Lesung aus dem Buch Jesaja:
So spricht Gott, der Herr:
Siehe, das ist mein Knecht, den ich stütze;
das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen.
Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt,
er bringt den Nationen das Recht.
Er schreit nicht und lärmt nicht
und lässt seine Stimme nicht auf der Gasse erschallen.
Das geknickte Rohr zerbricht er nicht
und den glimmenden Docht löscht er nicht aus;
ja, er bringt wirklich das Recht.
Er verglimmt nicht und wird nicht geknickt,
bis er auf der Erde das Recht begründet hat.
Auf seine Weisung warten die Inseln.
Ich, der HERR, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen,
ich fasse dich an der Hand.
Ich schaffe und mache dich
zum Bund mit dem Volk,
zum Licht der Nationen,
um blinde Augen zu öffnen,
Gefangene aus dem Kerker zu holen
und die im Dunkel sitzen, aus der Haft.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Der Herr schenkt seinem Volk den Frieden. – Kv
(oder GL 263)
Bringt dar dem HERRN, ihr Himmlischen,
bringt dar dem HERRN Ehre und Macht!
Bringt dar dem HERRN die Ehre seines Namens,
werft euch nieder vor dem HERRN in heiliger Majestät! - Kv
Die Stimme des HERRN über den Wassern:
der HERR über gewaltigen Wassern.
Die Stimme des HERRN voller Kraft,
die Stimme des HERRN voll Majestät. - Kv
Der Gott der Ehre hat gedonnert.
In seinem Palast ruft alles: Ehre!
Der HERR thronte über der Flut,
der HERR thronte als König in Ewigkeit.- Kv
Lesung aus dem Buch Jesaja.
So spricht der Herr:
Auf, alle Durstigen, kommt zum Wasser!
Die ihr kein Geld habt, kommt,
kauft Getreide und esst, kommt und kauft ohne Geld
und ohne Bezahlung Wein und Milch!
Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt,
und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht?
Hört auf mich,
dann bekommt ihr das Beste zu essen
und könnt euch laben an fetten Speisen!
Neigt euer Ohr und kommt zu mir,
hört und ihr werdet aufleben!
Ich schließe mit euch einen ewigen Bund:
Die Erweise der Huld für David sind beständig.
Siehe, ich habe ihn zum Zeugen für die Völker gemacht,
zum Fürsten und Gebieter der Nationen.
Siehe, eine Nation, die du nicht kennst, wirst du rufen
und eine Nation, die dich nicht kannte, eilt zu dir,
um des HERRN, deines Gottes, des Heiligen Israels willen,
weil er dich herrlich gemacht hat.
Sucht den HERRN, er lässt sich finden,
ruft ihn an, er ist nah!
Der Frevler soll seinen Weg verlassen,
der Übeltäter seine Pläne.
Er kehre um zum HERRN,
damit er Erbarmen hat mit ihm,
und zu unserem Gott;
denn er ist groß im Verzeihen.
Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken
und eure Wege sind nicht meine Wege - Spruch des HERRN.
So hoch der Himmel über der Erde ist,
so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege
und meine Gedanken über eure Gedanken.
Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt
und nicht dorthin zurückkehrt,
ohne die Erde zu tränken
und sie zum Keimen und Sprossen zu bringen,
dass sie dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen,
so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt:
Es kehrt nicht leer zu mir zurück,
ohne zu bewirken, was ich will,
und das zu erreichen, wozu ich es ausgesandt habe.
Dieser Text gehört noch zum zweiten Teil des Jesajabuches und ist im babylonischen Exil entstanden. Der Prophet spricht dem Volk das Heil Gottes zu.
In einem ersten Abschnitt ahmt der Prophet in seiner Heilszusage einen Händler auf dem Basar nach, der seine Ware anpreist: Wasser, Getreide, Wein, Milch ... alles ohne Geld.
Im zweiten Abschnitt wirbt Gott um das Volk und bietet ihm einen Bund an, der den Bund mit David übertrifft. Während die Könige sich ihre Völker mit Waffengewalt unterwerfen müssen, kommen nun alle Völker freiwillig zu ihrem Herrn.
Der dritte Abschnitt fordert auf, den Herrn zu suchen. Dies geschieht in der Umkehr zum Herrn. Dieser bietet sein Verzeihen an.
Der letzte Abschnitt beschreibt die Zuverlässigkeit und die Wirksamkeit des Wortes Gottes in Vergleichen mit dem Regen und Schnee und dem Wachsen des Samens.
Kv - Ihr werdet Wasser freudig schöpfen
aus den Quellen des Heils. – Kv
(Oder GL 312,6)
Siehe, Gott ist mein Heil;
ich vertraue und erschrecke nicht.
Denn meine Stärke und mein Lied ist Gott, der HERR.
Er wurde mir zum Heil. - Kv
Ihr werdet Wasser freudig schöpfen
aus den Quellen des Heils.
Dankt dem HERRN! Ruft seinen Namen an! /
Macht unter den Völkern seine Taten bekannt,
verkündet: Sein Name ist erhaben! - Kv
Singt dem HERRN, denn Überragendes hat er vollbracht;
bekannt gemacht sei dies auf der ganzen Erde.
Jauchzt und jubelt, ihr Bewohner Zions;
denn groß ist in eurer Mitte der Heilige Israels. - Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus der Apostelgeschichte.
In jenen Tagen
begann Petrus zu reden
und sagte:
Wahrhaftig, jetzt begreife ich,
dass Gott nicht auf die Person sieht,
sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist,
wer ihn fürchtet
und tut, was recht ist.
Er hat das Wort den Israeliten gesandt,
indem er den Frieden verkündete durch Jesus Christus:
Dieser ist der Herr aller.
Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist,
angefangen in Galiläa,
nach der Taufe, die Johannes verkündet hat:
wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat
mit dem Heiligen Geist und mit Kraft,
wie dieser umherzog,
Gutes tat
und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren;
denn Gott war mit ihm.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Zu verstehen ist diese Lesung nur im größeren Zusammenhang der Cornelius-Geschichte in der Apostelgeschichte. Cornelius, Römer, aber dem jüdischen Glauben nahe stehend, wird in einer Vision zu Petrus geführt. Der, gefangen in den Kategorien von "rein" und "unrein", "dazu gehörend“ und "fremd" wird in dieser Geschichte davon überzeugt, dass Gott nicht so denkt.
Apg 18,28: "Und (Petrus) sprach zu ihnen: Ihr wisst, dass es einem jüdischen Mann nicht erlaubt ist, mit einem Fremden umzugehen oder zu ihm zu kommen; aber Gott hat mir gezeigt, dass ich keinen Menschen meiden oder unrein nennen soll."
Gott hat den Israeliten das Wort gesandt: Jesus, den Christus. Er hat Frieden verkündigt, er ist der Herr aller. So wird hier zusammengefasst, was in der Predigt des Petrus dann ausgeführt wird. Mit einem vertrauten "ihr wisst" werden Erinnerungen wachgerufen, die lebendig sind: Nach der Taufe, die Johannes verkündigt hat, hat Gott Jesus von Nazareth gesalbt mit dem Heiligen Geist. Er zog umher, tat Gutes, heilte alle, die in der Gewalt des Teufels waren – kurz: der Weg Jesu wird als Heilsweg beschrieben, auf dem Gott selbst erscheint ("denn Gott war mit ihm").
In der Cornelius-Geschichte wird die Taufe Jesu ausgelegt. Die Apostelgeschichte, die mit dem Lukas-Evangelium zusammen gelesen werden muss, erzählt, dass "nach der Taufe, die Johannes verkündigt hat", durch Jesus auch Cornelius nicht mehr zu den Fremden gehört. In Lk 3,21f wird die Taufe Jesu so erzählt: "Und es begab sich, als alles Volk sich taufen ließ und Jesus auch getauft worden war und betete, da tat sich der Himmel auf, und der Heilige Geist fuhr hernieder auf ihn in leiblicher Gestalt wie eine Taube, und eine Stimme kam aus dem Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen."
Lesung aus dem ersten Johannesbrief:
Schwestern und Brüder!
Jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist,
ist aus Gott gezeugt
und jeder, der den Vater liebt,
liebt auch den, der aus ihm gezeugt ist.
Daran erkennen wir, dass wir die Kinder Gottes lieben:
wenn wir Gott lieben und seine Gebote erfüllen.
Denn darin besteht die Liebe zu Gott,
dass wir seine Gebote halten;
und seine Gebote sind nicht schwer.
Denn alles, was aus Gott gezeugt ist, besiegt die Welt.
Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat:
unser Glaube.
Wer sonst besiegt die Welt,
außer dem, der glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist?
Dieser ist es, der durch Wasser und Blut gekommen ist:
Jesus Christus.
Er ist nicht nur im Wasser gekommen,
sondern im Wasser und im Blut.
Und der Geist ist es, der Zeugnis ablegt;
denn der Geist ist die Wahrheit.
Denn drei sind es, die Zeugnis ablegen:
der Geist,
das Wasser
und das Blut;
und diese drei sind eins.
Wenn wir von Menschen ein Zeugnis annehmen,
so ist das Zeugnis Gottes größer;
denn das ist das Zeugnis Gottes:
Er hat Zeugnis abgelegt von seinem Sohn.
Halleluja. Halleluja.
Johannes sah Jesus auf sich zukommen und sagte:
Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit
trat Johannes in der Wüste auf
und verkündete:
Nach mir kommt einer,
der ist stärker als ich;
ich bin es nicht wert,
mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.
Ich habe euch mit Wasser getauft,
er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.
In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa
und ließ sich von Johannes im Jordan taufen.
Und sogleich, als er aus dem Wasser stieg,
sah er, dass der Himmel aufriss
und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam.
Und eine Stimme aus dem Himmel sprach:
Du bist mein geliebter Sohn,
an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.
Das Evangelium nach Markus ist vermutlich das früheste der vier Evangelien. Die Taufe Jesu steht schon im 1. Kapitel, also ganz am Anfang. Eine Kindheitsgeschichte fehlt.
Die Taufgeschichte beginnt mit einem Auszug aus der Predigt Johannes des Täufers. Er, der gemeinhin als Vorläufer angesehen wird, steht mit seiner Botschaft an einer Nahtstelle: Einerseits legt er die Schrift aus, die zum Alten Bund gehört, andererseits bereitet er dem Herrn, der kommt, den Weg (Neuer Bund). Ein Gefälle von "alt" zu "neu" ist dabei nicht beabsichtigt, eher eine persönlich vermittelte Nähe, ein nahtloser Übergang.
Aus der Predigt des Johannes: Nach mir kommt einer, der stärker ist als ich … Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.
Jesus lässt sich taufen (mit Wasser), wie Johannes sagt, aber als er aus dem Wasser steigt, sieht er den geöffneten Himmel und den Geist auf sich herabkommen. Eine Stimme aus dem Himmel spricht: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden. Hat nur Jesus den geöffneten Himmel gesehen? Nur er die Taube? Hat nur er die Stimme gehört? Das Evangelium lässt offen, wer das bezeugen könnte. Was der Geist aber bewirkt, wird im Evangelium erzählt. Und in jeder Taufe neu geschenkt. Es ist nicht nur eine Taufe mit Wasser, sondern eine Taufe mit Heiligem Geist.
Die Geschichte von der Taufe Jesu, wie sie im Markus-Evangelium überliefert wird, erzählt am Anfang der Geschichte Jesu überhaupt, dass Gott sich zu ihm bekennt, ihn Sohn nennt, an ihm Gefallen gefunden hat (bevor sein Weg überhaupt beginnt). Das ist als Proklamation zu verstehen. Ältere Ausleger haben hier zu sehen gemeint, dass Jesus als Sohn adoptiert wird, aber das konnte nur missverständlich sein. Das letzte Wort lässt Markus dem Hauptmann, der bei der Kreuzigung zugegen war: "Der Hauptmann aber, der dabeistand, ihm gegenüber, und sah, dass er so verschied, sprach: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!" (Mk 15,39)
Der vorliegende Text aus dem Markusevangelium ist Teil der Vorbereitung Jesu auf sein öffentliches Wirken. Markus erzählt keine Kindheitsgeschichte Jesu. Es gibt also keine Ankündigung bei Maria und keine Geburtserzählung. Markus bringt die Ursprungsfrage und Legitimation für das Handeln Jesu in diesem Kontext. Die Verkündigung der frohen Botschaft nimmt bei Gott seinen Anfang, wird durch Johannes vorbereitet und angekündigt und in Jesus Realität. Für Markus wird die Offenbarung, daß er der Sohn Gottes ist, Jesus allein geschenkt (anders bei Mt. oder Johannes). Er allein hört die Stimme; Er allein sieht den offenen Himmel und den Geist herabkommen. Hier liegt für Markus die Legitimation für Jesu nachfolgendes Handeln.
Die Ankündigung des Johannes mit der Rede vom Lösen der Schuhriemen hat im damaligen Verständnis nicht die Bedeutung von Demut sondern war im Rechtsbereich eine Geste zur Besiegelung eines Rechtsgeschäftes. Somit zeigt Johannes nicht wie ehrfürchtig es ist, sondern er betont damit die hohe Stellung Jesu und seine Unwürdigkeit, auf gleicher Ebene als Partner mit Jesus ein Geschäft abzuwickeln.
Inhaltlich interessant ist hier auch noch die Unterscheidung von Taufe mit Wasser und Taufe mit dem Heiligen Geist. Die katholische Tradition sieht diese beiden als Einheit.
Johannes der Täufer verweist auf Jesus als den Stärkeren, dem er den Vortritt lässt. Eine Stimme aus dem Himmel bezeugt Jesus als geliebten Sohn Gottes. Dennoch erkennen die Menschen ihn nicht. Was braucht es, dass wir ihn erkennen?
„Nach mir kommt ein Stärkerer. Dann ist meine Zeit beendet!“ So erzählte es Johannes der Täufer den Menschen. Sie aber hielten ihn für den Starken. Er hatte ein ganz eigenes Auftreten. Er hatte klare Antworten auf die Fragen, die man ihm stellte.
„Nach mir kommt einer! Dem lasse ich den Vortritt!“ Sie kennen aus anderen biblischen Texten das Gespräch zwischen Johannes und Jesus. Markus erwähnt das nicht. Es scheint für ihn wie ein Vorgeplänkel zu sein. Wichtiger ist ihm die Stimme aus dem Himmel: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.“ (Mk 1,11)
Wer hatte diese Stimme nötig? Jesus oder die Zeugen am Jordan? Jesus oder wir als Zuhörer heute? Jesus hatte sie nicht nötig. Er hatte schon vor der Zeit eingewilligt: „Ja, Vater, ich gehe auf die Erde, um von dir zu sprechen und die Menschen zu erlösen.“ Also geht es um die Zeugen von damals und uns heute.
Die Menschen am Jordan waren für die nächsten Schritte bereit. Dazu suchten sie die Hilfe des Johannes. Sie wollten bereit sein, wenn der Messias kommt. Sie wollten die Zeichen der Zeit erkennen und darauf reagieren. Wie Johannes erkannten sie Jesus nicht. Es war also nötig, sie mit der Nase drauf zu stoßen.
Wie ist es bei uns? Sind wir offen und bereit zum nächsten Schritt? Wieviel Suchen ist in uns und wieviel Tradition? Es ist eine gute Angewohnheit, zum Gottesdienst zu gehen. Es kann auch etwas Tragendes sein für schwere Stunden. Aber wie oft fühlen wir uns während der Feier betroffen: „Das war jetzt ein Wort oder ein Lied für mich!“? Gibt es immer wieder einmal das Gefühl: „Ich weiß noch daheim, welche Lesung oder welches Evangelium es gab?“
Die Menschen am Jordan erkannten Jesus nicht. Die Offenbarung Gottes geschah. Sie sollte helfen. Sie sollte die Augen für Jesus öffnen. Sie sollte die Herzen öffnen für den nächsten Schritt nach der Taufe der Vergebung. Es sollte der Schritt in das Licht Gottes sein.
Es liegt auch an uns, was aus den Schritten Gottes auf uns zu in unserer Welt geschieht. Es ist dann nicht die große Welt. Es ist der Teil der Welt, in die wir gestellt sind.
Die Taufe Jesu führt uns vor Augen, was auch in unserer eigenen Taufe an uns geschehen ist, und was uns damit zugesagt worden ist. Die Taufe ist jedoch kein magisches Ritual, das uns die Freiheit nimmt, unser Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. An uns liegt es, in welcher Weise wir den Geist Gottes in unserem Leben wirken lassen.
Vor einigen Tagen warf ich auf dem Weg zu einer Besorgung einen Blick in unsere Kirche, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist. Diese wird gerne genutzt, um sich für einige Momente der Stille in der Atmosphäre eine geheiligten Raumes aus dem Trubel der Großstadt zurückzuziehen. Allerdings wird sie manchmal auch von frommen oder unfrommen Störenfrieden heimgesucht…
In der Nähe des Eingangs traf ich einen jungen Mann mit einem Baby in einem Babytragetuch. Wegen der Gesichtsmasken haben wir uns gegenseitig nicht gleich erkannt. Vor etwa zwei Jahren habe ich in unserer Kirche die Tochter der jungen Familie, die gleich um die Ecke wohnt, getauft. Tochter und Mutter waren gerade damit beschäftigt, alle für die junge Dame interessanten Plätze in der Kirche aufzusuchen. Der Vater erzählte mir, dass sie mittlerweile auch einen Sohn haben, diesen jedoch infolge der Pandemie noch nicht haben zur Taufe bringen können. Sie möchten diese wieder mit ihren Verwandten und Freunden gemeinsam feiern und hoffen, dass es dann im Sommer möglich sein werde.
Mich freut, dass dieses junge Paar ihre Kinder nicht nur in unserer Kirche taufen ließ bzw. lässt, sondern dass das Haus Gottes für ihre Kinder auch ein Stück Heimat geworden ist bzw. wird, in dem sie sich daheim fühlen.
Damit sind wir schon mitten im Thema Taufe und ihrer Bedeutung für uns Christen angelangt. In der Erzählung von der Taufe Jesu wird dargestellt, was in der Taufe geschieht: Auf Jesus kam der Geist Gottes herab und eine Stimme aus dem Himmel offenbart ihn als geliebten Sohn Gottes, an dem der Vater Wohlgefallen hat.
In jeder Taufe wiederholt sich dieses Ereignis an den Personen, die getauft werden. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Taufritual mit weiteren Symbolen und Riten ausgestaltet, die unterstreichen, was Gott uns in diesem Sakrament zusagt: Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter, an dir habe ich Wohlgefallen. Weil Gott treu ist und keines seiner Versprechen zurücknimmt, dürfen wir ihm ein Leben lang als Vater vertrauen und können wir uns auf ihn verlassen. Diese Zusage gibt unserem Leben ein geistiges Fundament, das durch nichts überboten werden kann.
Entscheidend ist, was wir aus dieser Zusage machen. Was mich an dieser jungen Familie freut, ist, dass sie ihre Kinder in diese Atmosphäre Gottes zwanglos hineinwachsen lassen. Eine andere Familie in meinem Bekanntenkreis hat sich entschieden, ihr Kind noch nicht taufen zu lassen. Es soll sich später einmal frei entscheiden können… Das klingt gut, lässt mich aber ein wenig schmunzeln. Diese Familie ist sehr um eine gesunde vegetarische Ernährung besorgt. Selbstverständlich wird ihr Kind vegetarisch ernährt. Irgendwann wird auch ihr Kinde, was die Ernährung betrifft, seine eigenen Wege gehen. Ob das dann der Weg der Eltern ist?
Der Geist weht, wo er will, heißt es. Die Taufe ist kein magisches Ritual, das uns in Schema zwingt und die Freiheit nimmt. Als Kinder Gottes haben wir ein Leben lang die Möglichkeit, in unserer Beziehung zu Gott unsere eigenen Wege zu gehen. Und das müssen wir auch bei unseren liebsten Angehörigen respektieren. Eltern werden nicht verhindern können, dass ihre Art mit Religiosität umzugehen, ihre Kinder beeinflusst.
Jesus wurde als Kind beschnitten und damit in das Volk Gottes eingegliedert. Als Erwachsener ließ er sich von Johannes im Jordan taufen. Er demonstrierte damit seine Nähe und Geistesverwandtschaft zu dieser damals aufregenden Prophetengestalt. Manche seiner frommen Verwandten werden dazu den Kopf geschüttelt haben. Der Geist Gottes, von dem anlässlich seiner Taufe erzählt wird, war vom Anfang an über ihm und über seinem Leben und führte und lenkte ihn sein Leben lang.
Was bedeutet das für uns Getaufte? Der Geist Gottes wurde uns in der Taufe und später auch in der Firmung zugesagt. Die Liebe des Vaters begleitet unser ganzes Leben. An uns liegt es, in welcher Weise wir Gott und seinen Geist annehmen und in unserem Leben wirken lassen und was wir daraus machen.
Markus stellt die Ereignisse um Jesus, die er in seinem Evangelium berichten will, in den Rahmen großer Geschichte. Diese beginnt mit der Umkehrpredigt des Johannes. Er knüpft an die Verbannung Israels nach Babylon an. Mit Jesus beginnt die große Gegenbewegung.
Weihnachten ist nicht mit den Weihnachtsfeiertagen zu Ende. Es wirkt weiter in unser Leben hinein. Wir sind eingetaucht worden in die Liebe Gottes. Er hat mit uns einen unaufkündbaren Bund geschlossen.
Johannes der Täufer verweist auf Jesus, der nicht nur mit Wasser tauft, sondern mit dem Heiligen Geist. Jesus wird in seiner Taufe als Sohn Gottes vorgestellt, an dem Gott Wohlgefallen hat. Durch die Taufe stehen auch wir im Wohlgefallen Gottes
Zum Jahreswechsel ist es üblich, dass der Österreichische Bundespräsident im Fernsehen eine Ansprache hält. Ich beneide ihn keineswegs um die Chance, auf diese Weise einmal im Jahr zum ganzen Volk zu sprechen, schließlich geht es jedes Jahr um den gleichen Anlass. Worüber soll man da reden, ohne sich zu wiederholen? Andererseits ist eine große Chance, zu gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen Stellung zu nehmen und von den Staatsbürgern Engagement für das Gemeinwohl einzumahnen.
Was die Aufgabe noch schwieriger macht: andere versuchen zu dieser Jahreszeit Ähnliches: Der Kardinal hält eine Weihnachtsansprache, die Zeitungskommentatoren ziehen Bilanzen und kommentieren diese und auch der kleine Gemeindepfarrer versucht, sich ein wenig Gehör zu verschaffen. Unterm Strich werden wir mit einer erklecklichen Zahl von Mahnreden konfrontiert. Die einen fordern die Rückbesinnung auf alte Werte, die anderen den Mut, Neues anzugehen, jeder aus seinem persönlichen Blickwinkel. Mahnende Worte sind von Zeit zu Zeit notwendig, sie sind jedoch mehr der Inflation ausgesetzt als unser Währungssystem. Wer hört sie noch?
Manche Berufsmahner lassen sich daher etwas einfallen, um mit ihren Botschaften ans Ohr oder gar ans Herz der Hörer vorzudringen. Ich bewundere Kabarettisten, die es verstehen, Leute nicht nur zum Lachen zu bringen, sondern da und dort auch zum Nachdenken.
Johannes der Täufer hat sich die Rolle des religiösen Mahners gewählt, bzw. sie wurde ihm als persönliche Berufung auferlegt. Er predigte Askese und lebte sie in einer zugespitzten Weise vor. Er mahnte zur Rückkehr zu den überlieferten Werten und fand sogar Gehör bei jenen, die sich am Rande der Gesellschaft bewegten und sich normalerweise gegen Moralpredigten immun zeigten.
Johannes war nicht der einzige in dieser Szene. Es gab damals unterschiedliche Gruppierungen, die eine religiöse und/oder eine politische Erneuerung anstrebten. Irgendwann stieß auch Jesus auf sie. Als er öffentliche Aufmerksamkeit gewann, begann man verständlicherweise zu vergleichen und zu fragen: Wer steht wofür? Worin unterscheiden sich die Protagonisten der Prophetenszene?
Der Evangelist Markus legt Johannes den Satz in den Mund: "Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit Heiligem Geist taufen". Damit nimmt er auf das prophetische Markenzeichen des Johannes Bezug, der seine Zuhörer einlud, sich als Zeichen der Umkehr im Jordan untertauchen zu lassen und als erneuerte und reingewaschene Menschen wieder aufzutauchen und mit diesem Akt ein neues Leben zu beginnen. Auch Jesus vollzieht dieses Ritual. Auch für ihn ist es der Beginn eines neuen Lebensabschnittes.
Allerdings unterscheidet sich das Taufritual, das an Jesus vollzogen wurde von den übrigen Taufen des Johannes. Als Jesus aus dem Wasser stieg, hatte er ein Geisterlebnis, von dem wir nicht wissen, wer außer Jesus selbst davon etwas mitbekommen hat: "Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam".
Dieser Bezug zum Heiligen Geist ist der wesentliche Unterschied zwischen der Johannestaufe und der Taufe der Christen. Die Wassertaufe des Johannes ist ein persönliches Zeichen der Entschlossenheit zur Umkehr, zum Neubeginn. Die Taufe Jesu mit dem Heiligen Geist hingegen ist ein Zeichen, das nicht der Mensch allein setzt. Es wird "von oben" gesetzt. Die Stimme aus dem Himmel bringt dies zum Ausdruck: "Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden".
Das Thema des Heiligen Geistes zieht sich durch die ganze Lebensgeschichte Jesu. Maria empfängt ihn vom Heiligen Geist. Der Evangelist Johannes charakterisiert ihn als den »Logos« - Wort, Geist, Sinn, Weisheit – der Fleisch geworden ist. In der Taufe im Jordan kommt der Heilige Geist auf ihn herab und nimmt ihn gleichsam in Besitz. Er führt ihn zunächst in die Wüste und treibt ihn dann, das Evangelium Gottes zu verkünden. Nach seiner Auferstehung haucht er den Jüngern den Heiligen Geist ein und sendet sie damit in die ganze Welt.
Die Christen übernehmen das Zeichen der Taufe vom Täufer Johannes und vollziehen es in Anlehnung an die Taufe Jesu als ein Zeichen, das Gott an uns Menschen wirkt. Er macht uns dadurch zu neuen Menschen, beseelt vom seinem Heiligen Geist. Wir werden nicht neu aus eigener Kraft sondern durch das Wirken des Heiligen Geistes. Damit nehmen wir teil an der Sendung Jesu in diese Welt. In uns und durch uns erneuert er die Welt.
Vielleicht haben sie rund um den Jahreswechsel auch Bilanz gezogen und sich gefragt: Was will ich in Zukunft an meinem Leben ändern? Vielleicht haben Sie sich inspirieren lassen von dem, was Sie sich von Personen Ihrer Wertschätzung haben sagen lassen. Die Frage ist: Wie lange reicht unser Atem, diese Vorsätze auszuführen? Manche Neujahrsvorsätze sind sehr kurzlebig. Und für vieles, was zu tun wäre, fühlen wir uns zu klein und machtlos.
Als vom Heiligen Geist beseelte Menschen verfügen wir zwar über keine Zaubertaste, durch die uns das möglich wäre, was andere nicht schaffen, wir wissen uns aber als vom Heiligen Geist beseelte Menschen in Gemeinschaft mit Jesus Christus, der in uns und durch uns die Welt verändert. Er hat zeit seines Erdenlebens keine Kraftakte gesetzt und trotzdem Wunder gewirkt. Er hat Menschen, die offen waren für eine Begegnung mit ihm und mit Gott, von innen her verwandelt. Sie haben ein neues Leben begonnen und etwas von dem verwirklicht, was er als Reich Gottes angekündigt hat.
Was können wir als mit Heiligem Geist Getaufte tun? Uns immer neu diesem Geist öffnen, den Unterschied herausfinden zwischen dem, was er uns heute sagt, und dem Zeitgeist oder sonstigen menschlichen Ideen. Dies ist ein kontinuierlicher Wachstumsprozess, der in und mit jedem Menschen neu beginnt, der sich dem Wirken des Geistes Gottes anvertraut und sich taufen lässt.
Bei unserer Taufe wurde uns gesagt: „Gott sieht dich als sein geliebtes Kind an!“ Es hat uns eine Zukunft in Gott eröffnet.
Bei der Taufe im Jordan wollte Johannes der Täufer die Menschen für den ersten Schritt auf die Zukunft vorbereiten. Unter diesen Menschen war Jesus, den der Vater als seinen geliebten Sohn bezeugte:
Mit dem Fest der Taufe des Herrn beschließen wir den Weihnachtsfestkreis und beginnen wir den allgemeinen Jahreskreis. Heute wird uns Jesus anlässlich seiner Taufe durch Johannes im Jordan als von seinem Vater geliebter Sohn Gottes vorgestellt, der vom heiligen Geist geführt und geleitet wird.
Was an Jesus sichtbar geworden ist, vollzieht sich auch an jeder Person, die sich nach seinem Beispiel taufen lässt. Wir dürfen uns als Kinder Gottesbegreifen, an denen der Vater im Himmel Wohlgefallen hat. Diese Zusage trägt unser ganzes Leben als Christen.
In Erinnerung an unsere Taufe segnen wir am Beginn dieses Gottesdienstes Wasser uns besprengen wir uns damit.
Pr: Liebe Schwestern und Brüder!
Wir bitten den Herrn, dass er dieses Wasser segne, mit dem wir nun besprengt werden. Das geweihte Wasser soll uns an die Taufe erinnern; Gott aber erneuere in uns seine Gnade, damit wir dem Geist treu bleiben, den wir empfangen haben.
Stille
Pr: Allmächtiger, ewiger Gott, du hast das Wasser geschaffen als Quell, aus dem das Leben kommt, und als Element, das alles Unreine abwäscht. Durch das Wasser machst du unsere Seele rein und schenkst uns das ewige Leben.
Segne, Herr, + dieses Wasser, damit es uns ein Zeichen sei für die Taufe, die wir empfangen haben. Gewähre, dass wir teilhaben an der Freude unserer Brüder und Schwestern, denen du auf der ganzen Welt, die Gnade der Taufe geschenkt hast. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Lied zum Taufgedächtnis GL 491: Ich bin getauft und gottgeweiht
Der Priester geht durch die Kirche und besprengt die Gemeinde mit dem Weihwasser
Pr: Der allmächtige Gott reinige uns von Sünden und mache uns durch das heilige Opfer, das wir nun feiern, würdig, am Tisch seines Reiches teilzunehmen.
A: Amen.
(Messbuch, Anhang I, Seiten 1171ff)
Oder:
Schwestern und Brüder!
Wir bitten den Herrn, dass er dieses Wasser segne,
mit dem wir nun besprengt werden.
Das geweihte Wasser erinnert uns an die Taufe Jesu
durch Johannes im Jordan
und an unsere eigene Taufe mit Wasser und Heiligem Geist.
Gott erneuere in diesem heiligen Zeichen seine Zusage,
dass er uns als seine Töchter und Söhne liebt,
und erfülle uns mit seiner Gnade,
dass wir unser Leben aus dem Geiste Jesu gestalten.
Gebetsstille
Allmächtiger, ewiger Gott,
du hast das Wasser geschaffen als Element,
das Leben hervorbringt und reinigt.
Durch das Wasser der Taufe
hast du uns ewiges Leben geschenkt
und uns von aller Sünde gereinigt.
Segne + dieses Wasser,
damit die Lebensquelle deiner Gnade und Liebe
aus unserem Inneren fließe
und unser Leben Früchte des Geistes hervorbringe.
Wasch ab alles Böse, mit dem wir uns belastet haben
und lass uns mit reinem Herzen
an der Gemeinschaft der Kinder Gottes teilhaben.
Besprengung mit dem gesegneten Wasser
Tauflied, z. B. "Ich bin getauft und Gott geweiht" (GL 491)
Herr, erbarme dich.
Christus, erbarme dich.
Herr, erbarme dich.
Der allmächtige Gott reinige uns von Sünden
und mache uns durch das heilige Opfer,
das wir nun feiern, würdig,
am Tisch seines Reiches teilzunehmen.
Herr Jesus Christus,
du warst unter den Menschen,
die sich zur Vergebung ihrer Sünden von Johannes taufen lassen wollten.
Kyrie, eleison.
Seit deiner Auferstehung geschieht unsere Taufe auch in deinem Namen.
Christe, eleison.
Du begleitest uns, wenn wir als deine geliebten Kinder leben.
Kyrie, eleison.
Herr, Jesus Christus,
Gott unser aller Vater hat dich als seinen Sohn vorgestellt,
an dem er Wohlgefallen hat.
Herr, erbarme dich.
Der Heilige Geist ist auf dich herabgekommen.
Du hast dich von ihm erfüllen und leiten lassen.
Christus, erbarme dich.
In unserer Taufe hast du auch uns zu Kindern Gottes gemacht
und als deine Schwestern und Brüder mit dem Heiligen Geist beschenkt.
Herr, erbarme dich.
Allmächtiger, ewiger Gott,
bei der Taufe im Jordan
kam der Heilige Geist auf unseren Herrn Jesus Christus herab,
und du hast ihn als deinen geliebten Sohn geoffenbart.
Gib, daß auch wir,
die aus dem Wasser und dem Heiligen Geist wiedergeboren sind,
in deinem Wohlgefallen stehen
und als deine Kinder aus der Fülle dieses Geistes leben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Taufe des Herrn
Allmächtiger Gott,
dein einziger Sohn, vor aller Zeit aus dir geboren,
ist in unserem Fleisch sichtbar erschienen.
Wie er uns gleichgeworden ist in der menschlichen Gestalt,
so werde unser Inneres neu geschaffen nach seinem Bild.
Darum bitten wir durch ihn,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Taufe des Herrn
9. Januar
Gott und Herr,
in der Hoffnung, dass auch wir deine geliebten Kinder sind,
danken wir dir für die Taufe, die wir empfangen haben,
und für deine Begleitung in unserem bisherigen Leben.
Lass uns wachsen in dem, was du in der Taufe begonnen hast.
Das erbitten wir durch Christus, unseren Herrn. – Amen.
Herr Jesus, geliebter Sohn des Vaters,
du hast Menschen gesucht und begleitet.
Wir bitten dich:
Geh mit denen, die wir dir ans Herz legen!
Du bist Menschen begegnet, die Wahrheit gesucht haben.
Sie gibt es auch heute.
Wir bitten dich…
Du bist Menschen begegnet, die verwundet waren.
Sie gibt es auch heute.
Wir bitten dich…
Du bist Menschen begegnet, die in Armut leben mussten.
Sie gibt es auch heute.
Wir bitten dich…
Du bist Menschen begegnet, die sich für andere eingesetzt haben.
Sie gibt es auch heute.
Wir bitten dich…
Du bist Menschen begegnet, für die ein neuer Lebensabschnitt begann.
Sie gibt es auch heute.
Wir bitten dich…
Du bist Menschen begegnet, die fliehen mussten.
Sie gibt es auch heute.
Wir bitten dich…
Du bist Menschen begegnet, die dem Tod nahe waren
Sie gibt es auch heute.
Wir bitten dich…
So hoffen wir für alle Menschen auf der Welt. – Amen.
Durch unsere Taufe bekommt unser Leben einen neuen Sinn.
Als Kinder Gottes dürfen wir den Vater bitten:
Für eine Kirche, die sich der Führung deines Geistes anvertraut und so dein Heilswirken in der Welt fortsetzt.
Für eine Gesellschaft, die durch notwendige Veränderungen im Denken und Handeln die kostbare Ressource Wasser trotz Klimaveränderungen für alle nutzbar macht.
Für ein Leben, in dem wir uns unserer Taufberufung als würdig erweisen und das Geschenk unseres Glaubens mit anderen teilen.
Für uns selbst, dass wir nach Fehlern wieder aufstehen und uns nach deinem Willen neu ausrichten.
Für unsere Verstorbenen um das Licht aus dem Glauben an die Auferstehung.
Denn du, großer Gott, den wir Vater nennen dürfen, willst, dass wir leben und unser Heil finden. Dafür danken wir dir durch Jesus, der in die Niederungen unserer menschlichen Existenz hinabgestiegen ist und doch ganz Gott ist, im Heiligen Geist. - Amen.
Guter Gott und Vater,
in der Taufe hast du uns als deine geliebten Kinder angenommen.
Wir bringen dir unsere Nöte und Bitten vor:
Wir bitten dich für alle Getauften.
Lass sie sich ihrer Gotteskindschaft bewusst sein
und schenke ihnen Freude daran und die Kraft für ihr Leben als Christen.
Wir bitten dich auch für alle "Brüder und Schwestern, die noch fern sind von dir".
Lass sie deine Güte und Menschenfreundlichkeit erkennen
und dein Wohlgefallen finden.
Wir bitten dich für alle, die unter der gegenwärtigen Pandemie zu leiden haben.
Lass diese Not bald zu Ende gehen
und schenke allen, die Schaden erlitten haben, Kraft zu einem Neubeginn.
Wir bitten dich für alle, die in diesen Tagen zu Opfern von Falschinformationen geworden sind.
