Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Jesaja.
Jubeln werden die Wüste und das trockene Land,
jauchzen wird die Steppe und blühen wie die Lilie.
Sie wird prächtig blühen
und sie wird jauchzen, ja jauchzen und frohlocken.
Die Herrlichkeit des Libanon wurde ihr gegeben,
die Pracht des Karmel und der Ebene Scharon.
Sie werden die Herrlichkeit des HERRN sehen,
die Pracht unseres Gottes.
Stärkt die schlaffen Hände
und festigt die wankenden Knie!
Sagt den Verzagten: Seid stark,
fürchtet euch nicht!
Seht, euer Gott!
Die Rache kommt, die Vergeltung Gottes!
Er selbst kommt und wird euch retten.
Dann werden die Augen der Blinden aufgetan
und die Ohren der Tauben werden geöffnet.
Dann springt der Lahme wie ein Hirsch
und die Zunge des Stummen frohlockt.
Die vom HERRN Befreiten kehren zurück
und kommen zum Zion mit Frohlocken.
Ewige Freude ist auf ihren Häuptern,
Jubel und Freude stellen sich ein,
Kummer und Seufzen entfliehen.
Lesung aus dem Buch Jesaja.
Jubeln werden die Wüste und das trockene Land,
jauchzen wird die Steppe und blühen wie die Lilie.
Sie wird prächtig blühen
und sie wird jauchzen, ja jauchzen und frohlocken.
Die Herrlichkeit des Libanon wurde ihr gegeben,
die Pracht des Karmel und der Ebene Scharon.
Sie werden die Herrlichkeit des HERRN sehen,
die Pracht unseres Gottes.
Stärkt die schlaffen Hände
und festigt die wankenden Knie!
Sagt den Verzagten: Seid stark,
fürchtet euch nicht!
Seht, euer Gott!
Die Rache kommt, die Vergeltung Gottes!
Er selbst kommt und wird euch retten.
Dann werden die Augen der Blinden aufgetan
und die Ohren der Tauben werden geöffnet.
Dann springt der Lahme wie ein Hirsch
und die Zunge des Stummen frohlockt,
denn in der Wüste sind Wasser hervorgebrochen
und Flüsse in der Steppe.
Der glühende Sand wird zum Teich
und das durstige Land zu sprudelnden Wassern.
Auf der Aue, wo sich Schakale lagern,
wird das Gras zu Schilfrohr und Papyrus.
Dort wird es eine Straße, den Weg geben;
man nennt ihn den Heiligen Weg.
Kein Unreiner wird auf ihm einherziehen;
er gehört dem, der auf dem Weg geht,
und die Toren werden nicht abirren.
Es wird dort keinen Löwen geben,
kein Raubtier zieht auf ihm hinauf,
kein einziges ist dort zu finden,
sondern Erlöste werden ihn gehen.
Die vom HERRN Befreiten kehren zurück
und kommen zum Zion mit Frohlocken.
Ewige Freude ist auf ihren Häuptern,
Jubel und Freude stellen sich ein,
Kummer und Seufzen entfliehen.
Kv: Komm, o Herr, und erlöse uns! - Kv
(Oder: Halleluja, oder GL 229)
Der HERR ist es, der Himmel und Erde erschafft, /
das Meer und alles, was in ihm ist. *
Er hält die Treue auf ewig.
Recht schafft er den Unterdrückten, /
Brot gibt er den Hungernden, *
der HERR befreit die Gefangenen. - Kv
Der HERR öffnet die Augen der Blinden, *
der HERR richtet auf die Gebeugten,
*der HERR liebt die Gerechten.
Der HERR beschützt die Fremden. - KV
Er hilft auf den Waisen und Witwen, *
doch den Weg der Frevler krümmt er.
Der HERR ist König auf ewig, *
dein Gott, Zion, durch alle Geschlechter. - Kv
Lesung aus dem Jakobusbrief.
Schwestern und Brüder, haltet geduldig aus
bis zur Ankunft des Herrn!
Siehe, auch der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde,
er wartet geduldig auf sie,
bis Frühregen oder Spätregen fällt.
Ebenso geduldig sollt auch ihr sein;
macht eure Herzen stark,
denn die Ankunft des Herrn steht nahe bevor.
Klagt nicht übereinander, Brüder und Schwestern,
damit ihr nicht gerichtet werdet!
Seht, der Richter steht schon vor der Tür.
Brüder und Schwestern, im Leiden und in der Geduld
nehmt euch die Propheten zum Vorbild,
die im Namen des Herrn gesprochen haben!
Der Jakobusbrief gehört mit einigen anderen kleinen Briefen des Neuen Testamentes zur Gruppe der sog. Katholischen Briefe: Sie gehen nicht an eine bestimmte Gemeinde wie die Paulus-Briefe, sondern an einen größeren Verteiler. Den Verfasser zu erkennen ist schwierig - die Person des Jakobus ist schwer auszumachen.
Der ganze Brief enthält Mahnungen zur Gestaltung eines christlichen Lebens. Eine interessante theologische Komponente ist die Haltung in der Frage des Gnadenerwerbs: Gegen Paulus - grob skizziert - hält Jakobus: Glaube und Taten aus dem Glauben gehören zusammen, der Glaube allein reicht nicht.
Die vorliegende Perikope ermahnt die Menschen, auch in Bedrängnis auszuharren und weder vom Glauben zu lassen noch von Taten der Liebe.
Halleluja. Halleluja.
Der Geist des Herrn ruht auf mir.
Der Herr hat mich gesandt,
den Armen die Frohe Botschaft zu bringen.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit
hörte Johannes im Gefängnis von den Taten des Christus.
Da schickte er seine Jünger zu ihm
und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll,
oder sollen wir auf einen anderen warten?
Jesus antwortete ihnen:
Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht:
Blinde sehen wieder und Lahme gehen;
Aussätzige werden rein und Taube hören;
Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium verkündet.
Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.
Als sie gegangen waren,
begann Jesus zu der Menge über Johannes zu reden:
Was habt ihr denn sehen wollen,
als ihr in die Wüste hinausgegangen seid?
Ein Schilfrohr, das im Wind schwankt?
Oder was habt ihr sehen wollen, als ihr hinausgegangen seid?
Einen Mann in feiner Kleidung?
Siehe, die fein gekleidet sind,
findet man in den Palästen der Könige.
Oder wozu seid ihr hinausgegangen?
Um einen Propheten zu sehen?
Ja, ich sage euch:
sogar mehr als einen Propheten.
Dieser ist es, von dem geschrieben steht:
Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her,
der deinen Weg vor dir bahnen wird.
Amen, ich sage euch:
Unter den von einer Frau Geborenen ist kein Größerer aufgetreten
als Johannes der Täufer;
doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er.
Das Evangelium stellt Johannes den Täufer und Jesus gegenüber. Es greift dabei auf eine Überlieferung zurück, die sowohl Lukas als auch Matthäus vorgelegen hat. Im 4. Kapitel berichtet Matthäus, dass Johannes der Täufer ins Gefängnis geworfen worden sei. Beim Auftreten Jesu ist also die Zeit des Propheten Johannes bereits vorbei. Die christlichen Gemeinden schätzten Johannes so sehr, dass sich die Frage erhob, in welchem Verhältnis er zu Jesus steht, zumal die Anhängerschaft des Johannes auch nach dessen Tod Gemeinden bildete (vgl. Apg 19,1-7). Als Antwort darauf hat sich unter den Christen offenbar die Formel durchgesetzt, Johannes sei der erwartete Vorläufer (vgl. Ex 23,20 und Mal 3,1), Jesus hingegen der Messias. So harmonisch, wie dies die Evangelien darstellen, dürften beide Propheten jedoch nicht zusammengepasst haben. Johannes trat als Buß- und Gerichtsprediger auf. Wer nicht dem Willen Gottes folge, verfalle dem Gericht (vgl. Mt 3,7-10). Ihn musste die Predigt Jesu irritieren, der sich mit Zöllner und Sündern abgab, den Anbruch des Reiches Gottes ausrief und als Heilsprediger allen "Armen" das Heil zusprach. Niederschlag hat diese Auseinandersetzung in der vorliegenden Szene gefunden. Johannes schickt zu Jesus und lässt fragen, ob er der erwartete Messias sei. Jesus antwortet nicht mit einem Ja oder Nein, sondern zitiert aus dem Propheten Jesaja (vgl. Jes 35,5 und 61,1). Dort wird die Heilung der Kranken als Zeichen des erwarteten Heiles (vgl. 1. Lesung) angekündigt. Bei Matthäus und Lukas wird die vorliegende Liste noch um "Aussätzige werden rein" und "Tote stehen auf" erweitert. Diese Zeichen entsprechen dem, was Matthäus in den vorangehenden Kapiteln als Worte und Taten Jesu beschreibt. Im zweiten Abschnitt bezeugt Jesus seinen Respekt vor dem Propheten Johannes und kennzeichnet ihn ausdrücklich als den Vorläufer. Er stellt aber auch klar heraus, dass mit dem Messias und mit dem Anbruch des Himmelreiches eine ganz neue, mit der bisherigen unvergleichbare Zeit angebrochen sei.
In der vorliegenden Perikope geht es um eine (indirekte) Begegnung zwischen Jesus und dem Täufer Johannes. Johannes war Zeuge des Geredes über den Mann aus Nazareth und wollte mehr wissen: Es ging schließlich für ihn darum, ob sich mit diesem Jesus seine Verheißung erfüllen sollte. Damit beschreibt der Text eine wichtige Scharnierstelle zwischen Altem und Neuem Bund.
Auf die Frage des Johannes, ob er jener sei, auf den sie warten, antwortet Jesus mit einem Rückgriff auf das Prophetenbuch Jesaja. Er gibt sich damit als jener zu erkennen, der die Verheißungen der Alten erfüllt: Die Visionen des Jesaja werden mit Jesus Wirklichkeit. Johannes wiederum wird - mit dem Propheten Elija als Vorlage - als der bezeichnet, der dem Übergang vom Alten zum Neuen den Weg bereitet.
Die verschiedenen Rückgriffe auf die Verkündigung des Alten Bundes zeigen an, dass der Evangelist Matthäus und all jene, die die gleiche Erzählvorlage benutzen, Jesus als Vollender einer immer schon dagewesenen Verheißung darstellen wollen, nicht als Revolutionär und Begründer von etwas ganz Anderem und völlig Neuem.
Was gibt uns Grund, uns zu freuen, in eine Zeit, die rundum Angst verbreitet? Jesaja verweist auf Gott, der selbst kommen und uns retten wird. Jesus lässt Johannes dem Täufer im Gefängnis ausrichten, dass jene verheißene Zeit bereits sichtbar sei.
Ein Sonntag im Advent, der „Gaudete“ heißt – "freuet euch" – wird uns fröhlich machen! Dafür sorgen Texte aus Jahrhunderten – und Menschen, die die Freude schon gefunden haben. Kommen Sie doch mit!
Drei Gründe gibt’s dafür:
Jesaja, Prophet in hoffnungsloser Zeit, sieht eine Zeit kommen, in der nichts mehr so ist wie es einmal war. Sogar der Sand lacht! Die Steppe blüht! Unmöglich, eigentlich. Was Jesaja sieht, was er kommen sieht, das erzählt er. Traurige Menschen hören zu. Menschen, die mit den Zeitläufen nicht zu Recht kommen. Menschen, die ihre eigenen Geschichten schon abgeschrieben haben. Warum jetzt etwas Neues kommt? Die Herrlichkeit Gottes erscheint! Jesaja weiß, was er sagt. Schwierig zu sagen, ob Menschen darauf warten. Worauf warten wir dann? Dass wir andere Nachrichten hören als die, die jeden Tag neuen Ungeist verbreiten? Dass in der selbstgemachten Hektik irgendwo ein Lichtlein durchscheint? Dass im Gewirr der Erwartungen nicht Enttäuschungen wachsen? Worauf warten wir?
Ich will es nur festhalten, es steht geschrieben:
„Stärkt die schlaffen Hände
und festigt die wankenden Knie!
Sagt den Verzagten: Seid stark,
fürchtet euch nicht!
Seht, euer Gott!“
Der, der die Welt geschaffen hat, sie in seinen Händen hält, richtet uns auf. Er richtet uns auf, damit wir schlaffe Hände stärken und wankende Knie festigen, damit wir den Verzagten Mut machen.
Ich denke an Menschen, die keine Kraft mehr in ihren Händen haben. Es fällt alles hin, was sie in die Hand nehmen. Selbst eine Zeitung ist zu schwer. Das mitzubekommen, macht Angst. In einem Altenheim, in einem Hospiz. In meinem Zivildienst, lange ist es her, habe ich Kinder kennengelernt, die nie etwas in ihren Händen tragen werden. Aber sie lachten! Über so manches Gesicht huscht ein Lächeln. So manche Hand, die nichts mehr hält, birgt doch die ganze Welt.
Ich denke an Menschen, die in ihren Beinen keine Kraft mehr haben. Die Knie versagen. In der Rehaklinik, nach einer Knie-OP, lernen Menschen neu gehen. Manche von ihnen erleben das wie eine neue Geburt nach unendlich langen Schmerzen und der Unentschiedenheit, sich unters Messer zu legen. Jesaja spricht davon, wankende Knie zu festigen. OP’s kannte er noch nicht. Aber er hat doch viel mehr im Blick: Im Leben vieler Menschen tragen nicht nur Knie nicht, ihnen schwankt der Boden unter den Füßen. Sie verlieren ihre Heimat.
Über allem steht:
"Fürchtet euch nicht!
Seht, euer Gott!"
Ihn an der Seite zu wissen, lässt Hoffnungen wachsen. Hände lernen wieder, die Welt zu halten – und Füße, in die Freiheit zu eilen.
„Dann werden die Augen der Blinden aufgetan
und die Ohren der Tauben werden geöffnet.
Dann springt der Lahme wie ein Hirsch
und die Zunge des Stummen frohlockt.“
Ich finde, dass man gar nicht so viel dazu sagen muss: Wir sollen uns mitfreuen!
Gaudete!
Jahrhunderte liegen dazwischen. Zwischen Jesaja und dem Apostel Jakobus. Er ist ein wenig nach hinten im Neuen Testament verbannt und kommt mit Petrus, mit Paulus kaum mit. Aber der Eindruck täuscht! Wir haben in seinem Brief gelesen:
„Macht eure Herzen stark,
denn die Ankunft des Herrn steht nahe bevor.“
Die kleinen christlichen Gemeinden, die sich zusammengefunden haben, stehen auch vor der Frage, wie weit denn die Hoffnung reicht – und wie lange man das aushalten kann. In einer Welt, die immer schon voller Ungerechtigkeit, Hass und Angst war.
Jakobus gebraucht ein Bild aus der bäuerlichen Welt: Es wird gesät – und dann? Gewartet! Die zarten Pflanzen lassen sich nicht ziehen, ohne sie kaputt zu machen. Sie wachsen. Die Tage kommen mit Sonnenschein und Mondesglänzen, mit Regen und Sturm. Alles normal. Nichts Besonderes. Aber in diesem Gleichmaß liegt eine große Kraft: Es gibt Früchte, Früchte im Übermaß. Aus eins wird hundert, tausend und mehr.
Originalton Jakobus:
„Ebenso geduldig sollt auch ihr sein;
macht eure Herzen stark,
denn die Ankunft des Herrn steht nahe bevor.
Klagt nicht übereinander, Brüder und Schwestern…“
Was sich zunächst ganz fromm anhört, bekommt eine sehr menschliche Note:
Klagt nicht übereinander!
Ein großes Problem ist, dass die – auch immer wieder erneuerte Klage über andere – Hoffnung nicht keimen lässt. In der Klage hat die Hoffnung keine Chance. In der Klage wird die Welt festgeschrieben.
Doch die Ankunft des Herrn steht nahe bevor! Es geht nicht so weiter wie bisher. Auch nicht, wie befürchtet. Nicht irgendwelche HERREN kommen (von ihnen gibt es mehr als genug - können auch Frauen sein) – ER kommt, der HERR! Er kommt doch tatsächlich als Kind!
Ich finde, dass man gar nicht so viel dazu sagen muss: Wir sollen uns mitfreuen!
Gaudete!
Dann ist da noch das Evangelium. Matthäus, in der alten Reihenfolge der Evangelisten der erste, erzählt uns davon, wie der Täufer Johannes Jesus fragen lässt, wer er Jesus denn sei. Johannes ist im Gefängnis. Sieht nicht gut aus für ihn. Er hat den Mund wohl auch zu voll genommen. Der König mochte es nicht. Der König mochte ihn nicht. Erst wird ein Mensch mundtot gemacht, dann wird ihm der Kopf abgeschnitten. In diesem Fall sogar als Unterhaltungstück.
Jetzt hören wir Jesus sagen:
„Geht und berichtet Johannes,
was ihr hört und seht:
Blinde sehen wieder und Lahme gehen;
Aussätzige werden rein und Taube hören;
Tote stehen auf
und Armen wird das Evangelium verkündet..“
Das tröstet Johannes! Johannes hat das gepredigt. Mit Leib und Seele. Sie wissen: die Menschen sind zu ihm an den Jordan gepilgert. Johannes hat Umkehr gepredigt, den neuen Anfang – und immer: Das Reich Gottes ist nahe! In dem Wort „nahe“ steckt eine große Gewissheit. Nicht irgendetwas ist nahe – Gott ist nahe! „Nahe“ drückt Vertrautheit aus. Im Raum ist keine Angst. Über den Dächern huschen keine Gespenster. „Nahe“ ist ein anderes Wort für Liebe.
So merkwürdig es klingen mag: In Predigten wird eine neue Welt sichtbar. In Predigten! Auch Jesus hat einen Predigttext. Wieder ist es Jesaja, der ihm Worte leiht:
Blinde sehen, Lahme gehen,
Aussätzige werden rein, Taube hören,
Tote stehen auf
– und dann ganz und gar überraschend:
Armen wird das Evangelium verkündet.
In dieser Reihenfolge ist die Verkündigung des Evangeliums der Höhepunkt, nicht die Totenauferweckung: Wird Gottes Reich angesagt, können Menschen, die keine Hoffnungen mehr haben, die abgeschrieben werden und sich selbst abschreiben, die in ihrem eigenen Leben erstarrt, wie tot, sind, „aufstehen“. Ich bin bei der Vorstellung ganz begeistert: Noch einmal auf die Beine kommen – und gegen Tod und Teufel aufstehen.
Über dem Evangelium, ganz bescheiden formuliert, steht: Geht und berichtet!
Nein, zu Johannes werden wir nicht gehen, ihm auch nichts mehr berichten können. Aber ich weiß, nicht nur zufällig, dass es viele Menschen gibt, zu denen wir gehen können, denen wir noch etwas berichten können.
Ich finde, dass man gar nicht so viel dazu sagen muss: Wir sollen uns mitfreuen!
Gaudete!
Ein Sonntag im Advent, der „Gaudete“ heißt – Freuet euch – wird uns fröhlich machen! Dafür sorgen Texte aus Jahrhunderten – und Menschen, die die Freude schon gefunden haben. Gehen wir doch mit ihnen!
Drei Gründe gibt’s dafür:
- Eine Hand, die hält.
- Ein Herr, der kommt.
- Eine Welt, die geborgen wird.
Paul Gerhardt lehrt uns zu singen:
Fröhlich soll mein Herze springen
dieser Zeit,
da vor Freud
alle Engel singen.
Hört, hört, wie mit vollen Chören
alle Luft
laute ruft:
Christus ist geboren!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Wartezeiten erzeugen in uns Anspannung und Nervosität. In solchen Situationen helfen uns positive Bilder, wie sie der Prophet Jesaja seinen verzagten Leidensgenossen vermittelt. Das Wissen um Gott als kommendem Retter verwandelt unsere Verzagtheit in hoffnungsvolle Freude wie Wasser binnen kurzer Zeit alle im Innern des Wüstensandes gespeicherten Samen in ein Meer von Blüten.
Wir haben heute die dritte Kerze am Adventskranz entzündet als Zeichen der sich stetig verkürzenden Wartezeit auf die Geburt Christi. Wartezeiten stellen für uns Menschen meist eine Herausforderung dar. Egal, worauf wir warten, diese Zeit ist geprägt von Anspannung und Nervosität. Am schlimmsten sind Wartezeiten mit unklarem Ausgang. Z.B.: wenn bei einer Zugreise der erwartete Zug ausfällt, ich aber keine Information erhalte, ob er nur etwas später kommt oder ganz ausfällt.
Selbst Wartezeiten, deren Länge auf Grund von Erfahrungswerten einigermaßen absehbar sind, wie z. B. die freudige Erwartung einer Schwangeren oder die Wartezeit ab der Aussaat oder Pflanzung im landwirtschaftlichen Bereich, lassen uns erst entspannt durchatmen, wenn – um bei den obigen Beispielen zu bleiben – das Kind geboren oder die Ernte eingefahren ist.
Dann aber fällt eine große Last von uns ab. Wir fühlen uns befreit, erleichtert, dankbar und selig. Der graue Alltag erscheint jetzt in hellem Licht. Wir fühlen uns, als könnten wir Bäume ausreißen und verstehen, was wirklich lebendig sein bedeutet. Freude erfüllt uns!
Freude, dieses Himmelsgeschenk, durchfließt unseren Körper und weckt das Bedürfnis sichtbar zu werden. Wir lachen, singen, tanzen und entwickeln das Bedürfnis, dieses Gefühl mit anderen zu teilen. So ist es üblich, die Geburt eines Kindes im Familien- oder Freundeskreis besonders zu feiern. Auch Erntedank wird meist in großem Kreis gefeiert.
Am 3. Sonntag im Advent feiert traditionell auch unsere Kirche. Wir feiern die FREUDE über Gott unseren Retter mit dem Sonntag „Gaudete“- „Freuet euch!“
Kurz vor der Ankunft des Erlösers soll uns die Vorfreude auf sein Kommen nicht nur die Mühen des Wartens erleichtern, sondern auch den Wert freudvoller Visualisierungen in Erinnerung rufen.
Es tut uns gut, an diesem Sonntag Jesaias prächtige Bilder von dem Erblühen der Wüste und dem Fruchtbarwerden der Steppe in unser Herz zu lassen. Seine Prophezeiungen damals richtet er an seine Schwestern und Brüder im Exil in Babylon. Trotz Gefangenschaft erfahren sie über reisende Kaufleute von der vollkommenen Zerstörung ihrer Heimat Judäa, ohne etwas unternehmen zu können. In ihre Hoffnungslosigkeit und Niedergeschlagenheit hinein zeichnet Jesaja seine Bilder von Leben und Zukunft.
Diese Bilder haben auch für uns heute Bedeutung. Auf Grund wirtschaftlicher und politischer Entwicklungen mit weitreichenden Veränderungen in unserem gesellschaftlichen Zusammenleben machen sich immer öfter Unsicherheit, Panik, Hoffnungslosigkeit, Ohnmacht und Hilflosigkeit breit.
Woher Zuversicht kommen kann, zeigt Jesaja: Öde und Steppe haben sich in Pracht und Leben verwandelt, weil sie mit Wasser der Urkraft des Lebens in Kontakt gekommen sind. Als Bewohner einer Wüstenregion verstehen seine Zuhörer die Bilder gut. Sie wissen, Wasser verwandelt binnen kurzer Zeit alle unsichtbar im Innern des Wüstensandes gespeicherten Samen in ein Meer von Blüten. Auch die Uferlandschaften ausgetrockneter Flussläufe werden zu fruchtbaren Landstrichen, sobald Wasser fließt.
Die Lebenskraft der Wüste und Steppe resultiert aus ihrer Verbindung mit Wasser. Jene der Menschen resultiert aus ihrer Verbindung mit Gott.
Jesaia legt den Israeliten in ihrer leidvollen Situation nahe, ihre Beziehung zu Jahwe wieder zu intensivieren. Denn er allein ist Urquell allen Lebens. Über diese Verbindung kann Jahwe auf sie wirken wie Wasser auf den Wüstensand. Alle in ihnen angelegten Möglichkeiten werden aufblühen und in ihrer Vielfalt Ausdruck für die Herrlichkeit Gottes sein.
Keine Umgebung kann so lebensfeindlich sein, dass sich die Kraft Gottes nicht Zutritt verschaffen könnte zu einem bereiten Herzen. Die Hinwendung zu Gott verändert ihre subjektive Lebenswirklichkeit, auch wenn die äußeren Lebensumstände gleich bleiben. Denn leben im Vertrauen auf Gott bedeutet, eine depressive Existenz in fröhliche Lebendigkeit zu verwandeln.
Jesaia meint auch uns, wenn er sagt: Seid stark, fürchtet euch nicht. Gott kommt, er rettet! Selbst die schlechteste Lebenssituation lässt sich besser ertragen, wenn wir uns nicht der Verzagtheit und der Furcht hingeben, sondern uns mit Gottes Hilfe in aktive Lebensvollzüge einbringen. Durch ein neues Hören, ein neues Sehen, mit starken Armen, festen Knien werden wir springen wie ein Hirsch und jauchzen und jubeln zur Ehre Gottes.
Diese Freude mit möglichst vielen Menschen zu teilen, ist unsere Aufgabe als Christen. Denn Freude ist ein Gottesgeschenk. Sie wird größer, wenn sie geteilt wird.
Jesus tritt in die Fußstapfen des Johannes. Er führt sein Ringen um geistige Erneuerung, das zu größerer sozialer Gerechtigkeit führt, anders weiter, als dieser und viele Menschen damals erwarten. Dieses Ringen um Gerechtigkeit lässt sich auch heute nicht delegieren. An uns ist es, den Blickwinkel auf die gegenwärtigen Problemfelder zu verändern und tätig zu werden.
Wer wartet, bleibt lebendig. So schrieb die Theologin Dorothee Sölle. Warten ist also eine wesentliche Dimension, die zeigt, dass nach vorne hin noch etwas offen, möglich ist. In Bezug auf unsere Verhältnisse könnte man auch sagen, dass das, was wir an Unfrieden und Unrecht, Leid und Unmenschlichkeit erleben, auf dieser Welt nicht das letzte Wort hat. Da erhoffen, ersehnen und erwarten wir gerade mit Blick auf Weihnachten alljährlich, dass noch etwas wesentlich anderes sich ereignet, Menschwerdung für alle.
Und vielleicht waren die Fragen und Sehnsüchte damals zur Zeit Jesu gar nicht so weit weg von denen, die wir haben.
Bist du es, oder müssen wir auf einen anderen warten. Johannes, der Einserprophet und Wegbereiter Jesu, sitzt im Gefängnis, an den Mächtigen gescheitert, weggesperrt, handlungsunfähig. Doch bis ins Gefängnis hört er von den Taten Jesu. Im Gefängnis hat Johannes Zeit zum Nachdenken. Und er hätte wahrscheinlich gerne Klarheit. War mein Weg bisher der richtige? Und auch Klarheit in Bezug auf Jesus. Ist er es, wohin wir unser Leben orientieren sollen oder müssen wir weiter warten und uns neu orientieren. Bist du der, der kommen soll? Also raus mit der Sprache, ja oder nein. Bist du der, auf den wir unsere Hoffnung setzen sollen?
Die scheinbar einfache Entscheidungsfrage beantwortet Jesus in gewohnter Manier. Er gibt die Beantwortung zurück an die FragestellerInnen. „Geht und berichtet, was ihr hört und seht“: Blinde sehen wieder, Lahme gehen, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium verkündet. Ist das angesichts der herrschenden Verhältnisse der römischen Besatzung nicht beeindruckend? In der Hoffnungslosigkeit der Römerbesatzung mit der Unterdrückung und Ausbeutung der Bevölkerung tut sich für die Geknechteten, Verarmten und Unterdrückten Leben neu auf. Entscheidet selbst, ob das, was geschieht, in die Richtung geht, in der ihr euch die Zukunft ersehnt. Traut eurer Erfahrung und euren Augen. Die Hoffnung wird nicht von denen in feinen Gewändern kommen, die findet man in den Palästen. Die mit den feinen Kleidern sind beschäftigt mit dem Sammeln von Reichtümern. Und sie haben ein Interesse, dass die Verhältnisse so sind, wie sie eben sind. Den Weg zu den Menschen in den Straßen und Gassen finden sie nicht.
Wozu seid ihr hinausgegangen in die Wüste, was wolltet ihr sehen? Doch kein Schilfrohr, das knickt, oder einen fein gekleideten Mann, der euch das Blaue vom Himmel verspricht, sondern einen Propheten, der zum Leben ermutigt und aufruft und der den Weg bahnen wird, den Weg der Gerechtigkeit und der Tora.
Jesus entbindet nicht von der eigenen Verantwortung, die Welt zu gestalten. Wer ist zuständig, das Evangelium, die frohe Botschaft des Lebens für alle, zu verkünden? Johannes, Jesus, die Propheten, an sie würde man gerne die Verantwortung delegieren. Jesus bringt es klar auf den Punkt: Ihr könnt eure Verantwortung für euer Leben nicht an andere abgeben. Die Veränderung der Welt hängt von eurer Beteiligung ab, es reicht nicht, sich auf einen Messias zu verlassen, der es dann für alle richtet. Ihr müsst euer Leben selbst in die Hand nehmen, der Einsatz für Gerechtigkeit, für eine Welt anders, fordert euch ganz. Ihr sollt nicht auf einen anderen warten, ihr nicht, Johannes nicht, niemand sonst.
Eigentlich sollt ihr selbst Tora tun, das ist euch aufgetragen, mitarbeiten am Reich Gottes. Diese Arbeit ist nicht delegierbar, sondern nur im Miteinander zu tun. Jede und jeder möge sich wen zweiten und dritten suchen und die Botschaft weitertragen und ganz konkret in Taten umsetzen. Auf dass Bewegungsunfähige wieder in die Gänge kommen, Verstummte wieder ihren Mund aufmachen können und ihre Bedürfnisse artikulieren, Armen die Güter der Welt zur Verfügung stehen.
Luzia Sutter Rehmann hat in Bezug auf die Armen einen spannenden Gedankengang ins Spiel gebracht. Sie drehte den Satz, dass den Armen das Evangelium verkündet, wird um in die Richtung, dass die Armen das Evangelium verkünden. So verändert sich auf einmal der Blickwinkel fundamental. Die Armen werden Subjekte ihres Lebens, sind für die Veränderung ihrer Verhältnisse mit zuständig, nicht mehr AlmosenempfängerInnen, sondern TäterInnen ihrer Befreiung.
Wir lesen das Evangelium ja meist mit vollem Bauch, aus der Sicht derer, die satt sind. Rehmann legt mit ihrer Sichtweise die Perspektive der Hungernden und Armen dazu. Armut stellt die Frage nach der Verteilung und der Verteilungsgerechtigkeit, ja die Frage nach dem Reichtum.
Biblisch ist Reichtum per se Unrecht. Reichtum gibt es nur, weil es Armut und Ausbeutung gibt. Vermögen, Reichtum und Verarmung, Ausbeutung, Berauben von Lebensmöglichkeiten hängen unmittelbar zusammen. In der Bibel gilt Akkumulation des Reichtums als Raub, von daher bedeutet reich zu sein ein Unrecht. Armut stellt die Frage nach der Verteilung, nach dem täglichen Brot. Woher kommt das Brot, wer hat es, wer teilt es, wer verweigert es und warum?
Der Heilige Basilius sagte: „Eine perfekte Gesellschaft ist diejenige, welche jeden Privatbesitz ausschließt.“
Clemens Romano fügt hinzu: „Alle Dinge dieser Welt sollten Gemeineigentum sein.“ Dazu könnte uns auch ein Bild der Apostelgeschichte dienen. Und alle, die gläubig geworden waren, bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und gaben davon allen, jedem so viel, wie er nötig hatte. (Apg 2,44f.)
Auf wen sollen wir heute warten? Und wie erkennen wir, dass die Verhältnisse in die Richtung unserer Erwartungen gehen? Selbsternannte Heilsbringer in Politik und Gesellschaft gäbe es ja genug. Wir sollen uns bewusst sein, dass die Perspektive, von der aus man auf die gesellschaftlichen Verhältnisse und die Wirtschaft schaut, entscheidend ist. Das Leben in Österreich ist laut Momentum Institut um 562 Euro im Monat teurer als noch 2020. Wer hat annähernd eine so hohe Lohnsteigerung gehabt in den letzten Jahren? So steigt auch hier die Zahl jener, für die das Leben enger wird. In Österreich sind die Einkommensunterschiede des Durchschnitts zu den Top 20 1:81. Bei den Vermögen geht die Schere dann noch radikaler auseinander. Der Durchschnitt zu den 20 Reichsten beträgt hier 1: 55000. Und trotzdem spricht man über Reichtum nicht oder tut so, als wäre er rechtmäßig erworben. Und jede und jeder hätte die Möglichkeit, sich Eigentum und ein gutes Leben zu erwerben. Auf wen sollen wir also warten, um die Verhältnisse anzusprechen und vielleicht Umverteilung und Verteilungsgerechtigkeit anzugehen. Das Vermögen auf Seiten der Besitzenden häuft sich immer mehr, bei uns und weltweit.
Biblisches Denken hat das klar als Unrecht benannt und immer wieder klar gemacht, dass es weder Arme noch Reiche geben soll. Lebensmöglichkeiten muss es für alle geben, Blinde sehen wieder, Lahme gehen, Tote stehen auf und die Reichen werden leer ausgehen. Auch wir müssen uns in unserer Gesellschaft den Fragen der Verteilung, der Gerechtigkeit und der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben stellen. Es liegt an uns, uns einzumischen, grundlegend wieder politische Menschen zu werden, denen das Gemeinwohl aller ein Anliegen ist. Wir dürfen uns eingeladen und aufgerufen fühlen von der Frage Jesu: Geht und berichtet, was ihr seht und hört. Das soll uns Auftrag sein, aus unserem Blickwinkel an einer Gesellschaft mitzubauen, in der ein gutes Leben für alle möglich ist. Wir müssen wieder politisch denken, reden und mitmischen und kollektive, gemeinschaftliche Prozesse einleiten, die alle hereinholen.
Die Herrlichkeit des Herrn zeigt sich am Leben der Vielen, denen die Welt sonst das Leben vorenthält oder beraubt, Aussätzige werden rein, Taube hören. Auch Johannes, als Prophet des Lebens, wird seiner Freiheit beraubt und muss im Gefängnis um sein Leben fürchten, gezwungen zur Untätigkeit, wahrscheinlich bewegt von vielen Fragen. Bin ich richtig unterwegs, hat das alles einen Sinn? Und was passiert da draußen, während ich im Gefängnis zur Untätigkeit verdammt bin? Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?
Menschen sind Erwartende. Wenn wir nichts mehr erwarten, dann steht es nicht gut um uns. Dann haben wir uns abgefunden mit dem, was ist. Die Adventszeit ist im Kirchenjahr die große Erwartungszeit. Wir erwarten die Menschwerdung Gottes. Das ist uns jährlich Erinnerung, dass auch unsere Menschwerdung immer neu zu tun ist. So gesehen ist Weihnachten immer auch ein utopisches Fest. Es zeigt auf, dass viele Menschen auf dieser Welt von einem menschenwürdigen Leben noch weit entfernt sind, ja durch das Verhalten derer, die über ihre Verhältnisse leben, fein gekleidet in Palästen, permanent daran gehindert werden. Gesellschaftliches Elend ist also kein unabwendbares Schicksal, sondern gemacht durch Ausbeutung, Ungleichverteilung, Beraubung. Welche Erwartungen richten wir auf Jesus? Worauf hoffen wir? Und welche Veränderung erhoffen wir angesichts der herrschenden Verhältnisse dieser Welt?
Johannes war ein großer Prediger, ein Prediger der Umkehr. „Kehrt um, Leute, ändert Euer Leben. So kann es nicht weitergehen.“ Was bedeutet es für uns heute? Blinde bleiben nicht blind, Taube nicht taub. Welche Bilder und Gegenerzählungen gegen die herrschenden Verhältnisse erzählen wir. Worauf hoffen wir? Das, was ist, muss nicht so sein. Es geht auch anders. Geht, berichtet, was ihr seht und hört. Es liegt an uns, unsere Geschichten einer menschenfreundlichen Welt zu erzählen und Mut zu machen, dass ein gutes Leben für alle möglich ist.
Wenn ein arbeitsloser Jugendlicher nach 100 Bewerbungen endlich eine Lehrstelle bekommen hat und sein Leben gestalten kann. Wenn ein Nachbar sich um die alte Nachbarin kümmert und zumindest einmal täglich anläutet. Wenn Hautfarbe und Sprache Vielfalt verkünden. Wenn wir uns gegenseitig das Leben ermöglichen. Jeder hat einen Wirkungskreis, innerhalb dessen Veränderung zum Leben möglich ist. Die Vision einer neuen Gesellschaft braucht viele MittäterInnen. Mögen wir erzählen von einer Welt, wo einer dem anderen Nächste und Nächster sein will. Und wo Liebe und Brot ist, genug für alle, wie es Huub Oosterhuis beschreibt.
© Fritz Käferböck-Stelzer, Diözese Linz, Leiter Gruppe TMA Nettingsdorf
Auch wenn es viele Gründe zur Besorgnis gibt, wir haben auch Grund zu Hoffnung und Freude, denn wir wissen: Gott ist mit uns.
Heute feiern wir den 3. Adventsonntag, den Sonntag GAUDETE (lat.: Freuet euch!). GAUDETE meint mehr als unser Dialektwort „Gaudi“, obwohl eine gemeinsame Wortwurzel vorhanden ist. „Gaudi“ ist in einem Altwienerlied um 1880 herum aufgetaucht: „Allweil lustig, frisch und munter, geht die Welt auch morgen unter, machen wir uns gar nix draus.“ Das klingt schon sehr resignativ. Die Leute damals spürten, dass es mit der Monarchie, ja mit den Monarchien Europas, immer mehr zu Ende ging. In dieser depressiven Stimmung versuchte man, wenigstens einmal noch kurzzeitig alles zu genießen, was das Leben an Lebenswertem zu bieten gab, dann – so fürchtete man - ist es für lange Zeit, vielleicht sogar für immer vorbei.
GAUDETE hingegen spricht von innerer Freude, von Hoffnung, denn „der Herr ist nahe.“ (Phil 4,4). Freude ist ein göttliches Geschenk. „Seht, hier ist euer Gott… Er selbst kommt und wird euch retten.“ (Jes 35,4). Die halbe Vorbereitungszeit des Advent ist nun um, daher „stärkt die schlaffen Hände und festigt die wankenden Knie.“ (Jes 35,3).
Das klingt sehr aktuell. Die Zeit des Wettlaufs um die preisgünstigsten und besten Waren hat längst begonnen. Dabei werden manche Hände schlaff und die Knie werden weich, vor allem dann, wenn manche Mühe dabei erfolglos bleibt. Die Lesung sagt uns, dass der Herr uns zu innerer Freude ermutigen will, als Geschenk, als Frucht des Geistes. Auch wenn der Alltag oft belastend ist, es bleibt nicht so. Was in uns lahm ist, bekommt neues Leben (vgl. Jes 35,6). Also weg mit der Traurigkeit, mit Resignation und mit Zweifeln.
Das ist leicht gesagt, aber versuchen Sie doch einmal, sich mit dem Gedanken anzufreunden, wenn Sie von Problemen eingedeckt sind, daran zu denken und darauf zu hoffen, dass doch jede Situation sich beruhigen wird und dass wir niemals ganz allein sind. Gott trägt unsere Lasten mit und ist da, auch wenn wir momentan nichts davon spüren. IMMANUEL - Gott ist mit uns!
Der Zustand des Volkes Gottes Israel gleicht seelisch einer Wüste. Auch unser seelisch-geistiger Zustand kann zeitweise einer Wüste gleichen. Die Wüste galt damals nicht nur als Ort der Dämonen, sondern auch der Entscheidungen. Jesaja will diese Hoffnung, diese Freude und Zuversicht durch blühendes Leben, wie das Bild der Lilie zeigt, (Jes 35,1) vermitteln.
Das setzt viel Geduld voraus, so die zweite Lesung, besonders im Zusammenleben untereinander, aber auch mit sich selbst. Beobachten Sie sich einmal, wie schnell sie zu vibrieren beginnen, wenn nicht gleich wie alles am Schnürchen läuft. Viel an Geduld und Hoffnung geht auch deshalb verloren und blockiert die Freude, weil wir mehr auf die Unzulänglichkeiten unserer Umgebung achten als auf die Freude und den inneren Frieden.
Wie können wir diese Visionen, die uns vor allem die erste Lesung nahelegt, verwirklichen? Das Evangelium nennt uns Johannes den Täufer als Vorbild. Wir haben es mit einer starken Persönlichkeit zu tun. Großer Diplomat war er ja keiner, auch sein Aussehen war nicht unbedingt einladend. Trotzdem kamen die Menschen in Scharen zu ihm. Warum? Er hat nicht lang herumgeredet, hat sich nicht der Meinung anderer gebeugt und ihnen nach dem Mund geredet. Er war kein Sprechblasenschleuderer. Er trat entschieden für die Wahrheit ein, und bevor er sich zu Wort meldete, fragte er nach, wie es um diesen Jesus wirklich bestellt sei. Blöffer, falsche Messiasse liefen auch damals genügend herum. Johannes beweist so seinen wachen Geist. Auch das ist ein Merkmal für eine starke Persönlichkeit.
Trotzdem bedarf es auch bei diesen Menschen immer wieder Korrekturen. Die Antwort Jesu an Johannes zeigt, dass moralische Appelle allein wie Umkehr und Buße wohl wichtig sind, aber nichts nützen, wenn der befreiende Umgang der Menschen untereinander und auch sich selbst gegenüber nicht wirksam wird. „Der Kleinste im Himmelreich ist größer als er…“ (Mt 11,11).
Das ist eine ganz neue Sicht, die mit dem Auftreten Jesu anbricht. Die Frage der Barmherzigkeit bekommt eine große Bedeutung. Mit Jesus befinden uns ständig auf einer Gratwanderung zwischen Gesetzeserfüllung und Barmherzigkeit.
Die Zukunftsvisionen des Propheten Jesaja werden für Johannes den Täufer einem harten Realitätscheck unterzogen. Jesus sieht sie trotzdem in Erfüllung begriffen. Sie sind auch für unsere Gegenwart bedeutsam. Sie geben uns Hoffnung und fordern uns aber auch zum Handeln heraus.
Wenn wir aus Träumen aufwachen, sind wir oft verwirrt, weil wir die im Traum erlebten Bilder nicht in unsere Wirklichkeit einordnen können. Manchmal sind wir auch enttäuscht, dass das Erträumte nicht Wirklichkeit ist. Nach Albträumen sind wir jedoch froh, dass alles nicht so ist, wie im Traum erlebt.
In der Adventzeit bekommen wir in diesem Jahr phantastische Bilder aus dem Buch des Propheten Jesaja vorgetragen. Sie malen eine Zeit aus, in der alles gut sein wird. Die Umstände, unter denen der Prophet diese Zukunftsvisionen entworfen hat, waren jedoch alles andere als rosig. Worin liegt der Wahrheitsgehalt dieser Bilder? Haben sie einen Wirklichkeitsbezug? Oder wollen sie uns über die oft harte Realität hinwegtrösten oder gar hinwegtäuschen?
Johannes der Täufer sah sich und sein Wirken in der Spur des Propheten Jesaja. Er predigt Umkehr, um seine Zuhörer in eine bessere Zukunft zu führen. Seine Kritik am Lebensstil des Königshauses brachte ihn ins Gefängnis. Der Aufprall in der Realität des Gefängnisses, ausgeliefert einem unberechenbaren Autokraten und den Nutznießern seiner Macht, muss einem Albtraum gleichgekommen sein. Hat er sich geirrt? Ist er seinen Wunschträumen aufgesessen? Ist das, was sein Ideengeber Jesaja geschrieben hat, einfach zu schön, um wahr zu sein?
Von Jesus, den er als Hoffnungsträger einer neuen, besseren Zeit sah, wollte er erfahren, wie dieser die Realität einschätzt. Jesus sieht die Verheißungen des Jesaja in Erfüllung begriffen: Er antwortet auf die Frage, ob er der erwartete Messias sei mit einem Bezug zu den Jesajabildern: "Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium verkündet."
Auch uns verheißt der Glaube eine gute, eine bessere Zukunft. Auch wir erleben, dass vieles in unserer gegenwärtigen Welt nicht wirklich gut ist. Im Großen und Ganzen geht es uns zwar gut, wir erleben jedoch auch viel Beunruhigendes: die politischen Mächte und Kräfte sind nicht berechenbar, viele Entwicklungen sind ungewiss und besorgniserregend. Lange Zeit hatten wir das Gefühl, dass wir die Kräfte der Natur ganz gut beherrschen und für uns nützen können. Naturkatastrophen und bedrohliche Zukunftsszenarien im Hinblick auf das Klima und Umweltverschmutzung lassen in uns Ohnmachtsgefühle aufkommen.
Welchen Wert haben in dieser Situation unsere religiösen Erwartungen und Verheißungen? Woran können wir erkennen, dass Gott diese Welt in seiner Hand hält, dass er sie nicht verlassen hat und nicht verlassen wird? Hält unser Glauben einem "Realitätscheck" stand? Besteht er den gegenwärtigen "Stresstest"? Worauf können wir uns realistischerweise verlassen?
Wir dürfen uns zwar nicht über die verschiedenen Bedrohungsszenarien hinwegtäuschen, es gibt aber auch Hoffnungszeichen, die zeigen, dass Gott uns nicht verlassen hat, und die uns in der Hoffnung bestärken, dass Gott uns nicht verlassen wird. Die gegenwärtigen Krisen wecken in vielen Menschen Kräfte und Anstrengungen, die in eine gute Zukunft weisen: Menschen, die ihren Kopf nicht in den Sand stecken sondern sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen, Armen und Schwachen ihre Hilfe anbieten; Menschen, die neue Wege entdecken, wie wir behutsamer mit unserer Umwelt umgehen können, wie wir nachhaltiger wirtschaften können; Menschen die zeigen, wie Zusammenarbeit und Integration gelingen können…
Wir dürfen jedoch nicht blauäugig sein. Es gibt auch heute Menschen, denen es wie Herodes um den Erhalt ihres Wohlstandes, ihrer Macht und ihres Einflusses geht; Menschen, die vor allem sich selbst feiern; Menschen, die dafür über Leichen gehen.
Die Antwort Jesu ist nicht nur tröstlich und Hoffnung stiftend, sie fordert uns auch persönlich heraus: Sind wir bereit, uns Augen und Ohren öffnen zu lassen? Sind wir bereit, auch selbst etwas zu tun, aktiv zu werden? Sind wir bereit, Barrieren abzubauen, uns zu versöhnen? Sind wir bereit, uns den Herausforderungen des Reiches Gottes zu stellen?
Die Träume des Jesaja sind mehr als eine Beruhigungspille, mehr als ein Gedankenspiel, sie beinthalten Aufgaben, denen wir uns zu stellen haben.
Langes Warten kann zermürben, ungeduldig machen. Da tut uns Trost gut, jemand, der uns aufrichtet, Hoffnung gibt.
„Freut euch im Herrn zu jeder Zeit, nochmals sage ich, freuet euch!“ (Phil 4,4). Diese Textstelle wird heute nicht in Erinnerung gebracht, sehr wohl aber das Thema Freude. Haben wir gegenwärtig wirklich Anlass zur Freude, wie der Eingangsvers zu diesem Gottesdienst meint, sogar mit Rufzeichen versehen? In der Welt herrscht doch so viel Leid, Traurigkeit, Kriege, Verbrechen im Großen und Kleinen. Die Zeiten, von denen das Jesajabuch spricht- ca. 800 v. Chr.- waren genauso schlimm wie heute. Es herrschten ebenso Krieg und Korruption etc. In diese Zeit hinein kommt das Trostwort: „Seht her, hier ist euer Gott.“
Er zeigt sich, so diese Schriftstelle weiter, in der Natur, in der Blütenpracht, auf den Bergen, in der Ebene. Trübsinn, Depression, Zweifel sind wie weggeblasen. Wonne, Freude, Leben, das ist das Reich Gottes und etwas davon ist schon da. Das ist auch heute so. Trotz aller Not und Verzweiflung gibt es den Schimmer von Hoffnung und Freude.
Zu Recht wird man aber anmerken: Wir spüren kaum etwas davon. Jeden Tag hören wir unangenehme Nachrichten. Darauf gibt die zweite Lesung eine Antwort. In dieser Stelle des Jakobusbriefes hören wir immer das Wort „Geduld“ bzw. „geduldig.“ Geduld ist ein Weg des Durchhaltens. Wir können nicht immer alles beeinflussen, was manchmal sogar unser Glück ist.
Der Jakobusbrief arbeitet mit dem Beispiel des Landwirtes. Er kann das Wetter nicht beeinflussen. Das können wir trotz einiger Versuche bis heute nicht. Im letzten Sommer gab es Ernteausfälle, Trockenheit, in manchen Teilen der Welt schwere Überschwemmungen. Es ist ein ständiges Bangen und Hoffen in Geduld, oft auch in Verzweiflung.
Geduld braucht nicht nur der Bauer, auch Eltern bei der Erziehung der Kinder. „Aus dir wird nie etwas!“ so die Verzweiflung und Hilflosigkeit mancher Eltern und Lehrer. „Im Leiden und in der Geduld“ heißt es, „nehmt euch die Propheten zum Vorbild“ und „klagt nicht übereinander“, vielleicht durch Schuldzuweisung, wer aller versagt hat. Denken wir auch an die Teiloffenbarung Gottes: ICH BIN, DER ICH BIN FÜR EUCH IMMER DA BIN UND DA SEIN WERDE“.
Auch das Evangelium geht von einer zunächst hoffnungslosen Situation aus. Der starke Johannes, ein Vorbote Jesu, sitzt im Gefängnis und hat Zweifel. „Bist du, der kommen soll oder müssen wir auf einen anderen warten.“ Johannes und auch wir Menschen sind auf der Suche nach Gott. Wonach haben wir, aber auch die Institution Kirche gesucht? War es immer eine Gottsuche oder eher die Suche nach Macht, Ansehen, Seelsorge, wo man auch abcashen kann. Gott sucht im Kleinen, vielleicht Bedeutungslosen, Gott ist auf der Suche nach Verlorenem, darunter vielleicht auch Materiellem, die Drachme, den verlorenen Sohn, den erpresserischen Zöllner, die Sünder, uns alle.
Unser Vorbild durch die Adventzeit: Johannes der Täufer, ein „Michel-Geradeaus“, einer, der manchmal auch unhöflich gleich zur Sache kommt, kein Schilfrohr, sondern einer, der sich im wahrsten Sinn des Wortes für eine gute Sache den Mund verbrennt.
Das Bild vom „Schilfrohr im Wind“ passt gut in die Gegenwart. Die öffentliche Meinung, im Besonderen die veröffentlichte Meinung hat Auswirkungen auf den Meinungsbildungsprozess von uns allen. Da spielt die „Unterscheidung der Geister“ eine große Rolle: hinhorchen, nachdenken, stille werden, beten.
Manche sind wie ein Schilfrohr auf sehr vielen Gebieten, bei Entscheidungen, bei der Lösung von Problemen. Da kommt die Türschnallenmentalität durch. Wer zuletzt die Türschnalle des Chefzimmers in der Hand hatte, bekam Recht. Wieder andere sind Opportunisten und Einschleimer, die die Gunst der Stunde nützen, um ihre Sache möglicherweise auf Kosten anderer durchzubringen. Dann die Wendehälse und Bücklinge, sehr ähnlich dem Schilfrohr, die ihre Gesinnung in beachtlicher Geschwindigkeit wechseln können.
Sehr leicht fällt man auch auf die Optik eines Meinungsträgers herein, in der Bibel sind es die Menschen, „in feinen Kleidern“, adrettes Aussehen, höflich und geschliffen im Ausdruck und in der Argumentation mit Hilfe von Halbwahrheiten. Euer JA sei ein JA und euer NEIN sei ein NEIN, also keine unverbindlichen Floskeln. Johannes und Jesus kritisieren diesbezüglich die Herrschenden scharf. Sie verbrennen sich den Mund und kommen zu Tode. Der eine wird geköpft, der andere stirbt am Kreuz. Mit Jesu Geburt hat das Reich Gottes hier auf Erden sichtbar begonnen. Es ist noch nicht vollendet, mit Ihm wird aber das Erlösungswerk vollendet auch für uns. Da fallen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im ewigen JETZT zusammen. Weihnachten ist die Basis für das österliche Erlösungsgeschehen.
Advent ist eine Zeit der Besinnung, der Umkehr und Erneuerung. Wenn Gott mit seinem Wort kommt, blüht alles auf. Diese Aussicht erfüllt Menschen mit Freude und motiviert, sich ihm zu öffnen.
Die Wüste jubelt? Die Steppe jauchzt? Was für gewaltige, großartige Bilder! Es ist von prächtigen Blüten die Rede! Eine schöner als die andere. Bilder des Lebens! Alles Vertrocknete, Versandete, Verkommene – lebt auf. Auch nicht einfach so: Gott kommt. Kommt er, sind Wüsten und Steppen nicht mehr wiederzuerkennen. Es ist, als ob die Welt noch einmal ganz von vorne anfängt. Anfangen kann. Mit Blüten, nicht mit Dornen! Mit üppigem Grün, nicht mit vertrockneten Wäldern! Mit Lachen, nicht mit verzerrten Minen! Wir werden die Herrlichkeit des HERRN sehen, die Pracht unseres Gottes!
Heute, am 3. Advent, sollen wir aus dem Vollen schöpfen! Sie erinnern sich an die letzten beiden Adventssonntage? Sie waren ernst gestimmt. Wir wurden mit Weltuntergängen konfrontiert. Und zur Buße, zur Umkehr aufgerufen. Das Gefühl, auf einem zerbrechlichen Planeten zu hocken, beschleicht uns ohnehin. Manchmal fehlen uns dafür die Worte, manchmal machen wir uns auch einfach nur Mut. Aber die Erde wird verletzt, zugemüllt und überfordert. Von Tag zu Tag, von Generation zu Generation. Was sind Wüsten anderes als verwüstetes Land – so schön und bezaubernd Wüsten auch sind? Was sind Steppen anderes als verstepptes Land – so weit und reich auch die Steppen sind? Die Erde hat eine Geschichte. Hinter mancher Naturschönheit verbirgt sich eine Katastrophe. Eine vergangene. Die üppigen und opulenten Bilder dieses Sonntags erzählen von einem neuen Anfang. Heute, am 3. Advent, sollen wir aus dem Vollen schöpfen! Gaudete! Freut euch!
Wir können heute leider nicht so weit zurückgehen, um Jesaja live zu erleben. Er hat mit mutlosen und verzagten Leuten zu tun. Sie sind Opfer großer Geschichte geworden und ganz, ganz kleinlaut. Die markigen Worte der Propaganda – weggefegt. Die vielen falschen Hoffnungen – im Nu zerstoben. Die letzten Nachrichten – ein Desaster. Oder ganz einfach: die Hände sind schlaff, die Knie müde. Alles fällt uns aus der Hand. Das Gehen fällt schwer. Eine Qual. Wen Jesaja wohl vor Augen hat? Nicht nur Menschen, die am Ende sind – oder auch einfach nur noch alt aussehen -, auch Menschen, denen er etwas zutrauen kann! Hört selber:
Stärkt die schlaffen Hände
und festigt die wankenden Knie!
Sagt den Verzagten: Seid stark,
fürchtet euch nicht!
Seht, euer Gott!
Dass Gott etwas mit müden Händen und mutlosen Knie zu tun hat, ist schon eine eigenartige Entdeckung. Ganz nebenbei: wir feiern heute die Geburtsstunde der Seelsorge. Sie ist was für jeden Menschen! Nicht nur für Profis, Fachleute und Geistliche. Schlaffe Hände wissen viel zu erzählen, wankende Knie auch. Von dieser Müdigkeit, die sich auf die Glieder legt, wenn es keine Freude mehr gibt, kein Lachen, keine Hoffnung. Kennen Sie die Körperhaltung, die Körpersprache? Den Gesichtsausdruck? Die leeren Augen? Gaudete!
So! Ein wenig eingeübt – wenigstens eingestimmt – wollen wir Johannes besuchen, Johannes den Täufer. Ob wir ihn trösten können? Schade! Das Gefängnis ist geschlossen. Aber wir wissen, dass er hier ist. Johannes hat den Mund zu voll genommen und es mit dem Recht – oder besser Unrecht – des Königs zu tun bekommen. Kein schöner Ort! Nicht einmal für einen Asketen und Bußprediger, wie er einer war. Sie wissen, dass der Kopf des Johannes auf einem Silbertablett präsentiert wurde? Das ist zwar eine andere Geschichte, aber Johannes kannte schlaffe Hände und wankende Knie, ohne darüber ein Wort zu verlieren. Doch von der Frage ist er hin- und hergerissen, ob denn mit Jesus die neue Zeit angebrochen ist. Er schickt seine Leute zu ihm. „Bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?“ Überhaupt: Kann Johannes noch auf etwas – oder jemanden – warten? Auf etwas, was nicht Tod ist?
Sind uns bei Jesaja verunsicherte, verstummte und müde Menschen begegnet, treffen wir hier auf eine große Erwartung. Gefängnis hin, Ketten her. Die Frage ist auch so einfach gestellt, dass eine Antwort fast schon in der Luft liegt. Von Zweifel keine Spur, eher die Sehnsucht, ein eindeutiges „Ja“ auch zu hören – oder zu sehen. Und die Antwort, die Jesus gibt, ist merkwürdigerweise ein großes, fast wörtliches Zitat. Ein Zitat aus der Predigt, die Jesaja tatsächlich vor Menschen gehalten hat, die mit dem Leben schon abgeschlossen haben. Was seht ihr?
Blinde sehen wieder und Lahme gehen;
Aussätzige werden rein und Taube hören;
Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium verkündet.
Das ist doch ein ganz anderer Blick! Nichts ist verloren! Nichts geht unter! Wenn Blinde sehen und Lahme gehen, wenn Aussätzige rein werden und Taube hören, ist es mit dem alten Schlendrian vorbei! Dass jetzt so manche Fragen auftauchen, verstehe ich, aber was haltet ihr, was halten Sie davon, wenn wir alles so wörtlich nehmen wie es gesagt ist?
Menschen gehen die Augen auf! Sie lassen sich nichts mehr vormachen. Sie spielen kein Versteck mehr. Sie sehen nicht mehr weg.
Und die Füße, die wir gelähmt waren, nehmen gleich zwei, drei Schritte auf einmal. Wir können doch nicht immer nur still stehen bleiben, nicht immer nur abwarten, nicht immer nur verkriechen. Auf einmal sind Wege da!
Die, die schon aussortiert waren – oder die sich aussortieren ließen – wie Aussätzige, nehmen ihren Platz im Leben ein. Im Leben der anderen! Eine große Unruhe macht sich breit. Die Grenzen funktionieren nicht mehr, die abgesteckten und mit Furcht eingehegten Lebensräume – auf einmal offen.
Und die, die bisher nicht nur nichts sehen, sondern auch nichts hören wollten, bekommen große Ohren. Ohren für die vielen Laute, für die vielen Klagen, für die vielen Geschichten. Auf einmal darf auch das Schweigen etwas sagen, die Verstummten erzählen, die Wortkargen Worte finden.
Und Jesus sagt nur: Seht!
Wie das alles ineinander läuft! Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören.
Die Krönung muss dann auch noch sein: Tote stehen auf! Armen wird das Evangelium verkündigt.
Ich kann es in den Händen spüren! In den Knien! Schlaff war gestern, mutig ist heute. Und alles, was sich so fromm anhört, weltfremd oder irgendwie abgehoben – wir spüren den neuen Atem auf unseren Gesichtern. Wer hat gesagt, dass die Welt so bleiben muss wie sie ist? Wie sie gemacht wird? Wie sie verhunzt wird? Mit den Mächtigen haben wir noch ein Wörtlein zu reden. Am besten: wir zitieren einfach Jesaja – und Jesus! Gaudete!
Johannes wusste nicht, dass er der Vorläufer Jesu werden sollte. Er musste ins Gefängnis, um das zu entdecken! Nein, um das zu hören. Hier in der Öde, die nur nach Nacht riecht, wird es ihm zur Gewissheit. Ich bin vorangegangen! Als er zur Umkehr aufrief – damals am Jordan, damals, als auch Jesus sich von ihm taufen ließ – fing die Wüste um ihn herum zu blühen an und das trockene Land atmete auf.
Es ist eigentlich nur das Wort, das die Welt verwandelt. Es gleicht – und jetzt sind wir wieder ganz bei Jesaja – dem Regen, dem Schnee. Jesaja hat dazu sogar ein großes Gedicht geschrieben. Mit diesem tollen Satz, dass Gottes Wort nicht leer zurückkommt. Und die so angeblich seelenlose Natur liefert das Schauspiel immer noch: Auf einmal regen sich Pflanzen, Blüten und Tiere – wenn der Regen kommt. Wenn die Wüste zu sprudeln anfängt. Wenn die Steppe aufwacht. Dass die Wüste lebt, weiß die Natur schon lange. Eigentlich von Anfang an.
Gott kommt mit seinem Wort. Die Wüste jubelt! Die Steppe jauchzt! Was für gewaltige, großartige Bilder! Es ist von prächtigen Blüten die Rede! Eine schöner als die andere. Bilder des Lebens! Alles Vertrocknete, Versandete, Verkommene , alles Verbrauchte – lebt auf. Alles wird jung. Hände packen an und den Füßen ist kein Weg zu weit. Und das Seufzen hat aufgehört. Das Seufzen hat einem großen Staunen Platz gemacht:
Gaudete, gaudete! Christus est natus ex Maria virgine, gaudete!
Freut euch, freut euch! Christus ist geboren.
Noch einen schönen 3. Advent!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Im Matthäusevangelium nimmt Jesus in seiner Predigt Gedanken der Propheten auf und spricht den Armen, Behinderten und von Krankheit Gezeichneten das Heil zu. Vergleichbare Zeichen des Heiles auch heute zu setzen ist Zeugnis der Barmherzigkeit Gottes, die Menschen rettet und aufrichtet.
„Sagt den Verzagten: seid stark, fürchtet euch nicht!
Seht, euer Gott! Er selbst kommt und wird euch retten.“
(Jes 35,4)
Blinden werden die Augen und Tauben die Ohren geöffnet, der Lahme springt wie ein Hirsch und die Stummen jauchzen auf. Es sind dies Zeichen für die Zeit der Erfüllung, der Ankunft des Messias. Diese Verheißungen des Jesaja gehen weit über den Advent und Weihnachten hinaus.
In der Zeit Jesu bekommen diese Verheißungen eine besondere, religiös-politische Sprengkraft. Blinde, Stumme, Taube - das waren in den Augen der gesetzestreuen Gläubigen gottferne Menschen: ihre Behinderung wurde als ein Hinweis auf eine Strafe Gottes gesehen und deshalb wurden sie an den Rand der Gesellschaft gedrängt, beziehungsweise ganz ausgeschlossen.
Jesus hingegen spricht ausgerechnet ihnen seine Trostworte zu, jenen, die außerhalb des Gesetzes stehen: er findet Worte der Rettung für die Verlorenen und nicht nur für „die Braven“.
Eine Provokation für die Pharisäer und Schriftgelehrten, weil ihr Gottesbild ein gegenteiliges ist: Zöllner, Dirnen und Sünder haben die Gemeinschaft mit Gott auf Dauer verloren, weil sie die Gesetze der Tora nicht mehr halten können. Wer ein Gesetz nicht zur Gänze halten konnte, wurde konsequent gemieden, verachtet. Auch Aussätzige und Arme wurden wegen eines vermeintlichen Vergehens gegen Gott und das Gesetz bestraft und für schuldig abgestempelt. Und wer seine Schuld nicht bei den Priestern im Tempel durch Brand- und Sühneopfer bezahlen konnte, blieb ebenso auf Dauer von der priesterlich verwalteten Gemeinschaft mit Gott ausgeschlossen.
Ein unmenschliches und ungerechtes System.
Gerade gegen dieses unbarmherzige System verkündet Jesus: Kehrt um! Kehrt um - zum befreienden Gottesbild der alten Propheten, bleibt nicht länger am unmenschlichen Gottesbild der Pharisäer und Schriftgelehrten hängen. Gott straft und vernichtet nicht, sondern er sammelt und rettet. Er ist der mütterliche Vater, voll Erbarmen für alle.
Beim Evangelisten Matthäus wird dieses Programm Jesu bereits in der Bergpredigt (Mt 5) - seinem ersten öffentlichen Auftreten - unüberbietbar angekündigt. Die erste Seligpreisung lautet: Selig, die arm sind vor Gott, oder wie wir auch übersetzen können: Selig die ohne Gesetz sind, denn ihnen gehört das Himmelreich! Euch, denen vorgeworfen wird, das Gesetz nicht zu halten, Euch gehört schon jetzt der ganze Himmel! Eine Anlehnung an den Propheten Hosea, durch den Gott sich den Menschen mitgeteilt hat: Auch wenn du untreu bist, werde ich umso mehr mit dir gehen. (Hos 2). Durch diesen Hosea mahnt Gott auch ein: Liebe und Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. (Hos 6,6). Dies gipfelt bei Matthäus in der mittleren Seligpreisung: Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden.
„Die Zeit ist erfüllt“ - können wir das auch für unsere Tage in Anspruch nehmen? In drei Ereignissen des zu Ende gehenden Jahres sind für mich - beispielhaft wohl für unzählige andere - so etwas wie messianische Zeichen aufgeleuchtet.
Kardinal Krajewski, Almosenmeister des Papstes in Rom, stieg in einer Samstagnacht im Mai 2019 in den Keller einer Obdachlosenunterkunft, um das Haus wieder an das Stromnetz anzuschließen. Das leerstehende Haus war von bedürftigen Familien und Obdachlosen in Beschlag genommen worden, 450 Personen, darunter 100 Kinder. Die Situation der BewohnerInnen war dramatisch: jede/r Dritte hatte gesundheitliche Probleme. Sie waren seit Tagen ohne Kühlschrank, Warmwasser, Waschmaschine, Licht und Kochgelegenheit, nachdem ihnen der Stromversorger wegen unbezahlter Rechnungen den Strom abgedreht hatte. Der Kardinal sah sich zu diesem humanitären Akt verpflichtet und übernahm auch die volle Verantwortung.
„Blinden werden die Augen und Tauben die Ohren geöffnet.“
Auch im Mai dieses Jahres haben, gemeinsam mit dem ehemaligen Politiker und Flüchtlingskoordinator Ferry Maier, mehrere beherzte Leute die menschenverachtende Tafel „Ausreisezentrum“, die an der Erstaufnahmestelle für Asylsuchende in Traiskirchen angebracht worden war, entfernt. Nicht nur für sie war die Tafel eine „Dokumentation der Unanständigkeit und Menschenverachtung“ (Zitat Maier). „Die Stummen jauchzen auf.“
Und schließlich ein Beispiel aus der Welt des Sportes, wo Konkurrenz, jeder gegen jeden, Sieg und Niederlage systemimmanent sind. Im September 2019, bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Doha/Katar, kam es am ersten Wettkampftag zu einer großen menschlichen Geste. In einem Vorlauf über 5000 Meter nahm ein Läufer einen völlig erschöpften und entkräfteten Kontrahenten 200 Meter vor dem Ziel in seine Arme und führte ihn unter dem Jubel der etwa 5000 Zuschauer im Schritttempo ins Ziel. „Der Lahme springt wie ein Hirsch.“
„Sagt den Verzagten: seid stark, fürchtet euch nicht!
Seht, euer Gott! Er selbst kommt und wird euch retten.“ (Jes 35,4).
Zur Umkehr zu diesen Verheißungen und zu diesem Gottesbild ruft Jesus auf, auch in unseren Tagen. Gott genügt, dass es ein Mensch ist. Denn die Sonne geht über allen dieser Erde auf, Gerechten und Ungerechten. Gott will retten, er schenkt sein Erbarmen allen Menschen und wendet sich besonders jenen zu, die ihn am meisten brauchen.
Das ist die Frohe Botschaft Jesu: Freut euch - Gott ist barmherzig, rettet und richtet auf!
© Peter Schwarzenbacher, MSc, Referent für Diakone, Diözese Linz.
Jesus unterscheidet sich von Johannes durch sein neues Gottesverhältnis. Sein Vertrauen auf Gott macht Mut. Dieser Mut geht über auf jene, die ihm und seinem neuen Gottesverhältnis folgen.
Der Weg, den Johannes der Täufer zu gehen hatte, ist der bittere Weg des Martyriums, kaum Anlass zur Freude. Jesus erinnert ihn an die Worte des Propheten Jesaja. Über dem Leben des Johannes steht die Frohe Botschaft des Benediktus.
Was in diesen Texten angeboten wird, geht weit über Advent und Weihnachten hinaus. Es sind viele Trostworte in der alttestamentlichen Lesung und im Evangelium zu finden. Die zweite Lesung ermuntert Geduld zu haben, bis zur Ankunft des Herrn.
Der Prophet Jesaja (8. Jhdt.v.Chr.) lebte in einer fürchterlichen Zeit und kritisiert mit scharfen Worten die zersetzende Lebensart und die elenden politischen Verhältnisse in Juda und Jerusalem. Trotz aller Kritik: Blinden werden die Augen geöffnet- also zu Erkenntnissen kommen, dass es so nicht weitergeht, die Zunge des Stummen jauchzt auf, will heißen, dass diejenigen, die am Rande der Gesellschaft stehen, beachtet werden, Taube hören, Tote stehen auf- alles Trostworte für einen Neuanfang, Visionen freilich, die anzustreben sind und zu einer bevorstehenden Vollendung führen, weil der Herr nahe ist. Es ist eine Parusieerwartung, die Wiederankunft des Herrn.
Das meinte auch Paulus, aber der Beginn des Evangeliums spricht zunächst eine andere Sprache: „In jener Zeit hörte Johannes im Gefängnis von den Taten Christi.“ Also doch nicht die heile Welt, von der Jesaja spricht und was Jesus ankündigt. Im Evangelium steht Johannes am Ende seines Lebens. Er wird umgebracht. Das ist eine große Spannung zwischen dem, was geschieht und, was angekündigt wird. Daher die berechtigte Frage: „Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?“ (Mt.11,3). Es sind Spannungen, die nicht aufgehoben, sondern schwer auszuhalten sind.
Augustinus, der Kirchenlehrer des 4. und 5. Jhdts., zeigt das sehr deutlich an der Person des Johannes: „Er scheint so etwas wie eine Grenzlinie zwischen den beiden Testamenten, dem Alten und dem Neuen zu sein... Johannes stellt in seiner Person das Alte dar und verkündet doch das Neue. Weil er das Alte darstellen sollte, wurde er von einer Greisin (Elisabeth) geboren; weil er aber schon das Neue vertritt, wird er noch im Schoß der Mutter zum Propheten erklärt. Als er noch nicht geboren war, jubelte er im Mutterschoß bei der Ankunft Mariens. Schon dort hatte er seine Bestimmung schon vor der Geburt; wessen Vorläufer er sein sollte, wurde angezeigt. Zacharias, der Vater des Johannes, schweigt und verliert seine Stimme, weil er nicht glauben kann, dass Elisabeth in hohem Alter noch einen Sohn zur Welt bringt; bis Johannes geboren ist und er die Stimme wieder bekommt. Verkündete Johannes sich selbst, könnte er den Mund des Zacharias nicht öffnen. Johannes ist Stimme auf Zeit, Christus im Anfang das ewige Wort.“ (nach Lektionar zum Stundenbuch I/5 S 286f).
Johannes ist auch von der Vergangenheit belastet und sagt: „Tut Buße!“ Jesus vertritt eine andere Sichtweise: „Fangt neu an!“ Somit eine sehr optimistische Grundstimmung. Diese wird auch im Sonntag „Gaudete“ – Freuet Euch!“ durch die rosa Farbe ausgedrückt. Der Eingangsvers lautet: „Freuet euch im Herrn zu jeder Zeit! Und nochmals sage ich: Freut euch im Herrn, denn der Herr ist nahe.“ (Phil.4,4.5).
Die Freude, von der Jesus spricht, dass sie „in uns“ sei, ist keine „Zugabe“ zum Leben des Christen. Ohne diese Freude gibt es kein wirkliches christliches Leben. Es ist die Freude über die „kostbare Perle“, über den „Schatz im Acker“ (Mt.13,44-52). Diese Freude gibt der Kirche ihre Lebenskraft, sie stärkt uns in den Mühen des Alltags und ist das herausragende Merkmal der christlichen Gemeinden. (Kardinal Carlo Martini +). Werden wir also „Künder des Wortes und Diener dieser Freude, denn im Glauben sind wir fest verwurzelt“ (2 Kor 1,24).
Lieder:
GL 220: Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern
GL 221: Kündet allen in der Not (4. und 5. Str.)
GL 222: Herr, send herab uns deinen Sohn
GL 223: Wir sagen euch an den lieben Advent
GL 227: Komm, du Heiland aller Welt
GL 228: Tochter Zion, freue dich
GL 230: Gott heilger Schöpfer aller Stern
GL 231: O Heiland, reiss die Himmel auf
GL 233: O Herr, wenn du kommst, wird die Welt wieder neu
GL 360: Macht weit die Pforten in der Welt
GL 365: Meine Hoffnung und meine Freude
GL 372: Morgenstern der finstern Nacht
GL 551: Nun singt ein neues Lied dem Herren
GL 554: "Wachet auf", ruft uns die Stimme
GL Ö790/Ö791: Tauet Himmel, den Gerechten
GL Ö798: O komm, o komm Emmanuel
Psalmen und Kehrverse:
GL 47: In den Tagen des Herrn sollen Gerechtigkeit blühen und Fülle des Friedens - Mit Psalm 72 - V.
GL 48: Biete deine Macht auf, Herr, unser Gott, und komm uns zu retten - Mit Psam 80 - I.
GL 55: Jubelt, ihr Lande, dem Herrn; alle Enden der Erde schauen Gottes Heil. - Mit Psalm 98 - VIII.
GL 56: Freut euch: Wir sind Gottes Volk, erwählt durch seine Gnade. - Mit Psalm 100 - V.
GL 77: Der Herr ist erhaben, doch er schaut auf die Niedrigen: Ja, seine Rechte hilft mir. - Mit Psalm 146 (GL 77,2) - VII.
GL 232: Dein Reich komme, ja dein Reich komme! Maranatha!
GL 229: Herr, erhebe dich, hilf uns und mach uns frei - Mit Psalm 146 - I.
GL Ö794: Maranatha. O Komm, Herr jesus, und erbarme dich unser. - Mit Psalm 42 und/oder 43 (GL 42,2 oder GL 42,3) - VI.
GL Ö796: Freut euch und jubelt, denn unser Herr ist nah. - Mit Psalm 112 (GL 61,2) oder Psalm 121 (GL 67,2) VI.
GL Ö797,1: Hebt euch, ihr Tore, unser König kommt. - Mit Psalm 98 (GL 55,2) - VIII.
GL Ö797,2: Siehe, dein König kommt zu dir, öffne die Tür. - Mit Psalm 121 (GL 67,2) - VI.
Am dritten Advent zünden wir nicht nur die 3. Kerze an… die vorletzte…
Am dritten Advent wird auch nicht nur eine Bußzeit unterbrochen…
Am dritten Advent werden wir zur Freude aufgerufen: Gaudete!
Nicht zaghaft, hinter vorgehaltener Hand, mit zugekniffenem Mund: Gaudete!
Gaudete ist das lateinische Anfangswort des Eröffnungsverses unseres Gottesdienstes: "Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Denn der Herr ist nahe." (Phil 4,4 f.)
Worüber wir uns freuen können? Wir freuen uns über eine Hand, die hält, über den einen Herrn, der kommt, über eine Welt, die geborgen wird.
Christus wissen wir in unserer Mitte, ihn rufen wir an:
"Freut euch im Herrn zu jeder Zeit.
Noch einmal sage ich: Freut euch!
Denn der Herr ist nahe."
Mit diesen Worten aus dem Brief des Apostels Paulus an die Christen in Philippi beginnt der Gottesdienst am 3. Adventsonntag.
Aber wie kann man sich freuen, wenn es rundherum so viel Unerfreuliches gibt? Dieser Gottesdienst möchte Sie nicht über die Probleme, die uns umgeben, hinwegtrösten. Vielmehr möchte er uns zeigen, wie man trotz allem gelassen und zuversichtlich im Leben stehen kann. Das Fundament unserer Lebensfreude ist das Wissen um die Nähe und Gegenwart Gottes.
Am Beginn unserer Feier treten wir vor den Herrn und bitten ihn um sein Erbarmen.
Die Adventszeit ist eine Bußzeit, eine Zeit der Umkehr, eine Zeit der Stille. Die Farbe dieser Zeit: lila. Aber am dritten Advent legt sich schon weihnachtlicher Glanz auf diese Zeit. Die Farbe von Weihnachten: weiß. Und mischen wir lila und weiß, fängt ein wunderbares rosa an zu leuchten. Das ist die Farbe des 3. Advents. Er trägt den Namen: Gaudete! Freut euch!
Wir werden in einen wundersamen Neuanfang geführt. Sozusagen in rosa Farben.
Stärkt die schlaffen Hände
und festigt die wankenden Knie!
Sagt den Verzagten: Seid stark,
fürchtet euch nicht!
Seht, euer Gott!
Herr,
so manche Hand ist schlaff,
so manches Knie wankt,
so mancher Gedanke leer und trüb.
Herr, erbarme dich.
Christus,
du kommst.
Ziemlich klein kommst du in die Welt.
Wie eine zarte Pflanze.
Ein Kind.
Christus, erbarme dich.
Herr,
überall sind blinde Flecken,
überall sind Wege verbaut,
überall verkommen Worte zu Geschrei.
Herr, erbarme dich.
„Geht und erzählt, was ihr heute hört:
Mit den Augen der Liebe entdecken Blinde die Welt,
Lahme lassen alle Enttäuschungen hinter sich zurück;
die Verlorenen bekommen einen Ehrenplatz
und die, die nichts mehr hören wollten, ein offenes Herz.
Wir sehen sogar Tote aufstehen
und Sprachlose verkünden das Evangelium.
Gott kommt“
Herr, Jesus Christus,
du bist in die Welt gekommen, um uns zu retten.
Herr, erbarme dich.
Du öffnest den Blinden die Augen und den Tauben die Ohren.
Christus, erbarme ich.
Du verkündest den Armen die Frohe Botschaft vom Reich Gottes.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
Du bist ganz Mensch geworden.
Herr, erbarme Dich.
Du hast Dich für die Menschen eingesetzt, die der Hilfe bedürfen.
Christus erbarme Dich.
Auch wir wollen uns dem Nächsten zuwenden, so, wie Du es getan hast.
Herr, erbarme Dich.
© Edith Furtmann, familie.furtmann@t-online.de
Herr,
wenn wir enttäuscht sind, keine Hoffnung mehr haben,
legt sich eine große Müdigkeit auf unser Leben.
Alles in uns erschlafft.
Herr, erbarme dich.
Christus,
du kommst uns mit Liebe entgegen und bleibst bei uns.
Neuer Mut wächst uns zu.
Wir können große Sprünge machen.
Christus, erbarme dich.
Herr,
wenn wir Menschen verzagen sehen,
und die Nacht, die sich um sie ausbreitet,
schenke uns kräftige Hände, sie zu halten.
Herr, erbarme dich.
Der Propheten Jesaja konnte sagen:
Jubel und Freude stellen sich ein,
Kummer und Seufzen entfliehen.
Allmächtiger Gott,
sieh gütig auf dein Volk,
das mit gläubigem Verlangen das Fest der Geburt Christi erwartet.
Mache unser Herz bereit für das Geschenk der Erlösung,
damit Weihnachten für uns alle ein Tag der Freude und der Zuversicht werde.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 3. Adventsonntag
Gott des Erbarmens,
du hast allen Völkern der Erde das Heil zugesagt.
Lass uns voll Freude das Fest der Geburt Christi erwarten
und das große Geheimnis seiner Menschwerdung feiern,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 2. Dienstag im Advent
Gott, unser Vater,
wir sind dein Eigentum
und setzen unsere Hoffnung allein auf deine Gnade.
Bleibe uns nahe in jeder Not und Gefahr
und schütze uns.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB: 5. Sonntag im Jahreskreis
Gott,
uns ist die Freude abhanden gekommen.
Wir suchen sie hektisch, aber sie mag sich nicht einstellen,
wir laufen ihr nach, aber uns tun alle Glieder weh.
Wenn du kommst,
werden Schwache stark,
Verzagte mutig und
Größenwahnsinnige klein.
Komm!
Stecke uns mit der Freude an,
die unsere Gesichter freundlich,
unsere Gedanken friedvoll,
unsere Schritte beschwingt machen.
Komm!
Dann geht uns ein Licht auf,
dann teilen wir miteinander die Freude,
geliebt zu sein.
Engel verkünden uns die große Freude:
Euch wird der Heiland geboren!
Christus,
der Herr.
Gütiger Gott,
in vielen Zeiten war das Leben der Menschen geprägt
von Hoffnungslosigkeit.
Du hast uns in Jesus dein Wort des Trostes,
des Mutes und des Heils neu geschenkt
und willst es uns immer wieder neu erfahrbar machen.
Schenke uns in dieser Adventszeit neue Zugänge –
Zugänge die uns tragen,
auch durch die Schwere im eigenen Leben
und unserer Zeit.
Das erbitten wir, durch Jesus, unseren Bruder und Herrn.
Herr, du hast die Farben geschaffen
damit deine Welt bunt und schön ist.
Du hast ihnen symbolische Bedeutungen beigegeben
damit wir Erfahrungen, Gefühle und Träume ausdrücken können.
Wir danken dir heute für die Farbe rosa,
die deinen weihnachtlichen Glanz auf unsere Umkehr,
unsere Aufbrüche und Neuanfänge legt.
Du nimmst auch unsere Hände und Knie in deinen Blick
unsere Ermüdungserscheinungen,
unseren Kleinmut, unsere Resignation
Schenke uns die große Freude,
mit sehenden Augen und offenen Ohren,
mit weiten Schritten und fröhlichen Gesichtern,
dich zu erwarten.
Du kommst zu uns.
In Christus, unserem Bruder und Herrn.
Der Prophet Jesaja sagt:
„Stärkt die schlaffen Hände und festigt die wankenden Knie! Sagt den Verzagten: Seid stark, fürchtet euch nicht!"
Herr, wir denken heute an Menschen, die keine Kraft mehr in ihren Händen haben, denen vieles entgleitet, die nur unter Schmerzen gehen können, denen jeder Weg mühsam geworden ist.
Herr, reiche uns deine Hand!
Wir denken heute an Menschen, die sich in ihrem Leben verausgabt haben und jetzt nicht mehr können, die ausgenutzt wurden und mit einer stillen Wut alleine sind.
Der Apostel Jakobus schreibt: „Ebenso geduldig sollt auch ihr sein; macht eure Herzen stark, denn die Ankunft des Herrn steht nahe bevor. Klagt nicht übereinander, Brüder und Schwestern…“
Herr, uns kommen Menschen in den Sinn, die nur noch klagen können, über alles, über jeden. Die mit sich nicht im Reinen sind. Die mit ihrer Unzufriedenheit einsam werden. Hilf ihnen, Menschen mit Vertrauen zu begegnen.
Uns kommen Menschen in den Sinn, die mit ihrer Klage alleine gelassen sind, die nicht gehört, die nicht verstanden werden. Krankheit, Alter und Einsamkeit setzen ihnen zu, sie haben keinen Menschen, der ihre Hand hält.
Jesus sagt: „Geht und berichtet, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium verkündet..“
Wir befehlen dir die Nachrichten in der Welt. Sie werden ausgesucht, aufbereitet und in den Medien verteilt. Bewahre die Wahrheit davor, zum Spielball der Mächtigen zu werden. Und schenke uns die Klarheit, kritisch mit Informationen und Meinungen umzugehen.
Wir befehlen dir alle Menschen, die im Dienst deiner Kirche stehen. Sie feiern Gottesdienste, stehen auf Kanzeln, sind Seelsorgerinnen und Seelsorger. Sie bringen das Evangelium unter die Leute.
Hilf ihnen, immer das rechte Wort zu finden und Schweigen auszuhalten. Und schenke uns die Freude, mit Menschen gemeinsam den Weg in das Leben zu finden.
Ein Sonntag im Advent, der „Gaudete“ heißt – Freuet euch – wird uns fröhlich machen! Dafür sorgen Geschichten aus Jahrhunderten – und Menschen, die die Freude schon gefunden haben. Geh du mit uns, Herr.
Du bist die Hand, die hält, du bist der Herr, der kommt, du birgst die Welt in deiner Liebe. - Amen.
Guter Gott,
du siehst die Nöte in unserer Welt, du stärkst die Schwachen und richtest die Gebeugten auf.
Wir bitten dich:
Öffne die Augen der Menschen, die über die Not und das Elend ihrer Mitmenschen hinwegschauen.
Öffne die Ohren der Menschen, die das Schreien der Unterdrückten und Entrechteten überhören.
Sättige die Hungernden und verschaff ihnen Zugang zu Nahrung und Wasser.
Befreie die Gefangenen, die wegen ihres politischen Engagements oder ihrer religiösen Überzeugung in Umerziehungs- und Arbeitslagern festgehalten werden.
Richte die seelisch oder leiblich Kranken auf und gib ihnen Kraft, mit ihrem Schicksal zu leben.
Führe unsere Verstorbenen heim in deine himmlische Herrlichkeit.
Vater im Himmel, wir danken dir, dass du in diesen Tagen des Advents unsere Zuversicht und Hoffnung stärkst.
Dir sei Lob in Ewigkeit. – Amen.
Gott kann unsere Klagen, Sorgen und Nöte in Freude verwandeln. Wir müssen es nur zulassen.
Um diese Zuversicht aus dem Glauben wollen wir ihn bitten:
Für deine Kirche, dass sie lebendige Glaubensverkündigung der Gefahr des Erstarrens zu einem Kulturdenkmal entgegensetzen kann.
Für alle in der Gesellschaft, die den Mut haben, klare Botschaften öffentlich auszusprechen und dabei kreativ und friedlich nach guten Lösungen für alle suchen.
Für alle, deren Lebensängste und Enttäuschungen so übergroß sind, dass sie jede Freude am Geschenk des Lebens verloren haben.
Für uns selbst um die Fähigkeit mit Humor den Ernst des Lebens mit Gelassenheit ertragen zu können und Großmut in der Begegnung miteinander.
Für unsere Verstorbenen und alle, die um sie trauern, um die Gnade in aller offensichtlichen menschlichen Begrenztheit des Todes den Glauben an deine Treue zu wagen.
Guter Gott!
Du bist der tiefste Grund aller Freude.
Du wendest dich uns im Geheimnis der Weihnacht als Retter zu.
Dich loben und preisen wir jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Herr Jesus Christus,
Du gibst mehr auf Taten als auf Worte.
Wir bitten Dich:
Lenke unseren Blick auf die Ausgegrenzten unserer Gesellschaft,
auf die, die den Anschluss verloren haben, die nicht für sich selbst sorgen können, die nicht wissen, wie sie den Winter überstehen sollen.
Lenke unseren Blick auch auf die Menschen, die sich für sie einsetzen:
in den Tafeln, in den Essensausgaben, Kleiderkammern, bei Caritas und Diakonie und in ihnen Dich, Gott, erkennen.
Lenke unseren Blick auf die, die ihre Heimat verloren haben:
in Krieg und Verfolgung, unter Bomben und Gewalt, die, die fliehen und die, die dennoch ausharren.
Lenke unseren Blick auch auf die Menschen, die sich einsetzen für den Frieden in der Welt,
die bemüht sind, Gerechtigkeit herzustellen, die verhandeln, die sich in die Kriegsgebiete hineintrauen und dort den Menschen beistehen und in ihnen Dich, Gott, erkennen.
Lenke unseren Blick auf alle Menschen, die ihre Heimat verlassen,
die auf der lebensgefährlichen Flucht getötet werden, ertrinken, verhungern, verdursten und erfrieren
und auf die, die es überleben und dann auf Mauern von Ablehnung und Hass stoßen.
Lenke unseren Blick auch auf die Menschen, die sich damit nicht abfinden wollen,
die vor Ort Menschenleben retten, die in die Flüchtlingsunterkünfte gehen, die ohne Rücksicht auf sich selbst da helfen, wo ihre Hilfe gebraucht wird und in den Geflüchteten Dich, Gott, erkennen.
Lenke unseren Blick auf alle die Menschen, deren Lebensgrundlagen durch Umweltverschmutzung und Klimawandel verschwinden,
die Opfer von Katastrophen werden, die unserem sorglosen Umgang mit der Umwelt geschuldet sind, deshalb ihr Leben verlieren und ihre Heimat, hier bei uns und überall auf der Welt.
Lenke auch unseren Blick auf die Menschen, die bereit sind, sich einzusetzen, deine Schöpfung zu erhalten und allen Menschen eine Zukunft zu geben und die in Deiner Schöpfung Dich, Gott, erkennen.
Herr Jesus Christus,
dein Weg war der Weg der Nächstenliebe. Du lädst uns ein, mitzugehen.
Dafür danken wir Dir. – Amen.
© Edith Furtmann, familie.furtmann@t-online.de
Heute, am dritten Advent, dürfen schlaffe Hände und wankende Knie sichtbar sein, Verzagtheit, Trauer und Verbitterung.
Heute, am dritten Advent, sehen wir Wüsten und Steppen in unserem Leben. Vertrocknete Hoffnungen, verbrauchte Träume, verschwiegene Ängste.
Aber wir hören auch, dass Gott sich zu uns aufmacht. Freude wird sich ausbreiten.
Wir befehlen Gott unser Leben, die Welt, die Natur, alle Menschen:
Herr,
wir schauen auf das Leben in unseren Häusern, Nachbarschaften, Kollegenkreisen.
Schwäche darf nicht sichtbar sein. Alle müssen die Starken spielen. Viele Tränen sehen wir nicht.
Zu dir rufen wir: Lass Blinde sehen und Lahme springen.
In Madrid haben sich die Vertreter vieler Nationen zur Klimakonferenz getroffen.
Weltweit müssen Ziele vereinbart werden, um das Klima nicht noch weiter zu belasten.
Zu dir rufen wir…
Die Medien wissen zu berichten, dass das Geschäft mit Waffen sehr lukrativ und erfolgreich ist.
Menschen, Menschengruppen, ganze Völker rüsten sich auf und stellen sich gegeneinander.
Zu dir rufen wir…
Viele Pflanzen und Tiere sind vom Aussterben bedroht. Die Erde ächzt unter dem Raubbau.
Aus wirtschaftlichen Erwägungen werden Urwälder gerodet und Grünflächen verbaut.
Zu dir rufen wir…
Terror, Krieg und Hunger treiben Menschen in die Flucht. Schon Kinder müssen sich alleine durchschlagen. Vielen Menschen bleibt nur der Mut der Verzweiflung.
Zu dir rufen wir…
Mache uns reich mit Ideen, Kraft und Leidenschaft,
in Wüsten und Steppen Blumen zu pflanzen,
deine Liebe zu teilen
und einander Zukunft zu schenken.
Dann jubeln die Wüste und das trockene Land,
dann jauchzt die Steppe
und wir werden die Herrlichkeit des HERRN sehen,
die Pracht unseres Gottes.
In Jesus, der ein Mensch wurde.
Die ersten Christen haben in der Naherwartung des Wiederkommens Christi gelebt. Wir leben derzeit in der Erwartung des Weihnachtsfestes. Im Gegensatz zu den ersten Christen haben wir es uns in dieser Welt so gut eingerichtet, dass es scheint, dass wir die Sehnsucht nach Gott und seinem Reich verloren haben.
In Besinnung auf unser Heil, das nur von ihm kommen kann, lasst uns bitten:
Für eine Kirche, die sich nicht immer wieder in weltliche Machenschaften verstrickt.
Für ein Europa, in dem Politiker und Bürger gemeinsam versuchen, unsere europäischen Werte zu bewahren.
Für alle Menschen, die verbittert und hasserfüllt leben, dass sie an deine Liebe glauben können und dadurch wieder Hoffnung finden.
Für uns selbst, dass wir von und mit dir, dem Gott, der uns liebt und hält, leben.
Für unsere Verstorbenen, dass sie von deiner ewigen Freude erfüllt werden.
Dich, unseren Vater, bitten wir, hilf uns dem Fest der Ankunft deines Sohnes so entgegenzugehen, dass er wirklich in unseren Herzen ankommt. - Amen.
Herr, unser Gott,
in dieser Feier
erfüllen wir den Auftrag deines Sohnes.
Nimm unsere Gaben an
und gib deiner Kirche die Gnade,
immer und überall sein Opfer zu feiern.
Schenke uns durch dieses Geheimnis dein Heil,
das du der Welt bereitet hast.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Adventsonntag
Allmächtiger Gott,
alles, was wir haben, kommt von dir.
Nimm die Gaben an, die wir darbringen.
Mache sie für uns in diesem Leben
zum Sakrament der Erlösung
und rufe uns an deinen Tisch im kommenden Reich.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 1. Adventsonntag
Herr, nimm unsere Gaben an
und mache sie uns zum Sakrament der Erlösung.
Reinige uns von allen Sünden,
damit wir besonnen und gerecht in dieser Welt leben
und die Wiederkunft
unseres Retters Jesus Christus erwarten,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 24. Dezember am Morgen
Mit Brot und Wein, Herr,
feiern wir das Mahl,
das du uns aufgetragen hast zu deinem Gedächtnis.
Mit Brot und Wein, Herr,
bringen wir dir unsere Geschichten und Träume,
unsere Schmerzen und Enttäuschungen.
Mit Brot und Wein, Herr,
kommst du zu uns,
verwandelt und voller Liebe:
Dein Leib, dein Blut.
Brot und Wein sind, Herr, deine Gaben.
Du stillst den Hunger nach Leben.
Du schenkst uns ein großes Fest.
Unsere Enttäuschungen dürfen wir mitbringen,
die Arbeit, die uns ausfüllt und bedrängt,
die Menschen, die wir lieben und vergessen.
Du verwandelst alles Leben,
du deckst uns den Tisch in deinem Reich.
Lass uns deine Liebe sehen und schmecken.
Christus.
In Brot und Wein.
Er ist deine Gabe,
unser Glück.
(für Wortgottesdienstfeiern)
Kehrvers:
Lobet den Herrn, preist seine Huld und Treue.
(GL 401)
Guter Gott und Vater;
Wir kommen vor dein Angesicht, um dir Dank zu sagen.
Du hast auf die Not deines Volkes geachtet und Jesus gesandt,
dass er jenen zu Hilfe komme,
die an den Verwundungen der Schöpfung leiden.
Kehrvers
Er hat erfüllt, was die Propheten verheißen haben:
Er hat die erschlafften Hände gestärkt,
die wankenden Knie wieder gefestigt
und allen Menschen Mut zugesprochen.
Kehrvers
Den Blinden hat er die Augen geöffnet,
den Tauben die Ohren,
die Zungen der Stummen hat er gelöst
die Lahmen geheilt,
Tote auferweckt
und die Ausgeschlossenen
in die Gemeinschaft des Volkes zurückgeführt.
Kehrvers
Wie Johannes der Täufer
hat der den Armen die Frohe Botschaft verkündet
und ihnen die Freude des Reiches Gottes erschlossen.
Kehrvers
Mit allen Menschen, die sich für das Fest seiner Menschwerdung bereiten,
stimmen wir ein in das Lob der ganzen Schöpfung und singen:
Danklied, z. B. Danket, danket dem Herrn... (GL 406)
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen dich
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Ihn hast du der verlorenen Menschheit
als Erlöser verheißen.
Seine Wahrheit leuchtet den Suchenden,
seine Kraft stärkt die Schwachen,
seine Heiligkeit bringt den Sündern Vergebung.
Denn er ist der Heiland der Welt,
den du gesandt hast, weil du getreu bist.
Darum preisen wir dich
mit den Cherubim und Serafim
und singen mit allen Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Advent 3
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Von ihm redet die Botschaft aller Propheten,
die jungfräuliche Mutter trug ihn voll Liebe in ihrem Schoß,
seine Ankunft verkündete Johannes der Täufer
und zeigte auf ihn,
der unerkannt mitten unter den Menschen war.
Er schenkt uns in diesen Tagen die Freude,
uns für das Fest seiner Geburt zu bereiten,
damit wir ihn wachend und betend erwarten
und bei seinem Kommen
mit Liedern des Lobes empfangen.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Advent 2
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel,
zu danken und dein Erbarmen zu preisen.
Denn schon leuchtet auf der Tag der Erlösung,
und nahe ist die Zeit unsres Heiles,
da der Retter kommt
unser Herr Jesus Christus.
Durch ihn rühmen wir das Werk deiner Liebe
und vereinen uns mit den Chören der Engel
zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
Präfation vom Advent 5
Du unser Gott,
schenke uns Freude.
Freude, die sich nicht ersticken lässt
durch die Hektik unserer Tage,
von all der Arbeit,
von dem Trubel und Lärm.
Mache sie stark in uns
und lass nicht zu,
dass wir sie für uns behalten.
Mache uns freigiebig
mit unserer Freude,
damit wir sie weitertragen
hinaus auf die Straßen,
hinein in die Häuser,
zu den Menschen,
die die wahre Freude so bitter nötig haben,
damit sie leben können -
nicht gejagt von sinnlosem Suchen nach mehr,
nicht voll Sorge und Angst,
sondern erfüllt von der Freude,
der wahren Freude,
die nur du schenken kannst.
Barmherziger Gott,
komm durch dieses heilige Mahl
uns schwachen Menschen zu Hilfe.
Reinige uns von Schuld
und mache uns bereit für das kommende Fest.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Adventsonntag
Herr, unser Gott,
du hast uns durch deine große Gabe gestärkt.
Gib, daß wir das Fest der Geburt deines Sohnes würdig begehen,
und mache unsere Freude vollkommen
am Tag seiner Wiederkunft.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB 24. Dezember am Morgen
Gütiger Gott,
die heilige Speise, die wir empfangen haben,
durchdringe uns mit ihrer Kraft.
Sie vertiefe unseren Glauben,
mache stark unsere Hoffnung
und entzünde unsere Herzen zu Werken der Liebe.
Lass das göttliche Leben, das du uns geschenkt hast,
sich entfalten und Frucht bringen für das ewige Leben.
Darum bitten wir…
MB Schlussgebete zur Auswahl 10
Mit Riesenschritten gehen wir auf Weihnachten zu.
Wir müssen noch so viel machen.
Gott, Licht bist du.
Mit vielen Dingen werden wir nicht fertig,
viele Dinge machen uns fertig.
Schenke uns die große Freude,
dich zu erwarten und unsere Hoffnung
auf dich zu setzen.
Schenke uns die große Freude,
anderen Menschen Freude zu machen
und sie zu erwarten.
Mit Riesenschritten kommst du auf uns zu.
Wir müssen dir nichts vormachen.
Du ordnest die Dinge in deiner Liebe.
In Christus, unserem Freund und Bruder,
dir ganz und gar gleich. – Amen.
Wir danken dir, Herr, für diesen Tag,
für den dritten Advent.
Manchmal sind wir so müde und verbraucht,
dass wir auf nichts mehr warten,
auch nichts mehr erwarten.
Wir wollen nur noch Ruhe, nur noch schlafen.
Öffne uns die Augen,
schenke uns große weite Ohren.
Dann sehen wir dich.
In der Ferne bist du schon zu erkennen.
Dann hören wir dich.
Du kommst auf uns zu.
Wir sehen Gesichter,
wir hören Stimmen.
Von Menschen, die geschäftig und laut,
aber auch traurig und leise durch die Straßen eilen.
Lass uns dich unter ihnen entdecken
und mit ihnen die Freude zu teilen,
die immer schon bei dir ist.
In Christus, der einer von uns wurde.
Der barmherzige Gott
hat uns den Glauben an das Kommen seines Sohnes geschenkt;
er segne und heilige uns durch das Licht seiner Gnade. - Amen.
Er mache uns stark im Glauben, froh in der Hoffnung
und eifrig in Werken der Liebe. - Amen.
Die erste Ankunft des Erlösers sei uns ein Pfand der ewigen Herrlichkeit,
die er uns schenken wird, wenn er wiederkommt auf den Wolken des Himmels. - Amen.
Das gewähre uns der dreieinige Gott,
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. - Amen.
MB Segen Advent
Es segne uns Gott,
der uns leitet, auch durch die Wüsten unseres Lebens.
Es segne uns Gott,
der uns aufrichtet, wenn wir geknickt sind wie ein Schilfrohr.
Es segne uns Gott,
der uns neu aufblühen lassen will zu neuem Engagement.
So segne uns Gott,
der Vater und der Sohn und die Kraft des Hl. Geistes.
eine Überzeugung
hast du
Johannes
eine Überzeugung
die dich trägt
und nicht mit Pracht und Macht
vertrittst du sie
sondern zurückgezogen
Wüstenerfahrung machend
bescheidend auftretend
und doch
mit all deiner inneren Macht
für sie eintretend
in ärmlicher Kleidung
und doch
mit gewaltiger Ausstrahlung
das Erkannte vertretend
auch
wenn du dich dabei
um Kopf und Kragen redest
du knickst nicht ein
als klare Position gefragt ist
bis kein Schilfrohr im Wind
wer dich hören und dir folgen will
der muss die Kargheit der Wüste
auf sich nehmen
der muss wirklich frei werden
zum „wahren Hören“
du trägst dein Erkennen
bis in die letzte Konsequenz
deine HOFFNUNG
dass das Verkündete schon eingetreten ist
dass sich alles JETZT OFFENBART
in JESUS CHRISTUS
und erhältst den Zuspruch
seiner Zusage
mutig die Menschen
damals
wie
heute
die klare Kannte bekennen
die zu ihrem Wort stehen
die damit
die Gleichheit aller
und
Gerechtigkeit für alle
einfordern
sie fordern
für Männer und Frauen
Arme wie Reiche
für alle Völker
und
alle Nationen
Herr
schenke uns den Mut des Johannes
schenke uns den Mut der Eindeutigkeit
schenke uns den Mut
deine Liebe zu verkünden
und
für jeden Menschen
einzutreten
dem Unrecht widerfährt
Herr
schenke uns Mut
unsere Überzeugung
friedvoll zu leben
Beatrix Senft 2022.
Eine Vision, eine Zukunft, etwas, was in der Gegenwart nicht vorstellbar war und ist: Jesaja schreibt seine Worte nieder, als das Volk unterdrückt ist, in Unfreiheit. Und doch half es den Gläubigen, weiterzumachen, zu hoffen, nicht aufzugeben.
Auch im Warschauer Ghetto, auch in den Vernichtungslagern hat der Glaube vielen geholfen, auszuhalten und nicht aufzugeben, selbst da, wo ein gutes Ende nicht mal als Vision erkennbar war. Geflüchtete Christen berichten, dass auf der Flucht im Mittelmeer der Glaube ihnen die Hoffnung gegeben hat und geholfen hat zu überleben: auch, wenn ihnen klar war, wie absurd diese Hoffnung war, wenn der Motor ausfiel, wenn Wasser ins Boot eindrang…
Die Vision einer Zukunft in Frieden und Freiheit, von Gott versprochen, hilft. Erklären kann man das nicht. Wer nicht glauben kann, wird an diesem Glauben möglicherweise verzweifeln. Aber vielen hilft es, weiterzumachen.
Auch Johannes lebte aus den Worten des Propheten Jesaja, und Jesus kannte sie ebenfalls. Warum dieser Zweifel, ob Jesus der Messias sei? Weil dieser Jesus nicht das Weltgericht brachte, sondern Nächstenliebe, Hilfe für die Ausgegrenzten, die Kranken, die Einsamen. Das war sicher nicht das, was Johannes erhofft hatte. Dieser Messias brachte nicht den Zorn Gottes über die Menschen: er lenkte den Blick auf die Liebe zu den Nächsten.
In diesem Geist können auch wir gut das Kommen des Erlösers erwarten: in der Hoffnung, dass Gottes Zusage trägt, und in der Gewissheit, dass unsere Zuwendung zu denen, die unserer Hilfe am meisten bedürften, den richtigen Weg uns weisen wird.
© Edith Furtmann, familie.furtmann@t-online.de
Edith Furtmann 2022.
Ja, weiß ich das denn so genau?
Er wartet - auf mich
Er macht mir seine
Aufwartung
In meinem Fragen
offenbart er sich als
klärende Antwort
Meine Angst
wandelt er in Mut
Mein Zögern
in Entschlossenheit
Meine trüben Gedanken
in Erleuchtung
Mein berührbares Herz
meine Aufwartung
für ihn
der da kommen will
Komm, Jesus und
öffne meine Sinne
für den SINN
öffne meine Sinne
für die göttliche Dimension
meines Lebens
Ja, das erwarte ich
für mein
Weihnachten
und
für den FRIEDEN
in der Welt
Liebe Gemeinde, wenn Gott kommt, bleibt nichts „beim Alten“. Menschen geraten neu in Bewegung. Sie beginnen zu hoffen und zu wünschen. Wer wunschlos ist, der ist nicht glücklich, sondern verstorben, hat einmal ein kluger Politiker gesagt. Wer wunschlos ist, der ist nicht glücklich, sondern verstorben, denn er hat sich vergraben in einer Weltsicht ohne Erwartungen, ohne Hoffnung, ohne Horizont. Das ist in der Politik nicht anders als im persönlichen Leben. In einer solchen Weltsicht ist die Hoffnung ein Störfaktor.
Wenn Gott kommt, wird diese Weltsicht aufgebrochen, denn Gott provoziert neue Erwartungen und Hoffnungen, Sehnsüchte und Wünsche. Die Wüste beginnt zu blühen. Das ist wie eine Vision. Sind das Utopien, zu schön, um wahr zu sein? Die blühende Wüste, in der sich Teiche erstrecken, wo Dürre war? Das sind überschwängliche Hoffnungsbilder. Sie können annähernd fassen, was sich ereignet, wenn Gott kommt: neue Lebensmöglichkeiten, wo wir keine Möglichkeiten mehr sehen, neuer Mut, wo nur Angst herrschte, Vertrauen, wo nur Hass war. Diese Bilder malen mehr als alles. Menschen werden aus der Wüste ihrer erstorbenen Erwartungen, ihrer versteinerten Herzen, ihrer verlorenen Hoffnungen herausgeholt.
Prof. Dr. Gunda Schneider-Flume, Predigt über Jes. 35, 3-10 „Kraft der Erwartung“ in:
https://predigten.evangelisch.de/predigt/die-kraft-der-erwartung-predigt-ueber-jesaja-35-3-10-von-gunda-schneider-flume
„Das lohnt doch nicht mehr!“
Ich habe diesen Satz noch im Ohr. Er hat mich damals getroffen. Der Satz war möglicherweise wahr.
Deshalb wog er schwer.
Drei Jahre ist es her. Ich saß in der Küche einer älteren Frau, sie war gerade 75 Jahre alt geworden.
Sie war immer aktiv, hatte ihr Leben lang gearbeitet, vier Kinder groß gezogen, einen großen Garten bestellt, ein großes Haus geführt. Sie war immer unterwegs und sie war immer motiviert. Und so hat sie viel geschafft und andere mitgenommen.
Und nun aus ihrem Mund: „Das lohnt doch nicht mehr!“
Seit zwei Jahren schmerzten die Knie. Physiotherapie, Spritzen, Kuren – alles wurde versucht.
Die Schmerzen aber nahmen zu. Inzwischen ging sie an zwei Krücken. Jeder Schritt – ein stechender Schmerz. Operation – ja oder nein? Der eine Arzt sagte so, der andere so. Sie musste sich entscheiden. Die Schmerzen aushalten und nicht mehr gehen können. Oder: Operieren – beide Knie – auch das ein langer beschwerlicher Weg, auch da Schmerzen, Unwägbarkeiten, vielleicht Komplikationen, vielleicht ein Ergebnis, das nicht zufrieden stellt.
Sie schob die Entscheidung Woche für Woche vor sich her.
„Das lohnt doch nicht mehr für mich!“ – so ihre Haltung vor drei Jahren.
Dann aber, nach vielen Gesprächen in der Familie und mit Bekannten, doch der Schritt.
Die erste Operation – Reha – wieder laufen lernen und auch die zweite Operation, wieder Reha. Dann nach zwei Jahren ein Knochenbruch an anderer Stelle, langes Warten auf Heilung, wieder laufen lernen.
Und nun nach drei Jahren:
“Ich freue mich an jedem Tag, dass ich mit meinen eigenen Beinen ohne Schmerzen laufen kann. Jeden Morgen gehe ich eine Runde durch den Garten und wenn ich etwas brauche, kann ich selbst ins Dorf gehen und es holen.“
„Das lohnt doch nicht mehr!“ – an diesen Satz erinnert sich die Frau, inzwischen 78 kaum noch. Mir hat er sich eingegraben. Ich spreche sie darauf an. „Ja, stimmt,“ so die Frau, „so habe ich damals gedacht. Ein Glück, dass ich mich habe überreden lassen. Ein Glück, dass die Mühen nicht umsonst waren.“
Dr. Matthias Rein, Predigt über Jes. 35,3-10, in:
https://predigten.evangelisch.de/predigt/predigt-ueber-jesaja-35-1-10-von-matthias-rein
Naturenthusiasten und Fotografen zieht es gerade in großer Zahl in die südkalifornische Anza-Borrego-Wüste: Ein bislang feuchter Winter gefolgt von wärmeren Wetter sorgt dort für eine »Superblüte«. Massenhaft wachsen und blühen pinkfarbene Bigelow-Affenblumen (Mimulus bigelovii), gelboranger Parish-Mohn (Eschscholzia parishii), magentafarbene Sandverbenen (Abronia umbellata), weiße Monotropa uniflora und gelbe Nachtkerzen der Gattung Oenothera. Ein dichter Blütenteppich überzieht Hänge und Täler des Anza-Borrego Desert State Park, wie Bilder in sozialen Medien zeigen. Es ist die zweite Superblüte in den letzten drei Jahren; zuvor lockte das Ereignis 2017 Schaulustige an – im Mittel kommen Superblüten nur alle zehn Jahre in der Region vor.
Viele Wüstenpflanzen sind an diese extremen Bedingungen angepasst. Sie besitzen Samen mit dicker Schale oder einer Wachsschicht, mit der sie teilweise jahrzehntelang im Wüstenboden überdauern können. Fällt in einer Saison ausreichend Regen, entwickeln sie sich in kurzer Zeit zu erwachsenen Pflanzen und zur Samenreife, so dass für die nächste Generation gesorgt ist. Bisweilen tauchen auch Arten auf, die man für ausgestorben hielt, die aber im Untergrund noch vorhanden war. Die Pflanzen locken zahlreiche Bestäuber wie Bienen und Schmetterlinge an, die in der Wüste sonst ebenfalls selten sind. Das Schauspiel dauert allerdings nur relativ kurze Zeit, dann sorgen steigende Temperaturen und vor allem Trockenheit dafür, dass die Pflanzen absterben
Daniel Lingenhöhl, Die Wüste blüht wieder ( 08.03.2019), in:
https://www.spektrum.de/news/die-wueste-blueht-wieder/1628574
Von: Christian Sepp / Sendung: Dagmar Röhrlich
Stand: 22.07.2019
Im Gefängnis erlebt Johannes eine tiefe Krise, Dunkelheit und Zweifel, innere Nacht. Hat er sich getäuscht? Hat Gott ihn getäuscht? Was er von Jesus hört, passt nicht zu dem, was er sich erwartet hat. Er hatte eine radikale Wende angekündigt. Endlich werde Gott durch seinen Gesandten, den Messias, dem Unrecht ein Ende setzen, Frieden und Gerechtigkeit auf Erden bringen. Statt dessen wächst überall das Böse, er selber muss es am eigenen Leib erleben, und Gott schweigt, und Jesus, auf den er seine Hoffnung gesetzt hat, scheint die Wende nicht zu schaffen. Es wird nicht besser, sondern schlimmer. In seiner inneren Not schickt er jemanden zu Jesus und lässt ihn direkt fragen: Bist du der Erlöser - oder habe ich mich getäuscht?
Das ist ein Hilferuf eines Menschen, dem alles sinnlos zu werden droht.
Es ist ein Trost zu sehen, dass selbst so große Menschen wie Johannes durch Dunkelheiten gehen mussten, die vielen auch heute nicht erspart bleiben, wenn etwa schwere Krankheit oder ein Unfall alle Lebenspläne durchkreuzen, wenn Erfahrungen der Verlassenheit, der Einsamkeit allen Sinn des Lebens in Frage stellen. Da ist Johannes wirklich ein Bruder in der Not.
Kardinal Schönborn, Wer ist der Retter? (16.12.2001), in:
https://www.erzdioezese-wien.at/site/glaubenfeiern/christ/bibel/gedankenzumevangelium/article/34085.html
Es tut sich was auf zwischen Himmel und Erde
Es tut sich was auf – Mensch – zwischen dir und mir
deinem Gott
Aufgemacht hab ich den Himmel
Aufgemacht hab ich mich zur Erde
Aufgemacht zu dir
Johannes der Täufer entspricht dem Archetyp des wilden Mannes. Schon sein Auftreten hat manchem Schrecken eingejagt. Markus schildert ihn so: »Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften, und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig.« (Markus 1,6) Er hat alle Kultur hinter sich gelassen und lebt wie die Beduinen in der Wüste. Der lederne Gürtel erinnert an den Propheten Elija, der ähnlich bekleidet war. Er lebt in der Wüste, nicht nur unter den wilden Tieren, sondern angetan mit einem Kleid aus Kamelhaaren. In manchen Handschriften heißt es sogar, daß sein Kleid aus Kamelhaut war. Das würde die jüdischen Reinheitsvorschriften verletzen. Aber dieser Johannes ist ausgestiegen aus dem Kreis derer, die sich an die äußeren Gesetze halten, die die Kultur des Landes repräsentieren. Und die Kamelhaut zeigt, daß er das Tierische in sich integriert hat, die Vitalität, die Sexualität, die Triebkraft der Tiere. Johannes ist der wilde Mann, der Zugang hat zu allem Wilden in sich und um sich herum. Das Wilde dient ihm als Kraftquelle, um seine Botschaft von Gott den Menschen zu verkünden und um die Menschen zur Umkehr aufzurufen.
Seine Predigt paßt zu seinem Auftreten. Sie ist rau, ohne Rücksicht auf die Empfindlichkeiten seiner Zuhörer. Die in der Bevölkerung hochgeachteten Pharisäer fährt er an: »Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, daß ihr dem kommenden Gericht entrinnen könnt? Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt, und meint nicht, ihr könntet sagen: Wir haben Abraham zum Vater.« (Matthäus 3,7f) Johannes muß sich bei keinem beliebt machen. Er sagt das, was er in sich spürt. Er tritt auf, ohne sich von Menschen abhängig zu machen. Er weiß sich im Dienst Gottes. Er ist innerlich frei. Seine Freiheit führt ihn dazu, auch den König Herodes anzugreifen und ihm Vorwürfe zu machen, weil er Herodias, die Frau seines Bruders Philippus, geheiratet hatte. Herodes läßt ihn deshalb ins Gefängnis werfen. Seine Frau will ihn am liebsten töten. Doch »Herodes fürchtete sich vor Johannes, weil er wußte, daß dieser ein gerechter und heiliger Mann war. Darum schützte er ihn. Sooft er mit ihm sprach, wurde er unruhig und ratlos, und doch hörte er ihm gern zu.« (Mk 6,20) Der mächtige König hat Angst vor dem wilden Mann. Aber zugleich fühlt er sich von ihm angezogen. Er spürt, daß in diesem Menschen eine innere Kraft und Freiheit ist, die er bei sich selbst vermißt. Und er weiß, daß Johannes ein gerechter und heiliger Mann ist. Er ist in sich richtig, aufrecht, ohne Angst vor Menschen. Er läßt sich nicht verbiegen. Und er ist heilig, das heißt er ist unverfügbar, er ist herausgenommen aus dem Kreis der anderen Menschen. Man kann nicht über ihn herrschen. Denn er hat in sich eine andere Kraft, eine heilige Kraft. Herodes redet gerne mit Johannes und zugleich wird er dabei »unruhig und ratlos«. Er spürt in ihm etwas Echtes und Authentisches. Und er hat eine Ahnung davon, daß ihm guttun würde, wenn er sich auf diesen wilden Mann einlassen würde. Aber zugleich hat er Angst davor, sein Leben zu ändern, von seinem Königsthron herabzusteigen und sich der eigenen Wahrheit zu stellen. Doch der wilde Mann läßt sich nicht einschüchtern. Er zwingt jeden, sich mit seinem eigenen Herzen zu befassen, das Wilde und Ungebändigte darin zu erkennen, aber auch die Kraft und die Klarheit.
Jesus spricht im Matthäusevangelium über Johannes, der zu ihm Boten gesandt hat, um ihn zu fragen, ob er wirklich der ist, auf den die Frommen Israels gewartet haben: »Was habt ihr denn sehen wollen, als ihr in die Wüste hinausgegangen seid? Ein Schilfrohr, das im Wind schwankt? Oder was habt ihr sehen wollen, als ihr hinausgegangen seid? Einen Mann in feiner Kleidung? Leute, die fein gekleidet sind, findet man in den Palästen der Könige. Oder wozu seid ihr hinausgegangen? Um einen Propheten zu sehen? Ja, ich sage euch: Ihr habt sogar mehr gesehen als einen Propheten: Er ist der, von dem es in der Schrift heißt: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen. Amen, das sage ich euch: Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer.« (Mt 11,7-11) Es ist eine gute Charakteristik, die Jesus hier von Johannes entwirft. Er schwankt nicht wie ein Schilfrohr, sondern steht zu sich. Er richtet sich nicht nach der Meinung der Menschen. Er ist kein Wendehals, der sich nach dem Wind dreht. Er gibt nichts auf seine Kleidung. Hier hat Jesus als Gegensatz sicher Herodes im Blick, der sehr viel Wert darauf legte, in feinsten Kleidern aufzutreten. Herodes ist das Gegenbild des wilden Mannes. Einerseits lebt er in ungeheurem Luxus, ist er verweichlicht. Gleichzeitig aber ist er sehr grausam - so läßt er alle seine Gegner heimtückisch ermorden. Und dieser scheinbar so mächtige Mann ist in Wirklichkeit abhängig von Frauen. Das zeigt die Szene, in der er Salome die Hälfte seines Reiches verspricht. Er läßt sich von Salome und deren Mutter zum Mord an Johannes treiben und übergeht dabei die Stimme seines eigenen Herzens. Johannes ist klar und eindeutig, nach außen wild und kraftvoll, aber zugleich mit einem milden und guten Herzen. Er verletzt die Menschen nicht, sondern richtet sie auf. Johannes hat vor niemandem Angst. Er sagt das, was er denkt.
Johannes braucht auf sein Äußeres keinen Wert zu legen, weil er in sich stimmig ist. Er braucht keine Maske. Er ist, wie er ist. Und dann beschreibt Jesus die Aufgabe des Johannes: Er soll ihm den Weg bereiten. Das ist die geschichtliche Aufgabe in Beziehung zu Jesus. Es ist aber auch eine psychologische Aufgabe, die immer gilt. Der wilde Mann bahnt dem wahren Selbst in uns den Weg. Er befreit uns von allen Rollen und Masken, mit denen wir unser wahre Selbst verstellen. Er wirft die Fassaden ein, die wir aufgebaut haben, um nach außen hin gut aufzutreten. Alles Äußere zerbricht er, damit wir den Weg nach innen finden, zu unserem unverfälschten Kern, zu unserem Selbst, zum >Christus in uns<
Aus: Anselm Grün, Kämpfen und lieben. Wie Männer zu sich selbst finden. Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach 2003.
Das deutsche Wort „warten“ meint eigentlich, auf der "Warte" wohnen. "Warte" ist der Ort der Ausschau, der Wachturm. "Warte" ist der Ort der Ausschau, der Wachturm. Warten meint also: Ausschau halten, ob jemand kommt, umherschauen, was alles auf uns zukommt. Warten kann aber auch heißen: auf etwas Acht haben, etwas pflegen, so wie der "Wärter" auf einen Menschen aufpasst und auf ihn acht gibt. Warten bewirkt beides in uns: die Weite des Blickes und die Achtsamkeit auf den Augenblick, auf das, was wir gerade erleben, auf die Menschen, mit denen wir gerade sprechen. Warten macht das Herz weit. Wenn ich warte, spüre ich, dass ich mir selbst nicht genug bin. Jeder von uns kennt das, wenn er auf einen Freund oder eine Freundin wartet. Er blickt jede Minute auf die Uhr, ob es noch nicht Zeit für ihr Kommen ist. Er ist gespannt auf den Augenblick, da der Freund oder die Freundin aus dem Zug aussteigt oder an der Haustüre klingelt. Und wie enttäuscht sind wir, wenn statt des Freundes jemand anders an der Haustür steht. Warten erzeugt in uns eine prickelnde Stimmung. Wir spüren, dass wir uns selbst nicht genug sind. Im Warten strecken wir uns aus nach dem, der unser Herz berührt, der es höher schlagen lässt, der unsere Sehnsucht erfüllt.
Wie fühlst Du Dich, wenn Du auf das Kommen eines lieben Menschen wartest? Es tritt etwas Neues in dein Leben. Du wirst beschenkt. Du freust Dich auf den Menschen. Du fühlst Dich lebendig. Starke Gefühle steigen in dir hoch. Du wartest nicht nur selbst. Du wirst auch erwartet. Wie fühlst Du Dich, wenn andere auf Dich warten, wenn Gott auf Dich wartet? Andere haben Erwartungen an Dich. Die Erwartungen können Dich einengen. Aber wenn keiner mehr etwas von dir erwartet, fühlst Du Dich überflüssig. Die Adventszeit will Dich einladen, im Warten Dein Herz zu weiten und Dich als Erwarteten aufzurichten. Du bist wertvoll. Viele warten auf Dich. Gott wartet auf Dich, damit Du wahrhaft lebst.
Aus: Anselm Grün, Weihnachten – Einen neuen Anfang feiern, Freiburg 1999, Seite 16f
Heute kam ich von einer Reise zurück. Als sich der Zug München näherte, erfüllte mich ein freudiges Gefühl: Es gibt jemand, der auf mich wartet. Und ich dachte an Christus, der so oft im Evangelium davon spricht, dass er erwartet werden will. Vielleicht deshalb, weil die Ankunft ganz anders ist, wenn man erwartet wird – für den Wartenden wie für den Kommenden. Oder weil Gott uns nur so die ganze Freude schenken kann, die er für uns bereit hält?
Niemand
besitzt Gott so,
dass er nicht mehr auf ihn warten müsste.
Und doch kann niemand
auf Gott warten,
der nicht wüsste,
dass Gott schon längst auf ihn gewartet hat.
(Dietrich Bonhoeffer)
Aus: Wolfgang Bader, Türen zum Advent, München, 2. Auflage, 2002, Seite 53f
Auch in der Kirche gibt es Menschen, die noch nicht auf dem Boden des Reiches Gottes leben; und es gibt Menschen im Reich Gottes, die nicht der sichtbaren Kirche angehören.
Ein schlagendes Beispiel dafür ist die Tatsache, wie es viele Leute mit der Herrschaft Christi halten. Viele Katholikinnen und Katholiken haben zwölf Jahre Religionsunterricht hinter sich und haben sich dennoch niemals persönlich der Herrschaft Jesu unterstellt. Vielleicht haben sie noch nie etwas von der Herrschaft Christi gehört – oder nur als liturgisch vorformulierte Aussage im Kontext des Gottesdienstes; vielleicht haben sie keine Ahnung, dass das für sie ganz persönlich etwas bedeuten könnte. Vielleicht meinen sie, es bedeutet, dass der Sohn in seiner Eigenschaft als Mitglied der Dreifaltigkeit in irgendeiner fernen und abstrakten Weise das Universum regiert. Aber die Evangelien stellen klar, dass diejenigen, die im Reiche Gottes sind, Jesus als ihren persönlichen Herrn anerkennen – und als Herrn aller Systeme, Institutionen, Nationen und Kulturen dieser Welt (einschließlich des Abendlandes und der Katholischen Kirche!).
Andererseits gibt es viele Nichtkatholiken und Nichtkatholikinnen, die ganz klar verstanden haben, was die Herrschaft Christi bedeutet. Sie bedeutet, dass er entweder die Nummer eins in deinem Leben ist – oder dass er nicht der Herr ist. Die Familie kann nicht das erste sein. Die Karriere kann nicht an erster Stelle kommen. Geld kann nicht die erste Geige spielen. Die Armee kann nicht über allem stehen. Und es reicht nicht, „Jesus ist Herr!“ als Glaubensbekenntnis oder als Katechismusantwort zu repetieren. Lippenbekenntnisse zählen nicht. Wie Jesus selber sagt: Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt (Matthäus 7, 21).
Was zählt, ist dies: auf Jesus zu hören und ihm zu erlauben, dich leben zu lehren. Was zählt, ist die Bereitschaft, sein persönlicher Jünger, seine persönliche Jüngerin zu werden. Das Wort bedeutet ursprünglich soviel wie Schülerin oder Lernender. Es kommt darauf an, das zu tun, was Jesus uns sagt – sowohl durch die Bibel als auch durch persönlichen Gebetskontakt. Was Jesus lehrt, ist immer der Wille des Vaters.
Es gibt viele, die den Lehren Jesu folgen und den Willen Gottes tun, obwohl sie nicht zur Kirche gehören!
Aus: Richard Rohr, Das entfesselte Buch, Eine Einführung in die Bibel, Freiburg 2003, Seite 219f
Johannes ist uns mit seinen Fragen sehr nahe. Lange haben wir gemeint, wir wüssten Bescheid über Gott. Man bräuchte nur die Katechismusfragen und antworten kennen. Doch das trägt nicht mehr. Gott ist anders als unsere Vorstellungen und Erwartungen. Zweifel kommen auf: Ist er wirklich der, der uns und unsere Welt retten kann und will?
Das sagt Jesus uns: Wo Menschen neu leben lernen, da beginnen sich schon die großen Hoffnungen zu realisieren. Lahme gehen: da denke ich an den Behindertenkreis, der Lahmen Füße macht, sie zusammenbringt und Freude erfahren lässt. Ich denke an unsere Krankenbesucherinnen und Krankenbesucher, in denen Kranke und Einsame Zuhörer finden, auch wenn die Krankenhauswelt um sie herum taub zu sein scheint für ihre eigentlichen Fragen. Unser Eine Welt Kreis macht viele Blinde sehend für das Elend in der Welt und die Unrechtsstrukturen, die Menschen und Völker niederhalten. So könnten wir fortfahren.
Aus: Ferdinand Kerstiens, Große Hoffnungen – erste Schritte, Glaubenswege durch das Lesejahr A, Seite 22f

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.
Die 1. Lesung aus dem Jesajabuch trägt der liturgischen Tradition des Sonntags "Gaudete" Rechnung. Der Gottesdienst beginnt mit dem Ruf "Freut euch im Herrn zu jeder Zeit..." Die Aufforderung zur Freude leitet die 1. Lesung ein. Das Kapitel 35 nimmt im Jesajabuch eine Sonderstellung ein. Es ist hier eingefügt worden, als das 1. (Kapitel 1 bis 39) und das 2. Jesajabuch (Kapitel 40 bis 62) zu einem Werk zusammengefasst worden sind. Der Verfasser dieses Abschnittes meditiert am Ende des 4. vorchristlichen Jahrhunderts die Gegenwartsbedeutung der Verheißungen der ihm vorliegenden Jesajaschriften. Die Heimkehr aus der babylonischen Gefangenschaft hatte sich bereits erfüllt. Jahweh ist auf den Zion zurückgekehrt. Dennoch sind viele Juden verzagt. Der größere Teil von ihnen lebt über die damals bekannte Welt verstreut. Die alte Glanzzeit Jerusalems lässt sich nicht wiederherstellen. An diese Verzagten richtet der Verfasser die Verse des Kapitels 35. Im 1. Abschnitt (Verse 1 und 2) vergleicht er die Freude mit dem Aufblühen der Wüste in der Regenzeit. Sie blüht so prächtig und reich, dass sie den Vergleich mit dem üppig bewaldeten Libanon, dem fruchtbaren Berg Karmel oder mit der Scharonebene nicht zu scheuen braucht. Der zweite Abschnitt (Verse 3 bis 6) spricht den Verzagten Mut zu und fordert auf, die Erschlafften aufzurichten. Der Grund der Hoffnung liegt im "Seht, hier ist euer Gott!" Das Wirken Gottes zeigt sich in der Heilung der körperlichen Gebrechen, die nicht nur geistig/geistlich erfahren wird, sondern für alle Menschen sichtbar und spürbar ist. Sichtbar wird das Wirken Gottes auch im Fruchtbarwerden der Wüste und Steppe (vgl. "ungekürzte Fassung", in der Lesung werden diese Verse leider ausgelassen). In einem dritten Abschnitt (Verse 8 bis 10 - 8 und 9 sind wieder ausgelassen) wird eine Straße als der Heilige Weg beschrieben, die aus der Wüste zum Zion führt und auf der die Befreiten voll Jubel und Freude zurückkehren. Die Lesung endet mit dem Motiv der Freude, mit dem sie auch begonnen hat.
Wie schon an den vorhergehenden Sonntagen hören wir in der Jesaja-Perikope eine der Visionen des Propheten. In schillernden Bildern beschreibt der Prophet seine Hoffnung, die er auf Jahwe setzt. Jahwe rettet sein Volk aus aller Bedrohung und führt es weiter der Verheißung entgegen, auf die Israel seinen Bestand gründet. Gründe zur Sorge gab es: Das Reich Juda war schwer bedroht durch Völker, die sich zur Eroberung aufgemacht hatten. Die vorliegende Perikope entstand unter dem Eindruck der anrückenden Assyrer.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive