Lesung aus der Apostelgeschichte.
In jenen Tagen
ließ der König Herodes
einige aus der Gemeinde verhaften und misshandeln.
Jakobus, den Bruder des Johannes,
ließ er mit dem Schwert hinrichten.
Als er sah, dass es den Juden gefiel,
ließ er auch Petrus festnehmen.
Das geschah in den Tagen der Ungesäuerten Brote.
Er nahm ihn also fest
und warf ihn ins Gefängnis.
Die Bewachung übertrug er vier Abteilungen von je vier Soldaten.
Er beabsichtigte,
ihn nach dem Paschafest dem Volk vorführen zu lassen.
Petrus wurde also im Gefängnis bewacht.
Die Gemeinde aber betete inständig für ihn zu Gott.
In der Nacht, ehe Herodes ihn vorführen lassen wollte,
schlief Petrus, mit zwei Ketten gefesselt, zwischen zwei Soldaten;
vor der Tür aber bewachten Posten den Kerker.
Und siehe, ein Engel des Herrn trat hinzu
und ein Licht strahlte in dem Raum.
Er stieß Petrus in die Seite,
weckte ihn
und sagte: Schnell, steh auf!
Da fielen die Ketten von seinen Händen.
Der Engel aber sagte zu ihm:
Gürte dich und zieh deine Sandalen an!
Er tat es.
Und der Engel sagte zu ihm:
Wirf deinen Mantel um und folge mir!
Und Petrus ging hinaus
und folgte ihm,
ohne zu wissen, dass es Wirklichkeit war,
was durch den Engel geschah;
es kam ihm vor,
als habe er eine Vision.
Sie gingen an der ersten und an der zweiten Wache vorbei
und kamen an das eiserne Tor, das in die Stadt führt;
es öffnete sich ihnen von selbst.
Sie traten hinaus
und gingen eine Gasse weit;
und sogleich verließ ihn der Engel.
Da kam Petrus zu sich
und sagte: Nun weiß ich wahrhaftig,
dass der Herr seinen Engel gesandt
und mich der Hand des Herodes entrissen hat
und alldem, was das Volk der Juden erwartet hat.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv - All meinen Ängsten hat mich der Herr entrissen. – Kv
Oder GL 651,3
Ich will den Herrn allezeit preisen; *
immer sei sein Lob in meinem Mund.
Meine Seele rühme sich des Herrn; *
die Armen sollen es hören und sich freuen. – (Kv)
Preist mit mir die Größe des Herrn, *
lasst uns gemeinsam seinen Namen erheben!
Ich suchte den Herrn und er gab mir Antwort, *
er hat mich all meinen Ängsten entrissen. – (Kv)
Die auf ihn blickten, werden strahlen, *
nie soll ihr Angesicht vor Scham erröten.
Da rief ein Armer und der Herr erhörte ihn *
und half ihm aus all seinen Nöten. – (Kv)
Der Engel des Herrn umschirmt, die ihn fürchten, *
und er befreit sie.
Kostet und seht, wie gut der Herr ist! *
Selig der Mensch, der zu ihm sich flüchtet! – Kv
Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus
an Timótheus.
Mein Sohn!
Ich werde schon geopfert
und die Zeit meines Aufbruchs ist nahe.
Ich habe den guten Kampf gekämpft,
den Lauf vollendet,
die Treue bewahrt.
Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit,
den mir der Herr, der gerechte Richter,
an jenem Tag geben wird,
aber nicht nur mir,
sondern allen, die sein Erscheinen ersehnen.
Der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft,
damit durch mich die Verkündigung vollendet wird
und alle Völker sie hören;
und so wurde ich dem Rachen des Löwen entrissen.
Der Herr wird mich allem bösen Treiben entreißen
und retten in sein himmlisches Reich.
Ihm sei die Ehre in alle Ewigkeit. Amen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der zweite Timotheusbrief gehört zu den sogenannten Pastoralbriefen. Wer dieses Schreiben liest, hört den Apostel Paulus sprechen, der sich in Erwartung seines nahen Todes aus Rom an seinen Mitarbeiter Timotheus wendet. Nach Auskunft der modernen Bibelwissenschaft stellt dieses Szenario eine Fiktion dar. Wie die beiden anderen Pastoralbriefe (Tit und 1 Tim) dürfte 2 Tim erst um 100 n. Chr., also lange nach dem Tod des Paulus, verfaßt worden sein.
Mit den ausgewählten Versen wird dem Apostel eine Art geistliches Testament in den Mund gelegt. Kurz vor seinem Martyrertod steht er als eifriger Verkündiger Jesu Christi und als treuer Verwalter der ihm anvertrauten Heilsgüter vor den Augen der Leser. Er wird als einer dargestellt, der sich seiner himmlischen Anerkennung gewiß ist. Der unbekannte Verfasser der Pastoralbriefe greift hier bereits nach dem Stilmittel der Hagiographie. Aus den echten Paulusbriefen ist durchaus auch das Bekenntnis über das eigene Ungenügen vor dem Herrn bekannt.
Da die Perikope, wie sie in der Liturgie Verwendung findet, aus zwei auseinanderliegenden Passagen des vierten Kapitels des zweiten Timotheusbriefes zusammengesetzt ist, hängt ihr Abschluss etwas in der Luft ("Der Herr stand mir zur Seite ..."). Er bezieht seine besondere Aussagekraft aus dem in der Lesung ausgelassenen Zwischenstück, wo davon die Rede ist, daß Paulus in einer "ersten Verteidigung" völlig alleine dagestanden sei. Gemeint ist vermutlich der Prozeß gegen den Apostel, in dessen Anfangsstadium niemand aus der römischen Christengemeinde zur Unterstützung bereit war. Demgegenüber wird dann eben zum Schluss des Lesungstextes der Beistand des Herrn gerühmt und am Ende sogar mit einer förmlichen Doxologie bedacht.
Die 2. Lesung des Apostelfestes ist dem 2. Timotheusbrief entnommen. Die beiden Timotheusbrief und der Titusbrief gehören dem Charakter nach zusammen, sie sind nach ihren Adressaten benannt, Timotheus und Titus. Beide sind Schüler des Paulus. Diese Briefe sind zwar in paulinischem Geist geschrieben, stammen aber mit Gewißheit nicht von Paulus selbst.
Der Verfasser legt Paulus eine Art Testament in den Mund, das er kurz vor seiner Hinrichtung seinen Schülern überträgt. Paulus wird von ihm bereits als Vollendeter betrachtet. Er spricht von ihm wie von einem Heiligen. Der Text ist ein Würdigung des Lebenswerkes des großen Apostels und Missionars.
Mit Timotheus kommt die zweite Generation der Nachfolger ins Spiel: Paulus sitzt in Rom im Gefängnis und erwartet den sicheren Untergang. Timotheus, der mit Paulus in der Heidenmission tätig gewesen ist, erhält Anweisungen, in welchem Geist er die Leitung der Gemeinden weiterführen soll. Zugleich wird ihm auch vor Augen geführt, wohin zutiefst echte Christusnachfolge führen kann.
Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus
an Timótheus.
Mein Sohn!
Ich werde schon geopfert
und die Zeit meines Aufbruchs ist nahe.
Ich habe den guten Kampf gekämpft,
den Lauf vollendet,
die Treue bewahrt.
Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit,
den mir der Herr, der gerechte Richter,
an jenem Tag geben wird,
aber nicht nur mir,
sondern allen, die sein Erscheinen ersehnen.
Beeil dich, bald zu mir zu kommen!
Denn Demas hat mich aus Liebe zu dieser Welt verlassen
und ist nach Thessalonich gegangen,
Crescens ging nach Galatien, Titus nach Dalmatien.
Lukas ist als Einziger bei mir.
Nimm Markus und bring ihn mit;
denn er ist für mich nützlich zum Dienst.
Tychikus habe ich nach Ephesus geschickt.
Wenn du kommst, bring den Mantel mit,
den ich in Troas bei Karpus gelassen habe,
auch die Bücher, vor allem die Pergamente!
Alexander, der Schmied, hat mir viel Böses getan;
der Herr wird ihm vergelten, wie es seine Taten verdienen.
Nimm auch du dich vor ihm in Acht,
denn er hat sich unseren Worten heftig widersetzt!
Bei meiner ersten Verteidigung
ist niemand für mich eingetreten;
alle haben mich im Stich gelassen.
Möge es ihnen nicht angerechnet werden.
Aber der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft,
damit durch mich die Verkündigung vollendet wird
und alle Völker sie hören;
und so wurde ich dem Rachen des Löwen entrissen.
Der Herr wird mich allem bösen Treiben entreißen
und retten in sein himmlisches Reich.
Ihm sei die Ehre in alle Ewigkeit. Amen.
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Du bist Petrus – der Fels –
und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen
und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit,
als Jesus in das Gebiet von Cäsaréa Philíppi kam,
fragte er seine Jünger und sprach:
Für wen halten die Menschen den Menschensohn?
Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer,
andere für Elíja,
wieder andere für Jeremía oder sonst einen Propheten.
Da sagte er zu ihnen: Ihr aber,
für wen haltet ihr mich?
Simon Petrus antwortete und sprach:
Du bist der Christus,
der Sohn des lebendigen Gottes!
Jesus antwortete und sagte zu ihm:
Selig bist du, Simon Barjóna;
denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart,
sondern mein Vater im Himmel.
Ich aber sage dir:
Du bist Petrus – der Fels –
und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen
und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.
Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben;
was du auf Erden binden wirst,
das wird im Himmel gebunden sein,
und was du auf Erden lösen wirst,
das wird im Himmel gelöst sein.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Evangelienperikope des nächsten Sonntags markiert einen Wendepunkt im Wirken Jesu, so wie es im Matthäus-Evangelium dargestellt wird: Jesus widmet sich, nachdem er zunehmend auf Unverständnis im Volk gestoßen ist, vornehmlich seinem Jüngerkreis.
Das Messiasbekenntnis des Petrus (Vers 16) ist nach dem Urteil der modernen Exegese als solches kein authentisches Wort des Apostels. Es macht aber deutlich, daß das Auftreten Jesu messianische Erwartungen (Messias, griechisch: Christus, heißt übersetzt "Gesalbter" und meint den endzeitlichen Heilsbringer) geweckt haben muß, wie sie schon in den Verheißungen des Alten Testaments vorkommen. Das hat es den Aposteln ermöglicht, Jesus nach seinem Tod und seiner Auferstehung als den Messias zu verkünden.
Ebenso entspricht die Verheißung Jesu für Petrus (Verse 18-19) ganz den nachösterlichen Vorstellungen von der Verbindung Christi mit seiner Kirche.
Wirkungsgeschichte: Seit dem 4. Jahrhundert und ganz besonders im vorigen Jahrhundert wurde unser Text in Theologie und Kirche zur Begründung der besonderen Stellung des Bischofs von Rom, also des Papstes, verwendet.
Das Messiasbekenntnis des Petrus findet sich in ähnlicher Form auch bei Markus und Lukas. Gegenüber der Markusvorlage enthält die Matthäusfassung jedoch ihre eigenen Akzente. Diese dürften Matthäus auch bereits vorgelegen sein.
Allen drei Fassungen gemeinsam ist der Dialog Jesu mit den Jüngern, für wen die Leute ihn hielten, die Frage Jesu, für wen die Jünger ihn hielten, sowie die Antwort, in der Petrus stellvertretend für alle Jünger bekennt, daß sie in ihm den Messias sehen.
Bei Matthäus ist jedoch der Dialog zwischen Petrus und Jesus ausgeweitet. Das Bekenntnis "Du bist der Messias" wird durch die Aussage "der Sohn des lebendigen Gottes" erweitert. Dies ist einerseits ein alter Messiastitel, andererseits aber auch eine Wesensaussage, die die Göttlichkeit Jesu hervorhebt. In der jüdischen Überlieferung gab es ja sehr unterschiedliche Vorstellungen über den erwarteten Messias.
Am auffälligsten ist jedoch die weiterführende Antwort Jesu gegenüber Petrus, die sich bei den anderen Evangelisten nicht findet. Dabei dürfte es sich um eine sehr alte Reflexion der besonderen Stellung des Petrus handeln, die dem Evangelisten bereist vorgelegen ist. Umstritten ist, ob es sich um authentische Jesusworte handelt. Unumstritten ist jedoch die hervorragende Stellung und Bedeutung des Petrus in der Gemeinde der ersten Jünger.
Jesus betont, daß diese Erkenntnis von Gott gewirkt ist, ein Geschenk des Glaubens, der Gnade. Darüber hinaus gibt er Simon den neuen Namen Kefas bzw. Petros, d. h. übersetzt Fels. Als Name oder Beiname war diese Bezeichnung ungewöhnlich. Im Alten Testament wird jedoch das Felsenbild für Gott verwendet (vgl. Psalm 18:3). Simon ist der feste Grund, auf dem Jesus selbst seine "Ekklesia" erbauen will.
Mit "Ekklesia" wird im Alten Testament das zum Gottesdienst versammelte Gottesvolk bezeichnet. Hier wird auf dem Felsen Simon ein neues Gottesvolk aufgebaut. Dieses Gottesvolk hält den Todesmächten ("Pforten der Hölle") stand, da es an der Auferstehung Jesu Anteil hat und nicht mehr der Macht des Todes unterworfen ist.
Simon Petrus wird vom Messias, dem Sohn Gottes, mit der Vollmacht ausgestattet, zu bannen und freizusprechen, zu verbieten und zu erlauben. Er ist Repräsentant der Jüngergemeinde und entscheidet mit göttlicher Autorität über den Zutritt zum Himmelreich. Symbol dafür ist der Schlüssel.
Nach seiner Berufung zum Menschenfischer erlebt Petrus nun, wie Jesus ihm eine Binde- und Lösegewalt übergibt und zum Fels der Kirche Christi erklärt. Gnilka (62ff) weist darauf hin, dass hier nicht eine Kirche im Sinne unserer Gestalt von Kirche zu denken ist, sondern zunächst einmal ein “universales Gottesvolk”. Unter Ekklesia ist also eher eine Abgrenzung zur Synagogengemeinde zu verstehen. Strukturen - etwa eines Papstamtes - zu beschreiben, war nicht in der matthäischen Absicht.
Der Volksmund kennt in seinen Sprüchen viele Einschätzungen: Kein Peter ohne Paul, kein Max ohne Moritz. Die Liturgie dieses Tages untermauert dieses Faktum noch. Kein Peter ohne Paul. Sie bringt dieses jüdische Doppelgespann in einem Hochfest zusammen, obwohl die beiden verschiedenartiger nicht sein könnten. Sie sind weit entfernt eines Sinnes zu sein sowohl in Nebensächlichkeiten wie in wichtigen Fragen. Darin liegt auch das Persönlichkeitsprofil der beiden.
Eher selten ergibt sich die Möglichkeit, im Sonntagsgottesdienst Peter und Paul einander gegenüberzustellen.
Petrus, ursprünglich Barjona, Sohn des Jona, herausragende Gestalt des Jüngerkreises, heißt eigentlich Symeon oder Simon (siehe Lk 5,3 und Apg 22,31). Seine Frau begleitete ihn später auf seinen Missionsreisen (1 Kor 9,5). Petrus war der Sprecher der Jünger und des Zwölferkreises. Das Bild seiner Persönlichkeit prägte sich in der Überlieferung ein: impulsiv bis cholerisch und tatkräftig (Mk 9,5; Lk 22,31f und Joh 13,37). Bei Cäsarea legt er sein Messiasbekenntnis ab, das wir im Evangelium gehört haben. (Mt 16,16).
Was hat diese Aussage zu bedeuten? Sie meint auf das gute Ende dieser irdischen Zeit zu vertrauen, auf Erlösung, auf ein Reich der Gerechtigkeit und des Friedens zu hoffen. Was sich Petrus darunter wirklich vorstellt, wissen wir nicht. Die Antwort Jesu ist aber eindeutig: "Nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel." (Mt 16,17). Petrus zeigt damit seine tiefe Gottverbundenheit und seinen Glauben. Jesus sagt aber noch weiter: "Du bist Petrus", also Stein, Fels (Mt 16,18). Jesus sieht somit etwas in Petrus, das diesem offenbar noch gar nicht bewusst war.
Dieses feierliche Bekenntnis des Petrus ist auch Bekenntnis der Kirche. Es ist der Fels, der ihr festen Halt gibt, der Schlüssel zum Himmelreich. Trotz allem widersetzt sich Petrus dem Weg nach Jerusalem und provoziert Jesus zu einer scharfen Zurechtweisung: "Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen." (Mt 16,23). Tatsächlich lernen wir Petrus wenige Stunden vor dem beginnenden Leiden Jesu als schwache Persönlichkeit kennen: er schläft, wo er wachen soll, er zaudert und vertraut nicht, er leugnet, weil die Situation für ihn lebensbedrohlich sein könnte, daher auch die dreimalige Frage an Petrus im Johannesevangelium: "Simon Petrus, liebst du mich?" (Joh 21,15). Petrus glaubt, solange er damit nicht überfordert war. Petrus wusste um seine Schwäche, seine Hinfälligkeit, daher auch sein Tränenmeer, das ihn von aller Schuld reinigt. So war Petrus manchmal ganz nahe bei Jesus, manchmal mied er ihn.
Ganz anders ist Paulus zu sehen. Sein einziger Zugang zu Jesus war seine Berufungsvision (Apg 9). Das Damaskuserlebnis wird zum Präludium für das weitere Geschehen. Die Bekehrung geht vor der Engstirnigkeit des "Nur-sich-selbst-Kennens" hin zum Universalismus. Saul - so sein Ursprungsname - bedeutet "der Ersehnte", stammte aus Tarsus in Zilizien, geboren zwischen 8 und 12 n. Chr., hatte eine deutlich ältere Schwester, Sohn von Diasporajuden, erhielt eine rabbinische Ausbildung, studierte bei Gamaliel in Jerusalem, ist der pharisäischen Richtung zuzuordnen, Zeltmacher, fanatischer Christenverfolger bis zu seiner Bekehrung um 33 n. Chr.
Paulus sitzt zunächst zwischen zwei Sesseln: Die Juden brauchen ihn nicht, die Christen auch nicht und doch wird er zum auserwählten Werkzeug. So fanatisch er die Christen verfolgt hat, so fanatisch bzw. begeisterungsfähig wird er zum Verbreiter des Neuen. Er trägt ein neues Gottesbild weiter. Alle Menschen werden von Gott geliebt. Im Gegensatz zu Petrus ist er kaum kompromissbereit, hat wenig Geduld, nimmt Verfolgungen, Gefängnis, Spott auf sich, motiviert und tröstet, gründet viele Hausgemeinden in fremden Ländern.
Was sagen uns diese Persönlichkeiten heute? Gott wirkt durch die unterschiedlichsten Menschen, zu unterschiedlichsten Zeiten, auf unterschiedliche Weise. Gott traut den Menschen etwas zu. Trotz ihrer Schwächen, ihrer Fehler, ihrer Wankelmütigkeit überträgt er ihnen verantwortungsvolle Aufgaben, jedem entsprechend seiner Talente. Der Dienst des Leitens braucht ein felsenfestes Zeugnis. Seien auch wir einander Fels im Glauben durch Vertrauen, Liebe, Barmherzigkeit. Schlüsselgewalt nehmen wir gerne im Glauben ein - oft aber ohne Umkehr.
Dieses Fest Peter und Paul sagt: Habt Vertrauen in das Wirken Gottes, öffnet den Weg Gottes, verstellt ihn nicht durch Kleingläubigkeit, durch Ängstlichkeit. - Ein schöner Gedanke für die beginnende Ferienzeit: offen zu sein für Neues, empfänglich zu werden für das Wort Gottes als Hilfe für ein neues Arbeitsjahr. - Amen.
Lieder:
GL 164: Der in seinem Wort uns hält
GL 275: Selig, wem Christus auf dem Weg begegnet
GL 358: Ich will dich lieben, meine Stärke
GL 380: Der Apostel heiliger Chor (4. Str.)
GL 477: Gott ruft sein Volk zusammen
GL 481: Sonne der Gerechtigkeit (5. Str.)
GL 484: Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben
GL 487: Nun singe Lob du Christenheit
GL 489: Laßt uns loben, freudig loben
GL 542: Ihr Freunde Gottes allzu gleich (4. Str.)
GL 543: Wohl denen, die da wandeln
GL 546: Christus, du Licht vom wahren Licht
GL 548: Für alle Heiligen in der Herrlichkeit
GL 551: Nun singt ein neues Lied dem Herren
GL 552: Herr, mach uns stark im Mut, der dich bekennt
Psalmen und Kehrverse:
GL 60: Der Herr hat uns befreit; auf ewig besteht sein Bund - Mit Psalm 111 - VI
GL 454: Geht in alle Welt, Halleluja - Mit Psalm 111 (GL 60,2) - VI.
GL 486: Tu es Petrus, et super hanc petram aedificabo Ecclesiam meam - Mit Psalm 8 (GL 33,2) oder mit Psalm 47 (GL 44,2) - VII
GL 584,4: Herr, du hast Worte ewigen Lebens - Mit Psalm 19
GL 629,1: Du führst mich hinaus ins Weite, du machst meine Finsternis hell - Mit Psalm 30 - I.
GL Ö929,2: Kündet den Völkern die Herrlichkeit des Herrn - Mit Psalm 103 (GL 57,2) - II.
Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus", schreibt Paulus an die Gemeinde von Korinth (1 Kor 3, 11). Auf diesem Fundament haben die Apostel weitergebaut. An herausragender Stelle sehen wir Petrus, den Ersten im Apostelkollegium, sowie Paulus, der auserwählt war, über die Grenzen des Judentums hinaus den christlichen Glauben zu verkünden und zu verbreiten. Beide waren gebrechliche Menschen. Der eine, Petrus, hat seinen Herrn verleugnet. Der andere, Paulus, hat die Jünger Jesu bis aufs Blut verfolgt. In beiden war Gottes Kraft in menschlicher Schwachheit wirksam geworden (2 Kor 12, 9).
Rufen wir im Eingeständnis auch unserer Schwachheit Gottes Gnade und seine Güte auf uns herab.
Jesus Christus,
auf dem Fundament der Apostel ist die Kirche gegründet.
Wir wollen uns an ihrem Beispiel orientieren.
Herr, erbarme dich.
Jesus Christus,
das Beispiel der Apostel lehrt uns,
wie Nachfolge durch dick und dünn geht.
Wir wollen uns auf den Weg machen.
Christus, erbarme dich.
Jesus Christus,
in Worten und Taten haben die Apostel von dir Zeugnis gegeben.
Wir wollen kreativ unsere Zeiten gestalten.
Herr, erbarme dich.
Der gute Gott erbarme sich unser,
er nehme von uns Schuld und Sünde
und führe uns zu einem ewigen Leben. – Amen.
Herr, unser Gott,
am Hochfest der Apostel Petrus und Paulus
haben wir uns in Freude versammelt.
Hilf deiner Kirche,
in allem der Weisung deiner Boten zu folgen,
durch die sie den Glauben
und das Leben in Christus empfangen hat,
der in der Einheit des heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Hochfest des hl. Petrus und des hl. Paulus
Großer Gott,
die Kirche deines Sohnes ist gegründet
auf den Glauben der Apostel.
Hilf uns,
Christus zu begegnen in der Gemeinschaft
der Kirche, der mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit.
Guter Gott,
du rufst die Menschen, dir zu folgen.
Im täglichen Leben wird dein Handeln an uns sichtbar.
Wir wollen dich bitten:
Wir beten für den Nachfolger Petri, für alle Bischöfe,
wir beten für alle Verantwortlichen in den christlichen Gemeinschaften:
dass sie treu zu deinem Wort stehen
und deine Botschaft vom Heil weitersagen.
Wir beten für alle, die mit Kraft und Feuer das Evangelium leben,
indem sie benachteiligten Menschen Hilfe zuteil werden lassen:
Lass ihr Tun reiche Frucht tragen.
Wir beten für alle, die Christen verfolgen,
aber auch für all jene Getaufte,
die mit Andersgläubigen nicht in religiösem Frieden leben wollen:
Hilf ihnen, den Anderen so leben zu lassen,
wie sie selbst gern leben wollen.
Wir beten für die vielen Menschen, die in den Vereinen, Gruppierungen und Gremien unserer Pfarreien Nachfolge lebendig werden lassen:
Schenke ihnen gute Erfahrungen und lass sie Durststrecken überstehen.
Wir beten für unsere Verstorbenen,
die ihr Leben, aber auch ihr Sterben an dir ausgerichtet haben:
Lass sie ewigen Frieden finden in deinem Reich.
Um all dies, o Gott, bitten wir dich durch Christus unsern Herrn.
Herr und Gott,
in Gemeinschaft mit den Aposteln
Petrus und Paulus bitten wir dich:
Heilige unsere Gaben
und laß uns mit Bereitschaft und Hingabe
das Opfer deines Sohnes feiern,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB hl. Petrus und des hl. Paulus
Kehrvers:
Lobet und preiset ihr Völker den Herrn! (GL 408)
Guter Gott,
am Fest der Apostel Petrus und Paulus sind wir zusammengekommen,
um dir unseren Dank darzubringen.
Wir haben allen Grund, dir zu danken,
denn in Jesus von Nazareth hast du uns den Messias gesandt.
Er hat uns aus der Not unseres begrenzten Lebens erlöst.
Er hat selbst Menschengestalt angenommen,
in ihm ist deine göttliche Weisheit Fleisch geworden.
In menschlicher Begegnung hat er deine Menschenliebe erfahren lassen.
Seinen Jüngern hat er aufgetragen,
die Frohe Botschaft von deiner väterlichen Liebe und Fürsorge
allen Menschen zu verkünden.
Im Wirken des Petrus hast du fortgesetzt, was Jesus begonnen hat.
Paulus hast du erwählt,
die Frohe Botschaft über die Grenzen des jüdischen Volkes hinauszutragen.
Unermüdlich predigte er den Heiden
und machte sie mit deiner Liebe und Barmherzigkeit bekannt.
Wir danken dir auch für die vielen Menschen,
die den Glauben an dich durch Jahrhunderte hindurch lebendig gehalten
und ihn von Generation zu Generation weiter getragen haben.
Mit allen Engeln und Heiligen
stimmen wir ein in den Lobgesang der ganzen Schöpfung und singen:
Danklied, z. B.: "Großer Gott, wir loben dich…" (GL 380)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dich allmächtiger Vater,
in deinen Heiligen zu preisen
und am Fest der Apostel Petrus und Paulus
das Werk deiner Gnade zu rühmen.
Petrus hat als erster den Glauben
an Christus bekannt
und aus Israels heiligem Rest
die erste Kirche gesammelt.
Paulus empfing die Gnade tiefer Einsicht
und die Berufung zum Lehrer der Heiden.
Auf verschiedene Weise
dienten beide Apostel der einen Kirche,
gemeinsam empfingen sie die Krone des Lebens.
Darum ehren wir beide in gemeinsamer Feier
und vereinen uns mit allen Engeln und Heiligen
zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Petrus und Paulus
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn du bist der ewige Hirt,
der seine Herde nicht verläßt,
du hütest sie allezeit durch deine heiligen Apostel.
Du hast sie der Kirche als Hirten gegeben,
damit sie ihr vorstehn als Stellvertreter deines Sohnes.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten und
mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Apostel 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn hast du die Kirche
auf das Fundament der Apostel gegründet,
damit sie bis ans Ende der Tage fortbestehe
als Zeichen deiner Heiligkeit
und allen Menschen die Botschaft des Heiles verkünde.
Darum preisen wir das Werk deiner Liebe
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Apostel 2
Jesus spricht:
Folge mir nach!
(Joh 21,19)
Oder:
Mit Petrus bekennen wir:
Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.
(Mt 16,16)
Oder:
Kostet und seht, wie gütig der Herr ist;
wohl dem, der zu ihm sich flüchtet!
(Ps 34,9)
Herr, unser Gott,
du hast uns durch das heilige Sakrament gestärkt.
Gib, daß wir im Brotbrechen
und in der Lehre der Apostel verharren
und in deiner Liebe ein Herz und eine Seele werden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Hochfest des hl. Petrus und des hl. Paulus
Wien, 21.06.13 (KAP) Viel Beifall gab es am Donnerstagabend bei der bei Uraufführung von Felix Mitterers "Jägerstätter" im Wiener Theater in der Josefstadt. Das von Hauptdarsteller Gregor Bloéb angestoßene und von Stephanie Mohr inszenierte Drama um den 2007 seliggesprochenen Wehrdienstverweigerer und Märtyrer berührte Kardinal Christoph Schönborn, Manfred Scheuer (Innsbruck), Ludwig Schwarz (Linz) und dessen Vorgänger Maximilian Aichern. Auch Maria Dammer, eine der Töchter des tiefgläubigen Innviertler Bauern und Mesners, erlebte die Uraufführung live und tief bewegt.
Der Inhalt: Das Stück beginnt mit der wenig bekannten "Sturm und Drang"-Phase Jägerstätters, als er der erste Motorradfahrer in seinem Dorf St. Radegund war, ein uneheliches Kind zeugte, in eine Wirtshausschlägerei verwickelt war und einige Zeit in Eisenerz im Erzabbau arbeitete. Die Begegnung und Heirat mit seinem "Lebensmenschen" Franziska vertiefte seinen schon familiär grundgelegten Glauben, die Geburt dreier Töchter machte ihn zu einem sorgenden, liebevollen Familienvater. Gregor Bloéb, der seinem Freund Felix Mitterer den Stoff für eine Dramatisierung ans Herz gelegt hatte, interpretiert seine Rolle für all jene überraschend, die einen sturen "Betbruder" erwartet hatten: Sein Jägerstätter ist lebenslustig, temperamentvoll, leidenschaftlich in Freude und Schmerz, aber auch reflektiert und zweifelnd, ob seine immer entschiedenere Verweigerung gegenüber dem NS-Terrorregime verantwortbar ist.
Franziska Jägerstätter wird als einziger Halt ihres ob seiner Gewissensentscheidung ringsum angefeindeten Ehemannes gezeichnet, auch die Mutter, beteiligte Priester einschließlich des damaligen Linzer Bischofs Josef Fließer sowie die oft als Chor dargestellte Dorfgemeinschaft versuchen den letztlich zum Tod Verurteilten von seinem Weg abzubringen. Das Stück endet mit dem bitteren Hinweis darauf, dass es sowohl staatlicherseits (den Hinterbliebenen wurden
1948 eine Witwen- bzw. Waisenrente verweigert) als auch kirchlicherseits (die Linzer Kirchenzeitung durfte nach dem Krieg auf bischöfliche Anweisung zunächst nicht über den unliebsamen Fall berichten) noch lange dauerte, bis Jägerstätter volle Rehabilitierung und Anerkennung als Seliger erfuhr.
Nach dem Fallen des Vorhangs wurden die Hauptdarsteller Gregor Bloéb und Gerti Drassl (Franziska), aber auch Nebendarsteller wie Michael Schönborn (der Bruder des Wiener Kardinals gibt einen Nazi-Außenseiter innerhalb der NS-skeptischen Dorfgemeinschaft von St. Radegund) mit viel Beifall bedacht, auch der Autor wurde unter lautem Jubel auf die Bühne geholt.
Kardinal Schönborn zeigte sich am Freitagvormittag bei der Pressekonferenz zum Abschluss der in Mariazell tagenden Bischofskonferenz noch tief beeindruckt vom Theatererlebnis am Abend zuvor; sowohl das Stück als auch die Inszenierung und die schauspielerischen Leistungen verdienten großes Lob. Mitterer sei es gelungen, ein "authentisches Bild dieses großen Mannes, aber auch seiner großer Frau" zu zeichnen, würdigte der Wiener Erzbischof, der sich laut eigenen Angaben seit 1967 mit Jägerstätter befasst hatte und auch dessen im März verstorbener Witwe Franziska mehrmals begegnet war.
Opfer war keineswegs "vollkommen sinnlos"
Felix Mitterer führte vor der Verfassung seines Textes penible Recherchen u.a. bei der Jägerstätter-Biografin Erna Putz und beim Postulator des Seligsprechungsverfahrens, Bischof Scheuer, durch. Seine anfängliche Skepsis, ob der Fall nicht zu tragisch, zu aussichtslos sei, habe sich durch die intensive Befassung mit dem Fall aber verflüchtigt, schreibt Mitterer im Programmheft. Bald habe ihn die lebendige Persönlichkeit Jägerstätters und die anrührende Liebesgeschichte zu seiner Frau gefesselt.
Wichtig sei für ihn auch die Erkenntnis gewesen, dass die Behauptung, dass Jägerstätters Opfer "letztlich vollkommen sinnlos war", nicht stimmt: Der amerikanische Soziologe Gordon C. Zahn habe mit seinem 1964 erschienenen Buch über den Fall dafür gesorgt, dass der oberösterreichische Bauer zum Vorbild vieler Kriegsdienstverweigerer in aller Welt wurde. Und Jägerstätters Verhalten habe auch die katholische Kirche beeinflusst, beim II. Vatikanischen Konzil das Recht auf Kriegsdienstverweigerung anzuerkennen.
Mitterers neues Stück wird nach der Premiere in Wien nun das Glanzstück des Theatersommers Haag (Niederösterreich), wo es von 3. Juli bis 9. August auf dem Spielplan steht. Danach kehrt es ab Herbst in das Theater in der Josefstadt zurück.
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menschen
die gerade sind
krumme
gibt es schon
menschen
die sich erbarmen
die wegschauen
gibt es schon
menschen
die mauern opfern
maueropfer
gibt es schon
menschen
die ums tägliche brot bitten
die es sich täglich nehmen
gibt es schon
menschen
die ihr leben ins spiel bringen
die mit dem leben andrer spielen
gibt es schon
menschen
die aufstehen gegen gewalt
die auf gewalt stehen
gibt es schon
menschen
die einander aufrichten
die einander richten
gibt es schon
menschen
die den mut haben zu dienen
herren
gibt es schon
menschen
die für den frieden leben
die für kriege sterben
gibt es schon
menschen
die neu anfangen
die fertig sind
gibt es schon
gibt
es
schon
genug
Peter Fuchs-Ott in: Marcus Leitschuh / Cornelia Pfeiffer (Hg.), Gemeinsam entdecken. Ökumenische Gebete und Meditationen. Bonifatius / Verlag Otto Lembeck, Paderborn / Frankfurt am Main 2003.
"Der Herr sagte nachts in einer Vision zu Paulus: Fürchte dich nicht! Rede nur, schweige nicht! Denn ich bin mit dir, niemand wird dir etwas antun. Viel Volk nämlich gehört mir in dieser Stadt” (Apg 18,9f).
Wie viel Bewegendes, Herzerfrischendes, Ermutigendes haben wir in unserer Zeit in der Ökumene erleben dürfen! Wie oft sind wir aber auch enttäuscht worden. Wie oft haben wir bedrückende Erfahrungen machen müssen! Wir haben Rückschläge und Krisen erlebt, Angriffe von innen und von außen. Da tut es gut, sich die dunklen Stunden des Völkerapostels zu vergegenwärtigen. Das kann uns helfen, auch in dunklen Stunden das Ziel der vollen Einheit nicht aus dem Auge zu verlieren und unverdrossen auf es zuzugehen.
Paulus belasten die Fragen: Was kann ich angesichts der korinthischen Wirklichkeit schon erreichen? Ist nicht alles Mühen vergebens? Was sind die wenigen Gläubigen im Verhältnis zu den vielen anders denkenden Juden und Heiden? Sind wir nicht überdies durch Gefahren von außen und von innen bedroht?
Solche und ähnliche Fragen können einem auch heutzutage zu schaffen machen. Gibt es nicht ein entsetzliches Missverhältnis zwischen der Christusbotschaft und unserer Kirche, zwischen dem, was wir anstreben und was wir erreichen, zwischen unseren Worten und unseren Taten? Zerstören viele Faktoren in unserer Umgebung nicht allzu schnell, was wir mit viel Mühe aufbauen? Was können wir mit allem ökumenischen Einsatz erreichen? Wie weit sind wir immer noch vom Ziel der vollen Gemeinschaft aller Christen entfernt? Wie gering sind die Aus-sichten, dass dies wesentlich besser wird?
Zentnerschwer können sich solche Fragen auf uns legen. Sie bedrücken uns nicht nur, sie können uns erdrücken;
sie können dahin führen, dass wir die Hoffnung aufgeben und resignieren.
Was ist zu tun? Zunächst sollen wir uns bewusst machen: Solche Nöte sind selbst einem Paulus nicht erspart geblieben. Gewiss ist das ein schwacher Trost. Gleichwohl kann es uns Mut machen, wenn wir wissen: Ich bin in einer Lage, die auch andere mitgemacht und überstanden haben. Das kann unser Leben und auch unser ökumenisches Streben maßgeblich bestimmen. "Weiter noch kann es uns führen, wenn wir auf-nehmen, was Paulus in jener dunklen Nacht vernommen hat. Es gilt für jeden von uns. Während tausend finstere Nächte uns einreden wollen: "Fürchte dich!”, sagt Gott uns durch seine Boten unentwegt: "Fürchte dich nicht!”
Angesichts dieser wahrhaft fundamentalen Gegebenheit sollten wir nicht übersehen, dass der Herr dem Apostel noch einen weiteren hilfreichen Satz zuspricht. Er soll nicht nur durch Letztes gehalten werden, auch Vorletztes soll ihm dienlich sein. So versichert der Herr seinem treuen Diener: "Viel Volk gehört mir in dieser Stadt.” Dem Augenschein nach sah das offenbar nicht so aus. Das macht dem Apostel schwer zu schaffen. Um so wichtiger ist für ihn das Wissen: Auch wenn es nicht in die Augen fällt, auch wenn es sich nicht statistisch erfassen lässt, auch wenn es sich nicht handgreiflich beweisen lässt: Gott ist am Werk. Seine Solidarität mit den Menschen trägt auch heute ihre Früchte. Gott ist mit uns, und alle sind es, die zu ihm gehören.
Trotz aller Spaltungen durch menschliches Versagen sind wir eins im Herrn durch seine Liebe. Sie kennt keine Grenzen und kein Ende.
Paul-Werner Scheele in: Marcus Leitschuh / Cornelia Pfeiffer (Hg.), Gemeinsam entdecken. Ökumenische Gebete und Meditationen. Bonifatius / Verlag Otto Lembeck, Paderborn / Frankfurt am Main 2003.
Es gibt einen
fischenden Petrus
Es gibt einen
nochfolgenden Petrus
Es gibt einen
zweifelnden Petrus
Es gibt einen
sinkenden Petrus
Es gibt einen
leugnenden Petrus
Es gibt einen
zuschlagenden Petrus
und dieser Petrus
ist Fels für die Kirche
H. Gub in: elemente, Würzburg 1991.

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Die Lesung erzählt von der wunderbaren Befreiung des Apostels Petrus aus dem Gefängnis des Herodes Agrippa, der auf Betreiben jüdischer Kreise die junge Kirche auslöschen wollte. Jakobus, das Jerusalemer Haupt der Christen ließ er bereits hinrichten. Mit Petrus wollte er ebenso verfahren.
Die Erzählung gewährt ein wenig Einblick in das Leben der verfolgten Gemeinde in Jerusalem.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz