Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
In der heutigen Lesung werden uns anhand von ausdrucksstarken Bildern zwei gegensätzliche Verhaltensweisen vor Augen gestellt – die eine als Mahnung und die andere als Hoffnungswort.
Lesung aus dem Buch Jeremia.
So spricht der HERR:
Verflucht der Mensch, der auf Menschen vertraut,
auf schwaches Fleisch sich stützt
und dessen Herz sich abwendet vom HERRN.
Er ist wie ein Strauch in der Steppe,
der nie Regen kommen sieht;
er wohnt auf heißem Wüstenboden,
im Salzland, das unbewohnbar ist.
Gesegnet der Mensch, der auf den HERRN vertraut
und dessen Hoffnung der HERR ist.
Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist
und zum Bach seine Wurzeln ausstreckt:
Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt;
seine Blätter bleiben grün;
auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge,
er hört nicht auf, Frucht zu tragen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Gesegnet, wer auf den HERRN sich verlässt - Kv
(oder GL 31,3)
Selig der Mann, der nicht nach dem Rat der Frevler geht, /
nicht auf dem Weg der Sünder steht,
nicht im Kreis der Spötter sitzt,
sondern sein Gefallen hat an der Weisung des HERRN,
bei Tag und bei Nacht über seine Weisung nachsinnt. - Kv
Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Bächen voll Wasser, /
der zur rechten Zeit seine Frucht bringt
und dessen Blätter nicht welken.
Alles, was er tut,
es wird ihm gelingen. - Kv
Nicht so die Frevler:
Sie sind wie Spreu, die der Wind verweht.
Denn der HERR kennt den Weg der Gerechten,
der Weg der Frevler aber verliert sich. - Kv
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korinth.
Schwestern und Brüder!
Wenn aber verkündet wird,
dass Christus von den Toten auferweckt worden ist,
wie können dann einige von euch sagen:
Eine Auferstehung der Toten gibt es nicht?
Denn wenn Tote nicht auferweckt werden,
ist auch Christus nicht auferweckt worden.
Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist,
dann ist euer Glaube nutzlos
und ihr seid immer noch in euren Sünden;
und auch die in Christus Entschlafenen sind dann verloren.
Wenn wir allein für dieses Leben
unsere Hoffnung auf Christus gesetzt haben,
sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen.
Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden
als der Erste der Entschlafenen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Nirgends im Neuen Testament wird die Auferstehung beschrieben. Der Auferstehungsglaube beruht auf die Selbstbekundung des Auferweckten und Erhöhten. Die Evangelisten und genauso Paulus bezeugen, dass der Auferweckte denen erschienen ist, die Gott dazu erwählt hat. Ausserhalb des Glaubens ist somit eine Beweisführung nicht möglich. Bei den Evangelisten und auch bei Paulus besteht keine Einheitlichkeit in den Berichten um die Erfahrungen mit dem Auferstandenen. Es geht um die Bezeugung des Todes und der Auferweckung als Heilsereignis worin die Kirche gründet.
In der Hafenstadt Korinth herrschen verschiedene Anschauungen bezüglich Auferstehung. Von Plato z.B. herkommend wird im Tod die Seele aus dem Kerker Körper befreit. Für die Epikureer löst sich im Tod die Persönlichkeit überhaupt auf. Diverse Mysterienkulte spielen eine Rolle. Die leibliche Auferstehung steht all dem gegenüber in starkem Kontrast. Übrigens ist erwähnenswert, dass Paulus von einer Unsterblichkeit der Seele überhaupt nie spricht. Dies ist für ihn kein Thema.
Thesenhaft stellt Paulus den Satz hin: Eine Auferstehung der Toten gibt es nicht? Paulus wendet sich gegen eine aufgekommene Auffassung, dass die Auferstehung bereits durch die Taufe im Geist vollzogen sei. Denn dadurch gäbe es, so macht Paulus deutlich, keine zukünftige Auferstehung mehr. Übrigens wird ja von Vertretern dieser These in Korinth die leibliche Auferstehung geleugnet. Jesus bleibt somit überhaupt nur eine Ausnahme.
Paulus zieht in Folge konsequent wider diese Auffassung, bzw. wider die Auferstehungsleugner durch, dass nach solchem Verständnis Jesus überhaupt nicht auferstanden wäre und dies fatale Folgen für den Glauben hätte. Die durch Gott vollzogene Auferweckung an Jesus Christus trägt die zukünftige Auferstehung der Toten. Auf Jesu Tod und Auferweckung beruhen die Verkündigung der Apostel und das weitere Tun der Kirche. Glaube hat für Paulus eine viel weiterreichende Konsequenz als eine momentane innerweltliche Haltung.
In der zweiten Lesung setzt sich Paulus mit der Bedeutung der Auferstehung auseinander. Er argumentiert gegenüber Christen in Korinth, die zwar an die Auferstehung Jesu glauben, sich jedoch eine Auferstehung aller Toten nicht vorstellen können.
Hier fließen mehrere unterschiedliche Anschauungen zusammen: Griechisches Denken, gnostische Einflüsse, jüdisches Denken und christliche Verkündigung. Der Hintergrund der Argumentation läßt sich nicht mehr genau ausmachen.
Paulus argumentiert von seinem jüdischen Welt- und Menschenbild her. Für ihn kann es nur eine Auferstehung des ganzen Menschen und aller Menschen geben. Ein Glaube an Christus, der nur für das Diesseits Bedeutung haben soll, erscheint ihm sinnlos.
Paulus ist nicht bereit, Leib und Seele, diesseits und Jenseits, auferstandener Christus und nicht auferstandene Menschen zu trennen. Die Auferstehung Jesu ist für Paulus ein historisches Faktum, das von glaubwürdigen Zeugen berichtet wird.
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korinth.
Schwestern und Brüder!
Wenn aber verkündet wird,
dass Christus von den Toten auferweckt worden ist,
wie können dann einige von euch sagen:
Eine Auferstehung der Toten gibt es nicht?
Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt,
ist auch Christus nicht auferweckt worden.
Ist aber Christus nicht auferweckt worden,
dann ist unsere Verkündigung leer,
leer auch euer Glaube.
Wir werden dann auch als falsche Zeugen Gottes entlarvt,
weil wir im Widerspruch zu Gott
das Zeugnis abgelegt haben:
Er hat Christus auferweckt.
Er hat ihn eben nicht auferweckt,
wenn Tote nicht auferweckt werden.
Denn wenn Tote nicht auferweckt werden,
ist auch Christus nicht auferweckt worden.
Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist,
dann ist euer Glaube nutzlos
und ihr seid immer noch in euren Sünden;
und auch die in Christus Entschlafenen sind dann verloren.
Wenn wir allein für dieses Leben
unsere Hoffnung auf Christus gesetzt haben,
sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen.
Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden
als der Erste der Entschlafenen.
Halleluja, Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Freut euch und jubelt!
Euer Lohn im Himmel wird groß sein.
Halleluja
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit
stieg Jesus mit den Zwölf den Berg hinab.
In der Ebene
blieb er mit einer großen Schar seiner Jünger stehen
und viele Menschen aus ganz Judäa und Jerusalem
und dem Küstengebiet von Tyrus und Sidon
waren gekommen.
Jesus richtete seine Augen auf seine Jünger
und sagte:
Selig, ihr Armen,
denn euch gehört das Reich Gottes.
Selig, die ihr jetzt hungert,
denn ihr werdet gesättigt werden.
Selig, die ihr jetzt weint,
denn ihr werdet lachen.
Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen
und wenn sie euch ausstoßen
und schmähen
und euren Namen in Verruf bringen
um des Menschensohnes willen.
Freut euch und jauchzt an jenem Tag;
denn siehe, euer Lohn im Himmel wird groß sein.
Denn ebenso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht.
Doch weh euch, ihr Reichen;
denn ihr habt euren Trost schon empfangen.
Weh euch, die ihr jetzt satt seid;
denn ihr werdet hungern.
Weh, die ihr jetzt lacht;
denn ihr werdet klagen und weinen.
Weh, wenn euch alle Menschen loben.
Denn ebenso haben es ihre Väter
mit den falschen Propheten gemacht.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die vorliegenden Verse umfassen die Einleitung und den Beginn der 'Feldrede' des Lukas (6,20-49). Es drängt sich in der Metaphorik der Vergleich zur Sinai-Szene auf, in der wir hören, wie Mose vom Berg herabsteigt, um das Volk mit den Gesetzen vertraut zu machen.
Die ersten Verse der Feldpredigt sind einheitlich komponiert und klar gegen die Einleitung und das nächste Thema 'Liebesgebot' abgegrenzt.
Die Komposition zeigt inhaltlich vier Seligpreisungen, denen vier Weh-Rufe gegenübergestellt werden. Die Adressaten der Seligpreisungen sind die angesprochenen Jünger/innen, die sich am Fuss des Berges um Jesus versammelt haben. Wer aber mit den Weh-Rufen angesprochen werden soll, bleibt offen und in Hypothesen verbannt.
Zur Entstehungsgeschichte vermutet Schürmann (Lukasevangelium, 341), dass zuerst drei (einheitlich erscheinende) Seligpreisungen (Verse 20b.21) vorgelegen haben. Danach kam - schon in der Überlieferung vor Entstehung des Lukasevangeliums - die vierte, kompositorisch ganz anders geartete Seligpreisung (Vers 22) hinzu. Diesen nunmehr vier Makarismen komponierte der Redaktor vier Wehe-Rufe in Gegenüberstellung.
An Binsenweisheit reicht es hier als erstes anzuführen, dass diese Lukasstelle als Feldrede Jesu gilt und bei Matthäus entsprechend als Bergpredigt - ohne die Unterschiede zwischen den Evangelien jetzt zu detaillieren. Vereinfacht gesprochen, was bei Matthäus Jesus auf einem Berg spricht, spricht er bei Lukas vom Berg heruntergekommen und in der Ebene innehaltend.
Die Heilrufe zielen auf die Jünger im engeren Sinn. Die Wehrufe diesen entgegengesetzt auf Außenstehende. Mit Verweis auf das Kapitel 12 im Lukasevangelium ist zu sagen, dass Worte Jesu vorerst den Jüngern im engeren Kreis gelten. Dann treffen sie erst den weiteren Kreis, oder die größere Menge an Jüngern. Der engere Jüngerkreis ist somit zum besonderen Zeugnis aufgerufen, bzw. angehalten. Und zugleich ist nicht zu übersehen, dass bei der Feldrede ausdrücklich gesagt wird, dass viel Menschen herbeiströmten!
Auffallend ist die Anrede in der 2. Person. In den Schriften des Alten Bundes wird nur ein Land oder Volk so angeredet. Die Worte erklingen nicht abgehoben geistlich, wonach die durchzustehenden Verhältnisse per sofort verschwänden. In Palästina haben sich die Armen hoffend auf Gott hin verstanden. Im Raum darüber hinaus - in den christlichen Gemeinden - wird die Armut wesentlich als Unterdrückung durch Reiche erfahren.
Jesus hat sich bedingungslos den Armen zugewandt und nicht Elend schwärmerisch übersprungen! Und doch gilt es sein Wort in sich aufzunehmen, solle es helfen. Die Jünger, die dies eben schon getan haben, wirken vorbildlich und motivierend auf andere, die deren Beispiel folgen mögen. So geht das, was bei Jesus geschah, in den Christengemeinden weiter. Die Wendung des Schicksals ist somit vom Reich Gottes her zugesagt, sowie zeichenhaft schon in den realen Gemeinden existent. Vom Hören auf Jesus lebt das Hoffen auf die zukünftige Welt wie der Einsatz in dieser Welt für Arme, Hungernde...
Die Wehrufe gelten den Aussenstehenden, die im Kontrast zur Jüngerschaft stehen. Wo Gottes Ruf nicht gehört wird, vollzieht sich schon das Wehe.
Als Evangelium des 6. Sonntags im Jahreskreis sind die Seligpreisungen nach Lukas vorgesehen. Sie unterscheiden sich gegenüber den bekannteren acht Seligpreisungen nach Matthäus der Zahl und der Komposition nach.
Lukas dürfte diesen Abschnitt bereits vorgefunden haben. Er wird einer Sammlung von Aussprüchen Jesu zugerechnet, der sog. Logienquelle, die älter ist als das Lukasevanglium. Interessant ist, wie der Evangelist diese Überlieferung in seine Komposition eingliedert. Jesus zog sich zuvor eine ganze Nacht zum Gebet zurück, wählt am Tag darauf die Zwölf aus und nennt sie Apostel.
Trotz der Volksmenge, die sich um Jesus gesammelt hat und die seiner Rede lauscht, richtet er eine vierfache Seligpreisung und einen vierfachen Weheruf an die Jünger.
Die Inhalt der Seligpreisungen wie auch der Weherufe beschreiben Erfahrungen, die die Jünger Jesu gemacht haben und die auch an anderen Stellen beschrieben werden (z. B. Apg 5,41): Armut, Hunger, Trauer, Verfolgung. Im Blick auf die endgültige Zukunft derer, die Jesus nachfolgen, werden sie fähig, all das zu ertragen.
Eine Frage der Perspektive
Vieles in diesem Evangelium ist uns auch aus der sogenannten Bergpredigt des Matthäusevangeliums geläufig. Umso bemerkenswerter ist die Perspektive des Lukas auf diese Ereignisse. Bei ihm steigt Jesus nämlich vom Berg in die Ebene hinab. Oben hat er zuvor gebetet und die Zwölf erwählt. Sie werden seine Zeugen sein bis an die Grenzen der Erde (Apg 1,8). Indem Lukas diese Begebenheit mit der anschließenden Feldrede – so wird sie bei Lukas genannt – verknüpft, macht er auch deutlich, welche Bedeutung dem Amt in der nachösterlichen Kirche zukommt. Es steht im Dienst der Verkündigung der frohen Botschaft Jesu.
Ein Gottesvolk aus Juden und Heiden
Ein Zweites: Während sich bei Matthäus das Gottesvolk Israel am Berg versammelt, kommen bei Lukas auch Leute aus dem heidnischen Tyrus und Sidon dazu. Dies spie- gelt die Erfahrung des ausgehenden ersten Jahrhunderts wider – Juden und Heiden sind zum Glauben an Jesus gekommen. Sie alle gehören zum neuen Gottesvolk.
Jesus, der Prophet
Während Jesus in der Bergpredigt sitzt, was seine Autorität unterstreicht und an Mose denken lässt, steht er bei Lukas. Damit gleicht er einem Propheten. Die erste Seligpreisung erinnert in der Tat an Jesaja. Auf ihn beruft sich Jesus bereits in seiner „Antrittsrede“ in Nazaret. Dabei tut er kund, gesandt zu sein, den „Armen eine frohe Botschaft zu bringen“ (Lk 4,18). Nun blickt Jesus auf seine Jünger:innen. Ihnen gelten die Seligpreisungen an erster Stelle. Sie sind die Armen, Hungernden und Weinenden. Warum das so ist, erschließt sich aus der letzten Seligpreisung. Die Jüngerinnen und Jünger haben sich von Christus in Dienst nehmen lassen und alle Sicherheiten zurückgelassen. Sie ziehen umher, um den Menschen die frohe Botschaft zu bringen. Materiell mangelt es ihnen an allen Ecken und Enden. Um des Evangeliums vom Reich Gottes willen haben sie der Macht und dem Reichtum entsagt. Ob sie am Abend zu essen bekommen, hängt nun wohl auch davon ab, ob jemand sie wohlwollend aufnimmt. In einer Umgebung, die dem Christentum immer feindseliger entgegentritt, ist dies nicht selbstverständlich. Und dennoch ist gewiss: Die Bedrängnis und Not der Gegenwart sind nichts im Vergleich zur Fülle des Reiches Gottes, die ihnen verheißen ist. Daher dürfen sie sich bereits hier und jetzt freuen. Denn sie werden im Übermaß empfangen.
Heil und Unheil
Diese Zusage des Heils hat jedoch auch eine Schattenseite. Wer sich der Botschaft vom Reich Gottes verweigert und im alltäglichen Getriebe des Strebens nach Macht und Besitz verhaftet bleibt, wird am Ende erkennen müssen, die Gunst der Stunde nicht genutzt zu haben. Jesus wirbt daher darum, die richtige Perspektive einzu- nehmen und das Leben zu wählen – auch wenn es sich uns gegenwärtig oft nur im Glauben erschließt.
Klaus Einspieler
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit
stieg Jesus mit den Zwölf den Berg hinab.
In der Ebene
blieb er mit einer großen Schar seiner Jünger stehen
und viele Menschen aus ganz Judäa und Jerusalem
und dem Küstengebiet von Tyrus und Sidon
waren gekommen, um ihn zu hören
und von ihren Krankheiten geheilt zu werden.
Und die von unreinen Geistern Geplagten wurden geheilt.
Alle Leute versuchten, ihn zu berühren;
denn es ging eine Kraft von ihm aus,
die alle heilte.
Er richtete seine Augen auf seine Jünger
und sagte:
Selig, ihr Armen,
denn euch gehört das Reich Gottes.
Selig, die ihr jetzt hungert,
denn ihr werdet gesättigt werden.
Selig, die ihr jetzt weint,
denn ihr werdet lachen.
Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen
und wenn sie euch ausstoßen
und schmähen
und euren Namen in Verruf bringen
um des Menschensohnes willen.
Freut euch und jauchzt an jenem Tag;
denn siehe, euer Lohn im Himmel wird groß sein.
Denn ebenso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht.
