Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Esra und Nehemia waren wichtige Personen für das Volk Israel nach der Heimkehr aus dem Babylonischen Exil. Sie halfen beim Wiederaufbau und brachten dem Volk die Weisung Gottes nahe, damit das Zusammenleben im Land wieder neu gestaltet werden konnte.
Lesung aus dem Buch Nehemia:
In jenen Tagen
brachte der Priester Esra
die Weisung vor die Versammlung,
Männer und Frauen
und überhaupt alle, die schon mit Verstand zuhören konnten.
Vom frühen Morgen bis zum Mittag
las Esra auf dem Platz vor dem Wassertor
den Männern und Frauen und denen, die es verstehen konnten,
daraus vor.
Das ganze Volk lauschte auf das Buch der Weisung.
Der Schriftgelehrte Esra stand auf einer Kanzel aus Holz,
die man eigens dafür errichtet hatte.
Esra öffnete das Buch vor aller Augen;
denn er stand höher als das versammelte Volk.
Als er das Buch aufschlug,
erhoben sich alle.
Dann pries Esra den HERRN, den großen Gott;
darauf antworteten alle mit erhobenen Händen: Amen, amen!
Sie verneigten sich,
warfen sich vor dem HERRN nieder,
mit dem Gesicht zur Erde.
Man las aus dem Buch, der Weisung Gottes, in Abschnitten vor
und gab dazu Erklärungen,
sodass die Leute das Vorgelesene verstehen konnten.
Nehemia, das ist Hattirschata,
der Priester und Schriftgelehrte Esra
und die Leviten, die das Volk unterwiesen,
sagten dann zum ganzen Volk:
Heute ist ein heiliger Tag zu Ehren des HERRN, eures Gottes.
Seid nicht traurig und weint nicht!
Alle Leute weinten nämlich,
als sie die Worte der Weisung hörten.
Dann sagte er zu ihnen:
Nun geht, haltet ein festliches Mahl
und trinkt süßen Wein!
Schickt auch denen etwas, die selbst nichts haben;
denn heute ist ein heiliger Tag zur Ehre unseres Herrn.
Macht euch keine Sorgen;
denn die Freude am HERRN ist eure Stärke.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Nehemia.
In jenen Tagen
brachte der Priester Esra
die Weisung vor die Versammlung,
Männer und Frauen
und überhaupt alle, die schon mit Verstand zuhören konnten.
Vom frühen Morgen bis zum Mittag
las Esra auf dem Platz vor dem Wassertor
den Männern und Frauen und denen, die es verstehen konnten,
daraus vor.
Das ganze Volk lauschte auf das Buch der Weisung.
Der Schriftgelehrte Esra stand auf einer Kanzel aus Holz,
die man eigens dafür errichtet hatte.
Neben ihm standen rechts Mattitja, Schema,
Anaja, Urija, Hilkija und Maaseja
und links Pedaja, Mischaël, Malkija, Haschum,
Haschbaddana, Secharja und Meschullam.
Esra öffnete das Buch vor aller Augen;
denn er stand höher als das versammelte Volk.
Als er das Buch aufschlug,
erhoben sich alle.
Dann pries Esra den HERRN, den großen Gott;
darauf antworteten alle mit erhobenen Händen: Amen, amen!
Sie verneigten sich,
warfen sich vor dem HERRN nieder,
mit dem Gesicht zur Erde.
Jeschua, Bani, Scherebja, Jamin, Akkub, Schabbetai,
Hodija, Maaseja, Kelita, Asarja, Josabad, Hanan und Pelaja,
die Leviten, erklärten dem Volk die Weisung;
die Leute blieben auf ihrem Platz.
Man las aus dem Buch, der Weisung Gottes, in Abschnitten vor
und gab dazu Erklärungen,
sodass die Leute das Vorgelesene verstehen konnten.
Nehemia, das ist Hattirschata,
der Priester und Schriftgelehrte Esra
und die Leviten, die das Volk unterwiesen,
sagten dann zum ganzen Volk:
Heute ist ein heiliger Tag zu Ehren des HERRN, eures Gottes.
Seid nicht traurig und weint nicht!
Alle Leute weinten nämlich,
als sie die Worte der Weisung hörten.
Dann sagte er zu ihnen:
Nun geht, haltet ein festliches Mahl
und trinkt süßen Wein!
Schickt auch denen etwas, die selbst nichts haben;
denn heute ist ein heiliger Tag zur Ehre unseres Herrn.
Macht euch keine Sorgen;
denn die Freude am HERRN ist eure Stärke.
Kv: Deine Worte, o Herr, sind Geist und Leben. – Kv
(oder GL 312,2)
Die Weisung des HERRN ist vollkommen und gut,
sie erquickt den Menschen.
Das Zeugnis des HERRN ist verlässlich,
den Unwissenden macht es weise. - Kv
Die Befehle des HERRN sind gerade,
sie erfüllen das Herz mit Freude.
Das Gebot des HERRN ist rein,
es erleuchtet die Augen. - Kv
Die Furcht des HERRN ist lauter,
sie besteht für immer.
Die Urteile des HERRN sind wahrhaftig,
gerecht sind sie alle. - Kv
Auch dein Knecht lässt sich von ihnen warnen;
reichen Lohn hat, wer sie beachtet.
Die Worte meines Munds mögen dir gefallen; /
was ich im Herzen erwäge, stehe dir vor Augen,
HERR, mein Fels und mein Erlöser. - Kv
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korinth.
Schwestern und Brüder!
Wie der Leib einer ist, doch viele Glieder hat,
alle Glieder des Leibes aber,
obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden:
So ist es auch mit Christus.
Durch den einen Geist
wurden wir in der Taufe
alle in einen einzigen Leib aufgenommen,
Juden und Griechen,
Sklaven und Freie;
und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.
Auch der Leib besteht nicht nur aus einem Glied,
sondern aus vielen Gliedern.
Wenn der Fuß sagt: Ich bin keine Hand,
ich gehöre nicht zum Leib!,
so gehört er doch zum Leib.
Und wenn das Ohr sagt: Ich bin kein Auge,
ich gehöre nicht zum Leib!,
so gehört es doch zum Leib.
Wenn der ganze Leib nur Auge wäre,
wo bliebe dann das Gehör?
Wenn er nur Gehör wäre,
wo bliebe dann der Geruchssinn?
Nun aber hat Gott jedes einzelne Glied so in den Leib eingefügt,
wie es seiner Absicht entsprach.
Wären alle zusammen nur ein Glied,
wo bliebe dann der Leib?
So aber gibt es viele Glieder
und doch nur einen Leib.
Das Auge kann nicht zur Hand sagen:
Ich brauche dich nicht.
Der Kopf wiederum kann nicht zu den Füßen sagen:
Ich brauche euch nicht.
Im Gegenteil,
gerade die schwächer scheinenden Glieder des Leibes
sind unentbehrlich.
Denen, die wir für weniger edel ansehen,
erweisen wir umso mehr Ehre
und unseren weniger anständigen Gliedern
begegnen wir mit umso mehr Anstand,
während die anständigen das nicht nötig haben.
Gott aber hat den Leib so zusammengefügt,
dass er dem benachteiligten Glied
umso mehr Ehre zukommen ließ,
damit im Leib kein Zwiespalt entstehe,
sondern alle Glieder einträchtig füreinander sorgen.
Wenn darum ein Glied leidet,
leiden alle Glieder mit;
wenn ein Glied geehrt wird,
freuen sich alle Glieder mit.
Ihr aber seid der Leib Christi
und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm.
So hat Gott in der Kirche die einen erstens als Apostel eingesetzt,
zweitens als Propheten,
drittens als Lehrer;
ferner verlieh er die Kraft, Machttaten zu wirken,
sodann die Gaben, Krankheiten zu heilen,
zu helfen, zu leiten,
endlich die verschiedenen Arten von Zungenrede.
Sind etwa alle Apostel,
alle Propheten,
alle Lehrer?
Haben alle die Kraft, Machttaten zu wirken?
Besitzen alle die Gabe, Krankheiten zu heilen?
Reden alle in Zungen?
Können alle übersetzen?
Strebt aber nach den höheren Gnadengaben!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Charismen bilden im 1. Korintherbrief einen wichtigen Teil. Die Kapitel 12-14 sprechen über sie. Nachdem in 1 Kor 12,4-10 verschiedene Gaben des Geistes genannt sind, werden sie eingeordnet in den Zusammenhang des Gemeindelebens. Gaben sind wichtig für den Aufbau der Gemeinde.
So ist es nicht nur wichtig, mit den Gaben verantwortet umzugehen, sondern es geht auch darum, diese Gaben einzusetzen. Was man nicht lebt und einbringt, fehlt der Gemeinde. Im Bild des Leibes steckt der Versuch, die gegenseitige Verwiesenheit und die Wichtigkeit jeder einzelnen Begabung deutlich zu machen.
Der 1. Korintherbrief gibt Einblick in das Leben und in die Probleme einer jungen heidenchristlichen Gemeinde, die Paulus 51 n. Chr. gegründet hatte. Der Brief ist zwei oder drei Jahre danach geschrieben. Den Anlass bildeten Fragen, die in der jungen Christengemeinde aufgetreten waren. Streitigkeiten und Spaltungen waren eingetreten, die das Weiterbestehen der Gemeinde gefährdeten.
Das Gleichnis vom Leib und seinen Organen, die alle ihren Dienst haben, veranschaulicht, wie die verschiedenen Geistesgaben in der Gemeinde notwendig und aufeinander angewiesen sind. Wer besondere Gaben hat, etwa die Gabe der Rede, hat keinen Grund, auf andere herabzusehen, die diese Gabe nicht haben, sondern soll ihnen dienen. Und wer die Gabe unscheinbarer Dienste hat, soll sich nicht zurückgesetzt fühlen.
"Strebt nach den höheren Gnadengaben" ist für Paulus ein Hinweis an die Gemeinde, den Blick auf die Kleinigkeit der menschlichen Auseinandersetzungen zu vergessen und sich an dem Maß Gottes zu messen. Dies führt die Gemeinde weiter.
Ganz entgegen der Praxis des römischen Reiches sieht die paulinische Kirchentheologie vor, dass sich alle vor Gott in Gnade eins wissen. Alle bringen sich nach ihren Fähigkeiten ein, welche von dem einen Geist verliehen sind. Paulus verdeutlicht dies mit der Metapher des einen Leibes und der vielen Glieder. Hier geht es um Gleichwertigkeit und Gleichwichtigkeit trotz aller Pluralität. Gerade die Schwächeren sind unentbehrlich und jedes Körperglied ist in seiner Eigenheit gefragt. Es zeichnet sich auch schon eine erste Aufgabenteilung in der Alten Kirche ab, in Apostel, Propheten und Lehrer. Dieser Text betont aber deren aller Ebenbürtigkeit.
© Claire Geyer, Pfarreihospitantin St. Peter u. Paul, Zürich.
Halleluja. Halleluja.
Der Herr hat mich gesandt,
den Armen die Frohe Botschaft zu bringen
und den Gefangenen die Freiheit zu verkünden.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
Schon viele haben es unternommen,
eine Erzählung über die Ereignisse abzufassen,
die sich unter uns erfüllt haben.
Dabei hielten sie sich an die Überlieferung derer,
die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren.
