Lesung aus dem Buch Jeremia:
Du hast mich betört, o Herr,
und ich ließ mich betören;
du hast mich gepackt und überwältigt.
Zum Gespött bin ich geworden den ganzen Tag,
ein jeder verhöhnt mich.
Ja, sooft ich rede, muss ich schreien,
„Gewalt und Unterdrückung“ muss ich rufen.
Denn das Wort des Herrn
bringt mir den ganzen Tag nur Hohn und Spott.
Sagte ich aber: Ich will nicht mehr an ihn denken
und nicht mehr in seinem Namen sprechen!,
so brannte in meinem Herzen ein Feuer,
eingeschlossen in meinen Gebeinen.
Ich mühte mich, es auszuhalten,
vermochte es aber nicht.
(Lektionare 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Meine Seele dürstet nach dir, mein Gott. – Kv
(GL 420)
Gott, mein Gott bist du, dich suche ich, *
es dürstet nach dir meine Seele.
Nach dir schmachtet mein Fleisch *
wie dürres, lechzendes Land ohne Wasser. – (Kv)
Darum halte ich Ausschau nach dir im Heiligtum, *
zu sehen deine Macht und Herrlichkeit.
Denn deine Huld ist besser als das Leben. *
Meine Lippen werden dich rühmen. – (Kv)
So preise ich dich in meinem Leben, *
in deinem Namen erhebe ich meine Hände.
Wie an Fett und Mark wird satt meine Seele, *
mein Mund lobt dich mit jubelnden Lippen. – (Kv)
Ja, du wurdest meine Hilfe, *
ich juble im Schatten deiner Flügel.
Meine Seele hängt an dir, *
fest hält mich deine Rechte. – Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Rom.
Ich ermahne euch, Schwestern und Brüder,
kraft der Barmherzigkeit Gottes,
eure Leiber als lebendiges, heiliges
und Gott wohlgefälliges Opfer darzubringen –
als euren geistigen Gottesdienst.
Und gleicht euch nicht dieser Welt an,
sondern lasst euch verwandeln
durch die Erneuerung des Denkens,
damit ihr prüfen und erkennen könnt,
was der Wille Gottes ist:
das Gute,
Wohlgefällige und Vollkommene!
(Lektionare 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die ersten beiden Verse des 12. Kapitels des Römerbriefes bilden eine Art Überschrift über den folgenden Abschnitt. Während Paulus in den Kapiteln 1 bis 11 theologisch herausgearbeitet hat, was Gott an uns Menschen getan und durch Leben, Tod und Auferstehung Jesu bewirkt hat, beschreibt er in den nächsten Kapiteln konkrete Konsequenzen für das Leben der Christen. Diese haben den Charakter von Aufrufen und Mahnungen.
Die erste Mahnung unserer Lesung fordert auf, daß Christen sich selbst als lebendiges und heiliges Opfer Gott darbringen. Den Hintergrund dieser Mahnung bildet ein grundlegender Wandel in der Auffassung von Opfer und Gottesdienst. Im Umfeld des Christentums werden und wurden seit jeher den Gottheiten blutige Opfer dargebracht. Tiere werden stellvertretend für den Opfernden getötet und Gott dargebracht. Paulus fordert das Opfern des eigenen Leibes als lebendiges Opfer. Damit ist nicht an Abtötung und Lebensverneinung gedacht, sondern ein Sich-in-den-Dienst-Gottes-Stellen gemeint. Gott fordert den ganzen Menschen.
Dies versteht sich auch als Abgrenzung gegenüber Opfervorstellungen in manchen Mysterienkulten, die eher die geistige Hingabe forderten. Wer sich in den Dienst Gottes stellt, hat einen Dienst an den Schwestern und Brüdern zu leisten. Der wahre Gottesdienst zeigt sich im Umgang mit den Menschen.
Die zweite Mahnung fordert die Verwandlung des Denkens der Christen. Die Hinwendung zum Menschen birgt die Gefahr eines Humanismus in sich, der die religiöse Dimension, die Wirklichkeit des Glaubens, die Beziehung zu Gott aus den Augen verliert. Christen sind den Menschen zugewandt, denken aber von Gott her. Die ist kein Widerspruch, da Gott sich den Menschen zugewandt hat, wie Paulus in der vorangehenden Kapiteln ausgeführt hat.
Wie in allen Paulusbriefen stehen auch im Römerbrief im letzten Teil Schlussfolgerungen und praktische Mahnungen, wie das Leben des Christen auszusehen hat. Verse 1-2 bilden gleichsam die Überschrift und fassen das Wesentliche zusammen.
Christliches Dasein ist "lebendiger Gottesdienst"; dies bedeutet ein Dasein für Gott und darin eingeschlossen ein Dasein für andere. Christliche Selbstverwirklichung geschieht paradoxer Weise im "Opfer", womit Paulus hier nicht einen neuen Kult meint, sondern die Bereitschaft zum Dienst in dieser Welt. "Wahrer und angemessener Gottesdienst" bedeutet dann ein ständiges, angespanntes Hinhören auf das, was das von Christus in Bewegung gesetzte Reich Gottes fordert. Es geht also nicht um die Einhaltung bestimmter Regeln und Normen, sondern um die Bereitschaft, einerseits diese konkrete Welt anzunehmen und andererseits durch diese Welt hindurch und zusammen mit dieser Welt zur "neuen Schöpfung" unterwegs zu sein.
Halleluja. Halleluja.
Der Vater unseres Herrn Jesus Christus
erleuchte die Augen unseres Herzens,
damit wir verstehen, zu welcher Hoffnung wir berufen sind.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:
In jener Zeit
begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären:
Er müsse nach Jerusalem gehen
und von den Ältesten
und Hohepriestern und Schriftgelehrten vieles erleiden,
getötet
und am dritten Tag auferweckt werden.
Da nahm ihn Petrus beiseite
und begann, ihn zurechtzuweisen,
und sagte: Das soll Gott verhüten, Herr!
Das darf nicht mit dir geschehen!
Jesus aber wandte sich um
und sagte zu Petrus: Tritt hinter mich, du Satan!
Ein Ärgernis bist du mir,
denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will,
sondern was die Menschen wollen.
Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern:
Wenn einer hinter mir hergehen will,
verleugne er sich selbst,
nehme sein Kreuz auf sich
und folge mir nach.
Denn wer sein Leben retten will,
wird es verlieren;
wer aber sein Leben um meinetwillen verliert,
wird es finden.
Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt,
dabei aber sein Leben einbüßt?
Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen?
Der Menschensohn
wird mit seinen Engeln in der Herrlichkeit seines Vaters kommen
und dann wird er jedem nach seinen Taten vergelten.
(Lektionare 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Dieser Abschnitt folgt unmittelbar auf das Messiasbekenntnis des Simon Petrus (Mt. 16:13 ff.). Stellvertretend für alle Jünger bekennt Petrus: "Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes". Jesus reagiert darauf mit der Berufung des Simon zum Petrus-Amt.
Geradezu im Kontrast dazu steht nun die folgende Begebenheit: Jesus erläutert, daß er nach Jerusalem zu gehen habe, dort vieles erleiden und sogar getötet werde. Er geht seinem Prophetenschicksal entgegen. Dieses war für die Juden (auch für seine Jünger) mit ihrer Vorstellung vom Messias unvereinbar. Petrus will das aus seiner schlichten menschlichen Betrachtungsweise heraus verhüten. Jesus reagiert darauf mit unerwarteter Heftigkeit. Für ihn geht es um das Wesentliche seiner Berufung. Wie der Satan in der Erzählung von den Versuchungen Jesu ihn von seinem Weg abbringen wollte, will ihn Petrus vom Weg des Messias abbringen.
An diese Begebenheit fügt der Evangelist ein Wort Jesu über die Nachfolge an. Wer Jünger Jesu sein will, wird letztlich den gleichen Weg zu gehen haben. In diesen Sätzen schwingt die Erfahrung der Jünger der ersten Generation mit. Sie haben und werden letztlich das gleiche Schicksal erfahren. "Der Jünger steht nicht über seinem Meister".
Dessen sollten sich Leser späterer Jahrhunderte bewußt sein und dieses Wort nicht vorschnell auf andere Situationen übertragen. Vielmehr fordern uns diese Sätze heraus zu fragen: Worin besteht heute das Kreuz der Nachfolge? Das Leben "verlieren", um es zu gewinnen, ist eine paradoxe Weisheit, die sich in der Nachfolge Jesu bewahrheitet. Eine Wahrheit, eine Erfahrung Glaubender, die ermutigt, das Leben zu riskieren für eine Sache, die sich aus rein menschlicher Perspektive "nicht rechnet". Dies ist genau genommen etwas anderes, als einfach ja zu seinem eigenen Lebensschicksal zu sagen.
Die Zeit ist jetzt reif dafür, die Jünger in das Geheimnis des Leidens einzuführen. Gleich am Anfang steht das Wort "muss", das den Zuhörern klarmachen soll, es gibt hier keine andere Möglichkeit, es ist ein göttliches Muss, das nach der Ordnung des Heils Tod und Auferstehung vorsieht.
Der Jude Petrus, der bis jetzt messianisches Wirken in den Zeichen, Worten und Taten Jesu erfahren hat, kann sich einen leidenden und von den Führern des alttestamentlichen Gottesvolkes zum Tod verurteilten Messias nicht vorstellen. Daher seine Reaktion: das ist unvorstellbar und kann und darf nicht geschehen!
Die Antwort Jesu ist sehr hart und entspricht den Worten, die er dem Verführer gesagt hat (Mt 4,10). Aber dort, wo die Gedanken Gottes in das Denken der Menschen einbrechen, wird es für uns Menschen immer schwierig. Wir müssen so wie Petrus von vorn anfangen und uns bemühen, langsam diese Gedanken Gottes zu begreifen.
Die Jünger waren auf den Aufruf Jesu hin ihm nachgefolgt. Nun soll aus dieser äußeren eine innere Nachfolge werden. Dafür ist es notwendig, "sich selbst zu verleugnen" und "sein Kreuz auf sich zu nehmen". Dies bedeutet sich aufzugeben und loszulassen, möglicherweise bis in den wirklichen Tod.
In Vers 25 wird es für unser logisches Denken vollkommen unverständlich: Jeder Mensch strebt doch danach sein Leben zu "retten", zu bewahren und wird das Gegenteil von dem erreichen, was er will. Die Einsicht in die Wahrheit dieses Wortes zeigt sich nur dem, der es zu leben versucht, wie es die Jünger Jesu getan haben. Diese Einsicht ist aber zugleich die Voraussetzung das Leben, das über den Tod hinausgeht, zu erlangen. Denn "der Menschensohn" wird in seiner Herrlichkeit kommen und die, die in Gemeinschaft mit ihm stehen, zum ewigen Leben führen.
Das Wort Jesu vom Verlieren und Retten des Lebens könnte als Schicksalsergebenheit missverstanden werden. Es fordert uns auf, nach dem Willen Gottes zu fragen und die Gestaltung unseres Lebens nach dem Willen Gottes in die Hand zu nehmen. Dies gilt auch im sozialen und politischen Sinn.
Fatalismus bedeutet eine Gesinnung, die meint, das Geschehen in Natur und Gesellschaft sei durch eine höhere Macht oder aufgrund logischer Notwendigkeit vorherbestimmt. Der Wille des Menschen kann da gar nichts entgegensetzen. Mit der Überzeugung vom eigenen Ausgeliefertsein verbindet sich dann eine Gefühlslage der »Schicksalsergebenheit«. - “Der Mensch denkt, Gott lenkt.” So eine Haltung ist eigentlich alles, nur nicht christlich. Als Christinnen und Christen sind wir doch sicher, dass wir unser Leben als Gottesgeschenk bekamen, um es zu gestalten. Wir sollen unser Leben in die Hand nehmen und es gestalten, wie ein Töpfer einen Tonkrug schafft. Dazu hat Gott uns mit Gnadengaben - Charismen - versehen. Immer wieder spüren wir, dass wir bei der Gestaltung dieses Lebens sehr wohl an Grenzen stoßen können, am allerdeutlichsten, wenn wir leiden oder gar sterben müssen. Aber dennoch: Das Leben ist uns gegeben, dass wir etwas daraus machen, und Gott geht dieses Leben mit, er ist mit dabei - das ist uns in der Taufe sogar zeichenhaft versprochen worden.
Das Evangelium, das wir zum heutigen Sonntag vernehmen, hat aber auf den ersten Blick doch zunächst einmal einen ziemlich anderen Anschein. Da sagt Jesus zu den Menschen: "Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden." Was ein wenig danach tönt: Wenn du selbst nach deinem Leben schaust und was draus machen willst, hast du keine Chance. Und dann noch: Nimm eher alles - vor allem die Kreuze - an, die dir das Leben so anbietet und sei zufrieden damit. Jesus erinnert an die Tradition der Psalmen: "Wer ist der Mensch, der das Leben liebt / und gute Tage zu sehen wünscht?" (Psalm 34,14). Hart geht schließlich Jesus mit Petrus ins Gericht, als dieser seinen Herrn mahnt, sich drohendem Unrecht entgegenzusetzen: "Tritt hinter mich, du Satan! Ein Ärgernis bist du mir!" - Jesus doch ein Fatalist?
Sicher ist Jesus nicht einfach blind schicksalsergeben, aber sicher ist Jesus sich auch der Realitäten des Lebens bewusst. Jesus schaut an, was da kommt. Jesus will dem, was ihm das Leben bietet, begegnen und damit umgehen. Er rennt nicht davon.
"Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt?" Was nützt es einem Menschen, wenn er sich in seinem Leben beständig was vormacht und sich am wahren Leben, das eben auch schwer sein kann, immer wieder vorbeimogelt? Wenn er ständig so tut, als wäre alles gut, obwohl das so gar nicht stimmt? Es mag zwar eine Weile gutgehen, aber echtes, wahres Leben kommt anders daher. Nein, Jesus lässt uns wissen, dass wir uns nicht einfach unserem Schicksal so dahingeben sollen, dass wir unser Leben gestalten sollen, dass wir aber auch vor Not und Leid nicht aufgeben dürfen, dann, wenn wir unser Leben nicht mehr ganz und gar in der Hand haben. Auch dann, wenn alles so aussichtslos erscheint, liegt die Entscheidung, die Kreuze des Lebens anzunehmen und aufzunehmen, immer noch bei uns. Aber der Herr macht uns klar: Folge mir auch jetzt noch nach. Eine Herausforderung. Aber nur so können wir das Leben erfahren, wie es wirklich ist, und nicht als einen trügerischen Schein, mit dem wir uns was vormachen.
Warum das Ganze? Schauen wir uns um, erleben wir doch immer wieder Menschen, die sich Scheinwelten ihres Lebens aufbauen, die “sich betrügen mit dem Schein”, wie es in einem Kirchenlied heißt, und damit eigentlich ganz gut zurechtkommen. Warum müssen wir uns so viel Stress machen mit Authentizität, mit Echtheit? Paulus erklärt das seiner Gemeinde in Rom so: Es geht darum, zu prüfen und zu erkennen, “was der Wille Gottes ist: das Gute, Wohlgefällige und Vollkommene”. Nicht ganz einfach, was Paulus da meint: als Gottes Ebenbilder zu leben. Und Paulus lässt uns wissen: Sucht das wahre Leben, das echte, weil es das ist, was ihr von Gott bekommen habt. Und kein anderes - da gehören eben auch die Kreuze dazu. Und weil es das ist, was letztendlich zum ewigen Leben führt. - Alles andere führt ins Nichts.
"Wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden." Dieser Anruf Jesu gilt nicht nur für jeden Menschen als Einzelnem. Diese Worte gelten auch zwischenmenschliche Strukturen, für soziale Größen und Einheiten wie etwa auch für unsere Kirche. Als Kirche können wir so viel in unseren Gesellschaften bewirken - aus einem Geist der Liebe, der schließlich das Wirken des Heiligen Geistes bezeugt. Manchmal aber halten wir uns politisch und sozial lieber heraus und legen die Hände in den Schoß.
Auf der anderen Seite haben wir als Kirche Definitionen und Lehren, die uns helfen, unseren Weg durch die Zeiten zu bestehen - und das ist gut und richtig. Aber es gibt hinter all unseren Glaubenstraditionen, hinter allen Lehren auch noch ein »Mehr« an Wirklichkeit, das allein Gott kennt. Und damit bleibt unsere Betrachtung der Wirklichkeit vorläufig, bruchstückhaft. Das ist eine Herausforderung - für manche Menschen in der Kirche ein Kreuz, das sie fast nicht tragen können.
Die Definition unseres Glaubens, unser Glaubensbekenntnis, spricht von dieser einzigartigen Allmacht Gottes - aber ist es auch in den Herzen der Christenheit angekommen? Können wir nicht immer wieder feststellen, dass wir in unseren Pfarreien, in unseren Vereinen und Gruppierungen Gott lieber sagen wollen, wie diese Gemeinschaft seiner Gläubigen auszusehen hat und daherkommen soll, als dass wir uns auf das Wirken des Heiligen Geistes einlassen und diese Kirche zunächst einmal annehmen, wie sie ist? Natürlich ist jede Gemeinschaft - auch die der Kirche - eine Herausforderung, sie erfordert Beweglichkeit, Flexibilität - von jedem und jeder, der dazugehört und dort mitmacht. Und das ist manchmal ganz schön anstrengend. Aber hat Jesus nicht eben gesagt, man nehme sein Kreuz auf sich und folge ihm nach?
Uns ist das Leben gegeben, nicht damit wir abwarten, was passiert. Uns ist das Leben gegeben, dass wir etwas draus machen - als Einzelne, als Gemeinschaft. Aber: Wir sind nicht die Baumeister, wir sind die Handwerker unseres Lebens. Der Bauplan ist in seinen Grundstrukturen schon gezeichnet, mit Gottes eigener Hand - wir dürfen und sollen weitermachen. Und die Leichtigkeit dieses Weges wächst mit dem Vertrauen in unseren Gott, der das Leben gab und selbst das Leben ist.
Jesus konfrontiert seine Jünger mit dem Paradoxon, dass sie das Leben gewinnen werden, wenn sie es verlieren. Niemand will Verlierer sein. Das macht Angst. Der Weg Jesu zeigt, dass es sich lohnt, für einander da zu sein.
Zum Glück gibt es immer wieder Menschen, die in Notsituationen geistesgegenwärtig beherzt helfen und manches Mal dabei sogar ihr eigenes Leben riskieren. Warum tun sie das? Die Beweggründe lassen sich nicht ohne weiteres auf einen Nenner bringen.
Immer wieder wird aber auch berichtet, dass Menschen wegschauen, sich der Hilfeleistung entziehen, vorbeifahren oder gar Fahrerflucht begehen. Auch dafür gibt es vielerlei Gründe und Ausreden. Man möchte keine Zeit verlieren, nicht in die Probleme anderer hineingezogen werden und anderes mehr.
Es gibt Gott sei Dank auch Menschen, sie sich haupt- oder ehrenamtlich als Helfer der Gesellschaft zur Verfügung stellen. Sie wenden viel Zeit auf, sich weiterzubilden und ihren Dienst zu professionalisieren. Warum tun sie das? Manche haben das Helfen zum Beruf gemacht und erhalten Geld dafür. Die weit größere Zahl tut es unentgeltlich und bekommt dafür oft nicht einmal ein Dankeschön. Ein Lohn, von dem meist nicht geredet wird, ist das gute Gefühl geholfen zu haben. Dieses vermittelt Sinn und stärkt das Bewusstsein wertvoll zu sein.
Im Evangelium begegneten wir Jesus, der versuchte, die Jünger mit dem Weg des Messias vertraut zu machen. Ihn erwarte in Jerusalem Leiden und Tod. Die Jünger wollen ihn verständlicherweise davon abbringen. Das würden wohl die meisten Menschen so tun. Jesus sieht aber in seinem bevorstehenden Lebensweg eine Bedeutung, die seine Jünger noch nicht verstehen können. In seinem Tod und in seiner Auferstehung wird sich die Liebe Gottes zu den Menschen und die Größe Gottes offenbaren. "Stark wie der Tod ist die Liebe, die Leidenschaft ist hart wie die Unterwelt. Ihre Gluten sind Feuergluten, gewaltige Flammen. Auch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen; auch Ströme schwemmen sie nicht weg", heißt es im Hohenlied. An Jesus wird sich zeigen, dass die Liebe stärker ist als der Tod.
Wenn Jesus fordert, "wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach", wirbt er dafür, dass wir von ihm lernen, diesen Weg der Liebe zu gehen, auch wenn zunächst zu befürchten ist, dass wir dadurch zu Verlierern werden oder uns Nachteile einhandeln. Das Leben werden wir aber nur gewinnen, wenn wir den Weg der Liebe gehen.
Die Geschichte des Christentums ist voll mit großen Namen von Menschen, die den Tod nicht fürchteten und ihr Leben für andere hingegeben haben. Diese Lebenseinstellung der Hingabe ist aber auch für den gewöhnlichen Alltag bedeutsam. Für einander da sein, für einander einstehen, sich für andere einsetzen, ist Grundlage menschlicher Gemeinschaft. Was wir mit Hingabe tun, stiftet Sinn und stärkt Zusammenhalt. Viele Tätigkeiten erleben wir nur dann als erfüllend, wenn wir sie mit Hingabe tun können. Ich kann mir keinen guten Lehrer, keine gute Lehrerin, keinen Arzt und keine Pflegerin vorstellen, die ihren Beruf nicht mit Hingabe erfüllen, sondern nur als Job verrichten.
Hingabe ist auch ein wesentlicher Teil einer tiefen personalen Beziehung. Wenn eine Beziehung nur auf wechselseitiges Geben und Nehmen aufbaut, wird sie den Beigeschmack des Geschäftlichen nicht los. Ein ausgewogenes wechselseitiges Geben und Nehmen ist zwar für das Funktionieren einer Beziehung notwendige Voraussetzung, wechselseitige Hingabe bringt jedoch erst den Mehrwert.
Sonntag für Sonntag versammeln wir uns zur Eucharistiefeier und rufen wir uns den Tod und die Auferstehung Jesu in Erinnerung. In der Liturgie ist immer wieder vom Opfer Jesu die Rede. Er hat sein Leben hingegeben, sich geopfert, um damit zu zeigen, dass die Liebe stärker ist als der Tod und dass in seiner Auferstehung die Macht und Größe Gottes sichtbar wird. Für uns Christen ist diese Feier eine Schule der Hingabe. An Jesus sehen wir, dass wir das Leben gewinnen, wenn wir bereit sind es hinzugeben. Aus der Verbundenheit mit ihm können wir uns Kraft holen für jene Momente, wo wir aus Angst zu verlieren davor zurückschrecken, uns für andere zu verausgaben.
Leiden und sterben zu wollen, widerstrebt unserem natürlichen Empfinden. Dagegen wehren wir uns innerlich. Jesus hat uns vorgelebt, dass Leiden und Sterben auch einen Sinn bekommen kann. Entscheidend ist, dass wir hinter ihm hergehen und von ihm lernen, das wahre Leben zu finden.
Um Gottes Willen nimm dein Leben in die Hand - das ist der Auftrag an jeden Christenmenschen, der im Namen Gottes getauft ist. Das Leben ist uns aus Gottes Hand geschenkt. Manchmal ist es süß, manchmal trägt es sich schwer wie ein Kreuz. Genießen und ertragen gehört zusammen. Das lässt der Gottessohn heute im Evangelium die Menschen wissen.
In der ersten Lesung hören wir, wie der Herr den Propheten betört und in eine schwierige Situation gebracht hat. Doch sein Herz hat es nicht ausgehalten, den Herrn zu vergessen und zu verlassen.
Bitten wir den Herrn, er möge Platz nehmen in unseren Herzen durch den Heiligen Geist. Im Kyrie bitten wir ihn um sein Erbarmen.
© Pfarrer Mag. Hans Tinkhauser, hans.tinkhauser@aon.at
Herr Jesus Christus,
du rufst uns dir zu folgen; - in den Freuden und Nöten des Lebens.
Herr, erbarme dich.
Du mahnst uns, das Leben anzusehen, wie es ist; - ehrlich und wahrhaftig.
Christus, erbarme dich.
Du hast uns versprochen, mit uns zu gehen bis zum Ende; - und darüber hinaus.
Herr, erbarme dich.
Der gute Gott nehme von uns das Kreuz der Sünde
er machen unseren Gang leicht und aufrecht
er schenke uns in der Verzeihung der Sünde
Kraft zum Leben
und führe uns einst einmal in sein Reich des ewigen Friedens. – Amen.
Herr Jesus Christus,
wir gleichen uns immer wieder dieser Welt an
und verlassen oft den Weg zu dir und zu deinem Vater im Himmel.
Kyrie eleison.
Herr Jesus Christus,
du hast die Brutalität deiner Gegner auf dich genommen
und hast Kreuz und Tod durchlitten,
damit wir ewiges Leben erlangen.
Christe eleison.
Herr Jesus Christus,
erbarme dich unser, wenn du als Menschensohn kommst in all deiner Herrlichkeit.
Kyrie eleison.
© Pfarrer Mag. Hans Tinkhauser, hans.tinkhauser@aon.at
Allmächtiger Gott,
von dir kommt alles Gute.
Pflanze in unser Herz
die Liebe zu deinem Namen ein.
Binde uns immer mehr an dich,
damit in uns wächst, was gut und heilig ist.
Wache über uns und erhalte, was du gewirkt hast.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 22. Sonntag im Jahreskreis
Guter Gott
du lässt uns die Kreuze unseres Lebens tragen,
weil du uns durch das Kreuz deines Sohnes erlöst hast.
Hilf uns, wenn es scheint zu schwer zu werden.
Schenke uns auch Freude am Leichten und Schönen des Lebens.
So bitten wir ..
Herr, unser Gott,
betöre unsere Herzen,
damit wir mit der Glut
des Heiligen Geistes dich bekennen
und Zeugnis geben von dir und deiner Botschaft
durch Jesus Christus unsern Herrn,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.
© Pfarrer Mag. Hans Tinkhauser, hans.tinkhauser@aon.at
Mit den Worten des Psalmisten beten wir:
Ja, du wurdest meine Hilfe,
ich juble im Schatten deiner Flügel.
Meine Seele hängt an dir,
fest hält mich deine Rechte.
So wollen wir dich, o Gott, bitten:
Für alle Schülerinnen und Schüler, die in diesen Wochen nach den Sommerferien mühsam versuchen, Tritt zu finden in einem völlig veränderten Schulalltag.
Für alle, die noch immer mit dieser weltweiten Situation der Pandemie hadern:
Schenke ihnen Einsicht und Geduld mit sich selbst und anderen.
Für all die Menschen, die sich in ihrem Leben was vormachen, “sich betrügen mit dem Schein”,
dass sie es vermögen, in den Spiegel ihres Lebens zu schauen und anzunehmen, was ihnen gegeben ist.
Für alle, die Verantwortung für Menschen tragen:
Schenke ihnen eine aufrichtige Gesinnung und ein Herz für die ihnen Anvertrauten, auch dann wenn die Beziehungen manchmal mühsam sind.
Für alle, die die Kreuze des Lebens hinter sich gelassen und die Leichtigkeit des Ewigen Lebens erfahren:
Vergilt ihnen das Gute, das sie in ihrem Leben getan haben.
So bitten wir dich, den guten Gott, durch Christus, unseren Herrn und Erlöser. – Amen.
Es ist nur allzu menschlich, den einfacheren Weg zu wählen und die Herausforderungen des Lebens möglichst zu umgehen. Dass das nicht immer gelingt, erfahren wir immer wieder. Wir dürfen aber darauf vertrauen, dass Gott mit uns ist, wenn es schwierig und heikel wird.
Zu ihm lasst uns beten:
Um ein Miteinander von Welt- und Ortskirche, damit wir gemeinsam deinem Verkündigungsauftrag gerecht werden.
Um staatliche Institutionen, denen die Bürger vertrauen können.
Um eine breite Akzeptanz mancher Einschränkungen unserer Lebensqualität aus Sorge und zum Schutz für unsere Mitmenschen.
Um Mut und Sensibilität, die uns ermöglichen, Herausforderungen zu erkennen und anzunehmen.
Um die Aufnahme unserer Verstorbenen in dein Reich.
In Jesus Christus bist du, großer Gott, uns unvergleichlich nahegekommen. Seine Erlösungstat gibt uns Halt und Zuversicht in den schweren Stunden unseres Lebens.
Dafür danken wir dir und preisen dich jetzt und allezeit. - Amen.
Barmherziger Gott,
fürbittend wenden wir uns an dich:
Wenn sich die Herzen der Menschen verhärten,
hilf du ihnen, im heiligen Geist deine Liebe und Barmherzigkeit zu erkennen und danach auch zu handeln.
Sei du allen Menschen nahe, die in verzweifelten Lebenssituationen sind.
Begleite die Menschen in unserem Pfarrverband,
damit du Herr Jesus Christus immer unsere Mitte bist.
Für alle Menschen, die bei uns Ferien machen und Erholung suchen.
Schenke ihnen Kraft für Körper, Geist und Seele.
Lass uns mit deiner Schöpfung so umgehen,
dass du, wenn du wiederkommst, nicht eine verbrannte und ausgebeutete Erde antriffst.
Hilf uns immer wieder aufs Neue,
dass wir uns dieser Welt nicht zu sehr angleichen.
Für alle, die nicht mit uns Gottesdienst feiern können, die aber dennoch mit uns verbunden sind.
Lass sie deine Nähe spüren und erfahren.
Gib, dass wir unsere Verstorbenen nicht vergessen und sie in lieber Erinnerung behalten, damit unsere Toten ihre Würde und Achtung behalten in alle Ewigkeit.
Vollende du uns alle, wenn du als Menschensohn auf den Wolken des Himmels wiederkommst, um die Welt zu richten. - Amen.
© Pfarrer Mag. Hans Tinkhauser, hans.tinkhauser@aon.at
Herr, unser Gott,
diese Opferfeier bringe uns Heil und Segen.
Was du jetzt unter heiligen Zeichen wirkst,
das vollende in deinem Reich.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 22. Sonntag im Jahreskreis
Barmherziger Gott
du sorgst für uns mit den Gaben dieser Erde.
Wir bringen sie nun auf den Altar,
um dir zu danken für deine Hinwendung zu uns.
Mach uns auch empfindsam für Menschen,
die um uns herum so viele Nöte leiden.
Hilf uns zu geben, wie dein Sohn sogar sein Leben gegeben hat.
So bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
Herr, unser Gott,
wir bitten dich
nimm dieses Opfer,
das wir dir darbringen, wohlgefällig an
damit es uns zum ewigen Heil gereiche.
Darum bitten wir durch Jesus Christus unseren Herrn. – Amen.
© Pfarrer Mag. Hans Tinkhauser, hans.tinkhauser@aon.at
Kehrvers:
Der Herr ist mein Licht und mein Heil. (GL 38,1)
Guter Gott und Vater,
wir sind hier versammelt, um dich zu loben und dir zu danken.
Kehrvers
Du hast auf das Rufen deines Volkes gehört, als es in Not war,
und es aus der Knechtschaft Ägyptens herausgeführt.
Du bist ihm vorangegangen,
und hast es in das Land deiner Verheißung geführt.
Kehrvers
Du hast Jesus, deinen Sohn gesandt,
damit er die Menschen zum wahren Leben führe.
Durch ihn hast du seine Jünger gelehrt,
dass sie dem Kreuz nicht ausweichen, sondern ihm nachfolgen.
Kehrvers
Durch Leiden und Tod hindurch
ist er ihnen den Weg zur Auferstehung vorangegangen.
Er ist zum Weizenkorn geworden, das in die Erde fällt und stirbt,
um reiche Frucht zu bringen.
Kehrvers
Er gibt auch uns die Kraft, unser Leben dir zu überlassen,
damit wir uns selbst dir als lebendiges und heiliges Opfer darzubringen
und so ewiges Leben gewinnen.
Kehrvers
Mit allen Engeln und Heiligen loben und preisen wir dich
und sagen wir dir unseren Dank.
Danklied, z. B. Singt dem Herrn ein neues Lied (GL 409)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und dein Gnade zu rühmen.
So sehr hast du die Welt geliebt,
daß du deinen Sohn als Erlöser gesandt hast.
Er ist uns Menschen gleich geworden
in allem, außer der Sünde,
damit du in uns lieben kannst,
was du in deinem eigenen Sohne geliebt hast.
Durch den Ungehorsam der Sünde
haben wir deinen Bund gebrochen,
durch den Gehorsam deines Sohnes
hast du ihn erneuert.
Darum preisen wir das Werk deiner Liebe
und vereinen uns mit den Chören der Engel
zum Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ....
MB Sonntage 7
Wir danken dir, heiliger, starker Gott.
Du lenkst die Geschicke der Welt
und sorgst für jeden Menschen.
Du versammelst uns zu einer Gemeinschaft,
damit wir alle dein Wort hören
und deinem Sohn im Glauben folgen.
Er ist der Weg - auf diesem Weg gelangen wir zu dir;
er ist die Wahrheit - sie allein macht uns frei;
er ist das Leben und erfüllt uns mit Freude.
Darum danken wir dir, Vater, für deine Liebe,
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Wir stimmen ein in den Gesang der Engel
und bekennen zum Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 2
Der Apostel Paulus mahnt uns, sich dieser Welt nicht anzugleichen.
Wenn wir mit den Worten beten, die uns der Herr gelehrt hat, gleichen wir uns dem Herrn an.
In diesem Vertrauen beten wir: Vater unser…
© Pfarrer Mag. Hans Tinkhauser, hans.tinkhauser@aon.at
Jesus sagte zu seinen Jüngern: Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.
Nachfolge beutetet Frieden in der Welt zu stiften.
Darum bitten wir: Herr Jesus Christus schau auf unsere Bemühungen, auf unsere Gebete, auf unsere Liebe und den Glauben deiner Kirche und schenke uns Einheit und Frieden in dieser Welt.
Der Friede des Herrn sei allezeit mit euch…
© Pfarrer Mag. Hans Tinkhauser, hans.tinkhauser@aon.at
Jesus nachfolgen
das heißt
in radikalem Vertrauen
auf Gott leben
das ist ein Leben gegen den Tod
gegen den Hass
gegen die Angst
gegen die Unsicherheit
das ist ein Leben
das sich getragen weiß
von Gott
nichts - gar nichts
kann mich von seiner Liebe trennen
Jesus nachfolgen
lässt mich neu leben
mein Egoismus wird gesprengt
mein Leben bekommt einen neuen Sinn
auch dann
wenn alles um mich sinnlos scheint
Jesus nachfolgen
gibt meinem Leben eine neue Richtung
und verbindet mich mit allen
die auf ihn vertrauen
die alles
auf ihn setzen
Allmächtiger Gott,
du hast uns gestärkt durch das lebendige Brot,
das vom Himmel kommt.
Deine Liebe,
die wir im Sakrament empfangen haben,
mache uns bereit,
dir in unseren Brüdern zu dienen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 22. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger und gütiger Gott
genährt mit den Brot des Lebens
und gestärkt mit dem Wort der Hoffnung
gehen wir jetzt hinaus.
Wir wollen das Leben leben, das du uns geschenkt hast:
ehrlich, aufrichtig und dankbar für dieses große Geschenk.
Dazu segne und begleite uns
durch Christus, unseren Bruder und Herrn.
Herr, unser Gott,
durch diese Heilige Feier schenke uns
die Erneuerung des Denkens,
damit wir prüfen und erkennen,
was der Wille Gottes ist,
das Gute, Wohlgefällige und Vollkommene
in dieser Welt zu verkünden -
Jesus Christus unseren Herrn! Amen.
© Pfarrer Mag. Hans Tinkhauser, hans.tinkhauser@aon.at
| Winners and losers, turn the pages of my life | Gewinner und Verlierer, die Seiten meines Lebens |
| Chorus: | Chor: |
| There's a light and a dark side | Es gibt eine helle und eine dunkle Seite |
| Chorus: | Chor: |
| Which one will you be today? | Welches werden Sie heute sein? |
Wo sind die Verbandplätze unserer Welt? Sicher nicht nur in fernen, exotischen Ländern oder auf den Kriegsschauplätzen, auf die momentan die Fernsehkameras gerichtet sind. Dorthin würden uns vielleicht unsere »romantischen« Gefühle automatisch ziehen. Aber: Sie sind überall um uns herum.
»Seht meine Hände und meine Füße an«, sagt Christus heute mit dem Blick auf alle Notleidenden und Verwundeten, Nahestehende und Fremde, »fasst mich doch an und seht: Ein Geist hat doch nicht Fleisch und Bein, wie ihr es an mir seht.«
»Die Männer und die Frauen sind Fleisch und Bein, Hände und Füße, die durchbohrte Seite Christi - sein mystischer Körper«, fügt der Autor hinzu, der sich hinter dem Pseudonym »Mönch der Ostkirche« verbirgt, »in ihnen können wir durch unser Tun die Wirklichkeit der Auferstehung realisieren«. Er fordert uns auf, dass wir Christus nicht nur in sozial Bedürftigen, Kranken, Armen, Verlassenen, sondern insbesondere auch in den Menschen sehen, die uns fremd und unsympathisch sind: »In vielen von diesen Männern und Frauen - in bösen und verbrecherischen Menschen - ist Christus wieder gefangen genommen worden. Befreie ihn dadurch, dass du ihn still und schweigend erkennst und ihn in ihnen anbeten wirst.«
Das sind harte, anspruchsvolle Worte, wer kann sie hören? Und wer wagt es, sie zu realisieren - oder es zumindest zu versuchen? Wir sind es aus vielen Predigten gewohnt, die Aufforderung zu hören, dass wir Menschen in sozialer Not helfen sollen, und vielleicht tun wir das auch ab und zu. Über die Liebe zu den Feinden wird allerdings nicht häufig gepredigt - und wenn darüber gepredigt wird, dann entsteht oft der peinliche Eindruck, dass weder der Prediger noch seine Zuhörer diese Worte allzu »wörtlich« nehmen, schärfer ausgedrückt: Sie nehmen sie gar nicht ernst. Das wird in den Kirchen nur so gesagt! Wir haben schon erwähnt, dass die größte Schwierigkeit mit dieser Aussage Jesu darin besteht, dass wir die Begriffe »Liebe« und »Hass« als bloße Emotionen betrachten (nicht als Lebenshaltungen und Willensentscheidungen, als etwas, an dem wir unser Leben ausrichten); und natürlich wissen wir gut, dass man Emotionen »nicht befehlen kann« und dass unsere Gefühle, Unrecht erlitten zu haben, sich hartnäckig halten, obwohl der gute Wille in uns vorhanden ist, den unerhörten Auftrag Jesu zu erfüllen.
Hier legt uns der Mönch der Ostkirche eine neue theologische und spirituelle Anregung vor, die uns ermutigen soll, auch die Menschen anzunehmen, die wir in der Regel nicht akzeptieren wollen, »die Bösen und die Verbrecher«. Er sagt uns nicht, dass wir ihre Schlechtigkeit lieben und akzeptieren sollen, dass wir ihre schlechten Taten und Eigenschaften übersehen, bagatellisieren und entschuldigen sollen, er verlangt auch nicht von uns, dass wir irgendeine emotionale Neigung ihnen gegenüber entwickeln sollen. Er sagt uns lediglich, dass Christus durch das Geheimnis der Menschwerdung im Menschsein jedes beliebigen Menschen anwesend ist. In den »Bösen« ist er »gefangen«, weil sie ihm die Freiheit nicht geboten haben, weil sie ihn nicht in ihren Herzen und ihrem Handeln herrschen ließen.
Dadurch, dass wir uns bewusst werden, dass auch sie »zu Christus gehören« (und dadurch auch zu uns), befreien wir diese Menschen noch nicht vom Bösen. Einstweilen befreien wir nur unsere Beziehung zu ihnen - dadurch dass wir in unsere Haltung zu ihnen Christus als ein treues Bild des Vaters eintreten lassen, der »seine Sonne über Böse und Gute aufgehen lässt und es über Gerechte und Ungerechte regnen lässt«3. Inwieweit diese unsere innere Haltung, diese unsere Gesinnung ihnen gegenüber, unser Verhalten und Handeln beeinflusst und inwieweit unser Verhalten auf sie zurückwirken, sie beeinflussen und sie vielleicht auch verändern kann, das ist wiederum eine anderer, offener Akt dieses Dramas.
Christus kommt immer nur als Aufforderung, Angebot, als Einladung, der man Folge leisten kann, als offene Möglichkeit - als »the God who may be«. Ihm ist jedweder beliebige Druck völlig fremd, mit dem er uns vielleicht manipulieren, unsere Freiheit nicht respektieren würde. Der Gott, den uns Christus vorstellt (mit seinen Worten und seiner Person) spricht uns an und fordert uns auf, aber er zwingt uns niemals zu etwas. Entsprechend soll auch unser christliches Zeugnis sein: Wir sind dazu da, dass wir den Horizont des »Möglichen« (d. h. des erwartbaren, gewöhnlichen, »logischen«, »natürlichen« Handelns - wie man handelt, wie es in der Welt zugeht) um das erweitern, was Menschen, die Gott nicht kennen oder Christus nicht ernst nehmen, als unmöglich erscheint. Dass wir als »alternatives Angebot« da sind, ist schon Bestandteil des Dienstes der Heilung, der Befreiung und der »Austreibung des Bösen«, den sich viele ein wenig zu romantisch vorstellen.
Aus: Tomáš Halík, Berühre die Wunden. Über Leid, Vertrauen und die Kunst der Verwandlung. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2013.

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Die Lesung trägt einige Verse aus den sogenannten Bekenntnissen des Propheten Jeremia vor. Es empfiehlt sich, diese Bekenntnisse, die über viele Kapitel verstreut sind, zusammenhängend zu lesen (11:18-23; 12:1-6; 15:10-21; 17:12-18; 18:18-23; 20:7-18).
Jeremia trägt schwer an seiner Berufung zum Propheten, der Unheil anzukündigen und Unrecht anzukreiden hat. Er leidet an der Isolation, die ihm seine Predigt eingebracht hat. Von seinen Gegner wird er gehaßt und verfolgt - sie ließen ihn sogar in eine Zisterne werfen - von seinen Verwandeten wird er verlassen und gemieden. Gott gegenüber klagt er über sein Schicksal und klagt ihn an. Er vergleicht seine Situation und Gottesbeziehung mit einem Mädchen, das sich von seinem Liebhaber betören und überwältigen hat lassen. Und doch kommt er von ihm und seinem Auftrag nicht los.
In diesem Text, der uns in einem wahren Gefühlsausbruch den Menschen Jeremias zeigt, zeigen sich der innere Zwiespalt und die tiefe Enttäuschung seines Prophetendaseins. Mit kühner Kritik, ja fast schon blasphemisch, kritisiert er sein Prophetenamt wobei er nicht davor zurückschreckt, den Vergleich mit einem naiven, von seinem Liebhaber verführten und dann sitzengelassenen Mädchen zu wählen. Es sind für ihn die gleichen Gefühle, die eine enttäuschte Liebe auslöst: Ärger über die eigene Dummheit, Ohnmacht, weil die Situation nicht zu ändern ist und Angst vor der Schande.
Jeremias muss "Gewalt und Unterdrückung" erleiden und erfährt dazu noch, dass er sich mit dem Wort Gottes, das ihm aufgetragen worden war, nur lächerlich macht. Er befindet sich in einer tragischen Situation: Redet er, wie es seine Pflicht ist, macht er sich die ganze Welt zum Feind, schweigt er, muss er mit dem Gefühl leben, schuldig zu werden, weil er den Auftrag Gottes missachtet. In dieser für ihn nahzu unerträglichen Spannung erlebt er zugleich die reale Macht Gottes und weiss, dass ihm nur ein Weg offen bleibt: seine Sache in schonungsloser Offenheit Gott vorzutragen und auf ihn zu vertrauen.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive