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König Saul hasst den jungen, erfolgreichen David und versucht ihn zu töten. David flieht. Dann erhält er die Möglichkeit, sich an Saul zu rächen.
Lesung aus dem ersten Buch Samuel.
In jenen Tagen
machte Saul sich
mit dreitausend Mann, ausgesuchten Kriegern aus Israel,
auf den Weg
und zog in die Wüste von Sif hinab,
um dort nach David zu suchen.
David und Abischai kamen in der Nacht zu den Leuten Sauls
und siehe, Saul lag mitten im Lager und schlief;
sein Speer steckte neben seinem Kopf in der Erde
und rings um ihn schliefen Abner und seine Leute.
Da sagte Abischai zu David:
Heute hat Gott deinen Feind in deine Hand ausgeliefert.
Jetzt werde ich ihn mit einem einzigen Speerstoß
auf den Boden spießen,
einen zweiten brauche ich nicht dafür.
David aber erwiderte Abischai:
Bring ihn nicht um!
Denn wer hat je seine Hand
gegen den Gesalbten des HERRN erhoben
und ist ungestraft geblieben?
David nahm den Speer und den Wasserkrug,
die neben Sauls Kopf waren,
und sie gingen weg.
Niemand sah und niemand bemerkte etwas
und keiner wachte auf;
alle schliefen,
denn der HERR hatte sie in einen tiefen Schlaf fallen lassen.
David ging auf die andere Seite hinüber und stellte
sich in größerer Entfernung auf den Gipfel des Berges,
sodass ein weiter Zwischenraum zwischen ihnen war.
David sagte: Seht her,
hier ist der Speer des Königs.
Einer von den jungen Männern soll herüberkommen
und ihn holen.
Der HERR wird jedem seine Gerechtigkeit und Treue vergelten.
Obwohl dich der HERR heute in meine Hand gegeben hatte,
wollte ich meine Hand nicht an den Gesalbten des HERRN legen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem ersten Buch Samuel.
In jenen Tagen
machte Saul sich
mit dreitausend Mann, ausgesuchten Kriegern aus Israel,
auf den Weg
und zog in die Wüste von Sif hinab,
um dort nach David zu suchen.
Er schlug sein Lager auf der Anhöhe von Hachila
am Weg gegenüber von Jeschimon auf,
David aber blieb in der Wüste.
Als er sah, dass Saul ihm in die Wüste folgte,
schickte er Kundschafter aus und erfuhr,
dass Saul mit Sicherheit am Kommen war.
Er brach auf
und kam zu dem Ort, wo Saul sein Lager hatte.
Und David konnte die Stelle sehen,
wo Saul sich mit seinem Heerführer Abner,
dem Sohn Ners, zur Ruhe hingelegt hatte:
Saul schlief mitten im Lager,
während seine Leute rings um ihn herum lagen.
Da wandte sich David an den Hetiter Ahimelech
und an Abischai, den Sohn der Zeruja,
den Bruder Joabs, und sagte:
Wer geht mit mir zu Saul ins Lager hinab?
Abischai antwortete: Ich gehe mit.
So kamen David und Abischai
in der Nacht zu den Leuten
und siehe, Saul lag mitten im Lager und schlief;
sein Speer steckte neben seinem Kopf in der Erde
und rings um ihn schliefen Abner und seine Leute.
Da sagte Abischai zu David:
Heute hat Gott deinen Feind in deine Hand ausgeliefert.
Jetzt werde ich ihn
mit einem einzigen Speerstoß auf den Boden spießen,
einen zweiten brauche ich nicht dafür.
David aber erwiderte Abischai:
Bring ihn nicht um!
Denn wer hat je seine Hand gegen den Gesalbten des HERRN erhoben
und ist ungestraft geblieben?
Und er fügte hinzu:
So wahr der HERR lebt:
Der HERR möge ihn schlagen,
ob nun der Tag kommt, an dem er sterben muss,
oder ob er in den Krieg zieht und dort umkommt.
Mich aber bewahre der HERR davor,
dass ich meine Hand gegen den Gesalbten des HERRN erhebe.
Nimm jetzt den Speer neben seinem Kopf
und den Wasserkrug
und lass uns gehen!
David nahm den Speer und den Wasserkrug,
die neben Sauls Kopf waren,
und sie gingen weg.
Niemand sah und niemand bemerkte etwas
und keiner wachte auf;
alle schliefen,
denn der HERR hatte sie in einen tiefen Schlaf fallen lassen.
David ging auf die andere Seite hinüber
und stellte sich in größerer Entfernung
auf den Gipfel des Berges,
sodass ein weiter Zwischenraum zwischen ihnen war.
Dann rief er dem Volk und Abner, dem Sohn Ners, zu:
Abner, willst du antworten?
Abner antwortete und sagte:
Wer bist du, um den König anzurufen?
David antwortete Abner:
Bist du nicht ein Mann, dem keiner in Israel gleicht?
Warum hast du deinen Herrn, den König, nicht bewacht?
Es ist nämlich einer aus dem Volk gekommen,
um den König, deinen Herrn, umzubringen.
Das war nicht gut, was du da gemacht hast.
So wahr der HERR lebt:
Ihr habt den Tod verdient,
weil ihr euren Herrn, den Gesalbten des HERRN,
nicht bewacht habt.
Sieh doch nach,
wo der Speer des Königs und der Wasserkrug sind,
die neben dem Kopf des Königs standen!
Saul erkannte die Stimme Davids und sagte:
Ist das deine Stimme, mein Sohn David?
David antwortete:
Es ist meine Stimme, mein Herr und König.
Dann fragte er:
Warum verfolgt eigentlich mein Herr seinen Knecht?
Was habe ich denn getan?
Welches Unrecht habe ich begangen?
Möge doch mein Herr, der König,
jetzt auf die Worte seines Knechtes hören:
Wenn der HERR dich gegen mich aufgereizt hat,
möge er ein wohlriechendes Opfer erhalten.
Wenn es aber Menschen waren,
dann sollen sie verflucht sein vor dem HERRN;
denn sie haben mich vertrieben,
sodass ich jetzt nicht mehr
am Erbbesitz des HERRN teilhaben kann.
Sie sagen: Geh fort, diene anderen Göttern!
Doch mein Blut soll nicht fern vom HERRN zur Erde fließen.
Der König von Israel ist ausgezogen,
um einen einzigen Floh zu suchen,
wie man in den Bergen ein Rebhuhn jagt.
Darauf sagte Saul:
Ich habe gesündigt.
Komm zurück, mein Sohn David!
Ja, ich werde dir nichts zuleide tun,
weil dir heute mein Leben so kostbar war.
Ich sehe ein,
ich habe töricht gehandelt und schwere Fehler gemacht.
David erwiderte: Seht her,
hier ist der Speer des Königs.
Einer von den jungen Männern soll herüberkommen
und ihn holen.
Der HERR wird jedem seine Gerechtigkeit und Treue vergelten.
Obwohl dich der HERR heute in meine Hand gegeben hatte,
wollte ich meine Hand nicht an den Gesalbten des HERRN legen.
Doch denk daran:
Wie dein Leben heute in meinen Augen wertvoll war,
so wird auch mein Leben in den Augen des HERRN wertvoll sein;
er wird mich aus aller Bedrängnis erretten.
Saul sagte zu David: Gesegnet seist du, mein Sohn David.
Du wirst es sicher vollbringen,
dir wird es auch bestimmt gelingen.
Und David zog weiter,
Saul aber kehrte an seinen Ort zurück.
Kv - Gnädig und barmherzig ist der Herr,
voll Langmut und reich an Huld. - Kv
(oder GL 657,3)
Preise den HERRN, meine Seele,
und alles in mir seinen heiligen Namen!
Preise den HERRN, meine Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat! - Kv
Der dir all deine Schuld vergibt
und all deine Gebrechen heilt,
der dein Leben vor dem Untergang rettet
und dich mit Huld und Erbarmen krönt. - Kv
Der HERR ist barmherzig und gnädig,
langmütig und reich an Huld.
Er handelt an uns nicht nach unsern Sünden
und vergilt uns nicht nach unsrer Schuld. - Kv
So weit der Aufgang entfernt ist vom Untergang,
so weit entfernt er von uns unsere Frevel.
Wie ein Vater sich seiner Kinder erbarmt,
so erbarmt sich der HERR über alle, die ihn fürchten. - Kv
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korinth.
Schwestern und Brüder!
So steht es auch in der Schrift:
Adam, der erste Mensch, wurde ein irdisches Lebewesen.
Der letzte Adam wurde lebendig machender Geist.
Aber zuerst kommt nicht das Überirdische;
zuerst kommt das Irdische,
dann das Überirdische.
Der erste Mensch stammt von der Erde und ist Erde;
der zweite Mensch stammt vom Himmel.
Wie der von der Erde irdisch war,
so sind es auch seine Nachfahren.
Und wie der vom Himmel himmlisch ist,
so sind es auch seine Nachfahren.
Wie wir nach dem Bild des Irdischen gestaltet wurden,
so werden wir
auch nach dem Bild des Himmlischen gestaltet werden.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Diese Perikope aus dem 1. Korintherbrief steht im Kontext einer Erwiderung des Paulus auf Anfragen hinsichtlich des Auferstehungsglaubens. Nachdem er dazu zuvor auf das Bild des Samenkorns verwiesen hat (15,36-37) als einem Vorgang von Verwandlung, greift er jetzt zurück auf die Schöpfungserzählung. Wir gehören als Menschen, als Geschöpfe, zu Adam, dem "ersten Menschen", zu dem alles Irdische gehört. Christus aber ist der "letzte Adam", der "zweite Mensch", zu dem alles Himmlische gehört. Durch die Schöpfung haben wir Anteil am Ersten Adam, durch den Glauben aber Anteil am Zweiten Adam, an Christus.
Der 1. Korintherbrief gibt Einblick in die Vorgänge und Probleme des Lebens der hellenistischen Gemeinde in der Provinzhauptstadt Korinth, einer Hafen- und Handelsstadt in Griechenland.
Paulus kennt die Gemeinde gut und versucht die aufgetretenen Probleme auf eine einheitliche theologische Grundposition zurückzuführen. Stichworte für die Schwierigkeiten bei den Korinthern sind: Parteiung (1 Kor 1-4), Sexualethik (1 Kor 5-6). Die beiden zentralen Grundthemen des Briefes sind die "Liebe" (1 Kor 13) und die "Auferstehung" (1 Kor 15).
Im 15. Kapitel des Briefes setzt sich Paulus mit der Auferstehung auseinander. Ähnlich wie im Thessalonicher-Brief geht er vom Glaubensbekenntnis aus, was voraussetzt, daß es darüber in Korinth noch keine Differenzen gab: Jesus Christus ist der, der gekreuzigt wurde und auferstand. In Korinth scheint man die Auferstehung zu leugnen und davon auszugehen, daß die Gläubiggewordenen schon als Auferstandene leben und daß es deshalb keine Auferstehung der Toten mehr für sie geben kann. Paulus dagegen betont, daß auch für die Korinther die Auferstehung noch in der Zukunft liegt und daß sich das Leben der Christen auf der Erde, im konkreten sozialen und geschichtlichen Umfeld abspielt. Die Streichung des eschatologischen Vorbehalts in der Meinung schon jetzt im Zustand des Heils zu leben hatte zu "enthusiastischen", übertrieben charismatischen Verhalten geführt, das den Gottesdienst und das Gemeindeleben durcheinanderbrachten.
In diesem Lesungsabschnitt versucht Paulus der grundlegenden Differenz zwischen irdischer und himmlischer Existenz nahezukommen.
Der "neue", auferstandene Mensch ist nicht einfach eine Verbesserung des irdischen Menschen, sondern ist eine Neuschöpfung unter völlig anderen Voraussetzungen. Paulus kann keine Bilder oder konkrete Vorstellungen von der himmlischen Existenz der Auferstandenen liefern. Sein Verständnis ist ganz vom Christusgeschehen geprägt. Adam als Symbol für den ersten Menschen ist sozusagen der Prototyp des irdischen Menschen. Christus dagegen ist für Paulus "lebendigmachender Geist", nicht vergleichbar, nicht einmal beschreibbar mit irdischen Bildern.
Der neue "Leib" des Menschen gehört dem Bereich Gottes an und ist so Verheißung und Zukunft des irdischen Menschen.
Der erste Korintherbrief ist das früheste paulinische Zeugnis. Es ist weniger ein durchkomponierter Brief als mehr eine Sammlung von “Essays“ mit Themen, die Paulus am Herzen liegen. Im vorliegenden Text geht es einmal mehr um die Frage: “Was ist Auferstehung?” Paulus versucht es, hier ins Bild zu fassen: Auferstehen meint das Erhobenwerden über alles Irdische. Was einst irdisch geformt war, erhebt sich darüber hinweg zur Auferstehung. Diese Gedanken-Komposition des Paulus aber lässt sich weiterdenken: Nicht nur das Physische des Menschen wird über sich selbst erhoben, sondern auch sein ganzes Wesen. Mit allem, was der Mensch tut und ist, soll er sich über alles Irdische erheben.
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Ein neues Gebot gebe ich euch:
Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Euch aber, die ihr zuhört, sage ich:
Liebt eure Feinde;
tut denen Gutes, die euch hassen!
Segnet die, die euch verfluchen;
betet für die, die euch beschimpfen!
Dem, der dich auf die eine Wange schlägt,
halt auch die andere hin
und dem, der dir den Mantel wegnimmt,
lass auch das Hemd!
Gib jedem, der dich bittet;
und wenn dir jemand das Deine wegnimmt,
verlang es nicht zurück!
Und wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen,
das tut auch ihr ihnen!
Wenn ihr die liebt, die euch lieben,
welchen Dank erwartet ihr dafür?
Denn auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden.
Und wenn ihr denen Gutes tut, die euch Gutes tun,
welchen Dank erwartet ihr dafür?
Das tun auch die Sünder.
Und wenn ihr denen Geld leiht,
von denen ihr es zurückzubekommen hofft,
welchen Dank erwartet ihr dafür?
Auch die Sünder leihen Sündern,
um das Gleiche zurückzubekommen.
Doch ihr sollt eure Feinde lieben
und Gutes tun und leihen,
wo ihr nichts zurückerhoffen könnt.
Dann wird euer Lohn groß sein
und ihr werdet Söhne des Höchsten sein;
denn auch er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.
Seid barmherzig,
wie auch euer Vater barmherzig ist!
Richtet nicht,
dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden!
Verurteilt nicht,
dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden!
Erlasst einander die Schuld,
dann wird auch euch die Schuld erlassen werden!
Gebt,
dann wird auch euch gegeben werden!
Ein gutes, volles, gehäuftes, überfließendes Maß
wird man euch in den Schoß legen;
denn nach dem Maß, mit dem ihr messt,
wird auch euch zugemessen werden.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Perikope stammt aus dem Mittelteil der lukanischen Feldrede und entspricht in weiten Teilen der matthäischen Bergpredigt: Beide Autoren haben auf denselben Ursprung - dieselbe Logienquelle - zurückgegriffen. Im vorliegenden Teil wird das zur damaligen Vorstellung quer liegende Liebesgebot eingeführt, das schließlich in der Feindesliebe gipfelt. Hieß es im Buch Genesis (9,6) noch: „Wer Blut eines Menschen vergießt, um dieses Menschen willen wird auch sein Blut vergossen. Denn als Bild Gottes hat er den Menschen gemacht”. Oder später im Buch Levitikus (24,17f): “Wer einen Menschen erschlägt, hat den Tod verdient. Wer ein Stück Vieh erschlägt, muss es ersetzen: Leben für Leben”. Jesus hält nichts von derartigem Ausgleich und setzt damit die Ökonomie der Gerechtigkeit nach jüdischem Gesetz außer Kraft.
Im ersten Teil der Perikope wird eine Form der Liebe gegenüber jedermann skizziert, die dadurch hervorsticht, dass sie keinen Ausgleich kennt. Der weniger Geliebte soll sich nicht nur in seiner Unterlegenheit zufriedengeben, sondern sie auch noch fördern - zuhöchst zugespitzt, wenn er jene liebt, die ihm Schlechtes tun.
Der zweite Teil des Textes verbleibt wohl in der Thematik, aber fügt mit dem Schwerpunkt “wie auch euer Vater“ noch einen weiteren Grund für das Liebesgebot ein: Wer unbedingt und über alle Maßen liebt, kommt der Art und Weise eines unbedingt liebenden Gottes näher.
Den Abschnitt über die Vergeltung und die Feindesliebe schließt das Lukasevangelium im Rahmen der sogenannten "Feldrede" an die Seligpreisungen und die Wehrufe an. Positiv ausgedrückt könnte man diese Stelle mit: "über die Barmherzigkeit und die Nächstenliebe" überschreiben.
Die Forderungen sind radikal und doch aus dem alltäglichen Leben gegriffen: das Verhalten gegenüber Menschen, wo nur eine negative Beziehung besteht, Umgang mit Gewalt, mit Menschen, denen man nicht vertrauen kann, auch in diesen Grenzbereichen, hat sich die christliche Grundhaltung zu bewähren.
Feindlich gesinnte, hassende, gewalttätige und nicht vertrauenswürdige Menschen gehören zu der Realität, in die die Christen hineingestellt sind. Der Himmel ist noch nicht eingekehrt auf der Erde und die Christen sind nicht gefeit vor Begegnungen mit dem Bösen in der Welt, wie Paulus den Korinthern klarzumachen versuchte.
Es ist nach Lukas nicht möglich, und auch nicht christlich, davor die Augen zu verschließen, daß es böse Menschen gibt und um nicht damit konfrontiert zu werden nur im privaten, "frommen und rechtgläubigen" Zirkeln zu verkehren.
Wenn die Liebe der Christen nicht über den eigenen Gartenzaun hinausreicht, was bringt´s? Mit dem Evangelisten: "Welchen Dank erwartet ihr euch dafür?" (Lk 6:33)
Der Schreiber des Evangeliums will nicht, daß seine Leser zu geduldigen Opfern von Ausnutzung, Gewalt und Vertrauens mißbraucht werden. Es geht nicht um ein passives Erdulden und Erleiden, sondern um eine aktive Begegnung, dem Bösen die Stirn zu bieten, in einer Art und Weise, wie es in der Logik des Bösen nicht vorkommt: Gewalt nicht mit Gegengewalt zu beantworten, den Konflikt nicht eskalieren lassen sondern selber auszusteigen aus diesen gefährlichen Mechanismen. Der Evangelist lädt ein, aktiv zu werden, aus der Wahrnehmung und dem Erkennen des Bösen heraus bewußt einen Schritt in die andere Richtung zu setzen., sich nicht blind den unmittelbaren Emotionen hinzugeben.
Ähnlich arbeiten Psychotherapeuten mit Menschen, die in einem Konflikt, zum Beispiel in einer Ehekrise stehen: einmal den Standpunkt wechseln, den anderen nicht nur als "Feind", sondern auch als Menschen betrachten, ein Stück über den eigenen Schatten springen, einen Schritt der Versöhnung tun und darüber nachzudenken, wie weit mein eigenes Verhalten Anlaß gibt für Haß und Feindschaft. Radikale Forderungen? Herausfordernd vielleicht, aber nicht entmündigend, unterdrückend und zum Dulden verdammend.
Natürlich gibt es ein Risiko, sofortigen Erfolg verspricht der Evangelist Lukas nicht. Die Strukturen des Bösen sind zäh, im einzeln Menschen, in der Gesellschaft und auch in der Kirche. Das Evangelium verweist uns auf die Güte und Barmherzigkeit Gottes, nicht für unseren Umgang mit Menschen mit denen wir nicht gern zu tun haben, sondern auch für unsere eigenen Ansätze und Versuche, die Welt ein Stück menschlicher zu machen.
Lk 6,20-49 bringt die neue Gottesweisung, die Jesus den Jüngern und dem Volk verkündet. Lukas möchte diese Einheit als Wort an die Kirche verstanden wissen (deshalb der "ekklesiologische Rahmen" mit der Apostelwahl 6,12-19 als Vorschub). Nach den Seligpreisungen und Weherufen (6,20-26) folgt der Hauptteil der Rede: die neue Weisung, die radikale Liebe fordert.
6,27-38 stellt zunächst das neue Gebot Jesu vor. (Der zweite Teil der Rede - 6,39-45 - bringt danach eine kritische Reflexion des Neuen an diesem Gebot im Vergleich zu anderen Lebenswegen.)
6,27-31 stellt zunächst die Forderung dar: reaktionslose Feindesliebe und selbstlose Hilfsbereitschaft einem jeden gegenüber; den Abschluss bildet die "Goldene Regel", die die Einzelanweisungen ins Allgemeine führt. Sie ist positiv formuliert (vgl. Mk 12,31); die Eigenliebe wird als Maßstab für die Liebe zum Mitmenschen empfohlen. Indem Jesus allen Menschen eine Allgemeinregel in die Hand gibt, gibt er auch die Möglichkeit zum eigenen (Gewissens-)Entscheid, unabhängig von der Gesetzesauslegung von Schriftgelehrten.
6,32-35 bringt die Motivation für solches Handeln: nicht ein Lohndenken ist es, sondern selbstlose Liebe, die verschenken will; und doch ist auf einer tieferen Ebene der Lohn groß. Letztlich bringt Jesus eine Empfehlung der Nachahmung des Handelns Gottes, der "gütig ist gegenüber Undankbaren und Bösen".
6,36-38 bringt das Thema der Barmherzigkeit: nach dem Vorbild der Barmherzigkeit des Vaters bedeutet sie Verzeihen (V. 37) und Geben (V. 38).
Jesus setzt das Gebot der Nächstenliebe voraus (Lev 19,18), radikalisiert es aber, indem er fordert, auch den letzten, den verhasstesten Menschen noch lieben zu sollen. Der Schlüssel für ein solches Verhalten liegt letztlich im Handeln Gottes selbst (V. 36).
Verbindung zum Alten Testament
Mit dem Stichwort Feindesliebe verbinden viele Menschen – auch außerhalb der Kirche – zuerst Jesus von Nazaret und seine bedingungslose Nächstenliebe, die ihn von allen anderen biblischen Personen unterscheidet. Tatsächlich jedoch finden sich viele Handlungsanleitungen Jesu in Texten des Alten Testaments wieder.
Die sogenannte „Goldene Regel“ (V. 31; vgl. dazu auch Mt 7,12) hat dementsprechend genauso ihr Pendant im Alten Testament (vgl. Sir 31,15) und in der frühjüdischen Literatur wie das allgemeine Gebot der Nächstenliebe. Letzteres gilt dort sogar explizit nicht nur für Menschen aus dem eigenen Volk, sondern ebenso für Nichtjüdinnen und Juden (vgl. Lev 19,34). Von den Fremden ist der Schritt zu den Feinden zwar nicht mehr so weit, ausdrücklich findet sich der Aufruf zur Feindesliebe allerdings erst bei Jesus.
Eine konsequente Entscheidung
Die Feindesliebe ist der konsequente Endpunkt des Gottesbildes Jesu. Jede und jeder kann zu meinem Nächsten werden (vgl. die Beispielerzählung vom barmherzigen Samariter in Lk 10,30–35), sogar mein Feind. Auch ihm können wir als Kinder Gottes auf Augenhöhe begegnen. Möglich wird dies erst auf der Basis eines Gottesbildes, das Gott als radikal Liebenden versteht. Nur wer sich selbst bedingungslos geliebt weiß, kann die eigene Zuwendung auch jenen zukommen lassen, von denen er keine Gegenliebe erwartet. Die Feindesliebe wird damit zur Antwort des überfließenden Maßes der Liebe, die der Mensch selbst erfährt.
Erfahrungen einer geplagten Gemeinde
Jesu Worte sind keine theoretischphilosophischen Abhandlungen. Ihre Radikalität bekommen sie nicht zuletzt aufgrund ihrer realitätsnahen Bilder. Diese jedoch spiegeln nicht die Erfahrungen von Siegern wider. Vielmehr zeigt sich in ihnen eine deprimierende Realität, die geprägt ist von Ungerechtigkeit, Diebstahl und verschiedenen Formen von Hass, physischer und psychischer Gewalt.
Anders als die spätere Entwicklung der Kirche vermuten lässt, finden sich die Fundamente der ChristusGemeinden nicht in den glänzenden Palästen der Herrscherschichten, sondern im rauen Alltag von Sklaven und Menschen in prekären Situationen. Manch biblisches Beispiel (etwa 1 Petr 2,18–20) zeigt, wie real die Erfahrung der Unterdrückung und wie groß die Ohnmacht waren. Gegenwehr, Aufstand oder militärische Macht waren hier vollkommen aussichtslos.
Die Haltung Jesu ist eine andere: Es geht nicht darum, die Spirale von Gewalt und Gegengewalt weiterzudrehen. Hier steigt Jesus aus und ruft durch sein Handeln dazu auf, diese ebenfalls zu durchbrechen und bewusst eine andere Antwort auf erfahrenes Leid zu geben: die Liebe Gottes. Sie wird zum Merkmal, das die Menschen in der Nachfolge Jesu spürbar unterscheidet und ihre Gemeinschaft für andere attraktiv macht.
Reinhard Stiksel
Die Bibeltexte, die wir heute gehört haben, führen uns in verschiedene, aber tief miteinander verbundene Bereiche des christlichen Lebens hinein. Sie sprechen von Barmherzigkeit, von der Macht der Vergebung, von der Hoffnung auf die Auferstehung und der Aufforderung an uns alle, dem Beispiel Christi zu folgen.
Im 1. Buch Samuel erleben wir einen faszinierenden Moment der Barmherzigkeit und des Miteinanders im Angesicht von Konflikt und Gefahr. David hatte die Möglichkeit, Saul zu töten, der ihn verfolgte und in Gefahr gebracht hat. Doch David tut dies nicht. Er entscheidet sich, Saul nicht zu schaden, sondern ihm mit Respekt und Liebe zu begegnen. Er vertraut auf Gottes Ruf und zeigt uns, was es bedeutet, auch und gerade in schwierigen Momenten Barmherzigkeit zu üben und auf gegenseitige Rache zu verzichten. Er setzt auf Gottes Urteil und nicht auf menschliche Vergeltung. Diese Haltung ist ein lebendiges Zeugnis für Barmherzigkeit und Vergebung statt Rache und Hass. Dies ist der Weg, den uns Jesus auch im Lukasevangelium zeigt.
Hierbei spricht Jesus direkt zu uns und fordert uns heraus. Er ruft uns auf, nicht nur die zu lieben, die uns lieben, sondern auch unsere Feinde zu lieben, also denen Gutes zu tun, die uns hassen, und für die zu beten, die uns verfolgen. Diese Worte sind radikal und oftmals kaum umsetzbar. Denn sie stellen alles auf den Kopf, was der Welt und unserem menschlichen Verständnis nach „gerecht“ oder „richtig“ erscheint.
Jede und jeder unter uns, der ehrenamtlich tätig ist kennt das nur zu gut: Schenken, ohne zu fragen, ob es sich lohnt. Hilfsbereit für jene sein, die keinen offensichtlichen Beitrag zu unserer Gesellschaft leisten. Auf Gewalt gegenüber denen verzichten, die uns Gewalt antun. All das fordert Jesus heute im Evangelium von uns. Können wir da wirklich mitgehen? Mir persönlich fällt dies schwer. „Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd!“ (Lk 6,29), scheint schier unerreichbar zu sein.
Die Frage, ob und wie wir die Forderungen Jesu aufnehmen, stellen sich viele Menschen nicht. Wo kämen wir denn da hin! Wer kann das schon von sich behaupten, dass er, wenn ihn einer schlägt, er nicht zurückweicht oder er den anderen spüren lässt: Das war nicht in Ordnung.
Doch gerade hier zeigt sich die wahre Nachfolge Jesu. Liebe und Barmherzigkeit sind keine Optionen, sondern Grundvoraussetzungen für ein Leben im Glauben. Jesus fordert uns heraus, zu einem Leben der Selbstlosigkeit, der Vergebung und der Nächstenliebe zu gelangen. Die Welt zeigt uns gerade doch das Gegenteil: Feindseligkeit, Konkurrenz und Rache sind weit verbreitet. Doch Jesus spricht in klaren und einfachen Worten: „Liebt eure Feinde, tut wohl denen, die euch hassen.“ Was für eine Herausforderung!
Doch genau in dieser Liebe, die über alles hinausgeht, erfahren wir das wahre Leben. Wer es wagt und sich darauf einlässt, der wird etwas von der Freiheit Gottes spüren, von der Liebe, die umsonst gibt.
Die Bibeltexte, die wir heute gehört haben, sind eine Einladung an uns, den radikalen Weg Jesu mitzugehen: den Weg der Barmherzigkeit, der Vergebung und der Liebe zu allen Menschen, auch zu unseren Feinden. Wie David im Alten Testament in der schwierigen Situation der Verfolgung auf die Gnade Gottes vertraut und Saul nicht tötet, so sind auch wir aufgerufen, die Haltung Jesu zu übernehmen und dem Hass der Welt mit Liebe zu begegnen.
Nehmen wir daher zwei Fragen mit in die neue Woche und stellen wir sie uns ganz bewusst im Alltag: Wie können wir diesen Weg der Liebe und Barmherzigkeit in unserem Leben konkret werden lassen? Wie können wir denen, die uns verletzen oder uns Unrecht tun, in der Kraft Gottes vergeben und ihnen mit der Liebe begegnen, die Gott uns gezeigt hat?
Jesus spricht zu seinen Jüngern über ein heikles Kapitel in der zwischenmenschlichen Begegnung: Über den richtigen Umgang mit Menschen, die uns feindlich begegnen.
Er beginnt seine Erläuterung mit den Worten „Euch aber, die ihr zuhört“ und erweckt damit den Eindruck, dass diese wichtige Botschaft für eine ganz bestimmte Gruppe von Menschen bestimmt ist, für Menschen, die glauben, dass Worte aus Jesu Mund Gottes direkte Botschaft an sie sind. Ihr Inhalt ist dazu bestimmt, das Zusammenleben von Menschen als beglückend und gegenseitig erhellend zu gestalten. Es geht um ein gedeihliches Miteinander, in dem sich Leib und Seele jedes Einzelnen zu jener idealen Größe entwickeln können, als die jeder und jede ursprünglich von Gott gedacht ist. Seine Jünger hören zu, aber nicht allein mit ihren Ohren. Seine Worte dringen tief in ihr Herz hinein.
Sein „Euch aber, die ihr zuhört“ ist zweifellos auch an jeden gerichtet, der sich heute Morgen auf den Weg gemacht hat, um diesen Gottesdienst mitzufeiern. Die Erwartung, aus den Schrifttexten, den Liedern und der erlebten Gemeinschaft wieder Mut und Kraft für die nächste Woche zu erhalten, ist auch Ausdruck unseres Glaubens. Die Bitte nach dem rechten Hören wird uns heute beständig durch die Feier begleiten.
Jesus weiß, dass seine Botschaft von der Feindesliebe für „normale“ Menschen eine pure Zumutung darstellt. Deshalb auch der Hinweis auf die spezielle Zuhörerschaft. Aber für jene, die in Jesus die Menschwerdung Gottes als Erweis seiner göttlichen Liebe zu seinen besonderen Geschöpfen annehmen können, erweitert sie den Blickwinkel.
Wie weit ich persönlich schon zu dieser Spezies gehöre, kann ich am Widerstand messen, der sich in meinem Inneren auftut bei dem Ansinnen, nach einem Schlag auf die eine Wange auch noch die andere hinzuhalten oder dem Manteldieb auch noch das Hemd zu geben.
Diese zwei plakativen Beispiele wollen uns eine andere, neue Antwort auf erlebte Angriffe aufzeigen als Gegengewalt oder Bestrafung. Diese werden durch Demut und Mitleid ersetzt. Das unterbricht die Spirale von Gewalt und Gegengewalt oder die Umwandlung von materieller Not in Freiheitsentzug mit folgender sozialer Not.
Im Anschluss folgt die Aufzählung anderer möglicher Verhaltensweisen gegenüber Menschen, die sich mir gegenüber feindlich verhalten. Sie alle sind ausformulierte idealisierte Zielvisionen für das Zusammenleben von Menschen. Würde es uns gelingen in dieser Weise miteinander umzugehen, wäre diese Welt ident mit jenem Reich Gottes von dem Jesus so oft gesprochen hat. Schon die eingeschränkte Zuhörerschaft, aber auch die menschlichen Unzulänglichkeiten der potenziell befähigten Akteure stehen dieser Verwirklichung entgegen.
Was aber erreichbar bleibt und auf einem Weg der Jesusnachfolge tatsächlich umzusetzen ist, ist die vielfältige Realisierung solcher hochgesteckten Zielvisionen in kleinen markanten Bereichen unseres alltäglichen Zusammenlebens.
Dabei ist es hilfreich, sich an die sehr konkreten Anweisungen des Textes zu halten: Wer den segnet, der ihn verflucht, wer für den betet, der ihn beschimpft oder wer jenem Gutes tut, der ihn hasst, wird bemerken, dass dieses Tun die zwischenmenschliche Situation verändert. Gottes Geist kann wirken und lässt mich realisieren, dass wir beide Gottes geliebte Kinder sind - gleich wertvoll, gleich einmalig und unverwechselbar.
Mein Blickwinkel ändert sich und mit ihm offenbar auch mein Verhalten und meine Wirkung auf meine Umgebung. Plötzlich werde ich von meinem ursprünglichen Widersacher nicht mehr als Feind wahrgenommen. Für jemanden beten, jemandem Gutes tun und jemanden segnen bedeutet, ihn in Gottes Hand zu legen und ihn seiner Güte und Barmherzigkeit anzuvertrauen. Es bedeutet, ihn an einen anderen Ort zu verlagern, ihn damit aus meiner ungesunden Nähe zu entfernen und dadurch das Konfliktfeld zu verkleinern. Den Rest übernimmt der Geist Gottes.
Nicht vordergründige Gerechtigkeit, noch Strafe oder Schuldzuweisung beendet Konflikte, sondern ein Tun, das sich an Gottes Güte und Barmherzigkeit orientiert.
Es ist einfach, Menschen die uns liebend, vertrauensvoll und gütig gegenübertreten, in gleicher Weise zu begegnen. Das ist auch »Sündern« – damit sind wohl Menschen ohne Gottesbeziehung gemeint – möglich, sagt Jesus. Die bekannte Theologin Dorothee Sölle nannte diese zwischenmenschlichen Verhaltensweisen „gutbürgerliches Wohlverhalten“. Sie machte immer wieder darauf aufmerksam, dieses nicht mit christlicher Nächstenliebe zu verwechseln. Christliche Nächstenliebe fordert uns auf eine viel subtilere Weise heraus. Als Christen sind wir angehalten, unser Tun nicht vom Verhalten unseres Gegenübers abzuleiten, sondern uns am Verhalten Gottes gegenüber Undankbaren und Bösen ein Beispiel zu nehmen.
Im Falle eines feindlichen Gegenübers bleibt eine wertschätzende, fruchtbare Begegnung herausfordernd. Gelingt sie dennoch, winkt als Lohn ein gutes, gehäuftes, überfließendes Maß an Barmherzigkeit und Liebe, sowie die Gewissheit, selbst Tochter bzw. Sohn des Höchsten zu sein.
Wie "maßlos" ist die Liebesforderung Jesu? Sie ist maßlos im Sinne des Berechnens, sie braucht aber nicht unvernünftig zu sein. Jesus fordert uns auf, das gewohnte Berechnen zu durchbrechen und über uns hinaus zu wachsen. Tut in der Sorge um den Nächsten alles, was ihr könnt, tut es wirklich, aber tut es mit Vernunft.
Kennen Sie das: Sie sind eingeladen zur Feier eines Verwandten oder einer Freundin und überlegen sich nun, was Sie als Geschenk mitbringen könnten. Mal ehrlich: Haben Sie sich nicht auch schon bei der Versuchung erwischt, sich bei Ihrem Geschenk für jemanden anders an dem Geschenk zu orientieren, das genau diese andere Person Ihnen irgendwann einmal zuvor mitgebracht hat? So versuchen wir doch oftmals, zum einen jemanden nicht bloßzustellen. Die Idee: Unser Geschenk soll nicht mehr sein als das des anderen, um so eine Art des Übertrumpfens auszuschließen. Auf der anderen Seite soll unser Geschenk nicht weniger sein, weil wir uns selbst nicht zu bloßstellen wollen. - Klar, viele pfeifen durchaus auf diese Art einer Ökonomie der Güte, - wir geben und sind gütig, weil wir das von Herzen wollen: Aber haben wir es nicht irgendwie alle auch schon mal anders erlebt?
Die Verkündigung des heutigen Sonntag führt uns aus ganz verschiedenen Perspektiven an diese Thematik heran und lässt uns unsere eigene Stellung finden. Im Evangelium ruft Jesus der Zuhörerschaft zu: "Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen! Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch beschimpfen! Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd!" Und meint damit: Vergesst eine Ökonomie der Güte! Vielmehr: Tut über die Maßen Gutes, seid gut, weil euch euer Innerstes dazu treibt, weil ihr zum anderen wirklich gut sein wollt. Tut es, weil ihr Lust dazu habt, gut zu sein. Und wenn es nicht gerade die Lust ist, die euch treibt, dann tut es aus Dankbarkeit dem Schöpfer aller gegenüber.
Sogar, denen die uns Böses wollen, sollen wir Gutes tun: "Wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr dafür? Denn auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden. Und wenn ihr denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank erwartet ihr dafür? Das tun auch die Sünder", sagt Jesus. Auf das Geben und das Nehmen an sich soll wir uns besinnen und konzentrieren, nicht auf das Gegebene und Genommene. - Absolut nicht einfach, weil wir es so nicht gewohnt sind.
Die Worte der Feldpredigt, die wir heute gehört haben und die in weiten Teilen der Bergpredigt im Matthäusevangelium entsprechen, sind so etwas wie ein Grundsatzprogram der Mission des Gottessohnes. Und Jesu Mahnung, mit Güte kein Business zu betreiben, hat einen sehr tiefgehenden Grund: Die Menschen sollen sich aneinander verschenken, so wie es Gott selbst mit ihnen getan hat. Die endlose Güte Gottes soll bei allem, was wir tun, durchscheinen. Das ist nicht so ganz einfach, aber immer wieder probieren sollen wir es schon, mahnt die Schrift.
Der Apostel Paulus formuliert die Mahnung in einem Bild: "Der erste Mensch stammt von der Erde und ist Erde; der zweite Mensch stammt vom Himmel. Wie der von der Erde irdisch war, so sind es auch seine Nachfahren. Und wie der vom Himmel himmlisch ist, so sind es auch seine Nachfahren. Wie wir nach dem Bild des Irdischen gestaltet wurden, so werden wir auch nach dem Bild des Himmlischen gestaltet werden." Er lässt uns damit wissen: Durchbrecht euer Denken und Fühlen und erhebt euch selbst über alles Irdische.
Ja, Paulus hat immer das perfekte Geschöpf Gottes vor Augen, aber der Weg dahin ist nicht so ganz einfach. Das wusste niemand besser als der Völkerapostel selbst. Wenn es um Güte und Menschenliebe geht, hindert uns eigentlich recht wenig, aber das bisschen reicht doch zu oft: Es sind unsere eigenen Vorstellungen von diesen Haltungen, der feste Glaube, dass es irgendwie nicht geht. - Man könnte auch sagen, Paulus fordert die Menschen auf: Springt mal endlich über euren Schatten! Tut Gutes in einem Maß, das ihr euch nicht vorstellen könnt. Seid da, wo euer Fehlen richtig einsam macht. Sagt Wahrhaftiges, wo euer Leugnen oder gar Schweigen - übrigens in der Kirche auch wie in der Politik - Leben zerstört. Denkt über alle Grenzen hinweg, wo Mutlosigkeit Entwicklung verhindert. Knüpft überall Freundschaften und Verbindungen, weil alle miteinander mehr sind als nur die Summe der vielen Einzelnen.
Die alttestamentliche Geschichte bringt uns dieselbe Botschaft als Heldenstory aus der Geschichte des Alten Volkes Israels nahe: David konnte dem König Saul aus durchaus berechtigter Vergeltung nach dem Leben trachten, tut es dann aber nicht. David macht dann aber doch etwas, das Jesus in der neutestamentlichen Botschaft ausdrücklich ausschließt: David macht seinem Widersacher in ausladenden Gesten klar, wie gnädig er mit ihm umgesprungen ist. Jesus aber lässt die Menschen wissen: Wenn ihr Zeugnis von der Güte Gottes gebt, dann bleibt diskret. Eure Zeichen und Taten sollen sprechen, nicht eure Worte.
Die Botschaft der Verkündigung am heutigen Sonntag also: Denkt zuerst an den anderen, lasst für ihn alles stehen und liegen, liebt sogar eure Feinde - um des Himmelreiches willen. - Sind Sie schon einmal in einem Flugzeug gesessen kurz vor dem Start? Das Kabinenpersonal wird jetzt Notfallsituationen erklären und dabei auch auf den Umgang mit den Sauerstoffmasken verweisen, die im Ernstfall von oben herunterfallen, verbunden mit der Mahnung, man solle in der Krise zuerst sich selbst versorgen, bevor man anderen Passagieren hilft. Denn helfe ich mir selbst nicht zuerst, werde ich schnell wegen Sauerstoffmangels in der Situation sein, dass ich auch Anderen nicht mehr helfen kann und selbst dringendst Hilfe brauche.
Es gibt durchaus Situationen im Alltag, da muss unser eigenes Befinden Vorrang haben. Niemand hat am Ende etwas davon, wenn wir so verausgabt sind, dass wir selbst Hilfe brauchen: nicht in der Familie, nicht unter Freunden, nicht im Beruf, nicht in tätiger Nächstenliebe. Oder sonst wo. Eine Haltung überschwänglicher Solidarität und Nächstenliebe, die unser Wesen dem Himmlischen entgegen entwickelt, wie Paulus sagt, soll uns durchaus zu eigen sein. Aber wer hier dauerhaft maßlos ist, für den gilt dasselbe wie anderswo bei maßlosem Verhalten auch: Es wird bald einmal ungesund.
Und so können wir die Botschaft der Verkündigung am heutigen Sonntag noch ergänzen: Tut in der Sorge um den Nächsten alles, was ihr könnt, tut es wirklich, aber tut es mit Vernunft.
Gewaltverzicht und Feindesliebe, wie Jesus sie von seinen Jüngern verlangt, überfordert einerseits viele, andererseits treffen sie auf tiefe Sehnsüchte in uns. Es gilt, die Chancen dieser Haltungen zu entdecken und in unser Leben zu integrieren.
„Lass die Sonne in dein Herz, schick die Sehnsucht himmelwärts, gib dem Traum ein bisschen Freiheit, lass die Sehnsucht in dein Herz… Du hast fast vergessen, wie das ist ein Mensch zu sein.“ (https://www.youtube.com/watch?v=jjgxTLPB9fo). Wir alle brauchen diese Sonne für Liebe, Freiheit, Gerechtigkeit, Wahrheit.
Die biblischen Texte, die wir heute hörten, erinnern uns daran, welche Fehlhaltungen in uns selber, aber auch in Gemeinschaft, in Politik, in Kirche und in Gesellschaft manchmal offenbar werden.
Da ist in der 1. Lesung von König Saul aus dem kleinsten Stamm Benjamin und seinem Nachfolger David die Rede. Dieser erste König Saul war eine Enttäuschung. Er sollte seinem Volk dauerhaft Frieden bringen, herrschte aber sehr willkürlich, widersetzte sich den Weisungen JHWHs, die feindlichen Nachbarn werden immer mächtiger, Saul wird gestürzt und entwickelt großen Hass gegen den beim Volk beliebten Nachfolger David, der nicht Hass mit Hass vergilt und auch nicht die Gelegenheit nützt, an Saul Rache zu nehmen. David hat vor Saul Achtung, weil er ein „Gesalbter des Herrn“ ist. - Ein Beispiel für Feindesliebe.
Die 2. Lesung (1 Kor.15,45- 49) führt dieses Thema in anderer Weise weiter: "Zuerst kommt nicht das Überirdische, zuerst kommt das Irdische, dann das Überirdische.“ (1 Kor 15,46). Ein sehr bemerkenswerter Satz, der Bezug zur Schöpfungsgeschichte hat. Gen 2,7: Adam (= der »Erdling«), ist der auf der Erde lebende Mensch, und Eva bedeutet Leben. Das irdische Leben ist somit Bewährungszeit für das Himmlische. Wir werden nach dem Bild des Himmlischen gestaltet und sollten so durch unser Leben Gott immer ähnlicher werden, aber nicht wie Gott sein. Zugesichert ist uns seine Barmherzigkeit, weil er vollendet, was während unseres Daseins unvollständig geblieben ist. Das Überirdische, also das Weiterleben nach dem Tod, wird mit diesem Satz aus dem Korintherbrief angedeutet.
Das Evangelium, hier wieder ein Teil der Feldrede, gibt Hinweise, Empfehlungen, wie wir zu einem geglückten irdischen Leben kommen. Einen breiten Raum nehmen dabei die Feindesliebe und der Gewaltverzicht ein, Aufgaben, die uns ein Leben lang beschäftigen und sehr oft auch misslingen, wie die Menschheitsgeschichte zeigt, wo auf Rache Revanche und Gegengewalt stoßen.
Das Evangelium zeigt auf dreifache Weise, was Lieben in Handlungsschritten bedeutet: Gutes tun in Worten (benedicere heißt segnen, Gutes wünschen, Trost zusprechen) und Werken, in Taten und im Gebet füreinander. Das Gegenteil ist verfluchen, verfolgen, schädigen, Gottes Unwillen herbeirufen.
In dieser Perikope befinden sich drei bedenkenswerte Tipps: „Und wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, das tut auch ihr ihnen.“ (Lk 6,31). Das ist die sogenannte „Goldene Regel“, die wir auch bei Matthäus (7,12) nachlesen können, ebenso ist sie auch im Alten Testament im Buch Tobit (4,15) zu finden. Profan ausgedrückt: Leben und leben lassen. Das Bild mit der Wange (Lk 6,29) ist Symbol für den Gewaltabbruch, auch wenn es in einem noch so kocht und Rachegelüste unglaubliche Energie freisetzen können. Es soll der andere nachdenken, ob es so mit der Gewalt weitergehen kann. Der Gegner ist noch nicht der Feind.
Besonders heute, auffällig die beiden letzten Jahre, merken wir große Auffassungsunterschiede in Wirtschaft, Wissenschaft, Religion und Politik. Hier besonders zunehmende Wissenschaftsfeindlichkeit, die sich bis zu himmelschreiender Dummheit entwickeln kann. Wir sollten lernen, das auszuhalten. Das ist nicht immer leicht für manches Nervenkorsett. Voraussetzung für die Feindesliebe ist anzuerkennen, dass auch der Feind ein geliebtes Kind Gottes ist und dann so weit zu kommen, die Tat zu verachten und nicht den Täter. Jesus selbst hat den Kampf gegen die Gewalt bis hin zu seinem Tod hinein aufgenommen.
Das „Freund-Feind-Schema“ ist uralt. Der Philosoph, Staatsrechtler und Theologe Carl Schmitt (1888- 1985) formuliert dies in seiner „Politischen Theologie“ so: „Weil der Mensch nicht vollkommen gut ist, bilden sich Feindschaften. Die Politik ist es, die zwischen Freund und Feind unterscheidet.“ Ich füge an: „Nicht nur!“ Viel mehr noch: „Liebet eure Feinde, nichts bringt sie mehr aus der Fassung.“
Lass die Sonne in dein Herz, schick die Sehnsucht himmelwärts, die Sehnsucht nach Frieden, Liebe und Gewaltlosigkeit.
Die Forderung Jesu, sogar die Feinde zu lieben, für sie zu beten statt zu verfluchen, ist für viele Christen eine fast uneinlösbare Herausforderung. Beispiele zeigen, dass dies möglich ist. Wie schwer die uns manchmal fällt, zeigen auch gegenwärtige Konflikte.
Vom Evangelisten Lukas gibt es einen der „Bergpredigt“ bei Matthäus ähnlichen Text, die sogenannte „Feldrede“. Der heute gehörte Evangeliumsabschnitt des Lukas knüpft unmittelbar daran an und beinhaltet verschiedene Jesusworte. Radikaler als Matthäus in den Ausdeutungen, wie ich finde. Und diese Jesusworte haben Christen und Christinnen über alle Jahrhunderte hinweg herausgefordert.
„Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen!“ (Lk 6,27). - „Dem, der dich auf die Wange schlägt, halt auch die andere hin und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd!“ (Lk 6,29).
Starke, provokante Worte! Nur Worte - oder auch Anspruch für ein christliches Leben im Alltag heute? Viele Getaufte haben sich mit diesen Vorgaben auseinandergesetzt und immer wieder Antworten gesucht oder sich auch darüber hinweg geschwindelt, hinweggesetzt. Hinweg geschwindelt, indem man es erst gar nicht beachtet. Pikanterweise fällt gerade diese Bibelstelle in der Leseordnung der Kirche immer wieder aus, weil sie durch den kalendermäßig unterschiedlichen Einschub von Fastenzeit und Osterzeit in nicht wenigen Jahren übersprungen wird. Hinweggesetzt, weil über die Jahrhunderte hindurch nicht danach gelebt oder sogar gegenteilig gehandelt wurde und wird. Und niemandem steht es wohl zu, sich darüber moralisch zu erheben. Es ist einfach zu schwierig, zu herausfordernd.
Keine und keiner kann auf eine ähnliche Sternstunde hoffen, wie sie David in der Lesung aus dem ersten Buch Samuel zugeschrieben wird: Er hat den Verfolger, der ihm wehrlos ausgeliefert war, nicht angetastet, ihm im Moment der eigenen Stärke keinen Schaden zugefügt. Und dennoch sind wir Getauften aufgefordert, und es ist immer einen Versuch wert, im konkreten Anlassfall seine eigene Anwendung und Haltung dazu zu finden.
In einem jahrelang anhaltenden Nachbarschaftskonflikt beispielsweise. Wenn ein Wegziehen keine Option ist, Gespräche und Vermittlungsangebote Dritter nicht angenommen werden. Wie reagiere ich auf jahrelangen Psychoterror der Nachbar*innen über mir? Wie halte ich Ohnmacht, Angst, aber auch eigene Wut und Aggression aus und bändige sie?
In einzelnen Momenten der Besinnung und der Reflexion - auch mit externer geistlicher Begleitung, therapeutischer Beratung und vielen Gesprächen im Freundeskreis - ist mir mehr und mehr bewusst geworden, dass ich nicht in die Dynamik von psychischer Gewalt und Zerstörung einsteigen möchte, sondern eine alternative Haltung an den Tag legen möchte. Eine immense Herausforderung, manchmal gelungen, des Öfteren auch nicht - oft genug kam ich an meine eigenen Grenzen. Aber mein Anspruch war da: mich nicht entmutigen zu lassen von Rückschlägen, vom eigenen Scheitern.
„Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch beschimpfen!“ (Lk 6,28) hieß es dann in meinem Konfliktfall ganz konkret: In guten Momenten versuchte ich immer wieder mir vorzustellen, dass auch diese Nachbarn, die mich verfolgen, von irgendwem geliebte Menschen sind, irgendwo auch ihre guten Seiten haben. Bestimmt gibt es Gründe, warum sie sich mir gegenüber und allen Nachbar*innen im Haus gegenüber so verhalten, auch wenn wir nicht mehr die ursächlichen Auslöser dieses Verhaltens waren. In der systemischen Beratung gibt es einen zentralen Satz: Jeder tut fast alles aus Liebe, auch wenn sich dies mit den Jahren dann oft ins Gegenteil verkehrt.
Das ständige Abwägen darüber hat mich immer mehr darin bestärkt, nicht auf ihre Art und Weise reagieren zu wollen, nicht in ihre destruktive Dynamik einsteigen zu wollen und dennoch zu bleiben, durchzuhalten, bis sich das Problem auf andere Art und Weise erledigt hat. Die Nachbarn sind ausgezogen.
Lukas hat in die ausdeutenden Worte der Feldrede einen erklärenden Satz eingefügt, den wir auch in mehreren Religionen und philosophischen System als »Goldene Regel« vorfinden: „Und wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, das tut auch ihr ihnen!“ (Lk 6,31).
Selbstverständlich gilt dies auch gerade für heute, in unserer aktuellen gesellschaftlichen Situation, vor allem in Bezug auf die Corona-Pandemie: Jeder und jede ist zur Eigenverantwortung aufgerufen und zum friedlichen, respektvollen, ja liebenden, Blick auf andere. Besonders auf jene, die augenscheinlich nicht meiner Meinung sind, nicht meine Freund*innen sind, ohne dabei meine wohlüberlegte und reflektierte Sichtweise oder Meinung aufzugeben.
Demonstrationen vor Krankenhäusern, die das Gesundheitspersonal, Patient*innen und Angehörige massiv verstören, offene Angriffe auf Menschen aus den Gesundheitsberufen, die sich für die Betreuung Kranker und Pflegebedürftiger großen Belastungen aussetzen. Das entspricht wohl dem Gegenteil von all dem, was die zentralen Botschaften des Evangeliums meinen.
Schön, dass mehrere besonnene Gruppierungen in unserem Land hier zu „alternativen“ Demonstrationen aufrufen: Lichtermeere, Schweige-Kundgebungen und ähnliches: für das Leben, für die Freiheit des Einzelnen im Licht des Gemeinsamen, für die oft selbstlos Helfenden im Land, für die Verstorbenen. Eine friedliche und respektvolle Weise, um den Lauten, Radikalen und Gewaltbereiten zu signalisieren: so geht es nicht, es geht auch anders.
Wie die Leseordnung des heutigen Sonntags möchte auch ich folgenden Satz an den Schluss stellen: „Gebt, dann wird auch euch gegeben werden! Ein gutes, volles, gehäuftes, überfließendes Maß wird man euch in den Schoß legen; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt, wird auch euch zugemessen werden.“ (Lk 6,38).
© Peter Schwarzenbacher MSc, Referent für Diakone, Diözese Linz
Die Forderung Jesu, die Feinde zu lieben, empfinden viele Menschen als Überforderung. Wie und wo hat sie Platz in unserem Leben? Das emotionale Lieben ist nur eine Facette menschlicher Liebe. Die Feindesliebe kann von der Goldenen Regel her rational begründet werden. Das Leitbild der Liebe ist für Jesus die unendliche Barmherzigkeit Gottes. Diese geht noch über die Goldene Regel hinaus.
Die Feldrede des Lukas ist ein Gegenüber zur Bergpredigt bei Matthäus. In beiden Reden führt Jesus das alte jüdische Gesetz in seinem ursprünglichen Geist weiter. Er will seine Zuhörer auf eine höhere Stufe moralischen Handelns hinführen.
Feindesliebe ist eine scheinbar unmögliche Forderung Jesu. Wie kann ich konkret einen Feind lieben?
Lässt sich Jesu Leben und Wirken mit einem Wort beschreiben? Ich mache ihnen heute zu Beginn dieses Gottesdienstes ein Angebot mit dem griechischen Wort διακονία, was man mit "Dienst an den Mitmenschen" übersetzen kann. Dieser Dienst hatte für Jesus höchste Priorität. Denn er war und ist gnädig und barmherzig zu denen, die am Rand unserer Gesellschaft stehen und niemanden haben, der für sie da ist. Warum genau wir als Christen diese Rolle des »Aufrichters« einnehmen sollen, das hören wir heute im Evangelium.
Zu Beginn dieser Feier grüßen wir ihn, den barmherzigen Herrn, mit dem alten Ruf des Kyrie:
Wenn es um Nächstenliebe geht, kennt das Evangelium keine Kompromisse.
Es wird zur Herausforderung. Halten wir dem stand?
Schuldbekenntnis:
Ich bekenne Gott, dem Allmächtigen...
Herr Jesus Christus,
du willst, dass wir unsere Feinde wie unsere Freunde annehmen.
Herr erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du willst, dass wir denen Gutes tun, die uns oft übersehen haben.
Christus erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du willst, dass wir für jene beten, die uns oft beschimpft haben.
Herr erbarme dich.
Du, Herr Jesus Christus, bist gnädig und barmherzig,
langmütig und reich an Gnade.
Herr, erbarme dich.
Du, Herr Jesus Christus, bist gütig zu allen,
dein Erbarmen waltet über all deinen Werken.
Christus, erbarme dich.
Dir, Herr Jesus Christus, wollen danken,
wir, deine Frommen, dich preisen.
Herr, erbarme dich.
Vergebungsbitte:
Der gute Gott erbarme sich unser
er nehme von uns Schuld und Sünde
und führe uns zu einem ewigen Leben.
Herr; Jesus Christus,
du bist gekommen,
um von der verzeihenden Liebe und Barmherzigkeit des Vaters zu künden.
Herr, erbarme dich.
Du bist allen Menschen entgegengekommen.
Christus, erbarme dich.
Du bist deinen Weg der Nächstenliebe konsequent gegangen,
auch da, wo man dich angefeindet hat.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du bist Mensch geworden, um uns die Liebe Gottes zu zeigen.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du hast nicht für dich gelebt, sondern dich für uns hingegeben.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du schenkst uns den Heiligen Geist, der uns mit seiner Liebe erfüllt.
Herr, erbarme dich.
GL 161: Du rufst uns, Herr, trotz unsrer Schuld
Oder:
Herr Jesus, du hast geboten:
Liebt einander und hasst niemanden, nicht einmal die Feinde. -
Herr, erbarme dich unser.
Herr Jesus, du bist für deine Liebe in den Tod gegangen
und hast damit Tod und Hass besiegt.
Christus, erbarme dich unser.
Herr Jesus,
du sendest uns aus als Zeugen deiner Liebe.
Herr, erbarme dich unser.
Barmherziger Gott,
du hast durch deinen Sohn zu uns gesprochen.
Laß uns immer wieder über dein Wort nachsinnen,
damit wir reden und tun, was dir gefällt.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 7. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
du hast uns erschaffen, damit wir dich preisen.
Gib, daß wir dich mit ungeteiltem Herzen anbeten
und die Menschen lieben, wie du sie liebst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 4. Sonntag im Jahreskreis
Heiliger Gott,
du hast uns das Gebot der Liebe
zu dir und zu unserem Nächsten aufgetragen
als die Erfüllung des ganzen Gesetzes.
Gib uns die Kraft,
dieses Gebot treu zu befolgen,
damit wir das ewige Leben erlangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 25. Sonntag im Jahreskreis
Heiliger Gott,
gib, dass wir deinen Namen allezeit
fürchten und lieben.
Denn du entziehst keinem deine väterliche Hand,
der fest in deiner Liebe verwurzelt ist.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 12. Sonntag im Jahreskreis
Gott unser Vater,
Tag für Tag offenbarst du uns deine allumfassende Liebe.
Wir bitten dich: Lass uns erkennen, wie wir unsere Mitmenschen nicht aus dem Blick verlieren, sondern für sie da sein, sie trösten, stärken und stützen können.
Darum bitten wir durch deinen eingeborenen Sohn Jesus Christus, der uns Barmherzigkeit verheißt in Zeit und Ewigkeit. – Amen.
Gott,
Jesus hat dich verkündet
als den Gott der Güte und des Verzeihens.
Hilf uns,
nicht Böses mit Bösem zu vergelten
und an die Macht des Guten zu glauben.
Durch Christus, unseren Herrn.
Guter Gott
deine Liebe zu uns Menschen macht uns dankbar
und fordert uns heraus.
Was wir Tag um Tag von dir empfangen
bewege uns immer mehr dazu,
auch all jene an dem Anteil haben zu lassen,
die dessen noch mehr bedürfen als wir.
So bitten wir durch den,
der uns sogar sein Leben geschenkt hat:
Christus, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Vater im Himmel,
durch deinen Sohn Jesus Christus
hast du uns ein neues Menschenbild geschenkt.
In ihm hast du uns ein Beispiel gegeben
gegen alle Feindschaft und gegen allen Hass.
Stärke uns im Hören seines Wortes
und im Empfang seines Mahles
in dem Bemühen,
ihm auch auf diesem Weg zu folgen,
damit wir glaubhafte Zeugen seines Evangeliums werden können.
Das erbitten wir mit ihm, unserem Bruder und Herrn. – Amen.
Barmherziger Gott,
täglich beschäftigen uns viele Sorgen und Nöte, die wir jetzt im Gebet mit der ganzen Kirche vor dich bringen:
Wir bitten dich für alle Menschen, die ausgegrenzt werden aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Meinung oder ihrer religiösen Anschauung.
Lass die Menschen in unserer Gesellschaft einander in Toleranz und Wertschätzung begegnen.
Wir bitten dich für alle Menschen, die einsam oder verlassen sind.
Lass die Menschen in unserer Gesellschaft aufmerksam werden für ihre Bedürfnisse und stelle jemanden an ihre Seite, der sie aufrichtet.
Wir bitten dich für alle Menschen, die sich für den Frieden einsetzen und dafür viel Gewalt und Rückschläge erfahren müssen.
Lass die Menschen in unserer Gesellschaft wachsam werden für deine heilbringende Botschaft.
Wir bitten dich für alle Menschen, die Opfer von Terror und Gewalt geworden sind.
Lass die Menschen in unserer Gesellschaft erkennen, wie sinnlos jede Form von Gewalt ist und gib, dass alle Aggressoren zur Vernunft kommen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. – Amen.
Im Gebet treten wir in Beziehung zu Gott. Das verändert uns und unsere Einstellung zu allen, für die wir beten.
Füreinander und miteinander lasst uns beten:
Für ein Christentum, das versucht vorzuleben, wie Gemeinschaft nach deiner göttlichen Logik funktionieren könnte.
Für eine Welt, in der die Spirale von Vergeltung und Gegenvergeltung unterbrochen wird.
Für Menschen, die die Kraft aufbringen über für sie befremdliche Einstellungen mehr zu staunen als zu werten und zu verurteilen.
Für mehr Bewusstsein dafür, dass wir immer Gebende und Empfangende zugleich sind.
Für unsere Verstorbenen um Barmherzigkeit und Dank für alles, was wir ihnen im Leben nicht mehr geben konnten.
Dir vertrauen wir unsere Bitten und Gebete an. Erfülle sie nach deiner Weisheit und wandle uns durch deinen Geist. - Amen.
Gütiger Gott,
die Liebe zum Nächsten, die Sorge um ihn und sie,
kann manchmal eine Herausforderung sein.
Wir stellen uns dem und bitten dich um deine Hilfe.
Wir beten für alle, die sich für Notleidende einsetzen:
Lass sie die Bedürfnisse der Anderen wahrnehmen und achten.
Wir beten für alle, die sich über ihre Grenzen hinaus an andere verschenken:
Lass sie lernen, auch auf sich selbst achtzugeben.
Wir beten für alle, die den Frieden in Osteuropa und in Arabien in der Hand haben:
Schenke ihnen ein waches Gewissen und einen Sinn für ihre Verantwortung.
Wir beten für alle, die sich in der Neuausrichtung unserer Kirche in den Fragen sexueller Akzeptanz und partnerschaftlicher Formen ihre Meinung machen:
Lehre sie, sensibel zu bleiben für die Anliegen und Bedürfnisse aller.
Wir beten für alle, die sich nach einem Leben voller Liebe und Fürsorge
oder auch ungeliebt und verstoßen
in deine Hände haben fallen lassen:
Bereite ihnen einen Platz bei dir.
Guter Gott, du vernimmst unsere Sorgen und Nöte.
Bei dir wissen wir sie angenommen und aufgehoben.
Dafür danken wir dir durch Christus unseren Herrn. – Amen.
Gott lässt uns auf unserem Lebensweg nie allein.
Ihn bitten wir: wende dich unseren Bitten zu:
Durch unsere Taufe sind wir dir in ganz besonderer Weise verbunden.
Hilf uns als Christen wenigstens stückweise die Wirklichkeit deines Reiches in die Welt zu tragen.
Taten und Worte einzelner Potentaten wie Demütigungen und massive Drohgebärden setzen die Welt in Schrecken.
Steh allen Verantwortlichen bei, diesen Teufelskreis von Gewalt zu unterbrechen.
Aktuelle Konflikte in denen es um Werte wie Gesundheit und Klimaschutz geht, belasten unser einvernehmliches Zusammenleben.
Hilf uns, in der Bereitschaft zu gegenseitigem Verstehen Grenzüberschreitungen anderen gegenüber zu vermeiden.
Der unbefriedigenden Wirklichkeit von Hass, Streit, Egoismus und Unverträglichkeit begegnen wir nicht nur in unseren Mitmenschen sondern auch in uns selbst.
Lass unser Tun immer mehr von der Art und Weise bestimmt sein, in der uns begegnest.
Wir bedürfen immer deiner Gnade und Erlösung.
Im Vertrauen darauf, dass du letztlich keinen von uns fallen lässt, beten wir für unsere Verstorbenen.
Jesus stellt die Liebe in den Mittelpunkt seiner Verkündigung.
Dass diese Botschaft immer mehr zu einer Wirklichkeit für uns wird, die unser Handeln bestimmt,
erbitten wir durch ihn von dir, dem Vater, im Heiligen Geist. - Amen.
Gott, Du willst Frieden und die Liebe anstelle von Krieg und Hass.
Zu Dir, dem Geber alles Guten, kommen wir mit unseren Bitten:
Wir beten für alle, die in Kriege und Feindseligkeiten verwickelt sind:
um Frieden und Versöhnung.
Wir beten für die Menschen, die zu schwach sind, um sich zu wehren;
die ausgenutzt und missbraucht werden:
um ein Ende der Qualen.
Wir beten für alle, die in der Kirche und in der Verkündigung mitarbeiten:
um den Mut, für Christi Botschaft einzustehen.
Wir beten für alle, die sich in Krankenhäusern und Pflegeheimen
um Leib und Seele anderer kümmern:
um Kraft und Ausdauer.
Wir beten für unsere Verstorbenen:
um die Freude und den Frieden bei Dir.
Guter Gott,
diese ausgesprochenen und alle unsere unausgesprochenen Anliegen bringen wir vor dich.
Du sorgst dich um uns -
dafür danken wir dir durch Christus, unseren Herrn.
Allmächtiger Gott,
in der Feier der göttlichen Geheimnisse
erfüllen wir den Dienst, der uns aufgetragen ist.
Gib, daß wir deine Größe würdig loben und preisen
und aus diesem Opfer Heil empfangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 7. Sonntag im Jahreskreis
Herr, sieh gütig auf dein Volk,
das sich zu deinem Lob versammelt hat.
Nimm an, was wir darbringen,
und mehre durch diese Feier unsere Liebe.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 10. Sonntag im Jahreskreis
Gott,
sieh auf dein Volk, das im Gebet versammelt ist,
und nimm unsere Gaben an.
Heilige sie, damit alle, die sie empfangen,
in deiner Liebe wachsen und dir immer treuer dienen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 15. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
dein Sohn hat uns versprochen,
er werde in unserer Mitte sein,
wann immer wir in seinem Namen versammelt sind.
Er selber erfülle das Lobgebet,
das wir über Brot und Wein sagen,
mit seiner Hingabe und Liebe.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Auswahl 4
Gütiger und barmherziger Gott,
wir bringen dir unsere Gaben mit demütigem Herzen.
Erbarme dich über uns und erfülle uns mit deinem Licht und deiner Liebe.
Segne diese Gaben, dass sie ein Zeichen deiner Gnade und Barmherzigkeit für uns alle werden, durch Christus Jesus, unseren Herrn und Gott. – Amen.
Barmherziger Gott
du selbst deckst uns den Tisch,
aus deiner Güte dürfen wir alle empfangen.
Lass dieses Mahl, zu dem du uns geladen hast,
für uns eine Kraftquelle sein, die uns stärkt
und immer wieder neu zum Guten befähigt.
So bitten wir durch Christus unseren Herrn. – Amen.
Guter und barmherziger Gott,
wir danken dir für deine maßlose und Liebe,
die Jesus dein Sohn uns als Maß vorgegeben hat.
Kehrvers: Lobet den Herrn, preist seine Huld und Treue.. (GL 401)
Du hast mit deinem Volk einen Bund geschlossen
und ihm deine Gebote gegeben,
damit es in Frieden und gegenseitiger Achtung leben kann.
Kehrvers
Um die ganze Menschheit mit dir zu versöhnen,
hast du Jesus, deinen Sohn, gesandt.
Er hat uns deine überreiche Erlösung und Barmherzigkeit
in Worten, Zeichen und Taten geoffenbart.
Kehrvers
Er hat sich seinen Verfolgern in die Hand gegeben
und für sie noch am Kreuz um Vergebung gebeten.
Er hat uns gezeigt, wie auch wir für einander da sein
und einander lieben können.
Kehrvers
Seinen Jüngern hat er den Auftrag erteilt,
allen Menschen die Versöhnung mit dir
und die Vergebung der Sünden zu verkünden.
Kehrvers
Dafür danken und preisen wir dich
und stimmen wir in den Lobgesang der Ganzen Schöpfung ein
und singen:
Danklied, z. B. GL 409: Singt dem Herrn ein neues Lied…
Wir danken dir, Gott, allmächtiger Vater,
und preisen dich für dein Wirken in dieser Welt
durch unseren Herrn Jesus Christus:
Denn inmitten einer Menschheit,
die gespalten und zerrissen ist,
erfahren wir,
daß du Bereitschaft zur Versöhnung schenkst.
Dein Geist bewegt die Herzen,
wenn Feinde wieder miteinander sprechen,
Gegner sich die Hände reichen,
und Völker einen Weg zueinander suchen.
Dein Werk ist es,
wenn der Wille zum Frieden den Streit beendet,
Verzeihung den Haß überwindet
und Rache der Vergebung weicht.
Darum können wir nicht aufhören,
dir zu danken und dich zu preisen.
Wir stimmen ein
in den Lobgesang der Chöre des Himmels,
die ohne Ende rufen:
Aus dem Hochgebet Versöhnung 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir Dank zu sagen, heiliger Gott.
Du hörst nicht auf,
uns zu einem reicheren Leben zu berufen.
Weil du ein Gott voll herzlichen Erbarmens bist,
wirst du nicht müde,
uns immer neu deine Verzeihung anzubieten.
Du lädst den sündigen Menschen ein,
auf deine Vergebung zu bauen.
Obwohl wir deinen Bund gebrochen hatten,
hast du dich nicht von uns abgewandt.
Durch deinen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus,
hast du zwischen dir und der Menschheit
ein neues Band geknüpft, das nicht mehr zerreißt.
Immer wieder wendest du dein Volk dir zu
und läßt es aufatmen in Christus.
Du gibst ihm Mut,
sich mehr und mehr dem Heiligen Geist zu überlassen
und den Menschen zu dienen.
Darum bewundern wir dich und danken dir.
Wir verkünden die Kraft deiner Liebe
und die Freude deines Heiles in Christus.
Wir vereinen unsere Stimmen
mit den ungezählten Stimmen des Himmels und rufen:
Aus dem Hochgebet Versöhnung 2
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
immer und überall zu danken für deine Liebe,
die du uns niemals entzogen hast.
Du hast den Menschen in deiner Güte erschaffen
und ihn, als er der gerechten Strafe verfallen war,
in deiner großen Barmherzigkeit erlöst
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir
das Werk deiner Gnade und singen
mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Wochentage 2
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und dein Gnade zu rühmen.
So sehr hast du die Welt geliebt,
daß du deinen Sohn als Erlöser gesandt hast.
Er ist uns Menschen gleich geworden
in allem, außer der Sünde,
damit du in uns lieben kannst,
was du in deinem eigenen Sohne geliebt hast.
Durch den Ungehorsam der Sünde
haben wir deinen Bund gebrochen,
durch den Gehorsam deines Sohnes
hast du ihn erneuert.
Darum preisen wir das Werk deiner Liebe
und vereinen uns mit den Chören der Engel
zum Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ....
MB Sonntage 7
Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang
und heimkehren werde ich ins Haus des Herrn
für lange Zeiten.
(Ps 23,6)
Oder:
Es gibt keine größere Liebe,
als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt,
spricht der Herr.
(Joh 15,13)
Oder:
So spricht der Herr:
Wie ich euch geliebt habe,
so sollt auch ihr einander lieben.
(vgl. Joh 13,34)
Oder:
Christus spricht:
Euch, die ihr zuhört, sage ich:
Liebet eure Feinde,
tut denen Gutes, die euch hassen,
(Lk 6,27)
Immer wieder spüre ich
dass ich zwei Seiten habe
Eine, die sich für das Gute einsetzt
und eine, die das tut, was ich eigentlich gar nicht tun will
Eine Seite, die für andere da sein möchte
und eine andere, die nur an sich denkt
Eine Seite, die sich bemüht zu sein, wie sie sein sollte
und eine andere, die nicht aus ihrer Haut heraus kann
Eine Seite, die sagt: du bist in Ordnung
und eine andere, die sagt: du bist unmöglich
Eine Seite, die Gottes Wort annehmen möchte
und eine andere, die sich davon überfordert fühlt
Mit meinen beiden Seiten wende ich mich dir, mein Gott, zu
ich wende mich dir zu
mit meinem Unvermögen und meinen Grenzen
mit meinen Ängsten und Bedenken
mit meiner Hoffnung und mit meinem guten Willen
Ich wende mich dir zu
und nehme die Herausforderung an
Ich will deine Anliegen zu meinen machen
deine Einstellung zu meiner Einstellung
dann kannst du
durch mich
die Welt verändern
Getreuer Gott,
du hast uns das heilige Sakrament
als Unterpfand der kommenden Herrlichkeit gegeben.
Schenke uns einst das Heil in seiner ganzen Fülle.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 7. Sonntag im Jahreskreis
Barmherziger Gott,
du hast uns alle mit dem einen Brot des Himmels gestärkt.
Erfülle uns mit dem Geist deiner Liebe,
damit wir ein Herz und eine Seele werden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Sonntag im Jahreskreis
Barmherziger Gott,
wir haben den Auftrag deines Sohnes erfüllt
und sein Gedächtnis begangen.
Die heilige Gabe,
die wir in dieser Feier empfangen haben,
helfe uns,
daß wir in der Liebe zu dir und unseren Brüdern
Christus nachfolgen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 33. Sonntag im Jahreskreis
Gütiger Gott,
wir haben das Sakrament deiner Liebe empfangen.
Gib, dass wir in diesem Leben
Christus ähnlich werden, damit wir auch
an seiner Herrlichkeit Anteil erhalten.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Herz Jesu Votivmesse
Gütiger Gott,
bewahre dem Volk der Erlösten deine Liebe und Treue.
Das Leiden deines Sohnes hat uns gerettet;
sein Geist, der von dir ausgeht, führe uns den rechten Weg.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Pfingstmontag
MB Freitag in der Osterwoche
Menschenfreundlicher Gott,
wir danken dir für die Mahlgemeinschaft, die du uns heute wieder geschenkt hast. Hilf uns, deine Liebe in die Welt zu tragen und einander mit offenen Herzen zu begegnen.
Gib uns die Kraft unseren Mitmenschen beizustehen, so wie du uns es vorgelebt hast und stärke uns jetzt mit deinem Segen.
Darum bitten wir durch deinen Sohn Jesus Christus, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. – Amen.
Gütiger Gott,
du hast uns eingeladen an deinen Tisch.
Wir haben Mahl gehalten und dein Wort gehört.
Nun gehen wir hinaus,
um deine Güte in Wort und Tat weiterzutragen.
Sei du mit uns und begleite uns mit deinem Segen.
So bitten wir durch Christus unseren Herrn. – Amen.
Guter Gott,
dein Sohn sprach heute zu uns von der Liebe zu allen Menschen,
auch zu denen, mit denen es uns schwer fällt zu leben.
Er spricht zu uns,
dass wir mit dem Maß von dir gemessen werden,
mit dem auch wir messen.
Schenke uns wache Sinne,
damit wir erspüren,
wo wir ihm noch viel ähnlicher werden müssen
und gewähre uns zu unserem Tun die Kraft deines Hl. Geistes. – Amen.
Ganz schön
diese Zumutung
Feinde zu lieben …
Was sagt mein Herz dazu?
Es pocht
auf das eigene Recht
Es schlägt schneller
wo ich mich bedroht fühle
Es will sich herumdrücken
um das Hinnehmen
eines widerfahrenen Unrechts
Es zieht sich zusammen
wird eng
schlägt …
Zumutungen -
können sie nicht auch Mut
erwecken
unselige Kreisläufe
zu durchbrechen?
Wo
könnte ich damit anfangen?
Ganz im Kleinen …
Worte
die fangen –
wie: “ich liebe dich“ –
wer hätte sie nicht gerne
auch für sich
Worte
die verletzten –
die gegeneinander hetzen –
die zerreißen –
die verhindern jedes Zusammenschweißen –
die will keiner für sich –
heute und auch morgen nicht
Worte auf Worte
es entsteht eine Mauer –
auf beiden Seiten: Verletzung und Trauer
und dann –
als Geschenk –
ein AUGEN–BLICK
es kehrt eine kleine Bereitschaft zurück –
vielleicht nicht der große Frieden –
oder ab jetzt: „wir wollen uns lieben“ –
doch von der großen 490er Zahl
dieses eine Mal:
„Ich achte dein Leben
und will dir vergeben!“
Beatrix Senft, 2022
Lass die Sonne in dein Herz
schick die Sehnsucht himmelwärts
gib dem Traum ein bisschen Freiheit
lass die Sonne in dein Herz
Manchmal bist du traurig
und weisst nicht warum
tausend kleine Kleinigkeiten
machen dich ganz stumm
Du hast fast vergessen
wie das ist ein Mensch zu sein
doch du bist nicht allein
Lass die Sonne in dein Herz
schick die Sehnsucht himmelwärts
gib dem Traum ein bisschen Freiheit
lass die Sonne in dein Herz
Du musst an dich glauben
Mitleid brauchst du kein
und du musst dein Leben lieben
denn du hast nur eins
Niemals mehr im Schatten stehn
geh ins Licht hinein
du bist nicht allein
Lass die Sonne in dein Herz
schick die Sehnsucht himmelwärts
geh ins Licht mit offnen Armen
lass die Sonne in dein Herz
lass die Sonne in dein Herz
Lass die Sonne in dein Herz
schick die Sehnsucht himmelwärts
gib dem Traum ein bisschen Freiheit
lass die Sonne
lass die Sonne
lass die Sonne in dein Herz
Die größte Schwäche der Gewalt liegt darin, daß sie gerade das erzeugt, was sie vernichten will. Statt das Böse zu verringern, vermehrt sie es.
Durch Gewalt kann man den Lügner ermorden; aber man kann weder die Lüge ermorden noch die Wahrheit aufrichten. Durch Gewalt kann man den Hasser ermorden, aber man tötet den Haß nicht.
Gewalt verstärkt nur den Haß. Das ist der Lauf der Dinge. Gewalt mit Gewalt zu vergelten, vermehrt die Gewalt und macht eine Nacht, die schon sternenlos ist, noch dunkler. Dunkelheit kann die Dunkelheit nicht vertreiben; das kann nur das Licht. Haß kann den Haß nicht vertreiben; das kann nur die Liebe.
Martin Luther King
Der Titel mag zunächst befremden, doch er scheint mir auf die Sinnspitze der Bergpredigt zu zielen. Was da steht, kann auf den ersten Blick wie ein Zumutung oder Übertreibung erscheinen: "Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin. Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd zu nehmen, dann lass ihm auch den Mantel... Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte" (Matthäus 5,38-45)
Eine solche Liebe ist riskant; sie hat einen hohen Preis. Bei Jesus, und nicht nur bei ihm, am Ende selbst den Preis des Lebens.
Die Überschrift lehnt sich an einen Buchtitel des bekannten Psychoanalytikers Horst Eberhard Richter an: "Wer nicht leiden will, muss hassen." Leiden ist häufig der Preis der Liebe, denn sie macht berührbar und verletzlich.
Umgekehrt gilt: Wer nicht hassen will - und wer wollte das?! - muss sich für die Liebe entscheiden - mit allen Konsequenzen. Er muss wissen, dass Liebe verletzlich macht, dass sie wehtun kann. Doch diese Ohnmacht ist ihre Kraft. "Das Böse erleiden ist die einzige Möglichkeit, es zu zerstören", meint Simone Weil. Von Jesus heißt es: "Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung (Johannes 13,1). bis zum Äußersten...
Glaube ich an die verwandelnde Macht der Liebe? Halte ich an ihr fest, wenn es unbequem wird?
Aus: Gerhard Bauer, Leben heißt Lieben: Drei Minuten-Impulse, München 2014.
Gutes tun
nicht aus Berechnung
Feinde lieben
geht denn das?
Segnen
statt verfluchen!
Was verändere ich dadurch?
Meine innere Haltung
Mein Denken
Meine ‚wie du mir so ich dir Strategie‘
Und
wo möglich
die Herz-Kraft des andern
Jedenfalls nicht richten!
Oh Gott,
wie schnell geht das
von Mund zu Mund
von Mensch zu Mensch
EINER wird richten
dessen Name ist
Gerechtigkeit und Barmherzigkeit
Hab ich die Größe
dem EINEN das zu überlassen?
Eine Entlastung
auch für mich …
Die Presse: Im Einladungsschreiben für die Missbrauchskonferenz hat der Papst die Aufgabe gestellt, mit Opfern zusammenzukommen. Haben Sie Menschen getroffen, die in der Kirche Opfer von Missbrauch wurden?
Kardinal Walter Kasper: In der Zeit, in der ich Bischof war, in den 1990er-Jahren, war das Thema Missbrauch nicht so aktuell wie heute. Aber ja, ich habe damit zu tun gehabt. Das waren ganz unterschiedliche Erfahrungen. Viele Opfer sind schwer enttäuscht, sehr betroffen und haben traumatische Wunden davongetragen. Manche hatten das Erlebte zum Teil überwunden. Das hängt von der Persönlichkeit ab und davon, was ein Mensch für Erfahrungen gemacht hat. Gerade deshalb scheint es mir am allerwichtigsten, dass man diesen Menschen begegnet. Man muss mit den Opfern reden, sie anhören und ernst nehmen, ihnen Verständnis und Bedauern entgegenbringen.
Almut Siefert im Interview mit Kardinal Walter Kaspar: diepresse.com am 16.02.2019.

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Die Aufstiegsgeschichte Davids (ab 1 Sam 16) erzählt von Jahwes Zuwendung zu ihm. Diese Stelle ist eine Sage (Heldenerzählung) zur Idealisierung des späteren Königs David.
David ist in der Lesungsperikope der klar Unterlegene, auf der Flucht; er ist in der Wüste. Doch Saul gerät durch "Zufall" in Davids Hand. David steht vor der Prüfung: Nimmt er Rache – oder ist er loyal? Abischai (V. 8) ist dabei gleichsam der Versucher Davids, der ihn aufhetzen möchte; doch David anerkennt die Unantastbarkeit des "Gesalbten Jahwes" (V. 9).
David nimmt nur symbolisch als Zeichen für seinen nächtlichen Besuch im Lager zwei persönliche Gegenstände Sauls mit: den Speer und einen Wasserkrug. Saul sieht angesichts der Loyalität Davids seinen Fehler ein (V. 21): "Ich habe töricht gehandelt." Darauf gibt ihm David das Gestohlene zurück – und gibt als Maßstab seines Handelns an: dass "der Herr jedem seine Gerechtigkeit und Treue vergelten" wird (V. 23).
Die gemeinsame Geschichte von Saul und David endet an dieser Stelle; ihre Wege trennen sich endgültig, und sie werden sich im Leben nicht mehr begegnen.
Auch wenn es sich hier "nur" um eine Erzählung handelt, finden sich doch auch theologisch bedeutsame Gedanken.
1 Sam 26 stellt den Versuch dar, Davids Treue gegenüber Jahwe zu beweisen. Er hält der Versuchung, sich seines Verfolgers zu entledigen, stand, ja er rettet Saul vor dem stürmischeren Abischai. David weiß darum, dass er nur ein Werkzeug des Herrn ist, und seine Gerechtigkeit besteht darin, dass er den ihm wehrlos Ausgelieferten nicht selbst richtet, sondern ihn dem Urteil und Gericht Jahwes überlässt. Trotz aller Verfolgung anerkennt er Saul als den Gesalbten des Herrn (Vv. 9.23). In alledem weiß David aber um den Beistand Jahwes, der ihn "aus aller Bedrängnis erretten wird" (V. 24).
Es geht dem Erzähler darum zu zeigen, dass David nicht aus eigener Kraft, sondern nur durch die Hilfe Jahwes das Königtum erreicht hat. David ist ein von Gott Geführter.
Gleichzeitig aber ist David dadurch, dass er auch in der Verfolgung, als er außerhalb der Ordnung lebte, keine Schuld auf sich lud und sowohl Gott gegenüber gehorsam als auch dem König gegenüber loyal geblieben ist, als Fortführer des Alten, der Anfänge des Königtums unter Saul, legitimiert.
Der Segen über David, der Saul in einer Prophezeiung am Schluss dieser Erzählung in den Mund gelegt ist (V. 25), weist über diesen Kontext hinaus. Auf David gründet sich schließlich nicht nur das Königtum in Israel, sondern an ihm werden letztlich auch die messianischen Hoffnungen eines neuen Königtums festgemacht, die für uns Christen herüberreichen in das Neue Testament. Jesus, der "Sohn Davids" (Mt 1:6; 19:21), hat "es sicher vollbracht" (1 Sam 26:25), nämlich die Rettung seines Volkes.
Die Samuelbücher, die in der griechischen Bibel getrennt wurden, gehören eng mit den Königsbüchern zusammen. Sie erzählen den Geschichtsablauf von der Geburt des letzten Richters, Samuel, bis kurz vor den Tod Davids. Samuel, der letzte, der die richterliche und prophetische Funktion in dieser Form wahrnimmt, salbt den ersten König Israels: Saul und später auch dessen Nachfolger David. Die Hauptteile der Samuelbücher gliedern sich in:
1. Samuel und Saul (1 Sam 1-15)
2. Der Aufstieg Davids (1 Sam 16- 2 Sam 5.7-8)
3. Die Nachfolger Davids (2 Sam 6.9-20; 1 Kön 1-2)
4. Verschiedene Nachträge (2 Sam 21-24)
Der Aufstieg Davids wird sehr spannend und abwechslungsreich erzählt. Der Leser erfährt viele Details aus dem Leben Davids und zugleich wird exemplarisch das Handeln Gottes deutlich. Beginnend von der Salbung Davids an, über die Szene des jungen Zitherspielers am Königshof, der sich zu einem gefürchteten Feldherrn mausert, als Freischärler sogar zum Gegner König Sauls werden muß und schließlich nach dem Tod Saul selbst zum König wird, ist David kein "Heiliger" aber ein "Gerechter", der in Treue zu seinem Gott lebt.
Das wird besonders deutlich in den Szenen, in denen das Leben König Sauls in der Hand Davids liegt und er allen Grund hätte, ihn zu töten. Schon in 1 Sam 24 wird erzählt, daß Saul "zufällig" in die Höhle kommt, in der sich David vor ihm versteckt hält. David schont sein Leben, die beiden versöhnen sich - was Saul aber nicht davon abhält, sich kurze Zeit später wieder mit 3000 Mann auf die Suche nach dem Rivalen David zu machen.
Hatte David bei der ersten Szene ein Stück des königlichen Mantel abgeschnitten um seine Unschuld zu beweisen, so nimmt er jetzt den Speer und den Wasserkrug des Königs aus dem Lager mit. Es ist eine mehr als zeichenhafte Aktion, wenn man verfolgt, welcher Wert in den Samuelbücher auf Erzählungen über Kleidungsstücke und Ausrüstungsgegenstände gelegt wird (zum Beispiel als David die Rüstung Sauls anlegen soll um Goliath gegenüber zu treten 1 Sam 17:38ff; der Mantel Jonathans, den er David gibt 1 Sam 18:4; oder als Saul von Samuel erfährt, daß Gott ihm die Herrschaft wegnimmt 1 Sam 15:27).
Der Anrede "mein Sohn David" steht der Wille Sauls gegenüber, den Verlust der Herrschaft mit allen Mitteln zu verhindern. Der Unschuld Davids wird die Falschheit Sauls gegenübergestellt. Der Brutalität und Taubheit für den Willen Gottes auf Seiten des Machthabers steht der Glaube und das Gottvertrauen des ebenso Gesalbten gegenüber.
Mit dem Speer könnte David Saul in jener Nacht im Lager töten, mit dem Saul versucht hat, den jungen David, als er noch bei ihm am Hof lebte, an die Wand zu spießen (1 Sam 18:11;19:10). Der Speer als Symbol des Todes in der Hand des einen Gesalbten wird zum Zeichen der Unschuld und der Gerechtigkeit durch die Handlung des zweiten Gesalbten.
Nach dem Schuldeingeständnis Sauls folgt wie in der anderen Szene der Segen für den "Sohn" David. Paradoxerweise ist es gerade David, der neue Auserwählte und Gesalbte Gottes, der dem verworfenen König sein Königtum bestätigt (1 Sam 26:17.23). Gerade die Anerkennung seines Königtums durch David treibt Saul noch weiter in die Verzweiflung und in den Wahnsinn. Der Bruch zwischen den beiden ist trotz gegenteiliger Aussagen nicht mehr heilbar, jeder geht den von ihm eingeschlagenen Weg weiter.
Hier wird auch ein Stück des Geheimnisses der göttlichen Erwählung sichtbar: Gott erwählt und verwirft zugleich, gibt und nimmt, steht zugleich zu seinem Wort und zieht doch die Konsequenzen und auch der von Gott Auserwählte und Gesalbte ist frei in seinen Entscheidungen, genauso wie er auch deren Konsequenzen zu tragen hat.
Wir befinden am Anfang des letzten Jahrtausends vor Christus. Saul ist König und befindet sich im Dauerclinch mit dem jungen David. David ist ein guter Krieger und Politiker und steht treu zum Königreich. Saul aber sieht in ihm einen beständigen Widersacher. David hat es bereits geschafft, sein kriegerisches Geschick zu beweisen und hat sogar Sauls Tochter Michal zur Frau bekommen. Doch Saul traut ihm immer noch nicht und will ihn als Konkurrenten loswerden. Dabei hat David keinerlei umstürzlerische Absichten. Zweimal kommt es vor, dass David Saul aus dem Weg räumen könnte, um selbst auf den Thron zu gelangen. Doch David sieht jedes Mal davon ab. - Die zweite dieser beiden Geschichten erzählt die vorliegende Lesung.
Die biblische Erzählung rund um den Aufstieg Davids zum König beschreibt David als legitimen Nachfolger Sauls. Sie hat dabei jedoch mit dem Problem zu kämpfen, dass David nicht Sauls Sohn und daher auch nicht der rechtmäßige Thronanwärter ist. Umso wichtiger ist es, den Eindruck zu vermeiden, er sei als Thronräuber oder Putschist an die Macht gelangt. Daher wird viel Gewicht auf Aspekte gelegt, die für David sprechen: die Salbung durch Samuel (1 Sam 16); die geistige Krankheit Sauls (1 Sam 16); der kriegerische Erfolg Davids (1 Sam 17); die große Liebe, die ihm vom rechtmäßigen Thronfolger Jonatan entgegengebracht wird (z.B. 1 Sam 18 – 20) und die Freundschaft bedeutender Männer wie Samuel (1 Sam 19) oder dem Priester Ahimelech (1 Sam 21). David ist also als Nachfolger von Gott erwählt, dazu fähig und von berufener Stelle anerkannt.
Besonders wichtig ist natürlich der wiederholte Hinweis darauf, dass David keinen Anteil am Tod Sauls hat und auch sonst nichts Gewaltsames gegen Gottes Gesalbten unternehmen würde. Dazu dient der Text der ersten Lesung.
Davids Wohlwollen gegenüber Saul
Während Saul erfolglos versucht, David aufzuspüren und umzubringen, hat David zweimal Gelegenheit, Saul zu töten, tut es aber nicht.
Das erste Mal begnügt er sich damit, Saul einen Zipfel vom Gewand abzuschneiden (vgl. 1 Sam 24). Hier, in diesem Text, raubt David dem schlafenden König im Beisein der (ebenfalls schlafenden) versammelten Kriegerschaft Krug und Speer, zwei Gegenstände also, die in unmittelbarer Nähe des Schlafenden liegen (neben dem Kopf, vgl. V. 16) und die zu rauben eine große Portion Kühnheit erfordert. Damit zeigt David sehr deutlich:
- Es wäre ihm ein Leichtes gewesen, Saul zu töten und unerkannt zu entkommen.
- Er steht unter Gottes Schutz.
- Saul ist mit seinen Anfeindungen gegen ihn im Unrecht.
Der Loyalitätserweis zeigt Folgen: Saul ist von Davids Großmut beeindruckt und segnet ihn. Für kurze Zeit ist Friede eingekehrt.
Die Feinde nicht hassen
Der Zusammenklang mit dem Evangelium fokussiert den stark zusammengekürzten Text der ersten Lesung auf den Aspekt der Feindesliebe. Wie David den Hass Sauls nicht mit Gewalt beantwortet hat, sondern mit Großmut, ruft Jesus auf, Böses nicht mit Bösem zu vergelten, sondern die Feinde zu lieben. Jesus greift damit das Gebot der Nächstenliebe aus seiner jüdischen Tradition auf (vgl. Lev 19,18), das fordert, sich am Nächsten nicht zu rächen und ihm nichts nachzutragen. Die Worte „rächen“ und „nachtragen“ implizieren, dass auch hier Böses erlitten wurde. Jesus formuliert es noch pointierter und wendet sich damit gegen einen Dualismus (Freunde lieben, Feinde hassen), der in manchen Gemeinschaften (z.B. in Qumran) zu dieser Zeit gebräuchlich war.
Elisabeth Birnbaum