Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Jesus Sirach.
Der Herr ist Richter
und es gibt vor ihm kein Ansehen der Person.
Er bevorzugt niemanden gegenüber einem Armen,
die Bitte eines ungerecht Behandelten wird er erhören.
Er missachtet nicht den Hilferuf der Waise
und die Witwe, wenn sie ihren Jammer ausschüttet.
Wer Gott wohlgefällig dient, wird angenommen
und seine Bitte dringt bis in die Wolken.
Das Gebet eines Demütigen durchdringt die Wolken,
und bevor es nicht angekommen ist, wird er nicht getröstet
und er lässt nicht nach, bis der Höchste daraufschaut.
Und er wird für die Gerechten entscheiden und ein Urteil fällen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Jesus Sirach.
Der Herr ist Richter
und es gibt vor ihm kein Ansehen der Person.
Er bevorzugt niemanden gegenüber einem Armen,
die Bitte eines ungerecht Behandelten wird er erhören.
Er missachtet nicht den Hilferuf der Waise
und die Witwe, wenn sie ihren Jammer ausschüttet.
Fließen nicht Tränen der Witwe über die Wangen
und richtet sich der Schrei nicht gegen den,
der sie hinabfließen ließ?
Wer Gott wohlgefällig dient, wird angenommen
und seine Bitte dringt bis in die Wolken.
Das Gebet eines Demütigen durchdringt die Wolken,
und bevor es nicht angekommen ist, wird er nicht getröstet
und er lässt nicht nach, bis der Höchste daraufschaut.
Und er wird für die Gerechten entscheiden und ein Urteil fällen.
Kv: Der Herr erhört den Armen
und hilft ihm aus all seiner Not. – Kv
Oder: GL 651,3
Ich will den Herrn allezeit preisen; *
immer sei sein Lob in meinem Mund.
Meine Seele rühme sich des Herrn; *
die Armen sollen es hören und sich freuen. – (Kv)
Das Angesicht des Herrn richtet sich gegen die Bösen, *
ihr Andenken von der Erde zu tilgen.
Die aufschrien, hat der Herr erhört, *
er hat sie all ihren Nöten entrissen. – (Kv)
Nahe ist der Herr den zerbrochenen Herzen *
und dem zerschlagenen Geist bringt er Hilfe.
Der Herr erlöst das Leben seiner Knechte, *
niemals müssen büßen, die bei ihm sich bergen. – Kv
Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus
an Timotheus.
Mein Sohn!
Ich werde schon geopfert
und die Zeit meines Aufbruchs ist nahe.
Ich habe den guten Kampf gekämpft,
den Lauf vollendet, die Treue bewahrt.
Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit,
den mir der Herr, der gerechte Richter,
an jenem Tag geben wird,
aber nicht nur mir,
sondern allen, die sein Erscheinen ersehnen.
Bei meiner ersten Verteidigung ist niemand für mich eingetreten;
alle haben mich im Stich gelassen.
Möge es ihnen nicht angerechnet werden.
Aber der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft,
damit durch mich die Verkündigung vollendet wird
und alle Völker sie hören;
und so wurde ich dem Rachen des Löwen entrissen.
Der Herr wird mich allem bösen Treiben entreißen
und retten in sein himmlisches Reich.
Ihm sei die Ehre in alle Ewigkeit. Amen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Zum vierten und letzten Mal in Folge stammt die neutestamentliche Lesung aus dem Zweiten Brief an Timotheus. Die Verse stehen am Ende des Schreibens, innerhalb eines Zusammenhangs, der sich gewissermaßen als "seelsorgliches Testament" des Paulus darstellt und dies auf dem Hintergrund, dass der Apostel sich aussichtslos in einer Gefangenschaft befindet, ja sogar mit dem Tod rechnen muss. Diese Situation verleiht den Worten besonderes Gewicht.
Paulus steht als eifriger Verkündiger Jesu Christi und als treuer Verwalter der ihm anvertrauten Heilsgüter vor den Augen der Leser und Hörer. Er wird als einer dargestellt, der sich seiner himmlischen Anerkennung gewiss ist. Der unbekannte Verfasser der Pastoralbriefe greift hier bereits nach dem Stilmittel der Hagiographie. Aus den echten Paulusbriefen ist durchaus auch das Bekenntnis über das eigene Ungenügen vor dem Herrn bekannt.
Mit der ersten Verteidigung, von der die Rede ist, ist vermutlich der Prozeß gegen den Apostel gemeint, in dessen Anfangsstadium niemand aus der römischen Christengemeinde zur Unterstützung bereit war. Demgegenüber wird dann eben zum Schluss des Lesungstextes der Beistand des Herrn gerühmt und am Ende sogar mit einer förmlichen Doxologie bedacht.
Die 2. Lesung ist dem 2. Timotheusbrief entnommen. Dieser Brief stammt aller Wahrscheinlichkeit nach nicht aus der Feder des Apostels Paulus. Er dürfte am Ende des 1. Jahrhunderts, also lange nach Paulus' Tod, von jemand verfaßt worden sein, der die Theologie und die Person des Apostels sehr schätzte. Gerade die ausgewählten Verse lassen vermuten, daß Paulus so nicht von sich redete. Er wird bereits als "Heiliger" betrachtet.
In den Versen 6 bis 8 blickt der Paulus des Verfassers angesichts des bevorstehenden Endes mit feierlichem Pathos auf sein Leben zurück. Er beschreibt es als Kampf und vergleicht es mit einem sportlichen Wettstreit (vgl. Phil 3,14). Er erwartet einen Siegeskranz, der ihm vom gerechten Richter verliehen wird.
Die Verse 9 bis 15 werden in der liturgischen Perikope ausgelassen. Sie enthalten persönliche Mitteilungen und Aufträge.
Der Vers 16 erzählt von einer 1. Verteidigung des Paulus, in der ihn alle im Stich gelassen hätten. Der historische Gehalt dieser Aussagen bleibt unklar, unklar bleibt auch, wen dieser Vorwurf trifft. In Vers 17 tritt der Herr als sein Rechtsbeistand auf, der ihm Kraft gegeben und dem Rachen des Löwen entrissen hat. Er vertraut darauf, daß der Herr ihm bei allem, was ihm noch bevorsteht, beistehen wird.
Dieser Brief des Paulus ist in der Form eines Testamentes an seinen Schüler und Nachfolger Timotheus geschrieben. Aufgrund des Stiles wird dieser Brief jedoch nicht direkt dem Paulus zugeordnet.
In den Versen 6-8 soll das Bild und Vorbild des Paulus die Gemeinde und vor allem die sie führenden Amtsinhaber ermuntern und in ihrer Zuversicht auf Gottes Hilfe stärken. Der bevorstehende Tod gibt dem Paulus die willkommene Gelegenheit, sein Leben und Wirken vor Gott zu verantworten. Diese Verse sind Ausblick in die verheißene Zukunft und gleichzeitig Rückblick auf sein Leben.
Im 2. Teil (Verse 16-18) wird durch den Verweis auf das Versagen aller die Standhaftigkeit des Paulus im Leiden und seine Souveränität unterstrichen. Im Kontrast zum Verhalten der Menschen steht das Handeln Gottes - er hat dem Paulus immer die Treue gehalten. Die Rettung aus dem "Rachen des Löwen" greift ein alttestamentliches Bild auf, welches zusammen mit der Bedrohung des frommen Menschen durch gottfeindliche Mächte die rettende Macht Gottes beschreibt.
Im Vertrauen auf Gott weiß sich Paulus des Geschenkes der Heilsvollendung sicher.
Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus
an Timotheus.
Mein Sohn!
Ich werde schon geopfert
und die Zeit meines Aufbruchs ist nahe.
Ich habe den guten Kampf gekämpft,
den Lauf vollendet, die Treue bewahrt.
Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit,
den mir der Herr, der gerechte Richter,
an jenem Tag geben wird,
aber nicht nur mir,
sondern allen, die sein Erscheinen ersehnen.
Beeil dich, bald zu mir zu kommen!
Denn Demas
hat mich aus Liebe zu dieser Welt verlassen
und ist nach Thessalonich gegangen,
Crescens ging nach Galatien,
Titus nach Dalmatien.
Lukas ist als Einziger bei mir.
Nimm Markus und bring ihn mit;
denn er ist für mich nützlich zum Dienst.
Tychikus habe ich nach Ephesus geschickt.
Wenn du kommst, bring den Mantel mit,
den ich in Troas bei Karpus gelassen habe,
auch die Bücher, vor allem die Pergamente!
Alexander, der Schmied, hat mir viel Böses getan;
der Herr wird ihm vergelten,
wie es seine Taten verdienen.
Nimm auch du dich vor ihm in Acht,
denn er hat sich unseren Worten heftig widersetzt!
Bei meiner ersten Verteidigung ist niemand für mich eingetreten;
alle haben mich im Stich gelassen.
Möge es ihnen nicht angerechnet werden.
Aber der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft,
damit durch mich die Verkündigung vollendet wird
und alle Völker sie hören;
und so wurde ich dem Rachen des Löwen entrissen.
Der Herr wird mich allem bösen Treiben entreißen
und retten in sein himmlisches Reich.
Ihm sei die Ehre in alle Ewigkeit. Amen.
Halleluja. Halleluja.
Gott hat in Christus die Welt mit sich versöhnt
und uns das Wort von der Versöhnung anvertraut.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit
erzählte Jesus einigen,
die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren
und die anderen verachteten,
dieses Gleichnis:
Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten;
der eine war ein Pharisäer,
der andere ein Zöllner.
Der Pharisäer stellte sich hin und sprach bei sich dieses Gebet:
Gott, ich danke dir,
dass ich nicht wie die anderen Menschen bin,
die Räuber, Betrüger, Ehebrecher
oder auch wie dieser Zöllner dort.
Ich faste zweimal in der Woche
und gebe den zehnten Teil meines ganzen Einkommens.
Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen
und wollte nicht einmal seine Augen zum Himmel erheben,
sondern schlug sich an die Brust
und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig!
Ich sage euch:
Dieser ging gerechtfertigt nach Hause zurück,
der andere nicht.
Denn wer sich selbst erhöht,
wird erniedrigt,
wer sich aber selbst erniedrigt,
wird erhöht werden.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die plakative Typisierung »des Pharisäers« und "des Zöllners" verleitet uns leicht, sich mit dem einen oder dem anderen zu identifizieren und so wie sie alles Gute sich selbst als persönliche Leistung, bzw. alles Negative als persönliches Versagen zuzuschreiben. Wir sollten dankbar sein für alles, was uns in Vernetzung mit anderen an Gutem gelungen ist, und nicht überheblich auf das schauen, was anderen oder uns selbst nicht gelungen ist.
Wieder einmal so eine tendenziöse Geschichte aus dem Evangelium. - Oder nicht? -
Was hatten Sie für ein Gefühl soeben, als Sie da das Verhalten der beiden Männer in der Synagoge beschrieben bekamen? Wo haben Sie innegehalten? Wo sind Sie zusammengezuckt? Gehen wir doch noch einmal den Weg unseres Wahrnehmens zurück: Haben wir uns nicht doch ein wenig beim Verhalten des Pharisäers aufgehalten und ihn ein gutes Stück als reichlich selbstgefällig abgetan? Und den Sünder als den wahren Einsichtigen und Reumütigen erkannt? – Natürlich, das ist ja so auch die Absicht des Evangelisten: Ja, die Geschichte, die wir hörten, ist tendenziös. Wir sollen abfahren auf das Beispiel des bescheidenen Zöllners und uns ihn als Vorbild nehmen. Und genauso uns stoßen am selbstgefälligen Pharisäer, der sich aller möglichen seiner vielen Leistungen laut rühmt. Wir sollen uns an die Brust schlagen und uns unserer Fehler und Schwächen stets bewusst sein. Das »mea culpa« in unserem Gesicht stehen haben. Aber ist das wirklich ein realistischer Lebensweg? Einer, den man uns abnehmen würde? Ist das wirklich lebensnah und mehr noch: ist das heilsnotwendig? Sind wir nicht doch manchmal eigentlich in unserem Verhalten viel näher beim Pharisäer? Freuen wir uns nicht allzu oft an dem, was wir haben, was uns gelungen ist, wozu wir fähig sind?
Und dann sei gefragt: Ist denn eine solche Freude falsch? Eine Freude über uns selbst ist doch genauso wenig falsch, wie die Annahme, dass Pharisäer und Schriftgelehrte nicht auch ganz anständig und rechtschaffen sein können. Natürlich, oftmals erscheinen sie als die klassischen und perfekten Gegenspieler der Botschaft Jesu: selbstherrlich, unbarmherzig, super strikt. Auf der anderen Seite darf man nicht vergessen: Sie sind religiöse Kaderleute in religiös schwierigen Zeiten. Das römische Imperium hat den jüdischen Lebensraum eingenommen und das Judentum als Staatsreligion verdrängt. In dieser Situation lavieren die Religionsverantwortlichen nun zwischen ihren Interessen und jenen des heidnischen Staates. Nicht ganz einfach. Und jene, die das einigermaßen hinbekommen, ohne sich selbst allzu sehr zu verdrehen oder größeren Schaden anzurichten, leisten für ihre Community viel. Und der Pharisäer, den Jesus als Beispiel nimmt, scheint alles in allem sehr mit sich zufrieden zu sein - vor allem mit Blick auf jene, die nach seiner Ansicht keinen Grund dazu haben. An ihm führt Jesus nun aus, was er meint, wenn er sagt: "Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden". Aber: Was ist falsch an diesem Pharisäer?
Oberflächlich betrachtet - wie schon gesagt: eigentlich wenig. Jesus geht es aber weniger darum, dass der Pharisäer sich gut findet. Jesu Auge ruht auf der exklusiven Art, wie er mit seinem Können und Haben umgeht. Der Pharisäer sieht sich vor allem als gut an in Abgrenzung zu den Anderen um ihn herum: Der eine Gute hier, die anderen Verlierer dort. Das aber geht erfahrungsgemäss nie glatt auf.
Wer erfolgreich in seinem Haben und Schaffen ist, dem gelingt das doch eigentlich sehr selten allein nur durch sich selbst. Wer ehrlich ist und genau hinschaut, wird wohl zumeist zu der Einsicht gelangen, dass alles, was einer hat und ist, immer auch durch andere bedingt ist. Kaum jemandem ist es wohl wirklich gelungen, derjenige geworden zu sein, der man ist, ohne dass viele Andere dazu beigetragen haben; sei es ein tragender familiärer Hintergrund, gute Ausbildungs- und Einkommenschancen und vieles andere. Genauso haben selten jene auf der Schattenseite des Lebens dann auch alles selbst vermasselt. Wer versucht, sich über diese Erkenntnis zu erheben oder drunter zu verbergen, belügt sich selbst. Und ist damit in den Augen Gottes auf dem Holzweg seines Lebens. Jesus nimmt da kein Blatt vor den Mund.
Er lädt also mit seiner Geschichte ein zu vernetztem Wahrnehmen. Schauen wir auf unser eigenes Leben und fragen wir uns selbst: Wo habe ich meine Fähigkeiten her, wer hat mich während meines Lebens gefördert; als Kind, in meinen Ausbildungen, in meiner beruflichen Entwicklung?
