Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Amos.
In jenen Tagen
sagte Amázja, der Priester von Bet-El, zu Amos:
Seher, geh, flieh ins Land Juda!
Iss dort dein Brot
und prophezeie dort!
In Bet-El darfst du nicht mehr prophezeien;
denn das hier ist das königliche Heiligtum und der Reichstempel.
Amos antwortete Amázja:
Ich bin kein Prophet und kein Prophetenschüler,
sondern ich bin ein Viehhirte
und veredle Maulbeerfeigen.
Aber der Herr hat mich hinter meiner Herde weggenommen
und zu mir gesagt:
Geh und prophezeie meinem Volk Israel!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Lass uns schauen, o Herr, deine Huld
und schenke uns dein Heil! – Kv
(GL 623,2)
Ich will hören, was Gott redet: /
Frieden verkündet der Herr seinem Volk und seinen Frommen, *
sie sollen sich nicht zur Torheit wenden.
Fürwahr, sein Heil ist denen nahe, die ihn fürchten, *
seine Herrlichkeit wohne in unserm Land. – (Kv)
Es begegnen einander Huld und Treue; *
Gerechtigkeit und Friede küssen sich.
Treue sprosst aus der Erde hervor; *
Gerechtigkeit blickt vom Himmel hernieder. – (Kv)
Ja, der Herr gibt Gutes *
und unser Land gibt seinen Ertrag.
Gerechtigkeit geht vor ihm her *
und bahnt den Weg seiner Schritte. – Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Éphesus.
Gepriesen sei Gott,
der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus.
Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet
durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.
Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Grundlegung der Welt,
damit wir heilig und untadelig leben vor ihm.
Er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt,
seine Söhne zu werden durch Jesus Christus
und zu ihm zu gelangen nach seinem gnädigen Willen,
zum Lob seiner herrlichen Gnade.
Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn.
In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut,
die Vergebung der Sünden nach dem Reichtum seiner Gnade.
Durch sie hat er uns reich beschenkt,
in aller Weisheit und Einsicht,
er hat uns das Geheimnis seines Willens kundgetan,
wie er es gnädig im Voraus bestimmt hat in ihm.
Er hat beschlossen, die Fülle der Zeiten heraufzuführen,
das All in Christus als dem Haupt zusammenzufassen,
was im Himmel und auf Erden ist, in ihm.
In ihm sind wir auch als Erben vorherbestimmt
nach dem Plan dessen, der alles so bewirkt,
wie er es in seinem Willen beschließt;
wir sind zum Lob seiner Herrlichkeit bestimmt,
die wir schon früher in Christus gehofft haben.
In ihm habt auch ihr das Wort der Wahrheit gehört,
das Evangelium von eurer Rettung;
in ihm habt ihr das Siegel
des verheißenen Heiligen Geistes empfangen,
als ihr zum Glauben kamt.
Der Geist ist der erste Anteil unseres Erbes, hin zur Erlösung,
durch die ihr Gottes Eigentum werdet,
zum Lob seiner Herrlichkeit.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Éphesus.
Gepriesen sei Gott,
der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus.
Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet
durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.
Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Grundlegung der Welt,
damit wir heilig und untadelig leben vor ihm.
Er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt,
seine Söhne zu werden durch Jesus Christus
und zu ihm zu gelangen nach seinem gnädigen Willen,
zum Lob seiner herrlichen Gnade.
Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn.
In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut,
die Vergebung der Sünden nach dem Reichtum seiner Gnade.
Durch sie hat er uns reich beschenkt,
in aller Weisheit und Einsicht,
er hat uns das Geheimnis seines Willens kundgetan,
wie er es gnädig im Voraus bestimmt hat in ihm.
Er hat beschlossen, die Fülle der Zeiten heraufzuführen,
das All in Christus als dem Haupt zusammenzufassen,
was im Himmel und auf Erden ist, in ihm.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Halleluja. Halleluja.
Der Vater unseres Herrn Jesus Christus
erleuchte die Augen unseres Herzens,
damit wir verstehen, zu welcher Hoffnung wir berufen sind.
Halleluja.
Aus dem hl. Evangelium nach Markus.
In jener Zeit
rief Jesus die Zwölf zu sich
und sandte sie aus,
jeweils zwei zusammen.
Er gab ihnen Vollmacht über die unreinen Geister
und er gebot ihnen,
außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen,
kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel,
kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen.
Und er sagte zu ihnen:
Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt,
bis ihr den Ort wieder verlasst!
Wenn man euch aber in einem Ort nicht aufnimmt
und euch nicht hören will,
dann geht weiter
und schüttelt den Staub von euren Füßen,
ihnen zum Zeugnis.
Und sie zogen aus
und verkündeten die Umkehr.
Sie trieben viele Dämonen aus
und salbten viele Kranke mit Öl
und heilten sie.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Aussendung der zwölf Jünger leitet im Markusevangelium eine neue Phase in Jesu öffentlichem Leben ein. Unter die Schilderung des vollmächtigen Wirkens Jesu und der Begeisterung der galiläischen Massen mischen sich Anzeichen einer drohenden Gefahr. Der Konflikt mit den Pharisäern und Schriftgelehrten, aber auch mit dem galiläischen Machthaber Herodes Antipas tritt immer offener zu Tage. Jesus beginnt deutlich gegen sie Stellung zu beziehen.
Was vorher geschah
Vorher berichtet der Verfasser des Markusevangeliums von drei unerhörten Wundertaten Jesu, eine immer noch unglaublicher als die vorangegangene: von der Stillung des Sturms, der Heilung des Besessenen von Gerasa, den eine Legion Dämonen quält, und schließlich der Tat, die die letzte menschliche Grenze sprengt: die Auferweckung der Tochter des Synagogenvorstehers Jairus (Mk 4,35 – 5,43).
Der Evangelist schildert Jesus als einen unwiderstehlich mächtigen Wundertäter, der Naturgewalten und Legionen von Dämonen mit ein paar Worten in die Schranken verweisen kann und vor dem sogar der Tod, der stärkste Feind des Lebens, seine Macht verliert. Jesus strahlt diese Heilungsmacht richtiggehend aus; eine blutflüssige Frau muss auf dem Weg zur Tochter des Jairus nur den Zipfel seines Gewandes berühren und wird schon geheilt von einem seit zwölf Jahren chronischen Leiden. Wo der Mensch Jesus ist, schießt Leben empor - so heftig und nicht aufzuhalten, dass einem ganz unheimlich zumute wird.
Um so erstaunlicher ist es, wenn es unmittelbar vor unserer Perikope von diesem "Kraftwerk" Jesus anläßlich eines Besuchs in seiner Heimatstadt Nazaret heißt, "er konnte dort kein Wunder tun" (Mk 6, 1-6a). Hier wird klar, dass die erstaunliche Vollmacht Jesu keine übernatürliche magische Begabung ist, sondern sich nur in einer vertrauensvollen Beziehung entfalten kann.
Wie es weiterging
Unmittelbar nach der Aussendung der Jünger wird erzählt, dass König Herodes Antipas von Galiläa in Jesus einen neuen Johannes sieht (Mk 6,14-16). Dass der Vergleich für Jesus lebensgefährlich ist, macht der Evangelist deutlich, indem er gleich anschließend von der Enthauptung des Täufers berichtet (6,17-29). Je mächtiger Jesu Wirken, je bekannter sein Name, desto mehr wachsen die drohenden Schatten.
Es folgen noch einmal drei Wunder-, bzw. Heilungsgeschichten. Danach beginnt die Auseinandersetzung Jesu mit den Pharisäern und ganz allgemein mit der Frage, ob die Verheißung Gottes nur für Israel gilt oder auch für die Heiden.
Reich Gottes durch Heilung und Befreiung
Dazwischen wird erzählt, wie die Jünger ausgesandt werden. Anders als in der besser bekannten Parallelstelle in Mt 10 wird hier nicht gesagt, dass sie predigen, sondern dass sie Dämonen austreiben und Krankheiten heilen sollen - wie überhaupt bei Markus weniger das Lehren als das Weitergeben der frohen Botschaft durch veränderndes, heilendes Tun im Vordergrund steht.
Historischer Hintergrund
Zur Zeit, in der das Markusevangelium entstand (60-50 n. Chr.), gab es vermutlich bereits christliche Wandermissionare, die diese Form der Besitzlosigkeit praktizierten. Allerdings lebten sicher nicht alle Apostel auf diese Weise: Paulus ist stolz darauf, dass er sich - außer durch die Gemeinde von Philippi - von niemandem unterstützen ließ, sondern von seiner Hände Arbeit lebte. Offensichtlich wird die Anweisung Jesu als "Wegweiser" betrachtet, nicht als ein sklavisch zu befolgendes Gesetz.
Die Aussendung der Jünger ist in Jesu Programm ein wichtiger Einschnitt: Die Frohe Botschaft vom Reich Gottes soll möglichst viele Menschen erreichen. Die Jünger sind nicht mehr nur Hörende, Lernende. Sie werden zu Akteuren. Durch sie beginnt Neues. Wo Neues beginnt, muss Altes losgelassen werden.
Immer wieder bekomme ich Briefe oder Mails: „Demnächst eröffnen wir in Ihrer Nähe unser Geschäft für diese oder jene Produkte!“ In der Zeitung finde ich Artikel über die Verantwortlichen und ihren Weg zu dieser Neugründung. Aus der Zeitung kann ich dann auch erfahren, dass es gegen diese Neuansiedlung verschiedene Proteste und Eingaben gab und gibt.
Gilt das nicht auch für die Lesung aus dem Alten Testament und das Evangelium?
Amos soll als Prophet auftreten. Er will es eigentlich gar nicht. Er möchte beim gewohnten Beruf bleiben. Aber ein Prophet ist ein „berufener Rufer Gottes“! Er soll den Menschen seiner Zeit sagen, wie Gott die Dinge sieht. In diesem Fall soll er sagen: „Ihr habt viel zu viel falsch gemacht. Ihr habt euch in eine Situation eingerichtet, unter der zu viele leiden. Damit ist bald Schluss! Ihr werdet diejenigen sein, die durch alle Sicherungsnetze hindurchfallen! Und Ihr müsst euch für das verantworten, was geschehen ist“
Verständlich, dass sich dagegen Protest erhebt. „Das wollen wir nicht hören. Verschwinde von hier! Noch besser: Gehe zu unseren Gegnern und mache die unruhig. Denen geschieht das Recht. Aber uns lass in Ruhe!“
Mails und Briefe gab es zur Zeit Jesu noch nicht. So hatte Jesus seinen Weg anders gestaltet. Die zwölf Apostel waren erst eine Zeit bei ihm. Sie konnten sich in seine Predigten einhören. Sie konnten ihre Verständnisfragen stellen und bekamen Antworten. Sie konnten erleben, wie Jesus mit den Menschen umging. Es waren Begegnungen, in denen Neubeginn möglich wurde. Jetzt sollten sie aus diesem Wissen selber Boten werden. Sie sollten für Jesu Botschaft werben. Sie sollten Zeichen des Neubeginns setzen. - Und es gelang ihnen. Später erzählen sie Jesus davon. In dem Zusammenhang ist interessant: Bei Lukas kommt es zu einer zweiten Aussendung. Er sendet nun nicht mehr die 12, sondern 72 Jünger aus. Es sollen noch mehr Orte von dem Neuanfang erfahren.
Der heutige Sonntag fällt auf den 14. Juli. In Frankreich ist es der Nationalfeiertag. Er erinnert an den Sturm auf die Pariser Bastille im Jahr 1789. Dort begann etwas Neues, das nicht nach dem Geschmack aller war. Es wurde gekämpft für oder gegen die Ideen. Erst 101 Jahre später anerkannte man die Früchte dieser Auseinandersetzungen und erklärte den Tag zum Nationalfeiertag.
Wir sind in unserer Kirche zusammen. Auch für sie gibt es eine Geschichte. Die Chronik beschreibt sie. Oft sind es neue Siedlungsgebiete, die eine Kirche bekommen sollen. Wer stellt das Land zur Verfügung? Wie groß soll sie sein? Welchen Baustil soll sie bekommen? - So wird schon vorher lange diskutiert und irgendwann werden die gemeinsamen Ideen umgesetzt.
Manche Kirchen können auf eine lange Geschichte zurückblicken. Sie stürzten ein oder brannten. Es brauchte dann Neues. Die Reste wurden integriert und neue Ideen wurden umgesetzt.
Schauen Sie sich gerne auch noch einmal hier in unserer Kirche um. Was ist Ihnen ans Herz gewachsen? Was müsste bleiben, wenn wir eine Renovierung machen wollten? Oder sähe unsere Kirche dann ganz anders aus?
In vielen Diözesen wird zurzeit heftig über die Erneuerung kirchlicher Strukturen diskutiert.
Und wie geht es Ihnen den neuen Gedanken über die Pfarreien der Zukunft? Sind Sie offen für den Weg, der in Ihrer Disözese gesucht wird? Wie stark sind die Beharrungskräfte, die einen gemeinsamen Neuaufbruch erschweren und behindern? Stellen wir uns der Wirklichkeit, dass neue Wege auch prophetische Zeichen sehen können? Gilt es, schmerzhafte Abschiede zu gestalten, um einen Neuanfang zu schaffen, der beflügelt?
Vor 7 Jahren präsentierte der Sänger Clueso sein Lied Neuanfang. Was stimmt nach dieser Zeit noch immer? Im Refrain singt er: „Es ist nie zu spät für einen Neuanfang“ - Hat er Recht?
Tatsächlich, es ist nie zu spät für einen Neuanfang. Aber wenn man ihn beizeiten beginnt, kann es leichter und weniger schmerzhaft sein.
Wie kann Mission heute gelingen? Worauf kommt es an? Die Haltung, mit der die Jünger der Botschaft Jesu weitergeben, ist ein unverzichtbarer Teil der Botschaft selbst.
Was braucht man, um zu verreisen? Was muss man mitnehmen von zu Hause? - (Die Mädchen und Buben, die auf ein Jungscharlager fahren, haben eine Packliste mitbekommen: Schlafsack, Matte, warme und kühle Kleidung, e-card, Wäsche, ein weißes Leiberl zum Bedrucken, Hausschuhe, Pyjama, Toilettsachen und anderes.)
Manchmal begeben sich Menschen - jüngere oder ältere - auf ein Abenteuer und nehmen für ihre Reise fast nichts mit, höchstens Zahnbürste und Jacke. Sie wollen bei Häusern anläuten, um Arbeit bitten und sich so das Essen, den Schlafplatz erarbeiten, strecken die Daumen aus, um ein Stückchen mit dem Auto mitgenommen zu werden. „Autostoppen“ hieß das früher, heute heißt es „hitchhiking“, und kommen ganz schön weit damit. Erleben auch wunderbare Sachen. Für einige wenige Tage wäre das ein schönes Abenteuer für mich, aber auf Dauer ganz schön anstrengend: permanent auf andere angewiesen sein, viel reden und erklären, abgewiesen oder als Spinner angesehen werden.
So ist es vielleicht auch den Jüngern gegangen, die Jesus aussendet - ohne Geld im Beutel, ohne Essen, nur einen Gefährten und die Botschaft Jesu. Und sie haben beides erlebt: freundliche Aufnahme und Ablehnung.
Für mich ist dieser eine Gedanke aus dem heutigen Evangelium spannend: Jesus schickt seine Jünger so aus, dass sie reden, kommunizieren müssen. Nicht von oben herab mit ihrer Botschaft, sondern auf Augenhöhe. Sie haben zwar etwas anzubieten - Jesu befreiende Worte -, aber sie sind angewiesen auf den guten Willen derer, die sie besuchen. Sie müssen sich als ebenso Bedürftige äußern, sie sind den Besuchten, den „Missionierten“, in anderen, nämlich den leiblichen Bedürfnissen, nichts voraus. Ihre Botschaft heißt: ich brauche - du brauchst. Ich bitte - du ??? – du bittest vielleicht, kannst vielleicht brauchen, oder du meinst, du hast eh genug und brauchst es nicht.
Diese Haltung, dieser Gestus jedenfalls funktioniert dann nicht von oben herab, sondern von Mensch zu Mensch, von Bedürftigkeit zu Bedürftigkeit, Geschenk gegen Geschenk, Dank gegen Dank. Es ist dann eine Wahrheit, eine Frohe Botschaft, die angeboten wird, und nicht anderen übergestülpt oder verordnet. Die Frohe Botschaft offerieren, darlegen, hinlegen, schenken, auf Annahme hoffen - freundlich, demütig, abwartend.
Wenn in dieser Haltung Mission gelebt wird, wenn wir als Christinnen und Christen in dieser Haltung Mission leben, dann werden wir der Botschaft der Liebe und des Angenommen-Seins vor Gott gerecht, einer Botschaft, die durch unser Leben ausstrahlen soll, die wir hinaustragen sollen.
Womit ich beim zweiten Aspekt bin, der mir an dieser Stelle gefällt: Es reicht nicht, dass es einen Messias, einen Guru, einen Religionsgründer gibt - auch wenn er noch so strahlt. Jesus selber schickt seine Jünger weg - beschrieben ist dies als die Sendung der Zwölf, die das Volk Gottes wieder herstellen sollen, über die Grenzen Israels hinaus. Er schickt sie weg, um das zu tun, was er selber tut: predigen und heilen. Er traut ihnen - uns - zu, in seinem Sinne weiterzuarbeiten. Das Gute soll mehr werden, soll sich verbreitern in der Welt - und die unreinen Geister zum Verschwinden bringen, die wir heute „Einsamkeit, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Ungerechtigkeit, Lüge“ und vieles mehr nennen.
Aber sie/wir müssen das nicht alleine tun, wie ein Rufer in der Wüste. Jesus schickt sie zu zweit weg: wenn einer fällt, hilft der andere auf; wenn einer müde ist, kann der andere noch; wenn einer verzagt ist, mag der andere noch Hoffnung finden; auch Misserfolge lassen sich zu mehrt leichter verdauen. Reflexion und Feedback sind möglich, beten ist leichter, die Gemeinschaft stützt.
Bei Taufen sage ich gerne: Zu glauben ist schwierig alleine. In der Gemeinschaft stützt man sich, trägt einander ein Stück, wenn es einem gerade schwer fällt. Man freut sich miteinander.
Uns allen wünsche ich, dass wir gestärkt aus den sonn-oder alltäglichen Erfahrungen eines gemeinsamen Glaubens hinausgehen zu Menschen um uns und dort „böse Geister“ vertreiben, die Freude Jesu durchscheinen lassen und Menschen zum Mitgehen einladen.
© Angelika Gumpenberger-Eckerstorfer, Diözese Linz.
Der Inhalt einer Handtasche verrät viel über ihre Besitzerin. Diese will gerüstet sein für alles, was im Alltag passieren kann. Wenn man Menschen auf Augenhöhe begegnen will, kann jede Absicherung zum Hindernis werden. Das Evangelium lädt uns dazu ein, uns von Jesus ins Unbekannte senden zu lassen.
Jesus hat seinen Jünger:innen vieles erzählt und gezeigt. Nun wird es Zeit für sie, vom Hören ins Tun zu Kommen. Jesus schickt sie auf die Reise. Auf eine lange Reise. Auf eine Missions-Reise, hinaus ins Unbekannte und zu unbekannten Menschen. Ohne Wäsche zum Wechseln, ohne Schuhe, ohne Tasche sollen sie losziehen - schwer vorstellbar, wie das gehen soll.
Wenn ich mir da gerade nur meine Handtasche anschaue... Autoschlüssel, Haustürschlüssel, Pfarrhofschlüssel, Handy und Geldbörse, Autopapiere, Terminkalender, Desinfektionsmittel, eine Lesebrille, drei Kugelschreiber - irgendwie werden die immer mehr. Mittel gegen Kopfweh, Taschentücher, eine Haarbürste, eine Sicherheitsnadel, eine Nagelfeile und noch weitere Kleinigkeiten finde ich da drinnen. Und das alles nicht etwa, weil ich mich heute auf eine Reise begeben will. Das ganze Zeug trage ich jeden Tag mit mir herum. Warum ich mir das Leben so schwer mache? Immerhin wiegt meine Tasche 1 kg. Ich möchte das alles bei der Hand haben. Es könnte ja sein, dass ich es plötzlich brauche. Welche Katastrophe auch immer passieren mag: ob Kopfschmerzen oder Kleingedrucktes, ein dringender Anruf oder ein eingerissener Fingernagel - Ich bin abgesichert. Ich habe alles dabei.
Aber so geht es ja nicht nur mir. Unser Sicherheitsbedürfnis ist groß. Es schützen uns Unfall-, Krankenzusatz- und Hausratsversicherung. Vor ballspielenden Kindern schützt die Glasbruch-versicherung, bei Hundebissen die Haustier-Haftpflichtversicherung, für Zahnarztkosten gibt's die Zahnversicherung, und so weiter und so fort.
Jesus sagt: Nichts mitnehmen auf die Reise zu den Menschen. Das stellt unser Sicherheitsbedürfnis ziemlich in Frage: Aber ist es denn nicht vernünftig, vorzusorgen und niemandem zur Last zu fallen? Was ist an einem zweiten Hemd so schlimm? oder anders formuliert: Hat Jesus etwas gegen Christ:innen mit großen Handtaschen? Warum diese Aufforderung, nichts mitzunehmen auf die Reise zu den Menschen?
Die Jünger:innen können nur dann heilsam wirken, wenn sie sich nicht mit Ballast beschweren und nach allen Seiten absichern, sondern sich anderen Menschen anvertrauen. Jesus bevollmächtigt sie, gegen unreine Geister vorzugehen, aber diese Geister reagieren nicht auf Desinfektionsmittel. Es ist wirkungslos, quasi "von oben herab" zu missionieren, Segen und Heftpflaster großflächig zu verteilen. Das Mittel Jesu ist Begegnung - und zwar auf Augenhöhe. Ihre Bedürftigkeit soll die Jünger:innen daran erinnern, dass sie keine unnahbaren Gurus sind. Darum ist es nötig, dass sie auf die Hilfe der Menschen angewiesen bleiben: bedürftig nach Nahrung und Unterkunft, nach Bekleidung und menschlichen Kontakten.
Das gilt genauso für uns, die Jünger:innen Jesu von heute. Auch wir müssen auf dem Boden bleiben, bei den Menschen, zu denen wir gesendet sind. Auch wir müssen bedürftig bleiben, damit wir anderen Menschen nahekommen können. Denn nur durch Nähe kann Heilung geschehen. Auch wir dürfen uns nicht beschweren mit allerhand Ballast, denn nur in leere Hände kann ein Geschenk gelegt werden. Und nur, wer nicht alles im Griff hat, lässt Raum für Überraschungen.
Das Evangelium lädt uns dazu ein, uns von Jesus ins Unbekannte senden zu lassen, es dabei ganz handfest mit Vertrauen zu versuchen und etwas zu riskieren. Jesus ermutigt uns, die Hände zu leeren und auszustrecken nach den Menschen und den Wundern, die da draußen auf uns warten. Wer weiß, was alles passieren kann, wenn wir neugierig durch die Straßen gehen, mit offenen Händen - und ganz ohne Handtasche.
© Mag.a Angelika Paulitsch, Steyr-Ennsleite, Arbeitskreis "Frauenpredigt" Diözese Linz.
Jesus beruft seine Jünger zu Mitarbeitern der Ankündigung des Reiches Gottes. Er bereitet sie darauf vor, dass es ihnen dabei ähnlich ergehen wird wie den alten Propheten. Bei vielen werden sie nicht willkommen sein.
Gehen und Senden, zwei Wörter, die in der alttestamentlichen Lesung und im Evangelium zu finden sind. Jetzt, in der Urlaubszeit, könnten wir noch Wandern dazunehmen, also fit bleiben. Es gibt sogar diesbezügliche Veranstaltungen: Bibelwochen oder „Wandern mit der Bibel“. Die Bücher sind so klein, dass sie auch gut in Wanderrucksäcke passen.
Gehen, Senden, Wandern, sind mit einem Auftrag verbunden: „Geh und rede als Prophet zu meinem Volk“ (Am 7,15), heißt es gleich am Beginn der ersten Lesung. Da ist aber nicht nur vom Gehen die Rede, sondern auch von Flucht. Wieso eigentlich? Amos, Maulbeerfeigenbaumzüchter und Viehhüter, lebte im 8. Jhdt. v. Chr., bereits nach der Entstehung der beiden Königreiche Israel im Norden und Juda im Süden mit unterschiedlichen Herrschern und und ganz unterschiedlichen sozialen Verhältnissen. Amos ist besonders sensibel für soziale Fragen und prangert deshalb Betrug, Gier, unmäßiges Besitzstreben als grobe Verstöße gegen Gerechtigkeit und als Abfall von JHWH an. So bekommt er als Prophet den Auftrag: „Geh und rede als Prophet zu meinem Volk Israel.“ (Am 7,15). Er prophezeit den Untergang, wenn das Volk nicht seinen Lebensstil ändert, was dann auch eintritt. Also, schlechte Nachricht und Warnung, die man nicht hören will.
Von Propheten und ihrem Schicksal haben wir oft gehört. Das konnte bis zum Tod führen. Diese Prophezeiung kommt bei Amazja, einem Angehörigen der führenden Oberschicht, nicht gut an. Religion und Politik waren damals eng miteinander verbunden, Systemkritik unerwünscht. So sagt er zu Amos, der kein Berufsprophet war, aber sich durch JHWH berufen wusste, er solle so rasch als möglich verschwinden. „Schleich dich!“ würde eine etwas unfeinere Ausdrucksweise lauten.
Wie sieht das heute aus, wenn jemand im Staat oder in der Kirche einen „Maulkorb“ bekommt oder bekommen soll? Die einen ducken sich oder sprechen hinter vorgehaltener Hand aus, was nicht offiziell gesagt werden darf, andere fürchten um ihre Aufstiegsmöglichkeiten oder Beeinträchtigungen im Berufsleben oder rechnen sogar mit Kündigung und halten still. Wer beruflich nicht hoch hinaus will, hat es wesentlich leichter, wenn er sich von Titelsucht und Prestigedenken frei machen kann. Das war auch bei Amos der Fall. Er ist ein mutiges Korrektiv zu einem korrupten Herrschaftssystem.
Zwei Voraussetzungen müssen wir auch heute im Blick haben: Mut und Klugheit einerseits, aber auch Gedankenfreiheit. Das gilt auch in Glaubensfragen, sonst wird Glaube zur Ideologie: So musst du denken und handeln, wenn du ein guter Christ sein willst. Da mangelt es aber gewaltig an Freiheit, von der schon Martin Luther (1483-1546) „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ spricht. Er ist ein freier Herr aller Dinge und niemand untertan. In dieser Schrift übt er auch heftige Systemkritik an der Kirche seiner Zeit. Es dürfe keine Vorschriften, Verbote oder Einschränkungen geben, die das Seelenheil in irgendeiner Weise beeinflussen. Und Anordnungen dürfen schon gar nicht durch Drohungen durchgesetzt werden. Amos kritisiert auch Fehlentwicklungen im kultischen Bereich. Wir können auch heutzutage von Heuchelei sprechen, besonders dann, wenn biblische Sprüche zu bloßen Floskeln werden und wenn sich Menschen im Kult wesentlich anders darstellen als im alltäglichen Umgang miteinander.
Darum erinnert die zweite Lesung, dass wir „reich beschenkt werden mit aller Weisheit und Einsicht … dass wir als Erben vorherbestimmt und eingesetzt sind nach dem Plan dessen, der alles so verwirklicht, wie er es in seinem Willen beschließt […] und der Geist der erste Anteil des Erbes ist.“ Auch das ist eine Zusage an die Freiheit des Menschen.
Das Evangelium will sicherstellen, dass dieses Erbe weitergegeben wird, das Erbe des guten Geistes, des Liebesgebotes. Daraufhin trainiert Jesus durch beinahe drei Jahre seine Jünger, indem er sie intensiv an seinem irdischen Leben teilnehmen lässt mit all seinen Freuden, Erfolgen, aber auch mit seiner Ablehnung, seinem Frust, dass viele Menschen nichts annehmen, ihr Herz für die Frohe Botschaft nicht öffnen. Er schickt seine Jünger zu Zweit aus, weil einer allein auf der Strecke bleiben könnte. Glaube und Bekenntnis braucht Gemeinschaft. Kirche soll Weggemeinschaft sein auf der irdischen Pilgerreise.
Der Wanderstab dient als Stütze und Halt vor Ausrutschen und Abgleiten in unnötige oberflächliche innerweltliche Problemkreise, auch in materieller Hinsicht, was wir alles an Unnötigem zusammenraffen. Der Staub als ständiger Begleiter an den Füßen Jesu, an den Füßen seiner Jünger, auch an unseren Füßen. Er zeigt sich durch Ablehnung in Form von Hass, Dummheit, Faulheit, Gleichgültigkeit, Oberflächlichkeit als undurchdringliche klebrige Masse. Die Zwölf haben all das gut überstanden, dürfen wir annehmen. Wir als Christen sind Erben des guten Geistes, den wir an unsere Generationen weitergeben sollen trotz aller Mühsal dabei. Gottes reichsten Segen dazu mit seiner liebenden Zuwendung.
Aktivismus, der uns keine Zeit zum Nachdenken und Reflektieren lässt, ist sowohl im großen gesellschaftlichen Bereich wie auch im persönlichen Leben zerstörerisch. Jesus lädt auch uns ein, uns eine Pause zu gönnen.
Die erste Lesung beginnt mit einem Blick auf die gesellschaftspolitische Situation im 6. Jhdt. Vor Christus, die manche Ähnlichkeit mit dem derzeitigen tagespolitischen Geschehen aufweist. Der Prophet Jeremia (= der Herr ist erhaben) hat den Auftrag, die bevorstehenden Eroberungen der Königreiche Juda und Israel anzukündigen, eine Nachricht, die vor allem bei den Herrschenden und beim Volk nicht gut ankommt. Überbringer schlechter Nachrichten müssen damit rechnen, dass sie getötet werden. Den beiden Königen wird vorgeworfen, dass sie Recht und Gerechtigkeit außer Acht gelassen haben. Das sind aber die Voraussetzungen für Wahrheit und Liebe. Deswegen gehen auch die Menschen ihre eigenen Wege, sie zerstreuen sich, sie sind verunsichert, haben Angst. Die Hirten, also die Könige als Verantwortliche, erfüllen ihre Aufgabe nicht. Sie schauen auf ihre eigenen Interessen, sind machtbesoffen, fühlen sich als Weltenherrscher, als unbesiegbar und gottgleich.
Bei Jer. 14,17 lesen wir: „Ja, auch Propheten und Priester werden verschleppt in ein Land, das sie nicht kennen.“ Dann die Klage: „Hast du denn Juda ganz verworfen?“ Im Buch Daniel 3,38 wird beklagt: „Wir haben in dieser Zeit weder Vorsteher noch Propheten und keinen, der uns anführt.“
Das alles passt gut in unsere heutigen weltpolitischen und auch innerstaatlichen Bereiche. Es gibt auch heute Staaten, die als Großmächte auftreten, die mit unverhohlenen und auch versteckten Drohungen arbeiten, die am Ausbau einer Weltherrschaft arbeiten und für die das Wohl der Menschen nicht in ihrem Interesse steht. Ihre Absichten werden mit Kriegsgerassel untermauert. Die Großmächte wollen die Weltherrschaft erobern und jede von ihnen geht andere Wege. Immer wieder treten Herrscher auf, die Recht und Gerechtigkeit außer Acht lassen oder nach ihren Interessen zurecht biegen. Weltweit müssen Millionen von Menschen selbst sehen, wie sie über die Runden kommen.
Vergleichbares lässt sich auch in der Kirche beobachten. Verantwortliche verstricken sich in Richtungskämpfe und wenden dafür unnötig viel Energie auf. Die Sehnsucht der Menschen nach Heil und Trost, ihre Fragen nach dem letzten Grund finden wenig Interesse und Gehör. Sie gehen deshalb ihre eigenen Wege, oft auch Irrwege.
Es ist uns aber zugesagt, dass Recht und Gerechtigkeit wieder einkehren, dass Gott selbst Hirten auswählt und zurechtrückt, was verrückt ist.
Die zweite Lesung stellt den Frieden, den die Welt nicht geben kann und den uns Christus Jesus bringt, vor; einen Frieden, der alle Feindschaft überwindet. Nur Menschen des Friedens haben Zukunft. Das macht auch Psalm 37,37 deutlich: „Achte auf den Lauteren und sieh auf den Redlichen,“ auf den der ehrlich ist, der nach der Wahrheit strebt. Wer danach handelt, hat Zukunft. Dieser Friede, Aufhebung aller Feindschaft, soll schon jetzt beginnen.
Das Evangelium bezieht hier auch den Menschen ein. Er braucht Beständigkeit (constantia) und Arbeit (labor), kreatives Schaffen. Den heiligen Benedikt mit seiner Ordensregel können wir als ersten Gewerkschafter eine christlichen Europa bezeichnen: Ora, labora, lege - bete, arbeite, studiere - Reflektiere immer wieder dein Leben.
Die Apostel berichten von ihrer Missionstätigkeit, die sie so ausgefüllt hatte, dass sie „nicht einmal Zeit zum Essen hatten, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen.“ Auch Jesus lebte in der Spannung von Gebet und Arbeit.
Ähnliches gil auch heute: Heraus aus der Tretmühle des Alltags. Digitalisierung bringt nicht immer Zeitersparnis. „Man verliert viel Zeit damit, dass man Zeit gewinnen will“, stellt John Steinbeck, amerikanischer Schriftsteller 1902-1968, fest. Auch für uns ist es gut, sich einen einsamen Ort zu suchen, der so wie bei den Jüngern zum Lehrhaus wird: einen Wald, einen Park, eine Kirche. Dort kann man sich selber finden. Da ist es ruhig. Doch manche halten die Stille und sich selber nicht aus…
Jesus lehrte die Jünger lange. Das könnte für uns bedeuten: Denke nach über den Sinn deiner Tätigkeiten, nimm dir Zeit zur Stille. Gott spricht zu uns in der Stille, etwa im Säuseln des Windes (vgl. dazu 1 Kön 19,11-13). Das Evangelium dieses Sonntags ist eine Empfehlung darüber nachzudenken, in welchen Zeitstrudel wir hineingezogen werden und was wir unserem Leib, unserer Seele und unserer geistiger Befindlichkeit antun, wenn wir den Lebensrhythmus, der für uns gut wäre, nicht einhalten wollen oder nicht einhalten können; wenn wir der Versuchung erliegen, auch die uns von Gott geschenkte Zeit mit Aktivismus anfüllen.
Der Auftrag, mit dem Jesus seine Jünger aussendet – er gilt ja auch uns – überfordert uns. Aufs Erste. Es tut gut, ihm den Hymnus des Epheserbriefes gegenüberzustellen. Paulus vergewissert uns der bedingungslosen Liebe Gottes. Aus diesem neuen Selbstverständnis können wir in neuer Weise für die Menschen da sein.
Ehrlich gesagt: ich tue mich schwer mit solchen Texten in den Evangelien! Der Anspruch überfordert mich! Jesus sandte die Zwölf aus und sie „verkündeten die Umkehr. Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke und heilten sie.“ Ist ja schön, dass das so war! Wunderbar! Aber: Sollen wir das nun auch so machen? Können wir das überhaupt? Was ist, wenn ich mich nicht imstande fühle, Dämonen auszutreiben und Kranke zu heilen? Was ist mein Auftrag? Wie erfahre ich, wozu ich gerufen bin?
Da kommt mir die Lesung aus dem Brief an die Gemeinde von Ephesus zu Hilfe. Paulus bzw. einer aus seinem Kreis hat den Brief geschrieben – einige Zeit nach dem Tod und der Auferstehung Jesu, in einer Zeit, da es bereits gewachsene christliche Gemeinden gab. Dem Verfasser des Briefes geht es um das Christsein, um das zentrale Bewusstsein der Christen: Wer sind wir? Dier Brief an die Christen von Ephesus beginnt nicht mit einem Auftrag, sondern mit einem Lobpreis: „Gepriesen sei Gott, der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus. Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus...“
Wir Christen sind zuallererst Gesegnete! Von Anfang an, von Urzeit her Gesegnete! Es heißt da tatsächlich: „Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Grundlegung der Welt…“ Wir sind gedacht, geplant, geliebt – längst bevor wir denken, planen und lieben konnten! Jede und jeder von uns ist von Gott geliebt: von Gott, mit göttlicher, unendlicher Liebe. Ich bin gemeint: mit meinem Kopf, mit meinem Herzen, mit meinem Bauch, mit allem, was mich ausmacht! Gott macht keine halben Sachen. Er will uns total. Er will, dass wir leben, voll leben – als freie Menschen, eins mit uns selber, lebendig verbunden mit den Mitmenschen und mit Gott!
Freilich: wir können Ja sagen zu dem, wie Gott uns gewollt hat, oder wir können zögern oder auch Nein sagen. In der Geschichte war das Nein der Menschen jedenfalls deutlicher zu spüren als das Ja. Menschen haben ihr Inneres verkommen lassen, haben ihre Mitmenschen abgelehnt, verachtet, gehasst, ausgeschlossen, geschlagen, getötet. Sie haben die Verbindung mit Gott verloren, ja sich gegen ihn gestellt. Das Projekt Gottes mit den Menschen schien sich zur Katastrophe zu entwickeln.
Nein, so nicht! Ich lasse mich nicht abbringen – so sagt Gott – ich bleibe beim Segnen der Menschen! Gott lässt sich nicht abbringen von seiner Liebe zu den Menschen. Vielmehr nimmt er in Jesus die Menschheit, so wie sie ist, an sein Herz. In Jesus haben wir „die Erlösung durch sein Blut“ – heißt es im Brief nach Ephesus. Der Vater, Jesus und der Geist sind und bleiben verbunden, sind eins. Sie bleiben der eine Gott, auch dann, wenn Jesus ganz und voll Mensch ist und als Menschensohn die gesamte Menschheit vertritt, ihre Krankheiten und Nöte, ihre Schmerzen und ihre Gottverlassenheit, ihre Sünde und ihren Tod auf sich nimmt. Er weicht nicht zurück vor den Menschen, auch dann nicht, wenn sie ihn zum Tod verurteilen, ich auslachen, ihn aus ihrer Mitte eliminieren. Was tut Jesus? Er gibt sich hin, er liebt: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist, meinen Lebenshauch!“ Was geschieht da? Es geschieht Gott; es geschieht die Liebe!
Wir Menschen sind, so wie wir sind, mit unserer Sünde, mit unserer Schwachheit, durch Jesus hineingenommen in Gott, hineingeliebt in das dreifaltige Leben Gottes: „In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sündennach dem Reichtum seiner Gnade“. Gnade bedeutet totale Zuwendung, liebende Umarmung!
Wenn wir aber bei Jesus und in Jesus sind, mit ihm sind, werden wir auch herausfinden, werden wir es erspüren, was für uns dran ist, was wir für die Menschen sein können und tun können, was unser Auftrag im Hier und Heute ist, wie wir auf unsere Weise als Christen da sein können, „Dämonen austreiben“ und „heilen“ können…
Die Jünger und Jüngerinnen Jesu wurden von ihm so sehr in den Bann gezogen, dass sie mit ihm gingen, bei ihm blieben; sogar über seinen Tod hinaus. Sie taten weiterhin, was sie mit ihm taten. Darin liegt auch die Herausforderung für uns heute.
Wir haben eine Erzählung gehört: aus einem Buch, das wir „Evangelium“, d.h. Botschaft zum Freuen nennen. Als Verfasser gilt Johannes Markus, ein unter den Christen der ersten Zeit bekannter Mitarbeiter des Apostels Paulus. Der Apostel Petrus nennt ihn liebevoll seinen Sohn (1 Petr 5,13). Als Zeit der Abfassung nimmt man an: vor dem Jahr 70 unserer jetzigen Zeitrechnung.
Warum interessiert uns diese Erzählung aus alter Zeit? Weil sie von Jesus, dem Christus, dem Gesalbten, handelt, und für die Christen die wichtigste Bezugsperson ist. Zu seinen Lebzeiten haben sich Menschen Jesus angeschlossen, Männer und Frauen. Einige waren immer um ihn, die Zwölf. Er hatte sie zu sich gerufen, mit ihnen gelebt, vieles mit ihnen besprochen und sie dann ausgesandt. Er nannte sie Gesandte, „Apostel“. Als Jesus gefangen genommen, zum Tod verurteilt und als Verbrecher hingerichtet wurde, sind sie abgehauen, bis auf einen. Dann geschah das Unerhörte: Jesus lebt – auf neue Weise, er begegnet ihnen, er sammelt sie neu und sendet sie neu.
Seitdem waren fast vierzig Jahre vergangen. In diesen Jahren erfahren seine Jünger, die Christen: das Leben mit Jesus geht weiter. Wenn sie in seinem Namen zusammenkommen, ist er bei ihnen. Und er wirkt mit ihnen – wie damals: „Sie zogen aus und verkündeten die Umkehr. Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.“ (Mk 6,12).
Nach vierzig Jahren war es gut, sich zu vergewissern: Tun wir das, was Jesus gemeint hat? Markus sammelt die Erzählungen über Jesus und fügt diese Erzählungen zusammen zu seinem „Evangelium“. Es besteht aus Erzählungen über Jesus von Leuten, die persönlich ihre Erfahrungen mit Jesus gemacht haben, vor und nach seinem Tod und seiner Auferstehung. So nennt z.B. Petrus, der Apostel Jesu, Markus seinen Sohn. Zwischen Petrus und Markus besteht ein Vertrauensverhältnis. Die Texte atmen die Erinnerung von Jesus-Kennern, von Leuten, die mit Jesus in äußerer und mehr und mehr in innerer Vertrautheit lebten.
Seit der Abfassung des Markusevangeliums sind 1950 Jahre vergangen. Die Welt hat sich verändert, die Situation der an Jesus Glaubenden hat sich verändert. Auch manche Worte haben ihre Bedeutung oder ihren Bedeutungshof verändert. Was kann es für uns heißen: „Sie zogen aus und verkündeten die Umkehr. Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.“? „Sie zogen aus…“ Wenn „sie“ inzwischen „wir“ sind, was dann?
Da ist es notwendig, auf die Rahmenvorgaben zurückzublenden, die in unserer Erzählung angegeben werden:
(1) Jesus „rief sie zu sich“: Das Erste ist die Beziehung zu Jesus, auch heute.
(2) Dann und nur dann sendet er: durch einen inneren Impuls oder auch durch eine kirchliche Beauftragung.
(3) Das „jeweils zwei zusammen“ wird durch die Erfahrungen der ersten Zeit des Christentums bestätigt: Paulus hatte auf seinen Reisen immer Gefährten bei sich. Jesus kann man zwar auch als Einzelner, aber wirksamer im Miteinander bezeugen. Nach einer Aussage im Matthäusevangelium hat Jesus verheißen: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt.18,20).
Also: Angenommen, es geht uns miteinander um Jesus und seinen Auftrag, dann…
„Sie zogen aus“:
Es braucht Entscheidung! Für manche kann das eventuell Ortswechsel bedeuten. Immer aber geht es darum, sich zu öffnen und sich zu riskieren.
Sie „verkündigten die Umkehr“:
Jesus kennen zu lernen und seinen Lebensentwurf, kann man nicht einfach abhaken. Ich kann es mir und anderen nicht ersparen, das Leben neu zu justieren.
„Sie trieben viele Dämonen aus“:
Ich kann jedenfalls innerlich Jesus bitten: „Bitte befreie N.N. von diesen anscheinend übermächtigen Störungen!“ Manches, was den Menschen bedrängt und belastet, können wir aber auch durch Gespräch, durch gemeinsames Beten oder einen gut begleiteten Vergebungsprozess „austreiben“.
„und salbten viele Kranke mit Öl und heilten alle“:
Es tut gut, berührt zu werden. Es tut gut, wenn mir Heil und Heilung zugesprochen wird. Das gilt für das Sakrament der Krankensalbung. Das gilt aber auch für alle menschliche Zuwendung zum Kranken. Die Ärztin Dr. Liss Rankin nennt die Fürsorglichkeit den „Heilungsfaktor, der alles verändern kann“ (vgl. Liss Rankin: Mind over Medicine. Warum Gedanken oft stärker sind als Medizin, München 2014).
Schließlich noch ein Wort zu „alle“: „und heilten alle“.
Da stoßen wir an unsere Grenzen und sind eingeladen, unsere Begrenztheit, unser Nicht-alles-können, dem anzuvertrauen, der alles in Händen hat – so wie Jesus sich total dem Vater anvertraut hat, der ihn am Ölberg nicht erhört hat, aber etwas daraus gemacht hat, das allen Menschen zugutekommt: In der Auferweckung von den Toten hat ihn der Vater zum Urheber allen neuen Lebens gemacht, zum Ermöglicher des uns Menschen unmöglich Erscheinenden. Mit Jesus treten wir ein in das Leben, das uns endgültig bei Gott zu Hause sein lässt.
Jesus sendet seine Jünger aus mit dem Auftrag das Gleiche zu tun, das er tut. Um diesen Auftrag glaubwürdig ausfürhen zu können, braucht es Einfachheit und Aufrichtigkeit.
Wieder hören wir von einem Propheten. Diesmal ist es Amos. Er lebte im 8. Jhdt. vor Christus, war Maulbeerbaumzüchter und Großgrundbesitzer. Er lebte ca. 20 km südlich von Jerusalem am Übergang des Kulturlandes in die Steppe. Sein Berufungserlebnis zum Propheten dürfte so zwingend gewesen sein, dass er einfach folgen musste. „Der Löwe brüllt - wer fürchtet sich nicht? Gott, der Herr spricht - wer wird da nicht zum Propheten?“ (Amos, 3,8). Er weist dem Oberpriester des Reichsheiligtums auf viele Ungerechtigkeiten in diesem Land hin. Das ist der Auftrag, den JHWH ihm gibt, also eine unangenehme Nachricht für den Oberpriester, der von der Gunst des Königs lebt.
Auch für heute gilt: Wenn sich die Kirche mit ihrer guten Nachricht, mit dem Evangelium, nicht unabhängig von politischen Einflüssen und ideologischen Richtungen halten kann, wird sie mit ihrer Botschaft scheitern, weil sie dem Auftrag, das Wort Gottes zu verkünden, sei es gelegen oder ungelegen, nicht entspricht. Die Versuchung war und ist zu allen Zeiten groß, sich mit den Mächtigen zu arrangieren und auf die Armen zu vergessen oder sie nicht zu beachten.
Der Prophet muss auch unabhängig sein von materiellen Gütern, sowie Amos, Großgrundbesitzer und unabhängiger Bauer. Unabhängige Leute sollen damals und heute mundtot gemacht werden. Man sperrt sie ein oder droht ihnen Schwierigkeiten in ihrem beruflichen Fortkommen an, in totalitären System scheut man auch vor Mord nicht zurück. Man verleumdet sie. So geschieht es auch heute. Wir kennen dich ja. Da werden Schwachstellen gesucht und dann bloßgestellt.
Damit die Botschaft Jesu auch gut ankommt, sendet Jesus die Jünger zu zweit aus, nicht allein als Einzelkämpfer, obwohl so manch einer trotzdem unfreiwillig dazu gemacht wird. Es sollte nicht jeder gegen jeden aufstehen, sondern sie sollten einander schützen. Wir wissen ja sehr gut, wichtige Nachrichten, schwierige Probleme können immer in Gemeinschaft besser gelöst werden als nur von einem allein.
Auffällig ist auch, wie wenig der Mensch zum Leben braucht, wie primitiv auch manche Menschen leben (müssen). Die Zeiten der Pandemie geben Gelegenheit, nicht nur darüber zu jammern, was ein kleines Virus zusammenbringt, sondern auch das persönliche Leben neu zu ordnen. Wieviel an Ballast schleppen wir herum? Es ist gut, über unsere persönlichen Konsum- und Lebensgewohnheiten nachzudenken, auch das macht teilweise unabhängiger.
Jesus schickt die Jünger aus. Auch wir werden ausgesandt als Getaufte und Gefirmte. Die Menschen sollen sehen, was Christen auch in schwierigen Zeiten hoffnungsfroh macht. Die gute Nachricht Jesu ist zukunftsorientiert. Wer nur in der Vergangenheit lebt, nichts bewegen will oder kann, trägt bei zu Verbissenheit und Fanatismus. Wer nur die Gegenwart sieht, neigt zu einem einengenden Gesichtsfeld, wer nur in der Zukunft lebt, die Vergangenheit unreflektiert hinter sich lässt, kann gefährlichen Utopien aufsitzen. Wer den Himmel auf Erden will - das Paradies - schafft die Hölle. Das zeigen alle totalitären Systeme.
Das Evangelium zeigt die Missionsregel der frühen Kirche: hinausgehen zu den Menschen, zu allen, niemanden auszuschließen und auch zu heilen. Das Wort Gottes soll durch die Menschen heilend wirken durch das befreiende Wort, durch tatkräftige Hilfe, um das Liebesgebot sichtbar zu machen. Das ist Gottesdienst im Alltag. Tag für Tag haben wir menschliche Begegnungen, davon ist von großer Bedeutung, wie diese Begegnungen verlaufen. Versuchen wir unser Leben evangeliumsgemäß zu gestalten, mit dem Vater eins zu werden so wie dies auch Jesus in seiner Lebenszeit hier auf Erden getan hat.
Woran liegt es, dass heute Mission in manchen Weltgegenden so schlecht gelingt? Am Propheten Amos, an Jesus und seinen Jüngern sowie am Apostel Paulus können wir ablesen, worauf es in der Verkündigung der Frohen Botschaft ankommt.
Jesus erfüllt nicht nur seine eigene Sendung. Er schickt seine Jünger als Boten aus, die Frohe Botschaft zu verkünden. Dies ist uns auch heute aufgegeben.
Von Jesus und seinen Jüngern können wir lernen, wie Mission gelingen kann.
Jesus sendet seine Jünger aus, so wie er die Frohe Botschaft zu verkünden. Er gibt ihnen klare Regeln mit, damit die Botschaft auch ankommt. Der Geist dieser Regeln ist auch heute noch bedeutsam, damit die Weitergabe des Glaubens gelingen kann.
Neues geschieht immer wieder und muss gestaltet werden. Diesem Thema wollen wir heute nachgehen. Welches Neue geschieht um uns herum? Welche Dinge wollen wir voranbringen, weil sie uns wichtig sind? Merkt man uns Christen heute noch an, dass die Christengemeinde am Anfang ihres Bestehens als Anhänger des neuen Weges bezeichnet wurden?
Liebe Kinder, liebe Brüder und Schwestern!
Ich glaube, Sie sind so froh wie ich, dass die Ferien begonnen haben. Einige werden verreisen - oder sind sogar schon wieder da.
Wenn wir das tun, überlegen wir: was brauch ich unbedingt, um mich wohl zu fühlen? Auf wen oder was möchte ich gar nicht verzichten? Welche Person, welches Ding, welches Ritual ist ganz wichtig für mich?
Diese Frage möchte ich Ihnen in die folgende Stille mitgeben.
Stille
© Angelika Gumpenberger-Eckerstorfer, Diözese Linz.
„Unterwegs sein“ weckt vielfältige Assoziationen. Der Begriff kann ganz unterschiedlichen Ziele von der Geschäftsreise, über die Pilgerfahrt bis hin zur Urlaubsreise hervorrufen. Auch die Jünger werden heute im Evangelium zum Unterwegssein aufgerufen. Jesus sendet sie in alle Lande, aber mit einem entscheidenden Unterschied: Sie dürfen nichts mitnehmen außer einen Wanderstab. Wenn man heutzutage auf Reisen geht, nimmt man doch normalerweise Ersatzkleidung, Geld und etwas zu Essen mit. Darin liegt jedoch die wichtige Intention der Reise. Jesus sendet seine Jünger, damit sie Umkehr verkünden und Kranke heilen und so Gottes Botschaft bei den Völkern verkünden.
Bevor wir das Wort Gottes hören, wollen wir Christus in unserer Mitte begrüßen:
© Johannes Heimerl - heimerljo04@gmail.com
Um seine Heilsbotschaft möglichst vielen zu verkünden, sendet Jesus seine Jünger aus, wie wir im heutigen Evangelium hören werden. Sie sollen sich in Jesu Auftrag und ausgestattet mit großer Vollmacht auf den Weg machen.
Werden wir uns in diesem Gottesdienst neu bewusst, dass auch wir von Christus den Auftrag haben, seine Heilsbotschaft für andere sichtbar zu machen.
Herr Jesus Christus,
bei der Berufung deiner Jünger hast du ihnen einen anderen und neuen Lebensentwurf geschenkt.
Kyrie, eleison.
Du hast sie befähigt, als deine Boten zu verkünden, zu heilen und zu befreien. Für die Jünger war das neu.
Christe, eleison.
Du lässt uns nun wieder in der Schrift und in der Gemeinschaft ahnen, dass unsere Zeit auch neue Antworten gebraucht.
Kyrie, eleison.
Herr Jesus Christus,
dir ist alle Vollmacht im Himmel und auf Erden.
Herr erbarme dich.
Du rufst uns alle deine Botschaft in die Welt zu tragen.
Christus erbarme dich.
Du lädst alle Menschen in dein Haus, um bei dir Gast zu sein.
Herr erbarme dich.
© Johannes Heimerl - heimerljo04@gmail.com
Herr guter Gott,
Die Jünger zogen in die Welt, im Gepäck nur Gottvertrauen.
Herr, erbarme dich.
Sie vertrauten darauf, Menschen zu finden, die sie aufnehmen.
Christus erbarme dich.
Schenke auch uns das Vertrauen, das wir brauchen, um dein Wort zu verbreiten.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
du hast uns vorgelebt, was es heißt, auf die Sendung des Vaters alle Hoffnung zu setzen,
und bist aufgetreten wie einer, der Vollmacht hat.
Herr, erbarme dich.
Dein Leben spiegelte deine versöhnende und freimachende Botschaft wider.
Christus, erbarme dich.
Du hast deine Jüngerinnen und Jünger mit Vollmacht ausgestattet
und sie in alle Welt gesandt.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
du hast als von Gott gesandter Prophet zu deinem Volk gesprochen.
Herr, erbarme dich.
Durch die Frohe Botschaft hast du uns reich beschenkt
mit Weisheit und Einsicht in das Geheimnis Gottes.
Christus, erbarme dich.
Du hast deine Jünger mit der Vollmacht ausgestattet,
den Ungeist zu vertreiben, zu heilen
und die Frohe Botschaft zu verkünden.
Herr, erbarme dich.
Gott, du bist unser Ziel,
du zeigst den Irrenden das Licht der Wahrheit
und führst sie auf den rechten Weg zurück.
Gib allen, die sich Christen nennen,
die Kraft, zu meiden, was diesem Namen widerspricht,
und zu tun, was unserem Glauben entspricht.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 15. Sonntag im Jahreskreis
Gott.
Du suchst Menschen, die von dir sprechen
und der Welt deine gute Botschaft weitersagen.
Hilf uns,
Trägheit und Menschenfurcht zu überwinden
und deine Zeugen zu werden -
mit unserem ganzen Leben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Auswahl 7
Herr, du hast deinen Sohn
als das wahre Licht in die Welt gesandt.
Offenbare den Menschen deine Wahrheit
durch den Heiligen Geist, den er verheißen hat,
und öffne ihre Herzen für den Glauben.
Gib, dass alle
in der Taufe das neue Leben empfangen
und Glieder deines Volkes werden.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Für die Ausbreitung des Evangeliums A
Herr, unser Gott,
wir haben uns im Namen deines Sohnes
versammelt und rufen zu dir:
Erhöre die Bitten deines Volkes,
mach uns hellhörig für unseren Auftrag in dieser Zeit
und gib uns die Kraft, ihn zu erfüllen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 1. Woche im Jahreskreis
Allmächtiger Gott,
du bist denen nahe, die das Wort
deines Sohnes zu den Menschen bringen.
Auch uns hast du dazu berufen.
Mach uns zu glaubwürdigen Zeugen
deiner befreienden Botschaft.
Durch Christus, unseren Herrn.
Gott und Vater,
was du einmal geschaffen hast,
sollen wir bewahren und entwickeln.
Wir sind aufgerufen,
unsere Umwelt so in Blick zu nehmen, wie du sie siehst.
Lass uns deine Sicht erkennen
und lass uns zu Propheten werden,
die den Alltag in deinem Sinne befruchten.
Darum bitten wir dich durch deinen Sohn, Jesus Christus
und den Heiligen Geist,
die um deinen Willen wissen. - Amen!
Gott, wir danken dir für unser Leben.
Du hast damit beschenkt, wie so viele andere vor und mit uns.
Du stellst uns Menschen zur Seite, die mit uns gehen,
damit wir ermutigt, begleitet und bestärkt sind.
Du hast Prophetinnen und Propheten in die Welt gesandt,
deinen Sohn Jesus,
viele Menschen vor uns,
auch jeden und jede einzelne von uns.
Lass uns deine Gegenwart spüren an jedem Tag unseres Lebens.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. - Amen.
© Angelika Gumpenberger-Eckerstorfer, Diözese Linz.
Gott unser Vater,
wir haben uns um deinen Altar versammelt,
um gemeinsam das Opfer des Lobes und Dankes zu feiern.
Wir bitten dich,
stärke uns mit der Kraft des Heiligen Geistes,
damit wir unser Herz und unser ganzes Leben
nach dir, unserem Schöpfer, ausrichten.
Durch Christus unseren Bruder und Herrn. – Amen.
© Johannes Heimerl - heimerljo04@gmail.com
Als Glaubende sind wir auf einem Weg, als Glaubende haben wir eigene Schwerpunkte, aber auch eine gemeinsame Vision. Wir wollen Gottes Reich erleben.
Darum bitten wir:
Geh mit uns auf unserm Weg!
Wir beten für die Ehrenamtlichen, die in ihren Pfarrgemeinden Verantwortung wahrnehmen.
Wir beten für alle, die sich noch gerne daran erinnern, wie es vor 30 Jahren war.
Wir beten für die Firmbegleiterinnen und Firmbegleiter, die den jungen Menschen zeigen, wie sich für sie Glaube auch heute lohnt.
Wir beten für die treuen und stillen Beterinnen und Beter, die damit ihren Dienst an der Erneuerung tun.
Wir beten für die Menschen in den Missionsländern, die vor anderen Herausforderungen stehen als wir.
Wir beten für die Gemeinden, die heute ein Fest feiern.
Wir beten schließlich auch für alle, die sich politisch engagieren und auf diese Weise den Menschen dienen.
Dir, Gott, tragen wir vor, was den Menschen in deinem Reich Gutes geschehen soll. - Amen.
Im Evangelium begegnen uns die Jünger,
die zum ersten Mal alleine, ohne Jesus, zu zweit über Land gehen,
mit leichtem Gepäck, sorglos, böse Geister ausfindig machen und vertreiben.
Lasst uns beten:
Für die Menschen, die nicht lange überlegen, sondern beherzt anderen den Frieden bringen.
Hilf ihnen, nicht enttäuscht zu werden.
Für die Menschen, die sich schwer damit tun, auf andere zuzugehen und Risiken in Kauf zu nehmen.
Hilf ihnen, mutig zu werden.
Für die Menschen, die in Israel/Palästina, in der Ukraine, im Jemen und in vielen anderen Krisengebieten der Erde noch nicht die Hoffnung aufgegeben haben, auf friedlichem Wege wieder zueinander zu finden.
Hilf ihnen, Teufelskreisläufe zu überwinden.
Für die Menschen, die versuchen Leben zu retten und Geflüchteten beizustehen, und anderen Völkern helfen, wieder auf eigene Füße zu kommen.
Stärke sie in ihrem Engagement und Einsatz.
Für die Menschen, die Kindern und Jugendlichen eine Perspektive geben, an Arbeitsplätzen Mobbing wehren und die vielen kleinen und großen alltäglichen Sorgen mit Humor angehen.
Hilf ihnen, sich nicht einschüchtern zu lassen.
Du hast Menschen ausgesandt,
in deinem Namen und mit deinem Wort böse Geister zu benennen, ihnen die Masken zu nehmen und sie zu vertreiben.
Herr, sende uns! Amen
© Angelika Gumpenberger-Eckerstorfer, Diözese Linz.
Wir vertrauen darauf, dass Gott uns gibt, was wir wirklich brauchen.
Ihm überlassen wir, das zu erfüllen, worum wir ihn bitten:
Für alle Priester, Seelsorgerinnen und Seelsorger, die den Kranken, Schwachen und Alten auf Augenhöhe begegnen und ihnen helfen, ihr Leiden annehmen zu können.
Für alle mutigen Frauen und Männer, die sich in den Diktaturen unserer Welt unter Lebensbedrohung für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit einsetzen.
Für eine Neuausrichtung im Tun und Denken, wo Christen aufgrund deiner Botschaft abgelehnt werden und keine Dankbarkeit erfahren.
Für die zahlreichen Helferinnen und Helfer, die in Blaulichtorganisationen, in Pflegeberufen oder sonstigen Diensten an der Gesellschaft ihre eigenen Grenzen erfahren und auf den Beistand anderer angewiesen sind.
Für unsere Verstorbenen, denen wir dafür dankbar sind, wie sie unser Leben geprägt haben.
Dir, unserem Gott, den wir Vater nennen dürfen, Jesus, unserem Herrn und Bruder, und dem Heiligen Geist, der von beiden ausgeht, begegnen wir mit Dank und Lobpreis jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Herr unser Gott,
wie dein Sohn seine Jünger in die Welt gesandt hat, so berufst du auch uns heute in deine Nachfolge.
Voll Vertrauen bitten wir:
Für alle Menschen, die das Vertrauen in die Institution Kirche verloren haben.
Schenke du ihnen engagierte Menschen, denen sie vertrauen können.
Christus höre uns. – Christus erhöre uns.
Für alle Menschen, die auf der Flucht sind vor Krieg, Hunger oder den Folgen der Klimakrise. Schenke du ihnen ein sicheres zu Hause.
Für alle Menschen, die in Politik und Gesellschaft Verantwortung innehaben.
Schenke du ihnen den Geist der Einsicht und des Friedens.
Für alle Menschen, die beruflich oder familiär unter Druck stehen und nicht mehr weiterwissen.
Schenke du ihnen Menschen, die ihnen unter die Arme greifen.
Für alle Menschen, die ihren Lebensweg hier auf Erden vollendet haben.
Schenke du ihnen Heimat bei dir im Himmel.
Guter Gott,
du lässt uns nicht allein in Freud und Leid, denn du weißt was wir wirklich brauchen.
Auf deinen Ruf wollen wir hören, heute und in Ewigkeit. – Amen.
© Johannes Heimerl - heimerljo04@gmail.com
Herr unser Gott,
dein Sohn hat die Jünger immer zu zweit losgeschickt, um den Glauben zu verkünden und den Menschen beizustehen.
Wir bitten dich:
Auch wir können durch unser Leben von unserem Glauben Zeugnis geben, wenn wir authentisch leben und niemandem unsere Meinungen überstülpen.
Bleibe du bei uns!
Es gibt Menschen, die glauben, dass sie die Wahrheit kennen, und herablassend auf die schauen, die auf anderen Wegen unterwegs sind und andere Wahrheiten sehen.
Lass sie erkennen, dass die Wahrheit nur in dir zu finden ist.
Viele Menschen schweigen; nicht, weil sie nichts zu sagen hätten, sondern weil ihnen niemand zuhört, oder weil sie nicht die richtige Herkunft haben, die richtige Bildung, den richtigen Lebenshintergrund.
Lass auch sie Gehör finden.
Viele Menschen leiden unter Krieg, Terror und Vertreibung und finden keine Ruhe.
Sei du bei ihnen.
Immer mehr Menschen auf unserer Erde sind auf der Flucht vor Krieg und Terror, vor Hungersnot und Klimawandel.
Lass sie auf Menschen treffen, die sie mit offenen Armen empfangen und begleiten.
Steh den Kranken bei
und nimm die Verstorbenen auf in dein Reich.
Guter Gott,
du kennst unsere Bitten; die, die wir aussprechen und die, die wir im Herzen tragen. Begleite uns auf unseren Wegen auf der Suche nach einem besseren Leben für alle Menschen.
Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. - Amen.
„Gott hat beschlossen, die Fülle der Zeiten heraufzuführen, das All in Christus als dem Haupt zusammenzufassen, was im Himmel und auf Erden ist, in ihm“ (Eph 1,10).
An diesen Christus wenden wir uns mit unseren Bitten.
Wir beten
für alle Menschen, die Sehnsucht haben nach einem erfüllten Leben:
dass sie dich finden!
Christus, höre uns! - Christus, erhöre uns!
Für alle, die dich gefunden haben:
dass sie dich näher kennen lernen!
Für alle, die dich kennen:
Lass sie die Gelegenheiten wahrnehmen, bei denen sie vom Leben mit dir Zeugnis geben können!
Für alle, die im kirchlichen Auftrag von dir sprechen:
Lass sie zu Zeugen deines Wirkens werden!
Für alle Bedrängten und Kranken:
Lass sie in der Begegnung mit anderen Heil und Heilung erfahren!
Für uns selber:
Gib uns den Mut, die Nähe zu dir und die Sendung durch dich zu riskieren!
Denn du hast uns erwählt, in dieser Zeit deine Jünger und Jüngerinnen zu sein und zu werden:
du, der du zu allen Zeiten zu den Deinen stehst! - Amen.
Christus ruft uns zur Einheit und Versöhnung auf.
In diesem Geist lasst uns miteinander und füreinander Gott bitten:
Für eine Kirche, die im Dienst an deiner Botschaft den Menschen dient ohne auf Anerkennung und Machterhalt zu spekulieren.
Für eine Weltordnung, in der nicht einige Mächtige Privilegien und materielle Vorteile durch Ausbeutung der ohnedies schon Benachteiligten anstreben.
Für alle, die sich in diesen Wochen mit ihren persönlichen Anliegen pilgernd auf den Weg zu einer Wallfahrt machen.
Für den Mut, sich eigene Schwächen einzugestehen und vertrauensvoll andere um Hilfe bitten zu können.
Für unsere Verstorbenen, dass sie am Ende ihres irdischen Wegs in deiner Nähe ihre ewige Heimat finden.
Dein Geist leitet uns bei der Suche nach dir und dem Sinn in unserem Leben.
Dafür danken wir dir jetzt und allezeit. - Amen.
Jesus Christus ist gekommen,
um den Frieden des Reiches Gottes in unsere Welt zu bringen.
Ihn bitten wir:
Wecke in allen Christen die Freude der Frohen Botschaft.
Mache die Getauften zu sichtbaren Zeichen
der Liebe Gottes zu den Menschen und zur ganzen Schöpfung.
Lass alle Menschen, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden,
einen Ort der Ruhe finden, wo sie ein besseres Leben beginnen können.
Lindere die Not der Menschen,
die durch Krieg und Gewalt traumatisiert sind.
Heile alle Menschen, die leiblich oder seelisch krank sind.
Inspiriere und stärke alle Menschen,
die sich dem Dienst der Verkündigung verschrieben haben.
Lass unsere Toten teilhaben an deinem himmlischen Reich.
Du, Herr, bist bei uns alle Tage und an allen Orten,
wohin dein Geist uns führt.
Wir danken dir für deine Gegenwart. – Amen.
Gott,
sieh auf dein Volk, das im Gebet versammelt ist,
und nimm unsere Gaben an.
Heilige sie, damit alle, die sie empfangen,
in deiner Liebe wachsen und dir immer treuer dienen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 15. Sonntag im Jahreskreis
Erhöre uns, allmächtiger Gott.
Du hast uns durch dein Wort
zum Zeugnis eines christlichen Lebens berufen.
Reinige uns durch dieses Opfer
und stärke uns zum Kampf gegen das Böse.
Darum bitten wir im Heiligen Geist
durch Christus unseren Herrn.
MB 5. Fastensonntag
Vater,
segne diese Gaben.
Dein Sohn hat Brot und Wein
beim Abendmahl einen neuen Sinn gegeben.
Wir empfangen diese Gaben,
wollen daraus so leben,
wie du uns Leben schenken willst.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. - Amen.
Kehrvers:
Herr, wir danken dir! Herr, wir loben dich! Herr, wir preisen dich!
(gesungen nach GL 181,1)
Wir preisen dich,
Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus,
denn du hastg uns mit allem Segen deines Geistes gesegnet
durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.
Kehrvers
In ihm hast du uns erwählt vor Erschaffung der Welt
und in Liebe hast du uns im voraus dazu bestimmt,
deine Töchter und Söhne zu werden durch Jesus Christus.
In deiner Liebe hast du uns reich beschenkt
mit aller Weisheit und Einsicht
und hast du uns das Geheimnis deines Willens kondgetan.
Kehrvers
Duch ihn haben wir das Wort der Wahrheit gehört,
das Evangelium von unserer Rettung.
Durch ihn haben wir das Siegel des Heiligen Geistes empfangen
als ersten Anteil des Erbes, das wir erhalten sollen, der Erlösung.
Kehrvers
Darum stimmen wir ein in den Lobgesang der ganzen Schöpfung
und bringen wir dir unseren Dank dar.
Danklied, z. B. Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben (GL 484)
Wir danken dir, heiliger, starker Gott.
Du lenkst die Geschicke der Welt
und sorgst für jeden Menschen.
Du versammelst uns zu einer Gemeinschaft,
damit wir alle dein Wort hören
und deinem Sohn im Glauben folgen.
Er ist der Weg - auf diesem Weg gelangen wir zu dir;
er ist die Wahrheit - sie allein macht uns frei;
er ist das Leben und erfüllt uns mit Freude.
Darum danken wir dir, Vater, für deine Liebe,
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Wir stimmen ein in den Gesang der Engel
und bekennen zum Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 2
Herr Jesus, deine Jünger fragten dich: Wie sollen wir beten?
Für sie war es neu
und in unserem Herzen kann es immer neu bedacht werden:
Vater Unser im Himmel…
Leider muss Frieden immer neu gefunden werden.
Leider müssen Wege des Friedens immer neu beschritten werden.
Aber du, Herr, kannst uns darin bestärken und begleiten.
Darum bitten wir:
Herr Jesus Christus, schaue nicht auf unsere Sünden…
Gott sagt:
In das Dunkel deiner Vergangenheit
Und in das Ungewisse deiner Zukunft,
in den Segen deines Helfens
und in das Elend deiner Ohnmacht
lege ich meine Zusage:
ich bin da.
In das Spiel deiner Gefühle
Und in den Ernst deiner Gedanken,
in den Reichtum deines Schweigens
und in die Armut deiner Sprache
lege ich meine Zusage:
ich bin da.
In die Fülle deiner Aufgaben
Und in die Leere deiner Geschäftigkeit,
in die Vielzahl deiner Fähigkeiten
und in die Grenzen deiner Begabung
lege ich meine Zusage:
ich bin da.
In das Gelingen deiner Gespräche
und in die Lageweile deines Betens,
in die Freude deines Erfolges
und in den Schmerz deines Versagens
lege ich meine Zusage:
ich bin da.
In die Enge deines Alltags
und in die Weite deiner Träume,
in die Schwäche deines Verstandes
und in die Kraft deines Herzens
lege ich meine Zusage:
ich bin da.
Aus der Gebetsmappe der Burg Altpernstein
Ausgesandt
Bin ICH gesandt von dir?
Kannst du MICH brauchen?
Mich, mit all meinen Fehlern,
meinen festgefahrenen Ideen?
Und was liegt vor mir?
Wege, die ich gehen kann,
Menschen, die auf mich warten?
Und wenn ich gehe, was nehme ich mit?
Offene Fragen, Vertrauen, zaghafte Freude,
dass du gerade mich brauchst?
Und der Friede, den ich bringen soll,
hat der Platz in mir?
Ausgesandt -
statt Brot im Gepäck,
statt Reserven im Rucksack
deine Zusage:
Du wirst Kraft haben,
weil ich sie dir gebe -
du wirst nicht allein sein,
ich bin mit dir:
Du bist ausgesandt
Botschaft zu bringen
von Frieden und Heil.
Herr, unser Gott,
wir danken dir für die heilige Gabe.
Laß deine Heilsgnade in uns wachsen,
sooft wir diese Speise empfangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 15. Sonntag im Jahreskreis
Barmherziger Gott,
das Sakrament der Erlösung,
das wir empfangen haben,
nähre uns auf dem Weg zu dir
und schenke dem wahren Glauben
beständiges Wachstum.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 4. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
dieses heilige Sakrament tilge unsere Schuld
und gewähre uns deinen Schutz.
Es entreiße uns der Gleichgültigkeit
und erwecke in uns einen lebendigen Glauben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Dienstag der Fastenzeit
Herr, unser Gott,
heilige uns durch das Mahl, das wir gefeiert haben,
und gib uns Kraft zu einem christlichen Leben.
Mache deine Kirche zum Zeichen des Heils unter den Völkern,
damit sie die Gnade empfangen,
die dein Sohn am Kreuz für alle Menschen erworben hat,
der mit dir lebt und wirkt in alle Ewigkeit. Amen.
MB Für die Ausbreitung des Evangeliums B
Gott und Vater,
dein Sohn hat von dem guten Hausvater gesprochen,
der Altes und Neues aus seinem Vorrat holt.
Wir haben Altes und Neues gehört und bedacht.
Lass uns dankbar sein
und schauen, was daraus werden kann.
So bitten wir durch Christus, unseren Herrn. - Amen.
Herr unser Gott,
wir stehen vor dir mit unseren Ängsten, Sorgen und Nöten.
Gleichzeitig hoffen und vertrauen wir,
dass du uns nicht allein durchs Leben gehen lässt.
Wenn wir nun heimgehen,
begleite uns und all unser Tun
in dieser Woche mit deinem Segen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
© Johannes Heimerl - heimerljo04@gmail.com
Herr, unser Gott,
wir danken dir, dass du uns zutraust, gute Geister zu sein,
wir danken dir, dass du uns Kraft schenkst,
böse Gedanken und Ideen zu überwinden.
Wenn wir jetzt wieder in unseren Alltag aufbrechen,
bitten wir um deinen Schutz und Segen.
Für uns,
für die Menschen, mit denen wir jeden Tag zu tun haben,
auch für die Menschen, die uns das Leben manchmal schwer machen.
Wir gehören zu dir,
durch Christus, unseren Herrn.
Segne deine Gläubigen, allmächtiger Gott,
stärke sie im Glauben,
hilf ihnen, deinen Willen zu tun,
und bewahre sie in deiner Gnade,
damit sie sich immer deiner Huld erfreuen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Der Segen des allmächtigen Gottes,
des Vaters und des Sohnes +
und des Heiligen Geistes,
komme auf euch herab und
bleibe bei euch allezeit. - Amen.
MB Segensgebete 6
Gott erfülle euch mit Segen,
der einst mit der Schöpfung etwas Neues begonnen hat. - Amen!
Gott erfülle euch mit Segen,
der einst den Menschen neue Zeichen und neue Gebote geschenkt hat. - Amen!
Gott erfülle euch mit Segen,
der in seinem Geist Prozesse begleitet, in denen er zu spüren ist. - Amen!
Und der Segen des allmächtigen Gottes,
des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
begleite euch durch diese neue Woche
und bei allem, was ihr zum Wohl eurer Mitwelt bewegen könnt. - Amen!
[Strophe 1]
Was soll ich tun, wenn ich so seh'?
Ich kann den Wind nicht ändern - nur die Segel drehen
Tausend Fragen schlagen Rad
Ich will kein neues Leben, nur einen neuen Tag
Was tut gut? Was tut weh?
Ein Gefühl braucht keine Armee
Vor, zurück, zur Seite, ran
Herzlich willkommen - Neuanfang!
[Refrain]
Es ist nicht zu spät! - Neuanfang
Es ist nicht zu spät! - Neuanfang
[Strophe 2]
Es ist nicht zur früh, es ist nicht zu spät
Ein guter Plan ist mehr als eine Idee
Werf nicht mehr alles in einen Topf
Veränderung braucht ein' klaren Kopf
Will mich nicht schäm' für ein bisschen Glück
Bin ich es selber oder spielt die Welt verrückt?
Zieh' klare Linien zwischen Bauch und Verstand
Herzlich willkommen - Neuanfang!
[Refrain]
Es ist nicht zu spät! - Neuanfang
Es ist nicht zu spät! - ich will ein' Neuanfang
Es ist nicht zu spät!
Es ist nicht zu spät!
https://www.youtube.com/watch?v=PT05w40E0mk
Ein Zeichen für die Welt waren im 16. Jahrhundert für Kranke und Leidende mehrere Menschen in ihren jeweiligen Ländern.
In Spanien wirkte Johannes von Gott, in Frankreich Vinzenz von Paul mit Louise de Marillac und in Italien Kamillus von Lellis.
Sie alle und viele vor und nach ihnen ließen sich von der Not der Menschen anrühren und gaben als Glaubende ihre Antwort. Kamillus ist unser Ordensgründer. Sein Fest ist am 14. Juli – der kommende Sonntag.
Aus: Sonntagsgruß. 99. Jahrgang 2024 – 27 14. Sonntag im Jahreskreis 07. Juli 2024.
Es sind große Zeitabstände. Jesus sendet die Apostel aus, die sich ihm angeschlossen hatten. Sie waren gelernte Fischer oder Zöllner. Nun sollen sie heilend für Kranke wirken.
Etwa 1600 Jahre später sendet er einen gelernten Soldaten in einem Krankenhaus in Rom dazu, eine Gemeinschaft zu gründen, die sich dem Krankendienst verschreibt.
Wieder 400 Jahre später begannen Kamillianer in Freiburg mit der Herausgabe des Sonntagsgruß.
Jetzt – 100 Jahre später – lesen Sie diesen Text.
Zugleich erfahren Sie in Ihrem Alltag Menschen, die Ihnen mit ihrem jeweiligen Wissen helfen wollen.
Heilend sind diese Menschen durch die Art, wie sie Ihnen begegnen.
Heilend sind sie durch das Signal: Ich komme zu Ihnen.
Heilend sind sie in manchen Worten und manchen Zeichen.
Jesus sandte damals die zwölf Apostel jeweils zu zweit aus. Das beschreibt Markus.
Heute wirken weltweit viele Menschen gleichzeitig im Dienst an den Kranken. Manche handeln ganz bewusst im Sinne Jesu. Vielleicht ist es auch jemand in Ihrem Haus!
Pater Norbert Riebartsch, Kamillianer, im Sonntagsgruß, 99. Jahrgang 2024. 15. Sonntag im Jahreskreis 14. Juli 2024.
Gott, ich stehe vor einem Scherbenhaufen:
Menschen, die ich liebte,
sind mir entfremdet.
Pläne, die ich gemacht habe,
sind gescheitert.
Hoffnungen, die mich erfüllten,
sind enttäuscht.
Hilf mir,
mich und andere
dafür nicht verantwortlich machen zu wollen.
Lass mich nicht Schuld und Verantwortung
auf andere abschieben.
Gib mir vielmehr die Kraft,
aus dem Geschehenen zu lernen
und gib mir den Mut,
neu anzufangen.
So wie du mit mir.
Aus: Thomas Schwartz; Segen voller Leben. Herderverlag Freiburg – Basel – Wien 2017.
Im Rahmen einer Klausurtagung unseres Pfarrteams meinte eine Kollegin im Gespräch über dieses Evangelium: Missionieren, davon halte ich nix, das tue ich nicht. Daraus entspann sich ein intensiver Austausch darüber, was Mission eigentlich ist.
Auf der Suche nach einer Definition für Mission bin ich im Internet auf mehrere Möglichkeiten gestoßen: Das Wort selbst kommt von schicken, senden. Darin ist keine Bewertung enthalten. Und es bedeutet unter anderem: ehrenvoller Auftrag, verpflichtende Aufgabe aber auch Verbreitung einer religiösen Lehre unter Andersgläubigen. Letzteres hat einen schlechten Ruf und führte wahrscheinlich zu der Aussage der Kollegin: der Zwang zur Bekehrung, Zwangstaufen usw. Ja, es sind im Übereifer Missionierender auch Gräueltaten geschehen.
Jeus hat jedoch gesagt: Wo Ihr nicht willkommen seid, geht weiter. Verkündet die Frohe Botschaft ganz ohne Zwang. Was also können wir uns unter Mission und Missionieren vorstellen?
Dem Zwang zur Bekehrung steht ein Verständnis von Mission als Verbreitung des Glaubens durch Predigt und soziale Dienste in der Welt. Aber was bedeutet das konkret?
Predigen, das machen die Priester in jeder sonntäglichen Eucharistiefeier. Wir Wortgottesleiter legen ein Glaubenszeugnis ab. Aber sonst?
Ich bin unter anderem Beerdigungsdienstleiterin. Im Vorfeld einer Beerdigung spreche ich mit den Angehörigen. Oft sind das Menschen, die mit der Kirche gar nicht mehr viel am Hut haben, die eine katholische Beerdigung wollen, weil der oder die Verstorbene das so gewünscht hat; manchmal auch, weil sie irgendwie das diffuse Gefühl haben, es wäre doch noch wichtig.
Für diese Gespräche nehme ich mir sehr viel Zeit, und wenn es gut läuft, dann sprechen wir nicht nur über den/die Verstorbene, sondern auch darüber, was ich mir unter Auferstehung vorstelle und was nicht. Manchmal wollen meine Gesprächspartner mehr wissen, weil sie das, was ich ehrenamtlich mache, beeindruckt, weil unser Gespräch für sie gut war. Manchmal ergeben sich Folgegespräche und die Menschen finden tatsächlich auf eine für sie gute Art zum Glauben. Oder aber stärkt sie in ihrer Trauer, dass ich für sie erkennbar authentisch und gläubig bin. Ein Witwer sagte einmal zu mir: „Ich glaube schon längst nicht mehr, aber Ihr offensichtlicher Glaube tut mit gut. Glauben Sie doch bitte für mich mit.“
Als Studentin in Münster war ich Firmkatechetin – und die Jugendlichen waren beeindruckt, dass wir, im Gegensatz zu all den anderen Katechet*innen, nicht im Dienste der Kirche standen und auch nicht Theologie studierten, sondern Chemie und Jura, und dennoch gerne mit ihnen über ihren Glauben gesprochen haben; einfach, weil wir sie begleiten wollten auf ihrem Weg in ein mündiges Christsein.
Eine Zeitlang bin ich in die Kontaktstunde des zweiten Schuljahres einer Forstwaldschule gegangen. Dort saßen alle Kinder einer Klasse, nicht nur die katholischen – insbesondere auch viele Ungetaufte. Mehrfach geschah es, dass dann Kinder bei der Erstkommunionanmeldung vor mir standen und die Eltern erzählten, dass die Kinder mit vielen Fragen und Erkenntnissen aus diesen Stunden nach Hause gekommen seien, dass man sie nun doch taufen lassen und zur Erstkommunion anmelden wolle.
Drei Beispiele, wo ich vermute, dass ich missionarisch tätig war, indem ich überzeugend für die Sache Jesu eingetreten bin, da.
Mission ist da, wo eine Pfarre nicht nur um den eigenen Kirchturm kreist, sondern auch nach außen wirkt, z.B. durch caritative Initiativen.
Mission ist da, wo jemand ein Projekt für Geflüchtete ins Leben ruft und auch im Alltag Hetzparolen entgegen tritt.
Mission ist da, wo jemand still und leise, aber unermüdlich für Hilfsbedürftige da ist, aus seinem Glauben heraus.
Mission ist überall, wo Christen ehrlich, authentisch und absichtslos christlich leben,
Und wenn es niemand interessiert, dann geht man weiter.
Noch etwas lesen wir aus dem ersten Vers des Evangeliums: Jesus hat die Jünger zwar mit nichts als Gottvertrauen und die Hoffnung auf Aufnahme bei den Menschen losgeschickt, aber immer zu zweit. Niemand muss allein unterwegs sein. Wir sind verbunden mit allen Christen guten Willens.
Edith Furtmann 2024.
Gott sagt nicht:
„Das ist ein Weg zu mir,
das aber nicht.“
Sondern er sagt:
„Alles, was du tust,
kann ein Weg zu mir sein,
wenn du es nur so tust,
dass es dich zu mir führt.“
Martin Buber, Der Weg des Menschen nach der chassidischen Lehre. Gütersloher Verlagshaus 2001.

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Aber noch ist es nicht soweit. Zur Zeit des Amos, unter König Jerobeam II., erlebt das Nordreich Israel eine ungeheure wirtschaftliche Blüte. Gleichzeitig vertieft sich die soziale Kluft: Der wachsende Wohlstand der reichen Großgrundbesitzer hebt sich immer mehr von den Kleinbauern und Tagelöhnern ab. Außerdem folgt die herrschende Schicht immer weniger den "altmodischen" Jahwe-Überlieferungen, sondern orientiert sich mehr und mehr an der "vornehmeren" Kultur der Kanaanäer und Assyrer. Offensichtlich auch in religiöser Hinsicht – Ausgrabungen aus dieser Zeit belegen, dass es in fast einem Drittel der Haushalte kleine weibliche Götterfiguren gab. Man betete nicht mehr allein zu Jahwe.
In dieser Situation erlebt Amos, ein Vieh- und Maulbeerfeigenzüchter aus der Nähe von Betlehem, dass Gott ihn als Mahner und Rufer nach in den Norden schickt. Dort soll er das Volk aufrütteln und daran erinnern, was es heißt, Jahwe zu verehren: Der wahre Gottesdienst geschieht nicht in erster Linie durch Opfer und Kulthandlungen im Tempel, sondern durch gerechte Rechtsprechung und achtungsvolle, menschenwürdige Behandlung der Armen und Schutzlosen im Land. Darin hat Israel versagt und Gottes Rechtsordnung verletzt, stellt der Prophet Amos ungeschminkt fest. Diese himmelschreienden sozialen Zustände werden nicht ohne Folgen bleiben – auch wenn die Satten und Reichen sich darin wohlfühlen und keinen Änderungsbedarf sehen mögen. Letztlich, so die nüchterne Analyse des Propheten, werden Ausbeutung und der Zerfall des alten Zusammenhalts das Nordreich Israel zerstören. Eine Generation später ist es dann so weit.
Solche Androhungen, noch dazu von einem Mannes aus dem Süden, werden im Nordreich nicht gerne gehört, vor allem nicht in Bet-El, dem Reichsheiligtum des Nordreichs. Der Tempel von Bet-El ist nicht Hyde Park Corner in London, wo jeder predigen kann, was ihm gerade einfällt. Hier leben außer den Priestern auch eine festangestellte Kaste von Propheten, die den König beraten und ihm weissagen. Da sie von ihm abhängig sind, weissagen sie natürlich eher, was man "Oben" gerne hört. Amos ist dagegen kein "gelernter" Prophet von Berufs wegen, wie die Tempelpropheten von Bet-El ("ich bin kein Prophet und kein Schüler eines Propheten", sagt er), sondern ein Prophet aus Berufung. Er ist niemandem außer Jahwe verpflichtet, das aber ganz und gar. Der Ruf seines Gottes hat ihn aus seinem geruhsamen Dasein herausgerissen, in eine fremde und ihm feindliche Umgebung getragen und ihn Spott und Widerstand ausgesetzt.
Amos, ein Mann der es – um Gottes willen – unbequem hat. Ein unbequemer Mann auch für andere, der eine unbequeme Botschaft verkündet, und dafür büßen muß. Amazja, der Priester des Heiligtums, denunziert ihn bei König Jerobeam, weist ihn aus dem Tempel und legt ihm nahe, doch statt dessen den Bewohnern von Juda auf die Nerven zu gehen.
Ist Amos gescheitert? Wie lebt er mit seinen Erfahrungen in Bet-El? Ist er nach Tekoa zu seinen Maulbeerfeigen zurückgekehrt? Das Buch Amos schweigt darüber.
Wie auch immer es mit ihm weiterging – ich denke, dass ein Mann, der sich so unbedingt seinem innersten Ruf anvertraut hat, mit sich und seinem Gott im Frieden lebte.
Im Ausschnitt der Lesung wird die Frage des Rechtes zum prophetischen Reden angesprochen. – Amos selbst hat das herrschende System in Frage gestellt: Dass die funktionierende Wirtschaft und der Handel seiner Zeit nur einigen wenigen, nicht aber der Bevölkerung zu Gute kam. Deshalb kündete er den Untergang der Regierung an. Für ihn muss sich der Jahweglauben auch im tatsächlichen Handeln ausdrücken (also auch im gerechten Verteilen des Wohlstands).
In Amos 7,10-17 wird zuerst die Sicht des Amazja hinsichtlich der Prophetie dargestellt: es ist ein staatlicher Beruf (Verse 10-13); für Amos hingegen (Verse 14-17) ist der Prophet ein von Gott Berufener.
Mit einer sehr gesellschaftskritischen Botschaft wird auch Amos zur Zeit der politischen, wirtschaftlichen und militärischen Blüte des Nordreiches Israel unter König Jerobeam II. (ca. 785-745 v. Chr.) von Gott beauftragt. Mit harten Worten kritisiert er das Luxusleben der Reichen, die die wirtschaftlich und sozial Schwächeren ausbeuten und unterdrücken. Mit seinem Ansatz: "Wo Menschenrechte mit Füßen getreten werden, kann man sich auch mit den schönsten kultischen Feiern und den reichsten Schlachtopfern die Zuwendung Gottes nicht erkaufen" schafft er sich sehr viele Feinde, so daß er schon kurze Zeit nachdem er von seinem Heimatort Tekoa im Südreich, nahe bei Bethlehem von Gott weggerufen und als Prophet ins Nordreich gesandt wurde, wieder ausgewiesen wird.
Der Konflikt Amazja - Amos
Nach konkreten Anklagen, Strafansagen und Gerichtsreden beginnt im 7. Kapitel ein Zyklus mit 5 Visionen des Propheten. Die erste Vision verkündet den Untergang Israels im Bild einer Heuschreckenplage (Am 7,1-3), die zweite im Bild einer Feuersglut (Am 7,4-6), doch immer wieder verschont Gott das Volk. In der dritten Vision dürfte es sich nicht um ein Senkblei handeln, wie die Einheitsübersetzung deutet, sondern Amos schaut Gott, der auf der Stadtmauer steht und eine Art "Zinnschwert" in der Hand hält, als Symbol der kriegerischen Vernichtung des Volkes (Zenger, Erich, Einleitung in das Alte Testament, Stuttgart 1995, 390)
Auf diese Visionen hin verklagte Amazja, der Priester von Bet-El wo Amos wirkt, den Propheten bei König Jerobeam. Amos bekommt Redeverbot und wird ausgewiesen.
Von Gott berufen
In dieser Situation unterstreicht Amos seine göttliche Sendung: Er ist kein bezahlter Tempel- und Hofprophet, auch kein Prophetenjünger aus einer Prophetenschule. Aus seinem Beruf und seiner gewohnten Umgebung wurde er herausgerufen, um für die Verwirklichung von Recht und Gerechtigkeit zu kämpfen. Als Bauer mit eigener Vieh- und Maulbeerfeigenzucht besaß er wahrscheinlich einen gewissen Wohlstand. Die Unabhängigkeit und das Selbstbewußtsein, mit der er auch in dieser Konfliktsituation auftritt, sowie die Tradition des nach ihm benannten Buches, die die bäuerliche Sprach- und Bilderwelt gut bewahrt hat, bestätigen diese Angaben.
Als von Gott beauftragter Prophet kann er sich nicht nur die schönen und angnehmen Seiten aussuchen und darf sich nicht von der menschlichen Meinung, auch wenn sie vom König selbst stammt, abhängig machen. Amos hat keine andere Wahl als seinen Hals zu riskieren und dem Volk weiterhin vor Augen zuführen was passiert, wenn es die gesellschaftlichen Mißstande nicht behebt.
Nach allen Drohungen und Gerichtsansagen endet das Buch Amos trotzdem mit einer Heilszusage. Alle Kritik die der Prophet übt, ist ausgerichtet auf die Utopie eines göttlichen Reiches hier auf der Erde. Darum ist nicht die Vernichtung des Volkes das Ziel des Propheten, sondern die Umkehr des Volkes und das Eingreifen Gottes, das die gerechten Zustände herstellen wird.