Wer unlängst einen (höheren) runden Geburtstag gefeiert hat, der kennt das bestimmt. Man beginnt sich Gedanken über sein Leben zu machen. War es das? Und mitunter hält man eine Rückschau auf das, was man bis jetzt erlebt und erreicht hat. Man erinnert sich auch an seine Kindheit und Jugendzeit, an jene Orte, wo man geboren, wo man aufgewachsen ist, wo man einen wichtigen Teil des Lebens verbracht hat. Solche Orte sind vielen wichtig. Und gerne geht der Mensch an diese zurück. Denn sie markieren Lebensabschnitte.
Je mehr man von einem Menschen weiß, desto besser kennt man ihn. Immer wieder rufen Jugendliche auf den Internetseiten von sozialen Netzwerken auf, doch hinaufzuposten, wann man wie diese Person kennengelernt hat, was man von ihr alles weiß. Dann würde man wissen, wer zu den sogenannten echten Freunden zählt.
Heute feiern wir das Fest der Geburt Mariens. Diese Person ist uns allen wichtig. Wir vertrauen ihr. Wir hoffen auf ihre Fürsprache. Sie ist uns nahe und vertraut. Sie ist die Mutter Jesu. Sie begleitete ihn auf seinem Weg. Sie stand unter seinem Kreuz. Sie war nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt bei den Jüngern. Sie wurde uns zur Mutter der Kirche.
Doch was wissen wir eigentlich tatsächlich von ihr? Wenn wir die biblischen Befunde lesen, nicht so viel. Historisches ist noch weniger von ihr überliefert. Nicht Maria selbst, sondern schon die frühen Christen gaben sich nicht damit zufrieden. Es entstand das Jakobus-Evangelium, in dem über die Umstände der Empfängnis und der Geburt Mariens geschrieben steht. Sie wollten Orte haben, wo sie ein Stück der Lebensgeschichte Mariens nachgehen konnten. Und so schufen sie solche Orte. Diese Orte sind historisch nicht belegt. Es sind vielmehr Orte des Gedenkens. Dieses Gedenken und die Gebete, die dort im Laufe der Geschichte gesprochen und erwogen worden sind, machen diese Orte bis heute so wertvoll.
Wenn man durch Jerusalem geht, dann kommt man auf dem Weg von der Via Dolorosa Richtung Ölberg an der St. Anna-Kirche vorbei: Hier ist Maria geboren. Schon sehr früh wurde diese Kirche als Ort des Gedenkens an Mariä Geburt geschaffen. Die alte Kreuzritterkirche zählt zu den ältesten in Jerusalem. Und bald schon hat man nicht allein einen Ort, sondern auch einen passenden Geburtstag für Maria gefunden: 8. September, 9 Monate nach dem 8. Dezember. Weder Ort noch Tag sind also historisch. Zu Recht kann man sich nun fragen: was soll dann das Ganze?
Es ist Ausdruck der Sehnsucht des Menschen, für das Gedenken an einen lieben, wertvollen Menschen eine gewisse Ordnung zu schaffen. Jetzt ist eine gute Zeit, dort ist ein guter Ort dafür. Viele Menschen haben das mehr oder weniger ausgeprägt.
Dieser ausgewählte Ort, an dem viele Christen der Geburt Mariens gedenken, ist ein Ort, der kaum Schmuck braucht, der bereits in seiner Schlichtheit erhaben wirkt. Es ist ein Ort, in dem vieles zu klingen kommt. Ein Kirchenraum, der mit seiner Akustik besticht und Menschen zum Staunen bringt. Viele Pilger und Pilgerinnen, die da vorbeikommen, stimmen ein Salve Regina an. Wie gewaltig ist es dort, einen Ton nach dem anderen zu singen, wenn möglich mehrstimmig. Vielleicht einen Dreiklang.
Dieser Dreiklang ist ein schönes Bild für das menschliche Leben, und auch für das Leben Mariens.
Da gibt es jenen Grundton, der immer da ist, der tragende Ton: Der Grundton ist die Lebensgeschichte, meine Biographie. Teil von mir selbst. Teil, den ich nicht abschütteln kann, Teil, der mich trägt.
Maria als Tochter des Joachim und der Anna, so die Überlieferung, hat auch ihre Biographie, einzigartig, von Anfang an unter einem besonderen Vorzeichen gestellt. Darum feiern wir das Fest von Mariä Empfängnis und das heutige Fest.
Der zweite Ton im Dreiklang ist der belebende, der anregende, bewegende Ton: meine Sehnsucht. Was will ich noch? Oder habe ich bereits alles erreicht? Da bin ich. Dort will ich hin. Wohin treibt mich die Sehnsucht meines Herzens?
Vom Evangelium wissen wir, dass Maria mit Josef verlobt war. Anscheinend sollte sie ein ganz normales Frauenleben haben, eingebunden in eine Familie, betraut mit den Aufgaben einer Ehefrau und Mutter.
Da gibt es aber im Dreiklang noch den dritten Ton, den unruhigen Ton. Der Unruhe bringt. Von außen her dringt er auf mich ein. Die Not der Welt. Die Frage meines Vorgesetzten: "Kannst du dir nicht vorstellen, dass du vielleicht ...?" Die Frage des Seelsorgers: "Hast du dir eigentlich schon einmal Gedanken gemacht? Ich könnte mich dir gut als Diakon, als Pastoralassistentin, als Religionslehrerin ... vorstellen?" Dieser dritte Ton ist jener, der aufhorchen lässt. Und vielleicht auch genauer hinhorchen lässt. Vielleicht auch sogar gehorchen lässt. Der etwas im Leben in Bewegung bringt. Etwas verändern kann, wenn man auf ihn hört.
In Mariens Leben gab es auch diesen dritten Ton. Der Engel Gabriel brachte in ihr: "Du wirst ein Kind empfangen. Ihm sollst du den Namen Jesu geben." Und es ist uns bekannt, wie Maria darauf antwortete: "Siehe, ich bin eine Dienerin des Herrn. Mir geschehe, wie du gesagt." Das meint dienen: einem anderen die Handlungshoheit über mich geben. Nicht wissend, was auf mich zukommt. Beunruhigt sein. Aber doch auch voll Vertrauen. Es braucht auch diesen dritten Ton im Dreiklang. Sonst fehlt ihm etwas Entscheidendes. Und so braucht es im Leben wohl auch das Zulassen der Frage und auch dem Suchen einer Antwort darauf, was Gottes Wille für mein Leben ist, um zum vollen Leben zu kommen.
Maria hat mit ganzer Seele und auch mit ihrem Körper Ja zu Gottes Willen gesagt: sie wurde schwanger und hat uns den Heiland geboren. Und wie es jeder Mutter, jedem Vater ergeht, wird sie immer wieder, selbst unter dem Kreuz ihres Sohnes, Ja gesagt haben. Auch dann, wann es schmerzlich war.
Wir feiern heute den Geburtstag von Maria, der Mutter Jesu. Es ist der Gedenktag ihrer Geburt. Denken hat zu tun mit danken. Wenn wir uns jetzt in dieser Betrachtung vergegenwärtigt haben, wie sehr sie durch ihr Leben im Dreiklang als Werkzeug Gottes dienen konnte, so kommen wir unmittelbar ins Danken:
Wir danken dir, o Maria, dass du bereit warst, dich ganz auf die Botschaft des Engels einzulassen.
Wir danken dir, o Maria, für alles, was du in deiner Lebensgeschichte getragen und ertragen hast.
Wir danken dir, o Maria, auch dafür, dass du uns so nahe und vertraut bist, dass wir auf deine Fürsprache vertrauen dürfen.
Anmerkung: Als Vorlage für die Passage mit dem Dreiklang dienten persönliche Aufzeichnungen von Predigtimpulsen, welche der Exerzitienmeister in der Dormitio Jerusalem im März 2009 hielt.
Barmherziger Gott,
öffne deinen Gläubigen die Schätze der himmlischen Gnade.
Die Geburt des Erlösers aus Maria
war für uns der Anfang des Heiles;
das Geburtsfest seiner allzeit jungfräulichen Mutter
festige und mehre den Frieden auf Erden.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Fest Mariä Geburt
Herr, unser Gott,
dein eingeborener Sohn komme uns zu Hilfe
in seiner großen Liebe zu uns.
Seine jungfräuliche Geburt hat die Jungfräulichkeit der Mutter nicht gemindert,
sondern geheiligt.
Durch seine Menschwerdung heilige auch uns.
Nimm von uns alle Schuld
und mache dir unsere Gabe wohlgefällig.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Fest Mariä Geburt
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und bei der Verehrung
der seligen Jungfrau Maria
das Werk deines Erbarmens zu rühmen.
Du hast sie aus allen Menschen erwählt
und gesegnet vor allen Frauen.
In ihr leuchtete auf die Morgenröte
der Erlösung, sie hat uns Christus geboren,
die Sonne der Gerechtigkeit.
Durch ihn preisen dich deine Erlösten und
singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Mariä Geburt
Allmächtiger Gott,
du hast deine Gemeinde mit dem heiligen Sakrament gestärkt.
Erfülle uns mit Freude am Geburtsfest der seligen Jungfrau Maria,
denn sie ist die Morgenröte des Heiles
und das Zeichen der Hoffnung für die ganze Welt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Fest Mariä Geburt

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.