Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem zweiten Buch der Könige.
In jenen Tagen
ging Náaman, der Syrer, zum Jordan hinab
und tauchte siebenmal unter,
wie ihm der Gottesmann Elíscha befohlen hatte.
Da wurde sein Leib gesund wie der Leib eines Kindes
und er war rein von seinem Aussatz.
Nun kehrte er mit seinem ganzen Gefolge
zum Gottesmann zurück,
trat vor ihn hin
und sagte: Jetzt weiß ich,
dass es nirgends auf der Erde einen Gott gibt außer in Israel.
So nimm jetzt von deinem Knecht ein Dankgeschenk an!
Elíscha antwortete:
So wahr der Herr lebt, in dessen Dienst ich stehe:
Ich nehme nichts an.
Auch als Náaman ihn dringend bat, es zu nehmen,
lehnte er ab.
Darauf sagte Náaman:
Wenn es also nicht sein kann,
dann gebe man deinem Knecht so viel Erde,
wie zwei Maultiere tragen können;
denn dein Knecht
wird keinem andern Gott mehr
Brand- und Schlachtopfer darbringen
als dem Herrn allein.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem zweiten Buch der Könige.
In jenen Tagen
kam Naaman mit seinen Pferden und Wagen
und hielt vor dem Haus Elischas.
Dieser schickte einen Boten zu ihm hinaus
und ließ ihm sagen:
Geh und wasch dich siebenmal im Jordan!
Dann wird dein Leib wieder gesund
und du wirst rein.
Doch Naaman wurde zornig.
Er ging weg und sagte:
Ich dachte, er würde herauskommen,
vor mich hintreten,
den Namen des HERRN, seines Gottes, anrufen,
seine Hand über die kranke Stelle bewegen
und so den Aussatz heilen.
Sind nicht der Abana und der Parpar,
die Flüsse von Damaskus,
besser als alle Gewässer Israels?
Kann ich nicht dort mich waschen,
m rein zu werden?
Voll Zorn wandte er sich ab und ging weg.
Doch seine Diener traten an ihn heran
und redeten ihm zu:
Wenn der Prophet etwas Schweres von dir verlangt hätte,
würdest du es tun;
wie viel mehr jetzt,
da er zu dir nur gesagt hat:
Wasch dich und du wirst rein.
So ging er also zum Jordan hinab
und tauchte siebenmal unter,
wie ihm der Gottesmann Elíscha befohlen hatte.
Da wurde sein Leib gesund wie der Leib eines Kindes
und er war rein von seinem Aussatz.
Nun kehrte er mit seinem ganzen Gefolge
zum Gottesmann zurück,
trat vor ihn hin
und sagte: Jetzt weiß ich,
dass es nirgends auf der Erde einen Gott gibt außer in Israel.
So nimm jetzt von deinem Knecht ein Dankgeschenk an!
Elíscha antwortete:
So wahr der Herr lebt, in dessen Dienst ich stehe:
Ich nehme nichts an.
Auch als Náaman ihn dringend bat, es zu nehmen,
lehnte er ab.
Darauf sagte Náaman:
Wenn es also nicht sein kann,
dann gebe man deinem Knecht so viel Erde,
wie zwei Maultiere tragen können;
denn dein Knecht
wird keinem andern Gott mehr
Brand- und Schlachtopfer darbringen
als dem Herrn allein.
Kv: Der Herr hat sein Heil enthüllt
vor den Augen der Völker. – Kv
(GL 55,1)
Singet dem Herrn ein neues Lied, *
denn er hat wunderbare Taten vollbracht!
Geholfen hat ihm seine Rechte *
und sein heiliger Arm. – (Kv)
Der Herr hat sein Heil bekannt gemacht *
und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker.
Er gedachte seiner Huld *
und seiner Treue zum Hause Israel. – (Kv)
Alle Enden der Erde *
sahen das Heil unsres Gottes.
Jauchzet dem Herrn, alle Lande, *
freut euch, jubelt und singt! – Kv
Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus
an Timótheus.
Denke an Jesus Christus, auferweckt von den Toten,
aus Davids Geschlecht,
gemäß meinem Evangelium,
um dessentwillen ich leide
bis hin zu den Fesseln wie ein Verbrecher;
aber das Wort Gottes ist nicht gefesselt.
Deshalb erdulde ich alles um der Auserwählten willen,
damit auch sie das Heil in Christus Jesus erlangen
mit ewiger Herrlichkeit.
Das Wort ist glaubwürdig:
Wenn wir nämlich mit Christus gestorben sind,
werden wir auch mit ihm leben;
wenn wir standhaft bleiben,
werden wir auch mit ihm herrschen;
wenn wir ihn verleugnen,
wird auch er uns verleugnen.
Wenn wir untreu sind,
bleibt er doch treu,
denn er kann sich selbst nicht verleugnen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Halleluja. Halleluja.
Dankt für alles; denn das ist der Wille Gottes
für euch in Christus Jesus.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
Es geschah auf dem Weg nach Jerusalem:
Jesus zog durch das Grenzgebiet von Samárien und Galiläa.
Als er in ein Dorf hineingehen wollte,
kamen ihm zehn Aussätzige entgegen.
Sie blieben in der Ferne stehen
und riefen: Jesus,
Meister,
hab Erbarmen mit uns!
Als er sie sah,
sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern!
Und es geschah:
Während sie hingingen, wurden sie rein.
Einer von ihnen aber kehrte um,
als er sah, dass er geheilt war;
und er lobte Gott mit lauter Stimme.
Er warf sich vor den Füßen Jesu auf das Angesicht
und dankte ihm.
Dieser Mann war ein Samaríter.
Da sagte Jesus:
Sind nicht zehn rein geworden?
Wo sind die neun?
Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren,
außer diesem Fremden?
Und er sagte zu ihm: Steh auf und geh!
Dein Glaube hat dich gerettet.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Heilungsgeschichte nach Lukas hat nicht die Heilung selbst als Pointe. Das Heilungsgeschehen wird zur Nebensache und sogar noch verkürzt - von der üblichen Waschung ist keine Rede. Die Botschaft Jesu fokusiert den Kontrast zwischen dem Verhalten des Einen, der sogar in den Augen Jesu ein Fremder war, und der Neun. Diesem Einen hat sein Glaube geholfen. Fragen kommen auf: Was hat denn den Anderen geholfen - sie sind doch auch geheilt - was ist der Unterschied zu dem Einen? Jesus macht deutlich, dass nicht allein erlebtes Heil (das ja allen Menschen zuteil werden soll) seine Nachfolger kennzeichnet, sondern vielmehr die Reaktion auf dieses und der Umgang der Menschen mit den Gaben Gottes.
Worin unterscheidet sich der eine vom Aussatz Geheilte von den übrigen Neun? Er begreift, das Gott an ihm gehandelt hat. Während die Neun gesund in ihr altes Leben zurückkehren, kehrt dieser um. Er begreift, dass Gott ihm neues Leben geschenkt hat. Dankbar beginnt er ein neues Leben.
Die Predigt muss heute einen langen Anlauf machen, dann kurz stehen bleiben und schließlich zurückschauen. Lukas gibt uns als Evangelist den Takt vor!
Sogar die Gegend kennen wir jetzt: das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa. Es lohnt sich nicht wirklich, dort näher zu verweilen. Für fromme Menschen sind beides gottlose Ecken, von allen guten Geistern verlassen. Na ja, auch auf der falschen Seite der Geschichte. Ein Nest so schlimm wie das andere. Abgewrackt. Alles. Aber Jesus ist auf der Durchreise. Schon auffällig, dass er sich da aufhält. Was hatte er da überhaupt zu suchen? Der Evangelist versteckt freilich noch eine andere Information, fast beiläufig: Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem. Die Richtung stimmt, denken wir. Jerusalem! Traumort! Hier soll sogar Gott wohnen. Zumindest sein Name. Aber ganz so einfach ist es nicht. In Jerusalem wird Jesus nicht das Reich Gottes aufrichten, wie so viele dachten und wünschten. – Er wird hier gefangen genommen werden, ihm wird der Prozess gemacht, hier wird er ans Kreuz geschlagen. Auf einmal ist es gar nicht mehr zufällig, dass Jesus in diesem Grenzgebiet unterwegs ist: Sein Weg nach Jerusalem hat damit zu tun, dass er hier im Grenzgebiet immer schon zu Hause war.
Jesus von Nazareth. Auf der Seite der Abgeschlagenen, Verlorenen, der Verlorengegebenen. Sogar die Gegend kennen wir jetzt. Es gibt viele Gegenden, die verflucht sind.
Nach dem eigentlich überraschenden Anfang der Geschichte tauchten zehn aussätzige Männer auf. Sie hausen, zerlumpt, in Hütten, in denen nicht einmal die Vögel übernachten wollen. Aussätzig sein, heißt: ausgesetzt. Draußen. Weit weg von Familien, von Freunden. Weit weg vom Leben. Eben: verflucht. Sagten wir schon. Näherten sich Aussätzige anderen Menschen, wenn sie ihr Elend kurz verließen, mussten sie laut klappern und vernehmlich schreien: unrein, unrein. Damit bloß keiner in ihre Nähe käme. Aussatz steckt an. Aussatz frisst ganze Menschen auf. Aussatz versaut Landschaften.
Zehn von ihnen rufen Jesus von weitem zu. „Jesus, Meister, hab‘ Erbarmen mit uns!“ Erbarmen! In ihrer Situation ein Traum, eine Hoffnung. Sie wissen es wenigstens zu rufen – was es ist, haben sie wohl nie erfahren. Woher sie Jesus kennen? Was wissen sie von ihm? Ist er hier überhaupt so bekannt? Draußen, weit weg vom Leben, von dem einfachen Alltag, der der sich mit dem Titel „normal“ schmückt.
Von Jesus ist keine große Geste überliefert. Er schickt die Zehn zum Priester. Nach der alten Ordnung erklären sie, wann jemand als unrein, als aussätzig zu gelten hat – und wann jemand wieder gesund ist und unter die Menschen darf. Wer aussätzig ist, gehört nicht mehr zum Volk Gottes, auch nicht zur Gemeinde. Aussatz – das ist eine Strafe Gottes. Vielleicht „vor allem“ anderen. Nur: was haben sie denn getan? Wo haben sie gefehlt? Der Priester – Entschuldigung - ist hier kein Seelsorger. Er stellt etwas amtlich fest. Und gut ist. Stempel drauf!
Nach dem langen Angang: die Zehn gehen. Sie werden geheilt in ihr altes, früheres Leben zurückkehren. Der Priester schaut sie sich an und ohne die Geschichte zu kennen, hat er an ihnen nichts mehr auszusetzen. Wie das Wort doch passt: „auszusetzen“. Was haben die Zehn gemacht? Sie sind, so wie sie waren, zum Priester gegangen. Dann verlieren sich ihre Wege. Neugierig möchte ich mich mitfreuen, wenn sie nach Hause kommen, Frauen und Kinder glücklich sind und eine furchtbare Episode in ihrem Leben zu Ende ist. Doch Lukas erzählt davon nichts. Was er erzählt, lässt aufhorchen. Und jetzt müssen wir einhalten.
Zehn Menschen sind rein geworden. Rein! Die Haut trägt keine Spuren von Aussatz mehr. Die Haut grenzt nicht mehr ab. Die Haut macht keine Angst mehr. Das alles steckt wohl in dem kleinen Wörtchen „rein“.
Lukas aber zeigt uns diese Menschen mit einem besonderen Blick: Neun von ihnen sind zwar gesund geworden – oder „rein“, aber sie machen einfach weiter. Sie finden ihr Glück in ihrem „alten“ Leben. Verstehen kann ich das. Hinter dem Wörtchen „rein“ verstecken sich Leidensgeschichten, Zweifel, womöglich auch Vorwürfe, Selbstvorwürfe eingeschlossen. Am Ende ist doch nichts schöner als wieder „normal“ zu sein. Endlich!
Lukas aber sieht mehr. Hat das kleine Wörtchen „rein“ nicht vielleicht Chancen, den ganzen Dreck in der Welt sichtbar zu machen? Zu diesem Dreck gehört, dass Menschen ausgesondert werden, sich aussondern lassen müssen, wie Objekte hin- und hergeschoben werden. Tatsächlich: es ist gut, einmal kurz stehen zu bleiben. Mit den vielen Reinheitsvorstellungen. Mit den vielen Erklärungen, warum der oder die nicht mehr „rein“ sind. Das kann die dunkle Haut sein. Das kann das vom Leiden gezeichnete Gesicht sein. Das kann die fremde Sprache sein.
Lukas erzählt, dass einer von den zehn zu Jesus kommt, sich ihm vor die Füße legt, ihm dankt. Es ist der Dank, zu dem diese Geschichte finden muss! Zu dem Dank, dass Menschen heil werden, noch einmal neu anfangen können, ihnen das Leben wieder geschenkt wird! Staunend stellt Lukas fest, dass dieser eine von den neun – ein Samariter war. In der Hierarchie ganz unter – buchstäblich: ein Fremder. Er kann auf keine große Geschichte verweisen, nicht einmal darauf, immer schon zu Gottes Volk gehört zu haben. Aber vielleicht liegt hier auch der Schlüssel: Wer immer schon auf der richtigen Seite ist, wird nie wissen, wie es ist, von ganz unten zu kommen, ein Fremder zu sein, ein Fremder zu bleiben. Im Dank geht die Welt neu auf: Verdient habe ich es nicht, ich konnte nicht einmal mein Leben in der Hand behalten. Aber da ist einer, der im Namen Gottes „rein“ macht. Reinen Tisch!
Doch jetzt wird es spannend! Während die Gedanken so dahin schlendern, wir alle das Gefühl haben, die Pointe verstanden zu haben, es auch Zeit ist, langsam aufzuhören – lässt eine Formulierung von Lukas aufhorchen. Es gleicht dem Läuten der Glocken, dem Spiel der Orgel, dem Lachen der Kinder:
„Ist denn keiner umgekehrt,
um Gott zu ehren,
außer diesem Fremden?
Und er sagte zu ihm:
Steh auf und geh!
Dein Glaube hat dich gerettet."
Die Überraschung ist perfekt: Im Dank, im Dank kehrt ein Mensch zum Ursprung aller Dinge zurück. Zu seinen ersten Atemzügen. Zu Gott. Der Weg zu Jesus ist mehr als ein Abstecher. Es ist eine Heimkehr. Jetzt verstehe ich auch, warum wir zurückschauen müssen. Zurückschauen auf den Anfang, den Gott mit uns Menschen gemacht hat und immer wieder neu macht. Im Dank schauen wir zurück: Auf eine Liebe, die uns umfängt. Auf eine Hoffnung, die uns trägt. Auf einen Glauben, der sogar die Haut schön macht. So wie am Anfang.
Gerettet sind wir, dem ganzen Dreck zum Trotz, wenn wir danken, wenn wir staunen können:
Im 7. Kapitel des Lukasevangeliums lesen wir: "Zu jener Stunde heilte Jesus viele Menschen von Krankheiten und Leiden und bösen Geistern und schenkte vielen Blinden das Augenlicht. Er antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen wieder, Lahme gehen und Aussätzige werden rein; Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium verkündet."
Die Predigt musste heute einen längeren Anlauf machen, dann kurz stehen bleiben und schließlich zurückschauen. Lukas verhilft uns zum Staunen.
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsre Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Wenn Menschen krank sind und Heilung suchen, suchen sie nach Praktiken und Rezepten, die ihnen Gesundheit verheißen. Geheilt werden ist jedoch ein tiefgreifender Prozess, ist ein Geschenk, das wir letztlich Gott verdanken, theologisch gesprochen Gnade. Im Geheiltwerden das Wirken Gottes erkennen und ihm dafür danken, wäre die angemessene Antwort jedes Geheilten.
Zwei Themenbereiche verdienen an diesem Sonntag unsere Aufmerksamkeit: Heilung und Dankbarkeit.
Die erste Lesung berichtet vom Hauptmann Naaman, einem siegreichen syrischen Feldherrn, der am Aussatz litt. Von einer gefangenen Israelitin erfuhr er, dass ihm der Prophet Elischa heilen könne. So begab sich Naaman mit Ross und Wagen zum Propheten Elischa. Dieser trug dem Feldherrn auf, siebenmal im Jordan zu baden. Das wollte dieser aber nicht, weil er annahm, die Flüsse von Damaskus hätten reineres Wasser. Seine Diener ermutigten ihn, es wenigstens zu versuchen und zu tun, was der Prophet ihm riet. Und siehe da: "Da wurde sein Leib gesund wie der Leib eines Kindes und er war rein von seinem Aussatz."
Heilung benötigt oft Umkehr; eine Umkehr des Lebenswandels. Leben ist Bewegung, es zeigt auch Irrwege auf. Dafür sollten wir Dankbarkeit zeigen.
Von ermutigenden Worten hören wir in der zweiten Lesung, ermutigende Worte an Timotheus. Paulus verweist auf die Frohbotschaft von Jesus, der uns seine Treue verspricht, besonders in Not, Leid und Krankheit. Dieses Wissen, dass immer jemand da ist, der uns in schwierigen Situationen beisteht, trägt wesentlich zur Heilung bei. Für dieses Evangelium nimmt Paulus Verfolgung, Gewaltanwendung und Gefangenschaft auf sich.
Im Evangelium hören wir von einer Heilung zehn Aussätziger. Einer von ihnen erhält besonderes Lob, dazu dieser bemerkenswerte Satz: „Steh auf und geh! Dein Glaube hat dich gerettet“ (Lk 17,19). Es ist eine doppelte Heilung: einerseits leiblich gesund werden, aber auch seelische Heilung, die zum sinnerfüllten Leben führt. Krankheit kann sehr depressiv machen, Lebensgeister gehen verloren. Da tritt dann oft die schicksalsschwere Frage auf: Wozu noch das Ganze, ist ja alles vergeblich. Wenn ein Mensch ganzheitliche Heilung erfährt, wird er auch wieder zugänglicher für die Frage nach dem Sinn seines Lebens und bereiter, die ihm gestellten Aufgaben zu erfüllen.
Triebfeder dazu ist die Freude. Die Freude über diese Rettung und die Erkenntnis, dass hier Gott am Werk ist, soll sich auch in der Dankbarkeit zeigen und im Lobpreis Gottes ausdrücken. Wie das Evangelium zeigt, ist das aber nicht selbstverständlich. "Wo sind die neun? Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden?"
Der Glaube ist der Anfang eines langen Weges und mündet in der Dankbarkeit, die sich im Lobpreis ausdrückt. Wir nehmen oft alles als selbstverständlich hin, denken nicht oder kaum daran, dass alles Geschenk ist: die Gesundheit, ein liebevolles Elternhaus, lang anhaltender Friede (der gegenwärtig nach 80 Jahren auch in Europa bedroht erscheint), Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit… Wir nehmen auch bezahlte Hilfe in unserem Sozialsystem für selbstverständlich. Oft erfahren Menschen im Sozialbereich wenig Dank. Wenn etwas nicht wie erwartet funktioniert, führt das nicht selten zu Empörung, zu Beschimpfung und Undank.
Die biblischen Texte dieses Sonntags erinnern uns wieder an Achtsamkeit und Dankbarkeit. Eucharistie ist Danksagung, die höchste Form der Dankbarkeit. Jeder Sonntag lädt uns ein, Lob und Dankbarkeit in der Gemeinschaft der Kirche mitzufeiern.
Jesus bewegt sich im Grenzgebiet, am Rand der Gesellschaft und begegnet dort den Armen, den Kranken, Kaputten und den Missbrauchten, Geschändeten und den Glaubenslosen, Verzweifelten. Dort ist er zu Hause, um die Menschen zu heilen und sie von allem Leid zu befreien. Er lässt sich in seinem Verhalten nicht vom Erfolg leiten. Nur 1 kommt zurück. Wo sind die anderen 9?
Das Evangelium beginnt mit einer Ortsangabe: Jesus war mit seinen Jüngern auf dem Weg nach Jerusalem. Wir wissen vom Ende bzw. von der Vollendung her, dass Jerusalem das Ziel seines Lebensweges war. Zunächst war es ein Todesweg, dann wandelte er sich aber zum Lichtweg. Er starb in Jerusalem und wurde am dritten Tag auferweckt von den Toten. Dieser Weg war alternativlos, Jesus musste ihn gehen. Nur so konnte er uns zum Vater führen und von allem Tod befreien.
Was ist das Ziel meines Lebens? Welchen Sinn hat mein Weg? Warum gehe ich ihn? Jesus lädt uns ein vom Ziel her zu leben, von der vollendeten Zukunft, von Ostern und der Himmelfahrt her. Wenn wir vom Licht her leben, kann jeder Schritt mehr Leben bedeuten. Wenn Gott unser Ziel ist, dann hat alles seine Bedeutung und einen Sinn. Der Anfang meines Lebens ist nicht Irrtum oder Zufall, sondern Gottes Ja zu mir. Sein Ja erschuf mich ins Leben und sein Ja empfängt mich jenseits des Todes zu neuem und ewigem Leben. Alles war Liebe und ist Liebe und wird Liebe sein. Er hat es vorgelebt und lädt uns ein, mit ihm zu gehen.
Als Jesus im Grenzgebiet von Samarien und Galiläa ist, kommen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie halten den gebotenen Abstand ein und bitten Jesus um sein Erbarmen. Jesus schickt sie zum Priester. Schon unterwegs wurden sie rein.
Nicht selten können wir feststellen, dass wir als Christen keine gesellschaftliche Relevanz haben, oft bis in die eigene Familie hinein. Zum größten Teil können wir gar nichts dafür, dass die Kirche fast keine Rolle mehr spielt. Dennoch tut es not mit Jesus zu fragen, wo lebe ich und wo verwirkliche ich den Glauben? Wo lebe ich? Wo bin ich? Jesus lebt im Grenzgebiet, im Dazwischen, im Niemandsland, in der Wüste, draußen vor der Stadt… Dort begegnet er den Armen, den Kranken, Kaputten und den Missbrauchten, Geschändeten und den Glaubenslosen, Verzweifelten. Dort ist er zu Hause, um die Menschen zu heilen und sie von allem Leid zu befreien.
Wo lebe ich? Wo wirke ich? Papst Franziskus wird nicht müde, uns zu motivieren, aus der Komfortzone herauszugehen und die Frohe Botschaft zu leben. Es gibt genügend Grenzgebiete, wo wir dienen können.
Einer kam zurück, um sich bei Jesus zu bedanken. Wo sind die anderen neun? Sind nicht auch sie geheilt worden? Wir wissen es nicht, sie sind weg. Wir wissen auch nicht, in welchem Tonfall Jesus spricht. Ist es Wut, Resignation, Mitleid, Gelassenheit, was aus seiner Stimme klingt. Wie ist das bei uns, wenn wir ganz viel investiert haben und die Resonanz sehr klein ist? Wie reagieren wir als Kirche auf die Vergeblichkeit unseres Handelns?
Mit Gelassenheit, mit Umstrukturierung, mit Rigorismus oder Großherzigkeit? Ich meine, wir sollten den Mut haben, die Enttäuschungen zu benennen, auszudrücken, was uns schmerzt und dabei nicht die kleinen Wunder übersehen. Wir können das im Gespräch und im Gebet machen. Wie wir sehen und hören, kennt der Herr diese Frustrationen. Am Ende seines Weges ist er in Jerusalem und auf Golgatha fast ganz allein. Dennoch ging sein Schrei nicht ins Resonanzlose, sondern sein Vater hat ihn gehört.
Nehmen wir den Himmel als Ziel unseres Lebens, haben wie den Mut, in die Grenzgebiete zu gehen, dann werden wir immer wieder das Heil empfangen. Unser Leben kann trotz aller Schatten Eucharistie, Danksagung sein, wenn wir den Mut zu heilsamen Begegnungen haben.
© Pfarrer Michael Lehmler - kreidestern@me.com
Dankbarkeit ist mehr als die Antwort auf eine erfahrene Wohltat oder Wohlwollen, mehr als angemessene Höflichkeit. Tief empfundene Dankbarkeit wächst aus dem Wissen, dass nicht alles selbstverständlich ist, was wir im Leben empfangen.
Die erste Lesung bringt ein Beispiel an der Person Naaman, das ähnlich abläuft, wie wir dies aus unserer gegenwärtigen Situation kennen: Menschen, die es sich leisten können suchen Spezialisten auf, um Heilung von möglicherweise unangenehmen und auch schwer diagnostizierten Krankheiten zu finden. Da fließt schon viel Geld in die Taschen von Ärzten, Pharmafirmen, weil die Krankenkassen wenig oder gar nichts für entsprechende Medikamente oder Therapien bezahlen.
Naaman ist nicht irgendwer. Er ist der oberste Feldherr nach dem König im damaligen Syrien, hat also genügend Geld, um sich Ratschläge, wie er von seinem Leiden befreit werden kann, auch im "Ausland" einzuholen. Dort stößt er auf zwei Hindernisse: Er ist ein Fremder, kein Israelit, und der Aussatz schließt ihn ohnedies aus der Gesellschaft aus. Trotzdem wird er sogar bei der Therapie des siebenmaligen Untertauchens wählerisch, weil er meinte, die Flüsse von Euphrat und Tigris dienten besser zur Behandlung seiner Krankheit als der Jordan. Da regt sich sein Widerspruchsgeist und seine Besserwisserei noch dazu. Schließlich beugt er sich doch der Anweisung und wird gesund und für seine Heilung dankbar.
Warum Elischa die Geschenke der Dankbarkeit nicht angenommen hat, bleibt offen. Vielleicht wollte der Bearbeiter dieser Textstelle besonders betonen, dass hier Gott selber eingreift und nicht der Prophet Elischa. Für uns heute wäre so ein Verhalten ein Geschenk der Dankbarkeit schroff abzulehnen, unhöflich. Das Evangelium sieht das doch ein wenig anders.
Dieses Evangelium ist eine Heilungs- und Bekehrungsgeschichte. Bekehrung heißt im Griechischen »metanoia«, Umkehr im Denken und in Werken. Der Römerbrief wird diesbezüglich sehr deutlich: „Gleicht euch nicht dieser Welt an, ändert euer Denken und prüft, damit ihr erkennen könnt, was der Wille Gottes ist.“ (Röm.12,2). Dankbarkeit ist die Konsequenz von Glauben und Vertrauen, daher ganz wichtig der letzte Satz dieses Evangelienabschnittes: „Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen.“
Dankbarkeit kann man nicht verordnen. Dankbarkeit soll auch nicht zur Routine werden, um nicht als unhöflich zu gelten. Warum entfernen wir uns so oft von der Dankbarkeit? In einem Wohlfahrtsstaat wird viel zur Selbstverständlichkeit. Gesundheit und soziale Leistungen sind zu einem Recht geworden, von dem viele Menschen profitieren. Wenn etwas selbstverständlich ist und noch dazu bezahlt wird, warum soll man danken?
Es geht aber noch weiter: Wenn eine staatliche oder auch eine private freiwillig erbrachte Arbeit schlecht durchgeführt wird, kommen Beschwerden, die bis zu einem Skandal führen können. Jesus beschwert sich nicht über den Undank der neun Kranken. Er trifft lediglich eine fragende Feststellung: „Es sind doch alle zehn rein geworden. Wo sind die übrigen neun?“ Jesus heilt, wirkt Wunder… Aussatz ist eine aussichtslose Krankheit, die zum Tod führt.
Zu Wundern kann man auch all die Erlebnisse zählen, die Unmögliches möglich machen. "Ich habe Dutzende Bewerbungsschreiben für eine Arbeit geschickt und entweder gar keine Antwort oder Ablehnung bekommen. Da auf einmal wird durch eine Begegnung ohne Postenausschreibung ein Arbeitsplatz herbeigezaubert…" Dank als innere Haltung. Der Barmherzigkeit Gottes entspricht die Dankbarkeit des Menschen und die immerwährende Erfahrung, dass nichts selbstverständlich ist, auch nicht der Arbeitsplatz.
Meister Eckhart (um 1260-1328), Mystiker und Philosoph: „Wäre das Wort DANKE das einzige Gebet, das Du je sprichst, so würde es genügen.“ Eucharistie als Dankesfeier. Wofür und warum wollen Sie heute »danke« sagen? Vielleicht auch dafür, dass Gott einer von uns wurde und für uns immer da ist.
Dankbarkeit stärkt menschliche Beziehungen und tut uns daher gut. Dankbarkeit kann uns aber auch zur Erkenntnis führen, wie sehr wir uns Gott verdanken. Von schwerer Krankheit Genesene finden oft eine neue Einstellung und Sichtweise ihres Lebens und werden in einem umfassenderen Sinn heil.
Seit 6 Jahren darf ich als Seelsorger bei Menschen mit einer Behinderung wirken. Ich sage ganz bewusst "ich darf". Denn von diesen Schwestern und Brüdern habe ich eine Menge gelernt, vor allem eines: Sie lassen mich dankbar werden. Ich bin dankbar für meine vielen Möglichkeiten, die mir im Leben geschenkt wurden. Die Menschen mit einer Behinderung sind oft sehr lebensfroh, sehr zugänglich. Klar freut sich niemand über die Behinderung als solche. Diese Menschen erleben traurige Stunden, gerade weil sie behindert sind. Dennoch, es ist eine tiefe Dankbarkeit in vielen von ihnen für jede Hilfe, für jedes gute Wort. Mir haben diese sechs Jahre gezeigt, dass wir alle auf andere angewiesen sind. Keiner kann sich nur aus eigener Kraft helfen. Grund zum Dank haben wir immer. Es tut gut, sich immer wieder einmal zu überlegen, wofür ich danken sollte, meinen Mitmenschen und vor allem Gott gegenüber. Wie gut tut es mir, wenn sich jemand bei mir bedankt.
Vom Danken hören wir auch im Evangelium und in der Lesung. Aussätzige Menschen werden geheilt. In der Lesung ist es Naaman, der Syrer, der Ausländer. Im Evangelium heilt Jesus 10 Aussätzige. An Aussatz zu leiden war sehr schlimm. Menschen waren ausgeschlossen von der Gemeinschaft. Sie konnten nur noch eines: auf den Tod warten. Heilungen waren eher außergewöhnlich. 10 Aussätzige hören von Jesus. Sie hören, dass er Worte spricht, die aufrichten. Sie hören, dass er von Gott kommt. Sie spüren, dass er ein besonderer Mensch ist. Darum rufen sie auch: "Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!" Sie wünschen sich, dass Jesus sie in ihrem Leiden sieht, dass er mitfühlt. Doch Jesus schenkt mehr. Er schenkt ihnen Gesundheit. Jesus gibt ihnen die Möglichkeit, zu den Menschen, ins Leben, zurückzukehren. Sie können ihr Leben wieder aufnehmen. Ich kann mir eines gut vorstellen: Sie wollen jetzt vieles nachholen, was sie nicht tun konnten als sie noch aussätzig waren. Sie wollen wieder Anschluss bekommen. Wer war nicht froh, als er nach längerer Krankheit wieder neu einem Hobby nachgehen konnte? Ich glaube, so wird es auch bei den Aussätzigen unseres Evangeliums gewesen sein.
Doch da gibt es einen 10. Aussätzigen. Dieser kommt aus Samàrien. Die anderen kamen aus dem Volk Jesu. Juden und Samariter waren verfeindet. Ein Samariter dankt Jesus. Schauen wir einfach, wie er Jesus dankt. "Er lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor den Füßen Jesu zu Boden und dankte ihm." Der Samariter spurt als einziger, dass seine Heilung mit Gott zu tun hat. "Gott hat an uns gehandelt. Gott ist zu loben." Durch seine Heilung findet dieser Mensch neu zu Gott. Er spürt, dass er die Heilung nur Gott zu verdanken hat. Wer sich vor Jesus, und damit vor Gott, niederwirft, zeigt: Ich erkenne IHN als Herrn an, IHN, von dem ich abhängig bin. Ich erkenne an, dass ich vor Gott ein Geschöpf bin. Ich erkenne an: Ich bin ein Mensch und über mir steht noch ein Schöpfer. Diese Heilung ist eine tiefe Erfahrung mit Gott.
Auch Naaman, der Aussätzige aus der Lesung findet zum wahren Gott Israels. Nicht dem Menschen Elischa, der im Auftrag Gottes handelt, gebührt der Dank, sondern keinem anderen als Jahwe allein. Naaman und der Mann aus Samárien werden nicht nur körperlich gesund. Sie werden innerlich heil. Ihr Leben gewinnt an Tiefe. Denn sie haben den wahren Gott erfahren, den Gott Israels, den Gott von Jesus, den Gott, der eines will: uns das ewige Heil schenken. Dieses Heil können wir bereits erfahren in einer Welt, die voller Unheil ist, voller Krankheit. Viel an Unheil erfahren wir auch, weil Menschen Gott nicht die Ehre geben.
Gesundsein, das ist selbstverständlich. Krankheit, das ist ein Störfall. Erfolg, das ist in der Meinung vieler ausschließlich das Ergebnis der eigenen Anstrengung und Kraft. Wer will sich schon gerne verdanken? Doch es gibt keinen Weg an Gott vorbei. Es gibt keinen Weg vorbei, Gott zu danken.
Ich komme auf Gesundsein und Krankheit zurück. Selbst eine Krankheit kann ein Weg sein, "heil" zu werden. Viele Christinnen und Christen reisen nach Lourdes. Viele haben auch das schon Heilung erfahren. Doch es gibt auch einen anderen Weg, in Lourdes zu Gott zu finden. Menschen konnten aufgrund ihrer Erfahrungen in Lourdes mit ihrer Krankheit besser umgehen, sie besser annehmen.
Ich bewundere Menschen, die mit ihrer Krankheit leben, die eine plötzliche Behinderung annehmen wie vor nicht allzu langer Zeit die deutsche Radsportlerin Kristin Vogel. Auch Samuel Koch, der vor einigen Jahren bei "Wetten Dass" so tragisch verunfallte, ist ein Beispiel, mit der Krankheit zu leben und das Beste daraus zu machen. Denn diese beiden Menschen und mit ihnen auch noch viele andere, die weniger prominent sind, zeigen uns, dass sie das Leben bejahen und vor allem dankbar sind für die Chancen, die ihnen geblieben sind. Woher haben sie diese Kraft? Was schenkt uns Kraft zum Leben?
Wir können auch einmal in unser Leben schauen. Jeder war schon einmal krank, mehr oder weniger schwer. Wir haben verschiedene Wege, auf diese Erfahrung zu reagieren. Entweder gehen wir die 9 Aussätzigen zur Tagesordnung über oder wir fangen an neu nachzudenken, Gesundheit mehr zu schätzen zu, bewusster zu leben. Viele haben ihren Glauben an Gott erneuert und vertieft. Vielleicht will mir Gott auch was sagen durch mein Leiden. Vielleicht will er mich nur dankbarer machen für alles, was mir geschenkt ist im Leben. Vielleicht will er mich dankbar machen für das Leben überhaupt. Das sind - ich bin mir dessen bewusst - viele Sätze, die mit „vielleicht“ anfangen. Naaman und auch der Samariter finden durch die Heilung zu Gott. Sie werden körperlich gesund und innerlich heil. Dankbarkeit Gott gegenüber ist immer ein Zeichen von „Heilsein“.
Vielfach sind wir darauf getrimmt, das Negative zu sehen und hervorzukehren. Das Gute und Positive wird allzu schnell selbstverständlich. Wir vergessen zu danken. Positives Schauen auf uns Leben könnte unsere Stimmungen und Einstellungen verändern.
Ich möchte heute mit einer Geschichte beginnen. Eines Tages geht ein Mann eine Straße entlang. Er ist traurig, verbittert, im Selbstmitleid versunken. Er hat gerade eine Trennung hinter sich. Vor ein paar Tagen musste er die ehemalige gemeinsame Wohnung verlassen und lebt nun in einem noblen Appartement in München. Dieser Mann geht also die Straße entlang und seine Gedanken sind in etwa folgende: „Warum musste das mir passieren? Jetzt muss ich abends ganz alleine ins Restaurant gehen. Ich werde in eine kleinere Wohnung umziehen müssen. Es ist SO ungerecht!“ Genau in dem Moment, als er gerade diesen Gedanken hat, läuft eine Frau an ihm vorbei. Sie ist unscheinbar gekleidet, doch fällt sie inmitten der edlen Boutiquen und umringt von Handtaschen tragenden, gemütlich schlendernden Menschen auf. Sie trägt ein Baby auf dem Arm, an der anderen Hand führt sie ein kleines Mädchen, kaum 3 Jahre alt. Ihre Kleider sind voller Flecken und Löcher, an den Füßen trägt sie abgewetzte Sandalen. Sie wirkt gehetzt und spricht in einer fremden Sprache mit ihren Kindern. „Sie ist vermutlich unterwegs in die nahe gelegene Unterkunft für AsylwerberInnen.“, denkt der Mann beiläufig. Doch plötzlich traf ihn eine Erkenntnis wie ein Schlag. Wie kommt ER dazu sich selbst zu bemitleiden? Es gibt Menschen, die ihre Frau nicht durch eine Trennung, sondern durch Krieg und Waffengewalt verlieren.
Menschen, die ihre Kinder verlieren, die alles verlieren, woran sie je ihr Herz gehängt haben. Er hingegen hatte zwei gesunde Kinder, denen es an nichts mangelte, ein volles Bankkonto, ein schickes Appartement und einen Job, der sicher, gut bezahlt und interessant ist. Er hat Freunde und Hobbies und führt ein quasi sorgenfreies Leben. In einem Land, das sicher ist und frei. Ja, seine Frau hatte sich von ihm getrennt. Das war durchaus schmerzhaft, doch sein Leben war alles andere als bemitleidenswert. Der Mann schämte sich. Obwohl er kein Wort mit ihr gesprochen und sie ihn nicht einmal bemerkt hatte, hatte ihn diese Begegnung bewegt und ihm die Undankbarkeit, mit der er auf sein Leben schaute vor Augen geführt. Es gibt so viele Menschen, Geschichten und Momente, die das Potential haben uns wachzurütteln. Doch hören wir auf sie? Auf die leisen und lauten Signale, die uns eigentlich nur auf eines hinweisen wollen: Siehst du dein Glück? Und wenn ja, teilst du es?
Im Prinzip ist es uns allen mehr oder weniger bewusst: Wir gehören einer Minderheit an. Einer Minderheit, die Zugang zu sauberem Trinkwasser, ein Anrecht auf einen kostenlosen Krankenhausaufenthalt hat und mehr Gegenstände besitzt, als sie im Laufe eines Jahres benutzen könnte. Doch sind wir dankbar dafür?
Neun von zehn Menschen, die geheilt werden, vergessen ihre Heilung schnell. Sie waren sich ihrer Krankheit eine lange Zeit bewusst. Doch ihre Heilung, sofern sie bereits eingetroffen ist, wird schnell vergessen. Gleich den neun „Aussätzigen“, die nicht umkehrten und Gott nicht dankten. Es wurde uns geholfen und wir verspüren vielleicht einen kurzen Anflug von Dankbarkeit. Doch schon bald ist die anfängliche Euphorie in Vergessenheit geraten und wir begeben uns wieder in einen Zustand der „Normalität“ hinein. Neun von zehn Menschen kehren nicht um und loben Gott nicht mit lauter Stimme.
Wir danken ihm kurz und still nach einem besonders gelungenen Tag oder nach einer ganz besonders guten Nachricht. Doch was passiert nach diesem besonderen Ereignis? Nach unserer ersehnten Heilung, nach der Lösung eines Konfliktes? Was würde passieren, wenn wir Gott bewusst und mit lauter Stimme dankten? Wie könnte eine Gesellschaft aussehen, die voller Dankbarkeit und im vollen Bewusstsein für Gottes Werke lebt? Vielleicht hätten wir eine Vision für unsere Gemeinschaft, unsere Gesellschaft und unsere Familie. Vielleicht würden wir aufhören einander leichtfertig zu kritisieren und lediglich das Schlechte zu sehen.
Dies passiert zum Teil auch in der Politik. Der Gegner oder die Gegnerin werden so lange schlecht geredet, bis die Bürgerinnen und Bürger tatsächlich nichts Gutes mehr sehen können. Jedoch nicht bloß in einer Partei, sondern dieses Vorgehen ist besonders im Wahlkampf bei allen Parteien zu finden. Manchmal entsteht der Eindruck, dass Politiker und Politikerinnen ihre Aufgabe darin sehen, die Missetaten und Verfehlungen anderer aufzudecken, anstatt eine positive Vision des eigenen Weges zu erschaffen und zu verwirklichen. Diese Partei gegen jene Partei, diese Gesinnung gegen jene Gesinnung, arme Menschen gegen wohlhabende Menschen, Nichtregierungsorganisationen gegen die Regierung.
Was können wir also tun um diesem Kreislauf des Negativen zu entkommen? Zuerst können wir es dem Samariter gleichtun und umkehren. Wir können zurückschauen und all die positiven Dinge sehen und würdigen, die in unserer Gesellschaft passieren und gelingen. Gibt es soziale Organisationen? Hilfsbereite Menschen? PolitikerInnen die ihre Werte leben? Sehen wir das Gute? Und wenn wir es sehen, sind wir dankbar dafür? Für unser sauberes Trinkwasser, für die kostenlose und qualitativ hochwertige Kinderbetreuung, für eines der besten Gesundheitssysteme der Welt und tausend andere kleine und große Dinge, die uns ein angenehmes und erfülltes Leben ermöglichen.
Natürlich hat auch Kritik an bestehenden Problemen seine Richtigkeit und seinen Wert. Doch worauf unsere Aufmerksamkeit gerichtet ist, das wächst. Darum ist eine positive Vision für unser Leben, unsere Gemeinschaft und unser politisches System unerlässlich, wenn wir weiterhin in Frieden miteinander leben wollen. Wir haben bereits so vieles erreicht, als Gesellschaft, als Menschen, als Gemeinschaft. Doch wenn wir es erreicht haben, sehen wir zurück und sagen: es wäre sowieso passiert und schon ist es selbstverständlich. Doch wagen wir den Versuch es wie der Samariter zu machen und Danke zu sagen. Gott sei Dank.
© Katrin Pointner, BA, Referentin in der Abteilung Gesellschaft & Theologie, Diözese Linz
Wir haben viele Gründe zu danken und dankbar zu sein. Eine Dankbare Haltung verändert unsere Einstellung zum Leben. Dankbarkeit ist ein Lebenselixier, lässt Traurigkeit überwinden, bringt Sonne und Wärme in unser Gemüt.
Wenn wir auf das Leben zurückschauen, merken wir, dass wir mehr Grund zu danken als zu bitten haben. Mein verstorbener Bruder hat in seinem Testament geschrieben: „Gott ist der Geber aller guten Gaben. Wir haben nichts, was wir nicht empfangen haben.“ Aus diesem Grund ist „Dankbarkeit die Mutter aller Tugenden“ (Cicero).
Einsicht macht dankbar. Wer denkt, der dankt. Nicht das Glück, sondern die Dankbarkeit ist die Quelle wahrer Lebensfreude. Dank ist ein Lebenselixier. Wissenschaftliche Untersuchungen haben nachgewiesen, dass unser Hormonsystem positiv auf die Haltung der Dankbarkeit reagiert. Eine Frau hat mir erzählt, dass für sie die Dankbarkeit ein Anker ist, der ihr hilft über schlechte Zeiten hinwegzukommen. Positives Denken und Dankbarkeit verändern unser Leben. Ich kann mich noch sehr gut an eine Stunde in der Volksschule erinnern. Der Lehrer fragte uns: „Wie viele Personen haben für uns gearbeitet, damit die Mama das Frühstück auf den Tisch stellen konnte?“ Da mussten der Bäcker, der Bauer, der Fleischer, der Händler und viele andere am Werk sein. Da kommt Dankbarkeit auf.
Damit Dankbarkeit wächst, müssen wir unseren Blick für die Realität öffnen: Kein Mensch kann alles und hat alles. „Jeder ist für den anderen geboren“, sagt ein afrikanisches Sprichwort. Es ist auch so, dass kein Mensch für sich stirbt (Röm 14,7). Der dänische Philosoph Kierkegaard sagt daher: „Es lohnt sich erst dann zu leben, wenn man eine Idee hat, für die es sich lohnt zu sterben“. Ich bin reich, wenn ich all die Dinge zähle, die ich für Geld nicht kaufen kann. Zum Beispiel Liebe und Wohlwollen, Hingabe und Eifer, Ausdauer und Fleiß, Gelassenheit und Geduld.
Das irdische und das ewige Leben kann der Mensch sich nicht selbst geben. Das Wichtigste gibt es nicht um Geld. Wenn wir jeden Tag in unser Tagebuch das Gute aufschreiben, das wir erlebt haben, haben wir immer Grund zum Danken. Dann wird die Geschichte unseres Lebens eine Sammlung schöner Erlebnisse, Eindrücke und Freundschaften sein.
Wenn es einmal im Leben kriselt, Undankbarkeit aufkommt, dann denken wir daran: die besten Ärzte der Welt sind Dr. Ruhe, Dr. Humor und Dr. Fröhlich oder Frau Dr. Musica. Aber der Arzt aller Ärzte ist Gott selbst. Er ist der Geber alles Guten. Er schenkt uns so viele Feste: Weihnachten, Ostern, Pfingsten und viele andere. Der Benediktinermönch David Steidl-Rast sagt. „Wäre das Wort „Danke“, das einzige Gebet, das du je sprichst, so würde es genügen“. Für mich ist Dankbarkeit ein Lebenselixier, lässt Traurigkeit überwinden, bringt Sonne und Wärme in unser Gemüt.
Zwei Erzählungen von der Heilung Aussätziger werden als liturgische Lesungen an diesem Sonntag vorgetragen. In beiden werden Kranke auf unerwartete Weise geheilt. Gott kommt ihnen auf andere Weise nahe, als sie es erwarteten. Gott begegnet auch uns, wenn wir uns ihm gegenüber öffnen.
Der eine Aussätzige, der umkehrt und Jesus dankt, unterscheidet sich von den übrigen neun dadurch, dass er sich weiterhin auf die Heilswege Jesu einlassen will. Aufrichtiges Danken führt zur Umkehr, zum vollständigen sich Einlassen auf die Wege Gottes.
Geheilt werde ist das eine, es als Gotteserfahrung verstehen das andere. Glaube hilft. Wer dies als Gotteserfahrung erlebt, hat etwas zu erzählen.
Lieder:
GL 143: Mein ganzes Herz erhebet dich
GL 266: Nun danket alle Gott mit Herzen Mund und Händen
GL 268: Erbarme dich, erbarm dich mein
GL 272: Zeige uns, Herr, deine Allmacht und Güte
GL 323: Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt
GL 361: Mein schönste Zier und Kleinod bist
GL 362: Jesus Christ, you are my life
GL 377: O Jesu, all mein leben bist du
GL 382: Ein Danklied sei dem Herrn
GL 383: Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt
GL 385: Nun saget Dank und lobt den Herren
GL 389: Dass du mich einstimmen lässt (1. und 6. Str.)
GL 395: Den Herren will ich loben
GL 400: Ich lobe meinen Gott
GL 403: Nun danket all und bringet Ehr (1. und 2. Str.)
GL 405: Nun danket alle Gott
GL 409: Singt dem Herrn ein neues Lied
GL 416: Was Gott tut, das ist wohlgetan
GL 423: Wer unterm Schutz des Höchsten steht (3. Str.)
GL 425: Solang es Menschen gibt auf Erden
GL 427: Herr, deine Güt ist unbegrenzt
GL 439: Erhör, o Gott, mein Flehen (1. und 3. Str.)
GL 453: Bewahre uns, Gott, behüte uns Gott
GL 456: Herr, du bist mein Leben, Herr du bist mein Weg
GL 489: Lasst uns loben, freudig loben
GL 551: Nun singt ein neues Lied dem Herren
GL Ö866: Ein Danklied sei dem Herrn
GL Ö896: Mit dir geh ich alle meine Wege
GL Ö927: Wer glaubt, ist nie allein!
Psalmen und Kehrverse:
GL 38: Der Herr ist mein Licht und mein Heil - Mit Psalm 27 - IV.
GL 55: Jubelt, ihr Lande dem Herrn; alle Enden der Erde schauen Gottes Heil. - Mit Psalm 98 - VIII.
GL 404: Danket dem Herrn, er hat uns erhöht; Großes hat er an uns getan. - IX.
GL 518: Beim Herrn ist Barmherzigkeit und reiche Erlösung - Mit Psalm 146 (GL 77,2) - VII.
GL 629,1: Du führst mich hinaus ins Weite; du machst meine Finsternis hell - Mit Psalm 30 - I.
GL 639,3-4: Beim Herrn ist Barmherzigkeit, bei ihm ist Erlösung in Fülle - Mit Psalm 130 - II.
GL Ö877: Wie schön ist es, dem Herrn zu danken - Mit Psalm 146 (GL 77,2) - VII.
Heute begegnet uns – im Gottesdienst - eine Krankheit, die ausgestorben, überwunden scheint: der Aussatz. Der Aussatz frisst einen Menschen auf. Der Aussatz isoliert Menschen. Der Aussatz ist Tod auf Raten.
Mag die Krankheit weitgehend überwunden sein, Menschen werden aber wie Aussätzige behandelt, wenn sie nicht willkommen sind, das falsche Gesicht haben, die falsche Sprache sprechen. Ausgesetzt, an den Rand gedrängt, mundtot gemacht: Der Aussatz ist Tod auf Raten.
Heute rufen wir unseren Herrn an. Er schenkt Menschen eine Zukunft. Ihm danken wir für neue Anfänge.
Wünsche und Hoffnungen bewegen unser Leben. Wir dürfen sie Jesus sagen. 10 Aussätzige bitten im Evangelium Jesus um Heilung ihrer Krankheit mit den Worten: „Hab Erbarmen mit uns.“ Auch der Syrer Naaman hofft auf Heilung.
Jesus schenkt uns Heil und Hoffnung. Er begegnet uns in seinem Wort. Er ist nahe im gebrochenen Brot. Grüßen wir ihn in unserer Mitte.
Herr,
die Geschichten von dir spielen in gottverlassenen Gegenden.
Die Menschen im Niemandsland sind dir nicht fremd.
Herr, erbarme dich.
Christus,
Menschen, die ausgesetzt wurden, holst du ins Leben zurück.
Wer schon aufgegeben wurde, lacht befreit auf.
Christus, erbarme dich.
Herr,
Wundergeschichten sind uns suspekt.
Sind wir dankbar, geht uns eine neue Welt auf.
Herr, erbarme dich.
Der Herr hat sein Heil bekannt gemacht *
und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker.
Er gedachte seiner Huld *
und seiner Treue zum Hause Israel.
Ehre sei Gott in der Höhe!
Meister, hab Erbarmen mit uns! – So rufen die 10 Aussätzigen.
So rufen auch wir, wo wir einsam, krank und ohne Hoffnung sind…
Herr, erbarme dich!
So rufen auch wir, wo es uns nur um unsere oft oberflächlichen Wünsche geht…
Christus, erbarme dich!
So rufen auch wir, wo wir nicht immer wieder umkehren, um in dir Heil und Leben zu finden…
Herr, erbarme dich!
Herr, unser Gott,
deine Gnade komme uns zuvor und begleite uns,
damit wir dein Wort im Herzen bewahren
und immer bereit sind, das Gute zu tun.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 28. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
du hast uns erschaffen, damit wir dich preisen.
Gib, daß wir dich mit ungeteiltem Herzen anbeten
und die Menschen lieben, wie du sie liebst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 4. Sonntag im Jahreskreis
Gott, du Beschützer aller, die auf dich hoffen,
ohne dich ist nichts gesund und nichts heilig.
Führe uns in deinem Erbarmen den rechten Weg
und hilf uns,
die vergänglichen Güter so zu gebrauchen,
daß wir die ewigen nicht verlieren.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 17. Sonntag im Jahreskreis
Lebendiger Gott,
du heilst, was verwundet ist,
und richtest aus, was darniederliegt.
Stärke unser Vertrauen auf dich
und erfülle uns mit Dankbarkeit
für das, was du uns schenkst,
durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unseren Herrn und Heiland,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt in Ewigkeit.
WB 28. Sonntag im Jahreskreis C
An diesem Morgen / Abend,
werden wir mit Wundergeschichten beschenkt, Gott,
die alle von dir erzählen.
Kranke Menschen werden gesund.
Menschen, die ausgestoßen wurden,
kehren in das Leben zurück.
Wer schon aufgegeben wurde,
gehört wieder dazu.
Schenke uns einen dankbaren Blick
für die kleinen und großen Wunder.
Du lässt sie einfach unter uns geschehen
In Christus, unserem Herrn.
In der Kraft deines Geistes.
Heute, für die Ewigkeit.
Vater im Himmel,
du lädst uns täglich neu ein, auf dich zu vertrauen,
ja, uns dir mit allem anzuvertrauen.
Mit unserer Freude,
unserem Glück,
aber auch mit unseren Ängsten, Nöten und Leiden.
Wir halten dir alles hin, was uns ausmacht.
Nimm du uns bei der Hand und führe uns
– dein Wille geschehe.
Herr Jesus Christus,
wir brauchen vieles für ein gutes Leben:
ein gutes Wort,
die Nähe eines Mitmenschen,
Hoffnung,
Gesundheit an Leib
und mehr noch Gesundheit an der Seele.
Bei dir können wir das bekommen.
Schenke uns Heil und Heilung durch dein Wort,
das wir hören. - Amen.
Das Evangelium spielt in einem Grenzgebiet. Es spielt an der Grenze von Leben und Tod. Aussätzige, ausgesetzte Menschen werden geheilt.
Wir beten heute
Für Menschen, die, weil sie krank sind, aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden, die zusehen müssen, wie sie geschnitten werden, die die Angst spüren, die Menschen vor ihnen haben.
Sprich zu uns: Steh auf und geh!
Für Menschen, die Andersdenkende ausschließen, die über „rein“ und „unrein“ entscheiden, die anderen absprechen, eine Heimat zu haben.
Sprich zu uns: Steh auf und geh!
Für Menschen, die auch in den Kirchen Grenzen ziehen, die über „wahr“ und „unwahr“ urteilen, die am Ende nur unter sich bleiben wollen.
Sprich zu uns: Steh auf und geh!
Für Menschen, die sich von Flüchen nicht einschüchtern lassen, die aus dem Bannkreis der Angst heraustreten, die Hoffnungsgeschichten begründen.
Sprich zu uns: Steh auf und geh!
Für Menschen, die in ihren Erinnerungen gute Erfahrungen bergen, die den Dingen auf den Grund gehen, die im „Dank“ ihre Lebensgeschichte finden.
Sprich zu uns: Steh auf und geh!
Von zehn Geheilten kehrte nur einer zurück. Er kehrte zurück, um zu danken. Als er umkehrte, ging ihm das Leben auf.
Du, Herr, bist aufgestanden und zu uns gekommen.
Das feiern wir mit Brot und Wein.
Herr, Jesus Christus, du bist unser Heiland,
dir sagen wir unsere Fürbitten:
Wir beten für die Kranken und Notleidenden,
lass ihr Rufen auf hilfsbereite Ohren stoßen.
Christus, höre uns. - Christus, erhöre uns.
Schenke den politisch Verantwortlichen den Mut,
den Ausgegrenzten nahe zu sein und Perspektiven zu geben.
Wehe die Kirche aus ihren Komfortzonen,
um die Frohe Botschaft für alle zu sein.
Wir bitten für die Einsamen und Trostlosen.
Lass sie Menschen mit offenen Ohren begegnen.
Herr, Du gibst uns das tägliche Licht,
dafür danken wir Dir jetzt und in Ewigkeit. – Amen.
© Pfarrer Michael Lehmler - kreidestern@me.com
Wer dankbar ist, weiß, dass er sein Leben und alles, was es erfüllt, nicht sich selbst verdankt. Er wendet sich vielmehr den anderen und Gott zu und erfährt so Heilung und Rettung.
Wenden wir uns gemeinsam zu Gott, der ohne Wenn und Aber immer mit uns ist:
Wir beten für eine Kirche, in der sich Menschen zusammenfinden, die selbst Vertrauen ins Leben und in deine Güte ausstrahlen.
Lass uns mehr durch unser Tun als durch eingeübte Worte zum Teil der Verkündigung deines uns geschenkten Heils werden.
Wir beten für die politische Stimmung in unserem Land, für die wir selbst mitverantwortlich sind.
Lass uns alle Möglichkeiten zu guter Weiterbildung und substanziellem Diskurs dankbar annehmen.
Wir beten für alle, die in Angst um ihre Existenzgrundlage leben und in ihrer inneren Leere und den äußeren Krisen orientierungslos geworden sind.
Beschenke sie mit deiner Kraft, in der sie sich verändern können und inneren Halt finden.
Wir beten für uns selbst,
dass wir alles Gute, das uns widerfährt, aufmerksam wahrnehmen und alles Gelungene in unserem Leben feiern können.
Wir beten für alle Verstorbenen und ihre trauernden Angehörigen und Freunde.
Schenke ihnen Hoffnung über den irdischen Tod hinaus.
In Jesus hast du, großer Gott, uns den Retter und Heiland gesandt.
Wir danken dir dafür, feiern und loben dich jetzt und allezeit. - Amen.
Herr Jesus Christus, der Glaube an dich hilft unserem Leben. Wir bitten dich:
Für alle, deren Leben durch eine unheilbare Krankheit eingeengt ist.
Schenke ihnen Hoffnung und Zuversicht durch die Liebe ihrer Mitmenschen.
Für alle, deren Dienste für andere als selbstverständlich genommen werden und die selten Dank erfahren.
Dass sie nicht mutlos werden, sondern den Sinn ihres Tuns erkennen.
Für alle, die von einer schweren Krankheit geheilt wurden.
Dass sie dir danken und auf dich hoffen lernen.
Für alle, die leiden, die ausgegrenzt werden, weil sie an dich glauben.
Dass sie immer wieder Mut zum Bekenntnis finden.
Für alle, die nicht an dich glauben können oder wollen.
Dass sie nie aufhören, nach Wahrheit zu suchen.
Für alle, deren Wünsche und Hoffnungen immer wieder enttäuscht werden.
Dass sie das Leben dennoch bejahen.
Für unsere Verstorbenen.
Dass sie die Erfüllung aller Hoffnungen erfahren.
Dir sei Lob und Preis, jetzt und in alle Ewigkeit. - Amen.
Krankheiten treffen Menschen quer durch alle Gesellschaftsschichten. Im Vertrauen auf Gottes Zuwendung auch in diesen schwierigen Lebenssituationen erfahren wir, wie dankbar wir für das Geschenk des Glaubens sein dürfen.
In dieser Dankbarkeit lasst uns gemeinsam unseren himmlischen Vater bitten:
Für Papst Franziskus, unsere Bischöfe und alle, die in der Kirche seelsorgerliche Dienste in Verantwortung wahrnehmen.
Für alle Menschen in unserer Gesellschaft, die durch falsches Anspruchsdenken irregeleitet keine Dankbarkeit empfinden können.
Für alle, die aufgrund ihres Mitgefühls oder ihres Berufs denen beistehen, die mit seelischen oder körperlichen Beeinträchtigungen leben müssen.
Für uns selbst um einen starken Glauben, durch den du, Vater, uns zwar nicht immer vor Krisen bewahrst aber in den Krisen unseres Lebens beistehst.
Für unsere Verstorbenen, für die wir das ewige Heil erhoffen.
Denn dir, Vater, gebührt unser aller Dank. Dich rühmen und preisen wir durch Christus, unseren Herrn und Bruder, im Heiligen Geist. - Amen.
Guter Gott und Vater,
wir sind mit vielen Gegebenheiten konfrontiert, die uns überfordern.
Wir bitten dich:
Für alle, die krank sind und zu leiden haben.
Lass sie Menschen finden, die ihnen helfen, diese Last zu tragen.
Für alle Menschen, vor denen sich die Gesellschaft schützen muss
und die deshalb in geschlossenen Einrichtungen festgehalten werden.
Lass sie menschenwürdige Behandlung erfahren.
Für alle, die auf Grund ihrer Probleme am Rand der Gesellschaft leben.
Lass ihnen Menschen begegnen, die ihnen helfen können.
Für alle Menschen, denen es gut geht und die dich als den Schöpfer und Geber alles Guten aus dem Blick verloren haben.
Schenke ihnen die Gnade des Glaubens.
Für die Verstorbenen.
Lass sie Trost und Frieden bei dir finden.
Vater im Himmel, wir sind uns bewusst, wie viel wir dir verdanken.
Lass uns nicht müde werden, dich vor den Menschen zu bezeugen. - Amen.
Herr und Gott,
nimm die Gebete und Opfergaben
deiner Gläubigen an.
Lass uns diese heilige Feier
mit ganzer Hingabe begehen,
damit wir einst das Leben
in der Herrlichkeit des Himmels erlangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 28. Sonntag im Jahreskreis
Heiliger Gott,
diese Gabe werde zum reinen Opfer,
das deinen Namen groß macht unter den Völkern.
Für uns aber werde sie zum Sakrament,
das uns die Fülle deines Erbarmens schenkt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 31. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger Gott,
du bist der Ursprung aller Dinge.
Du gibst uns Speise und Trank
als Hilfe für das irdische Leben.
Nimm entgegen,
was du uns in die Hände gelegt hast,
und erfülle diese Gaben mit göttlicher Kraft,
damit sie uns das ewige Leben schenken.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Dienstag in der 1. Woche der Fastenzeit
Die Bittmesse
Eine Schale mit Brot.
Brot für viele.
Ein Kelch mit Wein.
Wein für alle.
Herr, wir danken dir!
Wir danken dir für deine Nähe,
für die Gemeinschaft mit dir,
für die Hoffnung, die wir teilen.
Du schenkst uns Anteil an deinem Leben.
An deinem Leib, dein Blut,
deine Menschlichkeit,
deine Göttlichkeit.
Eine Schale mit Schmerzen,
ein Kelch mit Tränen.
Wir bringen sie dir.
Komm, unser Herr!
Herr Jesus Christus,
wir danken dir für deine Hingabe am Kreuz.
Durch deine Hingabe sind wir erlöst.
Du bist uns jetzt nahe in Brot und Wein.
Durch sie ist uns Leben geschenkt.
Deine Liebe erneuere unsere Herzen
und mache sie dankbar und froh.
Lass uns in deiner Nähe sein. - Amen.
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater,
zu danken und deine Größe zu preisen.
Du bedarfst nicht unseres Lobes,
es ist ein Geschenk deiner Gnade,
daß wir dir danken.
Unser Lobpreis kann
deine Größe nicht mehren,
doch uns bringt er Segen und Heil
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn rühmen wir jetzt
und in Ewigkeit dein Erbarmen und
singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Wochentage 4
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und das Werk deiner Gnade zu rühmen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn aus Erbarmen mit uns sündigen Menschen
ist er Mensch geworden aus Maria, der Jungfrau.
Durch sein Leiden am Kreuz hat er uns
vom ewigen Tod befreit und
durch seine Auferstehung
uns das unvergängliche Leben erworben.
Darum preisen dich deine Erlösten und
singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 2
Wir danken dir, treuer und barmherziger Vater,
für Jesus, deinen Sohn unseren Herrn und Bruder.
Seine Liebe galt den Armen und Kranken,
den Ausgestoßenen und Sündern.
An keiner Not ging er vorüber.
Sein Leben und seine Botschaft lehren uns,
daß du ein Gott bist, der sich der Menschen annimmt
wie ein Vater sich um seine Kinder sorgt.
Darum loben und preisen wir dich,
wir rühmen deine Güte und Treue
und verkünden mit allen Engeln und Heiligen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 3
Gott
solange wir leben
wollen wir dich dankbar loben
für alle Gaben, die du uns gegeben hast
wir wollen sie nicht nur für uns verwenden
sondern auch denen geben
die es notwendig brauchen
Gott
geh mit uns, lass uns nicht allein
lass uns deinem Wort und deinem Beispiel folgen
in der gemeinsamen Feier deine Kraft erfahren
und neu gestärkt in den Alltag gehen
Gott
sende uns aus
lass uns zum Segen werden
wenn wir versuchen
zu helfen, zu teilen und zu heilen
und einander Brüder und Schwestern zu sein
Allmächtiger Gott,
in der heiligen Opferfeier
nährst du deine Gläubigen
mit dem Leib und dem Blut deines Sohnes.
Gib uns durch dieses Sakrament
auch Anteil am göttlichen Leben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 28. Sonntag im Jahreskreis
MB Samstag der 5. Woche der Fastenzeit
Gott, unser Vater,
du hast uns gesättigt mit der Speise,
die du allein zu geben hast.
Laß uns von ihr leben und uns freuen
an deiner Huld und Gnade,
und laß unsere Freude fruchtbar werden in guten Taten.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Schlussgebete zur Auswahl 2
Herr,
du hast uns mit reichen Gaben beschenkt.
Lass uns in der Danksagung verharren
und einst die Fülle des Heils erlangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 14. Sonntag im Jahreskreis
Gütiger Gott,
du hast uns am heiligen Tisch gestärkt,
damit wir bewusster in deiner Gegenwart leben.
Bleibe uns nahe mit deinem Erbarmen und deiner Hilfe.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Dienstag der Fastenzeit
Herr, unser Gott,
im heiligen Mahl haben wir den Leib
und das Blut deines Sohnes empfangen.
Der Glaube an ihn lässt uns das volle Leben erhoffen.
Lass uns in der Freude dieser Hoffnung
die nötigen Schritte tun, dieses Ziel zu erreichen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Fest des Heiligsten Erlösers
Du, Gott, bist für Überraschungen gut!
Wo wir uns eingerichtet haben
in schmalen Herzen
und engen Gedanken,
reißt du uns die Welt auf.
Sie wird nicht so bleiben wie sie ist.
Fremde finden eine Heimat,
Ausgeschlossene fordern zum Tanz auf,
Ausgesetzte laden zu Tisch.
Du, Gott, bist für Wunder gut!
Dankbar erinnern wir uns an deine Treue,
die vor allem Anfang war.
Sprich zu uns: Steh auf und geh!
Um deinen Segen bitten wir dich
in Christus - seine Liebe ist rein und unverfälscht.
Herr Jesus Christus,
wie die 10 Aussätzigen als geheilte fortgingen,
so sind auch wir jetzt beschenkt worden
von deinen Worten und von deiner Nähe.
Du machst uns nicht nur körperlich gesund,
damit wir zur Tagesordnung übergehen.
Du machst uns ganz heil,
weil wir aus deiner Liebe leben.
Lass uns Zeugen für dich werden
und heilend wirken auf unsere Mitmenschen.
Amen.
Und der Segen Gottes,
dessen Kraft und Zusage größer ist
als all unsere Vorurteile, Verfehlungen, Ängste und Nöte,
er lege sich gnädig auf uns und stärke uns.
So segne uns Gott der Vater...
tritt aus dem haus
in die welt
geh aus der komfortzone
in die todeszone
mach
das herz auf
spann
die seele aus
erschaffe
lebensräume
der himmel
ist mit dir
Aus: Beten im Alltag, Action 365, Frankfurt.
ein leben lang
zahle ich kirchensteuer
und spende regelmäßig
komfortzone
fast jeden sonntag
höre ich tote predigten
ich bin immer noch da
komfortzone
gebetet habe ich
allein und gemeinsam
für viele und auch für mich
komfortzone
auch als die heilige kirche
mich missbrauchte und wegsah -
bin ich geblieben
komfortzone
in meiner familie gibt es
gläubige und suchende
gute und böse menschen
komfortzone
Aus: Beten im Alltag, Action 365, Frankfurt.
Glauben – was ist das?
Entbehrlich?
Lebens-notwendig?
Glauben ist kein frommer Akt
Glauben geht nicht nebenbei
Glauben ist aktive Präsenz
transzendente Gegenwärtigkeit
sie öffnet
für Gottes Präsenz
Glauben
etwas zwischen Verstand und Gefühl
das geheimnisvoll Ganz-Andere
Suchen das
nicht viele …?
Woher wussten SIE es
die Aussätzigen
dass ER heilen kann
dieser Wanderprediger
aus Nazareth?
EINER erkannte
und dankte!
In JEDEM
ist es grundgelegt
Jesu Heilkraft
aufgrund des Glaubens
zu erfahren
Unspektakulär
er macht keine Show daraus
Das Große geschieht
leise
unbemerkt
abseits
innen
Glauben ist:
Gott groß sein lassen
darin liegt auch
die Größe des Menschen
Es ist wahre Größe
ein dankbarer Mensch zu sein
und Gottes Wirken anzuerkennen
Papst Franziskus ruft in seinem neuen Schreiben «Gaudete et exsultate» zum Aufbrechen aus der eigenen Komfortzone auf.
Wenn Franziskus die klassische christliche Gottes- und Nächstenliebe mit «Heiligkeit» verbindet, macht er diese zur Sache aller: Franziskus spricht vom «tagtäglichen Voranschreiten» (7), von «kleinen Gesten» (16), in seinen Beispielen von Alltagsbegegnungen. Ihm liegt gerade an der Heiligkeit und damit Würde und Bedeutung jedes Einzelnen in seinen noch so unauffälligen Lebensumständen. Zudem ergründet Franziskus einfühlsam, was solche Heiligkeit ausbremst: Auch hier heißt es aufbrechen aus der Komfortzone. All dies tut der Papst lebensnah – und folgerichtig in einer Sprache, die jeder versteht. Ein Apostolisches Schreiben für alle, die ihre Spiritualität reflektieren möchten.
Hildegard Scherer, kath.ch
Haben Sie den Wunsch gefasst Ihre Komfortzone zu verlassen, treibt Sie eine eigene Motivation an? Sind Sie sich jedoch nicht ganz sicher, ob es sich lohnt, manchmal aus der Routine auszubrechen, können Sie vielleicht diese Argumente überzeugen:
Wollen Sie gern öfter die Komfortzone verlassen, können Sie ruhig klein anfangen. Sie sollten einige Tipps im Hinterkopf behalten:
Nun geht es für Sie daran, Möglichkeiten zu finden, die Komfortzone zu verlassen. Geben Sie nicht auf, wenn Sie anfangs etwas ratlos sind, was Sie tun könnten. Fällt Ihnen etwas ein, dann trauen Sie sich ruhig!
Isabell Goede, Focus Online, 04.07.2018.
Gefangen
im Kreisen
von Gedanken
von Sorgen
gefangen
im alltäglichen Schrecken
im Kampf um das tägliche Leben
gefangen
auf der Suche nach Gerechtigkeit –
nach Liebe
gefangen in Vertrauensbruch
Untreue und
Verrat
gefangen
in mir selbst und meinen Geistern
mit dem Brett vor meinem Kopf
mit dem Knoten um meine Seele
löst sich der S C H R E I
findet ein Gegenüber
findet ein offenes Ohr
findet den HEILIGEN GOTTES
und ER befiehlt
allem, was mich fesselt
zu schweigen
und mich zu verlassen
und es zieht mich noch hin und her
wohin?
Es zieht mich zu dem
der Heil mir verheißt
der mich in meinem ganzen „So-Ist-Es-Sein“ umfängt
der alles wahrnimmt
was mich ausmacht
ALLES
und
der mich bergend umschließt
mich liebend wiegt – wie ein Kind
der mit seiner Liebe und Annahme
Heil-werden möglich machen will
(c) Beatrix Senft 2021, beatrix.senft@googlemail.com
Und es geschah
auf dem Weg
im Grenzgebiet
eine Heilung
Zwischen zwei Fremden
spielte sie sich ab
Wer heilt heute
die Ausgesetzten
die Ausgegrenzten
die Fremden
die Angstmacher
die Ausgrenzer
Fühlen sich Staaten
heillos überfordert
oder maßlos
um das eigene Heil
besorgt
Wofür sind wir in Österreich
dankbar?
Wofür bin ich dankbar?
Eine Woche lang
Dankbarkeit leben
Was würde sich verändern?
Manch einer wagt den Priester gar nicht mehr anzusprechen, ob er ein wenig Zeit für ihn habe. Bewusst habe ich einmal meiner Gemeinde „von der Kanzel“ gesagt, dass ich immer Zeit habe, wenn ich wirklich gebraucht werde. Wenn nicht heute, dann sicher morgen. Es sollte auch eine Selbstverpflichtung sein…
Ich fürchte, dass manchen viel beschäftigten Pfarrern auch die Kompetenz für seelsorgliche Gesprächsführung, die Kunst, hinzuhören und einen geistlichen vertrauensvollen Raum zu schaffen für ein gelingendes Gespräch, der Eros für echte Seelsorge abhandenkommen kann. Die Leute spüren sehr deutlich, ob und wann sie sich einem Priester anvertrauen können.
Vergessen wir auch nicht, wie kostbar gerade die mannigfaltigen Erfahrungen im Beichtgespräch, am Krankenbett, die Begleitung von Einkehrtagen sein können. Sie sind nicht nur eine Herausforderung, die ganz starke Präsenz erfordern, sondern zugleich ein Geschenk; denn hier wird oft Gottes Handeln am Menschen geradezu handgreiflich erfahrbar!
Aus: Gerhard Bauer, Für euch – Mit euch, was der Priester ist und was er nicht ist, München 2013.
Mein kleiner Sohn kam heute Abend zu mir in die Küche als ich das Essen machte und er gab mir ein Stück Papier auf, das er mit Buntstift geschrieben hatte...
Ich trocknete mir die Hände ab, an meiner Schürze, und ich las, was auf diesen Zettel stand...
Sohn: Den Rasen gesprengt: 3 Mark!
Die ganze Woche mein Bett gemacht: 2 Mark!
Zum Kaufmann gegangen: 50 Pfennig!
Beim Autowaschen geholfen: 2 Mark!
Mit Brüderchen spazieren gegangen als Du beim Frisör warst: 1 Mark!
Das Unkraut im Garten ausgezupft: 2 Mark!
Im Rechnen eine "1" geschrieben: 5 Mark!
Macht zusammen 15 Mark und 50Pfennig!
Da Stand er nun erwartungsvoll vor mir, und Tausend Erinnerungen kamen mir in den Sinn.
Und so nahm ich einen Bleistift, drehte den Zettel um und schrieb darauf:
Mutter: Ich trug Dich neun Monate, dafür will ich "keinen Pfennig".
Ich wachte an Deinem Bett, dafür will ich "keinen Pfennig".
Ich weinte um Dich und auch dafür will ich "keinen Pfennig".
Insgesamt kostet Dich all die Liebe von mir "keinen Pfennig".
Als er das gelesen hatte, da standen dicke Tränen in seinen Augen, er sah mich an und sagte: Mami, ich hab Dich so lieb. Dann nahm er den Bleistift und schrieb mit großen Buchstaben: ALLES BEZAHLT!!!
Insgesamt kostet Dich all die Liebe von mir "keinen Pfennig".
Johanna von Koczian
Beten, das ist warten, einfach da sein, offen sein, empfänglich sein – das sind Haltungen, die in unserer leistungsorientierten Welt keinen Stellenwert mehr haben.
Beten, das heißt arm sein vor Gott, heißt Zeit haben, Kraft, Herz und Gemüt auf ihn richten gegen die Nützlichkeitsorientierung „Zeit ist Geld“: was kommt für mich dabei heraus.“
Beten verlangt ruhige Aufmerksamkeit, Verweilen, nach Innen hören, nach Innen schauen – gegen die bloße Außenorientierung.
Beten, das heißt sich dem Geheimnis Gottes öffnen, sich diesem auszusetzen, sich glaubend darauf einlassen – gegen die heutige Herrschaft des Wissens und des Machens.
Beten, das heißt hoffen und vertrauen, dass ich Zukunft habe von Gott her – gegen den Hang nach Sicherheit und Garantie.
Beten, das heißt danken, danken, dass ich bin, danken, dass ich meine Existenz einem anderen verdanke – gegen die Lebenseinstellung eigener Mächtigkeit.
Beten, das heißt klagen und anklagen, zweifeln und hadern, trauern und weinen dürfen – gegen den Trend der Anpassung.
Beten fordert „klein“ zu sein, ein Kind zu sein.
Beten schließt den Lobpreis ein, und sich freuen.
Beten ist der Zugang zur Dimension Gottes, in der ich mich erst wirklich selber finden kann.
Theresia Hauser in: Beten im Alltag, Action 365.
Nein, du Mann auf der Kanzel, es
war nicht das, was du sagtest, du weißt,
das mit Gott, und dass er ja da ist, immer,
in allem, was ist und geschieht, und
lebt auch in uns, nur dass wir nichts
sehen von ihm, so ähnlich kam es heraus,
und ich dachte: schön, das mag sein
oder auch nicht, ich versteh nichts
davon.
Nein, was mir nahging, mich traf, Mann,
das war das Zögern in deiner Stimme,
ehe du sagtest, wie zu dir selbst und
bekümmert, so kam es mir vor: Manchmal
frag ich mich auch, ich geb’s zu, ob es
wahr ist, doch dann –
Da, genau in dem Augenblick, wusste ich
und kann’s nicht erklären und wusste
nur: es ist wahr, was du sagst, das alles
mit Gott und dass es ihn gibt, es war
mir plötzlich ganz klar. Ja, und deshalb
bin ich jetzt hier, Prediger, ich muss
einfach mit dir reden, verstehst du?
Aus: Lothar Zenetti, Wir sind noch zu retten, Pfeiffer Verlag, München 1987.
Eine bekannte Frage?
Jeus sagt:
Glauben hilft
aufgrund deines Glaubens
kann Jesus wirken
reinigend
heilsam
aufrichtend
ermutigend
orientierend
bewegend
So richtig
herausfordernd
Das braucht es bisweilen
wenn ich mich an der Grenze fühle
mir wie fremd vorkomme
in der eigenen Haut
ausgesetzt bin
unberechenbaren Umständen
Sein Wort
trifft den Nerv
initiiert eine Wendung
und
bewegt zur Dankbarkeit
Auch mich?
10 gute Gründe, warum ich mich nicht wasche:
Ich wurde als Kind immer gezwungen, mich zu waschen.
Menschen, die sich waschen, sind Heuchler. Sie glauben, sie wären sauberer als andere.
Ich habe mich einmal gewaschen. Aber ich finde es langweilig.
Alle meine Freunde finden Waschen blöd und überflüssig.
Wenn ich älter bin, kann ich ja vielleicht anfangen, mich zu waschen.
Ich habe keine Zeit, mich zu waschen.
Die Atmosphäre im Badezimmer ist viel zu kalt und steril.
Ich kann auch draußen in der Natur sauber werden. Der Wind bläst mich sauber.
Wenn du dich wäscht, ist das schön für dich. Ich fühle mich auch ohne Waschen gut.
Meine Eltern haben sich immer gewaschen. So wie die will ich nie werden.
Unser Gott,
rufe uns weiter
an den Tisch der Brüder und Schwestern
zu Christi Mahl.
Heile so die Gemeinschaft,
die gestört ist
zwischen den Menschen unserer Tage,
daß sie sich finden
am Tisch ihres Bruders —
Habende und Arme,
Gesunde und Kranke,
Fröhliche und Bedrückte,
Wissende und Zweifler,
Fromme und die voller Fragen.
Vater,
wir bitten dich,
suche die,
die nichts sind,
unter den Vielen heraus
und lade sie ein
zu dir.
Wecke dadurch die Müden,
daß sie sich wieder freuen.
Gib den Verbitterten
einen getrösteten Blick
auf die Tage, die kommen.
Umfange die Sterbenden
mit deiner Nähe.
Baue deine Kirche aus uns allen
und durchdringe
unser verkümmerndes Leben
mit dem Ruf
zu dir,
zum Leben,
zur Ewigkeit.
Aus: Michael Meyer, Nachdenkliche Gebete im Gottesdienst. Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1988.
Was willst du im lande reagans
fragen meine freunde in deutschland
du hast da nichts zu suchen
aber es ist doch nicht wahr
daß die geschichte den Siegern gehört
Was willst du in dem marmorpalast
aus rockefellermilliarden
den sie eine kirche nennen
aber es ist doch nicht wahr
daß die bibel den militaristen gehört
Was willst du mitten im kriege
der reichen gegen die armen
auf der seite der mächtigen
aber es ist doch nicht wahr
daß die besetzten länder
den besetzern gehören
Die wahrheit ist meine freunde
daß die füchse höhlen haben
und die vögel sich nester bauen
und er keinen platz hatte
sich schlafen zu legen
nur ein paar freunde
derentwegen er dablieb
Aus: dorothee sölle, spiel doch von brot und rosen. gedichte. Verlag Fietkau, Berlin 1998.
Papst Benedikt XVI. regte vor einigen Jahren an, die Apostelgeschichte in die Gegenwart zu führen. Auf diese Weise hat auch in der Erzdiözese Wien der Prozess APG 2010 begonnen. In der Pfarre Breitenfeld führten wir lange vor dem päpstlichen Vorschlag dazu einen zweijährigen Glaubenskurs mit Studienunterlagen für die TeilnehmerInnen durch und behandelten dabei in sehr lebhaften Diskussionen gesellschaftliche und kirchliche Probleme der Gegenwart.
Der diözesane Vorgang APG 2010 sieht drei Delegiertenversammlungen vor, wovon zwei bereits stattgefunden haben. Gute Organisation und viele Begegnungen trugen zu einer sehr menschlichen Atmosphäre bei trotz äußerst unterschiedlicher Positionierungen, was das Kirchenbild, das Konzilverständnis und notwendige Reformen betrifft. TeilnehmerInnen stellten fest, dass in der zweiten Versammlung schon weniger Schwung als in der ersten lag. Was sich immer mehr zeigt: Inhaltliche Fragen wie Gottesbild, Kirchenbild, Mystik, Fortleben der Sakramente können von Strukturfragen wie Personalmangel, Überalterung des Klerus, Zukunft der Pfarren, Finanzfragen nicht getrennt werden. Wer das weiterhin tut, verliert den Menschen mit seinen Sorgen und Nöten aus den Augen und verwaltet nur den Mangel.
Der 3. Delegiertenversammlung wird deshalb ein besonderes Augenmerk zukommen. Es ist zu hoffen, dass dann aus der Ängstlichkeit bis hin zur Lethargie Bewegung entsteht. Wie die Urgemeinde Jerusalems auch im inneren Bereich Probleme sozialer Natur, aber auch in unterschiedlichen Glaubensvorstellungen hatte, so erlebt es die Kirche gegenwärtig.
Worüber können und dürfen wir gegenwärtig auch in der Pfarre Breitenfeld nicht schweigen? Über den überbordenden römischen Zentralismus, etwa bei Bischofsbestellungen, über geplante Pfarrzusammenlegungen, die zu Monstergemeinden führen, über die Austrocknung der Sakramente wie Eucharistie, Versöhnung und Buße, Krankensalbung, ja sogar des Ehesakraments, über Probleme in der gegenwärtigen Sexualmoral und Ehegesetzgebung der Kirche, über die weltkirchliche Ängstlichkeit in der Ökumene, den Schritt zur eucharistischen Gastfreundschaft unter den christlichen Konfessionen zu wagen, über die vielen Kirchenaustritte und die kirchlich Fernstehenden. All das sind Themen auch für die Weiterarbeit im Pfarrgemeinderat.
Der Geist weht, wo er will, nicht nur in römischen Windkanälen, sondern auch ganz gehörig im pilgernden Volk Gottes auf dem Weg durch die Zeiten. Sind nicht Pfarrer- und Laien-Initiative und viele Reformbewegungen sehr starke Zeichen des Heiligen Geistes aus der Lethargie zu erwachen, die alles lähmt? Angst ist der Urfeind des Glaubens. Schweigen wir also nicht betreten darüber, wovon auch Klartext zu reden wäre.
Pfarrblatt der Pfarre Bretenfeld, Wien VIII., September 2010.

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Ein paar Auffälligkeiten in der Geschichte: Naaman ist Syrer und damit für Elischa ein Fremder. Somit wird die Universalität des Heilsangebotes Gottes sichtbar.
Naaman, so heißt es in den Versen zuvor, will sich zunächst weigern, das einfache Prozedere des Eintauchens durchzuführen und erwartet eine strengere Behandlung. Als die Heilung gelingt, wird er zum über die Massen dankbaren Anhänger Jahwes und damit als Beispiel eines zum Glauben Bekehrten.
Durch die Ablehnung der Geschenke macht Elischa deutlich, dass nicht er, sondern Gott der Handelnde ist und jener, dem der Dank gebührt. Naaman hat damit noch Mühen.
Die vielen Wunder, die von Elischa berichtet werden, fallen in diesem Zusammenhang auf. Auch sie stehen im Dienst seiner prophetischen Verkündigung: Es geht darum, Gottes Einzigartigkeit zu erweisen.
Die vorliegende Perikope ist der Heilungserzählung des Aramäers Naaman entnommen (2 Kön 5,1-27 - siehe "ungekürzte Fassung"): Er ist ein Heide, der vom Propheten geheilt wird und so zum Bekenntnis zum Gott Israels kommt. Gottes Heil ist also nicht nur für Israel da, sondern für alle Völker (vgl. Gen 12,3; Jes 2,1-5; Sach 2,15 u.a.).