Gebiete der drohenden Spaltung der Gesellschaft Einhalt.
Wir bitten dich für alle, die an der Überwindung der gegenwärtigen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Krise mitwirken.
Stärke sie durch deinen Heiligen Geist.
Wir bitten dich für alle unsere Schwestern und Brüder,
die ihr irdisches Leben vollendet haben.
Lass sie teilhaben am ewigen Leben, das uns Jesus verheißen hat.
Dir, guter Gott, ist in jedem Volk willkommen, der tut, was recht ist.
Um deines Sohnes Jesu willen schau auf alle deine geliebten Kinder. – Amen.
Gott, unser Vater,
wir feiern den Tag,
an dem du Jesus als deinen geliebten Sohn geoffenbart hast.
Nimm unsere Gaben an
und mache sie zum Opfer Christi,
der die Sünden der ganzen Welt abgewaschen hat.
Er, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Taufe des Herrn
Gott und Vater,
da wir nun Brot und Wein bereitet haben,
bitten wir dich um deinen Segen.
Schenke uns im Leib und Blut deines Sohnes
Kraft für das Leben in seinem Geiste
und für das Leben in der Gemeinde. - Amen.
Der Himmel schmeckt nach Brot und Wein,
Gott von Anfang an.
Alles, was wir erarbeiten, erträumen und erleiden,
bringen wir dir.
Du nimmst es in deine Hand.
Im Vertrauen, dass du alles neu machst
und alles verwandelst,
bringen wir dir
Brot und Wein.,
den Geruch der Erde und der Straßen,
den Lauf der Dinge
und unsere Schicksalsmächte.
Du offenbarst uns Jesus
als deinen Sohn,
der mit uns lebt,
der für uns stirbt,
der unter uns Liebe schenkt,
die in Ewigkeit hält.
Ihn empfangen wir,
wie du gesagt hast,.
Brot und Wein. – Amen.
Kehrvers:
Preiset den Herrn, denn er ist gut.
Danket dem Herrn, denn er ist gut. (GL Ö875)
oder:
Danket dem Herrn, denn er ist gütig,
denn seine Huld währt ewig.(GL 558,1)
Guter und menschenfreundlicher Gott,
wir kommen zu dir, um dir danken.
Denn du hast uns das Leben geschenkt
und uns mit einer Vielzahl von Kräften und Begabungen ausgestattet.
Kehrvers
In der Menschwerdung deines Sohnes hast du uns gezeigt,
wie wir im Bewusstsein deiner Gegenwart leben
und unser Leben aus deinem Geist gestalten können.
Kehrvers
Wir danken dir für die Taufe, das Bad der Wiedergeburt.
Durch sie hast du uns den Mächten des Todes entrissen
und uns Anteil am ewigen Leben gegeben.
Kehrvers
Du hast über uns deinen Heiligen Geist ausgegossen,
durch den wir dich als unseren treusorgenden Vater erkennen,
der uns in deiner Liebe und in der Liebe deines Sohnes hält
und der uns lehrt, das Richtige zu tun.
Kehrvers
Für deine Liebe und Gnade danken wir dir
gemeinsam mit allen Engeln und Heiligen.
Mit der ganzen Schöpfung singen wir zu deinem Lob:
Danklied, z. B. "Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben" (GL 484)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater,
zu danken und deine Größe zu preisen.
Denn bei der Taufe im Jordan
offenbarst du das Geheimnis deines Sohnes
durch wunderbare Zeichen:
Die Stimme vom Himmel verkündet ihn
als deinen geliebten Sohn,
der auf Erden erschienen ist,
als dein ewiges Wort,
das unter uns Menschen wohnt.
Der Geist schwebt über ihm in Gestalt einer Taube
und bezeugt ihn als deinen Knecht,
den du gesalbt hast,
den Armen die Botschaft der Freude zu bringen.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Taufe des Herrn
„Du bist mein geliebtes Kind“ hören wir in der Taufe.
Du bist der Vater, den wir lieben und zu dem wir beten dürfen,
wie Jesus uns zu beten gelehrt hat:
Vater Unser…
In der Taufe sind wir zu Kindern Gottes geworden.
So wollen wir gemeinsam das Gebet sprechen,
das uns Jesus gelehrt hat.
Zum Friedensgebet:
Gott ruft in Jesus Christus sein Volk zusammen.
Er ist das Haupt.
Wir bitten...
Herr Jesus, die Zusage, "du bist mein geliebter Sohn" baute dich auf.
Uns baut auf, wenn wir hören, dass du uns Wege des Friedens zutraust.
So bitten wir dich:
Schaue nicht auf unsere Sünden…
Wo der Himmel sich öffnet,
wird Gott zugänglich.
Wo der Himmel sich öffnet,
finden Einsame Gemeinschaft.
Wo der Himmel sich öffnet,
hat alle Sinnlosigkeit ein Ende.
Wo der Himmel sich öffnet,
kann alles neu werden.
Wo der Himmel sich öffnet,
erhalten Menschen ungeahnte Chancen.
Wo der Himmel sich öffnet,
wird die Erde vom Geist erfüllt.
Wo der Himmel sich öffnet,
geschieht Wandlung,
dann,
wenn wir uns dafür öffnen.
Gütiger Gott,
du hast uns mit deinem Wort
und dem Brot des Lebens genährt.
Gib, daß wir gläubig auf deinen Sohn hören,
damit wir deine Kinder heißen und es in Wahrheit sind.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Taufe des Herrn
Gott und Vater,
danke für die Erfahrung hier.
Dein Segen,
das Wort deines Sohnes
und sein Leib
sind Zeiten der Begegnung.
Lass sie uns mitnehmen in unseren Alltag.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. – Amen.
Der Vater, in dessen Namen du getauft bist,
sagt dir zu, dass du sein geliebtes Kind bist. - Amen.
Der Sohn, in dessen Namen du getauft bist,
sagt dir zu, dass er dich erlöst hat. - Amen.
Der Heilige Geist, in dessen Namen du getauft bist,
sagt dir zu, dass er dich mit seinen Gaben im Alltag begleitet. - Amen.
Und der Segen des allmächtigen Gottes…
es gibt
eine welt
hinter der welt
du musst nur
durch
die nebel hindurch
die zweifel
die angst
das festhalten
dein fragen
dein sorgen
deine wichtigkeiten
der weg
in die andere welt
geht immer durch die nebel hindurch
Aus: Andrea Schwarz, Den Weg im Herzen tragen. Ein Begleitbuch für unterwegs. Herder, Freiburg – Basel Wien 2006.
Gott berge dich in seiner Liebe
wie eine Mutter ihr Neugeborenes.
Er behüte dich auf deinen Wegen
wie ein Vater sein neugierig laufendes Kind.
Er mache dich stark und bereit
für die Reise, die Leben heißt,
damit du in dieser deiner Welt ihn bezeugen kannst
und immer glaubwürdiger wirst
was du jetzt bist:
ein Christ
Aus: Thomas Schwartz; Segen voller Leben. Gute Worte für alle Tage. Herder, Freiburg – Basel – Wien 2017.
Sei du stets verbunden mit dem,
der in dir einen Schatz entdeckt hat
und alles,
sogar sich selbst,
gegeben hat,
damit dein Leben
immer wertvoll bleibe.
Aus: Thomas Schwartz; Segen voller Leben. Gute Worte für alle Tage. Herder, Freiburg – Basel – Wien 2017.
Im Tätigsein
im Denken, Überlegen
im Reden und Gestalten
Ich suche Dich
Selbst unter Kochtöpfen
sagt die Heilige von Avila
wärst du zu finden
Ich suche Dich
Auf den Straßen der Stadt
in Behörden, Wartezimmern
in Kaufhäusern
im Menschengewühl
Ich suche Dich
In den Nachrichten am Abend
in Bildern und Worten
im Geschehen der Zeit
Ich suche Dich
In der Zeitung
in Büchern
in der Begegnung
im Gespräch
im Gebet
Ich suche Dich
Die leise Stimme sagt
lass Dich finden
ich bin überall
Theresia Hauser in: Benedikta Hintersberger OP (Hrsg); Du bist der Atem meines Lebens. Das Frauengebetbuch. Schwabenverlag, Ostfildern 2006.
Zwischen Stummsein
das der Liebe schadet,
und einem Ausbruch von Worten,
der die Wahrheit übertönt,
schenke mir Dein Wort
Hildegund Keul in: Benedikta Hintersberger OP (Hrsg); Du bist der Atem meines Lebens. Das Frauengebetbuch. Schwabenverlag, Ostfildern 2006.
Das Lob Deiner Dunkelheit möchte ich singen
im tonlosen Schweigegrund bei Dir sein
den Klang Deiner Stille Gott möchte ich hören
und tanzen in dir meine Seele
Und spüre Dich so unbegreiflich
wundersames Dunkel Du
tauchst mich ein in Freudetiefen
wurzelst mich ins Leben ein
Worte wachsen aus der Stille
und in sie hinein
Carola Mosbach in: Benedikta Hintersberger OP (Hrsg); Du bist der Atem meines Lebens. Das Frauengebetbuch. Schwabenverlag, Ostfildern 2006.
Jesus getauft –
Heiliger Geist
als Taube herabgekommen,
auf Ihm geblieben –
aus dem Himmel
Stimme des Vaters:
„Geliebter Sohn“ –
eingehüllt in Liebe.
Ilse Pauls
Feuer, das brennt,
Wasser, das kühlt,
Wind, der belebt,
unbekannter,
unbenannter,
sanfter,
ausdauernder Rufer,
immerwährender Mahner,
beharrlicher Begleiter,
verständnisvoller Zuhörer:
Bleibe bei uns,
rufe uns zu,
entzünde uns,
sei uns nah,
unsichtbar,
unhörbar,
unspürbar -
aber immer da.
Aus: Ilse Pauls, Auf dem Weg. Gedichte und Gebete. Edition Club d'Art - international. Klagenfurt, Sonnengasse 16.
Was meinen wir, wenn wir »Ja« sagen? Was ereignet sich dabei? Und bei welcher Gelegenheit ist dieses Wort fällig? Wir sagen wohl kaum von vorneherein zu jedem Menschen »Ja«, sondern vor allem zu denjenigen Menschen in unserem unmittelbaren Lebenskreis, mit denen wir in besonderer Weise verbunden sind. Bejaht zu werden ist ein elementares Urbedürfnis von uns Menschen. Denn das »Ja« ist ein Wörtlein, das Gemeinschaft stiftet. Es ist ein Wort, das beschenkt und bereichert: Wir sind bejaht, nicht mehr allein, wir sind mehr und sehr viel reicher geworden.
Was geschieht umgekehrt beim »Nein«? Und bei welcher Gelegenheit trifft dieses Wort zu? Wohl überall dort, wo Menschen sich einander nichts mehr zu sagen haben und deshalb nichts miteinander zu tun haben wollen und wo sie sich an demselben Mittagstisch totschweigen. Das »Nein« ist so das traurige Gegenteil und Gegenwerk zum »Ja«. Das Wörtlein »Nein« bedeutet Vereinsamung und Alleinsein. Wir sind im Stich gelassen und damit um vieles ärmer geworden.
Das »Ja« stiftet Gemeinschaft und eine Atmosphäre des Vertrauens. Das »Nein« hingegen vereinsamt und tötet. Wer wollte bestreiten, dass beide Worte handfeste Realitäten in unserem Leben sind? Das Verhältnis der beiden Worte macht dabei die Grundstimmung unseres Lebens aus, ob wir nämlich mehr die Bejahten und Beschenkten sind oder mehr die Vereinsamten und Alleingelassenen. Auch wenn wir dieses Verhältnis nie genau bestimmen können, spüren wir dennoch, dass sich darin ein Gegenspiel von befreiendem »Ja« und todernstem oder gar tödlichem »Nein« ausspricht. Von daher stellt sich früher oder später die lebenswichtige Frage, welches der beiden Worte endgültiger und siegreicher ist: Hat das »la« oder das »Nein« das letzte Wort in meinem Leben?
Täglich müssen wir zu anderen Menschen »Ja« sagen, und täglich sind wir selbst darauf angewiesen, dass Menschen zu uns »Ja« sagen. Doch wir Menschen pflegen immer wieder ein »Vielleicht« dazuzufügen, ein »Ja, aber«, ein »Wenn und aber« und damit ein halbes »Jein«. Von daher kommen Bitterkeit und Wehmut in unserem Leben auf. Es ist nur allzu gut verständlich, dass wir Menschen uns im Grunde unseres Herzens nach nichts mehr sehnen als danach, einmal doch endgültig und ohne Vorbehalte, ohne »Vielleicht« und »Aber« bejaht zu werden.
Wer von uns aber kann sich das leisten, ohne Vorbehalte und uneingeschränkt »la« zu sagen zu einem anderen Menschen? Aus eigener Erfahrung wissen wir es nur allzu gut, dass wir uns dies so oft gar nicht leisten können und vielleicht auch nicht dürfen. Denn bei uns Menschen bleibt immer ein Vorbehalt übrig. Wir leben nun einmal in einer Welt von »Wenn und aber« und gerade heute auch in einer Kirche voller »Vielleicht«. Und wir Menschen selbst zeigen uns immer wieder als Wesen voller »Jein«.
Im Kontrast zu diesen menschlichen Erfahrungen leuchtet die Botschaft des christlichen Glaubens auf: »Gott ist treu, er bürgt dafür, dass unser Wort euch gegenüber nicht Ja und Nein zugleich ist. Denn Gottes Sohn Jesus Christus... ist nicht als Ja und Nein zugleich gekommen; in ihm ist das Ja verwirklicht. Er ist das Ja zu allem, was Gott verheißen hat« (2 Kor 1,18-20a). Damit spricht Paulus die Kernmitte unseres christlichen Glaubens an: Was sich kein Mensch leisten kann, das leistet sich Gott. In eine Welt voll »Wenn und aber«, in eine Kirche voller »Vielleicht« und zu uns Menschen voller »Jein« sagt Gott sein vorbehaltloses, uneingeschränktes, endgültig-gültiges »ja«. Gottes Wort ist wirklich »Ja«, und deshalb ist auf ihn ebenso wirklich Verlass. Wie ernst und konkret Gott selbst zu uns Menschen »Ja« sagt, hat er in Jesus Christus gezeigt; und darin liegt die Grundverheißung des christlichen Glaubens: Vor Gott wird jeder Mensch vollends zum Menschen, weil Gott jeden Menschen vorbehaltlos annimmt und jeden Menschen endgültig bejaht.
Dieses göttliche Geschehen hat dabei einen spezifischen Ort, nämlich die Taufe. In ihr hat uns Gott bejaht und als seine Töchter und Söhne angenommen. Hier hat er uns bei unserem persönlichen Namen gerufen und sich uns namentlich zugewendet. Das große »Ja«, das Gott an Ostern zu seiner ganzen Schöpfung gesprochen hat, buchstabiert er gleichsam als kleines »Ja«, das er zu jedem Einzelnen persönlich sagt. Dieses kleine »Ja« Gottes wird für den einzelnen Menschen fällig in seiner Taufe. In der Taufe ereignet sich das ganz persönliche Ostern für den einzelnen Menschen.