Nun habe auch ich mich entschlossen,
nachdem ich allem von Beginn an sorgfältig nachgegangen bin,
es für dich, hochverehrter Theophilus,
der Reihe nach aufzuschreiben.
So kannst du dich von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen,
in der du unterwiesen wurdest.
In jener Zeit
kehrte Jesus,
erfüllt von der Kraft des Geistes,
nach Galiläa zurück.
Und die Kunde von ihm verbreitete sich in der ganzen Gegend.
Er lehrte in den Synagogen
und wurde von allen gepriesen.
So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war,
und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge.
Als er aufstand, um vorzulesen,
reichte man ihm die Buchrolle des Propheten Jesaja.
Er öffnete sie
und fand die Stelle, wo geschrieben steht:
Der Geist des Herrn ruht auf mir;
denn er hat mich gesalbt.
Er hat mich gesandt,
damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe;
damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde
und den Blinden das Augenlicht;
damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze
und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.
Dann schloss er die Buchrolle,
gab sie dem Synagogendiener
und setzte sich.
Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet.
Da begann er, ihnen darzulegen:
Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt,
erfüllt.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Es sind zwei Elemente zusammengefügt: Die Einleitung in das Evangelium und Jesu erster öffentlicher Auftritt in der Synagoge seiner Heimatstadt. Dazwischen liegen die Kindheitsgeschichte Jesu, der Hinweis auf das Wirken Johannes des Täufers, die Taufe Jesu am Jordan und seine Versuchung. Alle diese Dinge sind Ausschmückungen des Evangeliums. Aber in der Linie des Lukas ist diese Textfolge stimmig: Wenn sich Theophilus von der Wirkung der Worte Jesu überzeugen soll, dann müssen auch Worte Jesu zuerst genannt werden.
Diese Worte sind Worte der Zuwendung Jesu an Menschen in Not. Sie sind programmatisch für das Lukasevangelium, wenn man auf das Sondergut des Lukas schaut, etwa sein 15. Kapitel mit den Gleichnissen vom Verlorenen. Sie sind an dieser Stelle komponiert aus drei verschiedenen Jesajastellen. Auch dies ein Zeichen für das Programmatische dieser Stelle.
Im heutigen Abschnitt des Evangeliums wird noch nicht deutlich, dass die Predigt Jesu neben dem Staunen auch große und massive Ablehnung hervorgerufen hat.
Im Vorwort zu seinem Evangelium spricht Lukas von seiner Arbeitsweise bei der Abfassung des Evangeliums und vom Ziel, das er dabei verfolgt: sich von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen lassen. Deshalb hat Lukas bei den Aposteln und sonstigen Augenzeugen alle erreichbaren Überlieferungen von Jesusworten und Jesuserzählungen gesammelt.
Im ersten Auftreten Jesu erzählt Lukas schon die theologische Intention seines Evangeliums. Er zeigt in Jesus den Heiland der Verlorenen, der sozial Entrechteten, der Frauen, der Zöllner und Sünder.
"Heute hat sich das Schriftwort erfüllt" zitiert frei den Propheten Jesaja Kap 61. Diese Stelle hat messianischen Charakter. Mit der Geistsalbung des Verheißenen hat diese Erfüllung schon begonnen. Der Geistträger heißt Jesus. Er – Jesus – setzt sich in Verbindung mit dem Propheten und nimmt seine Aufgabe als Messias an, auch in seinem eigenen Bekanntenkreis.
Der Prolog des Lukasevangeliums verbürgt die Authentizität des Berichts und gibt den Adressaten, möglicherweise den Auftraggeber bekannt. Wir erfahren, dass es bereits eine Traditionsbildung gibt, die eine mündliche Lehre und Unterweisung voraussetzt.
Wir erfahren des weiteren von dem Beginn der Lehrtätigkeit von Jesus. Er kehrt in seine Heimat zurück, wo er als Sohn Josefs bekannt war. Gerade hier offenbart sich in der lauten Lesung der Schrift die Gottheit Gottes in Christus. Jesus ist geradezu getroffen von dem Wort der Schrift. Der Moment der Erkenntnis wird mit dem Moment des Schließens des Buches pointiert. So gebannt wie Jesus von seinen inneren Empfindungen ist, so nehmen die Umstehenden daran teil, indem sie den Blick auf ihn richten. Diese erzeugte Erwartungshaltung löst sich durch die Interpretation der Situation: "Heute hat sich das Schriftwort erfüllt". Jesus erkennt sich in der Botschaft des Jesajas selbst darin, dass die Gnade Gottes durch ihn die Schuld erlässt und einen Neuanfang ermöglicht. Ein unerhörter Anspruch für damalige Ohren.
© Claire Geyer, Pfarreihospitantin St. Peter u. Paul, Zürich.
Dieser Sonntag greift zunächst den Beginn des Lukasevangeliums auf. Der Evangelist gibt sein Anliegen preis: Er möchte den Überlieferungen Jesu von Grund auf nachgehen – und er gibt auch Zeugnis davon, dass dies vor ihm schon andere gemacht haben. Er selbst greift ja auf das Markusevangelium zurück und macht es zur Grundlage seines Evangeliums. Adressat ist ein gewisser Theophilus, möglicherweise eine historische Person, sicherlich aber auch eine allgemeine Aufforderung an alle „Gottliebenden“ (Theophilus = Gottlieb).
Der Geist wirkt
Die liturgische Perikope überspringt dann einige Kapitel und setzt beim Anfang des Wirkens Jesu fort. Die vorangegangenen Ereignisse (Taufe mit Geistsendung und die Probe, ob dieser Geist auch etwas wert ist = Versuchungserzählung) haben den Geistbeschenkten gestärkt, und die Wirkung lässt nicht zu wünschen übrig. Sein Ruf verbreitet sich in ganz Galiläa.
Als gläubiger Jude findet sich Jesus auch in der Synagoge ein, in seinem Heimatort Nazaret (bei Markus als Stadt bezeichnet, zur Zeit Jesu aber ein Dorf). An diesem Sabbat ist Jesus an der Reihe, aus der Schrift zu lesen und zu dieser Stelle auch etwas zu sagen. Es wird ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht.
Das Programm Jesu
Den Text aus Jesaja hat wohl Lukas für seine Verkündigung bewusst gewählt. Mit dieser alttestamentlichen Ansage möchte er am Beginn des Auftretens Jesu zusammenfassend – gleichsam als Überschrift – für seine Hörenden oder Lesenden darstellen, wer Jesus ist und was er verkörpert: die Zuwendung und das Erbarmen Gottes mit den im Leben zu kurz Gekommenen. Das Gnadenjahr des Herrn wird darin ausgerufen. Damit könnte das im Buch Levitikus angeordnete Jubeljahr gemeint sein. In jedem 50. Jahr sollte es gefeiert werden und dabei aller Grundbesitz an die ursprünglichen Eigentümer zurückgegeben werden; außerdem sollten alle Schuldsklaven freigelassen werden. Allerdings ist bis heute unklar, ob dieses Jubeljahr tatsächlich jemals begangen wurde.
In der Kürze liegt die Würze
Anschließend hält Jesus die wohl kürzeste Predigt, die jemals gehalten wurde: Mit Spannung sind alle Augen auf ihn gerichtet. Sein vorauseilender Ruf gibt Anlass zu Erwartungen. Er aber stellt ganz kurz klar, dass alles, was die Anwesenden gerade gehört haben, sich heute erfüllt hat. Dieses Heute betont Lukas an einigen Stellen seines Evangeliums (z. B. bei der Verkündigung der Geburt Jesu in Lk 2,11; vgl. auch 19,5.9; 22,34; 23,43; 24,21). Er holt damit das Christusereignis in jede Zeit neu herein. Nicht irgendwann oder irgendwo sind diese Dinge geschehen, sondern sie ereignen sich jederzeit und an jedem Ort neu, wo Menschen sich auf die Begegnung mit Jesus einlassen, an diese Botschaft glauben und sie verwirklichen. Auch wir sind heute eingeladen, diese Frohbotschaft anzunehmen.
Ingrid Penner
In der Geschichte des Gottesvolkes des Ersten und des Neuen Bundes hat es immer wieder Zusammenbrüche und Neuaufbrüche gegeben. Immer wieder haben sich Menschen von der Kraft des Wortes Gottes neu ansprechen lassen und sind dem Ruf Gottes gefolgt. Das gibt uns Hoffnung auch in den gegenwärtigen Krisen der Kirche und der Gesellschaft.
Beim Abschiedsgottesdienst von Kardinal Erzbischof Christoph Schönborn im Wiener Stephansdom hat dieser eine bemerkenswerte Rede gehalten. Er begann seine Bilanz mit dem Faktum, dass in den drei Jahrzehnten seines Bischofsdienstes die Zahl der Katholiken in Österreich in einem besorgniserregenden Ausmaß zurückgegangen ist. Ohne Beschönigung beschrieb er diese bitte Tatsache und den gesellschaftlichen Wandel in den letzten Jahrzehnten. Dennoch habe er Hoffnung: Immer wieder erfahren Menschen mitten im Leben den Ruf Jesu "Folge mir nach!" wie damals der Zöllner Levi, den Jesus von seiner Tätigkeit weg in seine Nachfolge gerufen hat. Das sei die unerschöpfliche Ressource, aus der sich der Glaube in allen Generationen als neu und frisch erweist.
In den Lesungen dieses Sonntags hörten wir von vergleichbaren Situationen in der Geschichte des Volkes Gottes. Nach der endgültigen Zerschlagung der beiden Königreiche in Israel im 6. Jahrhundert vor der christlichen Zeitrechnung erhielten die Juden am Ende des Babylonischen Exil die Erlaubnis, Jerusalem und seinen Tempel neu aufzubauen. Dem äußeren Aufbau folgte ein innerer Aufbau des Volkes, das nun eine neue Identität zu finden hoffte. In der Lesung aus dem Buch Nehemia hörten wir, dass dazu dem Volk aus den alten Bundesbüchern die Weisungen seines Gottes vorgelesen wurden und dass die Menschen zutiefst von der Kraft dieser Worte berührt waren. Diese Erfahrung wurde zur Basis des Neubeginns.
Im Evangelium hörten wir vom ersten Auftreten Jesu in seiner Heimatstadt Nazareth. Voraus ging, dass König Herodes versuchte, Johannes den Täufer, von dem auch Jesus fasziniert war und zu dem er aufblickte, mundtot zu machen. Fürs Erste gelang ihm dies auch. Johannes wurde ermordet und alle seine Jünger zerstreuten sich. Für Jesus jedoch war dies der Impuls, in die Fußstapfen dieses Propheten zu treten.
Beim Synagogengottesdienst in Nazareth las er einen Abschnitt aus dem Buch Jesaja, in dem dieser zu seiner Zeit dem Volk Hoffnung machte und es in einer aussichtslosen Zeit aufzurichten suchte. Höhepunkt seines Auftritts in Nazareth war die Feststellung: "Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt." Von nun an begann er Jünger, die zuvor schon Interesse für Johannes den Täufer gezeigt hatten, und andere, die ein offenes Ohr für den Ruf Gottes hatten, aufzufordern, ihm zu folgen.
Kardinal Schönborn verwies in seiner Predigt auf die Neuaufbrüche, die auch in unserer Zeit zu beobachten sind. Auch heute gibt es Menschen, die nach tieferen Lebensinhalten suchen und die bereits sind, dem Ruf Jesu zu folgen. Er verwies auf die in den letzten Wochen präsentierte religionssoziologische Studie des Österreichischen Rundfunks und der Universität Wien "Was glaubt Österreich", die zur Überraschung vieler erhoben hat, dass junge Leute sich vermehrt mit religiösen Fragen beschäftigen. Der Satz aus dem Hebräerbrief "Lebendig ist das Wort Gottes, wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert…" (Hebr 4,12), scheint sich aufs Neue zu bewahrheiten.
Heißt das nun, wir können uns beruhigt zurücklehnen und warten, dass sich der gegenwärtige Trend weg von kirchlichen Bindungen umkehrt?
Der Satz "Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt", gilt auch uns heute. Wir sind herausgefordert das Heute ernst zu nehmen. Der Geist Gottes wirkte nicht nur im mutigen Auftreten Jesu damals. Der Geist Gottes wirkt auch heute. Er wirkt durch Menschen, die mutig dem Ruf Jesu folgen und sich nicht vom Zeitgeist mundtot machen lassen, sondern in ihrem Leben das Wirken des Geistes Gottes im Reich Gottes bezeugen.
Der Geist Gottes hat uns mit vielen Begabungen ausgestattet. Der Apostel Paulus nennt sie Gnadengaben, Charismen. Wo immer wir diese zum Aufbau des Leibes Christi einsetzen, wächst das Reich Gottes.
Das Hören und die Auseinandersetzung mit dem Wort Gottes ist nicht in erster Linie eine Beschäftigung mit der Geschichte. Es fordert uns heraus das Vernommene in der Gegenwart, im Hier und Jetzt für das eigene Leben und das Leben der Gemeinde fruchtbar zu machen.
Jeden Sonntag erfolgt eine "Einladung zum Stammtisch des Herrn" mit wertvollen Denkanstößen, die z.B. in der ersten Lesung, die vom Gesetz spricht.
Diese Lesung gibt ein gutes Beispiel für den Ablauf eines Wortgottesdienstes in der Synagoge. „Heute ist ein heiliger Tag zu Ehren des Herrn, eures Gottes….Nun haltet ein festliches Mahl und trinkt süßen Wein! Die Freude am Herrn ist eure Stärke." (Neh 8,9.10). Man kann diesen Satz schon als kleinen Hinweis auf unsere sonntägliche Eucharistiefeier sehen. Mit Freude, Zufriedenheit und ausgeruht, sollten wir wieder in den Alltag zurückkehren und nicht umgekehrt, erschöpft und müde ins sogenannte Wochenende fallen.
Wir können weiter fragen, wie unsere Sonntagskultur aussieht; mit Danksagung für eine Woche erfolgreicher Arbeit ohne unangenehme Zwischenfälle… Oder finden wir das alles selbstverständlich? Danksagung in der Gemeinschaft der Kirche als praktizierter Glaube, als Bedürfnis, das ohne Zwang zu tun. Voraussetzung dafür schafft der Leib Christi. Profan gedacht: Eine Gemeinde, eine Gesellschaft, ein Staat braucht nicht nur Ordnungsgrundsätze, sondern soll auch ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickeln, um zu überleben.
Die zweite Lesung stellt ausführlich das Bild vom „Leib Christi“ vor, der eine Einheit bildet. Umgelegt auf die Gesellschaft bedeutet das, dass wir unseren Talenten entsprechend zu unserem persönlichen Wohlergehen und auch zur Freude für uns selber und für andere Aufgaben in der Gesellschaft übernehmen. Die zweite Lesung des vergangenen Sonntags weist bereits auf die Gnadengaben hin, die wir am Beginn unseres Lebens mitbekommen haben und die wir im Lauf unseres Lebens durch Ausbildung und Weiterbildung ausbauen sollen. Es bedarf der richtigen Einsetzung der Talente, um ein gutes Miteinander zu garantieren.
Das zeigt auch das Evangelium sehr genau. Es geht um die Weitergabe der „Frohen Botschaft,“ bzw. der „Guten Nachricht“ und des Glaubens an die nächste Generation.
Zwischen dem Evangelium nach Markus und nach Lukas liegt ein Zeitabstand von ca. 15 Jahren. Markus hat keine Kindheitsgeschichte, beginnt sein Evangelium mit der Taufe Jesu. Lukas dagegen beschreibt nach den Kindheitserzählungen ausführlich das erste Auftreten Jesu in der Synagoge. Der erste Teil dieses Evangelienabschnittes führt uns Jesus als großen Bibelkenner vor Augen. „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.“ (Lk 4,21).
Wir könnten auch sagen, Jesus ist der Gencode zu Gott selber, weil er für uns Menschennatur angenommen hat. Es sind gute Gene, die da weitergegeben werden, und dennoch gibt es Ärger, wie kommende Schriftstellen zeigen werden. „Jesus Christus als Zugangscode zu Gott“ (siehe Kirchschläger Walter: Gottesgeschehen in Kontinuität - Das Alte Testament im Neuen, in: Dein Wort- Mein Weg, September bis November 2010). Heute ist diese Schriftstelle in Erfüllung gegangen. Das war das erste Auftreten Jesu in der Öffentlichkeit nach der Taufe, das berichtet wird und aus der Jesaja-Tradition stammt. Der „Knecht Gottes“ ist der Gesalbte, der Messias, so eine Lesart, weil er die Armen befreit, die Geschlagenen aufrichtet, eine Botschaft des Heils bringt. Dieses Heil gilt allen ohne Ausnahme, die es annehmen.
Das Heute hat bei Lukas eine weltgeschichtliche Dimension. Es ist nicht beschränkt auf das heutige Datum, das morgen schon wieder weg ist. Es ist ein Zeitraum, in dem wir und auch Generationen nach uns wirken können, weil uns die Lebenskraft Gottes durch den Heiligen Geist dazu befähigt. Es ist ein Heute, dem wir Gestalt geben können, wenn wir Gott im Wort bleiben. In diesem Wort Heute, liegt die Offenbarung, die Enthüllung Jesu. Es geht auch um die Chance und den Augenblick, besonders in gewaltigen Umbruchszeiten und vielen Krisen, sich von vielen Süchten und Abhängigkeiten zu befreien, das meint „Gefangenen die Entlastung zu verkünden“ (Lk 4,16), befreit werden etwa vom übermäßigen Konsum, vom Größenwahn des nie aufhörenden Wirtschaftswachstums, von der unheimlichen Gier, möglichst viel in diesem Leben zu genießen statt sich mit den letzten Dingen wie Tod, Auferstehung, Anbruch des Reiches Gottes auseinanderzusetzen.
Ich lade Sie ein, sich mit dem Wort Heute auseinanderzusetzen und zu überlegen, was dieser Begriff für Ihr Leben, für Ihre Lebensgestaltung bedeuten kann.
Die Freude an Gott ist unsere Kraft. Diese Erfahrung machte das Volk Israel, als es nach dem Exil an den Wiederaufbau Jerusalems und seines Tempels ging. Sendungsbewusst und erfüllt mit der Kraft des Heiligen Geistes tritt Jesus als Messias an die Öffentlichkeit. Paulus ist bemüht, die vielfältigen Kräfte, die in der Korinther Gemeinde zutage treten, zu bündeln und auf die Einheit der Gemeinde hinzuordnen. Und welche Kräfte motivieren uns heute?
Die erste Lesung aus dem Buch Nehemia berichtet, dass im Judentum am heiligen Tag die Weisung Gottes in Abschnitten vorgelesen wurde. Danach gab es eine Erklärung von kundigen Männern, damit die Leute das Vorgelesene verstehen konnten. Die Ähnlichkeit zu unserer Liturgie ist frappierend. Es zeigt uns, wie sehr unsere Gottesdiensttradition in der jüdischen verwurzelt ist.
Wir hören, dass das Vorgelesene die Zuhörer tief bewegt und zu Tränen gerührt hat. Waren es die manchmal gräulichen Erzählungen in den Schriften, die auch heute noch Zuhörer verstören? Oder hat der Blick auf das wiederholte Versagen des eigenen Volkes geschmerzt? Oder berührte die unbedingte Zuwendung Gottes so tief?
Viele Interpretationsmöglichkeiten stehen offen. Klar zum Ausdruck kommt aber, dass die Schriften schon damals erklärt werden mussten. Damit über der bewegten Geschichte des jüdischen Volkes nicht die wichtigste Botschaft vergessen wird: die Stärke dieses Volkes liegt in seiner Freude an Gott.
Die Freude am Herrn gibt dem Volk Israel nach der Rückkehr aus dem Exil die Kraft, neu anzufangen; etwas aufzubauen. Die Gesetze geben zwar den Halt und die Ordnung – und es braucht Gesetze und Regeln, wenn Menschen zusammenleben, auch in den Christengemeinden heute - aber Kraft zum Leben schöpfen wir heute und schöpften die Menschen damals nicht aus Gesetzen, aus Regeln oder Vorschriften, sondern Kraft schöpfen wir aus dem, was uns Freude macht und begeistert; was unser Inneres anspricht; wo unser Herz dabei ist.
Auch Jesus lebt die jüdischen Traditionen. Auf einem Besuch in seiner Heimatstadt Nazareth wird er gebeten in der Synagoge aus dem Buch Jesaja vorzulesen. Als er das Buch weglegt und alle Augen gespannt auf ihn gerichtet sind, braucht er für die Auslegung des Textes nur einen einzigen Satz: „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt“.
Er erklärt sich damit selbst als den Gesalbten, der erwartet wird, den Messias, der den Armen eine frohe Botschaft bringt, den Gefangenen die Entlassung verkündet, die Blinden sehend macht und den Zerschlagenen in Freiheit setzt. Ein Bote des Prinzips Hoffnung! So wie schon an den letzten 3 Sonntagen wird uns hier ein weiterer „Beweis“ für seine Messianität vorgelegt.
Heute erklärt Jesus seinen verdutzten Zuhörern, dass er der ist, von dem hier bei Jesaja die Rede ist. Das ist ein mutiger Schritt. Gerade in seiner Heimatgemeinde, die ja auch seine persönliche Glaubensgemeinde war, sollte der Rückbezug auf das Prophetenwort seine Berufung, seine Mission erkennbar machen. Viele, die dabei waren, freuten sich über den neuerlichen Erweis seiner Göttlichkeit und verstanden das „Neue“ und gleichzeitig „Alte“ an seiner Botschaft. Für manche aber war es unmöglich, in dem Zimmermannssohn, den sie seit seiner Geburt kannten, der für sie ein ganz gewöhnlicher Nachbar war, den versprochenen Messias zu sehen. - Wie wäre es wohl uns ergangen, wenn wir mit Jesus in Nazareth aufgewachsen wären?
Bis heute gibt es eine große jüdische Religionsgemeinschaft, die nach wie vor auf das Kommen des Messias wartet. Daneben gibt es die Christen sowie eine dritte Ausformung des Ein-Gott-Glaubens durch den Propheten Mohammed, den Islam. Diesen drei sogenannten Buchreligionen ist gemeinsam, dass sie an den einen Gott glauben, einen Gott, der Liebe ist und Barmherzigkeit.
Allen dreien ist aber auch gemeinsam, dass es vielfältige und unüberschaubar viele Ausformungen ihres ursprünglichen Glaubensweges gibt. Manche davon schaffen es, sich untereinander friedlich und in gegenseitigem Respekt zu begegnen. Aber es gibt in allen drei Religionen auch Spaltung und Feindschaft, bis hin zu Glaubenskriegen.
Verschiedenen Interpretationen gab es auch in den ersten Christengemeinden. Paulus hat sie zum Anlass genommen, dazu einen Brief an seine Gemeinde in Korinth zu verfassen.
Zunächst lobt er grundsätzlich jede Zusammengehörigkeit in Vielfalt, denn Vielfalt bedeutet Lebendigkeit. Dann zeichnet er jenes detaillierte Bild vom Leib, zu dem verschiedene Glieder gehören, die gerade in ihrer Unterschiedlichkeit wichtig sind, Jedes Glied braucht die anderen und jedes Glied braucht die Zugehörigkeit zu einem Leib. Jedes Glied besitzt eine besondere Gabe, die aber trotz aller Besonderheit allein nichts bewegen kann. Erst in einer Gemeinschaft mit den anderen, die sich auch an ihrer je besonderen Gnadengabe erfreuen, beginnt der Leib zu leben.
Es ist die Wertschätzung jedes Einzelnen für sein Tun, das erst in Bezug auf eine Gemeinschaft seinen wahren Wert erfährt. Gemeinschaften, die auf dieses Prinzip aufbauen, sind Friedensmodelle.
Bitten wir Gott um den Mut, unsere innerkirchlichen, ökumenischen, interreligiösen, interkulturellen, aber auch unsere zwischenmenschlichen und politischen Beziehungen nach diesem Bild zu leben.
Die Rede Jesu in der Synagoge von Nazareth provozierte die Menschen damals. Seine Botschaft ist auch heute noch eine provozierende Herausforderung an uns. Politisch liegt gegenwärtig eine "Option für die Reichen" in vielen Zusammenhängen im Trend. Dem steht Jesu "Option für die Armen" gegenüber Wir sind gefordert, diese HEUTE umzusetzen.
So kam er auch in seinen Heimatort und ging am Festtag in den Versammlungsraum. Dort reichte man ihm ein Buch zum Vorlesen. Er schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt: Der Geist des Kapitals ruht auf mir, denn die Finanzwelt hat mich gesalbt. Sie hat mich gesandt, damit ich den Armen verkünde: Ihr seid selbst schuld und ohne Fleiß kein Preis! Ihr wisst ja, Geiz ist geil und wir haben nichts zu verschenken. Sie hat mich gesandt, damit ich den Gefangenen sage:
Keine Gnade vor dem Recht! Keine Milderung der Strafe. Ihr seid ohnehin zu keiner Änderung fähig.
Den Blinden und Behinderten soll ich ausrichten: Tut mir leid für euch, aber so ist das Leben nun mal. Pech gehabt!
Sie haben mich gesandt, damit ich die Schwachen und Verzagten wegrationalisiere und ein Jubeljahr für die Starken und Mächtigen ausrufe.
Dann schloss er das Buch, gab es dem Diener zurück und setzte sich. Die Augen aller waren auf ihn gerichtet. Da begann er ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.
Voraussichtlich wird in diesen Tagen (Wochen) die Regierungserklärung der neuen Regierung in Österreich stattfinden. Auch die Angelobung des US-amerikanischen Präsidenten hat erst vor wenigen Tagen (am 20.1.) stattgefunden,
Immer wenn etwas Neues beginnen soll, ist es üblich und durchaus sinnvoll, einen Überblick über die wichtigsten Themen, Inhalte und Ziele zu geben. Was soll umgesetzt werden? Wofür oder Wogegen treten wir ein? Bis wann soll was verwirklicht sein? …
Auch Jesus scheint dies schon gewusst zu haben. Zumindest lässt der Evangelist Lukas Jesus am Beginn seiner Tätigkeit eine solch programmatische Rede in der Heimatsynagoge von Nazareth halten. Seine Rede ist überraschend kurz. Ihre Inhalte sind nicht mal neu, er findet sie ja schon beim Propheten Jesaja vor. Neu und für seine Zuhörer wohl überraschend, ist nur sein Kommentar dazu: HEUTE hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt ERFÜLLT. Damit erhebt er einen unerhörten Anspruch für seine Person: Ich beginne sofort und unverzüglich mit der Umsetzung und Verwirklichung der prophetischen Verheißungen! Es gilt keine Zeit zu verlieren – ab sofort geht es los! Und: Ja, ihr könnt den Erfolg sofort sehen und überprüfen!
Wenn wir noch mal einen Blick auf das, was sich da in Jesus erfüllt hat, werfen, ist es notwendig, sich auch bewusst zu machen, dass es dazu auch ein Gegenprogramm gibt. Ich habe versucht es in der Lesung zusammenzufassen.
Jesu Frohbotschaft steht eine gesellschaftliche Drohbotschaft gegenüber. Die Regierungserklärungen in Österreich und den USA verheißen für die Armen und Notleidenden wenig Gutes:
(Bitte je nach Regierungserklärung einfügen, das könnte möglicherweise sein: Sparpakete, Einstellung von Unterstützungen und Förderungen werden sich negativ auf ihre Lebenssituation auswirken. Und auch noch konkretere schon bekannte Maßnahmen können hier angeführt werden - Anmerkung Red.).
Nur so wird die Sprengkraft, die sich in Jesu Botschaft findet, deutlich sichtbar. Als Christ:innen leben wir in der Spannung zwischen einer „Option für die Reichen“, wie sie von vielen Politiker:innen vertreten wird, und der „Option für die Armen“, wie sie von Jesus programmatisch verkündet wird. Es geht ihm um einen grundlegenden Wandel der gesellschaftlichen Verhältnisse.
Im heutigen Evangelium ist die Kernbotschaft der ganzen Bibel auf den Punkt gebracht: Wo Gottes Wort wirksam wird, verändern sich die Verhältnisse von Grund auf. Es entstehen neue Lebensräume und neue Lebensmöglichkeiten eröffnen sich für die angesprochenen Menschen.
Dies wird in den Erzählungen des Evangeliums immer wieder spürbar, wenn sie davon berichten, wie Jesus den Menschen, heilend, aufrichtend, vergebend... begegnet. In diesen Begegnungen löst er seine programmatische Rede durch sein Handeln ein. Hier ist einer, der seine Versprechen auch einlöst! In Jesus wird spürbar, wie es ist, wenn der Himmel auf Erden Wirklichkeit wird.
Wie auch immer die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingen aussehen, eines muss klar sein: Uns als Christ:innen, uns als Kirche, die in der Spur Jesu leben wollen, muss dieses
„HEUTE hat sich ERFÜLLT“ der Maßstab des Handelns sein. Auch für unsere Zeit und Situation gilt das Kriterium der nachprüfbaren Lebensverbesserung für die Armen und Notleidenden. Nur wenn durch unser Handeln etwas von dieser Botschaft Jesu spürbar und erfahrbar wird, wird unsere Verkündigung glaubwürdig bleiben. Ich bin überzeugt davon, dass dies der einzige Weg ist, um die gegenwärtige Glaubwürdigkeitskrise der Kirche zu überwinden.
Wie könnte das konkret ausschauen? Ein paar Anregungen dazu: (gerne ergänzen)
Den Armen eine gute Nachricht bringen:
Caritas-Mitarbeiter:innen verteilen Lebensmittelgutscheine an bedürftige Menschen. Hilfstransporte in die Krisengebiete mit Lebensmitteln, Kleidern, Spielsachen, Haushaltsgegenständen usw. werden organisiert.
Sie können aber auch beim Einkauf von Kaffee, Schokolade, Bananen usw. auf das Fair Trade Siegel achten, die den Produzent:innen gerechte Preise garantieren. Nicht zuletzt wird im Teilen von Geld durch verschiedene Spenden ein Zeichen dieser guten Nachricht gesetzt.
Den Gefangenen Entlassung verkünden:
Strafentlassene haben es oft schwer, Arbeit und Wohnung zu finden, weil ihnen viele Vorurteilen entgegengebracht werden. Vorurteile zu hinterfragen, sich auf diesen konkreten Menschen mit seiner Lebensgeschichte einzulassen, ist sicher ein herausfordernder Prozess.
Sich für, wegen ihres Gewissens politisch verfolgte/eingesperrte Menschen und verfolgte Glaubensgeschwister einzusetzen, sollte für jede:n Christen:Christin ebenso selbstverständlich sein, wie das Engagement gegen Folter und Todesstrafe.
Den Blinden das Augenlicht verkünden:
Die Christoffel Blindenmission unterstützen, die in armen Gegenden kostenlose Augenoperationen anbietet.
Es gibt auch eine geistig-psychische Blindheit. Menschen, die keinen Ausweg sehen, die keinen Hoffnungsschimmer erkennen können, die frustriert resignieren wollen, Menschen eine neue Sichtweise auf ihre Probleme zu eröffnen, ist oft hilfreicher als so mancher Aktionismus. Das sehen zu lernen, was wirklich zählt und wichtig ist im Leben, kann neue Perspektiven eröffnen.
Die Zerschlagenen in Freiheit setzten:
Menschen, in ihrem Trauerprozess geduldig begleiten, ihre Tränen zulassen. Menschen, die an ihrem Selbstwert zweifeln, immer wieder ehrlich loben und bestärken. Einsamen, alten, kranken Menschen einfach ein wenig von der eigenen Lebenszeit schenken ...
Ein Gnadenjahr des Herrn ausrufen:
Hier bin ich mit meiner Weisheit auch am Ende. Mir ist nur ein Satz in den Sinn gekommen, der dieses „Heute hat sich erfüllt“ wohl ganz treffend umschreibt.
Er lautet schlicht und ergreifend: „ES GIBT NICHTS GUTES – AUSSER MAN TUT ES!“
© Herbert Altmann, Diözese Linz.
Kommunikation spielt in unserem modernen Leben dank der neuen Medien eine ganz große Rolle. Ihre leichte Verfügbarkeit verführt uns manchmal dazu, das Mitgeteilte nur oberflächlich wahrzunehmen oder gar zu entwerten. Was können wir tun, dass die vielen Worte nicht an uns wirkungslos vorbeiziehen? In Jesus ist das Wort Gottes an uns Mensch geworden. Der heutige Sonntag des Wortes Gottes will uns einladen, inmitten der vielen Worte in dieser Welt jene herauszuhören, die wirklich zählen.
In unserer Familie haben wir eine WhatsApp-Gruppe eingerichtet. Man kann nicht behaupten, dass alle Familienmitglieder mit wehenden Fahnen auf dieses Projekt aufgesprungen sind und es machen auch nicht alle mit. Aber es klappt ganz gut. Wenn wichtige Dinge rasch in der Familie mitzuteilen sind, hat sich das ganz gut bewährt. Ich weiß von Freunden, wo das ebenso gut läuft. Im Pfarrhaus bin ich in sechs oder sieben Chatgruppen drin - ich habe den Überblick verloren. Auch hier: Wichtiges und weniger Wichtiges ist rasch bei allen, die es interessieren soll. Diese Art der Kommunikation hat wahrlich viele Vorteile. So stehe ich doch öfters mit Verwandten in Deutschland oder Bekannten irgendwo in der Welt in Kontakt, die ich sonst wahrscheinlich aus dem Auge verlieren würde. Wichtiges kann auch sehr kurzfristig an den Mann oder die Frau gebracht werden.
Aber dennoch ist ein kritischer Blick auf eine solche Art der Kommunikation durchaus angesagt - abgesehen von Sicherheits- und anderen Aspekten. Wenn man so digital kommuniziert, passiert doch schnell Ähnliches wie bei jemandem, der von analoger Fotografie auf eine Digitalkamera umsteigt. Statt dass ich sechsundreißig Mal auf den Auslöser drücken kann und dann der Film voll ist und ich danach für jeden Bildabzug vierzig Rappen zahlen muss, betätige ich den Auslöser einer Digitalkamera hunderte Male und lösche einfach den größten Teil der Bilder, die ich nicht haben will, nachher wieder. Es kostet ja nichts… Aber es gilt auch: Ich investiere nicht so viel und bemühe mich viel weniger als zu früheren Zeiten. Klar, digitale Fotografie hat viele Vorteile - aber halt nicht nur.
So ist es auch bei der Kommunikation. Wir müssen mehr und mehr darauf achten, welchen Wert eine Konversation mit Anderen hat und noch viel mehr: welche Wertschätzung wir unseren Kommunikationspartnern und noch vielmehr: allem Kommunizierten entgegenbringen wollen. Kommunikation, die nichts kostet - weder Zeit noch Mühe oder sonstwas -, kann auch schnell einmal wertlos werden. Geradezu billig. In vielen Situationen unseres Lebens macht das vielleicht nichts: Schnelle und belanglose Kommunikation darf ja durchaus ein Teil unseres Lebens sein. Aber eben nicht zu oft. Ich merke immer mehr, wie es droht, dass die Wertschätzung des guten Wortes untergeht. - Der heutige Sonntag des Wortes Gottes warnt uns daher, mahnt uns und lädt uns ein zum gepflegten Umgang mit dem Wort. Vor allem eben: mit dem Gotteswort.
In der ersten Lesung haben wir dazu von einer sehr speziellen Hinhör-Situation vernommen. Wir befinden uns in der Mitte des fünften Jahrhunderts vor Christus. Die Zeit der Verschleppung des Volkes Israel nach Babylonien neigt sich dem Ende entgegen und der am persischen Hof arbeitende jüdische Staatsbeamte Esra wird nach Jerusalem entsendet, um dort der israelitischen Gemeinde, die aus der persischen Diaspora zurückgekehrt ist, beim Aufbau zu helfen. Und was hilft mehr beim Aufbau einer religiösen Gemeinschaft als das Wort Gottes. So hören wir heute, wie Esra der Gemeinde in einer Art Freiluftgottesdienst dieses Wort Gottes verkündet. Und anscheinend hat Esra zusammen mit dem Propheten Nehemia wohl eher die strengen Weisungen aus der Torah ausgesucht, denn es hieß, die Zuhörerschaft stand da in Tränen aufgelöst. Am Ende aber ließ er dann alle Anwesenden wissen: "Nun geht, haltet ein festliches Mahl und trinkt süßen Wein! [...] Denn heute ist ein heiliger Tag zur Ehre unseres Herrn. Macht euch keine Sorgen; denn die Freude am Herrn ist eure Stärke."
Die neue, wiederaufgebaute Jerusalemer Gemeinde soll dem Wort eine herausragende Wertschätzung entgegenbringen, die auch ein Ausdruck ihres Dankes gegenüber diesem Gott ist, der sie aus dem Exil zurückgeführt hat in die Heimat. Denn die Weisungen, die sie vernommen haben, sind es, die Rettung und Heil verheißen. Der Geist dieser Worte soll Wirkung zeigen und sie zu einem Volk zusammenführen, das jene Zukunft hat, die Gott dem Volk einst einmal - lange zuvor - versprochen hat und die durch das Babylonische Exil - äußerlich betrachtet - so furchtbar gefährdet war.
Für die neue nachexilische Gemeinde gilt dasselbe wie für die frühchristliche Gemeinde Jahrhunderte nach dem Exil: Die einzelnen Mitglieder dieser Gemeinde verbindet nicht Kultur oder Herkunft sondern vor allem der eine gemeinsame Glaube: "Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen", hieß es bei Paulus.
Es ist gut, all diese Reflexionen in Kopf und Herzen zu haben, wenn wir das Evangelium dieses Sonntags vernehmen, das uns einen Schritt weiterführt. Die Geschichte erzählt, wie Jesus in seine Heimatstadt kommt, um in der Synagoge zu lehren. Nur allein schon mit seiner Predigt bekommt die Bedeutung des Wortes eine ganz neue Dimension. Wenn wir den Prolog des Johannesevangeliums anklingen lassen, wo es heißt: "Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt", ist diese Erzählung mehr als nur jene von einer guten Predigt. In der Synagoge zu Nazareth verkündet Jesus nicht nur Gottes Wort, er ist es selbst. Er redet nicht von der Gnade Gottes, er ist diese menschgewordene Gnade. Und so kann Jesus am Ende der Szene dann auch sagen: "Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt."
Wenn wir uns im religiösen Kontext, in unserem Glaubensvollzug vom Wort berühren lassen, dann ist das alles, nur kein oberflächlicher Chat mit mehr oder minder interessantem Inhalt. Wenn wir uns vom Wort Gottes berühren und erfüllen lassen, dann ist das Offenbarungsgeschehen: Gott selbst kommt zu uns, tritt in unser Leben ein. Und dieses Wort lässt sich nicht so einfach wegklicken und der Bedeutungslosigkeit preisgeben, denn es ist lebensstiftend.
Davon geben alle Verkündigungstexte des heutigen Sonntags einen intensiven Eindruck. Der heutige Sonntag des Wortes Gottes will uns einladen, inmitten der vielen Worte in dieser Welt jene herauszuhören, die wirklich was zählen, die wirklich Göttliches verheißen, die unser Leben ausmachen. Und dazu bedarf es eben nicht nur flinker Fingerspitzen auf der Tastatur eines Smartphones, sondern noch viel mehr: wache Augen, offene Ohren und ein bereites Herz.
„Ereignisse, die sich unter uns erfüllt haben“ - darum geht es in den Evangelien, so auch bei Lukas, wenn er von seinen Erzählungen schreibt, dass sie zuverlässig sind im Bezug auf die Lehre, auf den Glauben an Jesus Christus. In den Evangelien wird der Glaube an den auferweckten Christus weitererzählt, verkündet. Die Erzählungen aus dem Leben Jesu sind den ersten christlichen Gemeinden nicht nur Erinnerung sondern auch Zeugnis für Christus, der unter ihnen lebt.
Gleich zu Beginn des Lukasevangeliums begegnen wir dem im Lukasevangelium häufig wiederkehrenden Wegmotiv, der Weg als eine Verbindung von Orten: Jesus geht von Galiläa zum Jordan, von dort in die Wüste, dann zieht er wieder nach Galiläa! Hin und zurück wahrscheinlich 2x 100 km! Was für eine Wegstrecke zu Fuß! Zeit genug um Klarheit zu finden, um sich bewusst zu werden, was stärkt mich, was bewegt mich, was treibt mich an!
Das Untertauchen Jesu im Jordan und die dort zugesagte Erfahrung, von Gottes Geist erfüllt zu sein, wirft sein Leben nach den Wüsten-Versuchungen nicht durcheinander, er lässt diese zurück. „Nach diesen Versuchungen ließ der Teufel bis zur bestimmten Zeit von ihm ab.“ (LK 4,13). Erfüllt vom Geist Gottes kehrt er nach Nazaret in Galiläa zurück, wo er aufgewachsen war.
Er, der in seiner Heimatstadt als Sohn Josefs bekannt war, „ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Für ein Mitglied der jüdischen Gemeinden ist es selbstverständlich, am Sabbat, dem siebten Tag der Woche, zum Gottesdienst in die Synagoge zu gehen.
Dass ihm im Gottesdienst die Schriftrolle gereicht wurde, entspricht dem Ritus eines Synagogen-Gottesdienstes. Jedes Mitglied kann dazu aufgerufen werden. Der Lesung aus der Tora folgt jeweils ein Text aus den Büchern der Propheten. Lukas schreibt, dass „ihm die Buchrolle des Propheten Jesája“ gereicht wurde.
Die Prophetenworte, die Jesus nun vorliest, beziehen sich auf seine eigene Gotteserfahrung, als der Himmel für ihn offen war und der Geist Gottes auf ihn herabkam. „Erfüllt von der Kraft des Geistes kehrte Jesus (vom Jordan) nach Galiläa zurück.“ (LK 4,14).
Die Worte des Propheten wirken nun wie ein Auftrag in ihm: Gott ruft ihn, das Gnadenjahr Adonais anzukünden, den Menschen, die am Leben in Fülle nicht Anteil haben können, weil sie arm, blind, gefangen, ausgestoßen... sind. Diesen gilt die Frohbotschaft, diesen gilt es, das Reich Gottes erfahrbar zu machen, ein Reich, das in jenen, die glauben, schon längst angebrochen ist.
Damit sind jene gemeint, die nach Gottes Willen leben, die umdenken, sich neu orientieren am Gnadenjahr/Jobeljahr Adonais. Das heißt konkret, sich für die Freiheit, die Erlassung von Schuld (Entschuldung) einzusetzen. Dieser Einsatz führt zu einer gerechteren Gesellschaftsordnung und zu verbindlichen Schutzrechten, tief verwurzelt im Glauben an einen befreienden Gott.
Diesen Ruf Gottes, von dem im Evangelium die Rede ist, zu hören, gilt auch uns. Wie können wir dazu bereit werden, diesen Ruf zu vernehmen, zu spüren?
Es ist vor allem eine innere Bereitschaft, auf momentane erkannte äußere Not, Sehnsüchte in uns und um uns wahrzunehmen, sich ihnen zu stellen und zu fragen, wie kann das Reich Gottes heute Gestalt annehmen?
Denn auch uns gilt, dass wir erfüllt und gestärkt durch Gottes Geist zur Nachfolge Jesu gerufen sind. Dann wird wahr, was Lukas schreibt: „Heute hat sich das Schriftwort erfüllt“ Heute kann ruhig als Momentaufnahme, als Augenblick im eigenen Leben gesehen werden, wo dieses Erfülltsein vom Geist Gottes mir selbst und anderen zum Guten gereicht.
Seien wir achtsam auf „Heute-Erfahrungen“. Sie führen zu erfüllten Momenten, erfüllten Zeiten in unserem und im Leben anderer Menschen.
Jesus, das fleischgewordene Wort Gottes, tritt in seiner Heimatstadt Nazaret zum ersten Mal öffentlich auf. Erfüllt vom Heiligen Geist, bezeugt er das Wirken des Wortes Gottes, von dem schon Jesaja spricht.
Wir hörten in der ersten Lesung Teile des 8. Kapitels aus dem Buch Nehemia, das uns ein Stück Liturgiegeschichte des Volkes Gottes zeigt, eine Sorge um den Kult, im Besonderen um den Sabbat. Nach dem Exil soll die Stadtmauer Jerusalems wieder aufgebaut werden, also harte Arbeit, die durch den „heiligen Tag“, den Sabbat, unterbrochen werden soll. Sabbat als wesentlicher Teil der Zugehörigkeit zum Glauben. Dabei wird vom Schriftgelehrten und Priester Esra und vom Statthalter Nehemia (auch Mundschenk des Königs) aus der Tora vorgelesen und das Volk als Wegweisung für sein Leben unterrichtet. Die Menschen sollen mit „Amen“ antworten als Bestätigung, dass man versteht, was geglaubt wird.
Das tun ja auch wir bei jeder heiligen Messe. „Amen“ es steht in sich fest, ich bestätige diese Worte. – Christentum als Bildungsreligion, auf das Wort, auf die Sprache kommt es an. „Verstehst du, was du liest?“ (Apg.8,26f), fragt Philippus den Kämmerer aus Äthiopien.
Wir gedenken in diesem Gottesdienst in besonderer Weise des „Wortes Gottes“ und befinden uns gleichzeitig in der „Gebetswoche für die Einheit der Christen“. Worte und Sprache, höchste geistige Fähigkeiten, die dem Menschen geschenkt wurden, sind leider auch Quelle allen Missverständnisses, Streit, Gezänk um Gottes Wort, Krieg darüber, wie es zu verstehen ist, auch was zum sogenannten Kanon gehört und was nicht.
Dieser Streit führte oft zur Spaltung. Der 1. Korintherbrief erinnert daran, dass uns die Taufe zu einem Leib verbindet: „Es ist e i n Leib mit vielen Gliedern. Wenn ein Glied krank ist, leiden die anderen mit.“ (1 Kor 12,26), also gegenseitige Verbindung, Abhängigkeit. Die „Gebetswoche für die Einheit der Christen“ zeigt die Sehnsucht nach Einheit, die sich durch alle christlichen Konfessionen zieht. Zielführend dabei ist, die Gemeinschaft zu fördern und nicht einander auszuschließen, zu exkommunizieren und den Kirchenbann anzudrohen; zugehen aufeinander und nicht losgehen. Das ist Dienst an der Einheit.
Lukas, der Evangelist und Chronist erinnert an die „ersten Augenzeugen und Diener des Wortes“, das er an Theophilus (=Gottesfreund) weitergibt, an einen Schüler, der offenbar das Christentum schon lange angenommen hat. Als "Theophilus", "Gottesliebhaber" kann sich auch jeder Leser des Evangeliums betrachten.
In diesem Evangeliumsausschnitt, den wir heute gehört haben, ist ein großer Sprung festzustellen. Die Kapitel 2 und 3, also Kindheitsgeschichte und Taufe Jesu, bleiben weg, haben wir bereits gehört. Jesus beginnt zu lehren. „Sein Ruf verbreitete sich in der ganzen Gegend.“ (Lk 4,14), und er wurde gepriesen, weiters hören wir: „Der Geist des Herrn ruht auf ihm, von der Kraft des Geistes getrieben.“ Jesus spricht und handelt im Auftrag des Vaters, also e i n s t i m m i g. Er verkündet den Armen die Frohe Botschaft.
Armut hat verschiedene Facetten: materielle, körperliche, geistige Armut, die den Sinn des Lebens nicht mehr kennt, die Verzagtheit und Depression herbeiführt. Gebeugte aufrichten, Gefangene zu befreien, gemeint sind nicht so sehr Menschen, die tatsächlich einsitzen müssen, sondern Befreiung von mancher Last des Alltags, Befreiung aus dem Gefängnis von Süchten und Lastern, von allem, was Menschen unfrei macht.
Jesus liest aus dem Evangelium des Alten Testaments, aus dem Buch Jesaja, vor. Seine kurze Auslegung liegt im Wort HEUTE. „Heute hat sich das Schriftwort erfüllt.“ (Lk 4,21). Es geht dabei nicht um ein genaues Datum mit Uhrzeit, sondern Jesus will damit sagen, das Reich Gottes ist schon da, noch deutlicher: Es ist durch mich bereits angekommen. Schau auf die Welt mit ihren Dunkelheiten und Schönheiten und sei wachsam, beobachte genau, nütze die Gelegenheit zum Guten, den Kairos, könnte man sagen.
Das Trostwort liegt in der Befreiung. Sie wird kommen, Lasten werden abgenommen, die Wahrheit wird siegen, der Friede wird Wirklichkeit (= wirksam), somit ein guter Wunsch, eine gute Nachricht, eine freudige Botschaft, auch für das noch junge Jahr 2022.
In der Synagoge seiner Heimatstadt kündigt Jesus sein Programm an. Er ist gekommen, um das zu verwirklichen, was der Prophet Jesaja angekündigt hat. In diese seine Sendung will er uns alle ein-beziehen.
Jesus knüpft in seiner Predigt an die jüdische Tradition an. Gestützt auf den Propheten Jesaja entwirft er gesellschaftliche Utopien und stellt die Armen und Besitzlosen in die Mitte. Seine Botschaft ist an uns alle gerichtet. Als Leib Christi sind wir als Gemeinschaft der Kirche gefordert, an dieser neuen Welt mitzubauen.
Jesus überrascht seine Nachbarn als heimkehrender Wanderprediger. Er legt ihnen sein Gottesbild dar: Ein Gott der Armen, der sich um die Schwächsten kümmert. Dieses Gottesbild ist Anlass zu Freude, die aus der Tiefe des Glaubens kommt. Diese Freude zu zeigen ist Sendung der Getauften.
Die Texte der Hl. Schrift erscheinen uns oft so bekannt, dass wir nicht mehr gespannt auf sie hinhören. Neugierde und Vertrauen machen uns zu gespannten Zuhörern, die Zuversicht aus dem Hinhören auf das Wort Gottes schöpfen.
In der Weltgebetswoche um die Einheit der Christen schauen wir darauf, was uns mit den Christen anderer Konfessionen verbindet, weniger darauf, was uns trennt. Im Hinblick auf das anstehende Gedenkjahr – 2017 sind es 500 Jahre seit dem berühmten Thesenanschlag Luthers – besinnen wir uns darauf, dass wir durch die eine Taufe zum Leib Christi gehören.
Seit 2020 feiert die Kirche am dritten Sonntag im Jahreskreis den Sonntag des Wortes Gottes. Papst Franziskus schreibt dazu in seinem Erlass: "Jesus Christus klopft durch die Heilige Schrift an unsere Tür; wenn wir zuhören und die Tür des Geistes und des Herzens öffnen, dann tritt er in unser Leben ein und bleibt bei uns."
(Papst Franziskus, Motu Proprio Aperuit Illis (2019)).
Jesus Christus,
menschgewordenes Wort vom Heil.
Herr, erbarme dich.
Jesus Christus, du hast unter uns gewohnt.
Christus, erbarme dich.
Jesus Christus,
wir haben deine Herrlichkeit geschaut.
Herr, erbarme dich.
Der gute Gott erbarme sich unser
er befreie uns durch sein Wort vom Heil
er lasse uns alle Schuld und Sünde nach
und führe uns zum ewigen Leben. – Amen.
Jesus Christus,
gesandt aus der Liebe des Vaters
und erfüllend seinen Willen.
Herr, erbarme dich.
Jesus Christus,
gestärkt durch die Kraft des Hl. Geistes
hast du dich auch den Schattenseiten der Welt gestellt.
Christus, erbarme dich.
Jesus Christus,
du hast jeden Menschen in den Mittelpunkt deiner Aufmerksamkeit gestellt
und keinen abseits stehen lassen.
Herr, erbarme dich.
Allmächtiger, ewiger Gott,
lenke unser Tun nach deinem Willen
und gib,
daß wir im Namen deines geliebten Sohnes
reich werden an guten Werken.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.
MB 3. Sonntag im Jahreskreis
Ewiger Gott.
Du selber hast uns hier zusammengeführt,
um mit uns zu reden und mit uns Mahl zu halten.
Stärke in uns die Zuversicht,
daß diese Feier sich bei dir vollenden wird -
in dem Leben, das du uns heute versprichst
und dessen Speise du uns heute gibst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Amen.
MB Auswahl 36
Gott,
du hast uns verschiedene Gaben geschenkt.
Keinem gabst du alles - keinem gabst du nichts.
Jedem gibst du einen Teil.
Hilf uns, dass wir uns nicht zerstreiten,
sondern einander dienen mit dem,
was du einem jeden zum Nutzen aller gibst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Amen.
MB Auswahl 14
Allmächtiger, ewiger Gott,
der Heilige Geist, der von dir ausgeht,
erleuchte unser Herz und unseren Sinn.
Er führe uns in die volle Wahrheit ein,
wie dein Sohn verheißen hat,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Votivmesse vom Heiligen Geist
Gott,
die Botschaft und das Lebensprogramm
deines Sohnes verpflichten auch uns.
Gib uns die Kraft,
auf sein Wort zu hören und schenke uns
Freude in seiner Nachfolge.
Durch ihn, Christus, unseren Herrn.
Gütiger Gott
dein Wort ist Licht und Wahrheit
es leuchtet uns all unseren Wegen.
Erfülle uns immer wieder
mit dem Geist deiner Botschaft vom Heil.
Mach uns hellhörig und empfindsam für das,
was du uns sagen willst.
Lass uns immer besser dein Wort der Wahrheit
unter den vielen Worten dieser Welt heraushören.
So bitten wir durch Jesus Christus. – Amen.
Guter Gott
stärke den Glauben in uns
und wie du mit dem Ruf „Effata“ dem Taubstummen
Ohren und Mund geöffnet hast,
so öffne auch uns Ohren und Mund,
dass wir dein Wort vernehmen und den Glauben bekennen
zum Heil der Menschen und zum Lobe Gottes. – Amen.
Guter Gott,
am Beginn der neuen Woche halten wir dir alles hin,
was ersehnt und erhofft,
was erfüllt und unerfüllt ,
was gelungen und misslungen ist.
Alles legen wir in deine Hände
und beginnen diese Woche mit dieser Feier.
Halten ein festliches Mahl mit deinem Sohn,
Jesus Christus,
lassen uns einladen ihm zuzuhören
und mit und durch ihn gesättigt zu werden.
Für alle deine Wohltaten danken wir dir,
heute und für alle Zeit.
Im Wort der Hl. Schrift spricht uns Gott selbst an. Bitten wir ihn um die unserer Zeit entsprechende Deutung seiner Worte und unsere Bereitschaft, ihm darauf persönlich zu antworten:
Für deine Kirche, die dein Wort gemeinsam hört, sich in ihm der ganzen Menschheit verbunden weiß und so dein Reich in unserer Zeit formt.
Für unser Zusammenleben in Europa, das sich auch heute noch christlichen Werten verbunden fühlt und für die Rechte aller Menschen einzutreten versucht.
Für alle, die sich durch die Worte der Schrift in ihrer Spiritualität berührt fühlen und Sehnsucht nach der Freiheit und dem Gottvertrauen der Kinder Gottes haben.
Für uns selbst, wenn wir in den uns überlieferten Texten der Schrift trotz aller uns oft fremd erscheinenden Art der Darstellung ernsthaft nach deiner Botschaft für unser Leben suchen.
Für unsere Verstorbenen, dass du sie den Weg zur ewigen Anschauung deiner Größe führst.
Wir danken dir für dein Wort, das in Jesus Christus unsere menschliche Natur angenommen hat und weiterhin in der Hl. Schrift unter uns gegenwärtig ist. Dir sei Lob, Preis und Ehre jetzt und allezeit. - Amen.
Guter Gott,
wir hören dein Wort, das Leben verheißt.
Dennoch spüren wir immer wieder unsere Grenzen
und so bitten wir dich:
Wir beten für alle, die dein Wort verkünden.
Lass sie deine Botschaft mit Hirn und Herz erfassen und ihre Zuhörer verstehen.
Wir beten für die Menschen, die ihr Leben aus deiner guten Nachricht heraus gestalten:
Hilf ihnen, diesen Pfad, der zum Leben führt, nicht zu verlassen.
Wir beten für die vielen, die deine Botschaft nicht hören können oder wollen.
Lass deinen Heiligen Geist in ihnen wirken.
Wir beten für all jene, die dein Wort missbrauchen, um Unheil zu stiften:
Lass sie umkehren und zu Friedensstiftern werden.
Wir beten für alle, die ein Leben lang auf deine Botschaft von der ewigen Herrlichkeit gesetzt und ihr Leben so vollendet haben:
Schenke ihnen einen Platz in deinem Reich.
Allmächtiger und gütiger Gott,
dein Wort verheisst Wahrheit und Erkenntnis für unser Leben.
Höre unsere Bitten, erfülle uns mit deinem Geist
und führe uns auf rechte Wege unseres Leben.
In Christus, unserem Bruder und Herrn. – Amen.
Gott spricht sein Wort in unser persönliches und alltägliches Leben hinein.
Wir dürfen mit unseren Worten unsere Bitten an ihn richten:
Für alle, die uns dein Wort in den Gottesdiensten vermitteln,
für die, die selbst davon so ergriffen sind, dass wir uns dabei persönlich angesprochen fühlen
und für die, die sich von deinem Wort ganz in Dienst nehmen lassen.
Für die, die deinem Wort in ihrem Alltag Platz einräumen,
die darauf hören und damit dir selbst in deinem Wort begegnen.
Für die neu geschaffene Institution des Klimarates in ihrem Bemühen, die Klimakrise abzuwenden
und für alle Christen, die ihr gesellschaftliches und politisches Engagement ernst nehmen.
Für uns selbst, wenn wir durch unsere Worte andere verletzen und dadurch Beziehungen zerbrechen.
Für alle, denen es gelingt, durch Worte Brücken zu bauen und Zuversicht und Freude zu verbreiten.
Für alle Verstorbenen, besonders für jene, die anderen nicht mehr das Wort der Versöhnung zusprechen oder empfangen konnten.
Im Wort der Schrift begegnest uns du und das Heil, das du für uns bereithältst.
Dafür danken wir dir und preisen dich jetzt und allezeit. - Amen.
Herr,
nimm unsere Gaben an und heilige sie,
damit sie zum Sakrament der Erlösung werden,
das uns Heil und Segen bringt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Sonntag im Jahreskreis
Herr und Gott,
du hast dir
das eine Volk des Neuen Bundes erworben
durch das Opfer deines Sohnes,
das er ein für allemal dargebracht hat.
Sieh gnädig auf uns
und schenke uns in deiner Kirche
Einheit und Frieden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 21. Sonntag im Jahreskreis
Gütiger Gott,
wir bringen die Gaben dar
für die Gedächtnisfeier unserer Erlösung.
Mache sie zum Sakrament,
das die Einheit bezeichnet
und uns in deiner Liebe zusammenschließt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Votivmesse von der hl. Eucharistie
Allmächtiger Gott,
wir legen unsere Gaben auf deinen Altar und bitten dich:
Dein Heiliger Geist wandle sie in die Gegenwart deines Sohnes.
Dieses Mahl, zu dem wir geladen sind,
sei uns ein Vorgeschmack deiner kommenden Herrlichkeit
Das erbitten wir durch Christus unseren Herrn. – Amen.
(für Wortgottesdienstfeiern):
Kehrvers: Dir sei Lob und Dank und Ehre!
Oder: Dankt dem Vater mit Freude, er schenkt uns seinen Sohn. (GL 633,8)
Gott und Vater,
in dieser heiligen Feier wollen wir dir unseren Dank
und unseren Lobpreis zum Ausdruck bringen.
Wir haben allen Grund dir zu danken.
Dein Wort weist uns den richtigen Weg
und gibt uns Halt und Zuversicht.
Kehrvers
Dein Sohn Jesus Christus ist für uns das lebendige Wort geworden.
Du hast ihn gesandt, uns deine Frohe Botschaft auszurichten.
Er öffnet uns die Augen und setzt uns in Freiheit.
Kehrvers
Durch ihn bist du unter uns gegenwärtig,
durch ihn schenkst du uns Freude und Kraft.
Kehrvers
Er hat uns in der Taufe in seinen Leib aufgenommen
Er hat uns mit dem einen Geist getränkt.
und mit seinen Gaben reich beschenkt.
Kehrvers
Für all das danken wir dir
und stimmen wir ein in den Lobgesang der ganzen Schöpfung.
Danklied, z. B. Nun singe Lob, du Christenheit (GL 487)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
In ihm hast du uns zur Erkenntnis der Wahrheit geführt und
uns zu Gliedern seines Leibes gemacht
durch den einen Glauben und die eine Taufe.
Durch ihn hast du deinen Heiligen Geist
ausgegossen über alle Völker,
damit er Großes wirke mit seinen Gaben.
Er wohnt in den Herzen der Glaubenden,
er durchdringt und leitet die ganze Kirche
und schafft ihre Einheit in Christus.
Darum preisen wir jetzt und in Ewigkeit
dein Erbarmen und
singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
MB: Von der Einheit der Christen
Wir danken dir, gütiger Vater, und preisen dich,
denn durch die Frohe Botschaft deines Sohnes
hast du Menschen aus allen Völkern und Sprachen
vereint in der Gemeinschaft der Kirche.
Durch sie, die aus der Kraft deines Geistes lebt,
führst du alle Menschen zur Einheit.
So bezeugt die Kirche deine Liebe
und schenkt allen die Hoffnung auf ewige Vollendung.
Sie wird zum Zeichen deiner Treue,
die du uns für immer versprochen hast
in unserem Herrn Jesus Christus.
Darum rühmen dich Himmel und Erde,
und mit der ganzen Kirche
singen wir das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
MB Besondere Anliegen 1
Der Herr hat Jesus gesandt,
den Armen die Frohe Botschaft zu bringen
und den Gefangenen die Freiheit zu verkünden.
(vgl. Lk. 4,18)
Oder:
Ich bin das Licht der Welt - so spricht der Herr.
Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis gehen.
Er wird das Licht des Lebens haben.
(Joh 8,12)
Oder:
Und das Wort ist Mensch geworden
und hat unter uns gewohnt.
(Joh 1,14)
In Jesus erfüllt sich Gottes Verheißung
er ist Licht auf dem Pfad unseres Lebens
sein Wort ist Geist und Leben
Er selbst ist das Wort
von Gott uns zugesprochen
damit wir hören und verstehen
Wir dürfen ihn als den begreifen
der uns an der Hand nimmt
und durch unser Leben zum Ziel führt
Herr
öffne Ohren und Herz
um dich zu hören
und deinem Wort zu vertrauen
Hilf uns
den Weg des Lichts zu gehen
Allmächtiger Gott,
in deinem Mahl
schenkst du uns göttliches Leben.
Gib, daß wir dieses Sakrament
immer neu als dein großes Geschenk empfangen
und aus seiner Kraft leben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Sonntag im Jahreskreis
Montag der 1. Woche
Allmächtiger Gott,
du hast uns das Sakrament der Einheit geschenkt.
Lass uns immer lebendige Glieder Christi bleiben,
dessen Mahl wir empfangen haben.
Darum bitten wir im Heiligen Geist
durch Christus unseren Herrn.
MB 5. Fastensonntag
Herr, unser Gott,
das heilige Mahl ist ein sichtbares Zeichen,
dass deine Gläubigen in dir eins sind.
Lass diese Feier wirksam werden
für die Einheit der Kirche
Darum bitten wir im heiligen Geist
durch Jesus Christus, unseren Herrn.
MB 11. Sonntag im Jahreskreis
Barmherziger Gott,
du hast uns teilhaben lassen
an dem einen Brot und dem einen Kelch.
Laß uns eins werden in Christus
und Diener der Freude sein für die Welt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 5. Sonntag im Jahreskreis
Guter Gott
wir haben deine Gegenwart im Wort vom Heil
und im Sakrament des Altares gefeiert.
Lass uns nun hinausgehen
und aus der Kraft leben, die wir von dir empfangen haben
und deine Botschaft weitertragen durch unser Beispiel.
So bitten wir durch Christus unseren Herrn. – Amen.
Vater im Himmel,
in deinem Sohn hast du uns eine Beispiel dafür gegeben,
dass wir deinen Willen nur erfüllen können,
wenn wir uns als ein „Gemeinsames“ sehen –
als ein „einer für alle, alle für einen“;
ob stark oder schwach,
ob Mann oder Frau,
ob Kind oder Greis.
Schenke uns wache Sinne
und die Kraft nach diesem, deinem Willen,
unser Leben und diese Welt zu gestalten.
Das erbitten wir
mit unserem Bruder und Herrn, Jesus Christus. – Amen.
Im Zeichen tiefer Dankbarkeit, nachdenklicher Rechenschaft und gläubiger Hoffnung hat Kardinal Christoph Schönborn am Samstag den Dankgottesdienst der Erzdiözese Wien angesichts der nahenden Emeritierung rund um seinen 80. Geburtstag am 22. Jänner gefeiert. Bei der Festmesse im Beisein der Spitzen von Staat, Kirchen und Religionen im Stephansdom richtete der Kardinal in seiner Predigt "einen dankbaren Blick auf unser Land, auf Österreich", aber auch auf die "tieferen Quellen der Hoffnung" anhand der biblischen Texte der Feier.
kathpress.at am 18.1.2025
Immer am 3. Sonntag im Jahreskreis feiert die katholische Kirche in Österreich den von Papst Franziskus ausgerufenen "Sonntag des Wortes Gottes". Der Bibelsonntag ist eingebettet in die österreichweite Bibelwoche. In seinem Apostolischen Schreiben "Aperuit Illis" hat Franziskus festgelegt, dass dieser Sonntag der Feier, der Betrachtung und der Verbreitung der Bibel gewidmet sein soll. Getragen wird dieser besondere Tag österreichweit von einer breiten Allianz aus Bischofskonferenz, Bibelwerk, kirchlichen Medien und Bildungseinrichtungen. Die Bischofskonferenz hielt fest:
"Christen sollen sich vom Wort Gottes begeistern lassen, weil es die bevorzugte Weise ist, wie sich Gottes Geist den Menschen mitteilt."
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Österreichisches Katholisches Bibelwerk, Jänner 2025.
Kirche feiert österreichweit ersten "Sonntag des Wortes Gottes" - Feldkircher Bischof schreibt Hirtenbrief zur Bedeutung der Bibel - Weihbischof Leichtfried in "Vatican News": "hellhörig werden und tiefer hinhören"
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Website Katholische Kirche Österreich am 24.1.2020.
APOSTOLISCHES SCHREIBEN IN FORM EINES "MOTU PROPRIO" DES HEILIGEN VATERS PAPST FRANZISKUS
“APERUIT ILLIS”
ZUR EINFÜHRUNG DES SONNTAGS DES WORTES GOTTES
Originaldokument
Gegeben zu Rom, bei St. Johannes im Lateran, am 30. September 2019.
HEUTE
kann es geschehen
Kaum zu glauben
oder doch?
Heute
könnten mir die Augen aufgehen
für das
was mir bislang verschlossen blieb
Heute
könnte sich Verworrenes lösen
Heute
könnte ich neu innere Freiheit verspüren
Heute
könnte ich mich von Gottes Geist
berühren und beleben lassen
HEUTE
könnte ich mir dafür Zeit nehmen
Einfach glauben
dass Gottes Geistkraft
nicht Theorie von gestern ist
sondern
erneuerbare Energie
das jedes Menschen-Herz
belebt!
„Durch IHN und mit IHM und in IHM“
tausend mal gehört
oft an mir vorbeigezogen
Teil des Hochgebetes eben
Formel
Lobpreisgebet
ja
Lobpreis
oder
MEHR?
Bekenntnis
mein zweites Glaubensbekenntnis?
ein tiefes Vertrauen!?
vielleicht auch ein Versprechen?
durch IHN
das heißt durch dich
JESUS
ist in die Welt gekommen
Gottes Wort
als neue Botschaft
als Botschaft
der Liebe
der Versöhnung
der Auf-richtung
der Über-windung
der Er-lösung
des Neu-werdens
mit IHM
das heißt
mit dir
JESUS
neue Augen bekommen
und
in deiner Nachfolge
den Auftrag annehmen
die Welt zu verändern
heraustreten aus dem
immer höher
immer schneller
immer besser
für mich und
die Meinen und
meiner Zeit
heraustreten
aus einer
Ellenbogengesellschaft
in der Geld und Macht den Ton angeben
mit dir
JESUS
die Welt neu gestalten -
Einhalt gebieten
allem
was gegen dein
LIEBESGEBOT
verstößt
in IHM
das heißt
in deine Herzensmitte
in deine Wesensmitte
JESUS
groß wie das Universum
geladen
zur Gemeinschaft
mit dir
und
meinen Mitmenschen
zur Gemeinschaft
in der jeder Platz nehmen darf
in der jeder Platz findet
um zu hören auf dein Wort -
ja
wirklich zu hören -
zuzuhören -
darauf
was DU uns zu-sprichst
und
was mein NÄCHSTER spricht
zu teilen
was uns Brot und Wein sein will
an deinem Tisch
und
am Tisch der Alltäglichkeit
eine Gemeinschaft
die uns auffordert:
einer trage des anderen Last
aber auch:
nimm teil an der Freude aller
wenn wir dich ernst nehmen
in dieser Aussage:
„durch IHN und mit IHM und in IHM“
ja
wenn wir uns
immer wieder
ernsthaft
darum bemühen
dann haben wir
dann hat diese Welt
dann hat diese Zeit
vielleicht eine Chance
die Zukunft aller zu tragen
dann wird aus unserem
HEUTE
vielleicht auch ein
MORGEN
rufe uns neu
dass wir
durch DICH
und
mit DIR
und
in DIR
eins sind
als deine
glaubhafte Zeugen
in der Welt
Beatrix Senft (2022)
Das HEUTE
ist dein Tag
Heute
will Gott in deinem Leben
wirksam werden
Heute gilt es
die geisterfüllten Augen-Blicke
nicht zu versäumen
Heute
gönne dir Zeit
über deinen Lebensauftrag
nachzusinnen
WOZU BIN ICH
GUT
in dieser Welt?
Heute
ruht der Geist Gottes
auf dir
der dich befähigt
deinen Auftrag
zu erkennen und zu leben
den nur DU leben kannst
Heute!
Aus Gnade – gratis!
Es wird sich erfüllen …
meine Erfahrung mit Jesus
Eine Beziehungsgeschichte
Meine Erfahrungsgeschichte
Berichtenswert
was sich ereignet und erfüllt hat
in meinem LEBEN
durch IHN
Mit Sorgfalt und von Grund auf
dem nachzuspüren
was er in mir und
durch mich be-wirkt
So beginnt Verkündigung:
nah dran sein
von IHM aus
gehend erfüllt
von der Kraft des Geistes
wird sich die Kunde verbreiten
denn
Gott hat mich gesalbt
und
gesandt
eine gute Nachricht zu bringen
in das Leben der Menschen von heute
Gute Nachrichten sind selten zu hören
in den allgegenwärtigen Medien
Dazu braucht es
kraftvolle VerkünderInnen
in Tat und Wort
WAS ist denn
meine gute Nachricht
HEUTE?

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Das Buch Nehemia gehört zum Chronistenteil des Alten Testaments. In der Zeit nach dem Exil suchte Israel neu seinen Platz und seine Form. 538 vor Christus erlaubte Kyrus die Rückkehr nach Jerusalem, 515 war der Tempel wieder aufgebaut.
Der Priester Esra kam von Babel nach Jerusalem, um das Gesetz zu verkünden. Es war der erneute Versuch, eine Alltagsordnung zu haben. Alltag war Alltag vor Gott, und das Gesetz gab an, was in diesem Alltag zu beachten ist: In dem Maß, wie das Gesetz als hilfreiche Lebensregel wahrgenommen wird, verbindet und ermutigt es.
Neh 8 zeigt uns Esra auf dem Höhepunkt seiner Wirksamkeit. Im 5. Monat des Jahres 458 (Esr 7,9) war der Schriftgelehrte Esra mit einer Gruppe von Juden aus Babel nach Jerusalem heimgekehrt. Er hatte vom persischen Großkönig Ataxerxes den Auftrag erhalt, der nachexilischen Gemeinde in Israel das Gesetz zu verkünden. Im 7. Monat ruft er das Volk zusammen, um in einer heiligen Versammlung den Gottesbund vom Sinai zu erneuern.
Neh 8,1-12 berichtet von der Verlesung des Gesetzes, die einer Bundeserneuerung gleichkam. Im Anschluss an dieses historische Ereignis feierte man das Laubhüttenfest. Das Wort Gottes hatte am Sinai das Volk zusammengerufen und zur Gottesgemeinde gemacht. Auch die Erneuerung des Bundes geschieht durch die Verkündigung des Gesetzes.
Die feierliche Entfaltung der Thora ist ein liturgischer Akt. Das ganze Volk erhebt sich, um dem Gotteswort seine Verehrung zu bezeigen. Dem Emporheben der Rolle folge ein kurzer Segensspruch, ein Lobpreis Jahwes. Darauf antwortet des Volk mit einem doppeltem Amen.
Die Gesetzesworte, die Esra vorlas, macht die Leute sehr betroffen – sie weinen. Er gebietet dem Weinen und Trauern Einhalt und weist auf den festlichen Charakter des Tages hin: Freude an Jahwe haben drückt sich auch aus, indem man gut isst und trinkt. "Die Freude am Herrn ist eure Stärke" fasst die Botschaft Esras an das Volk zusammen.
Esra und Nehemia werden von dem neuen persischen König Kyros entsandt, um das religiöse Leben aus der Gnade Gottes nach der Rückkehr aus dem Babylonischen Exil zu reinstallieren und das Leben wieder an den Gesetzen Gottes zu orientieren. Ein Erlass aller Schuld und Schulden wird eingeführt, das Jobeljahr, das alle 50 Jahre sich wiederholt.
Wir erfahren von dieser initialen Feier, ein frühen Beleg von liturgischer Praxis aus dem 4. Jhdt. v. Chr.: die Schriftlesung, das feierliche Amen, die Auslegung der Texte, die Verehrung des Buches, die Teilnahme unterschiedslos aller.
Das Wort Gottes berührt die Hörerinnen und Hörer so sehr, dass sie zu Tränen gerührt sind. Die Feierlichkeit des Wortes wird noch unterstrichen durch ein abschließendes Fest.
© Claire Geyer, Pfarreihospitantin St. Peter u. Paul, Zürich.
Die beiden Bücher Esra und Nehemia gehören eng zusammen und erzählen von der Situation der Rückkehrer aus dem Babylonischen Exil. Es wird in diesen Texten vom Aufbau Jerusalems erzählt, auf das Exil zurückgeschaut, aber auch in die Zukunft geblickt mit der Frage, wie man sich als Gemeinschaft neu findet und nach der Weisung Gottes leben kann.
Zeit und Ort
Die Szene, die in der Lesung geschildert wird, ist in Vers 2 mit einem genauen und symbolträchtigen Datum versehen: der 1. Tischri (= 1. Tag des 7. Monats), das ist das jüdische Neujahrsfest. Auch der Ort (V. 1) ist für das Erzählte wichtig. Man versammelt sich am Wassertor, das ist in der Nähe des Tempels, aber nicht im Tempel. Es geht darum, die Weisung Gottes zu den Menschen, in ihren Alltag und in ihr Leben zu bringen, damit die Freude daran wachsen kann.
Der Text betont, dass das ganze (!) Volk zusammenkommt. Männer, Frauen, alle Menschen, die schon verstehend zuhören können, lauschen vom Morgen bis zum Mittag dem Wort Gottes. Einige Elemente der Szene erinnern an einen Synagogengottesdienst: die Weisung Gottes steht im Zentrum, besonderer Ort des Vorlesens, feierliches Öffnen der Rolle, Lobpreis und Antwort der Versammlung mit „Amen“.
Buch der Weisung – Tora
Das Wort „Weisung“ wurde oft mit „Gesetz“ wiedergegeben. Das trifft es allerdings nicht ganz, denn tora, das Wort, das im Hebräischen steht, meint weit mehr als nur Gesetze und Gebote. Es beinhaltet das ganze Spektrum von Gesetz über Weisung bis hin zur Lehre – und möchte Anleitung für ein gutes Leben sein. Der Begriff „Tora“ meint auch die fünf Bücher Mose (Pentateuch). Die Erzählung in Neh 8 vergegenwärtigt das Geschehen am Sinai. Dort wurde Mose und dem Volk die Weisung gegeben und ein Bund mit Gott geschlossen.
Das Verstehen steht im Zentrum
Der Text betont dreimal, dass das Verstehen der Weisung wichtig ist. Damit das Vorgelesene von allen erfasst werden kann, werden Erklärungen dazu gegeben. Dieses Verstehen löst eine tiefe Reaktion und Betroffenheit in den Menschen aus. In den Versen 9 und 10 werden sie aufgefordert, nicht zu weinen, sondern sich zu freuen und zu feiern, mit allem was dazugehört. Denn wenn die Weisung Gottes verstanden und gelebt wird, bewirkt sie im Menschen Freude und Stärke.
Freude
„Die Freude am Herrn ist eure Stärke!“ Man könnte auch übersetzen: Die Freude an Gott ist eure „Festung“ oder eure „sichere Burg“. Im Evangelium tritt Jesus auf wie Esra, als Schriftgelehrter, der vor einer Versammlung aus der Schrift liest. Jesus bringt Gottes Botschaft unter die Menschen, macht sie verständlich, indem er sie lebt, damit auch für uns die Freude an Gott zu unserer Stärke werden kann, aus der wir leben können, wenn wir danach leben.
Magdalena Lass