Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Es war einige Tage vor dem Pas-chafest..
Als sie in die Nähe von Jerusalem kamen,
nach Bétfage und Betánien am Ölberg,
schickte Jesus zwei seiner Jünger aus.
Er sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt;
gleich wenn ihr hineinkommt,
werdet ihr einen jungen Esel angebunden finden,
auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat.
Bindet das Fohlen los
und bringt es her!
Und wenn jemand zu euch sagt: Was tut ihr da?,
dann antwortet: Der Herr braucht es;
er lässt es bald wieder zurückbringen.
Da machten sie sich auf den Weg
und fanden außen an einer Tür an der Straße
ein Fohlen angebunden
und sie banden es los.
Einige, die dabeistanden, sagten zu ihnen:
Wie kommt ihr dazu, das Fohlen loszubinden?
Sie gaben ihnen zur Antwort, was Jesus gesagt hatte,
und man ließ sie gewähren.
Sie brachten das Fohlen zu Jesus,
legten ihre Kleider auf das Tier
und er setzte sich darauf.
Und viele breiteten ihre Kleider auf den Weg aus,
andere aber Büschel,
die sie von den Feldern abgerissen hatten.
Die Leute, die vor ihm hergingen und die ihm nachfolgten, riefen:
Hosanna!
Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn!
Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David,
das nun kommt.
Hosanna in der Höhe!
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit
hörte die große Volksmenge,
die sich zum Paschafest eingefunden hatte,
Jesus komme nach Jerusalem.
Da nahmen sie Palmzweige,
zogen hinaus, um ihn zu empfangen,
und riefen:
Hosanna!
Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn,
der König Israels!
Jesus fand einen jungen Esel und setzte sich darauf –
wie es in der Schrift heißt:
Fürchte dich nicht, Tochter Zion!
Siehe, dein König kommt;
er sitzt auf dem Fohlen einer Eselin.
Das alles verstanden seine Jünger zunächst nicht;
als Jesus aber verherrlicht war,
da wurde ihnen bewusst, dass es so über ihn geschrieben stand
und dass man so an ihm gehandelt hatte.
In der Version des Johannes zieht die Volksmenge auf die Nachricht hin, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde, ihm mit Palmzweigen entgegen. Der Palmzweig gilt als Symbol des Sieges. Jesus kommt als der „messianische König und Sieger“ in seine Stadt. Die Passion Jesu wird damit zu einer „Siegesgeschichte“. Johannes verzichtet auch auf die „legendenhaften Züge“ der Markus-Version, wie die Aussendung der Jünger, das Finden des Fohlens, das Ausbreiten der Gewänder u.a.
Mit dem feierlichen Einzug Jesu in Jerusalem und seiner Akklamation als „König von Israel“ ist ein weiterer Höhepunkt im öffentlichen Wirken Jesu erreicht. Die Menge stellt mit ihrem positiven Zeugnis für Jesus vor allem die Hohenpriester und Pharisäer vor eine Entscheidung. Der Konflikt erreicht seinen Höhepunkt. Bei diesem Erfolg Jesu müssen sie etwas unternehmen und versuchen, die Angelegenheit zu einem Ende zu bringen.
Die Bemerkung, die Jünger hätten den Vorgang, als er sich abspielte, gar nicht verstanden, zeigt, dass Johannes einen Unterschied macht zwischen dem ursprünglichen Ereignis selbst, dem Zeichen, das von Jesus gesetzt worden war, und dem nachösterlichen Verständnis.
Lesung aus dem Buch Jesaja.
GOTT, der Herr, gab mir die Zunge von Schülern,
damit ich verstehe,
die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort.
Jeden Morgen weckt er mein Ohr,
damit ich höre, wie Schüler hören.
GOTT, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet.
Ich aber wehrte mich nicht
und wich nicht zurück.
Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen,
und meine Wange denen, die mir den Bart ausrissen.
Mein Gesicht verbarg ich nicht
vor Schmähungen und Speichel.
Und GOTT, der Herr, wird mir helfen;
darum werde ich nicht in Schande enden.
Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel;
ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Es ist das Lied eines Knechtes Gottes. Gleichzeitig ist es ein Lied über den Knecht Gottes. Wer er war? Ein Einzelner? Womöglich Israel selbst? Die Gesichtszüge haben sich nie rekonstruieren lassen. Aber das Lied legt Spuren: Der Knecht Gottes hat die Zunge eines Jüngers und stärkt die Müden mit einem Wort, das aufrichtet - und ihm wird jeden Morgen das Ohr geöffnet, um von Gott das Wort zu bekommen, das ihn hält. Auch, als er geschlagen, geschmäht und bespuckt wird. Dem Lied gelingt, in einem Satz zu sagen, was der Knecht Gottes tut und was mit ihm geschieht. Er wird von der Zusage Gottes gehalten und richtet mit seinem Wort andere, hier: Müde, auf. Im Lied bekommt sein Vertrauen Worte, die seitdem vielen Menschen helfen, Tiefpunkte, Erniedrigungen und Verletzungen auszuhalten, aber auch den Kampf mit der Resignation zu gewinnen.
Als drittes Gottesknechtlied wurde dieser Text mit den anderen - insgesamt 4 - in das Buch Jesaja eingefügt. Es ist nicht sicher, wann das geschah, aber was gelegentlich wie ein Fremdkörper wirkt, entpuppt sich als Pfeiler: Die Trost-Botschaft, die Deuterojesaja den Menschen im babylonischen Exil - einer der größten Tragödien überhaupt, die Israel erlebte - gibt, ruht wie eine Brücke auf diesen Pfeilern und wird von ihnen gehalten.
Natürlich war damals von Jesus noch nicht die Rede und das später entwickelte Schema "Verheißung" - "Erfüllung" noch nicht formuliert, aber der Gottesknecht hat in diesem Lied vertraute Züge, die uns im Evangelium wieder begegnen: dass eine Zunge Kraft hat, Menschen ohne Hoffnungen aufzurichten - und dass das Ohr Leben empfängt. Dieses Lied vom Knecht Gottes ist eine Hommage auf die Sinne - und das sehr sinnliche Wort Gottes.
Das Knecht-Gottes-Lied hat in Röm 8,31-39 von Paulus eine bemerkenswerte Auslegung erhalten: In dem Verfahren, in dem die Auserwählten Gottes angeklagt werden, können sie von der Liebe Christi nicht geschieden werden. Das Urteil ist ein Frei-Spruch, ein Lebens-Urteil.
Die Leseordnung der Kirche hat für diesen Sonntag eines der Gottesknechtlieder aus dem Buch Deuterojesaja ausgewählt. Der Schüler des Propheten spricht in diesem Text von seiner Beauftragung. Er soll mit der Zunge eines Jüngers den entmutigten Menschen im babylonischen Exil neue Hoffnung machen. Um diesen Dienst aber auch erfüllen zu können, bedarf es eines offenen Ohrs. Gott öffnet dem Jünger das Ohr, damit er wie ein guter Schüler den Menschen zuhören kann. Dieses "Ohrenöffnungsritual" wiederholt sich gleichsam jeden Tag, denn Gott weiß, wie leicht die Menschen unter "verstopften Ohren" leiden können und nur mehr hören, was sie hören wollen. Ein offenes Ohr ist aber die Voraussetzung für gutes und erfolgreiches pastorales Arbeiten und eine aufrichtige Verkündigung. Bevor der Jünger von Gott spricht, gilt es den Menschen gut zuzuhören.
Wie auch am Karfreitag begegnet uns heute eines der vier Gottesknechtslieder, die sich im Deuterojesaja befinden und zum Teil als eigene literarische Schicht gegolten haben (so z. B. bei B. Duhm).
Individuell gedeutet kann der Ebed JHWH’s als königliche oder prophetische Gestalt. Andererseits in der kollektiven Deutung als Israel/Jakob, als das Volk Gottes. Das stellvertretende Leiden jenes einen Knechtes bringt Recht für die Völker und die Vergebung der Sünden (vgl. Jes 42,1-4; 49,1-6; 50,4-9; 52,13-53,12).
Es ist eine reine christliche Deutung, in diesem Gottesknecht Jesus Christus sehen zu wollen, in die Texte des Ersten Testaments nach dem Schema Verheißung – Erfüllung die Christologie hineinzulegen, wenngleich es vielfach in unsere katholische Tradition Einzug gehalten hat und diese alttestamentlichen Lesungen aus dem Buch des Propheten Jesaja deshalb aus der Karwochenliturgie nicht mehr wegzudenken sind. Eine Einladung erneut an uns, Obacht zu geben und Wert darauf zu legen, dass das Erste Testament in seinem Eigenwert zu lesen ist.
Nach der Gottesrede in Jes 50,1-3 hat Gott den Mund eines anderen geöffnet, dessen Rede in diesem Abschnitt mit der zweimaligen Aufforderung zum bewussten Wahrnehmen der Größe und Hilfe Gottes endet (Vers 9), bevor der Sprecher mit Mahnungen und Aufforderungen erneut einsetzt. JHWH hat seinem Knecht die Sinne geöffnet (Zunge und Ohr), gleichsam als Voraussetzung dafür, alles als Gottesknecht erdulden zu können. Auf ihn hin ist er ausgerichtet. Das und das Vertrauen allein geben ihm Kraft. Die ihm Gewalt antun, hat das Gericht des Herrn bereits getroffen.
Kv: Mein Gott, mein Gott,
warum hast du mich verlassen? – Kv
(Oder GL 293)
Alle, die mich sehen, verlachen mich,
verziehen die Lippen, schütteln den Kopf:
Wälze die Last auf den HERRN! /
Er soll ihn befreien,
er reiße ihn heraus, wenn er an ihm Gefallen hat! - Kv
Denn Hunde haben mich umlagert, /
eine Rotte von Bösen hat mich umkreist.
Sie haben mir Hände und Füße durchbohrt.
Ich kann all meine Knochen zählen;
sie gaffen und starren mich an. - Kv
Sie verteilen unter sich meine Kleider
und werfen das Los um mein Gewand.
Du aber, HERR, halte dich nicht fern!
Du, meine Stärke, eile mir zu Hilfe! - Kv
Ich will deinen Namen meinen Brüdern verkünden,
inmitten der Versammlung dich loben.
Die ihr den HERRN fürchtet, lobt ihn; /
all ihr Nachkommen Jakobs, rühmt ihn;
erschauert vor ihm, all ihr Nachkommen Israels! - Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Philippi.
Christus Jesus war Gott gleich,
hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein,
sondern er entäußerte sich
und wurde wie ein Sklave
und den Menschen gleich.
Sein Leben war das eines Menschen;
er erniedrigte sich
und war gehorsam bis zum Tod,
bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn Gott über alle erhöht
und ihm den Namen verliehen,
der größer ist als alle Namen,
damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde
ihr Knie beugen vor dem Namen Jesu
und jeder Mund bekennt:
"Jesus Christus ist der Herr" -
zur Ehre Gottes, des Vaters.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Paulus schreibt in seiner Gefangenschaft einen Brief an die erste christliche Gemeinde auf europäischem Boden, an Philippi. Mit ihr weiß er sich sehr verbunden, ist besorgt um sie. Von daher sind auch die Grundanliegen des Briefes zu verstehen, die sich auch in dieser Lesung widerspiegeln: Inmitten eines heidnischen Umfeldes bedarf die junge Christengemeinde der Festigung und Belehrung im Glauben. Die paulinische Paraklese meint darin mehr als Ermahnung "Dies und jenes sollt ihr tun", sondern vielmehr ein Besorgtsein, ein Sichkümmern, ein Inverantwortunggenommensein über die Distanz hinweg. Paulus wird von Unstimmigkeiten, von Streitereien und Prahlerei gehört haben, worauf er nun reagiert. Die Ermahnung hat dort ihren Platz, wo die Gemeinschaft im Geist und das Wohlwollen des Herzens wohnen. Grund und Motivation für diese geschwisterliche Zurechtweisung, die auch Eingang in unsere katholische Tradition gefunden hat, ist das Gemeinwohl vor allem Eigenwohl.
In Phil 2,6-11 schiebt Paulus einen Christus-Hymnus ein. Die feierliche, gehobene Sprache der Mahnrede in den Versen 1-4 deutet bereits an, dass dieser Teil in einem engen Zusammenhang steht mit dem Christuslied, das schon vor Paulus in den Gemeinden gesungen wurde. Vers 5 leitet über: Als getaufte Christen sollen sich die Glieder der Gemeinde in einem neuen, besonderen Verhältnis zu Jesus Christus begreifen: Nicht nur nach dem Vorbild Jesu Christi zu leben, sondern das ganze Dasein als In-Christus-Sein zu verstehen.
Durch die feierliche „Ermahnung in Christus“ wird der darauffolgende Hymnus einerseits vorbereitet, andererseits wird die Mahnung des Apostels durch das Lied christologisch begründet. Wenn die Gemeinde eines Sinnes ist, in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig, dann deutet schon etwas auf von der großen Freude, die Gott am Ende der Zeiten schenkt ( ... macht meine Freude dadurch vollkommen, ...).
Das Christuslied selbst läßt zwei Teile erkennen: Die Erniedrigungsaussagen (Verse 6-8), in denen Christus der Handelnde ist, und die Erhöhungsaussagen (Verse 9-11); hier ist Gott der Handelnde. Der ganze Hymnus ist geprägt vom Stilmittel des Parallelismus. Die Verse 6 und 7 stehen einander gegenüber als These und Antithese: Er, der sich in der Daseinsweise Gottes befand, nahm Sklavendasein an; der nicht mit aller Macht daran festhielt, Gott gleich zu sein, entäußerte sich. Das gleiche gilt für die Verse 8 und 9: Er, der sich selbst erniedrigt hat, wird von Gott erhöht – und die Verse 7cd und 10: Der den Menschen völlig gleich gewordene wird vom ganzen Kosmos geehrt.
Der Hymnus endet mit der Proklamation: Jesus Christus ist der Herr! Der Name Jesus, der noch einmal an sein Menschsein erinnert, ist zugleich der Hoheitstitel. Aus dem ganzen Abschnitt wird klar: Kultische Verehrung, Bekenntnis des Glaubens und Leben aus seiner Gesinnung gehören zusammen. Durch alle Lebensvollzüge der Gemeinde wird Christus bekannt und geehrt, und durch ihn Gott der Vater.
De Hymnus ist geprägt von der Dynamik der Kenosis, der Entäußerung Christi. Gott geht für uns bis ins Letzte hinunter. Am Kreuz aber ist der Wendepunkt - der Aufstieg Jesu Christi nimmt dort seinen Anfang bis zum Lobpreis und dem Bekenntnis aller Geschöpflichkeit.
Paulus zitiert einen Hymnus, der in der frühen Kirche unbefangen das Geheimnis Christi mit dem – alten und in der Mythologie verbreiteten – Schema Abstieg / Aufstieg besingt. Der Entäußerung, die bis in den Tod reicht, wird der "verliehene Name" gegenübergestellt, der im Christus-Bekenntnis "Herr ist Jesus" mündet. Wir begegnen hier dem ursprünglichen Glaubensbekenntnis, das noch ohne streitbehaftete (und auslegungsbedürftige) Sätze zusammenfasst, was christliches Leben ausmacht: dass er das letzte Wort hat, über alles – und für alle.
Paulus, ein Meister, der das Evangelium in Briefen zu den Menschen bringt, entwindet den Hymnus mythologischen Denkmustern und verbindet das Leben Jesu mit dem seiner Jüngerinnen und Jünger: Seid untereinander auch so gesinnt… In einem Leben, das dem "Leben in Christus Jesus entspricht", erweist sich das Bekenntnis zu ihm als tragfähig und wirklich. Bedenken, zumal die vielen Bedenken, die von Gottesdienst zu Gottesdienst heute variiert werden, werden von Paulus nicht geteilt. Er hat das Zutrauen, das ein Leben gelingt, in dem Jesus als der "Kyrios" bekannt und angerufen wird. Dass der Ort Philippi keine Insel der Seligen ist, weiß Paulus, hindert ihn aber nicht, den Lebenslauf Christi als Verheißung und Vorbild hinzustellen.
Als Paulus den Hymnus aufgreift und ihn zitiert, gibt es die schriftlich ausformulierten Evangelien noch nicht. Heute gelesen, mutet er wie eine Kurzfassung des Evangeliums an, das vierfach überliefert wird und auch die Briefe im NT prägt. Nicht zuletzt geht es darum, Jesu Namen zu tragen (Taufe), sich mit ihm zu schmücken und zu segnen. Im übrigen: der Christus-Hymnus, aus alter Zeit von Paulus gerettet, steht auch dafür, dass, wie der Theologe Edmund Schlink sagte, das Dogma Lobpreis und Lebenshilfe ist (und nicht das Gerüst, um Wahrheiten festzulegen).
Die zweite Lesung am heutigen Sonntag führt uns den Christushymnus aus dem Brief des Paulus an die Gemeinde in Philippi zu Ohren und Herzen. Dieser Hymnus ist eine der komplexesten und ältesten (Abfassungszeit des Philipperbriefes zwischen 50 und 60 n. Chr.) paulinischen “Kurzformeln des Glaubens” (Rahner). Anders als die anderen vergleichbaren Textbeispiele ist der Christushymnus nahezu ein vollständiges Christusbekenntnis und umfasst das ganze christologische Heilsmysterium: der Hinweis auf Jesu menschliche und göttliche Natur, die Annahme des Leidens als göttlicher Solidarakt mit der Menschheit und schließlich die Befreiung aus allem Unheil und die Erhöhung zu Gott.
Dieses Christusbekenntnis des Paulus spiegelt auch seine aktuelle Spiritualität. Philippi war zu Beginn seiner Mission ein großer Erfolg des Paulus. Später dann erfuhr er gerade aus Philippi antichristliche Ressentiments und Verfolgung.
Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit! – Kv
Christus war für uns gehorsam bis zum Tod,
bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn Gott über alle erhöht
und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen.
Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit!
E = Evangelist, † Worte Jesu, S = Worte sonstiger Personen
Das Leiden unseres Herrn Jesus Christus nach Markus.
E: Es war zwei Tage vor dem Pas-cha.
und dem Fest der Ungesäuerten Brote.
Die Hohepriester und die Schriftgelehrten
suchten nach einer Möglichkeit,
Jesus mit List in ihre Gewalt zu bringen, um ihn zu töten.
Sie sagten aber:
S: Ja nicht am Fest,
damit es im Volk keinen Aufruhr gibt!
E: Als Jesus in Betánien
im Haus Simons des Aussätzigen zu Tisch war,
kam eine Frau
mit einem Alabastergefäß voll echtem, kostbarem Nardenöl,
zerbrach es
und goss das Öl über sein Haupt.
Einige aber wurden unwillig
und sagten zueinander:
S: Wozu diese Verschwendung?
Man hätte das Öl um mehr als dreihundert Denáre verkaufen
und das Geld den Armen geben können.
E: Und sie fuhren die Frau heftig an.
Jesus aber sagte:
† Hört auf!
Warum lasst ihr sie nicht in Ruhe?
Sie hat ein gutes Werk an mir getan.
Denn die Armen habt ihr immer bei euch
und ihr könnt ihnen Gutes tun, sooft ihr wollt;
mich aber habt ihr nicht immer.
Sie hat getan, was sie konnte.
Sie hat im Voraus meinen Leib für das Begräbnis gesalbt.
Amen, ich sage euch:
Auf der ganzen Welt, wo das Evangelium verkündet wird,
wird man auch erzählen, was sie getan hat,
zu ihrem Gedächtnis.
E: Judas Iskáriot, einer der Zwölf, ging zu den Hohepriestern.
Er wollte Jesus an sie ausliefern.
Als sie das hörten,
freuten sie sich
und versprachen, ihm Geld dafür zu geben.
Von da an
suchte er nach einer günstigen Gelegenheit,
ihn auszuliefern.
E: Am ersten Tag des Festes der Ungesäuerten Brote,
an dem man das Paschalamm zu schlachten pflegte,
sagten die Jünger zu Jesus:
S: Wo sollen wir das Paschamahl für dich vorbereiten?
E: Da schickte er zwei seiner Jünger voraus
und sagte zu ihnen:
†: Geht in die Stadt;
dort wird euch ein Mensch begegnen,
der einen Wasserkrug trägt.
Folgt ihm,
bis er in ein Haus hineingeht;
dann sagt zu dem Herrn des Hauses:
Der Meister lässt dich fragen:
Wo ist der Raum,
in dem ich mit meinen Jüngern das Paschalamm essen kann?
Und der Hausherr
wird euch einen großen Raum im Obergeschoss zeigen,
der schon für das Festmahl hergerichtet
und mit Polstern ausgestattet ist.
Dort bereitet alles für uns vor!
E: Die Jünger machten sich auf den Weg
und kamen in die Stadt.
Sie fanden alles so, wie er es ihnen gesagt hatte,
und bereiteten das Paschamahl vor.
E: Als es Abend wurde,
kam Jesus mit den Zwölf.
Während sie nun zu Tisch waren und aßen,
sagte Jesus:
†: Amen, ich sage euch:
Einer von euch wird mich ausliefern,
einer, der mit mir isst.
E: Da wurden sie traurig
und einer nach dem andern fragte ihn:
S: Doch nicht etwa ich?
E: Er sagte zu ihnen:
†: Einer von euch Zwölf,
der mit mir in dieselbe Schüssel eintunkt.
Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen,
wie die Schrift über ihn sagt.
Doch weh dem Menschen,
durch den der Menschensohn ausgeliefert wird!
Für ihn wäre es besser,
wenn er nie geboren wäre.
E: Während des Mahls nahm er das Brot
und sprach den Lobpreis;
dann brach er das Brot,
reichte es ihnen
und sagte:
†: Nehmt, das ist mein Leib.
E: Dann nahm er den Kelch,
sprach das Dankgebet,
gab ihn den Jüngern
und sie tranken alle daraus.
Und er sagte zu ihnen:
†: Das ist mein Blut des Bundes,
das für viele vergossen wird.
Amen, ich sage euch:
Ich werde nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken
bis zu dem Tag,
an dem ich von Neuem davon trinke im Reich Gottes.
E: Nach dem Lobgesang gingen sie zum Ölberg hinaus.
Da sagte Jesus zu ihnen:
†: Ihr werdet alle Anstoß nehmen;
denn in der Schrift steht:
Ich werde den Hirten erschlagen,
dann werden sich die Schafe zerstreuen.
Aber nach meiner Auferstehung
werde ich euch nach Galiläa vorausgehen.
E: Da sagte Petrus zu ihm:
S: Auch wenn alle Anstoß nehmen –
ich nicht!
E: Jesus sagte ihm:
†: Amen, ich sage dir:
Heute, in dieser Nacht, ehe der Hahn zweimal kräht,
wirst du mich dreimal verleugnen.
E: Petrus aber beteuerte:
S: Und wenn ich mit dir sterben müsste –
ich werde dich nie verleugnen.
E: Das Gleiche sagten auch alle anderen.
E: Sie kamen zu einem Grundstück, das Getsémani heißt,
und er sagte zu seinen Jüngern:
†: Setzt euch hier,
während ich bete!
E: Und er nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich.
Da ergriff ihn Furcht und Angst
und er sagte zu ihnen:
†: Meine Seele ist zu Tode betrübt.
Bleibt hier und wacht!
E: Und er ging ein Stück weiter,
warf sich auf die Erde nieder
und betete, dass die Stunde, wenn möglich, an ihm vorübergehe.
Er sprach:
†: Abba, Vater,
alles ist dir möglich.
Nimm diesen Kelch von mir!
Aber nicht, was ich will,
sondern was du willst.
E: Und er ging zurück
und fand sie schlafend.
Da sagte er zu Petrus:
†: Simon, du schläfst?
Konntest du nicht einmal eine Stunde wach bleiben?
Wacht und betet,
damit ihr nicht in Versuchung geratet!
Der Geist ist willig,
aber das Fleisch ist schwach.
E: Und er ging wieder weg
und betete mit den gleichen Worten.
Als er zurückkam,
fand er sie wieder schlafend,
denn die Augen waren ihnen zugefallen;
und sie wussten nicht, was sie ihm antworten sollten.
Und er kam zum dritten Mal
und sagte zu ihnen:
† Schlaft ihr immer noch und ruht euch aus?
Es ist genug.
Die Stunde ist gekommen;
siehe, jetzt wird der Menschensohn in die Hände der Sünder ausgeliefert.
Steht auf,
wir wollen gehen!
Siehe, der mich ausliefert, ist da.
E: Noch während er redete,
kam Judas, einer der Zwölf,
mit einer Schar von Männern,
die mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet waren;
sie waren von den Hohepriestern,
den Schriftgelehrten und den Ältesten geschickt worden.
Der ihn auslieferte, hatte mit ihnen ein Zeichen vereinbart
und gesagt:
S: Der, den ich küssen werde, der ist es.
Nehmt ihn fest,
führt ihn sicher ab!
E: Und als er kam,
ging er sogleich auf Jesus zu
und sagte:
S: Rabbi!
E: Und er küsste ihn.
Da legten sie Hand an ihn
und nahmen ihn fest.
Einer von denen, die dabeistanden,
zog das Schwert,
schlug auf den Diener des Hohepriesters ein
und hieb ihm das Ohr ab.
Da sagte Jesus zu ihnen:
†: Wie gegen einen Räuber
seid ihr mit Schwertern und Knüppeln ausgezogen,
um mich festzunehmen.
Tag für Tag war ich bei euch im Tempel und lehrte
und ihr habt mich nicht verhaftet;
aber so mussten die Schriften erfüllt werden.
E: Da verließen ihn alle
und flohen.
Ein junger Mann aber,
der nur mit einem leinenen Tuch bekleidet war,
wollte ihm nachfolgen.
Da packten sie ihn;
er aber ließ das Tuch fallen
und lief nackt davon.
E: Darauf führten sie Jesus zum Hohepriester
und es versammelten sich alle Hohepriester
und Ältesten und Schriftgelehrten.
Petrus aber war Jesus von Weitem
bis in den Hof des Hohepriesters gefolgt;
nun saß er dort bei den Dienern
und wärmte sich am Feuer.
Die Hohepriester und der ganze Hohe Rat
bemühten sich um Zeugenaussagen gegen Jesus,
um ihn zum Tod verurteilen zu können;
sie fanden aber nichts.
Viele machten zwar falsche Aussagen gegen ihn,
aber die Aussagen stimmten nicht überein.
Einige der falschen Zeugen, die gegen ihn auftraten, behaupteten:
S: Wir haben ihn sagen hören:
Ich werde diesen
von Menschenhand gemachten Tempel niederreißen
und in drei Tagen einen anderen aufbauen,
der nicht von Menschenhand gemacht ist.
E: Aber auch in diesem Fall stimmten die Aussagen nicht überein.
Da stand der Hohepriester auf,
trat in die Mitte
und fragte Jesus:
S: Willst du denn nichts sagen
zu dem, was diese Leute gegen dich vorbringen?
E: Er aber schwieg
und gab keine Antwort.
Da wandte sich der Hohepriester nochmals an ihn
und fragte:
S: Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten?
E: Jesus sagte:
†: Ich bin es.
Und ihr werdet den Menschensohn
zur Rechten der Macht sitzen
und mit den Wolken des Himmels kommen sehen.
E: Da zerriss der Hohepriester sein Gewand
und rief:
S: Wozu brauchen wir noch Zeugen?
Ihr habt die Gotteslästerung gehört.
Was ist eure Meinung?
E: Und sie fällten einstimmig das Urteil:
S: Er ist des Todes schuldig.
E: Und einige spuckten ihn an,
verhüllten sein Gesicht,
schlugen ihn
und riefen:
S: Zeig, dass du ein Prophet bist!
E: Auch die Diener schlugen ihn ins Gesicht.
Als Petrus unten im Hof war,
kam eine von den Mägden des Hohepriesters.
Sie sah, wie Petrus sich wärmte,
blickte ihn an
und sagte:
S: Auch du warst mit diesem Jesus aus Nazaret zusammen.
E: Doch er leugnete
und sagte:
S: Ich weiß nicht und verstehe nicht, wovon du redest.
E: Dann ging er in den Vorhof hinaus.
Als die Magd ihn dort bemerkte,
sagte sie zu denen, die dabeistanden, noch einmal:
S: Der gehört zu ihnen.
E: Er aber leugnete wieder.
Wenig später sagten die Leute, die dort standen,
von Neuem zu Petrus:
S: Du gehörst wirklich zu ihnen;
du bist doch auch ein Galiläer.
E: Da fing er an zu fluchen
und zu schwören:
S: Ich kenne diesen Menschen nicht, von dem ihr redet.
E: Gleich darauf krähte der Hahn zum zweiten Mal
und Petrus erinnerte sich an das Wort,
das Jesus zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn zweimal kräht,
wirst du mich dreimal verleugnen.
Und er begann zu weinen.
E: Gleich in der Frühe fassten die Hohepriester,
die Ältesten und die Schriftgelehrten,
also der ganze Hohe Rat,
über Jesus einen Beschluss.
Sie ließen ihn fesseln und abführen
und lieferten ihn Pilatus aus.
Pilatus fragte ihn:
S: Bist du der König der Juden?
E: Er antwortete ihm:
† Du sagst es.
E: Die Hohepriester brachten viele Anklagen gegen ihn vor.
Da wandte sich Pilatus wieder an ihn
und fragte:
S: Willst du denn nichts dazu sagen?
Sieh doch, wie viele Anklagen sie gegen dich vorbringen.
E: Jesus aber gab keine Antwort mehr,
sodass Pilatus sich wunderte.
Jeweils zum Fest
ließ Pilatus einen Gefangenen frei,
den sie sich ausbitten durften.
Damals saß gerade ein Mann namens Bárabbas im Gefängnis,
zusammen mit anderen Aufrührern,
die bei einem Aufstand einen Mord begangen hatten.
Die Volksmenge zog zu Pilatus hinauf
und verlangte, ihnen die gleiche Gunst zu gewähren wie sonst.
Pilatus fragte sie:
S: Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden freilasse?
E: Er merkte nämlich,
dass die Hohepriester Jesus nur aus Neid
an ihn ausgeliefert hatten.
Die Hohepriester aber wiegelten die Menge auf,
lieber die Freilassung des Bárabbas zu fordern.
Pilatus wandte sich von Neuem an sie
und fragte:
S: Was soll ich dann mit dem tun,
den ihr den König der Juden nennt?
E: Da schrien sie:
S: Kreuzige ihn!
E: Pilatus entgegnete:
S: Was hat er denn für ein Verbrechen begangen?
E: Sie aber schrien noch lauter:
S: Kreuzige ihn!
E: Darauf ließ Pilatus, um die Menge zufriedenzustellen,
Bárabbas frei.
Jesus lieferte er,
nachdem er ihn hatte geißeln lassen,
zur Kreuzigung aus.
E: Die Soldaten führten ihn ab,
in den Hof hinein, der Prätórium heißt,
und riefen die ganze Kohórte zusammen.
Dann legten sie ihm einen Purpurmantel um
und flochten einen Dornenkranz;
den setzten sie ihm auf
und grüßten ihn:
S: Sei gegrüßt, König der Juden!
E: Sie schlugen ihm mit einem Stock auf den Kopf
und spuckten ihn an,
beugten die Knie
und huldigten ihm.
Nachdem sie so ihren Spott mit ihm getrieben hatten,
nahmen sie ihm den Purpurmantel ab
und zogen ihm seine eigenen Kleider wieder an.
E: Dann führten sie Jesus hinaus,
um ihn zu kreuzigen.
Einen Mann, der gerade vom Feld kam,
Simon von Kyréne,
den Vater des Alexander und des Rufus,
zwangen sie, sein Kreuz zu tragen.
Und sie brachten Jesus an einen Ort namens Gólgota,
das heißt übersetzt: Schädelhöhe.
Dort reichten sie ihm Wein, der mit Myrrhe gewürzt war;
er aber nahm ihn nicht.
Dann kreuzigten sie ihn.
Sie verteilten seine Kleider,
indem sie das Los über sie warfen,
wer was bekommen sollte.
Es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten.
Und eine Aufschrift gab seine Schuld an:
Der König der Juden.
Zusammen mit ihm kreuzigten sie zwei Räuber,
den einen rechts von ihm, den andern links.
E: Die Leute, die vorbeikamen,
verhöhnten ihn,
schüttelten den Kopf
und riefen:
S: Ach, du willst den Tempel niederreißen
und in drei Tagen wieder aufbauen?
Rette dich selbst
und steig herab vom Kreuz!
E: Ebenso verhöhnten ihn auch die Hohepriester
und die Schriftgelehrten
und sagten untereinander:
S: Andere hat er gerettet,
sich selbst kann er nicht retten.
Der Christus, der König von Israel!
Er soll jetzt vom Kreuz herabsteigen,
damit wir sehen und glauben.
E: Auch die beiden Männer,
die mit ihm zusammen gekreuzigt wurden,
beschimpften ihn.
(Hier stehen alle auf.)
E: Als die sechste Stunde kam,
brach eine Finsternis über das ganze Land herein –
bis zur neunten Stunde.
Und in der neunten Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme:
†: Éloï, Éloï,
lema sabachtáni?,
E: das heißt übersetzt:
†: Mein Gott, mein Gott,
warum hast du mich verlassen?
E: Einige von denen, die dabeistanden und es hörten, sagten:
S: Hört, er ruft nach Elíja!
E: Einer lief hin,
tauchte einen Schwamm in Essig,
steckte ihn auf ein Rohr
und gab Jesus zu trinken.
Dabei sagte er:
S: Lasst,
wir wollen sehen, ob Elíja kommt und ihn herabnimmt.
E: Jesus aber schrie mit lauter Stimme.
Dann hauchte er den Geist aus.
(Hier knien alle zu einer kurzen Gebetsstille nieder.)
E: Da riss der Vorhang im Tempel in zwei Teile
von oben bis unten.
Als der Hauptmann, der Jesus gegenüberstand,
ihn auf diese Weise sterben sah, sagte er:
S: Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn.
E: Auch einige Frauen sahen von Weitem zu,
darunter Maria aus Mágdala,
Maria, die Mutter von Jakobus dem Kleinen und Joses,
sowie Sálome;
sie waren Jesus schon in Galiläa nachgefolgt
und hatten ihm gedient.
Noch viele andere Frauen waren dabei,
die mit ihm nach Jerusalem hinaufgezogen waren.
E: Da es Rüsttag war, der Tag vor dem Sabbat,
und es schon Abend wurde,
ging Josef von Arimathäa,
ein vornehmes Mitglied des Hohen Rats,
der auch auf das Reich Gottes wartete,
zu Pilatus
und wagte es, um den Leichnam Jesu zu bitten.
Pilatus war überrascht,
als er hörte, dass Jesus schon tot sei.
Er ließ den Hauptmann kommen
und fragte ihn, ob Jesus bereits gestorben sei.
Als er es vom Hauptmann erfahren hatte,
überließ er Josef den Leichnam.
Josef kaufte ein Leinentuch,
nahm Jesus vom Kreuz,
wickelte ihn in das Tuch
und legte ihn in ein Grab,
das in einen Felsen gehauen war.
Dann wälzte er einen Stein vor den Eingang des Grabes.
Maria aus Mágdala aber
und Maria, die Mutter des Joses,
beobachteten, wohin er gelegt wurde.
E = Evangelist, † Worte Jesu, S = Worte sonstiger Personen
Das Leiden unseres Herrn Jesus Christus nach Markus.
Das Verhör vor Pilatus
E: Gleich in der Frühe fassten die Hohepriester,
die Ältesten und die Schriftgelehrten,
also der ganze Hohe Rat,
über Jesus einen Beschluss.
Sie ließen ihn fesseln und abführen
und lieferten ihn Pilatus aus.
Pilatus fragte ihn:
S: Bist du der König der Juden?
E: Er antwortete ihm:
† Du sagst es.
E: Die Hohepriester brachten viele Anklagen gegen ihn vor.
Da wandte sich Pilatus wieder an ihn
und fragte:
S: Willst du denn nichts dazu sagen?
Sieh doch, wie viele Anklagen sie gegen dich vorbringen.
E: Jesus aber gab keine Antwort mehr,
sodass Pilatus sich wunderte.
Jeweils zum Fest
ließ Pilatus einen Gefangenen frei,
den sie sich ausbitten durften.
Damals saß gerade ein Mann namens Bárabbas im Gefängnis,
zusammen mit anderen Aufrührern,
die bei einem Aufstand einen Mord begangen hatten.
Die Volksmenge zog zu Pilatus hinauf
und verlangte, ihnen die gleiche Gunst zu gewähren wie sonst.
Pilatus fragte sie:
S: Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden freilasse?
E: Er merkte nämlich,
dass die Hohepriester Jesus nur aus Neid
an ihn ausgeliefert hatten.
Die Hohepriester aber wiegelten die Menge auf,
lieber die Freilassung des Bárabbas zu fordern.
Pilatus wandte sich von Neuem an sie
und fragte:
S: Was soll ich dann mit dem tun,
den ihr den König der Juden nennt?
E: Da schrien sie:
S: Kreuzige ihn!
E: Pilatus entgegnete:
S: Was hat er denn für ein Verbrechen begangen?
E: Sie aber schrien noch lauter:
S: Kreuzige ihn!
E: Darauf ließ Pilatus, um die Menge zufriedenzustellen,
Bárabbas frei.
Jesus lieferte er,
nachdem er ihn hatte geißeln lassen,
zur Kreuzigung aus.
E: Die Soldaten führten ihn ab,
in den Hof hinein, der Prätórium heißt,
und riefen die ganze Kohórte zusammen.
Dann legten sie ihm einen Purpurmantel um
und flochten einen Dornenkranz;
den setzten sie ihm auf
und grüßten ihn:
S: Sei gegrüßt, König der Juden!
E: Sie schlugen ihm mit einem Stock auf den Kopf
und spuckten ihn an,
beugten die Knie
und huldigten ihm.
Nachdem sie so ihren Spott mit ihm getrieben hatten,
nahmen sie ihm den Purpurmantel ab
und zogen ihm seine eigenen Kleider wieder an.
E: Dann führten sie Jesus hinaus,
um ihn zu kreuzigen.
Einen Mann, der gerade vom Feld kam,
Simon von Kyréne,
den Vater des Alexander und des Rufus,
zwangen sie, sein Kreuz zu tragen.
Und sie brachten Jesus an einen Ort namens Gólgota,
das heißt übersetzt: Schädelhöhe.
Dort reichten sie ihm Wein, der mit Myrrhe gewürzt war;
er aber nahm ihn nicht.
Dann kreuzigten sie ihn.
Sie verteilten seine Kleider,
indem sie das Los über sie warfen,
wer was bekommen sollte.
Es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten.
Und eine Aufschrift gab seine Schuld an:
Der König der Juden.
Zusammen mit ihm kreuzigten sie zwei Räuber,
den einen rechts von ihm, den andern links.
E: Die Leute, die vorbeikamen,
verhöhnten ihn,
schüttelten den Kopf
und riefen:
S: Ach, du willst den Tempel niederreißen
und in drei Tagen wieder aufbauen?
Rette dich selbst
und steig herab vom Kreuz!
E: Ebenso verhöhnten ihn auch die Hohepriester
und die Schriftgelehrten
und sagten untereinander:
S: Andere hat er gerettet,
sich selbst kann er nicht retten.
Der Christus, der König von Israel!
Er soll jetzt vom Kreuz herabsteigen,
damit wir sehen und glauben.
E: Auch die beiden Männer,
die mit ihm zusammen gekreuzigt wurden,
beschimpften ihn.
(Hier stehen alle auf.)
E: Als die sechste Stunde kam,
brach eine Finsternis über das ganze Land herein –
bis zur neunten Stunde.
Und in der neunten Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme:
†: Éloï, Éloï,
lema sabachtáni?,
E: das heißt übersetzt:
†: Mein Gott, mein Gott,
warum hast du mich verlassen?
E: Einige von denen, die dabeistanden und es hörten, sagten:
S: Hört, er ruft nach Elíja!
E: Einer lief hin,
tauchte einen Schwamm in Essig,
steckte ihn auf ein Rohr
und gab Jesus zu trinken.
Dabei sagte er:
S: Lasst,
wir wollen sehen, ob Elíja kommt und ihn herabnimmt.
E: Jesus aber schrie mit lauter Stimme.
Dann hauchte er den Geist aus.
(Hier knien alle zu einer kurzen Gebetsstille nieder.)
E: Da riss der Vorhang im Tempel in zwei Teile
von oben bis unten.
Als der Hauptmann, der Jesus gegenüberstand,
ihn auf diese Weise sterben sah, sagte er:
S: Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn.
Die Kleider, die Menschen beim Einzug in Jerusalem vor Jesus ausbreiten, können als Symbol für die Haltung verstanden werden, mit der sie Jesus empfingen. Jesus will auch in unser Herz einziehen…
„Kleider machen Leute!“ - Dieser Spruch zeigt, wie wichtig die Kleidung für das Ansehen eines Menschen sein kann. Kinder und Jugendliche achten genau darauf, welche Marke die Jeans hat. Wer chic gekleidet ist, hat es bei vielen einfacher. Ob ich chic und fesch gekleidet bin oder einfach oder ärmlich, zeigt viel von meiner Persönlichkeit, von meiner Einstellung oder meiner Stellung. Darauf wird geachtet.
Wir haben gerade gehört: Jesus wird triumphierend empfangen. Er reitet auf einem Esel. Schon damit zeigt Jesus, dass er auf der Seite der einfachen Menschen steht, dass er den einfachen Menschen nahe ist. Jesus sitzt nicht auf einem "hohen Ross", weder wortwörtlich noch bildlich gesprochen. Viele der einfachen Begleiter breiten ihre Kleider aus. Jesus wird kein roter Teppich ausgelegt, der Unmengen von Geld kostet. Es sind die Kleider der einfachen Leute. Was mich so fasziniert: Diese einfachen Menschen werden sicher nicht die wertvollste Kleidung besessen haben. Wie in unseren Zeiten wurde auch damals an der Kleidung erkannt, ob ein Mensch arm oder reich war. Sie zeigen viel von dem, was sie als Mensch ausmachte. Auf diesen Kleidern ist Jesus in Jerusalem eingezogen. Sie legten ihre Kleider aus in den Dreck der Straße. Sie riskierten, dass die Kleider unwiderruflich zerstört wurden.
Die einfachen und die armen Menschen gaben Jesus alles. Sie gaben Jesus ihren ganzen Besitz, ihren ganzen Status, ja ihre Armut. Er hätte sagen können: Lasst das sein. Legt nicht eure Kleider auf die Straße. Die braucht ihr anderswo viel mehr. Doch Jesus hat das angenommen. Denn Zeit seines Lebens und seines irdischen Wirkens waren es zumeist die armen, die einfachen Menschen, die ihm gefolgt waren, die offen waren für seine Botschaft. Es waren die Armen, die Jesus seliggepriesen hat. Es sind die Armen und Geringsten, in denen uns Jesus begegnet. Indem wir gerade ihnen helfen und zur Seite stehen, stehen wir Jesus zur Seite. Es waren Menschen, die mehr im Dreck lebten, zu denen Jesus Zugang hatte. Ich meine den Dreck eines armseligen Lebens, den Dreck eines Lebens, das auch Schuld auf sie geladen hatte.
Die Kleider, welche die Menschen Jesus in den Dreck hinlegten, sind ein Bild für das, was Menschen Jesus geben können und was wir ihnen geben können. Es ist auch unsere Armseligkeit. Es ist der Dreck unserer Halbherzigkeit. Wir legen unsere Kleider in den Dreck unseres schwachen Glaubens. In der Bibel hören wir oft von Kleidern. Doch wenn wir in der Bibel von Kleidern hören, dann ist damit meist die innere Haltung gemeint. Jesus sagte einmal: „Sie tragen Gewänder mit langen Quasten, um von den Menschen gegrüßt zu werden!“ An einer anderen Stelle erzählt Jesus von einem Mann, der kein hochzeitliches Gewand trug. Der König ließ den Mann von dem Fest entfernen. Das Gewand, das er trug, ist ein Bild dafür, dass es ihm an der richtigen Einstellung fehlte. Paulus schreibt an einer Stelle: „Bekleidet euch mit Demut, Milde, Güte und Geduld. Die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält." (Kol 3,12).
Jesus ritt auf armseligen Kleidern in Jerusalem ein. Die Menschen gaben Jesus das, was sie hatten, was sie geben konnten. Jesus will auch in unser Herz einziehen. Geben wir ihm das, was armselig und einfach ist in unserem Leben! Auch wir dürfen ihm unsere Kleider ausbreiten, ihm alles hinhalten, was dreckig ist, was an Schuld in unserem Leben ist. Jesus hat dafür Leiden und Tod auf sich genommen. Begleiten wir Jesus! Womit empfange ich Jesus, was gebe ich ihm, was breite ich vor ihm aus? – Mit dieser Frage machen wir uns nun auf den Weg Zum Palmsonntagsgottesdienst.
Bevor Jesus hingerichtet wurde, haben ihn die Soldaten verhöhnt, verspottet, ihm die Kleider heruntergerissen. Die Passion Jesu fordert uns heraus, über die Würde des Menschen nachzudenken.
Kleider verleihen Würde. Nachdem Adam und Eva gesündigt hatten, erkannten sie, dass sie nackt waren. Da gab ihnen Gott Kleider, die ihre Nacktheit bedeckten. Die Kleidung war und ist auch Schutz.
Wir haben die Passionsgeschichte gehört. Jesus wird seiner Würde beraubt. Man nimmt ihm seine Kleidung ab. Man legt ihm einen Purpurmantel um. Die Soldaten setzen ihm eine Dornenkrone auf. Ich stelle mir die Gesichter dieser Männer vor. Ich stelle mir vor, welch eine Freude sie empfinden, als sie Jesus so zum Gespött machen. Sie machen Witze auf seine Kosten. Sie verhöhnen ihn. Sie spucken ihn an. - Kann ich einem Menschen meine Verachtung und meinen Hass mehr zeigen, als wenn ich jemanden anspucke? Sie schlagen ihn. Mit ihm können sie es ja machen. Jesus ist wehrlos. Wie stark kommen sich die Männer vor, aber wie schwach und feige sind diese Soldaten wirklich. In der Gruppe kann ich mich stark fühlen. Sie knien vor ihm nieder, aber nicht aus Verehrung, sondern um Jesus zu verhöhnen. Hier wird die Kleidung, der Purpurmantel und die Dornenkrone zum Instrument, Jesus zu verhöhnen. Die Soldaten wissen nicht, was sie tun.
Wie weh muss es Jesus getan haben, das zu erleiden, verhöhnt und verspottet zu werden. Wie weh tut es Menschen auch heute, wenn sie lächerlich gemacht werden, ausgelacht. Auch heute wird vielen Menschen die Würde genommen. Wir müssen Acht geben, dass auch in unserem Land nicht wieder Minderheiten verspottet werden. Wir müssen aufpassen, dass keine Witze gemacht werden auf Kosten der Menschen, die sich nicht wehren können; Menschen aus dem Ausland, die Menschen, die in Europa eine Heimat suchen, um vor Gewalt und Terror zu fliehen.
Es gibt Menschen, auf deren Kosten dumme Witze gemacht werden. Das sind zum Beispiel die Menschen mit einer Behinderung. Ich selbst wirke seit über zehn Jahren als Seelsorger für Menschen mit einer Behinderung. Was habe ich in meiner Seelsorge nicht gerade von diesen Menschen lernen dürfen! Ich weiß, dass sich kein Elternpaar freut, wenn es gesagt bekommt, dass sie ein Kind mit einer Behinderung bekommen werden. Doch jedes Leben ist wertvoll und gehört geschützt. Gerade die Würde dieser Menschen ist zu achten. Es ist schlimm, wenn gerade auf ihre Kosten Witze und unqualifizierte Sprüche gemacht werden.
Würde haben auch die Obdachlosen und Gescheiterte. Auch Menschen, die schuldig geworden sind, dürfen nicht ihrer Würde beraubt werden. Jesus stellt sich in der Passionserzählung auf die Seite der Menschen, denen man die Würde auf verschiedenste Weise beraubt.
Noch ein Gedanke ist mir sehr wichtig. Die Soldaten verehren Jesus auf sehr ironische Weise. Hämisch nennen sie ihn König der Juden. Sie wissen nicht, dass sie tatsächlich vor dem wahren König knien. Viele Menschen versuchen, den Glauben an Gott lächerlich zu machen. Manche Witze, die etwa im Fernsehen über Religion gerissen werden, sind geschmacklos und zeugen von einer geistigen Armut.
„Die Würde des Menschen ist unantastbar!“ So steht es im Artikel 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Die Achtung vor der Würde eines jeden Menschen muss das Handeln des Staates wie auch mein eigenes Handeln bestimmen. Die Soldaten lassen ihm einen letzten kleinen Rest, als sie ihm seine eigenen Kleider wiedergeben.
Jesus hält das alles aus. Denn durch seine tiefe Verbindung mit Gott spürt er, dass ihm niemand seine Würde nehmen kann. Jesus hat seine Würde von Gott her. Jeder Mensch hat seine Würde und seinen Wert von Gott her.
Setzen wir uns für die Würde unserer Mitmenschen ein. Sind wir uns dieser bewusst. Wir haben sie von Gott her. Denn wie Jesus in der Passion seine Würde behält, so kann uns niemand unserer letzten Würde berauben.
Der Einzug Jesu steht für den Weg der Gerechtigkeit und der Gewaltlosigkeit, den er in den Jahren seines öffentlichen Auftretens gegangen ist. Wir sind aufgefordert, ihm darin zu folgen.
Menschen sind unterwegs in ihrem Leben. Die Straßen, die Wege die sie nehmen, einschlagen, sind so vielfältig wie die Menschen, die sie begehen. Wir nähern uns bei jedem Schritt einer neuen Situation, einer neuen Lebensmöglichkeit. - Was sind die Namen dieser Lebensstraßen? Können sie überhaupt benannt werden, wie die Straßen, der Plätze, die Wege, wo wir wohnen?
Es wäre ein sinnerfülltes, wegweisendes Projekt, die Lebensstraßen, die wir schon gegangen sind, dir wir gehen möchten, weil dort unsere Zukunft liegt, einen Namen zu geben. Sowohl die Rückschau, wie auch die Vorschau würden auf einmal viele „Gesichter“ bekommen.
Viel tut sich im heutigen Evangelium auf den Straßen vor der Stadt Jerusalem an den Tagen vor dem Pessachfest, dem großen Wallfahrtsfest. Jesus und seine Freundesgruppe bewegen sich mit dem Pilgerstrom auf der Straße nach Jerusalem. Schon lange gehen sie gemeinsam auf Wegen zum Reich Gottes in aller Öffentlichkeit. Geographisch gesehen sind sie dabei von Galiläa aus bis nach Judäa, nach Jerusalem gekommen.
Welche Erinnerungen, welche Spuren aus der Vergangenheit haben sie unterwegs mitgenommen? - Da gibt es einmal die Reich Gottes Erfahrungen mit Jesus, von denen sie nicht reden sollten. Dann die Heilungsgeschichten, die zeigen, wie Leben neue Gesichter bekommt, die einen Neuanfang ermöglichten. Und vieles mehr, was sie mit diesem Wanderprediger, Jesus von Nazaret, verbindet, haben sie auf ihrem persönlichen „Jesusweg“, Pilgerweg mit Jesus mitgenommen.
Was davon gab ihrem Unterwegssein Kraft und Ausdauer, der Botschaft Jesu vom Reich Gottes zu folgen? - Das wird sich zeigen, aber noch ist nicht so weit. Eben stehen sie erst vor den Toren der Stadt Jerusalem. Hinter den Mauern der Stadt liegen Wege, die von religiösen und politischen Strukturen der Macht geplant, organisiert wurden und werden. Sie kennen diese Wege von früheren Besuchen. Sie sind ihnen, Jesus und seinen Jünger und Jüngerinnen, vertraut. Doch zugleich sind sie eine Bedrohung, eine Gefahr, sich in diesem Machtraum der Stadt Jerusalem zu bewegen.
Aber noch sind sie nicht auf diesen Wegen der Stadt unterwegs. Erst muss einiges getan werden, denn Jesus kommt „nicht hoch zu Ross“, er „setzt“ auf einen Esel, auf ein Eselfohlen! Sehr ungewöhnlich, um in diese Stadt, die gezeichnet ist von Machtstrukturen, Fuß zu fassen, sich zu bewegen, sich zu zeigen. Aber, so wie es Jesus sagt, geschieht es auch. Das Eselfohlen wird herbeigebracht, damit Jesus darauf in die Stadt reiten kann.
Was nun geschieht ist ein Zusammenprall von Realität und messianischen Glaubenserwartungen. Noch geht es gut, Jesus der Wege der Gewaltlosigkeit, der Gerechtigkeit, des Reich Gottes geht, wird als Segen, Hilfe gegen die herrschende politische Macht gesehen und der Jubel gilt ihm. Nein nicht ihm gilt der Jubel, sondern einer Sehnsucht der Menschen auf der Straße, dass der davidische Messias endlich da ist, wie die Schriften erzählen:
Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat;
wir wollen jubeln und uns über ihn freuen.
Ach, Herr, bring doch Rettung!
Ach, Herr, gib doch Gelingen!
Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn!
(Ps 118,24-26)
Diese Erwartungshaltung der Leute, die dabei waren und jubelnd auf dem Weg in die Stadt ihrem vermeintlichen Retter vorher gingen, war zum Scheitern verurteilt, denn hier begegnet die Ohnmacht der Macht, die Gerechtigkeit der Ungerechtigkeit, das Reich Gottes der Gewalt.
Das heutige Evangelium regt uns zum Weiterdenken, zur Neuorientierung an, es zeigt auf, wie Lebenswege sich verändern können, weil Menschen, dazu gehören auch wir, der Spur Jesu folgen. Dazu braucht es aber Wege, die nicht von Illusionen „gepflastert“ wurden, die nicht über „Köpfe“ anderer hinweg führen, die nicht Namen wie Weg des Stärkeren, Weg des Reichtums, Weg der Korruption… als Ziel angeben, sondern ganz einfach, Wege, die persönlich, aber auch gemeinsam der Botschaft vom Gottes Reich folgen. Macht, Gewalt, Dreinschlagen sind da fehl am Platz auf dem Weg.
Erfahrungen von einem sinnentleerten Miteinander, wo Vereinsamung, Egoismus, Nebeneinander die Lebenswege bis aufs unerträglich einengen, sind aufzubrechen und brauchen den Zuruf:
Denkt weiter! Orientiert euch neu auf euren Lebenswegen!
Jesus setzt ein sonderbares Statussymbol. Er zieht auf einem Esel in Jerusalem ein. Damit zeigt er seine Wertschätzung der Einfachen und Kleinen. Wem jubeln wir zu?
In der Leidensgeschichte Jesu wird uns sein Leidensweg vor Augen gestellt, sein körperliches wie auch sein seelisches Leiden. In Jesus stellt sich Gott auf die Seite aller Leidenden. Angesichts der Passion Jesu stellt sich einem jeden von uns die Frage: Wo stehe ich?
Am Palmsonntag steht Jesus zwischen Jubel und Passion. Wir stehen vor der Entscheidung, mit wem wir gehen.
Jesus zieht in Jerusalem ein. Er weiß, was ihn erwartet: Sterben und Tod, Hass und Gleichgültigkeit. Feierlich wird er von den Menschen empfangen. Er reitet auf einem Esel. Damit zeigt er, was er immer gezeigt hat: Jesus steht auf die Seite der armen Menschen. Die Menschen breiteten ihre Kleider aus. Sie geben Jesus ihren ganzen Besitz. Sie jubeln Jesus zu mit Zweigen, die sie von den Büschen abreißen, nicht mit großen wertvollen und wehenden Fahnen. - So wurde Jesus damals empfangen.
Auch wir wollen Jesus empfangen. Möge er einziehen in unsere Herzen, in unser einfaches Leben, in unsere Armseligkeiten. Wir haben uns in den vergangenen Wochen auf seinen Einzug vorbereitet. Begleiten wir Jesus in unseren Herzen auf seinem Weg.
Guter Gott,
viele tragen grüne Zweigen in den Händen.
Grün ist die Farbe der Hoffnung,
des wachsenden Lebens.
Das Leben wird siegen über das Sterben,
über den Tod.
Wir jubeln Jesus zu
wie es einst die Menschen in Jerusalem taten.
Wir jubeln Jesus zu,
der das Leben in Fülle ist.
Wir jubeln Jesus zu,
der uns vorausging im Leiden und Sterben,
der in uns aber Hoffnung weckte,
Hoffnung auf Auferstehung.
Segne diese grünen Zweige,
du Gott des Lebens. - Amen.
Mit der Feier des Palmsonntags beginnen wir die Feier der Karwoche, der großen heiligen Woche.
Im Geiste ziehen wir mit Jesus hinauf nach Jerusalem und erleben wir mit ihm seine Vollendung als von Gott gesandten Messias. Mit ihm durchleiden wir auch den Weg des Kreuzes, den er für uns gegangen ist. Mit ihm erinnern wir uns, wie er beim Abschiedsmahl seinen Jüngern die Füße gewaschen, mit ihnen Mahl gehalten hat und seinen bevorstehenden Leidensweg als Hingabe für uns gedeutet hat.
Am Beginn dieser Feier huldigen wir Christus als Sohn Davids, als Messias und Erlöser.
(Fortsetzung der Feier mit der Segnung der Palmzweige und der Palmprozession oder mit den Kyrierufen)
Herr Jesus Christus, Gottes Sohn,
du warst ein Mensch wie wir.
Herr, erbarme dich.
Du hast gelebt und gelitten wie ein Mensch.
Christus erbarme dich.
Du gehst mit uns durch unser Leben.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
du hast den Auftrag deines Vaters angenommen
und hast dich kleingemacht in unsere Menschlichkeit.
Herr, erbarme dich.
Du hast in deinem Wirken gezeigt,
wie wir in dieser Welt leben sollen.
Christus, erbarme dich.
Du hast dich vom Jubel der Menschen nicht von deinem Weg abbringen lassen,
sondern bist den dir vorbestimmten Weg bis in Leid und Tod gegangen.
Herr, erbarme dich.
Allmächtiger, ewiger Gott,
deinem Willen gehorsam,
hat unser Erlöser Fleisch angenommen,
er hat sich selbst erniedrigt
und sich unter die Schmach des Kreuz es gebeugt.
Hilf uns,
daß wir ihm auf dem Weg des Leidens nachfolgen
und an seiner Auferstehung Anteil erlangen.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.
MB Palmsonntag
Allmächtiger, ewiger Gott,
dein Sohn hat sich bis zum Tod am Kreuz erniedrigt
und die Sünden der Menschen auf sich genommen.
Hilf uns,
daß wir mit ihm im Leiden ausharren
und zur Herrlichkeit der Auferstehung gelangen.
Durch ihn, Christus, unseren Herrn.
Großer Gott,
wir feiern in dieser Heiligen Woche
den Höhepunkt des Kirchenjahres.
Laß uns still und nachdenklich werden
und unsere Verbindung zu Christus stärken,
der uns in Tod und Auferstehung den Weg
vorausgegangen ist, und der mit dir lebt
und herrscht in Ewigkeit.
Guter Gott,
in Jesus können wir deine Liebe sehen.
In Jesus sehen wir,
dass ein Leben mit dir auch Schmerzen und Leiden bewältigen kann.
Jesus ist seinen Weg gegangen.
Jesus tat es aus Liebe zu uns.
Dein Wort zu hören, möge uns die Kraft geben,
Schweres auf uns zu nehmen
und zu tragen, wo es nötig ist.
So werden wir Zeugen deiner Liebe zu uns. - Amen.
Vater unser im Himmel,
wir gedenken in der vor uns liegenden Karwoche
in besonderer Weise des Leidens und Sterbens Jesu.
Er hat aus Liebe zu dir und zu uns alles auf sich genommen,
damit wir durch ihn ewige Hoffnung haben.
Wir danken dir und Jesus für dieses große Geschenk an unser Leben
und bitten dich,
begleite auch uns auf allen Wegen,
damit wir deinem Willen folgen können. - Amen.
Guter Gott,
dein Sohn Jesus ist in Jerusalem einen schweren Weg des Leidens gegangen.
Wir bitten dich voller Hoffnung:
Hilf Frieden und Gerechtigkeit zu schaffen,
damit Menschen nicht mehr unter Kriegen und Terror leiden müssen.
Schenke allen, die unter Streit und Misshandlung in ihrer Familie leiden, Geborgenheit.
Bekehre die Herzen aller, die ihre Verantwortung für ihre Mitmenschen für eigene Zwecke und Vorteile missbrauchen.
Mache alle, die sich von ihren Mitmenschen im Stich gelassen fühlen, zur Vergebung bereit.
Stärke das Mühen und den Mut aller, sich für Freiheit einzusetzen.
Nimm unsere Verstorbenen auf in deinen himmlischen Frieden.
Dir sei Lob und Preis, jetzt und in alle Ewigkeit. - Amen.
Die Menge bejubelt Jesus als politischen Erlöser. Er aber sieht seine Berufung in der Erfüllung des Willens des Vaters.
Zu ihm kommen wir mit unseren Bitten:
Für die Kirche, dass sie in ihrer Verkündigung die Menschen existenziell berühren und ihnen den Weg zum Vater weisen kann.
Für alle Menschen, die trotz Gewalt und todbringender Machtstrukturen die Hoffnung auf einen Neubeginn in Frieden und Gerechtigkeit nicht verloren haben.
Für alle, die in ihrem Leben die Spannungen zwischen Erfolg und Niederlage nicht aushalten können und nach Trost und Beistand suchen.
Für uns selbst: Um einen Glauben, der nicht auf die Erfüllung unserer eigenen Wünsche abzielt sondern im Vertrauen auf dich, unserem eigentlichen Lebensziel, entgegenwächst.
Für unsere Verstorbenen und für alle, die um sie trauern:
Um die Zuversicht, mit dir verwandelt zur ewigen Heimat zu gelangen.
Christus,
dein Tod bringt Leben. In diesem Glauben beginnen wir die Feier die Tage der Heiligen Woche und danken dir jetzt und allezeit. - Amen.
Herr Jesus Christus,
keiner weiß um Höhen und Tiefen menschlichen Lebens so wie du, der du machtvoll durch die Ohnmacht der Passion gegangen bist.
Wir bitten dich:
Für alle Menschen, denen zugejubelt wird.
Lass sie dennoch ihre Fehler und Schwächen erkennen und schütze sie vor Überheblichkeit.
Für alle Menschen in Politik und Gesellschaft, die Entscheidungsgewalt haben.
Lass sie sich gerade in diesen Zeiten der weltweiten Kriege, der Klimakatastrophe und der Rezession darauf besinnen, dass sie für die Menschen Verantwortung tragen, die ihnen anvertraut sind.
Für alle Menschen, die den Boden unter den Füßen verlieren, weil sich das Leben ändert, weil sie glauben, dass die Welt aus den Fugen gerät, weil sie sich nicht einfinden können in diese unruhigen Zeiten.
Lass sie Fähigkeiten entwickeln, die sie an der schwierigen Situation nicht zu Grunde gehen, sondern reifen lassen.
Für alle, die unbeachtet von anderen, ohne Anerkennung und Jubel, ihren Weg gehen.
Lass sie dennoch ihren Wert erkennen und schätzen können.
Für alle Kranken, deren Leben in deiner Hand liegt.
Lass sie Begleitung und Halt finden auf ihrem schwierigen Weg.
Für unsere Verstorbenen.
Nimm sie zu dir in dein Reich.
Herr Jesus Christus, durch dein Menschsein kennst du unsere Nöte und Ängste. Bei dir finden wir Verständnis und Beistand.
Dafür danken wir dir. – Amen.
Voll Erwartung jubeln die Menschen Jesus, dem erwarteten Messias, zu.
Diese Stimmung schlägt aber einige Tage später um.
Solche Erfahrungen kennen wir aus dem letzten Jahr.
Wenn wir heute, am Palmsonntag, Jesus als unseren Messias begrüßen,
übergeben wir ihm unsere Bitten:
Mit allen, die in ihrem Glaubensleben mehr als die Erfüllung von Traditionen sehen,
bitten wir dich für deine Kirche und alle ihre Glieder.
Mit allen, die aufgrund ihres Amtes Macht haben,
bitten wir dich für die Entscheidungsträger in Politik und Gesellschaft.
Mit allen, die die Fähigkeit entwickeln, an schwierigen Lebensumständen zu reifen,
bitten wir dich:
für die Kinder und Jugendlichen, die gewohnte Strukturen in ihrem Leben verloren haben;
für die Arbeitslosen und die durch den Lockdown in Bedrängnis geratenen Unternehmer;
für alle Kranken, die nur mühsam in ein aktives Leben zurückfinden;
für die Wissenschaftler, Ärzte und die in der Pflege Tätigen, die sich gefordert und oft überfordert fühlen.
Mit allen, die nicht die Rolle erfüllen können, die ihnen von anderen zugedacht wird,
bitten wir dich für die, die ihre eigenen Wünsche und Sehnsüchte auf Kosten der anderen verwirklicht sehen wollen.
Mit allen, die nach dem Tod eines geliebten Menschen, nach Trost und Sinn in ihrem Leben suchen,
bitten wir dich für unsere Verstorbenen.
Denn du, Jesus Christus, bist uns als Mensch und Gott durch deine Passion so nahe geworden, dass wir uns in unseren Leiden und Schmerzen von dir verstanden fühlen.
Dir sei Lob und Ehre jetzt und allezeit. - Amen.
Gott, der du Jesus zu uns geschickt hast,
damit du uns Menschen gleich wirst und nahe bist:
Wir bitten dich:
Für die zerschlagenen und stimmlosen Menschen auf der Erde
Für die kranken und einsamen Menschen.
Für uns, um Kraft, anderen beizustehen.
Für die Mächtigen - um einen demutsvollen Umgang mit Macht.
Für die geschundene Schöpfung.
Für die Verstorbenen.
Gott - menschgeworden weißt du, was wir brauchen.
Wir vertrauen uns deiner Hilfe und Begleitung an.
Berühre uns mit deinem Segen. - Amen.
© Mag.a Angelika Gumpenberger-E., Pastoralassistentin St. Franzikus, Wels.
Herr, unser Gott,
schenke uns Verzeihung
durch das Leiden deines Sohnes.
Wir haben sie zwar durch unsere Taten nicht verdient,
aber wir vertrauen auf dein Erbarmen.
Darum versöhne uns mit dir
durch das einzigartige Opfer
unseres Herrn Jesus Christus,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Palmsonntag
Guter Gott,
wir haben von der Liebe deines Sohnes gehört,
wie er sich für uns hingegeben hat,
welche inneren und äußeren Leiden er auf sich genommen hat.
Wir feiern diese Hingabe jetzt in Brot und Wein.
Diese Speise sei uns Kraft,
wenn wir für andere leiden,
wenn wir leiden, weil wir an dich glauben.
In dieser Speise wollen wir mit ihm eins werden
und immer mehr so leben wie er. - Amen.
Kehrvers:
Herr Jesus, dir sei Rum und Ehre. (GL176,3)
Guter Gott, wir danken dir,
dass du uns Jesus Christus als Messias und Erlöser gesandt hast.
Er ist als Friedensfürst in Jerusalem eingezogen
und hat uns deinen göttlichen Frieden gebracht.
Kehrvers
Er ist gekommen, nicht um zu herrschen,
sondern um zu dienen.
Er hat als Hirte sein leben hingegeben für seine Herde,
damit wir ewiges Leben erlangen.
Kehrvers
Er hat unsere Schuld getilgt
und uns mit dir, Gott und Vater, versöhnt.
Er hat uns die Macht gegeben, Kinder Gottes zu werden
und in deinem Licht zu leben.
Kehrvers
Dafür danken wir dir mit allen Engeln und Heiligen.
Wir stimmen ein in den Lobpreis deines auserwählten Volkes
und singen dir zur Ehre:
Danklied, z. B."Gott wohnt in einem Lichte... GL 429
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und das Werk deiner Gnade zu rühmen.
Denn das Leiden deines Sohnes
wurde zum Heil für die Welt.
Seine Erlösungstat bewegt uns,
deine Größe zu preisen.
Im Kreuz enthüllt sich dein Gericht,
im Kreuz erstrahlt die Macht des Retters,
der sich für uns dahingab,
unseres Herrn Jesus Christus.
Durch ihn loben dich deine Erlösten
und vereinen sich mit den Chören der Engel
zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Passionszeit 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und das Werk deines Erbarmens zu rühmen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn wiederum kommen die Tage,
die seinem heilbringenden Leiden und
seiner glorreichen Auferstehung geweiht sind.
Es kommt der Tag des Triumphes über den alten Feind,
es naht das Fest der Erlösung.
Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel
und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Passionszeit 2
(nicht approbierter Studientext)
Gott, es ist gut, deine Liebe zu preisen!
Jesus, dein Sohn, reitet als König in Jerusalem ein,
Jesus, ein König für die Sünder, für die Kranken, für den Frieden.
Weil Jesus vom Tod auferstanden ist,
ist Jesus auch heute noch König für die Menschen mit gutem Willen.
Dafür loben wir dich
und singen mit den himmlischen Chören:
© Franz Wenigwieser, OFM
Mitgehen mit dir, Jesus,
mitgehen
nach Jerusalem.
Oh Herr
Wer kann das verstehen?
Eben noch Jubel und Lobgesang,
und jetzt -
das Gericht, die Henker,
der Tod.
Und wo bin ICH?
Schreie ich mit?
Hosanna -
und kreuzigt ihn!
Oder
verstecke ich mich,
leugne,
dazu zu gehören?
Du kennst mich Herr,
du kennst meine Schwachheit,
du kennst aber auch meinen guten Willen.
Lass mich mitgehen,
mitgehen
durch Leid und Tod
zur Auferstehung.
Jesus Christus
mit dir will ich aufstehen
gegen Not und Tod
gegen Folter und Leiden
gegen Armut und Elend
gegen Hass und Terror
gegen Zweifel und Resignation
gegen Unterdrückung und Zwang
Mit dir will ich aufstehen
gegen alles, was das Leben behindert
Mit dir will ich einstehen
für alles,
was das Leben fördert
Es genügt nicht
Hosanna, Hosanna zu rufen
darum
sei du meine Kraft
dass ich aufstehe mit dir
Herr, unser Gott,
du hast uns im heiligen Mahl gestärkt.
Durch das Sterben deines Sohnes
gibst du uns die Kraft,
das Leben zu erhoffen, das uns der Glaube verheißt.
Gib uns durch seine Auferstehung die Gnade,
das Ziel unserer Pilgerschaft zu erreichen.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Palmsonntag
Guter Gott,
Wir wollen Jesus, deinem Sohn,
jetzt innerlich folgen
in die Heilige Woche hinein.
Hilf uns, daran zu wachsen und zu reifen,
damit dein Reich immer mehr sichtbar werde,
damit wir immer mehr auf unser Ziel hin leben,
einst in deiner Liebe vereint zu sein. - Amen.
Das alles verstanden seine Jünger zunächst nicht, so schreibt Johannes in seinem Evangelium. Es war wie so oft: sie verstanden nicht, dass Jesus der war, der von den Propheten in der Schrift angekündigt worden war, der König, wie z.B. von Sacharia, der da sagt: „Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe dein König kommt zu dir … demütig ist er und reitet auf einem Esel, dem Jungen einer Eselin“. (Sach 9,9) Einerseits König, andererseits demütig – passt das zusammen? Ja, Jesus reitet in die Stadt ein, wie ein umjubelter König, aber eben nicht auf dem Streitross, sondern auf einem Eselsfüllen, das Gegenteil von dem, wie ein weltlicher König sich inszenieren würde. Und dennoch preisen ihn die Menschen, bereiten ihm den Weg. Sie wissen nicht, was da geschieht. Erst nach Jesu Tod und Auferstehung können die Jünger das einordnen, sowohl von der Schrift her als auch nach den Worten Jesu.
Wir haben es da leichter: wir sehen den Palmsonntag und die Karwoche von Ostern aus. Wir wissen: an Palmsonntag wird gejubelt, Gründonnerstag die Eucharistie begründet und nach einer durchwachten Nacht wird Jesus Karfreitag gefangengenommen, befragt, verspottet, gefoltert und gekreuzigt. Aber – und das wissen wir eben auch – an Ostern feiern wir seine Auferstehung, ein neuer Jubel, und diese paar Tage, die wir seines Leidens und Sterbens gedenken, die sind schnell vergessen.
Verkommt es zum Ritual? Gehen wir da wirklich noch mit? Oder lassen wir uns nur mitreißen von der Menge, absolvieren wir christliche Pflichttermine? Lassen wir uns wirklich von dem Geschehen berühren? Von dem Einzug in Jerusalem, auf einem Esel statt auf hohem Ross?
Wir wissen, dass alles ganz anders wird, dass die Stimmung umkippt, dass aus dem Halleluja ein „kreuzige ihn“ wird. Gehen wir da wirklich mit? Oder ertragen wir es, weil wir ja wissen, Ostern ist Auferstehung?
Bleiben wir wachsam und bedenken wir jenseits aller Traditionen das, worum es wirklich geht: Gott ist ganz Mensch geworden, er kennt uns und steht uns bei. Er möchte, dass wir seine Liebe weitergeben.
Edith Furtmann 2024
du kommst daher
aus drei Jahren Wirken
drei Jahre
Erfüllung
des Willens
deines Vaters
drei Jahre
Begegnung
Zuspruch
Heilung bringend
Augen
und
Ohren öffnend
Leben teilend –
wie das täglich Brot
Liebe kündend -
des Gottes
dessen All-Macht
Liebe ist
geritten auf einem Esel
dem Füllen einer Eselin
bescheiden
deinem Wirken
entsprechend
und doch
umjubelt
und dann
dann
schlägt alles um
die Mächtigen
deines Glaubens
haben es beschlossen:
„der Mensch
der diese
unerschütterliche
Liebe Gottes
verkündet
er muss weg“
SIE
haben es beschlossen –
nicht die Machthaber Roms
aus dem Jubel
werden
erste Gegenstimmen
laut
eine Welle entsteht
und
breitet sich aus
„kreuzigt ihn“
die Schreie
sie schlagen
über dir
zusammen
und du
schweigst
und gehst den Weg
als Konsequenz
der Liebe zum Vater
und
zu den Menschen
aus Liebe
auch zu uns
mache auch uns
zu Anstiftern
der Liebe
in den Konsequenzen
unseres Lebens
Beatrix Senft, unveröffentlicht.
Golgota ist der Ort, an dem wir nicht vorbeikommen,
wollen wir denn Christus glauben.
Golgota war gestern, ist heute, wird morgen.
Golgota, der Börsenmarkt,
Golgota, das Elendsviertel,
Golgota, der Schlacht- und Viehhof,
Golgota im Präsidentenpalast.
Golgota hinter Stacheldraht.
Golgota ist überall.
Da, wo ein Mensch gequält wird, ist Golgota.
Golgota ist weit weg.
Golgota ist nahe bei uns.
Golgota ist überall...
Fritz Möser, in: Wo meine Sehnsucht ein Zuhause hat, Ein Firmkurs, Leseheft für Jugendlich, München 1999.
Eines Tages kam einer,
der hatte einen Zauber in seiner Stimme,
eine Wärme in seinen Worten,
einen Charm in seiner Botschaft.
Eines Tages kam einer,
der hatte eine Freude in seinen Augen,
eine Freiheit in seinem Handeln,
eine Zukunft in seinen Zeichen.
Eines Tages kam einer,
der hatte eine Hoffnung in seinen Wundern,
eine Kraft in seinem Wesen,
eine Offenheit in seinem Herzen.
Eines Tages kam einer,
der hatte einen Vater in den Gebeten,
einen Helfer in seinen Ängsten,
einen Gott in seinen Schreien.
Eines Tages kam einer,
der hatte einen Geist in seinen Taten,
eine Treue in seinen Leiden,
einen Sinn in seinem Sterben.
Eines Tages kam einer,
der hatte einen Schatz in seinem Himmel,
ein Leben in seinem Tode,
eine Auferstehung in seinem Grabe.
Text: Alois Albrecht / Musik: Peter Janssens / aus: Auf Messers Schneide, 1992.
Aus: Wo meine Sehnsucht ein Zuhause hat, Ein Firmkurs, Leseheft für Jugendliche, München 1999.
Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens:
Dass ich dann, wenn ich etwas zu sagen habe,
mich einsetze für die Schwachen und Hilflosen;
dass ich dann, wenn ich im Mittelpunkt stehe,
mich um die kümmere, die ins Abseits geraten sind;
dass ich dann, wenn ich „Farbe bekennen muss“,
auch zu meinem Wort stehe;
dass ich dann, wenn ich einen Fehler gemacht habe,
bereit bin, zu dem zu stehen, was ich gemacht habe;
dass ich dann, wenn ich etwas wiedergutzumachen habe,
mich ohne Einschränkung dazu bekenne;
dass ich dann, wenn ich Verzeihung erwarte,
auch selber bereit bin, uneingeschränkt zu verzeihen!
Peter Boekholt, Durchbrüche wagen, München 1986.
Ist das stark, was wir in der Leidensgeschichte des Evangeliums hören? Ein Gottessohn, der qualvoll am Kreuz stirbt - das ist doch schwach. »Gott, mein Gott ...« Das ist doch weit unter deinem Niveau! Oder? Was ist stark - und was ist schwach?
Jesus ist nicht der stahlgehärtete Siegertyp, der unberührt an den Leidensgeschichten der Menschen vorbeigeht oder über sie weg. Er geht die dunklen Wege der Ohnmacht und Niederlagen mit bis zum toten Punkt. Er verzichtet im Ölgarten auf das Schwert. Er geht freiwillig in ein Gerichtsverfahren, das ihm keine Chance lässt. Er lässt sich lieber niederschlagen und aufs Kreuz legen, als dass er andere niederschlägt.
Die Leute sagen: Wenn du der Sohn Gottes bist, dann gib uns doch ein Zeichen deiner Stärke; wenn du der Sohn Gottes bist, dann steig herab vom Kreuz; wenn du der Sohn Gottes bist, dann verwandle die Steine in Brot, dann stürz dich vom Felsen, denn es passiert dir doch nichts. Welch ein Irrtum! Diesem Sohn Gottes passiert fast alles, was einem Menschen zustoßen kann.
Ist das Schwäche? Von außen betrachtet mag das so scheinen, in Wahrheit liegt da Gottes Stärke und verwandelnde Kraft. Sie bewegt etwas, sie verändert die Verhältnisse von Grund auf. Die Stärke, die sich die Starken gegenseitig zusprechen, einander weitergeben oder entreißen, erhält den Status quo: hier Mächtige, dort Ohnmächtige. Jesus dagegen lässt uns Gott gerade in der Ohnmacht entdecken, am toten Punkt: »Wenn ich schwach bin, bin ich stark!« Seine verwandelnde Macht umfängt nicht nur die Starken, sondern auch und gerade die Schwachen. Gott ist nicht allmächtig, weil er vordergründig alles kann, was er will, sondern weil er auch noch die Macht der Vergeltung durch die Macht der Liebe verwandeln kann. Solche verwandelnde Liebe ist die größere Macht, weil sie neue Energien freisetzt, neue Wege aufstößt, eine neue Schöpfung entstehen lässt. Martin Luther King hat das schon richtig verstanden: »Macht mit mir, was ihr wollt, ich werde euch dennoch lieben.« Ist das schwach? Das ist stark!
Aus: Franz Kamphaus, Hinter Jesus her. Anstöße zur Nachfolge. Herder Verlag, Freiburg 2010.
Vor dem Kaufhaus K., nachmittag und sonnig. Aus unserem Angebot: Fahrräder, Modeneuheiten aus Wolle, Stoff und Leder, Lebensmittel, Gartenschläuche, Schulhefte, Bewährungsstahl, Tiefkühlgemüse, Farben und Lacke, Ostereier, Baustahlgitter, Toiletteartikel, Milch und Käseprodukte, Eisen- und Wurstwaren, Zigarren und Zigaretten, Zeitungen...
Auftritt einer alten Bäuerin und eines jüngeren Schriftstellers. Die Bäuerin trägt ein schwarzes Kopftuch, der Schriftsteller schulterlanges Haar und Vollbart.
Bäuerin: Ich kenne Sie. Sie lachen immer so freundlich. Einmal habe ich Sie gesehen mit Ihrer Frau. Wie alt sind Sie?
Aus den Kulissen tritt ein mittelalterlicher Bauer. Damit es zu keinen Verwechslungen kommt, trägt er einen blauen Overall.
Der Schriftsteller rechnet nach: dreiunddreißig.
Bäuerin: Wie unser Herrgott, als er auf der Erde war. (Zum Bauern) Wie unser Herrgott.
Bauer: Vielleicht ist er gar kein Mann.
Schriftsteller: Wer weiß...
Bäuerin: Vor Ihnen muß man sich nicht fürchten - untertags? In der Nacht weiß ich nicht.
Pause.
Bäuerin: Jetzt wissen wir auch nicht mehr. So soll es sein.
Aus: Manfred Chobot, Dorfgeschichten. Mit Fotos von Manfred Horvath, herausgegeben von Richard Pils. Verlag publication PN°1, Bibliothek der Provinz, A-3970 Weitra 1992.

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Derweil andere Einzugsberichte darum bemüht sind, in der Darstellung ein himmlisches Königtum direkt zu vermitteln (etwa durch Zitation alttestamentlicher Texthinweise etc.), findet sich diese Theologie bei Markus nur implizit in der ausführlichen Beschreibung von der Reittierbeschaffung und des Verhaltens der Begleitschar beim Einzug. Nach Gen 49,11 war ein ungerittenes Fohlen ein Herrschern vorbehaltenes Reittier, 2 Kön 9,13 beschreibt das Ausbreiten der Kleider als Gestus zum Empfang eines Königs.
Bei der Vorbereitung für seinen Einzug handelt Jesus mit einem geheimnisvollen Vorauswissen: Er weiß, was er im Auftrag des Vaters und damit die Schrift erfüllt wird, tun muß (vgl. Sach 9,9: Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft; er ist demütig und reitet auf einem Esel, auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin). Jesus bezeichnet sich an dieser Stelle - das einzige Mal im Markusevangelium – als Herr, der sich erwartet, dass seinen Wünschen entsprochen wird.
Doch er kommt nicht als König, als politischer Befreier, sondern als Friedensfürst auf einem Fohlen. Jünger und Volk tragen auf ihre Weise dazu bei, die Würde dieses Ereignisses hervorzuheben. Drei Handlungen werden genannt: Die Jünger legen Kleider als Reitdecke auf das Tier, wie es bei Vornehmen üblich war. Die Leute breiten statt Teppichen Kleider auf der Straße aus und reißen Zweige von den Büschen ab.
Die Akklamation durch "Hosanna!" (hebr. hoschiah-na = Hilf doch!) ist ein Bitt- und Heilruf, der dem Volk bekannt war (vgl. Ps 118,25) und an den großen Festen gesungen wurde. Auch der folgende Vers war ein Segensspruch über alle Pilger, die in den Tempel einzogen und wurde wahrscheinlich von den Priestern gesungen. Vielleicht hat der Zuruf: Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, das nun kommt - bei einigen Leuten aus der Volksmenge messianische Hoffnungen entzündet, doch handelt es sich eher um ein christliches, nachösterliches Verständnis des Kommens des Reiches Gottes: Die jüdische Messiashoffnung erfüllt sich in Jesus, aber nicht in der Form, wie es sich die damaligen Juden erwarteten.