Lesung aus dem Buch Jesaja.
So spricht der Herr zu Schebna, dem Palastvorsteher:
Ich werde dich von deinem Posten stoßen
und dich aus deiner Stellung reißen.
An jenem Tag
werde ich meinen Knecht Éljakim,
den Sohn Hilkíjas, berufen.
Ich werde ihn mit deinem Gewand bekleiden
und ihm deine Schärpe fest umbinden.
Deine Herrschaft gebe ich in seine Hand
und er wird zum Vater für die Einwohner Jerusalems
und für das Haus Juda.
Ich werde ihm den Schlüssel des Hauses David
auf die Schulter legen.
Er wird öffnen
und niemand ist da, der schließt;
er wird schließen
und niemand ist da, der öffnet.
Ich werde ihn als Pflock an einer festen Stelle einschlagen
und er wird zum Thron der Ehre für sein Vaterhaus.
(Lektionare 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Jesaja.
So spricht der Herr, der GOTT der Heerscharen:
Auf, geh zu diesem Verwalter,
zu Schebna, dem Palastvorsteher!
Wie kommst du dazu und wer bist du,
dass du dir hier ein Grab ausgehauen hast? -
Einer, der sich hoch oben sein Grab aushaut,
sich im Felsen seine Wohnung ausmeißelt! -
Siehe, der HERR
schleudert dich in hohem Bogen weg, Mann! -
Er wickelt dich fest ein,
knäult dich zu einem Knäuel zusammen -
wie einen Ball
in ein nach allen Seiten hin offenes Land.
Dort wirst du sterben
und dorthin kommen deine Prunkwagen,
du Schande im Haus deines Herrn.
Ich werde dich von deinem Posten stoßen
und dich aus deiner Stellung reißen.
An jenem Tag
werde ich meinen Knecht Éljakim,
den Sohn Hilkíjas, berufen.
Ich werde ihn mit deinem Gewand bekleiden
und ihm deine Schärpe fest umbinden.
Deine Herrschaft gebe ich in seine Hand
und er wird zum Vater für die Einwohner Jerusalems
und für das Haus Juda.
Ich werde ihm den Schlüssel des Hauses David
auf die Schulter legen.
Er wird öffnen
und niemand ist da, der schließt;
er wird schließen
und niemand ist da, der öffnet.
Ich werde ihn als Pflock an einer festen Stelle einschlagen
und er wird zum Thron der Ehre für sein Vaterhaus.
Kv: Herr, deine Huld währt ewig.
Lass nicht ab von den Werken deiner Hände! – Kv
(GL 444)
Ich will dir danken mit meinem ganzen Herzen, *
vor Göttern will ich dir singen und spielen.
abIch will mich niederwerfen zu deinem heiligen Tempel hin, *
will deinem Namen danken für deine Huld und für deine Treue. – (Kv)
Denn du hast dein Wort größer gemacht *
als deinen ganzen Namen.3Am Tag, da ich rief, gabst du mir Antwort, *
du weckst Kraft in meiner Seele. – (Kv)
Erhaben ist der Herr, /
doch er schaut auf den Niedrigen, *
in der Höhe ist er, doch er erkennt von ferne.
Der Herr wird es für mich vollenden. /
Herr, deine Huld währt ewig. *
Lass nicht ab von den Werken deiner Hände! – Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Rom.
O Tiefe des Reichtums,
der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!
Wie unergründlich sind seine Entscheidungen,
wie unerforschlich seine Wege!
Denn wer hat die Gedanken des Herrn erkannt?
Oder wer ist sein Ratgeber gewesen?
Oder wer hat ihm etwas gegeben,
sodass Gott ihm etwas zurückgeben müsste?
Denn aus ihm und durch ihn und auf ihn hin
ist die ganze Schöpfung.
Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.
(Lektionare 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die zweite Lesung des kommenden Sonntags ist als Lobpreis das Ende jener Gedankengänge, die Paulus in den ersten elf Kapiteln des Römerbriefes entwickelte. Darin kamen die wundersamen Wege Gottes in der Geschichte zur Darstellung, es wurde von der Treue Gottes angesichts der Sünde gehandelt, vom neuen Leben der an Christus Glaubenden und vom Verhältnis Juden-Christen.
Unser Text preist in hymnischer Weise Gott, der sich als souveräner Herr dieser Geschichte erweist.
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Du bist Petrus – der Fels –
und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen
und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit,
als Jesus in das Gebiet von Cäsaréa Philíppi kam,
fragte er seine Jünger und sprach:
Für wen halten die Menschen den Menschensohn?
Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer,
andere für Elíja,
wieder andere für Jeremía oder sonst einen Propheten.
Da sagte er zu ihnen: Ihr aber,
für wen haltet ihr mich?
Simon Petrus antwortete und sprach:
Du bist der Christus,
der Sohn des lebendigen Gottes!
Jesus antwortete und sagte zu ihm:
Selig bist du, Simon Barjóna;
denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart,
sondern mein Vater im Himmel.
Ich aber sage dir:
Du bist Petrus – der Fels –
und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen
und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.
Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben;
was du auf Erden binden wirst,
das wird im Himmel gebunden sein,
und was du auf Erden lösen wirst,
das wird im Himmel gelöst sein.
Dann befahl er den Jüngern,
niemandem zu sagen, dass er der Christus sei.
(Lektionare 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Evangelienperikope des nächsten Sonntags markiert einen Wendepunkt im Wirken Jesu, so wie es im Matthäus-Evangelium dargestellt wird: Jesus widmet sich, nachdem er zunehmend auf Unverständnis im Volk gestoßen ist, vornehmlich seinem Jüngerkreis.
Das Messiasbekenntnis des Petrus (Vers 16) ist nach dem Urteil der modernen Exegese als solches kein authentisches Wort des Apostels. Es macht aber deutlich, daß das Auftreten Jesu messianische Erwartungen (Messias, griechisch: Christus, heißt übersetzt "Gesalbter" und meint den endzeitlichen Heilsbringer) geweckt haben muß, wie sie schon in den Verheißungen des Alten Testaments vorkommen. Das hat es den Aposteln ermöglicht, Jesus nach seinem Tod und seiner Auferstehung als den Messias zu verkünden.
Ebenso entspricht die Verheißung Jesu für Petrus (Verse 18-19) ganz den nachösterlichen Vorstellungen von der Verbindung Christi mit seiner Kirche.
Wirkungsgeschichte: Seit dem 4. Jahrhundert und ganz besonders im vorigen Jahrhundert wurde unser Text in Theologie und Kirche zur Begründung der besonderen Stellung des Bischofs von Rom, also des Papstes, verwendet.
Die vorliegende Perikope ist der Abschluss des ersten großen Teils des Matthäus-Evangelium, der zweite Teil neigt sich bereits der Passionsgeschichte zu (vgl. Mt 16,21). Der Text gehört zu jenen, die am meisten in der neutestamentlichen Exegese diskutiert wurden.
Der Abschnitt, dem als Vorlage Mk 8,27-30 dient, ist in drei durchkomponierte Teile gegliedert: das Jüngergespräch, die Rede an Petrus, die Schlussmahnung.
Der Jesus-Rede wird eine Kernposition beigemessen: Sie ist gegliedert in eine Seligpreisung, - die einzige mit namentlicher Anrede, und zwei Verheißungen: das Fels-Sein und die Löse/Binde-Gewalt im Himmel und auf der Erde.
Die Exegese geht davon aus, dass diese Rede Jesu aus dem Umfeld des Matthäus kommt. Sie soll die Schlüsselposition dessen festigen und verdeutlichen, der auch sonst der erste der Jünger war, so etwa als Osterzeuge (1Kor 15,5). Ein guter Überblick über die Diskussion findet sich bei Gnilka, Matthäusevangelium.
Wirkungsgeschichtlich dient die Verheißung 16,18f als Fundament der Begründung des Vorrangs des Bischofs von Rom als Nachfolger des Petrus vor allen anderen Bischöfen.
Es lässt sich auch hier eine kontroverse Diskussion ausmachen. Im weiteren Verlauf des Matthäusevangeliums ist etwa zu finden, dass die Löse/Binde- Gewalt auch einem Kollegium von Christen übertragen wurde und nicht nur bei einem Einzelnen angesiedelt war (18,18).
Wer ist Jesus? Diese Frage durchzieht die ganze Geschichte. Menschen möchten groß sein, setzen sich Denkmäler, um "unsterblich" zu werden. Menschen sehnen sich nach einem, der ihre Träume und Hoffnungen erfüllt. Gott offenbart diesen Hoffnungsträger im Menschen Jesus.
Was sagen die Leute? Das ist doch eine interessante Frage. Für Jung und Alt. Unter Nachbarn, Kollegen und – Feinden. Ein kleiner Voyeurismus am Rande. Hoch hochprofessionell wird es, wenn die Meinungsforscher fragen. Was sagen die Leute von - einem Promi, einem Politiker, einem Ereignis. Der Datenhunger ist immens. Doch unter den Zahlen und Gezählten die Wahrheit zu finden, statistisch, entzieht sich uns selbst bei den schönsten Grafiken und klügsten Interpretationen.
Ist Jesus auch unter die Meinungsforscher gegangen? Heute hat es Jesu Jünger erwischt. Dabei sollen sie nur sagen, was die Leute sagen. Jetzt tauchen Propheten auf: wohlklingende, aber auch befremdliche Namen. Kennen Sie Elia? Jeremia? Johannes? – Jesus, einer von denen? Prophet – irgendwie? Wir spüren die Ratlosigkeit! Mit ihren Namen waren Katastrophen verbunden, Bußpredigten und die Ansage von Unheil. Die kleinen Leute aber, die sonst nicht gefragt werden, wussten zu erzählen, dass die Propheten sich für sie eingesetzt haben – und den Mächtigen das Fürchten lehrten. Was sollten denn die Leute von Jesus halten? Ob die Frage, die Jesus stellt, klug ist? Was wollte Jesus denn hören?
Schwenken wir einmal – nur kurz – ab. Heute begegnet uns auch Herr Schebna. Wetten, dass Sie von ihm noch nie etwas gehört haben? Wetten, dass er Ihnen jeden Tag aber bekannt vorkommt? Herr Schebna ist ein hoher Herr. Palastvorsteher wird er genannt. Also Herr über Schlüssel, Chancen und manchmal auch über Leben und Tod. Zu Lebzeiten schon richtet er sich seine Grablege hoch über den Bergen ein, für die Ewigkeit gemacht. Alle sollen auch noch nach seinem Tod zu ihm aufschauen. Und er schaut herunter. Gnädig? Furchteinflößend? Nicht, dass Herr Schebna da ein Einzelgänger wäre, aber zu ihm kommt ein Prophet – Jesaja!
Originalton:
Einer, der sich hoch oben sein Grab aushaut,
sich im Felsen seine Wohnung ausmeißelt! -
Siehe, der HERR
schleudert dich in hohem Bogen weg, Mann! -
Wir wissen eigentlich nicht so genau, was alles passiert ist. Angedeutet wird der Größenwahn von Herrn Schebna, aber auch – wir ahnen es -, auf wessen Kosten er sich groß und ewig macht. Jedenfalls reicht es Gott. Er hat nichts weniger im Sinn, als dem Treiben ein Ende zu machen und die Verhältnisse neu zu ordnen. Eine Palastrevolution sozusagen. Der Nachfolger von Herrn Schebna wird seine Insignien tragen, das Gewand und die Schärpe. Die Prunkwagen landen auf dem Schrottplatz, kaputtgefahren.
Diese kleine Geschichte, wunderschön erzählt, nach so langer Zeit lebendig und farbig, zeigt einen Propheten im Einsatz, überliefert seine Worte und macht uns zu Zeugen einer großen Auseinandersetzung. Nicht nur um ein Grab…
Herrn Schebna ist ein Wiedergänger. Er kann auch Alexander Grigorjewitsch Lukaschenko heißen oder, oder… Verzeihen Sie, an dieser Stelle könnte mir die Predigt platzen. Es gibt so viele von diesen Typen. Und so wenige Propheten.
Wenn die Leute meinen, Jesus sei auch so jemand wie Jesaja, Jeremia, Elia oder Johannes, liegen sie so falsch nicht. Auf dem ersten Blick! Jesus ruft doch zur Umkehr auf. „Das Reich Gottes ist nahe!“ Jesus nennt die selig, glücklich, die arm sind vor Gott, die barmherzig sind, die Frieden stiften. Im Vaterunser lehrt er uns zu bitten: Dein Reich komme! Dein Wille geschehe! Das konnten auch die Propheten sagen. Und haben es getan.
Aber als Jesus seine Jünger fragt, wer er denn für sie ist, legt Simon ein Bekenntnis ab. Für sie alle: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Und Jesus nennt ihn Petrus, Fels. Auch das ist ein Bekenntnis. Ein Bekenntnis zu dem Menschen, der eine wenig rühmliche Geschichte spielen wird. Kurz vor der Verurteilung, kurz vor der Hinrichtung Jesu wird Petrus ihn verleugnen, sich gar von ihm distanzieren, ihn allein lassen. Eine ganz dichte Situation tut sich hier auf. In der Gegend von Cäsarea Philippi. Hier der Christus, dort der Fels.
Christus ist nicht Jesu Nachname, nicht sein Familienname, wie wohl viele denken. „Christus“ ist das griechische Wort für Messias, übersetzt: der „Gesalbte“. Der von Gott auserwählte Herr, der König! Heiß ersehnt, von Menschen seit Menschengedenken erwartet und erbeten, von Gott seit Ewigkeit verheißen. Eine Traumfigur, eine Projektionsfläche für die größten Hoffnungen, die Menschen haben können. Der Messias, Christus, steht für eine neue Welt. Simon spricht das aus: Du bist es, Jesus! Doch die Worte reichen nicht aus. Nicht nur der König, du bist Gottes Sohn. Es gleicht einer Offenbarung. Jesus spricht es aus: Mein Vater im Himmel hat dir das offenbart. Mein Vater im Himmel! Dir! offenbart! Das ist das Geheimnis des Felsens.
Die Sehnsucht, fest zu stehen, von Stürmen nicht weggespült zu werden, zu wissen, woran wir glauben können, ist groß. Vielleicht größer denn je. Wir kennen die Verunsicherungen, die Ängste und die Trotzreaktionen. Nicht nur bei oder mit Corona. Die Sehnsucht verrät sich in Meinungsumfragen, in Gesprächen, sogar auf Demonstrationen. Schauen wir fern, hören wir aus Fetzen, Fahnen und Chören, was Menschen weltweit umtreibt. Was sagen die Leute?
Jesus fragt danach, was die Leute sagen. Er fragt nach ihren Träumen und Hoffnungen. Er lässt sich erzählen, was gerade umläuft. Im Zwiegespräch mit den Jüngern wird Jesus als der Hoffnungsträger Gottes bekannt. Der Vater im Himmel bekommt ein Gesicht, eine Stimme, ein Lächeln. Ein Mensch – Sohn Gottes.
Die Sehnsucht der Menschen, Gott in seiner Liebe zu begegnen, bei ihm eine neue Welt zu entdecken und aus den vielen menschlichen Abgründen herauszufinden, wird von Jesus als Messias, als Christos erfüllt. In seinem Leben, in seinem Sterben, in seiner Auferstehung. Es ist schwer, darüber zu reden – und die Welt nicht nur auszuhalten, sondern zu heilen. Ich bin glücklich, dass uns Petrus Worte schenkt, die nicht von ihm sind, sondern aus dem Himmel kommen. Ein Bekenntnis, in dem die Herrschaft Gottes sichtbar wird. Ein Bekenntnis, in dem Gottes Liebe ausgerufen ist. Ein Bekenntnis, in dem mein Leben Halt und Geborgenheit findet. ER ist der Christos! Von Gott gesalbt und eingesetzt – für uns Menschen. Mein Herr und mein Gott! So wird es der berühmte ungläubige Thomas sagen.
In unseren kirchlichen Traditionen haben sich zwei Linien entwickelt: Auf der einen Seite wird das Christus-Bekenntnis leicht spiritualisiert, auf der anderen institutionalisiert. Auf der einen Seite reden wir erbaulich und oft folgenlos, auf der anderen kann der Papst, die Institution Kirche, den vielen Erwartungen nicht gerecht werden. Nach innen nicht, nach außen nicht. Auf der einen Seite feiern wir schöne Gottesdienste, auf der anderen sind wir als Kirche Stein des Anstoßes. Was sagen die Leute?
Dass Jesus der Christos ist, verbindet den Glauben mit der Liebe, die Liebe mit der Hoffnung, die Hoffnung mit dem Glauben. In allen Auseinandersetzungen weltanschaulicher Art, in gesellschaftlichen Konflikten und in den großen ökumenischen Hoffnungen ist Christus der Herr.
Übrigens: Wollten Sie noch wissen, wie die Geschichte von Herrn Schebna ausgegangen ist?
Deine Herrschaft (Schebna) gebe ich in seine Hand –
(lässt Gott ihm ausrichten)
und er wird zum Vater für die Einwohner Jerusalems
und für das Haus Juda.
Ich werde ihm den Schlüssel des Hauses David
auf die Schulter legen.
Er wird öffnen
und niemand ist da, der schließt;
er wird schließen
und niemand ist da, der öffnet.
Ich werde ihn als Pflock an einer festen Stelle einschlagen
und er wird zum Thron der Ehre für sein Vaterhaus.
Es ist ein Geschenk, eine Offenbarung, Christus zu bekennen! Ich will das heute wieder tun!
Der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Jesus fragt die Jünger, für wen er gehalten werde. Alte Messiasträume werden lebendig. Jesus ist es aber wichtig zu zeigen, dass die Herrschaft Gottes schon begonnen hat. Das Gute hat gesiegt, das Böse kämpft um Aufmerksamkeit. Wie können wir sensibel werden für das Wirken Gottes in der Welt?
Erinnern Sie sich noch an die Bewerbungsgespräche, die Sie im Laufe Ihres Berufslebens geführt haben? Bei manchem liegt das letzte Gespräch vielleicht schon Jahrzehnte zurück, andere haben sich das letzte Mal erst vor wenigen Jahren oder Monaten beworben. Es ist eine anspannende Situation. Jeder weiß, dass neben den Zeugnissen und Beurteilungen vor allem der persönliche Eindruck wichtig ist. Mein Auftreten, meine Umgangsformen, die Art und Weise zu antworten usw. Ich möchte ein positives Bild von mir vermitteln, um möglichst gute Chancen zu haben, den Job auch zu bekommen. Manchmal gelingt es und manchmal auch nicht. Besonders enttäuschend ist es, wenn der Personalchef ein ganz anderes Bild von mir gewonnen hat, als ich vermitteln wollte bzw. als ich selber von mir habe.
Wer Mut hat, fragt manchmal gute Freunde danach, wie andere mich sehen und was sie selber von mir halten. Im heutigen Evangelium sind wir Zeugen eines solchen Gespräches geworden. Christus fragt seine Jünger danach, für wen die Menschen ihn halten. Und danach, welches Bild sie selbst von ihm haben. Ein mutiger Schritt! Und sozusagen auch ein Zwischenzeugnis für seine Verkündigung: Haben die Menschen, haben seine Jünger die Botschaft verstanden, die er vermitteln will?
Es fällt auf, dass seine Zuhörer und Zuhörerinnen ganz in ihrer überlieferten Tradition verwurzelt geblieben sind: Sie vergleichen den Herrn mit einem der großen Propheten des Judentums. Von Gott gesandte Menschen, die das in der (fernen) Zukunft liegende Kommen Gottes ankündigen und bis dahin die Menschen zur Umkehr, zu einer gerechten sozialen Praxis und zu einem dementsprechend ausgerichteten Tempelkult aufrufen.
Nun wird es spannend: Welches Bild haben seine engsten Freunde von ihm? Für wen halten sie ihn? Petrus, der hier als Sprecher der Jünger auftritt, antwortet ihm: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.
Beide Begriffe sind uns sehr vertraut. Es lohnt sich aber trotzdem, sie vor allem in ihrem Kontakt zu den Vorstellungen der anderen Leute noch einmal zu betrachten.
Mir der babylonischen Gefangenschaft geht um 586 v. Christus das jüdische Königtum zu Ende. Die Verkündigung der Propheten entwickelt seitdem zunehmend die Idee einer endzeitlichen Rettergestalt, deren Kommen alles verändern wird: Ein von Gott ausgewählter Mensch, der eine radikale und endgültige Wende zur Durchsetzung der Gottesherrschaft vollziehen wird. Indem Petrus Jesus als Messias bezeichnet, sagt er letztendlich: Anders als die alten Propheten warten wir nicht mehr auf Gottes rettendes Eingreifen in die Welt. Wir glauben, dass Gott in deiner Person dieses Eingreifen jetzt endgültig begonnen hat.
Christus ist aber nicht nur der erwartete Messias, sondern auch der Sohn des lebendigen Gottes. Die endgültige Aufrichtung der Gottesherrschaft überträgt Gott nämlich nicht einem auserwählten Menschen. In Jesus Christus ist er selbst in diese Welt gekommen, um seiner Herrschaft den endgültigen Durchbruch zu verschaffen.
Leben in Fülle - das ist das, was Gott für uns will. Leben. Der größte Feind des Lebens ist der Tod, der das Leben endgültig vernichtet. Diesen Feind hat Christus, der Sohn des lebendigen Gottes am Ostermorgen besiegt. Der Tod konnte ihn nicht festhalten. Christus ist auferstanden von den Toten und hat das Leben für alle neu geschaffen.
Petrus hat also wirklich Recht: Er ist der Messias und der Sohn des lebendigen Gottes. Und wenn man uns heute fragen würde, würden wir wahrscheinlich auch diese Antwort geben.
Tja, aber ehrlich gesagt: Ist das wirklich unsere innerste Überzeugung? Die Terrorwelle, die Europa zur Zeit überzieht. Säbelrasseln in Korea. Eine Nation, die nicht am Wohlergehen aller Völker interessiert ist, sondern nur ihre eigenen Interessen durchsetzen will. Wir erleben eine zunehmende Vereinsamung der Menschen in unserem Land. Trotz guter wirtschaftlicher Zahlen wächst die Schere zwischen Armen und Reichen. Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Wenn ich das in mein Herz hineinlasse, dann sehe ich mich manchmal mehr auf der Seite der „Leute“ im heutigen Evangelium als auf der Seite des Petrus. Eher auf der Seite derer, die auf das Eingreifen Gottes immer noch warten, als auf der Seite derer, die überzeugt sind, dass der Anbruch der Gottesherrschaft tatsächlich schon begonnen hat.
Das ist das Perfide der lebensfeindlichen Kräfte. Obwohl sie durch den Sieg Christi am Kreuz tödlich getroffen sind, haben sie immer noch Macht über uns und versuchen unser Vertrauen in die längst angebrochene Gottesherrschaft zu zerstören.
Mir ist es wichtig, meine Sinne immer wieder zu schärfen und eine hohe Sensibilität für Gottes Wirken in dieser Welt zu entwickeln. Ich denke zum Beispiel an die klatschenden Menschen nach der Gedenkminute für die Opfer des Anschlages in Barcelona: „Wir haben keine Angst!“ - riefen sie minutenlang rhythmisch im Chor. Ich denke an die vielen Ehrenamtlichen, die sich in kommunalen oder auch kirchlichen Initiativen für Senioren und Seniorinnen engagieren, um der Alterseinsamkeit und Altersarmut etwas entgegen zu setzen. Ich denke an die Engagierten in den Hospizvereinen, die Menschen in Würde in der letzten Phase des Lebens begleiten und sich so mutig und engagiert gegen Tötung auf Verlangen einsetzen. Ich denke auch die Vielen, die trotz Unverständnis oder auch Spott ihrer Mitmenschen, treu zum christlichen Glauben stehen und sich in unseren Kirchengemeinden engagieren.
Es stimmt einfach nicht, dass das Böse stärker ist, als das Leben. Das Böse erzielt nur mehr Aufmerksamkeit. Was bleibt ihm auch anderes übrig? Es hat verloren. Gewonnen hat die Herrschaft Gottes, die ich immer mehr spüren darf.
Ich möchte mich bemühen, dieses vielfältige Wirken Gottes in der Welt und in meinem Leben immer stärker wahrzunehmen. Ich möchte nicht nur aus guter christlicher Tradition, sondern voller Überzeugung und Glauben sagen können: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.
Wer ist Jesus für dich und mich, ist die entscheidende Frage. Das Erkennen der Bedeutung Jeus ist ein Lernprozess, den wir gut an Petrus beobachten können, und eine Herausforderung für jeden Einzelnen, auf die er oder sie persönlich eine Antwort finden muss.
Jesus fragt im heutigen Evangelium seine Jünger: „Für wen halten die Menschen den Menschensohn? Sie sagen: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten.“ Die Menschen ordnen Jesus in die Reihe der Propheten ein. Es sind Namen, bei denen in Israel die Erwartung einer Wende mitschwingt. So sprach der Täufer vom nahen Endgericht. Der Prophet Elija verkörpert die Wiederherstellung des Reiches Israel und Jeremia steht für den Untergang und Neuanfang des Volkes. All diese Meinungen sind nicht ganz verkehrt. Sie nähern sich Jesus an. Aber sie reichen nicht an das Eigentliche von Jesus heran, an seine ganz andere Sendung und Größe.
Auch heute gibt es bei uns Menschen, die Jesus kennen, vielleicht sogar Theologie studiert haben, aber ihm nicht in seinem wahren Sein begegnet sind. Sie halten ihn für eine große religiöse Gründergestalt. Letztlich entscheiden sie selbst, was sie von Jesus annehmen oder nicht.
Jetzt werden die Jünger gefragt: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortet und spricht: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“ Da sagte Jesus zu ihm: „Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.“ Petrus bekennt Jesus als den Christus. Der Geist des Vaters spricht aus ihm. Er selbst, der Mensch Simon, ist sich dieser Aussage nicht voll bewusst. Das muss erst in ihm wachsen.
Oft verliert Petrus diese Eingebung des himmlischen Vaters. Er denkt wieder rein menschlich und fällt ins irdisch Politische zurück. Er scheint zu vergessen, was er beim Seesturm und dem Gang über dem Wasser zutiefst erschüttert gerufen hatte: „Du bist der Sohn Gottes!“ Petrus muss noch Reifungswege gehen: Am Abend von Jesu Gefangennahme und dessen Verurteilung verleugnet er am Kohlenfeuer Jesus. Umstehende fragen ihn: „Wirklich, auch du gehörst zu ihnen, deine Mundart verrät dich. Da fing er an, sich zu verfluchen und schwor: Ich kenne den Menschen nicht. Gleich darauf krähte ein Hahn, und Petrus erinnerte sich an das, was Jesus gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich.“
Das ist für uns das Wunder göttlicher Erwählung, dass Gott treu bleibt und nochmals eine Chance gibt: am See von Tiberias. Der österliche Jesus fragt Petrus dreimal nach seiner Liebe. Petrus antwortet: „Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich lieb habe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!“
Doch schon hier im heutigen Text im Matthäusevangelium bekommt Petrus seine ganz besondere Bestimmung von Jesus: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein“. Hier wird Petrus zum felsenfesten Fundament der Kirche erklärt. Damit alle Menschen, die Gott zum Glauben beruft, das Heil in Christus, dem Erlöser, finden, erhält Petrus die Binde- und Lösegewalt, die letztlich auf Vergebung zielt. Jesus sichert dem Petrus zu, die Mächte der Unterwelt werden diese Botschaft nicht überwältigen. Die Schlüssel stellen die konkrete Hirtengewalt für die Herde Christi dar.
Seit dem vierten Jahrhundert und ganz besonders in neuerer Zeit wurde diese Stelle in Theologie und Kirche zur Begründung der besonderen Stellung des Bischofs von Rom, des Papstes, verwendet. Wenn sich aus den Worten Jesu für Petrus in der Kirche Tendenzen zu falsch verstandener Vollmacht entwickelten, die nicht mehr dem Geist des Dienens entsprachen, hatte man sich von dem, was Jesus dem Petrus offenbarte, entfernt oder ihn gar verraten.
Im Römerbrief wird uns eine Antwort auf diese Frage als Glaubensformel hinterlassen: „Denn wenn du mit deinem Mund bekennst: »Jesus ist der Herr« und in deinem Herzen glaubst: »Gott hat ihn von den Toten auferweckt«, so wirst du gerettet werden“. Bekennen wir heute bewusst mit der gläubigen Gemeinde hier im Gottesdienst, dass Jesus der Herr ist und glauben wir in unserem Herzen, dass er uns gerettet und erlöst hat. Gehen wir täglich im Gebet ins innere Gespräch mit Jesus und übergeben wir ihm Freud und Leid unseres Lebens! Tragen wir seine Liebe, mit der er uns in reichem Masse beschenkt, zu den Mitmenschen. So wird durch uns und um uns herum Jesu Kirche aufblühen können und die Menschen stärken.
Die Worte der Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer klingen wie ein Lobpreis in hymnisch-feierlicher Sprache. Paulus teilt uns das Ergebnis seiner Überlegungen zum Wesen und Handeln Gottes ihn betreffend mit. Das Staunen und die Bewunderung gegenüber Gott vonseiten des Apostels sind so groß, dass Paulus unfähig ist, nüchtern und nur sachlich zu berichten. Die Gefühle, Gedanken, sein Herz legen ihm Worte in den Mund und lassen ihn eine Sprache verwenden, die in den Bereich des Betens und des Lobpreises gehören.
Dabei ist Paulus von vornherein eigentlich gar kein meditativer, zurückgezogener Mensch mit vorwiegend frommer Sprache. In der Bibel wird uns der Apostel zunächst als ein Draufgänger geschildert. Bei den ersten Christenverfolgungen gehört er mit zu denen, dessen Namensnennung die Christen bereits erschreckt. Der Diakon Stephanus wird unter seiner Aufsicht gesteinigt. In seinem Drang, Christen zu verfolgen, beschränkt Paulus sich nicht nur auf Jerusalem und die umliegenden Orte. Bis nach Damaskus treibt ihn sein Eifer, um die neue christliche Bewegung klein zu halten oder gar auszurotten, sofern dies gelingen sollte.
Und dann kommt der Einbruch. Vor den Stadttoren von Damaskus hört Paulus eine Stimme, die ihn fragt: Was tust du? Warum verfolgst du mich, den Gekreuzigten und Auferstandenen?
Ein erstes Mal geht Paulus ernsthafter in sich. Ja, was mache ich? Ist das, was ich tue, in Ordnung?
Wir dürfen uns die Bekehrung des Apostels nicht zu einfach vorstellen. Zwar wird er von der christlichen Gemeinde in Damaskus aufgenommen und über den christlichen Glauben belehrt, aber daran schließt sich ein dreijähriger Rückzug des Apostels in die Wüste an. Hier, so dürfen wir annehmen, geschieht die gründliche innere Auseinandersetzung und Neuorientierung des künftigen Apostels im Glauben. Das Ergebnis lautet: Ich, Paulus, fühle mich gerufen, den Heiden das Evangelium zu verkünden.
Was könnte Paulus dazu bewogen haben, zu dieser Überzeugung und Entscheidung zu kommen?
Als Erstes wird Paulus klar geworden sein: Ich habe jüdische Theologie studiert beim berühmten Professor Gamaliel. Damit bin ich auf dem neusten Stand, was die jüdische Religion betrifft. Von daher müsste ich in der Lage sein, begründen zu können, in welchen Punkten christliche Vorstellungen jüdisches Denken übertreffen und dass das Christentum eine klare Weiterführung des bereits im Gottesvolk verankerten Gottesglaubens ist. Diese Überlegungen hätten Paulus allerdings schnurgerade nach Jerusalem führen müssen, ins Zentrum jüdischer Glaubensvermittlung.
Doch dann kamen wohl die weiteren Überlegungen:
- Ich habe römisches Bürgerrecht. Dies schützt vor staatlicher und behördlicher Willkür.
- Ich spreche neben Hebräisch auch Griechisch, die Sprache des römischen Reiches. In den heidnischen Ländern könnte ich mich ohne Schwierigkeiten verständlich machen.
- Ich habe das Handwerk des Tuchwebers erlernt. Im praktischen Leben und Lebensalltag bin ich nicht unbeholfen. Und Paulus weist in seinen Briefen darauf hin, dass er seinen eigenen Lebensunterhalt verdient habe und niemandem zur Last falle.
- Schließlich war der Apostel unverheiratet, nicht gebunden an Familienpflichten.
All diese Überlegungen zusammen genommen, verknüpft mit dem Auftrag Jesu "Ich sende euch bis an die Grenze der Erde", werden in Paulus die Frage aufgeworfen haben: Ist mit dem Geschehen vor Damaskus mir nicht gleichzeitig aufgetragen worden, einer von denen zu sein, die bis an die Grenzen der Erde gehen sollten?
Vielleicht wird in der Abgeschiedenheit der Wüste Paulus sich ein erstes Mal voller Staunen gesagt haben: Wie unergründlich sind doch Gottes Wege mit mir, wie unerforschlich ist sein verborgenes Wirken. Hätte ich als Student oder Lehrling je daran gedacht, wozu meine Ausbildung, mein Wissen, meine Energie einmal dienen könnten oder sollen! Wie vorausschauend sind Gottes Pläne, wie weise seine Gedanken!
Mit der gleichen Kraft, mit dem gleichen Schwung, die den Apostel bei der Verfolgung der Christen vorwärts trieben, geht Paulus dann seiner missionarischen Arbeit nach. Hier zeigt sich, dass er, Paulus, wie kein anderer tatsächlich genau der richtige Mann ist. Die Arbeit ist schwierig, die Strapazen sind groß. Paulus gibt nicht auf. Er spürt in sich die Kraft, durchhalten zu können. Vor allem ist er der rechte Mann, um die Probleme zwischen den Heiden- und Judenchristen einer Lösung zuzuführen, mit der beide Seiten leben können. Dadurch wird der Weg offen gehalten, um jeden in die christliche Gemeinschaft aufzunehmen.
Wenn Paulus auf seinen Lebensweg und sein Wirken zurück schaut, spürt er, wie sehr er durch Gott geführt wurde. Der Apostel erkennt, sein Werk ist nur zu einem geringen Teil das Ergebnis seiner eigenen Mühe. Zwar gehört diese mit dazu, aber Leitung, Planung, Führung lagen letztlich in den Händen Gottes. Aus ihm, durch ihn und auf ihn hin geschah und bewegte sich alles, wie unerkannt dies in den jeweiligen Situationen zunächst auch immer war.
Paulus ist von Gott fasziniert, - fasziniert auch, wie sich das Handeln Gottes an den Menschen wiederholt. Wie sehr hatte Israel beim Auszug aus Ägypten und beim Wandern durch die Wüste Gott als den erfahren, der unerforschlich in seinen Gedanken Israels Weg begleitet hatte. Welch unergründlichen Weg nahm trotz Verfolgung die Entwicklung und Ausbreitung des Christentums! Es hätte gar keinen erfolgreicheren anderen Weg geben können, stellt Paulus für sich fest. Wer könnte Gott weisere Ratschläge geben! Dank und Lobpreis steigen in seinem Herzen auf und lassen ihn aussprechen: Ihm, diesem Gott voller Klugheit und Weisheit, sei Ehre in Ewigkeit.
Paulus ist fasziniert und berauscht von Gott. Er will, dass die Christen von Rom, denen er den Brief schreibt, es auch sind. Sie sollen in ihr Leben schauen und erkennen, an welchen Punkten auch sie von Gott geleitet und geführt wurden. Euer Leben besteht nicht aus lauter reinen Zufällen, will der Apostel den Gläubigen sagen. Erkennt Gottes vorbereitendes und begleitendes Handeln im Verborgenen. Beides gibt es auch in euerm Leben.
Wenn wir der Aufforderung des Paulus an die Römer nachkommen und auch für uns Rückblick halten, werden wohl nur sehr wenige von uns eine Art Damaskus-Erlebnis bei sich entdecken. Aber anderes könnten wir mit dem Apostel gemeinsam haben.
Gab es in unserem Leben nicht auch Situationen, wo unsere Pläne völlig durchkreuzt wurden? - Und genau das war zu unserem Heil und Vorteil.
Wo galt es Schwieriges oder Leidvolles durchzustehen, wo wir im Nachhinein sagen konnten? - Gerade dadurch wurde ich stark für Nachfolgendes und befähigt, wichtige Lebenssituationen zu bewältigen.
Welche Bedeutung hatte für uns die Begegnung mit bestimmten Menschen: in der Schulzeit, am Arbeitsplatz, im Urlaub, durch eine Bekanntschaft? - Welchen Verlust hätte es bedeutet, wenn ich diesen Betreffenden nicht begegnet wäre?
Wo müssten wir sagen: Gott sei Dank habe ich dies und jenes gelernt und mich darin eingeübt? - Nie im Traum hätte ich je daran gedacht, wie wertvoll dies für mich und mein Leben einmal werden könnte.
Wahrscheinlich haben wir alle ausreichend Gründe, um in die Worte des Paulus, Worte des Staunens und der Dankbarkeit, einzustimmen, um mit unseren Worten zu sagen: Tief und reich ist deine Weisheit, Gott, wenn auch manches für uns auf Anhieb unergründlich war. Dir, Gott, sei Ehre, Dank und Lobpreis in Ewigkeit.
Was sagen die Leute? Manchmal bin ich ganz offen, neugierig – manchmal schüttle ich den Kopf. Manchmal will es nicht einmal wissen. Aber die Profis hängen sich an meine Fersen. Sie möchten ganz viel wissen – und ganz viel vermarkten. Sie können nicht genug bekommen. Von mir. Sie möchten auch beeinflussen, was die Leute sagen. Am Ende werden Menschen Daten.
Jesus fragt auch danach, was die Leute sagen. Ihm vertrauen wir an, was durch Köpfe und Herzen geht. Heute freuen wir uns darüber, dass im Evangelium auch gleich zwei Liebeserklärungen – oder Bekenntnisse – ausgesprochen werden. Wir sind in guter Gesellschaft!
Unseren Herrn rufen wir an:
Herr,
die täglichen Coronazahlen stellen uns auf eine harte Probe.
Wir tun so, als ob alles normal wäre, aber die Angst geht um.
Herr, erbarme dich.
Herr,
Daten werden gesammelt, ausgewertet und vermarktet.
Wir wissen nicht, wer was von uns weiß und nutzt.
Christus, erbarme dich.
Herr,
Menschen werden manipuliert und zu Opfern von Verschwörungstheorien und Hass.
Was gut ist und was böse, verschwimmt im Nebel.
Herr, erbarme dich.
Im 138. Psalm heißt es:
„Erhaben ist der Herr,
doch er schaut auf den Niedrigen,
in der Höhe ist er,
doch er erkennt von ferne.“
Ehre sei Gott in der Höhe…
Gott, unser Herr,
du verbindest alle, die an dich glauben,
zum gemeinsamen Streben.
Gib, daß wir lieben, was du befiehlst,
und ersehnen, was du uns verheißen hast,
damit in der Unbeständigkeit dieses Lebens
unsere Herzen dort verankert seien,
wo die wahren Freuden sind.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 21. Sonntag im Jahreskreis
Gott.
Du bist uns nahe,
noch bevor wir zu dir kommen.
Du bist bei uns,
noch bevor wir uns aufmachen zu dir.
Sieh deine Gemeinde, die auf dich schaut:
Sieh unsere Sehnsucht nach Glück,
unseren Willen zum Guten
und unser Versagen.
Erbarme dich unserer Armut und Leere.
Fülle sie mit deinem Leben,
mit deinem Glück,
mit deiner Liebe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Auswahl 25
Vater und Mutter bist du für uns, Gott.
In Jesus sehen wir dein Gesicht,
hören wir dein Wort.
Wir danken dir für das Wunder,
das deine Liebe Himmel und Erde umfasst.
Du kennst unsere Unruhe,
Gedanken, die sich im Kreis drehen,
Gewohnheiten, die zerbrechen.
Hilf uns, bei dir Ruhe zu finden,
Gedanken zu ordnen,
Fragen zu klären und
Hoffnungen wachsen zu lassen.
Du schenkst uns deinen Frieden.
Mit Staunen sehen wir die Schönheit der Schöpfung.
Lass uns in deiner Zukunft ankommen
in Jesus, den du uns als Christus offenbarst.
Es gibt keinen Tag ohne Nachrichten, Informationen und Wortmeldungen.
Wir hören, was die Leute sagen. Wir merken, was die Leute verschweigen. Wir sehen, was die Leute aufbringt.
Lasst uns beten:
In Weißrussland klammert sich ein Machthaber an die Macht. Vor Gewalt schreckt er nicht zurück. Jetzt gehen viele Menschen auf die Straßen, um für ihre gestohlenen Stimmen zu kämpfen.
Schenke allen, die Macht haben, Einsicht in ihre Grenzen und Respekt vor Gerechtigkeit und Recht.
Herr, von dir erbitten wir ein mutiges Bekenntnis.
Die Corona-Pandemie breitet sich wieder aus. Viele Menschen sind enttäuscht, viele wissen nicht, wie es weitergeht. Andere setzen sich über Regeln hinweg und suchen eine falsche Sicherheit.
Schenke allen, die verantwortlich reden und entscheiden müssen, Weisheit und Besonnenheit.
Herr, von dir erbitten wir ein mutiges Bekenntnis.
In vielen Ländern wächst der Nationalismus. Viele Menschen kommen mit den rasanten Entwicklungen in Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur nicht mit. Sie suchen Sündenböcke.
Schenke allen, die sich hinter Grenzen verschanzen, einen menschlichen Blick auf die anderen.
Herr, von dir erbitten wir ein mutiges Bekenntnis.
Weltweit sind Menschen auf der Flucht. Sie fliehen vor Klimaveränderungen, Terror und Rassismus. Viele hausen in Lagern. Die Elendsquartiere in Metropolen wachsen.
Schenke allen, die die weltweiten Abhängigkeiten und Verflechtungen kennen, den Mut, sich für diese Menschen einzusetzen.
Herr, von dir erbitten wir ein mutiges Bekenntnis.
Wir denken an Papst Franziskus. Nach dem Petruswort ist er Fels. Unterschiedliche Wünsche, Frömmigkeitsformen und Hoffnungen prallen auf einander. In der Ökumene ist die Sehnsucht groß, in einer Welt voller Trennungen im Glauben Einheit zu finden.
Schenke allen, die in der Kirche eine Heimat finden, ein gemeinsames Bekenntnis zu Christus
Herr, von dir erbitten wir ein mutiges Bekenntnis.
Wir freuen uns an dem Bekenntnis:
Du bist der Christus,
Sohn des lebendigen Gottes.
So werden wir gehalten und getragen.
Was Menschen sagen und klagen,
was sie erhoffen und erbitten,
legen wir dir an’s Herz. – Amen.
Christus ist das Wort des Vaters, das er in unsere Welt hineingesprochen hat. Trotzdem bleibt für alle, die an ihn glauben, Gott das große Geheimnis ihres Lebens.
In Demut und Vertrauen in seine Vollmacht bitten wir ihn:
Für Papst Franziskus, der deiner Kirche in unseren Tagen dient und sie nach deinem Willen zu leiten versucht.
Für alle Menschen, die für Demokratie und Meinungsfreiheit durch die Machtausübenden körperliche und psychische Gewalt erleiden.
Für alle, die in Kirche und Welt in hohe Ämter berufen sind und dabei mehr auf deine Hilfe als auf ihre eigenen Fähigkeiten vertrauen.
Für die Menschen, die in der derzeit bestehenden prekären Arbeitssituation ihren Arbeitsplatz verlieren.
Für unsere Verstorbenen, für die wir deine Vergebung und ewige Nähe erhoffen.
Wie Christus sich der Nöte der Menschen seiner Zeit angenommen hat, so vertrauen auch wir darauf, dass unsere Bitten erhört werden.
Dafür danken wir dir und loben dich jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Herr und Gott,
du hast dir
das eine Volk des Neuen Bundes erworben
durch das Opfer deines Sohnes,
das er ein für allemal dargebracht hat.
Sieh gnädig auf uns
und schenke uns in deiner Kirche
Einheit und Frieden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 21. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
die Gaben, die wir bereitet haben,
sind Zeichen unserer Hingabe an dich.
Darum bitten wir:
Wie Brot und Wein in der Kraft des Geistes geheiligt werden,
so heilige auch uns selbst immer mehr
nach dem Bilde unseres Herrn Jesus Christus,
der mit dir lebt und Leben schenkt in alle Ewigkeit.
MB Auswahl 6
Dir, Herr, bringen wir unsere Gaben:
Träume und Geschichten,
Nachrichten und Gerüchte,
Schmerzen und Schuld,
Brot und Wein.
Du nimmst in deine Hände,
was von unseren Herzen kommt.
Wir danken dir für die Liebe,
die alles verwandelt.
Brot und Wein.
Du schenkst dich uns.
In Christus, deinem Sohn,
unserem Bruder.
Wir danken dir.
Gott und Vater,
dein Sohn hat gezeigt,
wie ein Segensgebet Brot mehren
und Wasser verwandeln kann.
Lass nun Segen werden über Brot und Wein,
damit wir aus dieser Kraft leben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. – Amen.
Kehrvers:
Freut euch: Wir sind Gottes Volk,
erwählt durch seine Gnade. (GL 56,1)
Dich Gott, unser Vater, zu preisen, sind wir hier versammelt,
denn wir haben allen Grund dir zu danken und dich zu loben.
Kehrvers
Du selbst bist der Gute Hirte, der für die Seinen sorgt.
Schon im Ersten Bund hast du
Propheten, Priester und Könige als Hirten eingesetzt,
damit sie dein Volk leiten und auf deinen Wegen führen.
Kehrvers
Als dein auserwähltes Volk von deinen Wegen abwich,
hast du Jesus von Nazareth als Messias gesandt.
Er hat allen, die auf ihn hörten, deine Größe geoffenbart
und sie zum neuen Gottesvolk zusammengerufen.
Kehrvers
Simon Petrus hat er zum festen Fundament seiner Kirche gemacht
und ihm er die Schlüssel des Himmelreiches anvertraut,
damit er gemeinsam mit der ganzen Kirche
die Türen zum ewigen Leben aufschließe.
Kehrvers
Mit Simon Petrus und den anderen Jüngern bekennen auch wir,
dass Jesus der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes ist,
auf ihn hoffen wir und auf ihn bauen wir unser Leben auf.
Kehrvers
Für diesen festen Grund danken wir dir
und preisen wir dich mit allen Engeln und Heiligen.
Mit der ganzen Schöpfung singen wir dir unser Lob:
Danklied, z. B. "Ein Haus voll Glorie schauet" (GL 478, 1. 3. und 5. Str.)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn du bist der ewige Hirt,
der seine Herde nicht verläßt,
du hütest sie allezeit durch deine heiligen Apostel.
Du hast sie der Kirche als Hirten gegeben,
damit sie ihr vorstehn als Stellvertreter deines Sohnes.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten und
mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Apostel 1
Über den Vater hat Jesus viel gesprochen.
Die Menschen sollten um ihn wissen
und dann mit Vertrauen und Hoffnung sagen:
Vater Unser...
Einleitung zum Friedensgebet:
Herr Jesus Christus,
dürfen wir dich nicht mit Recht für unseren Frieden
und den Friedensbringer der Welt halten?
So bitten wir dich:
Schaue nicht auf unsere Sünden...
Lebendiger Gott
öffne unseren Geist und unser Herz
für die Stimmen des Lebens, das uns umgibt
damit wir hören, was du uns sagst
und weitergeben, was wir daraus gelernt haben.
Begleite mit deinem Wort unser Tun
gib uns die Gnade, die richtigen Fragen zu stellen
und ein offenes Herz
die richtigen Antworten zu erkennen.
Lass uns aufhören
in Angst und Furcht vor dem Ungewissen zu leben
und statt dessen darauf vertrauen
dass du uns ungeahnte Möglichkeiten eröffnest
wenn wir nach deinem Willen fragen.
Erfülle uns mit Begeisterung
über deinen Auftrag in der Welt
lass uns Hoffnung bringen und Zuversicht
und die Freude ausstrahlen
die von dir kommt.
Herr, unser Gott,
schenke uns durch dieses Sakrament
die Fülle deines Erbarmens
und mache uns heil.
Gewähre uns deine Hilfe,
damit wir so vor dir leben können,
wie es dir gefällt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 21. Sonntag im Jahreskreis
Du Gott,
Schöpfer der Welt,
Freund des Lebens,
unsere Zukunft!
Was die Leute erzählen,
was uns bewegt,
befehlen wir dir.
Aber du schenkst uns offene Ohren
und ein weites Herz.
Hilf uns, achtsam zu hören,
was die Leute sagen.
Wir schauen schon in unsere Kalender,
wir wissen um Konflikte
und was wir alles leisten müssen,
steht uns vor Augen.
Schenke uns Mut und Humor,
Gelassenheit und Besonnenheit.
Schütze die Menschen, die wir lieben,
und die, die uns fremd bleiben, auch.
Segne die neue Woche.
in Christus, deinem Sohn. – Amen.
In der römisch-katholischen Kirche hat dieses Wort Jesu sein besonderes Gewicht. In großen Buchstaben ist es oben in der mächtigen Kuppel des Petersdoms in Rom zu lesen, also dort, wo der Überlieferung nach Petrus begraben liegt. „Petrus“ – eigentlich heißt er Simon, aber Jesus gibt ihm den Namen Kephas, das ist hebräisch und heißt „Fels“, auf griechisch: „Petros“.
Wie kommt es dazu? Matthäus berichtet genau in der Mitte seines Evangeliums davon. Jesus ging mit seinen Jüngern in die Gegend von Cäsarea Philippi. Das ist eine Stadt im Norden Israels, ganz in der Nähe eines der Quellflüsse des Jordan. Banjas heißt die Quelle. Sie entspringt am Fuß eines mächtigen Felsens, und wer dort steht, wo das klare Wasser ans Tageslicht tritt, kann neben der Quelle am Fuß des Felsens einen dunklen Höhleneingang erkennen. Der Name Banjas erinnert heute noch an ein berühmtes Heiligtum des Gottes Pan. Das stand einst neben der Quelle. Pan wurde nicht nur als Gott der Hirten verehrt, sondern als Gott der Unterwelt. Die Höhle neben der Quelle sei, so dachte man, der Eingang zur Unterwelt, zur Hölle. Und wer davor stand und in das Dunkel der Höhle blickte, konnte Angst bekommen. Panik – das Wort erinnert an Pan und das Dunkle seines Herrschaftsbereichs.
Dorthin, so können wir im Evangelium lesen, dorthin kam Jesus mit seinen Jüngern. Weit weg vom See Genezareth, weit weg vom Beifall der Leute. Dort im Norden waren nur noch wenige bei ihm. Und gerade dort fragt Jesus: „Was denkt ihr, wer ich bin?“ Simon antwortet: „Du bist der Christus. Du bist der Sohn des lebendigen Gottes.“
Und nun können wir uns vorstellen, wie Jesus auf den mächtigen Felsen an der Banjasquelle sieht, auf das hohe, stabile Felsmassiv. Und dann sieht er den Jünger, der ihn eben als Christus, als Messias bekannte. „Du bist der Fels“, sagt er zu Simon, „du bist Petrus. Auf dich will ich meine Gemeinde bauen.“ Warum gerade auf ihn, den früheren Fischer? Den treuen, aber manchmal auch vorlauten Jünger? Den, der in der Nacht zu Karfreitag seinen Herrn dreimal verraten wird? Jesus nennt ihn deshalb den Fels, weil Petrus es verstanden und laut gesagt hat: „Du bist der Christus. Du bist der Retter, der von Gott kommt. Du bist es, der am Ende Herr aller Herren und Richter der Welt sein wird.“
Dieses Bekenntnis ist die Grundlage der Gemeinde, das Fundament aller kirchlichen Lehre. Und indem Petrus es zum ersten Mal laut und öffentlich bekennt, ist er die personifizierte Basis der christlichen Gemeinde. Wenn sie beim Bekenntnis des Petrus bleibt: „Du, Jesus, bist der Christus“, dann muss sie keine Angst haben, auch wenn schwierige Zeiten kommen. Vielleicht sah Jesus gerade hinüber zum Pantempel und zum Höhleneingang unten am Fels, zum, wie man sagte, Eingang in die Unterwelt, in die Hölle. Seiner Gemeinde sagt Jesus jedenfalls zu: „Die Pforten der Hölle sollen dich nicht überwinden.“
Die Kirche hat immer wieder Zeiten erlebt, in denen es viel Grund gab, in Panik zu verfallen. In die Sorge, wie es denn weiter geht, in die Angst, dunkle Mächte oder politische Gewalten könnten die Kirche Jesu auslöschen. „Nein“, sagt Jesus, „keine Panik.“ Die Gemeinde hat in den von Jesus berufenen Jüngern, hat besonders in Petrus und seinem Messiasbekenntnis das stabile Fundament. Die Inschrift in der mächtigen Kuppel des Petersdoms in Rom erinnert daran, auch über Konfessionsgrenzen hinweg.
Ulrich Mack 15.03.2011 Evangeliumsrundfunk
https://www.erf.de/erf-plus/audiothek/wort-zum-tag/matthaeus-16-18/73-2698
Ein Funke, aus Stein geschlagen, wird Feuer in kalter Nacht.
Ein Stern, vom Himmel gefallen, zieht Spuren von Gottes Macht.
Ref.: So wie die Nacht flieht vor dem Morgen,
so zieht die Angst aus dem Sinn,
so wächst ein Licht, in dir geborgen,
die Kraft zum neuen Beginn.
Glut, in Wassern gesunken, wird Glanz in spiegelnder Flut.
Ein Strahl, durch Wolken gedrungen, wird Quell von neuem Mut.
Ein Lachen in deinen Augen vertreibt die blinde Wut.
Ein Licht in dir geborgen wird Kraft in tiefer Not.
„Er, der von Gott her Felsgrund sein darf, ist vom Eigenen her ein Stein auf dem Weg, der den Fuß zum Stolpern bringen will ...
Die Spannung zwischen der Gabe vom Herrn her und dem eigenen Vermögen wird hier auf erregende Weise sichtbar; irgendwie ist hier das ganze Drama der Papstgeschichte vorweggenommen, in der uns immer wieder beides begegnet: dass das Papsttum durch eine nicht aus ihm selbst stammende Kraft Fundament der Kirche bleibt und dass zugleich einzelne Päpste aus dem Eigenen ihres Menschseins heraus immer wieder zum Skandalon werden, weil sie Christus vorangehen, nicht nachfolgen wollen; weil sie glauben, aus ihrer Logik heraus den Weg festlegen zu müssen, den doch nur er selbst bestimmen kann.“
Josef Ratzinger, Zur Gemeinschaft berufen. Kirche heute verstehen, Freiburg - Basel - Wien 1991.
Die neutestamentliche Szenerie ist weniger pompös als die vatikanische Inszenierung, aber tiefgründiger. Jesus hat in Caesarea Philippi, am nördlichsten Punkt seiner Wanderungen, die Jünger gefragt, für wen ihn die Menschen und für wen ihn seine Jünger halten. Die Antwort des Petrus: „Du bist der Christus“. Darauf folgt – nur bei Matthäus – das Felsen- mit dem Schlüsselwort.
Petrus ist der Erste der Jünger Jesu – aber er ist auch derjenige, der Jesus vom Weg des Kreuzes hat abbringen wollen und der Jesus dreimal verleugnet hat. Jesus aber hat seinen Jünger nicht fallengelassen. Darauf kann die Kirche bauen.
Diese Worte aber können ihren guten Klang zurückgewinnen, wenn wir bedenken, was «ewiges Leben» in den Augen Jesu heißt: «Dies ist das ewige Leben: dich, den einzigen und wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast» (Job 17,3). Für Jesus ist ewiges Leben und Gotteserkenntnis geradezu identisch. Ist dies nicht eine frohmachende Perspektive für uns Christen und Christinnen, die im kirchlichen Dienst stehen oder die sich auf einen kirchlichen Dienst vorbereiten und deren Berufsbezeichnung «Theologen und Theologinnen» heißt? Wenn wir nämlich diese Berufsbezeichnung beim Wort nehmen, dann sind Theologen Menschen, deren einziges Thema, das sie wirklich interessieren muss, die Wirklichkeit Gottes ist: Gott als die alles, was überhaupt ist, bestimmende und umgreifende Wirklichkeit ist das exklusiv-eine Thema der Theologie. Gerade deshalb aber sind wir Theologen berufen und verpflichtet, im Erkennen dieses einen Themas Gottes zugleich alle Wirklichkeit und damit alles, was irgendwie Inhalt der menschlichen Wirklichkeitserfahrung ist und sein kann, mitzuerkennen und die gesamte Wirklichkeit in ihrer Bezogenheit auf Gott zu reflektieren, also «sub specie Dei aeternitatis».
Dieses eine Thema der Theologie und damit auch des kirchlichen Dienstes in seiner ganzen Fülle wiederzuentdecken und ihm die erste Priorität einzuräumen, ist der Anruf des heutigen Evangeliums, freilich auch der Anruf der heutigen Zeit, und zwar genauerhin in einer zweifachen Hinsicht, die für das Leben der Menschen heute von grundlegender Bedeutung ist: Gotteserkenntnis heißt erstens Ausrichtung nach der Transzendenz im urreligiösen Sinn der Wirklichkeit Gottes. Diese Transzendenzbeziehung vermag dem menschlichen Leben Weite zu geben. Dies zeigt sich umgekehrt daran, dass überall dort, wo den Menschen die religiöse Transzendenz verschlossen ist, sich ihnen der Versuch und die Versuchung aufdrängt, den Himmel gleichsam auf Erden zu suchen. Und dort, wo der Jahrhunderte lang befürchteten Vertröstung auf das Jenseits eine anstrengende Vertröstung auf das Diesseits gewichen ist, erscheint das Leben letztlich als nichts anderes als der vergebliche Versuch, den Himmel auf Erden zu erzwingen.
Für dieses Bemühen stehen freilich in der heutigen Gesellschaft nur wenige Betätigungsfelder zur Verfügung, genauer-hin diejenigen des Amüsements, der Arbeit und der Liebe. Von daher droht die große Gefahr, dass sich die Menschen heute zu Tode amüsieren, zu Tode arbeiten und sogar zu Tode lieben, wie prominente Fachexperten des modernen Lebens diagnostizieren. In diesem dreifachen «zu Tode» zeigt sich aber, wie befreiend und erlösend die wahre Transzendenzbeziehung für den Menschen ist, weil sich erst hier die unverbrauchte Weisheit des heiligen Augustinus bewährt: «Unruhig ist des Menschen Herz, bis es ruhen kann bei Gott.» In der Tat kann allein die einzig maßlose Wirklichkeit Gottes eine maßlose Antwort auf die maßlose Sehnsucht des menschlichen Herzens geben.
Aus: Bischof Kurt Koch, Fenster sein für Gott. Unzeitgemäße Gedanken zum Dienst in der Kirche. Paulusverlag Freiburg Schweiz 2002.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
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Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
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Der Text der ersten Lesung ist, obwohl der Prophet Jesaja bereits im 8. Jahrhunderts vor Christus gewirkt hatte, erst in der Zeit des babylonischen Exils (586-538 vor Christus) oder kurz danach entstanden und als Zeugnis der Hoffnung in einer tristen Situation zu verstehen.
Dazu ist es aber nötig, die unserem Text vorausgehende Stelle (Jes 22, 15-18) miteinzubeziehen: Hier wird von einem Regierungsbeamten namens Schebna erzählt, der wegen seiner Machtarroganz gerügt wird und dem ein schmähliches Ende ankündigt wird. Schebna ist damit aus der Sicht der (Nach-)Exilszeit der Repräsentant des verkommenen Volkes, über das jenes Urteil gesprochen wird, das mit den Deportationen von 586 Wirklichkeit geworden ist. Im Gegensatz dazu spricht nun unser Text von Eljakim. Sein Name bedeutet soviel wie "Gott richtet auf", womit symbolisch der von Gott neu zu errichtende Idealzustand gemeint ist.
In den Leseplan des 21. Sonntags wurde die Stelle deswegen aufgenommen, weil sich das Evangelium (vgl. Mt 16, 19) auf das "Schlüsselwort" von Vers 22 bezieht.
Die alttestamentliche Lesung stammt aus dem Buch Jesaja, und zwar aus dessen erstem Teil, der im Wesentlichen auf den historischen Propheten Jesaja aus dem 8. Jahrhundert zurückgeht. - Ein Prophet hat Gottes Willen in ganz konkrete Situationen hinein zu verkünden; und so spricht Jesaja auch Worte über einzelne Beamte am Jerusalemer Königshof. - Die im Lesungstext genannten Namen sind auch aus anderen Büchern des Alten Testaments bekannt.
Wie Gott das Amt verleihen und nehmen kann, kann auch Jesus das Amt verleihen. Alle Ehren des Tempelvorstehers werden auf Petrus angewendet. Da dieser jedoch nicht mehr einem zuzuordnendem Tempel vorsteht, wird wieder deutlich: Es geht um eine Verfasstheit der Kirche, die untermauert werden muss.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive