir sind das Volk des Herrn,
die Herde seiner Weide. – Kv
GL 56,1
Jauchzt dem HERRN, alle Lande! /
Dient dem HERRN mit Freude! *
Kommt vor sein Angesicht mit Jubel!
Erkennt: Der HERR allein ist Gott. /
Er hat uns gemacht, wir sind sein Eigentum, *
sein Volk und die Herde seiner Weide. - Kv
Kommt mit Dank durch seine Tore, /
mit Lobgesang in seine Höfe! *
Dankt ihm, preist seinen Namen!
Denn der HERR ist gut, /
ewig währt seine Huld *
und von Geschlecht zu Geschlecht seine Treue. - Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder!
Christus ist,
als wir noch schwach waren,
für die zu dieser Zeit noch Gottlosen gestorben.
Dabei wird nur schwerlich jemand für einen Gerechten sterben;
vielleicht wird er jedoch
für einen guten Menschen sein Leben wagen.
Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin,
dass Christus für uns gestorben ist,
als wir noch Sünder waren.
Nachdem wir jetzt
durch sein Blut gerecht gemacht sind,
werden wir durch ihn erst recht
vor dem Zorn gerettet werden.
Da wir mit Gott versöhnt wurden
durch den Tod seines Sohnes,
als wir noch Gottes Feinde waren,
werden wir erst recht, nachdem wir versöhnt sind,
gerettet werden durch sein Leben.
Mehr noch,
ebenso rühmen wir uns Gottes
durch Jesus Christus, unseren Herrn,
durch den wir jetzt schon die Versöhnung empfangen haben.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Abschnitt spricht die Thematik von Sühne und Versöhnung durch Christus an.
"Christus ist für die gottlosen Sünder gestorben, als sie noch schwach waren. Gottes Heilstat in Christus geht dem Glauben voran und gibt ihm seinen Grund in der Geschichte".
Paulus spricht in diesem Kapitel auch die Frage der Rechtfertigung an. Gott will die Rettung aller. Sein "Gericht" will nicht verurteilen, sondern retten.
(Vgl. NTD, Bd. 6, Göttingen 1989)
Gottlose missachten den Willen Gottes. Im Sühnetod Jesu geht die Gnade dem Glauben voraus. Das Besondere, das Paulus hier aufgreift, ist, dass Jesus für Schwache und Gottlose stirbt. Für einen gerechten Menschen das Leben geben, ist in der Antike nicht sehr häufig bezeugt. Für eine gerechte Sache jedoch zu sterben, dazu finden sich viele Beispiele. Könige opfern sich, um Unheil von den Bürgern abzuwenden. Aber in Jesus wird dies alles übertroffen, da er eben für Gottlose stirbt!
Und Paulus betont nochmals, bzw. malt noch deutlicher aus: werden wir bereits jetzt gerecht gemacht, um wie viel mehr erst dann? Erst dann beim Gericht! Der Gekreuzigte und Auferstandene tritt für uns ein, bürgt für uns bei Gott. Denn Versöhnung meint, Feindschaft findet ein Ende, Friedensschluss wird möglich. Indem Gott Jesus dahingegeben hat, beendet er die Feindschaft der Sünder ihm gegenüber.
Jetzt schon dürfen wir uns der Gegenwart Gottes rühmen, und nicht bloß harren auf künftige Errettung. Durch den Auferstandenen ist uns die Versöhnung mit Gott geschenkt.
Halleluja. Halleluja.
Das Reich Gottes ist nahe.
Kehrt um und glaubt an das Evangelium.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit,
als er die vielen Menschen sah,
hatte er Mitleid mit ihnen;
denn sie waren müde und erschöpft
wie Schafe, die keinen Hirten haben.
Da sagte er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß,
aber es gibt nur wenig Arbeiter.
Bittet also den Herrn der Ernte,
Arbeiter für seine Ernte auszusenden!
Dann rief er seine zwölf Jünger zu sich
und gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben
und alle Krankheiten und Leiden zu heilen.
Die Namen der zwölf Apostel sind:
an erster Stelle Simon, genannt Petrus,
und sein Bruder Andreas,
dann Jakobus, der Sohn des Zebedäus,
und sein Bruder Johannes,
Philippus und Bartholomäus,
Thomas und Matthäus, der Zöllner,
Jakobus, der Sohn des Alphäus,
und Thaddäus,
Simon Kananäus und Judas Iskariot,
der ihn ausgeliefert hat.
Diese Zwölf sandte Jesus aus
und gebot ihnen: Geht nicht den Weg zu den Heiden
und betretet keine Stadt der Samariter,
sondern geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel!
Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe!
Heilt Kranke,
weckt Tote auf,
macht Aussätzige rein,
treibt Dämonen aus!
Umsonst habt ihr empfangen,
umsonst sollt ihr geben.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Schreiber des Matthäus-Evangeliums möchte in diesem Abschnitt deutlich machen, daß die in den vorausgegangenen Kapiteln beschriebenen Vollmachten Jesu vom Herrn an seine Jünger und damit an seine Gemeinde weitergegeben werden.
"Das Bild läßt an die gehetzte und völlig erschöpfte oder mindestens an eine von schlechten Hirten irregeleitete und verwahrloste Herde denken. Diese Notlage ist Erntezeit Gottes." Die Jünger werden darum zuerst zum Beten aufgefordert.
"Nicht der Mensch kann das notwendige Neue schaffen; Gott allein erwählt seine Boten". Ernte ist in der Hl. Schrift oftmals auch das Bild vom letzten Gericht (Jes. 9,2f; Hos 6,11; Joel 4,13).
Die beiden Abschnitte Gebet und danach Aussendung scheinen nicht recht zusammenzupassen.
Auf die Namensnennung der Zwölf folgt der Auftrag, zu den verlorenen Schafen Israels zu gehen; die "verlorenen Schafe Israels sind die, die zu dem neuen Volk Gottes gehören werden". Vor der Verkündigung folgt erst noch die Vollmacht zur Heilung. Beides gehört zusammen.
Interessanterweise fehlt der eindrückliche Ruf zur Buße (vgl. Kap. 4,13).
"Vielleicht auch, weil die Jünger anders als Jesus und Johannes (der Täufer) in der Solidarität mit den Sündern stehen; vielleicht, weil vor allem anderen das Heilsangebot betont werden soll".
Die Weisung, die frei empfangenen Gaben ebenso frei weiterzugeben, ist der Urchristenheit sehr wichtig (vgl. 2 Kor 11,7, 1 Kor 9.3-18).
(Vgl. NTD 2, Göttingen 1976.)
Jesus sieht die Not und das Elend der Herde. Aus dem Erbarmen Jesu mit dieser heraus wird verständlich, dass dem Matthäus Anliegen ist, das Wirken Jesu in der Gemeinde weiter verankert zu wissen. Aus der Notzeit wird Erntezeit. Ernte ist gewöhnlich Bild für die Endzeit. Jedoch durch das Wort Jesu beginnt das Sammeln bereits, indem die Jünger in die Welt hinausgehen und Jesu Namen verkünden. Der Mensch schafft dies jedoch nicht selbst, sondern Gott sucht sich seine Boten. Vo da her wird verständlich, dass Gott um Arbeiter gebeten werden muss.
Die Existenz der zwölf Jünger setzt Matthäus als gegeben voraus. Durch sie dringt Jesu Wort weiter in die Welt hinaus. Die Hinzufügung "an erster Stelle" bei Simon bezieht sich auf die Reihung innerhalb der Apostelgruppe. Petrus nimmt anscheinend eine besondere Stellung/Bedeutung in der matthäischen Gemeinde ein. An ein besonderes Amt braucht dabei jedoch nicht gedacht werden.
Dass sich Jesus nirgends einpressen lässt, zeigt auch die Existenz zweier gegensätzlicher Personen, die extremer nicht sein können, im Jüngerkreis. Matthäus, der Zöllner, der für die Römer gearbeitet, und Simon Kananäus, der gegen sie gekämpft hat. Siehe Einheitsübersetzung Anmerkung zu Mt 10,4 - Kananäus ist nicht Eigenname sondern Beiname im Sinne von "der Zelot", "der Eiferer".
Das Gebot, heidnisches Gebiet zu meiden, ergibt selbst im Matthäusevangelium einen Widerspruch. Im letzten Kapitel des Evangeliums beauftragt Jesus im Gegensatz zu diesem Passus sehr wohl die Jünger, zu allen Völkern zu gehen und sie zu taufen. Heidnisches Gebiet wird nämlich nur bei Götzenfesten gemieden. Indem Matthäus dies in unserer Perikope jedoch so aufgreift, gibt er vor, dass Jesus sich zuerst Israel zuwendet, und seine Mission sich erst nach seiner Ablehnung den anderen Völkern öffnet.
Wesentlich ist die zuvor von Jesus erteilte Vollmacht an die Jünger, die Heilungen ermöglicht. Die Verkündigung kommt erst nach dem Aufzählen der Namen der Zwölf. Es liegt der innere Zusammenhang unbedingt vor. Verkündigung ist ebenfalls an die Vollmacht Jesu gebunden. Wort und Wundererfolge gehören zusammen. Eines lässt sich ohne das andere nicht verstehen.
Der Auftrag, Kranke heilen, Tote erwecken, usw. unterstreicht die enge Verbundenheit der Jünger mit Jesus und die Berechtigung daraus, ebenfalls das Himmelreich als nahe zu verkünden. Was Jesus weitergegeben hat, geben die Jünger ebenfalls frei weiter.
Die Zeit des Corona-Lockdown lässt sich vergleichen mit den Wüstenerfahrungen des Volkes Israel. Wie kann man da zuversichtlich in die Zukunft schauen und gehen? Die biblischen Texte beschreiben nicht nur die Entbehrungen der Wüste, sie stellen ihnen Texte der Verheißung und Hoffnung zur Seite.
Ein Volk in der Wüste! Wenn das nicht der Stoff ist, aus dem die Geschichten nur so sprudeln! Israel ist aufgebrochen. Aus Ägypten, dem Sklavenhaus. Wie heißt es im Märchen? Was Besseres als den Tod finden wir überall! Bremer Stadtmusikanten! Aber die Freiheit zieht sich hin. Jetzt sind die Menschen in der Wüste. Von ihnen wird erzählt, dass sie sich nach den Fleischtöpfen Ägyptens zurücksehnen. Wir hören böse Worte. Vorwürfe. Generalabrechnungen. Überall liegen auf einmal Leichen im Keller. Auch in der Wüste. Armer Mose. Idyllisch ist hier nichts. Nur der uns unbekannte Erzähler spannt die Geschichte auf einen neuen Faden. Bedächtig, behutsam. Auf einmal sieht sie ganz anders aus. Israel – auf Adlerflügeln getragen! Wohin getragen? In die Wüste? In ein Niemandsland? Nein, zu Gott. Er hat das Klagen in Ägypten gehört. Die ausweglose Situation gesehen. Zwischen den Zeilen gelesen. Auf Adlerflügeln getragen! Was für eine Weite? Was für eine Höhe! Die mühsamen, endlos langen, endlos ermüdenden Wege – weggetragen. Die hängenden Zungen, die verschwitzten Gesichter, das Gemaule der Kinder – weggetragen. Die Zweifel, die Aggressionen, die Ängste – weggetragen.
Mir gehört die ganze Erde,
ihr aber sollt mir als ein Königreich von Priestern
und als ein heiliges Volk gehören.
Das erfährt das Volk Israel – in der Wüste! Hier am Berg Sinai! Tatsächlich: hier entsteht eine neue Geschichte. Eine neue Seite wird aufgeschlagen. Es ist eine Fortsetzung in der Liebesgeschichte Gottes mit den Menschen. Majestätisch. Mit Adlerflügeln. Wie groß die Worte doch sind: Königreich von Priestern und ein heiliges Volk. Ich fürchte, die Enttäuschung ist vorprogrammiert.
Wir schauen auf Wochen zurück, die alte Worte neu schufen: Lockdown, Shutdown. Jetzt kein Film, kein Computerspiel. Wie sich das anfühlt: Zurückfahren. Stilllegen. Leergefegte Straßenzüge kommen uns in den Sinn. Im Häusermeer huschen vereinzelte Gestalten. Eine große, eine befremdliche, eine befreiende Stille. Nur: Ist New York noch eine Stadt? Wien noch eine Stadt? Wieder eine Stadt? Oder – eine Wüste? Viele Menschen erzählen, was Corona mit ihnen macht. Sie erzählen auch davon, was sie vorher schon mitgenommen hat. Eigentlich sind es auch Wüstengeschichten. Geschichten von Leere, von verlorenen Erinnerungen, von hoffnungsloser Verunsicherung. Gelegentlich verstecken sich diese Geschichten hinter harten Fassaden, markigen Worten und einer kaum gebändigten Aggressivität. Schwäche verwandelt sich in Adlerflügel, die nur nicht mehr tragen. Traurig hoppelt der König der Lüfte durch den Staub.
Ich lese einen Artikel über Göttingen. Eine schöne Stadt. Unweit vom Bahnhof aber gibt es eine Hochhaussiedlung in einem so genannten sozialen Brennpunkt. Ein „ehrenwertes Haus“ gerät in eine Überschrift. In dem Artikel heißt es: „17 Stockwerke, mehr als 400 Wohnungen, gut 600 gemeldete Bewohner, in Wahrheit vermutlich eher 700. Unter ihnen Arbeitslose, Studenten, Flüchtlinge, Migranten, Drogensüchtige, Rentner. Auf dem abgesperrten Parkplatz vor den Hochhäusern stehen Autos ohne Nummernschilder, die meisten Fahrräder vor den Haustüren haben verbogene Laufräder oder keinen Sattel mehr. In einem Aufzug in der Nummer sechs steht eine Liebeserklärung auf Russisch, im zwölften Stock ist eine der gläsernen Flurtüren zerborsten, auf einer anderen beleidigt ein Graffito Drogensüchtige als „Dreck“; die Antwort eines anderen darauf heißt nur: „Kanacken“.“
(FAZ 07.06.2020)
Hier gibt es einen massenhaften Ausbruch von Corona. Die Folgen sind noch nicht absehbar. Neue, weitere Einschränkungen drohen. Viele Menschen aber werden schuldig gesprochen – viele Menschen stigmatisiert. Noch einmal. Noch einmal mehr. Eine Wüstengeschichte in der Tageszeitung. Adlerflügel kommen vielleicht in Gedichten vor – hier nicht.
Die Wochen im Jahreskreis, gottesdienstlich fein abgezählt, sind angeblich festlos. Sie könnten sommerlich leicht sein und sind es doch oft nicht. Dafür gehen wir mit Israel einmal in die Wüste, um unsere Geschichten dazu zu legen. Corona hat immer noch Geheimnisse. Schulden explodieren. Und es ist immer noch nicht gut - oder ausreichend. Für viele Menschen, weltweit, ist das Leben noch schwerer geworden und die Zukunft dunkler. Manches, was vor Corona schon auf der Kippe stand, rutscht haltlos in die Tiefe.
Und weltweit hören wir die Klage über Rassismus, staatliche Repression, polizeilichen Machtmissbrauch.
Ich sehne mich nach einem Königreich von Priestern.
Ich sehne mich nach einem heiligen Volk.
Im Evangelium lesen wir heute:
In jener Zeit,
als er die vielen Menschen sah,
hatte er Mitleid mit ihnen;
denn sie waren müde und erschöpft
wie Schafe, die keinen Hirten haben.
Was sieht Jesus? Er sieht Menschen, die müde und erschöpft sind, die alleine kämpfen und mit sich alleine sind. Für sie sorgt niemand. Sehen ist mehr als etwas sehen – sehen heißt hier, in die Geschichten von Menschen zu blicken, in ihre Herzen. In ihre Enttäuschungen, ihre Trauer. Ihre Langeweile, ihre Hoffnungen. Sehen ist hier der Inbegriff von Nähe und Vertrautheit. Ein anderes Wort für Liebe.
Nein, die Verantwortung wird den Menschen nicht genommen, auch nicht die Verantwortung für sich selbst, doch das Evangelium erzählt von einem Verstehen, dass Flügel verleiht. Adlerflügel? Adlerflügel! Menschen, auch die nicht verträglichen, werden getragen.
Jesus schickt Menschen los, in seinem Namen und in seinem Auftrag „unreine Geister“ auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen. Ganz unbescheiden, auffälligerweise: alle Krankheiten und Leiden. Das Reich Gottes ist nahe. Das hat Jesus von Anfang an gesagt. In vielen Variationen sehen wir eine neue Zeit anbrechen, die dann gar nicht so neu ist wie sie immer genannt wird. Immer, wenn Gott kommt, wird alles neu!
Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe!
Heilt Kranke,
weckt Tote auf,
macht Aussätzige rein,
treibt Dämonen aus!
Umsonst habt ihr empfangen,
umsonst sollt ihr geben.
Die ersten wohlklingenden Namen, die sich darauf einließen, erfahren wir im Evangelium auch. Einfache Leute, sie alle – und doch: Säulen der Kirche! „An erster Stelle Simon, genannt Petrus,
und sein Bruder Andreas, dann Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und sein Bruder Johannes,
Philippus und Bartholomäus, Thomas und Matthäus, der Zöllner, Jakobus, der Sohn des Alphäus,
und Thaddäus, Simon Kananäus und Judas Iskariot, der ihn ausgeliefert hat.“
Der ihn ausgeliefert hat.
Das macht mir Mut, allen Bedenken zum Trotz, unsere Namen da auch einzufügen. Im Text ist noch Platz für uns. Platz für Hoffnungsgeschichten. Platz für Liebesgeschichten.
Mir gehört die ganze Erde,
ihr aber sollt mir als ein Königreich von Priestern
und als ein heiliges Volk gehören.
Wer jetzt sagt, er könne keine Toten auferwecken, keine Dämonen austreiben, Aussätzige nicht rein machen – der soll sich auf Adlerflügeln tragen lassen!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Anknüpfend an die Lesung aus Exodus (19,6) und an 1 Petr 2,9 tun wir gut daran, uns von Zeit zu Zeit unsere Berufung bewusst zu machen und unser Handeln danach auszurichten. Das priesterliche Wirken aller Gläubigen verändert nicht nur unser Selbstbewusstsein, es ist ein wichtiger Dienst in der Welt und an der Welt.
Als Predigttext habe ich heute den letzten Satz der Epistel genommen. Er lautet: „Ihr sollt mir als ein Reich von Priestern und als ein heiliges Volk gehören“ (Ex 19,6). Ein ähnlicher Satz steht im ersten Petrusbrief: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat“ (1 Petr 2,9).
Bei diesem Satz fällt mir auf, dass jeder von uns berufen ist, priesterlich zu wirken. Das 2. Vatikanische Konzil spricht nicht nur vom amtlichen, sondern auch vom „gemeinsamen Priestertum“ aller Gläubigen. Auf Grund der Taufe haben wir die Aufgabe der Vermittlung und Verkündigung des Heils. Die Eltern sind die ersten Katecheten der Kinder. Sie beten mit ihren Söhnen und Töchtern und segnen sie.
Eines Tages kam ein Religionslehrer zu seinem Heimatpfarrer und bat ihn, dass er ihm seine neue Wohnung einweihe. „Das darfst du selbst machen“, sagte der Pfarrer zu ihm. „Du kannst auch die Autoweihe vornehmen“. Dazu kann sich einer von der Pfarre das Rituale ausleihen.
Auf Grund des allgemeinen Priestertums darf man nach den kirchlichen Verordnungen auch zu bestimmten Anlässen predigen. Z.B. zum Mutter- oder Vatertag, zum Begräbnis oder zum Wortgottesdienst.
Man sagt, dass die Spendung der Sakramente zu den Höhepunkten des priesterlichen Wirkens gehöre. Ist uns bekannt, dass alle Gläubige zwei Sakramente spenden dürfen? Taufe und Ehe. Die Taufe soll jedoch nur im Notfall gespendet werden. Aber das Sakrament der Ehe spenden sich die Eheleute selbst. Sie sind füreinander Priester. Mann und Frau sind Helfer auf dem Weg zu Gott. Die Ehe ist nicht nur eine biologische, wirtschaftliche, sondern auch eine religiöse Gemeinschaft. Die Ehepartner und ihre Kinder sollen erfahren, dass Gottes Gnade und Zusage an uns endgültig und unwiderruflich ist.
Extra betonen möchte ich, dass sich das Priestertum aller Gläubigen besonders bei der heiligen Messe auswirkt. Christus hat uns in der Taufe alles geschenkt, er ist mit uns eine Gütergemeinschaft eingegangen. Das heißt, ich kann bei der Messe das Opfer Jesu am Kreuz zu meinem eigenen machen. Das ist eine ungeheure Chance und hat eine Tragweite, die wir nur erahnen können. So werden wir vor Gott gerecht und liebenswürdig. So können wir Gott gebührend loben, preisen und danken.
Wir haben durch die Taufe freien Zugang zu Gott. Das ist die größte Gnade. Ich gehe zur Messe, weil ich durch die Kommunion mit der Quelle und Fülle des Lebens verbunden werde. So gesehen hat das ewige Ostermahl schon auf Erden begonnen.
Wir sind Priester. Daher sollen wir alle Menschen segnen. Der Segen ist ein Zeichen der Zuwendung Gottes. Das bringt das lateinische Wort „benedicere“ wunderbar zum Ausdruck. Wir sollen den Menschen von Gott Gutes sagen, wir sind bei ihm wie bei einer Mutter geborgen. Weil Gott kein Geschöpf fallen lässt, dürfen auch wir keinen Menschen abschreiben. Unser priesterlicher Dienst beginnt mit dem Segen. Es freut mich, dass dies schon vielen Menschen bewusst ist.
Literatur: Elmar Mitterstieler, Das wunderbare Licht, in dem wir leben. Gleichheit, Würde und Priestertum aller in der Kirche. Würzburg, Echter Verlag 2011.
Wer sind heute die Müden und Erschöpften, die Hirtensorge nötig haben? Die Kriterien dafür haben sich im Laufe der Zeiten geändert. Es gibt aber auch heute viele Menschen, die darauf warten, dass ihnen das nahende Himmelreich angekündigt wird.
Zur Zeit Jesu gab es noch keine Trennung zwischen der profanen und religiösen Welt, so wie wir sie heute kennen. Ganz normale Lebensereignisse wurden mit religiösen Regeln und Weisungen in Verbindung gebracht. Das religiöse Verhalten der Menschen hatte Auswirkungen in ihr privates oder berufliches Leben.
So wurde Krankheit nicht nur als eine Fehlfunktion des Körpers verstanden, sondern auch als Reaktion Gottes auf ein Fehlverhalten des Menschen. Wer krank ist, hat gesündigt und ist so von Gott getrennt. Dämonen sind nicht nur Ausdruck einer psychischen Störung, sondern einen Indiz dafür, dass jemand von Satan berührt ist. Und der Tod wird nicht nur als Ende des Lebens sondern als Ausschluss vom Leben spendenden Gotteskult verstanden: „Tote können den Herrn nicht mehr loben, keiner, der ins Schweigen hinabfuhr.“ (Ps 115,17).
Deshalb verbindet das heutige Evangelium den Auftrag zur Verkündigung der frohen Botschaft eben mit der Vollmacht, Menschen von diesem belastenden Schicksalsschlägen zu befreien. Wer nicht mehr krank ist, ist versöhnt mit Gott. Wer davon befreit ist, steht nicht mehr unter dem Einfluss des Bösen. Und wer wieder ins Leben zurückgerufen wurde, kann wieder am Kult teilnehmen und somit das Leben gewinnen.
Unser religiöses Verständnis von Krankheit, dämonischer Besessenheit und Tod hat sich verändert. Wer krank ist, geht zum Arzt. Wer unter einer psychischen Störung leidet, zum Psychiater oder Psychologen. Krankheiten zu heilen und Dämonen austreiben sind heute nicht mehr zentrale Zeichen der nahenden Gottes Herrschaft.
Und trotzdem warten Menschen auf die Zusage der Nähe und Liebe Gottes. Und der Herr gibt uns im heutigen Evangelium Hinweise darauf, wo Menschen heute warten: Christus spricht von Menschen, die müde und erschöpft sind. Die wie Schafe ohne Hirten sind.
Auf der Suche nach dem Grund dieser Müdigkeit und Erschöpfung kann es helfen, Zeitgenossen zu befragen. Manchmal beschreiben sie aus ihrer Wahrnehmung gesellschaftliche Herausforderungen, die wir als Jünger und Jüngerinnen Christi durchaus ernst nehmen sollten.
Nicht nur unsere Kinder und Jugendlichen stehen unter einem gewaltigen Zeitdruck, aber auch Erwartungsdruck der Schule, in ihren Vereinen, bei ihren Eltern und so vielen anderen. Auch die meisten Erwachsenen haben kaum noch Zeit, werden von ihren beruflichen Herausforderungen erdrückt, gestresst und gehetzt. Vieles hat damit zu tun, dass unserer Berufs-, aber auch Schulleben immer mehr und mehr von Leistungsbeurteilungen und Schulnoten abhängig ist. Schüler und Schülerinnen haben große Ängste, dass sich ihre Berufspläne aufgrund ihrer schulischen Leistungen nicht mehr erfüllen lassen. Und viele Erwachsene werden von den jährlichen Leistungsbeurteilung so unter Druck gesetzt, dass kein Raum mehr bleibt, um auch einmal zugeben zu können: das schaffe ich jetzt nicht mehr. Hier brauche ich Hilfe.
Cecilia Bognon Küss, eine junge französische Philosophin, beschreibt in einem Beitrag Möglichkeiten, mittels synthetischer Biologie Leben künstlich zu erzeugen. Am Ende des Artikels fragt sie ziemlich ratlos: „Wir wissen, was wir können. Aber wir wissen nicht mehr, was wir sollen!“ Also auch die, die es geschafft haben und beruflich erfolgreich sind, haben manchmal die Orientierung verloren und fragen sich: „Mache ich das, was ich tue, eigentlich richtig? Was ist gut, was ist aber vielleicht auch nicht gut, obwohl ich es tun könnte?
Und nicht zuletzt stellte Gregor Gysi vor kurzem folgendes fest: Die großen Kirchen in Deutschland haben eine einzigartige Rolle bei der Wertevermittlung. Derzeit seien nur noch sie in der Lage, "Werte und moralische Maßstäbe halbwegs allgemein zu formulieren“. Seit Aristoteles beschäftigt sich die Philosophie mit der Frage nach dem „Guten“ und den damit verbundenen „Werten“. Für uns Christen geht diese Frage noch tiefer. „Niemand ist gut als nur einer, Gott!“, sagt Christus. (Lk 18, 19). Gysi macht die Kirchen also nicht nur zu Anwälten des Guten, sondern letztlich zu Anwälten der Gegenwart Gottes in unserer Welt.
Keiner der so Beschriebenen würde sich als Schaf verstehen, das ohne Hirten ist. Aber sie beschreiben auf ihre Weise Gründe für die Müdigkeit und Erschöpfung vieler unserer Zeitgenossen.
Vielleicht würde deshalb die Sendung Christi an uns heute so lauten:
Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe:
Helft den Menschen, die Erfüllung ihrer Sehnsucht nicht im Blick auf das immer „mehr“ zu suchen, sondern im Blick auf das Leben, das Gott schenkt und ermöglicht.
Sagt den Menschen, dass sie kein Produkt des Zufalls sind. Keine Laune der Natur. Sie sind von Gott geliebte und gewollte Menschen. Er traut ihnen zu, sinnvoll zu leben.
Seid Anwälte des Guten. Vor allem aber: Seid Zeugen dessen, der allein gut ist. Seid Zeugen Gottes in dieser Welt. Interessiert Euch für die Menschen, mit denen ihr lebt. Sagt ihnen, dass das Himmelreich nahe ist, indem ihr ihnen helft, dass ihr Leben gelingt.
Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.
In der Lesung aus Dtn erinnert Gott Mose daran, dass er sein Volk aus der Hand der Ägypter befreit und es auf Adlerflügeln getragen habe. Auch wir dürfen uns von Gott getragen wissen.
In der Lesung des heutigen Sonntags steht ein Wort, das mich persönlich anspricht, das mir für den Glauben wichtig ist. Es heißt: „Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern angetan habe, wie ich euch auf Adlerflügeln getragen und hierher zu mir gebracht habe.“ Im Buch Deuteronomium fand ich eine ähnliche Stelle. Sie lautet: „Wie der Adler, der sein Nest beschützt und über seinen Jungen schwebt, der seine Schwingen ausbreitet, ein Junges ergreift und es flügelschlagend davonträgt.“ (Dtn 32,11).
Solche Stellen: „Ein Adler ergreift sein Junges und trägt es,“ haben auch die Ornithologen, die Vogelkundler, gelesen. Sie sagten: „Schön und gut, kann schon sein, dass es so etwas gibt, aber gesehen haben wir das noch nie.“
Im Jahre 1978 beobachtete ein Vogelkundler in Mühlheim an der Ruhr Folgendes: Er wohnte an einem alten Kirchplatz, ihm gegenüber im Turm nistete jedes Jahr ein Falken-Paar. Zwei Junge schlüpften gewöhnlich aus, wuchsen heran, und eines Tages mussten sie in die Luft gehen, das heißt: fliegen. Die Kleinen standen dann zwei, drei Stunden an der Kante des Turmfensters, bis sie den Flug wagten. Und es ging auch immer gut.
In einem Jahr hatten die Falken-Eltern relativ schwach entwickelte Junge. Vor allem das zweite war noch klein, als es ans Fliegen ging. Die beiden standen drei Tage an der Brüstung und wagten es nicht, sich vom sicheren Halt abzuheben. Nun, endlich packte es das größere, der Flug gelang. Der kleinere Vogel brauchte noch eine Weile, bis er zu fliegen begann. Aber er flatterte so ängstlich und ungeschickt, dass er in dem Baum, der auf dem Kirchplatz stand, eine Notlandung produzierte. Die Mama setzte ihm nach, ordnete das Gefieder, schob den Kleinen ein paar Äste hinauf. Von dort startete er den zweiten Versuch. Aber er zappelte wieder und es ging mit ihm steil hinunter. Unten auf dem Kirchplatz spielten Kinder mit ihren Hunden. Bevor der Jungvogel unten aufprallte, schoss die Mutter wie ein Pfeil hinter ihm her, tauchte unter ihn, so dass sich das Junge an ihrem Rücken festkrallen konnte und hob es in die Höhe. Nun, aus dem Jungen wurde auch ein richtiger Falke, der alle Flugkünste beherrschte.
Aber, erstmals hatte ein Vogelkundler so etwas beobachtet. Was bei einem Falken möglich ist, kann auch bei einem Adler vorkommen. Wenige Jahre später wurde dies in der Steiermark bestätigt. Das gibt es, dass ein Adler ein Junges ergreift und es flügelschlagend davonträgt.
Was die Heilige Schrift mit diesem Wort meint, ist klar: Gott hat sein Volk Israel, das in Ägypten versklavt war und vernichtet werden sollte, herausgeholt und durch die Wüste, durch eine lebensfeindliche Gegend geführt, er hat es aus einer bedrohlichen Situation gerettet, wie eben der Falke bei seinem Jungen.
Wenn wir dann weiterfragen, warum tut Gott das? Die Antwort steht auch an dieser Stelle: „Ihr seid mein besonderes Eigentum;“ „ihr gehört mir als ein heiliges Volk.“ Gott ist es, der von sich aus beginnt, gerade dieses Volk zu lieben, es zu führen, es zu schützen, zu retten. Er tut es, weil er es so will.
Was für Israel galt, gilt erst recht für das Volk Gottes des Neuen Bundes, für die Kirche, für uns als Christen. Gott ist zu uns wie der Adler, der sein Junges ergreift und es flügelschlagend davonträgt. Bereits am Beginn, der Ursprung wurde das klar: Gott hat sich in seinem Sohn ganz für uns eingesetzt, er ist am Kreuz für uns gestorben und auferstanden. Wir Menschen wären sonst in Sünde, in Schuld untergegangen. Er hat uns den Heiligen Geist gesandt. Damit wissen wir: Wir gehören zu ihm, wir sind sein auserwähltes Volk, wir sind seine Familie, wir haben Beziehung zu ihm, wie Kinder zu ihren Eltern.
Wenn wir dann fragen: Was bringt uns das? Wohin führt uns diese Erkenntnis, von Gott getragen und geschützt zu sein, dann sehe ich drei Bereiche:
1. Wir dürfen wahrnehmen, müssen es erkennen: Gott hat uns dieses Leben geschenkt und er unternimmt alles, um es uns zu erhalten, um es zu schützen, um uns auf einen guten Weg zu führen, um unser Leben wertvoll werden zu lassen. Dafür haben wir zu danken, ich hoffe, Sie tun es jeden Tag. In uns lebt und wirkt der Heilige Geist, er trägt uns und führt uns. So können wir in Ruhe und Vertrauen leben, können gelassen unseren Weg gehen. Selbst wenn wir sterben, er trägt uns ins ewige Leben, in die ewige Gemeinschaft mit ihm.
2. Es wird bei uns allen Wegstrecken geben, da fühlen wir uns „wie in der Wüste.“ Das kann eine lebensbedrohliche Krankheit sein, schweres Leid, zerbrochene Beziehungen. Oder: Wir führen ein alltägliches, allzu durchschnittliches Leben, langweilig, kleinkariert, kämpfen mit täglichen kleinen Sorgen, haben die ewigen unnützen Streitereien. Das Leben hat uns wirklich nichts Großartiges, Besonderes zu bieten. Solche Wüstenstrecken können wir nur bestehen, wenn wir darauf vertrauen: Da ist einer, der trägt mich. Da ist einer, der holt mich aus einer Situation, in der es wirklich bedrohlich für mich wird, heraus.
3. Damit das Bewusstsein „Gott trägt mich“ bei uns greift, damit es uns hilft, ist etwas nötig: Sich erinnern. Wie Israel sich jede Woche am Sabbat daran erinnert hat: Gott hat uns befreit, er hat uns durch die Wüste getragen, so müssen auch wir immer wieder daran denken: Jesus Christus hat uns alle, hat die Kirche gerettet, hat uns erlöst. Und jeder Einzelne hier hat das – so hoffe ich, - oft genug erfahren: Er hat mir geholfen, er hat mich getragen, er hat mich geführt.
Allerdings, wir Menschen sind manchmal sehr vergesslich. Wir nehmen das Gute selbstverständlich, gewöhnen uns locker daran, vergessen gern den Gott, der uns das schenkt. Deshalb brauchen wir Formen, um uns zu erinnern. Eine ist das Gebet, eine andere der Gottesdienst, wie wir ihn jetzt und jeden Sonntag feiern. Hier denken wir an Jesu Tod und Auferstehung, dieses Geschehen wird hier gegenwärtig. Dafür müssen wir dankbar sein. Und ich hoffe, niemand hindert Sie, am Sonntag zu beten: „Ich danke dir, dass du mich durch diese Woche getragen hast.“
Firmspendungen in einigen Pfarren liegen hinter mir. In den eigenen Pfarren sind diese in diesem Jahr ebenfalls Vergangenheit. Es ist interessant in diversen Pfarren mitzubekommen und zu sehen sowie zu hören, welch Mühen und Anstrengungen sich Mitarbeiter unterziehen und auferlegen in der Vorbereitung der Firmkandidaten. Und erst recht im Gestalten des Firmgottesdienstes. Die Firmlinge treten an um zu begrüßen, sie treten an, um einen Einleitungstext zu sprechen, sie treten an, um Bußgedanken vorzubringen, sie treten an, um zum Evangelium Sprüchleins zu sagen, sie treten an, um vor und nach der Firmspendung einen Text vorzutragen, sie treten an und treten an und bringen auch noch nach der Kommunion einen Meditationstext, und sie sind getrimmt auf so genannte rhythmische Lieder, die ja so etwas für junge Leute sind.
Oh Schreck, oh Graus, nach der Firmung sind sie weg. Sie werden von kaum bis nie wieder gesehen. Manche dann doch irgendwann, irgendwo wieder. Irgendwie funktioniert da etwas nicht mit Familie Kirche. So gerne wird von Schwesterlichkeit und Brüderlichkeit in der Kirche gesprochen. Sogar in Gebeten im Messbuch bitten wir Gott, dass er auf seine Familie schauen möge. Erhört er unsere Formeln nicht? Oder hat es doch einen Haken mit Familie, Schwestern und Brüdern. Nämlich, dass die Kinder doch Flügge werden müssen?! Oder nicht?!
Wir wollen mündige Christen, Menschen, die in Welt und Kirche Verantwortung übernehmen und dann dürfen sie nicht flügge werden, dann müssten sie am Schürzenzipfel der Mutter Kirche kleben bleiben! Ach, sie sind ja noch nicht so reif, sie können das ja noch nicht! Aber in der ganzen Vorbereitung wird ihnen gesagt, das Firmsakrament ist das Sakrament, durch welches sie jetzt mündige Christen, oder der Verantwortung gewachsene Christen werden.
Aber sie sind doch dazu nicht fähig! Sie verabschieden sich doch per Firmung von Kirche. Ja warum werden sie dann gefirmt? Was wird da in der Vorbereitung bis hin zur Firmspendung herum- und vorgegaukelt?!
Konrad Paul Liessmann, Professor für Philosophie an der Uni Wien, bringt, denke ich in seinem Essay Juvenilität (siehe Kontexte) einiges auf den Punkt. Es wird Flexibilität, Mobilität und Globalisierung verkündet. Das verkünden aber die Erwachsenen. Von einem Arbeitsplatz bis zur Pensionierung zu träumen ist ja sowieso nur mehr die Vorstellung eines Gestrigen. Ständig hat man sich für Neues offen zu halten und sich an Geldflüssen und Aktienströmungen zu orientieren. Folglich bleiben Treue, Heimatliebe, Traditionen und Prinzipien der Welt der Folklore reserviert.
Mit Homer oder Goethe im Kopf herumzulaufen führt in dieser Welt in den Wahnsinn. Damit kann niemand die Fernsehwelt auf sich einströmen, oder Radio einprasseln lassen. In der Medienwelt mithalten, oder seine Chancen nicht zu verspielen, da muss man eben anders ticken.
Letztlich weist aber Liessmann schon hin, dass Jugendzeit vergeht, ein Durchgangsstadium ist, und nicht überbewertet werden darf. Und die Welt wird folglich dadurch weder besser, aber auch nicht schlechter.
Somit werfe ich hier die Frage ein, was bedeutet das nun für Kirche? Oder bedeutet es doch nichts? Es muss etwas bedeuten, degeneriert sich Kirche nicht selbst zu einem Folkloreverein. Viele Aktionen und Vorgänge deuten leider in diese Richtung.
Nun, mit wem würde Jesus heute Mitleid haben? Ich würde sagen mit uns, den hauptamtlichen Seelsorgern in der Kirche und zwar nicht wegen unserer Müdigkeit und Erschöpfung, sondern wegen unserer Naivität. Liegt nicht hier etwa eine Aktualisierung unserer matthäischen Evangelienperikope? Die Ernte ist groß, aber wir bürokratisieren und versuchen uns mit Methoden der Spaßgesellschaft. Bzw. Haupt- und Ehrenamtliche machen Spagat um Spagat, um ihre Existenzberechtigung zu beweisen und die Rückmeldung zu erhalten, wie geil doch wieder eine Veranstaltung, Gottesdienst mit eingeschlossen, gelaufen ist.
Dem gegenübergestellt klingt die Evangelienstelle dezent und spiegelt eine Schlichtheit, da bei all der Überdimension der Ernte dann doch der Herr, Gott, ins Spiel kommt und er der Hauptakteur oder der Eigentliche bleibt, nicht vergessen wird, nicht ausgeklammert wird, der sich um Arbeiter sorgt. Und erst nach Festhalten dieses Bestandes, erhalten die Jünger die Vollmacht.
Der tschechische Dichter Vladimír Holan, gest. 1980 in Prag, lebte in der Kommunistenzeit in selbst auferlegter Isolation. Sein Schaffen wurde von der kommunistischen Kulturpolitik faktisch ignoriert. Und doch klingt im Gedicht (siehe Kontexte), Parkspaziergang, bei allem was es gibt, / Es gibt Parks, es gibt Schwarzes,... Es gibt Worte, Es gibt Geschrei. Es gibt Schweigen…. Es gibt Berge. Und Helle… Es gibt im Zwang ein Geheimnis… Und darum: Einmal. Einmal…/ das doch letztlich ganz andere an und durch in diesem Wort Einmal. Es erinnert an die Redewendung der Erwachsenen aus meiner Kindheit, wurde uns nach einer von ihnen nicht in Ordnung befundenen Kindeshandlung gedroht mit dem Ausspruch: Na warte nur einmal! In diesem Fall war dieses Einmal negativ, eine Androhung von Sanktionen. Im Gedicht von Vladimír Holan schlägt dieses Einmal am Ende nach all den Aufzählungen, was es alles gibt, den Klang einer Wohltuendheit an, da selbst der Zwang das Geheimnis nicht töten kann, denn es lebt selbst im und somit wider Zwang.
Auf der 3. europäischen ökumenischen Versammlung, 3. bis 9. September 2007 in Sibiu /Hermannstadt / Nagyszeben in Rumänien, ich war als Delegierter dabei, malte Prof. Andrea Riccardi (Mitbegründer der Gemeinschaft Sant'Egidio) in seinem fulminanten Vortrag, "Das Licht Christi scheint auf alle - Hoffnung auf Erneuerung und Einheit in Europa", das Bild aller Möglichkeiten und Chancen von uns Christen in der Welt. Spirituelle Männer und Frauen verzichten nicht darauf, die Welt aufzurichten (siehe Kontexte). Und er unterstreicht dies mit einem Zitat von Martin Buber: "Bei sich selbst anfangen, das ist das Einzige was zählt… der Punkt des Archimedes, dass ich selbst die Welt verändern kann, besteht in meiner eigenen Veränderung."
Es scheint mir wesentlich im Bewusstsein zu haben, dass wir Kirche in der Welt und auf der Welt sind. Über die Tellerränder der eigenen Gemeinden hinauszublicken. Es ist leicht gesagt. Die Wirklichkeit in den Gemeinden zieht uns hier immer wieder hinunter. Und so ist es kein Wunder, wir schmoren im eigenen Saft und machen Spagat um Spagat. Dem zuwider handeln können legt sich im letzten Satz unserer Perikope nicht nur nahe, sondern liefert Basis, uns zu befreien von Zwängen und Nöten: Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.
Wann und wo fühlen Sie sich überfordert, allein und Dingen ausgesetzt, mit denen Sie nur schwer fertig werden?
Wann und wo spüren wir, spüren Sie und ich, dass wir einen anderen brauchen, damit wir mit einer Erfahrung, einer Situation oder einer Nachricht gut umgehen können?
Wann und wo erfahren Sie, es ist jemand da, der Sie trägt, der Zeit für sie hat, der Sie begleitet?
Wann und wo erreicht Sie die Botschaft Gott ist jemand, der Sie auf Adlerflügeln trägt, der für Sie gerade dann ein Hirte ist, wenn Sie sich verloren fühlen ?
Das Volk Israel hat im heutigen Evangelium den Auszug aus Ägypten mit all seinen Gefahren und Anstrengungen geschafft. Es ist in der Wüste an einem wichtigen Etappenziel, am Berg Sinai angekommen. Aber es beschleicht es auch das Gefühl, dass sich nach einem langen und gefährlichen Wegstück einstellt. Wie haben wir das eigentlich geschafft? Warum nehme ich das alles auf mich? Was wird noch auf uns zukommen? Warum bin ich nicht da geblieben, wo ich war, auch wenn dort nicht alles gut war? Gut aber auch, dass ich es bis hier her geschafft habe! Erfahrungen mitten in der Wüste, wo ein Teil geschafft ist und einiges noch vor einem liegt.
Oder auch die Menschen in den Dörfern und Städten, denen Jesus mit seinen Jüngern begegnet. Sie scheinen auf ein gutes Wort zu warten, auf jemanden, der sich ihnen zuwendet, der etwas mitzuteilen hat, das Hoffnung gibt. Die Menschen scheinen mit ihren Krankheiten, Leiden und Sorgen von Jesus etwas zu erwarten. Erfahrungen von Menschen, die sich verloren fühlen, oder im Bild des heutigen Bibeltextes von Schafen, die keinen Hirten haben.
Gerade bei Krankenbesuchen in der letzten Zeit begegnet mir immer wieder die Frage Warum? Diese Frage wird immer wieder gestellt und doch bin ich als Zuhörer und Seelsorger zu bestimmten Zeiten für bestimmte Fragen immer wieder besonders sensibel, es hat also auch etwas mit mir zu tun. Und die Menschen, die mich so gefragt haben, fragen sicherlich nach dem Grund ihres eigenen Leids, aber daran schloss sich unmittelbar auch die Frage nach dem oft zu großen Unglück in der Welt, dass Menschen unverschuldet trifft, wie jetzt in China und Birma.
Ich werde dann zunächst immer auch stumm, denn hier theologische Erklärungen zu versuchen ist oft kaum mehr als ein billiger Fluchtversuch vor einer wirklichen Antwort und ein Schlag ins Gesicht des Fragenden. Es gibt keine Antwort, die ich geben kann, die wirklich eine Antwort ist.
Und auch Jesus, der die Not der Menschen am eigenen Leibe spürt, gibt keine großartigen Erklärungen ab über Gottes Allmacht oder dass wir nur Vertrauen haben müssen. Nein, er wendet sich dem einzelnen Menschen zu. Und er tut etwas Zweites, er ruft seine Freunde zu sich und gibt ihnen den Auftrag für die Menschen da zu sein. Es sind Menschen mit einem Namen, Menschen, die man ansprechen kann, Menschen mit einem Gesicht, mit Hand und Fuß. Es geht in diesem Evangelium nicht um kirchliche Ämter, sondern darum, dass es Menschen gibt, die füreinander da sind, oder wie es die Lesung ausdrückt, ihr sollt mir als ein Reich von Priestern und als ein heiliges Volk gehören.
Dazu gehört dann auch die Glaubenserfahrung des Israeliten, die in der Lesung angesprochen ist. Gott hat das Leid seines Volkes in der Unterdrückung gesehen und es in die Freiheit geführt. Damit ist nicht gesagt, dass er den Menschen alle schwierigen Erfahrungen, alles Leid und alle Not abnimmt, aber schon, dass er der Gott ist, der mit Ihnen auf dem Weg ist, oder wie es in der Lesung heißt: wie ich euch auf Adlerflügeln bis hierher getragen habe. Aber auch der junge Adler, der lange von seinen Eltern getragen wird, muss irgendwann selber fliegen.
Zu unserer Freiheit als Menschen gehört, das Leid und Glück, Hoffnung und Trauer, Leben und Tod Teil unseres Lebens sind, weil wir freie Menschen und nicht Marionetten einer übergeordneten Macht sind.
Von Dietrich Bonhoeffer, der in seinem Lied: Von guten Mächten wunderbar geborgen, deutlich sein tiefes Grundvertrauen ausdrückt, kommt ebenso der Satz: Wir müssen in der Welt so mit Gott leben, als lebten wir ohne Gott. Der Deus ex machina, der alles für uns klärt ist der Gott der Bibel nicht.
Gott mutet uns das Leben zu, auch dann wenn es uns Angst macht, aber er ist auch der Adler, der uns trägt oder der Hirte der uns führt.
Wann und wo erreicht sie und mich diese Botschaft?
Lieder:
GL 144 Nun Jauchzt dem Herren
GL 146: Du rufst uns Herr, an deinen Tisch
GL 147: Herr Jesus Christ, dich zu uns wend
GL 275: Selig, wem Christus auf dem Weg begegnet
GL 392: Loben den Herren, den mächtigen König der Ehren
GL 446: Lass uns in deinem Namen, Herr
GL 450: Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht
GL 455: Alles meinem Gott zu Ehren
GL 456: Herr, du bist mein Leben
GL 457: Suchen und fragen, hoffen und sehn
GL 460: Wer leben will wie Gott auf dieser Erde
GL 461: Mir nach, sprich Christus, unser Held
GL 464: Gott liebt diese Welt, und wir sind sein Eigen
GL 477 Gott ruft sein Volk zusammen
GL 481: Sonne der Gerechtigkeit
GL 483: Halleluja, Ihr seid das Volk, das der Herr sich ausersehn
GL 484: Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben
GL 485: O Jesu Christe, wahres Licht
GL 487 Nun singe Lob du Christenheit
GL 491: Ich bin getauft und Gott geweiht (3. Str.)
GL 543 : Wohl denen, die da wandeln
GL Ö925: Fest soll mein Taufbund immer stehn
Psalmen und Kehrverse:
GL 56: Freut euch, wir sind Gottes Volk, erwählt durch seine Gnade - Mit Psalm 33 oder mit Psalm 100 - V.
Wüsten sind faszinierende Gegenden. Mal Sand, mal Geröll. Schier unendlich. Wenn Sie für dieses Jahr noch eine schöne Reise planen – hier gibt es Ideen! Die Abstandsregeln sind leicht einzuhalten.
Im übertragenen Sinn sind Wüsten aber Durststrecken, literarisch sogar Heimat der Dämonen und bösen Geister. Da will keiner von uns hin.
Heute aber führt uns die Lesung an den Berg Sinai. Drum herum: Wüste. Für die verunsicherten und auch irritierten Menschen stellt sich Gott als der vor, der sein Volk auf Adlerflügeln trägt – zu ihm hin. Die Wüste wird ganz leicht und in ihrer Weite ein Ort der Nähe.
Im Evangelium hören wir, wie Jesus auf Menschen schaut, die müde, verzagt und erschöpft sind.
Für sie findet er Menschen, die ihnen das Reich Gottes aufschließen, böse Geister vertreiben und heilen, was zerbrochen ist.
In der Wüste war Jesus auch.
Ihn rufen wir heute an, um seine Nähe zu erbitten:
Herr,
manche Wege sind so öde, dass wir über sie nur schimpfen können.
Corona haben wir satt.
Herr, erbarme dich.
Christus,
du hast den bösen Geistern das Fürchten gelehrt.
Bewahre uns davor, selbst böse Geister zu werden.
Christus, erbarme dich.
Herr,
wenn wir müde und erschöpft sind, schau gnädig auf uns.
Schenke uns den Mut, barmherzig zu sein.
Herr, erbarme dich.
Dankt ihm, preist seinen Namen!
Denn der HERR ist gut, /
ewig währt seine Huld *
und von Geschlecht zu Geschlecht seine Treue
(Ps.100)
Gott,
du unsere Hoffnung und Kraft,
ohne dich vermögen wir nichts.
Steh uns mit deiner Gnade bei,
damit wir denken, reden und tun, was dir gefällt.
Darum bitten wir im heiligen Geist durch Jesus Christus.
MB 11. Sonntag im Jahreskreis
Bittmesse
Du, Gott, hast uns deine Liebe darin erwiesen,
dass Christus für uns gestorben ist,
als wir noch Sünder waren.
Jetzt rühmen wir dich,
mit einem neuen Leben beschenkt zu sein,
mit dir versöhnt zu sein,
Frieden zu haben.
Du hast uns als deine Kinder öffentlich erklärt.
Jetzt sind wir eine bunte und farbenprächtige Familie,
verteilt über die ganze Welt.
Hilf uns,
Geborgenheit zu teilen,
Gerechtigkeit zu üben und
in jedem Menschen dein Gesicht zu erkennen.
Manchmal sind wir wie Schafe,
die keinen Hirten haben.
Doch Christus führt uns in das Leben.
Dein Geist ist mitten unter uns.
Von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Wir werden ein Königreich von Priestern genannt.
Wir werden als heiliges Volk angesehen.
Wir werden geschickt, böse Geister zu vertreiben,
Tote aufzuwecken und Gottes Reich zu verkünden.
Herr,
ein Virus hält die Welt in Atem.
Alte Sicherheiten tragen nicht mehr.
Die Welt ist klein geworden.
Herr, schenke uns den Mut der Versöhnung.
Herr,
vielen Menschen fällt es schwer,
Abstände und Regeln einzuhalten.
Viele bestätigen dabei alte Vorurteile.
Herr, schenke uns den Mut der Versöhnung.
Herr,
obwohl viel Geld eingesetzt wird,
lassen sich die Chancen nicht gleich verteilen.
Viele Menschen sind müde und erschöpft.
Herr, schenke uns den Mut der Versöhnung.
Herr,
weltweit gehen Menschen auf die Straße,
um gegen Rassismus, staatlich sanktioniertes Unrecht und polizeiliche Gewalt zu demonstrieren.
Oft wird auch die Trauer für neue Gewalt missbraucht.
Herr, schenke uns den Mut der Versöhnung.
Herr,
von der Wissenschaft werden endgültige und sichere Antworten erwartet.
Diskussionen verwirren viele Menschen.
Die Klugheit, um Grenzen zu wissen, verschwindet hinter der Sehnsucht, alles zu wissen und alles machen zu können.
Herr, schenke uns den Mut der Versöhnung.
Als Priester, Herr, bringen wir Menschen vor dein Angesicht,
als heiliges Volk stehen wir im Dienst deiner Liebe.
Was tot ist, machst du lebendig.
In Christus,
unserem Herrn.
Christus hat uns in seine Kirche berufen. Er selbst tat dabei den ersten Schritt. Wir sind aufgerufen, uns immer wieder neu für ihn und sein Angebot an uns zu entscheiden.
Durch ihn lasst uns den Vater bitten:
Für eine Kirche auf der Suche nach Wegen, den du ihren Gliedern durch ihre Berufungen und Begabungen weist.
Für eine Welt auf der Suche nach einem gleichwertigen Miteinander der Rassen, Religionen und Kulturen.
Für eine Gesellschaft auf der Suche nach einem Weg aus den Nöten der Pandemie, der Flüchtlingsströme und des Klimawandels.
Für alle Männer und Frauen auf der Suche nach einem gemeinsamen Weg auf Augenhöhe in den Familien, im geschäftlichen Umfeld und in der Kirche.
Für alle Menschen, die sich bis in ihren Tod hinein von deiner Liebe und Treue getragen wussten.
Vater!
Deine Zuwendung und Nähe können wir und brauchen wir uns nicht erarbeiten. Denn du bist es, der uns nahe sein will.
Dafür danken wir dir jetzt und allezeit. - Amen.
Herr, durch diese Gaben
nährst du den ganzen Menschen:
du gibst dem irdischen Leben Nahrung
und dem Leben der Gnade Wachstum.
Lass uns daraus immer neue Kraft schöpfen
für Seele und Leib.
Darum bitten wir im heiligen Geist durch Jesus Christus, unseren Herrn.
MB 11. Sonntag im Jahreskreis
Müden tischst du das Brot auf,
Verzagten füllst du den Becher,
Herr.
Jesus sagt: Nimm und iss.
Dir bringen wir unseren Hunger nach Leben,
die Sehnsucht, aufbrechen zu können
nach langer Trauer.
Du lädst uns ein, auszuruhen, Platz zu nehmen
an deinem Tisch.
Du schenkst uns dich.
Brot des Lebens,
Wein der Freude.
Mit dir wird alles verwandelt.
In Christus, der Brot ist und Wein.
Kehrvers,
z. B.: Freut euch: Wir sind Gottes Volk,
erwählt durch seine Gnade. (GL 56,1)
Gott unser Vater,
du nimmst Anteil an allem, was wir erleben,
woran wir uns freuen und woran wir leiden.
Wir treten vor dich, um dir zu danken und deine Größe zu preisen.
Kehrvers
Du hast mit den Menschen einen Bund geschlossen
und ihnen Gebote gegeben, die sie zum wahren Leben führen.
Du warst deinem Volk nahe und hast es in Schutz genommen.
Kehrvers
Dein Sohn Jesus Christus ist zum Guten Hirten geworden,
der sich der Müden und Erschöpften angenommen hat.
Er selbst hat Kranke geheilt, Tote zum Leben erweckt
und die Ausgestoßenen in die Gemeinschaft des Volkes zurückgeholt.
Kehrvers
Seinen Jüngern hat die Vollmacht gegeben zu verkünden,
wie nahe du den Menschen bist.
Sie haben es Jesus gleich getan und haben aller Welt gezeigt,
dass dein Reich mitten unter uns gegenwärtig ist.
Kehrvers
Er lädt auch uns ein, das Himmelreich zu bezeugen.
Umsonst haben wir empfangen, umsonst sollen wir geben.
Mit allen Aposteln und Heiligen stimmen wir ein in den Lobgesang auf deine Größe
und preisen wir dich mit unserem Lied.
Danklied, z. B. "Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren" (GL 392)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn wir erkennen deine Herrlichkeit in dem,
was du an uns getan hast:
Du bist uns mit der Macht deiner Gottheit
zu Hilfe gekommen und
hast uns durch deinen menschgewordenen Sohn
Rettung und Heil gebracht
aus unserer menschlichen Sterblichkeit.
So kam uns aus unserer Vergänglichkeit
das unvergängliche Leben
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir jetzt und in Ewigkeit
dein Erbarmen und singen mit den
Chören der Engel das Lob
deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 3
Gott allein
kann Neues erschaffen
aber du kannst das Neue
als Gottes Werk sehen
Gott allein
kann Leben schenken
aber du kannst das Leben
achten und lieben
Gott allein
kann Hoffnung wecken
aber du kannst
deine Hoffnung den Menschen zeigen
Gott allein
kann Freude schenken
aber du kannst
durch ein Lächeln die Freude weitergeben
Gott allein
kann in seinen Dienst rufen
aber du kannst dem Ruf folgen
und Zeugnis geben durch dein Leben
Gott allein
kann das Unmögliche
aber du kannst dein Möglichstes tun
nach einem Text eines unbekannten Verfassers
Herr, unser Gott,
das heilige Mahl ist ein sichtbares Zeichen,
dass deine Gläubigen in dir eins sind.
Lass diese Feier wirksam werden
für die Einheit der Kirche
Darum bitten wir im heiligen Geist
durch Jesus Christus, unseren Herrn.
MB 11. Sonntag im Jahreskreis
Du fängst immer neu mit uns an,
Gott, den die Zeit nicht altern kann.
Wir danken dir,
dein Volk zu sein,
von dir geliebt zu werden
und in deinem Namen
Menschen Hoffnung und Vertrauen zu schenken.
Eine neue Woche liegt wieder vor uns,
aber jeder Tag ist auch eine Überraschung.
Auf manche Begegnung freuen wir uns,
manchen Termin können wir kaum erwarten,
doch Befürchtungen und Sorgen
schleichen bei vielen Menschen um ihre Herzen.
Deinen Segen erbitten wir für alle Wege,
die wir uns vorgenommen haben zu gehen,
und deine Weisheit für alle Vorhaben,
die wir nicht in der Hand behalten können.
In deiner Liebe entdecken wir die Welt neu
In Christus, unserem Herrn.
Der Vorschlag für das Hausgebet des Pfarrverbandsteams Eggenburg liegt als PDF zum Download vor.
Zusammengestellt vom Pfarrverbandsteam Eggenburg - Burgschleinitz - Roggendorf - Kattau
„In die Wüste? … Du?“ – Mein Gegenüber schaut mich ungläubig an. Ja, ich gehe in die Wüste.
Nächste Woche schon geht’s los. Zwölf Tage – mit Rucksack, Schlafsack und Isomatte. Kein Auto. Kein Handy. Keine Uhr.
Nicht in die Sandwüste nach Afrika, sondern nach Jordanien. Dort gibt’s auch Sand, aber vor allem Steine und Felsen.
Ich gehe in die Wüste zum Wandern. Das auch. Aber vor allem, weil ich mal rauskommen will aus der Tretmühle.
Abschalten, frei werden von all dem, was da jeden Tag auf mich einstürmt – an Bildern, an Worten, an Reizen, an Aufgaben und Verpflichtungen. Manchmal habe ich das Gefühl, ich werde von all dem getrieben.
Darum gehe ich in die Wüste. Ich suche die Einsamkeit … und Gott. Dazu braucht es vor allem eins: Stille.
Ich glaube: Gott redet. Auch heute. Aber um mich herum ist es so laut. Ständig bin ich abgelenkt.
Und auch in mir ist es laut. Mein Kopf ist so voll. Und da kreisen so viele Gedanken: An das muss ich noch denken. Und das wollte ich noch besprechen. Und das andere nicht vergessen …
Da ist gar kein Platz für Gott. Keine Zeit. Rede ich mir zumindest ein.
Thomas Drumm, SWR4 Sonntagsgedanken 15.02.2105
https://www.kirche-im-swr.de/?page=manuskripte&id=19169
In die Wüste gehen
Pater Bernhard Eckerstorfer
https://www.youtube.com/watch?v=qyXoFOzE_Ng
Pater Bernhard Eckerstorfer
„Die Wüste wächst; weh dem, der Wüsten birgt“ (Nietzsche)
Digitalisat unter https://epub.ub.uni-muenchen.de/21695/1/Maassen3027.pdf
Erich Mühsam (1904)
Der Beruf des Hirten zählt zu den ältesten der Menschheitsgeschichte – und es ist ein harter Job. Bis heute. Und so gibt es in Deutschland nur noch wenige Schäfer. Die müssen schmunzeln über das idyllische Hirtenbild, das die Bibel zeichnet. In ihr ist er Metapher für den Prototyp des Kümmerers.
„Wir haben immer nur das pastorale, schöne Bild im Kopf: Sonnenschein, blauer Himmel, grünes Gras und dann die Schafe, die dastehen, und alles scheint so nett zu sein. Wir denken nicht, wie es wirklich ist, drei Uhr morgens im Winter, wenn die Lämmer kommen und wenn die Schafe krank sind und die Wölfe kommen …“
Tobias Kühn, Deutschlandfunk, 23.10.2019
https://www.deutschlandfunk.de/der-hirte-in-der-bibel-von-der-weide-ins-heiligtum.2540.de.html?dram:article_id=460165
Schafe brauchen einen Hirten. Wir Akademiker sind ja eine besondere Schafsrasse. Wir lieben die Höhenwege und geraten nur zu oft in Eis- und Schneezonen. Um irgendeiner uns nicht passenden Sommerhitze zu entgehen, bleiben wir schafsköpfisch an irgendeinem schmutzigen Schneefleck stehen, wo wir zugrunde gehen, wenn uns nicht einer herunterholt. Auch akademische Bergschafe brauchen einen Hirten und die ehrbaren Heidelberger Bürger wohl nicht weniger. - Schafe sind schwierige Zeitgenossen, ängstlich und schreckhaft. Werden sie aufgeschreckt, rennen sie sinnlos davon, und der Hirt hat viel Mühe und Not, bis er sie wieder findet und fängt. Schafe können ihren Hirten zur Verzweiflung bringen.
Aber wir verstehen die Bildrede von Hirt und Herde nicht, wenn wir nicht bedenken, daß Jesus Christus in der Bibelsprache nicht nur als »Hirt«, sondern auch als »Lamm« bezeichnet wird. Wenn wir erkennen wollen, was Jesus Christus als Hirt für uns heute bedeutet, müssen wir sehen, wie sehr er Hirt ist: so sehr, daß er eines ist mit seiner Herde, daß er aufgeht im einzelnen Herdentier, daß er aufgeht im Schwachen, Kranken, Gebrochenen, Versprengten, Verirrten. Er wird zum Lamm, zum Schaf, um aus Lämmern und Schafen - Hirten zu machen. Er nimmt das schafsköpfische Wesen von uns, gibt uns seinen Geist, den Geist freier Hirten.
Kein Christ bringt es weiter als bis zum Schaf, und keiner ist weniger als immer schon Hirt. Indem wir die Taufe empfangen haben, indem wir dem Hirten übereignet worden sind, werden aus Schafen Hirten. (…)
Ich möchte Sie einladen, einmal einen Blick hinter die Peterskirche zu werfen, um zu verstehen, was der lebendige Gott uns heute durch den alten Propheten sagt. Da steht an der Mauer ein verwitterter Grabstein, der uns an einen guten Menschen erinnern soll, und dieser Grabstein ist geschändet worden. Auf dem Sockel steht die Inschrift: »Gutes tun war Lohn für ihn und Leben«. Ausgerechnet dieser Stein wurde von einem Schmierer mit grüner Farbe bepinselt. Vielleicht geht es Ihnen wie mir, daß Sie zuerst einmal unwillig werden über diesen pietätlosen Pinsler. Lesen wir aber, was der in hilflosen Buchstaben auf den Grabstein schmierte: »Mich liebt kein Gott«, so schreit die grüne Farbe uns entgegen, und die Schändung, die hier geschah, ist eine Schande, meine Schande, unsere Schande. Ein Schwacher, ein Gebrochener, ein Versprengter, ein Verirrter hat das hingepinselt, und er hat noch mehr geschrieben. »Mich liebt kein Gott«, und drunter steht »Wo?«. Noch etwas: Auf dem Sockel sind einige rote Farbflecken. Offenbar wollte er zuerst die rote Farbe nehmen, nahm dann die grüne, die Farbe der Hoffnung. Da schreit eine Sehnsucht. Da ruft ein verirrtes Schaf nach der Gemeinde Jesu. Da schreit einer, der sich in irgendein Abseits verirrt hat und sich nach denen sehnt, die vom guten Hirten guten Hirtengeist empfangen haben und um die guten Weideplätze wissen. Aber wir, die wir uns regelmäßig versammelt haben, haben uns in der Regel versammelt, um uns selbst zu erbauen: »So spricht Gott der Herr: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst geweidet haben.«
Gehen wir nicht zu schnell von diesem Stein weg. Wie viele Menschen sind doch in Heidelberg, die keine Grabsteine verschmieren, und doch schreit aus ihnen: »Mich liebt kein Gott«, und doch fragen sie »Wo? Wo sind die Hirten? Wo ist jemand, der nach mir fragt? Wo? Wo? Ich steh' in der Einsamkeit, ich geh' zugrunde am schmutzigen Schnee«. – Wie viele Menschen bewegen sich zwischen der Heiliggeist- und Peterskirche wie Schafe, die keinen Hirten haben, weil wir an uns selbst immer zuerst denken. Wie vielen Menschen sind wir schon die Liebe Gottes schuldig geblieben? Der Pfarrer am Gefängnis klagt, daß er keine Leute findet, die Strafentlassene in ihr Haus aufnehmen, was Unannehmlichkeiten mit sich bringen würde. Ein bißchen Gutes tun möchten viele; aber sich ganz engagieren, das geht zu weit. – Was sollen wir tun? - Der Größe des Elends in dieser Stadt entspricht die Kleinheit und Schwäche unseres Glaubens und unserer Liebe.
Aus Rudolf Bohrens Predigt „Der Hirt“ (Ezechiel 34, 1-16) in:
http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/7164/3/3_Bohren_Anhang.pdf

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
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Der Bericht über die Gotteserscheinung am Berg Sinai gehört zu den fundamentalen Daten der Geschichte Israels. Im vorliegenden Abschnitt erhält Mose Anweisungen für die Vorbereitung auf die Gotteserscheinung (vgl. 19,16-20). Zuerst wird nochmals auf das Geschehen des Auszuges aus Ägypten hingewiesen.
In dem folgenden Geschehen am Berg Sinai folgt die Mitteilung des Dekaloges an Mose. (Kap. 20, 1-17).
Mose erhält den Auftrag, dem Volk Israel eine Botschaft zu übermitteln. Israel, als das Volk Gottes, soll auf die Stimme des Herrn hören. Es ist auch mitverantwortlich dafür, daß alle Völker der Erde den wahren Gott erkennen und ehren können.
Israel schlägt das Lager in der Wüste beim Gottesberg auf. Gottesberg deswegen, weil hier sich Gottesoffenbarung ereignet. Gott gibt sein Gesetz und Israel bekundet hier, dieses zu beachten. Im Bund wird dies verankert, festgeschrieben.
Die Freiheit aus der Knechtschaft, die Israel erlangt - auf Adlerflügel getragen - ufert nicht in Zügellosigkeit aus, sondern mündet ein in die Möglichkeit, sich auf den rettenden Gott einzulassen - Freiheit auf Gott hin.
Hier am Sinai liegt der Beginn und Ausgangspunkt der Fortschreibung einer Schiene der Geschichte Gottes mit Israel, die eben Ausdruck findet in einer Vielfalt und Reichhaltigkeit an Gesetzesformulierungen. Die Bücher Levitikus, Numeri, Deuteronomium zeugen reichlich davon.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive