Lesung aus dem Buch Jesaja.
So spricht der Herr:
Wahrt das Recht
und übt Gerechtigkeit,
denn bald kommt mein Heil
und meine Gerechtigkeit wird sich bald offenbaren!
Und die Fremden, die sich dem Herrn anschließen,
um ihm zu dienen und den Namen des Herrn zu lieben,
um seine Knechte zu sein,
alle, die den Sabbat halten und ihn nicht entweihen
und die an meinem Bund festhalten,
sie werde ich zu meinem heiligen Berg bringen
und sie erfreuen in meinem Haus des Gebets.
Ihre Brandopfer und Schlachtopfer
werden Gefallen auf meinem Altar finden,
denn mein Haus
wird ein Haus des Gebetes für alle Völker genannt werden.
(Lektionare 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Jesaja.
So spricht der Herr:
Wahrt das Recht
und übt Gerechtigkeit,
denn bald kommt mein Heil
und meine Gerechtigkeit wird sich bald offenbaren!
Selig der Mensch, der dies tut,
und jeder Einzelne, der daran festhält,
den Sabbat zu halten und ihn nicht zu entweihen
und seine Hand vor jeder bösen Tat zu bewahren.
Der Fremde, der sich dem HERRN angeschlossen hat,
soll nicht sagen:
Sicher wird er mich ausschließen aus seinem Volk.
Der Eunuch soll nicht sagen:
Sieh, ich bin ein dürrer Baum.
Denn so spricht der HERR:
Den Eunuchen, die meine Sabbate halten,
die wählen, was mir gefällt
und an meinem Bund festhalten,
ihnen gebe ich in meinem Haus und in meinen Mauern
Denkmal und Namen.
Das ist mehr wert als Söhne und Töchter:
Einen ewigen Namen gebe ich einem jeden,
der nicht ausgetilgt wird.
Und die Fremden, die sich dem Herrn anschließen,
um ihm zu dienen und den Namen des Herrn zu lieben,
um seine Knechte zu sein,
alle, die den Sabbat halten und ihn nicht entweihen
und die an meinem Bund festhalten,
sie werde ich zu meinem heiligen Berg bringen
und sie erfreuen in meinem Haus des Gebets.
Ihre Brandopfer und Schlachtopfer
werden Gefallen auf meinem Altar finden,
denn mein Haus
wird ein Haus des Gebetes für alle Völker genannt werden.
Kv: Die Völker sollen dir danken, o Gott,
danken sollen dir die Völker alle. – Kv
(GL 46,1)
Gott sei uns gnädig und segne uns. *
Er lasse sein Angesicht über uns leuchten,
damit man auf Erden deinen Weg erkenne, *
deine Rettung unter allen Völkern. – (Kv)
Die Nationen sollen sich freuen und jubeln, /
denn du richtest die Völker nach Recht *
und leitest die Nationen auf Erden.
Die Völker sollen dir danken, o Gott, *
danken sollen dir die Völker alle. – (Kv)
Die Erde gab ihren Ertrag. *
Gott, unser Gott, er segne uns!
Es segne uns Gott! *
Fürchten sollen ihn alle Enden der Erde. – Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder!
Euch, den Heiden, sage ich:
Gerade als Apostel der Heiden preise ich meinen Dienst,
weil ich hoffe,
die Angehörigen meines Volkes eifersüchtig zu machen
und wenigstens einige von ihnen zu retten.
Denn wenn schon ihre Zurückweisung
für die Welt Versöhnung bedeutet,
was wird dann ihre Annahme anderes sein
als Leben aus den Toten?
Denn unwiderruflich sind die Gnadengaben
und die Berufung Gottes.
Denn wie ihr einst Gott ungehorsam wart,
jetzt aber infolge ihres Ungehorsams Erbarmen gefunden habt,
so sind auch sie infolge des Erbarmens, das ihr gefunden habt,
ungehorsam geworden,
damit jetzt auch sie Erbarmen finden.
Denn Gott hat alle in den Ungehorsam eingeschlossen,
um sich aller zu erbarmen.
(Lektionare 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der jüdische Heidenmissionar Paulus (Gal 1,16) wendet sich an seine Lesergemeinde in Rom, die mehrheitlich aus dem Heidentum stammt. Er selbst ist betroffen, daß sein Volk Jesus als den Messias ablehnt, sieht aber zugleich in seiner Missionstätigkeit unter den Heiden die Chance, Angehörige seines Volkes zu interressieren "und wenigstens einige von ihnen zu retten". Denn Gott will die Heiden durch Christus erretten, aber nicht anstatt der Israeliten, sondern zusätzlich zu ihnen. Da alle - Juden und Heiden - Sünder sind, sind alle auf das Erbarmen Gottes angewiesen. Und Gott nimmt trotz der Ablehnung durch einen großen Teil des Volkes Israel seine Verheißungen nicht zurück; er will alle Menschen retten.
Paulus spielt als Jude zunächst einmal den christlichen Glaubenseifer der bekehrten fremden Völker aus gegen das Glaubensverständnis seines eigenen jüdischen Volkes. Schließlich aber findet er zum Fazit: Gleich mit welcher Vergangenheit sich jemand auf die Suche nach Gott in seinem Leben macht, am Ende zählt der Gehorsam gegenüber diesem Gott. Was bei den Propheten noch das Halten der Form war, wird bei Paulus zum Halten der Gebote.
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder!
Euch, den Heiden, sage ich:
Gerade als Apostel der Heiden preise ich meinen Dienst,
weil ich hoffe,
die Angehörigen meines Volkes eifersüchtig zu machen
und wenigstens einige von ihnen zu retten.
Denn wenn schon ihre Zurückweisung
für die Welt Versöhnung bedeutet,
was wird dann ihre Annahme anderes sein
als Leben aus den Toten?
Ist aber die Erstlingsgabe vom Teig heilig,
so ist es auch der ganze Teig;
und ist die Wurzel heilig,
so sind es auch die Zweige.
Wenn aber einige Zweige herausgebrochen wurden,
du aber als Zweig vom wilden Ölbaum
mitten unter ihnen eingepfropft wurdest
und damit Anteil erhieltest
an der kraftvollen Wurzel des edlen Ölbaums,
so rühme dich nicht gegen die anderen Zweige!
Wenn du dich aber rühmst, sollst du wissen:
Nicht du trägst die Wurzel,
sondern die Wurzel trägt dich.
Nun wirst du sagen:
Die Zweige wurden doch herausgebrochen,
damit ich eingepfropft werde.
Gewiss, wegen des Unglaubens
wurden sie herausgebrochen.
Du aber stehst durch den Glauben.
Sei daher nicht überheblich,
sondern fürchte dich!
Hat nämlich Gott die Zweige,
die von Natur zum edlen Baum gehören,
nicht verschont,
so wird er auch dich nicht verschonen.
Siehe nun die Güte Gottes und seine Strenge!
Die Strenge gegen jene, die gefallen sind,
Gottes Güte aber gegen dich,
sofern du in seiner Güte bleibst;
sonst wirst auch du herausgehauen werden.
Ebenso werden auch jene,
wenn sie nicht im Unglauben bleiben,
wieder eingepfropft werden;
denn Gott hat die Macht, sie wieder einzupfropfen.
Wenn du nämlich
aus dem von Natur wilden Ölbaum herausgehauen
und gegen die Natur
in den edlen Ölbaum eingepfropft wurdest,
dann werden erst recht sie
als die von Natur zugehörigen Zweige
ihrem eigenen Ölbaum wieder eingepfropft werden.
Denn ich will euch, Brüder und Schwestern,
nicht in Unkenntnis über dieses Geheimnis lassen,
damit ihr euch nicht selbst für klug haltet:
Verstockung liegt auf einem Teil Israels,
bis die Vollzahl der Heiden hereingekommen ist,
und so wird ganz Israel gerettet werden,
wie geschrieben steht:
Es wird kommen aus Zion der Retter,
er wird alle Gottlosigkeit von Jakob entfernen.
Und das ist der Bund, den ich für sie gestiftet habe,
wenn ich ihre Sünden hinwegnehme.
Vom Evangelium her gesehen sind sie Feinde,
und das um euretwillen;
von ihrer Erwählung her gesehen aber sind sie Geliebte,
und das um der Väter willen.
Denn unwiderruflich sind die Gnadengaben
und die Berufung Gottes.
Denn wie ihr einst Gott ungehorsam wart,
jetzt aber infolge ihres Ungehorsams Erbarmen gefunden habt,
so sind auch sie infolge des Erbarmens, das ihr gefunden habt,
ungehorsam geworden,
damit jetzt auch sie Erbarmen finden.
Denn Gott hat alle in den Ungehorsam eingeschlossen,
um sich aller zu erbarmen.
Halleluja. Halleluja.
Jesus verkündete das Evangelium vom Reich
und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:
In jener Zeit
zog sich Jesus in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück.
Und siehe, eine kanaanäische Frau aus jener Gegend kam zu ihm
und rief: Hab Erbarmen mit mir,
Herr, du Sohn Davids!
Meine Tochter wird von einem Dämon gequält.
Jesus aber gab ihr keine Antwort.Da traten seine Jünger zu ihm
und baten: Schick sie fort,
denn sie schreit hinter uns her!
Er antwortete:
Ich bin nur
zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.
Doch sie kam,
fiel vor ihm nieder
und sagte: Herr, hilf mir!
Er erwiderte:
Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen
und den kleinen Hunden vorzuwerfen.
Da entgegnete sie: Ja, Herr!
Aber selbst die kleinen Hunde
essen von den Brotkrumen,
die vom Tisch ihrer Herren fallen.
Darauf antwortete ihr Jesus:
Frau, dein Glaube ist groß.
Es soll dir geschehen, wie du willst.
Und von dieser Stunde an
war ihre Tochter geheilt.
Matthäus übernimmt die Geschichte von Mk (Mk 7,24-30) und formt sie sprachlich um, indem er auch eigene Akzente setzt. Seine Darstellung wirkt durch die direkte Rede gleich zu Beginn lebendiger. Aus dem Exorzismus ist eine Heilungsgeschichte geworden, in der der Glaube der Frau im Mittelpunkt steht.
Zwei Auslegungstraditionen ziehen sich durch die Kirchengeschichte. Zum einen wird der Text heilsgeschichtlich gedeutet, wobei die überwiegende allegorische Deutung den Text spiritualisiert. Die Hunde sind in dieser Lesart die Heiden, die Kinder stehen für Israel, der Tisch ist die heilige Schrift, das Brot das Evangelium. Zum anderen wird der Text paränetisch gedeutet, wobei das Verhalten der Frau in den Mittelpunkt gestellt wird. Ihre Demut, bzw. ihr Glaube wird als Vorbild gesehen.
Die heidnische Frau begegnet Jesus und bittet ihn um Hilfe, wobei sie ihn in jüdischer Gebetssprache anspricht. Dadurch kann sich die mt Gemeinde mit ihr identifizieren. Die Frau nennt Jesus "Davidssohn" und zeigt darin, dass sie sich an ihn, den Messias Israels, wendet. Obwohl sie um die Priorität Israels weiß, erhofft sie sich dennoch von Jesus Hilfe. Die Frau erfährt vielfache Ablehnung. Jesus schweigt, die Jünger fühlen sich belästigt, Jesus argumentiert schließlich ablehnend und stellt in einem Beispiel aus dem täglichen Leben klar, dass die Frau eigentlich keine Aussicht darauf hat, berücksichtigt zu werden. Die Frau aber lässt sich nicht abwimmeln, sondern benutzt das von Jesus gebrauchte Bild aus dem Haushalt, um deutlich zu machen, dass ihr Vertrauen auf Jesu Hilfe ungebrochen ist. Die Frau geht davon aus, dass von seiner Barmherzigkeit wenigstens ein klein wenig auch für die Heiden übrig bleiben wird. Und das würde ihr reichen. Als Jesus diesen Glauben der Frau sieht, ist er beeindruckt und die Tochter wird gesund.
Wenn in dem Beispiel ein Hund erwähnt wird, so ist mit dem Hund ein zum Haushalt gehörender Hund gemeint, nicht einer der streunenden Hunde, die negativ gesehen und verachtet wurden. Es geht in dem Beispiel um die unterschiedliche Behandlung der Kinder und der Haushunde, die in abgestufter Weise versorgt wurden. Bei Mt geht es nicht (wie bei Mk) um eine Reihenfolge, sondern um die grundsätzlich unterschiedliche Behandlung von Kindern und Hunden. Die Frau nimmt den Vergleich Jesu auf und kämpft um Jesu Barmherzigkeit.
Als Kanaanäerin war die Frau für Jesus eine Fremde, fernab seiner Religion. Die Frau aber sieht im Gottessohn ihre letzte Chance und bittet ihn um Hilfe. Diese Episode beinhaltet nun verschiedene Momente, die die Aussageabsicht des Evangelisten verstärken: zunächst das Schweigen Jesu, dann die Idee der Jünger, die Frau abzuwimmeln und schließlich die nochmalige kalte Schulter Jesu (V. 24). Mit jedem Moment, den die Frau übersteht, wird ihr Bezug zum Gottessohn größer und intensiver. Bis er schließlich das Entscheidende an der Haltung der Frau auf den Punkt bringt: Dein Glaube hat dir geholfen. In der Neusammlung des Gottesvolkes stehen nicht das Gesetz oder der Sabbat an erster Stelle, sondern der Glaube der Menschen.
In der Erzählung der Heilung der Tochter einer kanaanäischen Frau begegnet uns ein schroffer Jesus, wie wir ihn sonst nicht kennen. Dank ihrer Hartnäckigkeit erkennt Jesus ihren tiefen Glauben und revidiert offenbar sein Konzept der Verkündigung der Frohen Botschaft vom Reich Gottes, das er vermutlich zunächst nur den Juden bringen wollte.
„Von dort zog sich Jesus in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück.“ Dies ist das alte Stammesgebiet von Ascher, von dem es im Segen des Jakob schicksalhaft heißt: „Ascher, fett ist sein Brot, Königskost liefert er.“ (Gen 49,20). Als fruchtbares Land wird es beschrieben. Diese Gegebenheit wird durch die Perikope im Matthäusevangelium fortgesetzt; denn die Begegnung Jesu mit der namenlosen Kanaanäerin wird reiche Frucht bringen!
Wer von uns möchte als „Hund“, wie es im Evangelium zu hören war, beschimpft werden; so weit geht die Tierliebe von Menschen doch nicht - oder? Ich frage mich: wieso lässt sich die namenlose Frau, die noch dazu als Kanaanäerin und damit als Ungläubige ausgewiesen wird, diese Beschimpfung durch Jesus gefallen? „Es ist nicht recht, das Brot den Kindern (Israels) wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen.“
„Das Brot vor die Hunde werfen…“ Was ist das für eine Art und Weise über Brot zu sprechen, zu denken? Das erschüttert unser „Jesusbild“ gewaltig. Dies passt doch so gar nicht zu ihm, der als Sämann in vielen Gleichnissen „auftritt“.
Gehen wir ganz an den Beginn der Perikope, wo seine erste Reaktion auf die Bitte der Frau „keine Antwort“ war. Auch diese „Unhöflichkeit“ ist kaum mit dem Jesus, den wir Herrn, Bruder, Freund nennen, zu vereinbaren. Selbst seinem damaligen Freundeskreis, den Jünger, ist diese Reaktion Jesu zuwider, peinlich, sodass sie ihn anflehen, sich doch der Frau zu erbarmen. Wenn wir so das Verhalten von Jesus zu Beginn der Perikope ansehen, ist der Lernprozess für Jesus bis zum Ende des heutigen Evangeliums enorm.
Die Begebenheit, welche sicher nicht zufällig im ursprünglichen Gebiet vom Stamm Ascher stattfindet, gibt einen großartigen Einblick in eine Situation, die zum Ort des Lernens für Jesus geworden ist. Durch die Begegnungen mit den bittenden, verzweifelten, in Nöten geratenen Menschen und ihren Wünschen, ihrem Glauben hat Jesus in der persönlichen Auseinandersetzung mit ihnen den Willen Gottes erfahren: „Dein Reich komme, dein Wille geschehe…“, so hat er gelehrt, aber auch danach gelebt. In den Evangelien erfahren wir, wie er offen war für den „Willen Gottes“, den Weisungen Gottes, der Tora. Von diesem lernenden, begreifenden, erkennenden Jesus haben wir heute in der Begegnung mit der Frau gehört.
Wer ist diese Frau, die in ihrer Beharrlichkeit zur „Schule“, zu einem Ort des Lernens für Jesus wird? - Persönlichen Namen hat sie, wie viele Frauen in der Bibel, keinen. Bei Matthäus wird sie als Kanaanäerin, bei Markus als Syrophönizierin vorgestellt. Somit war damals klar, dass sie eine „Ungläubige“ war. Dazu kommt noch, dass sie im Küstengebiet von Sidon und Tyrus, welches zur Zeit Jesu Teil des Römischen Reiches (Provinz Syrien), heute Libanon, zu Hause war. Bei der Bevölkerung im Inneren Galiläas, der auch Jesus und seine Jüngergruppe angehörten, löste die Bevorzugung dieser wohlhabenden Küstenregion durch die Römer das Gefühl der Ausbeutung aus! Sie, die galiläischen Bauern, hatten auf Druck der römischen Besatzung dieses „heidnische“ Gebiet mit Getreide zu versorgen! Der Hinweis „Es ist nicht recht, das Brot den Kindern (Israels) wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen.“ ist als sozialkritische Komponente am politischen System zu sehen und verweist auf die soziale Benachteiligung einer Gruppe hin!
Stichwort Brot in dieser Perikope: Vom Brot, welches in Fülle für die 12 Stämme Israels da ist, erfahren wir in der Perikope „Die Speisung der Fünftausend“. Diese Erzählung leitet das Thema „Brot“ in diesem Kapitel im Matthäusevangelium ein. Durch die Verortung der heute gehörten Perikope in das alte Stammesgebiet von Ascher, greift Matthäus das Thema Brot noch einmal auf: „Ascher, fett ist sein Brot, Königskost liefert es.“ (Gen 49,20), so heißt es im Buch Genesis.
Und noch einmal wird ein paar Verse weiter eine Broterzählung eingefügt. Dieses Mal sind es jedoch nicht 12 Körbe, sondern „nur“ 7 Körbe, die mit den übrig gebliebenen Brotstücken gefüllt wurden. Die sogenannte „Speisung der Viertausend“ findet nun im heidnischen Gebiet, der Dekapolis statt, dort wo einst 7 heidnische Stämme sich ansiedelten. Die Reihenfolge der Perikopen ist nicht zufällig. Denn diese drei Broterzählungen „Speisung der Fünftausend – Die Erhörung der Bitte einer heidnischen Frau – Die Speisung der Viertausend“ geben so bewusst den Prozess einer „Horizonterweiterung“ wider, und wir erfahren von einem Jesus, der aus der gesellschaftlichen Peripherie herauswächst. Er wendet sich aufgrund der Beharrlichkeit einer „heidnischen“ Frau, aus seinem religiösen-ethnischen Kulturkreis nun anderen gesellschaftlichen Gruppen, wie der heidnischen Bevölkerung zu.
Auf die anfangs gestellte Frage "Wieso lässt sich die namenlose Frau, die noch dazu als Kanaanäerin ausgewiesen wird, diese Beschimpfung durch Jesus gefallen?" gibt es nun eine Antwort: Ihre Hartnäckigkeit, Beharrlichkeit, letztlich ihr Glaube hat sie die anfänglich erfahrenen „Herabwürdigungen“ überwinden lassen. Dadurch wird sie wahrgenommen, gewinnt sie Aufmerksamkeit. Und Jesus spricht ihr aufgrund ihres Glaubens zu: "Frau, dein Glaube ist groß. Es soll dir geschehen, wie du willst. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt."
Es findet – so würde man es heute nennen – eine Inklusion statt: Nicht nur zu den verlorenen Schafen Israels fühlt sich Jesus von nun an berufen, sondern auch anderen Völkern wendet er sich mit der Botschaft vom Reich Gottes zu.
Der Schlussgedanke geht wieder zurück zum Anfang der Überlegungen: Wer möchte schon als „Hund“ bezeichnet, beschimpft werden? Es sind wir, die wir zwar nicht so bezeichnet werden wollen, aber biblisch betrachtet können wir als die Nachfolger der Heidenchristen, „die Hunde“, gesehen werden, die von den Brotresten, die vom Tisch fallen, etwas bekommen. Jesus ist auch für die "Hunde", für die Heiden da. Er wendet sich ihnen zu und holt sie in die Welt der Frohbotschaft vom Reich Gottes herein. Die „Sammlung der Völker“, die schon Abraham, dem „Vater vieler Völker“, zugesagt wurde, beginnt sich zu erfüllen.
In der Begegnung Jesu mit einer kanaanäischen Frau lernen beide voneinander und aneinander und wir von ihnen: Alle Menschen haben Wert und Würde, Gott liebt alle Menschen. Allen Menschen ist das Heil Gottes geschenkt.
In der Begegnung Jesu mit einer kanaanäischen Frau, die er zunächst abschütteln will, erkennt er ihr grenzenloses Vertrauen und lässt sie teilhaben an der grenzenlosen Barmherzigkeit Gottes.
Gottes Nähe zu suchen, Gottes Heil zu erhoffen und Gottes Liebe zu erfahren - dazu sind alle Menschen berufen. Die Hautfarbe oder die Zugehörigkeit zu einem Volk, spielen da keine Rolle. Das müssen wir Menschen immer wieder neu begreifen.
Öffnen wir uns Gott, dem Vater aller Menschen, öffnen wir uns Jesus, der allen die Liebe Gottes brachte, öffnen wir uns dem Heiligen Geist, der alle in Liebe vereint.
Bitten wir um das Erbarmen des dreifaltigen Gottes:
Herr, Jesus Christus,
du bist gekommen, um das Volk Gottes zu den Quellen des Lebens zu führen.
Herr, erbarme dich.
Du bist gekommen, um allen Menschen die Liebe des Vaters zu offenbaren.
Christus, erbarme dich.
Du bist gekommen, um alle, die auf dich ihr Vertrauen setzen, in das Volk Gottes einzugliedern.
Herr, erbarme dich.
Barmherziger Gott,
was kein Auge geschaut und kein Ohr gehört hat,
das hast du denen bereitet, die dich lieben.
Gib uns ein Herz,
das dich in allem und über alles liebt,
damit wir den Reichtum deiner Verheißungen erlangen,
der alles übersteigt, was wir ersehnen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 20. Sonntag im Jahreskreis
Barmherziger Gott,
was kein Auge geschaut und kein Ohr gehört hat,
das hast du denen bereitet, die dich lieben.
Gib uns ein Herz, das dich in allem und über alles liebt.
Erfülle an uns deine Verheißungen,
die alles übertreffen, was wir ersehnen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
(Im Messbuch vorgesehen, in der Fassung des Revisionsentwurfs, aus: Studien und Entwürfe zur Messfeier, Texte der Studienkommission für die Messliturgie und das Messbuch, hrsg. von Eduard Nagel in Verbindung mit Roland Bachleitner, Freiburg i.Br. 1995.)
Gott, du Vater aller Menschen - aber auch wirklich aller Menschen,
Du Vater der Ausländer,
Du Vater der Gescheiterten,
du Vater derer, die an den Rand gedrängt werden,
dein Wort lasse uns wachsen in der Liebe zu allen.
Dein Wort mache uns fähig, die Würde aller anzuerkennen. - Amen.
Gott, unser Vater!
Auf unseren Wegen müssen wir manchmal Grenzen überschreiten.
Dabei begleitet uns oft auch Angst vor dem Neuen und Unsicherheit.
Um deine Hilfe bitten wir:
Dein Blick umfängt alle Menschen.
Öffne den Blick deiner Kirche auch auf jene, die ihren Lebensweg nicht mit Christus gehen können.
Das weltweit verbreitete Coronavirus sprengt alle nationalen und gesellschaftspolitischen Grenzen.
Hilf unserer Menschheitsfamilie gegenseitig in dieser Not Verantwortung zu übernehmen.
Grenzerfahrungen gehören zu jedem menschlichen Leben.
Lehre uns daran zu reifen anstatt zu resignieren.
Du stärkst uns mit deinem Wort, deinem Brot und deinem Segen.
Mach uns bereit, deine Gaben mit anderen zu teilen.
Du willst, dass alle Menschen Freude an dem von dir geschenkten Leben haben.
Führe uns und alle unsere Verstorbenen zur ewigen Freude bei dir.
Gott, in deiner Menschwerdung hast du alle nur denkbaren Grenzen überschritten.
Dass auch wir niemanden ausgrenzen, erbitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn und Bruder. - Amen.
Herr Jesus Christus,
du schenkst Heil und Heilung, ohne Ausnahme, ohne Ansehen der Person.
Wir bitten dich:
Für Menschen, die fremd sind oder sich fremd fühlen,
dass sie ihren Wert und ihre Würde erkennen.
Für Menschen, die sich ungeliebt fühlen,
dass sie nicht verzweifeln, sondern deine Liebe durch Mitmenschen erfahren.
Das Leben vieler Menschen wird durch Krieg, Terror und Gewalt beschädigt.
Hilf Frieden schaffen in allen Ländern der Erde und in allen Familien.
Schenke Erbarmen denen, die sich deiner Liebe verschließen und deren Glauben klein ist.
Hilf allen Menschen einander nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung zu entdecken.
Steh denen bei, deren Leben durch ungerechtet Vorurteile eingeschränkt ist.
Bekehre die Herzen derer, die Ausländer oder Andersdenkende an den Rand drängen und verachten.
Darum bitten wir dich, der du in der Einheit des Heiligen Geistes, mit Gott, dem Vater lebst und herrschest in alle Ewigkeit. - Amen.
Herr,
wir bringen unsere Gaben dar für die Feier,
in der sich ein heiliger Tausch vollzieht.
Nimm sie in Gnaden an
und schenke uns dich selbst
in deinem Sohn Jesus Christus,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 20. Sonntag im Jahreskreis
Kehrvers:
Jubelt dem Herrn, alle Lande,
Halleluja, preist unsern Gott.
(GL 643,3)
Guter und barmherziger Gott,
wir sind zusammengekommen, um dir zu danken und dich zu loben.
Von dir kommt das Heil für alle Menschen
und du offenbarst deine Gerechtigkeit allen, die dich suchen.
Kehrvers
Unwiderruflich hast du deinem Volk Gnade und Berufung gewährt.
Du hast ihm deine Weisheit geoffenbart
und ihm durch deinen Bund und durch dein Gesetz den Weg zum Leben gewiesen.
Kehrvers
Du hast deinen Sohn zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt,
dass er sie zurückführe zu den Quellen des Lebens
und sie mit dem Brot stärke,
das für die Kinder deines Volkes bestimmt war.
Kehrvers
Er hat Erbarmen gehabt mit allen, die auf ihn ihre Hoffnung setzten,
und ihnen gegeben, was sie zum Leben brauchten.
Allen, die an ihn glauben, hat er die Macht gegeben,
Kinder Gottes zu werden durch die Wiedergeburt in der Taufe.
Kehrvers
So sind auch wir zum himmlischen Gastmahl geladen
und essen auch wir vom Tisch, den du denen deckst,
die auf dich hören und ihr Leben nach deinem Willen ausrichten.
Kehrvers
Dafür danken wir dir und loben wir dich.
Wir stimmen ein den in den Lobgesang der ganzen Schöpfung
und singen mit allen Engeln und heiligen.
Danklied, z.B. Nun danket alle Gott (GL 405) oder GL 403
Wir danken dir, treuer und barmherziger Vater,
für Jesus, deinen Sohn unseren Herrn und Bruder.
Seine Liebe galt den Armen und Kranken,
den Ausgestoßenen und Sündern.
An keiner Not ging er vorüber.
Sein Leben und seine Botschaft lehren uns,
daß du ein Gott bist, der sich der Menschen annimmt
wie ein Vater sich um seine Kinder sorgt.
Darum loben und preisen wir dich,
wir rühmen deine Güte und Treue
und verkünden mit allen Engeln und Heiligen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 3
Jesus verkündete das Evangelium vom Reich
und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.
(Mt 4,23b)
Oder:
Dein Glaube ist groß.
Es soll geschehen, wie du willst.
(Mt 15,28)
Oder:
So sehr hat Gott die Welt geliebt,
daß er seinen einzigen Sohn hingab,
damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht,
sondern das ewige Leben hat.
(Joh 3,16)
Geheimnisvoller Gott
du willst, dass alle Menschen heil werden
und an deiner Fülle teilhaben.
Nimm von uns Misstrauen und Zweifel
und verwandle uns
in Glaubende und Vertrauende.
Verborgener Gott
du willst, dass alle dich kennen
und deine Gerechtigkeit offenbar wird.
Nimm von uns Misstrauen und Zweifel
und verwandle uns
in Glaubende und Vertrauende.
Unbegreiflicher Gott
du willst, dass alle an deine Gegenwart glauben
und deine liebevolle Zuwendung spüren.
Nimm von uns Misstrauen und Zweifel
und verwandle uns
in Glaubende und Vertrauende.
Barmherziger Gott,
im heiligen Mahl
schenkst du uns Anteil am Leben deines Sohnes.
Durch dieses Sakrament
mache uns auf Erden Christus ähnlich
und lass uns im Himmel zur vollen Gemeinschaft mit ihm gelangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.
MB 20. Sonntag im Jahreskreis
Gott, du Vater aller Menschen,
du sendest uns aus zu den Mitmenschen.
Alle sollen deine Liebe erfahren.
Segne uns und lass mache unser Herz immer weiter
für die Fremden,
für die, die wir nicht kennen.
So werden wir Zeugen deiner Liebe,
die du allen Völkern und Nationen schenken willst. - Amen.
Die Geschichte [Mt 15,21-28 par] ist in vieler Hinsicht bemerkenswert und rätselhaft zugleich. Gerade deshalb gehört sie zum »Urgestein« des Neuen Testaments, ist nicht nur theologische Reflexion, sondern auch Biographie Jesu.
Durch die namenlose Frau lernt Jesus: Er ist nicht nur für die verlorenen Schafe des Hauses Israel da! Die Sammlung aller Völker beginnt. Insofern hat die Frau für ihn eine Botschaft, die ihm in der Begegnung mit ihr gegeben wird und die er vorher so nicht sah. Und er versteht sie: Er ist auch für die »Hunde« (die Heiden) da.
Das Matthäusevangelium deutet in dieser Lernlinie eine Steigerung an. Schon einmal, in Kafarnaum, war er einem Heiden begegnet, einem römischen Hauptmann, der ihn um Rettung seines kranken Dieners gebeten hatte. Nach Lukas, der die Geschichte aus der gleichen Überlieferungsquelle kennt, schickt der Hauptmann einige jüdische Älteste zu Jesus mit der Bitte, zu kommen und den Diener zu retten. Die Ältesten sagten Jesus: „Er verdient es, daß du seine Bitte erfüllst; denn er liebt unser Volk und hat uns die Synagoge gebaut" (Lk 7,5) - ein Sympathisant Israels also, aber doch offensichtlich (noch) kein Jude. Der Hauptmann weiß, daß sich ein frommer Jude durch das Betreten eines heidnischen Hauses unrein macht. Also bittet er Jesus nur um ein Wort, „dann wird mein Diener gesund" (Mt 8,8). Auch hier am Ende das Erstaunen Jesu: „Einen solchen Glauben habe ich in Israel noch bei niemand gefunden" (Mt 8,10).
Eine heidnische Frau, ein römischer Soldat - durch sie lernt Jesus eine neue Perspektive seiner Sendung zu den Menschen - so jedenfalls zeichnen es die Evangelisten. Zu einer großen »Heidenmission« hat sich Jesus allerdings auch durch diese Begegnungen nicht bewegen lassen.
Im Hintergrund taucht Jona auf, der nach 4 Kön 14,25 aus Gat-Hefer stammt, in dessen Nähe später Nazaret erbaut wird. Das Buch Jona wird (wahrscheinlich nach dem babylonischen Exil) gegen religiösen Partikularismus geschrieben: Gott erbarmt sich, weil sie Buße in Sack und Asche tun, auch der heidnischen Stadt Ninive und ihrer Bewohner — und erweckt damit den Unwillen des Hebräers Jona Schon die Sendung dorthin empfindet Jona als Zumutung und flieht „weit weg vom Herrn“ (Jona 1,3). Nachdem ihm dies mißlingt, erhofft er sich den Untergang für die Stadt. Aber auch dabei wird er eines Besseren belehrt. Als Gott den Glauben und die Umkehr der Leute von Ninive sieht, „da reute Gott das Unheil, das er ihnen angedroht hatte, und er führte die Drohung nicht aus“ (Jona 3,10). Jona bekehrt sich nicht. Gott verändert dagegen sein geplantes Verhalten und erbarmt sich der Heiden.
Vielleicht hat Jesus an seinen Landsmann Jona gedacht, als er den Glauben der Frau sah, die nicht locker ließ. Vielleicht erinnerte er sich an Jonas schlechtes und Gottes gutes Verhalten - und fiel nicht in Jonas Fehler, sondern ahmte Gott nach und lernte, den eigenen inneren Partikularismus zu überwinden. Zumindest den Evangelisten Matthäus und Lukas und ihrer Überlieferung waren der Prophet Jona und die Bekehrung der Leute von Ninive gegenwärtig. Das zeigt sich in einer recht deutlichen Antwort Jesu an einige Schriftgelehrten und Pharisäer, die ein Zeichen von ihm sehen wollen (vgl. Mt 12,38 - 41 par Lk 11,29-32).
Die Bekehrung Jesu zur heidnischen Frau, sein Lernprozeß hat Folgen. Noch einmal erzählt der Markusevangelist von einer Brotvermehrung, der zweiten. Nach der für Jesus lehrreichen Begegnung verläßt er das Gebiet von Tyrus wieder „und kam über Sidon an den See von Galiläa, mitten in das Gebiet der Dekapolis“ (Mk 7,31). Er geht also nicht nach Kafarnaum zurück ans galiläische Westufer, er wendet sich dem Ostufer zu, dem größtenteils heidnischen Gebiet (wenn auch mit jüdischen „Neusiedlern" seit der Hasmonäerzeit). In diesem Gebiet der Heiden kommt es zu einer zweiten Speisung vieler Menschen. Manche Bibelwissenschaftler halten diese „Speisung der Viertausend für eine Doublette der ersten Speisung, um den Wundertäter noch stärker hervorzuheben: Jesus kann nicht nur einmal das Brotwunder wirken, er kann es gleich zweimal. Doch spätestens der Schluß der Erzählung läßt aufhorchen: „Dann sammelte man die übriggebliebenen Brotstücke ein, sieben Körbe voll“ (Mk 8,8). Bei der ersten Brotvermehrung sind es zwölf Körbe, jetzt sammelt man sieben Körbe.
Nach alter Überlieferung siedelten im Gebiet der Dekapolis sieben heidnische Stämme, so daß sich die sieben Körbe auf diese Heidenvölker beziehen. Wie Jesus das Zwölfstämme-Volk Israel speist, so auch die Heiden. Das endzeitliche Mahl ist allen Menschen, Juden und Heiden, bereitet. Eine heidnische Frau hat mit ihrer Beharrlichkeit dieses zweite Mahl bewirkt. Sie lockte geradezu aus Jesus eine neue Einstellung zu den Heidenvölkem heraus. Die spatere Heidenmission der jungen Kirche hatte hier eine wichtige Belegstelle für sich. Es scheint nicht so, als habe sie diese Erzählung erst „erfinden“ müssen.
Aus: Wilhelm Bruners, Wie Jesus glauben lernte. Herder-Taschenbuch. 2006.

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Im Jahr 538 v. Chr. erließ der Perserkönig Kyros das Edikt über den Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem (Esra 6,3-5) und erlaubte im folgenden Jahr die Rückkehr der Juden aus dem babylonischen Exil. Im Jahr 515 wurde der neue Tempel eingeweiht und sollte das Zentrum für die neue Gemeinde in Jerusalem sein. Doch es blieb die Frage offen: Wer gehört zu dieser Gemeinde, wer darf im Tempel beten und Opfer darbringen? Darauf die Antwort Jesajas: Ein neuer Abschnitt der Heilsgeschichte ist angebrochen und braucht daher eine neue Ordnung. Jeder, der vor Gott "recht" ist und sich zu ihm bekennt, darf am Gottesdienst teilnehmen. Die Einhaltung des Sabbat, der im Exil zum entscheidenden Bekenntniszeichen geworden war, wird zum Zeichen der Rechtgläubigkeit - bis zur Zeit Jesu.
Der Beginn des 56. Jesajakapitels lässt uns wissen: Gottes Heil ist für alle. Gott gibt jedem und jeder einen “ewigen Namen, der nicht ausgetilgt wird.” Es ist keine Rede davon, dass ein zu Gott Gehöriger beschnitten sein muss, sondern lediglich den Sabbat zu halten hat. Die Zugehörigkeit zum Volk Gottes richtet sich nicht nach religiösen oder nationalen, sondern nach ethischen Maßstäben.
Die Shoah-Gedenkstätte Yad Vashem (dt.: “Denkmal und Name”) in Jerusalem führt ihre Bezeichnung auf diesen Jesaja-Vers 56,5 zurück: So wie die Shoa versucht hat, die Namen der Opfer auszulöschen und durch Nummern zu ersetzen, bringt diese Opferstätte (und ähnliche) all die Namen wieder ins lebendige Gedächtnis der Menschheit zurück - den festen Glauben des Jesaja teilend: Bei Gott geht niemand vergessen, bei ihm hat jede/r einen Namen.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive