Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Jesaja:
So spricht Gott, der Herr:
Siehe, das ist mein Knecht, den ich stütze;
das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen.
Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt,
er bringt den Nationen das Recht.
Er schreit nicht und lärmt nicht
und lässt seine Stimme nicht auf der Gasse erschallen.
Das geknickte Rohr zerbricht er nicht
und den glimmenden Docht löscht er nicht aus;
ja, er bringt wirklich das Recht.
Er verglimmt nicht und wird nicht geknickt,
bis er auf der Erde das Recht begründet hat.
Auf seine Weisung warten die Inseln.
Ich, der HERR, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen,
ich fasse dich an der Hand.
Ich schaffe und mache dich
zum Bund mit dem Volk,
zum Licht der Nationen,
um blinde Augen zu öffnen,
Gefangene aus dem Kerker zu holen
und die im Dunkel sitzen, aus der Haft.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Jesaja.
So spricht Gott, der Herr:
Siehe, das ist mein Knecht, den ich stütze;
das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen.
Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt,
er bringt den Nationen das Recht.
Er schreit nicht und lärmt nicht
und lässt seine Stimme nicht auf der Gasse erschallen.
Das geknickte Rohr zerbricht er nicht
und den glimmenden Docht löscht er nicht aus;
ja, er bringt wirklich das Recht.
Er verglimmt nicht und wird nicht geknickt,
bis er auf der Erde das Recht begründet hat.
Auf seine Weisung warten die Inseln.
So spricht Gott, der HERR,
der den Himmel erschaffen und ausgespannt hat,
der die Erde gemacht hat und alles, was auf ihr wächst,
der dem Volk auf ihr Atem gibt und Geist
allen, die auf ihr gehen.
Ich, der HERR, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen,
ich fasse dich an der Hand.
Ich schaffe und mache dich
zum Bund mit dem Volk,
zum Licht der Nationen,
um blinde Augen zu öffnen,
Gefangene aus dem Kerker zu holen
und die im Dunkel sitzen, aus der Haft.
Kv: Der Herr schenkt seinem Volk den Frieden. – Kv
(oder GL 263)
Bringt dar dem HERRN, ihr Himmlischen,
bringt dar dem HERRN Ehre und Macht!
Bringt dar dem HERRN die Ehre seines Namens,
werft euch nieder vor dem HERRN in heiliger Majestät! - Kv
Die Stimme des HERRN über den Wassern:
der HERR über gewaltigen Wassern.
Die Stimme des HERRN voller Kraft,
die Stimme des HERRN voll Majestät. - Kv
Der Gott der Ehre hat gedonnert.
In seinem Palast ruft alles: Ehre!
Der HERR thronte über der Flut,
der HERR thronte als König in Ewigkeit.- Kv
In der aussichtslosen Situation des Babylonischen Exils spricht der Prophet, der Deuterojesaja genannt wird, seinen entmutigten Mitglaubenden von Gott her Trost und neuen Mut zu.
Lesung aus dem Buch Jesaja:
Tröstet, tröstet mein Volk,
spricht euer Gott.
Redet Jerusalem zu Herzen
und ruft ihr zu,
dass sie vollendet hat ihren Frondienst,
dass gesühnt ist ihre Schuld,
dass sie empfangen hat aus der Hand des HERRN Doppeltes
für all ihre Sünden!
Eine Stimme ruft:
In der Wüste bahnt den Weg des HERRN,
ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott!
Jedes Tal soll sich heben,
jeder Berg und Hügel sich senken.
Was krumm ist, soll gerade werden,
und was hüglig ist, werde eben.
Dann offenbart sich die Herrlichkeit des HERRN,
alles Fleisch wird sie sehen.
Ja, der Mund des HERRN hat gesprochen.
Steig auf einen hohen Berg,
Zion, du Botin der Freude!
Erheb deine Stimme mit Macht,
Jerusalem, du Botin der Freude!
Erheb deine Stimme, fürchte dich nicht!
Sag den Städten in Juda:
Siehe, da ist euer Gott.
Siehe, GOTT, der Herr, kommt mit Macht,
er herrscht mit starkem Arm.
Siehe, sein Lohn ist mit ihm
und sein Ertrag geht vor ihm her.
Wie ein Hirt weidet er seine Herde,
auf seinem Arm sammelt er die Lämmer,
an seiner Brust trägt er sie,
die Mutterschafe führt er behutsam.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Abschnitt Jes 40,1-11 bildet den Prolog zu den Kapiteln 40 bis 55, dem sog. Deuterojesaja ("Der Zweit-Jesaja"). Der zweite Jesaja (6. Jhdt. v. Chr.) hat in Fortsetzung des ersten (8. Jhdt. v. Chr. - vor dem Exil) seine prophetische Botschaft der judäischen Gemeinde im babylonischen Exil verkündet. Er knüpft auch theologisch an sein Vorbild an. Dieser drohte seinem Volk den Untergang an wegen seiner Sünden (Jes 6).
Zuerst spricht Gott durch den Propheten dem Volk Trost zu. Es kann aufatmen, da seine Schuld beglichen ist und sein Frondienst zu Ende geht.
Dann kündet der Prophet einen Gewaltakt an, der einer Neuschöpfung gleichkommt: Eine Straße durch Wüste und Steppe wird gebaut, Berge und Hügel werden abgetragen, Täler ausgefüllt... Der Weg durch die Wüste erinnert an den Auszug aus Ägypten. Nun offenbart sich die Herrlichkeit des Herrn.
Am Schluss wird Jerusalem aufgefordert, das Siegeslied anzustimmen. Diese Aufforderung erinnert an das Siegeslied am Schilfmeer (Ex 15), an das Deboralied (Ri 5). Siegeslieder zu singen war Sache der Frauen. Sie begleiteten den Einzug des siegreichen Retters.
Der letzte Vers bringt noch das Bild des guten Hirten ein, der die Seinen sammelt und auf dem Arm trägt im Gegensatz zu den heidnischen Göttern, die sich in den Festprozessionen von den Menschen tragen lassen.
Mit Jes 40 beginnt das Werk des Deuterojesajas ("der zweite Jesaja"). Seine Person ist uns unbekannt, wir kennen nicht einmal seinen Namen. Sein Auftreten fällt in die Zeit nach der Zerstörung Jerusalems (587 vor Chr.) und der Deportation von ca. 15 000 Juden in die babylonische Gefangenschaft, bevor der Siegeszug des Perserkönigs Kyros begann, der zum Sturz des babylonischen Reiches führte (539 vor Chr.), und unter dem die Juden wieder nach Jerusalem zurückkehren dürfen.
Der Prophet, dessen Person völlig in den Hintergrund tritt, wird aufgefordert, das Volk, das sich in der Gefangenschaft von Babel befindet, zu trösten. Durch die Leiden der Gefangenschaft hat das Volk Israel seine Schuld (Abfall von Gott) gebüßt. Jahwe ist bereit, mit seinem Volk in die Heimat zurückzukehren, so wie er sein Volk einst aus der ägyptischen Knechtschaft herausgeführt hat. Der Prophet hört gleichsam einen Herold, der dem König vorausgeht und eine Königsstraße – Gottesstraße – von Babel nach Jerusalem errrichtet.
In Vers 9f sieht der Prophet Jahwe bereits mit seinem Volk auf der Rückkehr und zeigt in dem Hirtengleichnis (Vers 11) wie zart und rücksichtsvoll Gott mit seinem Volk umgeht.
Sowohl im Griechischen wie auch im Deutschen kommt das Wort „taufen“ von „tauchen“. Daher gilt: Wer „getaucht“ war, war „getauft“!
Ein neues Taufverständnis
Ganz unerwartet taucht eines Tages bei Johannes am Jordan „etwas völlig Neues“ auf, oder genauer gesagt: Es taucht „jemand Neuer“ bei ihm auf, der sein einseitiges Taufverständnis sprengt und es für eine neue Erfahrung öffnet. Das Wasser als zentrales Element der Reinigungstaufe bei Johannes wird nun ersetzt durch die belebend-dynamischen Kräfte des Heiligen Geistes im Bild des Feuers. Lukas macht mit seiner Verkündigung klar: Hier geht es um eine Neuinterpretation der Taufe. Hier taucht der Mensch in weitaus mehr ein als nur in die Wasser des Jordan. Bei diesem Taufgeschehen geht es nicht bloß um die Frage der Reinigung im Wasser, sondern vielmehr um das Eintauchen des Jesus von Nazaret (und aller im Geiste Jesu Getauften) in die lebendige Gottesliebe und Gottesgemeinschaft.
Neue Bilder
Und so bringt es Lukas ins Bild: Nachdem Jesus im Jordan die Wasser-Taufe von Johannes empfangen hatte, erzählen folgende Zeichen von einer ganz neuen Tauferfahrung:
• Der Himmel öffnet sich und berührt die Erde. In dieser Zu-Neigung des Himmels zur Erde nimmt das Reich Gottes seinen Anfang: Der Himmel taucht in die Erde ein, damit die Erde im Himmel auftaucht. In diese gottgewollte Realität wird Jesus - als Menschensohn und Gottessohn - hineingetaucht.
Als nächstes wird diese innige Beziehungsstiftung als Liebeserklärung dargestellt. Die Taube, die ja im Alten Orient als Begleitwesen der Liebesgöttin verbreitet war, bringt in ihrer, wie es heißt, „leiblichen (griechisch somatiko) Gestalt“ die Fülle der Gotteszuwendung mit. Diese jesuanische Liebestaufe durchdringt - gleichsam mit ihrer psycho-somatischen Wirkung - das ganze Wesen des Täuflings!
Im letzten Zeichen wird das innere Geschehen dieser „neuen Taufe“, dieses Eingetaucht-Seins in die dreifaltige, göttliche Liebe, auch hörbar: „Du bist mein Kind, ganz geliebt! Du gefällst mir!“
Neue Botschaft
Mit dieser zutiefst bejahenden Liebeszuwendung Gottes kann Jesus „als Getaufter“ seine Reich-Gottes-Verkündigung beginnen und Kunde davon geben, dass der Himmel die Erde bereits erreicht hat, Gottes Reich da ist.
Jede und jeder Getaufte erhält von Gott diese Liebeszuwendung und Zusage: „Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter. An dir habe ich Wohlgefallen gefunden!“ Ist es nicht zutiefst beglückend, dass auch wir dies in unserer Taufe empfangen haben und damit in die Nachfolge und in die Jüngerschaft Jesu eingetreten sind? Bin ich mir dessen überhaupt bewusst?
Hans Eidenberger SM
© Diözese Linz. Team Bibelwerk Linz und Glaubenskommunikation
Lesung aus dem Buch Jesaja:
Tröstet, tröstet mein Volk,
spricht euer Gott.
Redet Jerusalem zu Herzen
und ruft ihr zu,
dass sie vollendet hat ihren Frondienst,
dass gesühnt ist ihre Schuld,
dass sie empfangen hat aus der Hand des HERRN Doppeltes
für all ihre Sünden!
Eine Stimme ruft:
In der Wüste bahnt den Weg des HERRN,
ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott!
Jedes Tal soll sich heben,
jeder Berg und Hügel sich senken.
Was krumm ist, soll gerade werden,
und was hüglig ist, werde eben.
Dann offenbart sich die Herrlichkeit des HERRN,
alles Fleisch wird sie sehen.
Ja, der Mund des HERRN hat gesprochen.
Eine Stimme sagt: Rufe!
Und jemand sagt: Was soll ich rufen?
Alles Fleisch ist wie das Gras
und all seine Treue ist wie die Blume auf dem Feld.
Das Gras verdorrt,
die Blume verwelkt,
wenn der Atem des HERRN darüber weht.
Wahrhaftig, Gras ist das Volk.
Das Gras verdorrt,
die Blume verwelkt,
doch das Wort unseres Gottes bleibt in Ewigkeit.
Steig auf einen hohen Berg,
Zion, du Botin der Freude!
Erheb deine Stimme mit Macht,
Jerusalem, du Botin der Freude!
Erheb deine Stimme, fürchte dich nicht!
Sag den Städten in Juda:
Siehe, da ist euer Gott.
Siehe, GOTT, der Herr, kommt mit Macht,
er herrscht mit starkem Arm.
Siehe, sein Lohn ist mit ihm
und sein Ertrag geht vor ihm her.
Wie ein Hirt weidet er seine Herde,
auf seinem Arm sammelt er die Lämmer,
an seiner Brust trägt er sie,
die Mutterschafe führt er behutsam.
Kv: Preise den HERRN, meine Seele!
Herr, mein Gott, überaus groß bist du! - Kv
(oder GL 58,1)
Preise den HERRN, meine Seele! /
HERR, mein Gott, überaus groß bist du!
Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.
Du hüllst dich in Licht wie in einen Mantel,
du spannst den Himmel aus gleich einem Zelt. - Kv
Du verankerst die Balken deiner Wohnung im Wasser. /
Du nimmst dir die Wolken zum Wagen,
du fährst einher auf den Flügeln des Windes.
Du machst die Winde zu deinen Boten,
zu deinen Dienern Feuer und Flamme. - Kv
Wie zahlreich sind deine Werke, HERR, /
sie alle hast du mit Weisheit gemacht,
die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
Da ist das Meer, so groß und weit,
darin ein Gewimmel, nicht zu zählen: kleine und große Tiere. - Kv
Auf dich warten sie alle,
dass du ihnen ihre Speise gibst zur rechten Zeit.
Gibst du ihnen, dann sammeln sie ein,
öffnest du deine Hand, werden sie gesättigt mit Gutem. - Kv
Verbirgst du dein Angesicht, sind sie verstört, /
nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin
und kehren zurück zum Staub.
Du sendest deinen Geist aus: Sie werden erschaffen
und du erneuerst das Angesicht der Erde. - Kv
Lesung aus der Apostelgeschichte.
In jenen Tagen
begann Petrus zu reden
und sagte:
Wahrhaftig, jetzt begreife ich,
dass Gott nicht auf die Person sieht,
sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist,
wer ihn fürchtet
und tut, was recht ist.
Er hat das Wort den Israeliten gesandt,
indem er den Frieden verkündete durch Jesus Christus:
Dieser ist der Herr aller.
Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist,
angefangen in Galiläa,
nach der Taufe, die Johannes verkündet hat:
wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat
mit dem Heiligen Geist und mit Kraft,
wie dieser umherzog,
Gutes tat
und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren;
denn Gott war mit ihm.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Zu verstehen ist diese Lesung nur im größeren Zusammenhang der Cornelius-Geschichte in der Apostelgeschichte. Cornelius, Römer, aber dem jüdischen Glauben nahe stehend, wird in einer Vision zu Petrus geführt. Der, gefangen in den Kategorien von "rein" und "unrein", "dazu gehörend“ und "fremd" wird in dieser Geschichte davon überzeugt, dass Gott nicht so denkt.
Apg 18,28: "Und (Petrus) sprach zu ihnen: Ihr wisst, dass es einem jüdischen Mann nicht erlaubt ist, mit einem Fremden umzugehen oder zu ihm zu kommen; aber Gott hat mir gezeigt, dass ich keinen Menschen meiden oder unrein nennen soll."
Gott hat den Israeliten das Wort gesandt: Jesus, den Christus. Er hat Frieden verkündigt, er ist der Herr aller. So wird hier zusammengefasst, was in der Predigt des Petrus dann ausgeführt wird. Mit einem vertrauten "ihr wisst" werden Erinnerungen wachgerufen, die lebendig sind: Nach der Taufe, die Johannes verkündigt hat, hat Gott Jesus von Nazareth gesalbt mit dem Heiligen Geist. Er zog umher, tat Gutes, heilte alle, die in der Gewalt des Teufels waren – kurz: der Weg Jesu wird als Heilsweg beschrieben, auf dem Gott selbst erscheint ("denn Gott war mit ihm").
In der Cornelius-Geschichte wird die Taufe Jesu ausgelegt. Die Apostelgeschichte, die mit dem Lukas-Evangelium zusammen gelesen werden muss, erzählt, dass "nach der Taufe, die Johannes verkündigt hat", durch Jesus auch Cornelius nicht mehr zu den Fremden gehört. In Lk 3,21f wird die Taufe Jesu so erzählt: "Und es begab sich, als alles Volk sich taufen ließ und Jesus auch getauft worden war und betete, da tat sich der Himmel auf, und der Heilige Geist fuhr hernieder auf ihn in leiblicher Gestalt wie eine Taube, und eine Stimme kam aus dem Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen."
Halleluja. Halleluja.
Der Himmel tat sich auf, und eine Stimme sprach:
Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.
Halleluja.
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an Titus.
Die Gnade Gottes ist erschienen,
um alle Menschen zu retten.
Sie erzieht uns dazu,
uns von der Gottlosigkeit
und den irdischen Begierden loszusagen
und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt zu leben,
während wir auf die selige Erfüllung unserer Hoffnung warten:
auf das Erscheinen der Herrlichkeit
unseres großen Gottes und Retters Christus Jesus.
Er hat sich für uns hingegeben,
damit er uns von aller Ungerechtigkeit erlöse
und für sich ein auserlesenes Volk schaffe,
das voll Eifer danach strebt, das Gute zu tun.
Als die Güte
und Menschenfreundlichkeit Gottes, unseres Retters, erschien,
hat er uns gerettet
– nicht aufgrund von Werken der Gerechtigkeit,
die wir vollbracht haben,
sondern nach seinem Erbarmen –
durch das Bad der Wiedergeburt
und die Erneuerung im Heiligen Geist.
Ihn hat er in reichem Maß über uns ausgegossen
durch Jesus Christus, unseren Retter,
damit wir durch seine Gnade gerecht gemacht werden
und das ewige Leben erben, das wir erhoffen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Als Alternative zur zweiten Lesung aus der Apostelgeschichte wird ein Abschnitt aus dem Titusbrief angeboten (vgl. die Weihnachtsgottesdienste).
Dieser Abschnitt hat hymnischen Charakter. Während der vorangehende wie auch der folgende Abschnitt des Briefes von Pflichten und Aufgaben der Christen handelt, will unser Text eine theologische Begründung für die geforderten Verhaltensweisen abgeben.
Inhaltlich betrachtet die Lesung die Menschwerdung Jesu. Die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten. Zwischen erstem und zweitem Kommen Jesu hat der Christ sein Leben angemessen zu gestalten.
Die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes, die in Jesus Christus erschienen ist und durch die wir gerettet sind, ist Richtschnur des menschlichen Verhaltens. Wie wir die Rettung nicht durch Verdienste erworben haben, sollen wir gütig und menschenfreundlich zu allen Menschen sein.
Der Titusbrief zählt zu den sogenannten Pastoralbriefen, die nach 60 n. Chr. im Namen und aus dem Geist des Paulus geschrieben wurden, aber nicht von ihm selbst stammen. Das paulinische Anliegen, Gottes Heil für alle Menschen zu verkünden, wird hier in einer veränderten Situation wieder geltend gemacht. Wahrscheinlich waren es das Gesetzesverständnis und die strengen Askesevorschriften des hellenistischen, synkretistischen Judentums, die den Glauben des jungen Christentums gefährdeten.
In der heutigen Lesung bildet die in Jesus erschienene Gnade Gottes die Grundlage für alles andere. Gott hat alle Menschen aus Erbarmen gerettet und nicht etwa aufgrund guter Werke.
So müssen auch wir uns unser Heil nicht durch Leistungen verdienen, sondern Gott liebt uns um unserer selbst willen. Er hat uns in der Taufe die Möglichkeit zu erfülltem Leben geschenkt. Wenn wir persönlich Gottes bedingungslose Liebe erfahren haben, so können wir uns selber annehmen. Dann brauchen wir nicht mehr egoistisch zu sein, sondern wenden uns liebevoll den anderen zu. Gutes zu tun ist also nicht die Voraussetzung dafür, dass Gott uns liebt und Leben in Fülle schenkt, sondern die Konsequenz dieser grundlegenden Erfahrung.
Im Titusbrief wird betont, dass die Zeit des Heils mit Jesus schon angebrochen ist. Für den einzelnen Menschen ist die Taufe sinnenhaftes Zeichen und Vollzug der "Wiedergeburt". So kann die Erinnerung an die eigene Taufe uns helfen, die bedingungslose Liebe Gottes zu uns persönlich mehr und mehr zu verinnerlichen.
Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr C 2/2006. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2006, S. 42-54.
Halleluja, Halleluja.
Johannes sagte:
Es kommt einer, der stärker ist als ich.
Mit dem Heiligen Geist und mit dem Feuer wird er euch taufen.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit
war das Volk voll Erwartung
und alle überlegten im Herzen,
ob Johannes nicht vielleicht selbst der Christus sei.
Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort:
Ich taufe euch mit Wasser.
Es kommt aber einer, der stärker ist als ich,
und ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.
Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.
Es geschah aber,
dass sich zusammen mit dem ganzen Volk
auch Jesus taufen ließ.
Und während er betete,
öffnete sich der Himmel
und der Heilige Geist
kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab
und eine Stimme aus dem Himmel sprach:
Du bist mein geliebter Sohn,
an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
In den Versen Lk 3,7-18 berichtet der Evangelist von Volksscharen, die zum Propheten Johannes in das Jordangebiet ziehen, um sich taufen zu lassen. Diesen Menschen gilt die Predigt des Johannes. Nur Zöllner und Soldaten werden besonders hervorgehoben. (Im Mt-Evangelium und in der Quelle Q spricht Johannes vor allem zu Pharisäern und Sadduzäern).
Lukas baut die Predigt des Johannes dreistufig auf:
- Androhung des Gottesgerichts - Verse 7-9
- praktische Handlungsbeispiele einer Umkehrethik - Verse 10-14 und
- Vertrauen auf den kommenden Herrn und seinen Heiligen Geist - Verse 15-17.
Möglicherweise entspricht dieses Schema formal der Katechese zur Zeit des Lukas.
Die Taufe Jesu reiht Lukas in eine "Massenbewegung" ein ("... zusammen mit dem ganzen Volk ..."). Die eigentliche Gotteserscheinung wird mit Hilfe dreier symbolischer Bilder geschildert: Der Himmel öffnet sich, in Gestalt einer Taube kommt der Heilige Geist auf Jesus herab und eine Stimme aus dem Himmel erschallt.
Die Erscheinung des Heiligen Geistes wird durch das Gebet Jesu ausgelöst. Lukas schildert nicht die Geistbegabung Jesu oder seine Bewußtwerdung als Sohn Gottes, dies wird in den früheren Kapiteln bereits dargelegt, sondern der Heilige Geist proklamiert vielmehr Jesus vor dem Volk als Gottessohn.
Die Darstellung des Gottesgeistes in Form einer Taube findet sich bereits im religionsgeschichtlichen Umfeld des Evangelisten und ist kein ursprünglich rein christliches Symbol.
Die Himmelsstimme ist eine stilistische Anlehnung an Ps 2,7, Gen 22,2 oder Jes 42,1. Sie deutet Jesus als messianischen König Israels und der Menschheit an, der durch Erwählung aus Gnade, Gottes "geliebter Sohn" ist.
Im Stil einer Epiphaniegeschichte erscheint Jesus hier als Sohn Gottes. Einleitend wird Jesus von Johannes abgegrenzt. Indem Jesus sich von Johannes taufen lässt, solidarisiert er sich mit allen Menschen, die fehlbar sind.
