Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Exodus:
In jenen Tagen kam Ámalek
und suchte in Réfidim den Kampf mit Israel.
Da sagte Mose zu Jósua:
Wähl uns Männer aus
und zieh in den Kampf gegen Ámalek!
Ich selbst werde mich morgen mit dem Gottesstab in meiner Hand
auf den Gipfel des Hügels stellen.
Jósua tat, was ihm Mose aufgetragen hatte,
und kämpfte gegen Ámalek,
während Mose, Aaron und Hur auf den Gipfel des Hügels stiegen.
Solange Mose seine Hand erhoben hielt,
war Israel stärker;
sooft er aber die Hand sinken ließ,
war Ámalek stärker.
Als dem Mose die Hände schwer wurden,
holten sie einen Steinbrocken, schoben den unter ihn
und er setzte sich darauf.
Aaron und Hur stützten seine Arme,
der eine rechts,
der andere links,
sodass seine Hände erhoben blieben,
bis die Sonne unterging.
So schwächte Jósua Ámalek und sein Heer
mit scharfem Schwert.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn,GL 49,1
der Himmel und Erde erschaffen hat. – Kv
Ich erhebe meine Augen zu den Bergen: *
Woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom Herrn, *
der Himmel und Erde erschaffen hat. – (Kv)
Er lässt deinen Fuß nicht wanken; *
dein Hüter schlummert nicht ein.
Siehe, der Hüter Israels, *
er schlummert nicht ein und schläft nicht. – (Kv)
Der Herr ist dein Hüter, *
der Herr gibt dir Schatten zu deiner Rechten.
Bei Tag wird dir die Sonne nicht schaden *
noch der Mond in der Nacht. – (Kv)
Der Herr behütet dich vor allem Bösen, *
er behütet dein Leben.
Der Herr behütet dein Gehen und dein Kommen *
von nun an bis in Ewigkeit. – Kv
Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus
an Timótheus.
Mein Sohn!
Bleibe bei dem, was du gelernt
und wovon du dich überzeugt hast.
Du weißt, von wem du es gelernt hast;
denn du kennst von Kindheit an
die heiligen Schriften, die dich weise machen können zum Heil
durch den Glauben an Christus Jesus.
Jede Schrift ist, als von Gott eingegeben,
auch nützlich zur Belehrung,
zur Widerlegung, zur Besserung,
zur Erziehung in der Gerechtigkeit,
damit der Mensch Gottes gerüstet ist,
ausgerüstet zu jedem guten Werk.
Ich beschwöre dich bei Gott und bei Christus Jesus,
dem kommenden Richter der Lebenden und der Toten,
bei seinem Erscheinen und bei seinem Reich:
Verkünde das Wort,
tritt auf,
ob gelegen oder ungelegen,
überführe, weise zurecht, ermahne,
in aller Geduld und Belehrung!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Brief an Timotheus, unter dem Namen Paulus veröffentlicht, stellt Ermahnungen zusammen, die auf eine gute Amtsführung zielen. Es handelt sich um einen sog. "Pastoralbrief". Dabei wird der Schüler Timotheus an die eigenen Erfahrungen mit den heiligen Schriften "von Kindheit an" erinnert, um dann das große Ziel vor Augen gestellt zu bekommen, das "Wort" (Gottes) zu verkündigen, unabhängig davon, wie es aufgenommen wird.
In diesem Abschnitt wird nicht nur Timotheus ermahnt ("Bleibe", "du weißt", "du kennst"), sondern auch ein Hohelied auf die heiligen Schriften (Plural!) angestimmt: Sie verleihen die Weisheit, gerettet zu werden, und sie sind nützlich, in der Gerechtigkeit gebildet zu werden. Auffällig ist, dass es nicht um Wissen geht, sondern um ein Leben, in dem der Mensch Gottes "zu jedem guten Werk bereit und gerüstet" ist.
Als der Brief - wir befinden uns in der Spätzeit des Neuen Testaments - geschrieben wurde, war der Kanon noch nicht festgelegt. Darum ist von heiligen Schriften die Rede. Aber im Singular wird formuliert, dass es um das Wort Gottes geht. So vielfältig die Schriften, so eindeutig der Sinn.
Timotheus wird bei Gott und bei Christus Jesus beschworen, dieses Wort zu verkündigen. Christus gehört zu Gott und wird als der kommende Richter der Lebenden und der Toten vorgestellt. Christologie und Trinitätslehre sind hier noch nicht voll ausgebildet. Angesichts des zu erwartenden Gerichtes muss Gottes Wort unermüdlich weitergegeben werden, "ob man es hören will oder nicht".
Ein besonderes Augenmerk kann auf dem Anfang der Perikope ruhen. Es ist ein biographischer Zugang: Zum einen wird die Erfahrung des Timotheus ernst genommen, zum anderen die Begegnung mit seinem Lehrer - Paulus. Beides findet sich in dem Auftrag wieder, den Timotheus erhält. Glaubensweitergabe kann ohne solche biographischen Verdichtungen nicht gelingen.
Das Warten auf die Wiederkunft Christi ist lang geworden. Im zweiten Timotheusbrief ruft der Verfasser des Briefes dazu auf, im Glauben treu zu bleiben. Im rechten Handeln und in guten Werken zeigt sich der Glaube.
Die Aufforderung des Schreibers setzt eine entwickelte kirchliche Lehre voraus, die auf Paulus zurückgeht; sie wird durch amtliche VerkünderInnen bewahrt und weitergegeben. Timotheus und auch die Leser werden an die Personen erinnert, die den Glauben vermittelt haben. Neben der Lehrtradition gibt es die "heiligen Schriften" - gemeint sind hier die Schriften des AT -, die unter Beistand des Hl. Geistes entstanden sind (vgl. 2 Petr 1,19ff).
Die Schriften des AT weisen auf Christus hin und sind von ihm her auszulegen.
Eine bewegende Schlußermahnung, Höhepunkt und Abschluß des Briefes, Testament des Apostels an alle Gemeindeverantwortlichen. Paulus steht bereits vor dem ewigen Richter, er hat den Märtyrertod erlitten. Der Schüler des Paulus verleiht den Ermahnungen des großen Apostels größtes Gewicht, auch mit dem Hinweis auf die Wiederkunft Christi. Geduldige Belehrung und Disziplinierung ist in schwierigen Zeiten nötig. Beharrliches Bitten und Vertrauen ist die Basis.
Der 2. Timotheusbrief ist als das "Testament des Paulus" anzusehen, das er aus dem Gefängnis seinem Begleiter Timotheus anvertraut.
Die vorliegende Perikope ist aus einer Reihe von Mahnungen an Timotheus genommen, in denen die Taten der Widersacher des Glaubens gegen das rechte Handeln der Glaubensverteidiger gestellt werden. Grundlage des Glaubens ist das Gesetz des Mose ("von Gott eingegebene Schrift"). Der Verkünder soll getrieben sein von der Erwartung einer Wiederkunft des Herrn: Sein Auftrag zur Verkündigung ist die natürliche Folge aus dem eigenen Empfang des Glaubens.
Halleluja. Halleluja.
Lebendig ist das Wort Gottes und wirksam.
Es richtet über die Regungen und Gedanken der Herzen.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit
sagte Jesus seinen Jüngern durch ein Gleichnis,
dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten:
In einer Stadt lebte ein Richter,
der Gott nicht fürchtete
und auf keinen Menschen Rücksicht nahm.
In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe,
die immer wieder zu ihm kam
und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Widersacher!
Und er wollte lange Zeit nicht.
Dann aber sagte er sich:
Ich fürchte zwar Gott nicht
und nehme auch auf keinen Menschen Rücksicht;
weil mich diese Witwe aber nicht in Ruhe lässt,
will ich ihr Recht verschaffen.
Sonst kommt sie am Ende noch
und schlägt mich ins Gesicht.
Der Herr aber sprach:
Hört, was der ungerechte Richter sagt!
Sollte Gott seinen Auserwählten,
die Tag und Nacht zu ihm schreien,
nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern bei ihnen zögern?
Ich sage euch:
Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen.
Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt,
den Glauben auf der Erde finden?
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Ein Richter und eine Witwe. Um beide rankt sich das Gleichnis. Der Richter ist in einer sehr starken, exponierten Stellung, hier noch verstärkt: Er fürchtet weder Gott, noch nimmt er Rücksicht auf Menschen. Mit diesen Worten wird aber nicht seine Unabhängigkeit beschrieben, sondern seine Dreistigkeit: Er duldet nicht einmal das "Recht" über sich.
Die Witwe ist im Gefüge der damaligen Gesellschaft recht- und wehrlos, in der sozialen Schichtung mit den Waisen in einem Atemzug genannt. Aber sie ergibt sich nicht ihrem Schicksal. Sie weiß sich im Recht und fordert ihr Recht. An diesem Punkt treffen Richter und Witwe aufeinander. Lukas erzählt zwar nicht den "Fall", formt aber in kurzen Sätzen ein überaus spannendes "Duell". Seine Sympathie gilt der Witwe, die hartnäckig und unerbittlich dem Richter auf den Leib rückt. Am Ende ist die Bastion dieses Richters eingenommen - von einer Witwe. Kein Wunder, dass Feministinnen sich in diese Geschichte verliebten.
Ein Kunststück bringt Lukas immer fertig: das Selbstgespräch. Ob der verlorene Sohn, der reiche Kornbauer - oder der Richter: Sie verraten sich. In diesem Gleichnis gibt der Richter zu, Gott nicht zu fürchten und auf Menschen keine Rücksicht zu nehmen, bestätigt also das Bild, das sich andere (unter anderem auch der Evangelist) über ihn gemacht haben. "Trotzdem" will er der Witwe Recht verschaffen - zwei Gründe gibt er auch an: seine Ruhe und die Befürchtung, sie könnte handgreiflich werden.
Wie es dann weitergeht? Die Erzählung bricht zwar ab, aber der Blick wird von Lukas auf das Gleichnis geheftet: "Und der Herr fügte hinzu: Bedenkt, was der ungerechte Richter sagt." Schon am Anfang war gesagt, wofür das Gleichnis gut sein sollte: "allezeit beten und darin nicht nachlassen".
Die Brisanz ist, dass viele Menschen im Blick auf ihre Lebenserfahrungen Gott als "ungerechten Richter" sehen und den Glauben verloren haben, sich mit der Witwe zu identifizieren. Ob das exegetisch richtig ist oder nicht, spielt letztlich keine Rolle. Das Gleichnis gibt selbst vor, wie es auszulegen ist: Es ermutigt zu einem beharrlichen und nicht ermüdenden "Dran-bleiben". Für die Gewissheit, dass es sich lohnt, steht die Witwe, die sich weder mit ihrer Rolle noch mit den Verhältnissen abfindet.
Der Schlusssatz legt nahe, in dieser Beharrlichkeit den Ausweis des Glaubens zu sehen. Auf die Frage: "Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glauben vorfinden?" antwortet der geneigte Leser des Evangeliums mit einem einfachen "Ja" - siehe: die Witwe.
Die vorliegende Perikope ist eine Parabel mit einer Deutung. Die Parabel gehört zum Sondergut des Lukas. Sie verdeutlicht die vorhergehende Endzeitrede Jesu (Lk 17,22-37).
Die Parabel gibt der lukanischen Gemeinde Antwort auf die Frage, wer am Tag der Wiederkunft des Herrn zu den Geretteten gehören wird. Die Personen sind in zwei Parteien, die miteinander ringen, aufgeteilt: der ungerechte Richter und die arme Witwe.
Anders als bei Parabeln lassen sich aber die handelnden Personen nicht genau übertragen. In der Übertragung geschieht noch eine Überhöhung: Die Menschen gleichen der armen Witwe und stehen bei Gott um Gnade an. Gott hingegen ist mehr als der ungerechte Richter; er ist sehr wohl gnädig: Wenn also, so die deutende Aussage, ein ungerechter Richter, das Betteln der armen Witwe erhört, um wie viel mehr können die Menschen dann darauf hoffen, dass der gnädige Gott sich ihnen zuwendet.
Die Perikope endet formell abgeschlossen und einheitlich, inhaltlich aber mit einer offenen Frage. Es folgt ein weiteres Gleichnis in ähnlicher Thematik.
Lukas schreibt dieses Evangelium aus einer bitteren Erfahrung: Die junge Kirche ist wie eine von Menschen und auf von Gott verlassene hilflose Witwe, ihr "Bräutigam" ist abwesend, d.h., Christus ist nicht leibhaftig sichtbar da. Sie findet nirgendwo Hilfe, steht in Erprobung, Versuchung und Verfolgung. Gott richtet nicht die Verfolger, rettet nicht die Seinen - sie fühlen sich im Stich gelassen. Es gibt ein Leiden an Gott.
Das Beten so mancher wird ein "Schreien", viele aber verstummen. Jesus unterweist die Jünger, wie sie in ernster Stunde beten sollen. Sie dürfen von Gott nicht lassen, auch wenn sie versagen, wenn Mitchristen fallen, wenn die Verfolgung zunimmt, wenn Gott schweigt.
Das Jesuswort gibt auch Antwort auf die Frage: Wer oder wie ist Gott? Gott ist Vater der Bedrängten und Armen, die nicht aufhören zu ihm zu rufen. Auf deren Seite steht er für immer. Und Gott sendet Hilfe allen, die zu ihm aufrichtig rufen, die mit ihm noch rechnen, die ihn hereinrufen, ja hereinschreien, in ihr Leben, ihre Not, ihre Freude.
Was bewirkt unser Gebet? Können wir damit Gott beeinflussen? Worauf dürfen wir hoffen, wenn wir Gott um etwas bitten? Welchen Sinn hat unser Gebet? Das Beten wirft viele Fragen auf. Jesus fordert uns auf, inständig zu beten und drauf zu vertrauen, dass Gott Recht schafft, weil er als liebender Gott Gerechtigkeit will.
"Steter Tropfen höhlt den Stein!" lautet ein Sprichwort, das wir öfter zu hören bekommen. Es kommt in vielen Bereichen unseres Lebens auf Beharrlichkeit und Ausdauer an. Vielleicht lässt sich ja ein Ziel doch noch erreichen?! Wenn ich erreichen will, dass jemand seine Meinung oder eine Entscheidung ändert und lange genug rede, lange genug torpediere, dann gibt jemand vielleicht ein Vorhaben auf. Ein Kind quengelt so lange, bis die Mutter oder der Vater endlich nachgibt.
Die Witwe im Evangelium ist ein Beispiel für dieses Wort. Sie hat eigentlich keine Chance gegen diesen gottlosen Richter. Witwen standen in der sozialen Rangordnung am unteren Ende der Skala. Anders hatte es da ein Richter. Ein Richter hatte Macht. Er konnte über Leben und Tod, über Lebenschancen entscheiden. Richter gegen Witwe, das war ein Kampf David gegen Goliath. Die Witwe hat normalerweise keine Chance, aber sie hat nichts zu verlieren. Ihre Chance liegt in ihrer Hartnäckigkeit und diese nutzt sie. Sie nimmt sich ernst. Sie will ihr Recht bekommen gegenüber ihrem Feind. Sie schafft es. Denn sie geht dem Richter ganz gehörig auf den Geist. Darum will dieser Richter sie endgültig loswerden. Er gibt ihr das Recht, das ihr zusteht. Die Witwe hatte fest an sich geglaubt.
In der Witwe und dem gottlosen Richter zeigt uns Jesus ein Bild von uns. Wir sind in der Position der Witwe. Gott ist scheinbar - aber nur scheinbar - in der Position des Richters. Denn da gibt es einen Unterschied. Jesus verspricht uns, dass Gott uns zu unserem Recht verhelfen wird, wenn wir "Tag und Nacht zu ihm schreien." Gott wird uns unverzüglich unser "Recht verschaffen". Sowie die Witwe den Glauben, ihr Recht zu bekommen, nicht verloren hat und diesen Glauben an ihr Recht ernst nahm, so möchte Jesus uns sagen, müssen wir fest an Gott glauben, dass er uns Recht verschafft.
Doch um welches Recht es geht in diesem Gleichnis? Es geht Gott darum, dass alle Menschen, besonders die armen, die ausgestoßenen und die kranken Menschen ihr Recht auf ein erfülltes Leben in Würde bekommen. Es geht Gott darum, dass seine Liebe und auch seine Gerechtigkeit in dieser Welt, in unserem Leben und vor allem in seiner Kirche zu Zuge kommen. Es geht Gott darum, dass auch jeder einzelne von uns für sich selbst um ein erfülltes Leben bitten darf, und das beharrlich, so wie es die Witwe tut. Gott will uns Recht verschaffen, weil er uns liebt. Gott will nicht einfach Ruhe vor uns haben wie der Richter im Gleichnis, nach dem Motto: Da hast du dein Recht, dann habe ich meine Ruhe. Jesus will uns zeigen: Es ist die Liebe und die Fürsorge, warum uns Gott das Recht verschafft.
Ich höre jetzt schon die Fragen:
Warum beten viele Menschen seit Jahren für das Ende der Kriege, und das sinnlose Morden geht weiter, das Sterben unschuldiger Menschen, besonders der Kinder, nimmt kein Ende?
Warum beten viele Menschen darum, dass es in der Welt gerechter zugeht und wenig ändert sich? Was haben 2000 Jahre Christentum denn bewirkt?
Warum gibt es viele Krankheiten? Warum sterben Kinder an Krebs? Wie soll man denn in dieser Welt an Gott glauben?
Diese Fragen und auch noch andere ähnliche Fragen werden uns immer wieder beschäftigen. Es ist schwer, darauf eine Antwort zu finden. Wir spüren eine gewisse Ohnmacht, wie sie die Witwe gegenüber dem Richter hatte. Vielleicht ist es gerade deswegen nötig, inständig und beharrlich zu Gott zu beten, Gott zu bedrängen.
"Steter Tropfen höhlt den Stein." Unser stetes Gebet kann auch so manch andere Steine höhlen.
Unser stetes Gebet, unsere liebende Verbindung mit Gott, kann den Stein der Mutlosigkeit höhlen. Es kann uns zum Handeln bringen.
Unser stetes Gebet kann den Stein der Angst höhlen und uns Vertrauen schenken in Gott, trotz, ja gerade wegen vieler Ängste.
Stetes Gebet kann den Stein der Gier nach Macht höhlen, die Sucht nach Reichtum und uns die Augen unserer Herzen öffnen für das Recht der Mitmenschen, als Schwestern und Brüder angesehen zu werden.
Stetes Gebet kann den Stein höhlen, unseren Selbstwert von unserem Reichtum abhängig zu machen, sondern vielmehr uns für das Bewusstsein offen machen, dass wir geliebt sind.
Stetes Gebet kann den Stein unseres Unglaubens höhlen und unsere Augen für Gottes Wirken in dieser Welt öffnen.
Stetes Gebet kann uns helfen, dieses Leben mit seinen Sorgen zu meistern, weil wir uns mit Gott im Bunde fühlen dürfen.
Auch die Israeliten in der Lesung aus dem Buch Exodus waren so lange siegreich, wie Mose seine Arme zum Gebet erhoben hatte. Es ging so weit, dass ihm Amos und Hur ihm die Arme halten mussten, als diese ihm zu schwer wurden.
Wir haben nichts zu verlieren, aber viel zu gewinnen, wenn wir an Gottes Liebe glauben. Wird der Menschensohn wohl Glauben finden, wenn er auf die Erde kommt? Es ist der Glaube an Gott, der uns Recht verschafft, Leben verschafft. Lassen wir uns einladen, beharrlich zu Gott zu bitten.
Beharrlichkeit und Geduld sind in vielen schwierigen Lebenssituationen notwendig. Auch die Hilfe Gottes ist selten eine Soforthilfe als vielmehr eine Hilfe zur Selbsthilfe. Im Gebet gewinnen wir einen anderen Blick auf die die Probleme, die es zu lösen gilt.
Leben hat immer Herausforderungen anzubieten, mitunter sogar sehr gefährliche. Leben ist lebensgefährlich. Das macht uns bereits die erste Lesung bewusst. Das Volk Israel zieht 40 Jahre durch die Wüste, protestiert dabei, murrt, dass alles immer schlechter wird. Wären wir doch nur auch unter schlechten Bedingungen daheim geblieben. Unterwegs gibt es immer wieder neue Schwierigkeiten. Neuerungen bringen auch Veränderungen, auf die man sich einstellen muss, auch wenn sie unangenehm sind. Die Lesung berichtet, dass die Israeliten von den Amalekitern, den Erzfeinden der Israeliten, bedroht werden und hilflos dem Feind gegenüberstehen.
Auf dieser Wanderung hat JHWH mehrmals eingegriffen, um die Existenz seines Volkes nicht zu gefährden. Vielleicht ist den Menschen damals diese Hilfe nicht bewusst geworden oder sie haben sie längst wieder vergessen, weil neue Gefahren drohen. Ein Weg, diese schwierigen Situationen leichter zu bewältigen, ist das Gebet. Dort, wo es nachlässt, gezeigt im Absinken der Hände, wo wir auf Gottes Hilfe nicht mehr vertrauen, weil sich nicht sofort etwas ändert, werden wir auch mit all den Schwierigkeiten nur schwer fertig.
Möglichweise ist es heute ähnlich, wenn wir im Rückblick unsere eigene Biographie betrachten und durch Erinnerung als inneren Vorgang entdecken, Gott war doch anwesend. Man könnte sagen: Situationsänderung zum Guten. Wir kommen doch immer irgendwie aus den Sackgassen des Lebens heraus. Dazu gehören auch Einsicht und Erkenntnis, die zum Glauben führen.
Das tut die zweite Lesung, wenn sie gleich am Beginn des Paulusbriefes sagt: „Mein Sohn! Bleibe bei dem, was du gelernt und wovon du dich überzeugt hast. Du weißt, von wem du es gelernt hast, denn du kennst von Beginn an die heiligen Schriften, die dich weise machen können.“ (2 Tim 3,14.15). Am Beginn dieses Kapitels finden wir den Hinweis auf schwierige Zeiten. Das bemerken wir auch heute und bekommen die Herausforderungen auf unterschiedliche Weise zu spüren.
Das Evangelium führt wieder auf die erste Lesung zurück, wo es um Gebet und Glauben geht. Wir merken auch heute, dass sich Rechtshilfe stark verzögern kann. Da hören wir von einer Witwe, „die immer wieder“ zum Richter kommt, um Rechtsprechung gegen ihren Feind zu erbitten. „Lange wollte er [der Richter] davon nichts wissen.“ (Lk 18,4). Urteile in besonders heiklen Rechtsfragen verzögern sich auch heute. Das hat verschiedene, manchmal auch berechtigte Gründe. Vielleicht erging es dem Richter in diesem Evangelium ebenso, weil er vor der öffentlichen Meinung Angst hatte. Der Druck kann sehr unangenehm werden. Der gute Ruf der Justiz bzw. des Richters steht auf dem Spiel. Auf der Seite des Klägers - im Evangelium der Witwe - braucht es viel Beharrlichkeit und Geduld.
Hört Gott auf das Schreien der Gerechten nicht? Der lange Weg des Glaubens beginnt sehr oft mit dem „Schreien“, mit Protesten und Empörung. Auch Mose hat diese Klagen über unhaltbare Zustände zu spüren bekommen. Proteste, Hilferufe können weiter ignoriert, abgewürgt oder niedergeschlagen werden, wenn das Anliegen nicht verstanden wird. Beständiges Nachdenken und solidarisches Handeln gehört zum Weg des Glaubens und des Gebets.
Bemühen wir uns auch in schwierigen Situationen unsere Hände nicht sinken zu lassen, anders gesagt: die Beziehung zu Gott aufrecht zu erhalten. Ich wünsche Ihnen auch für Ihre Schwierigkeiten, die niemandem erspart bleiben, Beharrlichkeit, Geduld und Gottvertrauen, damit Sie auch in Ihren persönlichen Anliegen mit Hilfe Gottes zu einer guten Lösung kommen.
Die hartnäckig um ihr Recht kämpfende Witwe ist zu bewundern, weil sie leidenschaftlich alles daran setzt, zu ihrem Recht zu kommen. Leidenschaftlicher Einsatz für den Glauben ist vielen abhanden gekommen. Richter und Witwe lassen uns an diesem Wochenende wissen: Seid Feuer und Flamme für euren Gott, der ganz bestimmt mit euch ist; zeigt den Menschen, wofür euer Herz brennt; seid sichtbar als diese Gemeinschaft der Glaubenden - und dann streitet euch um all das lustvoll.
Kennen Sie das? Sie sind mit einem Menschen im Gespräch und hören in dieser Kommunikation Worte, die Sie vielleicht sehr erfreuen oder tief verletzen oder sonst wie berühren. Genau dieselben Worten von einer anderen Person gesprochen können aber eine völlig andere Wirkung auf jemand haben. Warum? Wer kommuniziert, tut das halt nicht nur mit Worten, sondern mit seinem ganzen Wesen: mit seiner Gestik, mit seiner Mimik, überhaupt mit seiner ganzen Körpersprache. Und durch diese Kommunikationshelfer können wir die Bedeutung gesprochener Worte für andere verändern. Und zwar wesentlich. Auf der anderen Seite ist es ja auch so, dass es unseren Worten wesentlich was an Bedeutung nimmt, wenn wir sie durch Mimik und Gestik nicht unterstützen. Wenn wir einfach lustlos vor uns hinplappern. Das kann dann so weit gehen, dass wir bei einem Menschen ohne Mimik und Gestik vielleicht sogar daran zweifeln, ob er meint, was er sagt. Man spürt so gar kein Engagement in seiner Rede. -
Mir ist bewusst, dass diese Einleitung in die Predigt jetzt ziemlich riskant ist, denn nun werden Sie vermutlich viel genauer, soll heißen: kritischer hinschauen und hinhören, was ich denn hier am Ambo mache. Nun, ich nehme das Risiko auf mich und lade Sie ein, jetzt mit diesen Gedanken in Kopf und Herz einmal ein wenig näher aufs Evangelium zu schauen.
