Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Deuteronómium.
Mose sprach zum Volk:
Der Herr wird dir Gutes tun.
Denn du hörst auf die Stimme des Herrn, deines Gottes,
und bewahrst seine Gebote und Satzungen,
die in dieser Urkunde der Weisung einzeln aufgezeichnet sind,
und kehrst zum Herrn, deinem Gott,
mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele zurück.
Denn dieses Gebot, auf das ich dich heute verpflichte,
geht nicht über deine Kraft und ist nicht fern von dir.
Es ist nicht im Himmel,
sodass du sagen müsstest:
Wer steigt für uns in den Himmel hinauf,
holt es herunter und verkündet es uns,
damit wir es halten können?
Es ist auch nicht jenseits des Meeres,
sodass du sagen müsstest:
Wer fährt für uns über das Meer,
holt es herüber und verkündet es uns,
damit wir es halten können?
Nein, das Wort ist ganz nah bei dir,
es ist in deinem Mund und in deinem Herzen,
du kannst es halten.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Deuteronómium.
Mose sprach zum Volk:
Und wenn alle diese Worte über dich gekommen sind,
der Segen und der Fluch, die ich dir vorgelegt habe,
dann wirst du sie dir zu Herzen nehmen
mitten unter den Völkern,
unter die der HERR, dein Gott, dich versprengt hat,
und zum HERRN, deinem Gott, zurückkehren
und auf seine Stimme hören
in allem, wozu ich dich heute verpflichte,
du und deine Kinder,
mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele,
und der HERR, dein Gott, wird dein Schicksal wenden.
Er wird sich deiner erbarmen,
sich dir zukehren
und dich aus allen Völkern zusammenführen,
unter die der HERR, dein Gott, dich verstreut hat.
Und wenn einige von dir
bis ans Ende des Himmels versprengt sind,
wird dich der HERR, dein Gott,
von dort zusammenführen,
von dort wird er dich holen.
Und der HERR, dein Gott,
wird dich in das Land,
das deine Väter in Besitz genommen haben,
zurückbringen.
Du wirst es wieder in Besitz nehmen
und er wird dich glücklicher und zahlreicher machen
als deine Väter.
Der HERR, dein Gott,
wird dein Herz
und das Herz deiner Nachkommen beschneiden.
Dann wirst du den HERRN, deinen Gott,
mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele lieben können,
damit du Leben hast.
Alle diese Verwünschungen aber wird der HERR, dein Gott,
über deine Feinde und Gegner verhängen,
die dich verfolgt haben.
Du jedoch wirst umkehren,
auf die Stimme des HERRN hören
und alle seine Gebote,
auf die ich dich heute verpflichte, halten
und der HERR, dein Gott,
wird dir Gutes im Überfluss schenken,
bei jeder Arbeit deiner Hände,
bei der Frucht deines Leibes,
bei der Frucht deines Viehs
und bei der Frucht deines Ackers.
Denn der HERR wird sich,
wie er sich an deinen Vätern gefreut hat,
auch an dir wieder freuen.
Der Herr wird dir Gutes tun.
Denn du hörst auf die Stimme des Herrn, deines Gottes,
und bewahrst seine Gebote und Satzungen,
die in dieser Urkunde der Weisung einzeln aufgezeichnet sind,
und kehrst zum Herrn, deinem Gott,
mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele zurück.
Denn dieses Gebot, auf das ich dich heute verpflichte,
geht nicht über deine Kraft und ist nicht fern von dir.
Es ist nicht im Himmel,
sodass du sagen müsstest:
Wer steigt für uns in den Himmel hinauf,
holt es herunter und verkündet es uns,
damit wir es halten können?
Es ist auch nicht jenseits des Meeres,
sodass du sagen müsstest:
Wer fährt für uns über das Meer,
holt es herüber und verkündet es uns,
damit wir es halten können?
Nein, das Wort ist ganz nah bei dir,
es ist in deinem Mund und in deinem Herzen,
du kannst es halten.
Kv: Ihr Gebeugten, suchet den Herrn;
euer Herz lebe auf! – Kv
Oder GL 77,1
Ich komme zu dir mit meinem Bittgebet, /
Herr, zur Zeit der Gnade. *
Gott, in deiner großen Huld erhöre mich, mit deiner rettenden Treue!
Erhöre mich, Herr, denn gut ist deine Huld, *
wende dich mir zu in deinem großen Erbarmen! – (Kv)
Ich bin elend und voller Schmerzen, *
doch deine Hilfe, Gott, wird mich erhöhen.
Ich will im Lied den Namen Gottes loben, *
ich will ihn mit Dank erheben. – (Kv)
Die Gebeugten haben es gesehen und sie freuen sich! *
Ihr, die ihr Gott sucht, euer Herz lebe auf!
Denn der Herr hört auf die Armen, *
seine Gefangenen verachtet er nicht. – (Kv)
Denn Gott wird Zion retten, *
wird Judas Städte neu erbauen.
Man wird dort siedeln und das Land besitzen. /
Die Nachkommen seiner Knechte werden es erben, *
die seinen Namen lieben, werden darin wohnen. – Kv
Kv: Die Befehle des Herrn sind gerade;
sie erfüllen das Herz mit Freude. – Kv
Oder GL 312,7
Die Weisung des Herrn ist vollkommen, *
sie erquickt den Menschen.
Das Zeugnis des Herrn ist verlässlich, *
den Unwissenden macht es weise. – (Kv)
Die Befehle des Herrn sind gerade, *
sie erfüllen das Herz mit Freude.
Das Gebot des Herrn ist rein, *
es erleuchtet die Augen. – (Kv)
Die Furcht des Herrn ist lauter, *
sie besteht für immer.
Die Urteile des Herrn sind wahrhaftig, *
gerecht sind sie alle. – (Kv)
Sie sind kostbarer als Gold, als Feingold in Menge. *
Sie sind süßer als Honig, als Honig aus Waben.
12Auch dein Knecht lässt sich von ihnen warnen; *
reichen Lohn hat, wer sie beachtet. – Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Kolóssä.
Christus ist Bild des unsichtbaren Gottes,
der Erstgeborene der ganzen Schöpfung.
Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden,
das Sichtbare und das Unsichtbare,
Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten;
alles ist durch ihn und auf ihn hin erschaffen.
Er ist vor aller Schöpfung
und in ihm hat alles Bestand.
Er ist das Haupt,
der Leib aber ist die Kirche.
Er ist der Ursprung,
der Erstgeborene der Toten;
so hat er in allem den Vorrang.
Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen,
um durch ihn alles auf ihn hin zu versöhnen.
Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen,
der Frieden gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Nach dem Galaterbrief der letzten Sonntage beginnt an diesem Sonntag die Lesung aus dem Kolosserbrief. Er gehört zu den Texten, die sich als Paulusbriefe ausgeben, aber wahrscheinlich aus dem Umfeld des Paulus stammen. Kernthema des Kolosserbriefes ist die Frage der Bedeutung Christi. Schon im Anfang ist mit dem Hymnus das Bild entworfen: Christus ist Haupt der Schöpfung und der Richter der Welt. Formal folgt der Brief dem Schema These und Begründung: Er ist… (Verse 15 und 18), denn... (Verse 16f und 19f).
Der Brief des Paulus (oder seiner Schüler) geht an die Christen der Stadt Kolossai, die es allerdings bei der Entstehung des Briefes nicht mehr gab. Also dürfte als Adressatenkreis eine größere Christengruppe in Kleinasien zu sehen sein.
Paulus schreibt in der vorliegenden Perikope ein Christusbekenntnis zuhanden der Menschen anderen Glaubens in Kleinasien. Dieses Bekenntnis folgt den Eingangsformeln des Briefes und kurzen Ausführungen zur Situation der Christengemeinde, kann daher als eine Art Fundament angesehen werden, auf dem dann die weiteren Ausführungen des Briefes stehen.
Halleluja. Halleluja.
Deine Worte, Herr, sind Geist und Leben.
Du hast Worte des ewigen Lebens.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit
stand ein Gesetzeslehrer auf, um Jesus auf die Probe zu stellen,
und fragte ihn:
Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?
Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben?
Was liest du?
Er antwortete:
Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben
mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele,
mit deiner ganzen Kraft und deinem ganzen Denken,
und deinen Nächsten wie dich selbst.
Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet.
Handle danach
und du wirst leben!
Der Gesetzeslehrer wollte sich rechtfertigen
und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster?
Darauf antwortete ihm Jesus:
Ein Mann ging von Jerusalem nach Jéricho hinab
und wurde von Räubern überfallen.
Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder;
dann gingen sie weg
und ließen ihn halbtot liegen.
Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab;
er sah ihn und ging vorüber.
Ebenso kam auch ein Levit zu der Stelle;
er sah ihn und ging vorüber.
Ein Samaríter aber, der auf der Reise war, kam zu ihm;
er sah ihn und hatte Mitleid,
ging zu ihm hin,
goss Öl und Wein auf seine Wunden
und verband sie.
Dann hob er ihn auf sein eigenes Reittier,
brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn.
Und am nächsten Tag holte er zwei Denáre hervor,
gab sie dem Wirt
und sagte: Sorge für ihn,
und wenn du mehr für ihn brauchst,
werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme.
Wer von diesen dreien meinst du,
ist dem der Nächste geworden,
der von den Räubern überfallen wurde?
Der Gesetzeslehrer antwortete:
Der barmherzig an ihm gehandelt hat.
Da sagte Jesus zu ihm:
Dann geh und handle du genauso!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Geschichte vom barmherzigen Samariter gehört zu den großen paradigmatischen Erzählungen der Evangelien: Sie ist das katechetische Beispiel für gelebte Nächstenliebe.
Interessant ist die Struktur der Perikope: Schaut man hin, kann man eine Parallelstruktur zweier Teile entdecken - die Bedeutung der Verse 25-28 ist mit jener der Verse 29-37 zu vergleichen. Durch die Geschichte gewinnt der zweite Teil an Masse und Bedeutung. Jeden Katecheseteil schließt Jesus ab mit dem Auftrag, die Erkenntnisse aus dem Gespräch nun auch in die Tat umsetzen.
Die Gleichniserzählung vom Barmherzigen Samariter enthält eine zweifache Herausforderung. Ist schon die Forderung Jesu "Jeder, der dich braucht, ist dein Nächster" Herausforderung genug, fordert er in seinem Beispiel, über Vorurteile und scheinbar selbstverständliche Grenzen wie Religion oder Nationalität hinwegzuschauen und zu tun, was in der Situation notwendig ist.
"Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele, mit deiner ganzen Kraft und deinem ganzen Denken, und deinen Nächsten wie dich selbst." - Das berühmte Doppelgebot der Gottes- und der Menschenliebe kennen nicht nur Christinnen und Christen für sich, es ist vielmehr ein überall bekanntes Traditionsgut, mit dem die Nachfolgegemeinschaft Jesu identifiziert wird: Es ist eines unserer Markenzeichen. Das sind Worte, die einfahren; vor allem, wenn man mit ihnen Ernst macht.
Wenn ich darauf setze, dass sich meine Gottesbeziehung in meinen Alltagsbeziehungen widerspiegelt, dann sind wir durch Lukas wahrlich herausgefordert. Warum? - Schauen wir auf ein paar Momente unserer heutigen Zeit: Wenn ein politischer Amtsinhaber am Tag seiner Inauguration mit der Hand auf der Bibel den Amtseid schwört und kurz darauf schon klarmacht, dass ihn Minderheiten, Unterdrückte, Verfolgte in seinem eigenen Land und weltweit in keiner Weise interessieren, dann muss er sich schon fragen lassen: Was hast du von den Worten des Evangelisten Lukas verstanden? Und da das Gesetz der Gottesliebe und der Nächstenliebe wohl getrennt voneinander aber auch in der Torah vorkommen, darf man fragen, was sich ein politischer Führer denkt und was er fühlt, wenn er am Sabbat in der jüdischen Synagoge diese Zitate des Lukas in ihrem Originalkontext zu Ohren bekommt und sich am Tag danach anschickt, die Nachbarvölker auszulöschen.
Wenn wir durch das Weltgeschehen schauen, werden wir leicht noch viel mehr politische Verantwortliche ausmachen können, die sonntags den Worten ihrer Prediger zu Gottes- und Nächstenliebe lauschen und montags drauf für Hass und Gewalt verantwortlich sind.
Man muss aber gar nicht so ganz weit schauen - ein Blick in den Spiegel offenbart so manche Herausforderung zu Gottes- und Nächstenliebe, mit der wir uns schwertun, wenn wir ehrlich zu uns sind. Gottes- und Nächstenliebe beginnen nicht auf der großen Weltbühne, sondern vor unserer eigenen Haustür - halt auf dem Weg von Jerusalem nach Jericho und anderswo.
Das Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe ist uns in der Geschichte vom Barmherzigen Samariter im Lukasevangelium überliefert. An dieser Stelle legt der Evangelist nicht nur dar, was das Liebesgebot meint, er verknüpft dieses mit einer Provokation, die es in sich hat. Auf die Frage eines Zuhörers, wer denn sein Nächster sein könnte, macht Jesus ihm klar: Es ist ein solcher Mensch, von dem du es zuletzt ahnen würdest; ein solcher Mensch, von dem du es am wenigsten gern hättest. Für einen Mann aus Nordjudäa, aus Samarien, findet diese no-go-Begegnung also statt mit einem Menschen aus dem Süden des Reiches. Diese zwei finden zueinander, weil der Helfer gegenüber dem Opfer jegliche trennenden Kategorien überwindet und einfach nur den Menschen, das Geschöpf Gottes, das Opfer sieht. Der Mann aus Samarien legt politische und kulturelle Vorurteile beiseite und handelt einfach. Er macht auch kein großes Geschrei darum, postet seine Heldentat weder auf Insta noch auf Facebook, sondern sorgt schlicht und einfach dafür, dass dem Anderen geholfen wird. Jenem, der von denen liegengelassen wurde, die sich sonst ihrer Rechtgläubigkeit und Anständigkeit zu rühmen nicht müde werden. Wahrscheinlich würde der Mann aus Samarien heute in den 'richtigen' Medien als 'Gutmensch' mindestens belächelt, wahrscheinlich aber eher verhöhnt werden.
Wir hören dieses Evangelium in einer Zeit, in der politische Verantwortliche rücksichtslos bereit sind, für ihre Großmachtsphantasien das Wohl fremder Völker zu opfern und damit für lange Zeit Frieden und Gerechtigkeit weltweit vernichtend zu treffen. Es ist das Gegenteil von dem, wofür Jesus den Mann aus Samarien als Beispiel vorführt.
Wir hören diese Worte von Gottes- und Menschenliebe in einer Zeit, in der uns fast täglich Berichte von religiös oder kulturell motivierten Hasstaten ereilen. Der Mann aus Samarien hat seine Vorurteile in seine Satteltaschen gepackt und dann die Ärmel hochgekrempelt.
Wir hören dieses Evangelium in einer Zeit, die voll ist von Erfahrungen von Menschen, die das leise Sterben auf den Fluchtrouten aus Kriegs- und Notstandsgebieten dieser Erde mitangesehen haben. Der Mann aus Samarien hat da geholfen, wo andere weggeschaut haben.
Wir erleben in unserer Zeit, wie Minderheiten aller Art wieder diskriminiert werden können und der laute Aufschrei dazu immer leiser wird. Der Mann aus Samarien gehörte im Süden Judäas selbst zu einer Minderheit, aber das war ihm egal.
Der Mann aus Samarien fordert uns heraus.
Aber: Was geht uns all das an, wir sind keine Politikerinnen und Politiker? Nun, das war der Mann aus Samarien auch nicht. Er hat nicht auf der großen Weltbühne, sondern eben auf einer Landstraße von Jerusalem nach Jericho konsequent Ernst gemacht mit dem, was Jesus den Menschen als das Doppelgebot von Gottes- und Menschenliebe vorstellt. Die Liste von skeptischen Einwänden, die man gegen sein Verhalten aufführen könnte, ist lang. Aber sie spielten im entscheidenden Moment keine Rolle. So wie er kann das jede und jeder.
Für uns alle gilt, was Mose seinem Volk zugerufen hat: "Das Wort ist ganz nah bei dir, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen, du kannst es halten." Die Möglichkeiten liegen auch bei uns - bildlich - auf der Straße: in unseren eigenen Kreisen, an unseren Arbeitsplätzen, und eben auch an den vielen Stellen, wo keiner so genau hinschaut. Wer so hinsieht und schließlich handelt wie der Mann aus Samarien, mag sich dann vielleicht das Etikett 'Gutmensch' einfangen. Aber naja, so ist das halt, wenn man Ernst macht mit dem Aufruf der Frohbotschaft und Gott und die Menschen liebt…
Die Erzählung vom barmherzigen Samariter ist weit über die Kreise der Christen hinaus bekannt und beispielhaft geworden. In ihr geht es nicht nur um spontanes Helfen. Opfer sind nicht nur körperlich, sondern auch seelisch verletzt. Sie werden der Menschenwürde beraubt. Sie nicht links liegen zu lassen, sondern ihnen ihre Würde wiederzugeben, ist ein zutiefst religiöser Akt, der alle Grenzen von Nationalitäts- und Religionszugehörigkeit übersteigt.
Ganz spontan fällt mir beim Lesen des heutigen Evangeliums ein Gespräch im Freundeskreis von letzter Woche ein. In einer Gruppe, die üblicherweise durchaus divers diskutiert, war man sich darüber einig, dass der soziale Umgang unter den Menschen in unserer heutigen Gesellschaft einen absoluten Tiefpunkt erreicht habe. Jeder konnte Situationen des Egoismus und der Unsolidarität aufzählen, die es so „früher“ nicht gegeben hätte. Das war allgemeiner Konsens an diesem Abend.
Die Erzählung Jesu in der Lukasperikope zeigt uns, dass es schon vor 2000 Jahren Menschen gab, denen die Situation ihrer Mitmenschen völlig egal war. Wir können also davon ausgehen, solches Verhalten ist nicht zeitbedingt. Die Eigenschaft, den leichteren Weg zu gehen, indem man die prekäre Situation eines anderen Menschen übersieht, überhört oder kleinredet, ist uns allen vertraut. Und die Motive für solches Handeln sind vielfältig.
Die Geschichte vom barmherzigen Samariter ist nicht nur im religiösen Kontext gut bekannt. Sie gilt auch in säkularen Lebensbereichen als die große Beispielerzählung für zwischenmenschlichen Umgang mit Menschen in Not. In Österreich gibt es sogar eine Hilfsorganisation, die sich, abgeleitet von der Person, die sich in dieser Geschichte helfend verhält, als Samariterbund bezeichnet.
Die Erzählung handelt vor allem um vier Personen. Drei davon werden explizit genannt: der Priester, der Levit und der Samariter. Über das von Räubern überfallene Opfer erfahren wir nur, dass es sich um einen Mann handelt, der von Jerusalem nach Jericho unterwegs war. Wir erfahren weder seine Herkunft noch seinen Beruf noch seinen Stand, nur, dass er überfallen, ausgeplündert und halbtot liegengelassen wurde. Es geht also um einen Menschen, dem von anderen Menschen großes Leid zugefügt worden war.
Die erste Botschaft an uns alle, damals wie heute lautet: Mein Nächster, das ist jeder andere Mensch, unabhängig von Herkunft, Stand, Ansehen und Religion. In jedem anderen Menschen begegnet mir auch Gott. Denn er ist unser aller Schöpfer, unser aller Vater. Auf dieser Basis sollten alle zwischenmenschlichen Begegnungen stattfinden.
Natürlich ist solches Verhalten eine Zielvorstellung, die kaum jemandem immer gelingen wird. Wir Menschen sind alle aus demselben Holz geschnitzt und können normalerweise mit unserem eigenen, aber auch mit dem Unvermögen unserer Mitmenschen tolerant umgehen.
Einen Sonderfall bilden Menschen, die bereits durch andere Menschen Leid erfahren haben. Hier gilt es achtsam zu sein. Verletzte Menschen – ganz egal, ob die Verletzungen seelischer oder körperlicher Natur sind – brauchen zur Heilung die Zuwendung eines anderen Menschen. Verletzungen durch Mitmenschen verursachen nämlich nicht nur sichtbare Wunden, sondern sind immer auch Beschädigungen der Würde, des Selbstverständnisses und der Selbstachtung. Was der Samariter dem Raubopfer angedeihen lässt, ist nicht nur medizinische Erstversorgung, sondern auch die Wiederherstellung seiner menschlichen Würde.
Und daraus ergibt sich eine weitere Botschaft dieser Erzählung. Ein Mensch, dem die Selbstständigkeit durch äußerliche Verletzungen oder die Selbstachtung durch seelische Verletzungen genommen wurde, ist angewiesen auf andere Menschen, die ihn nicht nur wahrnehmen, sondern auch handeln. Nur sie können aus dem verbeulten Etwas wieder ein menschliches Wesen machen. Wir brauchen die Liebe und Wertschätzung anderer Menschen, besonders wenn wir am Boden liegen. Wegschauen, sich nicht zuständig fühlen, keine Zeit haben, macht Geschädigte ein weiteres Mal zu Opfern.
Aus diesem Blickwinkel betrachtet ist das heutige Evangelium brandaktuell. Denn heutige Technologien und auch ein veränderter Wertekatalog in unserer Gesellschaft begünstigen seelische Grausamkeiten unter uns Menschen. Die Opfer solcher Machenschaften leiden meist doppelt. Zum einen, weil die Täter so leicht unerkannt bleiben wie noch nie, und zum anderen, weil eine Verletzung, die nicht als solche sichtbar ist, ganz leicht kleingeredet werden und unbeachtet bleiben kann.
Die dritte Botschaft der Geschichte richtet sich entschieden an den Fragesteller. Ihn, der Jesus auf die Probe stellen wollte, hat uns Jesus mit Hilfe seiner Rückfragen schon als Wissenden in Glaubensfragen vorgestellt. Er kennt das Gesetz genau und kann den Gesetzestext auswendig aufsagen.
In der Geschichte, die Jesus ihm auf seine Frage „Wer ist mein Nächster?“ erzählt, kommen zwei Personen vor, die genau wie der Fragesteller kein Problem gehabt hätten Gesetzestexte aufzusagen. Sowohl der Priester als auch der Levit besitzen auf Grund ihrer Tätigkeit ähnliches Glaubenswissen. Beide sehen den verletzten Mann und gehen weiter. Auf die Frage Jesu „Wer von den Dreien meinst du ist dem von den Räubern überfallenen Mann der Nächste geworden“ sagt der Gesetzeslehrer: „Der barmherzig an ihm gehandelt hat“.
Die Botschaft ist also beim gesetzestreuen Fragesteller angekommen. Sie ist aber auch an alle Personen damals wie heute gerichtet, deren Beruf oder Berufung es mit sich bringt, sich Glaubenswissen anzueignen. Ich denke sie soll uns alle, die Glaubenswissen besitzen, erinnern, dass die Umsetzung dieses Wissens in unserem Leben jederzeit und überraschend eingefordert werden kann. Die Gefahr den rechten Augenblick des Handelns zu übersehen ist wohl unter gesetzes- und religionsaffinen Menschen besonders groß.
Die Samariter waren ein religiöses Mischvolk, das von den Juden verachtet wurde. Das notwendige Handeln in Person eines Angehörigen dieses Volkes darzustellen, ist ein weiterer Hinweis Jesu, die Reinheit des Volkes nach dem Gesetz nicht über die Reinheit des Glaubens zu stellen. Den richtigen Glauben erkennt man am Tun, nicht an der Zugehörigkeit zu einer Organisation oder Glaubensgemeinschaft, damals, wie heute.
Das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe ist anders als alle übrigen Gebote und Lebensregeln. Bereits im Ersten Bund war es in der Existenzmitte jedes Einzelnen verankert: Im Herzen. Es tief zu verinnerlichen ist auch das Anliegen Jesu.
Ich bin nicht mehr von der jüngsten Generation, und dieses Zeichen [mit beiden Händen ein Herz formen] kann ich noch nicht so lange. - Wissen Sie alle, was das heißt?
Jemand, den meine Stimme nicht erreicht, z. B. weil es unpassend ist zu schwätzen oder einander durch den Raum etwas zuzurufen, kann dieses Herz sehen – und weiß, dass ich mich mit ihm verbunden fühle, dass ich dankbar bin, dass ich froh bin, dass es diese andere Person gibt. Vielleicht war das früher eine Kusshand, ein „geschmissenes Bussi“, aberdas hier finde ich wärmer, herzlicher und auch nicht so intim,als wenn ich jemandem ein Bussi geben würde. Diese Zeichen des Herzens (auch als Emojis in elektronischen Nachrichten) haben es leichter gemacht, sich herzlich zu bedanken oder einander verbundenzu zeigen. Sie machen es uns leichter, Gefühle zu zeigen.
In beiden Lesungstexten geht es heute um das Herz – und dieser biblische Begriff für »Herz« deckt ein wenig mehr ab, als wir hier mit Herz assoziieren: vertraut ist uns das Herz als der Raum der Gefühle, zugleich ist es die Mitte, der Sitz der Erkenntnis und des Verstandes, und der Raum des Willens, also das ganze menschliche Innere.
Gott gibt den Menschen seine Gebote, und die verinnerlichen sie. Das hat wunderbare Folgen – Gott führt sie aus der Versprengung zusammen, gibt ihnen einen Platz zum Wohnen und schenkt ihnen Glück.
Es ist die Rede davon, dass Gott das Herz beschneidet; sogleich denken wir an die Beschneidung der Vorhaut von männlichen Kindern im Judentum und auch im Islam. Das drückt die Verbindung von Mensch und Gott aus, und dass der Unglaube weggeschnitten wird und sich Menschen ganz Gott zuwenden. Gott will sich einschneiden, oder moderner gesprochen einschreiben - oder heute: tätowieren - in den Menschen, in seine Gefühle, seinen Willen und seinen Verstand. Die Gebote Gottessind dann in meinem Herzen, nicht mehr wegzubekommen, und ich kann gar nicht anders, als nach ihnen zu leben – als ein gutes Leben zu führen.
Diese Gebote – aufgefächert in hunderte Gesetze samt ihren Auslegungen – lassen sich „eindampfen“ auf die Goldene Regel: Wie du behandelt werden willst, so behandle auch die anderen. Jesus formuliert: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst (und will, dass man sich selbst auch liebt). Eingebettet ist das alles in die Liebe zu Gott, die Rahmen und Kraft gibt für die tägliche Liebe zu allem, was lebt.
Dieses grundlegende Gebot der Liebe ist kein Ding der Unmöglichkeit (auchwenn man in gefinkelten moralischen Fragen immer auch überlegen muss). Es geht nicht über unsere Kraft (auch wenn es uns fordert), das ist machbar. Dieses Gebot derumfassenden Liebe ist auch nicht fern von uns – wer sehnt sich nicht nach einem liebevollen Leben, beginnend bei kleinen Kindern? In jeder Kulturgilt diese Regel, sie gilt für alle Altersgruppen und Menschen, sie macht keinenUnterschied bezüglich Verwandtschaft, Nationalität, Attraktivität oder Kontostand. Ganz nah ist uns diese Grundregel, einanderzu lieben und zu respektieren, in unseren Herzeneingeschrieben, und es ist möglich, danach zu leben.
Wie sehr das Herz der Ort dieser universalen Lebensregel ist, überraschte mich fast, als ich die Texte mehrmals gelesen habe. Aber damit Regeln, Richtlinien für unser Lebenwirksam werden, muss ich sie verinnerlichen, oder noch besser– sie kommen aus mir heraus, sind mir vertraut und nicht fremd. Was mich im Inneren bewegt (wie das Mitleiddes Samariters), gibt den Kompass vor. Auch die Barmherzigkeit - der biblische Begriff lässt den Mutterschoß mitschwingen - kommt aus dem Inneren. Mich rührt an, wenn andere verletzt, hungrig, traurig, verzweifelt sind. Ich schwinge mit und lasse zu, selber weich zu sein und auf diese Hilfsbedürftigkeit der anderenzu reagieren. Ich verstehe, dass ich etwas zu tun habe – und ich stimme zu, ich will es. Das macht mich zu einem menschlichen Menschen, und das Herz gibt die Richtung vor.
Wenn Gott sich einschreibt in unsere Herzen, zeigt es Wirkung: Hilfe, Menschlichkeit, Barmherzigkeit, Nähe, Unterstützung, Solidarität. Eine Welt, die getragen ist von diesen Grundhaltungen, wird voller Segen sein. So bekommen wir geschenkt, was Gott uns verheißt. Ein Lächeln kommt zurück, eine geschenkte Stunde, eine Spende, Hilfe für andere, Vergebung. Wir alle haben das auch schon erfahren.
Wir halten uns an das Gebot der Liebe, es ist unser innerer Kompass, und es wird uns zum Segen geworden sein.
© Angelika Gumpenberger-Eckerstorfer, Seelsorgerin in Wels, St. Franziskus.
Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter regt mit seinen zahlreichen Facetten immer neu zum Nachdenken an. Wer hört die stummen Hilferufe in Not geratener Menschen heute? Wer erkennt darin die leise Stimme Gottes? Wie überwinden wir die Grenzen unserer Vorurteile? Hilfe zählt doppelt, wenn sie nachhaltig ist…
Worauf hören wir? Welchen Einflüssen und Einflüsterern sind wir ausgeliefert? Wie sieht unsere Meinungsbildung danach aus? Aus dem Hören folgt ein Tun…
„Höre Israel“ (Dtn 6,4f), ist ein Gebet, das im Judentum bis heute mehrmals täglich gesprochen wird. Es geht um das Liebesgebot. Dtn. 6,6 spricht sogar von „Verpflichtung“. Auch das Buch Levitikus 19,18 schärft nochmals ein: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Ich bin der Herr“, gleichsam als Verstärkung. Also höre auf den Herrn, auf das Wort Gottes. Auch Dtn 30,8 weist darauf hin, auf die Stimme des Herrn zu hören „und all seine Gebote, auf die ich dich heute verpflichte“, zu halten.
Diese Stimme spricht leise zu uns, im Lärm und in der Hektik der Zeit geht sie unter. So entstehen viele Fehlhaltungen, wahrscheinlich wäre so manches Leid vermieden worden. Die Stimme Gottes ist auch im Mitmenschen zu hören, wenn wir aufmerksam sind und sie vom Geschwätz unterscheiden.
Wir würden dann auch in Jesus den unsichtbaren Gott spüren, „der Frieden gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut,“ (Kol 1,20), eine Liebe, die über den Tod hinausgeht. Dieser Hymnus ist ein großes Lob auf die Schöpfung, die den Menschen miteinbezieht, denn Gott spricht zu uns auch durch die Natur, über die der Mensch nur staunen kann. „Alles ist durch ihn und auf ihn hin erschaffen.“ (Kol 1,16).
Dann hören wir noch, dass er das Haupt ist, der Leib aber ist die Kirche. Der Leib ist durchlebter Organismus und wenn nur ein Glied krank ist, wirkt sich das auf alle anderen aus. Das sehen wir auch heute. Die Natur fiebert, ab 40°C besteht Lebensgefahr, Überhitzung. Die Meere erwärmen sich rasant, in den Alpen brechen Berge weg, weil der permanente Frost wegschmilzt. Das zeigt auch für den Menschen sicht- und spürbare unangenehme Erscheinungen.
Jesus lässt im Evangelium dem Gesetzeslehrer, der ihn auf die Probe stellen will, dieses Liebesgebot wiederholen (Lk 10,27) und bestätigt seine richtige Antwort. Mehr noch: es folgt das Gleichnis vom barmherzigen Samariter, wo sich das Liebesgebot in der Tat zeigt.
Dieses Gleichnis fordert aber auch von uns viele Überlegungen mit vielen Fragen. Wir wissen ja, wie vielschichtig das Leben ist. Diese Situation, die hier beschrieben wird, fordert ein Nachdenken in viele Richtungen voraus: Wer sind die Räuber, die heute viele Menschen zu Opfern werden lassen? Durch Raub auf der Straße, durch (Internet)betrug etc. Vielleicht waren wir selber auch schon Räuber.
Bevor wir Kritik und Empörung an den beiden Amtsträgern äußern, tun wir gut, darauf schauen, was dieses Gleichnis an Information hergibt. Wir wissen nicht, was die beiden bewogen hat, an dem Raubopfer vorbeizugehen. Die Optik ist sicher schlecht, deutet auf Ignoranz und fehlendes Mitgefühl hin. Manchmal würde eine vorläufige Problemlösung genügen, diese geschieht aber nicht. Es wird noch andere Gründe geben, warum von den beiden keiner Hilfe leistet. Wir kennen auch die Prioritätensetzungen der beiden Personen nicht. Wahrscheinlich sind auch wir schon in Situationen gekommen, wo Menschen in Not, vielleicht sogar in schwere Not geraten sind und plötzlich eine rasche Entscheidung getroffen werden muss. Hilfe, ja oder nein?
Ohne etwas schönreden zu wollen oder auch nur zu entschuldigen, aber eine sehr rasche Beantwortung kann sehr leicht zu Vorverurteilungen führen. Dieses Gleichnis will uns erinnern, stets neu unsere Prioritätensetzungen zu überdenken. Wir wissen aber auch, dass man im Nachhinein immer klüger ist und dann sichtbar wird, ob wir Irrtümern aufgesessen sind oder ob es an Einsichten gefehlt hat. Erfahrungen helfen in der Persönlichkeitsentwicklung gut weiter, aber auch diese sind unterschiedlich.
Noch etwas sehr Schönes und Wesentliches lehrt diese Begebenheit: Der Samariter, ein Ausländer hilft, ja mehr noch, er lindert nicht nur ärgste Not, sondern er weitet das Liebesgebot durch Nachhaltigkeit aus, auch in finanzieller Hinsicht. Nur ein Ausländer? Was kann man da schon erwarten? Mit solch einer Haltung kann man sehr leicht beschämt werden. Großartige Beispiele aus der Bibel, aber auch im gegenwärtigen Alltag sprechen eine andere Sprache: Der Taxifahrer, ein Ausländer, der eine Geldbörse mit einem hohen Geldbetrag an den Verlustträger bzw. an die entsprechende Dienststelle abgibt, der sonderbare Boy mit offensichtlich ausländischen Wurzeln, der einem älteren Menschen hilft. Alles Leben ist immer auch ethische Entscheidung...
So bieten diese Texte heute eine Gehörschulung als Unterscheidung der Geister, aber auch konkrete Handlungsanleitungen, wie wir das Liebesgebot, an dem alle anderen Gebote hängen, im Alltag sichtbar machen.
Die Gebote der Gottes- und Nächstenliebe sind nicht neu. Sie gab es auch schon im sog. Alten Testament. Neu ist die Akzentuierung durch Jesus: Gottesliebe ist ohne Menschenliebe, ohne Nächstenliebe nicht möglich. Die Aktualisierung dieses Doppelgebotes ist für jede Generation eine neue Herausforderung.
"Dieses Gebot, auf das ich dich heute verpflichte, geht nicht über deine Kraft und ist nicht fern von dir. - Das Wort ist ganz nah bei dir, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen, du kannst es halten." - Die heutige Lesung aus dem atl. Buch Deuteronomium kommt etwas geheimnisvoll daher. Der jüdische Gläubige sowie auch wir hier lassen uns zurufen: Gott will uns in die Pflicht nehmen, nicht über die Maßen, aber es geht um was - aber worum denn? In der atl. Lesungen bleibt das ziemlich im Dunkeln. Was ist dieses Gebot für uns? -
Die Erklärung gibt sich zu erkennen, wenn man orthodoxe Juden beim Gebet beobachtet. Dann können wir sehen, dass hauptsächlich Beter aber auch immer mehr Beterinnen auf der Stirn und an einem Arm je so eine Gebetskapsel tragen, die sogenannten Tefilim. In ihnen finden sich kleine Pergamentrollen, auf denen Verse aus der Torah stehen, die zum einen vom Bund Gottes mit seinem Volk und dann schließlich die Rettungsgeschichte Israels in knappen Worten erzählen. Die Vorschrift zum Tragen dieser Gebetskapseln entdecken wir nun in einem der Abschnitte, die in solch einer Gebetskapsel enthalten sind. Dort heißt es im 6. Kapitel des atl. Buches Deuteronomium: "Diese Worte [...] sollst du als Zeichen auf deine Hand binden, und sie sollen als Merkzeichen zwischen deinen Augen sein, und du sollst sie auf die Pfosten deines Hauses und an deine Tore schreiben." -
Und im Zusammenhang mit diesen rituellen Vorschriften sind nun auch die wichtigsten Worte zitiert, um die es im jüdischen Glauben geht: "Sch’ma Israel - Höre, Israel: Der Herr ist unser Gott, der Herr ist einzig. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft". Das also ist das Wort, auf das Gott den Menschen verpflichtete, als er seinen Bund mit ihm geschlossen hat. Gott wendet sich dem Menschen nicht einfach nur zu, er ruft uns auch zu sich - und wartet auf eine Antwort: auf die Hinwendung des Menschen zu seinem Gott.
Als Jesus den Bund Gottes mit den Menschen erneuert hat, geht er noch einen entscheidenden Schritt weiter. Im 3. Buch der Torah, im Buch Levitikus, findet sich unter all den Gesetzen, die das Zusammenleben der Menschen regeln, der Satz: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." Die Evangelisten gehen nun hin und verweben ganz neu das Gebot der Gottesliebe mit dem Gebot der Menschenliebe - beim Evangelisten Lukas tönt das dann so: "Der Gesetzeslehrer sagte: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben [...] und deinen Nächsten wie dich selbst. Jesus sagte zu ihm: [...] Handle danach und du wirst leben!"
Das ist kein literarischer oder rhetorischer Salto der Evangelisten, das ist eine Verschiebung der Aussagen des Alten Bundes durch Jesus, die es in sich hat. Durch die Evangelisten lässt uns Jesus wissen: Gottesliebe geht ohne Menschenliebe nicht. Wer angibt, Gott zu lieben, den Menschen aber wie im Gleichnis der Levit oder der Priester im Straßengraben liegen lässt, lebt keine echte Gottesliebe. Wer Tag und Nacht in der Synagoge oder vor dem Tabernakel nur betet, aber unberührt bleibt von der Not des Nächsten, hat den Bund mit Gott gebrochen. Solch ein Mensch ist von Gott noch weiter weg als jener, der Gott nicht kennt, aber die Not des Nächsten sieht. Der Barmherzige aus Samárien, von dem Jesus im Gleichnis erzählt, gibt dieser überdeutlichen Aussage ein Gesicht.
Und über allem steht, was Jesus dem fragenden Gesetzeslehrer ins Gewissen schreibt: "Handle danach und du wirst leben!" Es geht nicht allein um das Gutsein des Menschen - es geht um den guten Menschen, wie er vor Gottes Angesicht lebt. Die Güte und Liebe Gottes, die sich an uns Menschen abspielt, soll sich widerspiegeln in unserem Verhalten gegenüber dem Nächsten. Ohne Menschenliebe keine Gottesliebe.
Aber: Wie soll das denn nun gehen mit der Menschenliebe? - Das wird vermutlich eine Frage sein, die jeden Menschen mit wachem Gewissen beständig umtreibt. Eine letztendliche Antwort? - Ich weiß nicht, ob es sie geben kann. Versuchen wir aber ein paar Annäherungen. Dazu stellt sich natürlich auch uns diese Frage: “Wer ist denn unsere Nächste, wer ist unser Nächster?” Schnell sind wir vielleicht bei der Hand mit offensichtlichen Antworten, die wir bei der Prägung unseres Gewissens gelernt haben: Menschen auf der Flucht; Menschen, die krank sind; Menschen in wirtschaftlicher Not. Das ist gut so. - Wir können uns an der Aufzählung im Matthäusevangelium (Mt 25) orientieren, die schließlich in der Aussage gipfelt: "Was ihr für einen dieser Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan."
Schwieriger wird es, wenn wir uns von der Ebene der direkten zwischenmenschlichen Beziehung, wo wir der Not unseres Nächsten gerad ins Angesicht schauen und die notleidenden Augen sehen können, in politische Kontexte begeben. Da ist Not vielleicht nicht gerade immer so direkt sichtbar - aber eben: existent. So sei nachgefragt: Wie setzen wir uns ein für Menschen, die politisch benachteiligt oder gar verfolgt werden - nicht irgendwo auf der Welt, sondern mitten in unserer Gesellschaft, in der wir leben? Wir denken vielleicht an Kinder, Männer und Frauen, die ganz unerkannt in unserer Nachbarschaft häusliche Gewalt erleben müssen, ohne dass jemand eingreifen kann. Wir denken an Jugendliche, an Männer und Frauen der LGBTQ-Community, die sich trotz liberalerer Gesetzgebungen in vielen Ländern immer mehr zunehmend physischer und psychischer Gewalt ausgesetzt sehen. Wir denken an Menschen, darunter so viele elternlose Kinder, die aus ihrer Heimat fliehen mussten und nicht zu jenen gehören, die bei uns so wunderbar willkommen geheißen und umsorgt werden. - Die Liste kann man noch verlängern.
Auch sie sind unsere Nächsten, Menschen an den Wegrändern unserer Gesellschaft, die unseren Einsatz fordern, den der Evangelist beschreibt, wie wir es hörten: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." Eine derartige Nächstenliebe ist nicht immer nur einfach, sie ist nicht nur ein Bauchgefühl, sie erfordert auch unsere Willensentscheidung - eine Grundsatzentscheidung, die klar zeigt, wie wir zum Menschen und damit auch: wie wir zu unserem Gott stehen. Wenn wir die Nöte unserer Nächsten auch in politischen und vielleicht sogar in kirchlichen Systemen erkannt haben, können wir uns nicht mehr wegducken, dann sind wir gefordert. Jesus ruft dem Gesetzeslehrer zu: "Geh und handle genauso!" - Und: "Du wirst leben!"
Die biblischen Gebote und Weisungen und damit auch die Weisungen Jesu und seiner Jünger haben als Fundament die Erfahrung der Befreiung aus jeglicher Unterdrückung und Sklaverei. Jahwe hat sein Volk immer neu in die Freiheit geführt. Diese Freiheit bedeutet mehr als das Einfordern persönlicher Freiheiten. Sie beachtet immer auch das Wohl des Nächsten und ist eine Herzensangelegenheit.
Wie man mit den Schwächeren umgeht, da zeigt sich nach biblischen Kriterien die Stärke einer Gesellschaft, einer Gemeinschaft. Wem werde ich Nächster, Nächste? Unser Handeln beantwortet diese Frage immer wieder konkret. Maßstab in der Bibel sind die Habenichtse, die, wie Bertolt Brecht formuliert, im Dunkeln sind und die man üblicherweise übersieht. Biblischer und christlicher Auftrag ist, Hüter und Hüterin unserer Brüder und Schwestern zu sein.
So weit, so klar. Wir haben alle füreinander Sorge zu tragen. Stellt sich die Frage: Wie geht das konkret? Wie sollen wir uns als Menschen zueinander verhalten? Dazu gibt es in der Bibel immer wieder Anleitungen. Dass wir einem Gott, der aus der Sklaverei in die Freiheit führt, zutrauen dürfen, dass auch seine Gebote und Weisungen unsere Freiheit wollen, ist Grundlage unseres Glaubens. Alle Gebote sollen helfen, diese Freiheit zu bewahren.
Die Freiheit der Bibel ist größer gedacht. Sie endet nicht beim eigenen Bauchnabel und den individuellen Wünschen nach Eigentum, Haus, Wohlstand. Mit ihr verbunden sind Gerechtigkeit und Recht. So gedacht erschöpft sich Nächstenliebe nicht in der Privatheit menschlicher Beziehungen, sie muss vielmehr öffentlich und politisch werden. Nächstenliebe ist gerade auch Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung, für Rechte in der Arbeitswelt, für Geschlechtergerechtigkeit. Und ist Verpflichtung. So wird sie auch gesellschaftlich wirksam.
Um die Nächstenliebe auch abzusichern, ist sie uns in den Geboten aufgetragen. Auf die Stimme Gottes und auf seine Gebote und Weisungen zu hören sind wir verpflichtet. Hier geht es nicht um Beliebigkeit, wie wir sie in unserer Welt kennen. Aneinander so zu handeln, dass alle ein gutes Leben führen können ist Grundauftrag, unbedingte Verpflichtung. Wir haben gar keine andere Wahl. Wenn wir so aneinander handeln, haben wir die Zusage, dass Gott uns Gutes im Überfluss schenkt.
Dass ein gutes Miteinander immer wieder auf die Probe gestellt wird, haben wir in den letzten Jahren erfahren müssen. Gerade die vielen Verordnungen, zum Wohle der Gesellschaft und der Gesundheit ausgerufen, wurden nicht von allen so verstanden. Individuelle Freiheit wurde zum neuen Gott oder Götzen hochstilisiert. In ihrem Namen wurde der Pfad der Solidarität verlassen. Aufeinander zu schauen war nur in der ersten Phase der Pandemie angesagt. Schnell griffen die alten Muster, die Fleischtöpfe Ägyptens sozusagen, wieder. Der eigene Vorteil war wichtiger als das Gemeinwohl.
Die Grundfrage, die uns die Bibel stellt, gilt aber treffsicher auch für solche Situationen: Wie gelingt ein gedeihliches Zusammenleben in einem Volk, in einer Gesellschaft? Und was ist dafür hilfreich? Gebote und Weisungen scheinen da im Verständnis einer neoliberalen Wirklichkeit hinderlich zu sein. Gebote lassen auf Behinderung, Verhinderung von Lebensmöglichkeit schließen. Dass sie dazu dienen können, ein Leben in Freiheit und Würde zu sichern ist uns heutigen Menschen schwer begreifbar zu machen. Als Weisungen für das Land der Freiheit nennt Fulbert Steffensky die zehn Gebote. In einer Gesellschaft der Ausbeutung und Unterdrückung geht es darum, die Beliebigkeit der Stärkeren zu brechen. Es geht um Recht und Anrecht, wie Menschen als Volk zusammenleben sollen. Bezugspunkt dabei sind die Schwächeren.
Das Novum und Einzigartige an diesen biblischen Weisungen, Satzungen und Geboten ist ihre Einbettung. Hinter diesen Weisungen steht die Erfahrung und Erinnerung an die Befreiung. Gott befreite aus dem Sklavenhaus Ägyptens, aus unterdrückenden Herrschaftsverhältnissen. Dass man dorthin nicht mehr zurückkehren wollte, war anfangs klar. Im Laufe der Geschichte war es jedoch immer wieder ein Ringen und ein Kampf, ein Kampf um Bedingungen, die sich von den Verhältnissen der umliegenden Völker unterschieden.
Nie wieder Ausbeutung, Unterdrückung und dass sich ein Mensch über einen anderen erhebt. Soweit die tragfähige Vision. Angesichts der real existierenden Verhältnisse scheinen die biblischen Gedanken fern, unvorstellbar eine Freiheit, die in Autonomie und Egalität, also wirklicher Gleichheit für alle besteht. Ein Zusammenleben unter gleichen, die Güter gerecht verteilt, mit nur einem Grundeigentümer, Jahwe. Da bräuchte es dann doch größere Enteignungsaktionen und im Sinne des Jobeljahres eine Neuverteilung und Umverteilung, die dann in der Gemeinschaft der Apostelgeschichte münden sollte: „Die Menge derer, die gläubig geworden waren, war ein Herz und eine Seele. Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum, sondern sie hatten alles gemeinsam.“ (Apg 4,32f.)
Was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben? Mit dieser Frage will ein Schriftgelehrter im heutigen Evangelium Jesus eine Falle stellen. Als gläubiger Jude sollte er die Antwort wissen, nämlich: Tue die Tora und du wirst Leben. Darauf verweist Jesus, sein Name ist Programm - Gott hat befreit - mit seiner Frage: Was steht im Gesetz? Er antwortete: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Kraft, und deinem ganzen Denken, und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Handle danach, und du wirst leben, gibt Jesu als Antwort. Der Bezugsrahmen wäre also geklärt, fehlt nur noch das Tun. Das ist die eigentliche Schwierigkeit bis heute, nämlich Verhältnisse zu schaffen, in denen das Leben für alle Menschen möglich ist und bleibt. Bezugspunkt ist Jahwe, der Befreier-Gott. Ihm geht es um die Witwen, Waisen, die Benachteiligten und Erschöpften. Die Gottesfrage ist also immer eine entscheidende und wesentliche Frage, die biblisch mit entweder-oder beantwortet wird. Gott oder Mammon, Jahwe oder Baal. Die Frage bleibt immer: Wer ist Gott? Wer soll unser Gott sein? Wer garantiert ein Ende der Menschenfeindlichkeit? Daher sind wir angehalten, fremde Götter immer wieder zu identifizieren und zu benennen.
Biblische Texte begleiten uns bei der Klärung dieser Fragen, weisen den Weg, müssen aber auch immer wieder neu für unsere Verhältnisse übersetzt werden. Die Gebote und Weisungen Gottes haben mit unserem ganz konkreten Leben zu tun und sollen zum Leben führen. Sie sind nicht im Himmel verortet und gehen nicht über unsere Kraft, wären also laut Bibel, lebbar und einlösbar. So steht es zumindest in Deuteronomium geschrieben. Das Wort ist ganz nah bei dir, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen. Menschlichkeit müssen wir zu unserer Herzensangelegenheit machen. Einander Mensch zu sein müssen wir pflegen, uns immer wieder tagtäglich gegenseitig zusagen, uns dazu ermutigen. Auch die Auferstehung verweist auf eine konkrete Praxis. Huub Oosterhuis beschreibt treffend: „Auferstehung aus dem Tod heißt nicht zulassen, dass auch nur ein Mensch erniedrigt wird, vergessen, getreten.“
Wir glauben, dass eine Welt anders als die real existierende möglich ist, nämlich, einander Nächste zu sein, weltweit. Diese Perspektive einer vorbehaltlosen Geschwisterlichkeit real umzusetzen scheint konkret sehr schwierig. Wenn wir weltweit die kriegerischen Verhältnisse und die Fluchtbewegungen betrachten, alleine in Afrika sind 32 Millionen Menschen auf der Flucht, haben wir noch viel zu tun.
Die Gebote und Weisungen der Bibel können Anregung sein, die Rahmenordnung unseres Zusammenlebens neu zu denken. Schwerter zu Pflugscharen ist eine Losung der Bibel, genährt aus der Erkenntnis, dass Gott ein Gott des Friedens, der Barmherzigkeit und des friedvollen Zusammenlebens ist, wo der Löwe neben dem Lamm lagert, wo weder Sklave noch Freier, also die Klassengegensätze aufgehoben sind, wo weder Grieche noch Jude, also auch keine Ländergrenzen mehr existieren, und wo weder Mann und Frau, also auch jegliche Trennung der Geschlechter überwunden ist. Glauben und trauen wir diesen für uns immer wieder unbequemen Texten.
© Friedrich Käferböck-Stelzer, Leiter Treffpunkt mensch&arbeit, Nettingsdorf
Das Gebot der Nächstenliebe wirft viele Fragen auf: Wer ist mein Nächster? Nach dem Beispiel des barmherzigen Samariters sind das nicht nur die Nahestehenden. Wir können in Situationen kommen, in der jeder mein Nächster sein kann. Schließlich kann Nächstenliebe auch denen gelten, die niemand haben, der für sie eintritt oder ihnen hilft.
Das heutige Evangelium lädt uns ein, uns neu mit der Nächstenliebe zu befassen. Den Menschen, zu denen Jesus spricht, fehlt es nicht grundsätzlich an Liebe oder an Bemühen um Liebe. Dennoch entdeckt Jesus Verhaltensweisen bei ihnen, die seinen Vorstellungen nicht entsprechen. Damit seine Zuhörer – und somit auch wir – über die unterschiedlichen Vorstellungen nachdenken und die eigenen mit denen Jesu vergleichen, spricht er sie in dem Beispiel vom barmherzigen Samariter konkret an. Jesus will dadurch nicht beschämen oder nörgeln, ihm geht es ums Innehalten und Nachdenken. Denn Jesus weiß, dass sich Menschen nur dann ändern, wo es nötig ist, wenn es gelingt, sie zur Einsicht zu führen. Vor allem um Einsicht geht es Jesus mit seinem Beispiel. Daher unterlässt er alles, was ein Streitgespräch auslösen könnte. Denn beim Streiten unterbleibt in der Regel Besinnung und ruhiges Nachdenken. Im heftigen Disput geht es vorrangig ums Rechthaben. Unter der Rücksicht „Lass dich zum Nachdenken bewegen!“ wendet sich Jesus an die Menschen. Und mit dieser Absicht wird auch uns das heutige Evangelium vorgetragen.
Der Schriftgelehrte, der Jesus auf die Probe stellen will, ahnt vermutlich nicht, dass er ein Thema anschneiden wird, das Jesus sehr am Herzen liegt. Jesus möchte, dass die Nächstenliebe von uns Menschen nicht verkürzt, sondern umfangreich gelebt wird.
Bei einer Besinnung hinsichtlich der Nächstenliebe ergibt sich als erste Frage jene, die auch der Schriftgelehrte stellt: Wer ist mein Nächster? Von Natur aus zählen zu unseren Nächsten: Eltern, Geschwister, Verwandte. Durch engere Verbundenheit kommen hinzu: Freunde, Gönner, Unterstützer, Gleichgesinnte, Vertraute. Von da ab wird der Abstand zu anderen dann größer, die Nähe löst sich mehr und mehr auf. Dass wir zu den uns Nahe- und Näherstehenden ein innigeres Verhältnis haben als zu den anderen, stört Jesus nicht und ist menschlich normal.
Aber dabei stehen zu bleiben, das möchte Jesus aufbrechen. Es gibt Situationen, wo Menschen auf die Hilfe und den Beistand ihrer Nahestehenden nicht zurückgreifen können, wie z.B. der unter die Räuber Geratene. Oder - auch das gibt es – Menschen stehen sehr isoliert in der Welt. Sie haben keine eng mit ihnen verbundenen Nächsten. Sie in ihren Nöten nicht zu übersehen oder allein zu lassen, dazu möchte Jesus aufrufen. Sei wachsam und halte auch die im Blick, die dir fernstehen, ist Jesu Botschaft an uns. Denn es gibt neben den vorhandenen Nächsten, die sich in ihrer Verbundenheit immer wieder gegenseitig beistehen, auch die, die wir uns – wenigstens vorübergehend – zu unserem Nächsten machen können, wie der Samariter es tat. Dies gilt vor allem für Notsituationen.
Der unter die Räuber Gefallene zählte für den Samariter zunächst nicht zu seinen Nahestehenden. Er wird für den Samariter erst dadurch zum Nächstem, weil er sich dem Überfallenen in seiner Not zuwendet und ihn so für sich zu seinem Nächsten macht. Der Samariter hilft, so gut er kann und so gut, wie er es vermag. Dann trennen sich die Wege beider wieder. Der unter die Räuber Gefallene bleibt für den Samariter nicht für immer ein enger Nächster.
Das Verhalten des Samariters soll uns zum Vorbild dienen. Wir können nicht alle Not unter den Menschen beheben, aber in vielen Situationen wichtige Helfer sein und uns vorübergehend Fernstehende zu unmittelbaren Nächsten machen. Dies wird uns jedoch nur gelingen, wenn wir einen wachen, von der Liebe gesteuerten Blick auch für die Menschen entwickeln, die nicht von vornherein zu unseren Nächsten zählen. Wie sich der Priester und Levit verhalten hätten, wenn es sich bei dem Überfallenen um einen ihrer Nächsten gehandelt hätte, wissen wir nicht. Tatsache bleibt: Ihn, den Fremden, zu ihrem Nächsten zu machen, unterließen sie. So blieb das Gebot „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“, das beide sicher genauestens gekannt haben, ein Satz in ihrem Kopf, der sie zum Helfen jedoch nicht bewegt.
Dieses Verhalten soll sich bei uns nicht wiederholen. Daher werden wir durch das Evangelium eingeladen, unser Verhalten zu überprüfen: in Ruhe, aber ernsthaft.
Folgende Punkte sollten wir dabei in den Blick nehmen:
+ Wie bereit bin ich innerlich, Menschen ohne Ausnahme – also auch Unsympathische und von mir Abgelehnte – in ihrer konkreten Not zu helfen und beizustehen? Bei der Entscheidung spielt oft eine Rolle, ob ich bereit bin, meine gesteckten Ziele und Vorhaben vorübergehend hintanzusetzen. Helfen bedarf neben der Mühe eben auch der Bereitschaft, Zeit zu investieren.
+ Zu den Menschen in Not, die wir manchmal leicht übersehen oder übergehen, zählen auch jene, die zwar nicht in ein Unglück verwickelt, aber immer wieder überlastet sind. Ihnen unter die Arme zu greifen, auch wenn sie nicht unmittelbar zu unseren Nächsten zählen, um sie ein Stück zu entlasten, ist ein ausgezeichnetes Werk der Nächstenliebe.
+ Nicht alle Notfälle liegen uns direkt vor den Füßen. Menschen im eigenen Land und in der Welt benötigen in unterschiedlichster Weise Hilfe. Mache ich mir Gedanken, wie ich ihnen helfen kann: eventuell durch Sammeln von hilfreichen Gütern für sie oder durch einen Basar zu ihren Gunsten, bei dessen Durchführung ich mich zur Verfügung stelle, durch finanzielle Unterstützung von Hilfsorganisationen?
+ Eine indirekte, aber nicht zu unterschätzende Hilfe für Nächste kann der Hinweis auf ihre Notsituationen sein. Nöte der Menschen in den Blick bringen, wenn man selbst nicht ausreichend helfen kann, hat die Chance, dass auch andere aufmerksam werden und so die Not mit ihrer Hilfe behoben werden kann.
Dass wir den uns Nahstehenden mit Liebe und Hilfsbereitschaft begegnen, ehrt uns. Doch Jesus will uns daran erinnern, dass wir weitaus mehr vermögen. Das sollen wir uns immer wieder ins Bewusstsein rufen. Not, der wir begegnen, soll uns herausfordern, die Liebe und Hilfsbereitschaft, zu der wir fähig wären, umfangreich zu leben. Jedem sollen wir Gutes gewähren, wie Gott es tut, und uns nicht damit begnügen, was auch Heiden und Nicht-Christen handhaben: den ihnen Nahen mit Liebe und Hilfsbereitschaft begegnen.
Lassen wir uns durch das heutige Evangelium von Jesus neu einladen, über unsere Weise den Nächsten zu lieben neu nahzudenken. Denn dazu möchte uns Jesus herausfordern, ohne Kritik an uns zu üben.
Nächstenliebe muss nicht schwierig sein. Das Gebot der Nächstenliebe ist jedoch eine komplexe Materie und hat viele Aspekte. Diese zu benennen - wenigstens ansatzweise, ist wichtig, damit wir uns nicht allzu schnell überfordert fühlen.
Unsere Gesellschaft differenziert sich immer mehr aus. Menschen leben nach Werten und haben Gedanken und Ansichten, die immer stärker voneinander abweichen oder sich sogar widersprechen. Parallel dazu kann man beobachten, dass die Leute immer weniger miteinander reden, einander zuhören und andere, abweichende Meinungen tolerieren und respektieren können oder wollen.
Viele umgeben sich, nicht nur in den sozialen Netzwerken mit Personen, die dieselben Ansichten haben wie sie und meiden den Kontakt zu Leuten, die anders denken oder handeln. Das geht bis in die Familien hinein und führt zu Entfremdung und der Entstehung von Vorurteilen.
In Deutschland wurde daher eine Initiative im Bereich der Politik gestartet, bei der Menschen aus unterschiedlichen Parteien eingeladen wurden mit einer Person aus einer anderen Partei ein strukturiertes Gespräch zu führen. Dabei wurde zuerst eine festgelegte Zeit lang der jeweilige Standpunkt dargelegt und die andere Person hörte zu ohne zu unterbrechen. Nach dem Rollentausch war noch Gelegenheit über das Gehörte zu diskutieren.
Alle Leute, die sich darauf eingelassen hatten, sagten nach der Veranstaltung, dass es sich gelohnt hätte zu kommen und sie es sehr interessant und bereichernd gefunden haben, sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen.
Diese Idee liegt der vorliegenden Predigt zu Grunde. Auch sie soll die Besucher und Besucherinnen des Gottesdienstes animieren verschiedene Ansichten zum Thema Nächstenliebe anzuhören und zuzulassen und darüber ins Gespräch zu kommen.
Es wäre gut, wenn die Predigt von zwei Sprechenden vorgetragen würde.
Jeweils ein Absatz sollte von einer Person gelesen werden.
Danach kann man die Gottesdienstbesuchenden bitten sich mit ihrem Banknachbarn oder der Nachbarin über das Gehörte auszutauschen.
Wichtig dabei ist klare Zeitvorgaben zu machen, damit das Gespräch den Rahmen des Gottesdienstes nicht sprengt.
Wahrscheinlich wird es sinnvoll sein, nach der Feier noch Gelegenheit zum Weiterreden anzubieten als Pfarrkaffee, Frühschoppen oder Ähnliches.
Wenn man fragt, was das Typische und Spezifische der christlichen Religion ist, fällt sehr oft der Begriff Nächstenliebe. Das ist zurecht so, denn Jesus bezeichnet im Lukasevangelium den Satz „Liebe Gott und deine Nächsten, wie dich selbst.“ als Zusammenfassung des gesamten jüdischen Gesetzes und der Propheten.
Wer aber ist mein Nächster? Zunächst ist das ganz einfach: die Leute, die mit mir in einem Haushalt leben, meine Familie und Verwandtschaft, der Freundeskreis und die Nachbarschaft, die Kollegen und Kolleginnen am Arbeitsplatz.
Jesus sieht das aber anders. Auf die Frage des Pharisäers: Wer ist mein Nächster? antwortet Jesus mit der berühmten Geschichte vom barmherzigen Samariter. Die Aussage dieser Geschichte ist durchaus provokant.
Da wird ein Mann am Weg nach Jericho ausgeraubt und zusammengeschlagen. Ob er selber schuld war, weil er keine Waffen oder Diener mithatte, oder nicht wusste, dass dieser Weg gefährlich ist, oder ob man ihm schon von Weitem angesehen hat, dass da etwas zu holen ist, wird nicht berichtet.
Jedenfalls kommen zwei hohe jüdische Religionsbeamte vorbei. Bei beiden wird betont, dass sie den verletzten Mann gesehen haben, aber sie gingen vorüber. Nur ein Samariter, ein Angehöriger eines von Juden verachteten Volkes, das auch noch den falschen Glauben hatte, kümmerte sich um den Mann.
Das heißt letztlich, Jesus sagt uns, dass wir uns nicht aussuchen können, wem wir helfen und wem nicht. Wer in Not ist soll Hilfe bekommen unabhängig von der Schuldfrage und, ob wir ihn oder sie kennen oder nicht. Auch ob der oder die Bedürftige vor uns steht oder liegt oder weit weg in einem anderen Land lebt, spielt keine Rolle.
Was aber tun, wenn uns die Situation überfordert? Wenn wir keine Zeit haben zu helfen? Auch hier ist die Aussage der Geschichte klar: Erste Hilfe leisten und den Leidenden in Sicherheit bringen ist angesagt. Handle genau so, fordert Jesus den Pharisäer auf. Wo immer du Menschen in Not siehst, leiste erste Hilfe, hole Hilfe, - das ist mit den Handys heutzutage ja leichter geworden - und bringe die leidende Person in Sicherheit.
Dort in der Herberge, kommt auch der Samariter an seine Grenzen. Er muss offenbar weiterziehen und so gibt er dem, der vor Ort helfen kann, Geld um den Mann zu versorgen. Auch das ist wichtig für uns. Wir können nicht überall und jederzeit den Leidenden helfen. Aber jene Leute und Organisationen finanziell zu unterstützen, die professionell dazu in der Lage und beauftragt sind, das ist eine wichtige Form der Nächstenliebe.
Nächstenliebe richtet sich also an alle Menschen in Not, unabhängig davon ob wir sie kennen oder nicht und sie schließt die Menschen auf der ganzen Welt ein, von deren Leid wir erfahren.
Es gibt aber auch Personen, die vor lauter Engagement für die anderen die Not von nächststehenden Menschen übersehen. Wenn Eltern sich ehrenamtlich engagieren, aber ihre Kinder vernachlässigen oder keine Zeit mehr für den Besuch bei den alten Eltern haben, dann werden sie dem Gebot der Nächstenliebe nicht gerecht.
Schließlich sei noch erwähnt, dass man manchmal aus Nächstenliebe auch Hilfe verweigern muss. Wenn Menschen abhängig und hilflos in der Opferrolle verharren möchten, kann es sein, dass man Hilfe entziehen muss, damit sie wieder auf die Füße kommen und die Verantwortung für ihr Leben in die eigenen Hände nehmen.
Das Nächstenliebe also eine vielschichtige Angelegenheit ist, merken wir schnell, wenn wir darüber nachdenken, was dieses Gebot Jesu bedeutet. Auf jeden Fall ist klar, dass es sich dabei nicht um eine von Sympathie geleitete Hilfe für Menschen, die das aus unserer Sicht verdienen, handelt. Es geht um eine Haltung des Mitgefühls und der Menschlichkeit, die sich überall dort engagiert, wo Menschen in Not geraten sind.
Und was denken Sie sich zu diesem Thema?
© Mag.a Dorothea Schwarzbauer-Haupt, Theologin, Linz.
Wenn wir die bekannte Geschichte vom barmherzigen Samariter aus der Perspektive des Opfers lesen, erschließt sich ein neues Verständnis der Frage "Wer ist mein Nächster?"
Am Beispiel des Barmherzigen Samariters zeigt Jesus, worauf es bei der Erfüllung des Gebotes der Gottes- und Nächstenliebe ankommt: Wer aus dem innersten Herzen heraus das Naheliegende tut, erfüllt das Gebot und tut auch sich selbst etwas Gutes. "Ewiges Leben" oder mit anderen Worten "Leben in Fülle" erhält man auf diesem Wege.
Wieder einmal treten die Gesetzeslehrer, die Perfektionisten, die Reibebäume für Jesus auf, um ihn in "eine Falle" (Lk. 10,25) zu locken. Trotz dieser unlauteren Absicht ist festzuhalten, dass sie sehr gläubige Menschen waren und eine Frage stellen, mit der wir alle in unterschiedlichsten Lebenssituationen konfrontiert werden: "Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?" (Lk. 10,26). Man merkt, die Pharisäer kennen ihre Schrift, die Tora, sehr genau: "Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben von ganzem Herzen und von ganzer Seele, mit all deiner Kraft und deinem ganzen Denken, und deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst." (Lk. 10,27 siehe auch Dtn. 6,5 u. Lev.19, 18). Sie kennen offenbar auch die Stelle: "Ihr sollt auf meine Satzungen und meine Vorschriften achten. Wer sie einhält, wird durch sie leben." (Lev.18,5). Bekanntlich stehen aber Gesetzesvorschriften und Lebenspraxis gar nicht selten in großer Spannung.
Die jesuanische Pädagogik ist sehr lebensorientiert, deshalb antwortet Jesus mit einer Begebenheit, einem Gleichnis aus dem Leben, das wir beinahe nahtlos in die Gegenwart übertragen können: ein Raubüberfall, den das Opfer nur knapp überlebt. An diesem Menschen zeigt Jesus, wer der Nächste ist. Gerade diese Extremsituationen fordern rasche Entscheidungen und im Handeln oder Nichtstun wird offenbar, ob ein Mensch dem anderen nahe steht oder ob ihm sein weiteres Schicksal gleichgültig ist. Der Nächste ist wohl der Allernächste mit seinen guten und schlechten Seiten. Die Menschenliebe inklusive der Feindesliebe ist eine gewaltige Herausforderung. Der Nächste soll die Erfahrung machen, dass Gott uns bedingungslos liebt.
Dieses Gleichnis ist diesbezüglich sehr gut ausgewählt, weil nicht nur das Gute, sondern auch manches Vorurteil sowie fehlendes Problembewusstsein und Abgehobenheit zum Ausdruck kommen. Ein Mann aus Samaria hilft. Er stammt aus jener Landschaft in der Mitte des palästinensischen Westjordanlandes, deren Hauptstadt Samaria ist. Dieses Gebiet mit seinen Einwohnern war damals den Juden gegenüber feindlich eingestellt. Das alte Gebiet von Samarien deckt sich im Großen und Ganzen mit dem heutigen Palästinenserterritorium. Hauptstadt, Landschaft und Bewohner haben ein sehr wechselvolles Schicksal hinter sich. Nach dem Untergang des Nordreiches Israel 722 v. Chr. kamen viele fremde Siedler ins Land, die die JHWH- Religion nicht kannten. Es entstand ein Mischvolk, die Samariter, in das bis zur römischen Eroberung 63 v. Chr. kaum Juden eindrangen. Auf diese Weise entstand ein brutaler Nationalismus und Chauvinismus, der bis heute im Nahen Osten zu spüren ist.
Jesus bricht aus seiner Heimat in Galiläa auf, um nach Jerusalem zu gehen, wo ihn Leid, Kreuz, Tod und Auferstehung erwarten. Geographisch wäre das über die Jordansenke mit unglaublichen körperlichen Strapazen möglich oder über den etwas kürzeren Weg des ungefähr 1000 m hohen Gebirges. Aber gerade dieser Weg führt durch das feindliche Gebiet. Das Land der Samariter wird gleichsam zur Zwischenstation zwischen Juden- und Weltmission. Die Apostelgeschichte (8,1 und Kapitel 9) weist darauf hin, dass Samarien zum urchristlichen Bereich gehört. Trotz allem bleibt aber die menschliche Kluft zwischen den Völkern bestehen, obwohl Jesus sich selbst mehrmals in dieses Gebiet begeben hat. Abwertend nannten die Juden Jesus einen Samariter (Joh.8,48).
Dieses Gleichnis mit seinem historischen Hintergrund hat auch für uns heute eine Reihe wichtiger Erkenntnisse. Liebe ist nicht Beliebigkeit und stellt sich konkreten Situationen ohne berechnende Absicht. Liebe überwindet Grenzen von Nationen und Vorurteilen, sie schließt nicht aus. Es gibt für die Nächstenliebe keine geographischen, ethnischen oder religiösen Merkmale.
Jesus fragt, ob die Pharisäer auch verstanden haben, was er ihnen erzählt hat: "Wer von diesen dreien hat den Mann, der von den Räubern überfallen wurde, wie seinen Nächsten behandelt?" (Lk. 10,26) - Der Samariter, der Ausländer, wird zum Vorbild für Menschlichkeit.
Sollten wir nicht gerade heute, wo wir große Schwierigkeiten mit Menschen verschiedener Kulturen, Sprachen und Hautfarbe haben, dieses Gleichnis besser in den Blick nehmen? Es ist auch interessant zu sehen, wer aller an diesem hilfsbedürftigen Mann vorbeigeht: Es sind die, die sich mit dem Liebesgebot, mit der Verkündigung des Wortes Gottes schon vertraut gemacht haben. Gibt es hier nicht Parallelen zu heutigen kirchlichen und staatlichen Zentralstellen, die die Not der Menschen wohl erkennen, aber zu wenig tun, sie mit ihrer Not und ihren Problemen allein lassen, Gesetze genau befolgen, sie aber nicht mit Geist und Leben erfüllen.
Jesus verbindet Gottes-, Nächsten-, Selbst- und Feindesliebe zu einem einzigen Liebesgebot, ist doch die Liebe Ursehnsucht des Menschen. Er will lieben und geliebt werden. Wer seine Mitmenschen liebt, wird auch auf die Frage nach Gott stoßen. Das Menschliche kann und darf nicht außer Acht bleiben. Die Liebe umfasst immer den ganzen Menschen. Am Schluss des Evangeliums die Aufforderung, die für uns alle Gültigkeit hat: "Geh hin und handle genau so." (Lk.10,37). Dann nämlich wird das Reich Gottes schon jetzt sichtbar werden.
Der barmherzige Samariter ist in vielen Kulturen auch jenseits des Christentums zum Sinnbild des Helfens geworden. In der Verkündigung der Frohbotschaft steht er aber vor allem als Beispiel dafür, auf welche Weise wir Christinnen und Christen Zeuginnen und Zeugen der Liebe Gottes werden sollen. Seine Geschichte ist eine Provokation. Lassen wir uns heute auf sie ein.
Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter könnte eine nette Geschichte der Bibel bleiben, wäre da nicht dieser Satz drin: "Geh und handle genauso!" Aufwühlend und herausfordend - zu allen Zeiten. Stellen wir uns dem heute einmal mehr.
Jesus ist immer wieder bemüht, die Menschen dazu zu bewegen, dass sie in ihrem Verhalten nicht bei einer Halbherzigkeit stehen zu bleiben, sondern die Liebe möglichst umfassend anstreben. Durch das Beispiel vom barmherzigen Samariter, von dem wir im heutigen Evangelium hören, möchte Jesus uns einladen, unser Verhalten neu zu überdenken, um es, falls es nötig ist, zu korrigieren.
„Liebe“ – dieses große Wort steht heute im Mittelpunkt. Nicht romantische Liebe oder spontane Sympathie, sondern die „Liebe zum Nächsten“, wie es schon im Alten Testament heißt. Im heutigen Evangelium zeigt Jesus, wie das geschehen kann: jemanden in Not, der mir begegnet, „von Herzen lieben“ und beherzt zu handeln.
Claudia Simonis-Hippel, in: Gottes Volk C 6/2013, Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2013, S. 45-56
Jesus Christus,
du hast dich uns zugewandt,
dass auch wir einander zuwenden.
Wir schauen oft aneinander vorbei.
Herr, erbarme dich
Du hast uns gelehrt, im Nächsten Gott zu suchen.
Wir erschaffen unsere eigenen Götter.
Christus, erbarme dich
Du mahnst uns, unsere Stärken einzusetzen für die Schwachen.
Oft sind wir hilflos.
Herr, erbarme dich
Gott,
nimm von uns, was uns belastet, schwächt und hilflos macht.
Lass in uns das Gute und Starke wachsen
zu unserem Wohl und zum Nutzen der Anderen.
Jesus Christus,
du bist Beispiel für die Liebe Gottes zu den Menschen.
Herr, erbarme dich.
Jesus Christus,
du rufst auf zum Zeugnis für die Liebe.
Christus, erbarme dich.
Jesus Christus,
du versprichst Heil und Heimat im Reich deines Vaters.
Herr, erbarme dich.
Jesus Christus, in dir ist die Liebe Gottes Mensch geworden
und du machst uns vor, was Nächstenliebe ist:
Herr erbarme dich.
Jesus Christus, in dir ist Gottes Solidarität mit den Schwächsten Mensch geworden
und du rufst uns auf zur tätigen Sorge um unsere Nächsten:
Christus erbarme dich.
Jesus Christus, mit dir ist Gottes grenzenloses Heil Mensch geworden
und du rufst uns auf, davon Zeugnis zu geben:
Herr erbarme dich.
Der gute Gott erbarme sich unser
er mache unsere Augen hell und unsere Herzen weit,
er befreie uns aus der Not von Schuld und Sünde
und führe uns zu einem ewigen Leben.
Herr, Jesus Christus,
du hast uns glaubhaft die Barmherzigkeit Gottes verkündet.
Herr, erbarme dich.
In deinem Leben spiegelt sich in allem Tun die Liebe zum Vater und zu uns Menschen.
Christus, erbarme dich.
Du forderst uns auf, dass auch wir ein Beispiel der Nächstenliebe zu allen Menschen leben.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du hast die Liebe in Vollendung gelebt.
Herr, erbarme dich…
Auch wenn wir dies nicht vermögen, ermutigst du uns,
nicht beim „Gibst du mir, gebe ich dir“ stehen zu bleiben.
Christus, erbarme dich…
Unterstütze unser Bemühen mit gewährter Kraft von dir.
Herr, erbarme dich…
Gott, du bist unser Ziel,
du zeigst den Irrenden das Licht der Wahrheit
und führst sie auf den rechten Weg zurück.
Gib allen, die sich Christen nennen,
die Kraft, zu meiden, was diesem Namen widerspricht,
und zu tun, was unserem Glauben entspricht.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 15. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
du hast uns erschaffen, damit wir dich preisen.
Gib, daß wir dich mit ungeteiltem Herzen anbeten
und die Menschen lieben, wie du sie liebst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 4. Sonntag im Jahreskreis
Heiliger Gott,
du hast uns das Gebot der Liebe
zu dir und zu unserem Nächsten aufgetragen
als die Erfüllung des ganzen Gesetzes.
Gib uns die Kraft,
dieses Gebot treu zu befolgen,
damit wir das ewige Leben erlangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 25. Sonntag im Jahreskreis
Gütiger Gott,
in deinem Sohn hast du uns dein Wort geschenkt.
Wir bitten dich:
Gib uns den Mut,
seinem Beispiel zu folgen,
die Not der Menschen zu erkennen
und ihnen zu helfen.
Darum bitten wir im Heiligen Geist
durch ihn, Jesus Christus, unseren Herrn.
WB 15. Sonntag im Jahreskreis C
Guter Gott,
du hast diese Welt und was in ihr lebt gut geschaffen.
Dafür danken wir dir.
Du rufst uns auf, in der Zuwendung zum Nächsten
deine Güte und Treue sichtbar werden zu lassen.
Steh uns bei und hilf uns, zu erkennen, wo wir gefragt sind.
So bitten wir durch Jesus Christus.
Gütiger Gott
dein Sohn hat Liebe vorgelebt über alle Maße.
Sein Beispiel soll uns Ansporn und Vorbild sein.
Hilf uns, unsere Augen offenzuhalten und unsere Herzen bereit,
dass wir die Not unserer Nächsten erkennen
und helfend zur Tat schreiten wollen.
So bitten wir durch ihn, Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Vater im Himmel,
schon immer hast du den Menschen zugesprochen,
dass du das Gute für uns willst
und dass du mit deinem Wort ganz nahe bei uns bist.
In deinem Sohn Jesus Christus
hast du uns ein lebendiges Zeichen deiner Barmherzigkeit geschenkt.
Mache uns in diesem Gottesdienst bereit,
seine Worte zu hören
und schenke uns neu die Kraft,
seinem Beispiel zu folgen.
Das erbitten wir mit ihm, unserem Bruder und Herrn. – Amen.
Lebendiger Gott,
durch dein Wort willst du uns den Weg zu erfülltem Leben zeigen.
Öffne unsere Ohren und unsere Herzen,
damit wir deine Stimme vernehmen
in den Bibeltexten,
in unserem Innern
und in der Begegnung und Gemeinschaft untereinander.
Darum bitten wir durch Jesus Christus,
der deine Weisung den Menschen in Wort und Tat nahe gebracht hat. - Amen.
Claudia Simonis-Hippel, in: Gottes Volk C 6/2013, Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2013, S. 45-56.
Die Liebe Gottes zu uns ist Mensch geworden. Wir sind eingeladen, von dieser Liebe Zeugnis zu geben. Manchmal ist das nicht so einfach.
So rufen wir zu dir, guter Gott, und bitten dich:
Wir beten für alle, die auf der großen Weltbühne wie in privaten Beziehungen deutlich machen, dass ihnen ihr Nächster egal ist:
Schenke ihnen Einsicht zur Umkehr durch den Mann aus Samarien.
Wir beten für alle, die sich unter Einsatz ihres eigenen Lebens für die Opfer von Krieg und Gewalt einsetzen:
Vergilt ihnen all das Gute, dass sie für Frieden und Gerechtigkeit leisten.
Wir beten für alle, die sich auf den Weg in die Ferien machen und Ruhe und Erholung suchen:
Schenke ihnen eine gute Zeit, Einkehr bei sich selbst und Begegnungen mit Menschen, die guttun.
Wir beten für alle, die jetzt in dieser Sommerzeit Lebensabschnitte beenden und bald neu durchstarten: in Schule und Studium, in der Ausbildung, im Beruf.
Zeige ihnen die richtigen Wege im Leben und lass sie Zufriedenheit und Freude erfahren.
Wir beten für alle, die sich nach diesem irdischen Leben nun der Liebe Gottes im Himmel erfreuen:
Lass sie vollendet schauen, worauf sie ein Leben lang gehofft haben.
Guter Gott, wir glauben, dass deine Zuneigung zu uns grenzenlos ist.
Dafür danken wir dir durch Christus, unseren Herrn.
Jesus ist als Gottes Wort in unsere Welt gesprochen. Durch ihn können wir erahnen, wie der Schöpfer seine Schöpfung gedacht hat und wie ein gutes Miteinander in ihr möglich ist.
Ihn bitten wir:
Um Christinnen und Christen, die sich weit über das von Caritas und Diakonie gelebte Zeichen der Nächstenliebe als Mitmenschen mit Gemeinsinn und Mitgefühl erweisen.
'
Um die Einsicht, dass globale Probleme wie Weltfrieden, Klimaveränderungen und internationaler Handel nur gelöst werden können, indem jede Nation über die eigenen Interessen hinausdenkt.
Um Respekt allem Fremden gegenüber, wenn uns auf Reisen Menschen und Kulturen begegnen, die für uns schwer verständlich sind.
Um Einklang im persönlichen Denken und Fühlen mit der Würde eines jeden Menschen und der uns geschenkten Schöpfung.
Um deine heilsbringende Nähe für unsere Verstorbenen.
Dir vertrauen wir unsere Anliegen an und bitten dich, nimm sie an und erfülle sie nach deiner Weisheit. - Amen.
Gott, du hast dich in unser Herz eingeschrieben. Du willst, dass unser Zusammenleben gelingt und wir unseren Teil dazu beitragen.
Wir bitten dich für unsere Welt:
Sei denen spürbarnahe, die Wege des Friedensund der Gerechtigkeit suchen.
Sei denen spürbar nahe, die die Not der Vertriebenen, Verletzten und Hungernden lindern.
Sei denen spürbarnahe, die um die Bewahrung der Natur kämpfen.
Sei denen spürbarnahe, die deinen Willen in schwierigen Situation zu erkennen suchen.
Sei denen spürbarnahe, die krank und einsam sind.
Sei denen spürbar nahe, die Verstorbene betrauern und verzweifelt sind.
Gott, du gehst in unserem Leben mit.
Bleib uns mit deiner Liebe nahe
durch Jesus Christus, unseren Herrn und Bruder. - Amen.
© Angelika Gumpenberger-Eckerstorfer, Seelsorgerin Wels, St. Franziskus.
Der Psalmist betet:
Ich komme zu dir mit meinem Bittgebet, Herr, zur Zeit der Gnade. *
Gott, in deiner großen Huld erhöre mich, mit deiner rettenden Treue! ‑
So rufen wir, zu dir, o Gott:
Wir beten für alle Menschen, die unseren Beistand benötigen -
konkret, direkt oder politisch und systemisch:
Lass sie auf Andere treffen, die mit ihnen gehen.
Wir beten für Menschen, die aus politischen, religiösen oder persönlichen Gründen Solidarität verweigern:
Lass sie wissen, wie sie deine Liebe zu uns in dieser Welt bezeugen können.
Wir beten für jene, die sich dafür einsetzen,
dass Menschen Linderung ihrer Nöte erfahren können:
Vergilt ihnen all das Gute, das sie tun.
Wir beten für alle, die sich in den kommenden Tagen in die Ferien begeben:
Schenke ihnen eine gute Erholung an Leib und Seele und begleite sie auf ihren Wegen.
Wir beten für alle, die sich auf den letzten Wegen ihres Lebens befinden
oder schon zu dir heimgegangen sind:
Schenke ihnen einen Platz in deinem Reich.
Guter Gott, deine Liebe ist ausgegossen in unsere Herzen.
Geh mit uns, wenn wir aus dieser Liebe leben wollen.
So bitten wir durch ihn, der deine Liebe Mensch werden ließ:
Christus, unseren Bruder und Herrn.
In Christus kommt uns Gott ganz nahe.
Ihn bitten wir um Augen für das Naheliegende und die Motivation zum guten und konkreten Handeln:
Um Menschen in der Kirche, die sich an deiner Sicht auf ihre Mitmenschen orientieren und für sie und ihre Sorgen offen sind egal was diese sind, denken oder glauben.
Um eine Gesellschaft, in der nicht nur die durch die Gesetze geschützte Freiheit der anderen beachtet sondern aus der Einsicht zum Guten gehandelt wird.
Um tatkräftige Hilfe für alle, die von den in letzter Zeit heftigen Unwettern betroffen sind, und ernsthaft mitgetragene Maßnahmen jedes Einzelnen gegen den Klimawandel.
Um unser eigenes Bemühen um einen Perspektivenwechsel im Blick auf unsere Mitmenschen, damit wir wahrnehmen können, was für sie gerade jetzt notwendig ist.
Um einen Glauben, der unsere Einstellung zu Leid, Abschied und Tod bestimmt.
Denn in dir Christus zeigt sich die göttliche Liebe in der ganzen Schöpfung.
Dafür danken wir, loben und preisen dich, den dreieinen Gott, jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Herr Jesus Christus,
du möchtest, dass wir die Nächstenliebe nicht nur halbherzig leben.
Wir bitten dich:
Stärke in uns das Verlangen und den Willen, vielfältig Menschen ein Helfer zu sein.
Christus, höre uns…
Öffne unser Herz weit für die Menschen, die in ihrer Notlage nur durch uns Hilfe erhalten können.
Bewege zu Einsicht und Umkehr alle, die durch ihr Verhalten und Handeln andere in Not- und Leidsituationen bringen.
Segne und stärke das Bemühen derer, die Kranke pflegen, Bedürftigen beistehen, Leidende begleiten, Niedergeschlagene aufrichten.
Sei nahe den Sterbenden in ihrer Not und nimm die Verstorbenen auf in die Gemeinschaft mit dir.
Herr Jesus Christus,
du rufst uns nicht nur auf zu umfassender Nächstenliebe; du schenkst uns auch die nötige Kraft. Dafür danken wir dir immer wieder neu. – Amen.
Barmherziger Gott, du hast keine Hände, Augen und Ohren um die Not der Menschen zu wahrzunehmen und zu lindern, als unsere Hände, Augen und Ohren. Wir bitten dich:
für die Not Leidenden auf der ganzen Welt.
für die Hilfsorganisationen, die kompetente Hilfe leisten können.
für alle, die sich mit der Not leidender Mitmenschen überfordert fühlen.
für jene, die Menschen bewerten, ob sie ihrer Hilfe würdig sind oder nicht.
für jene, deren Ansichten wir nicht teilen und die wir meiden, abwerten oder ausgrenzen.
für unsere Verstorbenen und ihre Angehörigen.
Gütiger Gott du gibst uns Kraft und Mut zu helfen, wo es nötig ist. Deshalb vertrauen wir dir alle unsere Sorgen und Anliegen an. - Amen.
© Mag.a Dorothea Schwarzbauer-Haupt, Theologin, Linz.
In dir, Christus, nimmt die Schöpfung ihren Anfang, in dir findet sie ihre Bestimmung und ihre Vollendung.
Dich bitten wir:
Für alle, die in der Leitung deiner Kirche für Kontinuität der Lehre aber auch für die sich stets verändernden Anforderungen der Zeit verantwortlich sind.
Für eine Gesellschaft, die durch ihre Gesetze und Regeln sowohl dem Einzelnen Schutz und Recht auf seine persönliche Würde bietet als auch das Leben in der ganzen Gemeinschaft sichert.
Für alle, die sich von der Vision deines Reiches ergreifen lassen und uneigennützig und über gesellschaftliche Grenzen hinweg denen helfen, die der Hilfe bedürfen.
Für uns, wenn wir durch unseren Beistand und unser mitfühlendes Mitgehen für andere zum Nächsten werden und dabei uns selbst und dich immer mehr entdecken.
Für alle Verstorbenen in unseren Familien und Gemeinden und für alle jene, an die niemand mehr denkt.
Gott zu lieben und den Nächsten wie sich selbst zu lieben, können wir nicht an die Institution der Kirche, der Caritas oder diverser Hilfsorganisationen delegieren. Wir sind selbst gefordert. Dabei sind wir nicht allein. Christus ist an unserer Seite.
Dafür danken wir dir, Herr Jesus Christus, und loben und preisen dich jetzt und allezeit. - Amen.
Guter Gott,
du willst, dass alle Menschen gut leben können.
Darum bitten wir dich:
Für alle, die unter Gewalt, Krieg, Armut und Krankheit leiden:
Lass sie Zuwendung und Hilfe erfahren.
Für die Menschen, die in ihrem Beruf das Leid anderer zu lindern versuchen:
Schenke ihnen Kraft und Ausdauer für ihre Arbeit
und lass sie dabei die Liebe zu sich selbst nicht vergessen.
Für die sozialen Einrichtungen der Kirche:
Lass sie Orte der Nächstenliebe nach dem Beispiel Jesu sein.
Für uns alle:
Mache uns in unserem Alltag sensibel für andere,
so dass wir ihnen von Herzen helfen können.
Guter Gott, schenke uns ein offenes Herz, Fantasie, Mut und Kraft,
damit wir selber etwas zu einem besseren Leben der Menschen beitragen können.
Darum bitten wir Dich, den Gott des Lebens und der Liebe. - Amen.
Claudia Simonis-Hippel, in: Gottes Volk C 6/2013, Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2013, S. 45-56.
Gott,
sieh auf dein Volk, das im Gebet versammelt ist,
und nimm unsere Gaben an.
Heilige sie, damit alle, die sie empfangen,
in deiner Liebe wachsen und dir immer treuer dienen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 15. Sonntag im Jahreskreis
Barmherziger Gott,
wir feiern an diesem Altar das Werk,
das Christus in seiner großen Liebe
für uns getan hat.
Nimm die Gaben deines Volkes an
und gib, dass wir nach dem Beispiel deiner Heiligen
feststehen in der Liebe zu dir und zu den Menschen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Heilige der Nächstenliebe
Barmherziger Vater,
so wie der gute Mann aus Samarien
für den Verletzten am Wegrand gesorgt hat,
deckst du uns den Tisch mit deinen Gaben
in guten und in schlechten Zeiten.
Wenn wir nun die Gegenwart deines Sohnes
unter den Gestalten von Brot und Wein feiern,
wissen wir die Liebe Gottes unter uns gegenwärtig.
Dafür danken wir dir durch ihn,
Christus, unseren Bruder und Herrn.
Guter Gott
in den Gaben von Brot und Wein teilst du dich an uns aus.
Dankbar haben wir uns daher um deinen Tisch versammelt.
So wie du uns teilnehmen lässt an diesem Mahl,
dass deine Liebe zu uns Menschen spürbar werden lässt,
wollen wir teilhaben an den Nöten unserer Nächsten.
Stärke uns dazu durch Christus unseren Herrn. – Amen.
Barmherziger Gott,
an deinem Tisch nährst du alle Menschen mit dem Brot des Lebens:
die Starken und die Schwachen
die Armen und die Reichen
die Kranken und Gesunden
Lass uns genauso handeln,
wie du uns das vormachst.
Das erbitten wir durch Christus, unseren Freund und Bruder.
Als Lobpreis bietet sich der Gesang aus Kolosserbrief 1,12-20 (2. Lesung), GL 633,8-9 an.
Oder:
Kehrvers:
Dankt dem Vater mit Freude, er schenkt uns seinen Sohn.
(GL 633,8)
Gott und Vater, wir haben Grund dir zu danken,
denn du hast uns deinen Sohn geschenkt.
Er hat uns würdig gemacht,
das Erbe der Heiligen zu empfangen, die im Lichte sind.
Er hat uns der Macht der Finsternis entrissen
und aufgenommen in das Reich seines geliebten Sohnes.
Kehrvers
In ihm haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden.
Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes,
der Erstgeborene der ganzen Schöpfung.
Kehrvers
Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden,
das Sichtbare und das Unsichtbare,
Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten,
alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen.
Er ist vor aller Schöpfung, alles hat in ihm Bestand.
Kehrvers
Er ist das Haupt des Leibes, der Leib aber ist die Kirche.
Er ist der Ursprung, der Erstgeborene der Toten;
so hat er in allem den Vorrang.
Kehrvers
Denn Gott wollte in seiner ganzen Fülle in ihm wohnen
um durch ihn alles zu versöhnen.
Er wollte alles auf Erden und im Himmel zu Christus führen,
der Frieden gestiftet hat durch das Blut seines Kreuzes.
Kehrvers
Danklied, z. B.: Mein ganzes herz erhebet dich... (GL 143)
Wir danken dir, treuer und barmherziger Vater,
für Jesus, deinen Sohn unseren Herrn und Bruder.
Seine Liebe galt den Armen und Kranken,
den Ausgestoßenen und Sündern.
An keiner Not ging er vorüber.
Sein Leben und seine Botschaft lehren uns,
daß du ein Gott bist, der sich der Menschen annimmt
wie ein Vater sich um seine Kinder sorgt.
Darum loben und preisen wir dich,
wir rühmen deine Güte und Treue
und verkünden mit allen Engeln und Heiligen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 3
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn wir erkennen deine Herrlichkeit in dem,
was du an uns getan hast:
Du bist uns mit der Macht deiner Gottheit
zu Hilfe gekommen und
hast uns durch deinen menschgewordenen Sohn
Rettung und Heil gebracht
aus unserer menschlichen Sterblichkeit.
So kam uns aus unserer Vergänglichkeit
das unvergängliche Leben
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir jetzt und in Ewigkeit
dein Erbarmen und singen mit den
Chören der Engel das Lob
deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 3
Jesus nennt die Liebe zu Gott und zum Nächsten die Erfüllung des Gesetzes.
So gilt unser Blick nun Gott und unserer Beziehung zu ihm.
Wir können beten: Vater unser…
Einleitung zum Friedensgebet:
Herr, deine Zuwendung geschah immer aus vollem Herzen.
So konnten die Menschen auch spüren,
wie ernst dir der Wunsch nach Frieden war.
Darauf hoffen auch wir und bitten dich:
Schaue nicht auf unsere Sünden…
"Geh, handle genauso und du wirst leben!"
(vgl. Lk 10,37)
Oder:
Christus spricht:
Es gibt keine größere Liebe,
als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt
(Joh 15,13)
Oder:
Christus spricht:
Wie mich der Vater geliebt hat,
so habe auch ich euch geliebt.
Bleibt in meiner Liebe!
(Joh 15,9)
Oder:
Daran haben wir die Liebe erkannt,
daß Er sein Leben für uns hingegeben hat.
(1 Joh 3,16)
Jesus
Du hast gesagt
ICH BIN DER WEG
dir nachfolgen heißt
deinem Beispiel folgen
deinen Weg gehen
den Weg zu den Menschen
den Weg gegen den Strom der Zeit
den Weg zum Kreuz
den Weg der Liebe
Du hast gesagt
ICH BIN DIE WAHRHEIT
dir nachfolgen heißt
deiner Wahrheit glauben
der Wahrheit der Güte
und Größe Gottes
der Wahrheit der Erlösung
von Sünde und Tod
der Wahrheit der Auferstehung
der Wahrheit des Geistes
der Wahrheit der Liebe
Du hast gesagt
ICH BIN DAS LEBEN
dir nachfolgen heißt
nach deinem Beispiel leben
ein Leben des Mitleids
und der Anteilnahme
ein Leben der Verzeihung
und der Versöhnung
ein Leben das nach Gottes Willen fragt
ein Leben der Liebe
Lass uns auf dich schauen
lass uns dir nachfolgen
Bruder Jesus
der du WEG - WAHRHEIT -
und LEBEN bist
damit unser Leben gelingt
Herr, unser Gott,
wir danken dir für die heilige Gabe.
Laß deine Heilsgnade in uns wachsen,
sooft wir diese Speise empfangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 15. Sonntag im Jahreskreis
Barmherziger Gott,
wir haben den Auftrag deines Sohnes erfüllt
und sein Gedächtnis begangen.
Die heilige Gabe,
die wir in dieser Feier empfangen haben,
helfe uns,
daß wir in der Liebe zu dir und unseren Brüdern
Christus nachfolgen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 33. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger Gott,
du hast uns gestärkt durch das lebendige Brot,
das vom Himmel kommt.
Deine Liebe,
die wir im Sakrament empfangen haben,
mache uns bereit,
dir in unseren Brüdern zu dienen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 22. Sonntag im Jahreskreis
Gott,
wir haben heute im Wort der Schrift und im Brot des Lebens erfahren,
dass du immer bei uns bist, weil du treu bist.
Stärke uns nun zum Zeugnis deiner Liebe
mit deinem Segen.
So bitten wir durch Christus, unseren Bruder und Herrn.
Barmherziger Gott
gestärkt durch dein Wort und durch das Brot des Lebens
wollen wir jetzt hinausgehen und handeln,
wie du uns das vorgemacht hast.
Sei du mit uns, segne uns dazu,
dass wir das Leben haben, das du uns versprichst.
So bitten wir durch Christus, unseren Herrn. – Amen.
Vater im Himmel,
viele Menschen sind in diesen Sommertagen unterwegs,
um Erholung zu finden,
damit sie den Anforderungen des Lebens gewachsen bleiben.
Auch in unserer Zeit gibt es viele Gefahren.
Wir bitten dich, schütze alle Menschen,
die, die unterwegs sind
und die, die zu Hause bleiben.
Und da, wo Gefahren drohen oder wo Unheil geschehen ist,
schenke den Mitmenschen wache Augen,
damit wir auch in unserer Zeit erfahren,
was „barmherzige Samariter“ sind.
Für dein Mit-uns-Sein loben wir dich alle Zeit. – Amen.
Lebendiger, liebender Gott,
in Jesu Wort und Tat hast Du uns gezeigt,
wie wir Menschen miteinander von Herzen liebevoll umgehen können.
Hilf uns, seinem Beispiel auch in unseren alltäglichen Begegnungen zu folgen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder. - Amen.
Claudia Simonis-Hippel, in: Gottes Volk C 6/2013, Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2013, S. 45-56.
Im „Sonnenschein“ unseres Lebens
und
in den „Gewittern“ unseres Lebend
zeige du dich als
Gott mit uns
Im „Unterwegssein“ unseres Lebens
und
im „Zu-Hause-Sein“ unseres Lebens
zeige du dich als
Gott mit uns
In den Aufbrüchen unseres Lebens
und
im Ankommen unseres Lebens
zeige du dich als
Gott mit uns
Du
Gott mit uns
in all unserem Sein
lege du segnend und begleitend
deine schützenden Hände auf uns
Du
der Vater und der Sohn und der Hl. Geist
Amen.
Störung hat Vorrang!
Wirklich?
Wo
bleibe ICH stehen
wenn jemand
irgendjemand
Hilfe braucht?
Bliebe ich
unter allen Umständen
stehen
um einem
mir Fremden
in seiner Misere
zu helfen?
Was
wenn ich
demnächst
in diese Lage gerate
jemandem
zum Nächsten
zur Nächsten
zu werden?
HEUTE
war es
bei mir
so …
Eine gut investierte
Zeit
Ein Mensch
konnte aufatmen!
Manchmal brauchen wir diese Auszeit des Lebens,
um wieder einen Blick für uns selbst und für andere zu bekommen.
Manchmal können es Kleinigkeiten sein, die uns dazu anregen.
Der folgende Text malt uns hierzu ein Bild von Sonne, Meer und mehr.
Einzigartige
Muscheln, mit der Faszination der vielfältigen Farbenpracht.
Muscheln, mit der Faszination der vielfältigen Formen.
Muscheln, mit der Faszination der vielfältigen Strukturen.
Muscheln, geprägt durch ihre Art.
Muscheln, geschliffen durch den Rhythmus und Unmut der Gezeiten.
Muscheln, ausgesetzt der Fülle und dem Mangel, von uns genannt Ebbe und Flut.
Muschel, die das Leben bargen.
Muscheln, angespült durch das Spiel der Wellen.
Muscheln, jetzt leer und hohl.
Du, Muschel in meiner Hand.
Du, Muschel – Einzigartige.
Du, Muschel, die du mich anregst dich zu betrachten.
Du, Muschel, die ich dich phantastisch finde –
auch jetzt noch, obwohl ich nur deine Hülle sehe –
nicht dein Leben.
Indem ich dich betrachte, du kleine Muschel,
wächst in mir der Mut, auch mich zu betrachten.
Mich zu betrachten, indem ich in den Spiegel schaue.
Mich zu betrachten, indem ich versuche in mein Inneres zu schauen.
Du, kleine Muschel!
Mein Leben findet sich wieder in deinem Leben.
Auch mir ist mitgegeben Farbenpracht, Form und Struktur.
Auch ich bin geschliffen worden vom Rhythmus und Unmut des Lebens.
Auch ich erlebe Fülle und Mangel.
Auch in mir birgt sich Leben.
Auch in mir gibt es Zeiten der Leere.
Du, kleine Muschel!
Indem ich uns betrachte, kommt die Erkenntnis:
Wir sind beide einzigartig.
Und die vielen anderen Muscheln um mich herum.
Alle einzigartig.
So sind wir alle hineingegeben in das große Ganze- in die Schöpfung.
Alle einzigartig – Geschenke des Himmels.
Du, Muschel in meiner Hand!
Ich will dich umschließen als einen wertvollen Schatz.
Wann immer ich dich sehe oder fühle,
erinnere mich daran, dass alles einzigartig ist.
Einzigartig sein kann und darf,
weil ein Schöpfer, den wir Gott nennen,
alles so wichtig nimmt,
dass es einzigartig sein darf,
alles so wichtig nimmt,
dass es einzigartig ist.
Beatrix Senft (2022)
Hoffnung und Glaube werden ein Ende haben, wenn wir sterben. Die Liebe aber wird bleiben. Liebe währt ewig. Liebe kommt von Gott und kehrt zu Gott zurück. Wenn wir sterben, werden wir alles verlieren, was das Leben uns gab, außer der Liebe. Die Liebe, in der wir unser Leben geführt haben, ist die Liebe Gottes in uns. Sie ist der göttliche, unzerstörbare Kern unseres Seins. Diese Liebe wird nicht nur fortdauern, sondern auch Früchte tragen von Geschlecht zu Geschlecht.
Stehen wir an der Schwelle unseres Todes, dann lasst uns zu allen, die wir zurücklassen, sagen: "Seid nicht traurig! Die Liebe Gottes, die in meinem Herzen wohnt, wir zu euch kommen und euch Trost und Stärke sein."
Henri Nouwen, Leben hier und jetzt; Herder Verlag, Freiburg1996.
Du liebst leidenschaftlich
kennst Zorn und Glut
Doch Du bist Liebe
Du liebst zärtlich
wie Mutterhände
Innig wie Liebende
Milde und nachsichtig
Du bist treu und vergibst
Du liebst weise und gütig
Du richtest auf
Leidenschaftlich willst Du
geliebt werden
geliebt sein
Aus ganzem Herzen
Aus ganzem Gemüt
Aus ganzer Kraft
Heilige lebten so
In allem spürten sie
Deinen Atem und
ließen sich auf ihn ein
Überfordert
mühen wir uns ab
an Deiner Welt
Theresia Hauser, Offen für den Augenblick. Schwabenverlag, Ostfildern 2002.
Die Liebe führt mich
zu den Dingen,
und die Dinge
führen mich zu der Liebe.
Alle Trennungen sind künstlich,
es gibt nur eine Verwandlung
zum Leben hin,
und die geschieht durch die Liebe.
Seit Jahrtausenden
sind wir nicht müde geworden,
neue Namen für den Zauber zu finden,
aber am Ende kehren wir doch zurück
zu dem Wort,
das uns Hoffnung macht
und in dem die Verwandlung
beheimatet ist.
Kannst du es mir glauben,
wenn ich noch einmal sage:
"Ich liebe dich."
Ulrich Schaffer, Liebendes Wahrnehmen. Ed. Schaffer im Kreuz Verlag, Stuttgart 1989.
Gott liebt uns. Seine Liebe zu uns ist unvergänglich. Halten wir an dieser Wahrheit fest, gewinnt unser Leben an Weite und Tiefe. Sind wir geliebt, erstreckt sich unser Leben weit über die Grenzen von Geburt und Tod hinaus. Zu geliebten Söhnen und Töchtern Gottes werden wir nicht nur bei unserer Geburt und hören bei unserem Tod auch nicht auf, es zu sein. Unser Geliebtsein währt ewig.
Ein Leben im Geist setzt voraus, dass wir an dieser vergänglichen, ewigen Liebe Gottes zu uns festhalten und unser eigene zeitliche Liebe, die wir Eltern, Brüdern und Schwestern, Lehrern, Freunden, unseren Ehegatten und allen, die Teil unseres Lebens sind, entgegenbringen, zum Widerschein dieser ewigen Liebe Gottes werden lassen. Weder Vater noch Mutter können ihren Kindern vollkommene Liebe schenken. Weder Ehemann noch Ehefrau können einander unbegrenzte Liebe schenken. Menschliche Liebe wird stets irgendwo gebrochen sein.
Wenn unsere gebrochene Liebe die einzige Liebe ist, dir wir schenken oder erwarten dürfen, könnten wir der Hoffnungslosigkeit verfallen. Leben wir aber unsere gebrochene Liebe als einen bedingten Abglanz von Gottes vollkommener, bedingungsloser Liebe, dann können wir einander unsere Grenzen vergeben und uns der Liebe erfreuen, die wir zu geben haben.
Henri Nouwen, Leben hier und jetzt; Herder Verlag, Freiburg1996.
Behüte unsere Liebe
vor Lieblosigkeit und Egoismus,
behüte sie vor Eifersucht
und Vertrauensbruch,
lass uns darüber klar werden,
ob wir für immer
zusammenbleiben wollen,
sei du in unserer Mitte.
Guido Erbrich, Zum Beispiel: du. Gebete für junge Menschen; Leipzig, St. Benno Verlag, 2002.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.
Ein Wechsel ist immer auch die Zeit der Quintessenz, die zentrale Themen noch einmal betont. So tauchen der Gedanke der Bundestreue, der Gedanke des mitgehenden und präsenten Gottes (der Name JAHWE) und der richtigen Antwort des Menschen auf.
Gott will die Rahmenbedingungen eigentlich so schaffen, dass der Mensch das leben kann, wozu er befähigt worden ist.
Auf die Stimme Gottes hören bedeutet also auch, auf die eigene innere Stimme zu horchen und ihr zu folgen, um für sich und andere Wege zu mehr Leben und Freiheit zu finden. Dabei wird vom Menschen nichts Unmögliches verlangt; es „geht nicht über deine Kraft“ (Vers 11). Denn wenn jemand also auf seine Intuition achtet, wird er dabei auch lernen, sich nicht selbst zu überfordern, sondern die Grenzen seiner Kraft wahrzunehmen und anzunehmen.
Claudia Simonis-Hippel, in: Gottes Volk C 6/2013, Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2013, S. 45-56.