Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Exodus.
In jenen Tagen
sprach Gott auf dem Berg Sínai alle diese Worte:
Ich bin der Herr, dein Gott,
der dich aus dem Land Ägypten geführt hat,
aus dem Sklavenhaus.
Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.
Du sollst dir kein Kultbild machen
und keine Gestalt von irgendetwas am Himmel droben,
auf der Erde unten
oder im Wasser unter der Erde.
Du sollst dich nicht vor ihnen niederwerfen
und ihnen nicht dienen.
Denn ich bin der Herr, dein Gott,
ein eifersüchtiger Gott:
Ich suche die Schuld der Väter an den Kindern heim,
an der dritten und vierten Generation,
bei denen, die mich hassen;
doch ich erweise Tausenden meine Huld bei denen,
die mich lieben und meine Gebote bewahren.
Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes,
nicht missbrauchen;
denn der Herr lässt den nicht ungestraft,
der seinen Namen missbraucht.
Gedenke des Sabbats:
Halte ihn heilig!
Sechs Tage darfst du schaffen und all deine Arbeit tun.
Der siebte Tag ist ein Ruhetag,
dem Herrn, deinem Gott, geweiht.
An ihm darfst du keine Arbeit tun:
du und dein Sohn und deine Tochter,
dein Sklave und deine Sklavin
und dein Vieh
und dein Fremder in deinen Toren.
Denn in sechs Tagen hat der Herr
Himmel, Erde und Meer gemacht
und alles, was dazugehört;
am siebten Tag ruhte er.
Darum hat der Herr den Sabbat gesegnet
und ihn geheiligt.
Ehre deinen Vater und deine Mutter,
damit du lange lebst
in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt!
Du sollst nicht töten.
Du sollst nicht die Ehe brechen.
Du sollst nicht stehlen.
Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.
Du sollst nicht das Haus deines Nächsten begehren.
Du sollst nicht die Frau deines Nächsten begehren,
nicht seinen Sklaven oder seine Sklavin,
sein Rind oder seinen Esel oder irgendetwas,
das deinem Nächsten gehört.
Lesung aus dem Buch Exodus.
In jenen Tagen
sprach Gott auf dem Berg Sínai alle diese Worte:
Ich bin der Herr, dein Gott,
der dich aus dem Land Ägypten geführt hat,
aus dem Sklavenhaus.
Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.
Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes,
nicht missbrauchen;
denn der Herr lässt den nicht ungestraft,
der seinen Namen missbraucht.
Gedenke des Sabbats:
Halte ihn heilig!
Ehre deinen Vater und deine Mutter,
damit du lange lebst
in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt!
Du sollst nicht töten.
Du sollst nicht die Ehe brechen.
Du sollst nicht stehlen.
Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.
Du sollst nicht das Haus deines Nächsten begehren.
Du sollst nicht die Frau deines Nächsten begehren,
nicht seinen Sklaven oder seine Sklavin,
sein Rind oder seinen Esel oder irgendetwas,
das deinem Nächsten gehört.
Kv - Herr, du hast Worte ewigen Lebens. – Kv
Oder GL 312,7
Die Weisung des Herrn ist vollkommen, *
sie erquickt den Menschen.
Das Zeugnis des Herrn ist verlässlich, *
den Unwissenden macht es weise. – (Kv)
Die Befehle des Herrn sind gerade, *
sie erfüllen das Herz mit Freude.
Das Gebot des Herrn ist rein, *
es erleuchtet die Augen. – (Kv)
Die Furcht des Herrn ist lauter, *
sie besteht für immer.
Die Urteile des Herrn sind wahrhaftig, *
gerecht sind sie alle. – (Kv)
Sie sind kostbarer als Gold, als Feingold in Menge. *
Sie sind süßer als Honig, als Honig aus Waben.
Auch dein Knecht lässt sich von ihnen warnen; *
reichen Lohn hat, wer sie beachtet. – Kv
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korinth.
Schwestern und Brüder!
Die Juden fordern Zeichen,
die Griechen suchen Weisheit.
Wir dagegen
verkünden Christus als den Gekreuzigten:
für Juden ein Ärgernis,
für Heiden eine Torheit,
für die Berufenen aber, Juden wie Griechen,
Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.
Denn das Törichte an Gott
ist weiser als die Menschen
und das Schwache an Gott
ist stärker als die Menschen.
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korinth.
Schwestern und Brüder!
Das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit;
uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft.
In der Schrift steht nämlich:
Ich werde die Weisheit der Weisen vernichten
und die Klugheit der Klugen verwerfen.
Wo ist ein Weiser? Wo ein Schriftgelehrter?
Wo ein Wortführer in dieser Weltzeit?
Hat Gott nicht die Weisheit der Welt als Torheit entlarvt?
Denn da die Welt angesichts der Weisheit Gottes
auf dem Weg ihrer Weisheit Gott nicht erkannte,
beschloss Gott,
alle, die glauben,
durch die Torheit der Verkündigung zu retten.
Die Juden fordern Zeichen,
die Griechen suchen Weisheit.
Wir dagegen
verkünden Christus als den Gekreuzigten:
für Juden ein Ärgernis,
für Heiden eine Torheit,
für die Berufenen aber, Juden wie Griechen,
Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.
Denn das Törichte an Gott
ist weiser als die Menschen
und das Schwache an Gott
ist stärker als die Menschen.
Lob dir, Christus, König und Erlöser! – Kv
So sehr hat Gott die Welt geliebt,
dass er seinen einzigen Sohn hingab,
damit jeder, der glaubt, in ihm das ewige Leben hat.
Lob dir, Christus, König und Erlöser!
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:
Das Pas-chafest der Juden war nahe
und Jesus zog nach Jerusalem hinauf.
Im Tempel
fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben
und die Geldwechsler, die dort saßen.
Er machte eine Geißel aus Stricken
und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus
samt den Schafen und Rindern;
das Geld der Wechsler schüttete er aus,
ihre Tische stieß er um
und zu den Taubenhändlern sagte er:
Schafft das hier weg,
macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!
Seine Jünger erinnerten sich, dass geschrieben steht:
Der Eifer für dein Haus wird mich verzehren.
Da ergriffen die Juden das Wort und sagten zu ihm:
Welches Zeichen lässt du uns sehen,
dass du dies tun darfst?
Jesus antwortete ihnen: Reißt diesen Tempel nieder
und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten.
Da sagten die Juden:
Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut
und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten?
Er aber meinte den Tempel seines Leibes.
Als er von den Toten auferweckt war,
erinnerten sich seine Jünger, dass er dies gesagt hatte,
und sie glaubten der Schrift
und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.
Während er zum Paschafest in Jerusalem war,
kamen viele zum Glauben an seinen Namen,
da sie die Zeichen sahen, die er tat.
Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an,
denn er kannte sie alle
und brauchte von keinem ein Zeugnis über den Menschen;
denn er wusste, was im Menschen war.
Wohin möchte die Fastenzeit uns führen? Es geht um mehr als um das Optimieren unserer alten Glaubenspraxis, um mehr als um Bereinigung, Restrukturierung, Anpassung, Aggiornamento… Es geht Jesus um ein neues Verhältnis zu Gott, in dem Tempel und äußere Strukturen zweitrangig sind.
Blitzlichtgewitter. Dann die Schlagzeile. „Krawall im Tempel“. Münzen aus aller Herren Länder fliegen über die Erde, Schafe und Rinder galoppieren davon und die Tauben suchen das Weite. Ein Wüterich tobt. Und das ist – unser lieber Herr Jesus Christ.
Wie gut! Wir brauchen keine Wechselstuben in der Kirche und Opfertiere werden hier auch nicht verkauft. Aber wir brauchen sie auch nicht. Rinder und Schafe sind auf Weiden, Tauben in ihren Schlägen.
Damals mussten aber die Pilger, wenn sie von weit her zum Tempel nach Jerusalem kamen, alles, was sie brauchten, auch vor Ort bekommen. Erst wechselten sie in die gültige Währung, dann kauften sie ihre Opfertiere. Klar. Alles ist eingespielt, alles ist geregelt. Ein frommer Betrieb. Selbst die Stationen sind vorgezeichnet. Dass der Tempel von Markthallten umgeben ist, daran sind die Menschen nicht nur gewöhnt, das erwarteten sie. Seit alters her.
Und dann kommt Jesus! Das Paschafest ist nah. Das große Fest der Befreiung. Mit der Erinnerung an den Auszug aus Ägypten, aus der Knechtschaft Israels, aus allen Abhängigkeiten. Das größte Fest überhaupt! Und was macht Jesus? Randale! Die Wechsler, Händler und Kunden – so nennt man wohl auch die Pilger - sind überrascht, überrumpelt, überfordert. So schnell können sie nicht einmal denken. Nicht auszudenken, wo jetzt die Rinder sind, die Schafe, die Tauben – auch nicht auszudenken, was die Priester sagen, die Pilger, die Leute. Womöglich stinkt es jetzt im ganzen Tempel nach Kuhfladen, die Schafe blöken an heiligem Ort und die Tauben hocken auf dem Altar.
Krawall im Tempel!
Das Blitzlichtgewitter – vorbei. Die Schlagzeile – bleibt. Was ist los?
Ich kenne Jesus so nicht. In meinem Bild ist er immer sanftmütig und gütig. Gewalt lehnt er ab. Sein Reich ist nicht von dieser Welt. Aber dann höre ich ihn sagen: „Macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!“
Obwohl Wechsler und Händler nicht direkt im Tempel sitzen - der Tempel ist von Geld, von Geschäften, von Umtrieben umgeben, geradezu umfangen, eingefangen. Jesus spricht von Haus meines Vaters, das zu einem Geschäftsmodell verkommen sei. Und das nicht nur in Zahlen! Mit Opfern machen Menschen mit Gott Geschäfte. Sie kaufen ihn, sie verpflichten ihn, sie machen ihn sich gefügig. Fleisch gegen Gnade! Opfer gegen Wohlwollen! Eine Hand wäscht die andere…
Was Jesus sagt, gibt dem Ganzen noch den Rest:
„Reißt diesen Tempel nieder
und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten.
Da sagten die Juden:
Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut
und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten?“
Wie hier doch alles durcheinander purzelt! Ja, der Tempel ist ein Gebäude. Über viele Jahrzehnte gebaut. Wunderschön anzusehen. Schon von weitem. Augenschmaus für müde Pilger. Ort der Heimkehr, der Erinnerung, der Sehnsucht. Die Opfertiere übrigens – die hat Gott selbst einmal gewollt. Menschen möchten doch etwas mitbringen, etwas geben – und selbst, wenn es nur symbolisch ist. Dass Gott das Herz ansieht – das haben die Propheten so oft gesagt, dass es eigentlich alle wissen konnten. Was kann man denn Gott schenken? Was könnte ihm gefallen?
Die Tiere aber, die im Tempel geopfert wurden, wurden anschließend auch in einem großen Gemeinschaftsmahl verzehrt. Der Tempel – Ort der Gemeinschaft für Menschen, die von weit herkommen und ihre Geschichten und Träume mitbringen. Hier muss keiner hungern oder leer zurückgehen. Für Menschen, die wenig hatten und oft von der Hand in den Mund lebten, mochte es wie ein Paradies schmecken. Dieser Ort. Oben auf dem Berg Zion.
Das Gebet, das der König Salomon bei der Einweihung des Tempels in Jerusalem gesprochen hat, wird uns im ersten Buch der Könige überliefert:
„Wohnt denn Gott wirklich auf der Erde?
Siehe, selbst der Himmel
und die Himmel der Himmel
fassen dich nicht,
wie viel weniger dieses Haus,
das ich gebaut habe…
Halte deine Augen offen
über diesem Haus bei Nacht
und bei Tag,
über der Stätte,
von der du gesagt hast,
dass dein Name hier wohnen soll!“
(1 Könige 8,28ff)
Auch der Segen ist überliefert:
„Der HERR, unser Gott, sei mit uns,
wie er mit unseren Vätern war.
Er verlasse uns nicht
und verstoße uns nicht.
Er lenke unsere Herzen zu sich hin,
damit wir auf seinen Wegen gehen
und die Gebote, Gesetze
und Rechtsentscheide bewahren,
die er unseren Vätern gegeben hat.“
(1 Könige 8,57f)
Die Einweihungsfeier endet dann in einem riesigen Opfer – oder auch Opfergelage:
„Dann brachten der König
und mit ihm ganz Israel
vor dem HERRN Opfer dar.
Zweiundzwanzigtausend Rinder
und hundertzwanzigtausend Schafe
ließ Salomo als Heilsopfer
für den HERRN schlachten.“
Das lässt sich nacherzählen. Gewiss nicht nachzählen. Ein wenig zweifelnd, ein wenig staunend. So viel? So ein großes Fest?
Nur: dass Gott hier nicht wirklich wohnt, sondern nur sein Name. Aber was heißt schon „nur“? Zu fassen ist Gott nicht – nur anzurufen.
Was will Jesus denn jetzt umstoßen, schließlich abreißen? Abreißen lassen? Das Haus? Dieses Haus? Wie weit möchte der Wüterich denn noch gehen?
Die Irritation ist perfekt, von Jesus gewollt, vom Evangelisten nachgezeichnet. Nein, um das Gebäude ginge es gar nicht. Auch nicht um Wechsler und Händler. Der Tempel hat noch Jahre lang nach diesem Zwischenfall Menschen angezogen. Sie haben Geld gewechselt, Opfer erworben und Opfer dargebracht. Bis die Römer einen Aufstand niederschlugen – und dem Tempel, dem Herz des jüdischen Volkes, den Garaus machten. Die Klagemauer ist übriggeblieben. Eine Klagemauer…
Als der Evangelist Johannes sein Evangelium schrieb, war vom Tempel schon nichts mehr übriggeblieben. Eine Ruine. Steine, wild durcheinander. Dass Jesus wie eine Furie dazwischengefahren ist, liest sich im Nachhinein wie eine Offenbarung. Wie ein Menetekel. Nein, es geht um – Jesus. Er ist der Tempel Gottes! In ihm wohnt Gott. In ihm wohnt sein Name. In ihm ist er gegenwärtig. Nicht in einem Haus von Händen gebaut, unter Schafen und Rindern. Jesus lädt Mühselige und Beladene zu sich! Menschen, die ein verpfuschtes Leben mitbringen. Verlorene Träume. Bittere Erfahrungen. Opfer? Opfer will er nicht – er ist doch selbst das Opfer. Opfer braucht er nicht – er bringt sich selbst dar. Er lässt sich die Sünde aufladen. Wie einen Fluch. Dann stiftet er Gemeinschaft. Mit Brot und Wein. Mit sich.
Wir hören es:
„Jesus aber meinte den Tempel seines Leibes.
Als er von den Toten auferweckt war,
erinnerten sich seine Jünger,
dass er dies gesagt hatte,
und sie glaubten der Schrift
und dem Wort,
das Jesus gesprochen hatte.“
Ab jetzt ist die Markthallte geschlossen. Nein, der Tempel braucht sie nicht mehr. Wir auch nicht. Es ist von Gottes Liebe zu erzählen, über sie zu staunen, sich ihr zu öffnen. Mit Gott können wir keine Geschäfte machen. Hier wäscht keine Hand die andere. Gott gibt uns alles, was er hat – sich.
Das Bild von der Markthalle gefällt mir trotzdem gut! Da treffen sich Menschen. Die einen kaufen, die anderen verkaufen. Marktschreier rufen ihre Angebote aus. Und der billige Jakob gibt noch das und dann das und dann noch mehr von dem dazu. Heute – alles – für nur … Tatsächlich ist das nicht nur folkloristisch. Wir Menschen denken in den Kategorien von Leistungen und Gegenleistungen – sogar bei Geschenken. Wir wägen – es huscht uns durch den Kopf - alles ab. Wir leben in einer großen Markthalle. Alles muss sich lohnen, alles muss sich rechnen. Dass sich dann auch fast alles um Geld dreht – geschenkt!
Kommt raus!
Blitzlichtgewitter. Dann die Schlagzeile. „Gott ist ausgezogen – Entsetzen im Tempel“. Traumfetzen aus aller Herren Länder fliegen über die Erde, die Geschäfte mit Gott lösen sich in Wohlgefallen auf und die Kosten-Nutzen-Rechnungen der Menschen entschwinden wie Tauben, die sich den Himmel erobern . Ein Wüterich tobt. Und das ist – unser lieber Herr Jesus Christ.
„Während er zum Paschafest in Jerusalem war,
kamen viele zum Glauben an seinen Namen,
da sie die Zeichen sahen, die er tat.
Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an,
denn er kannte sie alle
und brauchte von keinem ein Zeugnis über den Menschen;
denn er wusste, was im Menschen war.“
Er weiß, wer ich bin!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Fastenzeit ist Zeit der Besinnung auf das Wesentliche, Zeit der Reinigung von allem, was vom Reich Gottes und seiner Frohen Botschaft wegführt.
Gott will für Größeres Raum schaffen, das Reich Gottes sichtbar machen auch durch Freiheit für uns in Gedanken, Worten und Werken. Das zeigen die anspruchsvollen Texte dieses Sonntags, die sich sogar zu einem Glaubensseminar ausgestalten ließen. Wichtige Voraussetzungen dafür sind Anleitungen durch die zehn Gebote, und auch Erinnerungen sind dabei eine große Hilfe.
Die Erinnerung, eine ständige Begleiterin durch unser Leben, auch über den Tod hinaus kann große Wirksamkeit zeigen. In diesem Begriff steckt „innen“, somit wird anschaulich gemacht, was in uns an Erlebnissen vorhanden ist, worüber wir nachdenken, reflektieren können, was uns bewegt und vielleicht sogar zum Gebet führt. Gottes Stimme in mir, jene innere Stimme als Vorahnung und Fähigkeit zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden. Dazu gleich die erste Lesung: „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus dem Land Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus. Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.“ (Ex 20,2.3).
JHWH führt von einem Reich mit viel Machtgehabe und Unterdrückung in die Freiheit. Freiheit ist nicht Beliebigkeit, sondern hat auch mit Verantwortung zu tun, äußerliche und innere Freiheit bedingen einander. Das Volk Israel beginnt bei seiner Wanderung zu murren: Wären wir doch daheim geblieben. Auch heute überlegen viele Menschen, welchen Sinn diese Freiheit hat, alles ist unsicher geworden, man kann sich auf nichts mehr verlassen. Wollen wir Freiheit überhaupt noch? Eine veränderungsmüde, erschöpfte Gesellschaft, die auch in den kleinen Entscheidungen des Lebens gleichgültig wird, tut sich schwer mit eigenständigem Denken und mit Eigenverantwortung. Alles soll in die Hände eines oder einer autoritären Clique übertragen werden. Die Folgen hatten wir ja schon mit zunehmend diktatorischem Gehabe in den Regierungen mit Gewalt, Krieg, Leid, wirtschaftlichem Schaden, Millionen von Toten.
Auch die Kirchengeschichte war diesbezüglich sehr blutig. Ein literarisch sehr anschauliches Beispiel bringt die Legende „Der Großinquisitor“ im vierteiligem Roman „Die Brüder Karamasow“ vom russischen Schriftsteller Fjodor Michailowitsch Dostojewskij (1821-1881). Jesus hat Sehnsucht, unerkannt, nur für ganz kurze Zeit, wieder in diese Welt zu kommen, besonders nach Sevilla, wo der Scheiterhaufen für die Ketzer besonders prasselt. Jesus heilt in dieser Stadt, befreit vom Leid, erweckt ein totes Mädchen zum Leben. Das beobachtet der Großinquisitor, der neunzigjährige Kardinal mit seinen eingefallenen Augen, seinen kalten, blassen Lippen und lässt diesen unbekannten Mann ins Gefängnis bringen. Der Hauptvorwurf des Kardinals: Du störst die Ordnung, die die römisch- katholische Kirche in über tausend Jahren errichtet hat. Der Großinquisitor ist nämlich der Ansicht, alle Ketzer zur Ehre Gottes verbrennen zu lassen. Im Gefängnis entwickelt sich ein heftiger Dialog, in dem der Kardinal eifrig viele Bibelstellen zu seinen Gunsten uminterpretiert. - Offenbar hat er eine Bibelstelle nicht gelesen: „Bedenkt dabei vor allem dies: Keine Prophetie der Schrift wird durch eigenmächtige Auslegung wirksam“ (2 Petr 1,20) und: „Seid nicht Beherrscher der Gemeinden, sondern Vorbild für die Herde.“ Der Kardinal macht aus der Religion Ideologie, ein Vorwurf an die Kirche der Gegenwart, den man heute auch manchmal zu hören bekommt. In diesem Dialog, der eher ein Monolog des Großinquisitors ist und dem Jesus großteils nur schweigend zuhört, äußert sich der Kardinal so: Ich weiß nicht, wer du bist und will's auch nicht wissen, aber du störst die Menschen. Am Schluss antwortet Jesus nicht, sondern küsst den Kardinal auf seine kalten Lippen und verschwindet. Der Großinquisitor hat genau genommen vom Anliegen Jesu nichts verstanden. Dieser Zustand reicht bis in innerkirchliche Segmente auch heute hinein, wobei Rechthaberei und Fundamentalismus sowie Unkenntnis und Lieblosigkeit, mangelnder Dialog große Gefahren darstellen. Auch in diesem literarischen Beispiel glaubt die Inquisition die Wahrheit gepachtet zu haben.
Das zeigt auch die zweite Lesung: Beim Leiden allein stehen zu bleiben, ist zu wenig. Die Leidensverliebtheit, die noch so mancher Gläubiger in sich trägt und bei manchen perverse Züge annimmt, geht am Anliegen Jesu vorbei und offenbart, das Kreuzessymbol noch nicht richtig verstanden zu haben, was auch den damaligen Menschen sehr schwer gefallen ist. Wozu das Ganze, nach dem Tod ist alles aus… Vielleicht hilft hier das Wort des Augustinus (354-430): „Wir Christen gehen deshalb in den Stürmen der Welt nicht unter, weil wir vom Kreuzesholz getragen werden.“ Glaube, Hoffnung und Liebe sollten allgegenwärtig sein, sind immer auch zukunftsorientiert.
Das will auch das Bild vom Tempel und auch von der Kirche durch die sogenannte Tempelreinigung vermitteln. Weg mit allen Zwischeninstanzen wie Geld - nur so viel wie notwendig zur Weitergabe des Glaubens - Machtansprüche, Prunksucht, magisches Verhalten, Klerikalismus. Erinnern wir uns des Schriftwortes: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ Ganz ähnlich auch 1 Kor 6,19: „Verherrlicht Gott in eurem Leib!“- Ich wünsche, dass Ihnen das im Laufe ihres Lebens auch gelingen mag.
Die Tempelreinigung, von der uns das Evangelium an diesem Sonntag berichtet, zeigt uns Jesus in ungewohnter Rage. Auch heute erwarten wir von der Kirche, dass sie zurückhaltend agiert und sich zu Wort meldet. Die Frage nach der Autorität, die damals Jesus gestellt wurde, ist auch an uns gereichtet: Worin besteht unser Auftrag und woher beziehen wir unsere Kraft dazu.
Als ich einmal eine Taufe in einer Pfarre gehalten habe, mussten zuerst Essensreste – eine ausgestreute Packung Käsescheiben und eine halb ausgeleerte Coladose – aus den Kirchenbänken entfernt werden, welche Jugendliche am Vorabend im offenen Gotteshaus hinterlassen hatten. Ist denn die Kirche ein Gotteshaus oder ein Wirtshaus?
Sie ist auch kein Einkaufszentrum, keine Shopping City. Jesus hat die Geldwechsler und andere Geschäftemacher mit ihren Opfertieren aus dem Jerusalemer Tempel geworfen. Das Gesetz erlaubte es ärmeren Menschen, ein Paar Tauben zu opfern, wenn sie sich die teureren Schafe nicht leisten konnten. Eine entsprechende Regelung der Reinigungsopfer nach der Geburt eines Kindes findet sich im Buch Levitikus (Lev 12,8). Zu den Taubenhändlern hat Jesus gerufen: „Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle“ (Joh 2,16). „Mein Haus soll ein Haus des Gebets sein, ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht“, notieren die anderen Evangelien (Lk 19,46; Mk 11,17; Mt 21,13). Die Volxbibel, eine Bibelübertragung in Jugendsprache, gibt das sehr zeitgemäß wieder: „Dieses Haus gehört meinem Vater, hier hat euer Rumgedeale nichts verloren. Macht diesen Ort nicht zu einem Ein-Euro-Shop“ (Joh 2,16).
Das ist die einzige Szene im Evangelium, in der Jesus drohend eine Geißel schwingt, eine Peitsche aus mehreren Stricken, mit der er all die Geschäftemacher hinausschmeißt (Joh 2,14). Er hat die Nase gestrichen voll von Menschen, die das Jerusalemer Heiligtum verunreinigen. Seine Reaktion gibt’s zwar auf keinem TikTok-Video, doch haben Menschen seit Jahrhunderten über diese Bibelstelle gesprochen: Der Sohn Gottes reinigt das Haus seines Vaters. Als er dann von den Tempelaufsehern zur Rede gestellt wird und gefragt, ob er das überhaupt tun darf, sagt Jesus: „Reißt diesen Tempel nieder und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten“ (Joh 2,19).
Wie ist das möglich? Ist Jesus gar einer jener Superhelden, welche dieser Tage in Kinofilmen wie „Aquaman“ oder „Madame Web“ gefeiert werden? Bräuchte es nicht ein ganzes Superheldenteam wie die „Avengers“, um einen Tempel, an dem 46 Jahre gebaut worden war, in nur drei Tagen wieder zu errichten? Es gibt einige Gemeinsamkeiten zwischen Jesus und Superhelden: beide setzen sich für das Gute ein, beschützen Schwache und bekämpfen Bedrohungen für die Menschheit. Und doch besteht zwischen Jesus und den heldenhaften Fantasiegestalten ein gravierender Unterschied: Jesus ist real. Ihn gibt’s wirklich! Und der „Tempel seines Leibes“ (Joh 2,21) ist zu Ostern binnen drei Tagen nach seinem Tod wieder auferstanden.
„Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist?“, hat Paulus im Brief an die Korinther geschrieben (1 Kor 6,19). Damit gilt es achtsam umzugehen, gerade in der Fastenzeit.
Wenn ich sehe, wie Menschen ihren Mitmenschen helfen, die in Not sind, – wie unsere Firmkandidatinnen und Firmkandidaten Lebensmittel für Bedürftige sammeln, Kilos gegen Armut, – dann stelle ich fest, sie sind auch Helden.
Was auch einmal gesagt werden darf: Jede und jeder von uns kann etwas sehr gut und bringt besondere Fähigkeiten mit, Talente, die es mit Power zu unser aller Wohle einzusetzen gilt. Und was ist Deine Superkraft?
Menschen suchen durch außerordentliche Handlungen und Leistungen Gott und den Menschen zu imponieren. Gott verfolgt jedoch eine andere Logik: In der Ohnmacht des Kreuzes erweist sich seine Stärke. Auch die Stärke des Christseins zeigt sich im "normalen", alltäglichen Leben.
Im heutigen Evangelium geht die Post ab. Jesus räumt auf. Ob dieses Ereignis so stattgefunden hat, ist unter historischer Betrachtung des Textes umstritten, aber dennoch fällt auf, dass alle vier Evangelien von dieser Tempelreinigung berichten.
Schauen wir einmal auf die Situation. Der Tempel zu Jerusalem zeigte sich damals wie so mancher Wallfahrtsort heute auch: Rund ums Heiligtum finden sich allerlei Verkaufsstände. Sind es heute eher Devotionalienläden, die den Pilgernden Frommes und weniger Frommes anbieten, waren es im alten Israel Läden, in denen die Pilgernden kaufen konnten, was zum Opferkult im Tempel benötigt wurde - so etwa auch die Opfertiere, von denen wir im Evangelium hörten. Wenn Jesus nun mit rigidem Handeln das Treiben der Händler beendet, dann hat das nicht nur mit einer Wiederaufwertung des heiligen Tempelbezirkes zu tun. Es weist darüber hinaus. Was Jesus dort im Tempel tut, hat zuerst einmal Heilsbedeutung. Wenn Jesus mit dem Opferkult im Tempel - im wahrsten Sinne des Wortes - aufräumt, dann tut er das, um anzukündigen, dass bald keine Opfer im Tempel mehr nötig sind, um mit Gott in Kontakt zu kommen, weil bald ein Opfer dargebracht wird, das ein für alle Male mit Gott versöhnt: nämlich Jesu eigenes Opfer am Kreuz.
Mit zwei Aussagen deutet der Evangelist das bereits im Tempelkonflikt an. Wie Jesus seinem Zorn freien Lauf lässt, kommt bei den Jüngern das Psalmwort (Ps 69,9) hoch: "Der Eifer für dein Haus wird mich verzehren." Dass dieses »Verzehren« aber weit über ein »Ermüden« hinausgehen und sogar das Verzehren von Jesu ganzer Existenz durch den Tod meinen könnte, das ist den Jüngern zu dem Zeitpunkt noch nicht bewusst. Dann hörten wir Jesus sagen: Reißt diesen Tempel nieder und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten. - Und er meint den Tempel seines Leibes. Die Leute sind verblüfft - und die Jünger verstehen auch dieses Wort erst, als sie Tod und Auferstehung erlebt haben.
In der Tempelreinigung wird einmal mehr in überdeutlichen Bildern der Übergang vom Alten Bund zum Neuen aufgezeigt - das Alte manifestiert sich in den wehrhaften Mauern des Tempels zu Jerusalem, und der Neue Bund offenbart sich im zerbrechlichen Leib des Gottessohnes. Und mitten in diesem Gegensatz wird deutlich: Das Schwache und Zerbrechliche wird das Starke und Wehrhafte überwinden. Gottes Kraft offenbart sich im Kleinen.
Der Evangelist Johannes streicht das noch viel deutlicher heraus als die anderen, indem er die Erzählung von der Tempelreinigung an den Anfang seines Evangeliums setzt. Es ist das erste Paschafest in Jesu öffentlichem Wirken. Diese Botschaft von Gottes Kraft im Einfachen und Zerbrechlichen begleitet seine ganze Verkündigung. Bei Markus, Lukas und Matthäus findet sich der Text in näherer Umgebung zur Passionsgeschichte. Es gibt eine logische Verknüpfung zwischen Jesu rüdem Handeln und der Anklage vor Pontius Pilatus. Johannes hingegen lässt die Botschaft von der Kraft des Schwachen sich von Anfang an wie einen roten Faden durch sein Evangelium ziehen.
Der Apostel Paulus weist noch auf etwas anderes Paradoxes, Seltsames hin. Während der Evangelist Johannes uns Zuhörern deutlich macht, dass das Schwache und Zerbrechliche über das Starke und Wehrhafte siegen wird, lässt Paulus uns wissen, dass Gottes Heilshandeln wider alle Logik, wider allen Verstand geht: "Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit. Wir dagegen verkünden Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein Ärgernis, für Heiden eine Torheit. - Denn das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen."
Gottes Heilshandeln an den Menschen verläuft nicht entlang der Grenzen menschlicher Vernunft und Berechnung. Immer dann, wenn wir denken, wenn wir nur genug beten oder sonst wie genug fromm sind, dann muss der Weg Gottes mit uns Menschen schon irgendwie nach unseren Vorstellungen verlaufen, liegen wir in unserem Kalkül vermutlich ganz schön falsch. Und andererseits genau dann, wenn wir meinen, hier geht’s in unserem Leben sicher keinen Schritt mehr weiter, hier sieht alles völlig dunkel und verbaut aus, passiert das eben doch. So, wie wir uns unseren Gott und sein Handeln zurechtlegen, geht das sehr selten auf.
Schon das Alte Volk Israel kannte dafür einige Beispiele in seiner Geschichte. Das prägendste von allen war wohl sicher das Babylonische Exil, nach dem sich das Volk wieder ganz neu erfinden musste. Aber auch das Ausreißen der israelitischen Minderheit aus dem ägyptischen Volk kann aus diesem Blickwinkel betrachtet werden. Heimatlos standen sie vor den Toren der ägyptischen Königsstadt, - wohl dem Joch der Knechtschaft entkommen, dafür scheinbar ohne Zukunft. Gott aber führt sie durch die Zeit hindurch in neues Land, wo sie sich niederlassen und gedeihen können. Und immer wieder geben sie auf dem Weg dorthin ihrem Gott eine Erscheinungsform nach eigener Vorstellung, etwa die Form eines Goldenen Kalbes. Aber das passt nie. Gott ist immer anders. Und Gott lässt sie wissen: Er wird nicht verherrlicht, wenn die Israeliten Außergewöhnliches tun, besondere Formen der Anbetung erfinden, - Gott wird genau dann verehrt, wenn die Menschen ihr ganz normales Leben gut und gerecht leben. Etwa entlang der zehn Gebote, die wir gehört haben. Gott will keine Helden, Gott will Normalos.
Wir stehen mitten in der Fastenzeit und bereiten uns auf das Osterfest vor. An Ostern feiern wir den Sieg des Schwachen und Zerbrechlichen über das Dunkle und Starke, wir feiern den Sieg der Wege Gottes über die Logik und Vorstellungen des Menschen. Am heutigen Sonntag sind wir aufgerufen und eingeladen, uns darauf einmal mehr einzulassen.
Jesus räumt im Tempel auf, da er nicht mehr seiner ureigenen Aufgabe und Wertordnung entspricht. Die Werte ins rechte Lot zu bringen, ist auch von uns heute gefordert.
Jesus warf die Händler aus dem Tempel. Wir wissen: Sie kamen durch die Hintertür immer wieder herein. Jesus empört sich, schlägt massiv drein, mit einer Geißel aus Stricken, die er selbst gemacht hat, kein spontaner Wutausbruch, eher schon eine vorsätzliche Tat, der genaue Beobachtung vorausgeht. Der Tempel, ein Ort der Erinnerung an die Heilstaten Gottes, Ort des Austausches und der Vergewisserung, wie Glaube zum Leben kommt, ist zum Warenhaus verkommen. Die Händler haben den Tempel seiner ursprünglichen Bedeutung entfremdet. Der Tempel, die zentrale religiöse, ökonomische und politische Institution des Judentums hat seine Funktion verloren, für die Menschen Sorge zu tragen, sich gegen Herrschaft jeglicher Art aufzulehnen, ein Ort der Umverteilung zu sein, gerade auch für Witwen und Waisen.
Im Tempel herrscht jetzt Markttreiben: Geldwechsler machen Profit, Händler preisen ihre Tiere an, Schafe blöken, Rinder muhen, dazwischen gurren Tauben, Stallgeruch. Es stinkt gehörig zum Himmel. Von einem Haus des Gebetes, der Gemeinschaft, des Austausches über ein Leben gemäß der Thora keine Spur. Da erinnert rein gar nichts an das Haus Jahwes. Johannes schildert die Geschichte am Beginn des Wirkens Jesu. Gleich zu Beginn seines Auftretens macht Jesus klar, worum es ihm geht. „Der Eifer für dein Haus wird mich verzehren“, zitieren die Jünger Psalm 69 und spannen damit den Bogen zur Tradition. Es ist kurz vor Pessach, einem der wichtigsten Feste der Juden. Erinnert wird an die Befreiungstat des Volkes mit seinem Gott Jahwe, an den Auszug aus der Sklaverei in Ägypten. Knechtende, ausbeuterische Arbeits- und Lebensverhältnissen sollen nicht mehr sein, dafür die Vision eines herrschaftsfreien und gleichwürdigen Lebens aller Menschen.
Jesus empört sich über einen Tempel, der keiner mehr ist. Der Zugang zu Gott geht hier über Geld. Der Tempel ist Markthalle, nicht mehr Gottes- und Menschenhaus, Volkshaus sozusagen. Es geht um eine Kauf-, Tausch- und Opferlogik, die mit Gott Handel treibt und mit Gott handeln will. Profit statt Prophet sozusagen, die Thora hat ausgedient, die Frage nach dem guten Leben aller in Gemeinschaft, nach gerechten Verhältnissen ist verstummt. Jesus richtet mit seiner Aktion das Hauptaugenmerk auf die Hohenpriester und Schriftgelehrten. Sie missachten die Vorschriften der Thora um des Profites Willen. Statt für die Armen, Ausgegrenzten, Ausgestoßenen zu sorgen und Segen zu sein, machen sie Geschäfte und lassen sich Geld in die Opferkästen werfen.
Ein Tempel, der sich nicht um die Menschen sorgt, ist nicht der Tempel Jahwes. Hier braucht es Empörung und eine Kurskorrektur. Da muss weggeräumt und ausgemistet werden. Erst dann können in der Leere die alten Ideen der Menschenfreundlichkeit neu entstehen. Für heute gesprochen braucht es Empörung gegen Verhältnisse, die das Leben kleinhalten, Empörung aber auch gegen uns selbst, ein genaues Betrachten unserer Lebensverhältnisse, verbunden mit der Frage: In welcher Welt wollen wir leben?
Jesus sträubt sich gegen eine Ordnung, in welcher der Eine auf Kosten des Anderen existiert. Er setzt auf Gemeinwohl und begründet damit quasi die Soziallehre. Das Wohlergehen der ganzen Gemeinschaft ist der bevorzugte Blick, von dem aus das Wohl des Einzelnen in den Blick genommen wird. Eng mit dem Gemeinwohl verknüpft ist die Frage der Gerechtigkeit. Es geht um das gute Leben, um ein Leben in Fülle für alle in einer Gemeinschaft und dabei auch um die Frage nach den Strukturen und Verhältnissen, die das ermöglichen. „Ob eine Gesellschaft gerecht ist, erweist sich erst, wenn man sie mit der Brille der gesellschaftlich Ausgeschlossenen, der Benachteiligten und sozial Abgewerteten beurteilt“, so die Kath. Sozialakademie Österreichs.
Jesus rückt verkehrte Verhältnisse zurecht, er richtet den Tempel neu aus. Hier soll der gemeinsame Glaube an die Vision eines Lebens, wo alle alles gemeinsam haben bestärkt und genährt werden. Die Menschen sind der Tempel Gottes. In ihrem Zusammenschluss, in der Mitmenschlichkeit wird Gott lebendig und tätig. Jesus verweist auf sich als den wahren Tempel Jahwes. Sein Leben, sein Leib ist Zeichen und Orientierung. Dementsprechend haben wir zu leben, zu lieben und gerecht, barmherzig und wohlwollend aneinander zu handeln.
Diese neue Sicht des Tempels schafft eine neue Gesellschaft. Hier sollen alle Platz haben. Eine solidarische Gesellschaft von Gleichen braucht Weitblick, einen Blick immer wieder in Richtung der noch Benachteiligten. Krüppel, Kranke, Besessene, Witwen, AusländerInnen, so benennt die Tora die Benachteiligten der Gesellschaft. Heute könnten es Obdachlosen sein, die Kinder und Geflüchteten in Moria und Lesbos, sozial Benachteiligte, MigrantInnen, AsylwerberInnen, physisch und psychisch Kranke, Arbeitslose, Menschen in Kurzarbeit, die sich ihr Leben nicht mehr leisten können, Frauen, die homeschooling, Hausarbeit, Kindererziehung und Beruf unter einen Hut bringen müssen, von der Arbeitswelt kaputtgemachte Menschen. Ihnen gilt der bevorzugte Platz im Tempel Jahwes.
Gott ist ein Gott des Lebens, der Lebensfreude und der Gerechtigkeit, ein Gott, der das Leben der Menschen will. Jesus reinigt den Tempel, um ihn neu wieder herzustellen mit Menschlichkeit, Barmherzigkeit, Liebe und Gerechtigkeit, als Ort der Gemeinschaft von Menschen, die ihr Leben gemeinschaftlich ausrichten wollen. Der Tempel soll Volkshaus und Lebensort sein.
Was ist gut für das Ganze? Diese Frage ist zentral. Damals wie heute. Die Bibel denkt die Gesellschaft vom Gemeinwohl her. Das mutet uns in unserer individualisierten Gesellschaft ein großes Stück Phantasie zu, auch ein Verlassen vertrauter Bilder. Empörung, Courage, beherztes Handeln und Kurskorrektur sind auch heute angesagt. Nichts muss so sein, wie es ist. Das reichste 1 % verfügt in Österreich über rund 40 % des gesamten Nettovermögens, während die ärmeren 50 % der österreichischen Haushalte gemeinsam gerade einmal 2,5 % besitzen. (Quelle: AK Wien).
Da ist wohl etwas gehörig aus dem Ruder gelaufen. Gerade in Zeiten der Covid19-Pandemie wurden die Reichen noch reicher. Auf der anderen Seite stieg die Zahl arbeitsloser Menschen in Rekordhöhe und viele Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen sind in Kurzarbeit gekommen. Das bringt mit sich, dass die Deckung des Lebensunterhaltes oft nicht mehr finanzierbar ist.
In Anlehnung an die Tempelreinigung Jesu stellt sich uns die Frage: Wer rückt hier die Verhältnisse zurecht? Wer treibt die Händler des Marktes aus ihren Hallen? Wir? Wo liegt unsere Verantwortung als Kirche und als Christinnen und Christen für das Gemeinwohl? Gemeinwohl ist immer konkret, braucht Umverteilung und Neuverteilung von realem Reichtum und Lebensmöglichkeiten. Die Soziallehre als Kompass kann uns die Richtung weisen.
Die Ausrichtung einer Gesellschaft am Gemeinwohl stellt die Frage der Verteilung von Einkommen, Arbeit, Macht und Einfluss, Lebensmöglichkeiten, Wohnraum, um nur einige Felder zu erwähnen, neu. Mietobergrenzen, ein Grundeinkommen zur Absicherung des Lebens, Löhne, die das Leben sichern, niemand mehr, der Armut leiden muss, das sind Aufgaben für uns und die Politik. Und statt Ellbogen ausfahren, teilen lernen. Teilen muss die Grundhaltung und Grundlage des Zusammenlebens sein. Die Güter, Bodenschätze und Früchte der Welt sind ja schließlich für alle da, nicht nur für einige Wenige. Wir müssen uns empören, wenn uns immer öfter Schlagworte wie Selbstoptimierung, Privatvorsorge, Zukunftseigenvorsorge, Eigenverantwortung begegnen und damit gemeinsame, solidarische Lebensformen verlassen werden.
Es liegt an uns, Glaube und Empörung im Sinne Jesu in Einklang zu bringen und so heilend und befreiend tätig zu werden, uns einzureihen in die Befreiungsbewegung Gottes. Darin wird unser Glaube konkret, einander Nächste sein, der Nächsten und dem Nächsten zu dienen, dem Genossen, wie Martin Buber treffend übersetzt, der wie du auf Solidarität angewiesen ist. Möge uns ein Leben in bedingungsloser Geschwisterlichkeit gelingen.
© Mag. Fritz Käferböck-Stelzer, Leiter des Treffpunkts mensch&arbeit Nettingsdorf.
Jesus beginnt mit der Tempelreinigung die wichtigsten Ideale des Glaubens wieder ins rechte Licht zu rücken. Die, die Jesus nachfolgen bedürfen immer wieder der reflexiven Reinigung. Die österliche Bußzeit soll als Prozess der Neuorientierung und Reinigung verstanden werden.
Kennen sie das Gefühl? Nach einem anstrengenden mühevollen, vielleicht mühseligen, möglicherweise konfliktbeladenen Arbeitstag, in die Dusche zu gehen oder ein Bad zu nehmen. Wenn das Wasser die Haut berührt, geschieht etwas, das tief hineingeht bis in mein Innerstes „Ich“. Es ist nicht nur das äußerliche rein werden vom Schweiß der Mühe und dem Schmutz des Alltags. Das Wasser wäscht nicht nur, sondern erfrischt, reinigt und bringt ins Fließen, wo etwas starr und verhärtet scheint. Nach einer Dusche oder einem Bad fühlen wir uns oft wie neu. Ein Gefühl wie neu geboren zu sein, keimt auf. Nicht zufällig gibt es in den unterschiedlichsten Religionen Reinigungsrituale, die mit dem Element Wasser in Verbindung stehen. Reinigung, rein wird bis in das Tiefste der eigen leiblichen Erfahrungswelt erfahrbar.
Jesus ist mit seinen Freunden im Tempel! In dem ganzen Trubel und in der Geschäftigkeit, die religiösen Vorschriften zu erfüllen, geht ein ganz wichtiger Gedanke den Menschen verloren: Gott ist mitten unter ihnen im Tempel gegenwärtig. Der Opferbetrieb wird wichtiger als der, dem dieses Opfer gilt. Gut gemeint muss nicht gut sein! In Umgangssprache könnten wir sagen, Jesus ist ausgeflippt! Oder, Jesus zuckt aus!
Jesus ist erschüttert und provoziert durch das Verhalten der Menschen im Haus seines Vaters! Da entlädt sich das alles wie ein reinigendes Gewitter. Diese Unwürdigkeit, diese Gotteslästerung, diese Achtlosigkeit bricht emotional plötzlich aus ihm heraus. Da flattern die freigekommenen Tauben, da blöken die Schafe, da klirrt das Geld, da fallen die Tische, da jammern Menschen, die ihr Geld suchen und aus dem Tempel getrieben werden.
Doch was ist passiert, was hat sich verändert? - Nach kurzer Zeit geht der übliche Tempelbetrieb ungestört weiter. Das Verhalten der Menschen hat sich überhaupt nicht geändert. Nur Jesus muss sich vor den Juden rechtfertigen, sie fordern ein Zeichen von ihm, das seine Legitimität beweist. In dem Bildwort. „reißt den Tempel nieder und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufbauen“ spricht Jesus von sich selbst, von seinem Tod und seiner Auferstehung.
Ein spannender Gedanke taucht plötzlich in dieser Rechtfertigung Jesu auf, er bezeichnet sich selbst, seinen Körper als Tempel. Jesus selbst ist der Ort der Gegenwart Gottes. Gott wohnt in Jesus. Sein Leib ist die Wohnung, der Tempel Gottes. Diese Wahrheit ist für seine Jünger noch zu hoch und unvorstellbar. Nach Ostern werden sie begreifen was Jesus in dieser Situation sagt: Dass nicht nur Jesus Ort der Gegenwart Gottes ist, sondern jeder Christ, jede Christin Tempel Gottes ist. Paulus beschreibt im Korintherbrief: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1 Kor 3,16).
Das faszinierende Geheimnis, dass Gott in uns wohnt, ist keine passive Realität, sondern fordert uns heraus unser eigenes „Ich“ zu gestalten, die Wohnung Gottes zu gestalten. In der ersten Lesung wird uns in den zehn Geboten aus dem Buch Exodus ein Weg aufgezeigt, wie wir in Freiheit mit Gott in und um uns leben können.
Mit Gott ins Reine kommen bedeutet, in der Reflexion mit mir selbst oder mit jemandem, dem ich vertrauen kann, die verschlungenen Wege meines eigenen Lebens anzuschauen, sie der Perspektive Gottes auszusetzen und die Frage zu stellen, wie sie bestehen können. Vielleicht braucht es da oder dort eine Kurskorrektur. Vielleicht muss ich sogar umkehren und neue Wege gehen.
Entscheidend ist, ob ich die grenzenlose, die endgrenzte Liebe, die Gott, der in mir wohnt, mir schenken will, annehmen kann.
© Diakon Hans Wachter, Ausbildungsleiter für PAss der ED Wien j.wachter(at)edw.or.at
Räume und Zeiten, an denen wir zur inneren Ruhe kommen und still werden, helfen uns, zu uns selbst zu finden und geben Gott Gelegenheit, zu uns zu sprechen. Jesus hat die Händler aus dem Tempel vertrieben, um ihn wieder zum Ort der Gottesbegegnung zu machen. Der für Gott frei gehaltene Sonntag hilft uns, von der Betriebsamkeit des Alltags loszukommen.
Jesus wollte mit seiner Tempelreinigung das Haus Gottes wieder zu einem Haus des Gebetes machen. Er steht damit in der Tradition der Propheten. Sein Anliegen ist auch heute noch aktuell. Was braucht es heute, um Gott zu dienen und ihn in rechter Weise verehren zu können?
Neulich sah man in der SZ ein kurioses Photo. Da standen die regierenden Häupter der EU regellos herum und alle starrten auf den Boden. Sie suchten nach ihrem jeweiligen markierten Standpunkt für das Gruppenfoto. Es ist eben nicht gleichgültig, wo man steht, am Rande oder im Zentrum.
Schon die Stellung also, die jemand oder etwas in einem Ganzen hat, bedeutet etwas, beinhaltet schon eine Botschaft.
Da ist es interessant, dass wir im heutigen Evangelium von Johannes etwas Ähnliches finden. Es berichtet von der Tempelreinigung, der Vertreibung von Händlern aus dem Tempel. Nicht nur Johannes, auch die anderen drei Evangelisten berichten davon, Matthäus, Markus und Lukas. Bei diesen jedoch steht die Tempelreinigung nach dem Einzug Jesu in Jerusalem, die Tage also kurz vor dem Ende des Wirkens Jesu auf Erden. Das dürfte auch der geschichtliche Ort gewesen sein.
Johannes dagegen stellt dieses Ereignis entgegengesetzt, unmittelbar an den Anfang des öffentlichen Wirkens Jesu. Das erweckt den Eindruck einer großen Überschrift, einer Programmansage.
Wenn wir etwas von diesem Programm Jesu erfahren wollen, müssen wir uns die Mühe machen, die Fakten näher zu betrachten, die örtlichen und zeitlichen Umstände genauer anzuschauen. So hören wir im Evangelium: "Das Paschafest der Juden war nahe, und Jesus zog nach Jerusalem hinauf. Im Tempel fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler, die dort saßen."
"Im Tempel." Der Tempel in Jerusalem bestand aus vielen Bauten, die ein beträchtliches Areal überdeckten. Im Zentrum stand das eigentliche Heiligtum. Dort befand sich der siebenarmige Leuchter und der Brandopferaltar. Um dieses Heiligtum lagen Vorhöfe: der der Priester, der Männer, der Frauen. Alles umgreifend dann der große Vorhof der Heiden, zu dem jedermann Zutritt hatte. Dieser Vorhof war eine riesige Anlage von etwa 400 mal 400 m Fläche, von gewaltigen, prächtigen Säulenhallen umstanden. Auf der Westseite dieses Vorhofs der Heiden, befand sich ein Verkaufsareal. Hier also spielte sich die Tempelreinigung Jesu ab.
Doch zurück zum Allerheiligsten. Dort stand wie gesagt der Brandopferaltar. Auf diesem wurde jeden Morgen zu Ehren Gottes ein Lamm dargebracht, dessen Fleisch dann verbrannt wurde. Den ganzen Tag bis zum nächsten Opfer sollte das Feuer brennen und sein Rauch zum Himmel steigen. Neben diesen offiziellen Opfern wurden viele private Opfer dargebracht.
Den ganzen Tag also sollte der Rauch zum Himmel steigen. Das erinnert an den Auszug aus Ägypten und den Zug durch die Wüste. Dort heißt es, dass Gott dem Volk vorauszog um ihm den Weg zu weisen, in der Nacht als Feuersäule und am Tag in einer Wolkensäule. An diese Wolkensäule, dem Zeichen der Gegenwart des wegweisenden Gottes, sollte das Rauchopfer erinnern.
Damit zeigt sich, dass der Tempel nicht nur die Gegenwart des Bundesgottes bedeutete, dem man Gebete und Gottesdienste weihte, sondern dass der ganze Gottesdienst ganz wesentlich mit der Opferung von Tieren und Speisen zusammenhing, dass der Opferkult eine zentrale Stellung einnahm. Das hebräische Wort für Altar war bezeichnenderweise "Schlachtstelle". Ein Exeget des Alten Testaments sagt deshalb, dass man die Bedeutung des Opferkultes für Israel gar nicht überschätzen könne. Das erweist sich gerade auch durch die Größe der Verkaufsstelle. Der Händlerbereich erstreckte sich ja auf ein Viertel des Vorhofs der Heiden, also auf einem Gelände von der etwa 100 x 400 Metern, d.h. 4 Hektar.
Von diesem Händlerbereich erzählt nun das Evangelium: "Jesus machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus, dazu die Schafe und Rinder; das Geld der Wechsler schüttet er aus, und ihre Tische stieß er um. Zu den Taubenhändlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!"
Jesus geht tätlich gegen Leute vor. Das ist das einzige Mal, dass wir von einer solchen Aggressionstat Jesu hören. Aber selbst dies ist mit Einschränkung zu verstehen. Denn wenn man die oben dargelegten Umstände genauer betrachtet, ergibt sich eine erstaunliche Diskrepanz: Der Händlerbereich beanspruchte wie schon gesagt eine riesige Fläche. Selbst wenn nicht nur Jesus, sondern alle Apostel zusammen auf die Händler losgegangen wären, hätten sie die Vertreibung nicht geschafft. Das Areal war viel zu groß, eine Tempelaustreibung auf der ganzen Linie ist deshalb nicht vorstellbar. Das zeigt sich auch darin, dass Jesus von niemandem gehindert wurde, weder von den Händlern selbst, noch von der Tempelpolizei, noch von den Römern. Jesus hat diese Austreibung sicher nur in einem kleinen Bereich des ganzen Marktes durchgeführt. Es handelt sich also um eine Symbolhandlung, eine Zeichensetzung, die zuerst einmal sagen soll, dass man den Tempel des Herrn nicht in eine Kaufhalle verwandeln darf. *)
Aber dahinter zeichnet sich eine andere Aussage ab, die klar erst später benannt wird (Joh 4,21 ff), eine Aussage von großer Tragweite: Jesus stellt die zentrale Bedeutung des jüdischer Gottesdienstes jener Zeit, in Frage: den Sinn von Schlacht- und Brandopfern jeglicher Art. Der ganze Opferkult des Tempels, in der Sicht Israels jener Zeit die Grundfesten der Verehrung Gottes, wird in Frage gestellt.
Warum? Weil es nur noch 1 Opfer geben wird, das Opfer des Gottessohnes am Kreuz. Im Brief an die Hebräer, zeitgenössisch mit dem Johannesevangelium, wird es klar ausgedrückt:
"Darum spricht Christus bei seinem Eintritt in die Welt: Schlacht-
und Speiseopfer hast du nicht gefordert, doch einen Leib hast du mir
geschaffen; an Brand- und Sündopfern hast du kein Gefallen.
Da sagte ich: Ja, ich komme, . . . um deinen Willen, Gott, zu tun." (Heb10:5)
Der Wille Gottes aber war, dass der Sohn seinen Leib ans Kreuz geben sollte, zur Vergebung der Sünden der Welt: "Jesus, der Gott gleich war, hielt nicht daran fest, wie Gott zu sein, . . . sondern er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz."
Ein für alle Mal sollten all die vielen Opfer aufgehoben und eingeschlossen sein in das eine Opfer des Gottessohns. Und dieses Opfer Christi am Kreuz ist zwar ein historisches Ereignis, hat Ort und Datum in der Geschichte, aber nicht nur. Es ist kein Geschehen, an das wir uns als ein vergangenes erinnern. Es ist zugleich übergeschichtlich. Wenn der Priester die Worte Jesu beim letzten Abendmahl spricht, "das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird, . . . das ist mein Blut, das für euch vergossen wird", dann ist für uns der Kreuzestod Christi Gegenwart.
Wenn wir nun hintreten zum Altar, zum Tisch des Abendmahls Christi, zum Opferaltar des Kreuzes, sind wir hineingenommen in Christi Erlösungstod. Dann geschieht, was wir nach der Wandlung beten: "Deinen Tod, oh Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit."
*) Die exegetischen Angaben sind größeren Teils entnommen aus: Ökumenischer Taschenbuchkommentar zum Neuen Testament 4/1, Jürgen Becker, Das Evangelium nach Johannes, Würzburg 21985, S. 120 ff
In unserem Gottesdienst begegnen uns heute wieder alte Bekannte: die Zehn Gebote. In Kurzform haben Sie sie vielleicht sogar auswendig gelernt. Können Sie sie noch? Als sie dem Volk Israel gegeben wurden, stand hinter ihnen eine große Befreiungsgeschichte. Der Auszug aus Ägypten, aus der Knechtschaft, aus der Sklaverei. Die Menschen waren auf dem Weg in ein „gelobtes“ Land. Wir alle sollen … leben!
Im Evangelium begegnet uns Jesus, wie er im Tempel von Jerusalem Randale macht. Die vielen Äußerlichkeiten – weg damit. Die Opfer – weg mit ihnen. Die heiligen Geschäfte – weg mit ihnen. Auch das ist eine große Befreiungsgeschichte. Jesus selbst ist der Tempel, der Menschen einen Raum der Liebe öffnet. Wir alle sollen … leben!
Der Herr ist in unserer Mitte.
Ihn rufen wir an:
Wir stehen in der Zeit der Busse und Umkehr. Doch Gott will keine grossen Taten. Der österliche Mensch ist der Mensch, der sein Leben gut und gerecht lebt – vor Gott und den Menschen. Das tönt einfach, ist es aber oft nicht.
Am heutigen Fastensonntag begegnet uns Jesus im Evangelium als Mensch, ergriffen von seinen eigenen großen Emotionen, als Mensch mit Ecken und Kanten. Wir haben uns am ersten Tag der Woche vor Gott versammelt und dürfen vor ihn tragen, was als Last unsere Schultern drückt. Wir dürfen Gott anvertrauen, was uns schwer im Magen liegt. Wir dürfen jubelnd vorbringen, was uns ermutigt, erfreut und begeistert.
Im Kyrie wollen wir jetzt gemeinsam (wie der blinde Bettler Bartimäus) unserem Herrn voll Hoffnung und Freude, „Herr erbarme dich“ zurufen.
© Diakon Hans Wachter, Ausbildungsleiter für PAss der ED Wien j.wachter(at)edw.or.at
Wir sind jeden Tag unseres Lebens unterwegs.
Hoffnungsgeschichten suchen wir überall.
Lass uns mit deiner Weisung glücklich sein.
Herr, erbarme dich.
Du bist den Weg in den Tod gegangen.
Fromme Routinen hast du durchbrochen.
Hilf uns, auf dich unser Vertrauen zu setzen.
Christus, erbarme dich.
In unseren Köpfen wägen wir ab:
Leistungen und Gegenleistungen.
Schenke uns das Wunder der Barmherzigkeit.
Herr, erbarme dich.
Wir freuen uns über das Psalmwort:
„Die Befehle des Herrn sind gerade, *
sie erfüllen das Herz mit Freude.
Das Gebot des Herrn ist rein, *
es erleuchtet die Augen“
(Ps 19)
Herr, guter Gott,
du hast deinen Sohn in die Welt gesandt.
Herr, erbarme dich.
Er hat uns erlöst.
Christus erbarme dich.
Ihm dürfen wir nachfolgen.
Herr, erbarme dich.
Jesus Christus du rufst uns zu Umkehr und Neuanfang.
Herr erbarme dich.
Jesus Christus, du willst unseren inneren Wandel.
Christus erbarme dich.
Jesus Christus, du bist Richtschnur und Massstab.
Herr erbarme dich.
Der gute Gott befreie uns von Schuld und Sünde,
er schenke uns Frieden mit ihm und untereinander
und lasse uns einziehen in sein ewiges Reich. – Amen.
Jesus,
in deiner Sehnsucht nach aufrechter, mutiger und demütiger Gottesliebe begegnest du uns Menschen im Evangelium.
Herr erbarme dich.
Jesus,
in deiner Liebe zu Gott und den Menschen warst du bereit, Kreuz und Leid auf dich zu nehmen.
Christus erbarme dich.
Jesus,
in dir ist Gott gegenwärtig. Durch unsere Verbindung mit dir und dem Wirken des Heiligen Geistes sind auch wir zur Wohnung Gottes geworden.
Herr erbarme dich.
© Diakon Hans Wachter, Ausbildungsleiter für PAss der ED Wien j.wachter(at)edw.or.at
Herr, Jesus Christus, du konntest es nicht ertragen, dass das Haus deines Vaters marktschreierisch entehrt wurde.
Wir wissen oft gar nicht, wo unser „Zuhause“ im Glauben ist.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus, du suchtest den Weg in die Stille, um deinen Weg und Auftrag zu finden.
Wir haben oft gar kein Gespür mehr dafür, was Stille in uns freisetzten will.
Christus, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus, du bist achtsam auf die Menschen zugegangen und wusstest, was in ihrem Inneren vorgeht.
Wir gehen meist achtlos aneinander vorbei.
Herr, erbarme dich.
Gott, unser Vater,
du bist der Quell des Erbarmens und der Güte,
wir stehen als Sünder vor dir,
und unser Gewissen klagt uns an
Sieh auf unsere Not und lass uns Vergebung finden
durch Fasten, Gebet und Werke der Liebe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 3. Fastensonntag
Allherrschender Gott,
du schenkst uns im österlichen Geheimnis
jenes wunderbare Leben,
das die Welt unablässig erneuert.
Laß das Werk deiner Gnade in der Kirche mächtig werden
und gib ihr alles, was sie in dieser Zeit braucht.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Montag der 4. Fastenwoche
Allmächtiger Gott,
wir glauben und bekennen,
dass unser Herr Jesus Christus
für uns gestorben und auferstanden ist.
Erwecke auch uns
durch die Kraft des Heiligen Geistes
zum neuen Leben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 3 Freitag der Osterzeit
Dich, Gott, kennen wir als den Befreier
aus Unterdrückung, Engherzigkeit und Angst.
Wir danken dir für viele gute Wege,
auch für so manchen beschwerlichen Weg,
auf dem wir uns erfahren
und ausprobieren konnten.
Du führst Menschen auch durch die Wüste.
Um Geduld und Weitsicht bitten wir dich heute
und um Mut,
Hass und Unterdrückung zu wehren,
Frieden und Gerechtigkeit zu teilen
und den vielen Lügenmärchen
nicht auch noch freiwillig auf den Leim zu gehen.
Du lässt uns in einem Raum der Liebe leben,
in einem Tempel, nicht aus Steinen gemacht.
In Christus, unserem Herrn,
mit uns auf dem Weg
in die Ewigkeit. – Amen.
Guter Gott,
du willst, dass wir uns als Glaubende
in dieser Zeit der Umkehr auf das Wesentliche besinnen
und dir mit unserem ganzen Leben folgen.
Lenke unser Tun und Denken auf das,
was auf dem Weg zu dir wirklich zählt.
Mach uns offen für dein Wirken in dieser Welt,
das uns oft überrascht und unverständlich erscheint.
Darum bitten wir durch Jesus Christus. – Amen.
Jesus hat im Tempel aufgeräumt. Heiligen Geschäften ist er zu Leibe gerückt. Für ihn muss kein Mensch ein Opfer bringen.
Wir beten für Menschen, die auch heute noch zu Opfern gemacht werden, die als Bauernopfer dienen müssen, die aus einer Opferrolle nicht mehr heraus gelassen werden.
Hilf uns, die Zeichen zu sehen, die Jesus tat.
Wir beten für Menschen, die mit allem ihre Geschäfte machen, mit Hoffnungen, die in die Irre führen, mit fake news, die keine Wahrheit mehr kennen.
Hilf uns, die Zeichen zu sehen, die Jesus tat.
Wir beten für Menschen, die Rädern in die Speichen fallen, die Lügen entlarven, die sich auf die Seite der Opfer stellen.
Hilf uns, die Zeichen zu sehen, die Jesus tat.
Wir beten für Menschen, die in der Kirche Gemeinschaft gestalten, eine Heimat für kritische Zeitgenossen, eine Oase für müde und enttäuschte Menschen.
Hilf uns, die Zeichen zu sehen, die Jesus tat.
Wir beten für Menschen, die krank sind und alt, und für die, die ihnen zur Seite stehen.
Für Menschen, die sterben und für die, die ihren Weg begleiten.
Hilf uns, die Zeichen zu sehen, die Jesus tat.
Wir freuen uns über jeden Raum, in dem Menschen angenommen und geliebt werden.
Wir wollen selber Raum sein, in dem Gottes Name wohnt.
"Die Furcht des Herrn ist lauter, *
sie besteht für immer.
Die Urteile des Herrn sind wahrhaftig, *
gerecht sind sie alle.
Fürbitten für den 3. Fastensonntag / 3.3.2024
Für Christinnen und Christen ist Jesus der Weg, der zum Vater führt.
Ihn lasst uns bitten:
Um deinen Geist für alle, die durch die Verkündigung deiner Botschaft andere auf ihrem Weg zum Heil begleiten.
Um ein Miteinander von Politik und Zivilgesellschaft bei der Erhaltung der Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen zum Wohl der ganzen Schöpfung.
Um Stärke im Glauben an dein Erlösungswerk für alle, die sich derzeit auf ihre Taufe zu Ostern vorbereiten.
Um Weisheit beim Lesen der Bibel und um Erkenntnis, wie revolutionär deine Botschaft für die Menschheit ist.
Um die Überfülle deiner Barmherzigkeit und Liebe für unsere Verstorbenen.
Mit allen, die sich weltweit Sonntag für Sonntag zum Gottesdienst versammeln, bringen wir dir in der Einheit mit dem Vater und dem Hl. Geist unseren Dank und unser Lob dar. - Amen.
Guter Gott,
dein Sohn hat die Händler aus dem Tempel vertrieben. Er wollte, dass das Gotteshaus ein Ort der Andacht und des Gebetes ist.
Wir bitten dich:
Für die Verantwortlichen in unserer Kirche,
dass sie erkennen, wo die Kirche zum Ort seelenloser Gesetze und Riten geworden ist, und sich für notwendige Veränderungen einsetzen, damit die Option für Menschlichkeit und Nächstenliebe in den Vordergrund tritt.
Für die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft,
dass sie erkennen, wo das Festhalten an Regeln und Gewohnheiten für die Zukunft der Menschen schädlich ist, und sich trauen, notwendige Änderungen zu benennen und herbeizuführen.
Für alle Menschen, die erkennen, dass ihr Leben in einer Sackgasse angekommen ist,
dass sie den Mut haben aufzubrechen, neue Wege zu suchen, auch wenn sie steinig sind, und alle Mühen aushalten, die Veränderungen mit sich bringen.
Für alle Menschen, die andere in Krisensituationen begleiten, haupt- oder ehrenamtlich; in der Seelsorge und Psychotherapie, im Gesundheitswesen und im Umgang mit Kindern und Jugendlichen.
Verleihe ihnen Empathie und Mut, den ihnen anvertrauten Menschen neue Wege aufzuzeigen, und hilf ihnen, diese auch zu gehen.
Für alle Menschen, die ihr ganzes Leben in deinen Dienst gestellt haben.
Verzeihe ihre Fehler, belohne ihren Einsatz und segne ihren Weg mit dir.
Für alle Menschen, die Angst vor der Zukunft haben und die erkennen, wie rechte Populisten unser Miteinander und unsere Demokratie zu stören suchen.
Gib ihnen Mut und Kraft, nicht mehr zu schweigen, aufzustehen und sich Menschenfeinden entgegenzustellen, damit die Zukunft in unserem Land für alle lebenswert bleibt und die Spalter keinen Erfolg haben.
Für die Menschen, die ihren irdischen Weg bereits beendet haben.
Nimm sie auf in Dein Reich.
Guter Gott,
du hast uns in die Nachfolge Jesu berufen. Wir wissen, dass dies eine Lebensaufgabe ist und dass wir auch scheitern können. Du ermöglichst uns den Neuanfang. Bleibe bei uns auf unserem Weg.
Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Gott, du zeigst dich uns immer wieder auf neue und unerwartete Weise.
Vor dich tragen wir unsere Anliegen:
Wir bitten dich für alle Menschen, die in dieser Zeit der Umkehr erkennen müssen, dass vieles falsch in ihrem Leben gelaufen ist.
Lass sie nicht allein in ihrem Erschrecken, in ihrem Schmerz und in ihrer Trauer.
Schenke ihnen Mut zu einem Neuanfang.
Wir beten für alle, die Menschen in Krisensituationen begleiten. Wir denken an Ärzte, Psychologinnen, Seelsorgende.
Gib ihnen Weitsicht, Mut und Einfühlungsvermögen, gemeinsam mit den Hilfesuchenden neue, gangbare Lebenswege zu entdecken.
Wir denken auch an die Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Kirche.
Lass ihnen starke Propheten und Prophetinnen begegnen, die ihnen aufzeigen, wo sie dringend etwas aufzuräumen haben.
Gib den Verantwortlichen die Einsicht und die Kraft, notwendige Veränderungen auch durchzusetzen.
Wir hoffen, für alle Menschen, die das irdische Leben verlassen haben und auf einen Platz in deinem Reich hoffen.
Erweise du dich als der Vollender ihres Lebens, auf den sie immer gesetzt haben.
Guter Gott, du willst nicht, dass alles beim Alten bleibt, du willst alles neu machen und uns zu einem Leben in Fülle führen. Das ist manchmal ziemlich unbequem.
Auch wenn wir dich nicht immer begreifen, wir danken dir, dass du mit uns gehst. -
Durch Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Bruder. – Amen.
Du liebender, menschenfreundlicher Gott, du bist die Mitte und der Angelpunkt unserer Gemeinde. Bittend treten wir vor dich:
Als Gemeinde erheben wir unser Wort und beten für alle Menschen, die psychisch am Ende sind.
Hilf uns helfen, kreativ und mit einem Herzen voller Freude.
Als Gemeinde erheben wir unser Wort und beten für alle Menschen, die ihre Arbeit verloren haben.
Hilf uns helfen, Chanen zu ergreifen und Kontakte und Verbindungen zu nützen.
Als Gemeinde erheben wir unser Wort und beten für alle Menschen, deren Ehe oder Beziehungen zerbrochen ist.
Hilf uns helfen, wo Ermutigung und Nähe heilsam sein kann.
Als Gemeinde erheben wir unser Wort und beten für die Regierenden.
Lass sie das Wohl aller mehr im Blick haben als parteipolitische Interessen.
Und hilf uns helfen, wo wir das Gemeinwohl unterstützen können.
Als Gemeinde erheben wir unser Wort und beten für alle Verstorbenen.
Lass sie Wohnung finden bei dir in deinem Reich.
Und hilf uns den Trauernden helfen, Trost und Hoffnung zu finden.
Du liebender, menschenfreundlicher Gott,
du wohnst in uns und bist bereit, mit jedem Menschen den Weg des Lebens zu gehen.
Dafür danken wir dir und preisen dich alle Tage unseres Lebens. – Amen.
© Diakon Hans Wachter, Ausbildungsleiter für PAss der ED Wien j.wachter(at)edw.or.at
Beten wir zusammen um das Kommen des Reiches Gottes unter uns:
Um eine Kirche, die zum Zeichen deiner Gegenwart unter uns wird.
Um mehr Sensibilität in unserer Gesellschaft für die Gekreuzigten unserer Tage.
Um Aufmerksamkeit und Solidarität für alles, was die Menschen um uns zu einem erfüllten Leben brauchen.
Um einen klaren Blick auf die verschiedenen Götzen in unserem Leben.
Um deine Barmherzigkeit und Nähe für unsere Verstorbenen.
Dich Vater bitten wir, dass wir die Zeichen deiner Gegenwart erkennen und aus dir, unserer Mitte, leben und handeln
durch Christus, den du mit deiner Kraft vom ewigen Tod befreit hast, im Heiligen Geist. - Amen.
Barmherziger Gott,
befreie uns durch dieses Opfer von unseren Sünden
und schenke uns die Kraft, auch den Brüdern zu vergeben,
wenn sie an uns schuldig geworden sind.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Fastensonntag
Herrn, unser Gott,
im heiligen Opfer, das wir feiern,
nimm auch unsere Mühen an,
damit der äußere Verzicht,
den wir in diesen vierzig Tagen auf uns nehmen,
uns durch deine Gnade innerlich erneuere.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Donnerstag in der 2. Fastenwoche
Herr, unser Gott,
dieses heilige Opfer helfe uns,
daß wir den alten Menschen ablegen
und den neuen anziehen,
der nach deinem Bild geschaffen ist.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB
Barmherziger Gott, heilige diese Gaben.
Nimm das Opfer an,
das dir im Heiligen Geist dargebracht wird,
und mache uns selbst zu einer Gabe,
die für immer dir gehört.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 18. Sonntag im Jahreskreis
Ein Stück Brot ist uns, Herr, zu wenig –
wir wollen alles.
Ein Schluck Wein ist uns, Herr, zu dürftig –
wir wollen mehr.
So nehmen wir ein Stück Brot in die Hand
und heben den Kelch hoch.
Du sprichst das Wort, das verwandelt
Brot und Wein
Du schenkst uns alles,
du schenkst uns gar noch mehr als alles.
Du schenkst Dich.
Wir danken dir
für deinen Leib, für dein Blut.
Barmherziger Gott,
wir haben uns zum Lobe deines Namens
und zur Feier deiner Gegenwart um diesen Altar versammelt.
Mit den Gaben von Brot und Wein stärkst du uns
und machst uns fähig, umzukehren und uns neu auszurichten.
Dafür danken wir dir durch Christus unseren Herrn. – Amen.
Kehrvers
Singt dem Herrn, alle Lander der Erde,
singt dem Herrn und preist seinen Namen. (GL 54,1)
Guter und großer Gott,
wir kommen zu dir, um dir Dank zu sagen
und dir unseren Lobpreis darzubringen.
Du bist den Menschen nahe seit Anbeginn der Welt.
In dir leben wir, bewegen wir uns und sind wir.
Kehrvers
Mit dem Volk, das du dir erwählt hast,
hast du einen Bund geschlossen
und ihm durch Gebote den Weg gewiesen,
der zum wahren Leben führt.
Kehrvers
Als es dir einen Tempel errichtete,
um dich darin gebührend zu ehren
und dein Gedächtnis lebendig zu halten,
hast du ihn mit deiner Gegenwart erfüllt.
Kehrvers
In deinem Sohn Jesus von Nazareth
hast du auf neue Weise unter uns Menschen Wohnung genommen.
Er hat dir ein Haus aus lebendigen Steinen erbaut.
Darin bist du an allen Orten gegenwärtig,
wo Menschen dich im Geist und in der Wahrheit anbeten.
Kehrvers
Wir danken dir, dass wir durch die Frohe Botschaft
dich erkennen, dir begegnen und in deiner Gegenwart leben dürfen.
Mit allen Menschen, die mit aufrichtigem Herzen zu dir beten,
singen wir dir unser Lob.
Danklied, z. B. "Herr, unser Herr, wie bist du zugegen" (GL 414)
oder "Dein Lob, Herr, ruft der Himmel aus" (GL 381)
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen deinen heiligen Namen.
Denn jetzt ist die Zeit der Gnade,
jetzt sind die Tage des Heiles.
Du hilfst uns, das Böse zu überwinden,
du schenkst uns von neuem die Reinheit des Herzens.
Du gibst deinen Kindern die Kraft,
in dieser vergänglichen Welt
das unvergängliche Heil zu wirken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir dich
in deiner Kirche und vereinen uns
mit den Engeln und Heiligen zum Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig...
MB Fastenzeit 2
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen dich
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn durch seine Geburt
hat er den Menschen erneuert,
durch sein Leiden unsere Sünden getilgt,
in seiner Auferstehung den Weg zum Leben
erschlossen und in seiner Auffahrt zu dir
das Tor des Himmels geöffnet.
Durch ihn rühmen dich deine Erlösten und
singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 4
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken und deine Größe zu rühmen.
In jedem Haus des Gebetes wohnst du als Spender der Gnade,
als Geber alles Guten:
Denn du erbaust uns zum Tempel des Heiligen Geistes,
dessen Glanz im Leben der Gläubigen aufstrahlt.
Im sichtbaren Bau erkennen wir das Bild deiner Kirche,
die du zur Braut deines Sohnes erwählt hast.
Du heiligst sie Tag für Tag,
bis du sie, unsere Mutter, in die Herrlichkeit aufnimmst
mit der unzählbaren Schar ihrer Kinder.
Darum preisen wir dich in deiner Kirche
und vereinen uns mit allen Engeln
und Heiligen zum Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Kirchweihe 2
Wir verkündigen Christus als den Gekreuzigten,
Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit
(1 Kor 1,23)
Oder:
Christus spricht:
Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben
und es in Fülle haben.
(Joh 10,10)
Oder:
Selig, die wohnen in deinem Haus,
die dich allezeit loben.
(Ps 84,5)
weck uns auf
lebendiger Gott
aus dem Schlaf der Sicherheit
weck uns auf
aus der Faulheit des Denkens
weck uns auf
aus dem Schlaf der Selbstgenügsamkeit
weck uns auf
aus der Dürre der Phantasie
weck uns auf
aus der Blindheit des Egoismus
weck uns auf
aus der Feigheit der Sünde
weck uns auf
aus dem Tod der Hoffnung
weck uns auf
aus dem Tod der Liebe
weck uns auf
Herr und Gott,
du hast uns mit dem Brot des Himmels gesättigt
und uns in dieser Speise
ein Unterpfand dessen gegeben,
was unseren Augen noch verborgen ist.
Lass in unserem Leben sichtbar werden,
was wir im Sakrament empfangen haben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Fastensonntag
Dienstag der 1. Woche
Allmächtiger Gott,
du hast uns von den alten
zu den neuen Zeichen des Heils hinübergeführt.
Lass uns die Gewohnheiten des alten Menschen ablegen
und neu werden in Heiligkeit und Gerechtigkeit.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Freitag der 4. Woche der Fastenzeit
Herr, unser Gott,
das heilige Opfer, das wir gefeiert haben,
bleibe in uns wirksam
und bestimme unser ganzes Leben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Donnerstag der Fastenzeit
Wir gehen wieder nach Hause
Dir, Gott, danken wir für die Gebote,
die uns in die Freiheit führen,
für Christus, deine Kraft und deine Weisheit,
für den Aufruhr im Tempel.
Bewahre uns davon,
uns in Äußerlichkeiten zu verlieren,
dem schönen Schein zu huldigen
und uns in falscher Sicherheit zu wiegen.
Schenke uns vielmehr die Kraft,
mutig dazwischen zu fahren,
wenn Menschenrecht und Menschenwürde
mit Füßen getreten werden.
Auf deiner Seite wollen wir leben.
In Christus, der uns freigemacht hat
von Tod und Teufel. – Amen.
Guter Gott,
du willst nicht, dass wir große Taten vollbringen,
sondern unser Leben im Licht des Glauben gut und redlich führen.
Dazu lenkt uns dein Wort und
stärkt uns das Sakrament deiner Gegenwart.
Führe uns auf diesem Weg durch die Zeit der Neubesinnung
und lass uns das Osterfest mit frohem Herzen feiern.
Das erbitten wir durch Christus unseren Herrn. – Amen.
Jesus, du sendest uns aus,
von diesem Ort
in unser Leben, in unseren Alltag.
Aber du gehst mit uns.
Hilf uns, unsere Aufgabe und Sendung zu erfüllen.
Hilf uns, alles zu deiner größeren Ehre tun,
sei es in Worten,
sei es in Gedanken,
sei es Werken der Liebe.
Komm in diese Welt,
auch durch uns. Amen.
Jesus,
wir wollen sie leben - deine Gebote
wir wollen wie weitertragen - deine Liebe
wir wollen sie zeigen - deine Werte
Jesus,
du sendest uns aus - wie einst deine Jünger
du sendest deine Heiligen Geist als Beistand - wie einst zu deinen Jüngern
wir wollen dich verkünden - in Wort, aber mehr in Tat,
dass dein Wort Fleisch werde - wie einst durch deine Apostel.
Dazu segne uns jetzt.
Den Griechen in Korinth erschloss sich die neue Religion, die Paulus predigte, genauso wenig wie den Juden. Ein Gott, der seinen Sohn ermorden lässt, ein Gott, der sich ans Kreuz nageln lässt, ein solcher Gott war etwas Unerhörtes, etwas Neues. Einen Gott, der scheitert anstatt zu triumphieren, hat die Welt bis dahin nicht gesehen. Dieser Gott war jedoch auch ein Gott der Auferstehung. Diese Spannung zwischen Ohnmacht und Macht, Leid und Triumpf ist kaum aushaltbar, nicht rational erklärbar. Diese Spannung war so weit weg von allen bisherigen Gotteserfahrungen, dass sie nicht richtig sein konnte.
Genau das ist es aber, was unseren Glauben ausmacht: die Spannung zwischen dem Göttlichen und dem Menschlichen, zwischen Allmacht und Ohnmacht: Ein Gott, der als Verbrecher am Kreuz erbärmlich gestorben ist und der nach drei Tagen doch triumphal auferstanden ist.
Ein Gott, der seinen menschlich-göttlichen Sohn geopfert hat. Da braucht es keine weiteren Opfergaben mehr. Ein wahrer Gott und Mensch zugleich, der konsequent den Tod auf sich nimmt, obwohl es Auswege gegeben hätte. Er ist das das ultimative Opfer. Da braucht man keine Menschenopfer und auch keine Tieropfer mehr. Gott will das nicht. Er will Hingabe, Liebe, Glauben und Vertrauen.
Da ist es nur konsequent, dass Jesus die Händler aus dem Tempel treibt. Sie sind nicht notwendig, Tieropfer sind überflüssig, Gott will keine Opfer. Die Liebe zu Gott definiert sich nicht über den Einkauf des richtigen Opfertieres, über die Größe, über das, was man sich leisten kann. Ein Andachtsort sollte der Tempel sein, Ort der Anbetung. Stattdessen war er stinkender Marktplatz. Alles, was dort verkauft wurde, war überflüssig. Auf die innere Haltung kommt es an, auf die Ehrlichkeit in Gebet und Vertrauen. Ein Tempel, eine Kirche wird nicht durch Äußerlichkeiten zum Haus Gottes, sondern durch das Gebet der Gläubigen. Das wollte Jesus wiederherstellen, zugleich wollte er die Oberflächlichkeit entlarven.
Auch wir laufen heute in Gefahr, uns an Äußerlichkeiten festzuhalten. An Ritualen, deren Sinn nur mehr wenige verstehen, an Gesetzen, die einengen anstatt die Freiheit des Glaubens zu stärken. Machen wir uns frei davon. Gebet und Vertrauen und Nächstenliebe und Caritas müssen einander befruchten. Dann ist unser Glaube ehrlich. Unabhängig davon, was wir in den Klingelbeutel werfen, unabhängig davon, wie andere uns in der Kirche wahrnehmen: auf unser Inneres kommt es an.
Libreria Editrice Vaticana am 10. Januar 2024
Gottes-Gebot
wird
Menschen-Gebot
wird zum
Liebesgebot
nicht um zu fesseln
zu unterwerfen
einzuengen
klein zu machen
zu versklaven
sondern
groß zu machen
frei zu machen
Weite zu geben
wenn ich jedem gebe
wenn jeder mir gibt
wenn wir uns geben
dann
entsteht
eine Welt
wie sie Gott gefällt
in der wir
frei und mit Zukunft
LEBEN
möglich machen
und
dieses Liebesgebot
spiegeln wir dankend
und liebend
zurück
an den
der es schuf
nicht
aus Pflicht
geben es zurück
zum Schöpfer dieser „Ordnung“
zurück an
GOTT
und so verflechten sich
GOTT und MENSCH
zur
GOTT-MENSCH-
MENSCH-GOTT-LIEBE
die alles umfängt
in der alles geborgen ist.
Beatrix Senft

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
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Schneller am Ziel
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Der Überlieferung nach hat Mose die Gebote in zwei Tafeln bekommen: die erste Tafel widmet sich dem Gottesverhältnis, die zweite den menschlichen Beziehungen. Das steht allerdings nicht nebeneinander, sondern wird von einer Klammer zusammengehalten, die am Anfang der Reihe vorgegeben wird: "Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat...". Die 10 Gebote fügen zusammen, wie die Freiheit, die Gott gewährt und in geschichtlichen Erfahrungen wahrnehmbar macht, erhalten wird. Die Zusage Jahwes, "dein Gott" zu sein, führt die Gemeinschaft in Freiräume, die bewahrt und gestaltet werden sollen. Die sehr einfachen und eingängigen Formulierungen mit "Du sollst nicht" markieren Grenzen. Wesentliche Erfahrungen hat Israel in Ägypten gemacht. Es wird als "Sklavenhaus" in Erinnerung gerufen, bleibt aber auch als Versuchung präsent. Vor dem "du sollst nicht" steht: "Ich bin Jahwe...".
In den Evangelien legt Jesus das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe in diesem Horizont aus.
Wer ist mit !du" angesprochen? Das Volk Israel? Der einzelne Israelit? Für die jüdische Auslegung und Tradition steht jede Generation neu am Sinai und empfängt die Gebote. Das ist im Präsens zu erzählen. Die Vergangenheit ist Gegenwart und Zukunft.
Wenn die 10 Gebote in "Werte" verwandelt und als "Werte" beschworen werden, geht der große und konstitutive Zusammenhang mit der Befreiung aus dem Sklavenhaus verloren. Die 10 Gebote aber sind nicht "Werte", sondern Heilsgeschichte, sie sind nicht einfach "zeitlos", sondern "rechtzeitig" in der Geschichte.
In der Mitte, die die Gottesbeziehung und die Beziehung unter den Menschen (und der ganzen Schöpfung!) verbindet, steht die Ruhe Gottes und das Halten des Sabbats. In der priesterschriftlichen Schöpfungsgeschichte (Gen 1,1 - 2,3) ist nicht der Mensch (womöglich der "Mann") die Krone der Schöpfung, sondern die Ruhe Gottes am 7. Tag. Die 10 Gebote kreisen um die Vollendung der Schöpfung.
Die Struktur des "Zehnwortes" stellt eine sehr gedrängte Anordnung von Geboten dar, die in 2 Teile geteilt ist: 20,2-6 (Jahwerede) und 20,7-17 (Jahwe in der dritten Person angesprochen; knappe Verbote; apodiktisch formuliertes Recht).
Die Einleitung des Dekalogs in Ex 20,2 bindet Glauben und Leben zusammen. Gott verweist auf die Befreiungstat, die allem Tun des Volkes vorausgeht.
Die nun folgenden Gebote sollen die Erhaltung der gewonnenen Freiheit sichern. Israels Treue ist Antwort auf das gnädige Tun seines Gottes, nicht Bedingung zur Erlangung der Gnade.
Das 1. Gebot ist das grundlegendste: keine anderen Götter!
Das 2. Gebot verbietet den Mißbrauch des Namens Jahwes.
Der Name ist Ausdruck von Wesen und Eigenart einer Person; die Kenntnis des Namens bringt eine gewisse Macht über den Namensträger.
Das 3. Gebot (Sabbatgebot Verse 8-11) wird hier in Ex 20 mit dem Abschluß des Schöpfungswirkens Gottes und seiner Ruhe am siebten Tag begründet. Im Gegensatz dazu wird in Dtn 5 der Sabbat mit der Erfahrung der Befreiung aus Ägypten motiviert. Die Vorlage zu diesem Gebot findet sich in Ex 23,12. Dieses Gebot soll den Menschen und die Tiere vor Ausbeutung schützen.
Das 4. Gebot (Elterngebot ) ist das erste der "sozialen" Gebote und eröffnet die "zweite Tafel". Dieses Gebot gilt für die erwachsenen Israeliten, die ihre Eltern im Alter schützen sollen. Es zielt auch nicht so sehr auf Gehorsam als vielmehr auf Respekt. Dabei fällt auf, daß Vater und Mutter gleichberechtigt nebeneinander stehen, was im kulturellen Umfeld der Bibel keine Selbstverständlichkeit darstellt.
Die Verse 13-15 enthalten in einer äußerst kurzen, objektlosen Verbotsreihe eine Absage an schwerwiegende Vergehen gegen das Zusammenleben in einer Gemeinschaft:
- Verbot des nicht durch Recht gedeckten, gewaltsamen Tötens;
- Verbot des Ehebruchs (nicht irgendwelche sexuelle Verfehlungen) und Schutz der Unantastbarkeit der Ehe;
- Verbot des Diebstahls und Menschenraubs;
- Wahrheitsgebot
- und Verbot des "Begehrens" von fremdem Gut.
“Das rabbinische Judentum und der Talmud verteilen Ex 20,2 12 als I – V auf die erste und Ex 20,13 17 als VI – X auf die zweite Tafel. Sie zählen den Prolog als erstes Wort, fassen Fremdgötter und Bilderverbot als zweites zusammen und müssen dann die beiden Verbote des Begehrens als ein Wort zählen, um bei der Zehnzahl zu bleiben. Die Worte der ersten Tafel (vom Prolog bis zur Ehrung der Eltern) ordnen das Verhältnis zu Gott, die der zweiten Tafel das zum Nächsten.
Das hellenistische Judentum, Philo und Josephus sowie die Alte Kirche, aber auch die Griechisch Orthodoxen, die Reformierten und die Anglikaner nehmen die Selbstvorstellung Gottes für sich und stellen sie als Prolog voran. Sie zählen Fremdgötter und Bilderverbot als erstes und zweites Gebot und müssen dann gleichfalls die beiden Verbote des Begehrens zusammenlegen. Sie ordnen beide Tafeln zu 4 + 6 bzw. – sofern sie das Gebot der Elternehrung zur ersten Tafel rechnen – zu 5 + 5 Geboten (Gott und Welt).
Origenes, Augustinus, die römisch katholische Kirche und Luther verbinden entweder Fremdgötter und Bilderverbot zum ersten Gebot (Augustinus) oder streichen das Bilderverbot ganz (Luther; s.u.), müssen dann jedoch das Verbot des Begehrens in zwei zerlegen, um auf die Zehnzahl zu kommen. Am einflussreichsten ist die Disposition Augustins geworden, der die Gebote mit Hilfe des Doppelgebots der Liebe (Mk 12,29-31) ordnet: In I – III (Fremdgötter – Sabbat) gehe es um die Liebe zu Gott, in IV – X (Eltern – Begehren) um die Liebe zum Nächsten.”
(https://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/dekalog zehn gebote at/ch/d55ad4d04f1c97231ac8857632cf1c67/)