Aus: Kurt Koch, Bereit zum Innersten. Für eine Kirche, die das Geheimnis lebt. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2003.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
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Im ersten "Gottesknechtlied" (Jes 42,1-9) erfolgen die Vorstellung und Beauftragung des Knechtes. Er ist gewissermaßen das Werk Jahwes, von ihm erwählt und sein Knecht. Im Mittelpunkt steht aber nicht das "Untergebensein" des Knechtes, sondern die Zugehörigkeit und Geborgenheit beim Herrn. Dieser Knecht findet seine Aufgabe und Bestimmung - ähnlich wie bei Mose oder David - im "Dasein" für andere. Gott präsentiert ihn wie einen König (vgl. 1 Sam 9,15-17) und erwählt ihn frei aufgrund seines Willens - ohne jegliche Vorleistungen durch den Knecht. Die Rede von seiner Erwählung dient der Legitimation des Knechtes und der Begründung seiner Aufgabe.
Weil Gott an ihm Gefallen gefunden hat, erwählte er ihn. Diese Erwählung durch Gott läßt sich ebensowenig wie die Erwählung Israels hinterfragen. Diese Erwählung gilt aber nicht nur dem hier vorgestellten Knecht, denn es handelt sich nicht um eine vorübergehende Erwählung - wie beispielsweise bei den Richtern - sondern sie ist als dauernde Gabe, als besondere Form des "Mitseins Jahwes", zu sehen, die sich zugunsten anderer auswirkt.
Die Lesung ist ein Ebed-Jahwe-Lied (Knecht-Gottes-Lied). Ursprünglich wohl selbständig überliefert, gehören sie im Kanon der hebr. Bibel zum Buch des (2.) Jesaja (Jes. 40-55 - Exilszeit).
Jahwe stellt seinen Knecht zunächst vor: "Seht, das ist mein Knecht." Die Figur, die dazu passt, ist uns jedoch verborgen. In der Auslegungsgeschichte variieren die Vermutungen: war es eine einzelne Person? Oder vielleicht sogar das ganze Volk Gottes? Jedenfalls wird in der Vorstellung (mit dem Imperativ "Seht" eingeleitet) ein Gesicht erkennbar, dass in der christlichen Rezeption die Züge des Kyrios trägt, von dem es im Hymnus (Phil 2,6-11) heißt, er habe göttliche Gestalt gehabt...
Was enthält die Gottesrede über den Knecht? Er wird von Jahwe gestützt, er ist von Jahwe erwählt, an ihm findet Jahwe Gefallen, Jahwe hat seinen Geist auf ihn gelegt - und unvermittelt und überraschend: Jahwes Knecht bringt den Völkern das Recht. Er ist mit der höchsten Autorität ausgestattet, um den Völkern das Recht zu bringen. Jahwe selbst erscheint so als Garant des Rechtes.
In der hebräischen Sprache gehören Recht, Gerechtigkeit, Frieden, Heil zusammen. Der Knecht Jahwes ist Heilbringer für die Völker. Das bringt einen neuen Ton in die prophetische Botschaft, die sich an das Volk Israel in der Fremde richtet. Ob Israel in Babylon eine neue Rolle übernehmen soll? Nicht die Rolle des Opfers, sondern des Friedensstifters?
Der Knecht zerbricht das geknickte Rohr nicht, er löscht den glimmenden Docht nicht aus, er (selbst) wird nicht müde und bricht nicht zusammen - bis er auf der Erde das Recht begründet. Zur Krone des Ganzen wird: (Selbst) die Inseln warten auf ihn.
Jahwe sichert dem Knecht seine Berufung zu, überreicht ihm sozusagen die Ernennungsurkunde. Was Recht heißt, wird hier in einer umfassenden und universalen Aufgabe beschrieben: Bund für mein Volk - Licht für die Völker. Vertieft: blinde Augen zu öffnen, Gefangene zu befreien, alle, die im Dunkel sind, ins Licht zu führen.
In der lukanischen Jesus-Erzählung (Evangelium) werden Ebed-Jahwe-Lieder besonders an zwei Stellen aufgelesen: Einmal im Lobgesang des Zacharias (Benedictus), Lk 1,67-79, und zum anderen in der ersten Predigt Jesu in Nazareth, Lk 4,16-21. Die Geschichte Jesu wird so fest mit den Ebed-Jahwe-Liedern verknüpft.
Dieser Text wird Deuterojesaja zugeschrieben, einem unbekannten Propheten aus der Zeit der Babylonischen Gefangenschaft, als sich schon die Befreiung anbahnt. So spricht Deuterojesaja tröstend zu seinem Volk. Die Kapitel 40-55 werden nach ihren ersten Worten auch "Trostbuch Israels" genannt (vgl. die Alternativlesung des heutigen Tages Jes 40,1-5. 9-11). Beim vorliegenden Text handelt es sich um das erste der sog. "Gottesknechtslieder", die einen vollkommenen Jünger Jahwes vorstellen. Umstritten ist, ob es sich hierbei um die Personifikation der Gemeinde Israels, um eine Person der Vergangenheit oder Gegenwart wie etwa Deuterojesaja selbst oder den erwarteten Messias handelt. Die urchristliche Predigt und die Auswahl als heutige Lesung bezog den Text auf Jesus.
Unabhängig von der Beantwortung dieser Frage macht die Beschreibung des von Gott Beauftragten den Willen Gottes deutlich: Plastische Bilder und leidenschaftliche Worte zeigen, auf welche Weise Gott unsere Befreiung erreichen will und wie unser Heil aussehen soll. Der Gesandte Gottes will nicht wie ein fanatischer Heilsprediger Menschenmassen aufputschen und für seine Ideologie gewinnen (Vers 2). Stattdessen wendet er sich dem Einzelnen und Unvollkommenen zu und gibt ihm eine neue Chance (Vers 3) - anders als Moralprediger mit dem Standpunkt "Alles oder nichts!". Diese Behutsamkeit geht aber auch mit Ausdauer einher (Vers 4).
Die starken Bilder in Vers 7, die Jesus auch in seiner "Antrittspredigt" in der Synagoge von Nazareth zitiert (Lk 4,18), sprechen tiefgehende menschliche Erfahrungen von Befreiung an.
"Blinde Augen zu öffnen" kann bedeuten, vor eigenen "blinden Flecken" nicht länger die Augen zu verschließen und so seine Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Auch offene Augen für die Freuden und Nöte unserer Mitmenschen zu bekommen oder in ausweglosen Situationen neue Wege zu entdecken, können solche Heilungserfahrungen sein.
"Gefangene aus dem Kerker zu holen" meint unter anderem die Befreiung aus eingefahrenen Denk- und Verhaltensmustern, die ein erster Schritt sein kann, um verfahrene Situationen und Beziehungen zu lösen. Dazu zählt auch, wenn Menschen in einengenden Strukturen und Rollen in Familie, Beruf und Gesellschaft allmählich mehr Freiheit erfahren können.
Die Befreiung derer, "die im Dunkel sitzen", umfasst die Überwindung von Lebensphasen, die von Leid, Schmerz, Trauer, Einsamkeit und Angst geprägt sind.
All diese biblischen Bilder führen uns vor Augen, welches erfüllte Leben Gott für uns will. Um dies schon in diesem Leben zu verwirklichen, schickt er seine Beauftragten - und das kann jeder Mensch sein, der uns begegnet und uns zu mehr Freiheit führt.
Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr C 2/2006. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2006, S. 42-54.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive