Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem zweiten Buch der Chronik.
In jenen Tagen
begingen alle führenden Männer Judas
und die Priester und das Volk viel Untreue.
Sie ahmten die Gräueltaten der Völker nach
und entweihten das Haus,
das der Herr in Jerusalem zu seinem Heiligtum gemacht hatte.
Immer wieder hatte der Herr, der Gott ihrer Väter,
sie durch seine Boten gewarnt;
denn er hatte Mitleid mit seinem Volk und seiner Wohnung.
Sie aber verhöhnten die Boten Gottes,
verachteten sein Wort
und verspotteten seine Propheten,
bis der Zorn des Herrn gegen sein Volk so groß wurde,
dass es keine Heilung mehr gab.
Die Chaldäer verbrannten das Haus Gottes,
rissen die Mauern Jerusalems nieder,
legten Feuer an alle seine Paläste
und zerstörten alle wertvollen Geräte.
Alle, die dem Schwert entgangen waren,
führte Nebukadnézzar in die Verbannung nach Babel.
Dort mussten sie ihm und seinen Söhnen als Sklaven dienen,
bis das Reich der Perser zur Herrschaft kam.
Da ging das Wort in Erfüllung,
das der Herr durch den Mund Jeremías verkündet hatte.
Das Land bekam seine Sabbate ersetzt,
es lag brach während der ganzen Zeit der Verwüstung,
bis siebzig Jahre voll waren.
Im ersten Jahr des Königs Kyrus von Persien
sollte sich erfüllen,
was der Herr durch Jeremía gesprochen hatte.
Darum erweckte der Herr
den Geist des Königs Kyrus von Persien
und Kyrus ließ in seinem ganzen Reich
mündlich und schriftlich den Befehl verkünden:
So spricht Kyrus, der König von Persien:
Der Herr, der Gott des Himmels,
hat mir alle Reiche der Erde verliehen.
Er selbst hat mir aufgetragen,
ihm in Jerusalem in Juda ein Haus zu bauen.
Jeder unter euch, der zu seinem Volk gehört
— der Herr, sein Gott, sei mit ihm —,
der soll hinaufziehen.
Lesung aus dem zweiten Buch der Chronik.
In jenen Tagen
begingen alle führenden Männer Judas
und die Priester und das Volk viel Untreue.
Sie ahmten die Gräueltaten der Völker nach
und entweihten das Haus,
das der Herr in Jerusalem zu seinem Heiligtum gemacht hatte.
Immer wieder hatte der Herr, der Gott ihrer Väter,
sie durch seine Boten gewarnt;
denn er hatte Mitleid mit seinem Volk und seiner Wohnung.
Sie aber verhöhnten die Boten Gottes,
verachteten sein Wort
und verspotteten seine Propheten,
bis der Zorn des Herrn gegen sein Volk so groß wurde,
dass es keine Heilung mehr gab.
Der HERR ließ nun den König der Chaldäer gegen sie heranziehen.
Dieser tötete ihre jungen Krieger in ihrem Heiligtum mit dem Schwert
und verschonte keinen jungen Mann und keine junge Frau,
keinen Greis und Betagten;
alle gab Gott in seine Hand.
Nebukadnezzar ließ die großen und kleinen Geräte des Hauses Gottes,
die Tempelschätze und die Schätze des Königs und seiner hohen Beamten
insgesamt nach Babel bringen.
Die Chaldäer verbrannten das Haus Gottes,
rissen die Mauern Jerusalems nieder,
legten Feuer an alle seine Paläste
und zerstörten alle wertvollen Geräte.
Alle, die dem Schwert entgangen waren,
führte Nebukadnézzar in die Verbannung nach Babel.
Dort mussten sie ihm und seinen Söhnen als Sklaven dienen,
bis das Reich der Perser zur Herrschaft kam.
Da ging das Wort in Erfüllung,
das der Herr durch den Mund Jeremías verkündet hatte.
Das Land bekam seine Sabbate ersetzt,
es lag brach während der ganzen Zeit der Verwüstung,
bis siebzig Jahre voll waren.
Im ersten Jahr des Königs Kyrus von Persien
sollte sich erfüllen,
was der Herr durch Jeremía gesprochen hatte.
Darum erweckte der Herr
den Geist des Königs Kyrus von Persien
und Kyrus ließ in seinem ganzen Reich
mündlich und schriftlich den Befehl verkünden:
So spricht Kyrus, der König von Persien:
Der Herr, der Gott des Himmels,
hat mir alle Reiche der Erde verliehen.
Er selbst hat mir aufgetragen,
ihm in Jerusalem in Juda ein Haus zu bauen.
Jeder unter euch, der zu seinem Volk gehört
— der Herr, sein Gott, sei mit ihm —,
der soll hinaufziehen.
Kv: Wie könnte ich dich je vergessen, Jerusalem! – Kv
Oder GL 74,1
An den Strömen von Babel, /
da saßen wir und wir weinten, *
wenn wir Zions gedachten.
An die Weiden in seiner Mitte *
hängten wir unsere Leiern. – (Kv)
Denn dort verlangten, die uns gefangen hielten, Lieder von uns, /
unsere Peiniger forderten Jubel: *
„Singt für uns eines der Lieder Zions!“
Wie hätten wir singen können die Lieder des Herrn, *
fern, auf fremder Erde? – (Kv)
Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem, *
dann soll meine rechte Hand mich vergessen.
Die Zunge soll mir am Gaumen kleben, /
wenn ich deiner nicht mehr gedenke, *
wenn ich Jerusalem nicht mehr erhebe zum Gipfel meiner Freude. – Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Ephesus.
Schwestern und Brüder!
Gott, der reich ist an Erbarmen,
hat uns, die wir infolge unserer Sünden tot waren,
in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat,
zusammen mit Christus lebendig gemacht.
Aus Gnade seid ihr gerettet.
Er hat uns mit Christus Jesus auferweckt
und uns zusammen mit ihm
einen Platz in den himmlischen Bereichen gegeben,
um in den kommenden Zeiten
den überfließenden Reichtum seiner Gnade zu zeigen,
in Güte an uns durch Christus Jesus.
Denn aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet,
nicht aus eigener Kraft
— Gott hat es geschenkt —,
nicht aus Werken,
damit keiner sich rühmen kann.
Denn seine Geschöpfe sind wir,
in Christus Jesus zu guten Werken erschaffen,
die Gott für uns im Voraus bestimmt hat,
damit wir mit ihnen unser Leben gestalten.
Der Brief an die Gemeinde in Ephesus (Eph) zeigt sehr viele Ähnlichkeiten mit dem Brief an die Kolosser (Kol), die sich nur dadurch wirklich erklären lassen, dass man davon ausgehet, dass der Epheserbrief vom Kolosserbrief abhängig ist. Der Verfasser bearbeitet seine Vorlage aber sehr selbständig, bringt neue Teile und neue theologische Zielsetzungen ein.
Als eine Art Rundschreiben, das mehr auf das "Grundsätzliche" bezogen ist als der Kolosserbrief, war er eher für einen größeren Adressatenkreis bestimmt.
Der Brief unterteilt sich in zwei Abschnitte: ein theologischer Teil, der sehr zentrale Themen wie Tauf- und Erlösungstheologie, Einheit von Juden und Heiden und Gemeinde ausführt und ein Teil, in dem sich praktische Ermahnungen anschliessen, darunter auch eine immer wieder gern gebrauchte "Ehebelehrung" (5,21-33).
Nach einem doppelt ausgeführten Einleitungsteil im ersten Kapitel stellt der Verfasser die Konsequenzen des Heilhandelns Gottes für den einzelnen dar. Mit einer Art Negativfolie, die er an den Anfang stellt um die Ursprungssituation des Mensch zu zeigen, versucht er die Wirkung der Gnade Gottes zu zeigen. Gnade, griech. charis, steht für den überfließenden Reichtum der Liebe und Zuwendung Gottes, die nicht verdient oder durch Leistung erkauft werden kann, sondern deren wesentliches Merkmal es ist, dass sie geschenkt ist. Als Geschenk aber wieder ist nicht aufgezwungen, sondern kann angenommen oder abgelehnt werden. Im Glauben, der im Bekenntnis bezeugt und in der Taufe besiegelt wurde, geschieht die Annahme dieses Geschenkes.
Es deutlich sichtbarer Unterschied zur Theologie des Paulus zeigt sich hier in der sehr präsentischen Auffassung dieses Heilsgeschehens. Für den Verfasser des Epheserbriefes ist für den Getauften die Auferweckung und Rettung schon geschehen, dazu kommt noch ein eigenartiges Weltbild, das Erde und Himmel unterscheidet und in verschiedene Schichten teilt. Die von Gott geretteten gehören schon zum himmlischen Teil und sind den Mächten des irdischen Teils nicht mehr ausgesetzt. Dieses Verständnis hat Ähnlichkeit mit einem gnostischen Weltbild, das die Welt nicht wie im antiken Denken sonst üblich als dreigeteilt in Himmel, Erde und Unterwelt sieht, sondern stark dualistisch, zweigeteilt, geprägt ist: Himmel und Erde, Gut und Böse, Licht und Finsternis, oben und unten, lebendig und tot...; die trennende Mauer dazwischen kann nur mit der Hilfe eines Erlösers überwunden werden.
Der Epheserbrief versucht mit Hilfe dieser, aber schon verchristlichten Ideen, das Heilsgeschehen verständlich zu machen.
Die Kirche ist der Raum, der in beide Sphären hineinragt. In ihr ist das Heil schon gegenwärtig und von ihr ausgehend wird auch die Erde, der Kosmos mit heilerfüllt. Trotzdem sind die Gläubigen, die zur Kirche gehören, deren Haupt Christus ist, für den Autor des Epheserbriefes noch nicht am Ziel, trotz der Gegenwärtigkeits des Heils, oder vielleicht gerade deswegen, sind sie Angriffen ausgesetzt, in den sie sich bewähren müssen.
Die "irdischen" Auswirkungen der schon geschehen Rettung, ist diese Bewährung, die durch den Glauben und die Gnade sicher ist und die guten Werke.
Lob dir, Christus, König und Erlöser! – Kv
So sehr hat Gott die Welt geliebt,
dass er seinen einzigen Sohn hingab,
damit jeder, der glaubt, in ihm das ewige Leben hat.
Lob dir, Christus, König und Erlöser!
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit sprach Jesus zu Nikodémus:
Wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat,
so muss der Menschensohn erhöht werden,
damit jeder, der glaubt,
in ihm ewiges Leben hat.
Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt,
dass er seinen einzigen Sohn hingab,
damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht,
sondern ewiges Leben hat.
Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt,
damit er die Welt richtet,
sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.
Wer an ihn glaubt,
wird nicht gerichtet;
wer nicht glaubt, ist schon gerichtet,
weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes
geglaubt hat.
Denn darin besteht das Gericht:
Das Licht kam in die Welt,
doch die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht;
denn ihre Taten waren böse.
Jeder, der Böses tut,
hasst das Licht
und kommt nicht zum Licht,
damit seine Taten nicht aufgedeckt werden.
Wer aber die Wahrheit tut,
kommt zum Licht,
damit offenbar wird,
dass seine Taten in Gott vollbracht sind.
Das Gericht Gottes ist anders als das menschliche Gerichtswesen. Gott verurteilt das Böse, er will jedoch den Menschen zu einem neuen Leben führen, in dem er die Schuld nicht zu verdrängen braucht.
Im heutigen Evangelium werden zwei Vorstellungen vom Gericht Gottes beschrieben, die sich vom heutigen, landläufigen Verständnis der Gerichtsbarkeit unterscheiden. Wir verstehen unter dem Gericht eine Instanz, die mutmaßliche Täter und Täterinnen ihrer bösen Taten überführt und über sie dann die festgesetzte Strafe verhängt. So soll Gerechtigkeit hergestellt und Wiedergutmachung gewährleistet werden. Die wesentliche Aufgabe von Gerichten ist also die Verurteilung und Bestrafung von Übeltäter:innen.
Diese Vorstellung wurde auch auf Gott und sein Gericht übertragen. Dass Gott Richter sein muss, kommt aus der unerträglichen Erfahrung, dass Täter und Täterinnen ungestraft davonkommen und ihre Opfer dann die „Dummen“ sind. Letztendlich muss deshalb Gott für Gerechtigkeit sorgen, wenn schon wir es nicht können. Mit dieser Vorstellung von Gott als Richter wurden auch die Erwartungen von Verurteilung und Bestrafung in das Gottesbild eingetragen. So sind Bibelstellen, wie die heutige untergegangen und wenig beachtet worden.
Im heutigen Evangelium wird sehr klar gesagt, dass Gottes Gericht nicht in der Verurteilung und Bestrafung der Schuldigen besteht, sondern in deren Rettung. Gott hat für jede Person, nach der Feststellung ihrer Schuld ein Gnaden- und Vergebungsangebot. Gott hat kein Interesse daran, dass Täter und Täterinnen verloren gehen, ewig bestraft werden, in der Hölle landen. Gottes Gericht besteht in einem Versöhnungs- und Gnadenangebot für die zur Rechenschaft Gezogenen, um sie zu retten und zu heilen.
Das andere hier verwendete Bild vom Gericht ist das vom Licht. Es kommt aus der Erfahrung, dass sich nicht alle Schuldigen freudig diesem rettenden Gott zuwenden und ihre Schuld zugeben und bereuen, im Vertrauen auf seine Gnade. Sehr realistisch wird beschrieben, dass Menschen bestrebt sind böse Taten zu vertuschen, abzustreiten und zu verleugnen. Man schämt sich, will die Verantwortung nicht übernehmen oder hat zu wenig Schuldbewusstsein. Man breitet die Decke des Schweigens über böse Taten, bringt die Opfer des Fehlverhaltens außer Sichtweite oder versteckt sich vor denen, die etwas mitbekommen haben könnten.
So bleiben Menschen auf ihrer Schuld sitzen, leben im Dunkel der Angst erwischt und zur Rechenschaft gezogen zu werden und das Klima des Zusammenlebens wird vergiftet. Das gilt nicht nur für schwere Verbrechen oder den Bruch der zehn Gebote. Es gilt auch und viel häufiger für unsoziales Verhalten. Menschen schotten sich ab von der Not der anderen, wollen sie nicht wahrhaben oder relativieren sie mit Vorurteilen und falschen Schuldzuweisungen. Jeder ist sich selbst der oder die Nächste, sind sie überzeugt, und: „mir wird ja auch nichts geschenkt“. Das rückt die Armen und sozial Bedürftigen aus der Wahrnehmung der Gesellschaft und hält sie im Schatten ihrer prekären Existenz gefangen, macht sie unsichtbar.
So wie es ein Lied von Berthold Brecht ausdrückt: „Die einen leben im Dunkeln - von Armut, Ausgrenzung und Vorurteilen -, die anderen sind im Licht. Und man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht, man nicht.“
Beide Menschengruppen sitzen dann im Dunkeln eines hartherzigen, kalten, unsozialen Klimas in der Gesellschaft fest. Jene, die sich unsozial verhalten, müssen Zeit und Energie aufwenden, um sich von den sozial Bedürftigen abzuschotten und Argumente für ihre Verweigerung von Hilfe zu finden. Und die Bedürftigen fühlen sich oft wehrlos, gedemütigt und nicht ernst genommen, besonders dann, wenn ihre schlechte Lage Resultat unsozialer Strukturen und nicht persönlicher Schuld ist.
Das heutige Evangelium will uns aufrütteln. Es will uns einladen an die rettende und vergebende Liebe Gottes zu glauben. Es sagt uns zu, dass Gott uns durch das Leben und Sterben Jesu schon vergeben hat und wir daher von ihm nichts zu befürchten haben, wenn wir aus dem Dunkel unserer Schuld ins Licht seiner Gnade kommen.
Jederzeit ist Umkehr möglich, auch die Umkehr zu sozialer Empathie und Hilfswilligkeit für die Bedürftigen. Und wenn unser Verhalten sozialer wird und wir alle Mitmenschen wahrnehmen, kann es viel heller und wärmer werden in unserer Gesellschaft. Denn dann kommen nicht nur wir in das Licht der göttlichen Barmherzigkeit, sondern auch das Leben der Bedürftigen wird heller, weil sie Anteilnahme, Anerkennung und Hilfe bekommen.
Gott möchte, dass es hell wird in der Welt, er bietet Vergebung und Versöhnung an, aber er will uns nicht zwingen, uns darauf einzulassen.
Trotzdem oder gerade deshalb versucht uns die Fastenzeit und dieses Evangelium daran zu erinnern, dass Gottes Gericht anders ist als weltliche Gerichte. Wir werden eingeladen uns auf seine Barmherzigkeit zu verlassen und umzukehren damit es wärmer und heller wird in der Gesellschaft.
© Dorothea Schwarzbauer Haupt, Diözese Linz.
In wenigen Versen fasst das Evangelium des vierten Fastensonntags die Sendung Jesu zusammen. Er ist gekommen, um Licht und Freude in unser Leben zu bringen. Wir sind berufen, dieses Licht leuchten zu lassen.
Anlass zur Freude! Heute feiern wir den Sonntag „Laetare“: Rettung und Erlösung ist uns trotz Sünde und Dunkelheiten in unserem Leben zugesagt, weil Gott die Welt, aber auch jeden einzelnen von uns, so sehr liebt. Die Lesungen führen uns von der Dunkelheit ins Licht.
Was wir am Beginn der ersten Lesung zu hören bekommen, macht traurig, stimmt nachdenklich: Veruntreuung und Entweihung des Tempels, Missachtung heiliger Einrichtungen, Propheten werden verspottet, sittenloser Lebensstil durch alle gesellschaftlichen Bereiche. Eine wahrhaft verfahrene Situation, die die Dunkelheit des damaligen Lebens erschreckend deutlich darstellt.
Von Dunkelheiten des Lebens bleiben auch wir nicht verschont. Auch heute befinden wir uns in einer sehr verworrenen gesellschaftlichen Situation. Dazu kommen noch persönliche Dunkelheiten, teilweise selbst verursacht oder auch von außen kommend. Wir erwarten positive Lösungen, Befreiung von vielen Nöten, wenn schon nicht von allen.
In der damaligen Situation setzte Gott ein Zeichen durch den Perserkönig Kyros. Er wird zum Werkzeug Gottes. Ein Fremder rettet das treulose Volk Gottes. Es ist ein König, der wahrscheinlich noch nie von JHWH gehört hat. So etwas Ähnliches können wir auch in unserem Leben erfahren, vor allem dann, wenn fremde gut meinende Personen Warnungen aussprechen. Sei vorsichtig, tu' das nicht! Die Folgen deiner Handlung könnten unangenehme Folgen haben. Wie oft sagen das Eltern ihren Kindern, aber auch Erwachsene sprechen Warnungen aus. Manchmal haben Fremde mehr Einfluss auf das Verhalten als Verwandte oder gute Freunde. Man übersieht, bzw. schaut großzügig drüber hinweg, was man sich einbrocken könnte. Die Folgen sind Ausgrenzung, Ablehnung.
In diese Dunkelheit kommt Helle. Das ist Gnade als liebende Zuwendung, Hilfsbereitschaft durch Menschen durch empathische Menschen. Gnade wird uns zugesagt durch die göttliche Dreifaltigkeit. Als Grund zur Freude. Das wäre der Inhalt der zweite Lesung.
Ganz konkret wird es im Evangelium. Die Textstelle ist so kurz, sodass nur schwer deutlich wird, worum es geht. Wir hören von diesem Nachtgespräch zwischen Jesus und Nikodemus nur sieben Verse. Nikodemus, ein Ratsherr, ein Prominenter der damaligen Gesellschaft, kommt in der Nacht zu Jesus mit vielen Fragen und auch manchem Zweifel. Er kommt in der Nacht, um nicht gesehen und beobachtet zu werden, eine Vorsichtsmaßnahme.
Die Nacht steht aber auch als Symbolkraft für die Lebenssituation des Nikodemus, die für ihn dunkel ist. Er will aus dieser Dunkelheit herauskommen und Orientierung finden, Licht als Lebenslicht. Für sein weiteres Leben sucht und erhofft sich Nikodemus eine Lösung. Das Resultat dieses Gesprächs: „Wer glaubt, ist schon gerettet.“ Nach diesem Gespräch hat sich in seinem Leben vermutlich einiges geändert.
„Aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft“ (Eph 2,8), so die zweite Lesung. Die Bergpredigt stellt kategorisch fest: „Ihr seid das Licht der Welt“ (Mt 5,14). Christen sollen in diese dunkle Welt Licht bringen, Orientierung für andere sein, die sich in dieser Welt nicht zurechtfinden. Unser Lebenslicht soll sich mit Jesus verbinden, auch damit wir aus unserer persönlichen Dunkelheit herausfinden, auf die Liebe Gottes vertrauen, unsere Sorgen und Lasten, die diese Dunkelheiten ausmachen, im Gebet zu besprechen.
Ein Engelchor in Goethes Faust II ruft den Zweiflern und Irrenden zu: „Wer immer strebend bemüht ist, den können wir erlösen.“ Strebendes Bemühen ist Mitarbeit auch in Glaubensfragen, sich mit der Bibel beschäftigen, Sakramente empfangen, weil sie heilige Mittel sind, damit unser Leben gelingt. So wird Liebe in uns brennen und hinführen zur Begeisterung, zum guten Geist, der in uns lebensfördernd wirkt und die Welt heiler werden lässt.
Es gibt Situationen, in den wir auf Hilfe von anderen angewiesen sind, in denen wir uns nicht selbst retten können. Dies gilt in besonderer Weise auf einer grundsätzlichen und existentiellen Ebene. Wir können uns aus der Not eines scheiternden oder misslingenden Lebens retten lassen, wenn wir auf Jesus schauen.
Einige von Ihnen werden diese Situation kennen: Man hat sich hilflos und allein gefühlt. Man war angewiesen auf die Zuwendung von Menschen. Vor ein paar Jahren habe auch ich das nach einer Knieverletzung erfahren. Ich lag verletzt in einem Rettungswagen. Ich spürte, wie ich auf Hilfe angewiesen war. Dass Menschen andere "retten", sehen wir besonders bei der Frage der Flüchtlinge. Oft müssen sie aus tiefster Seenot gerettet werden. Es geht um Leben und Tod. Ich nehme an, dass Ihnen allen einige Situationen einfallen, aus denen Sie sich aus eigener Kraft nicht mehr befreien konnten.
In dieser Lage befinden wir uns als Christen und Christinnen grundsätzlich und existentiell betrachtet. Wir dürfen eines glauben: Jesus ist für uns der Retter. In manchen Liedern zur Weihnachtszeit singen wir ja auch: "Christ, der Retter ist da!" Auf den Feldern verkünden die Engel: "Heute ist in der Stadt Davids der Retter geboren, Jesus der Herr." Heute hören wir im Evangelium: Gott hat Jesus in diese Welt gesandt, weil er diese Welt und auch uns Menschen liebt. Gott liegt an uns. Gott hätte uns Menschen in unseren Sünden gefangen halten können. Wir hätten an unseren Sünden zugrunde gehen und diese Welt und unser Leben zugrunde richten können. Doch Gott geht einen anderen Weg. Er greift in Jesus in das Leben der Welt und auch im Leben der einzelnen ein.
Der einzige Grund ist seine Liebe zu uns und zu der Welt. Diese Liebe ist eine verrückte Liebe. Doch sehen wir an diesem Handeln, was Liebe wirklich ist. Es kann bedeuten, einen Menschen niemals aufzugeben. Das ist die frohe Botschaft, die uns an diesem Sonntag geschenkt wird. Es ist der Sonntag "Laetare" - der Sonntag der Freude. Wir können uns nicht aus eigener Kraft und auch nicht durch eigene Leistungen erlösen und befreien. Viel zu sehr sind wir gefangen in unserem Leben, in unserem Denken. Wir hören es in den beiden Lesungen und im Evangelium.
Besonders das Buch der Chronik beschreibt das ganz drastisch. Die Menschen haben sich gegen die Gebote Gottes aufgelehnt. Sie haben gegen die Liebe verstoßen. Darum erleiden sie die babylonische Gefangenschaft. Doch nach 70 Jahren werden sie befreit. Die Bibel erzählt uns, dass Gott den Perserkönig Kyrus beruft, sein Volk ziehen zu lassen. Aus eigener Kraft wären die Israeliten niemals freigekommen. Doch Gott greift ein. Sein Volk wird befreit. Sich selbst hätte es sich niemals befreien können. Gott gibt immer wieder eine neue Chance.
Gott greift ein - durch Jesus, durch seinen Tod am Kreuz. Das Kreuz war die grausamste Form, einen Menschen hinzurichten. Doch Jesus hat diesen Tod für uns auf sich genommen. Jesus hat die Gewalt und den Hass aller, die ihn hinrichten wollten, mit Liebe beantwortet. Jesus ist den Weg des Friedens und auch der Gewaltlosigkeit gegangen. Jesus, der als das Licht kam, der Licht in das Leben der Menschen brachte, musste sterben, weil Menschen die Finsternis mehr liebten als das Licht.
Es gibt die Faszination des Bösen im Menschen. Neben vielem Guten, das geschieht, ist unsere Welt von viel Egoismus, von Unfrieden, von Hass bestimmt. Hass mit Hass zu beantworten, sich für erlittenes Unrecht zu rächen, die eigenen Ellenbogen zu benutzen, das scheint oft einfacher zu sein, als die Worte Jesu zu befolgen. Wir verstricken uns immer mehr in das Böse, immer mehr in den Unglauben. Das führt uns immer weiter weg von Gott, von seiner Liebe. Das führt immer mehr zu einem Unglauben, mit dem wir uns selbst richten werden.
Jesus aber lädt uns ein, an ihn zu glauben und ihn zu lieben. Er lädt uns ein, mit ihm eine tiefe Beziehung zu leben. Mit ihm werden wir "lebendig gemacht." In Jesus finden wir das Leben, das uns Gott zugesagt hat, das Leben, das uns erfüllt. Wir haben in Jesus und das bereits jetzt das ewige Leben. An ihn zu glauben, bedeutet sich für das Leben zu entscheiden.
Ähnlich war es bei den Israeliten auf ihrem Weg von Ägypten ins verheißene Land. Als sie sich gegen Gott auflehnten, sandte Gott Schlangen. Jeder der von einer Schlange gebissen wurde, starb. Wer aber zur Schlange aufschaute, die Mose erhöht hatte, blieb am Leben. Die Israeliten schauten auf die Schlange. Wir schauen auf Jesus. Wir dürfen IHN anbeten am Kreuz. Anbeten, das heißt für mich: Ich übergebe ihm mein Leben. Am Kreuz, in der schwärzesten Stunde, hat Gott seinen Sohn verherrlicht, ihn erhöht, ihn gerettet. Jesus erhöht auch uns. Er befreit uns, rettet uns.
Auf Jesus zu schauen, mit ihm zu leben, bedeutet auch seinen Glauben und seine Liebe zu Gott in guten Werken zu zeigen. Wir sind geschaffen, „die guten Werke zu tun, die Gott für uns im Voraus bereitet hat.“ Wir können einander diese bedingungslose Liebe weiterschenken. Wir können bereit sein, uns selbst und andere immer wieder neu anzunehmen. In diese Haltung gilt es immer mehr hineinzuwachsen.
Da bleiben wir oft hinter dem zurück, wer wir sein könnten. Eine berühmte Heilige hat von sich selbst einmal gesagt: "Ich bin die größte Sünderin!" Doch wir dürfen auf ihn schauen, der uns annimmt, der uns befreien wollte. Schauen wir immer auf Jesus, auf sein Leben, auf seine Hingabe, auf seine Liebe. Schauen wir auf Jesus unseren Retter zum ewigen Leben.
Die Frohe Botschaft von der Barmherzigkeit Gottes hat als Kehrseite, dass Schuld und Ungerechtigkeit relativiert werden und für die Opfer menschlicher Gewalt unerträglich werden. Die Botschaft von der Barmherzigkeit Gottes ist mit seinem Einfordern der Gerechtigkeit in Einklang zu bringen. Es liegt an uns, dass wir Gerechtigkeit ernst nehmen und die Liebe Gottes annehmen.
Die Frage, wie sich göttliche Gerechtigkeit und Barmherzigkeit vereinbaren lassen, ist ein Dauerbrenner in den Religionen, auch im Christentum. Dabei besteht die Gefahr, dass einer, dieser „Pole“ überbetont und der andere vernachlässigt wird. Das führt einerseits zu einem beschwichtigenden Gott, der Schuld und Ungerechtigkeit relativiert und alles unter das Motto: Ist ja nicht so schlimm, stellt. Diese Gottesvorstellung ist unerträglich für die Opfer menschlicher Gewalt, Unterdrückung und Schuld. Der andere Pol führt zur Angst vor einem bedrohlichen, strafenden und verdammenden Gott und hat immer wieder bei sterbenden Menschen auch zu panischer Angst vor dem Tod geführt. Viel zu oft wurde Menschen auch von der Kirche mit der Hölle gedroht.
Das heutige Evangelium geht das Thema von der Liebe her an. Es zeigt auf, welche Konsequenzen der Glaube an einen Gott hat, der die Liebe ist und gerade auch deshalb die menschliche Freiheit und Eigenverantwortung respektiert. Jesus zeigt in seinem Gespräch mit Nikodemus klar und deutlich auf, dass es das Ziel des liebenden Gottes ist, dass kein Mensch verloren geht, sondern allen das ewige Leben, und damit ist der Himmel gemeint, offensteht. Jesus macht klar, dass es die Absicht Gottes, und auch des göttlichen Gerichtes ist, dass alle Menschen, ja, die ganze Welt gerettet werden.
Das bedeutet, dass mit der Verurteilung von sündigen Menschen, und deren im Namen der Gerechtigkeit zu fordernden Bestrafung Gott mit uns Menschen noch nicht am Ende ist. Es ist ein notwendiger Durchgang, mit dem Ziel der Rettung und Erlösung durch die Hingabe Jesu. Der liebende Gott hat kein Interesse jemanden in der Hölle zu sehen oder ihn sogar dort hin zu schicken. Er will seine geliebten Geschöpfe bei sich im Himmel haben. Alles steht und fällt mit dem Glauben. Können wir der Liebe, Güte und Barmherzigkeit Gottes vertrauen? Glauben wir, dass er uns retten will, selbst dann, wenn wir große Schuld auf uns geladen haben?
Wenn wir darauf vertrauen, dass Verurteilung und Strafe, wie die Gerechtigkeit sie fordert, zwar zu erwarten sind, aber nicht das letzte Wort haben, dann sind wir schon gerettet, sagt der Text. Das heißt aber, dass nicht Gott es ist, der uns verurteilt und in die Hölle schickt, sondern nur wir selber können das tun, wenn wir uns der Gnade und Barmherzigkeit Gottes verweigern. Wir sind frei. Gott kann und will uns den Himmel nicht aufzwingen, aber er wird alles daransetzen, damit wir sein Gnadenangebot annehmen.
Eindrucksvoll beschreibt der Text mit der Metapher von Licht und Finsternis, was im Gericht geschieht. Alle bösen Taten werden aufgedeckt und kommen ans Licht. Vor Gott kann man nichts verbergen. Seine Gerechtigkeit muss die Schuldigen zur Rechenschaft ziehen, damit sie die Verantwortung für ihr Tun übernehmen. Nur das stellt die Würde der Opfer wieder her und führt zu Einsicht, Reue und zur Bitte um Vergebung. Das ist eine unangenehme Tatsache, wenn wir gesündigt haben, denn es beschämt uns und ist schmerzhaft. So kann die Angst vor den Konsequenzen der Gerechtigkeit Gottes bis zum Hass auf das Licht seiner Liebe und Güte führen. Andererseits können Menschen, die auf die Liebe, Güte und Barmherzigkeit Gottes vertrauen, trotz ihrer Schuld im Licht dieser Liebe leben.
In der Fastenzeit gehen wir auf Ostern zu, das Fest, an dem wir den Durchgang Jesu vom Leiden in die Auferstehung feiern. Dieser Durchgang hat die Macht von Schuld und Tod gebrochen und ist das Unterpfand dafür, dass uns das göttliche Gericht retten und in den Himmel führen wird. Wir können uns auf die Worte Jesu verlassen und brauchen die Verdammung durch Gott nicht fürchten. Wie der gütige Vater im Gleichnis bei Lukas wird Gott uns trotz Schuld und Sünden in seine Arme schließen, wenn wir offen und reumütig auf ihn zugehen.
© Mag.a Dorothea Schwarzbauer-Haupt, Theologin, Diözese Linz.
Der Weg durch die Wüste hat den Israeliten das Äußerste abverlangt, und dann noch die Schlangenplage. Die Schlangen ein Symbol der Angst und des drohenden Todes. Das Gegenmittel ist die erhöhte eherne Schlange. Wer zu ihr aufschaut wird gerettet. Jesus ist der am Kreuz Erhöhte.
Sie kennen alle die Redewendung von den kleinen Sünden, die der liebe Gott sofort straft. Wenn das wirklich so wäre, dann müsste der Blinde so viel angestellt haben, dass ihm das Augenlicht genommen wird. Tatsächlich tritt die uralte Frage im Evangelium in den Vordergrund: "Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst? Oder haben seine Eltern gesündigt, dass er blind geboren wurde?" (Joh. 9,1-2). De Antwort Jesu folgt sofort: "Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden." (Joh.9,3).
Wir Menschen betreiben besonders in der Frage von Leid, Krankheit und Tod gerne Ursachenforschung. Einer oder einige waren oder sind die Katastrophenauslöser, die müssen ausfindig gemacht und zur Verantwortung gezogen werden. Ähnlich lautet die Fragestellung im Buch Ijob. Nach all dem Unglück, das diesem gläubigen Mann materiell, gesundheitlich und auch geistig/seelisch widerfährt, kommen die Freunde und trösten ihn nicht wirklich. Irgendetwas hat er am Kerbholz, er verheimlicht etwas, soviel Leid und Unglück auf einmal. Ijob bekommt für seine Glaubenstreue, für sein Durchhalten im Leid alles mehrfach zurück. Aber auch das ist keine befriedigende Antwort darauf, warum es Leid gibt.
Durch Jahrhunderte bis heute bleibt die Frage nach dem WARUM aktuell. Alle Versuche einer Antwort greifen zu kurz. Im 17. Jhdt. noch glaubt der berühmte Barockprediger Abraham a Sancta Clara zu wissen, warum die Türken Wien belagerten und die Stadt beinahe eingenommen hätten. Seine Antwort: Besonders die Frauen kleiden sich modisch, streichen sich die Lippen an, tragen Stöckelschuhe, die Männer vergnügen sich, rauchen, trinken, sind nicht viel besser - somit verdienten sie eine gerechte Strafe Gottes für das ausschweifende Leben. Ganze Bibliotheken mit Fachbüchern aus Literatur, Philosophie, Theologie, versuchen Antworten zu finden - vergeblich! Wie absurd dieser Tun- Ergehens- Zusammenhang ist, zeigt sich an einem Menschen, der schon blind zur Welt gekommen ist. Was soll der vor seiner Geburt angestellt haben?
Das Johannes- Evangelium will uns sagen: Jesus setzt Zeichen zum Heilwerden. Das wird von einer doppelten Symbolik begleitet: dem Speichel und dem Wasser. Der Blinde wird von Jesus mit Speichel berührt und soll sich im Teich Schiloach reinigen. Speichel und Wasser haben heilende Wirkung. Dem Wasser des Teichs Schiloach, den man heute als solchen kaum noch erkennen kann, wurde zur Zeit Jesu besondere heilende Wirkung zugesprochen. Das Johannes-Evangelium deutet den Namen vom Hebräischen her als "Gesandter".
Es geht hier um das Wasser der Gihonquelle, die geschützt unter einem Felsen auch durch das Kidrontal in einer Wasserleitung nach Jerusalem geführt und in einem künstlichen Teich, dem Schiloahteich gesammelt wurde. Diese Wasserzufuhr sprudelt recht unregelmäßig, nach uralter Überlieferung nur dann, wenn es die Götter zulassen, bzw. dann wenn es JAHWE (in der Person Jesu) will. Dieses Wasser "sendet" nach dem Evangelisten Johannes Heil. Jesus selber bezeichnet sich als Quelle, "wer Durst hat, komme zu mir und es trinke, wer an mich glaubt. Wie die Schrift sagt: Aus seinem Inneren werden Ströme von lebendigem Wasser fließen. Damit meint er den Geist, den alle empfangen sollten." (Joh.7,38-39).
