Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Amos.
Weh den Sorglosen auf dem Zion
und den Selbstsicheren auf dem Berg von Samária!
Ihr liegt auf Betten aus Elfenbein
und faulenzt auf euren Polstern.
Zum Essen holt ihr euch Lämmer aus der Herde
und Mastkälber aus dem Stall.
Ihr grölt zum Klang der Harfe,
ihr wollt Musikinstrumente erfinden wie David.
Ihr trinkt den Wein aus Opferschalen,
ihr salbt euch mit feinsten Ölen,
aber über den Untergang Josefs sorgt ihr euch nicht.
Darum müssen sie jetzt in die Verbannung,
allen Verbannten voran.
Das Fest der Faulenzer ist vorbei.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Amos.
Weh den Sorglosen auf dem Zion
und den Selbstsicheren auf dem Berg von Samária,
den Vornehmen des Ersten unter den Völkern,
zu denen das Haus Israel kommt!
Zieht hinüber nach Kalne und seht!
Geht von da nach Hamat-Rabba
und steigt hinunter nach Gat,
ins Land der Philister!
Seid ihr besser als diese Reiche?
Ist ihr Gebiet größer als euer Gebiet?
Ihr, die ihr den Tag des Unheils hinausschieben wollt,
führt die Herrschaft der Gewalt herbei.
Ihr liegt auf Betten aus Elfenbein
und faulenzt auf euren Polstern.
Zum Essen holt ihr euch Lämmer aus der Herde
und Mastkälber aus dem Stall.
Ihr grölt zum Klang der Harfe,
ihr wollt Musikinstrumente erfinden wie David.
Ihr trinkt den Wein aus Opferschalen,
ihr salbt euch mit feinsten Ölen,
aber über den Untergang Josefs sorgt ihr euch nicht.
Darum müssen sie jetzt in die Verbannung,
allen Verbannten voran.
Das Fest der Faulenzer ist vorbei.
Kv: Lobe den Herrn, meine Seele! – Kv
Oder GL 58,1
(Oder: Halleluja.)
Der Herr ist es, der Himmel und Erde erschafft, /
das Meer und alles, was in ihm ist. *
Er hält die Treue auf ewig.
Recht schafft er den Unterdrückten, /
Brot gibt er den Hungernden, *
der Herr befreit die Gefangenen. – (Kv)
Der Herr öffnet die Augen der Blinden, *
der Herr richtet auf die Gebeugten,
der Herr liebt die Gerechten. *
Der Herr beschützt die Fremden. – (Kv)
Er hilft auf den Waisen und Witwen, *
doch den Weg der Frevler krümmt er.
Der Herr ist König auf ewig, *
dein Gott, Zion, durch alle Geschlechter. – Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an Timótheus.
Du, ein Mann Gottes,
strebe nach Gerechtigkeit, Frömmigkeit, Glauben,
Liebe, Standhaftigkeit und Sanftmut!
Kämpfe den guten Kampf des Glaubens,
ergreife das ewige Leben,
zu dem du berufen worden bist
und für das du vor vielen Zeugen
das gute Bekenntnis abgelegt hast!
Ich gebiete dir bei Gott,
von dem alles Leben kommt,
und bei Christus Jesus,
der vor Pontius Pilatus das gute Bekenntnis abgelegt hat
und als Zeuge dafür eingetreten ist:
Erfülle deinen Auftrag rein und ohne Tadel,
bis zum Erscheinen Jesu Christi, unseres Herrn,
das zur vorherbestimmten Zeit herbeiführen wird
der selige und einzige Herrscher,
der König der Könige und Herr der Herren,
der allein die Unsterblichkeit besitzt,
der in unzugänglichem Licht wohnt,
den kein Mensch gesehen hat
noch je zu sehen vermag:
Ihm gebührt Ehre und ewige Macht. Amen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der erste und der zweite Brief an Timotheus und der Brief an Titus werden seit dem 18. Jahrhundert "Pastoralbriefe" genannt. Sie geben Anweisungen für die "Pastores", die "Hirten" und Leiter christlicher Gemeinden. Die paulinische Herkunft wird unter Exegeten nicht mehr für sicher gehalten. Die Pastoralbriefe könnte ein späterer, Paulus-begeisterter "Paulusschüler", verfaßt haben, der für eine veränderte Situation in der Kirche das Evangelium des Paulus verkünden wollte und der vielleicht um 100 in Kleinasien lebte.
Timotheus wurde von Paulus in Ikonien bekehrt und war von der zweiten Missionsreise an sein ständiger Begleiter (vgl. Apg 16,1-3). Wegen seiner Hilfe in der schwierigen Missionsarbeit wird er vom Apostel sehr geschätzt. Die Überlieferung kennt ihn als ersten Bischof von Ephesus (vgl. 1 Tim1,3; 2 Tim 1,6).
Zur Lesungsperikope: Angesichts der schweren Einbrüche des Irrglaubens in die Gemeinde, soll sich Timotheus im Glaubenskampf bewähren als Diener Christi an der Gemeinde. Paulus ist erschüttert, ihn trifft das Schicksal derer, die sich selbst und andere in den Untergang mit hineinziehen.
Der Apostel spricht Timotheus als "Mann Gottes" an, weil er, wie die alttestamentlichen Propheten, in einem besonders engen und nahen Verhältnis zu Gott steht, dem er durch Berufung (Taufe) und Amt (Weihe) sein ganzes Leben geweiht hat. Wie in einem Wettlauf soll er einem anderen Ziel nachjagen, jenen Tugenden, die sein Verhältnis zu Gott und den Menschen regeln. Denn Gott selbst hat Timotheus berufen und dieser hat mit seinem Bekenntnis geantwortet. Welches Bekenntnis hier gemeint ist – jener bei der Taufe oder jenes bei der Weihe - geht nicht eindeutig aus dem Text hervor.
Timotheus soll sich nach Paulus in einem heiligen Lebenswandel das "Gebot", den christlichen Glauben, bewahren, und zwar bis zur Ankunft Christi im Weltgericht. Die Wiederkunft Christi wird als "Epiphanie" - Erscheinung - bezeichnet. Das Wann der Erscheinung kennt der Mensch nicht. Gott allein kennt den Zeitpunkt. Der Christ muß sie erwarten und stets bereit sein.
Die Mahnung des Apostels klingt aus in einem Lobpreis Gottes. Vor Gott kann keine irdische Macht bestehen. Gott allein besitzt Unsterblichkeit und wohnt in unzugänglichem Lichte. Damit ist er jeder menschlichen Erkenntnis unerreichbar, wenn nicht Gottes Gnade den Menschen selbst zu Licht emporhebt. Am Ende steht ein Lobwort, in dem die ewige und unbeschränkte Macht Gottes hervorgehoben wird.
Halleluja. Halleluja.
Jesus Christus, der reich war, wurde aus Liebe arm.
Und durch seine Armut hat er uns reich gemacht.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit sprach Jesus zu den Pharisäern:
Es war einmal ein reicher Mann,
der sich in Purpur und feines Leinen kleidete
und Tag für Tag glanzvolle Feste feierte.
Vor der Tür des Reichen aber
lag ein armer Mann namens Lázarus,
dessen Leib voller Geschwüre war.
Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt,
was vom Tisch des Reichen herunterfiel.
Stattdessen kamen die Hunde
und leckten an seinen Geschwüren.
Es geschah aber:
Der Arme starb
und wurde von den Engeln in Abrahams Schoß getragen.
Auch der Reiche starb und wurde begraben.
In der Unterwelt,
wo er qualvolle Schmerzen litt,
blickte er auf und sah von Weitem Abraham
und Lázarus in seinem Schoß.
Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir
und schick Lázarus;
er soll die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen
und mir die Zunge kühlen,
denn ich leide große Qual in diesem Feuer.
Abraham erwiderte:
Mein Kind, erinnere dich daran,
dass du schon zu Lebzeiten
deine Wohltaten erhalten hast,
Lázarus dagegen nur Schlechtes.
Jetzt wird er hier getröstet,
du aber leidest große Qual.
Außerdem ist zwischen uns und euch
ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund,
sodass niemand von hier zu euch
oder von dort zu uns kommen kann,
selbst wenn er wollte.
Da sagte der Reiche:
Dann bitte ich dich, Vater,
schick ihn in das Haus meines Vaters!
Denn ich habe noch fünf Brüder.
Er soll sie warnen,
damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen.
Abraham aber sagte:
Sie haben Mose und die Propheten,
auf die sollen sie hören.
Er erwiderte: Nein, Vater Abraham,
aber wenn einer von den Toten zu ihnen kommt,
werden sie umkehren.
Darauf sagte Abraham zu ihm:
Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören,
werden sie sich auch nicht überzeugen lassen,
wenn einer von den Toten aufersteht.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Gesellschaftliche Gegensätze liegen oft nah beieinander, die Not liegt oft vor der eigenen Haustür und wir sind versucht, darüber hinwegzuschauen. Als Christen sind wir berufen, zu handeln und der Not abzuhelfen.
Wir haben gerade das Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus gehört. Ein kraftvolles, aber zugleich auch provozierendes Gleichnis, das auch uns Menschen heute herausfordern kann und gewisse Fragen aufkommen lässt: Wie leben wir? Wie begegnen wir unseren Mitmenschen? Wie nehmen wir sie wahr – und wie handeln wir in unserer Umgebung?
In dieser Erzählung werden Grenzen beschrieben. Grenzen zwischen Reichtum und Armut, zwischen Leid und Behaglichkeit, zwischen Hier und Dort. Und sie stellt uns vor die Frage: Welche Grenzen sehen wir und gehen vielleicht trotzdem vorüber und welche Grenzen überschreiten wir, um einander aufzurichten?
Im Evangelium begegnen wir heute zwei Menschen, die nahe beieinander leben – so nahe, dass Lazarus sogar direkt vor der Tür des Reichen liegt – aber dennoch sind ihre Welten getrennt. Der reiche Mann lebt in Prunk und Luxus. Er ist in seiner Welt komfortabel eingerichtet. Er hat alles, ist abgesichert und abgeschottet von seiner Außenwelt. Lazarus hingegen leidet. Er ist krank, wird verachtet und kann seinen Hunger nicht einmal mit den Essensresten stillen. Letztendlich stirbt er elend und hilflos. Einerseits hören wir von einer ganz engen räumlichen Nähe, andererseits besteht da eine tiefe moralische und soziale Distanz zwischen beiden Menschen. Größer könnte die Kluft zwischen Menschen nicht sein.
Aber: Das Gleichnis setzt eine Grenze, die keine Brücke mehr kennt: den Tod. Nach dem Tod tauschen sich die Rollen: Lazarus wird getröstet und liegt im Schoß Abrahams, der Reiche hingegen leidet große Qual. Abraham weist den Reichen darauf hin, dass er bereits zu Lebzeiten seine Wohltaten erhalten hat und dort schon die Unterschiede hergestellt wurden. Für alle die noch in der Welt leben, bleibt lediglich der Ausspruch des Abraham: „Sie haben Mose und die Propheten – auf sie sollen sie hören.“
Was heißt das heute für uns? Was können wir aus diesem Satz lernen? Konkret heißt er: Bleibt nicht egoistisch, schaut auf eure Mitmenschen und lebt die Liebe, die Jesus und die Propheten euch immer wieder verkündigt haben. Somit lautet der Auftrag an uns: Die Augen zu öffnen und nicht wegzuschauen, wenn wir das Leid und die Not am Rand der Gesellschaft sehen. All die obdachlosen, kranken, alten und vergessenen Menschen sind nicht weit entfernt von uns. Oft sind sie an unserer Tür – symbolisch oder real.
Es geht aber dabei nicht nur um persönliche Hilfe, sondern um eine Veränderung in unserer Haltung: es ist für uns Gläubige wichtig nicht nur zu sehen und zu erkennen, sondern auch nach Jesu Botschaft zu handeln. Dies erfordert Mut, Grenzen zu überwinden; sowohl sozial und räumlich als auch kulturell. Manchmal müssen wir aufstehen, sprechen, teilen und uns einsetzen, selbst wenn es unbequem wird. Dabei sollte es aber keine Grenze zwischen ,uns‘ und ,den anderen‘ gezogen werden. Es sollte keine Festlegung geben, wer dazugehören darf. Denn Gottes Gerechtigkeit und Gottes Barmherzigkeit sind universell gültig. Wir sind berufen, dass unsere Kirchen zu einem Ort werden, an dem Menschen Würde erfahren, wo Hoffnung wächst; auch durch unser konkretes Handeln.
Das Gleichnis bleibt nicht bei der Warnung stehen. Es beinhaltet die Verheißung, dass Gott hellhörig ist; besonders für jene, die leiden. Gott vergisst sie nicht. Uns stellt sich die Frage: Wollen wir zu jenen gehören, die Gottes Botschaft von Mitgefühl, Gerechtigkeit und Wandel weitertragen? Wir sind aufgerufen, Brücken zu bauen; Brücken zwischen Wohlstand und Bedürfnis, zwischen Sicherheit und Risiko, zwischen Wahrheit und Tat. Und wir dürfen glauben, dass der Herr uns dazu befähigt. Er gibt Kraft, Augen und Hände; für kleine und große Schritte.
Das Gleichnis vom reichen Mann und Lazarus ist keine Fabel über ,böse Reiche‘ und ,arme Opfer‘, es ist eine Einladung, eine Einladung zur Umkehr, zur Größe in unserer Liebe; eine Einladung, die Grenze des Schweigens zu überschreiten und aktiv Gottes Reich zu bauen – hier und jetzt. Mögen wir wachsen in Mitgefühl und im Mut, die Grenzen zu überschreiten, die uns trennen. Und mögen wir eines Tages am unüberwindlichen Abgrund der Ungerechtigkeit stehen und sagen dürfen: Ich habe gehört, ich habe gehandelt, ich habe Liebe gesucht und sie bei Gott gefunden.
Das Gleichnis vom Reichen und dem armen Lazarus endet ernüchternd. Für den Reichen scheint es keine Erlösung zu geben. Ich Gott so unerbittlich? Der unüberwindbare Graben besteht nicht in der Unbarmherzigkeit Gottes sondern in der Uneinsichtigkeit des Reichen. Uns möchte das Gleichnis die Augen öffnen für die Not der Armen und Schwachen.
In den Versen vor unserem Text steht Folgendes: Jesu kritische Worte zu Reichtum und Besitz hörten auch die Pharisäer, die sehr am Geld hingen. Diese lachten über ihn. Da erzählte Jesus ihnen die gerade gehörte Geschichte vom reichen und vom armen Mann.
Man fragt sich: Erstens warum der Reiche und der Arme keinen Kontakt hatten. Der Reiche lebt in Saus und Braus, und bemerkt gar nicht, dass da außerhalb seines Hauses, vor seiner Tür, noch andere, arme Menschen sind. Er lebt in einer geschlossenen Blase würden wir das heute nennen und ist offensichtlich überzeugt, dass das ganz in Ordnung ist. Und der Arme hat offenbar keine Chance sich irgendwie bemerkbar zu machen. Die einzigen, die ihn wahrnehmen sind die Hunde. Die spüren seine Not und lecken seine Wunden. Wir spüren die Ungerechtigkeit dieser Verhältnisse und sie regt auf. Diese beiden Menschen trennt ein offenbar unüberwindbarer Graben durch die Ignoranz des Reichen. Also wird der Ausgleich dieser Schieflage ins Jenseits verlegt. Dort wird dieses Unrecht beseitigt, indem dem Armen Gutes widerfährt, der Reiche aber bestraft wird. Das befriedigt unseren Gerechtigkeitssinn.
Doch dann wird es wieder irritierend. Abraham spricht vom unüberwindbaren Graben zwischen Strafort und Himmel. Es stellt sich die zweite Frage: Muss der Reiche ewig büßen und hat keine Chance gerettet zu werden? Das ist problematisch. Wir müssen genau lesen. Denn was der Reiche in der Unterwelt möchte, ist wiederum dasselbe, wie auf der Erde. Um sich selbst kreisend geht es ihm auch dort nur um sein eigenes Wohlbefinden.
Keinerlei Einsicht in sein Versagen ist zu erkennen, keine Reue über seine Ignoranz gegenüber dem Armen. Keine Bitte um Vergebung an den Lazarus, dass er ihn einfach hat verrecken lassen. Das ist der unüberbrückbare Graben zwischen ihm und Lazarus, nicht die Unbarmherzigkeit Gottes. Die Qualen in der Unterwelt sind der Ausgleich, der dem Reichen erfahrbar machen soll, wie das ist, wenn man von allen übersehen wird und keinerlei Hilfe bekommt. Diese Erfahrung soll den Reichen dazu führen, sein Fehlverhalten einzusehen und um Vergebung zu bitten. Solange das nicht geschieht, kann sich seine Lage nicht verbessern, ist Versöhnung nicht möglich.
Die Geschichte endet sehr ernüchternd. Wenigstens seine Brüder will der Reiche jetzt vor der Strafe retten. Damit kreist er nicht mehr nur um sich selbst, bleibt aber doch in seiner Blase und klammert die Armen, um die es eigentlich geht, weiterhin aus.
Abraham verweist ihn auf die Weisung Gottes im Alten Testament. Dort gibt es genügend einschlägige Stellen – eine haben wir in der Lesung gehört – die, wenn man sie beachtet auf den rechten Weg führen können. Dort wird ganz klar ausgedrückt, dass Gott auf der Seite der Armen, Ignorierten und Bedürftigen steht. Dort kann man lesen, dass Vermögende Verantwortung für jene tragen, die es nicht so gut erwischt haben. Es ist ihre Aufgabe für die Bedürftigen zu sorgen. Dort wird gesagt, dass Gott selbst für Gerechtigkeit sorgen wird, spätestens im Jenseits.
Die Brüder des Reichen, die von Jesus angesprochenen Pharisäer und auch wir, haben also alles, was wir brauchen, um zu verstehen, dass uns das Schicksal der Armen und Bedürftigen etwas angeht. Und es geht uns auch dann etwas an, wenn wir nicht daran schuld sind, dass es arme und bedürftige Menschen gibt.
Der wichtigste Schritt ist das Wahrnehmen der Not. Sehen, dass da welche sind, die sich nicht helfen können. Mitgefühl aufbringen für jene, die ein hartes Schicksal zu tragen haben. Sich nicht hinter der Ausrede: Da kann man nichts machen, die Verhältnisse sind halt leider so, verstecken, sondern nach Möglichkeiten und Strategien suchen, um die soziale Gerechtigkeit zu verbessern und die Kluft zwischen Arm und Reich zu verkleinern. Dazu möchte uns das heutige Evangelium ermutigen und motivieren.
Wenn wir hierher zum Gottesdienst kommen und dabei immer wieder aus den Heiligen Schriften hören, dass Gott auf der Seite der Armen steht, steigt unsere Chance wahrzunehmen, wer unsere Hilfe braucht. Die Pfarrgemeinschaft kann uns ermutigen, Wege des Teilens und der Unterstützung Bedürftiger zu finden und zu gehen. Die Caritas ruft uns immer wieder auf mit den Bedürftigen zu teilen. Wenn wir diesen Ruf hören und zum Handeln kommen, sind wir schon auf der richtigen Seite.
© Mag. Dorothea Schwarzbauer Haupt, Linz.
Die meisten Menschen betrachten Reichtum als "wohlverdiente" Besserstellung gegenüber den Ärmeren. Im Gleichnis vom "reichen Prasser und dem armen Lazarus" geht es einerseits um das Missverhältnis im Lebensstil des Reichen und der Not des Armen aber auch um das fehlende Mitgefühl des Reichen.
Sie haben vermutlich auch schon Luftschlösser gebaut und phantasiert nach dem Spruch „Wenn ich einmal reich wär'“. Der Milchmann Tewje, ein frommer, armer Jude im Musical „Anatevka“, ein Ort in Weißrussland, singt uns diesen Wunsch sogar vor: „Wenn ich einmal reich wär', wäre ich ein reicher Mann… bräuchte nicht zur Arbeit…“ u.s.w. Viele Menschen spielen Lotto oder andere Glücksspielarten wie z.B. 6 aus 45 und erhoffen so den großen Reichtum. Aber leider heißt es sehr sehr oft „NIX aus 45“. In diesem Spannungsfeld von arm und reich bewegen sich die biblischen Texte dieses Sonntags.
Während die einen nicht wissen, wie sie ihr Tagewerk über die Runden bringen, mehrere Jobs annehmen und noch immer armutsgefährdet sind oder trotzdem ins Elend abrutschen, leben andere - vermutlich nur ein kleiner Teil - in Saus und Braus wie im Schlaraffenland und geben dabei das Bild einer oberflächlichen Spaßgesellschaft ab.
In den biblischen Texten hat die Armut einen Namen: LAZARUS. Der Reiche, der im Evangelium erwähnt wird, bleibt namenlos. Den Reichen, die sich alles leisten können, droht der Weg in die Verbannung, so sieht es die Lesung aus dem Buch des Propheten Amos. Irdischer Reichtum bietet keine Sicherheit. Ein sicherer Weg wäre die Einhaltung der Gebote, das kommt auch im Evangelium zum Ausdruck.
Einen Kontrast zur ersten Lesung bietet der 1. Timotheusbrief an: Timotheus, ein Mitarbeiter des Paulus, der sich in Ephesus um die Verkündigung des Evangeliums müht, bekommt von ihm die Mahnung „unermüdlich nach Gerechtigkeit, Frömmigkeit, Glaube, Liebe zu streben.“ (1 Tim 6,11), weil er gegenüber seiner Gemeinde und Gott große Verantwortung hat. Diese Mahnung endet mit einem Lobpreis.
Das Evangelium spricht von der Armut vor der Tür des Reichen. Die Feststellung „Arme werdet ihr immer bei euch haben“, wie wir sie bei Mk 14,7 und den anderen Synoptikern finden, war Argumentgrundlage einer Vertröstungsmentalität auf das Jenseits in einer Zeit, in der Armut als unausweichliches Schicksal für eine große Masse der Bevölkerung gegolten hat. Man könne hier auf Erden kaum etwas dagegen tun, im Jenseits werde alles wieder gerecht verteilt werden. Dann gibt es weder Armut noch Elend.
Das Evangelium zeigt, dass Reichtum blind machen kann, obwohl damit auch viel Gutes bewirkt wird. Beispiele gibt es dafür auch heute genügend. Ein Leben träger Zufriedenheit kann auch auf Erden gefährlich werden, besonders dann, wenn Arme ins Elend abgleiten und diese Menschen sich (gewaltsam) holen, was sie brauchen.
Der Reiche im Evangelium besitzt alles, aber Wesentliches fehlt: GOTT. Die Herzenssklerose des Reichen zeigt sich in seiner Uneinsichtigkeit, die sogar über den Tod hinausgeht. Der tiefe, unüberwindbare Graben ist Symbol der Uneinsichtigkeit des Reichen, der schon im Diesseits nicht entstehen hätte dürfen. Der Reiche verstößt lebenslang gegen das Liebesgebot, weil er sich für den Anruf Gottes nicht öffnet. Wenn dieser reiche Mann namenlos bleibt, könnte es sein, dass er überhört hat, dass Gott auch ihn bei seinem Namen gerufen hat (vgl. Jes 43,1) und er so sein Leben lang orientierungslos geblieben ist, weil er auf Mose und die Propheten nicht gehört und somit das Wort Gottes nicht ernstgenommen hat.
Das Evangelium spricht auch von Abraham als „Vater im Glauben“. Nach jüdischer Auffassung ist er schon bei Gott und Lazarus wird in den Schoß Abrahams gelegt. Das Bild des Lazarus könnte auch auf Länder übertragen werden, wo Menschen in Krieg und bitterer Not leben und die Hilfe nur schwer realisiert wird durch Hinhaltetaktik in Friedensverhandlungen und Gewaltexzessen, etwa im Gazastreifen, im Sudan und anderen von Armut und Not gefährdeten Ländern.
Das Evangelium lehrt, dass es auch ein „zu spät“ gibt, einen „point of no return“; überall dort, wo Vertrauen, Hoffnung und Liebe zerstört wurden. Vergessen wir nicht, dass wir einst über unser Tun, aber auch über all unsere Unterlassungen Rechenschaft ablegen müssen.
Besitz ist Gabe und Herausforderung zugleich. Im Gleichnis vom reichen Prasser wird uns ein Mensch vorgestellt, der die Not des Armen neben sich nicht sieht. Jesus möchte uns die Augen für die Not in unserer Umgebung zu öffnen. Der arme Lazarus zeigt uns aber auch, was es bedeuten kann, sich in seiner Not Gott zu überlassen.
Der Name Lazarus bedeutet „Gott hat geholfen“. Die meisten Menschen werden diese Erfahrung gemacht haben, dass Gott ihnen geholfen hat. Aber auch die Gegenerfahrung werden sehr viele gemacht haben, Gott hat nicht geholfen.
Das Gleichnis vom reichen Prasser und armen Lazarus handelt von der jenseitigen Gerechtigkeit, vom wohlverdienten Lohn und der gerechten Strafe. Viele Menschen können problemlos ihre Verdienste aufzählen, dagegen fällt es Ihnen sehr schwer, ihre Sünden und Defizite zu benennen. Für viele ist die himmlische Gerechtigkeit ein Segen, weil dann die Guten belohnt und die Bösen bestraft werden.
Jesus lädt mich ein, den Blick auf mich zu richten und herauszufinden, wie kann ich mit meinem Vermögen ein guter Christ sein. Das Lukasevangelium fordert uns immer wieder heraus, die Frage nach dem rechten Umgang mit dem Besitz zu beantworten. Letztlich fordert Jesus von uns, dass wir die Freiheit haben, um seinet- und des Nächsten willen auf allen Besitz zu verzichten. Der reiche Prasser ist das andere Extrem. Obwohl er das Elend vor Augen hat, gibt er Lazarus noch nicht einmal den Abfall.
Jesus hatte die frustrierende Erfahrung gemacht, dass die Menschen aufgrund Ihres Reichtums, ihrer Gier und Habsucht, ihm nicht nachgefolgt sind. Denken wir an den jungen Mann, der ein großes Vermögen hatte oder an das Kamel und das Nadelöhr. Mit der Radikalität seiner Forderung greift der Herr auch die alttestamentliche Ethik und Kritik auf, die die Armen in den Mittelpunkt des Handelns stellt. Die Propheten wie z.B. Amos kritisierten scharf, dass der Kult gefeiert und die Armenliebe vernachlässigt wurde.
Was heißt das für uns heute? Ein ganz großes Thema ist die Zerstörung der Erde, sind die irreversiblen Schäden der Natur. Jetzt schon spüren wir die Auswirkungen. Lange Dürrezeiten und Regenfluten machen die Schöpfung Schritt für Schritt unbewohnbar. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass die reichen Industrienationen verantwortlich sind für die kaputte Schöpfung. Nur eine radikale Änderung des Produktions- und Konsumverhaltens kann den Zerstörungsprozess der Erde verlangsamen, von aufhalten kann schon keine Rede mehr sein.
Die Informationsmöglichkeiten machen uns zu Handelnden und Wissenden inmitten dieses von Menschen verursachten Klimawandels. Heute hält Jesus uns, den Umweltzerstörer:innen, den Spiegel des armen Lazarus vor Augen, um uns zur Achtsamkeit mit dem Nächsten und der Erde zu bewegen. Wir können darauf achten, wieviel Müll wir produzieren, wie fair wir einkaufen, was ist notwendig und was nicht, wie kann ich meinen Energieverbrauch senken usw.
Zugleich muss in uns die Frage brennen, wie ich dem Fernen und Nahen Nächster werden. Es gibt viele Möglichkeiten unseren Reichtum zu teilen. Eine Variante ist das Verzichten, um so einen Beitrag für die Erhaltung der Schöpfung zu leisten. Ein teilnahmsloser Reichtum macht uns namenlos, bedeutungslos (der Reiche bleibt im Gleichnis namenlos). Er versperrt den Weg zu Gott. Letztlich kann er zum Ausschluss aus dem Reich Gottes führen. Auf die Kirche bezogen: eine reiche Kirche, die nicht alles hergibt, ist unnütz.
Ein letzter Aspekt sollte unser Herz berühren. Es geht nicht nur um den himmlischen Trost, sondern auch um den Glauben und die Zuwendung Gottes im Hier und Jetzt. Die Großtat des Lazarus ist, dass er trotz seiner schlimmen Lebenssituation, trotz der täglichen Kränkungen durch den Reichen, nicht verzweifelt, nicht zerbricht, sondern weiter an Gott glaubt. Von Gott empfängt er jetzt schon den himmlischen Lohn. Auf den ersten Blick mag das ein schwacher Trost sein. Wir können nicht ermessen, was es bedeutet in der Finsternis ein Licht zu haben, in einer ausweglosen Situation nicht zu resignieren. Natürlich ist auch mit den göttlichen Gaben die menschliche Hilfe gemeint. Das Gleichnis will uns noch mehr zur Nächstenliebe motivieren.
Bitten wir den Herrn, dass er uns tröste und uns stärke, die Welt ein Stück besser zu machen.
© Pfarrer Michael Lehmler, kreidestern@me.com
Sorglosigkeit und Trägheit sind die großen Versuchungen der Reichen. Armut und Reichtum finden sich nebeneinander, und es fehlt der Blick für die Not der anderen.
„Allweil lustig, fesch und munter, geht die Welt auch morgen unter, machen wir uns gar nichts draus“…; ein Stimmungsmacherlied, das gut in die Heurigenszene oder zu einer Spaßgesellschaft passt, die von einem Vergnügen ins nächste taumelt.
Da hören wir in der ersten Lesung von Sorglosen und Faulenzern. Vorigen Sonntag ging es ums Leben auf Kosten anderer. Heute: Vergnügen ohne Ende, fehlender Weitblick. Man hat den Eindruck bei manchen Menschen, auch bei manchem Verantwortlichen in der Politik, dass unangenehme Themen wie Klimakrise, Pandemie, Energiekrise, Existenznot einfach weggezaubert werden durch verschiedene Ablenkungsmanöver, oft weicht der Weitblick politischem Gezänk.
Dann kommen die Wehe-Rufe: „Weh den Sorglosen!“ Und am Schluss dieser Perikope: „Das Fest der Faulenzer ist vorbei!“ Diese Kritik des Propheten Amos hineingesprochen in das Nordreich als Warnung an den letzten König (Jerobeam II. 782-747 vor Chr.), in dessen Regierungszeit es zu viel Wohlstand kam, könnte auch heute Teilen unserer Gesellschaft gelten. Faulenzer, bzw. geistig Träge, finden wir auch heute. Die Trägheit, eine Wurzelsünde, die bis zur Gleichgültigkeit, bis zur Apathie führt, alles ist egal. „Unsere Tage zu zählen, lehre uns.“ beten wir im Psalm 90,12. Darum: Nützen wir unsere Zeit!
Die zweite Lesung steht im Gegensatz: Timotheus hat eine Vorbildwirkung in Bezug auf Gerechtigkeit, die Wahrheit voraussetzt, Glaube als Vertrauen (cor- dare: Ich schenke dir mein Herz), Liebe als Gottesliebe, Selbstliebe und Feindesliebe, Standhaftigkeit: Kämpfe den guten Kampf des Glaubens, also Bemühen, Anstrengung durch die „enge Tür“ zu kommen. Leben heißt auch, sich den Herausforderungen zu stellen und braucht Vertrauen auf die Hilfe Gottes. Diese Vorbildwirkung soll auch in unserem Leben sichtbar werden. Das ist anstrengend, aber lohnenswert.
Das Evangelium greift nochmals das Thema der ersten Lesung auf. Die Spaßgesellschaft zeigt sich in verschiedener Weise. Die Tage vergehen, einmal kommt das Ende. Die Schätze im Himmel sind Werke der Nächstenliebe. Das hat der Reiche nicht verstanden, also Augen auf. Die Armut ist oft unsichtbar. Sie hat in diesem Evangelium einen Namen: L a z a r u s, das heißt: Gott hilft. Nicht der Arme soll bekämpft werden – eine Zeit hindurch hatten wir Bettelverbote, Sitzbänke an zentralen Orten wurden entfernt - sondern die Armut. Der Reiche im Evangelium sieht nur sein Wohlbefinden, seine Sicherheit.
Auf der Pfarrkirche St. Josef im 5. Bezirk befindet sich ein bemerkenswerter Spruch: „Den Reichen zur Mahnung, den Armen zum Trost, allen zum Heil.“ Die Kirche wurde damals in einem Armenviertel errichtet, ganz in der Nähe wohnten auch Wohlsituierte. Gemeint ist mit diesem Spruch: Allen, ohne sozialen Unterschied, steht das Heil zu. Die Kluft, der tiefe Graben, symbolisiert die Uneinsichtigkeit mancher Reicher, sodass jegliche Verbindung abreißt. Die Sünde des Reichen ist seine Passivität, seine Trägheit.
Jeder von uns lebt in beiden Rollen. Armut zeigt sich bei den Gemobbten oder dort, wo Familienleben oder am Arbeitsplatz zur Hölle wird. Reich werden wir, wenn wir Schätze für den Himmel sammeln, in guten Werken. Das können natürlich auch Geld- oder Sachspenden sein. Die stabilste Währung im Reich Gottes sind die guten Taten und keine noch so starke irdische Währung. Denken wir darüber nach, ob wir nicht auch manchmal in unserer Lebenswelt die Reichen sind, die Bitten abschlagen aus Bequemlichkeit, Ignoranz, aber auch darüber, wie oft auch wir selber aus verschiedenen Gründen als arm gelten.
Himmel und Hölle scheinen unendlich ferne zu sein, dass sie nicht ernst genommen werden. Himmel und Hölle können aber ganz nahe sein. Mitten unter uns können wir Hölle und Himmel wahrnehmen, wenn wir bereit sind, Wahrheiten anzuerkennen und anzunehmen.
Abraham ist im Himmel, Lazarus auf seinem Schoß – der reiche Mann schmort in der Hölle, die fünf Brüder wissen von nichts. Ein Bote aus dem Jenseits wäre doch sehr barmherzig, oder? Und richtig toll, wenn jemand von den Toten käme und uns das ganze Ausmaß der Unterwelt präsentierte! Da sollte doch das letzte Wort noch nicht gesprochen sein!
Doch Lukas, Evangelist, Chronist, Geschichtenerzähler von Gottes Gnaden schaut ein wenig verwundert drein. Mir wird schon leicht mulmig. Und dann legt er los. Ich halte den Atem an. Du hörst doch, was Flüchtlinge von der Hölle zu erzählen wissen, der sie zu entfliehen suchen? Du hörst doch, was Menschen berichten von ihrer zerstörten Heimat? Von Klima- und anderen Katastrophen? Du hörst doch die Erde klagen, die so viel unschuldiges Blut fressen und saufen muss? Du hörst doch! Du hörst doch schon lange! Die Worte werden immer schneller. Sie überschlagen sich förmlich. Ich weiß, ich weiß... Aber ich werde immer leiser. Ich möchte mich verstecken. Ohne eine Chance zu haben. Die Stimmen aus den Orten der Qualen verstummen nicht.
Wenn einer von den Toten zu uns käme? Sie sind längst da!
Abraham, halte uns doch die Toten vom Leib! Wie gerne würde ich DAS sagen. Also, ganz anders als die arme Seele in der Hölle. Sie hat Abraham förmlich genötigt. Es muss doch etwas geschehen! Das kann doch so nicht bleiben! Wir sehen einen Menschen, der in weiter Ferne das Glück vor Augen hat, aber stetig und unaufhörlich verkommt, ohne je ein Ende zu finden. Aber so weit die Distanzen auch sind, unüberbrückbar – Abraham hört zu, Abraham hält Zwiesprache. Zwiesprache zwischen Himmel und Hölle, zwischen Erlösung und Verlorenheit.
Das Gespräch ist kurz, mehr angedeutet als ausgeführt. Doch die Szene ist klar. In dem, was wir Jenseits nennen, kann das Glück nicht mehr geteilt werden. Es ist alles entschieden. Aber mir dämmert jetzt auch, dass die Geschichte tatsächlich einen anderen Ausgang, einen neuen Ausgang findet. Das Glück lässt sich vorher teilen. In einer Welt, in der die Hölle von Menschen gemacht wird. In der Menschen unheimliche Qualen erleiden müssen. In der Menschen verdammt sind. Wie in einem Spiegel soll ich das Jenseits im Diesseits sehen. Mit dem ganzen Ausmaß von Verlorenheit, Enge und Feuer. Lukas holt die Hölle tatsächlich von unten nach oben, von ganz fern nach ganz nah, vom Schreckgespenst zum Zeitgenossen. „Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von der Toten aufersteht.“
Lukas male immer nur schwarz-weiß, sagen seine Kritiker von Anfang an. Vielleicht ist das so. Vielleicht muss es auch so sein. Als feiner Beobachter von Menschen und ihren Verstrickungen hält er ihnen eine andere Welt vor Augen, die Welt Gottes. Und die erschließt sich im HÖREN – bei Mose, bei den Propheten. In der Schrift. Und Jesus sagt nicht einmal etwas Neues – oder Anderes. Überraschenderweise. Von Anfang an, heißt das, bahne sich Gottes Welt den Weg durch das Ohr! Hörbar. Fühlbar. Mal ganz leise, mal ganz laut. Mal zärtlich, mal unerbittlich. Wenn Gottes Wort in ein Herz einzieht, wird es mit seiner Liebe ausgefüllt. Dann wird im Leben eines Menschen der Himmel sichtbar. Die Welt Abrahams. Wir hören in dieser kleinen Geschichte die Hölle auf die Erde schwappen, hören aber auch, wie der Himmel offen bleibt. Auf Abraham und seinem Glauben haben Mose und die Propheten immer wieder verwiesen. Selbst, wenn er nicht präsent ist, steht er wie ein Vater über allem. Sogar über der Hölle.
Abraham aber, Lazarus auf seinem Schoß, sagt nur, was alle wissen, alle wissen können. Es steht nicht nur geschrieben, es geht uns schon lange durch Herz und Kopf. Dass der Reichtum unser Leben nicht reich machen kann. Dass der Reichtum die Welt teilt. Dass der Reichtum keinen Himmel schenkt. Und immer, wenn das Geld zum Schlüssel der Welt gemacht wird, wird die Welt verschlossen. Ich kann das hören. Eine Tür geht zu, viele Türen gehen zu.
Und irgendwo liegt ein Mensch. Vielleicht fällt etwas für ihn ab. Vielleicht auch nichts. Sogar mancher Hund weiß eine Geschichte zu erzählen. Die Geschichte, mit Füßen getreten zu werden. Ich weiß es eigentlich schon lange. Gehört habe ich es oft. Nicht nur von Mose, von den Propheten, von Jesus auch.
Lukas erzählt eine Geschichte, die er von Jesus gehört hat. Es ist ein kleiner Auszug aus einem Gespräch mit den Pharisäern. Was sie im Einzelnen besprochen haben, wissen wir nicht, nur, dass das Thema der Reichtum ist. Ein heikles Thema. Jesus äußerst sich kritisch und rechnet mit dem Reichtum ab. Aber nicht nur mit dem Reichtum! Der Reiche wird nicht weiter vorgestellt, zu seinem Leben nicht ein Wort verloren, aber er muss in die Hölle. Einseitig? Ungerecht? Nur weil er reich ist? Am liebsten würde ich mich jetzt erst einmal auf die Seite des reichen Mannes stellen. Armes Schwein! Er braucht meine Solidarität, meine Sympathie – mein Mitleiden.
Übrigens: Lazarus hat einen Namen. Hebräisch Elʿāzār, deutsch „Gott hat geholfen“. Der reiche Mann hat keinen Namen. Absicht? Irrtum? Nachdenklich schaue ich auf die Geschichte, die Jesus erzählt. Wo komme ich in ihr vor?
Ich höre den Propheten Amos.
„Weh den Sorglosen auf dem Zion
und den Selbstsicheren auf dem Berg von Samária!
Ihr salbt euch mit feinsten Ölen,
aber über den Untergang Josefs sorgt ihr euch nicht.“
Abraham ist im Himmel, Lazarus auf seinem Schoß. Der reiche Mann schmort in der Hölle. Und wir haben alles gehört!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Religionen sind versucht, auf ein Leben nach dem Tod zu vertrösten. Doch es muss auch ein Leben vor dem Tod geben, das sich nicht damit abfindet, dass die Welt ist, wie sie ist. Diese Hoffnung ist getragen vom Vertrauen, dass Gott hilft; nicht erst nach dem Tod.
Das Nebeneinander von Reichen und Armen durchzieht die Menschheitsgeschichte. Zur Lösung dieses Konfliktes ist es notwendig, einen Blick für Unrechtsituationen zu entwickeln und sich davon berühren zu lassen.
Die Geschichte vom reichen Prasser und dem armen Lazarus ist eine Parabel, die nicht nur von der Not eines Armen und der Rücksichtslosigkeit eines Reichen erzählt. Die beiden Gestalten können auch als Bilder für persönliche Erfahrungen als Armer, als Reicher, als Geschätzter oder als Verachteter verstanden werden. Empathie und ehrliche Selbsterkenntnis führen zu einem lösenden Umgang mit dieser Spannung.
Das Nebeneinader von Armen und Reichen ist auch heute Realität. Im Tod jedoch ändert sich alles. Das möchte in der biblischen Erzählung der Reiche seinen Brüdern durch den armen Lazarus mitteilen. Abraham weist diese Bitte zurück, den nicht einmal einem von den Toten Auferstandenen warden sie glauben…
In den Briefen des Apostels Paulus an die von ihm gegründeten Gemeinden und an seine Schüler zeigt er auf, wie wir Jesus nachfolgen können und in das alltägliche Leben einpflanzen können. Wie Jeus selbst auf jede Gewalt verzichtet hat, sollen auch wir Haltungen einüben, die Jesus ausgezeichnet haben.
(Eröffnungsgesang: GL 273,1-4)
Wie jeden Sonntag sind wir sind zusammengekommen vor Gott, um auf sein Wort zu hören und uns von seiner Botschaft berühren zu lassen. Mit dem Lied „O Herr, nimm unsere Schuld“ haben wir diesen Gottesdienst eröffnet – ein Lied, das uns an unsere Begrenztheit erinnert, an unsere Fehler und unsere Schuld. Aber auch an die Barmherzigkeit Gottes, der uns nie abweist, sondern annimmt, wenn wir ihn um Vergebung bitten. Dann wird er mit uns jeden Tag neu beginnen und uns seine verheißene Liebe zusprechen. In dieser Haltung der Demut, aber auch der Hoffnung, feiern wir diesen Gottesdienst und begrüßen ihn in unserer Mitte.
Der arme Lazarus kommt heute zu uns in den Gottesdienst. Er selbst wird nicht viel sagen. Aber seine Geschichte dreht die Welt um. Reichtum wird Armut, Armut Reichtum. Die Themen sind uns auch in dieser Woche begegnet. Viele Menschen kommen aus Armutsfallen nicht heraus, andere kaufen sich die Welt. Wir schwanken zwischen Entrüstung und Angst. Die Sorge, sozial abzusteigen, ist vielen Menschen anzumerken. Was kann uns glücklich machen?
Wir sind eingeladen, Schuld, Sorgen und Ängste bei Gott abzulegen. Ihn rufen wir an.
Unangenehmes sehen wir nicht gerne. Wir blenden es aus oder schauen darüber hinweg. Eigenes Fehlverhalten nehmen wir oft gar nicht wahr. Auf diese Weise gehen wir auch der Not, die uns oft ganz konkret begegnet, aus dem Weg. Wir finden Ausrede um Ausrede, um an unseren Bequemlichkeiten festhalten zu können. Wer aber den Tatsachen nicht ins Auge schaut, wird mit ihnen konfrontiert, wenn es vielleicht schon zu spät ist.
Jesus und vor ihm schon eine Reihe von Propheten wurden nicht müde, auf Ungerechtigkeit und Unrecht gegenüber den Armen hinzuweisen. Wir können uns nicht auf die Barmherzigkeit Gottes verlassen, wenn wir selbst unbarmherzig mit Menschen umgehen.
Bitten wir den Herrn, dass er uns die Augen für die Not der Menschen öffne und uns fähig mache, barmherzig miteinander umzugehen, damit wir selbst bei ihm Barmherzigkeit finden.
Jesus wurde nicht müde, einen barmherzigen Gott zu verkündigen. Dies hat bei manchen den Eindruck erweckt, dass es gleichgültig sei, wie die Menschen ihr Leben gestalten. Neben der Botschaft von der Barmherzigkeit ist ihm wichtig, dass wir Verantwortung für alles, was uns anvertraut ist, übernehmen. Wir schulden Gott und unseren Mitmenschen Rechenschaft darüber, wie wir mit unseren menschlichen Beziehungen und wie wir mit den Talenten, die wir ins Leben mitbekommen haben, umgegangen sind.
Am Beginn dieser Feier treten wir vor den Herrn hin und bitten ihn um Vergebung für alles, was wir an Verantwortung haben fehlen lassen.
Herr,
Geld allein macht nicht glücklich,
aber wir reden ständig darüber.
Herr, erbarme dich.
Christus,
du machst uns mit deiner Liebe reich,
aber sie ist uns oft zu wenig.
Christus, erbarme dich.
Herr,
wir stehen mit leeren Händen vor dir,
aber vor einander verstecken wir sie.
Herr, erbarme dich.
Auf Mose und die Propheten sollen wir achten, heißt es im Evangelium.
Der Prophet Jesaja ruft uns zu:
"Auf, alle Durstigen, kommt zum Wasser!
Die ihr kein Geld habt, kommt, kauft Getreide
und esst, kommt und kauft ohne Geld
und ohne Bezahlung Wein und Milch!
Warum bezahlt ihr mit Geld,
was euch nicht nährt,
und mit dem Lohn eurer Mühen,
was euch nicht satt macht?
Hört auf mich,
dann bekommt ihr das Beste zu essen
und könnt euch laben an fetten Speisen!
Neigt euer Ohr und kommt zu mir,
hört und ihr werdet aufleben!
(Jes. 55,1-3)
Ehre sei Gott in der Höhe!
Herr Jesus Christus,
deine Botschaft erleuchtet unsere Herzen.
Kyrie eleison.
Deine barmherzige Liebe verändert unser Tun und Denken.
Christe eleison.
Deine Taten fordern uns auf, in deine Nachfolge zu treten.
Kyrie eleison.
Herr, Jesus Christus,
du hast dir die Not vieler Menschen zu Herzen gehen lassen.
Herr, erbarme dich.
Du hast Gerechtigkeit und Barmherzigkeit eingefordert.
Christus, erbarme dich.
An deinem Tisch waren alle ohne Ausnahme willkommen.
Herr, erbarme dich.
Der Herr erbarme sich unser,
er schenke uns Mut und Kraft umzukehren
und führe uns zu ewigem Leben. – Amen.
Herr, Jesus Christus, Du hast uns aufgefordert:
"Seid barmherzig, wie euer Vater im Himmel barmherzig ist."
Herr, erbarme dich.
Du hast deinen Jüngern in Erinnerung gerufen:
"Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer."
Christus, erbarme dich.
"Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue"
sind für dich das Wichtigste am Gesetz Gottes.
Herr, erbarme dich.
Großer Gott, du offenbarst deine Macht
vor allem im Erbarmen und im Verschonen.
Darum nimm uns in Gnaden auf,
wenn uns auch Schuld belastet.
Gib, dass wir unseren Lauf vollenden
und zur Herrlichkeit des Himmels gelangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 26. Sonntag im Jahreskreis
Gott, unser Schöpfer.
Die Gegensätze in der Welt klagen uns an:
Reichtum und Not,
Hunger und Überfluß,
Sorglosigkeit und Leid stehen gegeneinander.
Hilf du uns allen,
daß wir aufhören, die Gegensätze zu verschärfen,
und anfangen,
einander Brüder und Schwestern zu sein.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Amen.
MB Auswahl 23
Gott, unser Vater.
Bedrückt vom Elend unserer Zeit,
kommen wir zu dir.
Sieh auf die Not und Hilflosigkeit so vieler Menschen.
Laß sie an ihrem Schicksal nicht zerbrechen.
Stärke unter uns
das Bewußtsein der Verantwortung füreinander,
damit wir anfangen,
brüderlich zu teilen und einander beizustehen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Amen.
MB Auswahl 16
Gnädiger Gott,
unser Richter und unser Heil,
du kennst unsere Gedanken
und weißt um unsere Schwachheit.
Öffne uns die Augen für die Not der Armen
und mache uns hellhörig für deinen Ruf.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt heute und alle Tage und in Ewigkeit.
WB 26. Sonntag im Jahreskreis C
Guter Gott,
wir sind hier zusammengekommen,
um dein Wort zu hören,
uns von deinem Geist berühren zu lassen
und gemeinsam zu feiern.
Schenke uns offene Herzen
und ein waches Ohr,
deine Botschaft in unserem Leben umzusetzen.
Lass uns deine Nähe spüren
in der Gemeinschaft, im Gebet und in der Stille.
Durch Christus unseren Herrn.
Herr, unser Gott,
immer wieder in der Geschichte der Menschen
machen wir die Erfahrung,
dass sich das Blatt von Haben und Entbehren
schnell wenden kann.
Die vielen Kriege und Naturkatastrophen unserer Zeit,
der Umgang mit den Gütern der Erde und unserer Umwelt
stellen uns vor große Herausforderungen.
Öffne uns heute neu für die Botschaft deines Sohnes,
damit ein besseres und gerechteres Miteinander
und ein verantwortliches Mitgestalten an deiner Schöpfung gelingen kann.
Das erbitten wir durch Jesus Christus,
unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Gott,
du hast, als du die Welt geschaffen hast,
das Chaos geordnet und uns einen Lebensraum geschenkt.
Wir danken dir für unsere reiche und schöne Erde.
Aber die Gräben zwischen arm und reich werden tiefer,
Größenwahn und Machtgier zerreißen die Welt,
viele Menschen sind längst unter die Räder geraten.
Lass uns in deinem Wort den Himmel entdecken,
wenn wir das Chaos, das wir anrichten, neu zu ordnen suchen.
Das bitten wir auf dein Wort hin
durch Jesus Christus, der uns in das Leben führt.
Dein Geist beschenkt uns mit Mut und Kraft.
Von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Wir rufen zu Gott unserem Vater, der uns in seinem Sohn seine Güte und Menschenfreundlichkeit offenbart hat:
Für alle, die in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Verantwortung tragen und tagtäglich Entscheidungen treffen müssen.
Leite sie durch deine Botschaft zu Gerechtigkeit und Frieden.
Für alle, die sich ehrenamtlich engagieren und viel Zeit für ihre Mitmenschen und die Gesellschaft investieren.
Lohne ihnen ihre Arbeit.
Für alle, die in der Kirche tätig sind; ob als Priester, Seelsorger oder Verkündiger. Schenke ihnen ein offenes Herz für deine Botschaft und lass sie diese zu den Menschen tragen.
Für die Umwelt, die immer mehr und mehr ausgebeutet und geschändet wird und für alle Menschen, die unter den Folgen des Klimawandels leiden.
Schenke den Menschen Achtsamkeit im Umgang mit deiner Schöpfung.
Für alle Kranken und Notleidenden und alle, die es schwer in ihrem Leben haben.
Schenke ihnen Begegnungen mit guten Menschen und bewahre sie vor Einsamkeit.
Für alle, die ihren Pilgerweg auf Erden schon vollendet haben.
Führe du sie heim in dein Reich und lass sie bei dir geborgen sein.
Denn du bist ein Gott des Lebens, der alles zum Guten vollenden wird.
Auf dich vertrauen wir heute und alle Tage unseres Lebens. – Amen.
Gott des Lebens, wir bitten dich:
Für alle Wohlhabenden, dass sie ihre Verantwortung für das Recht auf ein gutes Leben für alle Menschen erkennen.
Für jene, die ihre Stimme erheben, damit Arme und Bedürftige gesehen und gehört werden.
Für alle, die arm, hilflos und bedürftig sind; bei uns und weltweit, dass wir sie wahrnehmen und helfen.
Für die politisch Verantwortlichen, die gerechte Sozialgesetze beschließen können.
Für alle, die die Bibel auslegen, dass sie sich nicht um unbequeme Stellen herumdrücken.
Für die Gesellschaft, dass das Bewusstsein für das Gemeinwohl wachse und der Egoismus eingebremst wird.
Für unsere Verstorbenen und ihre Angehörigen.
Treuer Gott,
du liebst alle Menschen, höre unsere Bitten und stärke unseren Willen zur Veränderung. - Amen.
© Mag. Dorothea Schwarzbauer Haupt, Linz.
Schmerzhaft bemerken wir immer wieder in uns selbst die Kluft zwischen dem Wollen und Können.
In dieser Not bitten wir dich, Vater:
Für alle in deiner Kirche, die versuchen, deine Botschaft zu verstehen und gemeinsam im Heute unserer Zeit mit konkretem Handeln auf sie zu antworten.
Für alle vom Tod bedrohten Menschen in Gaza, in der Ukraine, in den jüngsten Erdbebengebieten und für alle Opfer rassistischer Gewalt oder ethnischer Verfolgung.
Für alle, die in ihrer prekären Lebenssituation keinen Wert im Weiterleben empfinden können, und für alle, die versuchen, ihnen beizustehen und Hoffnung zu vermitteln.
Für alle, die meinen, sich vom Leben alles selbst nehmen zu müssen, und für alle, die immer neu auf der Suche nach dem sind, was du für sie bereithältst.
Für alle, die im Angesicht des Todes der Wirklichkeit ihres Lebens gegenüberstehen.
Es ist dein Geist, der alles bewegt und am Leben hält. So verwirklicht sich dein Reich auch heute in Kirche und Welt.
Um ihn bitten wir dich allezeit, jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Im Glauben geht es um ein Leben in Beziehung: in Beziehung zu Gott und zu unseren Mitmenschen.
Darum lasst uns miteinander und füreinander beten:
Um einen weiten Blick auf die verschiedenen Möglichkeiten, in denen Glaube in den Ortskirchen und in der Weltkirche authentisch gelebt wird.
Um die Bereitschaft in Zeiten sozialer und politischer Instabilität die Gräben, die durch gedankenlose und selbstgerechte Lebensweisen entstehen, zu überwinden.
Um ein offenes Herz mit dem wir uns von den anderen zwar fordern lassen aber dadurch auch einander bereichern.
Um deinen Geist, der uns hilft, die Zeichen der Zeit zu erkennen, auf globale Warnsignale zu reagieren, Erkenntnisse der Forschung und Wissenschaft in unsere Entscheidungen einzubinden und für die eigenen Fehler nicht andere verantwortlich zu machen.
Um einen festen Glauben, dass auch wir durch Jesu Tod und Leben zur Vollendung in dir gelangen.
Diese und alle persönlichen Bitten, die wir still im Herzen tragen, bringen wir zu dir Vater, durch Jesus, unseren Retter und Heiland, im Heiligen Geist. - Amen.
Herr Jesus Christus,
du bist der Freund der Armen,
dir vertrauen wir unsere Bitten an:
Überall auf der Welt ist Krieg.
Gib den Verantwortlichen Ideen, Wege zum Frieden zu finden.
Christus, höre uns. - Christus, erhöre uns.
Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer.
Lass sie durch uns kleiner werden.
Lazarus hat trotz seines Elends unerschütterlich auf Gott vertraut.
Schenke uns Mut zum Glauben.
Mit Lazarus vertrauen wir einer überirdischen Gerechtigkeit.
Lass unsere Verstorbenen am himmlischen Festmahl teilhaben.
Denn du bist der Herr der Lebenden und nicht der Toten.
Darum bitten wir dich, Christus, unseren Herrn. - Amen.
© Pfarrer Michael Lehmler, kreidestern@me.com
Das Evangelium schenkt uns einen Blick in den Himmel und einen Blick in die Hölle.
Wir lesen die Schlagzeilen der Woche.
„Die Erde brennt lichterloh“ - „Absolut verheerend“ für die Menschheit. – „ihr habt mir meine Kindheit gestohlen“.
Vor Gott sprechen wir unsere Sorgen, Ängste und Bitten aus:
Herr, viele Menschen kommen kaum über die Runde. Manche von ihnen sind schon lange in einer Armutsfalle und finden nicht heraus. Ihre Kinder fühlen sich oft ausgeschlossen. Die gesellschaftlichen Möglichkeiten, ihnen zu helfen, sind beschränkt. Ein würdiges selbstbestimmtes Leben lässt sich auch nicht von außen regeln. Wir stoßen auf Grenzen und können sie oft nicht überwinden.
Schenke uns Ideen, Menschen auf ihrem Weg zu begleiten.
Herr, erbarme dich.
Herr, jeden Tag holen uns bedrohliche Nachrichten ein. Die Welt ist klein. Was irgendwo geschieht, wird medial aufbereitet, gesendet und kommentiert. Aber wir bekommen nicht alles mit. Viele Gesichter bleiben uns verborgen. Wir spüren den Hass, der polarisiert und Menschen gegeneinander aufbringt.
Schenke uns die Kraft, im Wirrwarr deine Ordnung zu suchen.
Herr, viele junge Menschen verschaffen sich auf Straßen und vor internationalen Gremien Gehör. Sie klagen Politiker und Unternehmen an, ihrer Verantwortung für Klimaveränderungen nicht gerecht zu werden. Sie fragen danach, wie teuer unser Lebensstandard ist. Mit ihnen fürchten viele Menschen, dass wir nur eine zerstörte Welt vererben können. Viele haben Angst, dass nach uns tatsächlich die Sintflut kommt.
Schenke uns die Offenheit, unsere Abhängigkeiten und Bequemlichkeiten aufzubrechen.
Herr, Flüchtlingslager wachsen in vielen Gegenden zu großen Elendsvierteln. Hier, fernab geordneten und guten Lebens, haben viele Menschen keine Zukunft, Kinder keine Bildung, Alte keinen Lebensabend. Viele Menschen suchen ihr Glück in der Flucht über Meere und Berge. Aber die Grenzen, auf die sie stoßen, sind oft unüberwindlich und mit Abneigung und Fremdheit eingezäunt.
Schenke uns die Klarheit, Menschen mit Liebe zu begegnen.
Herr, vor Wahlen werden selbst kluge Menschen dazu verleitet, sich von einer Nichtigkeit in die nächste treiben zu lassen. Häuser, Bäume, Laternenpfahle werden zu Propagandawänden, Parolen zu Waffen. Für viele Menschen ist Politik ein schmutziges Geschäft geworden, die Demokratie verlottert. Sie sehnen sich nach einfachen und klaren Verhältnissen.
Schenke uns den Mut, für Meinungsvielfalt, Wahrheit und Recht einzutreten.
Herr,
wir danken dir, dass von Anfang an dein Wort Quelle und Oase, Richtschnur und Horizont ist.
Schenke uns den Mut des Mose und die Wachsamkeit der Propheten,
die Liebe Jesu und die Weite deines Geistes.
Oft besteht eine große Kluft zwischen dem, wie Menschen nach außen erscheinen, und dem, was sie innerlich ersehnen und notwendig brauchen. Deine Botschaft befreit uns von der ausschließlichen Bindung an Besitz und Ansehen und eröffnet uns die Möglichkeit in Einheit mit dir, unseren Mitmenschen und uns selbst zu leben.
Dich bitten wir:
Deiner Kirche hast du den Auftrag gegeben, deine Botschaft authentisch weiterzugeben.
Hilf uns, unseren Beitrag dazu zu leisten.
In den vergangenen Monaten haben uns die politischen Parteien ihre Vorhaben zur Beseitigung sozialer Ungerechtigkeit vorgestellt.
Hilf den gewählten Mandataren, gerechtfertigte Forderungen im Blick zu behalten und nicht eigenem Profitdenken zu opfern.
Unverbindliches miteinander zu reden schafft in unseren sozialen Beziehungen oft Brücken zueinander.
Hilf uns, dabei aber nicht stehen zu bleiben sondern die anderen mit echtem Interesse an ihrer Person zu überraschen.
Eigenliebe und Gleichgültigkeit schafft keine wahren Freunde.
Hilf uns, dass in den fast grenzenlosen Möglichkeiten der digitalen Welt unsere Sehnsucht nach echten und tiefen Beziehungen nicht untergeht.
In Liebe und Wertschätzung erinnern wir uns an unsere lieben Verstorbenen, die ihren Glauben bis ans Ende bewahrt haben.
Beten wir für sie.
Von dir, Gott, kommt alles Leben.
Begleite uns und bestärke uns in unserem Streben
nach Glaube, Liebe und Hoffnung
jetzt und allezeit. - Amen.
Guter Gott und Vater,
unsere Welt ist voll Not und Ungerechtigkeit.
Wir bitten dich um deine Hilfe:
Wir bitten für alle, die vom Wohlstand unserer Gesellschaft ausgeschlossen sind.
Lass sie die nötige Berücksichtigung ihrer Probleme im öffentlichen Leben finden.
Wir bitten für alle, die durch einen Schicksalsschlag beeinträchtigt sind
und die schwer zu kämpfen haben.
Lass sie Menschen finden, die ihnen beistehen.
Wir bitten für alle, die ihre Heimat verlassen haben,
um anderswo menschenwürdige Lebensmöglichkeiten zu suchen.
Lass sie einen Platz finden, wo sie ausreichend gut leben können.
Wir bitten dich für alle Menschen, die tagtäglich hungern.
Lass sie teilhaben am Überfluss und an den reichen Ernten unserer Erde.
Wir bitten für alle, die in Not und Elend umgekommen sind.
Lass sie Gerechtigkeit in deinem himmlischen Reich finden.
Herr, wir vertrauen darauf, dass du kommen wirst
und Gerechtigkeit für alle Menschen schaffen wirst.
Dir sei Preis und Dank in Ewigkeit. – Amen.
Barmherziger Gott,
nimm unsere Gaben an
und öffne uns in dieser Feier
die Quelle, aus der aller Segen strömt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 26. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
du hast Brot und Wein geschaffen,
um uns Menschen in diesem vergänglichen Leben
Nahrung und Freude zu schenken.
Mache diese Gaben zum Sakrament,
das uns ewiges Leben bringt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 5. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger Gott,
alles, was wir haben, kommt von dir.
Nimm die Gaben an, die wir darbringen.
Mache sie für uns in diesem Leben
zum Sakrament der Erlösung
und rufe uns an deinen Tisch im kommenden Reich.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 1. Adventsonntag
Gütiger Gott,
nimm diese Gaben an, die wir auf deinen Altar legen.
Segne sie, damit sie uns Anteil geben an der ewigen Verheißung
und öffne unsere Herzen,
damit wir dieses Sakrament mit offenen Herzen empfangen.
Darum bitten wir jetzt und in Ewigkeit.
Reich bist du, Gott, an Erbarmen,
leer sind unsere Hände.
Fülle sie mit deinen Gaben,
Brot und Wein.
Fülle sie mit deinem Wort,
Leib und Blut unseres Herrn.
Fülle sie mit deinem Geist,
dann schmecken wir dich,
deine Liebe.
Sie verwandelt unser Leben.
Kehrvers:
Danket dem Herrn, denn er ist gütig,
denn seine Huld währt ewig.
(GL 558,1)
Wir danken dir Gott und Vater,
dass du ein Herz für die Armen und Schwachen hast.
Du nimmst sie in Schutz durch deine Gebote und Weisungen.
Kehrvers
Du hast auf das Schreien deines Volkes gehört,
als es in Ägypten unterdrückt wurde
und Sklavendienste zu versehen hatte.
Kehrvers
Deine Propheten haben Recht und Gerechtigkeit eingemahnt.
Als dein Volk von den Reichen und Mächtigen ausgebeutet wurde,
hast du ihre Opfer zurückgewiesen und sie in die Verbannung geführt.
Kehrvers
Jesus dein Sohn hat sich den Armen zugewandt
und ihre Sehnsucht nach dem Reich Gottes wahrgenommen.
Er hat sie seliggepriesen und ihnen das Himmelreich verheißen.
Kehrvers
Seine Weisungen mahnen uns,
dass auch wir den Bedürftigen Raum geben
und ihnen in der Not beistehen.
Kehrvers
Für all das danken wir dir
und singen wir dir unseren Lobpreis:
Danklied, z. B.: Den Herren will ich loben (GL 395)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn er hat Großes an uns getan:
durch seinen Tod und seine Auferstehung
hat er uns von der Sünde
und von der Knechtschaft des Todes befreit
und zur Herrlichkeit des neuen Lebens berufen.
In ihm sind wir ein auserwähltes Geschlecht,
dein heiliges Volk,
dein königliches Priestertum.
So verkünden wir die Werke deiner Macht,
denn du hast uns aus der Finsternis
in dein wunderbares Licht gerufen.
Darum singen wir
mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen
des himmlischen Heeres den Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn wir erkennen deine Herrlichkeit in dem,
was du an uns getan hast:
Du bist uns mit der Macht deiner Gottheit
zu Hilfe gekommen und
hast uns durch deinen menschgewordenen Sohn
Rettung und Heil gebracht
aus unserer menschlichen Sterblichkeit.
So kam uns aus unserer Vergänglichkeit
das unvergängliche Leben
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir jetzt und in Ewigkeit
dein Erbarmen und singen mit den
Chören der Engel das Lob
deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 3
Wir danken dir, treuer und barmherziger Vater,
für Jesus, deinen Sohn unseren Herrn und Bruder.
Seine Liebe galt den Armen und Kranken,
den Ausgestoßenen und Sündern.
An keiner Not ging er vorüber.
Sein Leben und seine Botschaft lehren uns,
daß du ein Gott bist, der sich der Menschen annimmt
wie ein Vater sich um seine Kinder sorgt.
Darum loben und preisen wir dich,
wir rühmen deine Güte und Treue
und verkünden mit allen Engeln und Heiligen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 3
Aufruf an alle, die sich Christen nennen:
Redet nicht nur von Freiheit
Lebt befreit und setzt euch ein für Unfreie
Redet nicht nur von Hoffnung
Seid selber Hoffnung für Hoffnungslose
Redet nicht nur von Freude
Seid voll Freude für alle Freudlosen
Redet nicht nur vom Frieden
Lebt friedvoll unter den Friedlosen
Redet nicht nur vom Feuer
Seid Licht und Wärme in der kalten Welt
Redet nicht nur vom Leben
Seid lebendig, wo es starr und leblos ist
Redet nicht nur vom Brot
Werdet selber zum Brot für die Hungernden
Redet nicht nur vom Wein
Teilt aus, was euch stärkt
Redet nicht nur von Gott
Zeigt euren Gott durch euer Leben.
Allmächtiger Gott,
in der Feier der Eucharistie
haben wir den Tod des Herrn verkündet.
Dieses Sakrament stärke uns an Leib und Seele
und mache uns bereit mit Christus zu leiden,
damit wir auch mit ihm zur Herrlichkeit gelangen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 26. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
in deinem Wort und Sakrament
gibst du uns Nahrung und Leben.
Laß uns durch diese großen Gaben
in der Liebe wachsen
und zur ewigen Gemeinschaft
mit deinem Sohn gelangen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 23. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
wir haben das Gedächtnis des Leidens Christi gefeiert
und das heilige Sakrament empfangen.
Was uns dein Sohn in unergründlicher Liebe geschenkt hat,
das werde uns nicht zum Gericht,
sondern bringe uns das ewige Heil.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 17. Sonntag im Jahreskreis
Herr Jesus Christus,
so wie du den armen Lazarus Anteil an deinem ewigen Gastmahl gegeben hast, so schenke auch uns die Gnade dir und unseren Mitmenschen mit einem offenen Herzen zu begegnen.
Lass uns nicht an unseren notleidenden Mitmenschen vorbeigehen,
sondern ihre Trauer und Angst, ihre Freude und Hoffnung teilen,
damit wir dereinst zu dir gelangen.
Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn. – Amen.
Guter Gott,
wieder waren wir geladen,
am Tisch deines Sohnes Platz zu nehmen.
Immer wieder lädt er uns ein,
Arme und Reiche,
um uns im sättigenden Mahl
die Wohltat deines gnädigen Mit-uns-seins
spüren zu lassen.
Schenke uns die Kraft,
in der vor uns liegenden Woche
auch unseren Mitmenschen so zu begegnen und
lass uns so zum Segen für andere werden.
Dich loben wir für deine Güte und Liebe zu uns,
der du bist mit deinem Sohn
und in der Kraft des Hl. Geistes,
heute und über alle Zeit, bis in Ewigkeit. – Amen.
Du, Gott, von dem alles kommt,
zu dem alles geht –
wir danken dir.
Für Abraham und Lazarus,
für den reichen Mann, der keinen Namen hat.
Wir bitten dich,
dass uns das Geld nicht gefangen nimmt,
Reichtum nicht blendet und
Armut nicht abstößt.
Hilf uns abzuwägen,
was uns tragen und halten kann,
was wir teilen und verschenken können,
was unser ist und was nicht.
Schenke uns Weisheit,
alles als geschenkt zu betrachten,
was uns jeden Tag reich macht.
Mit Christus, der uns den Himmel öffnet.
Ein Blick in die Weltgeschichte
zeigt es
arme Schlucker und reiche Prasser
hat es immer gegeben
Ein Blick in die Zeitgeschichte
muss aufrütteln
arme Schlucker und reiche Prasser
wer verantwortet diesen Missstand?
Unüberwindlich
scheinen Abgründe
in so manchen Köpfen
und auf Konten
JETZT
gilt es den Willen zu wecken
und Wege zu suchen
um Ausgleich zu schaffen
Milliardengewinne
Luxus
Geld
das nicht arbeitet
auf der einen Seite
DIE SÜNDE unserer Zeit
Anhaltende Zerstörung
und Ausbeutung
der Lebensgrundlage
auf der anderen Seite
Ausgleich
darf nicht erst im Jenseits
geschaffen werden
wenngleich
Jesus für jeden persönlich
in Aussicht stellt
was ihn erwartet
Wer beginnt
hier und heute
sich hinauszubegeben
aus der Komfortzone
aufs freie Feld
und für
soziale Gerechtigkeit
aufzustehen?
„Der ökologische Fußabdruck“ (die Größe der Landfläche, die ein jeder zum Leben braucht) macht eine krasse Ungleichheit zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden deutlich. Durchschnittlich beträgt er 2,8 Hektar pro Personen. Doch während er in den USA 9,6 Hektar groß ist, misst er in Brasilien nur 2,6 Hektar und in Bangladesh lediglich 0,5 Hektar.
Aus: Leonardo Boff, Die Erde ist uns anvertraut. Butzon & Bercker Verlag, Kevaeler 2010.
Die Erde hat genug für jedermanns Bedürfnise, aber nicht für jedermanns Gier.
Mahatma Gandhi, zitiert nach: Leonardo Boff, Die Erde ist uns anvertraut. Butzon & Bercker Verlag, Kevaeler 2010.
l euchtende
a bendsterne
z um trotz
a nzünden -
r austreten
u nd den himmel
s äen und ernten
l assen uns die
a bgründe
z eitlebens
a ußen vor - das
r eich gottes ist mir
u nwiderruflich in den
s choß gefallen. Amen
Aus: Leonardo Boff, Die Erde ist uns anvertraut. Butzon & Bercker Verlag, Kevaeler 2010.
Aufbauend
Wohlstand wachsend
Errungenschaften der Technik
warme Wohnungen
volle – ja übervolle – Teller
Reisen bis ans „Ende der Welt“
Reisen durch die „eine Welt“
ausblendend
dass es noch immer
die „3. Welt“ gibt
in der Armut herrscht –
auch –
weil wir sie ausgebeutet haben
ob wir jetzt
wo unsere Hintern kalt werden könnten
wo unsere Bitte:
„unser tägliches Brot gib uns heute“
neue Bedeutung bekommen könnte
ob wir jetzt
wo uns so VIELES
entgegenschlägt
ob wir jetzt bereit werden
endlich zu „einer Welt“
zusammenzuwachsen???
zu einer Welt
in der in jedem Land –
auch im eigenen –
jeder das Notwendige hat
in der die Kinder
und
Kindeskinder
aller Völker und Nationen
noch eine Chance haben???
werden wir uns
zum Umdenken
überzeugen lassen
und
handeln???
vielleicht gefriert
doch eher
die Hölle zu
Beatrix Senft 2022
Noch ist ZEIT
zur Selbstreflexion
zur sozialkritischen Analyse
zum Handeln
Die Geschwüre der Welt
heißen
Unrecht
Ausbeutung
Kinder verhungern lassen
Menschen ertrinken lassen
Reichtum ist kein Privileg
Reichtum ist Auftrag
Reichtum gehört
geteilt
Andernfalls
kommen beide um
Greta Thunberg hat Tränen in den Augen, ihre Stimme ist brüchig. "Wie könnt Ihr es wagen!", schleudert die 16-jährige Schwedin den Dutzenden Staats- und Regierungschefs in der voll besetzten Halle der UN-Vollversammlung mehrfach entgegen. "Ich sollte hier nicht sein, ich sollte zurück in der Schule sein auf der anderen Seite des Ozeans."
Ganzer Beitrag:
Papst Franziskus hat mit seiner neuen Enzyklika »Über die Sorge für das gemeinsame Haus zu den sozialen und ökologischen Krisen ungeheure Aufmerksamkeit erregt. Er tritt auf als Anwalt des geschändeten Planeten und der Armen. Die renditegetriebene kapitalistische Wirtschaft und der exzessive Lebensstil der Reichen gefährden die Zukunft des Planeten. »Wir kommen jedoch heute nicht umhin anzuerkennen, dass ein wirklich ökologischer Ansatz sich immer in einen sozialen Ansatz verwandelt, der die Gerechtigkeit in die Umweltdiskussionen aufnehmen muss, um die Klage der Armen ebenso zu hören wie die Klage der Erde« .
»Diese Wirtschaft tötet.« Mit diesen Worten hatte Papst Franziskus in seinem ersten Rundschreiben über »Die Freude des Evangeliums« im November 2013 weltweites Aufsehen erregt und für Irritation gesorgt. Man war ausgewogene und diplomatische Stellungnahmen aus Rom gewohnt, eine kurial verschnörkelte Sprache, mit der die Machthaber gut leben konnten. Doch jetzt sprach ein Papst Klartext. Er schleuderte der kapitalistischen Wirtschaft ein vierfaches Nein entgegen: »Nein zu einer Wirtschaft der Ausschließung, Nein zur neuen Vergötterung des Geldes, Nein zu einem Geld, das regiert, statt zu dienen und Nein zur sozialen Ungleichheit, die Gewalt hervorbringt.« Medien und die politische Klasse waren alarmiert. »Drei Wörter: ›Diese Wirtschaft tötet‹, härter geht das nicht. Falscher auch nicht.«Diesem Urteil der SZ pflichtet die FAZ bei: »Dass es zur Überwindung der Armut Marktwirtschaft und Kapitalismus braucht, kann dieser Papst nicht sehen. Genau das ist der Kern: Der Papst wagt es, den Kapitalismus als Ursache für ökologische Zerstörung und soziale Krisen zu benennen. [...]
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Töne steigen auf aus dem Ort meines tiefsten Schmerzes
Töne wimmernd erst hoch unendlich hoch
ein verzweifelter Kinderlaut und mehr sehr viel mehr
die Töne werden tiefer älter unendlich weit
eine Melodie entsteht ein Klagelied
mein Herz weint
ich höre mein weinendes Herz
Ich höre mit absoluter Klarheit und voller Mitgefühl,
dass es wahr ist:
überwältigt
geschunden
beschämt
verraten
verlassen
verstummt
Ja.
All dies höre ich, fühle ich.
Und mysteriöserweise hat diese Klage
eine immense Schönheit und Kraft.
Meine Seele ist lebendig in dem Schmerz und den Tönen.
Meine Seele ist nah und da und atmet auf.
Die Seele meines alten Volkes ist lebendig in dieser Klage
und atmet auf.
Die Seele der heiligen weiblichen Urkraft klingt mit
und hält das Leid.
In dem Erklingenlassen der Klage
ist die HEILUNG mitenthalten!
Das ist ein Akt der Liebe.
Das ist Verbundensein.
Das ist die Rückgewinnung der Würde und der Macht,
der Wahrheit und des Friedens.
Es geschieht einfach von selbst.
Wenn ich den Mut finde, mich so zu tönen und mir zu lauschen,
ist der Bann gebrochen.
Und auch der allerschlimmste Schmerz
- den eigenen Schmerz nicht fühlen zu dürfen -
kommt erleichtert nach Hause.
Shayaana S. Holtmann auf:
https://www.singenfuerdieerde.de/messe-f%C3%BCr-die-erde/%C3%BCber-das-klagen/
Der Erste Weltkrieg hat auch in unserer Region viele Spuren hinterlassen. Die zahlreichen Kriegsdenkmäler in fast allen Städten und Orten zeugen davon, dass auch viele Eifelaner ihr Leben lassen mussten. Im Kreis Daun wurden 1105 Soldaten getötet, 103 vermisst; allein Daun verzeichnete 62 Gefallene und 9 Vermisste, Gerolstein 41 Gefallene. Selbst in so kleinen Orten wie Neroth (26) und Deudesfeld (25) starben 10 % der Einwohner im Krieg. Durch Kriegsverwundungen in nie gekannter Dimension, blieben manche ein Leben lang gezeichnet.
Ganzer Beitrag:
1.
Gott Lob! Nun ist erschollen
Das edle Fried- und Freudenwort,
Daß nunmehr ruhen sollen
Die Spieß und Schwerter und ihr Mord.
Wohlauf und nimm nun wieder
Dein Saitenspiel hervor,
O Deutschland, und sing Lieder
Im hohen vollen Chor.
Erhebe dein Gemüte
Zu deinem Gott und sprich:
Herr, deine Gnad und Güte
Bleibt dennoch ewiglich!
2.
Wir haben nichts verdienet
Als schwere Straf und großen Zorn,
Weil stets noch bei uns grünet
Der freche schnöde Sündendorn.
Wir sind fürwahr geschlagen
Mit harter, scharfer Rut,
Und dennoch muß man fragen:
Wer ist, der Buße tut?
Wir sind und bleiben böse,
Gott ist und bleibet treu,
Hilft, daß sich bei uns löse
Der Krieg und sein Geschrei.
3.
Sei tausendmal willkommen,
Du teure werte Friedensgab!
Jetzt sehn wir, was für Frommen
Dein Bei-uns-wohnen in sich hab;
In dir hat Gott versenket
All unser Glück und Heil.
Wer dich betrübt und kränket,
Der drückt sich selbst den Pfeil
Des Herzleids in das Herze
Und löscht aus Unverstand
Die güldne Freudenkerze
Mit seiner eignen Hand.
4.
Das drückt uns niemand besser
In unser Herz und Seel hinein
Als ihr zerstörten Schlösser
Und Städte voller Schutt und Stein;
Ihr vormals schönen Felder
Mit frischer Saat bestreut,
Jetzt aber lauter Wälder
Und dürre wüste Heid;
Ihr Gräber voller Leichen
Und blutgen Heldenschweiß
Der Helden, derengleichen
Auf Erden man nicht weiß.
5.
Hier trübe deine Sinnen,
O Mensch, und laß die Tränenbach
Aus beiden Augen rinnen,
Geh in dein Herz und denke nach:
Was Gott bisher gesendet,
Das hast du ausgelacht,
Nun hat er sich gewendet
Und väterlich bedacht,
Vom Grimm und scharfen Dringen
Zu deinem Heil zu ruhn,
Ob er dich möchte zwingen
Mit Lieb und Gutestun.
6.
Ach, laß dich doch erwecken,
Wach auf, wach auf, du harte Welt,
Eh als das harte Schrecken
Dich schnell und plötzlich überfällt!
Wer aber Christum liebet,
Sei unerschrocknes Muts,
Der Friede, den er gibet,
Bedeutet alles Guts.
Er will die Lehre geben:
Das Ende naht herzu,
Da sollt ihr bei Gott leben
In ewgem Fried und Ruh.
Paul Gerhardt: Dichtungen und Schriften, München 1957, S. 285-287.
Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004825098
Was für eine Chance
vor meiner Tür
ich hab sie ignoriert
nicht gespürt
was mir fehlt
und ihm
dem ‚Armen‘
Wer
ist nun ärmer dran
end-gültig
betrachtet
„ER“ oder ICH?
Anfragen vor meiner Tür
an meine Lebenseinstellung
an meine Lebenshaltung
an meinen Lebensauftrag
an mein Lebens-Ziel
Wofür will ich leben?
Wo werde ich einmal sein
mit meinen gelebten und verprassten
Lebens-Chancen?
Welche Chance
‚sitzt‘ heut vor meiner Tür?
Und
worin
besteht meine VerANTWORTung?
Menschen-Würde
für ALLE
ein Grund-Satz der Himmels und der Erde
braucht mein entschlossenes Handeln
Eine Gruppe von Waste-Divern war in der Nacht zum Freitag in Ottakring unterwegs, um den ersten konsumkritischen Gratissupermarkt Wiens zu beliefern
Wien - "Heute ist Ananas-Tag!", freut sich David. Zehn, 15 Früchte leuchten uns aus der Biotonne am Wiener Yppenplatz entgegen. Doch die von den Brunnenmarkt-Händlern weggeworfenen Früchte sind tatsächlich zu weich. Also macht David den "dive", klettert in die Tonne und taucht ein. Fischt zunächst leere Maisblätter raus. Dann Paradeiser. Und Frühlingszwiebel: "Das geht in die richtige Richtung."
Aber "jetzt gemma zum Supermarkt", beschließt die Gruppe. Wir sind zu acht im nächtlichen Ottakring unterwegs. Eine von fünf Gruppen, die einen ganzen Supermarkt füllen will - mit weggeworfenen Lebensmitteln.
Auswüchse der Wegwerfgesellschaft
Der "wastecooking's free supermarket" wird dieses Wochenende im Rahmen des Kulturprojektes "Wienwoche" aufgesperrt und von der Salzburger konsumkritischen Kochshow "Wastecooking" betrieben. Hier kann sich jeder gratis bedienen - und absolut genießbare Lebensmittel mitnehmen, die Waste-Diver (Mülltaucher) nächtens aus den Mülltonnen fischen. Und sich über die Auswüchse unserer Wegwerfgesellschaft informieren.
Zur Sicherheit liegt im Supermarkt bereits eine Reserve bereit: eine Tonne Erdäpfel und 500 Kilo Karotten. Gemüse aus dem Marchfeld, das für den Abtransport in die Biogasanlage bestimmt war - einfach deshalb, weil es nicht der Norm entsprach. Als das Supermarkt-Team beim Bauern anfragte, meinte der nur: "Wie viel wollt ihr? Eine Tonne? Fünf Tonnen?"
Aber die Regale quellen auch so über. Bereits im ersten Müllraum eines Supermarktes werden wir fündig: Salate, Shrimpssalat (abgelaufen), Wurstsemmeln, Hartkäse - "den probier'n wir auf jeden Fall". Abgelaufener Brimsen -"riecht aber ganz frisch". Beim nächsten Supermarkt findet sich astreiner abgepackter Kürbis - im Restmüll. Trauben, zwei lebendige, zernepfte Rosmarinstauden. Und wieder - Ananas. Diesmal nehmen wir sie mit.
Im nächsten Müllraum stinkt es erbärmlich, aber das täuscht. "Jackpot!", jubelt David: Topfenstrudel, Toastbrot, Trauben, Karfiol, Pfirsiche, Zitronen, drei Blumenbüsche in Töpfen werden aus den Coloniakübeln gefischt.
Nicht alleine unterwegs
Und: Unsere Gruppen sind nicht alleine unterwegs. Als wir gegen 22 Uhr mit vollen Kisten und Säcken bepackt Richtung Supermarkt marschieren, sprechen uns drei junge Männer an: "Tschuldigung. Wart ihr schon beim Billa in der Ottakringer Straße?" - "Ja." - "Ah, gut, dann müssen wir dort nimmer hin." Und die Diver-Kollegen ziehen weiter.
Beim Supermarkt angekommen, wartet bereits das Hernalser Team, das frühzeitig abgebrochen hatte, weil sie mehr gefunden hatten, als sie schleppen konnten. Bei Durchsicht dieser Beute macht sich endgültig Fassungslosigkeit breit. Massenweise Cola, Eistee, Bier. Ein Zwei-Kilo-Sack Reis, der erst am 1. November abläuft. Aber 2014. Draußen wird bereits Gemüse gewaschen. Und Haltbarvollmilch im Tetrapak, die ebenfalls im Herbst 2014 abläuft.
Ein Drittel aller Lebensmittel vernichtet
Der Supermarkt hat in der Grundsteingasse 68 Freitag und Samstag 12-18 Uhr geöffnet, Sonntag 10-15 Uhr. Die Lebensmittel werden am Samstag ab 14 Uhr bei einer Wastecooking-Session zubereitet. Ab 19 Uhr gibt's gekochte kulinarische Kostproben. Und Sonntag ab 11 Uhr ein Waste-Brunch mit Expertengesprächen über "Supermarktfasten". Anmeldung erbeten.
Die Uno schätzt übrigens, dass mindestens ein Drittel der Lebensmittel weltweit vernichtet wird, bevor sie auch nur in die Nähe von Konsumenten kommen. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, 21./22.9.2013)
ROMAN DAVID-FREIHSL, 20. September 2013, 18:36 -
http://derstandard.at/1379291556346
Wenn von Globalisierung die Rede ist, denkt man zunächst an den rapide gewachsenen wirtschaftlichen Austausch. Das ist eine Seite des vielschichtigen Begriffes. Er hat sehr unterschiedliche Dimensionen (wirtschaftliche, ökologische, soziokulturelle, politische). Die Globalisierung birgt Chancen und unübersehbare Risiken. Längst nicht alle Globalisierung ist gut. Dass leicht verderbliche Lebensmittel unter hohem Energieverbrauch durch die ganze Welt geflogen werden, ist kein Fortschritt, sondern sinnlose Verschwendung. Dass Finanzkapital in gigantischer Größenordnung nahezu unkontrolliert in Sekundenschnelle von einem Ort der Erde zum anderen transferiert wird und schließlich ganze Volkswirtschaften ins Trudeln bringt, ist kein Gewinn. Dass die Nationalstaaten immer mehr an Bedeutung verlieren, ohne dass in gleichem Maße Instrumente einer Weltinnenpolitik entwickelt werden, dass mit dem schwindenden Einfluss der Nationalstaaten die soziale Kohärenz leidet, ist besorgniserregend.
Die Auswirkungen der Globalisierung sind zwiespältig. Es gibt Gewinner und Verlierer. Das herkömmliche Nord-Süd-Schema löst sich zunehmend auf.
- Das gilt für die Staaten: Ehemalige „Entwicklungsländer“ gewinnen weltweit Marktanteile und konkurrieren mit den Industrieländern. China wird 2008 „Exportweltmeister“ sein. Nicht wenige Staaten Südostasiens, aber auch Länder in Lateinamerika (Brasilien, Mexiko, Argentinien, Chile) erleben einen bemerkenswerten wirtschaftlichen Aufschwung. Ihre Rolle auf dem Weltmarkt lässt erkennen, wie sehr sich die Handelsbeziehungen und internationalen Verflechtungen verändert haben. Dagegen sieht es in den allermeisten afrikanischen Ländern nach wie vor finster aus.
- Innerhalb der einzelnen Staaten gibt es Bevölkerungsgruppen, die von der Globalisierung profitieren und andere, die verlieren. So sind mit dem Aufstieg Chinas und Russlands die internen sozialen Unterschiede enorm gewachsen. Auch in den traditionellen Industrieländern wie Deutschland wird die Kluft zwischen Reich und Arm größer. Globalisierungsverlierer und -gewinner leben in unmittelbarer Nachbarschaft.
Im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung werden viele Rohstoffe zu knappen Gütern. Das beeinflusst in erheblichem Maße die internationale Politik. China und der Westen wetteifern um die Gunst bestimmter afrikanischer Staaten. Statt als Motor der Entwicklung erweist sich der Rohstoffraubbau in Afrika oft als Fluch der Armen.
Unsere Welt ist durch die Migration gekennzeichnet. Vor allem die westlichen Staaten wetteifern um qualifizierte Zuwanderer, mit denen sie den ökonomischen Wettbewerb bestehen können. Sie wehren zugleich nach Kräften den Zuzug der Armen ab. Die Diskrepanz zwischen offenen Märkten und eisenharten Abschottungsmaßnahmen gegenüber unliebsamen Migranten ist entlarvend und beschämend zugleich.
Der Zusammenhang zwischen der Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums, den Regeln und Strukturen der internationalen Arbeitsteilung und der globalen Armut liegt auf der Hand. Er wird in den Medien kaum analysiert. Sondersendungen im Fernsehen oder Reportagen über den fairen Handel können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die weltweite Armut in den modernen Gesellschaften weitgehend verdrängt wird. Reich und Arm sind sich fremd und existieren beziehungslos nebeneinander, es gibt keinen Austausch. „Nicht nur Armut, sondern auch Reichtum muss ein Thema der politischen Debatte sein“, sagt das Sozialwort der Kirchen (220). Damit soll nicht der Sozialneid geschürt werden, sondern die soziale Gerechtigkeit Raum gewinnen. Im Bereich der Wirtschaft hören viele das Wort Umverteilung gar nicht gern. Wie anders soll ein Ausgleich aus der gewaltig gewachsenen Ungleichverteilung zwischen Arm und Reich in Gang kommen? Eine globalisierte Solidarität ist nicht einfach eine Ergänzung der gängigen ökonomischen, technologischen und politischen Globalisierung. Sie erlaubt sich, diese kritisch zu hinterfragen und sie aus ihrem oft kleinkarierten Eigennutz herauszuholen.
Aus: Franz Kamphaus, Die Welt zusammenhalten. Reden gegen den Strom. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2008.
Eine neue Weltpolitik ist unausweichlich. Die Folge der unregulierten Globalisierung sind wachsende Armut, Verteilungskonflikte zwischen Nord und Süd, Flüchtlingsbewegungen, kulturelle Konflikte, eine Zunahme des Terrorismus, Kriege und Umweltkatastrophen. Die negativen Folgen treffen die überwiegende Mehrheit der Menschen, vor allem in der südlichen Erdhälfte mit ihren Megastädten, was aber auf den Norden zurückwirkt. Es gibt daher keine Alternative zu einem verbesserten und für alle Staaten verbindlichen globalen Rahmen für die Weltwirtschaft. In diesem Rahmen müssen die ökonomischen Entwicklungen in Einklang gebracht werden mit den Erfordernissen der Umwelt, der humanen Grundrechte und der kulturellen Vielfalt auf dieser Erde. Die Voraussetzung hierfür ist ein hohes Maß an Toleranz und ein gemeinsamer Lernprozeß von Nord und Süd, der in einem fairen globalen Vertrag münden muß.
Im Jahr 2000 haben 189 Staaten einen Entwicklungsplan unterzeichnet, in dem beschlossen worden ist, bestimmte Ziele, die »Millennium-Entwicklungsziele«, zu erreichen. Das ist nicht gleichbedeutend mit einer gerechten Weltordnung und einer nachhaltigen Entwicklung, aber ein unverzichtbarer großer Schritt auf dem Weg zu einer Weltfriedens- und Weltwirtschaftsordnung, die sich am Menschen und an der Natur orientiert. Die Millennium-Entwicklungsziele sind:
- extreme Armut und Hunger beseitigen,
- die Grundschulbildung für alle Kinder garantieren,
- die Gleichstellung der Frauen fördern,
- die Kindersterblichkeit senken,
- die Gesundheit der Mütter verbessern,
- HIV/Aids, Malaria und andere schwere Krankheiten bekämpfen,
- ökologische Nachhaltigkeit gewährleisten und
- eine globale Partnerschaft für Entwicklung aufbauen.
Die Finanzierung
Um diese Ziele zu erreichen, sind mindestens 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr erforderlich. Dieser Betrag entspricht weniger als 0,3 Prozent des Weltbruttosozialprodukts und weniger als 0,01 Prozent der jährlichen Kapitalflüsse um unseren Globus.
100 Milliarden US-Dollar pro Jahr sind aufzubringen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Zunächst einmal müssen alle Industriestaaten endlich 0,7 Prozent ihres Bruttosozialprodukts für die Entwicklungszusammenarbeit bereitstellen. Außerdem müssen die USA und die Europäische Union die Subventionen für einheimische Agrarprodukte beenden, soweit diese Produkten in den Entwicklungsländern Konkurrenz machen. Die Entschuldung der ärmsten Länder muß weitergeführt werden.
Genauso wichtig ist die Schaffung neuer Finanzierungsquellen. Unverzichtbar ist die Abgabe auf weltweite Finanztransaktionen, gemeinhin Tobin-Steuer genannt. Eine EU-weite Einführung würde bei einem Steuersatz von 0,01 Prozent etwa 38 Milliarden US-Dollar einbringen, eine weltweite Einführung Erträge von etwa 125 Milliarden US-Dollar, also mehr, als die UNO benötigt, um die Millennium-Entwicklungsziele zu finanzieren. Hinzukommen kann eine Terra-Abgabe auf den grenzüberschreitenden Welthandel, eine Verteuerung der weltweiten Gütertransporte, der Handel mit (pro Kopf gleichen) C02-Emissionsrechten, eine Kerosinsteuer und Sonderziehungsrechte beim IWF für besonders benachteiligte Entwicklungsländer.
Neue Regeln für die Finanzmärkte
Um eine erneute Finanzmarktkrise zu vermeiden, ist ein geordneter Wettbewerb auf den internationalen Finanzmärkten notwendig mit von den Industrieländern zu beschließenden Regeln für den Geld- und Wertpapierverkehr. Es ist klar, daß diese Regeln, solange es noch keine Weltregierung gibt, nur multilateral vereinbart werden können. Dazu gehören eine wesentlich strengere Kontrolle der Finanzmärkte und ihrer Akteure sowie die staatliche Aufsicht über alle Teile des Finanzsystems, auch über Hedgefonds, Ratingagenturen und den Handel mit komplizierten Finanzprodukten. Außerdem müssen die Finanzprodukte standardisiert und staatliche Ratingagenturen eingerichtet werden. Des weiteren sollten die Managergehälter einer Regelung unterworfen werden, die verhindert, daß die Manager durch Aktienoptionen zu Spekulanten werden. Darüber hinaus müssen steuerfreie Geld- und Warengeschäfte mit den Off-Shore-Centers verboten werden, noch besser wäre deren Schließung. Notwendig wäre schließlich eine Demokratisierung der Weltbank, des IWF und der WTO.
Ohne diese Alternative zum kapitalistischen System ist eine humane Weltwirtschafts- und Weltfriedensordnung nicht möglich. Die Alternative ist Blutvergießen, Wirtschaftskriege und knappe Ressourcen, vor allem bei Energie und Wasser, Überhandnahme des Fundamentalismus und ein weltpolitisches Chaos, das auch vor den Toren Europas und der USA nicht haltmachen wird. Diese humane Alternative der Marktwirtschaft durchzusetzen ist also Pflicht und Verantwortung der Politik, das heißt der Regierungen und der Parteien.
Aus: Heiner Geißler, Ou Topos. Suche nach dem Ort, den es geben müsste. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2009.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.
Der Prophet Amos, der aus dem Südreich Juda stammte, aber ausschließlich im Nordreich wirkte, war von Beruf Hirte und ein einfacher, wenn vielleicht auch begüterter Mann aus ländlichen Verhältnissen, der jeden Zusammenhang mit ekstatischen und berufsmäßigen Propheten ablehnte. Er sah hinter dem äußeren Glanz den inneren Verfall und bekämpfte in scharfen Worten den auch in den Reichsheiligtümern gepflegten Synkretismus, den seelenlosen Kult, den Luxus und die Schlemmerei, vor allem aber jede Form der Ausbeutung und des Unrechts zum Schaden der Armen und sozial Schwachen. Seine Grundforderung war die strenge Gerechtigkeit im privaten, geschäftlichen und öffentlichen Leben.
Die Leute von Macht und Besitz haben zur Rechtfertigung ihres sorglosen Lebens auf die politische und wirtschaftliche Prosperität verwiesen, deren sich das Land nach ihrer Meinung erfreute. Amos sagt denen, die sorglos und selbstsicher mit Geld und Macht umgehen, das Gericht Gottes an. Mit der Wegführung wird dieser Lebensart ein Ende bereitet. Die Spitzen der Gesellschaft werden gebührendermaßen von dem Unglück am meisten betroffen.