Und dann hörten wir auf der anderen Seite im 2. Timotheusbrief den Verfasser klagen: Bei meiner ersten Verteidigung ist niemand für mich eingetreten; alle haben mich im Stich gelassen. Eine Erfahrung, die auch wohl kaum einem Menschen fremd ist. Fragen wir uns also: Wo hat mir das Leben Stolpersteine hingelegt, die ich nicht zu verantworten habe - Schicksalsschläge, Krankheiten, Arbeitslosigkeit und vieles andere?
Sowohl für Glück als auch für Pech im Leben gibt es nie die eine einfache Begründung. Sind wir also dankbar für all das Gute, das uns ausmacht, wie es dieser Pharisäer vormacht, aber ohne wie er zu vergessen, wer alles an unserem Glück mitgebaut hat. Verzweifeln wir aber auch nicht, wenn es im Leben nicht rund läuft. Ja, vielleicht hätten wir hier und da klüger agieren können, aber längst nicht alles liegt in unseren eigenen Händen. Vertrauen wir auch die Wege entlang der Talsohlen des Lebens Gott an und bitten wir ihn um sein Mitgehen.
Das gilt nicht nur in unseren privaten Zusammenhängen. Spätestens seitdem das Stichwort »Globalisierung« in allen Köpfen ist, wissen wir von wirtschaftlichen und politischen Abhängigkeiten rund um den Globus. Wohlstand und Wohlergehen der einen hat immer auch was mit den Lebenssituationen der Anderen zu tun. Und das ist bekanntlich keine Frage der Entfernung voneinander. Dass sich daraus Herausforderungen ergeben, die selten einfach zu handhaben sind, ist ebenfalls immer wieder unsere leidvolle Erfahrung. Wer meint, in diesen komplexen Fragen simple Antworten präsentieren zu können, liegt meistens falsch und versündigt sich an denen, die im Angesicht des Wohlstands der Anderen in ihrer eigenen Misere verharren müssen. Wie uns das der Pharisäer und der Zöllner in Jesu Geschichte vormachen.
"Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden." - Jesu Worte an die Zuhörerschaft lassen uns nicht unser Licht unter den Scheffel stellen. Froh und dankbar dürfen wir aus Gottes Hand annehmen, was wir sind und haben. Ohne allerdings auch dabei all jene zu vergessen und aus dem Blick zu verlieren, die gemeinsam mit uns durch diese Welt und durch diese Zeit gehen. Denn diese Welt will ja einen Eindruck geben vom angebrochenen Reich Gottes.
"Der Pharisäer" ist im Gegensatz zur historischen Wirklichkeit zum Typ des Scheinheiligen geworden. Derartige Typisierungen dienen weniger der Beschreibung von Fakten als der Erhöhung des eigenen Selbstverständnisses. Doch wer sind "die Guten"? Wer "die Schlechten"? Das Gleichnis Jesu öffnet den Blick für ein Verständnis von Zugehörigkeit, das nicht auf Abgrenzung, sondern auf universaler Gerechtigkeit beruht.
Das Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner gehört zu den eindrücklichsten und bekanntesten Erzählungen Jesu. Zwei Menschen gehen in den Tempel, um zu beten. Beide unterbrechen ihren Alltag, und begeben sich ganz bewusst an den Ort, an dem ihnen Gott zuhört. Aber beide tragen ein Etikett: Der eine ist ein Pharisäer, der andere ist ein Zöllner.
Zur Erklärung: Die Pharisäer folgten nicht nur dem Gesetz des Mose. Sie befolgten auch die mündlich überlieferten „Vorschriften der Vorfahren“, um die Gesetze möglichst genau und vollständig umzusetzen. Die Zöllner wiederum wurden vielfach als Kollaborateure der römischen Besatzungsmacht gesehen. Sie waren Einheimische, die für die Römer Steuern und Zölle eintrieben. Sie wurden als Sünder betrachtet, die dafür Sorge trugen, dass Abgaben an fremde und vor allem „gottlose Herrscher“ entrichtet wurden.
Im vorliegenden Gleichnis macht der Pharisäer im Gebet den Anfang. Er dankt Gott für all das, was er nicht ist: Er ist nicht wie die anderen Menschen, vor allem nicht wie dieser Zöllner. Er möchte weniger danken als vielmehr Gott zeigen, wer er ist, und das tut er, indem er andere Menschen ab- und sich selbst aufwertet.
Während der Pharisäer sich vor Gott in Szene setzt, zeigt Jesus uns nun, wie es dem Zöllner geht. Der traut sich nicht, sich vorne hinzustellen, sondern bleibt auf Abstand. Er verhält sich ganz wie einer, der nicht hierhergehört. Er blickt auf den Boden, zeigt Reue und Trauer.
Der eine steht also vorne, richtet sich auf und dankt Gott, dass er „nicht so ist wie die anderen“. Der andere bleibt hinten stehen, wagt den Blick nicht zu heben und bittet schlicht um die Gnade Gottes. Jesus beendet die Geschichte mit einer überraschenden Wendung: Nicht der angesehene, nicht der gesetzestreue Pharisäer, sondern der verachtete Zöllner geht „gerechtfertigt“ nach Hause.
Der Pharisäer kennt die Gebote, er lebt nach den Traditionen, er erfüllt, was von einem frommen Juden erwartet wird. – All das stiftet seine Identität. Er ist stolz auf seine Zugehörigkeit und grenzt sich in seiner Überlegenheit von "den Anderen“ ab.
Wenn wir dieses Bild auf unsere heutige Gesellschaft übertragen, erkennen wir darin auch die Gefahr eines nationalen Selbstverständnisses: Wir danken, dass wir „nicht sind wie die anderen“, dass wir „bessere Werte“ haben, dass wir „auf der richtigen Seite “stehen oder im „richtigen Land“ geboren worden sind.
Aber dieses Selbstlob ist gefährlich. Es lebt von Abwertung, man sonnt sich in Selbstgerechtigkeit. Zugehörigkeit wird hier nicht durch Solidarität gestiftet, sondern durch vermeintlich Überlegenheit und dadurch, andere als „minderwertig“ oder „fremd“ geringzuschätzen.
Ganz anders der Zöllner: Er steht für die gesellschaftlich Geächteten, für die, die als Verräter gelten. Damals waren es die „unpatriotischen“ Kollaborateure mit der römischen Besatzungsmacht – heute könnten wir an Randgruppen denken, an Menschen, die „nicht dazugehören“ sollen, die in der „nationalen Erzählung“ keinen Platz haben.
Doch gerade dieser Außenseiter wird von Gott gerechtfertigt. Nicht weil er die richtige Zugehörigkeit hat, nicht weil er sich an nationale Loyalität bindet, sondern weil er ehrlich ist. Der Wert eines Menschen liegt also nicht in seiner Staatsangehörigkeit oder in seiner nationalen Identität, sondern in seiner inneren Haltung.
Das Gleichnis stellt eine provokante Frage: Was macht uns eigentlich gerecht? Was gibt uns Legitimität als Volk, als Nation? Sind die „rechtmäßigen“ oder „gesetzestreuen“ Mitglieder einer Nation automatisch auch „gerechtfertigt“? Damit öffnet sich ein Raum, in dem Zugehörigkeit nicht ethnisch, politisch oder kulturell begründet ist, sondern in der gemeinsamen Menschlichkeit.
Nationen bzw. jene, die sich mit ihnen identifizieren, neigen dazu, pharisäerhaft zu denken: „Wir sind die Guten. Wir stehen moralisch über den anderen. Wir haben das Recht, uns abzugrenzen.“
Aber die Bibel erinnert uns daran: Die Legitimität einer Nation erwächst nicht aus Stolz, Selbstlob oder Abgrenzung. Sie entsteht, wenn wir denen Raum geben, die sonst keinen Platz haben – den Zöllnern unserer Zeit.
So könnte Nation neu gedacht werden: nicht als Festung der Starken, sondern als offener Raum, in dem auch die Schwachen, die Fremden und die Verachteten Heimat finden. Jesus durchbricht die alte Verbindung von religiöser Frömmigkeit und nationaler Zugehörigkeit. Er zeigt: Auch die Gesetzestreuen, die Angesehenen, können vor Gott „schuldig“ bleiben. Und die Verachteten, die scheinbar „Unpatriotischen“, können gerechtfertigt werden. Das ist eine klare Absage an jedes exklusive Nationsbild, das „die Eigenen“ überhöht und auf „die Anderen“ herabsieht.
Gerechtigkeit wächst nicht aus Überheblichkeit, sondern aus Respekt und Achtung vor einander. Zugehörigkeit entsteht nicht durch Abgrenzung, sondern durch die gemeinsame Menschlichkeit, die uns alle vor Gott verbindet.
Das Gleichnis öffnet den Blick für ein Verständnis von Zugehörigkeit, das nicht auf Abgrenzung, sondern auf universaler Gerechtigkeit beruht. Es erinnert daran, dass die Legitimität einer Nation nicht durch Selbstlob entsteht, sondern durch Respekt, durch die Anerkennung der Schwachen und Ausgeschlossenen. So wird Nation neu gedacht: nicht als stolzes Abgrenzungsprojekt, sondern als Raum, in dem auch "die Zöllner“ Platz haben.
© Eva Bauernfeind-Schimek, Diözese Linz
Gerechtigkeit zu leben und gerechte Verhältnisse zu schaffen, ist nicht nur Aufgabe des Staates. Jeder einzelne ist herausgefordert, nicht nur den Anschein der Rechtschaffenheit zu erwecken, sondern den Ansprüchen von Gerechtigkeit und gleicher Menschenwürde aller gerecht zu werden.
Der Österreichische Nationalfeiertag fällt in diesem Jahr auf einen Sonntag. Für Österreich ein staatlicher Feiertag, für Christen zusätzlich ein kirchlicher Feiertag, denn jeder Sonntag ein kleines Osterfest. Gemeinsam danken wir an diesem Tag für Frieden und Wohlstand in unserem Land, keine Selbstverständlichkeit.
Die Texte der Heiligen Schrift regen an, über Gerechtigkeit, Gebet und den Umgang miteinander nachzudenken. Das sind wesentliche Voraussetzungen für den Frieden, nicht nur in unserer Heimat.
So preist die Lesung aus dem Buch Jesus Sirach den Herrn als gerechten Richter. „Es gibt vor ihm kein Ansehen der Person. Er bevorzugt niemanden gegenüber einem Armen.“ (Sir 35,15-16).
Gleichheit und Gerechtigkeit sind auch in unserer Verfassung festgeschrieben, nur etwas anders ausgedrückt. Ist es jedoch in unserem Zusammenleben und im Umgang miteinander auch so? Recht wird da und dort zurechtgebogen, wie man es braucht. Dafür gibt es Beispiele in der Politik. Argumente für oder gegen eine Sache lassen sich immer finden. Manche greifen zu Geldscheinen oder hochpreisigen Waren, um Entscheidungen zu beschleunigen und oder leichter zu machen. Da gibt es Unrechtmäßigkeiten, die Empörung auslösen, wenn sie aufgedeckt werden, weil der Arme, der Bedürftige dabei auf der Strecke bleibt.
Die Schrift sagt: Gott ist für alle da. Aufgrund unserer Begrenztheit schaffen wir das nicht und begehen dabei so manchen Fehler. Aber wenigstens in unserem eigenen Umfeld sollten wir auf Gerechtigkeit achten, vor allem, wenn es um Verteilungs- und persönliche Gerechtigkeit geht. Bei Christen sollte aber auch noch Barmherzigkeit dazukommen.
Die zweite Lesung aus dem zweiten Brief an Timotheus weist darauf hin, dass gerecht zu leben, nicht einfach ist, ja dass der Einsatz dafür viele Nachteile bringen kann. Paulus sagt von sich: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue bewahrt.“ (2 Tim 4,7). So wird er zum Vorbild für Timotheus.
Das Leben führt uns immer wieder in harte Bewährungsproben: Konflikte in der Familie, im Berufsleben, politische Parteien machen sich untereinander und auch Teilen der Bevölkerung das Leben schwer, gehen mit polemischer Kritik auf die Vorschläge des jeweils anderen ein, um sich selbst zu profilieren.
Der Lesungstext ist eine Rückschau des Apostels Paulus auf sein Leben, die viel Lebenserfahrung und Lebensweisheit einbringt. Aber er hat die Hoffnung auf geglückte Vollendung, weil „er [Jesus] mich dem Bösen entreißen und in sein himmlisches Reich retten will.“ (2 Tim 4,18).
Trotz aller Widerwärtigkeiten, die uns ermüden lassen, sollten Glaube und Vertrauen auf Gottes Hilfe nicht verlorengehen, denn Gott wird schon hier auf Erden manches zurechtrücken, was ver-rückt ist, und auch zur guten Vollendung führen. Das ist ein Vertrauensgrundsatz, den wir der nächsten Generation vorleben sollen.
Und wie sieht das im Alltagsleben bei Lukas aus? Zwei Männer, die nicht unterschiedlicher sein können - in dieser Perikope aufgepeppt mit Schwarz-weiß-Malerei: der eine, ein Pharisäer - wir könnten ihn mit einem guten Staatsbürger vergleichen - ist hoch angesehen, der zweite, ein Zöllner, galt in damaligen Verhältnissen als Betrüger, als einer, der die Leute auspresst, auch um selber zu überleben. Dieser wird von Jesus gelobt, der andere aber nicht. Dieser Pharisäer verstellt den Weg zu Gott, einige von ihnen bekämpfen sogar Jesus mit Hilfe des Paragraphengestrüpps. Jesus geht es um das Innerste, um die Liebe, um den tieferen Sinn des Evangeliums. Das hat dieser Pharisäer noch nicht kapiert, er übt Selbstdarstellung durch das Gebet und rückt sich so ins rechte Licht, um andere schlecht zu machen. Eine Verhaltensweise, die auch in unserem Alltag nicht unbekannt ist.
Das Evangelium gibt sogar einen optischen Einblick: Der eine steht vorne, der andere schuldbewusst hinten, er wagt es nicht einmal aufzuschauen. Der Pharisäer glaubt die sprichwörtliche reine Weste zu haben, weil er sein Leben nach den Geboten Gottes führt. Recht führt bei ihm zur Selbstgerechtigkeit. Recht und Gerechtigkeit sollen jedoch keine Unterdrückungsmechanismen sein. Sie werden es aber immer wieder, um Eigeninteressen durchzusetzen.
Pharisäer und Zöllner, zwei Menschentypen, die wahrscheinlich in jedem von uns stecken. Unsere Versuche gut und gerecht zu sein, sind begrenzt. Immer wieder tappen wir in übersehene Fallen. Bitten wir deshalb besonders heute an diesem Sonntag um eine politische Kultur, nicht nur in unserem Land, die die Werte von Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Menschenwürde hochhält, und um gute Zusammenarbeit von Staat und Kirche; nicht nur in Österreich.
Als Seelsorgende kommen wir manchmal dahinter, dass in vielen Gemeinden die Themen ähnlich sind. Dann fällt der Satz: "In unserer Gemeinde füllt sich die Kirche von hinten." Und viele nicken dann. Ein anderer Satz lautet: "Zu Beginn sage ich gern: "Liebe Bänke 1 - 15, liebe Schwestern und Brüder ab der Bank 16!" Das ist eine kleine Lästerung unter Kolleg*innen - oder fühlen auch Sie sich ertappt?
Das Gegensatzpaar sind der Pharisäer und der Zöllner im heutigen Evangelium. Beim Pharisäer liegen alle negativen Eigenschaften. Aus seiner Gruppe kamen jene, denen Jesus eine Lehre erteilen wollte. Sie waren von sich selbst überzeugt. Sie verachteten die anderen, die ja gar nicht besser sein können.
Dann muss natürlich der Zöllner den positiven Part besetzen. Er ist demütig. Er hat ein Gespür für seine Fehler. Vor Gott gibt er sie zu. Ihn bittet er um Vergebung.
Wie aber gehen wir damit um?
Zu Beginn des Fastenzeit des Heiligen Jahres 2000 setzte Papst Johannes Paul II einen Gottesdienst der Vergebung an. Er bat um Vergebung für die Fehler der Kirche in den ersten 2000 Jahren.
Im Namen der Kirche entschuldigte er sich vor Gott für Fehlleistungen von Gläubigen gegen Toleranz, Ökumene, gegen Frieden und Menschenrechte, gegen die Würde der Frau.
Diese Themen wurden in sieben Fürbitten angesprochen. Sieben ist die heilige und Heil bringende Zahl. Die Bitte um Vergebung sollte auch die Menschen heilen, die sich verletzt fühlten.
Ich nehme wirklich an, dass es dem Papst ernst war mit seiner Bitte. Die ersten Gedanken dazu hatte er schon 6 Jahre vorher mit einigen Mitarbeitern geteilt. Er wollte anerkennen, dass Verantwortliche viele Dinge falsch gemacht haben.
Zugleich steht eine Vergebungsbitte immer auch für den Vorsatz: "Und lass es mich in meiner Amtsführung besser machen."
Erst ging er durch die Heilige Pforte wie der Zöllner aus dem Gleichnis. Er blieb hinten im Petersdom stehen. Er sah nach unten. Er war mit seinen Gedanken bei sich und bei seinem Gott.
Dann zog er während der Feier weiter nach vorne. Dort war er aber nicht der Typ des selbstgerechten Fürsten. Er war aber der, der sagen konnte: "Ich bitte Gott um Segen für euch und tue es auch im Segenszeichen."
Manche waren von diesem Gottesdienst beeindruckt. Andere glaubten, es sein zu wenig. Sie hätten gerne konkrete Dinge gehört.
Aber wie ist es bei uns?
Gegensatzpaare sind ja als Gleichnis immer überzeichnet. So gut wie der Zöllner kann eigentlich niemand sein. Und so unangenehm wie der Pharisäer ist hoffentlich auch niemand von uns. Aber wie viel vom Pharisäer oder von Zöllner steckt wirklich in uns?
Der Zöllner bat: "Gott, sei mir Sünder gnädig". Im Tagesgebet aus dem Messbuch für den heutigen Tag heißt es: "Mehre in uns den Glauben, die Hoffnung und die Liebe"
Im berühmten Vers des 13. Kapitels des 1. Korintherbriefs stehen diese drei Begriffe auch. Wenn diese Lesung bei Hochzeiten genommen wird, geht es oft um die anderen Verse vorher. Da wird die Liebe beschrieben. Da werden die Brautleute ermutigt, in dieser Weise zu lieben. Wir sagen ihnen: Ihr könnt es!
Wenn wir den Rosenkranz beten, sagen wir betend: Wir haben davon nicht genug.
Denn in der Einleitung zu den Gesätzen hoffen wir:
"Der in uns den Glauben mehre - der in uns die Hoffnung stärke - der in uns die Liebe entzünde!" Da fehlt noch etwas, da ist noch nicht alles erledigt.
Der Zöllner bat um Vergebung und "dieser ging gerechtfertigt nach Hause zurück" (Lk 18,14). Da kann Herz zu Herz sprechen.
Ich habe Menschen schon um Verzeihung bitten müssen. Wenn sie merkten, dass es mir ernst war, haben sie es angenommen. Das Verhältnis zwischen uns hat sich verändert.
Auch bei mir haben sich Menschen schon entschuldigt. Ich merke, dass ich dann auch in mich gehe: "Wie war ich dir gegenüber in der Situation?" Auch so kann das Verhältnis anders werden.
Die Frage der Gerechtigkeit ist sehr umfassend und betrifft viele Lebensbereiche. Auch wie wir über andere reden, kann eine Frage der Gerechtigkeit sein. Es gilt der Würde des anderen gerecht zu werden.
In allen drei Schriftlesungen dieses Sonntags spielt das Thema Recht/Gerechtigkeit eine große Rolle. Wir kennen verschiedene Arten von Gerechtigkeit. Weltweit beschäftigt uns gegenwärtig die Verteilungsgerechtigkeit. Die Gerechtigkeit Gottes ist eine andere als die, die wir so gemeinhin praktizieren. Der Schrei der Witwen in der ersten Lesung ist der Schrei der Armen. Dieser Schrei richtet sich an all jene, deren Leben keine oder kaum Entbehrung kennt und die auch satt durchs Leben gehen können. Gott, so heißt es im Buch Jesus Sirach, "missachtet nicht das Schreien der Witwe, die viel zu klagen hat."
Wir sprechen sehr oft von "ausgleichender Gerechtigkeit", die wohl ansatzweise gelingen mag, wir sprechen auch vom "Gießkannenprinzip des Staates", der mit Hilfe von Geld und Gutscheinen Not lindern und Gerechtigkeit schaffen will. Vielen werden aber diese Hilfen nicht oder nur unvollständig zuteil.
Dann braucht es auch Gerechtigkeit gegenüber der Schöpfung. Bodenschätze werden ausgeplündert, besonders in Kriegen sinnlos vernichtet. Wir müssen dafür horrende Preise zahlen, statt Notleidenden wirklich Hilfe angedeihen zu lassen.
Die zweite Lesung - eine Art Abschiedsgruß des Paulus an seinen Mitarbeiter Timotheus - bringt ihm nahe, dass es sich lohnt, für Gottes Gerechtigkeit einzutreten, auch wenn man Mühsal, Qualen auf sich nehmen muss. Gott wird zurechtrücken, was hier ver-rückt ist. Das ist eine Heilsgewissheit, die auch für uns gilt.
Auch im Evangelium geht es um Gerechtigkeit. Wir haben es da mit unterschiedlichen Menschentypen zu tun. Betet der Pharisäer wirklich oder vergleicht er sich lediglich mit dem Zöllner? Pharisäer heißt übersetzt: die Abgesonderten. Das kommt in dieser Evangelienstelle gut zum Ausdruck. Der Pharisäer sondert sich vom Zöllner, einem Kleinkorruptionisten, ab. Die Pharisäer sind durchaus gläubige, engagierte Leute. Aber ihr angestrebter Perfektionismus, verbunden mit Heuchelei, führt sie in die Absonderung. Die Versuche Jesu, ihre Haltung zu ändern, bleiben weitgehend erfolglos. Der Pharisäer ist auf Egotrip. Zeigst du mit einem Finger auf andere, so tun es auch andere bei dir.
Der Pharisäer trifft Feststellungen durch Eigenlob. Er denkt gar nicht daran, dass er der Hilfe Gottes bedarf, auch in all seinen guten Werken. Dem Zöllner wird bewusst, dass jeder Mensch in irgendeiner Form arm vor Gott ist.
Dieses Beispiel aus dem Leben appelliert, unsere Gebetshaltung zu überprüfen: Dank für alles Gute, das wir mit Gottes Hilfe zusammenbringen, aber auch Bewahrung davor, im Gebet nicht zu hochmütig zu werden. Bitten wir darum, dass es uns gelingen möge, mit Vergleichen, Fragestellungen, mit unserer Wortwahl und mit unserem Reden über andere überlegt und vorsichtig umzugehen.
Mehr scheinen zu wollen als zu sein ist eher ein psychisches Problem denn ein moralisches. Von Klein an vergleichen wir uns mit den anderen, messen und bewerten wir uns. Der Wettkampf mit anderen ist eine wichtige Triebfeder der Entwicklung und des Fortschritts. Wenn nötig helfen wir dabei etwas nach, um ein gefühltes Defizit auszugleichen. Gott aber können wir nichts vormachen. Das Frohmachende dieser Botschaft: Gott brauchen wir nichts vormachen. Seine Gnade genügt uns.
Streckenweise erlebte ich den zurückliegenden Wahlkampf als Wettbewerb der Scheinheiligkeit. Begonnen hat er mit dem Versuch, die Wahlkampfkosten der jeweils anderen Parteien zu limitieren. Darauf folgte eine heiße Debatte um die Frage der Parteifinanzierung. Dabei zeigte sich, dass jede Partei Hintertürchen kannte, durch das sie dennoch zu nichtdeklarierten Geld- oder Sachleistungen kam. Schließlich wollte man sich mit moralischen Standards wie Anstand, Menschlichkeit, Christlichkeit usw. gegenseitig übertreffen. Spätestens nach der Wahl zeigte sich, dass das Geforderte der Realität nicht standhielt. Schönfärberei allein genügt nicht.
In der Wirtschaft zählen Fakten. Die Besseren setzen sich durch, die Schwächeren bleiben zurück oder verschwinden vom Markt. Manchmal wird dabei fleißig geflunkert, Beispiel Dieselabgase. Im Sport wird die Wettbewerbskultur mit religiösem Ernst zelebriert. Aber auch hier wird von Zeit zu Zeit aufgedeckt, dass einige mit unredlichen Mitteln gekämpft haben. In der Unterhaltungsindustrie dominiert von vornherein der schöne Schein. Religionen sind dank ihrer hohen Ideale für das Phänomen Scheinheiligkeit besonders anfällig. Ein Musterbeispiel wie sehr manche Würdenträger bemüht sind, den schönen Schein zu wahren, lieferte in den letzten Jahren die Katholische Kirche im Umgang mit spirituellen und sexuellen Missbrauch durch Kirchenvertreter. Die Aufrechterhaltung des altehrwürdigen Glanzes der Institution Kirche war manchen Bischöfen wichtiger als die seelische Not traumatisierter Opfer.
Im Evangelium erzählt Jesus von einem Pharisäer und einem Zöllner, die vor Gott hintreten, um zu beten. Gott aber können sie nichts vormachen. Der Zöllner ist sich dessen bewusst, der Pharisäer nicht. Jesus erzählt aber diese Geschichte nicht Pharisäern und Zöllnern, sondern seinem eigenen Fanclub. Ihnen hält er mit diesem Beispiel einen Spiegel vor. Leicht sind wir sogar heute noch versucht, mit dem Finger auf andere zu zeigen und uns selbst zu den Guten zu rechnen, die das alles nicht angeht.
Scheinheiligkeit hat tiefe Wurzeln in der Psyche eines jeden Menschen. Jeder möchte gut sein und zu den Guten gezählt werden. Doch wann kann ein Mensch mit sich wirklich zufrieden sein? Wann fühlt er sich gut genug? Wir vergleichen uns so lange mit anderen, bis wir sagen können: So gut wie der bin ich auf jeden Fall, oder ich bin viel besser. Wir kommen mit dem Vergleichen erst zur Ruhe, wenn wir meinen, auf genügend andere hinabschauen zu können.
Das ständige Vergleichen hat aber auch seine guten Seiten. Es ist eine wichtige Triebfeder des Fortschritts und der persönlichen Entwicklung. Es motiviert uns, uns anzustrengen und besser zu werden. Bedenklich wird es erst, sobald wir mehr scheinen wollen, als wir wirklich sind, und dazu ein wenig durch geschönten Schein nachhelfen. Das geschieht oft unbewusst, indem wir negative Seiten nicht wahrhaben wollen und Schattenseiten verdrängen. "Es kann nicht sein, was nicht sein darf…"
Es braucht Mut zur Wahrheit. Und die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar (Ingeborg Bachmann), auch wenn sie unangenehm ist und am eigenen Image kratzt. Dies gilt für den Einzelnen wie auch für gesellschaftliche Gruppen und Organisationen. Wenn wir uns mit der Wahrheit konfrontieren lassen, wird damit ein Läuterungs- und Erneuerungsprozess angestoßen.
Die Erzählung vom Pharisäer und Zöllner erzählt aber nicht nur, dass wir Gott nichts vormachen können und um die Wahrheit nicht herumkommen. Sie enthält zugleich die Frohe Botschaft, dass wir Gott nichts vormachen brauchen. Seine Gnade genügt uns.
Diese Frohe Botschaft nimmt von uns den Druck, uns ständig mit anderen vergleichen zu müssen und entlastet uns vom Stress, immer gut und womöglich besser als die anderen sein zu müssen. Gott liebt sogar noch die Versager… Das tut wohl, wenn es mich selbst betrifft, ist aber schwer auszuhalten, wenn ich es auch für andere gelten lassen will.
In der Art und Weise des Betens zeigen wir uns selbst, unsere Persönlichkeit, unsere Beziehung zu Gott; sowohl in den Worten wie auch in der Körpersprache.
Was wir da im Evangelium hören, sind Kontrastbeispiele des Betens. Zwei unterschiedliche Menschentypen offenbaren sich in der Art ihres Betens. Der Pharisäer zeigt sich als guter Staatsbürger, ist im Tempel tätig, zahlt seine Steuern.
Dieses „Gebet“, wenn wir es so nennen wollen, war nur nach außen hin Gespräch, in Wirklichkeit war es beinahe blasphemische Selbstdarstellung. Es ist ein Hinzeigen auf den anderen und ein Vergleichen. Manche Exegeten meinen, der Mensch muss erniedrigt werden, damit Gott erhöht wird. Die Pharisäer verstellen den Weg zu Gott durch den Paragraphendschungel, ja sie bekämpfen Jesus. Das Herz spricht zum Herzen, das ist etwas ganz anderes als der Egotrip des Pharisäers.
Der Zöllner, der ja nicht zur High-society der damaligen Gesellschaft zählte und oft auch selber zum Erpresser und Betrüger wurde, um mit seiner Familie zu überleben, drängt sich nicht in den Vordergrund, er steht ganz hinten, wagt „nicht einmal die Augen zum Himmel zu erheben“ (Lk.18,13), weil er sich der Zuwendung Gottes als unwürdig erweist.
Neben einer gewissen Körperhaltung beim Gebet sind Augen und Hände von besonderer Bedeutung. Man erhebt Augen und Hände zum Himmel, denn die Augen des Geistes sollen das „Angesicht suchen“, sie sollen gewissermaßen auf ihn gerichtet sein. Das ist eine Umschreibung für das fortwährende Gebet wie wir es im Psalm 123,2 nachlesen können: „Wie die Augen der Knechte auf die Hand ihres Herrn, wie die Augen der Magd auf die Hand ihrer Herrin, so sind unsere Augen erhoben zum HERRN, unserem Gott, bis er uns gnädig ist.“ „Gnädig“ ist im Sinn von liebender Zuwendung zu verstehen. Auch Jesus erhebt seine Augen zum Himmel bei der Heilung des Taubstummen: „(Jesus) legte ihm die Finger in die Ohren und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel, danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu ihm: Effata!, das heißt: Öffne dich!“ (Mk.7,33.34 und ähnlich bei Mt.14,19). Ähnlich, als Jesus die fünf Brote und zwei Fische nahm, zum Himmel aufblickte, den Lobpreis sprach, die Brote brach und sie an die Jünger weiterreichte).
Es geht somit um das Innerste, um die Liebe, um den Grundsinn des Evangeliums. Die Herzmitte ist die volle Liebe. Aber: Strahlen wir Christen in der Welt auch Liebe und Barmherzigkeit aus? Unser Beispiel, unser Umgang miteinander ist ausschlaggebend besonders für Fernstehende und Ausgetretene, soll auch Vorbildwirkung für junge Menschen haben.
Wie könnte nach diesem Evangelium ein Gebet lauten, das Sie vor den Herrn bringen?
Gott, ich danke dir für alles Gute, das ich von dir empfangen habe. Ich habe einen Beruf, von dem ich leben kann, eine Wohnung, eine Familie / oder lebe in glücklicher Partnerschaft, gesunde Kinder, über die ich mich manchmal ärgere, weil sie nicht folgen. Aber: Was ist das schon, wenn ich lese, sehe oder höre, wie übel oft das Schicksal anderen mitspielt, wie grausam es in der Welt zugeht, wie schlecht es vielen Menschen geht? Guter Gott, mache mir bewusst, dass ich andere deswegen nicht verurteile und mich mit ihnen vergleiche, welch ein großer Star ich gegen diese Menschen bin. Lass ihnen vielmehr deine liebende Zuwendung zuteil werden, die sie besonders nötig haben. „Um manchen Menschen mache ich mir Sorgen, ich wollt´ ihm helfen, doch ich kann es nicht. Ich wollt, er wär bei dir geborgen und führe ihn aus Finsternis ins Licht.“
(Lothar Zenetti: Behüte Herr, die ich dir anbefehle)
Das Gleichnis vom selbstgerechten Pharisäer und vom gerechtfertigten Zöllner erzählt Jesus Jüngern und Jüngerinnen, die in der Versuchung stehen, sich über andere zu erheben und auf sie herabzuschauen. Allzu schnell sind wir dabei, uns selbst als die Guten zu sehen und auf andere hinabzuschauen.
Wer waren die „Einigen“, selbstgerecht und andere verachtend, denen Jesus dieses Gleichnis zumutete?
Und schon wieder ein Pharisäer könnte man meinen, der hier von Jesus als Negativbeispiel genommen wird. Und ein Zöllner, der im Gleichnis das Erbarmen Gottes erfährt, also vom göttlichen Gericht gerecht, d. h. frei gesprochen wird. Ist er dem Reich Gottes näher als der Toratreue?
Und nun der Reihe nach:
Wer waren die „Einigen“, selbstgerecht und andere verachtend, denen Jesus mit diesem kontrastreichen Gleichnis etwas sagen, die Augen öffnen wollte?
Es lautet „einige“, nicht alle, das ist klar ausgesagt. Mit „einige“ sind die Jünger, Jüngerinnen und somit auch die ersten Christen und Christinnen gemeint. Denen wurde es erzählt, denen sollte ihre Situation, ihr „Herausgerufen-Sein“ vor Augen geführt werden. Somit ist klar, dass es sich nicht um den Pharisäer und bzw. den Zöllner handelt – sie geben nur das Bild von konträren Verhaltensweisen ab, also die Rahmenhandlung und nicht den Inhalt, das Wesentliche der Verkündigung.
Wenn ich „herausgerufen“ werde, um eine Verheißung, um einen Auftrag, eine Botschaft zu empfangen, dann bin ich nicht nur gerührt, sondern vermutlich auch ein wenig stolz, fühle ich mich geehrt.
Da ist einmal der Pharisäer, der sich im Gleichnis selbst vorstellt. Die Pharisäer gehörten einer einflussreichen Laienbewegung an. Durch ihren echten und tiefen Glaubenseifer und ihrer Treue gegenüber der Tora, dem jüdischen Gesetz, standen sie in hohem Ansehen beim jüdischen Volk und waren sehr beliebt. Auch hat man sie, wenn sie Schriftgelehrte waren, gerne zur Rate gezogen, vor allem bei der Auslegung der Tradition. Durch ihre Volksnähe kannten die Pharisäer Sorgen und Nöte der einfachen Leute und nahmen sie auch in Schutz vor den Mächtigen wo sie konnten. Schon allein deshalb stand ein Großteil der einfachen jüdischen Bevölkerung hinter ihnen.
Wieso wird der Zehent vom Pharisäer „ausdrücklich“ genannt?
Jeder fromme Jude war nach der Tora verpflichtet, jährlich seinen Zehent im Tempel zu entrichten. Unter Zehent sind jene 10 Prozent Besteuerung zu verstehen, die von allem, was erwirtschaftet wurde, ob Landwirtschaft oder Handel oder Handwerk, an die Leviten abzugeben waren.
Ein Pharisäer gab etwas mehr ab, weil er in seiner Toratreue sehr rigoros mit sich selbst vorging: alles was er im Jahr durch Kauf erworben hatte, wurde von ihm in einer Art „Selbstbesteuerung“ auch mit dem Zehent belegt. Ihm ging es dabei um die Erfüllung der Tora! Er dachte, es könnte ja sein, dass zum Beispiel eine Ware, die er gekauft hat, vom Vorbesitzer nicht versteuert wurde. Um auch da toragerecht zu handeln, versteuerte er sie selber mit dem zehnten Teil!
Was könnte Jesus gewollt haben, wenn er in diesem Gleichnis einen Pharisäer karikiert? Will er damit ein bestimmtes Verhalten hinterfragen? Jesus stand den Pharisäern als religiöse Bewegung nicht negativ gegenüber. Für ihn waren sie wichtige Diskussionspartner! Was Jesus jedoch sah, dass durch übertriebenen Religionseifer Glaube zur Last wird und so nicht das Reich Gottes verkündet. Und das gilt auch für die Jüngerinnen und Jünger Jesu. Hier setzt Jesu Kritik an. Nicht die Ablehnung und Herabsetzung der Pharisäer ist sein Ziel.
Was ist so bewegend bei dem Zöllner, dass er im Gleichnis eine Rolle bekommt?
Auch er beschreibt sich und seine Situation im Gleichnis selbst. Auch er wird in diesem Beispiel karikiert. Das Bild von einem Zöllner, welches die damalige jüdische Bevölkerung hatte, war nicht so. Zöllner zu sein war ein von den jüdischen Landsleuten besonders verachteter Beruf. Ein Zöllner stand im Dienst der römischen Besatzungsmacht. Steuer müssen wir alle zahlen, ob wir wollen oder nicht. Dies ist bis heute so geblieben.
Die Steuer, die das römische Reich in den eroberten Gebieten den Leuten aufgebürdet hatte, war nicht nur hoch, sondern auch demütigend; vor allem die Kopfsteuer. Das jüdischen Volk hat darauf Mit Wut und Empörung reagiert. Ein Zöllner trieb aber nicht nur die Steuern ein, sondern musste selbst für das Ausüben seines Berufes - er war Steuerpächter - eine hohe Pacht der römischen Besatzungsmacht zahlen. Dabei kam es zu Ungereimtheiten und zu eigenmächtigen Zollerhöhungen… Es ist verständlich, dass dies für die verarmte jüdische Bevölkerung unerträglich wurde.
Darüber hinaus dürfen wir nicht übersehen, dass das gläubige jüdische Volk mit dem Zehent auch noch dem Tempel Steuern abzugeben hatte, also doppelt steuerpflichtig war. Die Bevölkerung in Palästina konnte sich nicht der Steuerpflicht entziehen. Schon gar nicht gegenüber dem Kaiser! Auflehnung war verbunden mit Versklavung oder sogar mit der Todesstrafe.
Und dieser Zöllner, der mit den verhassten Römern zusammenarbeitete, wird von Jesus als gerecht hingestellt. Der soll von seiner Schuld befreit sein!?
Ob den „Einigen“, denen Jesus mit diesem Gleichnis den Spiegel vorhält, ihr eigenes Verhalten anderen gegenüber bewusst geworden ist, bleibt offen. Das eigene Verhalten in der Nachfolge Jesu zu hinterfragen, ist das eigentliche Thema dieser beispielhaften Erzählung.
In der Nachfolge Jesu täte es gut Gott zu bitten, dass er uns „Sündern gnädig sei“. So kann auch eine abgehobene Verhaltensweise erkannt werden, zu der man immer wieder verleitet wird. So ist die Bitte berechtigt: „Und führe uns nicht in Versuchung…“
Als mit Jesus das Reich Gottes begonnen hat, Wirklichkeit zu werden, konnte durch das „Berührt-Sein“ von der Frohbotschaft auch das Gefühl der Überlegenheit bei den „Herausgerufenen“ aufkommen. Die Gefahr, sich zu erhöhen, überlegen zu fühlen gegenüber anderen in der Gemeinde, war groß und ist es heute noch.
Das Urteil Gottes, was als „gerechtfertigt“ bzw „nicht gerechtfertigt“ zu bezeichnen ist – ist für Jesus ganz klar. So klar, dass er selbst das göttliche Urteil im Schlussvers ausspricht und den „Einigen“ mit auf ihren Glaubensweg gibt: "Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden."
Jesus erzählt eine exemplarische Geschichte von einem Pharisäer und einem Zöllner. Im Zuhören identifizieren wir uns mit einer dieser Rollen oder wir distanzieren uns. Damit entpuppen wir uns als Menschen, die von ihrer Gerechtigkeit überzeugt sind und andere verachten...
Auf den ersten Satz kommt es immer an. Heute: Jesus erzählt einigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten, ein Gleichnis. Haben Sie etwas anderes erwartet? Doch unbemerkt tappen wir gleich in die Falle: wir sind von unserer Gerechtigkeit nicht überzeugt und verachten die anderen nicht. Natürlich nicht! Sind wir also draußen? Hier ganz falsch? Oder gerade tief getroffen? Kalt erwischt?
Eigentlich reicht der erste Satz! An ihm scheiden sich die Geister, ohne dass wir es merken. Es werden Spuren gelegt und gleichzeitig verwischt. Ein geniales Verwirrspiel. Lukas erzählt die Geschichten, die er von Jesus hat, immer so. Einerseits ist alles ganz klar, andererseits wird alles fein versteckt. Die Falle ist mit Blumen zugedeckt.
Aber vielleicht nähern wir uns den beiden Figuren, um die es hier geht, mit leichten Füßen. Wir schleichen uns an. Jesus macht uns tatsächlich zu – Voyeuren. Der eine ist fromm, sehr fromm. Und das ganz ehrlich! Pharisäer haben zwar bei uns einen denkbar schlechten Ruf – als Heuchler -, aber das ganz und gar unberechtigt. Was der Pharisäer betet – ausnahmsweise laut genug und vernehmlich – stimmt von A bis Z. Und ist für unsere Ohren bestimmt! Er möchte seinen Mitmenschen so begegnen, wie er es von Gott verstanden hat. Jeden Tag prüft er sich auch. Er legt seine Worte auf die Goldwaage. Er ist ständig auf dem Vollkommenheits-Trip. Und das wird ihm – wie allen Super-Frommen – zum Verhängnis. Er ist unbarmherzig mit sich, ständig angestrengt und angespannt – und er ist unbarmherzig und im Unfrieden mit anderen. Gott zieht er sozusagen mit in den Schlamassel. Gott wird streng und unnahbar, streng und unnahbar gemacht. Ein Richter, dem zu entkommen ist. Je schneller desto besser.
Wir schauen hier auf die ganze Enge und Hilflosigkeit einer Frömmigkeit, die vor lauter Regeln und Schutzvorschriften am Ende Gott sogar verliert. Die große Sehnsucht, von ihm geliebt zu werden, schlägt in einen Albtraum um. Auch für andere Menschen. Einsam kreist ein Mensch dann um sich. Und verliert sich. Je höher er kommt, wird alles kälter – je weiter er läuft, wird alles unwegsamer. Das ist die Gefahr jeder Frömmigkeit. Wie gut, heute im Tempel zu sein. Gewollt vielleicht nicht, aber gut geführt. Wir sehen den Pharisäer, blicken aber in einen Spiegel. Selbstgefälligkeit, Selbstgerechtigkeit lächeln uns an – und wir hören, was wir im Herzen denken: Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie… doppelt unterstrichen, in großen Druck- Typen gesetzt, gleich auch noch in rot: Der Pharisäer ist längst weg!
Der Zöllner ist auch im Tempel. Eigentlich gehört er hier überhaupt nicht hin. Als verlängerter Arm der Römer ist er genau die richtige Folie für Hass und Abneigung. Dass er dann auch noch seinen eigenen Tarif hat (und durchsetzt), sich bereichert – entsetzlich. Als ob andere keine Geschäfte machen, ihren Vorteil zu nutzen wissen, Spielräume ausloten und das Finanzamt be… aussprechen möchte ich es nicht – ihr wisst, wie der Hase läuft.
Ich merke, wieviel Freude Lukas hat, von dem Zöllner zu erzählen. Aber ganz kurz. Kein Wort zu viel. Wenn von ihm erzählt wird – es gibt da viele Geschichten, die an Straßenkreuzungen spielen oder vor Ortseingängen – wird nie etwas Gutes erzählt. Vielleicht musste er heute in den Tempel kommen! Dass ein Jude sich für so etwas hergibt! Für Geld seine Seele verkauft! Sein eigenes Volk verrät! Furchtbar, nur furchtbar. Und so einer ist jetzt auch noch im Tempel. Das hat uns gerade noch gefehlt!
Aber was sagt, was betet, was verrät er von sich? Gott, sei mir Sünder gnädig! Ein Satz, eine Bitte! Mehr nicht! Keine Lebensbeichte. Nur ein niedergeschlagener Blick. Hier steht ein Mensch, der Erbarmen erbittet. Oder mit dem ganz alten Wort: Gnade. Und jetzt müssen wir aufpassen. Jesus führt den Zöllner als Sympathieträger ein – und wir werden, auch wieder unbemerkt – auf seine Seite gezogen. Jetzt bloß nicht Pharisäer! Lass uns Zöllner sein! Nur: können wir uns so einfach auf die Seite des Zöllners stellen? Ihn für uns vereinnahmen? Uns mit ihm sonnen?
Namenlos sind sie beide. Der Pharisäer und der Zöllner. Ihre Geschichten, ihre Biographien tauchen im Hintergrund wohl auf. Aber Lukas erzählt die Geschichte in schwarz-weiß. So sieht dann auch das Bühnenbild, das Arrangement aus. Ich sehe die beiden. Mehr noch: Ich höre ihnen zu. Noch mehr: Ich muss ihnen zuhören. Muss! Die Hand, die hier Regie führt, räumt mir nicht einmal ein, weggucken, weghören zu können. Wenn schon Voyeur – dann richtig! Wie sich jetzt alles dreht! Verkehrt! Wer bin ich denn in dieser Geschichte? Wer möchte ich sein? Wer kann ich sein?
Und tatsächlich: wir sind Menschen, die - wie der Zöllner - Gott um Erbarmen bitten. Um Gnade, um Liebe. Wir kennen unsere Fehler und Schwächen. Wir wissen auch, dass wir sündige Menschen sind. Aber es gefällt uns nicht ganz. Richtig ungemütlich ist das. Nur Gnade? Erbarmen? Wir möchten auch aus unserem Glauben Kapital schlagen (oder wenigstens Zinsen bekommen). Wir möchten auf ein erfolgreiches Leben verweisen können – auch moralisch. Wir möchten von uns reden können, ohne Flecken zu fürchten. So schwarz-weiß gefällt uns das Bild am Ende nicht. Zumindest nicht das eigene Bild. Jeder von uns möchte sein Bild etwas farbiger haben. Oder einfach: schöner. In Wirklichkeit sind wir doch besser als der Zöllner! Mal ehrlich! Auch wenn wir uns nicht so outen müssen wie der Pharisäer. Der ist doch richtig geschmacklos, oder? Kann man das nicht feiner, eleganter, gekonnter? Es könnte uns wie Schuppen von den Augen fallen: Wir kriegen es spielend hin, wie der Pharisäer zu denken – und wie der Zöllner zu beten. Versteht sich: gleichzeitig. Wir wissen auch, was wir verschweigen und was wir laut sagen. Oder ein wenig leiser...
Jesus erzählt eine Geschichte. Die Geschichte von zwei Menschen, die im Tempel beten. Jeder für sich. Jeder auf seine Weise. Bemerkenswert ist, dass diese Geschichte tatsächlich im Hause Gottes spielt! Der Ort des Lebens ist das Haus Gottes. Hier wird uns – exemplarisch, aber auch liebevoll – ein Blick auf unser Leben geschenkt. Wie gut, dass uns dieses Geschenk auch heute zuteil wird!
Über die verhängnisvolle Rolle, die unser Evangelium dem Pharisäer zugedacht hat, wollen wir heute nicht reden. Es ist eine bittere Geschichte, um die wir wissen müssen. Sie hat Leid und Tod gebracht. Aber der Pharisäer, der uns unsere Selbstsicherheit, Selbstzufriedenheit, Selbstgerechtigkeit vor Augen führt, schlüpft aus seiner Rolle des Bösewichtes heraus – und wird zu einem Boten der Liebe und Barmherzigkeit Gottes. Tatsächlich gibt es viele Gebete, die von Pharisäern überliefert sind, die nicht anders sind als die des Zöllners: Gott, sei mir Sünder gnädig!
Von Gottes Gnade leben wir alle. Das haben die Pharisäer immer gewusst. Die Zöllner nicht immer. So einfach, wie sie sich anhört, soll diese Geschichte nicht enden. Am Ende tauschen die Figuren ihre Worte und ihre Klamotten.
Auf den ersten Satz kommt es immer an. Jesus erzählt uns, die wir von unserer eigenen Gerechtigkeit überzeugt sind und es andere oft genug auch spüren lassen, ein Gleichnis. Zwei Menschen gingen zum Tempel hinauf um zu beten... Einer von ihnen bin ich.
Im Psalm 34, dem Psalm von heute, heißt es:
Ich will den Herrn allezeit preisen;
immer sei sein Lob in meine Mund.
Meine Seele rühme sich des Herrn;
die Armen sollen es hören und sich freuen.
Nahe ist der Herr den zerbrochenen Herzen,
er hilft denen auf, die zerknirscht sind.
Der Herr erlöst seine Knechte;
straflos bleibt, wer zu ihm sich flüchtet.
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Der Weltmissionssonntag bringt das Thema Barmherzigkeit wieder ins Bewusstsein. Wir sind aufgefordert, barmherzig gegenüber Menschen zu sein, die unsere Hilfe nötig haben.
Um Geld aus dem Bankomat abheben zu können, benötigt man unter amderem den richtigen PIN-Code. Die vier Ziffern können zum Symbol werden für das, was mach braucht, um Leben in Fülle zu erlangen.
Der Eröffnungssatz der Lesung „Der Herr ist der Gott des Rechts, bei ihm gibt es keine Begünstigung“ lässt uns erkennen, gegen welches Denken Jesus Sirach seine Stimme erhebt. Er wird all jene im Auge haben, die menschliches Verhalten auf Gott projizieren und sich damit ein falsches Bild von Gott entwerfen.
Unter uns Menschen ist Begünstigung Alltagsgeschehen. Wir praktizieren sie, ohne lange darüber nachzudenken.
- Menschen, die ich gut leiden kann, stehen in meiner Gunst höher, als jene, die ich nicht so richtig leiden mag.
- Bei Menschen, die mir zum Vorteil werden könnten, achte ich viel deutlicher als bei anderen darauf, sie nicht zu verärgern, damit ich mir ihre Gunst nicht verscherze.
- Wenn ich aus verschiedenen Richtungen angefragt werde zu helfen, entscheide ich mich im Normalfall ohne langes Überlegen für die, die mir gut sind oder waren. Ich frage mich in der Regel nicht erst noch, ob der andere, der mir ferner steht, meine Hilfe viel dringlicher bräuchte oder sogar notwendig auf meine Hilfe angewiesen ist.
Dieses menschlich praktizierte und auch verständliche Verhalten, es steckt ja nichts Boshaftes dahinter, auf Gott zu übertragen, ist falsch, will uns Jesus Sirach sagen. Gott kennt keine Begünstigung und Bevorzugung. Er hat mich nicht lieber als den Schlosser oder Schreiner, nur weil ich Priester bin und für ihn arbeite. Er hat den Frommen nicht lieber als den Aufsässigen mit seiner Kritik. Gott liebt den Sünder nicht weniger als den Guten mit seiner Mühe. Gottes Liebe ist anders als die der Menschen. Er schenkt seine Liebe uneingeschränkt jedem.
Manche leiten für sich daraus ab: Warum soll ich mich dann noch mühen? An dieser Frage entscheidet sich, welcher Art Mensch ich bin und sein will. Gute Werke tun, nur damit ich in die Gunst Gottes komme, ist menschliches, geschäftliches Denken. Niemand hat es nötig, sich durch die Vorleistung guter Werke die Gunst Gottes zu erwerben; er hat sie und die Liebe Gottes längst in Fülle auf seiner Seite, noch bevor er für das Gute einen Finger krümmt.
Die Liebe zu leben, hat etwas zu tun mit dem Mensch-Sein. Echtes, mündiges Mensch-Sein – so müssen wir uns immer wieder bewusstmachen – zeichnet sich darin aus, dass wir in der Freude über Gott und unsere Ebenbildlichkeit mit ihm das Gute und die Liebe in dem Maß anstreben, wie es uns möglich ist. Ob wir uns mit Gottes Hilfe und einer intensiven Mühe um die Liebe formen und entwickeln wollen, indem wir die uns geschenkten Veranlagungen zum Guten ausbauen, oder ob wir mehr dabei bleiben möchten, Liebe nur dann zu leben, wo es gilt, um Gunst und Vorteil zu buhlen, das müssen wir, jeder für sich, entscheiden. Dies ist in unsere persönliche Verantwortung für uns gegeben.
Kehren wir zum Text der Lesung zurück. Noch in einem zweiten Punkt gilt es, menschliches Denken nicht auf Gott zu projizieren. Jesus Sirach sagt: „Der Herr ist ein Gott des Rechts“. „Er ist nicht parteiisch...“. Damit soll uns gesagt werden: Gott lässt sich durch nichts dazu verleiten, von seiner von Anfang an gewährten Liebe zu einem Menschen im Nachhinein Abstriche zu machen. Er beginnt nicht irgendwann, seine Liebe dosiert zu gewähren – dem einen mehr, dem anderen weniger. Mit dieser Botschaft hat Jesus Sirach vor allem jene im Auge, die ins Leid gekommen sind: in Armut, Krankheit, Unglück, Not. Besonders jene, die sich in ihrer leidvollen Situation fragen „Wo bleibt Gott mit seiner Liebe?“, sollen wissen und daran festhalten: Unser Leid, unsere Not sind nicht Zeichen dafür oder gar ein Beweis, dass sich Gott von uns abgewandt hat. Der Gedanke „Gott hat sich von mir abgewandt“ ist eine total falsche Einschätzung gegenüber Gott, eine menschliche Projektion auf ihn.
Was uns in den Situationen der Not immer wieder zu schaffen macht, ist die Tatsache, dass wir im Leid oft Gottes weiterhin geschenkte Liebe nicht erkennen können. Das Gefühl macht sich breit: Mein Rufen, mein Flehen hört Gott nicht; er wendet sich mir nicht zu.
Not und Leid können uns kurzsichtig machen. Denn trotz allem Schweren lässt sich aus Leid auch Gewinn ziehen.
Durchlittenes Leid kann uns stärker machen, gütiger, aufmerksamer für andere. Nicht nur Freude, auch Leid vermag uns positiv zu prägen und zu formen.
Leid kann sodann zur Besinnung führen – vor allem wenn wir es selbst mitausgelöst und mitverursacht haben. In diesen Situationen fordert es uns auf, uns zu fragen: Wie kann ich törichtes, Schmerz bringendes Verhalten zukünftig meiden?
Oder erfahrenes Leid durch andere, kann uns warnen und abschrecken, Gleiches zu tun, und uns bewegen, grundsätzlich zu überprüfen: Wie verhalte ich mich anderen gegenüber?
Es wäre sicher falsch, Leid stets und ständig total negativ zu bewerten. Das ist die eine Seite. Andererseits gibt es auch Formen und Ausmaße des Leids, die wir aus menschlicher Sicht nur ablehnen können, da wir auf das „Warum“ keine Antwort finden. Und hier genau besteht die Gefahr, Gott gegenüber vom Bitten ins Fordern überzuwechseln. Gott soll es richten. Nur der uns liebende Gott ist keine automatische, himmlische Wunderwaffe, die wir nach Bedarf durch Bitten erfolgreich einsetzen können. Erneut sind wir zu einer Entscheidung herausgefordert: Will ich darauf vertrauen, dass ich auch in meinem nicht verstehbaren Leid in der Liebe Gottes aufgehoben bin?
Schließlich möchte uns Jesus Sirach zu einem dritten Schritt bewegen. Wenn wir zu denen gehören, die sich Gott verbunden wissen, werden wir uns von ihm in Dienst nehmen lassen. Die konkrete Verwirklichung des Rechts will Gott als der „Herr des Rechts“ ja vor allem auch mit in unsere Hände legen. Gott, so möchte ich es ausdrücken, ist nicht in erster Linie ein „Macher“ und alleiniger „Vollstrecker“. Er zeigt uns vielmehr oft, wie rechtes Verhalten und Handeln aussieht, damit wir in seinem Namen dem Rechten zum Sieg verhelfen. Nach seinem Hinweis an uns zieht sich Gott nicht völlig zurück, sondern gibt uns Kraft für unser Tun. Dies können wir spüren. Wir werden unruhig. Wenn wir auf der Seite Gottes stehen, bewegt uns nämlich, was ihn bewegt. Wir können dann nicht gelassen tatenlos dem Unrecht zusehen und uns in Schweigen hüllen. Wenigstens die Stimme werden wir erheben, um das Unrecht beim Namen zu nennen.
Oder wenn wir das Schicksal anderer erleben - selbst wenn sie nicht zu unseren Freunden zählen, wird uns ihre Not, ihr Leid nicht kalt lassen. Wir werden auf Menschen zugehen, wie Jesus es tat. Im Blick auf Gottes große Liebe zu uns werden wir unsere Herzen gegenüber denen, die uns Unrecht taten, nicht so verhärten, dass jeder Anlauf einer Versöhnung scheitert. Schließlich werden wir Parteilichkeit, die Unrecht fördert, bewusst meiden. Ja wenn wir auf der Seite Gottes stehen, werden wir alle Kraft daran setzen, rechtes Handeln anzustreben.
Als erstes Anliegen möchte Jesus Sirach sicher allen, die in Not sind, Mut machen, ihr Leid mit Vertrauen und Zuversicht Gott vorzutragen und daran festzuhalten, dass Gott sich von ihnen nicht abgewandt hat. Ohne es direkt zu benennen, verfolgt er aber sicher ebenso: Alles Flehen und Bitten der Menschen möge auch unser Ohr und unser Herz erreichen und zur Tat bewegen. Denn nichts ist schöner, richtiger und mehr ein Zeichen echten Mensch-Seins, als durch unser Mitwirken mit dazu beizutragen, Menschen zu ihrem Recht und Wohlergehen zu verhelfen.
"Danke, daß ich nicht so bin wie diese…" Wer sich eines solchen Satzes bedient, schafft sich vermutlich kaum mehr neue Freunde. Heute hören wir von einem, der diese Worte wagt. Und der uns darüber meditieren lässt, was sie zum Problem machen könnte.
Lassen wir zu Beginn dieses Gottesdienstes zunächst mal von uns selber ab und wenden uns dem zu, der uns gerufen hat.
In der griechischen Geschichte war Delphi der heilige Ort des Orakels. Vor einer wichtigen Entscheidung kamen die Menschen an diesen dorthin, um in sich zu gehen. Sie wurden empfangen mit dem Wort: „Erkenne dich selbst!“ Das kann Segen sein oder auch zum Unheil werden, wenn wir falsche Dinge in uns erkennen.
Auch für und kann das „Erkenne dich selbst“ eine Einladung sein: „Erkenne dich selbst“ und komme damit zu Gott.
In jeder Messfeier treten wir vor Gott hin. Es ist menschlich und verständlich, dass wir vor einander und vor Gott gut dastehen möchten. Gott können und brauchen wir nichts vormachen. Er kennt uns besser, als wir uns selbst kennen. Er sagt uns zu, dass er uns liebt und annimmt, wie wir sind; trotz unserer Schwächen und Fehler.
Weil er uns vorbehaltlos annimmt, können auch wir einander mit unseren Schwächen und Fehlern annehmen und sogar verzeihen.
Jesus Christus,
durch dich sind wir ins Dasein gerufen mit allem, was wir sind und haben.
Herr, erbarme dich.
Jesus Christus,
du stellst uns in diese Welt mit allem, was uns dort umgibt.
Christus, erbarme dich.
Jesus Christus,
du geleitest uns ins Reich deines Vaters an den Ort, der uns verheißen ist.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus,
du hast selbstgerechte Menschen erkannt und herausgefordert.
Kyrie, eleison!
Du bist liebend mit Menschen umgegangen,
die sich zu ihrer Schwäche bekannt haben.
Christe, eleison.
Du willst uns die Kraft geben,
in unserem Leben den Menschen gerecht zu werden.
Kyrie, eleison.
Herr, Jesus Christus, du bist gekommen,
um uns zu künden, dass vor Gott alle gleich sind
und Gott nicht auf die Person schaut.
Herr, erbarme dich.
Dein Leben war geprägt durch die Zugewandtheit zu allen Menschen -
besonders zu denen, die am Rande standen.
Christus, erbarme dich.
Du hast die Schwere des Lebens betend auf dich genommen
und für uns den Tod überwunden.
Herr, erbarme dich.
Gott und Herr,
du allein bist gerecht und machst gerecht.
Herr, erbarme dich.
Du kennst unser Herz und prüfst es.
Christus, erbarme dich.
Du erhöhst, die sich selbst erniedrigen.
Herr, erbarme dich.
Allmächtiger, ewiger Gott,
mehre in uns den Glauben,
die Hoffnung und die Liebe.
Gib uns die Gnade,
zu lieben, was du gebietest,
damit wir erlangen, was du verheißen hast.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 30. Sonntag im Jahreskreis
Gütiger Gott.
Bei dir ist Freude über jeden Menschen,
der umkehrt und Buße tut.
Denn du bist der Vater, der für alle ein Herz hat.
Lass uns darauf vertrauen und deinem Ruf folgen.
Hilf uns,
dass auch wir einander vergeben,
wie du uns vergibst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Amen.
MB Auswahl 27
Barmherziger Gott.
Du nimmst die Sünde ernst,
aber du läßt uns die Möglichkeit zur Umkehr.
Du verurteilst unsere Verfehlungen,
aber du lädst uns ein zu einem neuen Anfang.
Wir danken dir, daß du barmherzig bist.
Gib uns den Mut umzukehren.
Gib uns die Kraft, neu anzufangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Amen.
MB Auswahl 26
Heiliger Gott,
du liebst die Unschuld
und schenkst sie dem Sünder zurück,
der reumütig zu dir heimkehrt.
Wende unser Herz zu dir
und schenke uns neuen Eifer im Heiligen Geist,
damit wir im Glauben standhaft bleiben
und stets bereit sind, das Gute zu tun.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 2. Donnerstag der Fastenzeit
Unser Herr Jesus Christus hat gesagt:
"Nicht Gesunde brauchen den Arzt, sondern Kranke.
Nicht Gerechte zu rufen bin ich gekommen,
sondern die Sünder."
Darum beten wir:
Barmherziger Gott.
Zu Unrecht halten wir uns oft für gut
und glauben, gerecht vor dir zu sein.
Wecke uns aus unserer falschen Sicherheit,
befreie uns von unserer Selbstgerechtigkeit
und heile uns durch Jesus Christus,
den Arzt der Kranken, den Heiland der Sünder,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Amen.
MB Auswahl 39
Gott,
in Güte und Weisheit
blickst du in die Herzen der Menschen.
Schenke uns den Geist kindlicher Demut,
damit wir vor dir bestehen können
und unser Beten dir gefällt.
Darum bitten wir durch Jesus Christus,
deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt in Ewigkeit.
WB 30. Sonntag im Jahreskreis C
Allmächtiger Gott
du schenkst jedem Menschen Wert und Würde.
Lass uns in deinem Licht
unser Leben annehmen und gestalten.
Mach uns auch fähig,
in jedem und jeder Nächsten dich zu erkennen.
Hilf uns, Hass und Zwietracht zu vermeiden
und steh uns bei,
wenn Zweifel und Ängste unser Denken und Handeln bestimmen.
So bitten wir durch Jesus Christus. – Amen.
Gott und Vater,
mit dir kann ich auf mein Leben schauen.
Du verurteilst mich nicht,
wenn ich meinen Schatten schaue.
Du bringst das Licht hinein.
Und du sagst mir: Fange wieder an,
denn ich führe dich in die Freiheit.
Darauf hoffen wir durch deinen Sohn, Jesus Christus. - Amen.
Vater im Himmel,
durch deinen Sohn Jesus Christus hast du uns ein Beispiel gegeben,
wie wir unser Leben gestalten sollen,
damit alle gut leben können.
Öffne uns wieder neu für die Worte deines Sohnes
und mache uns bereit, ihm zu folgen.
Das erbitten wir mit ihm,
Jesus Christus, unserem Bruder und Herrn. – Amen.
Guter Gott,
dein Sohn ist am Kreuz erhöht worden. Sein Handeln und Denken galt immer zuerst den anderen. Hilf uns, ihm folgen zu können.
So bitten wir dich:
Wir beten für alle, die auf all ihren Lebensfeldern erfolgreich sind.
Hilf ihnen, im Auge zu behalten, wem sie sich und all das Geschaffene verdanken: dir und ihrer Umgebung.
Wir beten für alle, die sich selbstlos für den bedrohten Frieden in dieser Welt einsetzen und ihre eigenen Interessen zurückstellen.
Schütze sie, begleite ihr Tun und lass sie Dankbarkeit erfahren.
Wir beten für die Mächtigen in Politik und Wirtschaft, die ihre Bodenhaftung verloren haben und ihre Vernetzungen und Verstrickungen nicht mehr wahrnehmen.
Lass sie erkennen, dass auch sie am Ende ihrer Zeit zum Staub der Erde zurückkehren.
Wir beten für all die Menschen, die im Stillen und Kleinen ihr Leben führen und ihre eigene Würde nicht verspüren.
Lass sie auf andere treffen, die ihnen dankbar sind und sie wertschätzen.
Wir beten für unsere Verstorbenen: für jene, die glücklich durchs Leben gegangen sind, und für jene, die auf der Talsohle ihrer Existenz unterwegs waren.
Schenke ihnen allen einen Platz an deiner Seite.
Guter Gott,
steh uns bei und hilf uns, deine Botschaft durch das Zeugnis unseres Lebens zu verkünden.
So bitten wir durch Christus, unseren Herrn. – Amen.
Gott, vieles musstest du verzeihen und hast du verziehen.
So bitten wir dich auch heute wieder:
Zeige deine vergebende Liebe.
Manchmal erkennen wir den richtigen Schritt und gehen ihn nicht.
Wir bitten…
Manchmal liegt die richtige Tat auf der Hand, aber wir setzen sie nicht um.
Wir bitten…
Menschen haben sich entzweit und finden nicht mehr zueinander.
Wir bitten…
Vor den Problemen unserer Zeit stehen wir oft hilflos. Was können wir tun?
Wir bitten…
Wir denken am heutigen Sonntag der Weltmission an die Menschen,
die deine Liebe in eine Welt bringen, die Dunkelheit und Leiden kennt.
Wir bitten:…
Im Sterben kämpfen manche Menschen mit dem Schatten ihres Lebens.
Für diesen Kampf bitten wir…
Gott, lass uns spüren wie den Zöllner im Gleichnis:
Du verstehst und du liebst.
Dafür danken wir dir. – Amen.
Wir alle sind ohne Unterschied auf Gottes Barmherzigkeit angewiesen.
Ihn lasst uns bitten:
Für alle in und außerhalb deiner Kirche, die über das Vordergründige im Leben hinaus nach Wahrheit und Sinn suchen.
Für alle Menschen in den 190 Staaten der UNO, die sich seit nunmehr 77 Jahren für die globale Zusammenarbeit, Friedenssicherung, Überwindung von Diskriminierung, Hunger und Krankheiten einsetzen.
Heute am Weltmissionssonntag beten wir ganz besonders für die Menschen in den zentralafrikanischen Ländern.
Für alle, die aufgrund von Vorurteilen oder einer verfahrenen Lebenssituation keine Chance auf Veränderung und Zuversicht auf eine bessere Zukunft haben.
Für alle, denen ihr Streben nach Perfektion und Selbstbezogenheit einem gelungenen Leben in Zufriedenheit im Weg steht.
Für unsere Verstorbenen: für die, die bewusst ihr Leben vertrauensvoll in deine Hände gelegt haben, und für die, die erst im Tod deiner Barmherzigkeit und Gerechtigkeit begegnet sind.
Guter Gott! Du nimmst uns Menschen an und richtest uns auf.
Dir verdanken wir alles.
Dich loben und preisen wir jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Gott und Vater,
wir stehen vor dir in all unserer Bedürftigkeit.
Wir bitten dich:
Schau auf alle Menschen, die dich aufrichtig und mit ganzem Herzen suchen.
Zeige ihnen deine Liebe und Menschenfreundlichkeit.
Schau auf alle Menschen, die von anderen klein gemacht und zurückgesetzt werden.
Lass sie erfahren, dass du die Niedrigen erhöhst.
Schau auf alle Menschen, die sich selbst erhöhen und auf andere herabschauen.
Lass sie ihre Grenzen erkennen und lehre sie Barmherzigkeit.
Schau auf alle Menschen, die von Selbstzweifel und Minderwertigkeitsgefühlen niedergedrückt werden.
Richte sie auf und schenke ihnen ein gesundes Selbstvertrauen.
Du, Gott, bist gerecht und zugleich barmherzig:
Dir vertrauen wir uns an. - Amen.
Was kann Gott einem Menschen noch schenken, der meint, alles aus eigener Kraft zu schaffen? Nur in der Haltung der Armut und der Bedürftigkeit können wir vor Gott treten und seine Gaben erbitten:
Schenke allen Gliedern deiner Kirche Sensibilität und Achtsamkeit für die wahren Fragen und Nöte der Menschen unserer Zeit.
Schenke den Menschen in den aktuellen Krisenregionen unserer Welt Frieden und erfülle ihre Hoffnungen auf sichere und gerechte Lebensbedingungen.
Schenke uns Politiker, die in ihrer Funktion den ihnen anvertrauten Menschen dienen wollen.
Schenke uns einen klaren Blick auf die wirklich wesentlichen Dinge unseres Lebens und bewahre uns vor Geltungssucht und Überheblichkeit.
Schenke den Sterbenden Begleiter, die sie in ihrem Glauben an deine Liebe und Barmherzigkeit bestärken.
Deine Größe und Güte wollen wir allzeit anerkennen und preisen jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Allmächtiger Gott,
sieh gnädig auf die Gaben, die wir darbringen,
und laß uns dieses Opfer so feiern,
dass es dir zur Ehre gereicht.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 30. Sonntag im Jahreskreis
Barmherziger Gott,
befreie uns durch dieses Opfer von unseren Sünden
und schenke uns die Kraft, auch den Brüdern zu vergeben,
wenn sie an uns schuldig geworden sind.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Fastensonntag
Gütiger Gott
du ruft uns zusammen um deinen Altar,
um dich in endloser Zuneigung auszuteilen
an alle, die dich suchen.
Lass deine Güte uns zum Vorbild werden
und stärke uns in dieser Tischgemeinschaft,
damit wir immer mehr fähig werden,
dich durch das Zeugnis unseres Lebens zu verkünden.
So bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Guter Gott,
der Zöllner brachte sein Herz,
dein Sohn seinen Leib und sein Blut,
wir bringen Brot und Wein.
Lass sie Zeichen des Lebens sein,
wenn dein Geist sie erfüllt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. – Amen.
(für Wortgottesdienstfeiern):
Kehrvers:
Danket dem Herrn, denn er ist gütig,
denn seine Huld währt ewig. (GL 558,1)
Wir danken dir, Herr, denn du bist gerecht und barmherzig.
Du siehst nicht auf das Äußere
und beurteilst die Menschen nicht nach deren Ansehen.
Du erbarmst dich von Geschlecht zu Geschlecht
über alle, die dich fürchten.
Kehrvers
Du zerstreust, die im Herzen voll Hochmut sind,
du stürzt die Mächtigen vom Thron
und erhöhst die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkst du mit deinen Gaben,
die Reichen lässt du leer ausgehen.
Kehrvers
Dafür danken wir dir und preisen wir dich
mit allen Engeln und Heiligen.
Mit der ganzen Schöpfung stimmen wir ein in dein Lob:
Danklied, z. B.: Nun danket alle Gott (GL 405)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
immer und überall zu danken für deine Liebe,
die du uns niemals entzogen hast.
Du hast den Menschen in deiner Güte erschaffen
und ihn, als er der gerechten Strafe verfallen war,
in deiner großen Barmherzigkeit erlöst
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir
das Werk deiner Gnade und singen
mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Wochentage 2
Wenn wir das Gebet Jesu sprechen, stehen wir vor Gott und sagen: Wir haben deine Hilfe nötig. In dieser Weise lasst uns beten:
Vater unser…
Herr Jesus, in der Bitte des Zöllners sprichst du davon, wie dein Frieden beginnen kann.
Auch wir hoffen darauf, gerechtfertigt und in Frieden gehen zu können.
Darum bitten wir: Herr Jesus Christus, schaue nicht…
Christus spricht:
Selig die Barmherzigen,
denn sie werden Erbarmen finden.
(Mt 5,7)
Oder:
Christus spricht:
Selig, die ein reines Herz haben,
denn sie werden Gott schauen.
(Mt 5,8)
Oder:
Empfangt, was ihr seid: Leib Christi.
Und werdet, was ihr empfangt: Leib Christi.
Wir haben Ziele, Ideale
nach denen wir streben
wir möchten etwas erreichen im Leben
unsere Talente und Fähigkeiten entfalten
und das sollen wir auch
dafür haben wir sie bekommen
Nie sollen wir uns aber verleiten lassen
uns zu erheben über andere
herabzuschauen
auf solche, die in unseren Augen versagt haben
Wir vergessen dabei leicht
unsere Schwächen und unser Versagen
wir vergessen, dass alles
was wir sind und haben
von Gott kommt
Gott, schau auf uns Menschen
und sei uns gnädig
gib uns Demut und die Bereitschaft
uns immer wieder neu
nach dir auszurichten.
Wir haben Ziele, Ideale
nach denen wir streben
wir möchten etwas erreichen im Leben
unsere Talente und Fähigkeiten entfalten
und das sollen wir auch
dafür haben wir sie bekommen
Nie sollen wir uns aber verleiten lassen
uns zu erheben über andere
herabzuschauen
auf solche, die in unseren Augen versagt haben
Wir vergessen dabei leicht
unsere Schwächen und unser Versagen
wir vergessen, dass alles
was wir sind und haben
von Gott kommt
Gott, schau auf uns Menschen
und sei uns gnädig
gib uns Demut und die Bereitschaft
uns immer wieder neu
nach dir auszurichten.
Herrn, unser Gott,
gib, daß deine Sakramente
in uns das Heil wirken, das sie enthalten,
damit wir einst
als unverhüllte Wirklichkeit empfangen,
was wir jetzt in heiligen Zeichen begehen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 30. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger Gott,
du hast uns von den alten
zu den neuen Zeichen des Heils hinübergeführt.
Lass uns die Gewohnheiten des alten Menschen ablegen
und neu werden in Heiligkeit und Gerechtigkeit.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Freitag der 4. Woche der Fastenzeit
Herr, unser Gott,
in diesem Mahl hast du uns
mit dem Brot des ewigen Lebens gespeist.
Befreie uns von Falschheit und Irrtum,
heilige uns und erfülle an uns deine Verheißungen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Mittwoch der Fastenzeit
Guter Gott
wir haben dein Wort gehört
und das Brot des Lebens empfangen.
Wenn wir nun unter deinem Segen hinausgehen,
sei du immer an unserer Seite.
Lass uns durch unser Tun und Reden
diesen Segen weiterreichen an alle,
die dich mit ganzem Herzen suchen.
So bitten wir durch Christus unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Du, unser Gott,
wir durften in deiner Liebe
vor dir über uns nachdenken,
uns ermutigen und aufrütteln lassen.
Wir durften erfahren, dass du uns ins Morgen führen willst.
Schenke uns den Mut zum Morgen
und hilf uns in der Kraft deines Geistes.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. – Amen.
Herr,
wenn wir jetzt in die neue Woche gehen, wissen wir,
nicht alles wird uns gelingen, nicht alles wird so sein,
wie wir es uns wünschen und erträumen.
Auch die neue Woche wird wieder Herausforderungen an uns stellen.
Hilf uns, dass wir immer wieder einmal innehalten
und uns vertrauensvoll an dich wenden.
Lass unser Beten nicht nur ein Geplapper sein,
sondern wirkliche Hoffnung auf dein Mit-uns-sein.
Das erbitten wir durch Jesus Christus,
dein menschgewordenes Wort. – Amen.
Gottes Segen begleite uns,
damit wir ahnen, wie er uns sieht. - Amen.
Gottes Segen begleite uns,
damit wir Vergebung spüren,
wie Jesus sie oft ausgesprochen hat. - Amen.
Gottes Segen begleite uns,
damit unser Handeln geheilt und heilend sein kann. - Amen.
Und der Segen des allmächtigen Gottes,
des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
erfülle und begleite euch. - Amen.
Es gehe mit uns der Gott des Anrufes,
damit wir den Weg durch unser Leben finden.
Es gehe mit uns der Gott des Mutes,
damit wir nicht mutlos werden.
Es gehe mit uns der Gott, der die Liebe ist,
damit wir im Nächsten sein Angesicht finden.
So segne uns Gott,
der uns ist: Vater, Bruder und Kraft des Hl. Geistes.
Das Gleichnis vom Gebet des Pharisäers und des Zöllners beschreibt die Adressaten der Erzählung als Menschen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt sind und andere verachten.
Eines lässt sich an dieser Beschreibung deutlich ablesen. Selbstgerechtigkeit lässt sich nur definieren als Gegensatz zu klar ausgewiesener Ungerechtigkeit anderer. Es braucht den Vergleich. Das Licht braucht die Dunkelheit. Der Pharisäer, von dem Jesus im Gleichnis erzählt, handelt genau nach diesem Muster und kann, so sagt es das Gleichnis, trotz der nachgewiesenen Einhaltung von Gesetzesvorschriften, nicht gerechtfertigt nach Hause gehen.
Jesus vermittelt uns ein anderes Menschenbild. Er versichert uns der Gleichheit aller Menschen vor Gott. Jeder von uns von Gott geschaffen und angenommen als sein geliebtes Kind, gleich wert, gleich würdig. Wenn ein Mensch sich anmaßt, über Wert und Würde eines anderen zu urteilen, überschreitet er seine Kompetenz. Uns Menschen fehlt die nötige Kenntnis der Fakten, um so ein Urteil sprechen zu können. Was wir mit unseren Sinnen über uns selbst und andere Menschen in Erfahrung bringen können, ist immer nur ein Teilaspekt. Urteilen sollte nur jemand, der uns ganz kennt; inklusive all unserer gelebten und ungelebten Möglichkeiten, inklusive unserer Sonnen- und Schattenseiten. Das kann nur einer: Gott.
Wie die gesamte Schöpfung ist auch der Mensch creatio continua, d.h. jeder von uns betritt diese Welt unfertig, ist aber ausgestattet mit einem riesigen Entwicklungspotential mit sowohl positiven als auch negativen Entfaltungsmöglichkeiten. Welche wir tatsächlich ausschöpfen, weiß nur er.
Manchmal neigen wir dazu, eigene positive Taten als einen Wert zu betrachten, der uns berechtigt, andere Menschen abzuwerten. Die Sozialwissenschaften weisen mit ihrer Unterscheidung zwischen Fremdwahrnehmung und Eigenwahrnehmung auf Fehlermöglichkeiten hin, die in so einem Urteil stecken können. Jesus formuliert das mit einem Vergleich: Er bezeichnet es als zutiefst menschliches Verhalten, den Splitter im Auge des anderen wahrzunehmen, den Balken im eigenen Auge aber gar nicht zu bemerken.
Wenn wir uns die Geschichte der Menschheit anschauen, dann finden wir die größten Zerstörungen und das schlimmste Leid in Zeiten der Herrschaft von Despoten, die sich selbst über andere erhoben haben. So sehr, dass sie für sich selbst göttliche Autorität beanspruchten und andere sie für Gottheiten hielten und ihnen blind folgten.
Es gibt aber nur einen Gott, und dieser möchte, dass wir im Selbstverständnis seine freien und geliebten Kinder zu sein leben. Wir wissen zwar, dass Schuld und Verfehlungen wesensmäßig zu uns Menschen gehören, wir wissen aber auch um die uns jederzeit mögliche Entscheidung für das Gute.
Als Geschöpfen Gottes sind wir Gott zwar ähnlich aber nicht gleich. Wir sollen miteinander leben, gleichberechtigt, und einander auf Augenhöhe begegnend, wertschätzend und auf Gott vertrauend, der uns in unserer Ganzheit liebt, ohne uns aus der Verantwortung für unser Tun zu entlassen.
Die unterschiedliche Beurteilung der beiden Beter resultiert m. E. aus der Tatsache, dass der Zöllner die Zerbrechlichkeit seines Menschseins im Unterschied zur Erhabenheit der Güte Gottes anerkennt. Er legt seinen Scherbenhaufen vor Gott hin ("ich bin nicht würdig…") und vertraut auf Heilung durch ihn ("du aber machst mich würdig…").
Der Pharisäer macht sich mit seinem überheblichen Urteil gottgleich. Er kommt nur, um sich für seinen klaren Verstand zu bedanken, der es ihm ermöglicht, die Welt so klar schwarzweiß zu sehen. Hilfe braucht er nicht, er kommt allein zurecht. Er sieht sich gerechtfertigt vor sich selbst, ist es aber nicht vor Gott. Die Freiheit sein eigenes: „Sei mir Sünder gnädig“ zu sprechen, bleibt eine Option.
Gertrude Schmid 2025
Gar nicht so einfach
einfach mal da zu sein
vor dir – Gott
ohne dir gleich
einen Vortrag zu halten
Einfach mal da sein
vor dir
mich öffnen
für dich
mich einlassen auf dich
Spielt es da eine Rolle
wer ich bin
wie ich bin?
Bin ich auf dich hin ausgerichtet
in meinen Lebensbewegungen
jetzt …
Bedrückendes spüren
Aufrichtendes wahrnehmen
Ganz bei mir sein
in Gottes orientierender Mitte
Das Ausgerichtetsein auf Gott
richtet viel aus
in meinem Leben
Gott sei Dank!
Eine Fortsetzung und konkrete Umsetzung erfuhr der "Tag des Vergebens" genau zwei Wochen später – in Jerusalem. Zum Abschluss seiner Pilgerreise schob Johannes Paul II. an der Klagemauer den Text seiner Vergebungsbitte in eine Spalte zwischen den antiken Steinquadern.
Johannes Schidelko (KNA)
auf: https://www.katholisch.de/artikel/24813-als-der-papst-die-schuld-aus-2000-jahren-kirchengeschichte-eingestand
Im Schatten deiner Flügel dürfen unsere Schatten leben
und sich entscheiden für Dunkelheit oder Licht.
Immer sind sie aufgehoben so wie wir, ganz.
Hole heraus aus allen Tiefen, was uns quält und fesselt.
Halte in deiner Hand, was wir verbergen wollen.
Gott, Öl und Duft für Leib und Seelen,
Wärme und Halt, Kühlung und Freiheit.
Gott für uns, ganz.
Aurelia Sprendel OP
in: Benedikta Hintersberger OP (Hrsg); Du bist der Atem meines Lebens. Das Frauengebetbuch. Düsseldorf Klens Verlag 2006.
Oft hoffst du darauf,
dass dir Schuld vergeben werde.
Oft schaust du mit mulmigem Gefühl
auf diesen Tag der Aussprache.
Du weißt nicht, ob du fähig sein wirst,
um Verzeihung zu bitten.
Du fürchtest dich davor,
dass sie ausgeschlagen werden könnte.
Mögest du stets erkennen,
dass es deinem Gegenüber genauso geht.
Sei deshalb stark im Vergeben,
denn das ist Gottes Werk,
an dem du teilhaben darfst.
Thomas Schwartz
in: Thomas Schwartz; Segen voller Leben. Gute Worte für alle Tage Freiburg Herderverlag 2017.
lachend
weinend
klagend
singend
tanzend
bittend
zweifelnd
lobend
trete ich vor DICH
alles ruf ich dir entgegen
hörst du
oder
hörst du
nicht?
hör ich nur mein eigenes Rufen
oder
werde ich auch still vor dir
dass ich deine Antwort finde -
tief hineingelegt in mir
du brauchst meine Worte nicht
denn
du weißt auch ohne Worte
stets um mich
DANKE
dass ich trotzdem alles
was mich ausmacht
bringen darf
und
schenke mir Bereitschaft
dass ich DICH auch HÖREN mag.
Beatrix Senft 2022
egal
wo du sitzen magst
ich schreie es dir entgegen
dieses kleine Leben
das mich so häufig
in die Knie zwingt
hört mir ja sonst keiner zu
und du
kannst dich ja nicht wehren
dort auf Wolke sieben
oder sonst wo
was?
du konterst zurück
und
schickst uns
dein menschgewordenes Wort
dass wir in
IHM
einen Weg sehen
der Heil uns verheißt
einen Weg
der auch vor den Schrecken
des Lebens nicht bewahrt
das ist deine Antwort?
deine Therapie?
deine Antwort ist
Nachfolge
und
AUF-ERSTEHEN
heute
morgen
ewiglich
Beatrix Senft 2022
Was beten ist
sagt dir deine Seele
Sie betet wenn sie
Weint
Lacht
Jubelt
Fragt
Zweifelt
Verzweifelt
Schreit
Dankt
Bittet
Verstummt
Sich erhebt
Frei atmet
Sie betet
wenn sie dich aufrichtet
und du ganz lebst
und erkennst:
Gott
Ja Gott
ist der Atem meines Lebens
Gleich gültig
wer ich bin!
‚Erhebe dich ...
jedoch nicht über andere‘
sagt Jesus mir zu
Schon im Kindergarten läuft jemand am schnellsten, mit den ersten Noten gibt es auch den Jahrgangsbesten und irgendein Tweet ist immer der beliebteste. Messen wir etwas, führt das Ergebnis fast zwangsläufig zu einem „Ranking“ der Vermessenen – und sehr oft auch zu dem Wunsch, nicht zu weit hinten zu landen. ForscherInnen der Universität Innsbruck beschäftigen sich mit der Frage des Einflusses sozialer Vergleiche auf ökonomische Entscheidungen. In mehreren Studien konnte gezeigt werden, dass die Einführung von Rankings motivierend und demotivierend wirken kann – aber vor allem auch die Einstellungen zu Risiken und moralischen Verpflichtungen verändert.
Ganzer Beitrag:
https://www.diepresse.com/5703508
Michael Kirchler und Markus Walzl auf diepresse.com am 14. 10. 2019
"Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar." - Dankrede bei der Entgegennahme des "Hörspielpreises der Kriegsblinden" am 17. März 1959 im Bundeshaus in Bonn, heute ihre Grabinschrift auf dem Friedhof Klagenfurt-Annabichl. In der Rede sagte Bachmann: "Wie der Schriftsteller die anderen zur Wahrheit zu ermutigen versucht durch Darstellung, so ermutigen ihn die andren, wenn sie ihm, durch Lob und Tadel, zu verstehen geben, daß sie die Wahrheit von ihm fordern und in den Stand kommen wollen, wo ihnen die Augen aufgehen. Die Wahrheit nämlich ist dem Menschen zumutbar." Werke Band 4 (Essays usw.). Piper 1978, S. 277 books.google
Ganzer Beitrag:
https://de.wikiquote.org/wiki/Ingeborg_Bachmann
wikiquote.org – 21. 10. 2019
Audi zahlt ein sattes Bußgeld und will den Dieselskandal abschließen. Auch VW wurde schon zu einer Zahlung verdonnert. Beteiligt sind aber noch andere Hersteller. Die Rollen der Autobauer in der Dieselaffäre im Überblick.
Ganzer Beitrag:
https://www.t-online.de/auto/technik/id_83921738/dieselskandal-diese-hersteller-sind-beteiligt.html
t-online.de -16.10.2018, 17:19 Uhr | Nico Esch, dpa, mab,
Alexandre lebt mit Frau und Kindern in Lyon. Eines Tages entdeckt er durch Zufall, dass der Priester, der ihn während seiner Zeit als Pfadfinder missbraucht hat, noch immer mit Jugendlichen arbeitet. Lange verdrängte Erinnerungen werden wach. Verstört und couragiert beschließt Alexandre, endlich gegen den Mann vorzugehen. Er sucht nach weiteren Opfern des in seinem Amt angesehenen Geistlichen und findet sie in François und Emmanuel. Doch jeder der drei Männer kämpft auf unterschiedliche Weise mit sich selbst. Und jeder muss mit den Schatten seiner Vergangenheit ringen, um die weitreichenden Konsequenzen dieses Prozesses zu verkraften. Die Gründung der Selbsthilfeorganisation „La Parole Libérée“ (Das befreite Wort) ist nur ein erster Schritt.
Basierend auf dem Fall von Pater Bernard Preynat, der 2016 wegen sexueller Übergriffe auf rund 70 Jungen angeklagt wurde, porträtiert François Ozon die Opfer als erwachsene Männer und zeigt ihre lebenslangen Verletzungen. Zugleich polemisiert der Film gegen das Schweigen der Kirche zur Pädophilie und fragt nach ihrer Mitschuld. Seit Januar 2019 muss sich diesbezüglich Kardinal Philippe Barbarin wegen „Nichtanzeige“ vor Gericht verantworten.
Weitere Informationen zum Film:
https://www.berlinale.de/de/archiv/jahresarchive/2019/02_programm_2019/02_Filmdatenblatt_2019_201912152.html#tab=filmStills
berlinale.de - 2019
Behüte, HERR, die ich dir anbefehle,
die mir verbunden sind und mir verwandt.
Erhalte sie gesund an Leib und Seele
und führe sie an deiner guten Hand.
Sie alle, die mir ihr Vertrauen schenken
und die mir soviel Gutes schon getan.
In Liebe will ich dankbar an sie denken,
o Herr, nimm dich in Güte ihrer an.
Um manchen Menschen mache ich mir Sorgen
und möchte helfen, doch ich kann es nicht.
Ich wünsche nur, er wär’ bei dir geborgen
und fände aus dem Dunkel in dein Licht.
Du ließest mir so viele schon begegnen,
so lang ich lebe, seit ich denken kann.
Ich bitte dich, du wollest alle segnen,
sei mir und ihnen immer zugetan.
Lothar Zenetti
Selbst-bewusst
überheblich
gefährlich
Gesunde
Selbsteinschätzung
Jeder
Mensch
ist frei und gleich
!?!
an Würde und Rechten
vor Gott
und
voreinander …
Wie schnell
entwischt
mir
ein abfälliger Gedanke
in Richtung Mit-Mensch
Kehrt er zu mir zurück
wird mir selbst bewusst
was da
gerade war …
beseht noch keine Gefahr
in
Überheblichkeit
abzurutschen
O Mensch, bewein dein Sünde groß,
darum Christus seins Vaters Schoß
äußert und kam auf Erden;
von einer Jungfrau rein und zart
für uns er hier geboren ward,
er wollt der Mittler werden.
Den Toten er das Leben gab
und tat dabei all Krankheit ab,
bis sich die Zeit herdrange,
dass er für uns geopfert würd,
trüg unser Sünden schwere Bürd
wohl an dem Kreuze lange.
So lasst uns nun ihm dankbar sein,
dass er für uns litt solche Pein,
nach seinem Willen leben.
Auch lasst uns sein der Sünde Feind,
weil uns Gotts Wort so helle scheint,
Tag, Nacht danach tun streben,
die Lieb erzeigen jedermann,
die Christus hat an uns getan
mit seinem Leiden, Sterben.
O Menschenkind, betracht das recht,
wie Gottes Zorn die Sünde schlägt,
tu dich davor bewahren!
Die bis heute gesungenen beiden Strophen sind ursprünglich der Rahmen einer 23-strophigen Passionsbetrachtung in Liedform. Sebald Heyden erzählt darin die Leidensgeschichte Jesu in der Art einer Evangelienharmonie nach den vier Evangelisten. Die erste Strophe formuliert als Vorwort die erlösende Bedeutung des Wirkens und Sterbens Jesu und lädt, gemäß alter Auslegungstradition, zur „heilsamen Trauer“ über die eigenen Sünden und das ihretwegen geschehene Leiden Christi ein; zugleich beginnt mit der Erwähnung seiner Menschwerdung und Wundertaten bereits die Erzählung. Die letzte Strophe fasst den sensus moralis, die lebenspraktische Konsequenz der Passion Christi für die Gläubigen, zusammen: Dankbarkeit, Liebe, Gottesfurcht.
Jede Strophe besteht aus nicht weniger als zwölf – acht vier- und vier dreihebigen-jambischen Zeilen mit dem zweimaligen Reimschema [aabccb], wobei a und c männliche Reime sind und b weiblich ist. Diese ausladende Form bietet Raum für die erzählende Textmasse. Kein Geringerer als Paul Gerhardt sah sich veranlasst, eine Kontrafaktur zu Heydens stellenweise ungelenken Versen zu schaffen, sein 29-strophiges Lied im gleichen Versmaß O Mensch, beweine deine Sünd.
Die Pharisäer sind uns im Wesentlichen nur aus sekundären Quellen bekannt, die über sie berichten. Neben dem Neuen Testament sind hier Flavius Josephus und die rabbinischen Schriften zu nennen. Dabei geht es keiner dieser Quellen darum, ein objektives Bild zu zeichnen. Während Flavius Josephus ein ausgesprochener Parteigänger der Pharisäer ist, befinden sich die Autoren des Neuen Testaments in kritischer Auseinandersetzung mit ihnen. Die Rabbinen schließlich sind an einem bestimmten theologischen Verständnis der Tora interessiert. [...]
Das Parteiprogramm der Pharisäer kann auf den in Ex 19,6 formulierten Grundsatz: "Ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein." gebracht werden. Es ging ihnen um die Heiligung des Alltags durch die Tora. Das bedeutete konkret eine Ausweitung der ursprünglich nur für den Priesterdienst am Tempel geltenden Reinheits- und Speisegebote auf die alltäglichen Lebensvollzüge des ganzen Volkes. Um dieses Ziel erreichen zu können, wurden die Weisungen der schriftlichen Tora auf die Gegebenheiten des weltlichen Alltags hin interpretiert und ausgelegt. Diese "mündliche Tora" wurde von den Pharisäern ebenfalls von der Sinaioffenbarung hergeleitet und auf diese Weise mit der gleichen Autorität versehen wie die schriftlich überlieferte.
Die mündliche Tora fragte dabei immer nach den konkreten Bedingungen und Möglichkeiten der Heiligung des Alltags. Hier liegt der positive Ansatz der uns häufig seltsam anmutenden Tora-Kasuistik, die möglichst für jeden Einzelfall das dem Willen Gottes entsprechende Verhalten benennen will.
Viele Pharisäer haben sich in Genossenschaften (הבורות/ habûrôt) zusammengeschlossen, die eine Probezeit und bestimmte Satzungen kannten. Diese Genossenschaften hatten sich vor allem die strikte Erfüllung der Zehnt- und Reinheitsgebote zur Aufgabe gemacht, um auf diese Weise das Programm der Heiligung des Alltags zu leben. Dabei nahm man es z.B. auf sich, alle Nahrungsmittel im Zustand levitischer Reinheit zu sich zu nehmen, d.h. die Mitglieder der Genossenschaften näherten sich dem Tisch wie der Priester dem Altar. Die Genossenschaften dienten dazu, sich von aller kultischen Unreinheit abzusondern. Alle Juden, die sich nicht dem Programm der Verwirklichung der Tora im Alltag anschlossen, wurden als Landvolk (עם הארץ/ am aræs) geringgeschätzt (vgl. Joh 7,49). Zugleich konnten die Pharisäer in den Genossenschaften aber auch ihr Programm vorbildlich leben und auf diese Weise zu seiner Popularisierung beitragen.
Das Programm der Pharisäer, das an die Stelle des Tempels und des dort praktizierten Kultes das Studium der Tora und einen durch ihren Vollzug geheiligten Alltag stellte, hat wesentlich dazu beigetragen, dass das Judentum nach der Zerstörung des Tempels durch die Römer weiterbestehen konnte.
Das Urteil über die Pharisäer im Neuen Testament ist vom Standpunkt des Gegners aus gefällt. Schon weil es verallgemeinert und die Pharisäer samt und sonders verdammt, ist es ungerecht; aber seine falsche Einseitigkeit wird noch dadurch erhöht, dass der Gegner die Folie für die eigene Vortrefflichkeit abgeben soll.
Die Vorwürfe, die in der großen Rede Matth. 23 gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten erhoben werden, gipfeln in deren Brandmarkung als Heuchler und Scheinheilige. Diese Beurteilung der Pharisäer ging in das Allgemeinbewusstsein über, so dass man heute noch unter einem Pharisäer einen heuchlerischen, scheinheiligen und selbstgerechten Menschen versteht. …
Unbeeinflußte und gerechte Forschung, auch wenn sie zugibt, dass die Gefahr einer Veräußerlichung der Religion nicht immer umgangen wurde, muss diesem Urteil widersprechen. Die Halacha ist den Pharisäern nie ein starres System nur kasuistischer Regeln gewesen. Sie konnte es schon deshalb nicht sein, weil der Zusammenhang mit der Tora und den in ihr immer und immer wieder ausgesprochenen Grund g e s i n n u n g e n religiösen Tuns nie abgerissen ist. Den Pharisäern ist das "Gesetz" nur "Zaun um die Tora" gewesen, aber auch dieses soll in der "Freude des Gebots" erfüllt werden, und wo sie von vornherein nicht vorhanden ist, da soll die anfangs nur gewohnheitsmäßige Ausführung einer Vorschrift bald zur Erfüllung in "Andacht" werden (mitoch schelo lischma - lischma). Und mehr: die Halacha selbst richtet sich auf Inhalte, die ohne gesinnungsmäßige Grundlage sinnlos und unmöglich sind: die Verehrung der Eltern, in die sie die Achtung vor dem Lehrer einbezieht, die Ehrfurcht vor dem Alter, den Schutz des Tieres u.a. Und enthält nicht schließlich die endgültige Ersetzung des Opferdienstes durch das Gebet ein sittliches Moment erster Ordnung? …
Und schließlich kann ja auch Jesus gegen dieses Prinzip an sich nichts einzuwenden haben, wenn er in seiner Anklagerede (Matth. 23,3) fordert: "Alles, was sie euch heißen, das tut und haltet!" All diese Gesichtspunkte, darauf soll noch hingewiesen werden, sind neuerdings von n i c h t j ü d is c h e n Forschern besonders herausgehoben worden. So steht zu erwarten, dass unbeeinflusst vom alten Vorurteil die richtigen Vorstellungen über das Wesen des Pharisäismus sich durchsetzen und die falschen Begriffe von pharisäischer Frömmigkeit verdrängen werden.
Eugen Gärtner, Aus dem fünften Teil "Juden und Umwelt" der "Lehren des Judentums nach den Quellen" (III. Bd der 1999 ersch. Faksimile-Edition der Ausgabe des Verbandes der Deutschen Juden v. 1928/30) http://www.judentum.org/judenmission/judenmission/baeck-1.htm
L1
Es ist nicht wahr,
dass diese Welt und ihre Menschen
dazu verdammt sind, verloren zu gehen.
L2
Das ist die Wahrheit:
Also hat Gott die Welt geliebt,
dass er seinen eingeborenen Sohn gab,
damit alle, die an ihn glauben,
nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.
(Joh 3,16)
L1
Es ist nicht wahr,
dass wir Unmenschlichkeit und Diskriminierung,
Hunger und Armut, Tod und Zerstörung
hinnehmen müssen.
L2
Das ist die Wahrheit:
Christus spricht:
Ich bin gekommen,
damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen.
(Joh 10,10)
L1
Es ist nicht wahr,
dass Gewalt und Hass das letzte Wort haben sollen
und Krieg und Zerstörung über uns gekommen sind
und nun für immer bleiben.
L2
Das ist die Wahrheit:
Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben,
und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter,
und er heißt:
Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst.
(Jes 9,5)
L1
Es ist nicht wahr,
dass wir einfach nur Opfer der bösen Mächte sind,
die die Welt beherrschen wollen.
L2
Das ist die Wahrheit:
Christus spricht:
Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden,
und ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.
(Mt 28,18b.20b)
L1
Es ist nicht wahr,
dass wir auf die warten müssen, die besonders begnadet sind,
die Propheten der Kirche,
bis wir irgend etwas ausrichten können.
L2
Das ist die Wahrheit:
Gott spricht:
Ich will meinen Geist ausgießen über alles Fleisch,
und eure Söhne und Töchter sollen weissagen,
eure Alten sollen Träume haben
und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen. (Joel 3,1)
L1
Es ist nicht wahr,
dass unser Traum von der Befreiung der Menschen,
von Gerechtigkeit und Menschenwürde, von Frieden
nicht für diese Welt gedacht und gemeint ist.
L2
Das ist die Wahrheit:
Es kommt die Zeit und ist schon jetzt,
in der die wahren Anbeter den Vater anbeten werden
im Geist und in der Wahrheit. (Joh 4,23)
http://www.ekkw.de/
Bei einem Spaziergang mit meinen Mitbrüdern begegneten wir einer kleinen Schafherde. Unter den zehn oder zwölf Tieren war auch ein schwarzes Schaf. Es graste ganz friedlich mit den anderen auf der Wiese, und es hatte den Anschein, als ob es selbst nicht bemerkte, dass es schwarz war. Auch die anderen Schafe schienen nicht zu wissen, dass sich unter ihnen ein schwarzes Schaf befand. Nur ich habe es bemerkt und habe meine Brüder darauf aufmerksam gemacht: »Schaut euch das an - ein schwarzes Schaf!«
Die meisten Menschen reagieren ganz ähnlich, wenn sie mitten in einer Herde von weißen Schafen den Sonderling entdecken: »Schau, ein schwarzes Schaf!«
Wer macht ein Schaf zum schwarzen Schaf?
Die anderen Tiere in der Herde haben es nicht etikettiert, aussortiert und ausgestoßen. Für die weißen Schafe war das schwarze ganz normal. Es war eines von ihnen und hat sich mit ihnen wohlgefühlt.
Wir Menschen denken gerne in Kategorien von schwarz und weiß, von gut und böse, von angenehm und unangenehm, von brauchbar und unbrauchbar, von wertvoll und wertlos. Deshalb finden wir immer irgendwo ein schwarzes Schaf oder einen schwarzen Fleck, ein Defizit, etwas Negatives. Nur selten sind wir fähig, eine Herde mit einem schwarzen Schaf vorurteilslos anzuschauen — und nicht gleich festzustellen: »Schau, ein schwarzes Schaf«
Warum verhalten wir uns nicht auch wie die richtigen Schafe, für die es ganz normal ist, dass es unter ihnen ein schwarzes Schaf gibt? Ein guter Hirte achtet nicht darauf, ob seine Schafe schwarz oder weiß sind — er ist für alle im gleichen Maß da. Von ihm können wir lernen, uns selber und andere anzunehmen, wer immer auch das schwarze Schaf ist — ich oder du.
Eine der großen Fallen der Menschen ist unsere Neigung, alles zu beurteilen und zu bewerten. Wir selektieren ständig und legen andere Menschen - entsprechend ihrer Merkmale und Eigenschaften - sofort in symbolische Schubladen. Aber indem du die anderen einteilst, isolierst du dich selber und bringst dich um die Gemeinschaft mit ihnen. Damit beraubst du dich neuer Erfahrungen und lernst nichts mehr hinzu.
Natürlich stellt man bei anderen Menschen deren Merkmale fest — sie sind ja real vorhanden. Die Frage ist nur: Wie gehst du damit um?
Gott sortiert nicht aus. Er gerät weder in Entsetzen noch in Entzücken — für ihn sind alle Menschen gleich. Für Gott haben alle das gleiche Recht zu leben und sich zu entwickeln. Das übergeordnete Merkmal heißt »Mensch« — nicht schwarze Hautfarbe oder rote, nicht schön oder hässlich, nicht reich oder arm. Diese kleinliche Einteilung ist eine Unterscheidung, die nur wir Menschen vornehmen. In der Überbewertung dieser unwichtigen Eigenschaften machen wir uns das Leben selber schwer.
Gott nimmt dich und mich an, so wie wir sind.
Dagegen behandeln wir Menschen schwarze Schafe oft unmenschlich — wie Ausgestoßene, die nicht zu uns passen. Das Gleichnis vom guten Hirten zeigt, dass Gott das (irrende?) schwarze Schaf nicht aussondert, sondern ihm nachgeht, es findet — und auf seinen Schultern zur Herde zurückträgt.
Im Gebet fühlt sich der Mensch oft wie ein schwarzes Schaf, weil er voller Mängel und Fehler steckt. Aber Gott ist keine Krämerseele, die jeden Minuspunkt aufnotiert. Er lässt dich nicht fallen, sondern gibt dir immer und immer wieder die Chance, zu ihm zurückzukehren. Niemand muss Angst haben, dass er wegen seiner Fehler und Unzulänglichkeiten ausgegrenzt wird — auch wenn er über Jahrzehnte ein Leben ohne Gott und ohne Glauben geführt hat.
Aus: Johannes Pausch / Gert Böhm, Auch schwarze Schafe können beten. Für alle, die nicht an Gott glauben und dennoch beten wollen. Kösel Verlag München 2002.

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Arme und Bedrängte, Waisen und Witwen hatten in der Gesellschaft oft niemanden, der Partei für sie ergriff und sie waren hilflos den Mächtigen gegenüber ausgeliefert. Jesus Sirach betont, dass Gott sich gerade auf die Seite dieser Menschen stellt, dass er ihr Anwalt ist, ja dass Gott sogar eingreift und Recht schafft als gerechter Richter. Die einzige Forderung an den Menschen ist: Gott wohlgefällig zu dienen.
Die für die Lesung ausgewählten Verse betonen, dass Gott ein Gott des Rechtes ist und die Rechte der Armen verteidigt. Aufgezählt werden die Waisen und Witwen. Sie hatten niemand, der sich für ihre Rechte stark machen konnte, und waren daher der Willkür der Reichen und Mächtigen ausgesetzt.
Bemerkenswert ist, dass im Buch Jesus Sirach die Rechte der Armen unabhängig von deren Gottesfürchtigkeit eingefordert werden. Die propheteischen Anklagen sozialer Ungerechtigkeit (etwa bei Jesaja oder Amos) werden hier aufgenommen und weitergeführt.