Da geht es nämlich auch um diese verschiedenen Arten des Engagements in zwischenmenschlicher Kommunikation. Wir hörten: Eine Witwe versucht bei einem Richter zu ihrem Recht zu kommen. Der Richter, so sagt uns der Evangelist: ein gottloser und damit auch ein gewissenloser und wie es im Text heißt: ein rücksichtsloser Mensch. In der Sache der Witwe bemüht er sich letztendlich nur, um zu verhindern, dass die Frau ihn noch länger nervt. Ansonsten ist sie ihm ganz furchtbar egal. Herzlos macht er seinen Job und fertig. -
Mit der Erzählung vom Richter und der Witwe erzählt Jesus den Freunden etwas über ihre Art und Weise, ihre Beziehung zu Gott zu leben, mit ihm zu kommunizieren, zu ihm zu beten: nämlich lustvoll, engagiert, voller Energie, mit großem Schwung und voller Überzeugung. So wie es die Witwe tut. Und schließlich die Botschaft des Evangelisten: Gott wird sich dieser Beziehung zu uns Menschen stellen. Mal mindestens wie der Richter, aber sicher noch ganz anders. Denn unser Glaube und unsere Hoffnung ist doch: Gott agiert nicht wie ein Amtsschimmel oder Bürokrat - denn Gott ist die Liebe (1 Joh 4). Sein Bekenntnis zu uns Menschen ist nicht oberflächlich verkündet, sondern er steht mit seinem ganzen Wesen zu uns. Vollendet und ganz und gar überzeugend ausgedrückt findet sich das, wenn der Gottessohn am Kreuz stirbt.
Bis zu diesem Moment ist das Evangelium ja wirklich hoffnungsvolle Frohbotschaft. Am Ende dann aber die Frage Jesu: Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, den Glauben auf der Erde finden? Oder um es im Kontext der erzählten Geschichte zu fragen: Ist die Beziehung der Menschen zu ihrem Gott auch in Zukunft noch so von Schwung, Energie und Lust geprägt, wie die Witwe das vormacht, wenn sie in ihrer Angelegenheit den Richter bemüht?
Und diese Frage kommt im Evangelium auf zu einem Zeitpunkt, als die frühchristliche Kirche aus einzelnen Basisgemeinden bestand und sich erst allmählich ausbreitete und konstituierte. Und man meinen sollte, sie schäume über vor Energie. - Allgemein geht die Forschung davon aus, dass das Lukasevangelium zum Ende des ersten nachchristlichen Jahrhunderts von einem judenchristlichen Intellektuellen verfaßt wurde: Bereits in der ganz jungen Kirche war für diesen in seinen Überlegungen also die Frage brandaktuell, was denn wohl aus dem Glauben im Laufe der Glaubensgeschichte so werden würde. - Die Frage ist geblieben. Und die Antwort?
Tatsächlich stellt sich wie in den urchristlichen Zeiten auch heute die Frage, was denn eigentlich Glauben ausmacht. Jesu Antwort durch die Geschichte heute: Glaube meint vor allem eine persönliche, eine tiefe echte Gottesbeziehung und dabei Lebendigkeit und Engagement, die ausstrahlen und andere mitreißen kann. Gelebter Glaube sind nicht fromme Sprüche und tolle Effekte oder permanente Medienpräsenz, sondern ist zu allererst einmal eine Angelegenheit meines Herzens, eine Verbindung mit meinem Gott.
Untrennbar damit verwoben ist nun aber auch das alltägliche, ganz praktische Leben aus dem Glauben und mitten da drin die Auseinandersetzung mit all den Glaubenden rechts und links neben uns. Seinen Gefährten Timotheus lässt der hl. Paulus wissen: "Jede Schrift ist [...] auch nützlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes gerüstet ist, ausgerüstet zu jedem guten Werk. [...] Verkünde das Wort, tritt auf, ob gelegen oder ungelegen, überführe, weise zurecht, ermahne, in aller Geduld und Belehrung!" (2 Tim 3,16 – 4,2)
In seiner Enzyklika "Lumen fidei” aus dem Jahr 2013 zitiert Papst Franziskus seinen Vorgänger Benedikt XVI. mit den Worten: Wer glaubt, ist nie allein (Lumen fidei 39). Dieses Wort ist allerdings nicht nur mutmachend, sondern auch herausfordernd. Denn: Wenn ich nicht allein auf dem Glaubensweg gehe, dann muss ich eben ja auch wahrnehmen, wer noch so mit mir läuft. Und muss mich mit all diesen, die da mit auf dem Weg sind, auseinandersetzen. Von Anfang der Kirche an bis heute war das so. Ungefähr zur Entstehungsgeschichte des Lukasevangeliums führte diese Tatsache zum Apostelkonzil, der ersten großen Krise der jungen Kirche. Viele weitere Konzilien folgten, an denen die Kirche reifte und wuchs.
Heute befinden wir uns wieder weltkirchenweit in einem solchen Prozess - wir gehen auf dem Synodalen Weg. Für viele ist dieser Prozess ein Kampfplatz, auf dem sie sich austoben wollen. Andere erkennen in ihm eine furchtbare Bedrohung für unsere Glaubensgemeinschaft, die man mit allen Mitteln wie Boykott und Bestrafung abwehren muss. - Wer sich aber so auf die eine oder andere Art an die Gemeinschaft der Glaubenden heranmacht, macht allen deutlich: hier wird zuerst um die eigene Haut gekämpft (statt genau sich selbst zurückzunehmen), aber nicht für die Sache Jesu.
Wo Glaube zu finden ist, da existiert ein gemeinsamer Nenner, der Lust macht und ermutigt, sich in gegenseitigem Wohlwollen kontroverser Haltungen anzunehmen und mit ihnen arbeiten zu lernen. Wo das einigende Band des Glaubens ausfällt, bleiben am Ende nur Auseinandersetzung und Konflikt übrig. Das gilt in dieser Kirche für alle - vom Bischof bis zur Ministrantin. Und an allen Orten: von der Weltkirche über die Ortskirchen bis hin zu jeder einzelnen Pfarrei.
Richter und Witwe lassen uns an diesem Wochenende wissen: Seid Feuer und Flamme für euren Gott, der ganz bestimmt mit euch ist; zeigt den Menschen, wofür euer Herz brennt; seid sichtbar als diese Gemeinschaft der Glaubenden - und dann streitet euch um all das lustvoll.
Die Frage, ob Beten hilft, betrifft früher oder später wohl jeden Menschen. Wer betet, findet bei Gott ein Zuhause, auch wenn er nicht alle Wünsche und Bitten erfüllt.
Das Leben hat nicht nur angenehme Seiten. Die Werbung meint durch Zahnpastalächeln und reißerische Sprüche unangenehme Erscheinungsformen des Lebens verniedlichen zu können oder überhaupt wegzuzaubern. Die erste Lesung, die vom Auszug der Israeliten in die Freiheit berichtet, zeigt, dass Freiheit sich bewähren muss und Amalek sich als Feind Israels unangenehm bemerkbar macht. Josua, der Nachfolger des Mose, soll in den Kampf gegen Amalek ziehen. Das Volk Israel und auch Mose werden ständig mit unangenehmen Problemen konfrontiert: Kein Brot, kein Wasser, das Volk rebelliert und stellt fest: In Ägypten haben wir viel Not gelitten, aber wir hatten die allernötigsten Lebensgrundlagen. Damals und heute: Menschen wollen Sicherheit vor Freiheit.
Heute klagen europaweit viele Menschen, dass sie sich das Nötigste nicht mehr leisten können, Lebensmittel zu teuer, Energiepreise sausen in unvorstellbare Höhen, die Mieten verschlingen einen Großteil des monatlichen Einkommens. Die Leute gehen auf die Straße, um auf ihre Not aufmerksam zu machen. Früher war das alles sicherer!
Gute alte Zeit! - wirklich? Die Menschen werden müde, ausgelaugt. Das alles wird in den sinkenden Händen des Mose dargestellt. Wenn die Probleme nicht gelöst werden, "war Amalek stärker." Was bedeuten die sinkenden Hände und Amalek. Sie stehen für die Dunkelheiten auch unseres Lebens heute: Gottferne, Gottverlassenheit, Ignoranz, Apathie. Es braucht stützende Hände, also die Gemeinschaft, damit nicht all die Dunkelheiten des Lebens durch Depression, Aggression und Vernichtung die Oberhand gewinnen.
Gebet und Glauben hängen zusammen. Paulus will Timotheus zu beiden motivieren. "Verkündige (mutig) das Wort Gottes, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht." Diesem Bekenntnis sollten gute Werke folgen. Das gilt auch für heute.
Das Evangelium bringt dazu ein Beispiel aus dem Leben im Gleichnis von Richter und Witwe. Der Richter steht für innerweltliche Lebensgewohnheiten und Befindlichkeiten. So sehen wahrscheinlich auch seine Urteile aus: Ordnung nach menschlichen Gesetzen, aber doch auch mit persönlichen Einflüssen. Die Witwe steht für Beharrlichkeit, fragt nach, geht dem Richter auf die Nerven. Gott rückt zurecht, was im irdischen Bereich oft ver-rückt ist. Die Witwe gibt nicht auf. Gebet und Tun sind sehr wichtig.
Beten wir heute zu wenig, wie oft zu hören ist oder haben wir Gebetsstürme nötig? Wie stellen wir fest, ob zu wenig gebetet wird, mit welchen Maßeinheiten?
Jesus war mit seinem Vater immer im Gespräch, ein gutes Vorbild für uns. Er bittet auch den Vater, wenn möglich, den Kelch des Leidens vorübergehen zu lassen. - Es geschieht nicht. Er schreit sogar: "Mein Gott, mein Gott, (nicht warum sondern) wozu hast du mich verlassen?" (siehe Psalm 22,2) Auch heute schreien Menschen ihre Gottverlassenheit hinaus, sie spüren sie so wie auch Mutter Teresa von Kalkutta (1910- 1997).
Der Mensch will ein Zuhause beim Vatergott finden. Das braucht Glaube. Er ist Geborgenheit im Unheil. Das ist nicht leicht zu verstehen, wenn das Unheil immer wieder kommt. Wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, etwa die Therapien bei unheilbarer Krankheit, sagen auch Menschen, die nichts mit Religion oder Kirche zu tun haben: "Da hilft nur noch beten."
Gebet als Zuflucht? Eingeständnis von Ohnmacht? Gebet hat Kraft. Wer betet, vertraut, hat Hoffnung, legt seine Situation in die Hand Gottes und lernt loszulassen.
Immanuel Kant (1724-1804): "Der Himmel hat den Menschen gegen die Mühseligkeiten des Lebens drei Dinge gegeben: die Hoffnung, den Schlaf und das Lachen." - Hoffnung, die zukunftsorientiert ist, den Schlaf für die Gesundheit und auch dafür, voll konzentriert den Dingen des Lebens zu begegnen, Humor ist wichtig, damit wir manchen Problemen die Schwere nehmen. Hoffnung, guter Schlaf und Lachen. Geschenke an uns, nehmen wir sie an als Lebenshilfe von Gottes liebender Zuwendung.
Die Geschichte vom ungerechten Richter und der hartnäckigen Witwe ist auch heute noch in vielen Weltgegenden aktuell. Jesus gibt der rechtlosen armen Witwe das letzte Wort. So steht Gott auf der Seite der Armen. Ein zeitloses Bild von Kirche, von Weltkirche.
Es muss wohl ein Glück sein, diese Stadt zu kennen! Da haust – und amtiert - ein fauler und pflichtvergessender Richter. Alle Richter einmal weghören! Bei uns ist angefangen vom Eingangsstempel bis zur Aktenführung alles aufs Feinste geregelt. Die Witwe – müsste, könnte sie bei uns so penetrant vorstellig werden? Oder müsste sie nicht einfach nur Geduld mitbringen? Womöglich eine unendliche? Einfluss hätte sie sowieso nicht. Es muss wohl ein Glück sein, diese Stadt zu kennen! Hier ertrotzt eine Witwe ihr Recht und der Richter enttäuscht ihr Vertrauen nicht!
Warum Jesus diese Geschichte erzählt? Wir brauchen doch den Mut und das Vertrauen, uns nicht kleinkriegen zu lassen! Gott selbst verspricht, unsere Bitten nicht ins Leere gehen zu lassen! Es ist ein Glück, in diesem Vertrauen bestärkt und ermutigt zu werden!
Ich habe nicht herausbekommen, wie die Stadt heißt, in der sich diese kleine, aber auch bizarre Geschichte abgespielt haben soll, doch es gibt unendlich viele Orte, in denen Menschen um ihr Recht kämpfen, auf Ignoranz und Unverständnis stoßen, von Pontius nach Pilatus laufen, weder gesehen noch gehört werden. Wechseln wir einmal die Szene! Gehen wir nach – Nordostindien! Nordostindien rückt an diesem Sonntag in unser Blickfeld. Wir begehen den Sonntag der Weltmission. Wir begegnen Menschen, die ausgebeutet, missbraucht und unterdrückt werden. Die keine Stimme haben, keine Perspektiven, keine Altersversorgung. MISSIO in Aachen hat ein umfangreiches Material gesammelt und zusammengestellt. Schauen Sie doch einmal auf der Internetseite nach! Einfach missio.de Auf der Seite von MISSIO begegnen uns aber auch Menschen, die eine große Hoffnung ausstrahlen. Die Kirche ist lebendig, dynamisch, voller Zuversicht. Und die Frömmigkeit der Menschen einfach ansteckend. Wenn wir uns auf solche Begegnungen einlassen, kommen uns fremde, unbekannte Menschen nahe. Wir schauen in Gesichter. Und lassen uns anschauen. Mission heißt nicht nur, unseren Glauben, unsere Hoffnung anderen Menschen zu bringen, sondern ein Stück Weg mit ihnen zu gehen. Ihnen zuzuhören. Ihnen beizustehen.
Weltmission ist längst keine Einbahnstraße mehr. Hier die Wissenden, dort die armen Heiden – hier die Gebenden, dort die Almosenempfänger. Weltmission steht für Gemeinschaft, für Solidarität, für Nähe. Gemeinsam teilen wir Vertrauen und Hoffnung. Wir sind eine große Lerngemeinschaft. Eine Familie. Was können wir in Nordostindien entdecken? Von den Menschen dort lernen? Für uns fruchtbar machen? So zu fragen, heisst, einen neuen Blick zu gewinnen. Weltmission ist ein großer Schatz, eine Fundgrube, ein unermesslicher Reichtum. Mission ist – Kirche in ihrer Bewegung. Wir schauen nicht nur in Gesichter – wir sehen Gottes Wirken, seine Gegenwart, seinen Geist, lebendig, vielfältig. Eine Liebe, die Herzen füllt und Köpfe.
Weltmission ist nicht nur ein Traum – sie ist der Traum von Kirche! Bei uns zu Hause, in der Fremde, weltweit. Fremdheit trennt nicht, sie macht reich. Andere stören nicht, sie setzen sich zu uns. Und wir können teilen, was wir haben. Sogar Armut kann uns reich machen. Ein Traum? Eine Sehnsucht? Eine Verheißung! Ein Geschenk! Ich sehe einen Menschen, der um sein Recht, um seine Würde kämpft. Ich mache ihm Mut. Ich erzähle die Geschichte von der Witwe.
Jesus erzählt die Geschichte, ohne auch nur einen Namen zu nennen. Der Ort hat keinen Namen, die Witwe nicht, der Richter nicht. Das macht diese Geschichte zeitlos, fast schon symptomatisch. Eine Geschichte, die sich wiederholen muss! Im Namen des Rechtes wird weltweit Recht gebeugt, Gerechtigkeit verweigert, Unrecht sanktioniert. Viele Menschen erleben quasi rechtsfreie Räume, in denen die Willkür herrscht. Nach außen hin wird aber alles mit Paragrafen und Urteilen abgesichert. In unserer eigenen Geschichte hat es Unrecht im Gewand des Rechtes gegeben, Führerbefehle und Gewalt, die sich jeder Rechtfertigung entzog. Es liegt ein großes Weinen in der Welt. Wir sehen die Tränen, hören das Schluchzen, ahnen das Verstummen.
Jesus erzählt diese Geschichte, um der Rechtlosigkeit, Willkür und Bequemlichkeit zu wehren. Mehr noch: Gottes Solidarität und Nähe zuzusagen! Lukas, der alles so aufgeschrieben hat, ist der Evangelist der Armen und Verlorenen. Auf die Seite der Mächtigen und Reichen stellt er sich nicht. Es ist eine Witwe, die nicht nur das große Wort führt, sondern die Welt wieder in Ordnung bringt! Wenn ein Mensch dem Unrecht wehrt, hat das Unrecht seine Macht verloren. Den Schrecken auch. Die Angst auch. Übrigens: Als Jesus die Geschichte erzählte, hatten Witwen nichts zu sagen. Sie hatten überhaupt keine Rechte! Sie durften den Mund halten, sich in ihr Schicksal fügen und ihr Geschick als Strafe Gottes verstehen. Nur: Jesus gibt der Witwe das letzte Wort, das Wort, das die Welt verwandelt. Am Ende ist das Recht, das Recht Gottes Maßstab und Horizont von allem. Seitdem ist die namenlose Witwe ein Schrecken aller Tyrannen. Mit Gott auf ihrer Seite ist sie unschlagbar. Die Winkelzüge der Rechtsverdreher – aus dem Schatten geholt, ins Licht gestellt, nackt vor aller Welt! Es ist ein großes Glück, diese Witwe zu kennen!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
Bewahre unsere Herzen und Sinne
In Jesus Christus,
unserem Herrn.
Kirche, das ist die Gemeinschaft aller Getauften. Gegenwärtig sind viele Christen versucht, sich aus der Mitverantwortung zu stehlen. Das Gebet des Mose während des Kampfes gegen die Amalekiter ist ein Bild für Solidarität. Ob und wie Glaube weitergegeben wird, darf nicht der Beliebigkeit überlassen werden.
Der letzte Satz im heutigen Evangelium hinterlässt bei mir persönlich ein Gefühl der Unruhe und Unsicherheit: „Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, den Glauben auf der Erde finden?“ Eigentlich sind wir heutzutage geneigt, die persönliche Verantwortung für die Lösung eines Problems, den anderen zu überlassen: Die Veganer meinen, Umweltschutz wird dann umgesetzt, wenn auch die anderen auf Fleisch verzichten, eigene Urlaubsreisen in ferne Destinationen werden aber dabei nicht bedacht; viele Menschen in den Städten mit totaler Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz würden gerne auch alle anderen zum Verzicht auf das Auto zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes ermuntern, sehen aber eigene exzessive Handy und PC Nutzung als völlig unproblematisch für den Klimaschutz an; manche Eltern bemerken zwar Erziehungsdefizite bei ihren Kindern, geben aber dafür der Schule und den Lehrern die Schuld. Das Florianiprinzip herrscht vor!
Auf wen aber kann ich meine Verantwortung dafür abschieben, dass der Menschensohn, wenn er kommt, keinen Glauben mehr vorfindet? Die einfachste Lösung ist, dass dafür „die Kirche“ zuständig gewesen wäre. Wer aber ist „die Kirche“? Papst, Bischöfe, Klerus? So einfach geht das mit unserem Kirchenverständnis nach dem II. Vatikanum nicht mehr. Heute ist uns bewusst, dass in der Taufe nicht nur dem Kind ein Name gegeben wird, sondern dass dieses Kind in die Gemeinschaft und als Glied der Kirche aufgenommen wird und ihm dafür die Gabe des Heiligen Geistes geschenkt wird.
Damit trifft uns auch Verantwortung dafür, ob am Ende der Zeiten noch der Glaube an Christus vorhanden ist. Und diese damit verbundene Verantwortung beunruhigt mich. Jeder Tag endet damit, dass ich mir eingestehen muss, dass ich neben so manchem Guten doch auch weniger Gutes bzw. wirklich Schlechtes zu verantworten habe. Mit diesen Schattenseiten müssen wir leben und es wäre falsch deshalb zu resignieren.
Wenn ich die zwei vergangenen Jahrtausende seit Christi Eintritt in diese Welt und die Geschichte der Kirche über diese Zeit betrachte, dann fühle ich mich in Anbetracht der vielen Generationen von Christen wie ein kleines Mosaiksteinchen in einem riesigen Mosaik. Jedes Steinchen sieht für sich genommen in seiner Farbgebung eher unspektakulär aus, im Zusammenspiel mit den vielen anderen aber wächst es zu einem wunderbaren Bild zusammen. Fällt eines der Steinchen aber aus, dann sieht der Betrachter dort eine Lücke und jeder merkt, dass dort etwas fehlt, ein Steinchen abhandengekommen ist. Jeder Einzelne ist als Glied der Kirche für „sein“ Mosaiksteinchen verantwortlich. Nur er allein kann so zum Erscheinungsbild des ganzen Mosaiks beitragen.
So ist auch der Glaube, der uns durch die Taufe geschenkt wird, und in dem wir durch unsere Familie und andere Menschen zur Reife gelangen können, Teil dieses ganzen Gebildes, das wir Kirche nennen. Für den Glauben auf der Erde ist es nicht ohne Bedeutung, ob wir unsere Kinder taufen lassen, christlich erziehen, wie wir miteinander umgehen, welche Werte wir leben und hochhalten. Das ist das, was letztlich zählt und von uns überbleibt und weiterwirkt. Im Glauben sind wir nie allein. Christus ist zwar für jeden Einzelnen von uns gestorben, aber er ist einmal für uns alle gestorben.
Die meisten von uns waren schon in Rom und in der Sixtinischen Kapelle und kennen die Darstellung des Jüngsten Gerichts an der Ostwand von Michelangelo. Die Seligen, die zur Rechten Christi aufsteigen, helfen einander dabei und sind ein Ausdruck für unsere gegenseitige Verwobenheit im Glauben.
Auch die 1. Lesung von heute aus dem Alten Testament ist ein Beispiel für unser gemeinsames und füreinander Beten. Das Volk Israel ist auf der Wüstenwanderung und trifft dabei auf die Amalekiter. Während des Kampfes steigt Mose mit zwei Begleitern auf einen Hügel und erhebt in der sog. Orantenhaltung seine Arme zum Gebet. Während er betet, gewinnen die Israeliten im Kampf, lässt er aber seine Arme sinken, gewinnen die Amalekiter an Stärke. Da aber seine Arme schon schwach werden, stützen ihn seine Begleiter Aaron und Hur und so kann letztlich das Volk Israel unter seinem Anführer Josua siegen. Auch da zeigt sich, dass zwar der Einzelne seinen Auftrag erkennen muss, sich aber dabei auch von den anderen helfen lassen darf, ja sogar muss. Gemeinsam sind sie stark.
Diesen Sonntag feiern wir wieder den Sonntag der Weltmission. Auf den Plakaten dafür steht der Satz: „Wir sind Gesandte an Christis statt“. Wir begehen den Weltmissionssonntag als Zeichen unserer Solidarität mit den Völkern des Südens. Auch dabei gilt eine gewisse Aufgabenverteilung: die einen beten für die Menschen dort, die anderen spenden und wieder andere helfen vor Ort. Jeder leistet den Beitrag, für den er aufgrund seiner Möglichkeiten fähig ist.
So funktioniert Glaube, so funktioniert Christentum. Den eigenen Verantwortungsbereich erkennen, sich dieser Verantwortung stellen, sich in das Ganze christlichen Betens und Lebens einfügen und mit den vielen anderen zusammen am Glauben weiterbauen, damit „der Menschensohn, wenn er kommt, den Glauben auf der Erde finden“ kann.
Ein irritierender Bibeltext. In ihm geht es um Macht, Gerechtigkeit, kaum um Moral, eher um Selbstgerechtigkeit. Was zählt vor Gott?
Jesus sagt:
Ich bin gekommen,
die Sünder zu erlösen.
Er schaut mich an.
Er schaut dich an.
Er schaut uns an.
Ich bin gekommen,
die Sünder zu erlösen.
Ich sehe weg.
Du siehst weg.
Wir sehen weg.
Ich bin gekommen,
die Sünder zu erlösen.
Ich habe nichts zu bereuen.
Du hast nichts zu bereuen.
Wir haben nichts zu bereuen.
Jesus sagt:
Ich bin gegangen,
denn bei den Gerechten
habe ich nichts verloren.
(Roland Breitenbach)
Erschrocken?
Irritiert?
Erfreut?
Sollen wir, soll ich jetzt gut und gerecht leben? Oder auch nicht?
Können wir, kann ich das eigentlich, gerecht leben?
Wo ordnen Sie sich ein, haben Sie ihren Platz gefunden?
Wo sehe ich mich selber?
Gibt es eigentlich so etwas wie das Richtige oder das Gut oder auch das Böse oder das Falsche?
Es ist ein kantiges und schwieriges Evangelium, das uns an diesem Sonntag zugemutet ist. Das Richtige oder auch das Recht oder das Gute, scheint den Richter nicht zu interessieren. Er ist sich seiner selbst sicher und fürchtet nichts und niemanden. Vom ersten Eindruck eine eher unangenehme Persönlichkeit, unangreifbar und unbeeindruckt.
Aber dann ist da auch diese Witwe. Sie will ihr Recht. Der Richter scheint auch zu wissen, dass sie Recht hat. Aber wer ist sie schon? Für den Richter unwichtig, bedeutungslos. Und doch. Sie ist hartnäckig, beharrt auf ihr Recht. Ist immer wieder da. Unbeeindruckt von der aufgeplusterten Macht des Richters.
Er bekommt Angst, sorgt sich um sein öffentliches Ansehen. Was wird sein, wenn sie ihm ins Gesicht schlägt. Sein Ansehen wird Schaden nehmen. Nur das nicht! Wie werde ich dann dastehen! Und so verhilft er der Witwe zu ihrem Recht.
Das Recht scheint auch hier, wie so häufig auf Seiten der Mächtigen zu stehen. Aber übertragen, es geht ja schließlich ums Gebet, ist Gott hier etwa der Ungerechte. Das kann doch wohl nicht sein.
Will Jesus uns hier an dieser Stelle über unsere gewohnten Meinungen und Urteile stolpern lassen? Gerade in Sachen Religion werden viele Dinge ja zum Gesetz, oder kirchlich zum Dogma gemacht. Wenn bisher Gültiges angefragt wird oder bekannte Pfade verlassen werden, sind viele zunächst irritiert.
Evangelienstellen wie diese, können uns gerade mit ihrer Ironie ihrer eigenwilligen Logik anfragen. Als Siegerin geht die hervor, die eigentlich nie Sieger sein kann. Die Witwe.
Ich frage mich an dieser Stelle: Auf wie vielen breit ausgetretenen Pfaden sind wir in unserer Kirche unterwegs: Frauen können keine Priesterinnen werden! Priester müssen zölibatär leben! Wer einmal geschieden wurde, kann nicht wieder heiraten und zu den Sakramenten zugelassen werden! Ehe geht nur zwischen Mann und Frau! Homosexualität entspricht nicht der Natur des Menschen! So viel Selbstgerechtigkeit ist für mich nur noch schwer auszuhalten. Man wird in einer Kirche von morgen nicht nur noch die Antworten von gestern geben können. Das hilft niemandem mehr! Mir nicht. Ihnen nicht. Den Menschen am Rande nicht!
Ich hoffe inständig, das Jesus nicht zu mir und zu uns sagen muss:
Ich bin gegangen,
denn bei den Gerechten
habe ich nichts verloren.
Ist Beten nur für Fromme? Rund ums Gebet stellen sich viele Fragen: Was nützt es? Hilft Gott wirklich oder ist es eher ein frommer Selbstbetrug? Das Beispiel der hartnäckigen Witwe zeigt uns, warum es gut und not-wendig ist "allezeit zu beten und darin nicht nachzulassen".
Vor wenigen Tagen, es war ein Freitagabend, fuhr ich mit dem Direktor der Caritas einige Stationen im selben Wagen der U-Bahn. Er nahm zunächst von mir keine Notiz. Ich weiß auch nicht, ob er mich kennt. Ich kenne ihn vor allem vom Fernsehen. An diesem Abend machte er auf mich einen abgekämpften Eindruck. Offenbar kam er von einer Dienstreise zurück. Als wir an derselben Station ausstiegen, nahm er mich wahr und nickt mir freundlich zu. Für mich war es nun der passende Augenblick, ihm ein gutes Wochenende zu wünschen, und ich sagte zu ihm: Hoffentlich haben Sie auch einmal ein ruhiges Wochenende. Er sagte darauf: Morgen noch nicht, aber übermorgen.
Ich bewundere Menschen, die so wie er für Recht und Gerechtigkeit für in Not Geratene oder sozial Schwache brennen und die nicht müde werden, deren Hilfsbedürftigkeit in der Gesellschaft bewusst zu machen. Im Bild des Gleichnisses Jesu schreit er stellvertretend für die Witwe. Und ich bin dankbar dafür, dass Menschen wie er dies immer wieder tun.
Vielen Menschen aber geht es wie dem Richter in dieser Erzählung. Sie können das ständige Darauf-aufmerksam-machen und Fordern nicht mehr hören. Anderen ergeht es vielleicht ähnlich wie mir: ich bin müde geworden, immer wieder Recht und Gerechtigkeit für die Verlierer unseres Gesellschafts-, Wirtschafts- und Rechtssystems einzumahnen. Dennoch ist es notwendig, sich nicht mit Unrecht abzufinden und abzustumpfen.
Wie mag es wohl Gott damit ergehen, wenn er Tag und Nacht die Notschreie unzähliger Menschen hört? Laut Jesus sind sie ihm nicht gleichgültig. Ist er ohnmächtig? Müsste es ihm nicht ein Leichtes sein, Gerechtigkeit zu schaffen? Hilft beten überhaupt?
Was ihn vom Richter unterscheidet: Recht und Gerechtigkeit unter den Menschen zu schaffen ist schwieriger als Recht zu sprechen. Bis aus einem Rechtsspruch auch Gerechtigkeit wird, ist oft noch ein langer Weg. Dennoch ist es wichtig, dass immer neu klargestellt wird, was gut und gerecht ist, damit sich Gerechtigkeit durchsetzen kann.
Was kann unser Beten dazu beitragen? Eine Redensart sagt: "Dein Wort in Gottes Ohr!" Damit bringen wir zum Ausdruck, dass es notwendig ist, dass die für etwas zuständigen Personen auch so denken wie unser Gesprächspartner.
Mit dem Gebet können wir Not, Hilfeschreie, Wünsche und Anliegen ins eigene Bewusstsein und in das anderer Menschen bringen. Diese Anliegen ins Bewusstsein Gottes zu bringen ist wohl eher eine naive Vorstellung. Vielmehr solidarisieren wir uns, wenn wir den Schrei nach Recht und Gerechtigkeit der Menschen vor Gott bringen, mit dem, was Gott von uns will, und geben dieser Haltung im gesellschaftlichen Diskurs einen Raum.
Ich bin fest überzeugt, dass Beten hilft. Jedoch wirkt es nicht wie ein Brief an das Christkind. Vielleicht ist uns zu wenig bewusst, dass es viele Formen des Betens gibt. Auf unterschiedlichen Wegen kann zur Sprache gebracht werden, was nottut. Eine relativ neue Form ist es z.B., Petitionen zu verfassen und Unterstützer dafür zu finden oder Bürgerinitiativen zu unterstützen, insofern diese im Dienst von Recht und Gerechtigkeit stehen. Oft müssen wir selbst erst einen Klärungsprozess durchmachen, um herauszufinden, was gut und recht ist.
Wenn ich Beten in diesem weiten Sinn verstehe, ist es ein Dialog mit Gott, zugleich aber auch ein Dialog mit den Mitmenschen und – so hoffe ich – auch ein Dialog Gottes mit den Menschen. In diesem Dialog ist es wichtig, dass ich artikuliere, was ich für not-wenig halte, aber auch, dass ich mich von Gott und den Mitmenschen ansprechen lasse, dass ich darauf hinhöre, was er für not-wendig hält, und auch auf die Meinung der anderen.
An wen ist der leidenschaftliche Apell Jesu "allezeit zu beten und darin nicht nachzulassen", gerichtet? Zunächst an die Jünger. Vermutlich erlagen diese ähnlich wie viele Menschen der Versuchung, sich als schweigende Mehrheit zurückzuziehen zu resignieren und ohnmächtig abzuwarten. Was kann meine Stimme schon ausrichten?
Schweigende Mehrheiten werden gerne von Menschen, die deren Stimmlosigkeit ausnützen, missbraucht. Es ist not-wendig, dass wir unsere Stimme erheben und kundtun, was unserer Meinung nach Not wenden kann.
Von Mose wird erzählt, dass er müde wurde und nicht mehr die Kraft hatte, die Hände im Gebet erhoben zu halten. Aaron und Hur stützten seine Arme, der eine rechts, der andere links. Offenbar waren alle drei nicht als Kämpfer zu gebrauchen... Ob nicht auch unsere Caritasleute und die vielen anderen, die sich für die Rechte der Schwachen einsetzen, mehr Unterstützung bräuchten; nicht nur mit Geld, sondern auch durch gutes Reden?
Das Gleichnis von der hartnäckigen Witwe geht nicht leicht ins Ohr. Es wirft die Frage auf, wie wir mit Gott umgehen können. Wir dürfen mit allem auf ihn zugehen, was uns wichtig ist, was uns ausmacht.
In vielen Kirchen wird an diesem Sonntag des Kirchweihfest gefeiert. Das ist Anlass darüber nachzudenken, was Kirche bedeutet.
Lieder:
GL 142: Zu dir, o Gott erheben wir die Seele mit Vertrauen
GL 143: Mein ganzes Herz erhebet dich
GL 185: Du hast, o Herr, dein Leben
GL 348: Nun bitten wir den Heiligen Geist
GL 378: Brot, das die Hoffnung nährt
GL 395: Den Herren will ich loben
GL 405: Nun danket alle Gott, mit Herzen, Mund und Händen
GL 421: Mein Hirt ist Gott, der Herr
GL 414: Herr, unser Herr, wie bist du zugegen
GL 423: Wer unterm Schutz des Höchsten steht
GL 424: Wer nur den lieben Gott lässt walten (1. und 5. Str.)
GL 425: Solang es Menschen gibt auf Erden
GL 437: Meine engen Grenzen
GL 439: Erhör, o Gott mein Flehen, hab auf mein Beten acht
GL 440: Hilf Herr, meines Lebens
GL 453: Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott
GL 474: Wenn wir das Leben teilen wie das täglich Brot
GL 477: Gott ruft sein Volk zusammen
GL 479: Eine große Stadt ersteht, die vom Himmel niedergeht
GL 481: Sonne der Gerechtigkeit; gehe auf zu unsrer Zeit
GL 485: O Jesu Christe, wahres Licht
Psalmen und Kehrverse:
GL 56: Freut euch, wir sind Gottes Volk, erwählt durch seine Gnade - Mit Psalm Psalm 100 - V.
GL 67: Der Herr behütet dich vor allem Bösen, er behüte dein Leben. - Mit Psalm 121 - VI.
GL 75: Ich schrei zu dir, o Herr. Meine Zuflucht bist du. - Mit Psalm 142 - III.
GL 518: Beim Herrn ist Barmherzigkeit und reiche Erlösung - Mit Psalm 146 (GL 77,2)
GL 639,3-4: Beim Herrn ist Barmherzigkeit, bei ihm ist Erlösung in Fülle - Mit Psalm 130 - II.
In den vergangenen Tagen hatten viele von uns Aufgaben UND auch Wünsche. Haben wir diese allein bewältigt oder mit Gott im Bunde? Haben wir bei Gott auch Hilfe gesucht? Die Lesung aus dem Buch Exodus, die wir heute hören werden, und die Beispielgeschichte Jesu im Evangelium laden uns ein, immer wieder bei Gott Hilfe und Zuwendung zu erbitten. Gott ist für uns da, sein Name ist Jahwe, der "Ich bin der Ich bin da".
Jesus ist jetzt in unserer Mitte. Hören wir sein Wort, lassen wir uns von ihm führen, Gott zu vertrauen. Bitten wir um sein Erbarmen.
Die Kirche fit machen für die Zukunft - ein Anliegen so vieler Konzilien und Projekte zu allen Zeiten unserer Glaubensgeschichte, zuletzt beim Synodalen Weg. Aber: Was zeichnet denn die Fitness unserer Kirche aus? Im Evangelium heute fragt der Gottessohn seinen Freundeskreis: Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, den Glauben auf der Erde finden? Und trifft damit einen Nerv. Bei den ersten Christen und bei uns. Lassen wir uns auf diese Provokation in einem Moment der Stille ein.
In unserer Mitte begrüßen wir Gäste aus Nordostindien! Wir sehen sie zwar nicht, aber sie sind hier. Schließlich begehen wir heute den Sonntag der Weltmission. In jedem Jahr begegnen wir Menschen aus einem anderen Land. In diesem Jahr sind es Menschen aus Nordostindien. Sie erzählen uns von schwierigen Situationen und Verhältnissen, von Unterdrückung und Ausbeutung, aber auch von ihrem Glauben und ihren Hoffnungen, von Hilfsbereitschaft und Solidarität. Es ist schön, mit ihnen heute gemeinsam Gottesdienst zu feiern, auf die Schrift zu hören, mit ihnen das Mahl zu halten.
Es ist eine Witwe, die uns heute an die Hand nimmt. Wir werden sie kennenlernen und dabei Mut und Glück entdecken.
Alles, was uns bewegt, ängstigt oder auch schuldig spricht, befehlen wir unserem Herrn.
Wir sind es so gewohnt!
Daran möchten wir nichts ändern!
Es hat doch immer funktioniert!
Wir sind unsicher!
Weil Gewohnheiten zerbrechen!
Alte Antworten nicht mehr reichen!
Ewige Wahrheiten nicht mehr greifen!
Wir suchen!
Weil viele schon weg sind!
Weil wir die Hoffnung nicht aufgeben!
Weil vielleicht doch noch was möglich ist!
Herr Jesus Christus,
du hast oft in der Einsamkeit gebetet – verbunden mit Gott.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du hast die Menschen immer wieder eingeladen,
ganz auf die Liebe Gottes zu vertrauen.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du hast immer wieder nach dem Willen Gottes gefragt.
Herr, erbarme dich.
Jesus Christus, du lehrst uns:
An Gott glauben heißt dir zu vertrauen.
Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich.
Jesus Christus, du zeigst uns:
Unsere Beziehung zu dir, unserem Gott, ist keine Einbahnstraße.
Wir rufen zu dir: Christus, erbarme dich.
Jesus Christus, du ermutigst uns:
Auf dich dürfen wir setzen
und wir fahren zu allen Zeiten
und in allen Situationen gut damit.
Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich.
Herr,
die Welt ist klein geworden. In wenigen Stunden können wir überall hin.
Doch wir pflegen unsere Vorurteile und kultivieren unsere Fremdheit.
Herr, erbarme dich.
Christus,
in deinem Namen feiern Menschen überall auf der Welt Gottesdienste.
In vielen Sprachen und Dialekten werden dir Lob- und Hoffnungslieder gesungen.
Lass uns einander anstecken und fröhlich deine Gegenwart feiern.
Christus, erbarme dich.
Herr,
wir sind oft mutlos und müde. Unsere Kirchen sind in die Jahre gekommen.
Doch uns fehlt die Kraft, noch einmal aufzubrechen und Neues zu entdecken.
Herr, erbarme dich.
Du hast gesagt: Geht hinaus in alle Welt,
lehrt und bewahrt alles, was ich euch gesagt habe…
und seht: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Enden.
Ihm singen wir sein Lob:
Ehre sei Gott in der Höhe…
Suchende sind wir, Herr, nach einem Sinn.
Lass uns hinter den Worten dein Wort finden.
Herr erbarme dich.
Tastende sind wir, Herr, nach einem Grund.
Lass uns hinter den Sätzen dein Geheimnis greifen.
Christus erbarme dich.
Hoffende sind wir, Herr, auf ein Zeichen.
Lass uns zwischen den Zeichen dein Antlitz lesen.
Herr erbarme dich.
Allmächtiger Gott,
du bist unser Herr und Gebieter.
Mach unseren Willen bereit,
deinen Weisungen zu folgen,
und gib uns ein Herz, das dir aufrichtig dient.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 29. Sonntag im Jahreskreis
Gott.
Wir danken dir,
daß du uns hier zusammengeführt hast.
Laß uns erkennen, was wir sind.
Laß uns glauben, was wir beten.
Laß uns tun, was du uns sagst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Auswahl 13
Herr, unser Gott,
komm unserem Beten und Arbeiten
mit deiner Gnade zuvor und begleite es,
damit alles, was wir beginnen,
bei dir seinen Anfang nehme
und durch dich vollendet werde.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Donnerstag nach Aschermittwoch
Allmächtiger Gott,
du gibst uns in deiner Güte mehr,
als wir verdienen,
und Größeres, als wir erbitten.
Nimm weg, was unser Gewissen belastet,
und schenke uns jenen Frieden,
den nur deine Barmherzigkeit geben kann.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 27. Sonntag im Jahreskreis
Gott,
du erhörst die Bitten derer, die zu dir rufen.
Höre auch unser Gebet
und gib uns einen beharrlichen Glauben,
durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unseren Herrn und Gott,
der mit dir und dem Heiligen Geist lebt
jetzt und alle Tage und in Ewigkeit.
WB 29. Sonntag im Jahreskreis C
Guter Gott,
wir sind deine geliebten Töchter und Söhne.
Du kennst alles, was uns freut.
Du kennst auch unsere Sorgen und Nöte.
In dieser Feier wollen wir diese Sorgen und Nöte vor dich bringen.
Mit dir im Bunde können wir unsere Sorgen und Nöte meistern.
Das wird uns zugesagt, auch jetzt. - Amen.
Guter Gott,
wir glauben, dass du es mit uns Menschen gut meinst,
weil du unser Schöpfer und Erlöser bist.
So beten wir zu dir und rufen um dein Erbarmen.
Sei du mit uns zu allen Zeiten unseres Lebens
und stärke und behüte uns besonders dann,
wenn wir deine Gegenwart nicht spüren.
Das erbitten wir durch ihn, der uns einlädt und mahnt,
im Gebet nicht nachzulassen:
Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Guter Gott,
gefangen sind unsere Gedanken
und getrieben ist unser Tun in der Schnelllebigkeit unserer Zeit.
Nachrichten und Informationen, Ansprüche und Eindrücke,
sie lassen uns durch diese Zeit schießen wie ein Pfeil.
Du lädst uns immer wieder ein, bei dir zur Ruhe zu kommen
und dir alles, was uns ausmacht, hinzuhalten.
Schenke uns jetzt, gerufen durch deinen Sohn, Jesus Christus,
im gemeinsamen Hören, Singen und Beten,
neue Orientierung und Hilfe für unser Leben.
Das erbitten wir mit Jesus, unserem Bruder und Herrn. – Amen.
An diesem Morgen / Abend danken wir dir, Gott,
Schöpfer der Welt, unser Erlöser und Vollender,
für die vielen Köstlichkeiten,
die unser Leben reich und schön machen,
für den Tee aus Indien, den Kaffee aus Lateinamerika,
das Wasser aus den Tiefen der Erde.
Jeden Morgen geht uns die Sonne auf,
am Abend der Mond.
Mit jeder Drehung der Erde
teilen Menschen auf der ganzen Erde Tage und Nächte.
Du hast uns allen dein Wort anvertraut,
deine Weisungen und Verheißungen.
Schenke uns die Gemeinschaft in der Liebe,
den Geist, der heilt,
die Nähe, die Fremdheit und Angst überwindet
in Christus, der uns den Himmel aufschließt v
on Anfang an, in Ewigkeit..
Gott,
du weißt, was wir nötig haben.
Hilf uns,
betende Menschen zu sein,
die auf dich ihre Hoffnung setzen
und aus diesem Vertrauen ihr Leben gestalten.
Durch Christus, unseren Herrn.
Guter Gott,
wir haben viele Wünsche und Hoffnungen.
Wir bitten dich voller Glauben, mit starker Hoffnung und inniger Liebe:
Wir beten für alle, denen ihr Leben sinnlos erscheint.
Lass sie deine frohe Botschaft erkennen.
Wir beten für alle, die sich mit Gebet und Gottesdienst schwertun.
Stelle ihnen gute Vorbilder und gute Begleiter zu Seite.
Wir beten um den Frieden und Gerechtigkeit in der Welt
und in allen unseren Lebensbereichen.
Wir beten für alle, die sich um die Bewahrung der Schöpfung mühen.
Segne ihr Tun und Mühen.
Wir beten für die Kinder und Jugendlichen,
dass sie in guter Weise zu einem erfüllten Glaubensleben geführt werden.
Wir beten für alle, die in der Verkündigung wirken.
Schenke ihnen Mut, das zu sagen, was sie als deinen Willen erkannt haben.
Dir sei Lob und Preis, jetzt und in alle Ewigkeit. - Amen.
Guter Gott, du lässt uns nicht los. Wir dürfen auf deine Gegenwart in unserem Leben vertrauen.
So bitten wir dich:
Wir beten für alle, denen das Beten schwer fällt:
Dein Heiliger Geist möge sie ermutigen, nicht nach klugen Worten in ihrem Kopf, sondern nach dir in ihrem Herzen zu suchen.
Wir beten für alle, die dich in ihrem Leben aufgegeben haben:
Rühr sie und zeige ihnen, welch verlässlicher Partner du bist als der Gott unseres Lebens.
Wir beten für alle, die ihre eigene Person, ihr politisches Kalkül, ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen deinem Wirken voranstellen und die sich unter deinem Willen nichts mehr vorstellen können:
Offenbare dich ihnen in Wort und Tat.
Wir beten für alle, die - privat oder in Gemeinschaften - ihr Leben dem Gebet gewidmet haben und die die Nöte Anderer in deine Hände legen:
Vergelte ihnen all ihre Sorgen und ihre Mühen.
Wir beten für alle, die zu Lebzeiten eine lebendige Beziehung mit dir gepflegt haben und deren Lebenskreis sich vollendet hat:
Berge sie in deinen gütigen Händen.
Guter Gott, wir rufen zu dir und setzen auf dich.
Wir vertrauen dir und hoffen auf deine Güte -
durch ihn, der uns zuruft, darin nicht nachzulassen:
Christus, unseren Bruder und Herrn.
Lasst uns gemeinsam im Gebet vor Gott treten
und ihm unsere Bitten anvertrauen:
Um das Vertrauen, dass du uns sicher durch schwierige Zeiten leitest
und um die Kraft als Kirche zum Zeichen der Hoffnung für die Welt zu werden.
Um Frieden in einer Welt, in der wir derzeit in Europa so eindrücklich unsere Verletzlichkeit erfahren, weil uns der Friede fehlt.
Um Mut, Geduld und Durchhaltevermögen für alle, die des Kämpfens müde geworden sind und erfahren mussten, dass das Recht scheinbar nur mit den Starken und Mächtigen ist.
Um den Beistand deines Geistes, der unsere Worte zu Gebeten wandelt, die uns mit dir verbinden.
Um Hoffnung wider alle Hoffnung auf eine ewige Heimat bei dir für unsere Verstorbenen.
So kommen wir mit unseren Anliegen zu dir
und vertrauen uns deiner Güte und Treue an jetzt und allezeit. - Amen.
Am Sonntag der Weltmission sind wir nicht nur mit den Christen in Indien verbunden.
Wir staunen darüber, dass die Kirche eine so große Heimat für Menschen ist.
Darum sind wir dankbar, auch im Gebet Gemeinschaft zu haben und füreinander einzustehen.
Wir beten:
Viele christliche Gemeinden leben in Zerreißproben. Die Umwelt ist ihnen oft nicht gewogen. An vielen Orten igeln sich Menschen in ihren heilige Traditionen ein. Schenke den Christen Glaubensmut und allen Menschen Verständnis.
Wir rufen zu dir: Bewahre dein Recht unter uns!
Viele Menschen werden auf Plantagen, in Bergwerken und Kupferminen ausgebeutet. Sie müssen Arbeitsbedingungen und Risiken akzeptieren. Auf dem Weltmarkt gehen ihre Gesichter und Schicksale unter.
Die Klimaveränderungen gefährden Landschaften und Lebensräume. Viele Menschen in der reichen westlichen Welt verteidigen ihren Lebensstandard, verweigern ihn aber anderen. Ungerechtigkeit und Hochmut zerreißen die Welt.
Auch in den wohlhabenden Ländern wird das Gefälle zwischen arm und reich immer größer. Viele Menschen haben Angst, nicht mehr mitzukommen und abgehängt zu werden. Weltwirtschaftliche Entwicklungen und die Globalisierung machen alle Länder von einander abhängig.
In einer Welt, die nicht einfach zu verstehen ist, suchen Menschen einfache und eindeutige Sicherheiten. Vieles, was als bewährt gilt, ist in einen rasanten Wandel geraten. Es entstehen Feindbilder, Ängste werden geschürt und Vergangenes verklärt.
Eine Witwe wird im Evangelium zum Hoffnungszeichen einer neuen Welt. Schenke uns ihre Beharrlichkeit, ihren Mut und ihre Geduld, bei Rechtlosigkeit, Rechtsbeugung und Ungerechtigkeit Widerstand zu leisten durch Christus, dem Herrn der Welt.
Im Glauben an die Kraft des Gebets lasst uns gemeinsam den Vater bitten:
Um ein inneres ständiges Wachhalten des Glaubens im Alltag.
Um ein Europa, in dem auch nachfolgende Generationen mit christlichen Werten aufwachsen.
Um ein friedvolles Zusammenleben der verschiedenen Nationen und einen gerechten Ausgleich der vorhandenen Ressourcen.
Um deinen Geist, dass er uns lehrt, in rechter Weise zu beten.
Um die Geborgenheit in deiner liebenden Nähe für unsere Verstorbenen.
In der Hoffnung, dass du alles zum Guten wendest, was uns ängstigt und bedroht, danken wir dir und loben wir dich jetzt und allezeit. - Amen.
Zu Gott, der uns fremd und nahe ist kommen wir mit unseren Bitten:
Für alle, die tastend Gott suchen,
dass sie ihn finden.
Für die, die meinen, Gott zu besitzen
dass sie ihn suchen.
Für alle, die die Zukunft fürchten,
dass sie vertrauen.
Für alle, die gescheitert sind,
dass sie neue Chancen bekommen.
Für alle, die verloren umherlaufen,
dass sie ein Zuhause finden.
Für die Einsamen,
dass sie einem Menschen begegnen.
Für alle, die hungern, wie auch immer,
dass sie gesättigt werden.
Für die, die satt sind,
dass sie lernen, was Hunger ist.
Für alle, die es gut haben,
dass sie nicht hartherzig werden.
Für die Mächtigen,
dass sie ihre Verletzlichkeit begreifen.
Für alle, die in der Welt leben zwischen Hoffnung und Furcht,
und für uns selbst beten wir zu Gott:
Befreie uns von der Furcht und von der falschen Sicherheit
und gib uns alles, was gut für uns ist,
darum bitten wir Jesus Christus, unserem Bruder, Freund und Erlöser. - Amen.
(F. Cromphout)
Hilf uns, Herr,
daß wir den Dienst am Altar
mit freiem Herzen vollziehen.
Befreie uns durch diese Feier von aller Schuld,
damit wir rein werden und dir gefallen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 29. Sonntag im Jahreskreis
Gott,
sieh auf dein Volk, das im Gebet versammelt ist,
und nimm unsere Gaben an.
Heilige sie, damit alle, die sie empfangen,
in deiner Liebe wachsen und dir immer treuer dienen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 15. Sonntag im Jahreskreis
Guter Gott,
in Brot und Wein bist du uns nahe.
In Brot und Wein gibst du uns Kraft.
In Brot und Wein zeigst du uns deine Liebe.
Mit dir feiern wir echte Gemeinschaft,
deine Liebe und deine Gemeinschaft
Erfülle unsere Herzen. - Amen.
Gütiger Gott
wir haben Brot und Wein auf den Altar gebracht.
Wenn wir nun tun, was dein Sohn uns aufgetragen hat,
und sein Gedächtnis feiern,
dann nährst du unseren Glauben
und stärkst unsere Gemeinschaft.
Dafür danken wir dir
durch ihn, Christus unseren Herrn. – Amen.
Wir danken dir,
treuer und barmherziger Gott,
für die Ordnung der Welt,
für Brot und Wein.
Gib uns das Wort,
dich zu schmecken,
Leib und Blut unseres Herrn,
der für uns gestorben
und auferstanden ist.
Sein Reich komme!
Christus ist unser Leben.
Von Ewigkeit zu Ewigkeit.
(für Wortgottesdienstfeiern):
Kehrvers:
Danket dem Herrn, denn er ist gütig,
denn seine Huld währt ewig. (GL 558,1)
Kehrvers
Immer wieder hast du den Menschen verziehen,
wenn sie von deinen Wegen abgewichen sind.
Immer wieder hast du um der Gerechten willen
allen Menschen die Chance gegeben umzukehren.
Kehrvers
Jesus, dein Sohn, hat uns gelehrt, in der Not zu dir zu beten,
wie Kinder sich an den Vater wenden,
wie Freunde einander ihr Herz ausschütten und um Hilfe bitten.
Kehrvers
Er hat uns ermutigt, im Bitten nicht nachzulassen
und deiner Hochherzigkeit zu vertrauen,
wenn wir in Not sind und deine Hilfe brauchen.
Kehrvers
Sein Vertrauen in dich, Gott und Vater,
lässt und dankbar sein,
wenn wir aus dem Überfluss deiner Gaben schöpfen.
Es gibt uns auch die Kraft,
unsere Güter solidarisch miteinander zu teilen.
Kehrvers
Mit den Engeln und Heiligen
stimmen wir ein in den Lobpreis der ganzen Schöpfung
und singen:
Danklied, z. B.: Danket, danket den Herrn... (GL 406)
(für Wortgottesdienstfeiern zum Thema Weltmission):
Kehrvers:
Der Herr hat Großes an uns getan,
sein Name sei gepriesen. (GL 631,3)
Allmächtiger und gerechter Gott,
mit der ganzen Kirche treten wir vor dich hin,
um dir unseren Dank und unseren Lobpreis darzubringen.
Kehrvers
Wir danken dir für das Licht des Glaubens,
das uns deine Apostel und Missionare geschenkt haben
und das unser Leben hell und froh macht.
Kehrvers
Wir danken dir, dass du mit deinem Volk
einen heiligen Bund geschlossen hast und es nie im Stich lässt.
Du hast ihm dein Recht und deine Gerechtigkeit ins Herz geschrieben
und ihm eine Ordnung gegeben, die zum wahren Leben führt.
Kehrvers
Wir danken dir für Jesus, deinen Sohn,
der uns ein neues Bild von dir vermittelt hat.
Er hat uns gezeigt, wie sehr du uns liebst.
Kehrvers
Seine Jünger hat er als Apostel und Missionare ausgesandt,
damit sie allen Menschen die Frohe Botschaft bringen
und in seinem und deinem Geist das Angesicht der Erde erneuern.
Kehrvers
Für all das danken wir dir. Mit der ganzen Schöpfung
und mit allen Menschen guten Willens singen wir dir zum Lob:
Danklied, z. B. GL 381: Dein Lob, Herr, ruft der Himmel aus…
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und dich mit der ganzen Schöpfung zu loben
durch unseren Herrn Jesus Christus.
In dankbarer Liebe
gedenken wir seines Todes,
bekennen seine Auferstehung
in lebendigem Glauben und erwarten
voll Hoffnung und Zuversicht
sein Kommen in Herrlichkeit.
Darum preisen wir jetzt und in Ewigkeit
dein Erbarmen und singen
mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Wochentage 5
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
In ihm hast du uns zur Erkenntnis der Wahrheit geführt und
uns zu Gliedern seines Leibes gemacht
durch den einen Glauben und die eine Taufe.
Durch ihn hast du deinen Heiligen Geist
ausgegossen über alle Völker,
damit er Großes wirke mit seinen Gaben.
Er wohnt in den Herzen der Glaubenden,
er durchdringt und leitet die ganze Kirche
und schafft ihre Einheit in Christus.
Darum preisen wir jetzt und in Ewigkeit
dein Erbarmen und
singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
MB: Von der Einheit der Christen
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn hast du die Kirche
auf das Fundament der Apostel gegründet,
damit sie bis ans Ende der Tage fortbestehe
als Zeichen deiner Heiligkeit
und allen Menschen die Botschaft des Heiles verkünde.
Darum preisen wir das Werk deiner Liebe
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Apostel 2
Ein Brot ist es.
Darum sind wir viele ein Leib;
denn wir alle haben teil an dem einen Brot.
(1 Kor 10,17)
Oder:
Christus spricht:
Ich stehe vor der Tür und klopfe an.
Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet,
bei dem werde ich eintreten,
und wir werden Mahl halten,
ich mit ihm und er mit mir.
(Offb 3,20)
Oder:
Christus spricht:
Wer suchet, der findet, wer anklopft, dem wird geöffnet.
(Lk 11,10)
Oder:
Christus spricht:
Ich bin bei euch bis an die Grenzen der Erde
(vgl. Mt 28:20)
Gott
solange wir leben
wollen wir dich dankbar loben
für alle Gaben, die du uns gegeben hast
wir wollen sie nicht nur für uns verwenden
sondern auch denen geben
die es notwendig brauchen
Gott
geh mit uns, lass uns nicht allein
lass uns deinem Wort und deinem Beispiel folgen
in der gemeinsamen Feier deine Kraft erfahren
und neu gestärkt in den Alltag gehen
Gott
sende uns aus
lass uns zum Segen werden
wenn wir versuchen
zu helfen, zu teilen und zu heilen
und einander Brüder und Schwestern zu sein
Spüren!
Was den Mut nimmt.
Was lähmt.
Was den Glauben verhindert.
Aussprechen!
Was ist.
Was mich unbedingt angeht.
Was nicht in Ordnung ist bei mir beim anderen in der Welt.
Beten!
Weil mehr möglich ist.
Mehr als Festhalten.
Mehr als Aushalten.
Mehr als Hinhalten.
Beharrlich!
Mehr Spüren!
Mehr Konfrontieren!
Mehr Beten!
Allmächtiger Gott,
gib, daß die heiligen Geheimnisse,
die wir gefeiert haben,
in uns Frucht bringen.
Schenke uns Tag für Tag,
was wir zum Leben brauchen,
und führe uns zur ewigen Vollendung.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 29. Sonntag im Jahreskreis
Die Bittmesse
Ewiger Gott,
in dieser Opferfeier hast du uns gestärkt
mit dem Fleisch und Blut deines Sohnes.
Laß uns in der Kraft dieser Speise
unseren Weg zuversichtlich gehen
und mit allen Menschen, die du uns anvertraut hast,
zur Vollendung in deiner Liebe gelangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Schlussgebete zur Auswahl 8
Guter Gott,
wir gehen zurück in unser Leben.
Auf uns kommen viele Fragen zu,
viele Bitten und Wünsche.
Wir legen die kommenden Tage,
ja unsere Zukunft in deine Hände.
Wir hoffen, dass du alles so fügen wirst,
wie es für uns gut ist.
Dazu segne uns jetzt. - Amen.
Allmächtiger Gott
wir danken dir, dass du im Wort
und im Sakrament zu uns gekommen bist.
Schenke uns die Gnade, dass in uns allen
der Glaube wachsen
und inmitten dieser Welt Früchte tragen kann.
So bitten wir durch Christus unseren Herrn. – Amen.
Guter Gott,
dein Sohn hat uns zugesagt, dass du uns hörst,
wenn wir zu dir rufen - ob bei Tag oder Nacht.
Dass du in deinem "Mit-uns-sein" nicht zögerst.
Für deine Nähe zu uns danken wir dir und deinem Sohn,
Jesus Christus, und dem Hl. Geist,
heute und für alle Zeit. – Amen.
Vater,
die Welt, die du geschaffen hast,
wird für uns immer kleiner,
ohne dass wir sie besser verstehen.
Wir danken dir,
dass du uns einen Sonntag der Weltmission schenkst,
an dem uns fremde Menschen mit ihrer Gegenwart
die Gemeinschaft deiner Kirche schenken.
Öffne uns Augen und Herzen
für den Reichtum und die Schönheit,
für die Gefährdungen und Abhängigkeiten,
für die Hoffnungen und Träume der Menschen,
die mit uns unterwegs sind.
Behüte uns alle auf unseren Wegen.
Segne die neue Woche.
Schenke uns deine Liebe
In Christus, unserem Herrn, Bruder und Freund.
Allmächtiger Gott,
gib, dass die heiligen Geheimnisse,
die wir gefeiert haben, in uns Frucht bringen.
Schenke uns Tag für Tag,
was wir zum Leben brauchen,
und führe uns zur ewigen Vollendung.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Herr, unser Gott,
erfülle die Herzen deiner Gläubigen
mit deiner Kraft und Gnade,
damit sie im Gebet dich ehren
und in lauterer Liebe einander dienen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Der Segen des allmächtigen Gottes,
des Vaters und des Sohnes +
und des Heiligen Geistes,
komme auf euch herab und
bleibe bei euch allezeit. - Amen.
MB Segensgebete 24
Geh Gott auf den Geist – wenn du ein Ziel erreichen willst...
Geh Gott auf den Geist – wenn Menschen dich ablehnen...
Geh Gott auf den Geist – wenn dir die Lage der Welt Kummer macht, all die Kriege, all die Hungersnöte...
Geh Gott auf den Geist – wenn du vor Sorgen nicht ein noch ausweißt
Geh Gott auf den Geist – wenn es dir weh tut, dass der Glaube an Gott anderen Menschen so wenig wichtig ist...
Geh Gott auf den Geist – Gottes Geist ist Barmherzigkeit
Geh Gott auf den Geist – Gottes Geist ist Hoffnung
Geh Gott auf den Geist – Gottes Geist ist Freude
Geh Gott auf den Geist – Gott Geist ist Geist der Liebe
Geh Gott auf den Geist – Gott Geist fügt wie es für uns gut ist...
Geh Gott auf den Geist – damit Jesus in deinem Herzen Glauben findet, wenn er bei dir anklopft und wiederkommt...
Geh Gott auf den Geist – vielleicht ist eines Tages plötzlich das „Warum“ mancher Fragen klar...
P. Jörg Thiemann
Hallo, lieber Gott! Ich glaube zwar nicht an Dich, aber trotzdem schreibe ich an dich; es könnte ja sein, dass du doch existierst; aber warum zeigst du dich nicht? Ich habe so viele Fragen, doch ich weiß, dass ich niemals eine Antwort darauf bekomme. Eins möchte ich noch losewerden. Ich möchte dir schreiben, dass ich Angst habe, z. B. Angst vor einem Krieg, Angst, dass die Welt einmal so von uns kaputt gemacht wird. Warum muss das sein? Und warum werde ich nicht geliebt? Warum gibst du mir keine Antwort. Warum schaffe ich den Abschluss in dieser Schule nicht? Warum habe ich so viel Pech? Warum ist das Leben so trostlos?
Schüler 15 Jahre
Entnommen aus: Zeichen der Hoffnung, Religion – Sekundarstufe I. Unterrichtswerk für den katholischen Religionsunterricht der Jahrgansstufen 9/ 10, Düsseldorf.
Zu dringlich
um früh zeitig
aufzugeben
beharrlich dranbleiben
womit
und
wofür?
Wenn’s wirklich wichtig ist
lebensnotwendig
existentiell unaufschiebbar
Bleib ich so
mit meinem Beten
an Gott dran
Unaufdringlich klar
vertrauensvoll beharrlich
Wie auch immer sich
Erfüllung anfühlt
Diese Dynamik hat Kraft
selbst wenn sie sich nicht
so erfüllt
wie ich es mir vorstelle
Dranbleiben an Gott
es gibt dazu keine Alternative
für mich
von früh auf habe ich gelernt
Herr
zu dir zu rufen
in Formeln
und
eigenen Worten
dir hinzuhalten
alles was mich ausmacht
ob ich immer den rechten Ausdruck finde
ob ich immer ehrlich bin mit mir selbst
ich weiß es nicht
doch ich bin mir sicher
DU WEISST UM MICH
und unsere jungen Leute
die
die dich noch suchen
mit einer tiefen Sehnsucht
nach Sinn
nach Erfüllung
nach Begleitung
denen die alten Formeln nichts mehr sagen
und
die doch vor dich tragen möchten
was sie
in Lachen und Weinen
im Erfüllten und Unerfüllten
im Suchen und Sehnen
in sich tragen
Herr
gib uns den Mut
Wege zu suchen
sie zu ermutigen
dir
alles
was sie ausmacht
hinzuhalten
schenke uns Toleranz
wo ihre Ausdrucksformen
unsere nicht treffen
schenke uns
dass wir mittragend
sie ihre Wege
zu DIR
finden lassen
schenke uns -
Jungen wie Alten -
dass wir noch
Glaubende und Hoffende
auf dieser Erde sind
im Namen
des Evangeliums
deines Sohnes
Beatrix Senft
Abba,
Vater,
Du gibst mir
Atem,
Leben,
hast mich
gewollt,
bist mir
zärtlich
wie eine Mutter,
bist mir Nahrung.
Ich atme
Dich ein,
bin geborgen
bei Dir,
im Ausatmen
überlasse
ich mich Dir,
gebe mich hin,
füge mich
in Deinen Willen,
bin ganz leer,
um erneut
wieder
Dich
einzuatmen.
Aus: Ilse Pauls, Späte Ernte. Gedichte. Rhönverlag Hünfeld 1996.
Mich berühren lassen
von Gott
in meiner Seele
in meinem Geist
Bis er mich ins Handeln führt
mit Mut stärkt
für das Recht
aufzustehen
DU verschaffst RECHT!?
Wann?
Wie?
Das Unerfüllte aushalten
und zugleich
allezeit beten
allezeit mit Gott
verbunden bleiben
Nicht rechthaberisch
Recht haben wollen
Der inneren Wahrheit
zum Recht verhelfen
So wird sich das Rechte
etablieren können
mit der Zeit …
Investigativer Journalismus (von lateinisch investigare ‚aufspüren‘, ‚genauestens untersuchen‘) setzt eine langwierige, genaue und umfassende Recherche vor Veröffentlichung voraus. Themenschwerpunkte sind in der Öffentlichkeit als skandalträchtig angesehene Vorgänge aus Politik oder Wirtschaft.
Viele dieser Reporter erfüllen als sogenannte Vierte Gewalt im Staat eine wichtige Funktion bei der Kontrolle der Staatsorgane und Wirtschaftskonzerne in Demokratien (siehe auch Checks and Balances). Eine Spielart des investigativen Journalismus wird im Deutschen als Enthüllungsjournalismus bezeichnet. Darunter versteht man das Aufdecken von Skandalgeschichten aus Prominenz, Wirtschaft und Politik. Diese Form wird eher dem Bereich des Boulevardjournalismus als dem klassischen investigativen Journalismus zugeordnet. Der Begriff wird als abwertend betrachtet.
Als Quellen verwenden investigative Journalisten häufig sogenannte Whistleblower. Dies sind Personen, die etwa in den untersuchten Institutionen beschäftigt sind und geschützte oder geheime Informationen an die Presse geben, oft unter Inkaufnahme persönlicher Risiken. Im Internet helfen sogenannte Enthüllungsplattformen wie etwa WikiLeaks, die Anonymität der Whistleblower zu wahren. Zahlreiche von investigativen Journalisten aufgedeckte Skandale konnten nur durch derart gewonnene Informationen aufgedeckt werden, etwa die Watergate-Affäre oder der Datenschutzskandal um die Spionageprogramme PRISM und Tempora.
https://de.wikipedia.org/wiki/Investigativer_Journalismus
Wikipedia am 17. Oktober 2019
Im Missbrauchsskandal um den französischen Priester Bernard Preynat steht manches Urteil noch aus. François Ozon gibt in seinem Drama „Grâce à Dieu“ den Opfern eine Stimme und zeigt auf, wie Verdrängung in der Kirche abläuft.
https://www.diepresse.com/5707393/
François Ozons Film erzählt die Geschichte eines Missbrauchsdramas in der Kirche aus der Perspektive der Opfer.
https://www.derstandard.at/story/2000109973050/gelobt-sei-gottaufklaerung-gegen-missbrauch-in-der-kirche
Andrey Arnold am 16. Oktober 2019 auf www.diepresse.com
Dominik Kamalzadeh am 16. Oktober 2019 auf www.derstandard.at
Beten hilft
Hilft dir beten?
in deinem Engagement
für das Recht?
Ver-hilft mir Gott
zu meinem Recht
mich für das Recht
der Rechtlosen
einzusetzen?
Recht verschaffen
ohne Zögern
Werde ich
die nächste Gelegenheit
wahr-nehmen?
Und wenn sie mir
eine Nummer zu groß ist,
glaube ich
dass Gott es mit mir
richten wird …
Sie berufen sich in Ihrem Buch auf ein Zitat des Theologen Johann Baptist Metz: „Es gibt kein Leid auf dieser Welt, das uns gar nichts angeht.“ Ist das nicht eine Anleitung zur permanenten Überforderung?
Nein, weil ich selbst in den 20 Jahren bei der Caritas gesehen habe: Wir können nicht alles ändern, aber erstaunlich viel, wenn wir es ändern wollen. Ich will Mut machen, entängstigen und zu Solidarität aufrufen. Jeder Einzelne kann einen Beitrag leisten. Gar nicht erst anzufangen, führt am verlässlichsten dazu, dass nichts geschieht.
Wie schaffen Sie Aufmerksamkeit in einer Welt voller Leid mit 65 Millionen Flüchtlingen? Besteht Ihre Kommunikationstechnik darin, zuzuspitzen und zu moralisieren?
Wer die Moralkeule schwingt, erreicht nicht viel. Wir müssen von der Wirklichkeit erzählen. So klar und differenziert wie nötig. Es darf uns nicht gleichgültig sein, wie die Welt aussieht. Es geht nicht darum, Pflichterfüllung mit zusammengebissenen Zähnen zu erwirken, sondern zu zeigen: Wir sind als Menschen wesentlich aufeinander bezogen. Ohne ein Du wird keiner zum Ich.
Das ganze Interview:
Aus: "Die Presse", Print-Ausgabe, 04.09.2016
Zwölfjähriger Halbwaise kam auf Initiative von Kardinal Schönborn nach Österreich, wo ihn Wiener Ärzte behandeln - "Wir können nicht alle Not der Welt lindern, aber wir können dort helfen, wo wir direkt davon berührt sind", so der Wiener Erzbischof.
Wien, 21.8.2016 (KAP) Für den zwölfjährigen schwer kranken George Mansoor hat es im Irak keine Chance auf Heilung gegeben. Nun konnte er auf Initiative von Kardinal Christoph Schönborn nach Österreich kommen, wo zwei Operationen sein Leben retten sollen. Am Sonntag lud der Wiener Erzbischof den Halbwaisen gemeinsam mit seiner Mutter, den behandelnden Wiener Ärzten sowie österreichischen Unterstützern der Hilfsaktion ins Wiener Erzbischöfliche Palais ein.
George musste mit seiner Familie im Sommer 2014 vor dem IS fliehen, wie auch alle anderen christlichen Familien in der Ninive-Ebene. Sein Vater wurde erschossen. Die Mutter rettete sich mit dem einzigen Sohn in ein Flüchtlingslager in die nordirakische Stadt Erbil. Dort lernte Kardinal Schönborn den schwerkranken Buben während eines Besuchs im heurigen März kennen.
"Das sind Situationen wo nicht die Frage ist, wie vielen Menschen kann ich noch helfen, sondern: Hier und Jetzt - es ist diese Situation. Es geht um das Leben dieses Kindes. Wenn er nicht operiert wird, kann er nicht überleben", sagte Kardinal Schönborn bei der Begegnung. Eine "Welle der Solidarität" habe die nunmehrige Hilfe für den Buben möglich gemacht, dankte der Wiener Erzbischof allen Beteiligten. "Wir können nicht alle Not der Welt lindern, aber wir können dort helfen, wo wir direkt davon berührt sind", sagte Kardinal Schönborn.
George leidet am Prune-Belly-Syndrom. Die angeborene Erkrankung, der das Fehlen von Bauchmuskulatur zugrunde liegt, zieht schwere Fehlbildungen der ableitenden Harnwege nach sich zieht und führt letztlich zum Nierenversagen. Darüber hinaus beeinträchtigt die Erkrankung auch zunehmend den Thoraxraum und erschwert das Atmen.
Ein Spezialisten-Team des Wiener AKH rund um die Professoren Winfried Rebhandl und Oskar Aszmann und in Kooperation mit Oberärztin Petra Elliott vom SMZ-Ost-Donauspital hat sich zur kostenlosen Durchführung der notwendigen Operationen bereit erklärt, die dem Bub das Überleben sichern werden. Ohne Operation würde George ein zu kleines Herz und eine zu kleine Lunge für seinen Körper bekommen, zusätzlich müsste er wegen der Harnstoffvergiftung regelmäßig zur Dialyse. "Sie können sich vorstellen: das gibt es dort nicht, wo er gerade lebt", sagte Elliott.
Für den Spitalsaufenthalt, Transportkosten für Mutter und Kind, den nachstationäre Rekonvaleszenz-Aufenthalt sowie die anschließend nötige Therapie im Irak hat die "Vereinigung der Pensionisten der Österreichischen Nationalbank" Spenden gesammelt. Die Erzdiözese Wien sichert die Finanzierung der Hilfsaktion ebenso ab wie die Leser der Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag", die dafür an den Verein "Bewegung Mitmensch - Maria Loley" gespendet haben.
Die medizinischen Eingriffe sollen aufgrund des dringenden Handlungsbedarfs noch im September durchgeführt werden. Die Rehabilitation wird dauern. George und seine Mutter wollen aber auf jeden Fall so bald als möglich wieder in den Irak zurückkehren. Die Familie lebe in einer kleinen christlichen Gemeinde in einem Containerdorf, wo George auch intensiv vom örtlichen Priester Father Paulus unterstützt werde und in der Gemeinde fest integriert sei, schilderte Ärztin Elliott. "Der Priester schaut, dass der Bub - abgesehen von der medizinischen Versorgung - auch mit seiner Erkrankung normal dort leben kann", so die Medizinerin. "Dieser Pragmatismus eines Theologen, der sich dort um Flüchtlinge kümmert - da können wir Christen in Mitteleuropa uns etwas abschauen", sagte die Ärztin.
Weitere Hilfsaktionen vor Ort
Die Hilfsaktion ist auch Teil der zahlreichen Initiativen des gebürtigen Syrers und Flüchtlingsbeauftragte von Kardinal Schönborn, Manuel Baghdi. Neben Unterstützung für Flüchtlinge in Österreich organisiert er in letzter Zeit immer mehr Hilfe vor Ort. Aus nach dem jüngsten Spendenaufruf für den kleinen George entstandenen Kontakten ist bereits eine weitere Hilfsaktion in Planung, die Kindern aus Flüchtlingsunterkünften im Irak den Schulbesuch ermöglichen soll. Zwar existierten vor Ort Schulen - den Schulbus, damit die Kinder auch dorthin kommen können, könnten viele der vertriebenen Familien aber nicht bezahlen, schilderte Baghdi. Demnächst soll bereits der erste aus der Initiative finanzierte Schulbus vor Ort angekauft werden.
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spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
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Die Lesung führt zwei Linien zusammen: Eine Linie bewahrt die Erinnerung an kriegerische Auseinandersetzungen auf, die zur sog. Landnahme gehören. Amalek (=Amalekiter) sucht den Kampf mit Israel, wird aber von Josua "mit scharfem Schwert" besiegt. Als Feldherr Israels wird Josua genannt. Die andere Linie stellt Mose heraus, der das Volk Israel aus dem Sklavenhaus Ägyptens in das gelobte Land führte. Er wird Josua gegenüber als weisungsbefugt vorgestellt. Mit dem "Gottesstab" (einem Symbol für Jahwes Macht) steht er auf dem Hügel und begleitet das Kampfgeschehen mit dem alten Segensgestus, den ausgestreckten Armen. Der Sieg, der auf dem Feld erfochten wird, wird von Jahwe gewährt. Aaron, der am Anfang der priesterlichen Tradition steht, stützt mit Hur Mose. Die Überlieferung passt zu dem Bild, in dem Mose als Fürbitter dargestellt wird.
Indem in der Lesung zwei Linien zusammengeführt werden, relativiert sich der Sieg Israels, damit auch die kriegerische Auseinandersetzung insgesamt. Alle Blicke werden auf Mose gerichtet, der zwar auf der Höhe steht, dem Geschehen entrückt, aber mit seinen ausgestreckten Armen auf Jahwe verweist. Hier deutet sich eine Distanzierung von Machtpolitik an, die auch Israel zu keiner Zeit fremd geblieben ist. Das Land, in das Israel kommt, ist nicht nur verheißen, sondern verweist auf den Geber: Jahwe. Der Sieg Josuas begründet keinen eigenen Machtanspruch.
Ausgestreckte Arme als Segens- und Gebetsgesten gehören zu alten orientalischen Darstellungen. Trotz der Linienführung endet die Lesung mit einem militärischen Sieg - und einer blutigen Niederlage für Amalek. Problematisch ist, dass das "scharfe Schwert" hier als gesegnet erscheint. Die Distanzierung von Gewalt geht innerhalb des überlieferten Textes nicht weit genug. Liturgisch ist zu fragen, ob die Lesung mit "Dank sei Gott" abgeschlossen werden kann.
Die Mose-Schar erlebt auf ihrem Weg durch die Wüste immer wieder, dass sie im Vertrauen auf Gott beten und handeln muß, z.B. Josua zieht in den Kampf, während Mose mit Gott im Gebet verharrt.
Der Auszug, das Weggehen aus Ägypten, ist gelungen. Der Weg durch die Wüste ist mühsam und hart. Das Volk ist immer wieder von Hunger und Durst bedroht. Das Murren zeigt die Unzufriedenheit des Volkes. Das Murren richtet sich gegen ihre Anführer Mose, Aaron und Mirjam. Doch ist es ein Murren gegen Gott, denn er hat das Volk geführt, Manna geschenkt, das Wasser sprudeln lassen.
Die Rettung liegt immer im Vertrauen auf Jahwe, auf seine Hilfe. Immer wieder die Frage: Ist Gott noch bei uns oder hat Gott uns verlassen.
Direkt im Anschluß - wie als Bestätigung - kommt die Bedrohung durch die Amalekiter, die Erzfeinde Israels.
Bei diesen Kämpfen geht es um Wasserplätze und Weideplätze, aber auch um Konflikte zwischen der nomadischen Gesellschaft der Amalekiter und der eher bäuerlich-städtischen Kultur Israels. Mose hebt betend-beschwörend die Hände mit dem Stab, während Josua kämpft.
Thomas Staubli betont: "Der Bibeltext macht deutlich, dass das Beten nicht weniger anstrengend ist als das Kämpfen..." (Begleiter durch das Erste Testament, Düsseldorf 1997, S. 176).
Gott selbst steht auf der Seite seines Volkes und begleitet es durch die zahlreichen Bedrohungen. Der Kampf gegen die Amalekiter ist wie eine Antwort auf die Frage der Israeliten: "Ist der Herr in unserer Mitte oder nicht?"
Das Volk der Amalekiter stammt nach der Tradition von Amalek, dem Enkel Esaus, ab: So gilt das Volk der Amalekiter infolge der Erbgeschichte Esau-Jakob (Gen 27,18ff) als Inbegriff der Erb-Feinde Israels schlichtweg. Ihm tritt Josua ("Gott rettet") gegenüber und gewinnt den Kampf. Diese Perikope ist eine Art Credo des Volkes Israel: Gott geht mit seinem Volk durch jeden Kampf.
Diese Perikope ist der Abschluss einer der vielen Krisengeschichten des Volkes auf seinem Zug durch die Wüste. Zuvor ist zu lesen, dass das Volk in Rephidim dürstet und von Mose Wasser bekommt. Den Anschluss bildet die persönliche Glaubenserfahrung des Jitro durch dessen Schwiegersohn Mose.