Doch weh euch, ihr Reichen;
denn ihr habt euren Trost schon empfangen.
Weh euch, die ihr jetzt satt seid;
denn ihr werdet hungern.
Weh, die ihr jetzt lacht;
denn ihr werdet klagen und weinen.
Weh, wenn euch alle Menschen loben.
Denn ebenso haben es ihre Väter
mit den falschen Propheten gemacht.
Die Wehe-Rufe Jesu verstören zunächst. Sie stehen aber bei Lukas den Seligpreisungen gegenüber. Jesus warnt vor die Sattheit des Reichtums und gibt zugleich den Armen und Kleinen ihre Würde.
Kann Jesus auch schimpfen? Sollte er es vielleicht auch? Vielleicht auch öfter? Ungewohnt ist nicht nur die Frage – das ganze Evangelium ist es. Jesus ist doch immer lieb.
Wenn wir an die sog. Seligpreisungen denken, haben wir meistens die im Kopf, die der Evangelist Matthäus in der Bergpredigt Jesu hört. Der Evangelist Lukas – anders als sein Kollege Matthäus – erzählt, dass Jesus Menschen nicht nur „selig“ oder „glücklich preist“, sondern auch „Wehe-Worte“ findet: Wehe euch, ihr Reichen – wehe euch, ihr Übersättigten – wehe euch, die ihr alles mit Lachen übergeht. Wehe euch, die ihr euch selbst lobt und mit euch genug habt. Vier Sätze, aber es in sich haben.
Doch, Kritiker hat es immer schon gegeben, Kritiker von Reichtum, von den Übersättigten, von Lachern und Selbtbeweihräucherten. Die Kritik zieht sich durch die Jahrhunderte hin. Es war oft die Kritik namenloser, unterdrückter und enttäuschter Menschen. Oft wurden sie sogar missbraucht, ohne es zu merken. Vorgeschoben und instrumentalisiert.
Hasserfüllte Predigten wurden gehalten. Auch von Revolutionären, die gegen Fürsten und Herren, Reiche und Superreiche wetterten. Die meisten Reden haben Unheil geschaffen, die Welt aber nicht gebessert – sie haben Gewalt gerechtfertigt, aber keinen Frieden gebracht. Sie haben verletzt, aber kein Herz bewegt. Sie beschworen den Weltuntergang – und ließen die Welt untergehen. Am Ende zahlen immer die „Kleinen“, die „Armen“, die „von ganz unten“ die Zeche. Aufgehetzt und ausgenutzt.
Jedenfalls erzählt Lukas, dass viele Menschen mit Jesus unterwegs sind: eine große Schar seiner Jünger - und viele Menschen aus ganz Judäa und Jerusalem und dem Küstengebiet von Tyrus und Sidon. Jesus geht vom Berg hinunter – in die Niederungen. Er geht vom Berg hinunter – und trifft, wenn man es so übersetzen mag, auf die ganze Welt. Wer all die Leute sind? Arme? Reiche? Kluge? Vom Leben benachteiligte? Enttäuschte? Mächtige? Ich reihe die Worte aneinander – eine Hierarchie gibt es nicht. Gemeint sind: alle. Alle auch „unten“ – unterhalb eines Berges. Auf der Höhe ist jetzt keiner. Auch Jesus nicht.
Lukas hat hier in wenigen Sätzen „alle“ unter einen Hut gebracht. Erzählen kann er, der Evangelist! Ein Meister!
Dass - früher - Schimpfen auf der Kanzel üblich war, wenn so ziemlich alle „unten“ saßen und sich nicht wehren konnten, hat mich nachhaltig verstört. Wie Jesus sein „wehe“ gesagt hat, weiß ich glücklicherweise nicht. Laut, donnernd, wütend – sich gar vergessend? Im Tempel hat Jesus einfach die Tische der Händler und Geldwechsler umgestoßen – nichts für zaghafte, zaudernde oder fromme Geister. Die Münzen liegen im Dreck. Die Opfergaben haben sich auf der Erde verteilt, wenn sie nicht gerade – wie die Tauben - weggeflogen sind. „Ihr habt aus meiner Vaters Haus eine Räuberhöhle gemacht“, sagt Jesus. Das hat Eindruck und Schlagzeilen gemacht. Aber auch Widerspruch und Entsetzen ausgelöst. Der Messias – ein Wüterich. Nein, ein Fragezeichen gehört hier nicht hin – es muss ein Ausrufezeichen sein.
Jesus hat nie gesagt, ab wann man reich ist, aber wann übersättigt, ab wann Lachen fehl am Platz ist. Er hat auch nicht gesagt, wo das Eigenlob, die Selbstbeweihräucherung anfängt. Hätte er das nicht machen müssen? Hätte er das nicht wenigstens machen können? Ich bin ratlos. Was, wenn ich zu reich, zu übersättigt, zu lachhaft bin? - Meint er mich?
Wenn ich das dann weit von mir weise und von einem Gegenbeispiel zum anderen hechle: darf ich Grenzen ziehen? Die da – wir hier? Die da – ich? Jesus rechtfertigt keinen Hass auf „die da“. Er schlägt sich aber auf die Seite derer, die keinen Fürsprecher haben. Er lässt sich nicht kaufen. Er heult nicht mit den Wölfen.
Viele hasserfüllte Predigten haben sich auf Jesus berufen. Aber sein „wehe“ wurde missbraucht, eigenen Programmen dienstbar gemacht und mit Angst und Schrecken gefüllt. Was Jesus wohl meinte, als er “wehe“ sagte? Der Evangelist Lukas – man nennt ihn auch den Evangelisten der Armen - legt uns eine Spur.
Dreht sich nicht alles um Geld? Irgendwie? Geld wird zu einem Gott, der keine Barmherzigkeit kennt, hinter dicken Fassaden aus Glas Hof hält und täglich in Zahlenkolonnen gebettet und angebetet wird. Ihm werden sogar Menschen geopfert. Unschuldslämmer scharwenzeln um den Altar, der keine Hoffnung kennt. Sie sehen nichts, wissen von nichts, sie wissen nicht einmal um sich. Steckt in dem „Wehe“ nicht vielleicht auch ein Bedauern, ein Mitgefühl, ein Verstehen? Ein Aufschrei? „wehe“ euch, die ihr mit Geld erkaufen wollt, was von Anfang an immer nur ein Geschenk war: Liebe.
Jesus sagt „wehe“ – und es kommt einer Offenbarung gleich. Endlich nennt einer die Dinge beim Namen, endlich rückt einer die Dinge zurecht, endlich führt einer aus der Verlorenheit hinaus. Ich muss an den märchenhaft Satz denken: „Wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe“. Was Jesus gegen die Reichen und Übersättigten sagt, gegen die, die mit stolzem Lächeln unter sich bleiben, ist umfangen von – Seligpreisungen. Das Wort klingt zwar ziemlich fromm, vielleicht auch verbraucht, doch in dem „selig“ steckt „glücklich“, „frei“, „geliebt“.
Wer ist glücklich, frei, geliebt? Nehmen wir jetzt die Perspektive Gottes ein, der nicht Hof hält, sich nicht in Zahlen verewigt, sich aber auch nicht in Zahlen versteckt, der keinen Menschen opfert , der aber auch kein Opfer braucht – nein, der sich selbst hingibt. Für Menschen, die er liebt.
Selig, ihr Armen,
denn euch gehört das Reich Gottes.
Selig, die ihr jetzt hungert,
denn ihr werdet gesättigt werden.
Selig, die ihr jetzt weint,
denn ihr werdet lachen.
Selig seid ihr,
wenn euch die Menschen hassen
und wenn sie euch ausstoßen
und schmähen
und euren Namen in Verruf bringen
um des Menschensohnes willen.
Armut und Hunger, Tränen und Verachtung werden von Jesus nicht verharmlost, beschönigt oder gar verklärt. Das wäre menschenverachtend und zynisch, bitter für alle, die nicht genug haben, die von der Hand in den Mund leben, auf der Flucht sind, ihren Kindern und Enkeln keine Zukunft versprechen können.
Keiner von uns könnte mit gutem Gewissen Gottesdienst feiern und das Evangelium hören.
Er, der das Brot bricht, teilt mit uns das Leben und sein Reich.
Wenn Jesus sich den Armen, Hungernden, Weinenden und Verachteten zuwendet, macht er sich nicht nur zu ihrem Anwalt, er gibt ihnen auch ihre Würde. Er wird einer von ihnen. Bei ihnen ist er zu finden. Und ganz nebenbei erfahren wir noch – am Schluss fein versteckt -, dass auch Reiche, Satte, Lachende arm, hungernd, weinend und verachtet sind. Vor Gott.
Glücklich sind die Menschen, die geliebt sind – und die Liebe schenken können. Ohne Absicht, ohne Gewinn, ohne Hass auf… Glücklich sind die Menschen, die „leer“ sind für Gott, für die Liebe. Dass Geld nicht glücklich macht, hat es wenigstens schon in die Sprichwörter geschafft – bis in alle Herzen ist es noch nicht vorgedrungen.
„Gesegnet der Mensch,
der auf den HERRN vertraut
und dessen Hoffnung der HERR ist.
Er ist wie ein Baum,
der am Wasser gepflanzt ist
und zum Bach seine Wurzeln ausstreckt:
Er hat nichts zu fürchten,
wenn Hitze kommt;
seine Blätter bleiben grün;
auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge,
er hört nicht auf, Frucht zu tragen.“
(Psalm 1)
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Die Seligpreisungen in der Version des Lukas scheinen auf den ersten Blick weniger spirituell zu sein als die des Matthäus. Sie haben aber gerade wegen ihrer spirituellen Grundlage eine Kraft in sich, die die Welt verändert hat und immer noch verändert.
Armut erscheint uns zunächst al sein Verlust. Recht verstandene Armut kann aber auch eine neue Freiheit ermöglichen.
Miteinander und in der Gegenwart des Herrn feiern wir den Sonntag als ersten Tag der Woche. Der Sonntag markiert die Wende von der alten zur neuen Woche. Ein jeder/eine jede von uns ist hier auch mit dem, was wir in der vergangenen Woche oder in letzter Zeit so alles gehört und vernommen haben, an Gutem und weniger Gutem. Wem wir gut zugehört haben und was wir lieber überhört haben. Vielleicht gab es auch etwas, das wir als unerhört empfunden haben?
Hören wir in uns hinein. Hören wir auf unser Herz. Und hören wir auf Gott und seinen Sohn.
Glückwünsche gehören einfach dazu! Zum Geburtstag, zur Hochzeit, zum Examen – und in der Kirche! Uns wird Glück gewünscht! Mehr noch. Wir entdecken uns als glückliche Menschen. Wenn Gott mit uns redet.
Ihn bitten wir um Glück, um seinen Segen.
Herr Jesus Christus,
du kennst uns durch und durch.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
nichts Menschliches ist dir fremd.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
deine Liebe schließt niemanden aus.
Herr, erbarme dich.
Herr,
wir lassen uns gefangen nehmen von vielen Dingen.
Für sie opfern wir Zeit und Geld,
auch Träume und Hoffnungen.
Herr, erbarme dich.
Christus,
du kennst unsere Sehnsucht nach Glück und Liebe.
Für sie gehst du auf die Straße,
für sie gehst du ans Kreuz.
Christus, erbarme dich.
Herr,
viele Dinge machen die Welt kaputt.
Wir sehen die Teufelskreisläufe,
wir machen immer weiter.
Herr, erbarme dich.
Glücklich der Mensch,
der nicht nach dem Rat der Frevler geht,
nicht auf dem Weg der Sünder steht,
nicht im Kreis der Spötter sitzt,
sondern sein Gefallen hat an der Weisung des HERRN,
bei Tag und bei Nacht über seine Weisung nachsinnt.
(Psalm 1)
Ehre sei Gott in der Höhe…
Herr, Jesus Christus,
du hast dich aus dem Reichtum der Liebe des Vaters
in unsere Armut senden lassen.
Herr, erbarme dich.
Du teiltest mit uns das Leben –
auch in Schrecken, Angst, Armut und Not.
Christus, erbarme dich.
Selbst den Tod hast du auf dich genommen,
damit wir mit dir auferstehen können zum Leben.
Herr, erbarme dich.
Gott, du liebst deine Geschöpfe,
und es ist deine Freude,
bei den Menschen zu wohnen.
Gib uns ein neues und reines Herz,
das bereit ist, dich aufzunehmen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 6. Sonntag im Jahreskreis
Unser Herr Jesus Christus hat gesagt:
"Selig, die vor Gott arm sind;
denn ihnen gehört das Himmelreich."
Darum bitten wir: Gott, unser Vater.
Bewahre uns vor der Gier nach Reichtum und Macht.
Gib, daß wir alles, was uns anvertraut ist,
recht gebrauchen.
Lehre uns, daß die Liebe unser größter Reichtum ist -
die Liebe, die du uns schenkst
und die wir einander erweisen.
Das gewähre uns durch Jesus Christus.
Amen.
MB Auswahl 37
Gott, unser Schöpfer.
Die Gegensätze in der Welt klagen uns an:
Reichtum und Not,
Hunger und Überfluß,
Sorglosigkeit und Leid stehen gegeneinander.
Hilf du uns allen,
daß wir aufhören, die Gegensätze zu verschärfen,
und anfangen,
einander Brüder und Schwestern zu sein.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Amen.
MB Auswahl 23
Gott, unser Vater.
Wir sind als deine Gemeinde versammelt
und rufen dich an:
Öffne unser Ohr,
damit wir hören und verstehen,
was du uns heute sagen willst.
Gib uns ein gläubiges Herz,
damit unser Beten dir gefällt
und unser Leben vor dir bestehen kann.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Auswahl 1
Gott, du hast uns geboten,
auf deinen geliebten Sohn zu hören.
Nähre uns mit deinem Wort
und reinige die Augen unseres Geistes,
damit wir fähig werden,
deine Herrlichkeit zu erkennen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 2. Fastensonntag
Gott.
Du suchst Menschen, die von dir sprechen
und der Welt deine gute Botschaft weitersagen.
Hilf uns,
Trägheit und Menschenfurcht zu überwinden
und deine Zeugen zu werden -
mit unserem ganzen Leben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Auswahl 7
Gütiger Gott,
dein Sohn hat Worte ewigen Lebens.
Öffne unsere Ohren und unsere Herzen für seine frohmachende Botschaft.
Wir vertrauen darauf, dass auch du hörst, was wir dir in dieser Feier anvertrauen.
Dir sei Lob und Preis in alle Ewigkeit. - Amen.
Manchmal, Herr, werden wir um unser Glück betrogen.
Wir schauen enttäuscht auf unser Leben.
Manchmal, Herr, gönnen wir anderen kein Glück.
Wir schauen lauernd auf das Leben anderer.
Du, Herr, schenkst uns das Glück, geliebt zu sein,
in deiner Gemeinschaft,
in deiner Gegenwart zu leben.
Hilf uns, glücklich zu sein,
hilf uns, Glück zu teilen.
Du hast uns reich beschenkt.
Wir danken dir
in Christus, der mit uns durch alle Niederungen geht
und uns in dein Reich führt.
getragen von deinem Geist
in Ewigkeit.
Vater im Himmel,
manchmal fühlen wir uns von dem,
was uns abverlangt wird,
als wenn wir durch salzige Wüsten zögen,
wie ein Strauch, der nie Regen bekommt.
Wir verlieren uns in den Sorgen der Alltäglichkeit.
Schenke uns in dieser Feier wieder neue Kraft,
verwurzle uns im Vertrauen auf dich
und hilf uns, dass wir uns wieder aufrichten können
zu der Verheißung,
die wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, erhalten haben.
Das erbitten wir mit ihm, unserem Bruder und Herrn. – Amen.
Gott des Lebens,
wie schön ist es, in Gemeinschaft mit anderen mit dir zu reden und dich für Menschen zu bitten, die uns im Kopf herumgehen oder einen festen Platz in unserem Herzen haben.
Wir bitten für die vielen, die in Berufen arbeiten, in denen es wichtig ist, dass sie Menschen gut zuhören und auf sie eingehen.
Für die vielen, die unter einer Gehörbeeinträchtigung leiden, für jene, die sich nicht oder nur schwer für ihre Anliegen Gehör verschaffen können, für alle, die Mühe haben auf andere zu hören und wertvollen Rat anzunehmen.
Für jene Personen, denen es aufgetragen ist, mit ihren Reden und Äußerungen Menschen zu erreichen.
Für die mutigen Frauen und Männer, die nicht müde werden, Unrecht zu benennen und Machthaber in ihre Schranken zu weisen.
Für Menschen, die in hoffnungslosen Situationen leben und auf Hilfe angewiesen sind.
Wir beten für alle, die Jesu Botschaft hören und sich von ihr herausfordern lassen.
Und auch in unseren persönlichen Anliegen wollen wir dich bitten:
Für unsere lieben Verstorbenen, an die wir heute besonders denken,
und auch für uns selbst teilen wir die Zuversicht, dass du bei jenen, die dich lieben, unser Leben zum Guten führen wirst.
Dafür danken wir dir, guter Gott. - Amen.
Im Evangelium haben wir die Wehe-Rufe Jesu gehört,
aber auch, wie er Menschen glücklich nennt.
Ihm vertrauen wir Glück und Unglück an,
Reichtum und Leere,
Sattsein und Hunger.
Wir bitten:
Die Schere zwischen Arm und Reich wird in vielen Gesellschaften immer größer.
Viele Menschen können von ihrer Arbeit nicht gut leben,
viele Kinder haben ein Armutsrisiko in einem reichen Land.
Herr, hilf uns, Glück zu teilen.
Die Inflation schmälert Lebensmöglichkeiten und Hoffnungen.
Die einen klagen auf hohem Niveau,
andere müssen sich jeden Tag einschränken.
Die Corona-Krise hat die Schulden der ärmsten Länder noch vergrößert.
Sie sind zahlungsunfähig oder stehen kurz davor.
Reiche Länder häufen Schuldenberge an.
Ost und West stehen sich gegenüber.
Truppen werden zu Übungszwecken um ein Land gezogen.
Die Angst vor Krieg geht um.
Viele Menschen verlassen die Kirche oder treten aus ihr aus.
Der Missbrauchsskandal hat tiefe Wunden geschlagen.
Viele Menschen sind enttäuscht und aufgebracht.
Schenke uns den Reichtum der Liebe,
den Hunger nach Gerechtigkeit
und Mut in unseren Stimmen.
In Christus, deinem Wort für uns.
Gott ist da und ist uns nah.
Er schenkt uns Leben und Zuversicht.
Ihn lasst uns bitten:
Um eine Kirche, die spürt, was in ihr nicht richtig läuft und im Vertrauen auf deine Gegenwart Veränderungen in Angriff nimmt.
Um Solidarität, Verständnis und Hilfe für die schwierigen Lebensumstände der Menschen im Osten Europas.
Um ein ehrliches Engagement für alle, die in unserem unmittelbaren Lebensumfeld unter Not und gesellschaftlicher Missachtung leiden.
Um eine Haltung, in der es gelingt, das eigene Leben mit seinen Höhen und Tiefen aus deiner Hand anzunehmen und daran zu reifen.
Um Hoffnung aus unserem Glauben an die Auferstehung für unsere Verstorbenen.
Denn mit seinem Leben, seinem Sterben und seiner Auferstehung hat uns Christus eine Zukunft in dir eröffnet.
Dafür danken wir und preisen dich, den Vater im Heiligen Geist. - Amen.
Barmherziger Gott,
das heilige Opfer reinige uns von Sünden
und mache uns zu neuen Menschen.
Es helfe uns, nach deinem Willen zu leben,
damit wir den verheißenen Lohn erlangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 6. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
dieses heilige Opfer helfe uns,
dass wir den alten Menschen ablegen
und den neuen anziehen,
der nach seinem Bild geschaffen ist.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.
MB Chrisam-Messe
Grundgütiger Gott,
hier vor uns liegen die Zeichen von Brot und Wein. Sie stehen für das, was wir zum Leben brauchen. Sie stehen aber auch für all das, was wir uns wünschen, das in uns gewandelt werden soll: Schwermut in Leichtigkeit, Sorge in Zuversicht. Traurigkeit in Freude.
Lass uns deiner Wandlungskraft vertrauen im Heiligen Geist, durch Jesus Christus, deinem Sohn und unserem Herrn. - Amen.
Herr,
du kennst unsere persönlichen Verhältnisse,
unsere Hände sind leer.
Was wir haben, bringen wir dir.
Brot und Wein.
Es sind deine Gaben.
Unsere Trauer bringen wir dir,
unsere Angst,
aber auch Lebensmut und Hoffnung.
Du schenkst dich uns.
Deine Verheißungen legst du in unsere Herzen,
dein Reich stellst du uns vor Augen.
Wir schmecken dich,
deine Liebe.
Leib und Blut unseres Herrn.
Heute hier,
dann in Ewigkeit.
Kehrvers:
Alles, was Odem hat, lobe den Herrn.
(GL 616,5)
Gott und Vater, wir sind gekommen, um dir zu danken.
Denn Du hast uns das Leben geschenkt
und alles, was wir zum Leben brauchen.
Kehrvers
Wir können darauf bauen,
dass du unser Leben in deinen Händen hältst.
Du schenkst uns Wachstum und Gedeihen
und hast uns mit vielfältigen Begabungen ausgestattet.
Kehrvers
In Jesus, deinem Sohn hast du uns gezeigt,
wie wir dich und den Nächsten lieben können
und so unser Leben zur Entfaltung bringen.
Kehrvers
Er hat sich den Armen, den Hungrigen, den Trauernden und Verfolgten zugewendet
und ihre Hoffnung und die Sehnsucht nach dem ewigen Leben gestärkt.
Kehrvers
An ihm hast du dich als Gott des Lebens erwiesen.
Nachdem die Mächte des Bösen ihn zum Schweigen gebracht und vernichtet hatten,
hast du ihn von den Toten auferweckt.
Durch ihn hast du auch uns Anteil an deinem ewigen Leben gegeben.
Kehrvers
Schon jetzt haben wir teil an deinem Reich der Gerechtigkeit und des Friedens.
In der Gemeinschaft der Kirche erfahren wir deine Nähe und Geborgenheit
und deine Liebe lässt uns auf das ewige Leben hoffen,
das du allen schenkst, die auf dich ihr Vertrauen setzen.
Kehrvers
Dafür danken wir dir und preisen wir dich mit der ganzen Schöpfung
und mit allen, deren Leben du bereits vollendet hast.
Danklied, z. B.: Nun danket alle Gott (GL 405)
Wir danken dir, treuer und barmherziger Vater,
für Jesus, deinen Sohn unseren Herrn und Bruder.
Seine Liebe galt den Armen und Kranken,
den Ausgestoßenen und Sündern.
An keiner Not ging er vorüber.
Sein Leben und seine Botschaft lehren uns,
daß du ein Gott bist, der sich der Menschen annimmt
wie ein Vater sich um seine Kinder sorgt.
Darum loben und preisen wir dich,
wir rühmen deine Güte und Treue
und verkünden mit allen Engeln und Heiligen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 3
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn wir erkennen deine Herrlichkeit in dem,
was du an uns getan hast:
Du bist uns mit der Macht deiner Gottheit
zu Hilfe gekommen und
hast uns durch deinen menschgewordenen Sohn
Rettung und Heil gebracht
aus unserer menschlichen Sterblichkeit.
So kam uns aus unserer Vergänglichkeit
das unvergängliche Leben
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir jetzt und in Ewigkeit
dein Erbarmen und singen mit den
Chören der Engel das Lob
deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 3
Dein Wille geschehe. Im Himmel und auf Erden. So beten wir es zusammen mit allen Christinnen und Christen weltweit. Es ist zugleich auch eine Bitte an uns selbst, dass wir Gottes Willen erkennen für uns und unser Leben und unsere Welt und das uns Mögliche dafür tun, dass diese Vaterunser-Bitte in Erfüllung gehen kann.
Bevor wir das Gebet des Herrn sprechen, halten wir inne: Wo wünsche ich mir ganz besonders, dass Gottes Wille geschehen soll?
Jesus Christus schenkt uns seine Gegenwart in Brot und Wein. Wir neigen ihm unseres Herzens Ohr zu. Wir suchen bei ihm Frieden, Zufriedenheit, Heil, Schalom und wollen uns von ihm auch damit beschenken lassen.
Selig, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit,
sie werden satt werden
(Mt 5,6)
Oder:
Freut euch und jubelt, euer Lohn im Himmel wird groß sein
(vgl. Lk 6,22)
Oder:
Gott hat die Welt so geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab,
damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht,
sondern das ewige Leben hat.
(Joh 3,16)
Glücklich seid ihr,
wenn ihr schweigen und zuhören könnt,
denn ihr werdet dabei viel Neues lernen.
Glücklich seid ihr,
wenn ihr klug genug seid,
euch selbst nicht zu ernst zu nehmen,
denn ihr werdet von eurer Umgebung geschätzt werden.
Glücklich seid ihr,
wenn ihr aufmerksam seid für eure Umwelt,
denn ihr werdet Gemeinschaft erleben.
Glücklich seid ihr,
wenn ihr die kleinen Dinge achtet,
denn sie werden euch Freude bereiten.
Glücklich seid ihr,
wenn ihr lächeln könnt,
denn euer Weg wird hell und froh sein.
Glücklich seid ihr,
wenn fähig werdet über die Fehler der anderen hinwegzusehen,
denn sie werden dann auch eure verzeihen.
Glücklich seid ihr,
wenn ihr nicht schweigen könnt wo euch Ungerechtigkeit begegnet,
denn so beginnt das Wort Gottes in euch zu wachsen.
Glücklich seid ihr,
wenn ihr in jedem Menschen, der euch begegnet
ein Kind Gottes erkennen könnt,
denn dann werdet ihr im Licht sein.
Selig seid ihr, wenn ihr einfach lebt.
Selig seid ihr, wenn ihr Lasten tragt.
Selig seid ihr, wenn ihr lieben lernt.
Selig seid ihr, wenn ihr Güte wagt.
Selig seid ihr, wenn ihr Frieden macht.
Selig seid ihr, wenn ihr Unrecht spürt.
Selig seid ihr, wenn ihr Leiden merkt.
Selig seid ihr, wenn ihr ehrlich bleibt.
Text: Friedrich Karl Barth, Peter Horst / Musik: Peter Janssens aus: uns allen blüht der Tod.
Komm herab, o Lebenskraft,
die im Dunkel Licht erschafft,
die das All erhaltend webt.
Komm, die unsere Welt durchdringt,
die in uns von Hoffnung singt,
deren Atem uns belebt.
Komm, die voller Liebe brennt,
komm, die mich beim Namen nennt,
kommt, die Leben wachsen lässt.
Was zerrissen, webst du neu,
was verloren, hältst du treu,
Armut wandelst du zum Fest.
Komm, des Unrechts Klägerin,
gib uns Mut zum aufrecht steh'n,
bleib uns in der Hoffnung nah.
Frieden und Gerechtigkeit
nähre neu in unsrer Zeit,
Ewige, unfassbar da.
Freundin, Schwester, Retterin,
meines Lebens Schöpferin,
brausend wie ein Wort im Wind.
Die uns in Gemeinschaft birgt,
mütterliche Liebe wirkt,
Weisheit zur Entfaltung bringt.
Die uns hin zur Güte lenkt,
heilt und tröstet, hält und drängt,
Du, die uns so ewig liebt.
Die die Tränen trocknen wird
und uns in die Freiheit führt,
mächtig deinen Segen gib.
Amen. Halleluja.
(Text: Anette Jantzen, Bistum Aachen)
Gott, du Spender alles Guten,
du hast uns das Brot des Himmels geschenkt.
Erhalte in uns das Verlangen nach dieser Speise,
die unser wahres Leben ist.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 6. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
du hast uns an deinem Tisch
mit neuer Kraft gestärkt.
Zeige uns den rechten Weg
durch diese vergängliche Welt
und lenke unseren Blick auf das Unvergängliche,
damit wir in allem dein Reich suchen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 1. Adventsonntag
Samstag der 4. Woche
Gütiger Gott,
du hast uns mit deinem Wort
und dem Brot des Lebens genährt.
Gib, daß wir gläubig auf deinen Sohn hören,
damit wir deine Kinder heißen und es in Wahrheit sind.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Taufe des Herrn
Herr, unser Gott,
heilige uns durch das Mahl, das wir gefeiert haben,
und gib uns Kraft zu einem christlichen Leben.
Mache deine Kirche zum Zeichen des Heils unter den Völkern,
damit sie die Gnade empfangen,
die dein Sohn am Kreuz für alle Menschen erworben hat,
der mit dir lebt und wirkt in alle Ewigkeit. Amen.
MB Für die Ausbreitung des Evangeliums B
Barmherziger Gott, höre unser Gebet.
Du hast uns im Sakrament
das Brot des Himmels gegeben,
damit wir an Seele und Leib gesunden.
Gib, daß wir
die Gewohnheiten des alten Menschen ablegen
und als neue Menschen leben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 16. Sonntag im Jahreskreis
Am Anfang hast du, Gott, das Licht geschaffen,
am Ende sehen wir das Paradies.
Es gibt keine Klagen mehr,
kein Weinen.
Es gibt keinen Hunger mehr,
keine schlaflose Nacht.
Mache uns zu deinen Boten,
die Ohren haben für Leid und Not,
Münder für Wahrheit und Recht,
Füße für lange Wege
und Hände voller Zärtlichkeit und Nähe.
Segne und behüte unser Glück,
wenn die Anfechtung kommt,
wenn der Zweifel nagt.
Du gehst mit uns.
In die nächsten Tage
und in Ewigkeit.
Vater im Himmel,
wir danken dir für das Vorbild deines Sohnes
und für das Mahl, das er uns geschenkt hat,
damit wir Stärkung erfahren für unser Leben.
Verwurzle uns in seiner Nachfolge,
zu unserem Selig-sein und zum Wohle dieser Welt.
Dir sei mit deinem Sohn Jesus Christus
und mit dem Hl. Geist,
alle Ehre und aller Lobpreis. – Amen.
Gott, gib deinen Segen uns, die wir miteinander auf das Wort deines Sohnes gehört und das Brot des Lebens geteilt haben.
Lege deinen Segen auf unser Bemühen, diese unsere und deine kleine und große Welt nach Jesu Vorbild zu gestalten.
Und behüte jene Menschen, deren Ohren und Herzen stets offen sind für uns und für jene, die der Hilfe bedürfen.
So segne und begleite und beschütze du, Gott, uns und alle Menschen, mit denen wir in Freundschaft und Liebe verbunden sind und auch die anderen: Gott-Vater, Gott-Sohn und Heiliger Geist. - Amen.
Liegt eine Botschaft in der Krise
wer kann sie erschließen?
Selig
wer anhält und innehält
in aufgewühlter Unruhe
in Gereiztheit und Einschränkung
Vernünftig
wer besonnen bleibt
und gestalterisch präsent
im eigenen Leben
und darüber hinaus
Weise
wer weiter sieht
und glaubt
dass es immer noch
Grund zur Dankbarkeit gibt
und einen Gott
der in allem mit dir ist
Mich auf Gott hin
verlassen
weil es kein Entrinnen gibt
aus Wirklichkeit und Realität
wohl aber ein Erkennen
das befreit
Wer es fassen kann
der erfasse es
und gehe verwandelt
aus der Krise hervor
manchmal
spüre ich
den Zugang
zu den Quellen nicht mehr
so planlos
rase ich
durch
die Zeit
spüre keine
Verwurzelung mehr
mit dem
was Leben
eigentlich will
weil doch so
Wichtiges
zu erledigen ist
dann fühle ich mich
ausgedörrt
entwurzelt
verkümmert
ohne festen -
ohne nährenden -
Boden
und
stehe
mitten
in meiner
eigenen
Wüste
und
dann
dann
spricht einer
von den
wahren Quellen
des Lebens
und lädt mich ein
will mich
neu tränken
mir neuen
lebenspendenden
Nährboden geben
lädt mich ein
mich neu zu verwurzeln
und ich spüre
wie
ganz langsam
die Kraft aufsteigt
die mich
dem Himmel
entgegenwachsen lässt
einem Himmel
der im
Alltäglichen
seine Verortung findet
Beatrix Senft, 2022.
Selig seid ihr, wenn ihr einfach lebt,
selig seid ihr, wenn ihr Lasten tragt.
Selig seid ihr, wenn ihr lieben lernt,
selig seid ihr, wenn ihr Güte wagt.
Selig seid ihr, wenn ihr Leiden merkt,
selig seid ihr, wenn ihr ehrlich bleibt.
Selig seid ihr, wenn ihr Frieden macht,
selig seid ihr, wenn ihr Unrecht spürt,
Dieses Lied ist einfach zu singen - auch mehrstimmig – und hat doch eine Botschaft, die anspruchsvoll ist: Selig seid ihr, wenn ihr einfach lebt. Selig seid ihr, wenn ihr Lasten tragt.
„Selig“ ist ein Wort, das fast nur im religiösen Sprachgebrauch vorkommt. Selig werden die Menschen genannt, die versuchen so zu leben, wie Jesus gelebt hat. Für mich sind das bewundernswerte Idealisten, aber auch ein bisschen weltfremd. Wer will schon freiwillig Lasten tragen oder auf allen Komfort verzichten und einfach leben?
Ich möchte eher glücklich werden. Das heißt für mich, dass andere Menschen mich mögen, dass ich geschätzt und respektiert werde. Dazu gehört auch, dass ich mein Auskommen habe und etwas genießen kann.
„Selig seid ihr“ Das Lied erinnert an die Worte Jesu bei der Bergpredigt: (…)
Unglaubliche Sätze. Die Armen, die Trauernden und die Machtlosen sollen selig sein? Ist das etwa erstrebenswert?
Selig sein und glücklich sein – da scheint es um etwas ganz Verschiedenes zu gehen.
Es ist jedoch interessant, dass das Wort selig ursprünglich eine viel weitere Bedeutung hatte. Das mittelhochdeutsche „saelec“ kann man auch mit glücklich, gesegnet und heilsam übersetzen. Im Wort „glückselig“ klingt das noch an.
Selig – glückselig nennt Jesus die Menschen, die ganz auf Gott setzen und sich seine Sache zu eigen machen. Die sich für Gerechtigkeit einsetzen und für einen Frieden ohne Gewalt. Jesus selbst hat so gelebt. Einfach. Ohne Macht. Was ihn reich und glücklich machte war Gott. Er spürte seine Nähe und seine überfließende Liebe. Dadurch war er liebe-voll, war ein Liebhaber der Menschen.
Selig seid ihr, wenn ihr lieben lernt,
selig seid ihr, wenn ihr Güte wagt.
Das Herz für den anderen zu öffnen, kann eine echte Herausforderung sein. Nicht meinen Vorteil zu suchen, sondern das Recht der anderen gelten zu lassen. Mich in ihre Situation hineinzudenken. Womöglich ihre Belastungen zu sehen und zu versuchen, sie erträglicher zu machen. Aber ich entdecke immer wieder, dass diese innere Haltung das Zusammenleben verändert. Anstatt dass jeder nur um sich selbst kreist, entsteht Beziehung und Gemeinschaft. Menschen beginnen, ihr Leben zu teilen. Ihre Sorgen und ihr Glück. Und dabei wird ihr Leben reicher, glücklicher. Vielleicht entdecken sie darin sogar Gott und seine überfließende Liebe. Das macht selig. Glückselig.
Das Lied des heutigen Sonntags ist durch seine vielen Wiederholungen sehr eingängig. Man könnte es immer weiter singen, bis es zu einer Lebensmelodie wird. Besonders schön klingt es mehrstimmig. Eine kleine Ahnung von Glückseligkeit.
Mechthild Alber, SWR2 Lied zum Sonntag, 15.10.2017
https://www.kirche-im-swr.de/?page=beitraege&id=25177
vgl. GL 458 und 459.
Hört, wen Jesus glücklich preist,
Halleluja,
Wem er Gottes Reich verheißt,
Halleluja!
Dem, der Gott nichts bieten kann,
Halleluja,
Bietet Gott die Freundschaft an,
Halleluja!
Hungert uns nach Gerechtigkeit,
Halleluja,
Steht uns Gottes Tisch bereit,
Halleluja!
Keinen der Barmherzig ist,
Halleluja,
Gottes Liebe je vergißt,
Halleluja!
Wer zum Frieden sich bekannt,
Halleluja,
Der wir Gottes Kind genannt,
Halleluja!
Kurt Hoffmann (1964), Friedrich Walz (1964)
https://www.youtube.com/watch?v=y9LpTARDr50
[1] als Ausruf der Bestürzung, Klage, des Kummers, Leids, (seelischen) Schmerzes oder dergleichen
[2] Ausruf als Ankündigung oder Androhung von etwas Schlimmen, Unheilvollen oder dergleichen
Auf den ersten Blick könnten Jesu Worte ja fast zynisch wirken. Er preist die Armen und Elenden selig und droht denen, die es zu etwas gebracht haben. Aber er meint es wohl ganz anders.
Er will uns mit diesem scharfen Worten wohl davor bewahren, zu hoffnungslosen Schwarzsehern zu werden.
Denen, die hungern, die trauern, die weinen und verzweifelt sind, die ausgestoßen, beschimpft und verfolgt werden, macht Jesus Mut: „Selig seid ihr!“ Ihr seid nicht allein! Gebt nicht auf! Gott ist an Eurer Seite! ER will Euch Zukunft schenken!
Aber auch denen, die es auf den ersten Blick gar nicht nötig haben, will Jesus Mut und Hoffnung geben: Den Reichen, den Satten, den Fröhlichen, denen, die von ihren Mitmenschen oft genug bewundert und auch beneidet werden, sagt Jesus: Begnügt euch damit nicht. Das Leben hat mehr zu bieten, als essen und trinken, als Geld und Karriere, als „Fun“ und „Action“, als Genuss und Vergnügen.
Vergiss nicht die Menschen, die dich lieben und deren Liebe du zum Leben brauchst. Vergiss nicht die kleinen Dinge, die das Leben oft erst lebenswert machen, die du für kein Geld der Welt kaufen kannst. Vergiss nicht, dass es nicht selbstverständlich ist, dass du so leben darfst, wie du lebst. Es ist nicht dein Verdienst, in einem der reichsten Länder der Erde geboren zu sein.
Michael Witti, 23. Februar 2019.
https://www.pfarrverband-feichten.de/humor-seligpreisungen-und-wehe-rufe-predigt-zum-6-sonntag-i-j-2019/
Mach hell, Herr, mein ganzes Denken,
mach hell mein ganzes Sein.
Und lass in deiner Liebe
mich wachsen und gedeihen.
Verwurzle mich auf Erden,
dass festen Stand ich find.
Doch richte Stamm und Äste,
dass sie dir nahe sind.
Und schenke mir Erblühen,
zu jeder guten Zeit.
Und lass mich Früchte tragen,
zu geben mich bereit.
Dass sich in meinem Schatten,
so mancher bergen mag.
Und schenk du mir die Nahrung,
dass ich stets wachse –
heute und jeden Tag.
Beatrix Senft, 2022.
Mein Selig
und mein Wehe
was machen sie aus mir?
Selig,
wenn ich Unrecht nicht
durch Wegschauen
legitimiere
Selig
wenn ich es aushalte
der Gerechtigkeit wegen
nicht verstanden zu werden
Selig
weil ich mit Gottes Kraft
viel aushalten kann
Wehe
wenn ich mich
aus Bequemlichkeit nicht engagiere
Wehe
wenn Belanglosigkeit
und Oberflächlichkeit
mein Leben verwässern
Wehe
wenn mich das Leid anderer
nicht mehr anrührt
und mich ins Handeln bringt
!?!
Wofür hast du dich in deinem Leben
so grundsätzlich entschieden?
Was ist eigentlich Armut? Welche Arten von Armut gibt es?
Im Wesentlichen unterscheidet man drei Arten der Armut:
Absolute Armut
Absolute oder extreme Armut bezeichnet nach Auskunft der Weltbank eine Armut, die durch ein Einkommen von etwa einem Dollar (neuerdings 1,9 US$) pro Tag gekennzeichnet ist. Auf der Welt gibt es 1,2 Milliarden Menschen, die in diese Kategorie fallen.
Relative Armut
Von relativer Armut spricht man in Wohlstandsgesellschaften, in denen es absolute Armut praktisch kaum gibt, wohl aber eine arme "Unterschicht" (neuerdings auch Prekariat genannt). Als relativ arm gilt hier derjenige, dessen Einkommen weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens beträgt.
Gefühlte Armut
Gefühlte oder auch sozio-kulturelle Armut lässt sich weniger an konkreten Einkommensgrenzen festmachen. Es ist mehr das Bewusstsein, das diese Art der Armut konstituiert. Sie betrifft diejenigen, die sich aufgrund ihrer allgemeinen gesellschaftlichen Ausgrenzung oder Diskriminierung als "arm" betrachten oder Angst vor einer sich verschlechternden wirtschaftlichen Lage haben bzw. in ständiger Angst vor Armut leben.
armut.de - 11. Februar 2019.
Mehr als eine Milliarde Menschen auf der Erde leben am Rande des Existenzminimums; rund 30.000 Menschen sterben täglich an Ursachen, die mit Armut und Hunger in Verbindung gebracht werden. Armut ist ein Teufelskreis: Gewisse Lebensumstände und Mangelerscheinungen können Armut hervorrufen, aber umgekehrt ist es die Armut, die zu Mangelerscheinungen, Not und bedrückenden Lebensumständen führt. Oft bedingen Armut und Unwissenheit sich gegenseitig. Wer einmal im Teufelskreis der Armut gefangen ist, findet daraus oft selbst kaum heraus und ist auf Hilfe angewiesen: Hilfe zur Selbsthilfe.
Armut ist vor allem ein Phänomen der Entwicklungsländer, aber sie breitet sich auch zunehmend in den Wohlstandsgesellschaften aus. In einer globalisierten Welt vergrößert sich die Kluft zwischen Arm und Reich zusehends, und ihre Grenze verwischt immer mehr. Sie verläuft heutzutage nicht nur zwischen dem wohlhabenden Norden (oder Westen) und den sogenannten Dritte Welt-Ländern, sondern zunehmend quer durch diese Länder hindurch: In vielen Entwicklungsländern formiert sich eine reiche Oberschicht, und in zahlreichen Industrienationen, darunter auch Deutschland, entsteht eine "neue Armut".
armut.de - 11. Februar 2019.
Armut ist oft erst auf den zweiten Blick sichtbar. Beim Einkaufen sehen wir einen Mann ohne Beine auf dem kalten Asphalt sitzen, zwanzig Meter weiter eine Frau mit einem Baby auf dem Arm. Sie sehen uns an und strecken ihre Hände aus. Beschämt sehen wir weg. Solche Situationen drücken das klassische Bild von Armut aus: Keine Wohnung, keine Arbeit, kein Geld, zerrissene Kleidung, BettlerInnen auf der Straße. Doch so offensichtlich zeigt sich Armut in den wenigsten Fällen. Meist spielen sich Existenzsorgen und Nöte hinter verschlossenen Türen ab. Beschämt, weil man das Gefühl hat, versagt zu haben. Verzweifelt, weil die Zukunft so düster scheint. Alleingelassen, weil es so schwer ist, um Hilfe zu bitten. Vielleicht sogar in der Wohnung nebenan… Wovon reden wir also? Wann ist jemand arm - und wie wird Armut gemessen?
Wann ist man arm?
In der Armutsforschung wird bei der Definition von Armut zwischen Armutsgefährdung und akuter Armut unterschieden. Statistisch gibt das EU-Programm SILC eine europaweit vergleichbare Armutsgrenze vor: Kriterium für deren Berechnung sind 60% des Median-Einkommens. Das ist jenes Einkommen, bei dem genau die Hälfte der Bevölkerung darüber, die andere Hälfte darunter liegt. Wer weniger als 60% dieses Median-Einkommens zur Verfügung hat, gilt als armutsgefährdet. Kommen weitere (Deprivations-) Faktoren wie Krankheit oder eine schlechte Wohnsituation dazu, gelten die Betroffenen als manifest arm.
Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 1.066 Euro im Monat zur Verfügung hat (12 Monate). Über eine Million Menschen (13% der Bevölkerung) sind in Österreich armutsgefährdet. Sie leben an oder unter der Armutsgrenze. Ihnen fehlt oft das Geld für das Nötigste wie Heizmaterial, Kleidung und kleinere Reparaturen.
Von akuter Armut spricht man, wenn zu den beschränkten finanziellen Mitteln weitere Faktoren wie Krankheit oder eine schlechte Wohnsituation dazu kommen. 431.000 Menschen, das sind rund 5% der Bevölkerung, müssen laut aktuellem Sozialbericht in Österreich in akuter Armut leben.Armut lässt sich schwer in konkreten Zahlen ausdrücken - denn niemand gesteht sich gerne ein,
arm zu sein - und es gibt kaum statistisches Zahlenmaterial. Gemessen wird deshalb vor allem die Armutsgefährdung. Faktoren dabei sind neben geringem Einkommen auch Lebensbedingungen, Chancen und Ressourcen im persönlichen Bereich. Eines zeigt sich dabei deutlich: Armut kann jeden treffen! Ein Unfall, eine Trennung, ein Schicksalsschlag, der Verlust des Arbeitsplatzes - ob selbstverschuldet oder nicht spielt keine Rolle - und die Abwärtsspirale beginnt sich zu drehen.
wien.youngcaritas.at - 11. Februar 2019.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
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Die erste Lesung stammt aus dem Buch Jeremia. Der Prophet Jeremia wirkte in den letzten Jahrzehnten vor dem Babylonischen Exil, wahrscheinlich von etwa 627 bis 586 v. Chr. Er wurde stärker verfolgt und angefeindet als alle anderen Propheten, weil er in seiner Botschaft das drohende Unheil ankündigte. Davon ist allerdings in den vier Versen der Lesung unmittelbar nichts zu spüren. Wir hören eher weisheitliche Worte, die eng mit dem 1. Psalm verwandt sind.
Um 628 v.Chr. erfährt Jeremia seine Berufung. Es ist in der Zeit des Königs Joschija. Er wendet sich gegen religiöse und sittliche Missstände. Interessant ist der Sachverhalt, dass König Joschija Reformen durchzieht wie die Reinigung des Tempels, der Götzendienst wurde erschwert oder unterdrückt. Priester, die dem Götzendienst huldigten oder praktizierten, wurden ermordet.
Es schien, das ganze Land Juda bekehrte sich zu Jahwe. Nur Jeremia sagt nichts zu diesen Reformen, lässt sich nicht zur Begeisterung hinreißen. Die tatsächliche Einstellung des Propheten zu diesen Reformen wird sich nie eruieren lassen.
Der Textabschnitt - verflucht der... auf Menschen vertraut,... auf schwaches Fleisch sich stützt... - kann jedenfalls als Kommentar zur Politik des Königs gesehen werden. Zu sehr rechnet der König laut dem Propheten mit seiner Streitmacht und nicht mit Jahwe.
Als alttestamentliche Lesung wird ein Abschnitt aus dem Buch des Propheten Jeremia vorgetragen. Es geht um Fluch und Segen. Je zwei Verse beschreiben mit eindrucksvollen Bildern den Fluch, bzw. den Segen, der den Menschen trifft, der sein Vertrauen auf Gott setzt, bzw. nicht setzt.
Hintergrund dieser Erwartung ist der Bundesgedanke. Der Bund zwischen Gott und dem Volk Israel ist den orientalischen Bündnissen zwischen den Königen und ihren Vasallen nachgebildet. Wer seinem König die Treue hält, ihm Gefolgschaft leistet, dem wird es gut gehen. Wer den Bund mit seinem Schutzherren nicht beachtet oder gar gegen die Interessen seines Schutzherren agiert, muß mit entsprechenden Sanktionen rechnen.
So ist auch der Bund mit Jahweh zu verstehen. Er ist ein eifersüchtiger Bündnispartner und Schutzherr der Menschen. Fluch ist nicht als Rache Gottes zu verstehen. Wer den Bund, den Gott mit seinem Volk geschlossen hat, missachtet, schneidet sich selbst vom Wasser des Lebens ab. Er steht im Trockenen. Das Bild des Strauchs in der Wüste ist ein Bild der Vereinsamung.
Wer hingegen dem Bundespartner Jahweh treu bleibt, wer auf Gott vertraut, kann sich entfalten, wie ein Baum am Wasser - ein beliebtes Motiv der alttestamentlichen Schriften (vgl. Psalm 1).
Beim Lesen oder Hören dieses Textes würde man ihn wahrscheinlich nicht auf Anhieb dem Jeremiabuch zuordnen, sondern viel eher der Weisheitsliteratur. Diese sieht im sogenannten Tun-Ergehen-Zusammenhang die Wurzel, dass jegliches Verhalten und Handeln eines Menschen Konsequenzen für sein Leben hat. Und aus dieser Zeit nach dem Exil, also aus dem 4./5. Jh. v.Chr. stammt vermutlich dieser Text. Zwei verschiedene Lebenshaltungen Gott gegenüber werden hier aufgezeigt und gewertet als Fluch oder Segen. Gerade in der Zeit nach dem Exil braucht es starke Überzeugungskraft, dem einen Gott zu vertrauen.
Die Wüste als Fluch
Der erste Weg ist jener, der sich von Gott entfernt. Er führt sozusagen in die Wüste. Diese wird in Bildern geschildert, die den Lesenden bzw. Hörenden die Münder tro- cken werden lässt, als unwirtlich, lebensbedrohlich, als unbedingt zu meiden: Hitze, kein Regen, heißer Wüstenboden, ja sogar unbewohnbares Salzland. In dieser le- bensfeindlichen Gegend überlebt kein Strauch, geschweige denn ein Mensch. Dieser Fluch soll eine eindrückliche Mahnung an Menschen sein, die Gott nicht (mehr) im Blick, nicht (mehr) im Herzen haben, sondern sich ausschließlich auf menschliche Kraft, „schwaches Fleisch“ stützen (V. 5) oder wie z.B. die Elberfelder Bibel übersetzt: wer „Fleisch zu seinem Arm macht“ – und nicht Gott.
Der Segen des Wassers
Gerade in Wüstengebieten wird Wasser als besonderer Segen empfunden und so auch hier als Bild für Segen verwendet. Diese Zuwendung Gottes wird jenem Menschen zuteil, der sich auf dem rechten Weg befindet, der also sein Leben auf Gott(Vertrauen) hin ausrichtet. Wer so lebt, ist nicht wie ein Strauch in der Steppe/ Wüste, der zu verdorren droht, sondern wie ein Baum mit grünen Blättern, der auf- grund des Umfeldes, in dem er wächst, keine Bedrohung fürchten muss. Ja, er hat sogar noch Lebensreserven für Notzeiten (V. 8).
Selig …
Der Vergleich mit einem Baum, der am Wasser gepflanzt ist, begegnet auch in Ps 1, dem Eingangstor zu den Psalmenbüchern (vgl. Ps 1,3). Hier ist ebenfalls der Baum am Wasser das Bild für den Gerechten, der als selig bezeichnet wird. Der Weg, den dieser geht, wird nicht nur für ihn selbst zum Segen, sondern auch für andere. Denn wer auf Gott vertraut und seine Hoffnung in ihm gründet, führt nach weisheitlicher Vorstellung ein von Gott behütetes Leben, aber auch eines, das das Wohl der ganzen Schöpfung im Blick bzw. im Herzen hat.
Im Evangelium sind die Jünger Jesu diese Gerechten, die im Vertrauen und in der Hoffnung auf Gott leben. Sie sind die Adressaten der Seligpreisungen, die Jesus ihnen zusagt. Im Gegensatz zu jenen, an die sich in paralleler Umkehrung die Weherufe richten, haben sie weder Armut noch Hunger, Not oder Bedrängnis zu fürchten. Worte wie Ströme von lebendigem Wasser …
Renate Hinterberger-Leidinger