Das Entscheidende geschieht aber, während Jesus betet: Jesus öffnet sich für die Kraft Gottes und erfährt, wie sich für ihn "der Himmel öffnet" und er so in direktem Kontakt zu Gott steht. Dass der Geist Gottes "sichtbar in Gestalt einer Taube" auf ihn herabkommt, veranschaulicht, dass seine Erfahrung sinnenhaft und greifbar ist. Höhepunkt ist die Stimme aus dem Himmel, dem Bereich Gottes, die Jesus unmittelbar und persönlich anspricht: "Du bist mein Sohn, der Geliebte. An dir habe ich Gefallen." (Übers.: Fridolin Stier). Der Wortlaut verbindet Elemente von Ps 2,7 und Jes 42,1 und stellt so einen Bezug zur Schilderung des Gottesknechtes bei Deuterojesaja her (1. Lesung). Jesu einzigartige Herkunft aus Gott wird herausgestellt und später im ganzen Auftreten Jesu und seiner österlichen Offenbarung bestätigt.
Schon früh wurde die Taufe Jesu als Begründung und Vorbild der christlichen Taufe gedeutet. Nach Joh 1,12 gab er uns Macht, auch Kinder Gottes zu werden. So gehören beide Gedanken heute zum Inhalt des Festes der Taufe Jesu: Was mit Jesus geschah, feiern wir, damit es auch an uns geschieht.
So kann man das heutige Evangelium auf einer anderen Ebene auch als Zusage Gottes an jeden Menschen lesen. Das Wasser, in das auch Jesus hinabsteigt, ist ein altes Symbol für das Chaos, die Abgründe menschlicher Schuld und lebensbedrohlicher Angst. Diese Tiefen unseres Lebens gilt es anzunehmen, ohne aber darauf fixiert zu bleiben. Vielmehr sollen wir unseren Blick "zum Himmel" richten und uns wie Jesus für Gottes Kraft öffnen. Dann können wir erfahren, dass Gott jede und jeden von uns persönlich anspricht: "Du bist meine Tochter, mein Sohn, der Geliebte. An dir habe ich Gefallen." Und dieser Satz gilt nicht erst, wenn wir uns nach langer Anstrengung und Askese diese Liebe Gottes verdient hätten. Sie gilt mitten in unserem Dunkel, unserer Sünde und unseren alltäglichen Sorgen und Mühen. Gott ist uns auch dort nahe. In unserer eigenen Taufe haben wir diese Zusage Gottes gefeiert. Das Fest der Taufe Jesu schenkt uns die Möglichkeit, uns immer wieder daran zu er-innern und zu ver-inner-lichen: Wir sind und bleiben Gottes geliebte Kinder. Er hat an uns Gefallen um unserer selbst willen.
Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr C 2/2006. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2006, S. 42-54.
Sowohl im Griechischen wie auch im Deutschen kommt das Wort „taufen“ von „tauchen“. Daher gilt: Wer „getaucht“ war, war „getauft“!
Ein neues Taufverständnis
Ganz unerwartet taucht eines Tages bei Johannes am Jordan „etwas völlig Neues“ auf, oder genauer gesagt: Es taucht „jemand Neuer“ bei ihm auf, der sein einseitiges Taufverständnis sprengt und es für eine neue Erfahrung öffnet. Das Wasser als zentrales Element der Reinigungstaufe bei Johannes wird nun ersetzt durch die belebend-dynamischen Kräfte des Heiligen Geistes im Bild des Feuers. Lukas macht mit seiner Verkündigung klar: Hier geht es um eine Neuinterpretation der Taufe. Hier taucht der Mensch in weitaus mehr ein als nur in die Wasser des Jordan. Bei diesem Taufgeschehen geht es nicht bloß um die Frage der Reinigung im Wasser, sondern vielmehr um das Eintauchen des Jesus von Nazaret (und aller im Geiste Jesu Getauften) in die lebendige Gottesliebe und Gottesgemeinschaft.
Neue Bilder
Und so bringt es Lukas ins Bild: Nachdem Jesus im Jordan die Wasser-Taufe von Johannes empfangen hatte, erzählen folgende Zeichen von einer ganz neuen Tauferfahrung:
• Der Himmel öffnet sich und berührt die Erde. In dieser Zu-Neigung des Himmels zur Erde nimmt das Reich Gottes seinen Anfang: Der Himmel taucht in die Erde ein, damit die Erde im Himmel auftaucht. In diese gottgewollte Realität wird Jesus - als Menschensohn und Gottessohn - hineingetaucht.
Als nächstes wird diese innige Beziehungsstiftung als Liebeserklärung dargestellt. Die Taube, die ja im Alten Orient als Begleitwesen der Liebesgöttin verbreitet war, bringt in ihrer, wie es heißt, „leiblichen (griechisch somatiko) Gestalt“ die Fülle der Gotteszuwendung mit. Diese jesuanische Liebestaufe durchdringt - gleichsam mit ihrer psycho-somatischen Wirkung - das ganze Wesen des Täuflings!
Im letzten Zeichen wird das innere Geschehen dieser „neuen Taufe“, dieses Eingetaucht-Seins in die dreifaltige, göttliche Liebe, auch hörbar: „Du bist mein Kind, ganz geliebt! Du gefällst mir!“
Neue Botschaft
Mit dieser zutiefst bejahenden Liebeszuwendung Gottes kann Jesus „als Getaufter“ seine Reich-Gottes-Verkündigung beginnen und Kunde davon geben, dass der Himmel die Erde bereits erreicht hat, Gottes Reich da ist.
Jede und jeder Getaufte erhält von Gott diese Liebeszuwendung und Zusage: „Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter. An dir habe ich Wohlgefallen gefunden!“ Ist es nicht zutiefst beglückend, dass auch wir dies in unserer Taufe empfangen haben und damit in die Nachfolge und in die Jüngerschaft Jesu eingetreten sind? Bin ich mir dessen überhaupt bewusst?
Hans Eidenberger SM
© Diözese Linz. Team Bibelwerk Linz und Glaubenskommunikation
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit
war das Volk voll Erwartung
und alle überlegten im Herzen,
ob Johannes nicht vielleicht selbst der Christus sei.
Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort:
Ich taufe euch mit Wasser.
Es kommt aber einer, der stärker ist als ich,
und ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.
Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.
Schon hält er die Schaufel in der Hand,
um seine Tenne zu reinigen
und den Weizen in seine Scheune zu sammeln;
die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.
Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk
und verkündete die frohe Botschaft.
Johannes tadelte auch den Tetrarchen Herodes
wegen Herodias, der Frau seines Bruders,
und wegen aller Schandtaten, die er verübt hatte.
Herodes fügte zu allem noch dies hinzu,
dass er Johannes ins Gefängnis werfen ließ.
Es geschah aber,
dass sich zusammen mit dem ganzen Volk
auch Jesus taufen ließ.
Und während er betete,
öffnete sich der Himmel
und der Heilige Geist
kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab
und eine Stimme aus dem Himmel sprach:
Du bist mein geliebter Sohn,
an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.
Indem sich Jesus in die Schar derer, die sich von Johannes taufen lassen, einreiht, zeigt er sich solidarisch mit uns Menschen, obwohl er ohne Sünde ist. Damit nimmt er uns mit hinein in seine außerordentliche Beziehung zum Vater im Himmel.
Heute hörten wir im Evangelium von der Taufe Jesu, einem Moment von großer Bedeutung für das Leben und das Wirken unseres Herrn. In den Versen aus dem Evangelium nach Lukas erleben wir mit, wie Jesus sich von Johannes dem Täufer im Jordanfluss taufen lässt. Doch was verbirgt sich hinter diesem Ereignis? Warum ließ sich Jesus taufen, obwohl er ohne Sünde war? Was können wir heute aus dieser Szene für unser eigenes Leben lernen?
Zu der Zeit, als Johannes der Täufer predigte, war das Volk Israel in Erwartung des Messias. Sie sehnten sich nach der Befreiung und Erlösung, die Gott ihnen immer wieder zugesagt hatte. Viele dachten, Johannes sei der Messias, der Gesandte Gottes, mit dem das Reich Gottes anbricht. Doch Johannes selbst weist diese Vorstellung zurück. Er erklärt: „Ich taufe euch mit Wasser; aber einer kommt, der stärker ist als ich, dem ich nicht einmal würdig bin, ihm die Riemen seiner Sandalen zu lösen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.“ (Lk 3,16). Johannes hebt damit die Bedeutung des kommenden Messias' hervor und, dass dieser Messias mit einer neuen Kraft kommen wird, die weit über das hinausgeht, was er in seiner Taufe vermitteln kann. Jesus wird derjenige sein, der den Heiligen Geist bringt, der die Menschen zu einer tieferen Gemeinschaft mit Gott führen wird.
Hierbei müssen wir aber eine Anfrage an das Lukasevangelium stellen: Warum lässt sich Jesus von Johannes taufen? Jesus, der ohne Sünde ist, hat doch nichts zu bekennen oder gar zu bereuen. Doch er stellt sich in die Reihe der Sünder und lässt sich ebenfalls taufen. Dies ist ein kraftvoller Akt der Identifikation mit uns Menschen. Jesus nimmt die gesamte Menschheit in sich auf. In seiner Taufe bekennt er sich zu den Menschen, zu uns allen, und zeigt, dass er mit uns geht, dass er unseren Weg mit uns teilt. Durch seine Taufe wird er der „neue Adam“, der die Sünde des ersten Adam tilgt. Er tritt als der Retter auf, der sich nicht abhebt, sondern sich in die Mitte der Menschen stellt. Die Taufe Jesu ist also auch eine Einladung an uns. Sie erinnert uns daran, dass er sich für uns eingesetzt hat und uns nahe ist. Durch die Taufe wird der Weg des Erlösers sichtbar, der uns mit Gott versöhnen möchte.
Auf der einen Seite steht nun die Identifikation Jesu mit uns Menschen, aber auf der anderen Seite steht auch die Offenbarung seiner Beziehung zu Gott. Bei der Taufe Jesu öffnet sich der Himmel, und eine Stimme aus dem Himmel verkündet: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.“ Dies bestätigt die göttlichen Sendung Jesu und legt zugleich auch für uns offen, was es bedeutet, Kinder Gottes zu sein. Die Stimme Gottes erinnert uns daran, dass unsere Taufe uns in eine tiefe Beziehung zu Gott ruft. In der Taufe werden auch wir zu Gottes geliebten Kindern und empfangen somit den Heiligen Geist, der uns stärkt, uns ermutigt und uns in die Gemeinschaft mit Gott führt. Wie bei Jesus ist auch unsere Taufe ein Moment der Bestätigung Gottes. Gott spricht uns an, er liebt uns, und wir sind in seiner Hand.
Die Taufe Jesu wird von der Gabe des Heiligen Geistes begleitet, der in der Gestalt einer Taube auf Jesus herabkommt. Diese Erscheinung des Heiligen Geistes ist nicht nur eine Bestätigung der göttlichen Berufung Jesu, sondern auch eine Einladung für uns, den Heiligen Geist in unserem Leben zu empfangen. Der Heilige Geist gibt uns die Kraft, in der Nachfolge Jesu zu leben. Durch die Taufe haben auch wir Anteil an diesem Heiligen Geist, der uns hilft, die Botschaft des Evangeliums zu verstehen und in unserem Leben zu verwirklichen.
Die Taufe Jesu zeigt uns die enge Verbindung zwischen ihm und uns. Er nimmt unsere Menschlichkeit an, stellt sich in die Reihe der Sünder und ruft uns durch die Taufe in eine neue Beziehung zu Gott. Durch die Taufe sind wir Kinder Gottes und empfangen den Heiligen Geist, der uns stärkt, uns erneuert und uns hilft, den Weg der Nachfolge Jesu zu gehen. Die Taufe Jesu ist ein Zeichen der Liebe Gottes zu uns und eine Einladung, diese Liebe weiterzugeben.
Möge dieses Fest uns daran erinnern, dass wir in unserer Taufe eine neue Identität empfangen haben. Wir sind zu Gottes geliebten Kindern berufen, um ein Licht in der Welt zu sein und die Botschaft Jesu zu leben. Die Taufe erinnert uns daran, dass wir als Christen Teil einer größeren Gemeinschaft sind und durch unseren Glauben weltweit miteinander verbunden sind.
Jesus und seine Jünger haben die Taufe des Johannes als Initiationsritual übernommen. Sie taufen jedoch nicht nur mit Wasser wie Johannes, sondern darüber hinaus mit dem Heiligem Geist und Feuer. Gesegnetes Wasser erinnert uns daran, dass auch wir mit Wasser, Heiligem Geist und Feuer getauft sind und uns der Gemeinschaft der Jesusnachfolger angeschlossen haben.
Ich möchte sie einladen sich mit mir an das Ufer des Jordan zu begeben. Dort finden wir uns unter Menschenmassen, die zu einer Stelle im Fluss drängen, an der ein Mann an ihnen das Reinigungsritual des Untertauchens zum Zeichen der Abwaschung von Schuld und Sünde vollzieht. Dieser Mann ist Johannes, den man auf Grund dieses Rituals den Täufer nennt. Die Menschen, die hier freundlich und friedlich zusammenstehen und auf ihre „Taufe“ warten, haben sich auf Grund seiner Predigt entschlossen, ihr Leben völlig umzukrempeln.
Obwohl viele von ihnen ihr Leben durch die Auswirkungen von Fremdherrschaft und Diaspora bereits ihren Bezug zur jüdischen Religion oder Tradition verloren hatten, fühlen sie sich sofort heimisch beim Hören der Schriften ihrer Väter, die Johannes ihnen predigt. Die besondere Innigkeit der Beziehung ihres Volkes zu JHWH erleben sie als wunderbares Gefühl des Selbstverständnisses ihrer Zugehörigkeit zu einem besonderen Volk. Ihr Selbstwert und ihre Selbstachtung steigen. Das Nachempfinden der Erzählungen der Väter lässt sie ein gutfundiertes Verhaltensgerüst für ihr persönliches Leben erfahren, tragfähig und sicher.
Aus den Berichten der Propheten erfahren sie, so wie wir heute in der 1. Lesung aus dem Buch Jesaia, dass JHWH das Kommen eines Erlösers, eines Retters verheißen hat. Nicht wenige von ihnen nehmen deshalb an, dass Johannes dieser Christus sein könnte. Doch Johannes zerstreut diese Hoffnung deutlich. Trotz seiner erfolgreichen Tätigkeit als Prediger und Prophet beschreibt er sich selbst fast abwertend. Diese fürs erste verwirrende Beschreibung entspringt aber nicht einem tatsächlichen Verständnis seiner Person als minderwertig, sondern will uns die Größe dessen vermitteln, als dessen Wegbereiter er sich versteht. Vor allem aber will er verhindern, dass Menschen einen anderen Menschen wie Gott verehren. Auch nicht, wenn es sich dabei um einen von Gott erwählten Propheten handelt. Er beschreibt sich selbst deutlich als Mensch, weit entfernt von jeder Göttlichkeit.
Immer wieder neigen wir Menschen dazu, andere Menschen, die sich in irgendeiner Form als besondere Persönlichkeiten hervortun, für anbetungswürdig zu halten. Die Geschichte hat uns vielfach gezeigt wohin die Menschenanbetung in Monarchien, Diktaturen und ähnlichen politischen oder sozialen Gebilden führt. Damals wie heute gilt: Nur wer mit Feuer und Geist taufen kann, erweist sich als anbetungswürdig.
Auch Jesus kommt zu Johannes, um sich taufen zu lassen. Als er im Zuge der Taufe zum Vater betet, tut sich der Himmel auf und Gott spricht zu ihm: "Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden." Damit ist klar, wer mit Geist und Feuer tauft: Gott allein.
Nach diesem Anruf des Vaters beginnt Jesus seine Verkündigungstätigkeit. Er weiß sich von Gott berufen, die Frohe Botshaft vom Gottesreich zu verbreiten. Die Taufe mit Feuer und Geist ist also ein Berufungserleben.
Der Taufritus des Johannes wird von den Jesusjüngern zunächst als Initiationszeichen der Zugehörigkeit zur Jesusgemeinschaft übernommen. Dieser Ritus bleibt jedoch bis zum Pfingstereignis eine reine Wassertaufe. Die Geistaussendung 50 Tage nach Jesu Auferstehung, ist das Zeichen der Berufung aller Menschen, die in seine Fußstapfen treten wollen. Als Gemeinschaft der „ecclesia“ (= der Herausgerufenen) begibt sich jedes Mitglied einer christlichen Gemeinschaft auf einen Weg der Jesus-Nachfolge.
Wenn wir unsere Kinder heute bereits als Babys oder Kleinkinder taufen, dann verleihen wir unserem Wunsch Ausdruck, dass auch sie zur "Gemeinschaft der Herausgerufenen" gehören sollen. Das Sakrament der Firmung verlangt den nun bereits mündigen Jugendlichen die erste wichtige Glaubensentscheidung als Erwachsene ab. Für alle an der Feier Beteiligten hat die Erinnerung an den eigenen christlichen Weg eine wichtige Außenwirkung.
Wenn wir auf diesem Weg auch oft Umwege, Abkürzungen und Irrwege zurücklegen, sollte ein mit Wasser auf unsere Stirn gezeichnetes Kreuz uns immer wieder an die ursprüngliche Bedeutung erinnern. In einem Taufgedächtnisritual wollen wir heute in diesem Gottesdienst der Bedeutung unserer eigenen Taufe nachspüren.
Das Fest der Taufe Jesu erinnert nicht nur an die Taufe Jesu im Jordan, sondern erinnert uns daran, dass auch wir getauft und mit Chrisam zu Priestern, Königen und Propheten gesalbt sind. Wir werden Glieder der Gemeinde Jesu und ermächtigt, unser Priester-, König- und Prophetentum auszuüben.
In vielen Kirchen wird dieser Sonntag als Erinnerung an die eigene Taufe gefeiert. Da kommen Eltern mit ihren im vergangenen Jahr getauften Kindern, vielleicht auch mit Verwandten, Taufpaten, um sich dieses Festtags nochmals zu erinnern; hoffentlich nicht nur, was den äußeren Rahmen ausmacht, sondern Erinnerung daran, was bei der Salbung mit Chrisam geschieht. Als Propheten Zeugen Gottes zu sein, im Auftrag Gottes zu sprechen und auch zu handeln, mutig ausgleichend zu wirken, wo andere zu Schaden kommen, auch wenn es „nur“ um den guten Ruf eines Menschen geht, als "König" besonders für Gerechtigkeit Sorge zu tragen (vgl. 1. Lesung).
Die Überreichung des weißen Kleides bedeutet Eintreten in eine neue Wirklichkeit, die Taufkerze erinnert an das österliche Geschehen, den Sieg des Lebens über den Tod, das Herausführen aus den Dunkelheiten ins Licht.
Die Taufe unterstreicht auch die Würde des Menschen und ist das Basissakrament für eine Gemeindebildung. Die Pfarre könnte man eher als kirchliche Verwaltungseinheit sehen mit Matrikelführung, einer brauchbaren Infrastruktur etc. Gemeinde ist aber mehr. Sie weist auf das anbrechende Reich Gottes hin, auf eine lebendige Beziehung zwischen Gott und den Menschen.
Das wird in der Taufformel sichtbar in den Worten des Taufspenders: „Ich taufe dich, im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Diese Trinitätsformel sagt auch, dass wir eingetaucht sind in die Liebe Gottes. Hier wird auch die Zwei-Naturen-Lehre sichtbar: Gott schickt seinen Sohn Jesus in die Welt, er wird ganz Mensch, unvermischt. Er ist einer von uns, solidarisch, er stellt sich in die Reihe der Sünder. Wir erben keine Sünde, sondern wir leben in einer Sündenverflochtenheit, wo das Böse dann zur Sünde wird, wenn wir uns bewusst von der Liebe Gottes entfernen. So kann sich das Böse Raum schaffen und beschmutzt gleichsam dieses weiße Kleid, das uns bei der Taufe angelegt wird.
Eine weitere Reinigung in unserem Leben sollte durch das „Sakrament der Versöhnung und Buße“ erfolgen, das heute allerdings eher ein Schattendasein führt.
Jesus stellt sich in die Reihe der Sünder, obwohl er, wie gesagt, ohne Sünde ist. Er ist mittendrin in unserem Leben, in Freude und Leid, in unseren Ängsten, Erwartungen und Hoffnungen. Sehr oft spüren wir das zu wenig oder gar nicht. Da kommen im Leid oft Zweifel, Ablehnung oder Gleichgültigkeit auf.
Taufe wird für uns Christen zur Ermächtigung und zum Auftrag, Priester, Könige und Propheten zu sein und dies auch sichtbar und spürbar zu machen, weil wir Miteigentümer, Erben des anbrechenden Reichs Gottes sind. Diese Ermächtigung will uns bei der Neuaufstellung unserer Gemeinden im Geiste Jesu helfen. Mündige Christinnen und Christen verbinden göttliche Weisheit, die uns Jesus in seinem irdischen Leben vorgelebt hat, mit irdischer innerweltlicher Klugheit und hoffentlich auch mit Mut und Zivilcourage. Denn gerne stecken wir aber das „Köpferl in den Sand“, wenn wir drohenden Gefahren oder unangenehmen Situationen ausweichen oder sie nicht sehen wollen. Jesus hat in seinem irdischen Leben das Gegenteil bewiesen, bis zum Tod am Kreuz. Durch die Taufe werden wir in sein Leben und Sterben miteinbezogen; in das Heilsgeschehen, weil uns ewiges Leben, ewiges Jetzt, zugesagt ist. Dann ist der Tod ist überwunden.
Der weihnachtliche Geist möge weit ins Jahr hineinstrahlen, weil Jesus mittendrin ist in unseren Hoffnungen, in den Alltagssorgen, den Zweifeln und auch in unserer Freude mittendrin ist; bei jedem einzelnen von uns, niemand ist davon ausgeschlossen, wie wir in der zweiten Lesung aus dem Mund des Petrus gehört haben: "denn Gott war mit ihm".
Im Erscheinen Jesu erfüllen sich uralte Hoffnungen; Hoffnungen gegen alle Hoffnung. In der Taufe haben sich auch für uns Getaufte neue Perspektiven eröffnet.
So fängt das Evangelium doch toll an! Die Menschen sind voller Erwartung. Wenn wir dann fragen, was sie erwarten, stoßen wir auf die alte Sehnsucht, dass Gott sein Reich aufrichtet. Es kann doch nicht alles so weiterlaufen wie bisher! Mit den alten Mustern, Verwerfungen und Schuldverstrickungen. Da mag jeder so seine eigenen Gedanken gehabt haben, zwischen Träumen und Zweifeln, zwischen Wut und Resignation. Von Gott etwas zu erwarten, sich ihm zu öffnen – das ist Hoffnung. Obwohl wir neugierig sind, unbedingt mehr wissen wollen – mehr erfahren wir nicht: Die Menschen sind voller Erwartung.
Es geht auch alles sehr schnell! Während die Menschen sich von Johannes, dem Bußprediger – und Propheten – taufen lassen, ist unerkannt auch Jesus unter ihnen. Wer er ist, woher er kommt, was er hier will? Er ist einfach unter ihnen! Einer von ihnen. Während er betet – der Himmel öffnet sich – der Hl. Geist kommt herab – und eine Stimme aus dem Himmel spricht: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.“ Es geschieht vor unseren Augen und Ohren. Und passt in einen Satz. Wir haben nicht einmal Zeit, von links nach rechts zu schauen. Jesus, der geliebte Sohn – unser Bruder. Überhaupt: der offene Himmel! Wo doch so vieles auf der Erde verschlossen ist.
Wir sind voller Erwartung.
Martin Luther hat zu dieser kleinen Geschichte, die doch voller Wunder ist, ein Lied geschrieben. 1541, ziemlich spät in seinem Leben. Immer wieder, besonders in schweren Stunden, hat er sich damit getröstet: Ich bin getauft.
Christ, unser Herr, zum Jordan kam
nach seines Vaters Willen,
von Sankt Johann die Taufe nahm,
sein Werk und Amt zu erfüllen.
Da wollt er stiften uns ein Bad,
zu waschen uns von Sünden,
ersäufen auch den bittern Tod
durch sein selbst Blut und Wunden,
es galt ein neues Leben.
Die Taufe Jesu, der geöffnete Himmel, Gottes Liebenserklärung – sie gelten uns.
„Da wollt er stiften uns ein Bad, zu waschen uns von Sünden, ersäufen auch den bittern Tod“.
Darin ist er dann ganz der Sohn des Vaters.
In einer Liebe, die alle Dunkelheit, alle Angst, alle Verlorenheit überwindet.
„Es galt ein neues Leben“!
Hören wir einmal in eine Predigt hinein, die Petrus gehalten hat. Unsere 2. Lesung.
Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist,
angefangen in Galiläa,
nach der Taufe, die Johannes verkündet hat:
wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat
mit dem Heiligen Geist und mit Kraft,
wie dieser umherzog,
Gutes tat
und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren;
denn Gott war mit ihm.
Die Gewalt des Teufels ist uns heute fremd geworden, die Gewalt als solche aber gegenwärtig und teuflisch. Wir sehen Menschen auf der Flucht vor Gewalt. Wir sehen Menschen in Gewalt untergehen. Wir sehen, wie mit Gewalt gute Geschäfte gemacht werden. Wir sehen, wie schweigsam wir werden angesichts von Gewalt.
Jesus heilte alle, die in der Gewalt des Teufels waren. Er verband nicht nur die Wunden, tröstete nicht nur die eingeschüchterten Seelen – er gibt den Menschen ihre Würde zurück und führt sie aus der Finsternis heraus. Aus den Gewaltspiralen. Aus den Hasstriaden. Aus der Angst. Denn Gott ist mit ihm!
In dem Lied Luthers heißt es:
Solchs hat er uns gezeiget klar
mit Bildern und mit Worten.
Des Vaters Stimm man offenbar
daselbst am Jordan hörte;
er sprach: „Das ist mein lieber Sohn,
an dem ich hab Gefallen;
den will ich euch befohlen han,
daß ihr ihn höret alle
und folget seinem Lehren.“
Heute feiern wir die Taufe Jesu. Er ist einer von uns. Er verschwindet in der Menge. Niemand erkennt ihn. Ein Fremder. Aber dann sehen wir ihn betend – und dass sich Gott selbst zu ihm bekennt. In der Predigt des Petrus klingt das an: „wie Gott Jesus von Nazareth gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft…“
Von Dunkelheit, Angst und Verlorenheit haben wir gesprochen. Vom „bittern Tod“. Auch von der Gewalt, die Menschen missachtet, die Menschen um Verstand und Zukunft bringt, die sich in eine Geschäftsidee verwandelt.
Haben Sie die erste Lesung noch ein wenig im Ohr? Es ist ein sog. Gottesknechtlied:
Siehe, das ist mein Knecht, den ich stütze;
das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen.
Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt,
er bringt den Nationen das Recht.
Er schreit nicht und lärmt nicht
und lässt seine Stimme nicht auf der Gasse erschallen.
Das geknickte Rohr zerbricht er nicht
und den glimmenden Docht löscht er nicht aus;
Es ist ein trotziges Lied! Israel hat gerade die Gewalt eines Zwingherrn erlebt, der sich zum Herrscher der Welt aufgeschwungen hatte. Jerusalem ist zerstört, der Tempel in Schutt und Asche gelegt - und Menschen sind deportiert. Für viele Menschen sieht es so aus, Gott selbst habe ich bezwingen und vertreiben lassen. Ihr Vertrauen ist angefochten, ihre Hoffnung gebrochen.
„Mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen.“ Sagt Gott. Lässt Gott ausrichten. Auf ihn lege ich meinen Geist. Er bringt den Völkern das Recht. Er kommt ohne Gewalt, ohne laute Stimme, ohne Lärm. Das geknickte Rohr zerbricht er nicht – und den glimmenden Docht löscht er nicht aus.
Es wird die Geschichte einer großen Liebe. Angesichts geknickter Lebenswege, angesichts heruntergebrannter Hoffnungen. Die Menschen sind voller Erwartungen. Überhaupt: der offene Himmel! Wo doch so vieles auf der Erde verschlossen ist.
Ich möchte die Stimme hören, ich möchte ihn sehen, ich möchte ihm folgen:
Dem geliebten Sohn, der Gottes Wohlgefallen hat.
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Jesus lässt sich von der Predigt des Täufers Johannes ansprechen. Nach dessen Mord tritt er in seine Fußstapfen und führt weiter, was Johannes begonnen hat. In der Taufe zeigt sich, wes Geistes Kind er ist. In der Taufe wurden auch wir Kinder Gottes und mit dem Heiligen Geist beschenkt. An uns liegt es, wie weit wir uns von ihm prägen lassen.
Manche Eltern sind entsetzt, wenn ihr Nachwuchs plötzlich Unwörter benutzt, die sie nie und nimmer in der eigenen Familie erlernt haben können. Woher haben sie das? Vom Kindergarten? Vom Spielplatz? Manches erlernen Kinder schneller, als den Eltern lieb ist, indem sie andere nachahmen. Überrascht sind sie aber auch, wenn Kinder sich von Papa oder Mama etwas abschauen, was sie besser nicht mitbekommen hätten. Kinder sind lernfähig und nehmen vieles beiläufig etwas auf.
Aber auch Erwachsene sind für Überraschungen gut. In Diskussionen zeigt sich manchmal, aus welchen Zeitungen sie ihre Argumente beziehen oder was sie vom Stammtisch mitgenommen haben, wes Geistes Kind sie sind.
Woher beziehen wir unsere Informationen? Nicht alle haben wir uns mühsam angeeignet. Manches haben wir im Vorübergehen aufgeschnappt. Noch vor 20 Jahren wurden alle vom gleichen öffentlichen Rundfunk und Fernsehen mit Informationen versorgt. Oft wurde unserer Meinungsbildung ein wenig nachgeholfen. Inzwischen kann man sich auf dem freien Markt der Medien selbst bedienen. Wie unabhängig sind jedoch "unabhängige Medien" wirklich? Ihre Geldgeber wollen mitreden, Stimmung und Meinung machen. Und auch Abonnenten bezahlen nur für das, was sie gerne lesen, hören oder sehen wollen. Die Sozialen Medien wie Facebook und Twitter agieren sehr oft in sog. Blasen, d.h. hier tauschen Menschen ihre Meinung mit Menschen aus, die ähnlich denken wie sie selbst.
Bei aller Informationsfreiheit erhebt sich die nicht unwichtige Frage: Von wem lassen wir uns bilden? Von wem werden wir geistig geformt? Wes Geistes Kinder sind wir?
Der Bericht von der Taufe Jesu im Jordan durch Johannes den Täufer ist eine schöne Geschichte. Spannend wird er aber erst, wenn wir den Hintergrund beachten. Johannes predigt Umkehr und fordert seine "follower" auf, sich als Zeichen der Umkehr taufen zu lassen und so symbolisch das alte Fehlverhalten vom Wasser des Jordan abwaschen zu lassen. Er wird so zum Frontmann einer religiösen Erneuerungsbewegung. Immer mehr eckt er an. Als er sogar König Herodes wegen seines Verhältnisses zur Frau seines Bruders anprangert, lässt dieser ihn ins Gefängnis werfen.
Auch Jesus interessiert sich für den Täufer und reiht sich unter seine Jünger ein. Ob er mit Johannes blutsverwandt war, lässt sich nicht genau sagen. Auf jeden Fall war er mit ihm geistesverwandt. Von ihm ließ er sich anregen und geistig prägen, zum Missfallen von Teilen seiner Verwandtschaft, die ihn für verrückt hält. Nach der Ermordung des Johannes tritt Jesus in dessen Fußstapfen und beginnt selbst in Galiläa zu predigen, ähnlich wie Johannes. Galiläa ist weit genug weg von Jerusalem und Herodes ist dort gebietsmäßig nicht mehr zuständig.
Was bedeutet es nun, wenn sich über Jesus der Himmel auftut und der Heilige Geist auf ihn herabkommt? Beide werden vom Himmel her legitimiert und Jesus wird mit dem Wohnwollen Gottes und der Kraft des Heiligen Geistes ausgestattet. Im Akt der Taufe wird offenkundig, wes Geistes Kind er ist. Er hat sich von Johannes inspirieren lassen, in ihm und durch ihn wirkt aber von Anfang der Heilige Geist. Im Rückblick auf das Leben Jesu wird eine Linie sichtbar, die im "Empfangen vom Heiligen Geist" ihren Anfang nimmt und über das Geist-Erlebnis bei der Taufe bis hin zur Ausgießung des Heiligen Geistes über die "follower" Jesu im Pfingstereignis weitergeht.
Im Weihnachtsevangelium des Evangelisten Johannes haben wir den Satz gehört: "Allen, die ihn aufnahmen, gab er die Macht, Kinder Gottes zu werden." In der Taufe sind auch wir Kinder Gottes geworden. Auch auf uns ist der Heilige Geist herabgekommen. In der Tauf- und Firmfeier haben wir das zelebriert. Allerdings kommt es nun darauf an, was wir daraus machen. Denn oft ist es nur ein "Wasch mich, aber mach mich nicht nass!". Was bleibt davon nach der schönen Familienfeier? Lassen wir uns wirklich vom Geist Jesu formen, prägen? Wes Geistes Kinder sind wir? Sich vom Geist Gottes prägen zu lassen, ist eine Lebensaufgabe und ist nicht mit dem Akt der Taufspendung erledigt.
Viele junge Eltern lassen ihre Kinder nicht mehr taufen. Sie möchten diese später einmal selbst entscheiden lassen, ob sie Christen werden wollen. Klingt sehr reif, ich halte das aber für einen groben Trugschluss. Wenn Eltern ihren eigenen Glauben ernst nehmen und spürbar leben, wenn sie beten, die Sakramente feiern, das Wort Gottes hören und sich damit auseinandersetzen und wenn sie ihr Leben an den Geisteshaltungen Jesu ausrichten, werden ihre Kinder dies nicht nur spüren, sondern auch davon geprägt sein. Bis zu dem Zeitpunkt, wo sie reif sind, sich selbst zu entscheiden, werden sie ihre Eltern nachahmen und wie sie reden und denken. Es gibt keine wertneutrale Erziehung. Wenn Werte wertvoll sind, sind sie nicht beliebig.
Es liegt aber durchaus auf der Linie Jesu, wenn Eltern und Lehrer die Heranwachsenden zu kritikfähigen Menschen erziehen. Auch Jesus hat sich mit den Traditionen seines Volkes kritisch auseinandergesetzt. Kritisieren kann ich nur, was ich einigermaßen kenne.
Das Fest der Taufe Jesu ist für uns Christen eine große Herausforderung. Wieviel von dem Feuer und dem Heiligen Geist, von denen Johannes der Täufer gesprochen hat, lassen wir in unserem Leben zu? Von welchen Geistern, von welchen Geistesströmungen lassen wir uns prägen? Wer sich nicht für ein geistloses Leben entscheiden will und wer sich nicht nur vom Zeitgeist treiben lassen will, muss zusehen, dass er dem Geist Gottes in seinem persönlichen Leben Raum gibt.
Johannes der Täufer weist mit den Worten „Er wird euch mit dem Hl. Geist und mit Feuer taufen.“ auf Jesus, als den vom Volk erwarteten Messias hin. Er ist sich dessen bewusst, dass ein Größerer kommt. Er wird IHN taufen und der Himmel wird sich öffnen. Als Getaufte sollen auch wir hinweisen auf den, der von Gott kommt.
Der bekannte „Isenheimer Altar“ aus dem 16. Jhd. von Matthias Grünewald zeigt Johannes d. Täufer in dieser „richtungsweisenden“ Haltung. Er zeigt auf Jesus, den Gekreuzigten. Spannend ist bei diesem Bild, wie die Positionen klar erkennbar sind. Matthias Grünewald stellt den übersteigenden Schmerz des Gekreuzigten, die Ohnmacht Mariens und - fast als Kontrast dazu - den in sich ruhenden, selbstbewusst auftretenden Johannes den Täufer, der mit einem übergroßen Zeigerfinder auf Jesus hinweist, dar. Grünewald wusste, dass Johannes schon tot war, als Jesus gekreuzigt wurde. Aber durch die Darstellung Johannes des Täufers bei der Kreuzigungsszene wollte Matthias Grünewald die Wirkkraft des Bildes steigern und die Hinwendung des Betrachters, der Betrachterin so noch mehr auf Jesus fokussieren.Wünschen und hoffen darf man. Aber nicht alle Wünsche und Hoffnungen gehen in Erfüllung, und nicht alles ist machbar. Die Sehnsucht nach einem Messias, der alle Hoffnungen erfüllt, begleitet viele Menschen. In Jesus wurde sie und wird sie erfüllt wenn auch anders als erwartet. Ihn und uns begleitet die in der Taufe gemachte Zusage der grenzenlosen Liebe Gottes.
Als Menschen haben wir Anerkennung nötig. Es tut uns gut, wenn wir gesagt bekommen, dass es gut ist, dass wir da sind. In der Taufe im Jordan wurde dies Jesus zugesagt. Dies gilt auch für unsere Taufe.
Lieder:
GL 161: Du rufst uns Herr, trotz unsrer Schuld
GL 219: Mache dich auf und werde licht
GL 241: Nun freut euch, ihr Christen
GL 251: Jauchzet, ihr Himmel
GL 346: Atme in uns, Heiliger Geist
GL 347: Der Geist des Herrn erfüllt das All (1., 3. und 4. Str.)
GL 357: Wie schön leuchtet der Morgenstern
GL 368: O liebster Jesu, denk ich dein
GL 372: Morgenstern der finstern Nacht
GL 395: Den Herren will ich loben
GL 414: Herr, unser Herr, wie bist du zugegen
GL 425: Solang es Menschen gibt auf Erden
GL 428: Herr, dir ist nichts verborgen
GL 477: Gott ruft sein Volk zusammen
GL 483: Haleluja... Ihr seid das Volk, das der Herr sich ausersehn^
GL 484: Dank sei dir Vater, für das ewge Leben
GL 487: Nun singe Lob, du Christenheit
GL 488: Die ihr auf Christus getauft seid
GL 489: Lasst uns loben, freudig loben
GL 491: Ich bin getauft und Gott geweiht
GL 633,8-9: Dankt dem Vater mit Freude, er schenkt uns seinen Sohn.
GL Ö815: Sag Ja zu mir, wenn alles Nein sagt
GL Ö924/925: Fest soll mein Taufbund immer stehn
Psalmen und Kehrverse:
GL 58: Lobe den Herrn, meine Seele - Mit Psalm 104 - VIII.
GL 260: Werde licht, Jerusalem, Halleluja, dein Licht ist uns erschienen, Halleluja. - Mit Psalm 65 (GL 45,2) - VI.
GL 264,2: Du bist das Licht, die Völker zu erleuchten, du deines Volkes Herrlichkeit - Mit Psalm 8 (GL 33,2) - VII.
GL 312,4: Dem Herrn will ich singen, machtvoll hat er sich kundgetan - Mit Psalm 104 (GL 58,2) - VIII.
GL 629: Du führst mich hinaus ins Weite - Mit Psalm 30 - I.
631,3-4: Der Herr hat Großes an uns getan, sein Name sei gepriesen. - Mit Magnificat - IX.
Es ist jedes Mal ein ganz besonderes Fest. Die ganze Familie kommt zusammen und freut sich mit den Eltern. Man geht zuerst zur Kirche und danach versammelt man sich um einen festlichen gedeckten Tisch. Nein, ich rede nicht von Weihnachten, sondern von der Taufe. Es ist das Sakrament, das uns alle hier verbindet, egal ob jung oder alt. Es ist das Sakrament, das uns einführt in die Gemeinschaft der Kirche und, das uns in die Nachfolge Christi beruft. Heute im Evangelium dürfen wir Zeugen der Taufe Jesu im Jordan werden. Wir sind sozusagen live dabei, wenn Gott zu Jesus sagt: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.“
Ihn, den geliebten Sohn, begrüßen wir nun in unserer Mitte:
Wir sind zu einer Taufe eingeladen! Das ist immer ein schönes Fest. Meistens mit kleinen Kindern. Heutzutage auch immer öfter mit Erwachsenen, die nicht getauft wurden, als sie klein waren. Wenn sie erzählen, wie wichtig ihnen dieser Schritt ist, können wir uns mit ihnen freuen und ihren Weg mitgehen.
Heute feiern wir die Taufe Jesu. Wir freuen uns mit ihm. Wir gehen seinen Weg mit.
Ihn bitten wir:
(Messbuch, Anhang I, Seiten 1171ff)
Oder:
Schwestern und Brüder!
Wir bitten den Herrn, dass er dieses Wasser segne,
mit dem wir nun besprengt werden.
Das geweihte Wasser erinnert uns an die Taufe Jesu
durch Johannes im Jordan
und an unsere eigene Taufe mit Wasser und Heiligem Geist.
Gott erneuere in diesem heiligen Zeichen seine Zusage,
dass er uns als seine Töchter und Söhne liebt,
und erfülle uns mit seiner Gnade,
dass wir unser Leben aus dem Geiste Jesu gestalten.
Gebetsstille
Allmächtiger, ewiger Gott,
du hast das Wasser geschaffen als Element,
das Leben hervorbringt und reinigt.
Durch das Wasser der Taufe
hast du uns ewiges Leben geschenkt
und uns von aller Sünde gereinigt.
Segne + dieses Wasser,
damit die Lebensquelle deiner Gnade und Liebe
aus unserem Inneren fließe
und unser Leben Früchte des Geistes hervorbringe.
Wasch ab alles Böse, mit dem wir uns belastet haben
und lass uns mit reinem Herzen
an der Gemeinschaft der Kinder Gottes teilhaben.
Besprengung mit dem gesegneten Wasser
Tauflied, z. B. "Ich bin getauft und Gott geweiht" (GL 491)
Herr, erbarme dich.
Christus, erbarme dich.
Herr, erbarme dich.
Der allmächtige Gott reinige uns von Sünden
und mache uns durch das heilige Opfer,
das wir nun feiern, würdig,
am Tisch seines Reiches teilzunehmen.
Herr Jesus Christus,
durch deine Geburt bist du uns Menschen gleichgeworden.
Herr erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du taufst nicht nur mit Wasser, sondern mit Heiligem Geist.
Christus erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
wir dürfen dich in der Taufe als den geliebten Sohn Gottes erkennen.
Herr erbarme dich.
Herr,
du reihst dich bei den Sündern ein, die die Taufe erbitten.
Schenke uns Vergebung, schenke uns einen neuen Anfang.
Herr, erbarme dich.
Christus,
wir möchten mit uns und allen Menschen im Reinen sein.
Du weißt um unsere Schwächen, um unser Scheitern.
Christus, erbarme dich.
Herr,
wir träumen von einem offenen Himmel.
Komm mit deinem Geist zu uns.
Herr, erbarme dich.
"Das geknickte Rohr zerbricht er nicht
und den glimmenden Docht löscht er nicht aus".
Ehre sei Gott in der Höhe…
Allmächtiger, ewiger Gott,
bei der Taufe im Jordan
kam der Heilige Geist auf unseren Herrn Jesus Christus herab,
und du hast ihn als deinen geliebten Sohn geoffenbart.
Gib, daß auch wir,
die aus dem Wasser und dem Heiligen Geist wiedergeboren sind,
in deinem Wohlgefallen stehen
und als deine Kinder aus der Fülle dieses Geistes leben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Taufe des Herrn
Allmächtiger Gott,
wir dürfen dich Vater nennen,
denn du hast uns an Kindes Statt angenommen
und uns den Geist deines Sohnes gesandt.
Gib, daß wir in diesem Geist wachsen
und einst das verheißene Erbe empfangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 19. Sonntag im Jahreskreis
Wir bitten dich, Herr, unser Gott,
der Heilige Geist erfülle uns
mit dem Reichtum seiner Gaben.
Er schenke uns eine Gesinnung, die dir wohlgefällt,
damit wir deinem Willen immer mehr entsprechen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 7. Donnerstag der Osterzeit
Gott,
du Herr allen Lebens,
durch die Taufe schenkst du deiner Kirche
Jahr für Jahr neue Töchter und Söhne.
Gib, dass alle Christinnen und Christen
in ihrem Leben dem Sakrament der Taufe treu bleiben,
das sie im Glauben empfangen haben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Ostermontag
Allmächtiger, ewiger Gott,
wir dürfen dich Vater nennen,
denn du hast uns an Kindes Statt angenommen.
Gib, daß wir mehr und mehr
aus dem Geist der Kindschaft leben,
damit wir die wahre Freiheit finden
und das unvergängliche Erbe erlangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 2. Montag der Osterzeit
Gott unser Vater,
durch die Taufe deines Sohnes offenbarst du uns deine unendliche Liebe.
Wir bitten dich:
Erneuere auch mit uns den Bund, den du uns in der Taufe zugesagt hast,
und erneuere uns durch die Kraft des Heiligen Geistes.
Darum bitten wir durch deinen eingeborenen Sohn Jesus Christus,
der uns Lebendigkeit verheißt in Zeit und Ewigkeit. – Amen.
Wir danken dir, Gott,
für deine Treue.
Für deine Zusagen,
die uns über schwere Zeiten tragen,
für deine Verlässlichkeit,
die uns einen weiten Raum gewährt.
Die erste Woche des neuen Jahres befehlen wir dir,
Fragen, die uns verunsicherten,
Diskussionen, die uns aufbrachten,
Gedanken, die sich im Kreise drehten.
Wir kommen als Gäste zu dir
und gehen als deine Freunde von hier.
Heute zeigst du uns Jesus, deinen Sohn.
Er ist das Licht der Völker,
er öffnet Augen,
er befreit Menschen
und die, die im Dunkeln sitzen,
führt er in das Leben.
Heute und in Ewigkeit.
Gott unser Vater,
du offenbarst uns deine grenzenlose Liebe in der Taufe deines Sohnes.
Trotzdem beschäftigen uns viele Sorgen und Nöte, die wir jetzt vor dich bringen im Gebet mit der ganzen Kirche:
Lasst uns beten für die Kirche und ihre Hirten,
dass sie mit Mut und Entschlossenheit den Heiligen Geist der Taufe in die Welt tragen.
Herr, erhöre uns!
Lasst uns beten für alle, die in diesem Jahr getauft werden,
dass sie in ihrem Glauben wachsen und die Liebe Gottes in ihrem Leben erfahren.
Lasst uns beten für die Eltern und Paten,
dass sie ihre Kinder im Glauben begleiten und zu Vorbilder im Gebet werden.
Lass uns beten für den Frieden in der Welt,
dass die Taufe ein Zeichen der Hoffnung und Versöhnung für alle Menschen wird.
Lass uns beten für die Verstorbenen, die durch die Taufe mit Christus verbunden sind,
dass sie in der ewigen Gemeinschaft mit Gott leben.
Guter Gott,
durch das Vorbild deines Sohnes wird die Taufe zu einem untilgbaren Prägemal für uns alle.
Erhöre deshalb diese Bitten und verbinde uns täglich neu mit dir in alle Ewigkeit. – Amen.
Johannes hat seinen Auftrag erkannt. Er tauft mit Wasser und so auch Jesus als Mensch unter den Menschen. Mit Christus kommt das Wirken des göttlichen Geistes in unser menschliches Dasein. Bitten wir mit und durch ihn den Vater um die Gaben des Heiligen Geistes:
Für alle Getauften um Weisheit und Einsicht, wie deine Frohbotschaft verstanden und verkündet werden kann.
Für alle Mächtigen um die Erkenntnis, wie sie durch ihre Entscheidungen in dieser Welt für alle Menschen Frieden und Freiheit ermöglichen können.
Für alle, die nach dem Sinn ihres Lebens suchen, um guten Rat und die Stärke, diesen umzusetzen und ihren persönlichen Lebensweg zu finden.
Für uns selbst um die Bereitschaft, das Wirken deines Geistes in den Fügungen des Lebens dankbar anzunehmen und deiner Weisheit zu vertrauen.
Für alle Verstorbenen, denen Jesus Christus durch seine Erlösung ewige Heimat bei dir ermöglicht hat.
In seiner Menschwerdung hat uns Jesus Christus in seine einzigartige Nähe zu dir hineingenommen.
Dir danken wir und loben und preisen dich jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Wir haben die frohe Botschaft gehört:
Siehe, das ist mein Knecht, den ich stütze;
das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen.
Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt,
er bringt den Nationen das Recht.
Wir beten
In vielen Ländern wird Menschen Unrecht angetan,
das Vertrauen in das Recht ausgehöhlt
und Recht gebeugt.
Gib den Menschen Mut, für ihr Recht zu kämpfen.
Die im Dunkel sitzen, führe ins Licht!
Viele Menschen werden um ihr Leben betrogen,
ihre Würde mit Füßen getreten,
ihre Geschichten weggeworfen.
Hilf uns, für sie einzutreten.
In vielen Biografien hat die Kirche Lebensmut verdunkelt,
mit Ängsten Schuldgefühle erzogen und
kindliches Vertrauen missbraucht.
Gib uns das offene Wort, Schuldige zur Rechenschaft zu ziehen.
Nationen stehen gegeneinander,
Autokraten gegen Demokraten,
Weltbilder gegen Weltbilder.
Schenke uns, Gräben zu überwinden.
In der Pandemie gehen Risse durch die Gesellschaft.
Menschen können nicht mehr miteinander reden,
ohne Feindbilder zu schaffen.
Dabei geraten immer mehr Menschen an ihr Limit.
Hilf uns, wieder zu einander zu finden.
Eine Stimme aus dem Himmel sprach:
Du bist mein geliebter Sohn,
an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.
Ihm vertrauen wir unsere Hoffnungen an,
ihn wollen wir hören,
ihn loben wir. - Amen.
Ob ein Kind oder ein Erwachsener getauft wird, es ist immer der Beginn neuen Lebens, eines Lebens in Gemeinschaft mit Gott und begleitet vom Beistand des Heiligen Geistes.
In diesem Geist lasst uns ihn bitten:
Für alle Kinder und Erwachsenen, die im kommenden Jahr getauft werden;
für alle Eltern, die sich entschließen, ihr Kind taufen zu lassen;
für alle, die darum ringen, einen Zugang zum Glauben zu finden;
für alle Patinnen und Paten,
für alle Religionslehrer:innen
und für alle, die andere auf ihrem Glaubensweg begleiten.
Für alle, die durch ihre Tätigkeit in Politik, Gesundheitsberufen, Justiz und Wissenschaft bei ihren schwerwiegenden Entscheidungen die Kraft und den Beistand deines Geistes benötigen.
Für alle, die ihre Taufberufung ernst nehmen und danach leben wollen,
aber sich dabei oft überfordert und kraftlos fühlen.
Für uns selbst, dass wir die anderen so annehmen und akzeptieren können, wie du uns annimmst.
Für alle, die im Glauben verstorben sind, dass ihr Leben mit dem Tod nicht vorbei ist, sondern von dir ewige Glückseligkeit erwarten.
Die Zusage deines Beistands gibt uns Mut zum Leben.
Dafür danken wir dir und loben dich jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Gott, unser Vater,
wir feiern den Tag,
an dem du Jesus als deinen geliebten Sohn geoffenbart hast.
Nimm unsere Gaben an
und mache sie zum Opfer Christi,
der die Sünden der ganzen Welt abgewaschen hat.
Er, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Taufe des Herrn
Vater im Himmel,
lege deinen Geist in unser Herz,
damit er uns belebe und heilige
und zu einer wahren Opfergabe mache für dich.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Amen.
MB Auswahl 9
Gütiger Gott,
nimm unsere Gaben an
und gewähre uns deinen Schutz,
damit wir die Taufgnade,
die wir empfangen haben, nicht verlieren
und zur ewigen Freude gelangen,
die du für uns bereitet hast.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Dienstag der Osteroktav
Herr, unser Gott,
das makellose Opfer läutere uns.
Es stärke uns mit der Kraft von oben
und schenke uns ewiges Leben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 7. Montag der Osterzeit
Herr, unser Gott,
heilige die Gaben, die wir darbringen,
und läutere unsere Herzen
im Feuer des Heiligen Geistes.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Votivmesse vom Heiligen Geist
Gütiger Gott und Vater,
du hast deinen Sohn im Jordan getauft und uns durch ihn das Geheimnis der Taufe offenbart.
Nimm die Opfergaben an, die wir dir darbringen, und führe uns durch die Kraft deines Heiligen Geistes zu dem Leben, das du uns in der Taufe geschenkt hast.
Heute und alle Tage unseres Lebens. – Amen.
Du, Herr, hast uns alles gegeben:
Deinen Geist, deine Liebe,
Brot und Wein.
Schenke, dass wir dich empfangen,
deinen Leib, dein Blut.
Wir geben dir unser Leben,
unsere Hoffnungen,
unseren Glauben.
Nimm uns an
In Christus,
unserem Herrn.
Jesus, bei der Taufe im Jordan kam der Heilige Geist in Gestalt einer Taube auf dich herab.
Komm auch jetzt in unsere Mitte.
Dein Heiliger Geist wandle Brot und Wein in deinen Leib und Blut.
Dein Heiliger Geist wandle auch unsere Herzen,
wenn wir dich empfangen.
Du bist unsere Mitte, du bist die Liebe.
Dir danken wir jetzt und in Ewigkeit. Amen.
(für die Wortgottesfeier ohne Priester)
Kehrvers:
Preiset den Herrn, denn er ist gut.
Danket dem Herrn, denn er ist gut. (ÖGL 875)
(oder GL 402)
Wir preisen dich, Vater,
für die Menschwerdung deines Sohnes,
für seine Geburt aus der Jungfrau Maria,
für sein Kommen in unserer Mitte.
Kehrvers
Wir preisen dich, Vater,
für Jesu verborgenes Leben in Nazareth,
für sein Heranwachsen im Licht deiner Liebe,
für sein Leben in der heiligen Familie.
Kehrvers
Wir preisen dich, Vater,
für die Offenbarung deines Sohnes am Jordan,
für sein Hinabtauchen in die Tiefen des Wassers,
für die Herabkunft des Heiligen Geistes.
Kehrvers
Wir preisen dich, Vater,
für jedes Wort aus dem Munde Jesu,
für sein heilendes und ermutigendes Wirken,
für die Zeichen seiner Herrlichkeit.
Kehrvers
Wir preisen dich, Vater,
für alle Macht, die du Jesus gegeben hast,
für seine Gegenwart in unserer Mitte,
für sein Kommen am Ende der Zeiten.
Kehrvers
Wir preisen dich, Vater,
durch ihn Jesus Christus, deinen Sohn,
im Heiligen Geist.
Und wir danken dir in alle Ewigkeit. Amen.
Danklied, z. B. "Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben" (GL 484)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater,
zu danken und deine Größe zu preisen.
Denn bei der Taufe im Jordan
offenbarst du das Geheimnis deines Sohnes
durch wunderbare Zeichen:
Die Stimme vom Himmel verkündet ihn
als deinen geliebten Sohn,
der auf Erden erschienen ist,
als dein ewiges Wort,
das unter uns Menschen wohnt.
Der Geist schwebt über ihm in Gestalt einer Taube
und bezeugt ihn als deinen Knecht,
den du gesalbt hast,
den Armen die Botschaft der Freude zu bringen.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Taufe des Herrn
Wenn du getauft bist
dann sei wie Feuer
glühend in Lust und Liebe
brennend für neue Ideen
lodernd in den Flammen der Fantasie
und voll Leidenschaft für deine Aufgabe
Wenn du getauft bist
dann sei wie Wasser
klar und tief in den Gedanken und Gefühlen
sprudelnd vor Lebendigkeit
und überströmend in Freundschaft und Güte
Wenn du getauft bist
dann sei wie Luft
leicht und frei für das Spiel deiner Träume
durchlässig für das Licht, das neu aufbricht
und wie kraftvoller Atem, der lebendig macht
Wenn du getauft bist
dann sei wie Erde
fest und sicher in deinen Schritten
in deinen Entscheidungen und Zielen
fruchtbar für das Aufkeimen neuer Hoffnung
und für das Wachsen und Aufblühen
von tiefem Glauben
und umfassender Liebe
Gütiger Gott,
du hast uns mit deinem Wort
und dem Brot des Lebens genährt.
Gib, daß wir gläubig auf deinen Sohn hören,
damit wir deine Kinder heißen und es in Wahrheit sind.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Taufe des Herrn
Herr, unser Gott,
du hast gewollt,
daß sich das Bild deines Sohnes
auspräge im Wesen der Getauften,
die du zu deinem Tisch geladen hast.
Ermutige uns, dem Evangelium zu folgen
und deinem Heiligen Geist Raum zu geben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Schlussgebete zur Auswahl 6
Barmherziger Gott,
wir haben den Auftrag deines Sohnes erfüllt
und sein Gedächtnis begangen.
Die heilige Gabe,
die wir in dieser Feier empfangen haben,
helfe uns,
daß wir in der Liebe zu dir und unseren Brüdern
Christus nachfolgen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 33. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger Gott,
in der Taufe hast du uns das Heil geschenkt.
Mache unsere Herzen würdig,
die Freude des kommenden Heils zu erlangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Dienstag der Osteroktav
Menschenfreundlicher Gott,
du hast uns durch die Feier des heiligen Sakraments gestärkt und erneuert.
So wie dein Sohn durch Johannes im Jordan getauft worden war, so lass uns durch deine Gnade immer tiefer in das Leben der Taufe eintreten und in deinem Licht leben.
Darum bitten wir dich durch Christus unseren Herrn. – Amen.
Für die Gemeinschaft,
Gott, die du uns schenkst,
danken wir dir.
Gemeinschaft mit dir,
Gemeinschaft untereinander.
Wir gehen jetzt wieder nach Hause.
An die Arbeit denken wir,
die vor uns liegt,
an die Menschen,
mit denen wir uns verabredet haben,
an die Aufgaben,
die noch auf uns zukommen.
Segne unsere Familien,
Kollegen und Freunde,
Nachbarn und Fremde.
Schenke uns ein Lächeln.
Dann können wir uns freuen
In Christus,
der dein Wohlgefallen mit uns teilt.
In Ewigkeit.
Gott, unser Vater,
segne euch mit allem Segen des Himmels,
damit ihr rein und heilig lebt vor seinem Angesicht. - Amen.
Er lehre euch durch das Wort der Wahrheit;
er bilde euer Herz nach dem Evangelium Christi
und gebe euch Anteil an seiner Herrlichkeit. - Amen.
Er schenke euch jene geschwisterliche Liebe,
an der die Welt die Jünger Christi erkennen soll. - Amen.
Das gewähre euch der dreieinige Gott,
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. - Amen.
MB Feierlicher Segen im Jahreskreis 6
Der Engel Gabriel ward gesadt - Teil 1 der Lieder "Auserkoren"
Liedblatt als PDF herunterladen
Wie viele Wege muss ein Mensch erst gehen? - Teil 2 der Lieder "Auserkoren"
Liedblatt als PDF herunterladen
(c) Text und Musik von Reinhardt Burchhardt, Warbug 2005.
du
geliebter Sohn Gottes
du
der du kamst in unser Menschsein
du
auf dem der Zuspruch
des Hl. Geistes liegt
du
der Gerechtigkeit
verheißt
allen Nationen
du
brauchst kein Geschrei in den Straßen
machst dich nicht mit Lärm bemerkbar
du
lässt dich auch mit leiser Stimme hören
erreichst meine innere Taubheit
bist in meiner Sprachlosigkeit
du
fasst mich bei der Hand
wo ich zu versinken drohe
du
öffnest mir die Augen
wo Blindheit mich schlägt
du
holst mich
aus meiner inneren Gefangenheit
und
führst mich
in die Freiheit
der Kinder Gottes
du
lässt meine kleines Licht
nicht verlöschen
sondern
führst mich
in den Glanz
der göttlichen
Liebe
DU
nimm mich
und führe mich
Beatrix Senft (2021)
hinabgestiegen in den Jordan,
ER ist hinabgestiegen
in das Wasser des Jordan
in die tiefen Abgründe der Seele
in die abgewaschenen Sünden
der Vorgänger
ER hatte keine Ängste
vor Sünden, Finsternis und Tod.
Er stieg hinab
um vom Heiligen Geist
berührt zu werden
um die Bestätigung zu hören:
„Du bist mein geliebter Sohn“
Ilse Pauls (unveröffentlicht)
Gott und Mensch
vertiefen ihr JA zueinander
brennen füreinander
TAUFE
ist Berührung
zwischen Schöpfer und Geschöpf
innige intime Augen-Blicke
Gebunden
an Gottes bedingungslose Liebe
bin ich gehalten
mein Leben lang
gehalten und geschützt
frei mein Leben zu gestalten
meinem Leben
eine würdevolle Gestalt zu geben
Taufe stärkt
und feuert den Geist an
den Geist des Mutes
in allen Lagen
menschlich zu bleiben
Taufe ist Auftrag
Was wäre mein Leben
ohne göttlichen Funken
und ohne Auftrag?
Taufe - die göttliche Begabung
lebt sie - in mir?
Mit beiden Beinen auf dem Boden
oder im Wasser - wie Jesus
über mir der geöffnete Himmel
Eingetaucht
in belebendes Wasser
inspiriert und gestärkt
von feurigem Geist
und vor allem – geliebt
Ich stell mich neu
meiner kraftvollen Erneuerung
für meinen Auftrag – heute
Kenn ich ihn?
Durch meine Arbeit
durch meinen Beruf
durch meine Alltagsaufgaben
hindurch
Wofür hat Gott mich
begabt?
Ausgelöst durch das lichtvolle:
DU GEFÄLLST MIR
zugesagt
aus dem geöffneten Himmel
Stellen wir uns vor
ALLE Getauften
alle CHRISTINNEN und CHRISTEN
das „christliche Europa“
handelt christlich ...
Reicht mein Vorstellungsvermögen
um mir vorzustellen
was wir gemeinsam vermögen (würden)
an würdevollem MENSCH-SEIN?
Ich stell mich heute neu
unter den geöffneten Himmel
Dort - wo ich lebe
So vermag ich es
mich MEINEN Herausforderungen zu stellen

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
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Im ersten "Gottesknechtlied" (Jes 42,1-9) erfolgen die Vorstellung und Beauftragung des Knechtes. Er ist gewissermaßen das Werk Jahwes, von ihm erwählt und sein Knecht. Im Mittelpunkt steht aber nicht das "Untergebensein" des Knechtes, sondern die Zugehörigkeit und Geborgenheit beim Herrn. Dieser Knecht findet seine Aufgabe und Bestimmung - ähnlich wie bei Mose oder David - im "Dasein" für andere. Gott präsentiert ihn wie einen König (vgl. 1 Sam 9,15-17) und erwählt ihn frei aufgrund seines Willens - ohne jegliche Vorleistungen durch den Knecht. Die Rede von seiner Erwählung dient der Legitimation des Knechtes und der Begründung seiner Aufgabe.
Weil Gott an ihm Gefallen gefunden hat, erwählte er ihn. Diese Erwählung durch Gott läßt sich ebensowenig wie die Erwählung Israels hinterfragen. Diese Erwählung gilt aber nicht nur dem hier vorgestellten Knecht, denn es handelt sich nicht um eine vorübergehende Erwählung - wie beispielsweise bei den Richtern - sondern sie ist als dauernde Gabe, als besondere Form des "Mitseins Jahwes", zu sehen, die sich zugunsten anderer auswirkt.
Die Lesung ist ein Ebed-Jahwe-Lied (Knecht-Gottes-Lied). Ursprünglich wohl selbständig überliefert, gehören sie im Kanon der hebr. Bibel zum Buch des (2.) Jesaja (Jes. 40-55 - Exilszeit).
Jahwe stellt seinen Knecht zunächst vor: "Seht, das ist mein Knecht." Die Figur, die dazu passt, ist uns jedoch verborgen. In der Auslegungsgeschichte variieren die Vermutungen: war es eine einzelne Person? Oder vielleicht sogar das ganze Volk Gottes? Jedenfalls wird in der Vorstellung (mit dem Imperativ "Seht" eingeleitet) ein Gesicht erkennbar, dass in der christlichen Rezeption die Züge des Kyrios trägt, von dem es im Hymnus (Phil 2,6-11) heißt, er habe göttliche Gestalt gehabt...
Was enthält die Gottesrede über den Knecht? Er wird von Jahwe gestützt, er ist von Jahwe erwählt, an ihm findet Jahwe Gefallen, Jahwe hat seinen Geist auf ihn gelegt - und unvermittelt und überraschend: Jahwes Knecht bringt den Völkern das Recht. Er ist mit der höchsten Autorität ausgestattet, um den Völkern das Recht zu bringen. Jahwe selbst erscheint so als Garant des Rechtes.
In der hebräischen Sprache gehören Recht, Gerechtigkeit, Frieden, Heil zusammen. Der Knecht Jahwes ist Heilbringer für die Völker. Das bringt einen neuen Ton in die prophetische Botschaft, die sich an das Volk Israel in der Fremde richtet. Ob Israel in Babylon eine neue Rolle übernehmen soll? Nicht die Rolle des Opfers, sondern des Friedensstifters?
Der Knecht zerbricht das geknickte Rohr nicht, er löscht den glimmenden Docht nicht aus, er (selbst) wird nicht müde und bricht nicht zusammen - bis er auf der Erde das Recht begründet. Zur Krone des Ganzen wird: (Selbst) die Inseln warten auf ihn.
Jahwe sichert dem Knecht seine Berufung zu, überreicht ihm sozusagen die Ernennungsurkunde. Was Recht heißt, wird hier in einer umfassenden und universalen Aufgabe beschrieben: Bund für mein Volk - Licht für die Völker. Vertieft: blinde Augen zu öffnen, Gefangene zu befreien, alle, die im Dunkel sind, ins Licht zu führen.
In der lukanischen Jesus-Erzählung (Evangelium) werden Ebed-Jahwe-Lieder besonders an zwei Stellen aufgelesen: Einmal im Lobgesang des Zacharias (Benedictus), Lk 1,67-79, und zum anderen in der ersten Predigt Jesu in Nazareth, Lk 4,16-21. Die Geschichte Jesu wird so fest mit den Ebed-Jahwe-Liedern verknüpft.
Dieser Text wird Deuterojesaja zugeschrieben, einem unbekannten Propheten aus der Zeit der Babylonischen Gefangenschaft, als sich schon die Befreiung anbahnt. So spricht Deuterojesaja tröstend zu seinem Volk. Die Kapitel 40-55 werden nach ihren ersten Worten auch "Trostbuch Israels" genannt (vgl. die Alternativlesung des heutigen Tages Jes 40,1-5. 9-11). Beim vorliegenden Text handelt es sich um das erste der sog. "Gottesknechtslieder", die einen vollkommenen Jünger Jahwes vorstellen. Umstritten ist, ob es sich hierbei um die Personifikation der Gemeinde Israels, um eine Person der Vergangenheit oder Gegenwart wie etwa Deuterojesaja selbst oder den erwarteten Messias handelt. Die urchristliche Predigt und die Auswahl als heutige Lesung bezog den Text auf Jesus.
Unabhängig von der Beantwortung dieser Frage macht die Beschreibung des von Gott Beauftragten den Willen Gottes deutlich: Plastische Bilder und leidenschaftliche Worte zeigen, auf welche Weise Gott unsere Befreiung erreichen will und wie unser Heil aussehen soll. Der Gesandte Gottes will nicht wie ein fanatischer Heilsprediger Menschenmassen aufputschen und für seine Ideologie gewinnen (Vers 2). Stattdessen wendet er sich dem Einzelnen und Unvollkommenen zu und gibt ihm eine neue Chance (Vers 3) - anders als Moralprediger mit dem Standpunkt "Alles oder nichts!". Diese Behutsamkeit geht aber auch mit Ausdauer einher (Vers 4).
Die starken Bilder in Vers 7, die Jesus auch in seiner "Antrittspredigt" in der Synagoge von Nazareth zitiert (Lk 4,18), sprechen tiefgehende menschliche Erfahrungen von Befreiung an.
"Blinde Augen zu öffnen" kann bedeuten, vor eigenen "blinden Flecken" nicht länger die Augen zu verschließen und so seine Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Auch offene Augen für die Freuden und Nöte unserer Mitmenschen zu bekommen oder in ausweglosen Situationen neue Wege zu entdecken, können solche Heilungserfahrungen sein.
"Gefangene aus dem Kerker zu holen" meint unter anderem die Befreiung aus eingefahrenen Denk- und Verhaltensmustern, die ein erster Schritt sein kann, um verfahrene Situationen und Beziehungen zu lösen. Dazu zählt auch, wenn Menschen in einengenden Strukturen und Rollen in Familie, Beruf und Gesellschaft allmählich mehr Freiheit erfahren können.
Die Befreiung derer, "die im Dunkel sitzen", umfasst die Überwindung von Lebensphasen, die von Leid, Schmerz, Trauer, Einsamkeit und Angst geprägt sind.
All diese biblischen Bilder führen uns vor Augen, welches erfüllte Leben Gott für uns will. Um dies schon in diesem Leben zu verwirklichen, schickt er seine Beauftragten - und das kann jeder Mensch sein, der uns begegnet und uns zu mehr Freiheit führt.
Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr C 2/2006. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2006, S. 42-54.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive