Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja.
An jenem Tag
wächst aus dem Baumstumpf Isais ein Reis hervor,
ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht.
Der Geist des HERRN ruht auf ihm:
der Geist der Weisheit und der Einsicht,
der Geist des Rates und der Stärke,
der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN.
Und er hat sein Wohlgefallen an der Furcht des HERRN.
Er richtet nicht nach dem Augenschein
und nach dem Hörensagen entscheidet er nicht,
sondern er richtet die Geringen in Gerechtigkeit
und entscheidet für die Armen des Landes, wie es recht ist.
Er schlägt das Land mit dem Stock seines Mundes
und tötet den Frevler mit dem Hauch seiner Lippen.
Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften
und die Treue der Gürtel um seine Lenden.
Der Wolf findet Schutz beim Lamm,
der Panther liegt beim Böcklein.
Kalb und Löwe weiden zusammen,
ein kleiner Junge leitet sie.
Kuh und Bärin nähren sich zusammen,
ihre Jungen liegen beieinander.
Der Löwe frisst Stroh wie das Rind.
Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter
und zur Höhle der Schlange streckt das Kind seine Hand aus.
Man tut nichts Böses
und begeht kein Verbrechen
auf meinem ganzen heiligen Berg;
denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des HERRN,
so wie die Wasser das Meer bedecken.
An jenem Tag wird es der Spross aus der Wurzel Isais sein,
der dasteht als Feldzeichen für die Völker;
die Nationen werden nach ihm fragen
und seine Ruhe wird herrlich sein.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: In den Tagen des Herrn sollen Gerechtigkeit blühen
und Fülle des Friedens. - Kv
Oder: GL 47,1
Verleih dein Richteramt, o Gott, dem König, *
dem Königssohn gib dein gerechtes Walten.
Er regiere dein Volk in Gerechtigkeit *
und deine Elenden durch rechtes Urteil. - Kv
In seinen Tagen sprosse der Gerechte *
und Fülle des Friedens, bis der Mond nicht mehr da ist.
Er herrsche von Meer zu Meer, *
vom Strom bis an die Enden der Erde. - Kv
Ja, er befreie den Armen, der um Hilfe schreit, *
den Elenden und den, der keinen Helfer hat.
Er habe Mitleid mit dem Geringen und Armen, *
er rette das Leben der Armen. - Kv
Sein Name soll ewig bestehen, *
solange die Sonne bleibt, sprosse sein Name.
Mit ihm wird man sich segnen, *
ihn werden seligpreisen alle Völker. - Kv
Lesung aus dem Brief des Apostel Paulus
an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder!
Denn alles, was einst geschrieben worden ist,
ist zu unserer Belehrung geschrieben,
damit wir durch Geduld und durch den Trost der Schriften
Hoffnung haben.
Der Gott der Geduld und des Trostes aber
schenke euch, eines Sinnes untereinander zu sein,
Christus Jesus gemäß,
damit ihr Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus,
einmütig und mit einem Munde preist.
Darum nehmt einander an,
wie auch Christus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes!
Denn, das sage ich,
Christus ist um der Wahrhaftigkeit Gottes willen
Diener der Beschnittenen geworden,
um die Verheißungen an die Väter zu bestätigen;
die Heiden aber sollen Gott rühmen um seines Erbarmens willen,
wie geschrieben steht:
Darum will ich dich bekennen unter den Heiden
und deinem Namen lobsingen.
Halleluja. Halleluja.
Bereitet den Weg des Herrn!
Macht gerade seine Straßen!
Und alle Menschen werden das Heil Gottes schauen.
Halleluja.
Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus.
In jenen Tagen trat Johannes der Täufer auf
und verkündete in der Wüste von Judäa:
Kehrt um!
Denn das Himmelreich ist nahe.
Er war es, von dem der Prophet Jesaja gesagt hat:
Stimme eines Rufers in der Wüste:
Bereitet den Weg des Herrn!
Macht gerade seine Straßen!
Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren
und einen ledernen Gürtel um seine Hüften;
Heuschrecken und wilder Honig waren seine Nahrung.
Die Leute von Jerusalem und ganz Judäa
und aus der ganzen Jordangegend
zogen zu ihm hinaus;
sie bekannten ihre Sünden
und ließen sich im Jordan von ihm taufen.
Als Johannes sah,
dass viele Pharisäer und Sadduzäer zur Taufe kamen,
sagte er zu ihnen: Ihr Schlangenbrut,
wer hat euch denn gelehrt,
dass ihr dem kommenden Zorngericht entrinnen könnt?
Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt,
und meint nicht,
ihr könntet sagen: Wir haben Abraham zum Vater.
Denn ich sage euch:
Gott kann aus diesen Steinen dem Abraham Kinder erwecken.
Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt;
jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt,
wird umgehauen und ins Feuer geworfen.
Ich taufe euch mit Wasser zur Umkehr.
Der aber, der nach mir kommt,
ist stärker als ich
und ich bin es nicht wert, ihm die Sandalen auszuziehen.
Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.
Schon hält er die Schaufel in der Hand;
und er wird seine Tenne reinigen
und den Weizen in seine Scheune sammeln;
die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.
Der Evangelist Matthäus setzt nach der Kindheitsgeschichte mit dem 3. Kapitel neu ein, indem eine für den Leser des Mt-Evangeliums noch unbekannte Gestalt auftritt, der in diesem Teil des Evangeliums aber eine zentrale Bedeutung einnimmt. Johannes der Täufer - mit diesem Attribut ist das Wichtigste ausgesagt - bereitet das Wirken Jesu vor, "Bereitet dem Herrn den Weg" und schlägt damit eine Brücke zu Jesaja. Johannes entpuppt sich als Prophet, nicht nur in seinem äußeren Erscheinungsbild, sondern vielmehr in seinen prophetischen, endzeitlichen Reden von Umkehr und Buße, die in Vers 7 bis Vers 9 ihren Höhepunkt an Dringlichkeit erreichen. So gewaltvoll im Wort, wie Johannes sich erweist, so weiß er auch um seine Funktion: Er ist Ver-Weiser auf jemanden, den er nicht beim Namen nennt, der aber offenbar wird. Johannes tauft mit dem Wasser, Jesus wird aber mit Heiligem Geist und Feuer taufen. Zusammenfassend können wir sagen: Johannes bereitet die Leser auf die Begegnung mit dem wirklichen Täufer vor.
Johannes der Täufer steht mit seine Predigt zwischen den Zeiten. Er knüpft an den Propheten Jesaja an und leitet daraus ganz konkrete Forderungen für die Umkehr und Erneuerung in seiner Zeit ab. Er blickt jedoch auch voraus. Für eine bessere Zukunft braucht es einen neuen Geist. Diesen erwartet er vom kommenden Messias.
Wenn der russische Bär, der chinesische Drache und der amerikanische Löwe gemeinsame Sache machen, heißt das noch lange nicht, dass damit die von Jesaja angekündigten paradiesischen Zeiten angebrochen sind. Eher ist davon auszugehen, dass ihnen ein Deal gelungen ist, aus dem alle drei ausreichend großen Nutzen ziehen. Es bleibt fraglich, wie lange dieser hält und wer dabei auf der Strecke bleibt. Zu einem dauerhaften Frieden braucht es mehr.
Johannes der Täufer knüpft in seiner eindrucksvollen Predigt an den Propheten Jesaja an. Auch ihm schwebt eine bessere Zukunft vor Augen, in der gerechtere Verhältnisse herrschen. Mit ungewöhnlich harten Worten fordert er auch von den Einflussreichen im Land eine Rückbesinnung auf die von Gott gegebenen Ordnung und verlangt von allen Umkehr. Bei vielen findet er dafür ein offenes Ohr. Er ahnt jedoch, dass dies auf Dauer nicht genügen wird. Für einen Neubeginn braucht es mehr als eine Taufe mit Wasser, mehr als ein Umkehren und ein Abwaschen alter Schuld. Der, der nach ihm komme, werde mit dem Feuer des Heiligen Geistes taufen, kündigt er an. Feuer ist radikaler als Wasser. Es vernichtet wertlos gewordenes Altes. Ein neuer Geist wird Neues schaffen wie am Beginn der Schöpfung.
Mit dieser Vision zweier Propheten werden wir am zweiten Adventssonntag, in die Vorbereitung auf Weihnachten geschickt. Was heißt das für uns heute, nochmals 2000 Jahre später? - Es genügt nicht, dass wir alte Hindernisse aus dem Weg räumen, es braucht mehr, es braucht unsere Öffnung für eine neuen Geist.
Für eine gerechtere zukünftige Gesellschaft genügt nicht eine Umverteilung der Einkommen und Lebensgüter. Wahre Gerechtigkeit beginnt in unseren Herzen. Solange jeder auf seine sogenannten „wohlerworbenen Rechten und Ansprüchen“ beharrt, wird sich auf Dauer nicht viel ändern, auch wenn wir Jahr für Jahr die Verteilungsschlüssel neu ausverhandeln. Es braucht ein grundsätzliches Wohlwollen sowohl unseren Mitbürgern wie auch allen Mitbewohnern dieses Planeten gegenüber. Und es ist notwendig, dass wir ihnen allen Chancengleichheit einräumen, dass wir sowohl die Heranwachsenden wie auch die Schwächeren in der Gesellschaft Entfaltungsmöglichkeiten bieten sowie den Älteren einen ruhigen Lebensabend zugestehen.
Für gerechter Verhältnisse braucht es auch eine Vertiefung unserer Kommunikation. Dazu gehört, dass wir nicht nur mit modernen Mitteln nach immer neuen Informationen über alles Mögliche Ausschau halten, sondern dass wir uns dafür interessieren, was unsere Mitmenschen umtreibt und bewegt: „Freude und Hoffnung, Angst und Trauer…“
Für eine friedvollere Zukunft braucht es nicht nur einen Ausgleich der unterschiedlichen Interessen. Ein Friede, der allein durch ein Gleichgewicht der Abschreckung gesichert wird oder durch wechselseitige Abhängigkeiten der Geschäftsbeziehungen, ist sehr labil, wie wir gegenwärtig hautnah erleben. Dauerhafter Friede muss aus den Herzen der Menschen kommen.
Tag für Tag erleben wir, wie schwer es ist, Frieden in unserer engsten Umgebung zu halten. Solange wir es nicht schaffen, in unseren eigenen Beziehungen Frieden zu halten, dürfen wir uns nicht wundern, wenn uns Frieden im Interessenswirrwar der großen Welt nicht gelingt.
Vor wenigen Tagen ging in Belem, Brasilien, die UNO-Weltklimakonferenz zu Ende. Die Kommentatoren beklagten sein ernüchternd mageres Ergebnis. Auch die Sorge um eine gesündere Zukunft unsres Planeten können wir nicht an andere delegieren. Auch sie muss in unseren Herzen beginnen. Es braucht den entschlossenen Willen eines jeden einzelnen, das Seine dazu beizutragen. Das geht nicht ohne ein Zurückstecken unserer eigenen Ansprüche und nicht ohne Entwiclung neuer Ideen.
Das visionäre Bild von einer guten und besseren Zukunft, das uns der Prophet Jesaja geschenkt hat, lässt wohl kaum jemand unberührt. Es beinhaltet das Versprechen Gottes, dass er uns in eine gute Zukunft führen wird. Zugleich ist es eine Herausforderung für uns, alte Wege zu verlassen und alte Hindernisse aus dem Weg zu räumen, sowie eine Einladung, uns dem Geist des erwarteten Messias zu öffnen und in unseren Herzen Raum zu geben.
Der Traum des Jesaja vom friedlichen Miteinander hat nicht nur Künstler inspiriert, sondern ist auch für uns ein Impuls, wie wir die Welt , in der wir leben, im Großen wie im Kleinen friedvoller gestalten können.
Wir haben es beim heutigen Lesungstext mit einer kostbaren Perle jüdischer Poesie zu tun. Er hat viele Künstler inspiriert, diese Szene zu malen oder in Stein zu meißeln. Marc Chagall hat diese Zeilen in einem Wandteppich verwebt, der seit 1969 den Festsaal des israelischen Parlaments ziert.
Heute (9.10.25), da ich diese Predigt schreibe, kommen die ersten Meldungen über Erfolge im Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern im Gazakrieg über die Medien. Die Hoffnung auf die Freilassung der Geiseln und auf ein Ende der unmenschlichen Gewalt bekommt neue Nahrung. Die ersten Schritte für einen grundlegenden Wandel tun sich auf.
Es ist die Hoffnung auf eine andere, eine bessere Welt, die uns daran hindert zu resignieren oder zu verzweifeln. Es ist die Hoffnung, die uns durchhalten lässt, trotz all der Gewalt von der unsere Welt immer noch so voll ist. Es ist die Hoffnung, die trägt – es ist die Hoffnung, die uns verändert.
Die Vision Jesajas ist Ausdruck eine uralten Sehnsucht: Der Sehnsucht nach Heil auf dieser Welt, der Sehnsucht nach Frieden und Gerechtigkeit, der Sehnsucht nach Heimat und Geborgenheit. Sie ist auch nach 2500 Jahren noch so aktuell wie damals.
Jesaja scheint mir ein großartiger Psychologe gewesen zu sein. Er weiß, dass Menschen dunkle Krisenzeiten nur überstehen, wenn sie ein Licht der Hoffnung auf eine bessere Zukunft in ihren Herzen entdecken. Jesaja hatte diese Hoffnung und fasste sie in Worte, deren Sinn und Bedeutung ich nun näher beleuchten möchte.
Es ist kein Zufall, dass viele Texte Jesajas gerade im Advent in der Liturgie vorkommen. So wie der Advent auf das kommende Weihnachtsfest vorbereiten will, so sahen die ersten Christen diese Texte als Vorbereitung auf den in Jesus von Nazareth gekommenen Messias. Ohne Rückbezug auf die Texte Jesajas würden wir von diesem Jesus mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit überhaupt nichts wissen. Jesus ist für sie der vom Geist Gottes erfüllte Mensch, von dem Jesaja hier vor ca. 700 Jahren gesprochen hat. Daran besteht für sie nicht der geringste Zweifel. Sie laden uns ein, diesen Glauben mit ihnen zu teilen.
Im Markusevangelium gibt es einen versteckten Hinweis auf den 2. Teil – den sogenannten Tierfrieden – dieser Lesung. Nach der Taufe zieht sich Jesus für 40 Tage in die Wüste zurück. Anstatt die Versuchungen durch den Satan detailreich zu schildern, wie es Mt. und Lk. Tun, schreibt Markus lediglich: „Er lebte bei den wilden Tieren und die Engel dienten ihm.“
In Anlehnung an Jesaja nimmt Markus hier also Bezug auf den paradiesischen Urzustand. Ohne Rückbindung (Re-ligio) an diesen heiligen Ursprung, würde Jesu Mission scheitern. Die wilden Tiere sind hier also nicht wörtlich, sondern symbolisch zu verstehen. Die Raubtiere um die es hier geht, (der Löwe, Panther, Bär, Wolf) und die todbringende Schlange stehen für innere Anteile unserer Psyche/Seele.
In einem intensiven spirituellen Prozess (symbolisch 40 Tage) hat sich Jesus innerlich damit auseinandergesetzt. Da er ganz Mensch war, trug auch er – so wie jede/r von uns – diese destruktiven Kräfte in sich. Dabei geht es nicht um die Verdrängung und Ausrottung dieser Kräfte sondern um deren Zähmung und Integration durch das göttliche Selbst. Das spirituelle Grundprinzip dafür lautet: Nur was angenommen wird, kann verwandelt werden.
Wie viele Sprichwörter und Märchen verraten, haben alle diese Anteile sowohl negative (wilde) Aspekte – als auch positive (engelhafte) Aspekte. Man kann egoistisch, selbstsüchtig für seinen Löwenanteil kämpfen – oder wie ein Löwe für Gerechtigkeit und Fairness kämpfen. Man kann hinterlistig wie ein Wolf mit der Meute heulen - oder als Leitwolf vorausschauend und umsichtig für die Gemeinschaft sorgen. Man kann faul wie ein Bär das halbe Leben verschlafen - oder mit bäriger Gelassenheit für Ruhe sorgen. Man kann ständig wie ein Panther auf der Lauer nach Fehlern und Schwächen anderer Ausschau halten – oder geduldig wie ein Panther auf den richtigen Augenblick warten Man kann wie eine Schlange überall sein Gift von Neid und Missgunst verspritzen – oder sich klug durch Schwierigkeiten und Hindernisse schlängeln.
Wenn das Wilde die Herrschaft in uns übernimmt,
> dann erleben wir wilden Raubtierkapitalismus, in dem alle um den Löwenanteil kämpfen.
> dann herrscht das Gesetzt des Dschungels, wo der Starke den Schwachen besiegt.
> dann liegen wir ständig auf der Lauer um nur ja jede Schwäche, jeden Fehler des anderen zum eigenen Vorteil auszunützen.
> dann verspritzen wir unser egoistisches Gift, das jede solidarische Atmosphäre vergiftet.
> dann erleben wir überall um uns herum nichts anderes als Gewalt, Angst, Not, Unrecht, Hoffnungslosigkeit…
Wenn das Heilige die Herrschaft in uns übernimmt,
> dann erleben wir solidarische Gerechtigkeit, für die wir wie ein Löwe kämpfen,
> schützen die Starken die Schwachen und verteidigen sie mit Bärenkräften,
> dann sind wir wachsam wie ein Panther, wenn jemand über andere herrschen will,
> dann sind wir klug wie die Schlange und sorgen durch achtsame Kommunikation dafür, dass niemand mit „gespaltener Zunge“ spricht.
> dann erleben wir, dass Versöhnung und Vergebung zwischen Feinden möglich wird,
> dann keimt Hoffnung auf positive Veränderung auf, dann entdecken wir neue Wege und Möglichkeiten wo wir bisher nur Hindernisse und Grenzen sahen.
Wenn wir dem Beispiel Jesu folgen, dann kann der Traum Jesajas zumindest in Ansätzen und kleinen Anfängen Wirklichkeit werden. Lasst uns den Traum Jesajas heute gemeinsam weiterträumen, damit eine neue Wirklichkeit möglich wird:
> Dann leben der Russe und Ukrainer friedlich nebeneinander der Palästinenser vertraut wieder dem Israeli und umgekehrt, der Chinese teilt mit dem Taiwanesen den Reis...
> Die Religionen arbeiten zum Wohl der Menschheit zusammen.
> Zerstrittene Nachbarn regeln ihren Konflikt beim gemeinsamen Grillen.
> Ich versöhne mich mit meinen Aggressionen, meinem Perfektionismus, meiner Bequemlichkeit, meiner Kindheit, mit meiner Sterblichkeit/Endlichkeit. …
> Wir begreifen endlich, dass alle Menschen nur einen gemeinsamen Planeten bewohnen, den sie gemeinsam vor der Zerstörung durch das Wilde in uns bewahren müssen.
Amen! – So sei es!
© Herbert Altmann, Diözese Linz
Der Advent ruft uns zur Umkehr. Das Motiv der Umkehr zieht sich durch die Predigt der Propheten aller Jahrhunderte. Auch Jesus und später seine Jünger knüpfen an dieses Aufrütteln an.
Zwei Kerzen brennen bereits am Adventkranz. Das Licht kommt näher. Nun sollten wir immer mehr der Dunkelheit und der Müdigkeit entfliehen. Müdigkeit meint in diesem Zusammenhang: der Erschöpfung, Resignation, Gleichgültigkeit und Tatenlosigkeit. Wir werden vor allem im Evangelium viel von Umkehr hören. Auch im Buch Jesaja finden wir diesen Gedanken vor: Umkehr als Rückblick bzw. Rückbesinnung zu den eigentlichen Wurzeln. Anfang und Ende der ersten Lesung erinnern: „Aus dem Baumstumpf Jesais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht… An jenem Tag wird es der Spross aus der Wurzel Jesais sein, der dasteht als Feldzeichen für die Völker; die Nationen werden nach ihm fragen.“ (Jes 11,1. 10).
Der Römerbrief (11,18) ergänzt dazu: „Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich.“ Dort, wo Antijudaismus mit all seinen Spielarten aufkeimt, ist Rückbesinnung und Umkehr in höchstem Maß angebracht. Dann werden auch die guten Früchte des Geistes sichtbar und spürbar: der Geist der Weisheit, der Geist der Einsicht und der Geist der Erkenntnis. Diese Früchte helfen Hass, Gewalt, Kriege abzubauen, die leider heute wieder sehr stark zunehmen. Der Geist der Erkenntnis schlägt „das Land mit dem Stock seines Mundes“ (Jes 11,4). Also überall, wo Gewalt und Verbrechen einsetzen, wird er ein Machtwort sprechen. Nicht mit Worten werden Uneinsichtige niedergeprügelt, sondern mit klugen Argumenten, mit Weisheit (göttlich!) zur Umkehr bewegt. Das Volk wird immer daran erinnert: „Höre Israel! Der Herr, unser Gott, ist einzig. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft… Diese Worte sollst du deinen Kindern weitergeben.“ (Dtn 6,4. 7). Es geht um die Weitergabe des Liebesgebotes, an weitere Generationen, um Abbau von Hass, Gewalt und Vorurteilen, um friedliches Zusammenleben, damit das anbrechende Reich Gottes sichtbar und spürbar wird. Die innerweltliche Klugheit könnte uns doch sagen, dass das Bemühen um ein friedvolles Miteinander angenehmer und schöner ist als im Kriegszustand zu leben, was ja ungeheuer kräfteraubend ist und dieser Aufwand besser für gute Taten eingesetzt werden kann.
In den Visionen, die die Lesung anbietet, zeigt sich göttliche Weisheit: „Der Wolf wohnt beim Lamm…Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen“ (Jes 11,6. 9). Wenn sich göttliche Weisheit und innerweltliche Klugheit intensiv miteinander verbinden, bräuchten wir keine Waffen mehr und zumindest ein wesentlich geringeres Polizeiaufgebot.
Das alles braucht Zeit und Geduld. Beides ist für die angeblich stillste Zeit im Jahr dringend notwendig. Wie viel Stress, Aggression, Zorn kommt da auf! Ist der Punsch das Beruhigungsmittel, um manche Sorge und / oder Wut zu unterdrücken? Die zweite Lesung spricht von Zeit und Geduld und legt uns einen Satz nahe, der sehr hilfreich ist: „Nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat zur Ehre Gottes.“ (Röm 15,7). Das ist ein schwieriger, oft lang andauernder Prozess, mit seiner Umgebung einigermaßen klar zu kommen.
Und was legt uns das Evangelium nahe? Wie sieht hier Umkehr aus? Da kommt Johannes der Täufer zu Wort, ein rauer Geselle, ein Alternativer, könnte man heute sagen, der sich von Honig, Heuschrecken und wild wachsenden Kräutern nährt und Kleider aus Baumrinden trägt. Johannes ist in seiner Sprache sehr radikal und fordert zur Umkehr auf: „Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt!“ (Mt 3,6). Er predigt „in der Wüste von Judäa“ (Mt 3,1) auf. Wüste ist in diesem Zusammenhang mit dem Auszug aus Ägypten zu sehen, ist Ort der Bewährung und des Neuanfangs und versteht sich als Ort der Gottsuche und der Umkehr zu Gott. Das ist auch der Sinn der Umkehrtaufe. Sie führt weiter zur „Erfüllung der Gerechtigkeit.“ (Mt 3,15), zur „Taufe mit dem Heiligen Geist und mit Feuer“ (Mt 3,11).
Johannes der Täufer hat es als Prophet nicht leicht, wie überhaupt das Amt des Propheten schwierig ist, im Auftrag Gottes dessen Botschaft zu verkünden, als Korrektiv zwischen König und dem Volk aufzutreten. Das macht mitunter müde und resignativ, ja führt wie bei Johannes in den Tod. Johannes stellt durch sehr deutliche Worte Fronten auf. Das ist auch heute in manchen Situationen notwendig. Wir sagen „er spricht im Klartext“.
Jesus findet eine andere Art des Zugangs zu den Menschen. Er geht denen nach, die es brauchen. Er ist solidarisch mit uns Menschen. Bei der Taufe stellt er sich in die Reihe der Sünder, auf Augenhöhe zu uns Menschen. Jesus geht den Weg der Barmherzigkeit, das könnten wir von ihm lernen und einüben.
Wir müssen uns hüten, uns im Advent von vorweihnachtlichen Wohlgefühlen einlullen zu lassen. Was kann uns in den gegenwärtigen Krisen Hoffnung geben? Es geht um mehr als um ein Träumen einer neuen Wirklichkeit. Es braucht ein Umdenken, einen neues Geist, der sich an alten unverzichtbaren Werten ausrichtet.
Heute lachen wir darüber: Als vor zwei Jahren der Bevölkerung bewusst wurde, dass uns eine Pandemie ins Haus steht, und noch niemand ahnen konnte, welche konkreten Folgen diese haben wird, sind viele Menschen in Panik geraten und haben sich mit Lebensmitteln und Hausrat eingedeckt. Sogar das Klopapier war ausverkauft… Wenn unsichere Zeiten befürchtet werden, reagieren viele Menschen mit Panik. Manche Medien unterstützen sie darin.
Gegenwärtig sind wir gleich mit mehreren Ungewissheiten konfrontiert: alles wird teurer, auch wichtige Lebensmittel, die Treibstoff- und Heizkosten steigen, die Temperaturen fallen. Zu befürchten ist, dass Menschen vor dem Krieg im kalten Winter zu uns flüchten. Und die Pandemie ist vermutlich auch noch nicht vorbei. Eigentlich wollten wir unser Geld in die Gewinnung erneuerbarer Energien investieren u.v.a.m.
Die Bibel ist ein literarisches Werk vieler Jahrhunderte, in dem große und kleine Krisen der jeweiligen Epoche einen Niederschlag hinterlassen haben. Auch damals sind Menschen immer wieder in Panik geraten, und es sind Leute aufgetreten, die durch Predigten und Schriften die Panikstimmung angefacht haben. Die Angst vor dem Untergang und vor dem Ende der Welt stand immer wieder im Raum. Die Bibel zeichnet sich aber dadurch aus, dass sie den apokalyptischen Schreckensbildern Hoffnungsbilder entgegensetzt.
Heute haben wir aus dem Buch des Propheten Jesaja gelesen. Er lebte, predigte und schrieb in einer Zeit, die von den Juden und dem ganzen Volk Israel als Jahrtausend-Katastrophe erlebt wurde. Die einst blühenden Königreiche wurden von den Großmächten zerschlagen, die Elite des Volkes wurde getötet oder verschleppt, viele der Überlebenden und Zurückgelassenen sahen sich gezwungen, irgendwohin auszuwandern. In diese aussichtslose Situation hinein kündigt Jesaja einen Neubeginn an und malt diesen in zeitlos schönen Hoffnungsbildern aus.
Spätere Generationen haben immer wieder darauf zurückgegriffen, wenn sie sich von der geschichtlichen Entwicklung in die Enge getrieben sahen. So auch der Prediger Johannes der Täufer. Auch in seiner Zeit waren viele Menschen verzweifelt. Johannes erinnerte sie an den Propheten Jesaja und kündigt ein nahendes Himmelreich an. Gott selbst werde kommen und die Welt neu ordnen. Er suchte sich einen Platz am Rande der Wüste, viele Menschen strömten zu ihm, um ihn zu hören und sich von ihm Hoffnung geben zu lassen.
Jesaja und Johannes träumten jedoch nicht nur von einer besseren Zeit – Träume sollen ja Anfang einer neuen Wirklichkeit sein -, sie mahnten gleichzeitig Haltungen ein, die sie als Basis einer Erneuerung für notwendig erachteten: Der neue starke Mann trägt Gerechtigkeit und Treue als Gürtel um die Hüften, er nimmt Partei für die Armen des Landes und bringt eine neue Geisteshaltung, die sich von der Weisheit und von der Erkenntnis Gottes leiten lässt.
Johannes sammelt alle, die neue Verhältnisse herbeisehnen und predigt ihnen Umkehr. Als Zeichen der Abkehr von alten Gewohnheiten taucht er sie im Jordan unter. Aller Schmutz der Vergangenheit soll abgewaschen werden. Er ist sich offenbar auch der Grenzen seines Tuns bewusst und verweist auf einen Hoffnungsträger, der noch kommen wird. Dieser wird nicht nur mit Wasser taufen, sondern mit dem Feuer des Geistes Gottes. Im Feuer des Heiligen Geistes werden die kommenden Generationen geläutert werden.
Der Advent erinnert uns an die Predigt der Propheten Jesaja und Johannes. Ihnen ging es nicht darum, Angst zu schüren, Panikstimmung zu verbreiten oder gar zum Aufstand aufzustacheln. Sie wollen vor allem Hoffnung stärken. Sie träumen nicht nur von einer neuen Wirklichkeit, sie fordern ihre Gefolgschaft auf, Bedingungen für eine neue Wirklichkeit zu schaffen. Sie predigen ein Umdenken und einen neuen Geist.
Um diesen Geist geht es auch, wenn wir heute Advent begehen. Die gegenwärtigen Krisen machen uns bewusst, dass es auch heute ein neues Denken braucht, wenn es besser werden soll.
Über den Hunger in der Welt können wir nur Herr werden, wenn wir in die Produktion gesunder Nahrungsmittel statt in Rüstung investieren und so "Schwerter in Pflugscharen" umschmieden.
Die Energie- und Klimakrise können wir nur bewältigen, wenn wir lernen, neue Wege der Energiegewinnung zu gehen und uns im Energieverbrauch einschränken.
Weitere Kriege werden wir nur verhindern, wenn wir Wege des Ausgleichs und der gerechten Verteilung der zur Verfügung stehenden Ressourcen finden.
Von allen Seiten wird uns zugerufen: Ohne Umdenken und ohne Umstellung unserer Gewohnheiten werden wir keine Zukunft haben. Der Advent ist eine gute Zeit, damit Ernst zu machen.
Zum Beginn des neuen Kirchenjahres wird uns Johannes der Täufer und sein Aufruf zur Umkehr vorgestellt. Jesus hat seine Predigt fortgesetzt und ist noch darüber hinausgegangen. Wir haben in der Taufe und Firmung Jesu Geist bekommen. Aus diesem Geist heraus unser Leben zu erneuern, dazu fordert uns der Advent auf.
Das Beispiel Johannes des Täufers
Wir sind – nach kirchlicher Ordnung – mit Beginn der Adventszeit am vorigen Sonntag in ein neues Jahr eingetreten. Seine Ausgestaltung ist in unsere Hände gelegt. Das neue Jahr wird uns gegeben, um innerlich mehr und mehr hineinzuwachsen in ein deutlich christlich gestaltetes Leben. Um uns dafür Hilfe anzubieten, wird uns am Anfang des Kirchenjahres Johannes der Täufer vor Augen gestellt. Er war bemüht, mit aller Kraft und ganzem Einsatz Menschen zur Lebendigkeit in ihrem Glauben zu führen.
Die Kleidung des Täufers, sein Auftreten am Jordan und am Rande der Wüste, seine Nahrung (Heuschrecken und wilder Honig), seine Sprache, das alles zeigt, für was Johannes steht. Er fordert heraus, einfach zu leben, kernig nach Gutem zu streben und nicht Zeit zu vergeuden mit dem Aufbau von äußerem Glanz oder ständigen Streben nach Ansehen, Einfluss und Macht. Die meisten Menschen, die zu ihm kamen, waren innerlich bereit, sich dem Guten zuzuwenden, sonst hätten sie sich nicht auf den Weg gemacht. Durch die Taufe im Jordan wollten sie sich zusätzlich stärken lassen. Das Auftreten des Täufers am Rande der Wüste war für sie wahrscheinlich schon ein mahnendes Erinnerungszeichen. In der Wüste hatte sich Jahwe seinem Volk in besonderer Weise offenbart. In den Zehn Geboten gab er ihnen Leitlinien für ihr Verhalten. Er stand dem Volk immer wieder bei, sobald es in Not geriet und führte es schließlich in das Land der Verheißung. In der Wüste war Israels Glaube stark geworden, hatte sich die Verbindung zu Gott vertieft. Mit dem Aufblühen des äußeren Wohlstandes schwand jedoch vieles von der engen Verbundenheit mit Jahwe, wichen sie öfter und irgendwie leichter von seinem Willen ab. In diesem Verhalten wollten sich die meisten, die zum Jordan kamen, ändern. Jahwe und seine Weisungen sollten ihr Leben bestimmen und prägen.
Neben den zur Umkehr Bereiten gab es aber auch die anderen, die eher aus Neugierde oder zur Kontrolle zum Jordan kamen. Sie gehörten, wie im Evangelium berichtet wird, vorrangig den Kreisen der Pharisäer und Sadduzäer an. Bereitschaft zu irgendwelcher Umkehr brachten sie nicht mit. Denn sie fühlten sich als die Nachkommen Abrahams als die Lieblinge Gottes und von daher von vornherein auserwählt und bevorzugt. Der Täufer durchschaut ihre Gesinnung und die fehlende Bereitschaft, in sich zu gehen. Daher attackiert er sie hart. Schlangenbrut nennt er sie. Durch seine harten Worte will er sie aufwecken und unruhig machen, damit sie über sich nachdenken.
„Umkehr“ ist das entscheidende Stichwort des Täufers. Mit ihm wendet er sich nicht nur an Sünder und Menschen mit größerem Versagen. Umkehr im Sinne des Täufers bedeutet auch: Abkehr von Fehlhaltungen wie Laxheit, Trägheit, Gleichgültigkeit oder Bequemlichkeit, die nicht immer gleich Sünde produzieren, die aber die Mühe um das Gute, das möglich wäre, unterlassen. Johannes ruft auf zur Lebendigkeit, zu Anstrengung und Einsatz für das Gute. Vorhandene Kräfte einsetzen, Ideen entwickeln, Ausschau halten, wo man unterstützen kann, um das Schöne und Gute auf den Weg zu bringen, dazu will Johannes seine Zuhörer bewegen.
Johannes ist sich sehr bewusst, dass seine Predigten und seine Taufe ein gutes Werk darstellen und Heilvolles bewirken. Gleichzeitig ist ihm aber auch klar, dass noch eine Zeit kommen wird, in der sein Wirken übertroffen werden wird durch den, der mit Hl. Geist und Feuer tauft.
Wenn wir das Wirken des Täufers und das Wirken Jesu vergleichen, dann lässt sich als Unterschied festhalten: Der Täufer steht noch ganz in der Tradition des Alten Testaments. Er ruft auf, sich immer wieder dem Gott Jahwe zuzuwenden und auf ihn zu hören. Dieses Wirken in der Art des Aufrufens und Warnens war von den alttestamentlichen Propheten entwickelt worden. Dabei beschränkten sie sich in ihrem Wirken auf das „auserwählte Volk“.
Jesus geht einige Schritte weiter. Er wendet sich mit seiner Botschaft über Israel hinaus an alle Menschen. Und vor allem fügt er seinen Aufrufen und Mahnungen die besondere Kraft des Hl. Geistes hinzu. Von ihm und seiner Gnade sollen sich die Christen ausstatten lassen, um mit dieser Kraft ans Werk zu gehen und ihr Leben zu gestalten.
In der Taufe und Firmung sind wir mit dem Geist Gottes ausgestattet worden und eingeladen, seine Kraft für unser Leben und Handeln immer wieder zu erbitten. Gott ist es eine Freude, unsere menschliche Kraft mit seiner Gnade zu verstärken. Wir wissen nicht, was an Aufgaben, Freuden, Sorgen oder auch Leiden im neuen Jahr auf uns zukommt. Weil wir in Jesus und dem Hl. Geist aber einen Helfer an unserer Seite haben, dürfen und sollen wir vertrauensvoll und mit Eifer an die Gestaltung des neuen Jahres herangehen.
Gott möchte, dass wir das neue Jahr und unser Leben kreativ gestalten: mit unseren Ideen und Gedanken, mit der Verwirklichung berechtigter Wünsche und dem Überprüfen dessen, was gut und richtig ist. Denn Gott gab uns
- menschlichen Geist und Phantasie zum Gestalten,
- Augen, die sehen und erkennen können, was richtig, wichtig, notwendig, gut und schön ist,
- ein Herz, das sich öffnen kann, wenn wir nur wollen, um Liebe, Freude, Trost und Hilfe anzubieten.
Dass wir uns darauf besinnen und gleich von Anfang an das neue Jahr unter dieser Rücksicht in den Blick nehmen, dazu möchte uns Matthäus mit dem heutigen Evangelium, dem Bericht vom Wirken des Täufers, einladen. Das Stichwort „Umkehr“ soll uns durch das Jahr begleiten und immer wieder daran erinnern: Jesus möchte als Erstes, dass wir uns vor Versagen hüten; darüber hinaus aber gezielt das Gute in einem möglichst großem Umfang anstreben. Denn das neue Jahr soll ein wertvolles in unserem Leben werden – gleich vom ersten Tag des Advents an.
Das Fest der ohne Erbsünde empfangenen Gottesmutter Maria macht uns Hoffnung, dass wir durch die Gnade Gottes heil und hell werden können, auch wenn wir in unserem Leben von Anfang an unweigerlich auch in die Zusammenhänge des Bösen hineinverstrickt sind.
In der Vorbereitung auf die heutige Feier habe ich Kinder gefragt: Glaubt ihr, dass der Mensch von Grund auf gut ist, oder ist auch Böses in ihm? Die Kinder haben mir geantwortet: Im Menschen ist das Gute und das Böse, er kann sich entscheiden, eine Richtung einzuschlagen. Der Mensch ist nicht nur gut. Böses kommt auch von den Tieren, vor denen er sich fürchtet (Löwe, Schlange...)
Der Text der heutigen Lesung ist Ihnen sicher schon von Kindheit her bekannt: aus dem Katechismus, vom Religionsunterricht oder Kinderbibeln. Diese Erzählung aus dem ersten Testament will eine Geschichte dazu liefern, warum das Verhältnis von Mensch zu Gott oft ein gestörtes, belastetes, mit Schuld beladenes ist; und dazu auch noch erklären, warum das Verhältnis von Mann und Frau so kompliziert ist - in Anziehung, Abhängigkeit, Über- oder Unterordnung, mit Misstrauen und Schuldzuweisungen verbunden.
Menschen geben sich nicht mit paradiesischer Unschuld zufrieden, sie wollen den Dingen auf den Grund gehen, Grenzen überschreiten und eigene Akzente im Leben setzen. Gut und Böse zu unterscheiden, ist da eine verlockende, gottgleiche Fähigkeit: moralisch zu handeln und zu urteilen, hebt Menschen von Tieren ab, stellt Menschen - als Richter und Gerichtete - über- und untereinander, macht Reflexion und Nachdenken über das eigene Handeln möglich - und zugleich nötig. Dieser Schritt, in einigen Belangen quasi wie Gott zu sein, vertreibt uns aus dem Paradies kindlicher Naivität.
Was in jüdischer Tradition den Zwiespalt in der menschlichen Existenz beschrieb, wurde in der christlichen Tradition zur Urschuld, Ursprungssünde oder „Erbsünde" - also einer Schuld und Sünde, die uns „von Adam und Eva her“ alle betrifft. „Erbsünde" wurde zum theologischen Streitgegenstand, leider oft auch mit Sexualität in Verbindung gebracht, und braucht - so denke ich - heute neue Deutungen bzw. Verbindungen mit dem, wie wir die Gebrochenheit des Lebens im Alltag erleben.
Zwei Gedanken möchte ich ihnen anbieten:
Dass in mir nicht nur gute Gedanken wohnen, sondern auch finstere und böse, erlebe ich oft. Meine erworbenen Moralvorstellungen und mein gebildetes Gewissen, zusammen mit einer guten Impulskontrolle, halten mich meist davon ab, diese schwarzen Ideen in die Tat umzusetzen. Aber dennoch handeln (oder unterlassen) wir trotz besserem Wissen gegen das Gute, gegen andere, gegen Gott. Diese Tendenz gibt es in uns.
Und wir können „Erbsünde" so lesen, dass jede und jeder von uns schon vom Mutterleib an eingebunden ist in vielfältige Zusammenhänge: in mehr oder weniger problematische Familiengeschichten, in die Zustände in einem Land, in Arbeitsverhältnisse, in Machtgefälle, in die ökologischen oder wirtschaftlichen „Schulden" des Geburtslandes und vieles mehr. Einige dieser Strukturen sind ungerecht, und ich kann ihnen fast gar nicht entkommen und mache mich mit meinem Handeln oder auch Nicht-Handeln zur Komplizin des Unrechts, mitschuldig:
Welche Kleidung ich kaufe (wo und unter welchen Umständen sie produziert wurde, welchen Hungerlohn die NäherInnen dafür bekamen), woher meine Nahrung kommt und wer sie wie herstellt, dass ich fossile Treibstoffe tanke, um von A nach B zu kommen (und es geht fast nicht anders), dass ich mich ohnmächtig fühle gegenüber dem erweiterten Bürgerkrieg in Syrien, dass ich im privilegierten Österreich lebe, dass unsere Regierenden Asylgesetze verschärft haben, und vieles mehr.
Den Zustand der paradiesischen Unschuld, den gibt es auch hier nicht: Ich muss mich kleiden, muss essen, wohnen, muss auch mobil sein, Geld verdienen, abschalten können. Aber ich weiß - oder kann ganz leicht wissen, wenn ich mich nur ein wenig informiere - wie ungerecht es auf dieser Welt zugeht, ich kann sie in kleinen Teilbereichen ändern, aber nur ein klein wenig. Mehr bewegen lässt sich in Solidarität und Verbundenheit mit anderen.
Soll ich mich als Eremitin in ein einfachstes Leben zurückziehen? - Aber entziehe ich mich da nicht auch der Gemeinschaft, mit meinen Fähigkeiten, nehme ich mich und mein Änderungspotential damit nicht ganz aus dem Spiel?
Mit dem heutigen Feiertag „Mariä Empfängnis“ ist auch folgendes gemeint: Eines Tages werden auch wir - wie Maria schon vor uns - heil und hell sein, so wie wir gedacht sind von Gott her, so wie Maria schon beschenkt wurde. - Maria, ein Mensch wie wir mit Bedenken, Zweifel, Schmerz und Vertrauen auf Gott.
Zwar sind wir täglich von Schuld, Versagen und Unheil umgeben, „verbandelt damit, verstrickt darin“ - was aber noch wichtiger ist: Wir sind gehalten und getragen von der Gnade und Liebe Gottes, die wir immer wieder als Weihnachtsgeschenk annehmen dürfen.
© Mag.a Angelika Gumpenberger-E., Pastoralassistentin St. Franzikus/Wels
Jesaja und Johannes der Täufer sind die Propheten des Advents. Beide rufen ihre Hörer zur Umkehr. Diese Aufforderung gilt auch uns.
Ein Wechselspiel der Gefühle. Heute, am 2. Advent. Kuh und Bärin freunden sich an, ihre Jungen liegen beieinander. Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter. Es gibt auch nichts Böses mehr. Ist das nicht ein Traum? Unglaublich schön. Doch dann kommt die eisige Dusche – mit gewaltigen, mehr noch gewalttätigen Bildern: die Axt ist an die Wurzel gelegt. Jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen. Und Menschen, die sich an den Jordan aufgemacht haben, werden mit „Schlangenbrut“ angeredet. Die Spreu sehen wir schon in nie erlöschendem Feuer verbrennen.
Was ist, wenn ich dazu gehöre? Wenn ich verflucht bin? Ein Wechselspiel der Drohungen. Der Typ im Kamelhaarmantel, der sich mit Heuschrecken begnügt, macht uns schon die Hölle heiß. Ich möchte gerne Jesaja zuhören. Endlich keine Gewalt mehr. Keine Gewaltphantasien. Auch keine Allmachtsphantasien.
„Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen
auf meinem ganzen heiligen Berg;
denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn,
so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist.“
Die Predigt, die Johannes am Jordan hält, ruft zur Umkehr auf. Umkehr heißt zunächst: stehenbleiben, nicht weiter laufen – und dann: sich neu orientieren, noch einmal neu einsetzen, neu anfangen. Ein großes Vertrauen ist das: Mein Leben ist noch nicht gelaufen!
Schauen wir doch einmal auf unsere Worte, Begriffe, Bilder.
Ist es nicht verräterisch, dass wir vieles nicht ändern können, obwohl wir alle uns danach sehnen?
Ist es nicht unheimlich, dass wir uns von Sachzwängen beirren lassen, obwohl wir uns alle frei wähnen?
Ist es nicht beängstigend, dass wir klein beigeben, obwohl wir die Irrwege vor uns gähnen sehen?
Ich verstehe die Menschen, die an den Jordan gehen und sich dort sogar beschimpfen lassen. Endlich einmal einer, der die Dinge beim Namen nennt, der keine falschen Rücksichten nimmt, der nicht kuscht vor denen, die Rang und Namen haben. Das sitzt: Schlangenbrut. Was mag die Menschen bewegen, sich einer solchen Rede zu stellen? Der Überdruss an der geschönten, schön geredeten Welt? Der Überdruss an der eigenen Feigheit? Der Überdruss an der Kunst, sich ständig zu verstellen – mit den Wölfen zu heulen, aber am eigenen Elend zu ersticken? Johannes traut uns etwas zu: Kehrt um! Gottes Reich ist nahe – Gott kommt! Lapidar und unaufgeregt weiß Matthäus, der Evangelist, zu erzählen:
„Die Leute von Jerusalem und ganz Judäa
und aus der ganzen Jordangegend zogen zu ihm hinaus;
sie bekannten ihre Sünden
und ließen sich im Jordan von ihm taufen.“
Ist das nicht ein Hoffnungszeichen? Ein Moment des Glücks? Es geht nicht einfach alles so weiter, wie es ist. Wir sehen das. Wir sehen Menschen zu, wie sie umkehren. Wir entdecken etwas: Gottes Nähe.
In seinem Lied „Die Nacht ist vorgedrungen“ schreibt Jochen Klepper 1938 in einer für ihn harten Zeit:
Der sich den Erdkreis baute,
der lässt den Sünder nicht.
Wer hier dem Sohn vertraute,
kommt dort aus dem Gericht.
Jesaja, einer der großen Propheten Israels, wendet sich den Menschen anders zu als Johannes. Jahrhunderte liegen zwischen ihnen.
Schauen wir noch einmal auf unsere Worte, Begriffe, Bilder.
Wir reden davon, abgestumpft zu sein – und müssen doch ständig auf der Hut sein.
Wir erzählen einander, keine Kraft mehr zu haben – und spielen doch unsere Rollen.
Wir berichten von zerbrochenen Hoffnungen – und haben keine Hoffnung.
Jesaja wirft ein Bild in die Runde, einen Gedanken: Schaut euch diesen Baumstumpf an!
Tatsächlich: da ist ein Baumstumpf. Er steht für Israel, für eine große Vergangenheit, für große Träume. Alles vergangen, ausgeträumt, Israel ist ein Schatten seiner selbst, machtlos, klein gemacht, gedemütigt. Aber schaut genauer hin! Seht ihr, wie der Stumpf ausschlägt? Wie neues wächst? Wie sich neues Leben herausdrängt? Unbeeindruckt von dem Torso, der sich den Augen bietet.
Jesaja hält auch eine Bußpredigt. Gar nicht so viel anders als Johannes. Umkehr heißt für ihn: Neu sehen lernen, aus Lethargie und Skepsis aufzubrechen, sich auch von schlechten, gar schrecklichen Erfahrungen nicht gefangen nehmen zu lassen. Aber der Blick hat es dann in sich: Er sieht eine heile, heilvolle, geheilte Welt.
Ich gebe ja zu, von den utopischen Bildern geblendet zu sein. Sie sind so schön, dass ich sie in den buntesten Farben ausmalen möchte. Wenn der Wolf beim Lamm wohnt, der Panther beim Böcklein, Kalb und Löwe zusammen weiden. Es ist das Bild vom Tierfrieden – stellvertretend für den Frieden, den wir ersehnen. Dass wilde Tiere sich mit Haustieren vertragen, erscheint uns womöglich sogar wahrscheinlicher als dass Menschen gut und liebevoll zusammenleben. Ein Mensch kann der Wolf des anderen sein, ein Mensch kann sich wie ein Löwe gebärden, ein Mensch kann giftig sein wie eine Schlange. Dann spielt kein Kind vor dem Loch der Natter. Eigentlich haben alle Mitspieler Angst voreinander.
Die Verheißung, dass es keine Angst mehr gibt, dass es auch keine Angst mehr gibt, die gemacht werden kann, schenkt uns tatsächlich einen realistischen Blick auf die Welt: Wir spüren die Angst, wir nehmen sie wahr, wir kuschen vor ihr. Darüber ist zu reden! Daraus ist aufzubrechen! Umkehr heißt: Sich nicht mehr vertreiben zu lassen, wenn die Wölfe heulen, wenn die Löwen brüllen, wenn die Schlangen sich in ihren Löchern verstecken. Vor ihren Löchern müssen wir ausharren! Damit die Kinder hier spielen können.
Wir sehen den Stumpf. Unansehnlich. Einfach abgebrochen. Kein sauberer Schnitt. Aber da, da grünt ein kleiner Trieb! Jesaja sagt:
„Der Geist des Herrn lässt sich nieder auf ihm:
der Geist der Weisheit und der Einsicht,
der Geist des Rates und der Stärke,
der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht.
Er erfüllt ihn mit dem Geist der Gottesfurcht.
Er richtet nicht nach dem Augenschein,
und nicht nur nach dem Hörensagen entscheidet er,
sondern er richtet die Hilflosen gerecht
und entscheidet für die Armen des Landes, wie es recht ist.“
So ganz nebenbei kommt heraus – habt ihr es gemerkt? – dass Gott umkehrt. Gott kehrt sich zu uns. Gott fängt neu mit uns an.
Sprach er uns schuldig – jetzt spricht er uns frei!
Gab er uns verloren – jetzt findet er uns!
Waren wir ihm keinen Heller mehr wert – jetzt opfert er seinen Sohn für uns!
Noch einmal Jochen Klepper:
Beglänzt von seinem Lichte,
hält euch kein Dunkel mehr,
von Gottes Angesichte
kam euch die Rettung her.
Vorhin habe ich von einem Wechselspiel der Gefühle geredet. Von einem Traumbild – und von einer Drohpredigt, von einer Sehnsucht – und von einem Gericht, von Jesaja und von Johannes. Ist es richtig, von einem Wechselspiel der Gefühle zu reden? Ich kann mich jetzt darüber freuen, in einem Wechselspiel der Hoffnung zu sein.
Weil ich langsam zum Schluss kommen muss, gebe ich Paulus das letzte Wort. Er schreibt in seinem Brief, den wir heute lesen:
„Alles, was einst geschrieben worden ist,
ist zu unserer Belehrung geschrieben,
damit wir durch Geduld und durch den Trost der Schrift Hoffnung haben.
Der Gott der Geduld und des Trostes schenke euch die Einmütigkeit,
die Christus Jesus entspricht,
damit ihr Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus,
einträchtig und mit einem Munde preist.
Darum nehmt einander an,
wie auch Christus uns angenommen hat,
zur Ehre Gottes.“
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Johannes der Täufer steht in der Tradition der Propheten und knüpft an die Worte des Jesaja an. Er ruft zur Umkehr, damit das Volk Gottes erkennt, wie sehr Gott es liebt. Dies ist auch für uns Anstoss, uns neu auf diese Liebe Gottes einzulassen.
Es liegt etwas in der Luft: Ein Asket predigt in der Einöde - und die Menschen eilen zu ihm. Was sie wohl bewegt? Kein Zweifel: Sie wollen ihn hören. Scheinbar hat es die Runde gemacht in Dörfern und Städten: Ihr müsst zu ihm gehen! Verliert auch keine Zeit! - Ein Event? Ein Erlebnis? Nichts von beidem - oder nur am Rande. Es ist die Botschaft, die Beine und Herzen in Bewegung bringt. Die Botschaft ist einfach, fast schon genial, dabei spannungsgeladen: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe!
Mich fasziniert diese Szene. Menschen wollen umkehren. Sie suchen jemanden, er ihnen dabei hilft. Sie sind auch bereit, sich etwas sagen zu lassen. Eine tolle Erfahrung! Ob ich mich ihnen anschließen möchte? Gleich heute?
Eigentlich wüsste ich gerne mehr von den Menschen, die sich damals auf den Weg gemacht haben. Was trieb sie um? Was bedrückte sie? Waren sie schuldig geworden? In eine Sackgasse geraten? Meine Neugier befriedigt der Evangelist nicht. Nicht einmal ein Gesicht lugt aus der Geschichte heraus. Dafür hat Matthäus eine ganz andere Geschichte in Szene gesetzt. Wer sie kennen wollte, kannte sie - eine Geschichte aus Babylon. Sie ist zwar lange zurück, aber dennoch lebendig wie eh und je. Darf ich sie kurz erzählen?
Das Volk Israel war nach Babylon deportiert worden. Vorher war die Stadtmauer geschleift worden, der Tempel geschändet, dem König die Augen ausgestochen. Inzwischen gingen die Jahre ins Land. Auch in der ungeliebten Fremde gehen Jahre ins Land. Irgendwann ist selbst die kleinste Hoffnung aufgerieben. Für die Menschen war das besonders schlimm, weil Gott, ihr Gott, sie scheinbar fallengelassen hatte. Der Vertrauensverlust wog schwer. Unheilvoll und dunkel lag die Zukunft vor ihnen. Einer in ihrer Mitte ist Jesaja, ein Prophet. Er hat das Unheil kommen sehen, weiß jetzt aber einen Weg:
Tröstet, tröstet mein Volk, / spricht euer Gott.
Redet Jerusalem zu Herzen / und verkündet der Stadt, dass ihr Frondienst zu Ende geht, / dass ihre Schuld beglichen ist; denn sie hat die volle Strafe erlitten / von der Hand des Herrn / für all ihre Sünden.
Eine Stimme ruft: / Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße / für unseren Gott!
Jedes Tal soll sich heben, / jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, / und was hüglig ist, werde eben.
Dann offenbart sich die Herrlichkeit des Herrn, / alle Sterblichen werden sie sehen. / Ja, der Mund des Herrn hat gesprochen.
Ein neuer Weg. Er soll gebahnt werden. Für Gott. Mit ihm beginnt eine neue Zeit. Seht ihr in kommen? Und ich sehe die Menschen mit offenen Ohren und Augen. Es wird auch für sie alles neu, darf ich sagen: gut? Sie werden aus der Vergangenheit heraustreten, nicht länger Gefangene ihrer Erinnerungen sein, Zukunft haben. Was für eine Vision: ein freier, schöner, ebener Weg. Für Füße, die schon genug Höhen und Tiefen durchschritten haben. Obwohl von Gottes Weg die Rede ist: ich werde meine Füße auf ihn setzen. Ich werde tief durchatmen. Ich werde sogar das Ziel sehen können. Unverstellt. Kein Tal dazwischen. Kein Berg.
Heute wird uns Johannes vorgestellt als Prediger in der Wüste. "Straßenbauer" ist er - und Tröster. Ein Mensch, der Halt zu geben vermag, über den Tellerrand hinaussehen lässt, einen guten Weg ebnet. Das ist die alte und schöne Bedeutung von "Trost". Das macht auch einen Propheten aus. Wir hören: Das Himmelreich ist nahe!
Der Weg dahin: Umkehr!
Als Kind habe ich mich immer gefragt, warum in der Adventszeit von "Umkehr", von "Buße" - ein anderes Wort dafür - die Rede ist. Ich stellte mir vor, wie das ist, zurückzugehen. Meine bescheidenen Versuche sind alle kläglich gescheitert. Ich merkte, nicht einmal das letzte Wort zurückholen zu können. Wenn es einmal draußen ist. Irgendwann wurde mir der Gedanke aber auch immer suspekter: Ich kann doch nicht immer nur rückwärts gehen, an einen alten Ausgangspunkt zurückkehren wollen. Womöglich alte Fehler noch einmal, wenn auch anders, machen. Ich gehe doch immer weiter, nach vorne, sozusagen. Was hinter mir liegt, gleicht einem Schatten. Ich nehme, schleppe ihn mit - hinter ihn entwischen kann ich nicht. Ist "Umkehr" vielleicht nur ein Traum?
Jetzt freue ich mich, Johannes zu hören. Er sagt, dass das "Himmelreich" nahe ist - also Gott, sein Reich, seine Zukunft. Jesus kommt in den Blick. Ich kann ihm entgegengehen, mich ihm öffnen, ihn aufnehmen. Ich kann neu anfangen. Also nicht einfach nur weitergehen. Ab heute muss nicht alles nur laufen oder funktionieren, ich nicht, die anderen auch nicht.
Eine neue Zeit bricht an. Sie ist ganz von der Liebe, von der Verheißung Gottes bestimmt. Menschen merken das, wenn sie einander vergeben können, wenn ihnen die Kraft zuwächst, alten Geschichten ein liebevolles Gesicht zu geben, wenn sie der Hoffnungslosigkeit ihre Hoffnung gegenüberstellen. Mutig und unbeirrt.
Das größte Geheimnis dieses Wortes "Umkehr" ist, dass Gott sich zu uns - kehrt. Umkehrt. Das Wort gefällt mir immer besser. Ich sehe jetzt Jesus. Von ihm sagt Johannes: "Er, der nach mir kommt, ist stärker als ich ... Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen". Dann gibt es kein Zurück mehr.
Eine Aufbruchgeschichte also, die uns heute unverhofft zugemutet wird. Lange vor Johannes hat Jesaja für sich einen Lebensauftrag darin gesehen, Mut zu machen - und Vertrauen zu wecken. Wir sind in der glücklichen Lage, in seine Predigt hineinhören zu können:
Eine Stimme sagte:
Verkünde! / Ich fragte: Was soll ich verkünden? Alles Sterbliche ist wie das Gras / und all seine Schönheit ist wie die Blume auf dem Feld.
Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, / wenn der Atem des Herrn darüber weht. /
Wahrhaftig, Gras ist das Volk.
Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, / doch das Wort unseres Gottes bleibt in Ewigkeit.
Steig auf einen hohen Berg, / Zion, du Botin der Freude! Erheb deine Stimme mit Macht, / Jerusalem, du Botin der Freude! Erheb deine Stimme, fürchte dich nicht! /
Sag den Städten in Juda: / Seht, da ist euer Gott.
Seht, Gott der Herr, kommt mit Macht, / er herrscht mit starkem Arm. Seht, er bringt seinen Siegespreis mit: / Alle, die er gewonnen hat, gehen vor ihm her.
Wie ein Hirt führt er seine Herde zur Weide, / er sammelt sie mit starker Hand.
Die Lämmer trägt er auf dem Arm, / die Mutterschafe führt er behutsam.
Es liegt etwas in der Luft: Ein Asket predigt in der Einöde - und die Menschen eilen zu ihm. Was sie wohl bewegt? Kein Zweifel: Sie wollen ihn hören.
Mich fasziniert diese Szene. Ich möchte umkehren. Ich suche jemanden, der mir dabei hilft.
Kommt, lasst uns den Weg gemeinsam gehen!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als alle Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Rundum "weihnachtet" es schon sehr. Der Advent richtet die Aufmerksamkeit der meisten Menschen auf das Weihnachtsfest hin. Die Liturgie des Advents holt jedoch viel weiter aus. Sie blickt in die Zukunft und fragt: Was brauchen wir für eine gute Zukunft für alle Menschen? Wie können wir unsere gegenwärtigen Krisen bewältigen? Wie können wir künftige Krisen verhindern? Die Lesungen der Heiligen Schriften erinnern uns an diesem Sonntag an die Geisteshaltungen, die dem Gottesvolk in der Vergangenheit Hoffnung und Kraft gegeben haben.
Mit Beginn der Adventszeit sind wir am vorigen Sonntag in das neue Kirchenjahr eingetreten. Wir werden heute eingeladen, darüber nachzudenken, wie wir das vor uns liegende Kirchenjahr gestalten wollen.
Matthäus will uns mit seinem Bericht vom Wirken des Täufers am Jordan ein Licht anzünden, das uns in unserem Nachdenken helfen soll, einen guten Weg für uns zu finden.
Wenden wir uns Christus zu, der durch den Hl. Geist regelrecht ein Feuer zum Guten in uns entzünden möchte.
Herr, Jesus Christus,
Johannes der Täufer hat dein Kommen angekündigt.
Herr, erbarme dich.
Du bringst uns die Weisheit Gottes, die uns befähigt,
die Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen.
Christus, erbarme dich!
Der Prophet Jesaja fordert uns zur Umkehr auf,
damit wir den Weg für dein Kommen bereiten.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
du bist das Reis,
das die Starrheit unseres Denkens aufgebrochen hat.
Herr, erbarme dich.
Du bist gekommen
um aufzurichten was geknickt ist.
Christus, erbarme dich.
Du hast die Geduld, die Treue
und die Liebe Gottes zu uns Menschen verkündet.
Herr, erbarme dich.
Herr guter Gott,
Johannes hat gesagt: die Umkehr möge Frucht bringen
Herr, erbarme Dich.
Es reicht nicht, mit Worten von Umkehr zu sprechen
Christus erbarme Dich.
Wir wollen uns dem Nächsten zuwenden,
so, wie Dein Sohn es vorgelebt hat.
Herr, erbarme Dich.
© Edith Furtmann, familie.furtmann@t-online.de
Herr Jesus Christus,
deine Botschaft ist Licht für unseren Lebensweg.
Herr, erbarme dich.
Du schenkst uns durch den Hl. Geist Ideen und Kraft für das Gute.
Christus, erbarme dich.
In unserem Denken, Reden und Tun sollen wir Zeugnis von dir ablegen.
Herr, erbarme dich
Allmächtiger und barmherziger Gott,
deine Weisheit allein zeigt uns den rechten Weg.
Lass nicht zu,
dass irdische Aufgaben und Sorgen uns hindern,
deinem Sohn entgegenzugehen.
Führe uns durch dein Wort und deine Gnade
zur Gemeinschaft mit ihm,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 2. Adventsonntag
Allmächtiger Gott,
du gebietest über Himmel und Erde,
du hast Macht über die Herzen der Menschen.
Darum kommen wir voll Vertrauen zu dir;
stärke alle, die sich um die Gerechtigkeit mühen,
und schenke unserer Zeit deinen Frieden.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 2. Sonntag im Jahreskreis
Gott, unser Vater.
Um deinen Frieden zu bringen
in unsere Welt voll Spannung und Streit,
ist dein Sohn zu uns gekommen
und hat sein Leben eingesetzt.
Er lebte nicht für sich, sondern gab sich dahin.
Laß uns erfassen, was er getan hat.
Hilf uns,
mit ihm dem Frieden und der Versöhnung zu dienen,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Amen.
MB Auswahl 21
Getreuer Gott,
in der Geburt deines Sohnes
hast du uns auf wunderbare Weise den Anfang des Heiles geschenkt.
Stärke in uns den Glauben,
dass Christus dein Volk durch die Mühen dieser Zeit
zum Land der Verheißung hinführt.
Er, der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 5. Januar
Guter Gott,
im Stimmengewirr unserer Zeit
verlieren wir oft die Orientierung.
Von allen Seiten strömen auf uns ein:
Macht- und Kriegsstimmen,
Verkaufsschlager und Werbung,
Überzeugungen und Meinungen.
Schenke uns in dieser Adventszeit ein Einhalten,
ja, ein Einkehren bei uns selbst,
damit wir auf dich und deine Verheißung neu hören können.
Das erbitten wir durch Christus,
den wir neu erwarten und auf den wir unsere Hoffnung setzen.
Guter Gott und Vater aller Menschen,
wir warten darauf, dass sich die uralten Verheißungen erfüllen,
und dein Geist diese Welt in eine gute Zukunft führt.
Wir bitten dich:
Um den Geist der Weisheit und Einsicht,
der die Völker zum Frieden führt.
Um Recht, das allen Menschen gerecht wird,
und um Gerechtigkeit, die allen zugute kommt.
Um Treue und Verlässlichkeit
als Grundlage für gesundes Wachstum und Wohlstand für alle.
Um Gotteserkenntnis und rechte Gottesfurcht,
die uns helfen, Ängste und Misstrauen zu überwinden
und voll Hoffnung in die Zukunft zu gehen.
Um Lebensfülle für alle,
die das irdische Leben bereits hinter sich gelassen haben.
In deiner Hand, guter Gott, liegt die Zukunft der ganzen Schöpfung und eines jeden von uns.
Dir vertrauen wir uns an.- Amen.
Das Leben der Gottesmutter Maria lehrt uns, dass Gott, wem er eine bestimmte Aufgabe zutraut, er sie auch mit den Gaben ausstattet, die dazu notwendig sind.
Auf ihre Fürsprache Mariens lasst uns den Vater bitten:
Für alle, die durch ihre Taufe schon jetzt in enger Gemeinschaft mit dir leben,
dass sie ihrer Berufung treu bleiben können.
Für alle, die Fehlentwicklungen in Gesellschaft und Politik erkennen,
dass sie den Mut und die Kraft für neue Wege aufbringen.
Für alle, die mit ihren persönlichen Sorgen und Nöten weltweit zu Marienwallfahrtsorten pilgern,
dass sie gestärkt und mit Zuversicht wieder nach Hause aufbrechen können.
Für alle, die von körperlichen oder seelischen Schmerzen belastet sind,
dass sie deine Nähe und Begleitung spüren und die Unterstützung ihrer Mitmenschen annehmen können.
Für alle Verstorbenen, die in der Hoffnung auf die Gemeinschaft mit dir, der Gottesmutter und allen Heiligen, ihr irdisches Leben beendet haben.
Denn durch Maria kamst du, ewiger Gott, in Jesus Christus als Mensch zu uns Menschen.
Dafür danken wir dir und preisen dich jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Die Vision einer paradiesischen Welt trifft uns heuer im Angesicht des nahen Krieges ganz besonders ins Herz. Sie drückt unsere tiefste Sehnsucht nach Frieden aus.
Miteinander und füreinander lasst uns den Vater bitten:
Um den Geist des Rates und der Stärke für alle Getauften, dass wir so leben wie es unserer Berufung entspricht.
Um den Geist der Weisheit und Einsicht, dass im öffentlichen Diskurs mehr das gemeinsame Ziel als die gegenseitigen Vorstellungen und Partikularinteressen zum Ausdruck kommen.
Um ein Zeugnis des Glaubens in unserer Gesellschaft, das in anderen Zuversicht weckt, deine gute Nachricht die Menschen um uns herum erreicht und wir deinem Reich den Weg bereiten.
Um den Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht, damit wir lernen zu unterscheiden von was oder wem wir uns im Leben leiten und bestimmen lassen wollen.
Um den Glauben an deine Treue und das endgültige Heil, der uns davor bewahrt vom Unheil erdrückt zu werden.
Denn in deinem Reich gilt nicht mehr das Gesetz des Stärkeren.
Der Glaube an deine Liebe lässt uns mutig und zuversichtlich leben.
Dir danken wir jetzt und allezeit. - Amen.
Herr Jesus Christus,
Du richtest nicht nach Hörensagen und Augenschein, Du siehst uns und allen Menschen ins Herz.
Wir bitten Dich:
Für alle Menschen, die in Unterdrückung leben, der Willkür der Mächtigen ausgesetzt sind, von der Weltöffentlichkeit vergessen.
Für alle Menschen, die aufstehen für die Schwachen, die sich mit den Mächtigen anlegen, die den Stummen ihre Stimme leihen.
Für alle Menschen, deren Heimat verloren geht unter Bomben und Raketen, für die, die ihr Leben lassen in Kriegen, die sie nie gewollt haben.
Für alle Menschen, die sich einsetzen für einen Frieden, der kein falscher Friede wird, für einen Frieden, in dem es nur Gewinner und keine Verlierer gibt.
Für alle Menschen, die als Flüchtlinge auf dieser Welt umherirren, nirgends willkommen sind, die auf der Flucht ertrinken, verdursten, erfrieren weil Grenzen abgeschottet werden.
Für alle Menschen, die sich nicht damit abfinden, dass Menschen ausgegrenzt werden, dass Menschen nicht geholfen wird, dass Europa dem Sterben an den Außengrenzen tatenlos zusieht und die sich immer wieder einsetzen, helfen, auch wenn sie selbst kriminalisiert werden.
Für alle Menschen, die protestieren gegen die Sorglosigkeit, mit der wir mit unserer Erde umgehen, die eine radikale Umkehr fordern, einen neuen Weg der Klimagerechtigkeit und des Umweltschutzes, auch wenn die Art ihres Protestes manchmal zu radikal und falsch erscheint.
