Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Génesis.
In jenen Tagen
sprach der Herr zu Abraham:
Das Klagegeschrei über Sodom und Gomórra,
ja, das ist angeschwollen
und ihre Sünde, ja, die ist schwer.
Ich will hinabsteigen
und sehen, ob ihr verderbliches Tun
wirklich dem Klagegeschrei entspricht,
das zu mir gedrungen ist, oder nicht.
Ich will es wissen.
Die Männer wandten sich ab von dort und gingen auf Sodom zu.
Abraham aber stand noch immer vor dem Herrn.
Abraham trat näher
und sagte:
Willst du auch den Gerechten mit den Ruchlosen wegraffen?
Vielleicht gibt es fünfzig Gerechte in der Stadt:
Willst du auch sie wegraffen
und nicht doch dem Ort vergeben
wegen der fünfzig Gerechten in ihrer Mitte?
Fern sei es von dir, so etwas zu tun:
den Gerechten zusammen mit dem Frevler töten.
Dann ginge es ja dem Gerechten wie dem Frevler.
Das sei fern von dir.
Sollte der Richter der ganzen Erde nicht Recht üben?
Da sprach der Herr:
Wenn ich in Sodom fünfzig Gerechte in der Stadt finde,
werde ich ihretwegen dem ganzen Ort vergeben.
Abraham antwortete
und sprach: Siehe, ich habe es unternommen,
mit meinem Herrn zu reden, obwohl ich Staub und Asche bin.
Vielleicht fehlen an den fünfzig Gerechten fünf.
Wirst du wegen der fünf die ganze Stadt vernichten?
Nein, sagte er,
ich werde sie nicht vernichten,
wenn ich dort fünfundvierzig finde.
Er fuhr fort, zu ihm zu reden:
Vielleicht finden sich dort nur vierzig.
Da sprach er:
Ich werde es der vierzig wegen nicht tun.
Da sagte er:
Mein Herr zürne nicht, wenn ich weiterrede.
Vielleicht finden sich dort nur dreißig.
Er entgegnete:
Ich werde es nicht tun, wenn ich dort dreißig finde.
Darauf sagte er:
Siehe, ich habe es unternommen,
mit meinem Herrn zu reden.
Vielleicht finden sich dort nur zwanzig.
Er antwortete:
Ich werde sie nicht vernichten um der zwanzig willen.
Und nochmals sagte er:
Mein Herr zürne nicht,
wenn ich nur noch einmal das Wort ergreife.
Vielleicht finden sich dort nur zehn.
Er sprach:
Ich werde sie nicht vernichten um der zehn willen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv - Herr, du gabst mir Antwort am Tag, da ich rief. – Kv
Oder GL 77,1
Ich will dir danken mit meinem ganzen Herzen, *
dir vor den Engeln singen und spielen.
Ich will mich niederwerfen zu deinem heiligen Tempel hin, *
will deinem Namen danken für deine Huld und für deine Treue. – (Kv)
Denn du hast dein Wort größer gemacht *
als deinen ganzen Namen.
Am Tag, da ich rief, gabst du mir Antwort, *
du weckst Kraft in meiner Seele. – (Kv)
Erhaben ist der Herr, /
doch er schaut auf den Niedrigen, *
in der Höhe ist er, doch er erkennt von ferne.
Muss ich auch gehen inmitten der Drangsal, *
du erhältst mich am Leben trotz der Wut meiner Feinde. – (Kv)
Du streckst deine Hand aus, *
deine Rechte hilft mir.
Der Herr wird es für mich vollenden. /
Herr, deine Huld währt ewig. *
Lass nicht ab von den Werken deiner Hände! – Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Kolóssä.
Schwestern und Brüder!
Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben,
mit ihm auch auferweckt,
durch den Glauben an die Kraft Gottes,
der ihn von den Toten auferweckt hat.
Ihr wart tot infolge eurer Sünden
und euer Fleisch war unbeschnitten;
Gott aber hat euch mit Christus zusammen lebendig gemacht
und uns alle Sünden vergeben.
Er hat den Schuldschein, der gegen uns sprach,
durchgestrichen
und seine Forderungen, die uns anklagten,
aufgehoben.
Er hat ihn dadurch getilgt,
dass er ihn an das Kreuz geheftet hat.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Christus ist das Zentralthema in der Verteidigung gegen die Irrlehrer in Kolossä. Schon im Christushymnus wird das deutlich. Im Abschnitt 2,9-15 ("ungekürzte Textfassung"), aus dem die Tageslesung genommen ist, wird noch einmal die Stellung und die Funktion Christi herausgestellt. In Christus wohnt die ganze Fülle der Gottheit, und zwar leibhaftig, wesentlich, das heißt: Christus ist ganz Gott, nicht Teil eines göttlichen Kosmos. In seiner Person ist Gott wirklich und wesenhaft anwesend. Nicht nur bruchstückhaft oder ansatzweise ist Gott in ihm da, sondern ganz und auch dauerhaft, weil die Fülle Gottes, Gott selbst, in ihm "wohnt". (Kol 2,9) Diese Fülle Gottes erfüllt von Christus her auch die Adressaten. Sie sind nicht angewiesen darauf, das Heil irgendwo anders suchen zu müssen, sie brauchen keine Angst zu haben vor irgendwelchen Mächten und Gewalten, weil Christus das Haupt, der Chef aller Gewalten ist. Angst vor Dämonen, abergläubische Ängste und magische Schutzriten sind deshalb heidnisch, damals schon, aber heute immer noch. (Kol 2,10) Beschneidung war das äußere Zeichen des Bundes Gottes mit Abraham. Im Neuen Bund, den Gott durch seinen Sohn Jesus Christus gestiftet hat, geschieht durch die Taufe eine Art innere "Beschneidung". Der Getaufte, die Getaufte gehört dem Bereich Gottes an, ist ein "neuer" Mensch, der nicht mehr Gefangener der Sünde ist. (Kol 2,11)
Die paulinische Tradition versteht die Taufe auf Christus als "Sterben". Das Untergetauchtwerden ist Symbol dafür, daß bei der Taufe Altes stirbt und Neues beginnt. Christen nehmen so teil am Todesschicksal Jesu, werden hineingenommen in sein ganzes Leben und Sterben. So läßt sich Leben und Schicksal des Menschen neu verstehen. Alle Leiden und Schmerzen des Lebens und besonders das physische Sterben ist Gott in Jesus Christus nichts Fremdes. Zugleich bedeutet die Taufe auch eine geheimnisvolle Auferweckung von den Toten zusammen mit Christus. Die Gläubigen nehmen schon seit der Taufe teil an diesem Leben Christi, das mit der biologischen Vorstellung von "Leben" nicht vergleichbar ist (Kol 2,12). Darum ist es so schwierig, etwas über dieses Leben auszusagen. Manche nennen es "Himmel", "Paradies", "Sein bei Gott", "ewige Seligkeit", wobei dieses "Leben" schon vor dem physischen Tod ansatzweise erfahrbar werden kann. Den Zustand des Todes zu beschreiben ist leichter. Der Schreiber des Kolosserbriefes spricht davon, daß die Adressaten tot waren infolge ihrer Sünden (Kol 2,13). Sünde bedeutet Trennung von Gott und von den Lebensmöglichkeiten, die er schenkt. "Sünde" erscheint zwar oft vordergründig als Lebensgewinn, wenn ich mir nehme, was mir nicht zusteht, wenn ich meine Position auf Kosten anderer durchsetze, wenn ich meine Erlösung selber in die Hand nehme, wenn ich Beziehungen, Menschen oder mich selber vernachlässige... Das Gefangensein in solchen Strukturen führt letztlich nicht zu mehr Leben, sondern zerstört das Leben anderer und schließlich auch meine eigenen Lebensmöglichkeiten. Die Chance aus (selbst)zerstörerischen Systemen auszusteigen ist uns geschenkt, weil Christus "den Schuldschein durchgestrichen hat". (Kol 2,14). Neuanfang ist möglich, die Vergangenheit ist nicht eine Fessel, die unser ganzes Leben bestimmen muß. Gerade durch das Kreuz, die Konsequenz der Treue Christi zu seinem göttlichen Auftrag, wissen wir, daß Gott uns unsere Altlasten nicht nachträgt. Gott ist treu in seiner Liebe zu uns und er geht damit bis zum Äußersten. Er stellt sich auf die Seite der Menschen und nimmt damit der Sünde ihre zerstörerische Gewalt: Schuld wächst an wie eine Lawine, wenn sie ungehindert den Hang hinunterrast. Gott hat dem Menschen zugesagt, daß es jederzeit möglich ist, aus der Schuldlawine auszusteigen, daß immer Verzeihung und Neuanfang möglich sind. (Kol 2,15) Paulus selber ist ein deutliches Beispiel dafür, wie Gott mit den Mächten von Schuld und Sünde umgeht. Dieser Paulus, der zahlreiche Christen auf dem Gewissen hat, darf neu anfangen und zwar nicht nur gnadenhalber als einer in den hinteren Reihen, sondern als beeindruckender Vorreiter und Apostel. Die todbringende Macht, hier im wahrsten Sinn des Wortes ist gestoppt, das neue Leben des Paulus wird auch für andere ansteckend und macht die Berufung aller Menschen zum endgültigen "Leben" sichtbar.
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Kolóssä.
Schwestern und Brüder!
In Christus wohnt die ganze Fülle der Gottheit
leibhaftig.
Durch ihn seid auch ihr davon erfüllt;
denn er ist das Haupt aller Mächte und Gewalten.
In ihm habt ihr eine Beschneidung empfangen,
die man nicht mit Händen vornimmt,
nämlich die Beschneidung,
die Christus gegeben hat.
Wer sie empfängt,
sagt sich los von seinem vergänglichen Leib.
Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben,
mit ihm auch auferweckt,
durch den Glauben an die Kraft Gottes,
der ihn von den Toten auferweckt hat.
Ihr wart tot infolge eurer Sünden
und euer Fleisch war unbeschnitten;
Gott aber hat euch mit Christus zusammen lebendig gemacht
und uns alle Sünden vergeben.
Er hat den Schuldschein, der gegen uns sprach,
durchgestrichen
und seine Forderungen, die uns anklagten,
aufgehoben.
Er hat ihn dadurch getilgt,
dass er ihn an das Kreuz geheftet hat.
Die Fürsten und Gewalten hat er entwaffnet
und öffentlich zur Schau gestellt;
durch Christus hat Gott über sie triumphiert.
Halleluja. Halleluja.
Ihr habt den Geist der Kindschaft empfangen,
in dem wir rufen: Abba, Vater!
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
Jesus betete einmal an einem Ort;
als er das Gebet beendet hatte,
sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten,
wie auch Johannes seine Jünger beten gelehrt hat!
Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht:
Vater, geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen!
Und erlass uns unsere Sünden;
denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist.
Und führe uns nicht in Versuchung!
Dann sagte er zu ihnen:
Wenn einer von euch einen Freund hat
und um Mitternacht zu ihm geht
und sagt: Freund, leih mir drei Brote;
denn einer meiner Freunde, der auf Reisen ist,
ist zu mir gekommen
und ich habe ihm nichts anzubieten!,
wird dann der Mann drinnen antworten: Lass mich in Ruhe,
die Tür ist schon verschlossen
und meine Kinder schlafen bei mir;
ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben?
Ich sage euch:
Wenn er schon nicht deswegen aufsteht
und ihm etwas gibt,
weil er sein Freund ist,
so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen
und ihm geben, was er braucht.
Darum sage ich euch:
Bittet und es wird euch gegeben;
sucht und ihr werdet finden;
klopft an und es wird euch geöffnet.
Denn wer bittet, der empfängt;
wer sucht, der findet;
und wer anklopft, dem wird geöffnet.
Oder welcher Vater unter euch,
den der Sohn um einen Fisch bittet,
gibt ihm statt eines Fisches eine Schlange
oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet?
Wenn nun ihr, die ihr böse seid,
euren Kindern gute Gaben zu geben wisst,
wie viel mehr wird der Vater im Himmel
den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Gebetsbelehrung hat ihren Platz im lukanischen Reisebericht direkt nach der Erzählung über die Begegnung im Haus der Maria und der Marta (Evangelium des 16. Sonntags). Daß die Haltung der Maria, die zu Füßen Jesu sitzt und ihm zuhört, hier so in den Vordergrund gestellt wird, ist sicher auch von Bedeutung für das Gebet. Gebet kann auch tätige Nächstenliebe sein, die sich unermüdlich um den anderen sorgt, wie es auch Jesus getan hat, aber Gebet als Gespräch mit Gott ist wesentlich auch zuhören-können, hinhören auf Gott, still halten können, bei Gott zur Ruhe finden. Daran anschließend wird erzählt, daß Jesus sich nach einer Dämonenaustreibung gegen die Behauptung rechtfertigen muß, Dämonen mit Hilfe von Beelzebul, dem Anführer der Dämonen auszutreiben. Das zeigt, daß Gebet nicht etwas Abgehobenes, Weltfernes, sondern in einer sehr konkreten Wirklichkeit angesiedelt ist und dort auch Auswirkungen hat.
Vater unser
Im Lukasevangelium wird immer wieder erzählt, daß sich Jesus zurückzieht, um zu beten. Hier gibt es weder eine Orts- noch eine Zeitangabe. Jesus betet einfach hier und jetzt. Ein Jünger bittet Jesus für die Jüngerschar um Gebetsunterweisung. Das Gebet beginnt mit der Anrede "Abba", "Papa" oder "Vater". Jesus nimmt damit die Jünger in sein Gottesverhältnis hinein: eine vertraute Beziehung, fast familiär. Schon in dieser Anrede drückt sich die Grundhaltung des Beters Gott gegenüber aus, die uns durch Jesus Christus geschenkt ist: es geht nicht um Angst, Drohung und Unterdrückung, sondern um Geborgenheit, Vertrauen und Achtung aus Liebe. Die Heiligung dieses Namens, der rechte Umgang mit diesem Namen und dieser nahen Beziehung ist die notwendige Voraussetzung dafür, daß Vertrauen und Offenheit wachsen können. Um so näher ich jemandem stehe, um so besser ich jemanden kenne, um so berührbarer und verletzlicher bin ich. Die Bitte um das Reich Gottes zeigt deutlich, daß diese Beziehung nicht machbar ist, sondern nur Geschenk von Gott her sein kann. Was in Jesus schon angebrochen ist, soll immer mehr Wirklichkeit werden, dieses "Reich Gottes" kann weder forciert noch herbeimanipuliert werden, es kann von seiten des Menschen nur erbeten werden.
Täglich Brot
Täglich das Brot zu bekommen, das wir brauchen, fügt Lukas als nächste Bitte an. Nicht weniger, aber auch nicht mehr, als nötig ist. Nur im Vertrauen auf die Fürsorge Gottes lernt der Mensch Zufriedenheit und läßt sich nicht mehr gefangen nehmen von Angeboten, die mehr und mehr Lebensglück versprechen. Statt dem nachzulaufen, was morgen besser und übermorgen noch besser sein könnte und am Ende des Lebens drauf zu kommen, was man alles versäumt hat, bittet der gläubige Mensch um das tägliches Brot für das Heute im Wissen, daß Gott ihn nicht zu kurz kommen läßt. Vor Gott weiß sich der Gläubige immer als sündiger Mensch, der nie der göttlichen Liebe völlig entsprechen kann, schon aus der Tatsache seines Menschseins heraus. Die immer neu ausgesprochene Bitte um Vergebung zeigt die Angewiesenheit auf das Erbarmen Gottes und dessen Willen zu vergeben. Die Kehrseite davon ist: "denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist." (Lk 11,4). Wenn uns Vergebung geschenkt wird, können auch wir anderen verzeihen, die an uns schuldig geworden sind. Der Gläubige steht in diesem engen Wirkungszusammenhang von Versöhnung mit Gott und Versöhnung mit den Menschen und weiß, daß eigene sittliche Anstrengungen nie ausreichen werden, sondern daß Freisein von Schuld und Sünde immer nur Geschenk Gottes sein kann. Die Bitte darum, nicht in Versuchung geführt zu werden, erwächst aus dem Wissen um die eigene Schwäche und um die Dynamik des Bösen. Der tiefste Vertrauensbeweis ist nicht, selbst gegen seine Schwächen mit allen Mitteln anzukämpfen, sondern sie vor Gott oder vor Menschen offen zu legen und sich helfen zu lassen. In diesen drei Bitten wird die ganze Existenz des Menschen als Dasein in Not vor Gott hingetragen: in der Gegenwart das Nötige für jeden Tag, für die Vergangenheit Vergebung und für die Zukunft nicht in Versuchung geführt zu werden.
Bitten können
In den folgenden Verdeutlichungen geht es auch um diese Grundhaltung des Offenlegens der eigenen Not, auch auf die Gefahr hin, anderen damit lästig oder unangenehm zu sein. Die meisten Menschen brauchen einen Anstoß, um ihre Bequemlichkeit zu überwinden. Und daß einem Wünsche und Bitten von den Augen abgelesen werden, funktioniert höchstens im Märchen. Wer betet, wird aktiv, er bittet, er sucht, er klopft an und wartet nicht darauf, daß ihm alles von selbst in den Schoß fällt. Gott überrennt niemanden mit dem, was er uns schenken will. Zu bitten heißt auch bereit zu sein, zu empfangen. Es ist "menschlich", bedürftig zu sein, wir sind geschaffen als Wesen, die abhängig sind von Nahrung, von Luft, von den verschiedensten Voraussetzungen. Wir dürfen und sollen deshalb bitten. In der Familie erlebt das Kind, daß es Vertrauen haben darf, daß es bekommt was es braucht. Wenn es das nicht erlebt, wenn ihm der Vater "statt eines Fisches eine Schlange" oder "statt eines Ei einen Skorpion gibt" sind seine Überlebenschancen gering. Ein Kind, das genug Urvertrauen entwickeln konnte, weiß, daß es bitten darf, und, daß es bekommt was es braucht, wenn auch nicht unbedingt sofort. Das gleiche Vertrauen und auch der Realitätssinn, daß wir nicht alles, was wir wollen, sofort und genauso bekommen, ist Gott gegenüber notwendig. Die größte Gabe, die Gott schenkt, ist der Heilige Geist. Der Geist ist die Heilsgabe in der Zeit der Kirche. Er ist die Lebenskraft und Lebenshilfe für den Gläubigen.
Das Vaterunser ist das »Mustergebet«, das christliches Beten durch alle Jahrhunderte hindurch geprägt hat und richtungweisend auch für unser Beten. Es fasst die Bitten um unsere wesentlichen Bedürfnisse zusammen und ist offen für das, was Gott uns zu unserem Heil gibt: den Heiligen Geist.
Zu Beginn meiner Worte hier möchte ich Sie bitten, sich zu überlegen, wann Sie das letzte Mal eine Person um etwas gebeten haben. Heute, die letzten Tage, zuhause, bei der Arbeit, unterwegs… Kannten Sie die Person? Oder war sie Ihnen fremd? Oder vielleicht kommt Ihnen auch eine Situation in den Sinn, in der Sie um Hilfe gebeten wurden…
Das mit dem Bitten ist so seine Sache. Denn es ist gar nicht immer so einfach, jemanden um etwas zu bitten.
~ Da gibt es zunächst die Einschätzung: Ich schaffe das alleine. Ich brauche keine Hilfe. Oder ich will keine Hilfe annehmen.
Fragte man früher den Nachbarn noch um Milch oder Mehl, weil es einem ausgegangen ist, kann man heute schnell zur Tankstelle fahren. Musste man früher noch nach dem Weg fragen, ist dies dank Google-Maps und Routenplaner nicht mehr notwendig. Fast für jedes Problem scheint es praktischerweise eine Online-Hilfestellung zu geben.
~ Da gibt es auch eine Scham zu bitten. Es fühlt sich als entwürdigend an, dem anderen gegenüber einzugestehen, dass man etwas braucht.
~ Da gibt es die Erwartung an den anderen, dass der sieht und wahrnimmt, was man braucht. Eine solche Erwartung kann in Enttäuschung münden und/oder in Überforderung des anderen. Du weißt ja eh, was ich brauche… Du weißt ja, dass ich das ohne dich nicht kann…
~ Da gibt es auch die schlechte Erfahrung, mit einer Bitte abgewiesen worden zu sein.
Jeder Bitte geht das Eingeständnis voraus, dass man Hilfe braucht, dass man vom anderen abhängig ist. Es ist gar nicht so einfach, jemanden um etwas zu bitten. Wird aber die Bitte erfüllt, geht das Herz des Bittenden auf und Erleichterung und Dankbarkeit steigen auf, und im Herzen des Gebers die Freude und das gute Gefühl geholfen zu haben.
Es ist leichter mit einer Bitte zu jemanden zu kommen, den man kennt. Von dem man weiß, dass er es gut mit einem meint. Der für einen da ist, wenn man ihn braucht. Ein Freund beispielsweise. Oder aber auch unser Vater im Himmel. Er ist – so sagt Jesus – der Adressat für unsere Bitten.
Bitten und Geben. Das verbindet Menschen miteinander und untereinander. Das verbindet uns auch mit Gott, wie es das heutige Evangelium zeigt.
Auch in der Beziehung mit Gott gibt es Selbsteinschätzung, dass ich es ohne ihn schaffe. Es gibt die Meinung, dass Gott eh sieht, wie es mir geht und was ich brauche, und wohl auch manche für mich scheinbar schlechte Erfahrung, dass ich mir ein anderes Eingreifen Gottes in meine Lebenssituation gewünscht hätte. Es gibt aber auch vielfältige Erfahrungen von Menschen, die berichten, wie Gott ihnen in ihrer Not beistand.
Wie auch immer: Jesus erfüllte damals die Bitte der Jünger, sie beten zu lehren. Er ermutigt sie und uns heute, mit unseren Bitten zu Gott zu kommen und schlägt uns eine Art «Muster-Gebet» vor: Das Vaterunser. Es ist eine blosse Aneinanderreihung von Bitten. Erstaunlicherweise enthält es – wie sonst bei einem Gebet üblich - keinen Lobpreis und keinen Dank.
An das Vaterunser schließt Jesus das Gleichnis vom bittenden Freund an. Wie dieser Freund, den ich mitten in der Nacht aus seinem Schlaf reißen kann, damit er mir in meinem Anliegen hilft, so ist auch Gott. Inmitten der Nacht dürfen wir Gott mit dem behelligen, was uns auf dem Herzen liegt. Und: Wir dürfen Gott durchaus auch unsere Zudringlichkeit zumuten. Wir dürfen mit dem, was uns auf dem Herzen liegt, Mut haben und Einsatz und Ausdauer und dranbleiben, wo andere es nicht mehr wagen oder aufgegeben haben.
Vielleicht wollen wir diese zwei Ermutigungen Jesu aus diesem Gleichnis mitnehmen hinein in unseren Alltag und in unser Leben:
~ Jesus ermutigt mich eindringlich zu bitten: Vor Gott darf ich unverschämt sein, zudringlich, ja sogar aufdringlich, denn ich muss mich für meine Hilfsbedürftigkeit nicht schämen. Gott weiß darum.
~ Jesus ermutigt mich zuversichtlich zu sein: Gott erfüllt mir nicht meine Wünsche, aber er gibt mir, was ich brauche und was gut für mich ist: Den heiligen Geist.
"Wieviel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten." Mit diesem Schlüsselsatz endet das Evangelium heute. Gott gibt den Menschen mitunter nicht, worum sie ihn bitten. Er gibt ihnen viel mehr. Der letzte Satz im heutigen Evangelium ist die Zusage Jesu, dass Gott seine Kraft allen schenkt, die sich an ihn wenden.
Der Heilige Geist, das ist Gottes Kraft, die uns glauben, hoffen und lieben lässt.
Sie ist die Kraft, die das Wohl des Notleidenden im Blick hat. Es ist die Kraft, die uns antreibt, anderen in Not zu helfen.
Sie ist auch die Kraft der Unterscheidung, wo und wie es wirklich Sinn macht, auf die Bitten anderer einzugehen.
Sie ist die Kraft, Wege und Möglichkeiten zu finden, die Not anderer zu lindern.
Und er ist auch die Kraft, die mich um Hilfe bitten lässt, wenn ich alleine keinen anderen Weg mehr finde.
Er ist die Kraft, die wir brauchen, damit Gottes Reich in unserer Welt und in meinem Leben erfahrbar wird.
Um diese, um Gottes Kraft, um den Heiligen Geist sollen, dürfen und können wir Gott zu jeder Tages- und Nachtzeit anflehen.
Ich erinnere mich an eine Situation, in der ich in meiner zugegebenermassen kleinen Not – es ging um die Festpredigt beim Kirchenfest – an jemanden gewendet habe. Wie heilfroh war ich und wie leicht wurde mir ums Herz, als diese Person zu mir sagte: «Wenn jemand in Not ist und man helfen kann, dann soll man helfen.» Und das Kirchenfest wurde zu einem, von dem man noch lange nachher gut gesprochen hat.
Wenn wir das nächste Mal um etwas gebeten werden oder erkennen, dass wir der Hilfe bedürfen, dann mögen wir an Jesus und sein Evangelium denken und das tun, was uns der Heilige Geist in genau dieser Situation in unser Herz legt. Denn: "Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit." (2 Tim 1,7).
"!Dein Reich komme und gib uns täglich das Brot, das wir brauchen…" mit Jesus zu beten wagen reißt uns aus der Welt individueller Befindlichkeiten, weitet die Gottesbeziehung und weist uns den Weg über uns hinaus zu einer Gemeinschaft unbedingter solidarischer Geschwisterlichkeit, wo das gemeinsame Brot, um das wir Tag für Tag bitten, geteilt werden will und muss – mit allen Menschen.
Lehre uns beten… Aus der Bitte eines Einzelnen entfaltet Jesus ein Lebenskonzept in Kurzversion. Beten im Geist Jesu verändert den Blick auf das Lebensnotwendige und stiftet Gemeinschaft. Jesus legt immer wieder einen Stopp ein, um eine Runde zu beten. Er betet an verschiedenen Orten, zu verschiedenen Zeitenhält er inne, unterbricht den Gang des Alltages. Aus dem Gebet schöpft er Klarheit und Kraft für sein Handeln, verschafft sich Orientierung. Beten verbindet mit der Tradition derer, die vor uns gebetet haben und nach uns beten werden, Jesus gibt die Gebetsrichtung vor: Gott. Beten im Sinne Jesu will also gelernt sein, braucht Anleitung und Unterstützung.
Wenn ihr betet, so sprecht… Mehrzahl. Dieses uns zeigt schon, dass Beten ein Gemeinschaftsprojekt ist, von mehreren getragen, verbindet einander in der Ausrichtung. Man könnte es auch so zusammenfassen: Lehre uns, wie wir zu einem gemeinsamen Bitten, Beten, Denken und Handeln kommen. Beten zeigt auf, wie wir leben wollen, wie wir uns miteinander die Welt gestalten wollen. Jesu Blickrichtung beim Beten geht zur Gemeinde, die Gemeinschaft der Jüngerinnen und Jünger. Sie bitten und beten gemeinsam zu Jahwe, ihrem Gott. Mit Jesus zu beten hat Konsequenzen. Es geht um ein menschliches Miteinander, Jesus verdeutlicht das am Umgang mit einem Menschen, der bei einem Freund um Mitternacht um Brot bittet, weil ein bedürftiger Freund auf Besuch gekommen ist. Der Freund wird zwar vielleicht sagen: „Spinnst du, weißt du eigentlich, wie spät es ist?“ Er wird ihm aber aufmachen und auf sein Anliegen eingehen.
Der Auftrag Jesu ist klar: Du darfst dich deinem Nächsten, deiner Nächsten nicht entziehen, schau nach, was du hast und gib, wenn andere was von dir brauchen. In der Gewissheit, dass auch du empfangen wirst, wenn du bittest. Und scheu dich nicht davor, jederzeit zu bitten, sei es auch noch so spät in der Nacht.
Gott ist Dreh- und Angelpunkt und Bezugspunkt des Betens. Jesus verweist auf den gemeinsamen Vater und macht uns dadurch zu Geschwistern. Der gemeinsame Vater verbindet uns, bindet uns in Verantwortung aneinander. Wer also „unser Vater“ sagt, macht die Mitmenschen zu Brüdern und Schwestern. Und da ist neben der netten Nachbarin oder dem Arbeitskollegen auch der bettelnde Obdachlose gemeint, der die Hand entgegenstreckt, oder der rumänische Bettler, der allwöchentlich mit gesenktem Blick und leerem Becher vor dem Supermarkt sitzt und unseren Blick herausfordert. Uns sozusagen zu seinem Nächsten macht.
Jesus lehrt uns beten, und das so richtig. Vater. Dein Name werde geheiligt. Da schwingt aus der Tradition für den gläubigen Juden Jesus und auch für seine Jüngerinnen und Jünger der Satz mit: Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.
Zumindest dann und wann sollten wir uns die Frage stellen: Was ist uns in unserem Leben heilig? Was halten wir hoch? Unser Haus, das neue Auto, meine Ruhe, die mir heilig ist, dass das Geld im Sparbuch wächst. Vor welchen Göttern und Götzen beugen wir die Knie? Wer oder was hat unser Denken und Tun in Besitz genommen. Ist der Profit zum neuen Hauptgott aufgestiegen? Dass Geld sich vermehrt, dass Geldanlage sich rechnet, ist das auch unsere Hoffnung? Und fragen wir oft nicht mehr, wer dafür arbeiten muss und die Lasten zu tragen hat und vergessen dabei, dass Geld aus sich heraus nicht die Kraft hat zu wachsen.
Die Armut der einen und der Reichtum der anderen haben immer miteinander zu tun. In Österreich gibt es 3000 Stiftungen, 30 Millionen oder mehr sind pro Stiftung steuerschonend geparkt. Reichtum will hier nicht geteilt werden, der Widerstand gegen eine Vermögenssteuer ist nach wie vor ungebrochen. So wird den Vielen ein gutes Leben vorenthalten, weil wenige ihren Reichtum nicht teilen. Und: Die Versuchung, zu den Reichen gehören zu wollen, ist groß.
„Die Armen sind ein Problem für die Gesellschaft. Schlimmer sind die Reichen, sie koppeln sich ab, sie interessiert die Gesellschaft nicht“ schreibt Aristoteles. Die Reichtümer der Erde könnten zwölf Milliarden Menschen ernähren, sagt Jean Ziegler. Dazu braucht es die radikale Bereitschaft zu teilen. Genau das will uns Jesu im Gebet lehren. Im Beten verändern wir die Wirklichkeit in einem ersten Schritt, weil wir von einer gemeinsamen Wirklichkeit, die sich an den Gaben des Vaters orientiert, sprechen. Die Güter der Welt sind für alle da, sollen allen zugutekommen.
Dein Reich komme! Starke Worte für unsere Welt. Das Reich der Solidarität und des Miteinanders, ohne Herrschaft und Ausbeutung, wo Menschen gleichwertig und gleich an Würde miteinander leben können, klingt wie ein Traum aus einer anderen, fremden Welt. Das Brot, das wir nötig haben, gib uns Tag für Tag. Was haben wir nötig, um zu leben? Zu Essen, zu trinken, ein Dach über dem Kopf und eine Arbeit, die uns ernährt. Das sind doch eigentlich keine überzogenen Wünsche. Die Erde hat genug Brot für alle ihre Kinder. Das Menschenrecht zu essen, satt zu werden, gehört zu den Grundrechten. An der Verletzung dieses Grundrechtes sind tagtäglich alle reichen Staaten beteiligt. Weltweit stirbt alle fünf Sekunden ein Kind an Hunger, schreibt Jean Ziegler. Wir verheizen Nahrungsmittel für unsere Energieproduktion, taub für die Bitten der Welt.
Das Gebet Jesu aufmerksam gebetet, verweist uns auf unser aufeinander Angewiesensein als Menschen. Wir können uns der Verantwortung füreinander nicht entziehen. Diese Verantwortung hört eben nicht im eigenen Haus, im eigenen Dorf, in der eigenen Stadt oder in Österreich auf. Auf dieser Welt kann es keine seligen Inseln geben, solange Menschen sterben müssen, weil andere den Hals nicht vollkriegen können. Und wir? Was bedeutet das für unsere Art zu leben, unsere Art Kirche zu sein, Grenzen abzusichern, dicht zu machen, unsere Häuser zu versperren?
Als Menschen sind wir immer wieder auf Vergebung angewiesen. Aneinander zu scheitern, uns unser Menschsein, unser menschlich sein vorzuenthalten, kommt immer wieder in unserem Leben vor. Unrecht und menschenunwürdige Verhältnisse brauchen einen befreienden Umgang. Brauchen auch das konkrete Erlassen von Schulden. Die himmelschreiende Ausbeutung der arbeitenden Menschen, das Vorenthalten des gerechten Lohnes, wenn Arbeitgeber bei Lohnverhandlungen ihr erstes Angebot weit unter der Inflation ansetzen und Nulllohnrunden verlangen, signalisiert, dass ihnen die geleistete Arbeit nichts wert ist. Das Bereichern der einen auf Kosten der anderen – all das muss berühren und zum Widerspruch fordern. Wir sind im Lichte des gemeinsamen Vaters füreinander verantwortlich. Konkrete Vergebung wirkt in eine neue Praxis des Miteinanders.
Bitten und geben, suchen und finden, anklopfen und öffnen. Einmal sind wir auf der, einmal auf der Seite. Wir dürfen einander in Anspruch nehmen, uns beanspruchen, uns „belästigen“ lassen. Konkret dürfen wir bitten, anklopfen, und beten und vertrauen, dass uns aufgetan wird und dass wir bekommen, was wir brauchen. Jederzeit, auch mitten in der Nacht. Darum geht es wesentlich. Bitten um das, was wir wirklich brauchen für ein gutes Leben und gutes Arbeiten, aufeinander zugehen und uns für unsere Grundbedürfnisse gemeinsam verantwortlich fühlen.
Wir dürfen das Brot, um das wir Tag für Tag bitten, einander nicht vorenthalten. Brot wird erst zum Leben, wenn es geteilt wird. So schreibt Bertolt Brecht und verweist so auf den Auftrag Jesu. Die Bitte um das Brot Tag für Tag ist die Bitte um Gerechtigkeit für alle. Denn nur innerhalb einer weltweiten Gerechtigkeit ist auch unser Überleben sicher. Gib uns daher heute und morgen und übermorgen unsere tägliche Solidarisierung mir den Armen und Ärmsten, bei uns und weltweit.
Lehre uns beten, lehre uns teilen, lehre uns ein geschwisterliches Leben. Ein Programm für unser Leben, das täglich eingeübt werden will. Darum wollen wir bitten und beten, täglich, dass das Leben im Miteinander bessergelingt, wir einander Mensch werden und solidarisch bleiben.
Möge uns Gottes Geist dabei begleiten.
© Fritz Käferböck-Stelzer, Nettingsdorf, Diözese Linz.
Die biblischen Texte dieses Sonntags erörtern das Verhältnis Gottes zu den Menschen, der wegen ihrer Unvollkommenheit und Fehlerhaftigkeit immer wieder Gottes Erbarmen, Liebe und Barmherzigkeit brauchen.
In der ersten Lesung aus dem Buch Genesis rückt der Begriff der Gerechtigkeit in den Vordergrund der Überlegungen. Abraham, Vater im Glauben, der viel Vertrauen in Gott setzt, zeigt sich als zäher Verhandler. Der Mensch steht als Sünder da, weil er von Gott abgefallen ist, was auch im schlechten Lebenswandel der Menschen sichtbar wird. Als Ausdruck dafür stehen die Städte Sodom und Gomorrha.
Abraham tritt in einen Handel mit Gott ein, wie ein guter Personalvertreter oder Betriebsrat, dem das Wohl der Menschen genauso ein Anliegen ist wie Gott selber. Seine Anfrage: Ist das gerecht, wenn es kollektive Strafen gibt, ohne Ausnahme, alle sollen büßen. Gerechtigkeit ist das Leitmotiv in dieser Lesung. Gerechtigkeit braucht aber auch immer Barmherzigkeit und Liebe. Thomas von Aquin (1225-1274) sagt sinngemäß: Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit ist Grausamkeit. Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit führt ins Chaos. Hilfreich für den Umgang mit Gerechtigkeit ist die „Goldene Regel“ (siehe Mt 7,12 und Tobit 4,11ff.). Wir finden sie in allen Kulturen.
Die zweite Lesung führt den Gedanken der Barmherzigkeit zur Vergebung weiter. „Er hat den Schuldschein, der gegen uns sprach durchgestrichen und seine Forderungen […] aufgehoben.“ (Kol 2,14). Barmherzigkeit und Vergebung bedingen einander. Barmherzigkeit kann man nicht einfordern. Das hochdeutsche »barm« deutet auf „Schoß“ hin. Die Barmherzigkeit Gottes ist mit dem Mutterleib vergleichbar, ein sicherer Ort. Sie können den Anfangsbuchstaben »b« durch ein »w« austauschen, dann haben Sie auch eine gute Begriffserklärung für »Barmherzigkeit«.
Was meint Vergebung? Man soll Unrecht und Verletzungen benennen. Das hat nichts mit Vergessen zu tun. Mit den eigenen Untaten konfrontiert zu werden, verlangt, dafür geradezustehen, Verantwortung dafür zu übernehmen und auch zu Umkehr bereit zu sein.
Das Gebet - davon ist im Evangelium die Rede - ist auch eine wichtige Voraussetzung dafür. Wir hören sehr oft, dass Jesus sich zurückgezogen hat, um zu beten, eine Gebetsstille einzulegen, um zu hören, was der Vater sagt. Die Jünger beobachten das, daher entsteht der Wunsch: „Herr, lehre uns beten.“ (Lk 11,1). Jesus steht in ständigem Kontakt mit seinem Vater, im Dialog. Das sollten auch wir tun. Beten als dialogisches Geschehen.
Der frühchristlicher Theologe Tertullian (160-240) spricht vom »Vaterunser« als eine Kurzfassung des gesamten Evangeliums. Das Vaterunser besteht in der Überlieferung des Lukas aus fünf Bitten, wobei es bei den ersten zwei um Gott selber und um sein Reich geht.
„Vater unser“ ist eine Anrede des Vertrauens, die nur möglich ist, wenn das Vaterbild nicht gestört ist.
„Geheiligt werde dein Name“. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben, sondern mir mit Ehrfurcht und Respekt begegnen. Wie sieht das heute aus? Erleben wir nicht selten eine Gottvergessenheit und pflegen andere Götter neben uns: den Gott des Geldes, des Konsums, des oft oberflächlichen Vergnügens als Spaßgesellschaft und weniger der Freude und des Lobpreises.
„Dein Reich komme“. Es soll sich sein Reich der Liebe und der Barmherzigkeit ausbreiten. In Ansätzen ist es schon da, aber noch nicht vollendet, ja es wird sogar oft verhindert. Das ist das Böse, das im Menschen steckt und zur Sünde führt. Das Evangelium sagt: „Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn darum bitten.“ (Lk 11,13). Gefragt sind die guten Gaben, die guten Früchte des Heiligen Geistes. Das Böse wird oft dargestellt als »Schlange« oder als heimtückischer »Skorpion«. Diese Bilder stehen für die Gefahr des Abdriftens vom Weg Gottes.
Alle weiteren Bitten - vor allem die Brotbitte - haben mit unserer menschlichen Existenz zu tun. Zwei Drittel der Menschheit hungern nach irdischem Brot, auch bei uns werden es immer mehr. Eine große Zahl von Menschen hat Sehnsucht nach dem himmlischen Brot, sucht nach dem Sinn des Lebens. „Das Brot ist der Himmel. Wie du den Himmel nicht allein haben kannst, musst du das Brot mit den anderen teilen.“ (Uwe Seidel / Diethard Ziels).
Wenn wir vor dem Kommunionempfang das »Vaterunser« beten, nehmen wir alle diese Bitten in den Blick und überdenken wir, was sie mit unserem Leben zu tun haben. Der Leib Christi, den wir in der Kommunion empfangen, ist bereits eine »Vor-gabe« des herbeigesehnten Reiches Gottes, seines Reiches der Gerechtigkeit, der Liebe und Barmherzigkeit.
Das Vaterunser ist wie ein Anker, mit dem wir uns an Gott festmachen können. Es geht nicht darum, dass Gott uns alle Wünsche erfüllt. Es stärkt in uns die Gewissheit, dass er uns nahe ist, wenn ich in unserem Leben schwierige Situationen zu bewältigen haben.
Jedes Jahr brachten Martins Eltern ihn in den Sommerferien zu seiner Großmutter und fuhren am nächsten Tag mit dem gleichen Zug nach Hause. Dann sagt der Junge eines Tages zu seinen Eltern: ′′Ich bin jetzt ziemlich groß. Wie wäre es, wenn ich dieses Jahr alleine zur Oma gehe?" Nach kurzer Diskussion sind sich die Eltern einig. Sie stehen am Bahnsteig, winken und geben ihm einen letzten Tipp aus dem Fenster, während Martin denkt: ′′Ich weiß, das hast du mir schon hundertmal gesagt...!" Der Zug fährt gleich ab und der Vater flüstert: ′′Mein Sohn, wenn du dich plötzlich schlecht oder verängstigt fühlst, dann ist das für dich!′′ Und er steckt ihm etwas in die Tasche.
Jetzt sitzt der Junge alleine, sitzt im Zug, ohne seine Eltern, zum ersten Mal... Er sieht die vorbeiziehende Landschaft aus dem Fenster, Unbekannte um ihn herum hetzen, machen Lärm, kommen und gehen aus dem Abteil, der Schaffner spricht ihn an, dass er alleine ist... Ein Mensch wirft ihm sogar einen traurigen Blick zu... So fühlt sich der Junge immer unwohler... Und jetzt hat er Angst. Er senkt seinen Kopf, kuschelt sich in eine Ecke des Sitzes, Tränen kommen ihm in die Augen. Er erinnert sich daran, dass sein Vater ihm etwas in die Tasche gesteckt hat. Mit zitternder Hand sucht er dieses Stück Papier, öffnet es: ′′Mein Sohn, ich bin im letzten Wagen...“
So ist es im Leben... Wir müssen unsere Kinder laufen lassen und ihnen vertrauen... Wir sollten aber immer im letzten Wagen sein, damit sie keine Angst haben...
(Verfasser unbekannt)
Wer von uns Kinder hat, kennt das. Als Eltern lieben wir unsere Kinder über alles. Liebe bedeutet jedoch immer auch, frei zu lassen, auch dann, wenn das Kind vielleicht Wege einschlägt, von denen wir nicht begeistert sind. Und selbst wenn wir Eltern glauben zu sehen, dass der Weg zu große Risiken birgt – wir wissen, dass die Kinder ihre eigenen Wege finden und gehen müssen.
Doch wenn wir ehrlich sind, in Bezug auf Gott wünschen wir uns doch manchmal, dass er uns gar nicht so viel Freiheit zumuten soll. Wer hat nicht schon darum gebetet, dass Gott doch hier und dort eingreifen, Unrecht verhindern und von Menschen verursachtes Leid beenden sollte. Auch der Blitzschlag, den wir manchen Zeitgenossen wünschen, gehört zu diesem Repertoire. Wir ertragen ja die täglichen Bilder und Nachrichten kaum noch. Klar, das ist nicht christlich - und doch beten wir zutiefst darum, dass Gott seine Macht zeigt. Lieber weniger Freiheit als unsere Ohnmacht gegenüber einer unbelehrbaren Menschheit. Der Vater, der alles wieder gut macht - dieser Wunsch ist verständlich und menschlich.
Zum Erwachsenwerden gehört es jedoch auch dazu, dass das Kind Verantwortung für sein Handeln und die Folgen zu übernehmen lernt. Nicht wie Helikoptereltern, die Widerstände möglichst schon aus dem Weg räumen, bevor das Kind sie erlebt. Wir ahnen, dass Kinder mit solchen Eltern sich leicht zu kleinen Despoten mit Selbstüberschätzung und ohne Rücksicht und Weitsicht entwickeln.
Insofern bedeutet die Freiheit, die uns Gott schenkt, eben auch Verantwortung für unser Leben, für unser Handeln und für die Welt insgesamt.
Dass ein guter Vater im letzten Wagen sitzt, meint nicht, dass dieser sofort nach vorne stürmt und alles wieder gut ist. Es wird auch nicht erzählt, ob das Kind jetzt von sich aus in den letzten Wagen zu seinem Vater läuft. Vielleicht genügt dem Kind ja das Wissen, dass der Vater da ist, dass es einen Zufluchtsort hat, wenn die Ängste zu groß werden. Oder der Vater greift gar nicht ein, sondern nimmt das Kind einmal in den Arm und schickt es dann wieder nach vorne mit der Ermutigung zu weiteren selbständigen Schritten.
Dieses Bild vom letzten Wagen gefällt mir. Es beschreibt meine Beziehung zu Gott, der mir eher Zuflucht und Geborgenheit schenkt als ein Löser aller meiner Probleme ist. Gott lässt uns nicht allein, aber er nimmt uns Entscheidungen auch nicht ab. Er schenkt uns die Ruhe und Sicherheit, gut überlegt Entscheidungen zu treffen und vielleicht sogar den einen oder anderen Aspekt mit in unsere Entscheidungen einzubeziehen, an den wir ohne ihn nicht gedacht hätten.
Gott steckt uns keinen Zettel zu. Er hat uns eine andere Möglichkeiten gegeben, uns rückzuversichern, dass er da ist. Wenn Jesus uns heute das Gebet schenkt, das wir alle von Kindesbeinen an kennen und das uns in vielen Situationen Zuflucht und Sicherheit bedeutet, dann deshalb, weil Gott für uns immer eine Adresse ist, an die wir uns wenden dürfen und sollen. Er will uns die Geborgenheit schenken, die wir brauchen, um Kraft zu sammeln für unseren Weg, damit wir wieder Verantwortung übernehmen können, damit wir auch unbekannte Möglichkeiten wagen, damit wir uns von Rückschlägen nicht entmutigen lassen.
Das Vaterunser ist der Anker, mit dem wir uns an Gott festmachen können. Er hört uns und erwartet uns.
Das Vaterunser ist zu einer unüberbietbaren Gebetsformel geworden, die wir täglich mehr oder wenig andächtig nachsprechen. Können wir vom »Mustergebet« Jesu noch mehr lernen?
Heute erlaube ich mir, animiert durch das Evangelium dieses Sonntags - aus dem Nähkästchen der Predigtforumsredaktion zu plaudern: Von Zeit zu Zeit bekomme ich Zuschriften, dass die Gebete, die wir für die Gottesdienstgestaltung anbieten, nicht ausreichend den liturgischen Regeln entsprächen. Das betrifft einerseits die frei formulierten Orationen, meist jedoch die Fürbitten. Korrekte Fürbitten beten für jemand und formulieren nicht irgendein allgemeines Anliegen. Verpönt sind auch moralisierende Untertöne oder für sich selbst zu beten…
Mir liegen die liturgiewissenschaftlich fundierten Regeln für das Beten im öffentlichen Gottesdienst durchaus am Herzen du ich versuche auch, sie einzuhalten. Meines Erachtens sollten sie aber nicht dazu führen, dass unser gemeinsames Beten blut- und herzlos wird. Wenn ich selbst einen Gottesdienst mitfeiere, den ich nicht selbst leite, stört mich eintöniges Verrichten, bzw. Herunterlesen vorformulierter Texte aus dem Messbuch oder liturgischen Hilfen… Oder wenn ein Zelebrant immer wieder das Vaterunser zu einem Fürbittgebet umfunktioniert…
Wie betet man richtig? Welche Hilfen sind hilfreich?
Im Evangelium bitten die Jünger Jesus: "Herr, lehre uns beten." Ich gehe davon aus, dass auch sie von klein auf beten gelernt haben. Offenbar haben aber sie gespürt, dass Jesus in einer Weise betet, von der sie noch etwas lernen können. Das »Muster-Gebet«, das Jesus ihnen vorspricht, ist mittlerweile zu einer unüberbietbaren Gebetsformel geworden, die jeder getaufte Christ nachzusprechen gelernt hat. Es wäre jedoch ein verhängnisvolles Missverständnis, bzw. eine Verkürzung, wenn wir davon nur die Formel übernähmen. Was können wir aus diesem Gebet Jesu darüber hinaus heraushören, bzw. herauslesen?
Beten ist etwas sehr Persönliches.
Nie wäre ich von mir aus auf die Idee gekommen, so zu beten, wie ich es im Vaterunser vorfinde. Wenn ich meine Herzensanliegen vor Gott ins Gespräch bringe, fällen mir viele ein. Ich denke an Frieden, an Gerechtigkeit, an sorgsamen Umgang mit der Schöpfung, an Gesundheit für meine Lieben… Lediglich mit der Bitte um das tägliche Brot haben wir eine Gemeinsamkeit. An den biblischen Vorbildern gefällt mir die Bitte um ein hörendes Herz, bzw. um Weisheit, die Salomo vor Gott getragen hat (1 Kön 3), auch der hartnäckige Einsatz Abrahams für die Bewohner Sodoms oder das Ringen mit Gott, das wir aus den Psalmen kennen.
Wenn ich das Gebet Jesu meditiere, so wird mir bewusst, wie sehr es seine Beziehung zum Vater widerspiegelt, die mir natürlich ein großes Vorbild ist, von der ich aber noch unendlich weit entfernt bin. Dennoch macht mir Jesus Mut, meine persönlichen Dinge mit dem Vater im Himmel zu besprechen und meine Beziehung zu Gott zur Sprache zu bringen. Dazu gehört alles, wofür ich ihm dankbar bin, aber auch meine Verwundungen. Aber das ist zu persönlich, als dass ich es öffentlich machen wollte.
Ein weiteres Merkmal des Betens Jesu ist seine Ausdauer und Hartnäckigkeit.
Immer wieder zieht er sich zum Gebet zurück, besonders in kritischen Situationen seines Lebens. Obwohl er "eins ist mit dem Vater", wie wir im Johannesevangelium lesen, redet, ringt und verweilt er lange bei ihm. Dabei geht es um mehr als um einen Informationsaustausch, um mehr als um ein Durchdiskutieren und erst recht um mehr als um einen regelmäßigen Pflichtbesuch.
Beziehung wächst, wo Menschen sich füreinander Zeit nehmen, Zeit miteinander verbringen, sich Zeit schenken. Das gilt auch für unsere Gottesbeziehung. Nur so kann ich verstehen, dass die ersten Bitten Jesu im Vaterunser die Bitte um die Heiligung seines Namens, das Kommen seines Reiches und die Gestaltung der Welt nach seinem Willen sind.
Eine dritte Lehre aus dem Gebet Jesu, die ich ziehe, ist das Offenbleiben der Erfüllung.
Jesus überlässt es Gott, was er aus seinen Bitten macht. Er ist sich sicher, dass Gott ihm weder eine Schlange, noch einen Skorpion gibt, sondern das, was er braucht. Für mich schließt sich hier der Kreis: Wer um das Kommen des Reiches Gottes bittet, für den erfüllt sich diese Bitte mit der Gabe des Heiligen Geistes.
Für unser gemeinsames Beten im Gottesdienst leite ich daraus ab:
Alles hat Platz.
Im gemeinsamen Beten kann, darf, muss alles Platz haben, was uns freut, bewegt, Sorgen bereitet. Die ganze Buntheit des Lebens.
Konstanz:
Unser gemeinsames Beten und Gottesdienstfeiern braucht eine gewisse Konstanz. Die gemeinsame Beziehung zu Gott ist mehr als die Summe der Einzelbeziehungen. Unsere gemeinsame Beziehung zu Gott und unsere Beziehungen zu einander brauchen gemeinsames Tun, gemeinsam gestaltete Zeit, gemeinsames Füreinander-sorgen, um wachsen zu können.
Die Gabe des Geistes:
Unser gemeinsames Beten und Gottesdienstfeiern wird belohnt durch die Gabe des Geistes, der uns eint und die vielen Begabungen und Charismen der Gemeinden wachsen lässt.
Wir beten, weil nichts im Lebens selbstverständlich ist, unser Leben ein Geschenk Gottes ist und wir uns von Gott abhängig wissen. Wer betet, wächst im Vertrauen auf Gott.
Stellen wir uns einfach einmal ganz ehrlich die Frage: "Was ist im Leben selbstverständlich?" Ist es selbstverständlich, in einem gut behüteten Elternhaus aufwachsen zu dürfen? Ist es selbstverständlich, genug zu essen und zu trinken zu haben? Sind Freunde selbstverständlich? Dass Kinder zur Schule gehen dürfen und was lernen können. Dass wir in Frieden leben können, keinen Krieg und keine Gewalt erleben müssen? Ich könnte noch eine ganze Palette von Fragen stellen. Ich glaube, dass wir keine dieser Fragen ehrlich mit Ja beantworten könnten. Immer mehr spüre ich, wie sehr alles Geschenk ist. Denn es gibt viele Menschen, denen das, was ich habe, fehlt und das sie entbehren müssen.
Weil eben vieles im Leben nicht selbstverständlich ist, darum sollten wir auch immer wieder bitten und nicht einfach nur fordern. Wenn ich jemanden bitte, dann zeige ich, dass ich einen Menschen nicht einfach nur ausnutze. Ich achte diesen Menschen. Weil eben nichts selbstverständlich ist, darum ist auch das Bittgebet sehr wichtig. Warum sollen wir dann eigentlich beten und Gott um etwas bitten? Warum spricht Jesus vom Vater, der uns alles gibt, was wir zum Leben brauchen. Warum lehrt Jesus uns das Vater Unser. Es ist übrigens das Gebet, das in der Welt am häufigsten gebetet wird. Es gibt nahezu keine Segenshandlung ohne dieses Gebet.
Das Gelingen einer Handlung liegt nicht an uns allein, an unserer Kraft. Wenn wir das Vater Unser beten, dann zeigen wir unseren Glauben an Gott, der zu uns ist wie ein liebender Vater und wie eine liebende Mutter. In Gott dürfen wir uns umsorgt wissen. Wir glauben, dass er konkret mit uns lebt. Im Vater Unser Gebet dürfen wir Gott mit Vater anreden. In diesem Gebet dürfen wir um das Brot bitten, das wir brauchen. Wir beten auch um die Vergebung der Sünden.
Welch einen Sinn aber hat es zu beten, wenn ich an die vielen Kriege und an die vielen Ungerechtigkeiten in der Welt denke. Diese Frage bewegt mich immer wieder. Ich kann einfach nicht die Frage beantworten, warum dem so ist. Ich könnte sagen, wir leben halt noch nicht im Paradies. Doch das wäre zu einfach.
Dennoch: Jesus lädt uns ein zu beten. Jesus lädt uns ein, Gott auch ganz konkrete Wünsche zu sagen. Nicht nur einmal haben mir Menschen erzählt, dass sie dringend etwas brauchten. Wie durch ein Wunder haben sie das auch bekommen? Zufall?! Oder war es nicht doch eine gute Fügung?!
Warum lädt uns Jesus ein zu beten? Weil wir von Gott geschaffen sind. Gott hat diese Welt und uns Menschen eben nicht einfach einem blinden Schicksal überlassen. Gott geht unsere Wege mit uns. Immer wieder komme ich auf den Namen Gottes zurück: "Jahwe - der »Ich bin der Ich bin da!«" Wenn wir beten, dann zeigen wir zuerst, dass wir uns jemandem verdanken - nämlich unserem Vater im Himmel. Als glaubende Menschen dürfen wir wissen: Wir sind kein Zufallsprodukt der Evolution, sondern wir sind aus Gottes Liebe heraus entstanden. Unser Leben mit allen Anforderungen schaffen wir nicht aus eigener Kraft - vielmehr braucht es die Liebe und auch die Hilfe Gottes um unser Leben zu meistern.
Diese Liebe und auch die Zuwendung von Gott kann sich zeigen durch gute und glückliche Umstände. Die Liebe Gottes kann auch erfahrbar sein in der Zuwendung durch Mitmenschen. Wir spüren: Vieles ist einfach Geschenk, eben nicht selbstverständlich und schon gar nicht unser eigenes Verdienst.
Doch werden die Worte des Evangeliums nicht oft auch Lügen gestraft? Zu Gott beten aber hat Sinn! Im Gebet mache ich mir persönlich bewusst, was ich gerne möchte, wonach ich mich sehne. Doch nicht immer ist das, was ich möchte, auch immer das, was für mich persönlich gut ist. Vielleicht kann das Gebet helfen, da immer mehr zu erfahren, was ich wirklich brauche. Durch Beten lerne ich mich selbst kennen.
Gott ist kein Erfüllungsgehilfe für meine manchmal oberflächlichen und egoistischen Wünsche. Vielmehr kann ich doch dem näher kommen, was Gott für mein Leben will. Das, was Gott will, ist ja erst das, was mich erfüllt. Menschen haben mir erzählt, dass gerade die unerfüllten Gebetswünsche ihren Sinn haben. Da haben Menschen entdeckt, was sie wirklich wollen im Leben. Menschen haben gelernt, was sie im Leben wirklich brauchen. Sie konnten feststellen, wer die wahren Freunde sind. Unerfüllte Gebete können mich vielmehr zu mir selber führen, als die erfüllten.
Durch Beten kann ich im Vertrauen auf Gott wachsen, der meine Wege führt und leitet, auch durch Erfahrungen hindurch, die ich nicht verstehe. Vor ein paar Jahren lag ich im Krankenhaus. Es schienen sich keine Fortschritte einzustellen. Ich war enttäuscht und mutlos. Ich hatte gebetet, dass es besser würde. Lange musste ich Geduld haben, bis es besser wurde. Ich weiß heute immer noch nicht, warum mir das so gegangen ist. Vielleicht aber hat mich diese Krankheit ein wenig gelassener gemacht. Oder ich bin auch ein wenig verständnisvoller oder dankbarer geworden für das, was ich habe. Diese Erfahrungen lassen mich heute vielleicht etwas bewusster leben.
Jesus lädt uns ein zu beten. Denn er selbst hat gebetet. Er wusste sich getragen von Gott. Das sind auch wir. Wenn ich wüsste, warum so manche Gebete erhört werden, andere nicht, gerne würde ich es Ihnen sagen.
In der Lesung hören wir ja, wie Gott ein Gebet erhört. Abraham bittet Gott, den Ort Sodom nicht ganz zu zerstören, wenn er auch nur zehn Gerechte darin finden sollte. Gott lässt sich auf Abraham ein. Gott nimmt Abraham ernst.
Gott nimmt uns ernst. Das will Jesus uns sagen. Haben wir den Mut, Gott zu bitten, auch um Konkretes. Beten wir mit dem Vertrauen, dass Gott weiß, was wir brauchen und dass er uns das zukommen lässt - wachsen wir im Vertrauen auf Gott. Werden wir Betende, werden wir bittende Menschen. Gerade weil es nichts gibt, was selbstverständlich ist.
Im Vater unser geht es Jesus vor allem um die innere Verbundenheit mit Gott und die Übergabe des eigenen Lebens in die Hände Gottes. Wir dürfen vertrauen, dass Gott hilft. Er hilft aber nicht immer so, wie wir es uns vorstellen.
Das Evangelium des heutigen Sonntags lässt sich in zwei Hauptteile untergliedern: Im ersten Hauptteil geht Jesus auf den Wunsch der Jünger ein, sie Beten zu lehren. Er zeigt ihnen vor allem, welche innere Haltung sie beim Beten einnehmen sollen. Im zweiten Teil möchte Jesus das Vertrauen der Jünger stärken, fest auf Gott als Helfer zu bauen.
Da die Jünger ganz sicher im Beten nicht ungeübt waren und dennoch Jesus bitten „Herr, lehre uns beten“, dürfen wir davon ausgehen: An der Art des Betens Jesu muss es etwas gegeben haben, das die Jünger faszinierte und das sich wohl vom Beten der jüdischen Gottesdienstleiter abhob.
Wie es sich dann im Gebet des „Vater unser“ zeigt, waren es offenbar nicht in erster Linie die Worte, sondern die tiefe innere Hinwendung an Gott, mit der Jesus sich beim Gebet Gott zuwendete. So spricht Jesus nicht, wie die Juden es gewohnt waren, Gott mit „Herr“ an, sondern mit „Abba“, guter Vater. Dadurch wird Gott näher ans Herz gerückt; die innere Verbindung wird dichter.
Bevor dann die Bitten an den Vater im Himmel zur Sprache kommen, möchte Jesus, dass die Jünger sich als Erstes von der Größe und Erhabenheit Gottes umfangen lassen. "Geheiligt werde dein Name". Ja heilig bist du, Gott, erhaben, mit niemandem vergleichbar, voll Güte, Erbarmen und Menschenfreundlichkeit. Mit dem ganzen Empfinden in die Liebe Gottes eingetaucht, da spielen Worte keine besondere Rolle. Gebet, so hat es Jesus gehandhabt und das will er auch seinen Jüngern vermitteln, ist vor allem das sich Hineingeben in die innere Verbundenheit mit dem die Menschen liebenden Gott.
Aus einer von Liebe getragenen Hochachtung und Wertschätzung Gottes erwächst fast wie von selbst die Bereitschaft, sich dem Willen Gottes auszuliefern und hinzugeben. „Dein Wille geschehe“. Jesus möchte, dass Gläubige diesen Satz ehrlich und bewusst beten und ihn im Alltag verwirklichen. Denn das hat ja gerade auch sein menschliches Leben ausgezeichnet, sein Wirken bestimmt, seinem Leben den entscheidenden Wert gegeben. Wo unser Beten auf dem Hintergrund steht „Dein Wille geschehe“, bekommt unser Beten und Handeln die alles entscheidende Ausrichtung, erhalten wir Kraft, auch Schweres und Mühevolles durchzustehen. Sich in die Liebe Gottes versenken und daraus voll Vertrauen ein Ja zu Gottes Willen sprechen, das soll – so möchte es Jesus – unsere innere Haltung beim Beten sein.
Die drei sich anschließenden Bitten – „Gib uns das tägliche Brot“, „Vergib uns unsere Schuld“, „Bewahre uns vor Versuchungen, denen wir nicht Herr werden“ (das ist gemeint mit „führe uns nicht in Versuchung“), sind im Grunde eine Übergabe des Lebens in die Hände Gottes. Mit dem „täglichen Brot“ ist alles gemeint, was wir zum Leben benötigen: ausreichend Nahrung, Gesundheit, Energie, Schaffenskraft. Jesus fügt nicht eine Bitte um Reichtum, Ansehen, Macht oder Einfluss an. Nicht sie sind das Erstrebende im Leben, sondern die Kräfte, die es uns ermöglichen, den Willen Gottes zu erkennen und in die Tat umzusetzen. Um sie sollen wir immer wieder bitten.
Die zweite Bitte um Vergebung wird jedem ein Anliegen sein, der sich realistisch betrachtet. Bei allem guten Willen sind wir aus eigener Kraft nicht fähig, Versagen auszuschließen. Des Öfteren erschrecken wir wahrscheinlich über uns selbst im Blick auf das, was wir getan haben oder schuldig geblieben sind. Und so ergeht es ja auch unseren Nächsten. Im menschlichen Leben spielt das Verzeihen und Vergeben eine große Rolle, damit ein gutes Miteinander gelingt. Oft ist das Vergeben und Verzeihen in seiner Auswirkung die schönste und beglückenste Tat der Nächstenliebe.
Die dritte Bitte „Bewahre uns vor Versuchungen, die zu bestehen uns die Kraft fehlt“, nimmt noch einmal in den Blick, wie sehr wir mit unserer menschlichen Begrenztheit von der Gnade Gottes abhängig sind. Wie Jesus die an ihn herangetretenen Versuchungen nur bestehen konnte, weil er tief mit Gott verbunden war, so sollen auch wir Gott fest im Blick behalten, um nicht auszuscheren, wenn es schwer für uns wird.
Wie sehr wir auf Gottes Hilfe bauen können, will Jesus dann im zweiten Abschnitt seiner Rede verdeutlichen. Zuweilen sind wir ja blind und sehen nicht, wie deutlich unsere Bitten an Gott erhört werden, weil seine Lösungen zuweilen anders aussehen, als wir sie erbeten haben. Jesus liegt viel dran, dass wir uns dann nicht unseren ersten Gefühlen von Enttäuschung hingeben, sondern uns neu an Gott als Liebenden erinnern und zu ergründen suchen, warum Gott nicht exakt unsere Bitten erfüllte. Denn auf keinen Fall will Gott für uns Nachteiliges oder Böses. Diesen Blick und das Vertrauen in Gott möchte Jesus in uns stärken, indem er darauf hinweist, dass ja schon die Menschen sich in der Regel Bittstellern positiv gegenüber verhalten. Dass Gott die Menschen bei weitem am Gutsein übertrifft, bedarf keiner langen Diskussion.
Wende dich an Gott, klopfe immer wieder bei ihm an; aber beachte auch seinen Willen in den Bitten, die du an ihn stellst, ist Jesu Botschaft an uns. Versenke dich oft in seine Liebe und erspüre, warum dir Gott half, wie er dir half. Dann wird dein Beten zur Kraftquelle – auch in schwierigen Situationen und schweren Zeiten.
Im Vater unser ist das ganze "Programm" Jesu zusammengefasst. Es ist Ausdruck der Sehnsucht nach einer neuen Welt, nach dem Reich Gottes.
Die heutige neutestamentliche Bibelstelle kennen wohl die meisten Gläubigen auswendig. Es ist - gemäß der darin geäußerten Aufforderung Jesu - zum bekanntesten Gebet der ChristInnen geworden. Ursprünglich vermutlich in aramäischer Sprache verfasst hat es der Verfasser des Matthäusevangeliums in der Schrift an einen ganz besonderen Ort gestellt, nämlich in das Zentrum der sogenannten Bergpredigt, quasi als dessen Herz. Die Bergpredigt wiederum ist die Sammlung dessen, wie Jesus uns das Reich Gottes vorstellt: als eine Verheißung die JETZT beginnt, als eine 'neue Praxis', die durch dieses Reich Gottes schon angebrochen ist, die sich heute bereits realisieren kann.
Die Zeit damals im ersten Jahrhundert war für die meisten Menschen ausgesprochen hart. Die Hoffnung und Sehnsucht nach einem anderen, besseren Leben drückt sich in der gesamten Jesusbewegung aus. In heutiger verkürzter Sprache sagt Jesus uns damit: „Es soll anders sein, und es geht auch anders. Wir können auch anders handeln, und eine andere Welt ist möglich.“
So deutet Jesus in den voranstehenden Seligpreisungen die Wertigkeiten um, zeigt in den 'neuen Thesen' einen anderen Umgang mit Beziehungen und Konflikten auf und beschreibt eine andere Praxis des Teilens, jenseits gönnerhafter Almosenkultur.
Im „Vater unser“ übersetzt Jesus das Heilshandeln Gottes in ein Gebet.
In der Anrede stellt er uns den Gott Israels vor, als seinen und unseren „abba“. „Abba“ ist das Wort für einen liebenden und sorgenden Vater, und damit eine Kritik an patriarchalen Herrschaftszuständen. Der Vater Jesu Christi steht im Gegensatz zu den irdischen, rücksichtslosen Machthabern, die sich - wie der römische Kaiser oder auch aktuell der türkische Machthaber - als „Vater der Nation" anreden lassen. Es steht damit aber auch im Gegensatz zu patriarchalen Männern in Familien- oder Betriebssystemen.
Und es ist „unser Vater", zu dem wir beten sollen. Diese Anrede vergemeinschaftet uns, macht uns alle zu Geschwistern. Wir sind vor Gott gleichrangig und gleichwertig, so unterschiedlich wir auch sind. Auch wenn ich alleine bete stelle ich mich mit diesem Gebet in die Gemeinschaft der Glaubenden und Hoffenden. Das stärkt: zu wissen, ich bin nicht allein mit meinem Beten.
Die Gebetsworte sind dann ganz einfach, kurz und knapp formuliert, fast wie in einem Stoßgebet. Es geht nicht um viele schöne Worte, nicht ums Plappern oder Herumreden. Gott weiß, was wir brauchen.
Da sind zuerst drei DU-Bitten:
- Dein Name soll wieder heilig sein!
- Dein Reich soll Wirklichkeit werden!
- Dein Wille soll sich in der Welt zeigen - nicht nur als jenseitige rein himmlische Vision, sondern konkret und real hier auf der Erde.
Zusammenfassend könnte das heißen: Gott, bring uns dein Reich, deine gute und gerechte Welt!
In den drei folgenden WIR-Bitten sind zentrale Lebensvollzüge angesprochen:
die physische Existenz, gelungene Beziehungen die immer wieder Versöhnung brauchen, und erlebte Ohnmacht in existentiellen Nöten.
- Das Brot, das wir täglich brauchen, soll ohne Kampf und Angst zur Verfügung stehen
- Schulden sollen erlassen werden - dabei ist tatsächlich auch der Erlass ökonomischer Schulden gemeint, die die Menschen in Sklaverei halten. Das ist an die Verpflichtung geknüpft, es unseren Schuldner gegenüber auch so zu halten
- die Erlösung aus Bedrängnis von allem Bösen
Gib, uns was wir zum guten Leben brauchen! - so könnten wir diese Bitten zusammenfassen. Das enthebt uns Menschen nicht davon, selber das zu tun, wozu wir imstande sind. Unseren eigenen Beitrag dazu müssen wir nicht erbitten, sondern schlicht und einfach tun. Dann wird Himmel auf Erden erfahrbar.
© Mag.a Anna Wall-Strasser, Vorsitzende der Katholischen Arbeitnehmer/innen- Bewegung Österreich (KABÖ).
Literatur: Monika Egger, Dein Reich komme! Das Gebet Jesu verstehen, Luzern 2018
Abraham ist ein Beispiel des mutigen, hartnäckigen und zugleich vertrauten Verhandelns mit Gott. Der Geist Jesu baut alle Barrieren Gott gegenüber ab. An ihn können wir mit allen Anliegen herantreten.
Die erste Lesung am heutigen Sonntag handelt von der Fortsetzung der Erzählung von den drei Gästen bei Abraham, von deren Besuch wir am letzten Sonntag gehört haben. Darin wurde uns Abraham als aufmerksamer und fürsorglicher Gastgeber geschildert. Nach der Ankündigung der Geburt eines Sohnes für Sara und Abraham beginnen seine Gäste Abschied zu nehmen. Und wie auch wir es aus solchen Alltagssituationen kennen, beginnt der Sprecher der Drei über das zu sprechen, wo er jetzt unmittelbar danach hingehen will. Er berichtet von seinem geplanten Gang nach Sodom, weil von dort immer wieder Klagen über das Verhalten der Einwohner dieser Stadt kommen. Der Name Sodom steht heute wie damals für die Missachtung aller menschlichen Würde. Eine Gesellschaft, die so lebt, macht sich schuldig. Auf ihrem „Schuldschein“ – ein Begriff, der heute in der zweiten Lesung vorkommt – steht ihre menschenverachtende Haltung.
Nun wandelt sich Abraham plötzlich vom Gastgeber zum Mittler und hartnäckigen Verhandler. In der Zwischenzeit dürfte er nämlich schon eine Ahnung davon bekommen haben, wer in Gestalt der drei unerwarteten Gäste vor ihm steht. Er kann und will nicht glauben, dass Gott alle Menschen ohne Ausnahme in Sodom vernichten will. Abraham ringt im kommenden Gespräch gleichsam um Gottes Gerechtigkeit. Es stellt die Möglichkeit in den Raum, dass auch in Sodom Menschen leben, die Gott ernst nehmen. So beginnt er zu handeln. Er handelt von 50 Gerechten bis auf 10 herab. Und sein Gesprächspartner steigt darauf ein. Wie wir aus der Fortsetzung dieser Episode im Buch Genesis wissen, wird es dann sogar so sein, dass Gott einen einzigen Gerechten, nämlich Lot, und seine Familie aus der untergehenden Stadt rettet.
In der zweiten Lesung, im Brief an die Gemeinde von Kolossä, spricht der Verfasser dieses Briefes (es wird angenommen, dass er ein Paulusschüler ist) vom „Schuldschein“. Einen Schuldschein gegenüber Gott tragen wir alle mit uns herum, und der wird wahrscheinlich täglich erweitert bzw. erneuert. In der Lesung heißt es: „Gott hat den Schuldschein, der gegen uns sprach, durchgestrichen und seine Forderungen, die uns anklagen, aufgehoben“. Das heißt nicht, dass alles uns Belastende einfach verdrängt wird, nein, es wird angenommen aber unverdienter Weise gleichsam als Geschenk getilgt. Wir werden nicht mehr vernichtet wie die Menschen in Sodom. Einer, Christus, hat alles „Minus unseres Lebens“ auf sich genommen und uns davon befreit. Wir dürfen als österliche Menschen leben. Durch die Taufe, in der wir gleichsam mit Christus sterben, um mit ihm zu einem neuen Leben als Christen aufzuerstehen, sind wir erlöst. Er hat uns von allen Fesseln und Zwängen des Bösen befreit. Und dieses Geschehen liegt nicht je nach unserem Lebensalter viele Jahre zurück, sondern wird jeden Tag neu im Glauben von Heute Realität.
Ist damit von und für uns alles getan? Sicher nicht. Wir müssen schon unseren Teil immer wieder dazu beitragen. Gerade das heutige Evangelium, in dem uns die lukanische Version des „Vater unser“ dargestellt wird, weist uns dazu einen Weg. Wir sind aufgefordert immer wieder neu mit Gott in Beziehung zu treten. Unter anderem geschieht dies im Gebet. Hier am Sonntag im Gottesdienst zum Beispiel auch in den Fürbitten, die in der Liturgie auch als Allgemeines Gebet bezeichnet werden. Es gibt uns den Rahmen vor, in dem wir für die Kirche, für die Gesellschaft, für die Welt, unsere Gemeinde, die Menschen unseres Beziehungsfeldes, für uns selbst und für jene beten können, die zwar verstorben, aber noch immer mit uns, zwar in einer anderen Weise gegenwärtig sind. Wir sind auch aufgefordert im persönlichen Gebet unsere Anliegen Gott vorzutragen. Dabei dürfen wir ruhig lästig und hartnäckig sein wie es Abraham war. In der heutigen Frohbotschaft heißt es sogar: „Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten“.
Pfingsten ist nicht so lange her. Auch das ist ein Geschehen, das in unser Heute wirkt. Er ist uns als Beistand geschenkt. Er ist es, der uns in die rechte Gottesbeziehung führt. Er ist es, der uns dazu bewegt, ohne Ängstlichkeit, in Verbundenheit mit Gott und unseren Mitmenschen, die Herausforderungen des heutigen Tages, des Heute unserer Zeit, mit allen ihren Veränderungen annehmen zu können. Er befreit uns vom Kreisen um uns selbst und macht unseren Kopf und unser Herz frei für sein Wirken unter uns. Er gibt uns den aufrechten Mut eines Abrahams, um Gottes Gerechtigkeit einzufordern, und lässt uns mit Jesus zum Vater beten wie es in der Einleitung zum „Vater unser“ im Gottesdienst heißt: „Wir haben den Geist empfangen, der uns zu Kindern Gottes macht. Darum wagen wir zu sprechen: Vater unser…“.
Das Vater unser war und ist Anlass zu tiefen Betrachtungen zu den einzelnen Bitten. Die letzte Bitte hat es besonders in sich: Führe uns nicht in Versuchung. In ihr schließt sich der Kreis zum Beginn des Gebetes mit der intimen Anrede Gottes als Papa. Es geht um das Vertrauen in Gott, das auch in den größten Herausforderungen des Lebens trägt.
Die Bitte der Jünger "Herr, lehre uns beten" ist Anlass, über unsere Gebetspraxis nachzu denken. Beten stärkt und vertieft unsere Beziehung zu Gott und wird so zur Kraftquelle für unsere Leben.
Von Jesus können wir beten lernen.
Lieder:
GL 142: Zu dir, o gott, erheben wir
GL 143: Mein ganzes Herz erhebet dich
GL 277: Aus tiefer Not schrei ich zu dir
GL 348: Nun bitten wir den Heiligen Geist (3. Str.)
GL 382: Ein Danklied sei dem Herrn
GL 383: Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt
GL 399: Gott loben in der Stille
GL 403: Nun danke all und bringet Ehr
GL 405: Nun danket alle Gott
GL 414: Herr, unser Herr, wie bist du zugegen
GL 416: Was Gott tut, das ist wohlgetan
GL 421: Mein Hirt ist Gott der Herr
GL 423: Wer unterm Schutz des Höchsten steht
GL 424: Wer nur den lieben Gott lässt walten
GL 425: Solang es Menschen gibt auf Erden
GL 427: Herr, deine Güt ist unbegrenzt
GL 428: Herr, dir ist nichts verborgen
GL 429: Gott wohnt in einem Lichte
GL 428: Herr, dir ist nichts verborgen
GL 437: Meine engen Grenzen
GL 439: Erhör, o Gott, mein Flehen, hab auf mein Beten acht
GL 440: Hilf, Herr meines Lebens
GL 451: Komm, Herr, segne uns
GL 464: Gott liebt diese Welt, und wir sind sein Eigen
GL Ö866: Ein Danklied sei dem Herrn
Psalmen und Kehrverse:
GL 37: Der Herr ist mein Hirt; er führt mich an Wasser des Lebens. - Mit Psalm 23 - VI.
GL 76: Der Herr ist nahe allen, die ihn rufen. - Mit Psalm 145 - I.
GL 664,1-2: Sei mir gnädig, Herr, und höre auf mein Flehen. - Mit Psalm 4 - VIII.
GL Ö880,1: Alles, was atmet, lobe den Herrn. Halleluja, lobe den Herrn. - Mit Psalm 42 (GL 42,2) oder mit Psalm 65 (GL 45,2) - VI.
Wir haben Abstand genommen von unserem Alltag und uns wie Jesus zum Gebet zurückgezogen. Nicht irgendwohin, sondern an diesen Ort, der für viele vor und mit uns ein Ort des Gebetes und der Erfahrung der Gegenwart Gottes ist. Es ist ein Ort, an dem wir uns auch die Gegenwart Gottes in unserem Leben bewusst machen können, mit welchen Freudenmomenten wir in der vergangenen Woche beschenkt wurden: Wie froh wir waren, dass das vorhergesagte Unwetter nicht doch so heftig wurde und dass doch vieles, was wir uns vorgenommen haben, geklappt hat, wie oft wir unversehrt nach Hause zurückgekehrt sind…
Und so vieles andere mehr, das wie selbstverständlich ist, aber doch immer wieder auch Gnadenerfahrungen Gottes sein können. Mit alle dem feiern wir diesen Gottesdienst als Dienst von uns an Gott, aber vielmehr als Dienst Gottes an uns ist.
Gottesdienste vorbereiten ist meist nicht einfach. Die Geschmäcker und Erwartungen an die Gestaltung sind oft sehr unterschiedlich.
Wie feiert man gut? Welche Lieder und Texte sprechen uns an? Wie betet man richtig?
"Herr, lehre uns beten" , haben schon die Jünger Jesus gefragt, weil sie offenbar gespürt haben, das die Art und Weise, wie Jesus betet und mit Gott verkehrt, anders ist, als sie es von klein an gelernt haben, als sie es gewohnt sind.
Was können wir von der Art Jesu zu beten lernen. Wie kann sein Beten unser Beten inspirieren?
Damit wir aufrichtig vor Gott hintreten können, bekennen wir unsere Unzulänglichkeit und bitten wir ihn um sein Erbarmen.
Wir bringen sie mit - die Erlebnisse der vergangenen Tage. Wir bringen sie mit - unsere Sorgen, unsere Nöten und Bitten. Sagen wir getrost in dieser Feier Gott, was uns bewegt. Gott nimmt uns ernst. Gott hört uns an. Denn wir sind seine geliebten Geschöpfe, seine geliebten Töchter und Söhne. Bitten wir um sein Erbarmen:
„Herr, lehre uns beten!“ – diese Bitte stellen die Jünger im heutigen Evangelium an Jesus. Und Jesus kommt diese Bitte offensichtlich sehr gelegen. Denn da er selbst das innige Gebet pflegt, weiß er nur zu gut, welche Kraft aufrichtiges und lebendig mit Gott verbundenes Gebet schenkt. Diese Quelle möchte Jesus seinen Jüngern und Zuhörern gern erschließen. Welche Worte er dafür findet, hören wir im Evangelium.
Herr Jesus Christus, du hast zu Gott Abba, lieber Vater, gesagt
und lehrst auch uns so zu sprechen:
Wo unser Vertrauen schwach ist, bitten wir dich:
Kyrie eleison
Wo wir zu egoistisch und eigenwillig beten, bitten wir dich:
Christe eleison
Wo wir uns auf eigene Kraft allein verlassen, bitten wir dich:
Kyrie eleison.
"Bittet, so wird euch gegeben!", einer der Sätze aus dem heutigen, vielen bekannten Evangelium, ist auch die Aufforderung an uns. Was erbitte ich mir von Gott für mich und mein Leben, für uns als Gemeinschaft der Jüngerinnen und Jünger Jesu heute, für die Menschen hier bei uns und auf der Welt?
Wir rufen das Erbarmen Gottes auf uns herab. Mit Erbarmen meinen wir seine Empathie, sein Wohlwollen und sein Mitgefühl. Wie der Mutterleib das ungeborene Kind umgibt, versorgt, schützt und reifen lässt, so möge Gott uns mit seinem Erbarmen versorgen und wachsen lassen:
Herr,
du hältst die Welt und unser Leben in deiner Hand.
Herr, erbarme dich.
Herr,
du bist für uns Lehrer und Vorbild.
Christus, erbarme dich.
Herr,
du meinst es gut mit uns.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
du hast dich senden lassen durch des Vaters Wort.
Herr, erbarme dich.
Dein Vertrauen zum Vater hat dich durch das Erdenleben getragen.
Christus, erbarme dich.
Selbst im Sterben hast du dem Vater vertraut:
„Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
im Gebet hast du die Verbindung zum Vater im Himmel gepflegt.
Herr, erbarme dich.
Das Gebet gab dir Kraft zur Liebe und zum Durchhalten im Leiden.
Christus, erbarme dich.
Deine Art zu beten empfiehlst du auch uns.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus,
du hast deine Jünger beten gelehrt.
Kyrie, eleison.
Du hast sie ermutigt, Vertrauen auf den Vater zu haben.
Christe, eleison.
Du wirst auf unsere Bitte um Vergebung
mit deiner Liebe antworten.
Kyrie, eleison.
Gott, du Beschützer aller, die auf dich hoffen,
ohne dich ist nichts gesund und nichts heilig.
Führe uns in deinem Erbarmen den rechten Weg
und hilf uns,
die vergänglichen Güter so zu gebrauchen,
daß wir die ewigen nicht verlieren.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 17. Sonntag im Jahreskreis
Gott, unser Vater.
Wir sind als deine Gemeinde versammelt
und rufen dich an:
Öffne unser Ohr,
damit wir hören und verstehen,
was du uns heute sagen willst.
Gib uns ein gläubiges Herz,
damit unser Beten dir gefällt
und unser Leben vor dir bestehen kann.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Auswahl 1
Gott.
Wir danken dir,
daß du uns hier zusammengeführt hast.
Laß uns erkennen, was wir sind.
Laß uns glauben, was wir beten.
Laß uns tun, was du uns sagst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Auswahl 13
Herr, unser Gott,
komm unserem Beten und Arbeiten
mit deiner Gnade zuvor und begleite es,
damit alles, was wir beginnen,
bei dir seinen Anfang nehme
und durch dich vollendet werde.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Donnerstag nach Aschermittwoch
Gott, himmlischer Vater,
dein Sohn hat seine Jünger beten gelehrt.
Erhöre uns, wenn wir bitten,
lass uns den rechten Weg finden
und öffne uns die Tür zu deinem Reich.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus,
deinen Sohn, unseren Herrn,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht
in alle Ewigkeit.
WB 17. Sonntag im Jahreskreis C
Guter Gott!
Hast du eigentlich nicht die Ohren voll von den Gebeten, die zu dir dringen?
Musst du angesichts des Treibens der Menschen auf der Erde nicht deine Hoffnung in sie, in uns aufgegeben haben? Müssten wir nicht längst gelernt haben, wie wir Not lindern, Kriege beenden und deine Schöpfung bewahren können?
Weil du Gott bist und uns liebst, bist du mit deiner Geduld und Weisheit nie am Ende. Weil wir deine Kinder sind, hörst du nie auf, auf uns zu hören. Auch dann nicht, wenn wir an dem, was du für unser Leben und Zusammenleben willst, vorbeileben.
Was bist du für ein Gott! Ein guter, ein großer, ein barmherziger Gott!
Dafür danken wir dir und erbitten deine Hilfe: Damit wir gut hinhören auf dein Wort des Lebens, es in unserem Herzen bewahren und danach handeln.
Dir sei Lob und Preis. Alle Tage unseres Lebens. - Amen.
Vater im Himmel,
zu Beginn dieser neuen Woche
sind wir hier zusammengekommen,
aus allem, was unsere Zeit ausmacht.
Aus den Belastungen,
aber auch aus dem, was uns Freude ist.
Alles tragen wir vor dich.
Du weißt um alles.
Da, wo wir keine Worte finden,
dürfen wir uns dir einfach hinhalten und rufen:
„Unser Vater“.
Dafür danken wir dir mit Jesus Christus,
deinem Sohn,
der uns ein Beispiel für dieses Vertrauen gab,
bis in den Tod. - Amen.
Gott, wir wollen um so vieles bitten:
um Wohlstand, um Gesundheit, um gute Freunde...
Das und noch vieles mehr brauchen wir für ein gutes Leben.
Gott, manche Wünsche erfüllen sich nicht
oder nur unzureichend.
Dann lass uns nicht verzweifeln.
Hilf uns auf deine Liebe zu vertrauen,
auf deine Führung,
ja einfach darauf, dass du uns das gibst,
was gut für uns ist. - Amen.
Guter Gott,
durch die Worte, die wir hören
in der Lesung und im Evangelium,
lädst du uns ein,
dir vertrauensvoll unsere Bitten zu sagen.
Mache uns offen für deine Führung in unserem Leben,
lass uns fest daran glauben,
dass du das Beste für uns willst
und dass unser Leben mit deiner Hilfe auch gelingt.
Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, unseren Herrn. - Amen.
Dich, den großen allmächtigen Gott, Vater zu nennen und zu dir mit unseren Bitten kommen zu dürfen, erfüllt uns mit Dankbarkeit.
Durch Jesus Christus, unserem Mittler und Herrn, bitten wir dich:
Für alle Ordensleute und Priester weltweit, die durch ihre täglichen Gebetszeiten dich allzeit loben und für all jene, die durch ihr Beispiel angeleitet durch Zeiten des Gebets ihren Alltag strukturieren und dir begegnen.
Für die Menschen, die aufgrund körperlicher Leiden mehr in ihrem Gebet als in ihrem Tun ihre Mitmenschen begleiten.
Für alle, die schwer an ihren Sorgen tragen und die befreiende Kraft des Gebets bisher noch nicht erfahren konnten.
Für alle, die sich bewusst in entscheidenden Lebenssituationen an die Kirche wenden und um Segen für sich und die Welt bitten.
Für unsere Verstorbenen besonders für jene, die uns durch ihre Worte und ihr Beispiel zum Gebet geführt haben.
Dich, Vater, preisen wir allezeit, wir danken dir für deine Gaben und bitten dich: schenke uns die Vergebung, um die wir uns unseren Mitmenschen gegenüber bemühen wollen. - Amen.
Unser Vater im Himmel gibt den Heiligen Geist allen Menschen, die ihn bitten.
Zusammen mit jenen, die heute der Hilfe bedürfen, kommen wir zu dir, Vater im Himmel, und bitten wir dich:
Mit den Arbeitssuchenden bitten wir:
Schenke ihnen deinen Geist.
Mit den Eltern bitten wir:
Schenke ihnen deinen Geist.
Mit den Notleidenden bitten wir:
Schenke ihnen deinen Geist.
Mit den Schwachen und Kranken bitten wir:
Schenke ihnen deinen Geist.
Mit den Helfenden bitten wir:
Schenke ihnen deinen Geist.
Mit den Trauernden bitten wir:
Schenke ihnen deinen Geist.
Und weil es da viele gibt, die mit ihren Bitten nicht zu dir, Gott, kommen, bitten wir für uns selbst um die Kraft deines Geistes, dass er uns die Nöte der Menschen in der Welt und um uns sehen und erkennen lässt, wie wir helfen können:
Schenke uns deinen Geist.
Gott unseres Lebens,
dir vertrauen wir, auf deine grenzenlose Güte hoffen wir, dich loben und preisen wir.
Durch Christus, unseren Herrn. - Amen.
Bitten wir gemeinsam um Gottes Geist,
dass er uns verstehen lässt,
wie er uns in Jesus und seinen Worten zu unserem Heil führen will:
Die Kirche verehrt Heilige, die in ihrem Tun für andere aufgegangen sind, und andere, die sich in Stille dem Gebet und dem Sein vor dir hingegeben haben. Beides hat seinen Wert.
Hilf uns, einer höchst verunsicherten Welt eine Gemeinschaft vorzuleben, in der die jeweilige Person und nicht ihre Dienstleistung geschätzt werden.
Die vielen Probleme unserer Zeit spalten die Gesellschaft.
Hilf einem jeden von uns, nicht die eigenen Vorstellungen von den anderen einzufordern und ihr Tun danach zu beurteilen.
Urlauben und Reisen ermöglichen uns Begegnungen mit anderen Menschen, Kulturen und Lebenswelten.
Hilf uns, dabei ganz präsent sein zu können und deren Sinn im zweckfreien Dasein einfach anzunehmen.
Pflichtgefühl und Leistungsdruck verhindern oft, dass wir zu unserem eigentlichen Selbst und der Erfüllung unserer tiefsten Sehnsucht finden.
Hilf uns, bei dir Ruhe zu finden und einverstanden zu sein, mit dem, was uns geschenkt ist.
Mit der Taufe ist uns die Hoffnung auf Anteilnahme an deiner Herrlichkeit geschenkt.
Hilf allen Sterbenden, ihren Weg in dieser Hoffnung anzutreten.
In Jesus hast du deiner ganzen Schöpfung den Weg zum Heil aufgezeigt und ein Stück vom Himmel auf die Erde geholt.
Lass uns mit allen in das Lob deiner Herrlichkeit einstimmen und dich jetzt und allezeit preisen und rühmen. - Amen.
Zu Gott, der unsere Bitten hört, obwohl wir Staub und Asche sind,
beten wir voller Hoffnung:
Lass alle Wallfahrer und Pilger erfahren,
dass ihre Reise und ihr Weg nicht umsonst sind...
Erneuere den Glauben und das Vertrauen aller,
die vom Leben enttäuscht sind...
Hilf allen in rechter Weise zu dir zu beten...
Zeige allen Verantwortlichen Wege,
Ungerechtigkeiten und Hunger in der Welt zu überwinden...
Gib Kraft allen, die von ihrer Krankheit nicht geheilt werden können...
Steh allen bei, die sich einsam fühlen...
An dich glauben wir, auf dich hoffen wir,
dich lieben wir, jetzt und für alle Zeiten. - Amen.
Wie Jesus seine Anliegen im Gebet vor den Vater im Himmel brachte, so dürfen und sollen auch wir uns mit unseren Bitten und Anliegen an Gott wenden:
Stärke in uns, guter Vater, das Vertrauen in deine Hilfsbereitschaft.
Vater im Himmel, wir bitten dich, erhöre uns!
Lass auch uns entschlossene Helfer werden, wo wir der Not von Menschen begegnen.
Segne alle, die sich für Kranke, Leidende, Verfolgte oder Einsame einsetzen.
Hilf uns, deinen Willen und deine Vorhaben mit uns zu erkennen, sie anzunehmen und zu verwirklichen.
Schenke Erfolg allen Bemühungen um Frieden und Erneuerung in der Welt und den Religionsgemeinschaften.
Lass alle Sterbenden deinen Beistand im Besonderen spüren und nimm die Verstorbenen auf in die Gemeinschaft mit dir.
Gott, unser Vater,
Jesus hat uns aufgefordert: Bittet, klopft an! Vertraut, dass ihr empfangt.
In diesem Vertrauen sagen wir dir „Danke!“ für deine Hilfe und deinen Beistand. – Amen.
Lasst uns als Gemeinde, die sich Sonntag für Sonntag zum gemeinsamen Gottesdienst versammelt, zu Gott, den wir Vater nennen dürfen, beten:
Für alle Glieder deiner Kirche, die durch fehlerhaftes Verhalten, die Glaubwürdigkeit deiner Botschaft in Frage stellen.
Für die Menschen, deren Leben durch Machtdemonstrationen und Handelssanktionen der politisch Mächtigen schwer beeinträchtigt ist.
Für alle, die in ihrer Urlaubszeit Ruhe und Muße finden und ihre Beziehungen zu dir und ihren Mitmenschen intensiver zu pflegen.
Für uns selbst, dass wir in den aussichtslos erscheinenden Situationen unseres Lebens das Vertrauen auf dich nicht verlieren.
Für unsere Verstorbenen, die wir deiner Gerechtigkeit und Barmherzigkeit anempfehlen.
Denn du willst, dass wir als deine Kinder mit all unserer Freude und unseren Sorgen zu dir kommen.
Dir gilt dafür unser Dank und unser Lob jetzt und allezeit. - Amen.
Im Evangelium hören wir die Bitte: Herr, lehre uns beten.
Jesus hat uns Worte geschenkt. Er hat uns Mut gemacht.
Gott rufen wir als Vater an!
Wir bitten für die Menschen, die traurig und hilflos darüber sind, dass nichts mehr heilig ist.
Menschen werden austauschbar, zu Spielbällen, zu Manövriermasse.
Nicht einmal die Menschenwürde ist an vielen Stellen der Welt heilig.
Wir rufen zu dir: Dein Reich komme!
Wir bitten für die Menschen, die sich jeden Tag für andere einsetzen.
Menschen brauchen Arbeit und Brot, ein Dach über dem Kopf und Chancen,
ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen.
Viele Menschen haben das Gefühl, abgehängt zu sein.
Wir rufen zu dir: Dein Reich komme!
Wir bitten für die Menschen, die sich um Versöhnung bemühen.
Menschen werden schuldig, kommen aus unheilvollen Verstrickungen nicht heraus
und reißen andere mit ins Verderben.
Manchmal scheint es fast unmöglich zu sein, Brücken zu bauen und einander zu vergeben.
Wir rufen zu dir: Dein Reich komme!
Wir bitten für die Menschen, die die Kunst des Heilens beherrschen.
Menschen brauchen Beistand in kritischen Situationen, in Krankenhäusern und Altenheimen, im Angesicht des Todes.
Die Einsamkeit und die Verlassenheit vieler Menschen nehmen wir oft nicht einmal wahr.
Wir rufen zu dir: Dein Reich komme!
Wir bitten für uns, die wir neugierig und abwartend ungewohnte Wege vor uns sehen.
Wir wissen viel, wir sehen viel, wir hören viel.
Um den Mut bitten wir dich, keinen Menschen alleine zu lassen,
wenn er unseren Beistand, unser Wort und unsere Kraft braucht.
Wir rufen zu dir: Dein Reich komme!
Vater sagen wir zu dir, Gott.
Du sprichst uns als deine Kinder an.
Wir bitten dich um deinen Geist, für uns, für deine Kirche.
Vater, dein Name ist heilig, dein Reich komme. – Amen.
Gütiger Gott,
nimm die Gaben an,
die wir von deiner Güte empfangen haben.
Laß deine Kraft in ihnen wirken,
damit sie uns in diesem Leben heiligen
und zu den ewigen Freuden führen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 17. Sonntag im Jahreskreis
Gott,
sieh auf dein Volk, das im Gebet versammelt ist,
und nimm unsere Gaben an.
Heilige sie, damit alle, die sie empfangen,
in deiner Liebe wachsen und dir immer treuer dienen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 15. Sonntag im Jahreskreis
Gott,
Tag für Tag und auch in dieser Feier erbitten wir von dir das Brot für den Leib und für die Seele.
Sieh her, was wir hier zum Altar gebracht haben.
Gieße deinen Geist aus über diese Gaben und in unsere Herzen, damit durch dieses Brot unser Hunger gestillt wird und durch uns der Welt deine Güte bekannt wird. - Amen.
Guter Gott,
wir brauchen das Brot für den leiblichen Hunger.
Doch in Jesus gibst du uns das Brot des Lebens,
das Brot der Liebe,
das Brot der Hingabe.
Du schenkst uns Brot und Wein,
dass sie uns wandeln in liebende Menschen,
die eines im Sinn haben:
zu lieben und füreinander zu leben. Amen.
Guter Gott,
die Gaben von Brot und Wein
sind Zeichen, dass du für uns sorgst
wie ein liebender Vater oder wie eine liebende Mutter.
Sie sind Zeichen deiner Liebe zu uns,
einer Liebe, aus der wir allein leben,
einer Liebe, die sich hingegeben hat.
In ihnen empfangen wir Jesus Christus,
deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. - Amen.
Herr, unser Gott,
du bist wie Vater und Mutter für uns. Immerwährend sorgst du dich um uns. Deinem liebevollen Blick entgeht nichts. Keiner kennt uns Menschenkinder so wie du. Denn du hast uns geschaffen.
Dich loben wir. Alle: Dich preisen wir.
Herr, unser Gott,
du schenkst uns die Freiheit, die wir brauchen, Leben zu gestalten. Du traust uns zu, Hoffnung nicht aufzugeben, sondern zu wagen, Glauben nicht auszunützen, sondern zu schenken, Liebe nicht zu vergessen, sondern wachsen zu lassen.
Dich loben wir. Alle: Dich preisen wir.
Herr, unser Gott,
du schenkst uns den Heiligen Geist und damit einen Teil von dir. Er ist die Kraft, die uns in schweren Zeiten durchhalten lässt. Er ist die Ruhe, die uns aufatmen lässt. Er ist die Kreativität, die uns in Aussichtslosigkeit einen Weg finden lässt.
Dich loben wir. Alle: Dich preisen wir.
Guter Gott,
wir danken dir für deinen Sohn Jesus Christus. Er hat uns gelehrt, dich als unseren himmlischen Vater anzusprechen und zu erkennen. Er ist uns Vorbild für unser Denken und Handeln.
Dich loben wir. Alle: Dich preisen wir.
Guter Gott, wir danken dir für die Menschen, mit denen wir unser Leben teilen und feiern dürfen und die für uns da sind, wenn wir Hilfe brauchen. Erbarme dich jener, die einsam sind und niemanden haben, wenn sie in eine Notlage geraten.
Dich loben wir. Alle: Dich preisen wir.
Guter Gott,
wir danken dir für jene Menschen, mit denen wir ein Stück unseres Lebensweges unterwegs sein durften und die im Tod zu dir vorausgegangen sind. Zuversichtlich wollen wir sein, dass sie bei dir die Freude des Himmels und die Fülle des Lebens erfahren. Dich loben wir. Alle: Dich preisen wir.
Dich loben wir. Alle: Dich preisen wir.
Guter Gott,
wir danken dir für alles Gute, das wir Tag für Tag erfahren dürfen und auch für jenes, das uns herausfordert. Zu allen Zeiten bist du da. Einfach da. Du, unser himmlischer Vater.
Dich loben wir. Alle: Dich preisen wir.
(für Wortgottesdienstfeiern):
Kehrvers:
Danket dem Herrn, denn er ist gütig,
denn seine Huld währt ewig. (GL 558,1)
Kehrvers
Immer wieder hast du den Menschen verziehen,
wenn sie von deinen Wegen abgewichen sind.
Immer wieder hast du um der Gerechten willen
allen Menschen die Chance gegeben umzukehren.
Kehrvers
Jesus, dein Sohn, hat uns gelehrt, in der Not zu dir zu beten,
wie Kinder sich an den Vater wenden,
wie Freunde einander ihr Herz ausschütten und um Hilfe bitten.
Kehrvers
Er hat uns ermutigt, im Bitten nicht nachzulassen
und deiner Hochherzigkeit zu vertrauen,
wenn wir in Not sind und deine Hilfe brauchen.
Kehrvers
Sein Vertrauen in dich, Gott und Vater,
lässt und dankbar sein,
wenn wir aus dem Überfluss deiner Gaben schöpfen.
Es gibt uns auch die Kraft,
unsere Güter solidarisch miteinander zu teilen.
Kehrvers
Mit den Engeln und Heiligen
stimmen wir ein in den Lobpreis der ganzen Schöpfung
und singen:
Danklied, z. B.: Danket, danket den Herrn... (GL 406)
Wir danken dir, treuer und barmherziger Vater,
für Jesus, deinen Sohn unseren Herrn und Bruder.
Seine Liebe galt den Armen und Kranken,
den Ausgestoßenen und Sündern.
An keiner Not ging er vorüber.
Sein Leben und seine Botschaft lehren uns,
daß du ein Gott bist, der sich der Menschen annimmt
wie ein Vater sich um seine Kinder sorgt.
Darum loben und preisen wir dich,
wir rühmen deine Güte und Treue
und verkünden mit allen Engeln und Heiligen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 3
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und dich mit der ganzen Schöpfung zu loben.
Denn deine Vorsehung waltet über jeder Zeit;
in deiner Weisheit und Allmacht
führst du das Steuer der Kirche
und stärkst sie durch die Kraft des Heiligen Geistes.
In ihm kann sie allezeit auf deine Hilfe vertrauen,
in Not und Bedrängnis zu dir rufen
und in Tagen der Freude dir danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir dein Erbarmen
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Heiliger Geist 2
Wenn ihr betet, so sprecht: Vater...
So haben wir es im Evangelium gehört und so wollen wir es tun:
Vater unser...
Herr Jesus, du hast die Menschen ermutigt, um alles zu bitten.
Wir folgen mit Blick auf den Frieden deiner Botschaft und bitten dich:
Schaue nicht auf unsere Sünden...
«Bittet dann wird euch gegeben!»
Es wäre ganz schön und zugegebenermaßen ganz schön einfach,
wenn ich immer das bekäme, was ich erbitte.
Nahezu himmlisch wäre das.
Ich bräuchte mich nicht zu sorgen
und auch nicht mich abzumühen.
Nahezu sorgenlos wäre mein Leben.
Solange jemand da ist, der alle diese Bitten erfüllt.
Doch das Leben ist nicht so.
Darum bitte ich Gott nur um das Eine: Um den Heiligen Geist.
Und ihn wird er mir geben.
So hat er es versprochen.
Mit ihm wird es schon gehen.
Denn er ist die Kraft Gottes,
die mich stärkt in meinem Sorgen und Mühen für mich und die anderen.
Mit allem, was unser Leben ausmacht,
dürfen wir zu dir kommen, unser Gott.
Du schickst uns nicht weg,
du lässt uns nicht allein,
das ist gut so, weil wir dich brauchen.
Wir brauchen einen, der zu uns steht,
wenn wir nicht weiter wissen.
Wir brauchen einen, der uns den Rücken stärkt,
wenn uns die Kraft ausgeht.
Wir brauchen einen, der mit uns geht,
wenn uns der Weg zu weit wird.
Wir brauchen einen, der uns Hoffnung macht,
wenn wir mutlos werden.
Wir brauchen einen, der uns die Richtung zeigt,
wenn wir in die Irre gehen.
Wir brauchen einen,
zu dem wir mit allen unseren Anliegen kommen können.
Wir brauchen dich,
unser Gott.
Herr, unser Gott,
wir haben das Gedächtnis des Leidens Christi gefeiert
und das heilige Sakrament empfangen.
Was uns dein Sohn in unergründlicher Liebe geschenkt hat,
das werde uns nicht zum Gericht,
sondern bringe uns das ewige Heil.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 17. Sonntag im Jahreskreis
Unser Gott und Vater, wir danken dir.
Du hast uns genährt mit der Speise,
die uns stärkt, nur deinem Willen zu folgen.
Ist unser Glaube auch schwach
und unsere Liebe gering,
nimm sie barmherzig an um deines Sohnes willen,
der uns zugelassen hat an seinen Tisch,
unser Herr Jesus Christus,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Schlussgebete zur Auswahl 7
Gütiger Gott,
wir dürfen deine väterliche Fürsorge und mütterliche Geborgenheit erfahren. Du schenkst uns, was wir wirklich zum Leben brauchen. Wir danken dir.
Hilf uns, wo immer wir können Nothelferinnen und Nothelfer zu sein und so dich und deine Gegenwart zu bezeugen.
Das erbitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. - Amen.
Vater unser im Himmel,
von Neuem durften wir uns durch deinen Sohn
das Vertrauen stärken lassen,
dass du ein Gott der Liebe bist,
an den wir uns in jeder Lebenslage wenden dürfen.
Schenke uns die Kraft,
deine liebende Nähe
glaubhaft in dieser Welt zu leben und zu verkünden.
Das erbitten wir durch Jesus Christus,
unseren Bruder und Herrn. - Amen.
Guter Gott,
du sendest uns aus, dich zu bezeugen,
zu geben, wo man uns bittet,
zu teilen, wo Not herrscht,
zu vergeben, wo Menschen um Verzeihung bitten,
immer mehr zu werden wie ein liebender Vater,
wir eine liebende Mutter.
So bezeugen wir dich. - Amen.
Guter Gott,
wir haben dein Wort gehört.
Du lädst uns ein,
auf dich in allen Situationen unseres Lebens
immer wieder zu vertrauen.
Lass uns mit neuem Mut in unseren Alltag zurückgehen,
lass uns als zuversichtliche Menschen leben,
denn du bist immer für uns da.
Darum bitten wir dich durch Christus, unseren Herrn. - Amen.
Herr, unser Gott,
erfülle die Herzen deiner Gläubigen
mit deiner Kraft und Gnade,
damit sie im Gebet dich ehren
und in lauterer Liebe einander dienen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Der Segen des allmächtigen Gottes,
des Vaters und des Sohnes +
und des Heiligen Geistes,
komme auf euch herab und
bleibe bei euch allezeit. - Amen.
MB Segensgebete 24
Gott, der Herr, segne uns mit kleinen und großen Freuden.
Er schenke Hoffnung und Zuversicht, wenn irdischen Nöte uns bedrücken.
In allem bleibe er uns nahe mit seiner Liebe und Güte.
Das gewähre uns der dreifaltige Gott,
der Vater und der Sohne und der heilige Geist. – Amen.
Es segne euch Gott der Vater,
dem ihr sagen könnt, was ihr braucht. Amen.
Es segne euch Gott der Sohn,
der in manchen Zeichen und Worten eine Antwort ist. Amen.
Es segne euch Gott, der Heilige Geist,
in dem ihr die Treue und Phantasie Gottes spüren könnt. Amen.
Und der Segen des allmächtigen Gottes,
des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
nehme euer Bitten auf und lasse wachsen,
was euch zum Heil werden kann. Amen.
Möge eine neue Welt erstehn,
wo Brot genug –
und Wasser strömt für alle.
Da schaffen wir sichere Orte,
wohnen zusammen in Eintracht und Frieden
im Schatten von Bäumen.
Kein Kind wird je dort sterben,
alte Menschen erfüllen die Tage
und junge Menschen werden dort
erst, wenn sie hundert sind, sterben.
Wir werden uns nicht sinnlos mühen,
nicht Kinder gebären für das Entsetzen.
Der Wolf und das Lamm werden weiden zusammen:
Wir haben den Krieg verlernt.
Möge eine neue Welt erstehn,
wo Brot genug –
und Wasser strömt für alle.
Huub Oosterhuis
Das Vaterunser ist das zentrale Gebet der Christen und spielt eine wesentliche Rolle im spirituellen Leben vieler Gläubiger. Es ist das meist gesprochene Gebet der Christen in der Welt und das einzige Gebet, das laut dem Neuen Testament Jesus Christus selbst seine Jünger gelehrt hat.
Bereits unter Karl dem Großen wurde das Vaterunser zum grundlegenden Gebet aller Christen nördlich der Alpen und prägte im Mittelalter das Bild eines christlichen Gottes, der in enger Verbindung mit den Menschen steht. Später betonten Martin Luther und das Konzil von Trient die dreifache Funktion des Vaterunsers: als programmatisches Gebet, Kurzformel des Glaubens und als christliche Lebensregel.
In diesem Artikel erforschen wir das Vaterunser in seiner Bedeutung. Wir werden den Text des Gebets analysieren, seine theologische Bedeutung erörtern, die Unterschiede in den verschiedenen christlichen Traditionen beleuchten und die Praxis des Gebets im Alltag und in der Liturgie betrachten.
https://partnersuche-christlich.de/magazin/das-vaterunser-gebet/
veröffentlicht am 11. September 2024.
Wer unterm Schutz des Höchsten steht,
im Schatten des Allmächtgen geht,
wer auf die Hand des Vaters schaut,
sich seiner Obhut anvertraut,
der spricht zum Herrn voll Zuversicht:
Du meine Hoffnung und mein Licht,
mein Hort, mein lieber Herr und Gott,
dem ich will trauen in der Not.
Er weiß, dass Gottes Hand ihn hält,
wo immer ihn Gefahr umstellt;
kein Unheil, das im Finstern schleicht,
kein nächtlich Grauen ihn erreicht.
Denn seinen Engeln Gott befahl,
zu hüten seine Wege all,
dass nicht sein Fuß an einen Stein anstoße
und verletzt mög sein.
Denn dies hat Gott uns zugesagt:
Wer an mich glaubt, sei unverzagt,
weil jeder meinen Schutz erfährt;
und wer mich anruft, wird erhört.
Ich will mich zeigen als sei Gott,
ich bin ihm nah in jeder Not;
des Lebens Fülle ist sein Teil,
und schauen wird er einst mein Heil.
Gotteslob 423
mit ausgebreiteten Armen
kommst du uns
Gott
entgegen
entgegen
mit einer Liebe
die noch viel mehr ist
als väterliche
oder mütterliche Liebe
denn DU bist die LIEBE
in deinen Armen
dürfen wir uns bergen
mit aller Freude
mit allem Schmerz
mit unseren Erfolgen
und Misserfolgen
mit unserem Versagen
das auch Schuld kennt
deine Arme fangen uns auf
bergen uns
trösten uns
Freude teilend
verstehend
verzeihend
Hoffnung schenkend
ich lasse mich
in deine Arme fallen
„Vater, hier bin ich,
ich, dein Kind.“
Beatrix Senft (2022)
Vater unser
der du bist
nicht nur
thronend im Himmel
geheiligt werde dein Name
dein Reich soll anbrechen
im Hier und Heute
so soll dein Wille geschehen
du schenkst uns
das Brot des Lebens
Speise willst du sein
Sättigung für Leib und Seele
an deiner Heilszusage
lässt DU uns verzeihend
teilhaben
hilf auch uns
zu Verzeihung
und
zur Versöhnung
damit
ein Miteinander
in deinem Sinne
gelingt
und lass uns
den Versuchungen
der Abgrenzung
der Lieblosigkeit und
der Hartherzigkeit
widerstehen
damit deine Liebe und
Güte
in dieser Welt
sichtbar werden
lass durch uns
dein Heil
aufleuchten und
schenke uns Kraft
aus DIR
so wollen wir
mitwirken
an deinem Reich und
unsere Hoffnung
setzen auf
deine Herrlichkeit
in Ewigkeit
Amen.
Beatrix Senft (2022)
Dann sagte eine Priesterin: Sprich zu uns vom Gebet.
Und er antwortete und sagte:
Ihr betet in eurer Verzweiflung und Not; tätet ihr es doch auch in der Vollkommenheit eures Glücks und in den Zeiten des Überflusses!
Denn was ist das Gebet anderes als die Ausdehnung eurer selbst in den lebendigen Äther hinein?
Und wenn es euch Linderung verschafft, eure Dunkelheit in den Raum zu ergießen, verschafft es euch auch Freude, die Morgenröte eures Herzens auszugießen.
Und wenn ihr nicht umhinkönnt zu weinen, wenn eure Seele euch zum Gebet ruft, dann sollte sie immer und immer wieder durch Weinen antreiben, bis ihr zuletzt ihrem Ruf lachend folgt.
Wenn ihr betet, schwingt ihr euch auf, jenen in der Luft zu begegnen, die zur gleichen Stunde beten und denen ihr, außer im Gebet, vielleicht niemals begegnen würdet.
Deswegen ziele euer Besuch in jenem unsichtbaren Tempel auf nichts anderes ab als auf Ekstase und innige Zwiesprache.
Denn solltet ihr den Tempel zu keinem anderen Zweck betreten, als zu bitten, so wird euch nicht gegeben werden;
Und solltet ihr ihn betreten, um euch zu erniedrigen, so werdet ihr nicht erhöht werden.
Es genügt, dass ihr den unsichtbaren Tempel betretet.
Ich kann euch nicht lehren, mit Worten zu beten.
Gott hört nicht auf eure Worte, es sei denn, Er spricht sie selbst durch eure Lippen aus.
Und ich kann euch nicht lehren, wie die Meere und die Wälder und die Berge zu beten.
Aber ihr, die ihr Kinder der Berge und der Wälder und der Meere seid, könnt deren Gebet in eurem Herzen entdecken,
Und wenn ihr nur horcht in der Stille der Nacht, werdet ihr sie schweigend sprechen hören:
"Unser Gott, der du bist unser Engel selbst, es ist dein Wille in uns, der will.
Es ist deine Sehnsucht in uns, die sich sehnt.
Es ist dein Verlangen in uns, das unsere Nächte, die dein sind, in Tage zu verwandeln verlangt, die ebenfalls dein sind.
Um nicht können wir dich bitten, denn du kennst unsere Bedürfnisse, noch ehe sie in uns geboren sind.
Du bist unser Bedürfnis; und indem du uns mehr von dir gibst, gibst du uns alles."
Aus: Khalil Gibran, Der Prophet, München 8. Auflage 2007.
Inständig bete ich zu Gott um das Wohl aller:
dass ihre gerechten Erwartungen erfüllt werden;
dass die Zeiten der Krise und ihre Ursachen
überwunden werden;
dass die Arbeit für niemanden je
eine Entfremdung bedeutet;
dass sie im Gegenteil von allen
als ein Wert geschätzt wird,
weil dort die Gerechtigkeit triumphiert
und noch mehr die Liebe,
dass die Arbeitsbedingungen dem Menschen
angepasst sind
und der Mensch sich in seiner Arbeitswelt
gleichsam wie zu Hause fühlen kann;
dass die Arbeit dem Menschen hilft,
mehr Mensch zu sein;
und dass durch die Anstrengung aller
der Aufbau einer neuen Gesellschaft
und einer neuen Welt erreicht werden kann
in der vollen Verwirklichung der Gerechtigkeit,
der Freiheit und des Friedens.
Johannes Paul II. in: Gebete für das ganze Leben, Leipzig 2004.
Brich mit den Hungrigen dein Brot
1. Brich mit den Hungrigen dein Brot,
sprich mit den Sprachlosen ein Wort,
sing mit den Traurigen ein Lied,
teil mit den Einsamen dein Haus.
2. Such mit den Fertigen ein Ziel,
brich mit den Hungrigen dein Brot,
sprich mit den Sprachlosen ein Wort,
sing mit den Traurigen ein Lied.
3. Teil mit den Einsamen dein Haus,
such mit den Fertigen ein Ziel,
brich mit den Hungrigen dein Brot,
sprich mit den Sprachlosen ein Wort.
4. Sing mit den Traurigen ein Lied,
teil mit den Einsamen dein Haus,
such mit den Fertigen ein Ziel,
brich mit den Hungrigen dein Brot.
5. Sprich mit den Sprachlosen ein Wort,
sing mit den Traurigen ein Lied,
teil mit den Einsamen dein Haus,
such mit den Fertigen ein Ziel.
Text: Friedrich Karl Barth 1977, Musik: Peter Janssens 1977, EG Nr. 420.
Er will in uns gleich zu Anfang unseres Gebetes
Die kindliche Ehrfurcht und Zuversicht
Gott gegenüber wecken,
auf die unser Gebet gegründet sein soll;
dass nämlich Gott
durch Christus unser Vater geworden ist
und uns das, worum wir ihn im Glauben bitten,
noch viel weniger verweigern will,
als unsere Väter uns irdische Dinge abschlagen.
Heidelberger Katechismus (1563) Frage / Antwort 120.

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Die Gerechtigkeit, die von Gott kommt, leuchtet in diesem Abschnitt auf. Der Mensch, die Menschen, ist und sind es, die Gott ein Herzensanliegen sind. Mit der Frage, die scheinbar uns Menschen schon immer beschäftigt: "Müssen die Guten mit den Bösen leiden?" handelt und redet Abraham mit Gott. Der Sinn für die kollektive Verantwortung im Alten Israel war groß - der Blick galt immer auch der Sippe, nie nur dem Einzelnen. Wenig Gerechte werden genügen, um die Welt zu retten. Letztlich wird diese Stelle wohl schon darauf hinweisen, dass am Ende ein einziger Gerechter uns Menschen retten wird - Jesus, der Sohn Gottes. Gott heißt das Böse nicht gut, übersieht es auch nicht, spricht es an. Doch nicht die Vernichtung, sondern die Erlösung, die Los-Lösung von all dem, was Leben vernichten will, steht für Gott an erster Stelle. Darin will er uns Menschen bestärken. Abraham steht für all die, die versuchen gerecht zu leben, die den Mut haben mit Gott zu hadern, die Gott letztlich vertrauen.
Sodom und Gomorra sind sprichwörtlich geworden für die Um- und Zustände, die dort herrschten. Trotzdem liegt der Akzent dieser Stelle nicht auf der Bestrafung der Sünden, sondern auf der Rettung der Gerechten. Berührend ist, wie Gott seinen Freund Abraham ins Vertrauen zieht. Der Patriarch spricht mit Gott in einem vertraulichen Ton, eindringlich, ja gerade zu aufdringlich. Als "Vertrauter" Gottes kann er Fürsprecher und Heilsvermittler für andere werden. Er trägt Verantwortung für das Heil oder Unheil anderer Menschen, Gott läßt ihn mitreden und entscheidet nicht über die Köpfe hinweg.
Rettung oder Strafe
Im Alten Testament gilt oft der Grundsatz, daß die Schuld einer Gemeinschaft auch auf dem persönlich Unschuldigen lastet. Abraham versucht diesen Grundsatz umzukehren, dahin gehend, daß die Gerechtigkeit einzelner auch eine schuldig gewordene Gemeinschaft retten kann. Die Gerechtigkeit Gottes ist also so zu verstehen, daß es ihm nicht darum geht, Sünder zu bestrafen, sondern die "Gerechten", d.h. die Unschuldigen, die Rechtschaffenen zu retten und mit ihnen sogar die von der Schuld geprägte Gemeinschaft. Das Argument, warum Gott Abraham ins Vertrauen zieht ist Gen 18,18: "Abraham soll doch zu einem großen mächtigen Volk werden, durch ihn sollen alle Völker der Erde Segen erlangen." Heil und Segen ist der Grund dafür, daß Gott Abraham provoziert, Fürbitte zu leisten. Das Minimum an Gerechten, für die sich Abraham die Schonung der ganzen Stadt erbitten zu traut, sind zehn, daß heißt, zehn Familienväter samt ihren Familien und Gesinde. Eine Familie kann nur eingebettet in eine größere Gemeinschaft überleben.
Retten, was zu retten ist
In der folgenden Erzählung erweist sich aber Lot, der Neffe Abrahams als der einzige Gerechte in der Stadt. Obwohl Lot bereit ist, alles zu geben, sogar das Äußerste zu tun, indem er seine Töchter preisgeben würde, wird er von der Gemeinschaft der Stadt ausgeschlossen, weil er Gastfreundschaft geübt hat. An dieser Gemeinschaft ist nichts mehr zu retten, nicht einmal mehr ihre Funktion als Überlebenshilfe, weil sie für Lot sogar zur Bedrohung wird. Lot, seine Frau und seine beiden Töchter werden aus der Stadt hinaus geführt, unter der Bedingung, nicht zurück zu schauen. Lot und seine Töchter klammern sich nicht an Vergangenes, sondern suchen nach neuen Überlebensmöglichkeiten für die Zukunft: eine kleine Stadt, die ihnen Schutz und Sicherheit bieten kann. Nur die Frau Lots schaut zurück und erstarrt zu einer Salzsäule. Indem sie zu sehr an Altem hängt, nimmt sie sich die Möglichkeit neuen Lebens.
Im Evangelium vom Unkraut im Acker wird es anders sein. Da bleibt das Unkraut zunächst verschont, um die gute Saat nicht zu gefährden, Später aber erlebt Unkraut auch Untergang.
Die Geschichte schließt an die Begegnung unter den Eichen von Mamre an, wo Abraham die Verheißung der Geburt Isaaks bekommt. Gott zeigt ihm: Auf dir liegt mein Segen. Den will Abraham nun für die Bevölkerung Sodoms einsetzen.
Während der Verhandlung zwischen Jahwe und Abraham sind die Begleiter schon unterwegs, um zu zerstören. Die Bedrohlichkeit der Lage wird sichtbar.