Was bedeutet das alles? Heilung spielt sich auf doppelter Ebene ab: körperlich und auch geistig/seelisch. Jesus setzt nicht nur Zeichen körperlicher Heilung, sondern Heilung ist an allen Schriftstellen mit Glauben, mit Vertrauen verbunden. Wenn Vertrauen fehlt, kann Heilung nicht oder bestenfalls nur teilweise gelingen. Körper, Seele und Geist bilden eine Einheit. Der Blinde ist sehend geworden. Gott offenbart sich ihm in der Person Jesu. Als Geheilter legt er ein Bekenntnis ab: "Ich glaube, Herr!" (Joh. 9,38). Aus der Dunkelheit der Nacht, seiner Finsternis, kommt er zu Christus, dem Herrn, dem Kyrios.
Auch wir sind oft blind mit den Augen des Herzens. Vor allem mit der geistigen Not, blind gegenüber manchem Verzweifelten, gegenüber jenen, die ausgebrannt sind, nicht mehr weiterkönnen. "Wird schon wieder werden, reiß dich zusammen!" Das tröstende Wort, die helfende Hand können wie ein kräftiger Schluck frischen Wassers wirken, das wieder aufleben lässt. Gott ist immer auf der Seite jener, die Hilfe brauchen. Das zeigt auch die erste Lesung aus dem ersten Buch Samuel: David gegen Goliath.
Vierter Sonntag der Fastenzeit: Sonntag Laetare, Freudensonntag. Das Osterfest naht. Liturgische Farbe rosa, Zeichen der Morgenröte, Zeichen der aufgehenden Sonne, Hinwendung von der Finsternis ins Licht der Auferstehung. Jesus bringt auch heute mit diesem Evangelium die "Frohe Botschaft" und "Gute Nachricht", verbunden mit der Bitte: Glaubt und vertraut darauf!
Jeder, der schon einmal in einem Jugendlager war oder an einer mehrtägigen Wanderung teilgenommen hat, kennt diese Situation: Abends, wenn allmählich Ruhe einkehrt und man in einer Berghütte am Kamin oder auf dem Lagerplatz am Lagerfeuer sitzt, kommt oft eine Situation auf, in der Platz ist für sehr tiefgehende Gespräche. Es ist wohl diese Atmosphäre der Dunkelheit und der Stille, die den Raum schafft.
Eine ähnliche Situation haben wir im heutigen Evangelium. Nikodemus ist ein jüdischer Pharisäer, von denen anscheinend einige sehr an Jesus interessiert waren und ihm nicht feindlich gegenüber standen. Er sucht ihn eines Abends auf, um mit Jesus in eine tiefgehende Diskussion einzusteigen.
Ob das Setting der Situation wirklich so war oder nicht, spielt eine untergeordnete Rolle - wir können davon ausgehen, dass der Evangelist mit dieser Beschreibung der nächtlichen Situation eine ganz besondere Botschaft verband. Für solch eine nächtliche Gesprächsatmosphäre wie an einem Lagerfeuer haben nämlich die Heiligen Schriften sehr viel übrig und schreiben diesen Momenten ganz Besonderes zu. Im Psalm 134 etwa heißt es: "Preiset den Herrn, alle Diener des Herrn, die ihr in den Nächten im Hause des Herrn steht (Ps 134,1)." Oder bei Matthäus 10,27: "Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet (später) am hellen Tag."
Damit ist also diese Situation zwischen Nikodemus und Jesus nicht einfach ein geselliger Anlass, ein netter Abend bei einem Glas Wein, sondern viel eher geradezu ein Offenbarungsmoment. Wir hören, wie Jesus Nikodemus einführt in das Geheimnis seines göttlichen Heilswirkens. Jesus zeigt ihm seinen Gott und kann darauf setzen, dass die Atmosphäre der Situation dabei wirkt. Solche Offenbarungssituationen haben in den Beschreibungen der biblischen Autoren immer etwas Geheimnisvoll-Mystisches an sich - denken wir doch etwa an die Verkündigung des 1. Fastensonntages: Im Nebel auf dem Berg Tabor offenbart Gott den Jüngern seinen geliebten Sohn. Und alle Beteiligten werden aus der Bahn geworfen, sind völlig verdattert.
Warum aber kommt es überhaupt zu diesem Gespräch und zu dieser Situation, was will Nikodemus? Sein Anliegen wird bei Johannes nicht so ganz klar. Wir hören wenige Verse vor unserem heutigen Evangelium, wie Nikodemus an jenem Abend Jesus anspricht und als Gelehrten anerkennt, worauf Jesus antwortet:
"'Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.' Nikodemus entgegnete ihm: 'Wie kann ein Mensch, der schon alt ist, geboren werden? Er kann doch nicht in den Schoß seiner Mutter zurückkehren und ein zweites Mal geboren werden.' Jesus antwortete: 'Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.'" (Joh 3,3-5).
Sehr schwierige Worte. Nikodemus hört einfach zu. Und was Jesus dann weiter zu ihm sagt, hat etwas Eigenartiges an sich: Mitten in der Dunkelheit der Nacht spricht Jesus - so hörten wir - vom Licht, das die Menschen suchen sollen, an dem sie sich ausrichten sollen. Wie einst die Juden beim Zug durch die Wüste sich am Zeichen des Mose, an der Schlange, ausgerichtet haben.
Diese Worte Jesu sind für Nikodemus, den frommen Synagogengelehrten, eine Herausforderung. Denn: Er sitzt ja - ganz wörtlich - mit Jesus im Dunkeln. Er hört die Worte Jesu und er scheint diesen Worten zu glauben - sonst hätte er Jesus vermutlich umgehend verlassen. Aber Jesus lässt ihn auf seiner Gottsuche auch ein gutes Stück allein. Er gibt ihm Ideen mit, die Nikodemus zum Licht der Welt führen, aber wie er hinkommt, muss er selber zusehen. Dazu hören wir dann aber nicht, dass Nikodemus sich überfordert fühlt und gar aufbegehrt. Anscheinend gelingt das Vorgehen Jesu. Nikodemus lässt sich auf das Experiment ein, er lässt sich beschenken - ganz offen und vorurteilsfrei. Wie Paulus das im Brief an die Epheser beschrieben hat: "Aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft Gott hat es geschenkt.”
Zwei Dinge scheinen dabei geholfen zu haben, dass das Werk Jesu gelingt: eben die Atmosphäre, in der die zwei zusammen treffen, und die Beziehung zwischen den zweien. Beides scheint so zu sein, dass Jesus den Nikodemus fordern kann.
Das lässt aufhorchen: Der Glaube mit den vielen Aspekten, die ihn manchmal doch schwierig und anspruchsvoll machen, lässt sich anscheinend also überzeugend vermitteln, wenn die Beziehung zwischen Zeugen und Empfänger stimmt und Raum und Zeit gut sind. Dann gilt auch wohl der Umkehrschluss: Wenn Menschen, die die Botschaft Jesu verkünden wollen, sich zu ihrer Umwelt in keiner Beziehung halten können, ist ihr Tun für die Katz - da können sie noch so rechtgläubig sein. Wenn Glaubensverkündigung geschieht in einem Klima von Streit, Neid und Missgunst, dann kann die Botschaft noch so wahr sein - niemand wird sie hören wollen.
Immer wieder hören wir Stimmen, die von einer Verdunstung des Glaubens sprechen, die mit der scheinbaren Gottlosigkeit dieser Welt hart ins Gericht gehen. Jesus und Nikodemus weisen aber durch ihr Miteinander darauf hin, dass es vielleicht gar nicht so sehr um fehlenden Glauben geht, sondern vielmehr um eine mangelhafte Kommunikation der Botschaft. Der Geist Gottes wirkt. - Nur woran soll der Glaubende sich ausrichten? Die Juden hatten auf ihrem Weg durch die Wüste das Zeichen der Schlange des Mose, - Nikodemus findet im Gottessohn das Licht der Welt, das seine Dunkelheiten erleuchtet.
Und wir in unserer Zeit? Woran können sich Suchende heute ausrichten ? Ob die Botschaft Jesu vom Heil auch heute noch an die Ohren der Menschen dringt, kommt sehr darauf an, ob wir es schaffen, eine Atmosphäre des Heils und heilende Beziehungen zu gestalten. Das gilt für jede Großmutter, die ihrem Enkel von Gott erzählt, wie auch für die Vertreter des kirchlichen Lehramtes.
Lieder:
GL 140: Kommt herbei, singt dem Herrn
GL 161: Du rufst uns, Herr, trotz unsrer Schuld (Kyrierufe)
GL 210: Das Weizenkorn muss sterben
GL 266: Bekehre uns, vergib die Sünde
GL 267: O Mensch, bewein dein Sünde groß
GL 268: Erbarme dich, erbarm dich mein
GL 273: O Herr nimm unsre Schuld
GL 274: Und suchst du meine Sünde
GL 291: Holz auf Jesu Schulter
GL 359: O selger Urgrund allen Seins
GL 366: Jesus Christus, duter Hirte
GL 377: O Jesu, all mein Leben bist du
GL 405: Nun danket alle Gott
GL 427: Herr, deine Güt ist unbegrenzt
GL 460: Wer leben will wie Gott auf dieser Erde
GL 464: Gott liebt diese Welt
GL Ö814: O höre, Herr, erhöre mich
GL Ö815: Sag ja zu mir, wenn alles nein sagt
Psalmen und Kehrverse:
GL 74: Wie könnt ich dich je vergessen, Jerusalem, du meine höchste Freude? - Mit Psalm 137 - I.
GL 517: Der Herr vergibt die Schuld und rettet unser Leben - Mit Psalm 24 (GL 38,2) oder mit Psalm 1 (GL 31,2) oder mit Psalm 40 (GL 41,2) - IV.
GL 518: Beim Herrn ist Barmherzigkeit und reiche Erlösung - Mit Psalm 146 (GL 77,2) - VII.
GL 639,3: Beim Herrn ist Barmherzigkeit, bei ihm ist Erlösung in Fülle - Mit Psalm 130 oder mit Psalm 103 (GL 57,2) - II.
Der 4. Fastensonntag heißt Freudensonntag, laetare auf Lateinisch. Er ist als Test dafür gedacht, wie sehr unsere Gestaltung der Fastenzeit unser Leben schon verbessert und froher gemacht hat. Kann man keine positiven Wirkungen erkennen, so können wir bis Ostern noch nachjustieren, um gut auf das Fest vorbereitet zu sein. Heute wird uns das Thema der göttlichen Gnade nähergebracht. Sie umfängt Gottes Gerechtigkeit und will alle Menschen retten.
Rufen wir Jesu Erbarmen an:
© Dorothea Schwarzbauer Haupt, Diözese Linz.
Gott liegt an uns. Wir alle und die ganze Schöpfung sind Gott wichtig. Darum tut Gott alles, damit wir zu ihm finden und mit ihm leben wollen. Gott sendet Propheten, die uns zu Gott führen. Er sendet Jesus, auf den wir schauen können. Gott spricht zu uns durch Mitmenschen. Er spricht auch jetzt in dieser Feier zu uns.
Hören wir IHN und empfangen wir IHN in der Eucharistie, schauen wir auf IHN, und bitten wir um sein Erbarmen:
Der vierte Fastensonntag wird traditionell Freudensonntag genannt . Aber worauf oder warum sollen wir uns freuen, in Zeiten wie diesen und mitten in der Fastenzeit?
Die heutigen Bibelstellen können dazu Hinweise geben. Es geht um das göttliche Gericht und was darunter zu verstehen ist. Beim Wort Gericht denken wir an Verurteilung und Bestrafung von Schuldigen und SünderInnen. Auch die Lesung sieht das so. Das Volk Israel hat den Bund mit Gott gebrochen, seine Boten verhöhnt, gesündigt. Die Katastrophe der Zerstörung Jerusalems und die Verschleppung nach Babylon wurde als Strafe Gottes für diese Frevel verstanden. Und jetzt? Jetzt geht es weiter. Gott bereitet die Rückkehr des Volkes in die Heimat vor. Er hat die Schuld vergeben. Nach der Gerechtigkeit kommt die Gnade, das ist ein Grund zur Freude.
© Mag.a Dorothea Schwarzbauer-Haupt, Theologin, Diözese Linz.
Jesus,
du hast uns Gottes übergroße Liebe gezeigt.
Herr, erbarme dich unser.
Jesus, du lädst uns ein, aus dem Schatten der Schuld ins Licht der göttlichen Gnade zu kommen.
Christus, erbarme dich unser.
Jesus,
du bist als das Licht Gottes in diese Welt gekommen.
Herr, erbarme dich unser.
© Dorothea Schwarzbauer Haupt, Diözese Linz.
Herr Jesus Christus,
unser Glaube ist oft schwach und klein.
Herr, erbarme dich.
Doch du bist nicht gekommen uns zu richten.
Christus erbarme dich.
Du holst uns ins Licht.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
wer an dich glaubt, hat das ewige Leben.
Wo unser Glaube und unsere Liebe schwach sind, rufen wir:
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
in dir sind wir auferweckt und wieder lebendig gemacht.
Wo wir zu sehr auf dieses Leben allein ausgerichtet sind, rufen wir:
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
durch deine Liebe und dein Kreuz hast du die Welt gerettet.
Wo wir uns selbst retten, da rufen wir:
Herr, erbarme dich.
Rufen wir Jesus an, der uns die Vergebung Gottes gebracht hat:
Jesus,
du willst nicht den Tod des sündigen Menschen, sondern dass er umkehrt und lebt.
Herr, erbarme dich unser.
Jesus,
du bist gekommen, damit alle durch deine Hingabe gerettet werden.
Christus erbarme dich unser.
Jesus,
wer auf deine Barmherzigkeit vertraut wird nicht verurteilt, sondern lebt im Licht der Gnade.
Herr, erbarme dich unser.
© Mag.a Dorothea Schwarzbauer-Haupt, Theologin, Diözese Linz.
Du, Gott des unsagbaren Lichtes,
erbarme dich meiner Schattenseiten.
Herr, erbarme dich.
Du, Gott der ewigen Liebeszusage,
erbarme dich meiner Lieblosigkeit.
Christus, erbarme dich.
Du, Gott des gnädigen Entgegenkommens,
erbarme dich meiner Mauern der Abgrenzung.
Herr, erbarme dich.
Herr, unser Gott,
du hast in deinem Sohn
die Menschheit auf wunderbare Weise mit dir versöhnt.
Gib deinem Volk einen hochherzigen Glauben,
damit es mit froher Hingabe dem Osterfest entgegeneilt.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 4. Fastensonntag
Gütiger Gott,
durch das Wirken deiner Gnade
schenkst du uns schon auf Erden
den Anfang des ewigen Lebens.
Vollende, was du in uns begonnen hast,
und führe uns hin zu jenem Licht,
in dem du selber wohnst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Samstag in der 2. Fastenwoche
Herr, du hast deinen Sohn
als das wahre Licht in die Welt gesandt.
Offenbare den Menschen deine Wahrheit
durch den Heiligen Geist, den er verheißen hat,
und öffne ihre Herzen für den Glauben.
Gib, dass alle
in der Taufe das neue Leben empfangen
und Glieder deines Volkes werden.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Für die Ausbreitung des Evangeliums A
Allmächtiger Gott,
zu unserem Heil ist dein Sohn als Licht der Welt erschienen.
Lass dieses Licht in unseren Herzen aufstrahlen,
damit sich unser Leben von Tag zu Tag erneuert.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.
MB 4. Januar
Herr Jesus Christus,
wir schauen auf zu dir,
zu deinem Kreuz,
zu unserer Rettung.
Aus Liebe zu uns hast du dein Kreuz auf dich genommen.
Dein Wort helfe uns,
in der Liebe zu dir und zueinander zu wachsen.
Dein Wort helfe uns,
deine Liebe in unserem eigenen Leben zu tun. - Amen.
Du, Gott der Gnade und des Erbarmens,
du rufst uns in Liebe durch Christus
immer wieder zurück auf deine Wege.
In ihm schenkst du uns Hoffnung über alles hinaus,
was abgestorben und unfrei ist.
Ja, deine Zusage gilt selbst über den Tod hinaus.
Schenke uns in dieser Fastenzeit
einen Blick für die Werke,
die er uns vorgelebt hat
und mache uns fähig, seinem Beispiel zu folgen.
Das erbitten wir durch ihn, Christus,
unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Barmherziger Gott,
du schenkst uns deine Gnade bedingungslos.
Wir bitten dich:
Für alle, die sich an den Gerichten für Gerechtigkeit engagieren.
Für alle, die sich ungerecht behandelt fühlen.
Für alle, die ein schlechtes Gewissen haben und Angst erwischt zu werden, weil sie Böses getan haben.
Für alle, die wegschauen und die Not und Bedürftigkeit ihrer Mitmenschen nicht wahrhaben wollen.
Für alle, die ihr Leben dunkel, chancen- und hoffnungslos empfinden.
Für alle, die Not leiden, Hunger haben, frieren müssen, bei uns und auf der ganzen Welt.
Für alle, die sich vor Gott fürchten, weil sie glauben, dass sie seiner Gnade nicht würdig sind.
Für unsere Verstorbenen und ihre Angehörigen.
Gütiger Gott,
du bist uns nahe und liebst uns.
Dafür danken wir dir mit Jesus unserem Herrn und Bruder. – Amen.
© Dorothea Schwarzbauer Haupt, Diözese Linz.
Alles Leben ist ein Geschenk Gottes, das wir in Freude und Dankbarkeit annehmen dürfen. Auf ihn können wir uns in allen Lebenssituationen verlassen.
Ihn bitten wir:
Für deine Kirche als Gemeinschaft aller, die im Empfang der Taufe das Geschenk deiner Liebe angenommen haben.
Für alle, die an fatalen Entwicklungen unserer Zeit zu verzweifeln drohen, dass sie im Glauben an deine Allmacht die Hoffnung auf einen guten Ausgang nicht verlieren.
Für alle, die in diesen Wochen der Vorbereitung auf das Osterfest ihre eigene Lebensweise mit Blick auf Christus und sein Leben überdenken.
Für alle, die in der Chance auf Vergebung durch deine Barmherzigkeit und Zuwendung zum Menschen auch ihre zwischenmenschlichen Beziehungen danach ausrichten.
Für alle Verstorbenen um das ewige Leben bei dir, an das wir als Zeichen deiner Allmacht und Liebe glauben.
Du meinst es mit uns Menschen nur gut. Darüber dürfen wir uns immer freuen. Dir gilt unser Glaube und unser Dank jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Guter Gott,
du hast deinen Sohn in die Welt gesandt, nicht um zu richten, sondern die Menschen zu retten.
Wir bitten dich:
Für alle Menschen, die um ihres Glaubens willen verfolgt werden.
Retter der Welt,
wir bitten Dich erhöre uns!
Für alle Menschen, die verfolgt und verachtet werden, weil sie anders sind als die, die wir für „normal“ halten.
Retter der Welt…
Für alle Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen, weil dort ein menschenwürdiges Leben nicht mehr möglich ist.
Retter der Welt…
Für alle Menschen, die auf der Flucht sind und nicht wissen, ob sie irgendwo willkommen sein werden und neu anfangen können.
Retter der Welt…
Für alle Menschen, die krank oder einsam sind.
Retter der Welt…
Für alle Menschen, die alle Freude am Leben verloren haben.
Retter der Welt…
Für alle Menschen, die nicht mehr glauben können und doch gerne glauben würden.
Retter der Welt…
Für alle Menschen, die in unserer Kirche keine Heimat mehr finden.
Retter der Welt…
Für unsere Verstorbenen:
Du Retter der Welt, lass sie bei Dir froh sein.
Guter Gott,
du hast gesagt: Wer glaubt, der ist gerettet. Hilf uns in unseren Zweifeln und unserer Dunkelheit dein Licht zu erkennen.
Darum bitten wir dich durch Jesus Christus unseren Bruder und Herrn. - Amen.
Herr Jesus Christus, der du am Kreuz erhöht wurdest,
wir blicken auf dich und bitten dich:
Sei Halt und Hoffnung aller, die leiden müssen, sei es körperlich wie auch seelisch.
Stärke alle, die verfolgt werden und hilf ihnen, ihr Kreuz zu tragen.
Mache alle bereit umzukehren, die den Glauben an dich und die Liebe zueinander missachten.
Wir beten für Menschen, die wenig Freude an ihrem Leben haben, die krank, einsam, unterdrückt oder auf der Flucht sind.
Stelle ihnen Menschen zur Seite, die sie annehmen und ihnen helfen.
Erfülle deine Kirche mit einer tiefen Sehnsucht nach dir und hilf ihr, sich geistlich zu erneuern.
Nimm unsere Verstorbenen auf in deine Herrlichkeit.
Dich loben und preisen wir,
jetzt und in alle Ewigkeit. - Amen.
Gütiger Gott,
du wendest dich uns voll Barmherzigkeit zu,
deshalb bitten wir dich:
Für alle, die schuldig geworden sind und sich vor dem Entdeckt-Werden fürchten.
Für die Verkünder*innen in den Kirchen, dass sie betonen, dass nach der Gerechtigkeit die Gnade kommt.
Für alle, die vor Gott Angst haben und seiner Güte nicht trauen können.
Für alle, die gnadenlos mit sich selber und anderen umgehen.
Für jene, deren Zukunft düster ist und die sich nicht mehr freuen können.
Für unsere Verstorbenen und ihre Angehörigen.
Treuer Gott, du hörst unsere Bitten, du bist uns nahe in dieser schwierigen Zeit.
Dafür danken wir dir mit Jesus unserem Bruder. Amen.
© Mag.a Dorothea Schwarzbauer-Haupt, Theologin, Diözese Linz.
Wir sind trotz aller Lebensumstände, die uns von außen prägen, aufgerufen, uns frei für oder gegen Gottes Liebe zu entscheiden.
Um die Erfahrung seiner Liebe und Nähe in unserem Leben bitten wir den Vater:
Für alle, die in ihrem Verkündigungsdienst ihre persönliche Gotteserfahrung mit anderen teilen.
Für alle, die durch ihr gesellschaftliches Engagement deine besondere Hinwendung zu allen Armen und Benachteiligten sichtbar machen.
Für alle, die nicht die Kraft haben, sich den durch die Pandemie erschwerten Lebensbedingungen zu stellen und sich die Realität nach eigenen Vorstellungen zurechtzimmern wollen.
Für alle, die zu ihrem eigenen Fehlverhalten stehen können, weil sie an deine erbarmende Liebe glauben.
Für unsere Verstorbenen, für die wir erhoffen, dass sie im Gericht von der Bürde ihres Lebens befreit werden.
Denn du lässt uns nicht allein in der Welt. Wir sind von deiner Liebe getragen.
Dafür danken wir dir und loben und preisen dich jetzt und allezeit. - Amen.
Herr, unser Gott,
in der Freude auf das Osterfest
bringen wir unsere Gaben dar.
Hilf uns, gläubig und ehrfürchtig das Opfer zu feiern,
das der Welt Heilung schenkt und den Tod überwindet.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 4. Fastensonntag
Herr, unser Gott,
wir stehen als deine Diener vor dir
und bringen unsere Gaben dar.
Mache sie zum Sakrament,
das uns Heil und Leben spendet.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Montag der Fastenzeit
Gabengebet
Vater im Himmel,
in deinem Sohn ist der Welt
das Licht aufgeleuchtet,
das unserem irdischen Leben den Weg weist.
Laß uns in der Feier seines Opfers
das göttliche Leben empfangen,
damit wir selbst Licht werden für die Welt.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Auswahl 7
Herr Jesus Christus,
wir bringen Brot und Wein zum Altar...
Sie sind Zeichen deiner Liebe zu uns,
die sich hingegeben hat für uns,
die sich an uns austeilt.
Im Brot segne unsere Mühen,
im Wein schenke uns Freude.
Mache uns zu einer Gemeinschaft,
zu Schwestern und Brüder. - Amen.
Kehrvers
Der Herr ist mein Licht und mein Heil. (GL 38,1)
Barmherziger Gott und Vater,
Wir treten vor dich, um dir Dank zu sagen.
Vom Beginn der Schöpfung an
ist dir am Heil aller Menschen gelegen.
Kehrvers
Das Volk, das du dir erwählt hast,
hast du zurückgeführt in das Land,
das du seinen Vätern gegeben hast
und ihm Freiheit und Lebensraum gegeben.
Kehrvers
Als die Zeit erfüllt war,
hast du deinen Sohn in die Welt gesandt,
damit die Welt durch ihn gerettet wird.
Jeder, der an ihn glaubt, hat in ihm das ewige Leben.
Kehrvers
Allen, die im Glauben an ihm festhalten,
hat er den überfließenden Reichtum seiner Gnade gezeigt
und einen Platz im Himmel gegeben.
Dafür danken wir dir und loben wir dich
mit allen Engeln und Heiligen.
Danklied, z. B. Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben (GL 484)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn durch seine Menschwerdung
hat er das Menschengeschlecht
aus der Finsternis zum Licht des Glaubens geführt.
Wir sind als Knechte der Sünde geboren,
er aber macht uns zu deinen Kindern
durch die neue Geburt
aus dem Wasser der Taufe.
Darum preisen wir jetzt
und in Ewigkeit dein Erbarmen
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Fastensonntag 4
Wir danken dir, heiliger, starker Gott.
Du lenkst die Geschicke der Welt
und sorgst für jeden Menschen.
Du versammelst uns zu einer Gemeinschaft,
damit wir alle dein Wort hören
und deinem Sohn im Glauben folgen.
Er ist der Weg - auf diesem Weg gelangen wir zu dir;
er ist die Wahrheit - sie allein macht uns frei;
er ist das Leben und erfüllt uns mit Freude.
Darum danken wir dir, Vater, für deine Liebe,
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Wir stimmen ein in den Gesang der Engel
und bekennen zum Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 2
Gott hat die Welt geliebt - so hörten wir es im Evangelium.
Wenn er uns liebt, wird er auch seine Antwort an uns kennen,
wenn wir zu ihm rufen:
Vater unser...
Einleitung zum Friedensgebet:
Herr, wenn unsere Taten in deinem Licht deutlich werden,
sprechen sie von unserem Wollen und von unserem Versagen.
In einer solchen Gewissheit bitten wir dich:
Schaue nicht auf unsere Sünden...
Er lebte nicht für sich
er kam zu den Menschen
er war bei den Menschen
und zeigte ihnen
wie nahe Gott ist
Er heilte Kranke
und zog sich von den Ausgestoßenen
nicht zurück
er lebte nicht für sich
er gab sich vollkommen hin
Er kämpfte gegen Erstarrung und Heuchelei
er erlöste die Menschen
die ihm glaubten
von ihrer Schuld
und führte sie zu Gott
Er befreite
von der ängstlichen Sorge
um das eigene Leben
und gab Augen für die Not der anderen
und Kraft zu helfen
er zeigte ihnen die Zukunft:
Das Reich der Liebe Gottes.
Allmächtiger Gott,
dein ewiges Wort ist das wahre Licht,
das jeden Menschen erleuchtet.
Heile die Blindheit unseres Herzens,
damit wir erkennen, was vor dir recht ist,
und dich aufrichtig lieben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 4. Fastensonntag
Herr, unser Gott,
wir haben das Gedächtnis des Leidens Christi gefeiert
und das heilige Sakrament empfangen.
Was uns dein Sohn in unergründlicher Liebe geschenkt hat,
das werde uns nicht zum Gericht,
sondern bringe uns das ewige Heil.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 17. Sonntag im Jahreskreis
Gütiger Gott,
du schenkst deinen Gläubigen die heilige Speise
für den Weg ihrer Pilgerschaft.
Gib, daß uns dieses Sakrament nicht zum Gericht werde,
sondern zum Leben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Mittwoch der 4. Woche der Fastenzeit
Barmherziger Gott,
wir haben den Leib und das Blut deines Sohnes empfangen.
Das heilige Sakrament bringe uns Heil,
es erhalte uns in der Wahrheit
und sei unser Licht in der Finsternis.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 19. Sonntag im Jahreskreis
Herr Jesus Christus,
diese Welt ist voller Dunkelheit:
Krieg, Hass, Krankheit, Hunger,
Ungerechtigkeit und vieles mehr
bestimmen unser Leben.
Du verstehst alle Menschen, die leiden,
denn du hast selbst Leiden auf dich genommen.
Sende uns in diese Welt,
hilf uns jetzt Licht zu sein. - Amen.
Es erfülle euch der Segen des Vaters,
der uns Leben in Fülle schenken will. Amen.
Es erfülle euch der Segen des Sohnes,
dessen Licht uns begleiten soll. Amen.
Es erfülle euch der Segen des Heiligen Geistes,
in dem wir spüren dürfen, wo wir Gott finden. Amen.
Und der Segen des allmächtigen Gottes,
des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
begleite euch und den Alltag der neuen Woche. Amen.
Und der Haifisch, der hat Zähne
Und die trägt er im Gesicht
Und MacHeath, der hat ein Messer
Doch das Messer sieht man nicht
An 'nem Schönen blauen Sonntag
Liegt ein toter Mann am Strand
Und ein Mensch get um die Ecke
Den man Mackie Messer nennt
Und Schmul Meier bleibt verschwunden
Und so mancher reiche Mann
Und sein geld hat Mackie Messer
Dem man nichts beweisen kann
Jenny Towler war gefunden
Mit ßnem messer in der Brust
Und am Kai geht Mackie Messer
Der von allem nichts gewusst
Und das große Feuer in Soho
Sieben kinder und ein Greis
In der Menge, Mackie Messer, den
Mann nicht fragt und der nichts weiss
Und die minderjaehrige Witwe
Deren Namen jeder weiss
Wachte auf und war geschändet
Mackie welches war dein Preis?
Wachte auf und war geschändet
Mackie welches war dein Preis?
Quelle: Musixmatch - Songwriter: Kurt Weill / Berthold Brecht.
Songtext von Morität von Mackie Messer © Wb Music Corp., Bert Brecht, Kurt Weill Foundation For Music Inc., Estate Of Marc Blitzstein, Blitzstein Music Company.
Heute ist der Sonntag Leatare, das heißt "freue dich". Ganz praktisch zeigt sich das in der Lesung aus dem Buch der Chronik: nach all dem, was dem Volk Israel widerfahren war - der Chronist, der nach einer Erklärung sucht, schiebt das auf das schwere Fehlverhalten der Israeliten - wird nun in Jerusalem wieder ein Tempel gebaut und alle sind eingeladen, dorthin zu kommen und dort zu leben.
Dazu ist es gut zu wissen, dass die Geschichtsbücher aus dem ersten Testament keine Geschichtsbücher im heutigen Sinne sind, sondern der Versuch, den Weg des Volkes aufzuzeichnen (teilweise Jahrhunderte später, nach mündlichen Überlieferungen) und gleichzeitig zu erklären, wie es dazu kommen konnte.
"Freue dich!" - Mancher mag sich fragen: gibt es heute überhaupt noch etwas zu freuen? Kriege, Hass, Spaltung, dazu noch der Klimawandel… Man weiß nicht, wem man glauben soll, überall Horrormeldungen, Endzeitstimmung. Wo soll da ein Ort für Freude sein? Und wenn man doch etwas findet, über das man sich freut: Darf man das überhaupt, während Menschen in der Ukraine, im Heiligen Land und überall auf der Welt im Bombenhagel sterben? Während ein großer Teil der Menschheit keinen Zugang zu sauberem Wasser hat und zu Lebensmitteln? Wenn man sich umhört, dann hört man viel Murren und Unzufriedenheit. Gibt es Grund zur Freude?
Zunächst einmal dürfen wir alle uns freuen, dass wir in Deutschland leben dürfen, in einem freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat, in einem Sozialstaat, in dem mehr oder weniger für alle gesorgt ist, auch wenn es sicherlich vieles gibt, was im Argen liegt. Wir, die wir heute hier versammelt sind, haben wahrscheinlich alle ein Dach über dem Kopf, ein Bett, wir müssen weder hungern noch verdursten und wenn wir krank sind, greift ein Gesundheitssystem, das zwar nicht perfekt ist, aber doch besser als in vielen anderen Gegenden dieser Welt.
Wenn wir mit offenen Augen durch unseren Alltag gehen, finden wir immer wieder Dinge, die uns erfreuen: Die ersten Krokusse, Osterglocken und Tulpen, der eindrucksvolle Sonnenaufgang, ein Spaziergang in frischer Frühlingsluft, aber auch, dass wir heute hier zusammenkommen können, ist ein Grund zur Freude: zu gut erinnern wir uns noch an die Zeit, in der das nicht möglich war. Wir können uns erfreuen an Erinnerungen an Menschen, die mit uns zusammen einen Teil des Weges gegangen sind, an das Gute, das wir durch sie erfahren haben; Ein weiterer Grund sich zu freuen.
Vor allem aber dürfen wir uns freuen, Christen zu sein. Eine Religion, deren Textgrundlagen „frohe Botschaft“ heißen. Eine Religion, in der es darum geht, froh durchs Leben zu gehen. Das heißt nicht frei von Schicksalsschlägen. Das heißt nicht frei von Krankheit und Tod. Aber wir dürfen uns begleitet, geliebt wissen und darin gestärkt, dass unsere dazu beizutragen, dass diese Welt besser wird. Wer im Glauben steht – auch im Zweifelglauben – der darf sich freuen. Denn Gott will, dass wir Menschen glücklich sind. Deshalb hat er seinen Sohn in die Welt geschickt. Und wir alle wissen: geteilte Freude ist doppelte Freude, und wer anderen Gutes tut, der macht sich selbst glücklicher.
Machen wir es uns immer wieder bewusst: Bei allem, was uns Schlechtes und Schreckliches begegnet: es gibt Gründe zur Freude. Wenn wir sie sehen wollen, werden wir sie erkennen und unser Leben wird leichter werden, auch wenn es gerade schwer ist. Gott hilft uns aus unseren Dunkelheiten ins Licht.
Edith Furtmann 2024.
Herr, du schaust mich an,
und ich schaue dich an.
Du bist das lebendige Wort des Vaters,
durch das er die Welt erschaffen hat
und das ein Mensch wurde, wie ich einer bin.
Du bist der Sohn Gottes und der Sohn der Jungfrau Maria,
die Ja gesagt hat zu deinem Kommen in die Welt.
Du bist der gute Hirte, der dem Verlorenen nachgeht.
Du bist der Weinstock, an dem wir die Reben sind.
Du bist meine Tür zum Vater und die Tür des Vaters zu mir.
Du bist das Mitleid und die Mitfreude Gottes mit uns.
Du bist die Vergebung Gottes für unsere Schuld
und sein Erbarmen mit uns.
Du bist das Weizenkorn, das zermahlen und zum Brot wird
und uns das Leben schenkt.
Du bist das Bild Gottes, in dem wir den Vater erkennen.
Du bist seine menschgewordene Liebe, die mich nie alleinlässt
und die stärker ist als der Tod.
Du bist die Auferstehung und das Leben für alle,
die dir vertrauen, die Dir glauben und Dir folgen.
Du bist der gerechte Richter, der einmal wiederkommt,
den Rechtlosen Recht verschafft und unser Leben ins rechte Licht rückt.
Und einmal wirst Du alles in allem sein.
Ich werde Dich anschauen und Du mich.
Ich werde Dich sehen, wie Du bist,
und mich freuen an Dir, mit allen,
die zu Dir gehören,
in alle Ewigkeit.
Amen.
Dörte Schrömges/Georg Lengerke in: Youcat, München 2011.
Der Pfarrer von Ars ging eines Tages in seine Kirche
und sah dort einen einfachen Bauern knien.
Er dachte sich nichts dabei.
So viele Menschen kamen den Tag über in seine Kirche,
um „dem lieben Gott“ von ihren Sorgen zu erzählen.
Als er aber nach einer Stunde wieder in die Kirche kam
und den Bauer immer noch knien sah, ging er auf ihn zu und fragte ihn:
„Sag mal, was sagst du dem lieben Gott da eigentlich die ganze Zeit?“
Darauf entgegnete der Bauer ihm nur:
„Eigentlich gar nichts, Herr Pfarrer“.
Auf den Tabernakel deutend fuhr er nur fort:
„Ich schaue ihn an – und Er schaut mich an. Das ist genug."
Quelle unbekannt
Mit dem Auferstandenen wünsche ich Euch: Der Friede sei mit Euch! Dies erflehe ich für die ganze gequälte Menschheit. Freilich wie Christus nur durch Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit gelangt ist, so auch alle Menschen, die nach oben streben. Und wie Christus sich für uns geopfert hat, so dürfen wir wohl hoffen, durch die Leiden dieser Zeit vielen anderen zu ewigen Glück zu verhelfen. Gott spricht in der heutigen Zeit wieder eine andere sehr deutliche Sprache mit großen Zeichen und Wundern und verlässt nicht die, die auf ihn ihr Vertrauen setzen, so dass selbst seine Feinde, wie ich von Walter erfuhr, gestehen müssen: Immer, wenn seine Getreuen in Not waren, haben sie gebetet und sind erhört worden. Darum heißt es: Mut und Vertrauen!
Pater Andreas Rohring (Hrsg), Worte der Freiheit, Briefe aus der Haft: Pater Engelmar Unzeitig, München 2011.
Gott der Liebe und Gnade
der Gott
der mich
mit Namen ins Leben rief
der mich
schon vom Mutterleib an kannte
der mir
den freien Willen gab
mir Entscheidungsfreiheit
gewährte
der spricht:
weil ich
GOTT
dich kenne
fürchte dich nicht (Jes 43,1)
und führen deine Wege
über steile Höhen
und
durch tiefste Tiefen
und
wenn du auch strauchelst
auch dann fürchte dich nicht
ICH
komme dir
entgegen
meine
LIEBE
und
GNADE
fangen dich auf
du darfst dich
bergen
bei mir
bei mir
DEINEM GOTT
Beatrix Senft
…Nun scheint der Weg zur modernen Anwendung der Schlange als eines Symbols der medizinischen Wissenschaft sehr einfach. Es ist es aber nicht. Denn die Schlange als Symbol spielt jahrhundertelang keine Rolle mehr. Es ist bekannt, dass der Humanismus alle antiken Gottgestalten neu belebte. Sie finden sich seit dem 15. Jahrhundert in unendlicher Fülle wieder in der bildenden Kunst. Aber Äskulap erscheint nur selten unter ihnen. Von den bekannten Graphikern, Dürer, Holbein, Aldegrever, Stimmer, Binck oder Floris, wird Äskulap unter ihren antiken Göttergestalten entweder überhaupt nicht oder nur selten und dann beiläufig dargestellt. Äskulap gehörte weder zu den Planetengöttern, noch war die Medizin ins antike System der freien Künste aufgenommen. In diesem Zusammenhang fehlt also die Schlange fast immer. Sie fehlt sogar auf den Titelblättern der medizinischen Werke des Vesalius und meist auch auf denen anderer, obwohl man sich bei diesen Titelblättern an allegorischen Bildern gar nicht genug tun konnte. Aber die Schlange wird auf einem Umwege, der über die christliche Religion führt, wieder zu einem wichtigen und deutlichen Symbol. Zwar kannte das Christentum die Schlange schon in mancherlei Bedeutung.
Da es in der Bibel hieß: "Sei klug wie die Schlangen", wurde sie zum Symbol der Prudentia, und ihre Rolle beim Sündenfall machte sie zum Tier alles Bösen schlechtweg. Aber es war eine andere biblische Bedeutung, von der ausgehend sie wieder zum Symbol der Heilung wurde.
Die Aufrichtung der ehernen Schlange ist im alten Testament ein Heilvorgang. Das Volk leidet unter einer Schlangenplage und Moses stellt auf Geheiß Gottes das Schlangenbild auf, damit das Volk zu ihm aufblicke und nicht sterbe. Dieser Vorgang, der im Zusammenhang der Mosesgeschichte sehr nebensächlich ist, wurde im Mittelalter ein höchst beliebtes Thema.
Das Mittelalter hat den Hauptwert des Alten Testaments darin gesehen, das es das neue vorher verkündet habe. Und so hat die Theologie des Mittelalters die Aufrichtung der heilbringenden ehernen Schlange immer als eine parallele zur Kreuzaufrichtung aufgefasst. Deshalb erscheint sie so besonders häufig in Plastik und Malerei, Glasfenstern, Wirkteppichen und Buchmalereien. Sie wird schließlich zum reinen Attribut : an den französischen Kirchenportalen der Gotik erscheinen in langen Reihen diejenigen Gestalten des Alten Testamentes, die auf das neue vorbereitet haben. Unter ihnen ist Moses mit einer Säule, um die sich die eherne Schlange ringelt. ..."
Auch bei den Reformatoren spielt die eherne Schlange eine große Rolle. Martin Luther formuliert in einer Passionspredigt von 1521: "Die erene Schlang, die auff dem pfal hengt, ist Christus ans Creutz geschlagen." Er bezieht sich dabei auf Johannes 3,14f: "Und wie Mose in der Wüste eine Schlange erhöht hat, also muß des Menschen Sohn erhöht werden, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben." bzw. als Vergleichsstelle 4 Mose 21,8: "Da sprach der Herr zu Mose: Mache dir eine eherne Schlange und richte sie zum Zeichen auf; wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben."
Turner, C.W.: Symbole der Medizin. Ciba-Zeitschrift, Dezember 1934,
auf: http://www.armin-zimmermann.eu/Ramm/Clodius/Clodius_Wappen.html#Philipp_Melanchthon
"Denn wie jenes (das Gesetz) nur leblose Schatten gewisser Tugenden unklar abzeichnete, so stellt uns dieses (das Evangelium) das höchst lebendige Vorbild des Lebens, Christus, vor und durch den Anblick seines so gnadenvollen Antlitzes wird es jede Bewegung des Geistes durch seinen Glanz aufhellen. Und was denn anderes bedeutete jene für uns in der Wüste erhöhte Schlange, als dass wir mit festem Blick gläubig (fromm) zu Christus aufschauen" - so Melanchthon in einer Vorrede aus dem Jahre 1521 zur Ausgabe des Römerbriefs (MBW 142, T 1, 142f).
http://www.evang-kirche-eysoelden.de/pr100925.htm
... Wenn das Gift einmal da ist, das Denken besetzt und mutlos macht, das Gift, das überall einsickert und sich festsetzt, das Gift, das einen lähmt und leblos macht, dann ist das keine Lösung: “dass er die Schlangen von uns nehme.”
Dem Alkoholiker, der dabei ist, sich zu Tode zu trinken, kann man nicht sagen: ‘Hör doch auf zu trinken.’ Dem Depressiven, der seinen Lebensmut verloren und das Gift der Schwermut in sich aufgenommen hat, kann man nicht sagen: ‘Sei doch wieder fröhlich.’ Dem Volk Israel in der Wüste, das sich destruktiver Schwermut hingibt, ist nicht geholfen, wenn sein Bitte erfüllt wird, ”dass er die Schlangen von uns nehme.” (...)
In der Geschichte von Mose und der Schlange geht es um Leben und Tod. Wie überlebe ich den Biss der Schlange? Wie stehe ich eine Krise durch, die mich schleichend vergiftet und in Schwermut stürzt? Nach dieser Geschichte nicht durch positives Denken, das derzeit so im Schwange ist, sondern durch das Anschauen dessen, was mich quält und mir zu schaffen macht.
Eine Weisheit, die heute nicht mehr gefragt ist. Die aber dennoch wahr ist. Die Verheißung Gottes gilt auch heute noch: “Wer gebissen ist und schaut die Schlange an, der soll leben.”
Pastor Dr. Christoph Schroeder, Predigt über 4. Mose 21,4-9, 02.04.2006 in der Auferstehungskirche Großhansdorf.
www.predigtpreis.de
Symeon der Neue Theologe (949-1022) ist einer der größten Mystiker der orthodoxen Kirche. Er stammt aus einem vornehmen Geschlecht und hätte Karriere machen können am kaiserlichen Hof. Er wählt das Kloster Studios im Süden von Konstantinopel. Mit 20 Jahren hat er eine intensive Lichtvision, die sein Leben verändert. Überwältigendes Staunen steht am Anfang seines inneren Weges. Er erfährt Gott als Licht, nah und unfassbar. Es ist, wie wenn die Sonne, die wir alle sehen, in unser Herz herunterkommt. Staunend fragt Symeon: »Wie sollte er bei dieser Schau nicht außer sich und überwältigt sein vom Staunen, wie sollte er den nicht lieben, der ihm das Leben gibt?« Dieses Umflutetsein vom Licht führt ihn zu einer persönlichen Gottesbeziehung, zur Gottesliebe, die überall spürbar wird. Symeon hält an dieser Hoffnung fest, obwohl er auch viel Schweres erlebt, Ablehnung, Rivalität und Neid. Er lässt sich trotz Kritik nicht beirren und er traut allen Menschen eine intensive Gotteserfahrung zu, die verwandeln kann. Bei ihm taucht die Spannung zwischen Amt und Charisma auf, weil er alle Menschen ermächtigt, Gott in sich zu entdecken. Er konkretisiert damit, was seit Athanasios von Alexandria (298-373) in der griechischen Theologie aufscheint: »Gott wurde Mensch, damit der Mensch Gott werde.«
Aus: Pierre Stutz, geborgen und frei. Mystik als Lebensstil. Kösel Verlag, München 2008.
Nächstdem, sprach ich, vergleiche dir unsere Natur in bezug auf Bildung und Unbildung folgendem Zustande. Sieh nämlich Menschen wie in einer unterirdischen, höhlenartigen Wohnung, die einen gegen das Licht geöffneten Zugang längs der ganzen Höhle hat. In dieser seien sie von Kindheit an gefesselt an Hals und Schenkeln, so daß sie auf demselben Fleck bleiben und auch nur nach vorne hin sehen, den Kopf aber herumzudrehen der Fessel wegen nicht vermögend sind. Licht aber haben sie von einem Feuer, welches von oben und von ferne her hinter ihnen brennt. Zwischen dem Feuer und den Gefangenen geht obenher ein Weg, längs diesem sieh eine Mauer aufgeführt wie die Schranken, welche die Gaukler vor den Zuschauern sich erbauen, über welche herüber sie ihre Kunststücke zeigen. - Ich sehe, sagte er. - Sieh nun längs dieser Mauer Menschen allerlei Geräte tragen, die über die Mauer herüberragen, und Bildsäulen und andere steinerne und hölzerne Bilder und von allerlei Arbeit; einige, wie natürlich, reden dabei, andere schweigen. - Ein gar wunderliches Bild, sprach er, stellst du dar und wunderliche Gefangene. - Uns ganz ähnliche, entgegnete ich. Denn zuerst, meinst du wohl, daß dergleichen Menschen von sich selbst und voneinander je etwas anderes gesehen haben als die Schatten, welche das Feuer auf die ihnen gegenüberstehende Wand der Höhle wirft? - Wie sollten sie, sprach er, wenn sie gezwungen sind, zeitlebens den Kopf unbeweglich zu halten! - Und von dem Vorübergetragenen nicht eben dieses? - Was sonst? - Wenn sie nun miteinander reden könnten, glaubst du nicht, daß sie auch pflegen würden, dieses Vorhandene zu benennen, was sie sähen? - Notwendig. - Und wie, wenn ihr Kerker auch einen Widerhall hätte von drüben her, meinst du, wenn einer von den Vorübergehenden spräche, sie würden denken, etwas anderes rede als der eben vorübergehende Schatten? - Nein, beim Zeus, sagte er. - Auf keine Weise also können diese irgend etwas anderes für das Wahre halten als die Schatten jener Kunstwerke? - Ganz unmöglich. - Nun betrachte auch, sprach ich, die Lösung und Heilung von ihren Banden und ihrem Unverstande, wie es damit natürlich stehen würde, wenn ihnen folgendes begegnete. Wenn einer entfesselt wäre und gezwungen würde, sogleich aufzustehen, den Hals herumzudrehen, zu gehen und gegen das Licht zu sehn, und, indem er das täte, immer Schmerzen hätte und wegen des flimmernden Glanzes nicht recht vermöchte, jene Dinge zu erkennen, wovon er vorher die Schatten sah: was, meinst du wohl, würde er sagen, wenn ihm einer versicherte, damals habe er lauter Nichtiges gesehen, jetzt aber, dem Seienden näher und zu dem mehr Seienden gewendet, sähe er richtiger, und, ihm jedes Vorübergehende zeigend, ihn fragte und zu antworten zwänge, was es sei? Meinst du nicht, er werde ganz verwirrt sein und glauben, was er damals gesehen, sei doch wirklicher als was ihm jetzt gezeigt werde? - Bei weitem, antwortete er. -
Und wenn man ihn gar in das Licht selbst zu sehen nötigte, würden ihm wohl die Augen schmerzen, und er würde fliehen und zu jenem zurückkehren, was er anzusehen imstande ist, fest überzeugt, dies sei in der Tat deutlicher als das zuletzt Gezeigte? - Allerdings. - Und, sprach ich, wenn ihn einer mit Gewalt von dort durch den unwegsamen und steilen Aufgang schleppte und nicht losließe, bis er ihn an das Licht der Sonne gebracht hätte, wird er nicht viel Schmerzen haben und sich gar ungern schleppen lassen? Und wenn er nun an das Licht kommt und die Augen voll Strahlen hat, wird er nicht das Geringste sehen können von dem, was ihm nun für das Wahre gegeben wird. - Freilich nicht, sagte er, wenigstens nicht sogleich. - Gewöhnung also, meine ich, wird er nötig haben, um das Obere zu sehen. Und zuerst würde er Schatten am leichtesten erkennen, hernach die Bilder der Menschen und der andern Dinge im Wasser, und dann erst sie selbst. Und hierauf würde er was am Himmel ist und den Himmel selbst leichter bei Nacht betrachten und in das Mond- und Sternenlicht sehen als bei Tage in die Sonne und in ihr Licht. - Wie sollte er nicht! - Zuletzt aber, denke ich, wird er auch die Sonne selbst, nicht Bilder von ihr im Wasser oder anderwärts, sondern sie als sie selbst an ihrer eigenen Stelle anzusehen und zu betrachten imstande sein. - Notwendig, sagte er. - Und dann wird er schon herausbringen von ihr, daß sie es ist, die alle Zeiten und Jahre schafft und alles ordnet in dem sichtbaren Raume und auch von dem, was sie dort sahen, gewissermaßen die Ursache ist. - Offenbar, sagte er, würde er nach jenem auch hierzu kommen. - Und wie, wenn er nun seiner ersten Wohnung gedenkt und der dortigen Weisheit und der damaligen Mitgefangenen, meinst du nicht, er werde sich selbst glücklich preisen über die Veränderung, jene aber beklagen? - Ganz gewiß. - Und wenn sie dort unter sich Ehre, Lob und Belohnungen für den bestimmt hatten, der das Vorüberziehende am schärfsten sah und am besten behielt, was zuerst zu kommen pflegte und was zuletzt und was zugleich, und daher also am besten vorhersagen konnte, was nun erscheinen werde: glaubst du, es werde ihn danach noch groß verlangen und er werde die bei jenen Geehrten und Machthabenden beneiden? Oder wird ihm das Homerische begegnen und er viel lieber wollen und lieber alles über sich ergehen lassen, als wieder solche Vorstellungen zu haben wie dort und so zu leben? - So, sagte er, denke ich, wird er sich alles eher gefallen lassen, als so zu leben. - Auch das bedenke noch, sprach ich. Wenn ein solcher nun wieder hinunterstiege und sich auf denselben Schemel setzte: würden ihm die Augen nicht ganz voll Dunkelheit sein, da er so plötzlich von der Sonne herkommt? - Ganz gewiß. - Und wenn er wieder in der Begutachtung jener Schatten wetteifern sollte mit denen, die immer dort gefangen gewesen, während es ihm noch vor den Augen flimmert, ehe er sie wieder dazu einrichtet, und das möchte keine kleine Zeit seines Aufenthalts dauern, würde man ihn nicht auslachen und von ihm sagen, er sei mit verdorbenen Augen von oben zurückgekommen und es lohne nicht, daß man auch nur versuche hinaufzukommen; sondern man müsse jeden, der sie lösen und hinaufbringen wollte, wenn man seiner nur habhaft werden und ihn umbringen könnte, auch wirklich umbringen? - So sprächen sie ganz gewiß, sagte er.
Dieses ganze Bild nun, sagte ich, lieber Glaukon, mußt du mit dem früher Gesagten verbinden, die durch das Gesicht uns erscheinende Region der Wohnung im Gefängnisse gleichsetzen und den Schein von dem Feuer darin der Kraft der Sonne; und wenn du nun das Hinaufsteigen und die Beschauung der oberen Dinge setzt als den Aufschwung der Seele in die Region der Erkenntnis, so wird dir nicht entgehen, was mein Glaube ist, da du doch dieses zu wissen begehrst. Gott mag wissen, ob er richtig ist; was ich wenigstens sehe, das sehe ich so, daß zuletzt unter allem Erkennbaren und nur mit Mühe die Idee des Guten erblickt wird, wenn man sie aber erblickt hat, sie auch gleich dafür anerkannt wird, daß sie für alle die Ursache alles Richtigen und Schönen ist, im Sichtbaren das Licht und die Sonne, von der dieses abhängt, erzeugend, im Erkennbaren aber sie allein als Herrscherin Wahrheit und Vernunft hervorbringend, und daß also diese sehen muß, wer vernünftig handeln will, es sei nun in eigenen oder in öffentlichen Angelegenheiten. - Auch ich, sprach er, teile die Meinung so gut ich eben kann. - Komm denn, sprach ich, teile auch diese mit mir und wundere dich nicht, wenn diejenigen, die bis hierher gekommen sind, nicht Lust haben, menschliche Dinge zu betreiben, sondern ihre Seelen immer nach dem Aufenthalt oben trachten; denn so ist es ja natürlich, wenn sich dies nach dem vorher aufgestellten Bilde verhält. – Natürlich freilich, sagte er. - Und wie? Kommt dir das wunderbar vor, fuhr ich fort, daß, von göttlichen Anschauungen unter das menschliche Elend versetzt, einer sich übel gebärdet und gar lächerlich erscheint, wenn er, solange er noch trübe sieht und ehe er sich an die dortige Finsternis hinreichend gewöhnt hat, schon genötigt wird, vor Gericht oder anderwärts zu streiten über die Schatten des Gerechten oder die Bilder, zu denen sie gehören, und dieses auszufechten, wie es sich die etwa vorstellen, welche die Gerechtigkeit selbst niemals gesehen haben? - Nicht im mindesten zu verwundern! sagte er. - Sondern, wenn einer Vernunft hätte, fuhr ich fort, so würde er bedenken, daß durch zweierlei und auf zwiefache Weise das Gesicht gestört sein kann, wenn man aus dem Licht in die Dunkelheit versetzt wird, und wenn aus der Dunkelheit in das Licht. Und ebenso, würde er denken, gehe es auch mit der Seele, und würde, wenn er eine verwirrt findet und unfähig zu sehen, nicht unüberlegt lachen, sondern erst zusehen, ob sie wohl von einem lichtvolleren Leben herkommend aus Ungewohnheit verfinstert ist oder ob sie, aus größerem Unverstande ins Hellere gekommen, durch die Fülle des Glanzes geblendet wird; und so würde er dann die eine wegen ihres Zustandes und ihrer Lebensweise glücklich preisen, die andere aber bedauern; oder, wenn er über diese lachen wollte, wäre sein Lachen nicht so lächerlich als das über die, welche von oben her aus dem Licht kommt. - Sehr richtig gesprochen, sagte er. -
Platon Politeia (Übersetzer: Friedrich Schleiermacher) Siebentes Buch.
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Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
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Im Verständnis dieser jüdischen Geschichtsschreiber geht es eher um eine Geschichtsdeutung, die auf der einen Seite versucht, eine Reihe von gesellschaftlichen und politischen Geschehnissen über einen größeren Zeitraum zusammen zu schauen. Auf der anderen Seite werden diese Ereignisse aus dem religiösen Kontext heraus mit dem Wirken Gottes in Verbindung gebracht und als Geschichte Gottes mit seinem Volk unter der Verwendung unterschiedlichster literarischer Gattungen (Sagen, Siegeslieder, Gebete, Vertragstexte, Biografien...) erzählt.
Die Geschichte ist ein Ort der Gotteserfahrung, die über die unmittelbar Betroffenen auch noch Bedeutung und Wirkung für die Gläubigen späterer Zeiten hat.
Die meisten der geschichtlichen Bücher der Bibel (Buch Josua, Buch der Richter, Samuelbücher, Königsbücher, Bücher der Chronik, Bücher der Makkabäer...) entstanden in der Auseinandersetzung mit historischen Krisenerfahrungen. Als eine Theologie der Geschichte versuchen sie, Sinn und Bedeutung von geschichtlichen Ereignissen und von Geschichte überhaupt verständlich zu machen.
Das erste Buch der Chronik (1 Chr) beginnt "ganz am Anfang" mit den Nachkommen Adams. Die Liste der Nachkommen wird bis in die Zeit der ersten Könige weitergeführt, die eigentliche Erzählung setzt mit König Saul und König David ein. Das erste Buch der Chronik endet mit dem Tod Davids.
Das zweite Buch der Chronik beginnt mit Davids Sohn Salomo und schildert nach dem Höhepunkt des Tempelbaus den zunehmenden Verfall des Königreiches Israel, zuerst die Trennung in ein Nordreich Israel und ein Südreich Juda, die politischen und religiösen Um- und Zustände unter den verschiedenen Königen hauptsächlich des Südreiches Juda, bis zum Ende des Südreiches mit der Eroberung durch den babylonischen König Nebukadnezzar (ca. 586 v. Chr.). 2 Chr endet mit dem Edikt des Königs Kyros von Persien, das das Babylonische Exil des jüdischen Volkes beendet und einen Neubeginn in der Geschichte Israels darstellt.
Der Untergang des Reiches Juda
Der Text der heutigen Lesung erzählt und deutet den Untergang des Südreiches Juda.
Ähnlich wie der Autor schon die Königsbiografien, die jeweilige religiöse und politische Haltung mit den Ereignissen im Land in Zusammenhang bringt, zeigt er auch hier den Abfall des Königs, der führenden Männer Israels, der Priester und damit auch des Volkes von Gott auf. Untreue gegenüber dem Bund mit Gott, Verachtung des Wortes Gottes und seiner Profeten sind für ihn die Ursachen der großen Katastrophe, die die Zeit des Königreiches Juda beendet.
Mit diesem Verständnis darf man dem Autor aber nicht ein rachsüchtiges Gottesbild unterschieben, das Bild eines Gottes, der Gleiches mit Gleichem vergilt, sondern er versucht die Zuwendung eines barmherzigen und verzeihenden Gottes auszudrücken, dessen Handeln auf Heilung ausgerichtet ist. Selbst in der Katastrophe ist es ein Gott, der sich selbst und seinen Verheißungen, auch wenn sein Volk trotz vieler Warnungen ins Messer läuft und durch die kriegerischen und politischen Umstände zerrieben wird.
Über die Zerstörung hinaus bleibt das unbedingte Ja Gottes zu seinem Volk bestehen, nicht um das Geschehen zu verharmlosen sondern um den Ernst der Beziehung Gottes zu seinem Volk zu verdeutlichen.
Beide Bücher umfassen zusammen 65 Kapitel und beschreiben die Entwicklung des Volkes Israel aus religiöser und soziologischer Sicht. Der Aufbau weist Ähnlichkeiten zu den Königsbüchern auf, die aber eher politische Thematiken beschreiben.
2 Chr endet mit der Entlassung aus dem babylonischen Exil, deren Verkündigung die vorliegende Perikope beinhaltet.
In den für die Lesung ausgelassenen Versen wird die Vernichtung Judas deutlicher beschrieben, ohne dass es etwas an der Grundaussage verändert. Die letzten Verse leiten schon über zum Buch Esra, das im chronistischen Geschichtswerk die Fortsetzung darstellt. Nach der Geschichte des Untergangs kommt es zur Geschichte des Neubeginns in geistig-geistlicher Lebendigkeit.