Für uns, die wir auf der Suche nach unserer persönlichen Sicherheit und Bequemlichkeit unser Christsein gerne mal aus unserem täglichen Leben ausblenden.
Für alle, die ehrlich nach Wegen suchen, die von Johannes geforderte Umkehr Frucht tragen zu lassen, innerhalb und außerhalb unserer Kirchen.
Für unsere Verstorbenen, deren Weg auf dieser Erde zu Ende gegangen ist: Nur Du allein weißt um ihren Glauben: nimm sie auf in Deine Herrlichkeit.
Herr Jesus Christus,
wir wollen umkehren, wenn es uns auch nicht immer gelingt.
Mit Deiner Hilfe können wir es schaffen. - Amen
© Edith Furtmann, familie.furtmann@t-online.de
Herr Jesus Christus,
der Täufer hat dich angekündigt als den, der mit Hl. Geist und Feuer tauft.
Wir bitten dich:
Erfülle mit dem Hl. Geist all jene, denen in der Kirche, in der Welt und in der Gesellschaft besondere Verantwortung übertragen worden ist.
Christus, höre uns…
Lege Glut für Liebe und Hilfsbereitschaft, Versöhnung und ein gutes Miteinander in die Herze aller Menschen.
Schenke durch den Hl. Geist Kraft allen, die um ihres Glaubens Willen verfolgt oder misshandelt werden.
Entzünde das Feuer des Hl. Geistes in unseren eigenen Herzen, damit wir unseren Glauben immer wieder neu lebendig leben.
Hilf allen, die du zu einer besonderen Aufgabe berufst, aus der Kraft des Hl. Geistes ihr Ja zu sagen.
Alle Verstorbenen nimm auf in die Gemeinschaft mit dir, dem Vater und dem Hl. Geist.
Herr Jesus Christus,
den Hl. Geist willst du über uns ausgießen.
Er begleitet uns, wenn wir uns ihm anvertrauen.
Dafür danken wir dir. – Amen.
Barmherziger Gott,
wir bekennen, dass wir immer wieder versagen
und uns nicht auf unsere Verdienste berufen können.
Komm uns zu Hilfe, ersetze, was uns fehlt,
und nimm unsere Gebete und Gaben gnädig an.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Adventssonntag
Herr, unser Gott,
du schenkst uns den Frieden
und gibst uns die Kraft, dir aufrichtig zu dienen.
Laß uns dich mit unseren Gaben ehren
und durch die Teilnahme
an dem einen Brot und dem einen Kelch
eines Sinnes werden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 23. Sonntag im Jahreskreis
4. Januar, 7.Januar
Herr unser Gott,
wir bringen das Opfer deines Sohnes dar,
das die Menschheit mit dir versöhnt.
Er, der für uns gestorben ist,
schenke allen Völkern Einheit und Frieden,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Christkönigsonntag
Kehrvers:
"Wir loben dich, wir danken dir, wir beten dich an"
(aus dem Gloria GL 131)
Lasst uns Gott unseren Dank und unseren Lobpreis darbringen:
Heiliger Gott und Vater, wir preisen dich und danken dir,
dass du uns in deiner Barmherzigkeit die Möglichkeit zur Umkehr lässt.
Kehrvers
Wir danken dir,
dass du uns durch prophetische Menschen immer neu zur Umkehr rufst.
Du forderst uns auf,
die Straßen auf denen der Messias zu uns kommt,
zu ebnen und ihm den Weg zu bereiten.
Kehrvers
Wir danken dir für die Taufe,
durch die wir deine Töchter und Söhne geworden sind.
Durch sie hast du uns mit deinem Heiligen Geist ausgestattet,
Er befähigt uns, Früchte hervor zu bringen, die dir gefallen.
Kehrvers
Wir danken dir,
dass wir deinen Sohn Jesus Christus erwarten dürfen
der unserer Welt endgültige Gerechtigkeit und endgültigen Frieden bringen wird.
Wir stimmen ein in den Lobgesang aller Heiligen und singen:
Danklied, z. B.: Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben (GL 484)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Von ihm redet die Botschaft aller Propheten,
die jungfräuliche Mutter trug ihn voll Liebe in ihrem Schoß,
seine Ankunft verkündete Johannes der Täufer
und zeigte auf ihn,
der unerkannt mitten unter den Menschen war.
Er schenkt uns in diesen Tagen die Freude,
uns für das Fest seiner Geburt zu bereiten,
damit wir ihn wachend und betend erwarten
und bei seinem Kommen
mit Liedern des Lobes empfangen.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Advent 2
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel,
zu danken und dein Erbarmen zu preisen.
Denn schon leuchtet auf der Tag der Erlösung,
und nahe ist die Zeit unsres Heiles,
da der Retter kommt
unser Herr Jesus Christus.
Durch ihn rühmen wir das Werk deiner Liebe
und vereinen uns mit den Chören der Engel
zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
Präfation vom Advent 5
Gott
Segne diese Zeit des Advents,
dass sie für uns eine Zeit
der liebevollen Zuwendung wird.
Berühre unsere Augen,
damit alle Blindheit von uns abfällt,
und wir erkennen,
wo uns Menschen brauchen.
Öffne unsere Ohren,
damit sie hellhörig werden
für die Nöte der Menschen um uns.
Wecke neu in uns die Kräfte des Herzens,
damit wir Menschen der Hoffnung sind
und Freude und Zuversicht ausstrahlen.
Gott segne diese Zeit des Advents
und segne uns,
damit wir liebende Menschen werden können.
Herr, unser Gott,
im heiligen Mahl
hast du uns mit deinem Geist erfüllt.
Lehre uns durch die Teilnahme an diesem Geheimnis,
die Welt im Licht deiner Weisheit zu sehen
und das Unvergängliche mehr zu lieben
als das Vergängliche.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Adventsonntag
Allmächtiger Gott,
du hast uns von den alten
zu den neuen Zeichen des Heils hinübergeführt.
Lass uns die Gewohnheiten des alten Menschen ablegen
und neu werden in Heiligkeit und Gerechtigkeit.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Freitag der 4. Woche der Fastenzeit
Allmächtiger Gott,
das heilige Sakrament, das wir empfangen haben,
sei uns Nahrung und Schutz.
Es mache uns froh
und schenke uns den wahren Frieden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Advent 20. Dezember
Gott der Geduld und des Trostes,
wir bitten dich,
schenke uns wieder neu eine Hoffnung
auf das Ankommen deines Sohnes bei uns,
damit wir die Kraft finden, in seinem Auftrag
in und an der Welt und unseren Mitmenschen zu handeln.
Dir, der du mit ihm und dem Hl. Geist lebst,
sei unser Lob und Dank, jetzt und für alle Zeit.
Der barmherzige Gott
hat uns den Glauben an das Kommen seines Sohnes geschenkt;
er segne und heilige uns durch das Licht seiner Gnade. - Amen.
Er mache uns stark im Glauben, froh in der Hoffnung
und eifrig in Werken der Liebe. - Amen.
Die erste Ankunft des Erlösers sei uns ein Pfand der ewigen Herrlichkeit,
die er uns schenken wird, wenn er wiederkommt auf den Wolken des Himmels. - Amen.
Das gewähre uns der dreieinige Gott,
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. - Amen.
MB Segen Advent
Als Geschenk empfangen
zuerst zweifelnd nicht erkannt
Sein Name bringt Erlösung
zeigt Gottes Gnade auf
Er spürt seine Bestimmung
als Wegbereiter
als Rufer in der Wüste
als Täufer
Er erfüllt seine Aufgabe
Ilse Pauls 2022
A aufmachen
D Durststrecken ertragen
V verlorengeglaubtes Vertrauen wiederfinden
E ersehnen
N noch Hoffnung haben
T Tor und Tür des Herzens öffnen
adventlich unterwegs sein
an jedem Tag
weil sein Kommen
täglich geschehen kann
nicht nur im Advent
Beatrix Senft 2022
Wüstenrufer
du Johannes
zurückgezogen
allen „Weltenglanz“
abgelegt
einfache Kleidung
nur das Lebensnotwendigste haben
und doch alles
eine Überzeugung
die du auch
den scheinbar tauben Ohren
zurufst
du mahnst und
warnst
du siehst
die Not
du rufst
und forderst auf
zur Umkehr
und bezeugst
das Heil ist nahe
auch wir
in großer Not
wir
2022
und so viele Rufer
so viele Stimmen
pro und
contra
so viele Stimmen
die meinen zu wissen
und doch nicht wissen
wie und
wann
doch eins ist sicher
das Heil
kommt nicht vom
Gegeneinander
das Heil kommt
auch heute
nur aus der einen Botschaft
uns in Liebe und
mit Verständnis
zu begegnen
damit Leben für alle
möglich bleibt
Beatrix Senft 2022
da liegt sie vor mir
diese Knolle
sieht aus
wie zusammengerollter Heckenschnitt
geordnet
und doch irgendwie gekraust
bei der Aufnahme in meine Hand
widerspenstig
wie ein Yuccaschwamm
und
riecht nach Erde
in sich zusammengezogen –
als Schutz –
auf der Unterseite aussehend
wie ein Vogelnest
die Rose von Jericho
auch Wüstenrose genannt
im Betrachten
kann ich nicht wissen
wie alt sie ist
sie kann fast unendlich alt sein
lege ich sie in eine Schale
und
übergieße ich sie mit warmem Wasser
und
ganz langsam
entfaltet sie sich
streckt sich mir entgegen
ganz vorsichtig
Zweig für Zweig
bis sie sich –
wie eine Schale –
ganz geöffnet hat
eine Wüste
die nach Erde riecht
und
neu erblüht
mitten im „Wüstengeschehen“
öffnet sie sich
wird zum neuen „Reis“
gebiert sich neu
und
muss sich später wieder
in ihr „Wüstensein“ begeben
weil sie sonst fault
Rhythmus des Lebens
HOFFNUNGSPFLANZE
ja Hoffnungszeichen
auch ich darf
und kann neu erblühen –
mitten
in den Wüstenerfahrungen
meines Lebens
darf mich beschenken lassen
von der lebensspendenden
Kraft des Glaubens
sie wird mir geschenkt
ist für mich bereit
bin auch ich bereit?
Beatrix Senft 2022
Starker Tobak, den Johannes uns da zumutet: „schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt, wieso glaubt ihr, ihr könntet dem Zorngericht entrinnen?“.
Wir sind doch damit nicht gemeint, oder? Wir erfreuen uns lieber an den Friedensbildern des Jesaja, denn wir sind weder Frevler noch Pharisäer. Oder?
Wir beten, wir feiern Gottesdienst, wir spenden, wir geben manchmal auch den Obdachlosen und Bettlern, sprechen sie vielleicht sogar auf Augenhöhe an: Wir sind doch die Guten.
Ja? Immer? Kennen wir nicht auch den Gedanken „der schon wieder, der nervt“ und gehen Menschen aus dem Wege, die aber vielleicht gerade unsere Zuwendung benötigen?
Verurteilen wir vielleicht die Klimakleber, wie die Aktivisten jetzt genannt werden, ob ihres Handelns – obwohl es deutlich unfriedlichere Proteste gibt, bei denen wir wegschauen – damit wir nicht hingucken müssen? Versuchen wir nicht auch, unser Leben wie gewohnt durch die Zeit zu retten, obwohl wir wissen, dass sich radikal etwas ändern müsste? Dass es Menschen gibt, die ohne Hilfe keine Chance haben, hier bei uns, aber auch auf dem Mittelmeer, an den Europäischen Außengrenzen in den Winterwäldern, in den Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt? Die wenigsten von uns ändern ihr Leben radikal – ich auch nicht. Auch ich bin keine Heilige. Habe ich dann das Recht, über andere zu urteilen? Oder muss ich mir nicht vielleicht doch an die eigene Nase fassen, immer und immer wieder?
Das Schöne ist: wir haben die Chance, neu anzufangen, immer und immer wieder. Versuchen wir es doch einfach: gucken wir in diesem Advent bewusst dahin, wo wir gefehlt haben, und sei es nur aus Gewohnheit oder Nachlässigkeit. Versuchen wir einmal, an jedem Tag in einer Situation anders zu entscheiden. Es wäre ein Anfang. Vielleicht wird dann die Frucht der Umkehr erkennbar: wenn Worte zu Taten werden, ganz im positiven Sinn.
© Edith Furtmann, familie.furtmann@t-online.de
Edith Furtmann 2022.
Text: Paul Weismantel, Musik: Reinhard Burchhardt.
Alternative treten auf
wo Eliten versagen
Umkehr ist angesagt
JETZT
die Stimme des Lautlosen hören
die Seele braucht Stille
um sich vor Ausbeutung zu schützen
und dem Nach-Sinnen
Raum zu geben
Worauf
kommt es denn wirklich an
im Leben?
Stimmt die Richtung …
Höre ich die richtige Stimme?
Gott bietet sich an
als Bezugspunkt
für Sinn und Erfüllung
Was brauche ich mehr?
Ergreife ich diese Chance?
Sie ist mir gegeben
Vielleicht nicht augenscheinlich
aber augenblicklich!
Und ich höre in mich hinein:
Wo konkret will ICH umkehren
in diesem Advent
woraus hin will ich leben?
Durch das Bild des "Tierfriedens" zeichnet Jes 11 die neue Welt, die der Messias, der neue Hoffnungskönig bringen wird. Jesaja beantwortet die Frage, was denn für ein Reich der Messias bringen wird, mit dem Bild von einem Kind, das ungefährdet lebt und arglos spielen kann. Wie Jesus in Mk 10 so stellt auch Jesaja ein Kind ins Zentrum. Das Kind bekommt die höchste Aufmerksamkeit. Wenn wehrlose Kinder nicht mehr in Gefahr sind, sondern spielend leben können, dann wird die Gottesherrschaft verwirklicht. Das ungefährdete Leben des Kindes, das macht das neue Reich des Messias aus. Wenn kein Kind mehr gefährdet ist, dann ist die Welt wirklich neu. Dann herrschen andere Verhältnisse als jetzt, dann stehen die Gewaltverhältnisse der Gegenwart auf dem Kopf - und mit ihm die ganze bekannte Ordnung.
Katholisches Bibelwerk e.V. 2016.
Was die Einigkeit, die Eintracht und den Frieden unter den verschiedenartigen und ihrer Natur nach entgegengesetzten und untereinander feindlichen Tieren betrifft, so sagen darüber die Ältesten, dass es beim Wiederkommen Christi auch wirklich so sein wird, wenn er über alle herrschen wird. Denn somit deutet er in symbolischer Weise an, dass sich Menschen von ganz verschiedener Abstammung durch den Namen Christi in Einigkeit und Frieden versammeln. Das ist die Versammlung der Gerechten, die mit den Rindern und den Lämmern und den Böcklein und den Kindern verglichen werden, weil sie niemandem Schaden zufügen, während sie in früherer Zeit durch ihre Erpressungen wie wilde Tiere waren, sowohl die Männer als auch die Frauen, so dass manche von ihnen den Wölfen und Löwen ähnlich wurden, da sie die Schwachen beraubten und mit ihresgleichen Krieg führten; die Frauen aber wurden ähnlich den Panthern und den Ottern, die durch tödliche Gifte oder durch ihre Begierden sogar ihre Lieben zu töten imstande waren. In dem einen Namen versammelt, nehmen sie dank der Gnade Gottes rechte Sitten an, indem sie ihre wilde und rohe Natur ändern. Was auch jetzt geschehen ist; denn diejenigen, die früher Übeltäter waren, so dass sie kein frevelhaftes Werk unterlassen konnten, wurden, nachdem sie Christus kennen gelernt und an ihn geglaubt haben, ganz gläubig und änderten sich, so dass sie von der strengsten Gerechtigkeit nicht ließen. So viel Veränderung wirkt der Glaube an Christus, den Sohn Gottes, in denen, die an ihn glauben“' (Irenäus, Darlegung 61).
http://www.geistige-schriftauslegung.de/artikel/art000200.pdf
Du bist verirrt?
Schau nur voraus!
Da ist schon einer,
der dich führen will!
Du bist erschöpft?
Schau hinter dich!
Da kommt schon einer,
der dich stützen will!
Du bist verzagt?
Schau neben dich!
Da steht schon einer,
der dich trösten will.
Du bist verletzt?
Schau über dich hinaus!
Da wartet einer,
der dich heilen will!
Aus: Elisabeth Alferink, Auf den Spuren des Jakobus. Mein spiritueller Wegbegleiter. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2003.
Tut sich was auf dem Weg nach Weihnachten
Tut sich was auf
Auf-tun
Auf Weihnachten zu
Auf oder zu
Weihnachten
Gott, heilger Schöpfer aller Stern,
erleucht uns, die wir sind so fern,
daß wir erkennen Jesus Christ,
der für uns Mensch geworden ist.
Denn es ging dir zu Herzen sehr,
da wir gefangen waren schwer
und sollten gar des Todes sein;
drum nahm er auf sich Schuld und Pein.
Da sich die Welt zum Abend wandt,
der Bräut'gam Christus ward gesandt.
Aus seiner Mutter Kämmerlein
ging er hervor als klarer Schein.
Gezeigt hat er sein groß Gewalt,
daß es in aller Welt erschallt,
sich beugen müssen alle Knie
im Himmel und auf Erden hie.
Wir bitten dich, o heilger Christ,
der du zukünftig Richter bist,
lehr uns zuvor dein' Willen tun
und an dem Glauben nehmen zu.
Lob, Preis sei, Vater, deiner Kraft
und deinem Sohn, der all Ding schafft,
dem heilgen Tröster auch zugleich
so hier wie dort im Himmelreich.
Amen.
Thomas Müntzer (1523) nach dem Hymnus "Conditor alme siderum", in: EG 3, GL 230.
Und suchst du meine Sünde,
flieh ich von dir zu dir,
Ursprung, in den ich münde,
du fern und nah bei mir.
Wie ich mich wend und drehe,
geh ich von dir zu dir;
die Ferne und die Nähe
sind aufgehoben hier.
Von dir zu dir mein Schreiten,
mein Weg und meine Ruh,
Gericht und Gnad, die beiden
bist du - und immer du.
Schalom Ben-Chorin (um 1950), in: EG 237.
Ich ließ meinen Engel lange nicht los,
und er verarmte mir in den Armen
und wurde klein, und ich wurde groß;
und auf einmal war ich das Erbarmen,
und er eine zitterende Bitte bloß.
Da hab ich ihm seine Himmel gegeben, -
Und er ließ mir das Nahe, daraus er entschwand;
Er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,
und wir haben langsam einander erkannt.
Rainer Maria Rilke, Die Gedichte, itb 2246, Frankfurt a. M. und Leipzig: Insel 1998.
Veränderung
Wandlung
Wachstum
Umkehr
Braucht Zeit
Geschieht
Passiert
Unterwegs auf neuen Wegen
Bin ich
Ich will wachsen
Alleine
Ich brauche Raum und Zeit
Um herauszufinden
Was in mir ist
Und die Zeit
Wird mir eine Antwort geben…
Aus: Petra Focke, Hermann Josef Lücker (Hrsg); Gott und die Welt. Gebete und Impulse für junge Menschen in allen Lebenslagen. Keine Verlagsangabe, keine Jahresangabe
Öffne dich, Himmel
und regne herab
Frieden und Gerechtigkeit
Freude und Kraft
Freundschaft und Liebe
Öffne dich, Himmel
und verschlinge
den Tod und die Tränen
die Not und das Leiden
Aus: Anton Rotzetter; Gott, der mich atmen lässt. Gebete. Herder Verlag Freiburg – Basel – Wien 1986
Meine Seele, wenn du willst,
hast du eine Aufgabe, einen großen Auftrag:
Erkenne dich selbst, dein Sein
und den Plan, den Gott mit dir hat.
Woher kommst du und wo ist dein Ziel?
Denke nach, ob du wirklich lebst,
oder willst du nicht mehr?
Meine Seele, du hast eine Aufgabe;
deshalb führe ein Leben in der Läuterung.
Denke nach über Gott und seine Geheimnisse.
Frage dich: Was existierte vor dieser Welt?
Was bedeutet sie dir?
Woher kommt sie, und wohin führt dein Weg?
Führe ein Leben in der Läuterung.
In seinen Predigten nahm Johannes Jesaja 40,3 auf: "Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg!" Johannes wandte dies auf sich an, indem er in der judäischen Wüste und in der Nähe des Jordanufers predigte und dort auch die Bußfertigen taufte. Die Wüste selbst ist eine steile, felsige, unfruchtbare Gegend, fast ohne Vegetation. Obwohl der Jordan teilweise hindurchfließt, ist diese Gegend schwer zu erreichen und lag außerhalb des Herrschaftsgebietes von Herodes Antipas in Galiläa, wo Johannes zumindest eine Zeitlang wirkte.
Aus: Martin Woodrow, E.P. Sanders; Große Gestalten der Bibel Südwestverlag München 1987
Ich weiß, wie hartnäckig mein Widerstand ist, wie schnell ich das Dunkel statt das Licht wähle. Aber ich weiß auch, dass du nicht müde wirst, mich in das Licht zu rufen, in dem ich nicht nur meine Sünden, sondern auch dein gütiges Antlitz sehen kann. Sei mir nahe (...), damit ich ein echtes Zeichen der Hoffnung sein kann, nicht durch das, was ich bin, sondern durch das, was du in mir wirkst.
Dank dir, Herr, dass du mir wieder Gelegenheit gibst, dir auf dem Weg zu begegnen. Lob und Preis sei dir jetzt und für immer. Amen.
Aus: Henri J.M. Nouwen; Gebete aus der Stille. Herder Verlag Freiburg – Basel – Wien 1982

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
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Erich Zenger hat im 1. bis zum 11. Kapitel vier Mal diese Folge Sünde - Katastrophe - Wiederherstellung gesehen. Aus dieser Folge heraus bekommt diese Lesung als letzter Teil eine eindringliche Bedeutung für den Leser: immer wieder erscheint JHWH als einer, der Erbarmen hat mit seinem Gottesvolk, der in seiner göttlichen Pädagogik sein Volk nicht zerstören, sondern letztendlich erbauen will.
In der Lesung findet Jesaja dafür wunderschöne Bilder der Sehnsucht, die Wirklichkeit werden, die aber auch wiederum in Beziehung zu anderen ersttestamentlichen Stellen stehen. Die ganze Einheit der Bibelstelle hat ihr Ende erst in Vers 16, woran sich das Danklied der Geretteten anfügt. Der ganze Text eignet sich für die persönliche Bibellektüre ausserordentlich gut und ist nur zu empfehlen.
Die Lesung hat zwei Teile: In den ersten 5 Versen wird beschrieben, was mit und durch den Messias geschieht. Der zweite Teil ab Vers 6 beschreibt die paradiesische Vision.
Vor dieser Zeit gibt es aber auch die Zeit von Untergang und Leid. Der Spross kommt aus dem Baumstumpf. Es ist also vorher der Baum gefällt oder in sich zusammengefallen - wie das davidische Reich Israels.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive