Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Jesus Sirach.
Der Herr hat dem Vater Ehre verliehen bei den Kindern
und das Recht der Mutter bei den Söhnen bestätigt.
Wer den Vater ehrt,
sühnt Sünden,
und wer seine Mutter ehrt,
sammelt Schätze.
Wer den Vater ehrt, wird Freude haben an den Kindern
und am Tag seines Gebets
wird er erhört.
Wer den Vater ehrt, wird lange leben,
und seiner Mutter verschafft Ruhe, wer auf den Herrn hört.
Kind, nimm dich deines Vaters im Alter an
und kränke ihn nicht, solange er lebt!
Wenn er an Verstand nachlässt,
übe Nachsicht
und verachte ihn nicht in deiner ganzen Kraft!
Denn die dem Vater erwiesene Liebestat wird nicht vergessen;
und statt der Sünden wird sie dir zur Erbauung dienen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Jesus Sirach.
Der Herr hat dem Vater Ehre verliehen bei den Kindern
und das Recht der Mutter bei den Söhnen bestätigt.
Wer den Vater ehrt,
sühnt Sünden,
und wer seine Mutter ehrt,
sammelt Schätze.
Wer den Vater ehrt, wird Freude haben an den Kindern
und am Tag seines Gebets
wird er erhört.
Wer den Vater ehrt, wird lange leben,
und seiner Mutter verschafft Ruhe, wer auf den Herrn hört.
Wer den Herrn fürchtet, ehrt den Vater.
So wie Herren dient er seinen Eltern.
In Tat und Wort ehre deinen Vater,
damit sein Segen über dich kommt!
Denn der Segen des Vaters festigt die Häuser der Kinder,
der Fluch der Mutter aber entwurzelt die Fundamente.
Rühme dich nicht durch Entehrung deines Vaters,
denn die Entehrung des Vaters
gereicht dir nicht zum Ruhm!
Denn der Ruhm eines Menschen
kommt von der Ehre seines Vaters,
aber eine Schande für die Kinder
ist eine Mutter mit schlechtem Ruf.
Kind, nimm dich deines Vaters im Alter an
und kränke ihn nicht, solange er lebt!
Wenn er an Verstand nachlässt,
übe Nachsicht
und verachte ihn nicht in deiner ganzen Kraft!
Denn die dem Vater erwiesene Liebestat wird nicht vergessen;
und statt der Sünden wird sie dir zur Erbauung dienen.
Kv: Selig die Menschen,
die Gottes Wege gehen. - Kv
Selig jeder, der den HERRN fürchtet, *
der auf seinen Wegen geht!
Was deine Hände erarbeitet haben, wirst du genießen; *
selig bist du - es wird dir gut ergehn. - Kv
Deine Frau ist wie ein fruchtbarer Weinstock *
im Innern deines Hauses.
Wie Schösslinge von Ölbäumen sind deine Kinder *
rings um deinen Tisch herum. - Kv
Siehe, so wird der Mann gesegnet, *
der den HERRN fürchtet.
Es segne dich der HERR vom Zion her. *
Du sollst schauen das Glück Jerusalems alle Tage deines Lebens. - Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Kolóssä.
Schwestern und Brüder!
Bekleidet euch
als Erwählte Gottes, Heilige und Geliebte,
mit innigem Erbarmen,
Güte, Demut, Milde, Geduld!
Ertragt einander
und vergebt einander,
wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat!
Wie der Herr euch vergeben hat,
so vergebt auch ihr!
Vor allem bekleidet euch mit der Liebe,
die das Band der Vollkommenheit ist!
Und der Friede Christi triumphiere in euren Herzen.
Dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes.
Seid dankbar!
Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch.
In aller Weisheit belehrt und ermahnt einander!
Singt Gott Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder
in Dankbarkeit in euren Herzen!
Alles, was ihr in Wort oder Werk tut,
geschehe im Namen Jesu, des Herrn.
Dankt Gott, dem Vater, durch ihn!
Ihr Frauen,
ordnet euch den Männern unter,
wie es sich im Herrn geziemt!
Ihr Männer,
liebt die Frauen
und seid nicht erbittert gegen sie!
Ihr Kinder,
gehorcht euren Eltern in allem,
denn das ist dem Herrn wohlgefällig!
Ihr Väter,
schüchtert eure Kinder nicht ein,
damit sie nicht mutlos werden!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Kolosserbrief hat seinen Namen nach der Gemeinde von Kolossä, 200 km vom Meer entfernt, an der Handelsstrasse zwischen Milet und Ephesus, ursprünglich ein wichtiges Zentrum der Wollindustrie. Er wird dem Paulus zugeschrieben und wurde um 150 n. Chr. von Markion bereits in seinen Kanon aufgenommen.
Der erste Abschnitt unserer Lesung (Verse 12-17) ist die Fortsetzung des vorderen negativen Abschnittes ab Vers 5. Wurde darin vielseitig zum Ablegen aller Untugenden und zusammenfassend des Alten Menschen aufgefordert, werden in unserem Abschnitt positive Gegenimperative gesetzt, zusammenfassend und vorangesetzt die Aufforderung, die Tugenden anzuziehen, zugleich mit der Begründung: Ihr seid die Erwählten Gottes! Daraus resultieren die guten Worte und Werke – immer in Verbindung mit dem einen Herrn Jesus Christus.
Eine weitere Konkretion dessen erfolgt mit der Haustafel (eigentlich Kol 3,18-4,1), einer Zusammenstellung von kurzen Ermahnungen an die verschiedenen „Stände" einer damaligen Hausgemeinschaft. Auch diese schliessen mit dem Hinweis auf den einen Herrn (im Himmel) ab und geben so noch einmal die Begründung für das geforderte Verhalten.
Im zweiten, eher praktischen Teil des Kolosserbriefes (Kapitel 3-4; Der theologische Teil umfaßt Kapitel 1-2) begegnen konkrete Aussagen für das christliche Leben, Handeln und Glauben.
Die Tugend- und Lasterkataloge (3,5-17) entsprechen einem aus der iranischen Religion stammenden Schema, dem die Vorstellung zugrunde liegt, das der Mensch aus Tugenden und Lastern zusammen gesetzt ist, wie die Glieder des Körpers zusammengefügt sind. Die Existenz des Menschen baut sich nach diesem Verständnis aus seinen Taten auf.
Die heutige Lesung beginnt nach dem Lasterkatalog mit der Einführung des Tugendkatalogs: "Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen" (Kol 12 a). Ähnlich wie beim Aufbau des ganzes Briefes ist die Theologie der Ethik voran gestellt: Vor dem Tun des Menschen steht das Handeln Gottes. Erst die liebende Zuwendung Gottes ermöglicht dem Menschen, "gut" zu handeln. Ethische Weisungen sind Hilfen, wie die Menschen in ihrer Zeit und in ihrer konkreten Situation ein christliches Leben führen können. Solche Vorschriften enthalten daher notwendigerweise Zeitbedingtes und nicht für alle Fälle Anwendbares.
Auch die Haustafel (Kol 3,18-4,1), von der ein Teil noch zu Tageslesung gehört, ist von der Zeitsituation geprägt. Die in dieser Tafel enthaltenen Normen sind nicht spezifisch christlich, sondern stammen wie die christliche Ethik überhaupt aus der Umwelt, vor allem aus der Ethik der Popularphilosophie. Der grundlegende Unterschied zwischen einem ethisch verantwortet handelnden Christen und einem Philosophen ist die Motivation aus dem Glauben. Äußerlich ist eine sittlich gute Tat nicht zu unterscheiden oder zu werten, aber für einen Christen müssen der Friede Christi (Kol 3,15) und die Gnade Gottes (Kol 3,16) die Orientierungspunkte sein, nicht einzelne Normen und Gesetze. Das Besondere an der christlichen Haltung ist daher die Fähigkeit, über die buchstäbliche Erfüllung der Gesetze hinauszuwachsen und auch die Normen hinterfragen und verändern zu können. Mit der Weisung zur Unterordnung der Frau, auf die immer noch manchmal zurückgegriffen wird, ist das z.B. passiert, auch mit der Einstellung gegen über der Sklaverei (Kol 3,22 f).
Die Haustafel kann eine Anregung sein, jene Regeln anzuschauen, die heute für unser Zusammenleben gelten, und wie der Kolosserbrief darin das christlich Lebbare zu aufzuzeigen.
Hallula, Halleluja
Der Friede Christi triumphiere in euren Herzen.
Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
Als die Sterndeuter wieder gegangen waren,
siehe, da erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn
und sagte: Steh auf,
nimm das Kind und seine Mutter
und flieh nach Ägypten;
dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage;
denn Herodes wird das Kind suchen,
um es zu töten.
Da stand Josef auf
und floh in der Nacht mit dem Kind und dessen Mutter
nach Ägypten.
Dort blieb er bis zum Tod des Herodes.
Denn es sollte sich erfüllen,
was der Herr durch den Propheten gesagt hat:
Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.
Als Herodes gestorben war,
siehe, da erschien dem Josef in Ägypten
ein Engel des Herrn im Traum
und sagte: Steh auf,
nimm das Kind und seine Mutter
und zieh in das Land Israel;
denn die Leute, die dem Kind nach dem Leben getrachtet haben,
sind tot.
Da stand er auf
und zog mit dem Kind und dessen Mutter in das Land Israel.
Als er aber hörte,
dass in Judäa Archelaus anstelle
seines Vaters Herodes regierte,
fürchtete er sich, dorthin zu gehen.
Und weil er im Traum einen Befehl erhalten hatte,
zog er in das Gebiet von Galiläa
und ließ sich in einer Stadt namens Nazaret nieder.
Denn es sollte sich erfüllen,
was durch die Propheten gesagt worden ist:
Er wird Nazoräer genannt werden.
Die Perikope läßt sich in drei Abschnitte gliedern: Verse13-15, 16-18 und 19-23. Der erste und dritte Abschnitt sind parallel zueinander formuliert und enthalten jeweils den Befehl des Engels und die darauffolgende Ausführung Josefs. Der mittlere Abschnitt (Verse16-18, der Kindermord in Betlehem) ist von der Leseordnung herausgenommen. Die Perikope handelt davon, dass der machthungrige König Herodes das Kind Jesus töten lassen möchte.
Weitgehend ist bei dem vorliegenden Text von der eigenen Formulierung durch den Evangelisten auszugehen, es gibt keine Analogie im Lukasevangelium. Wohl aber gibt es zahlreiche Parallelen zu antiken Erzählungen von der Verfolgung und Bewahrung des Königskindes. Die Anlehnung an die Mosegeschichte mit den zwei Elementen, Aufbruch nach Ägypten und Ermordung der Neugeborenen ist eindeutig. Ebenfalls erlebt die judenchristliche Gemeinde des Matthäus, wie sich in Jesus der Auszug aus Ägypten wiederholt und vollendet.
Im Vordergrund der Perikope steht die Absicht, Gottes Führung und den Gehorsam Josefs sichtbar zu machen. Jesu Geschick liegt in Gottes Händen.
Die Perikope läßt sich in drei Abschnitte gliedern: Verse13-15, 16-18 und 19-23.
Der erste und dritte Abschnitt sind parallel zueinander formuliert und enthalten jeweils den Befehl des Engels und die darauffolgende Ausführung Josefs.
Der mittlere Abschnitt (Verse16-18, der Kindermord in Betlehem) ist von der Leseordnung herausgenommen.
Weitgehend ist bei diesem Text von der eigenen Formulierung durch den Evangelisten auszugehen, "es gibt keine Analogie im Lukasevangelium". Wohl gibt es zahlreiche Parallelen zu antiken Erzählungen von der Verfolgung und Bewahrung des Königskindes. Die Anlehnung an die Mosegeschichte mit den zwei Elementen, Aufbruch nach Ägypten und Ermordung der Neugeborenen ist eindeutig. Ebenfalls erlebt die judenchristliche Gemeinde des Matthäus, wie sich in Jesus der Auszug aus Ägypten wiederholt und vollendet.
"In wesentlichen Teilen ist die Perikope unhistorisch."
Im Vordergrund steht die Absicht, Gottes Führung und den Gehorsam Josefs sichtbar zu machen. Jesu Geschick liegt in Gottes Händen.
(Zitate aus EKK I/1, Das Evangelium nach Matthäus, Ulrich Luz)
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:
Als die Sterndeuter wieder gegangen waren,
siehe, da erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn
und sagte: Steh auf,
nimm das Kind und seine Mutter
und flieh nach Ägypten;
dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage;
denn Herodes wird das Kind suchen,
um es zu töten.
Da stand Josef auf
und floh in der Nacht mit dem Kind und dessen Mutter
nach Ägypten.
Dort blieb er bis zum Tod des Herodes.
Denn es sollte sich erfüllen,
was der Herr durch den Propheten gesagt hat:
Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.
Als Herodes merkte,
dass ihn die Sterndeuter getäuscht hatten,
wurde er sehr zornig und er sandte aus
und ließ in Betlehem und der ganzen Umgebung
alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten,
genau der Zeit entsprechend,
die er von den Sterndeutern erfahren hatte.
Damals erfüllte sich,
was durch den Propheten Jeremia gesagt worden ist:
Ein Geschrei war in Rama zu hören,
lautes Weinen und Klagen:
Rahel weinte um ihre Kinder
und wollte sich nicht trösten lassen,
denn sie waren nicht mehr.
Als Herodes gestorben war,
siehe, da erschien dem Josef in Ägypten
ein Engel des Herrn im Traum
und sagte: Steh auf,
nimm das Kind und seine Mutter
und zieh in das Land Israel;
denn die Leute, die dem Kind nach dem Leben getrachtet haben,
sind tot.
Da stand er auf
und zog mit dem Kind und dessen Mutter in das Land Israel.
Als er aber hörte,
dass in Judäa Archelaus anstelle
seines Vaters Herodes regierte,
fürchtete er sich, dorthin zu gehen.
Und weil er im Traum einen Befehl erhalten hatte,
zog er in das Gebiet von Galiläa
und ließ sich in einer Stadt namens Nazaret nieder.
Denn es sollte sich erfüllen,
was durch die Propheten gesagt worden ist:
Er wird Nazoräer genannt werden.
An die Ehe und an die Familie werden hohe Erwartungen gestellt. Nicht alle Erwartungen erfüllen sich von selbst. Früher oder Später werden die meisten Menschen auch mit der Kehrseite dieser Erwartungen konfrontiert. Spannungen, Krisen, Schicksalsschläge stellen die Eheleute auf die Probe. Sie können aber auch ein Anstoß zum persönlichen Wachstum sein.
Wer vor dem Traualtar gestanden hat, wird voll großer Erwartungen und Hoffnungen gewesen sein. Eine Ehe, eine Familie schenkt Geborgenheit. In einer Familie werde ich angenommen und geliebt. Alles soll gemeinsam gut laufen. Oft können sich junge Ehepaare gar nicht vorstellen, dass auch andere Zeiten kommen können. Doch tatsächlich gibt es immer wieder auch Ehen, die scheitern. Oft ist die Familie dann ein Ort, an dem Streit und Hass erlebt wird und die Geborgenheit fehlt. Dennoch: Vielen Menschen haben eine große Sehnsucht nach Familie. Denn immer mehr Alleinstehende, junge wie alte, Kinder und Erwachsene, fühlen sich einsam.
Jesus selbst ist in einer Familie aufgewachsen. Jesus kennt das Leben von Grund auf an. Maria und Josef haben liebevoll für Jesus gesorgt. Doch auch seine Familie erlebte äußere Bedrohungen. Josef und Maria mussten immer wieder aufbrechen. Zuerst flohen sie nach Ägypten. Erst später konnten sie in ihr Heimatland zurückkehren. Doch auch da fühlte sich Josef bedroht. Durch die Botschaft des Engels im Traum bekam Josef den Hinweis, dass sie nach Nazareth zurückkehren können. Viele Familien erleben ähnliche Schicksale. Sie verlieren ihre Heimat, Kinder verlieren ihre sichere Umgebung, ihre Freunde…
Familie – das kann immer auch heißen: aufbrechen. Einen Weg gehen. Das kann bedeuten von einer Stadt in die andere zu ziehen, von einem Land in ein anderes. Es kann aber auch einen innerlichen Aufbruch bedeuten: Kinder gehen oft andere Wege, ein Schicksalsschlag verändert die Familie, ein Familienmitglied muss gepflegt werden, die eigenen Eltern werden älter und brauchen Unterstützung. Diese Situationen dann auch liebevoll anzunehmen, ist eine große Herausforderung.
Jesus Sirach legt uns ans Herz, die Eltern anzunehmen, sie nicht zu beschämen. Das bedeutet öfters: heraus aus der Komfortzone. Oft muss man alte Gewohnheiten loslassen. Es gilt aufzubrechen. Es ist wichtig, sich herausfordern zu lassen. Als glaubende Menschen können wir – wie es bei der Heiligen Familie war – auf Gottes Führung vertrauen.
Es war abenteuerlich, was Maria und Josef erlebt haben. Familie ist ein Abenteuer, ein Wagnis, sei es als einfaches Mitglied, sei es als Ehemann und Ehefrau, sei es als Kind... Dadurch ist Familie auch ein Ort des Wachsens und zu Reifens.
Jesus Sirach und auch Paulus geben in den Lesungen wertvolle Hinweise für ein gelingendes Familienleben: Wie gehe ich mit meinen alten Eltern aber auch mit anderen alten Menschen um. Es gilt, sie zu achten in ihrem Tun, in ihrer Weisheit und in ihrer Hilfsbedürftigkeit.
Paulus spricht von „innigem Erbarmen, Demut, Milde und Geduld“ und legt uns ans Herz, das einander zu schenken und einander gegenseitig zu achten. Wir alle brauchen das auf unserem Abenteuer Familie. Der Mann hat dabei nicht mehr Macht als die Frau. Er muss genauso lieben. Die Kinder sollen zwar gehorchen, aber sie dürfen auch nicht entmutigt werden. Allen ist die gegenseitige Liebe ans Herz gelegt. Diese schenken wir, weil Gott uns zuerst geliebt hat, weil er uns vergeben hat.
Ehe und Familie ist ein Abenteuer. Wenn ich an die Hoffnungen und großen Erwartungen denke, mit denen viele Menschen vor den Traualtar treten, spüre ich: wir müssen uns täglich in vielen kleinen Gesten mühen, in das hohe Ideal Familie hineinzuwachsen. Unsere Liebe zueinander, sei es zum Ehepartner, zur Ehepartnerin, sei es zu den Kindern, sei es zu den Geschwistern, zu den Eltern, kann so tiefer und fester werden. Auf diesem Weg kommen wir den Wünschen am Traualter ein wenig näher.
Die biblischen Texte zum Fest der Heiligen Familie gehen von einer antiken Gesellschaftsordnung und deren patriarchalen Familienbilder aus. Im Rückblick auf die Geschichte beobachten wir, dass gerade das Christentum ein kräftiger Anstoß zur Weiterentwicklung war. Was die heilige Familie Jesus, Maria und Josef gelebt haben sind ein lebendiges Beispiel dafür, dass es um das füreinander Sorgen und um wechselseitige Liebe geht.
Wenn ich als Frau eine Wort-Gottes-Feier leite, bei der im Lesungstext die Unterordnung der Frauen, der Sklaven und der Kinder unter die Herrschaft des Mannes als Herrn empfohlen wird, muss ich dazu Stellung zu nehmen. Diese Anordnungen entspringen den damaligen Haus- und Gesellschaftsordnungen, deren Ziel ein gutes Zusammenleben in den Familien und in der Gesellschaft war. Sie bilden eine geläufige antike Grundhaltung ab..
Gerade der Kolosserbrief stellt aber an mehreren Stellen eine andere, christlich veränderte Wirklichkeit vor. Ich kann nur empfehlen wieder einmal zu Hause die Heilige Schrift zur Hand zu nehmen und sich den Kolosserbrief, der ja nur 4 Kapitel umfasst, zu Gemüte zu führen. Auf einige wichtige Stellen möchte ich gerne gleich jetzt hinweisen.
Im griechischen Originaltext wird in Vers 4,1 die Gleichheit der Sklaven und Herren vor Gott betont. So wird in Vers 1,7 der Sklave als lieber Mitarbeiter und treuer Diener im Herrn bezeichnet, in Vers 3,11 heißt es, wo das geschieht, gibt es nicht mehr Griechen oder Juden, Beschnittene oder Unbeschnittene, Fremde, Skythen, Sklaven oder freie, sondern Christus ist alles in allen. Das meint: Alle Menschen sind gleich wert! In Vers 4,7 heißt es: Wie es mir geht wird euch der geliebte Bruder Tychikus ausführlich berichten. Er ist mein treuer Helfer und dient mit mir dem Herrn (Tychikus hieß der Sklave des Briefschreibers). An diesen Beispielen können wir den Wandel der Regeln des Zusammenlebens in den Familien und den neuen Gemeinschaften von traditionellen antiken Ordnungen in eine christlich veränderte Wirklichkeit mitverfolgen.
Die Gleichheit aller Menschen vor Gott ist die wichtigste Botschaft Jesu Christi. Wie wir alle wissen, schaffte es diese Zielvorgabe nicht nur damals nicht bis in alle Gesellschaftsschichten, sondern auch heute ist die Menschheit noch weit von der Umsetzung eines geschwisterlichen Zusammenlebens entfernt. Manchmal möchte man meinen weiter denn je.
Das Evangelium wird seiner Namensbedeutung als „Gute Nachricht“ in der heutigen Version mehr als gerecht. In der Geschichte über die Flucht der Familie bestehend aus dem Säugling Jesus, seiner Mutter Maria und seinem Ziehvater Josef nach Ägypten wird uns Wichtiges veranschaulicht.
Die Nachricht von der Geburt eines ungewöhnlichen Kindes, das Weise als neuen König bezeichnen, wird von König Herodes als Bedrohung seiner Macht wahrgenommen. Er schickt Soldaten aus, die den Säugling töten sollen.
Den Machtansprüchen von Menschen, die sich selbst für Gott oder gottähnlich halten in die Quere zu kommen ist immer lebensgefährlich, damals wie heute. Vielen bleibt dann nur noch die Flucht.
Ein Engel macht die Familie auf die Gefahr aufmerksam. Sie fliehen nach Ägypten und bleiben dort, bis Herodes stirbt und sie erneut von einer Engelsbotschaft aufgefordert werden, wieder in ihre Heimat zurückzukehren.
Als Gott dem jungen Paar Maria und Josef die Elternschaft über das Kind Jesus – also über sich selbst – zugemutet hat, fühlten sie sich sicher oft überfordert. Trotzdem haben sie sich ihr Gottvertrauen bewahrt. Sie haben die Herausforderung angenommen, ihr Herz offengehalten und so seine Gegenwart und seinen Beistand durch Engelsworte wahrnehmen können, die ihnen Rat und Hilfe waren, wenn es eng wurde.
Ihre Bereitschaft die Herausforderung dieser Elternaufgabe zu übernehmen hat mitgeholfen uns allen das Heil zu bringen.
Die gute Nachricht ist: Unsere Welt kann sich durch die beherzten Taten einzelner Menschen zum Guten verändern, in Gesellschaft und Familie. Menschen, die ihr Tun unter Gottes Schirmherrschaft stellen, wie Maria und Josef.
Das Bild der Familie verändert und wandelt sich im Laufe der Zeiten, und dennoch bleibt das Leben in einer Familie ein zentrales Motiv aller Gesellschaften. Was bleibt bestehen? Was ist daran heilig? Was müssen wir heilig halten? Jesus, Maria und Josef und ihre Gottesbeziehung geben Anlass, darüber nachzudenken.
Wir feiern heute das Fest der Heiligen Familie, ein Fest, das unsere Familien stärken möchte. Und das ist wichtig in einer Zeit, in der viele Beziehungen zerbrechen und in denen Familien in sehr unterschiedlichen Formen leben. Dieses Fest soll jedoch niemanden ausschließen oder andere Lebensformen beurteilen. Es lädt uns vielmehr ein, darüber nachzudenken, was eine Familie heilig macht – unabhängig davon, wie sie konkret aussieht.
Zunächst die Frage: Was ist eine „Heilige Familie“? - Wenn wir an Maria, Josef und Jesus denken, merken wir schnell: Perfekt war diese Familie nicht. Maria, eine sehr junge Frau, erwartet ein Kind, das nicht von Josef stammt, sie muss hochschwanger zur Volkszählung reisen und ihr Kind unter schwierigsten Bedingungen zur Welt bringen, der zwölfjährige Jesus bleibt im Tempel zurück, und seine Eltern suchen ihn voller Sorge. Und schließlich müssen Maria und Josef miterleben, wie ihr Sohn wie ein Verbrecher ans Kreuz geschlagen wird.
Heilig bedeutet also nicht: problemlos, konfliktfrei, makellos. - Was macht eine Familie heilig? Ich möchte eine Antwort versuchen – ein Ideal, dem wir uns annähern können:
Das Heilige einer Hl Familie ist das Gottvertrauen. Maria spricht: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort.“ Josef nimmt Maria an – gegen alle gesellschaftlichen Erwartungen. Jesus geht seinen Weg im Vertrauen auf den Vater.
Familie ist ein Ort, an dem Gottvertrauen gelebt wird. Oft nicht in großen Gesten, sondern im Alltag, im gemeinsamen Weg, in einem „Ich bin da“.
Familie ist ein Ort, an dem Beziehung wächst und sich verändert. Kinder werden größer, Rollen verschieben sich, neue Menschen kommen dazu. Nichts bleibt stehen.
Das Heilige der Familie reicht über die Kernfamilie hinaus. Die erste Lesung spricht vom Respekt vor den Eltern. Doch wir wissen: Auch in Familien entstehen Generationskonflikte. Und immer gilt: Die Würde jedes Menschen steht über allen Erwartungen und Rollenbildern.
Wir erleben, wie manchmal nur um den äußeren Schein einer Ehe zu wahren die Würde eines Partners verletzt wird. Das darf nicht sein. Eine Ehe darf niemals missbraucht werden, um Macht auszuüben oder jemanden kleinzuhalten.
Familie ist ein Ort der Verantwortung füreinander. Beziehung ist ein Weg, kein Zustand. Familie ist auch ein Ort, an dem Konflikte nicht das Ende bedeuten. Man darf streiten, man darf Fehler machen. Versöhnung hat Platz. Und manchmal ist ein schlichtes „Es tut mir leid“ wichtiger als viele große Worte.
Das Verständnis von Ehe hat sich gewandelt. Vom Mann als Oberhaupt, hin zu einer gleichberechtigten Partnerschaft. Unter diesem Blickwinkel müssen wir auch die 2. Lesung aus dem Kolosserbrief hören in der von Unterordnung die Rede ist. Heute dürfen wir es deuten: Einer ordne sich dem anderen unter – wechselseitig - und einer schätze den anderen in gleicher Weise.
Heiliges wandelt sich, weil unser Verständnis von Würde und Beziehung wächst. Die Bibel ist Wort Gottes in eine bestimmte konkrete Zeit gesprochen, sie wird aber in jeder Zeit anders gehört. So dürfen wir auch das Evangelium von der Vertreibung der Hl. Familie nach Ägypten sehen, sie ist historisch nicht belegt, eher sollte sich damit das Alte Testament erfüllen.
Eine Familie ist heilig, wenn Liebe konkret wird. Wenn die Liebe zueinander der Liebe Gottes ähnlicher wird: bedingungslos, wertschätzend, ehrlich, geduldig, tragfähig, barmherzig.
Beten wir zu Gott, dass er uns in unseren Familien mit solcher Liebe beschenken und heiligen möge.
Umfragen bestätigen, dass die Mehrzahl der Menschen sich nach einer Familie sehnt, in der sie geborgen sind und Stütze und Halt finden. Fakt ist aber auch, dass dies oft nicht gelingt. Familie braucht wechselseitiges Geben und Nehmen, Liebe, Barmherzigkeit, Geduld. Das gemeinsame Unterwegssein auf Gott hin stärkt diese Haltungen, die Familie wachsen lassen.
Der letzte Tropfen hat das Fass zum Überlaufen gebracht! Liebe Schwestern, liebe Brüder. Wir kennen das aus vielen Situationen in unserem Leben. Leider befürchte ich das für viele Ehen und Familien. Das Weihnachtsfest, das Fest der Familie, war wahrscheinlich auch in diesem Jahr für manche Familien der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte oder der Beginn einer Ehe- und Familienkrise. Leider. Das klingt doch sehr pessimistisch. Ich befürchte aber: Es ist so. Wie froh wäre ich, wenn es anders wäre.
Familie - ist für viele ein Ort der Geborgenheit. Für andere ist es ein Ort der Enttäuschungen und Traurigkeiten. Wenn auch viele Menschen heute Enttäuschungen in ihrer Familie erleben, so wünschen sich bei Umfragen regelmäßig immer wieder viele junge Menschen eine Familie. Familie hat auch mit Heimat zu tun. Wir brauchen Heimat. Heimat verstehe ich in diesem Zusammenhang Menschen, die mich annehmen, die für mich persönlich da sind, wenn ich krank bin, wenn ich alt bin. Unter Heimat verstehe ich Menschen, die zu mir ja sagen, in meinen guten Seiten wie auch und gerade zu meinen Fehlern und Schwächen. Menschen können mir auf diese Weise Heimat sein. Ich selbst kann das auch geben und schenken. Wir suchen diese Erfahrungen gerade in unserer Familien.
Doch um das zu erfahren ist es notwendig, eines zu wissen: Das Leben besteht aus Geben und Nehmen, auch Schenken und Beschenkt werden. Jeder kann und muss den eigenen Beitrag dazu geben, damit das Leben in der Familie gelingt. Ich spüre, dass es nicht einfach ist. Ich merke das ganz besonders an den Lesungen und auch am Evangelium, dass Familie eine spannende und schwierige Geschichte ist.
Jesus Sirach spricht zum Beispiel von der Achtung der Kinder den Eltern gegenüber. Wenn der Weisheitslehrer vom "Schätze sammeln", wenn er denen "Erhörung ihrer Gebete", wenn er ein langes Leben denen verheißt, die ihre Eltern ehren, dann zeigt er, wie wertvoll dieses Verhalten vor Gott ist und wie sinnvoll es ist, Achtung vor den Eltern zu haben. Es gilt, für die Eltern da zu sein, wenn sie im Alter krank und gebrechlich sind. Die Liebe zu den Eltern deckt viele Sünden zu.
Hat der Weisheitslehrer daran gedacht, wie belastet gerade das Verhältnis zu den Eltern sein kann? Die Schuld dafür kann bei beiden liegen. Eltern und Kinder haben sich oft Wunden geschlagen. Versöhnung ist da schwer. Vielleicht aber gelingt sie zumindest innerlich. Immerhin sind es die Eltern, die einem das Leben geschenkt haben. Dennoch ist es oft schwer, sich zu versöhnen. Es ist aus eigener Kraft nicht zu schaffen.
Jesus Sirach aber spricht ganz wichtige Eigenschaften an, die für ein Zusammenleben wichtig sind. Es sind Geduld, Rücksichtnahme, Barmherzigkeit und Einfühlung. Jeder braucht diese Erfahrungen. Jeder macht immer wieder die Erfahrung von Schwäche. Wenn wir Rücksicht auf die Eltern im Alter nehmen, dann geben wir ihnen das, was sie uns geschenkt haben, als wir Kinder waren. Jeder von uns wird einmal in das Alter, in die Situation kommen, wenn Kräfte und Gesundheit nachlassen. Es gilt immer wieder daran zu denken.
Wie aber können wir das alles leben? Dazu ist eines notwendig - die gegenseitige Liebe. An Weihnachten haben sich die meisten von uns besonders schön angezogen. Paulus nennt eine Kleidung anderer Art: "Bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld!" "Die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält!"
Wenn in der Bibel von Kleidung gesprochen wird, dann geht es um eine tiefe innere Haltung. Diese Kleidungsstücke, diese "inneren Haltungen" sind es, von denen unser Miteinander bestimmt werden soll. Diese inneren Haltungen, auch Tugenden genannt, können wir uns erwerben, uns redlich darum bemühen. Jeder braucht "aufrichtiges Erbarmen", wenn er Fehler macht, wenn er am Boden liegt. Jeder wünscht sich "Güte", weniger Härte. Die Demut kann mich eines lehren: Wie andere bin auch ich ein Mensch mit Fehlern und Schwächen. Darum überlege ich mir, wie ich anderen auf Fehler aufmerksam mache, wenn dies nötig ist. Ich achte einen anderen in dem, was er gut kann, in dem, was er besser kann als ich. Daraus folgt auch, dass ich Milde walten lasse und dem Anderen Geduld schenke. Ich fordere nicht von ihm, perfekt zu sein. Sind wir gegenüber uns ehrlich. Jeder braucht diese Erfahrungen, jeder sollte darum das alles auch dem anderen schenken.
Klar beschreibe ich ein Idealbild von Familie. Ich beschreibe das, was sich die allermeisten wünschen und was auch am allermeisten enttäuscht wird. Familie ist immer gefährdet gewesen. Die "Heilige Familie" war ebenfalls gefährdet. Man trachtete dem Kind nach dem Leben. Josef, Maria und Jesus mussten fliehen, wie so viele Familien heute auch fliehen müssen. Glück ist zuweilen sehr brüchig und fragil. Doch im Evangelium fällt mir eines auf. Gott schützt seine Familie. Drei Mal hat Josef einen Traum, indem ihm der Engel Gottes sagt, was er zu tun hat. Durch die Weisungen im Traum findet Josef die Heimat, die Gott ihm zugedacht hat. Ein Traum ist eine von vielen Weisen, in denen Gott Menschen seinen Willen zeigt.
Josef und Maria waren ganz offen für den Willen Gottes. Sie lebten in tiefer Verbundenheit mit Gott. Darum konnten sie Gottes Willen erkennen. Sie waren offen wir Gottes Anruf. Eine Familie kann auch ein Ort sein, an dem wir das Glauben lernen, Eltern wie Kinder. Sie kann ein Ort sein, wo wir gemeinsam in den Glauben hineinwachsen. Familie kann ein Ort sein, in dem wir miteinander uns auf dem Weg wissen zu Gott, wo wir mit Gott verbunden leben. Ein echter Glaube an Gott kann Kraft geben, die Herausforderungen, die ein Zusammenleben in der Familie mit sich bringt, anzunehmen. Der Glaube an Gott kann helfen, in der Liebe zu wachsen und zu reifen. "Wo die Liebe und die Güte wohnt, dort nur wohnt der Herr." Der Glaube kann auch unsere Familien schützen in Anfechtungen und Schwierigkeiten.
Wie wichtig ist der Glaube im Leben meiner Familie? Das ist die Frage, die wir uns heute stellen dürfen. Führen wir hin und wieder auch Gespräche über den Glauben oder geht es nur um Fußball, Politik oder Schulnoten? Wie steht es mit dem Interesse am anderen, das von der Liebe bestimmt ist. Ich glaube, das alles sind Möglichkeiten und Chancen, um als Familie gemeinsam im Glauben zu wachsen. Dann wird es auch keinen Tropfen geben, der das Fass zum Überlaufen bringt.
Was die Jesus, Maria und Josef erleben mussten – Verfolgung und Flucht – passt schlecht zur Weihnachtsromantik. Die Geschichte von der Flucht der Heiligen Familie ist aber exemplarisch für das, was viele Familien auch heute erleben. Familie braucht die Solidarität vieler, Familie schaffen wir nur gemeinsam.
Ein starker Kontrast: vor ein paar Tagen noch das Weihnachtsfest, das in unseren Breiten oft heimelig dargestellt wird, die Heilige Familie geborgen im Stall bei Ochs und Esel. Und verknüpft mit der Zusage: „...auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner [Gottes] Gnade.“ Und ein paar Tage später wie zum Hohn der Einbruch einer brutalen Wirklichkeit. Das Neugeborene wird von König Herodes mit dem Tod bedroht. Und die Familie beschließt die Zelte abzubrechen: Aufbruch, hastige Flucht nach Ägypten, Neustart in eine ungewisse Zukunft.
Historisch ist das wohl nicht, es finden sich in der Geschichtsforschung keine Belege, dass es den Kindermord zu Bethlehem wirklich gegeben hat. Aber stimmig ist Folgendes: das Schlachthaus hat König Herodes schon inszeniert, nur eben in seinem eigenen Haushalt statt in Bethlehem. Mord und Totschlag, Intrigen, die Herrschaft, die Angst sie zu verlieren und die daraus resultierende Gewalt sind historisch verbürgt für diesen König von Roms Gnaden. Der Evangelist greift wohl auf, wofür dieser Herrscher landläufig bekannt ist.
Daher nehme ich den Text doch beim Wort, da er eine tiefere Wahrheit ausdrückt, die auch heute noch aktuell ist...
Mit Herodes dem Großen haben wir einen Herrscher vor uns, der versucht zu überleben, seine Macht zu erhalten und für sich und die Seinen das Maximum rausholt. Dass er dabei über Leichen geht, gehört zum Tagesgeschäft, und ist auch nicht verwunderlich, wenn man sich auf diese Logik einlässt. Dann führt eben eines zum anderen. Koste es, was es wolle.
Wir kennen das heute auch von anderen Gewaltherrschern, Diktatoren, Potentaten. Man erinnere sich dabei an das, was in den letzten Jahren in Syrien passiert ist. Ein Familienclan (das langjährige Herrscherhaus) und etliche andere Mächte kämpfen miteinander, einfache Menschen, zigtausende Familien mit ihren Kindern geraten in den Strudel der Mächte und sterben oder schaffen es gerade noch, zu flüchten. In Europa haben wir hunderttausende von Menschen, die uns das heute noch erzählen könnten: wie es ist, wenn die Welt zusammenbricht, das eigene Leben und noch wichtiger das Leben der eigenen Kinder bedroht ist. Und einem nur noch die Flucht bleibt. Sogar, wenn man sich dafür mit einem Schlauchboot über die Ägäis wagen muss.
Der Familie des Herodes, in der man einander zurecht nicht über den Weg getraut hat, steht die kleine Gemeinschaft von Maria, Josef und ihrem Neugeborenen als Kontrastfolie gegenüber.
Sie halten zusammen, machen sich gemeinsam auf dem Weg und wenn sie in Ägypten überleben wollen, sind sie auch angewiesen auf solidarische Menschen vor Ort. In dem Evangelium von heute tauchen zwei Mal Engel auf, die hilfreich zuflüstern, was nun angesagt ist. Überleben in der Fremde bedarf vieler solcher „Engel“, die Familie kann und muss das nicht allein meistern.
Daher an diese Stelle auch der Hinweis auf zahllose andere Familien, die ebenfalls versuchen, als kleine solidarische Zelle zu überleben im Spiel der Mächte und Gewalten von heute. Sie schaffen es auch nicht alleine, sie benötigen ebenfalls Beistand. Auch wenn sie in unseren Breiten nicht gleich von Mord und Totschlag bedroht sind, es gibt mehr als genug Kräfte, die Druck ausüben auf die Familien und ihren Zusammenhalt.
Nur ein paar wenige Stichworte zu den Mächten und Gewalten, die heute einwirken:
Die Arbeitswelt fordert flexible Menschen, der Leistungsanspruch wird laufend erhöht, man soll gut funktionieren und daneben im Privaten all das gut leben, was man so unter heilem Familienleben versteht. Der Anspruch auf das Glück in der eigenen kleinen Welt kommt dazu, da man „draußen“ oft dieses Glück nur mehr sehr bruchstückhaft erfahren kann.
Die Kinder sollen ebenfalls gut funktionieren, der Freiraum für Störungen wird geringer, weil alles angespannter wird. Zumal für diejenigen, die nicht den materiellen Wohlstand haben, und sich diverse entlastende Unterstützungssysteme einfach nicht kaufen können. Und später dann kommt dazu, dass man/oder eher frau die Pflege der älter werdenden Angehörigen ebenfalls übernehmen soll.
Dazu der materielle Druck, Familien mit mehr Kindern sind überdurchschnittlich von Armut bedroht. Zudem die politischen Maßnahmen in Österreich, wo im April 2019 leider gerade im Rahmen der neuen Sozialhilfe die Gelder für Familien mit mehreren Kindern massiv gekürzt wurden.
Veränderte soziale Netze, die größer werdende Mobilität machen es heute schwerer, Solidarität zu erfahren. Familie vor zweitausend Jahren war aber immer mehr als nur Vater, Mutter und Kinder, heute schrumpft das oft zusammen auf eine kleine Zelle von vielleicht nur zwei Menschen.
Andere Mächte, aber ähnliche Probleme: wie überleben wir als Familie heute gut? Wie halten wir die Balance zwischen den zahlreichen Anforderungen von außen und dem Versuch, miteinander gut und liebevoll umzugehen? Wer kann da schon sagen: Wir sind eine heile Familie, bei uns ist alles in Ordnung? Das Entlastende aber ist: wir müssen es gar nicht sagen oder gar vorspielen. Das Evangelium erzählt uns von der Heiligen Familie, die ebenfalls hineingeworfen ist in eine unruhige, oft raue Welt. Ihr bleibt das genau so wenig erspart wie uns allen.
Kirche heute kann auch heißen: wir verzichten auf die kitschig schönen Geschichten der heilen Familie, sondern ermutigen dazu, ehrlich zu sein. Und wenn wir sehen, da braucht es Hilfe, Unterstützung, dann zeigen wir uns solidarisch. „It takes a village to raise a child“ (es braucht ein Dorf ein Kind aufzuziehen), so ein afrikanisches Sprichwort.
Man könnte auch sagen: Familie schaffen wir nur gemeinsam. Und ja, niemand von uns meistert das einfach so alleine, und das Heile, Makellose ist kein Anspruch, dem wir uns stellen müssen. Wir dürfen Hilfe in Anspruch nehmen, ob nachbarschaftlich, ehrenamtlich oder auch mal professionell. Auch die katholische Kirche in OÖ hat hierzu einige sehr gute Hilfsangebote, z.B. die „Caritas Familienhilfe“ oder die Beratungsstellen von „Beziehungleben“. Wir dürfen aber auch Hilfe anbieten, und es ist kein Fehler, da auch mal einen Schritt zu machen, wenn uns Familien begegnen, die gerade ins Strudeln kommen.
Als Kirche können wir uns bewusst machen, wie schwer das oft ist, wie herausfordernd, wie Scheitern und Glück oft nebeneinanderliegen und ineinander übergehen. Heil ist da manchmal wenig, aber heilig sind unsere Versuche in allen Widrigkeiten einander beizustehen und miteinander zu leben, was eben in unserer Macht steht. Und heilig sind dann natürlich auch all diejenigen, die uns als „Engel“ begegnen.
© Wilfried Scheidl, Leiter der RegionalCaritas Linz.
Linktipps:
https://www.caritas-linz.at/hilfe-angebote/familien/mobile-familiendienste/
http://www.beziehungleben.at/
Im heutigen Evangelium ist von der Flucht nach Ägypten die Rede. Jesus hatte zu Beginn seines Lebens kein Zuhause. Aber dann - nach dem Tod des Herodes - wird Josef angewiesen, nach Israel zu ziehen. Dort lässt er sich mit Maria und Jesus in einer Stadt namens Nazareth nieder. Jesus ist nun in Nazareth zu Hause.
Als ich vor etlichen Jahren mit Religionslehrerinnen und Religionslehrern im Heiligen Land war, besuchten wir auch Nazareth. Der Ort war für viele mit großen Erwartungen aufgeladen. Von Kindesbeinen an hatten sie von Nazareth gehört. Aber Nazareth ist kein Idyll. Die Kollegen und Kolleginnen waren von der Stadt enttäuscht. Ich sagte ihnen: "Ja, das ist Nazareth: eine enttäuschende Stadt! Zur Zeit Jesu noch mehr als heute war Nazareth ein Provinznest." Aber dort war er zu Hause.
Jemand kann sagen: Er ist nun im Himmel, also nicht mehr auf dieser Erde zu Hause. Wirklich? Er ist auch hier zu Hause. auf dieser unserer Erde!
In der Lesung aus dem Brief an die Christengemeinde von Kolossä heißt es heute: "Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch!" Das Wort Christi kann bei uns wohnen! Und in seinem Wort ist er selber anwesend! "In euren Herzen wohne der Friede Christi!" Er ist es, der uns seinen Frieden erfahren lässt. Er selber ist in uns da! In uns und bei uns! "Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt!" Er kann bei uns zu Hause sein, wenn wir in seinem Sinne leben.
Jesus lebte mit Josef und Maria in Nazareth. Nun, da er beim Vater lebt, ist er nicht mehr an Raum und Zeit gebunden. Doch kann und möchte er bei uns wohnen, in uns und unter uns. Wir können ein Haus für ihn bauen, eine Wohnung für ihn herrichten, wenn wir so leben, wie es uns die Lesung sagt. Dann kann sein Nazareth auch … (München, Wien …) sein!
Einige Erinnerungen an die gehörte Lesung aus dem Kolosserbrief für unseren Hausbau, für das Einrichten unserer Wohnung für ihn:
„Ihr seid von Gott geliebt“: Wo immer wir sind, in einer Familie, allein in einer Wohnung, in einem Hochhaus oder Bauernhaus, dürfen wir uns immer wieder sagen: Ich bin von Gott geliebt, und zwar nach der Art Gottes, also unendlich geliebt. Und die anderen, mit denen wir leben, denen wir begegnen, sind von Gott geliebt, ob sie daran denken oder nicht. Jesus war der Geliebte des Vaters, Maria und Josef waren von Gott begnadet und geliebt. Die drei bildeten die Heilige Familie, die wir heute feiern. Auch wir, jede und jeder von uns, sind von Gott geliebt!
„Bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen“, heißt weiter. Dann wird näherhin aufgezählt:
"Ertragt euch gegenseitig". Manchmal bleibt im Zusammenleben - auch im Zusammenleben einer christlichen Gemeinde, Gemeinschaft, Familie oder Verwandtschaft - nur das Ertragen als Möglichkeit der Liebe.
„Vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat.“ Es wird auf den Herrn verwiesen: „Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt einander!" Es ist gar nicht so leicht, den Anderen immer wieder neu zu sehen und nicht auf Vergangenes festzulegen. Manch alte Verletzung oder Enttäuschung ruft nach Versöhnung. Die Erfahrung, dass mir vergeben wird, tut gut, aber auch die Erfahrung, vergeben zu können.
„Vor allem liebt einander“. Die Liebe „hält alles zusammen“, in der Familie, aber auch in jeder Gemeinde und Gemeinschaft. Die Liebe möchte das Beste für den anderen, ist erfinderisch, hat Geduld. Liebe macht frei. In der gegenseitigen Liebe kann Friede gedeihen.
Und noch ein wichtiger Hinweis: „Seid dankbar!“ Dankbarkeit tut den anderen gut und tut uns selber gut. Wer dankbar ist für das Zurückliegende, kann offen in die Zukunft gehen. Ich zitiere Goethe: „Ein Werdender wird immer dankbar sein“. Von Ignatius von Loyola kommt die Anregung, jede Gewissenserforschung mit der Frage zu beginnen: „Wofür kann ich danken?“
Jetzt feiern wir Eucharistie, die große Danksagung: Wir danken dem Vater, dass er uns in Jesus sein Wort schenkt. Wir danken Jesus, dass er uns zu seinen Freunden macht und zu seiner Familie. Wir danken dem Geist Gottes, dass er uns die Art lehrt, wie wir bei Gott zu Hause sein können.
Das Fest der Heiligen Familie, das wir heute begehen, ist relativ jung. 1920 wurde es eingeführt und in der Neuordnung des liturgischen Kalenders 1969 auf den Sonntag nach Weihnachten festgelegt. Die Familie unter der Rücksicht des Glaubens betrachten heißt: Sie stärken und ihr Kraft verleihen. Dies ist immer wieder notwendig, weil wir Menschen als Gemeinschaftswesen ein Zuhause brauchen – nicht nur die Kinder, auch wir Erwachsenen.
Äußerlich hat die Familie in ihren Formen viele Veränderungen durchschritten: Sippenverbände, Großfamilie, Kleinstfamilie, Ehepaare ohne Kinder, alleinerziehende Mütter oder Vater, Familien mit geschieden wiederverheirateten Partnern. Mag das äußere Bild der Familie sich gewandelt haben und vielfältige Formen aufweisen, ihr Wert hängt an der inneren Gestaltung und von der Atmosphäre in ihr ab.
Paulus benennt in seinem Brief an die Kolosser, was der Familie gut tut und die bergende Atmosphäre in ihr stärkt: Güte, Milde, Geduld, füreinander das Gute wollen. Wenn Paulus den für unsere Ohren aufregenden oder gar empörenden Satz formuliert „Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter“, dann sollten wir getrost allen Zorn auf den Apostel fahren lassen. Paulus will nicht die Frauen zu Sklavinnen ihrer Ehemänner machen. Wer den Text im Zusammenhang betrachtet, dem wird deutlich, was Paulus den Frauen ans Herz legen will: Sie sollen ihre Ehemänner lieben, ihnen helfen, sie unterstützen, ihnen »zugetan« sein. Das ist mit »untertan sein« im Sinne des Paulus gemeint. Denn mit dem gleichen Anliegen wendet er sich ja auch an die Männer, wenn er ihnen sagt: „Ihr Männer liebt eure Frauen und seid nicht gegen sie aufgebracht“. Der Apostel hätte auch hier formulieren können: Ihr Männer, seid auch ihr euren Frauen »zugetan«, »untertan«.
Wenn wir heute auf die Heilige Familie schauen und uns fragen, wie sie Familie gelebt hat, dann sollten wir uns hüten, ein idyllisch romantisches Bild von ihr zu entwerfen. Denn auch die Heilige Familie hatte mit vielerlei Widerwärtigkeiten zu kämpfen. Über viele Jahre hatte sie keinen festen Wohnsitz. Betlehem, Ägypten, Armut, Flüchtlingsdasein. Wenn wir über die Kindheit Jesu auch wenig wissen, sein Verhalten als jugendlicher Zwölfjähriger während der Wallfahrt zum Tempel in Jerusalem lässt uns ahnen, dass Maria und Josef es nicht nur leicht mit ihrem Jesus hatten. Sich absetzen, ohne ein Wort zu sagen, drei Tage die Eltern in Angst und Schrecken sich Sorge um ihn machen lassen und dann im Vorwurfston zu ihnen sagen: Wusstet ihr nicht, dass ihr mich hier im Tempel finden würdet, war keine harmlose Angelegenheit.
Aber es findet sich auch das Beglückende in der Heiligen Familie: Die tiefe Verbundenheit aller drei mit Gott, die stete Bereitschaft, seinem Willen zu entsprechen, das sofortige Zusammenstehen in den Notsituationen, die gemeinsame Annahme des Lebens mit seinen unerwarteten Herausforderungen, die Sorge füreinander.
Die Weihnachtstage offenbaren oft, wie es um die eigene Familie steht. Wahrscheinlich ist aus diesem Grund der Familiensonntag auch in die Weihnachtszeit gelegt worden. Neben Geborgenheit und Wärme kann sich ebenso ein Stück Einsamkeit oder Wehmut gesellen, z.B. dass alles nicht mehr so ist wie früher. Jede Familie unterliegt sodann im Laufe der Zeit dem Wandel und der Veränderung: mit Einbrüchen und Aufbrüchen, mit Abnabelung und neuem Zusammenrücken. Es kann die Eigenständigkeit wachsen, aber ebenso die Abhängigkeit zunehmen, z.B. bei Krankheit, Unglück oder Not.
Es zeugt von Verantwortung und gelebtem Glauben, wenn wir uns fragen: Wie steht es um meine Familie? Was trägt sie und tut ihr gut; wodurch wird sie belastet? Was ließe sich verbessern; was andererseits muss durchgestanden oder auch durchlitten werden?
Der Blick auf die Heilige Familie eröffnet uns wichtige Schritte, die es zum Wohle der eigenen Familie zu unternehmen gilt. Für alle drei, Maria, Josef wie Jesus bildet Gott den Mittelpunkt des Lebens. Was auch immer auf sie zukommt, Gottes Willen wollen sie sich nicht widersetzen. Der Kräfte und Nerven zehrenden Alltagsmühe und Lebenslast weichen sie nicht aus. Wir dürfen davon ausgehen, dass auch bei ihnen gemeinsame Ziele durchdiskutiert und abgesprochen werden mussten, eine Arbeitsteilung stattfand, von der Jesus nicht ausgenommen wurde und dass sie alle drei sich ein Stück auch gegenseitig ertragen mussten. Wenn wir sehr Genaues über das Alltagsleben der Heiligen Familie auch nicht wissen, die kurzen Hinweise in der Bibel bezeugen, dass ihr Familienklima davon bestimmt war: das Gute füreinander zu wollen.
Füreinander das Gute wollen und erstreben ist aus meiner Sicht der entscheidende Schritt für das Zusammenleben in der Familie. Mit dieser Absicht lässt sich eine Familienatmosphäre aufbauen, die Wege findet, einander nicht nur auszuhalten und zu ertragen, sondern in Liebe einander zu helfen und füreinander zu sorgen. Dieses Miteinander und Füreinander schenkt jene Geborgenheit, nach der wir uns alle sehnen. Um dieses Miteinander und Füreinander muss allerdings jeder von uns ringen. Das ist unser Anteil. Vertrauen dürfen wir darauf, dass Gott uns viel Kraft bei unserem Bemühen verleiht. Denn Gott war nicht nur für Josef und Maria die wichtigste Kraftquelle; er ist sie auch für uns.
Bitten wir die Heilige Familie heute besonders, aber auch sonst immer wieder, uns zu stärken, füreinander das Gute zu wollen. Dann dürfen wir sicher handfest erfahren, dass auch unsere Familien im Schutze Gottes stehen, obwohl uns die Mühe des Lebens und die Last des Alltags verbleiben.
„Mein Vater wird bald 86 Jahre alt und seine Alterssturheit wird von Tag zu Tag schlimmer. Er war Kleingewerbetreibender und hat immer und überall die Fäden in der Hand gehabt. Meine Mutter, die vor Jahren gestorben ist, war sehr gutmütig und hat nie gegen ihn aufbegehrt. Nach ihrem Tod ist er in ein tiefes Loch gefallen und hat laufend über alles geklagt, um sich unsere Zuwendung zu holen. Oder besser gesagt, um mit uns anzuschaffen. Anschaffen kann er immer noch sehr gut. Und alles muss auf der Stelle passieren. Er selbst macht keinen Handstrich. Seit einiger Zeit machen wir aus Enttäuschung nichts mehr für ihn. Es tut uns aber leid, weil er ja doch unser Vater ist. Und wir haben schon so oft überlegt, was wir tun könnten, wie wir ihn überreden könnten, vielleicht selbst Hilfe zu suchen. Bis jetzt sind leider alle Versuche gescheitert.“
„Meine Mutter ruft mich ständig an und will mich immer in ihrer Nähe haben. Seit dem Tod des Vaters vor einem Jahr beansprucht sie mich immer mehr. Ich spüre ihre stillen Vorwürfe, wenn ich mal ungehalten bin oder sage, dass ich keine Zeit habe, dabei bin ich so viel bei ihr. Für meine Familie ist das eine große Belastung und ich habe dann ein schlechtes Gewissen. Ich habe Angst, was wird, wenn sie wirklich intensiver betreuungsbedürftig wird.“
Im Hintergrund der Schilderung zweier Frauen steht die gleiche Problematik: Die Eltern brauchen Hilfe, sie erwarten sich von ihren Kindern, dass sie nun ihren Teil des Generationenvertrages erfüllen. „Früher waren wir für euch da, wir haben euch großgezogen, viele Opfer gebracht, damit ihr eine Ausbildung bekommen konntet, wir haben für euch die Wäsche gewaschen, an eurem Bett gesessen, wenn ihr krank wart … nun seid ihr an der Reihe.“ Nur selten sprechen die alten Eltern ihre Erwartungen deutlich aus. Dennoch hören die erwachsenen Kinder diese Botschaft – zwischen den Zeilen, in Andeutungen und manchmal nur in der eigenen Phantasie. Aber sie wissen oft nicht, wie sie mit diesen Erwartungen umgehen sollen.
Die Betreuung und Pflege, die oft langsam und schleichend aber auch plötzlich über die Familien hereinbricht, stellt dann eine große Herausforderung dar: Abschied von Lebensplänen, Doppelbelastung Beruf und Pflege, zeitlich sehr angehängt sein und Verlust von sozialen Kontakten und Netzwerken, psychische Belastung durch Trauerprozesse, depressive Reaktionen der pflegebedürftigen Angehörigen, physische Belastungen durch verschiedene Pflegetätigkeiten…
Im Zusammenhang und Verlauf der Pflege kommt nicht selten so manches Ungelöste in der Beziehungsgeschichte mit den Eltern an die Oberfläche: latente nicht angesprochene Konflikte, Kränkungen und Verletzungen, die nicht geklärt wurden, alte Rechnungen, die nicht beglichen wurden. „Ich war in der Familie immer das schwarze Schaf und konnte nichts recht machen, das kommt jetzt immer wieder hoch, wenn ich meine Mutter so fordernd in ihrer Pflegebedürftigkeit erlebe.“ „Dass ich damals die Ausbildung zum Traumberuf nicht machen durfte, vergesse ich ihnen nicht.“ „Ich wollte nie so werden wie meine Mutter, es gibt Tage da halte ich sie einfach nicht mehr aus. Ich habe dann aber ein schlechtes Gewissen, weil sie ja so geduldig ist.“
Im Zusammenhang der Pflege müssen sich viele noch einmal ihren Eltern stellen mit Fragen wie: Welche Leit- und Glaubenssätze haben mich geprägt, welche Werte habe ich übernommen, was verdanke ich ihnen, was ist offen geblieben, was kann ich ihnen nicht verzeihen, was ist noch zu klären?
Die Eltern stellen einen wichtigen Part unseres Lebens dar: Urvertrauen, emotionale Geborgenheit, die Art und Weise wie wir Beziehung gestalten und leben, welche Werte unser Leben bestimmen, was uns interessiert und wofür wir leben, das alles hat mit unserer Erziehung, mit unseren Eltern zu tun, sie haben die Basis gelegt, sie sind ein archetypischer Teil unserer Persönlichkeit. Von ihnen haben wir viele unserer Ressourcen, aber auch den einen oder anderen schweren Rucksack mit ungelösten Problemen übernommen, der eigentlich nicht uns gehört und der unter Umständen von Generation zu Generation weitergereicht wird.
Die Würdigung von Vater und Mutter wird in der Lesung mit langem Leben und Segen, mit dem Gelingen des Lebens in Verbindung gesetzt. Das heißt: Nur wer um seine Wurzeln weiß, wer sich der Ressourcen bedient, die er von seinen Eltern erhalten hat, wer sich mit seiner Elterngeschichte aussöhnt, hat Zugang zu einem geglückten Leben. Die Pflegesituation, die die Kinder oft noch einmal auf besondere Weise ihren Eltern näher bringt, kann eine Chance sein, manches zu klären, Konflikte endlich auszutragen, die Rucksäcke, die den Eltern gehören, zurückzugeben und vielleicht den oft langen inneren Kampf gegen die Eltern zu beenden. „Ich will nicht so werden wie sie“, ist die beste Ansage, in die Wiederholung zu gehen, die alten ungelösten Geschichten weiterzutragen und sie vielleicht an die eigenen Kinder wieder weiterzugeben. Es kann gut sein, sich hierfür Hilfe durch eine Beratung zu holen.
Würdigung des Vaters der anfangs zitierten Dame heißt dann: ihm zwar die notwendige Unterstützung und Betreuung zu geben (was sie ja im Prinzip gerne tut), aber sich nicht ständig neu kränken zu lassen, sich nicht zum Spielball überzogener Wünsche des Vaters zu machen, ihm nicht die Frau zu ersetzen und ihm gleichzeitig Unterhalterin und Zeitvertreib zu sein, sondern ihm die Verantwortung für sein Leben (zu dem die Trauer um seine Frau, der Verlust mancher Fähigkeiten, die Angst vor dem Sterben und manch anderes gehört) zurückzugeben und klare Grenzen zu ziehen – es braucht auch das NEIN.
Würdigung der Mutter könnte für die zweite Dame heißen: über die Gefühle zu reden, der Mutter mitzuteilen wie es ihr geht. Sie muss ihr sagen, dass sie den Platz des Vaters nicht einnehmen kann, dass sie nicht die Verantwortung für ihr Glück übernehmen kann und dass die erste Verantwortlichkeit ihrer eigenen Familie gilt.
Betreuung und Pflege stellen eine große Herausforderung für Familien- und Beziehungssysteme dar. Sie bringen aber auch viele bereichernde und positive Erfahrungen, wenn es gelingt die Betreuungsbeziehung zu klären, wenn die pflegenden Angehörigen mit ihren Kräften haushalten, wenn sie für genug Erholungszeiten sorgen, wenn sie auch bereit sind, sich Hilfe zu holen und Teile der Pflege abzugeben, und wenn sie die notwendige Unterstützung erhalten. Hier beginnt der gesellschaftliche Auftrag: Pflegende Angehörige auf vielfältige Weise zu unterstützen (Ersatzpflege, finanzielle Absicherung, Beratung…) und zu begleiten. Sie haben sich große Wertschätzung verdient, realisieren sie doch in großem Ausmaß die Botschaft der Lesung.
80% der Menschen, die Betreuung und Pflege brauchen, erhalten diese im familiären Umfeld und zu 80% sind es die Frauen die diese herausfordernde Arbeit leisten, auch angesichts der Tatsache, dass die durchschnittliche Pflegedauer immer länger wird (zur Zeit bei etwa sieben Jahren) und dass die Pflege aufgrund zunehmender Demenzerkrankungen schwieriger wird.
Autor: Mag. Martin Eilmannsberger, Psychosoziale Beratung an der Servicestelle für pflegende Angehörige der Caritas Linz.
Heute feiern wir das Fest der Heiligen Familie. Im Jahre 1920 wurde es für die ganze Kirche eingeführt. Die Familie als Keimzelle der Gesellschaft soll ein Ort der Geborgenheit und Liebe sein. Leider ist das nicht immer der Fall. Da können wir viel von Josef und Maria lernen.
Josef und Maria waren verlobt. Die Verlobung kam damals einer Ehe gleich. Der Unterschied bestand nur darin, dass Mann und Frau noch nicht zusammen gezogen sind. Da merkte Josef, dass Maria schwanger geworden ist. In ihm stiegen viele Fragen auf: Von wem ist Maria schwanger geworden? Er fragt sich: Bin ich gar betrogen worden? Kann ich da die Beziehung aufrecht halten? Die Reaktion von Josef ist imponierend. Er machte keine Anzeige. Denn nach dem damaligen Recht stand auf Ehebruch die Todesstrafe. Er will Maria nicht bloßstellen oder verurteilen lassen. Er übte keine Rache. Er will Maria nach wie vor beschützen, auch wenn er annehmen muss, dass sie ihn hintergangen hat. Er liebt sie doch. Er will das anscheinend Böse durch das Gute überwinden. Das ist bewundernswert. Er denkt daran, sich von Maria in aller Stille zu trennen. Auf diese Weise würde er die Schuld auf sich nehmen.
Da Josef in der Bibel als gerechter Mann galt, auf Gott ausgerichtet war, kam ihm Gott selbst zu Hilfe. In einem Traum erfuhr er durch einen Engel Gottes, vermutlich war es Gabriel, dass das Kind vom Heiligen Geist sei. Das hätte sich Josef nie träumen lassen, dass ihm Gott seinen Sohn zur Pflege anvertraut. Welch eine Auszeichnung! So hat sich die äußerst schwierige Situation durch Gott in Wohlgefallen aufgelöst. Jetzt wusste Josef, dass Maria ihn nicht betrogen hatte und die Liebe zu ihr wurde noch größer.
Was können wir daraus lernen? Mir fällt auf, dass Josef Maria keine Vorwürfe gemacht hat. Wenn sich Mann und Frau gegenseitig Vorwürfe machen, verbessern sie gar nichts. Wenn sich Eheleute gegenseitig Schuld zuschieben, lösen sie keine Probleme. Sie vergiften vielmehr das Klima und zerstören das Vertrauen. Wir wissen: das Gegenteil von gut ist nicht schlecht, sondern gut gemeint. Und wir Eheleute meinen immer, sehr gut mit dem Partner umzugehen. Von Maria und Josef können wir den Umgang in schwierigen Situationen lernen.
Ich bin der Meinung, dass sich Josef und Maria das Leben mit Jesus idyllischer vorgestellt haben. Mit einem Kind wurde alles anders. Das ist so in jeder Familie. Die Geburt Jesu im Stall von Bethlehem war meiner Meinung nach für Maria und Josef eine Zumutung. Der Gedanke „Der Vater im Himmel hätte doch Vorsorge treffen können“, kam vermutlich auf. Doch es herrschte kein Groll gegen Gott. Sie fügten sich. Gott hatte andere Gedanken. Er will sich mit allen Menschen verbrüdern, auch mit den Obdachlosen. Und Josef und Maria haben die Aufgabe an den Plänen Gottes mitzuwirken. Tun wir das auch in der Ehe?
Bald kam für diese jungen Eheleute wieder eine Überraschung. Josef erhielt im Traum von einem Engel die Weisung: „Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten“. Da stand Josef noch in der Nacht auf, floh mit Frau und Kind, wahrscheinlich ging die Reise über den Gazastreifen nach Ägypten. Das ist keine weite Strecke, aber mit einem Esel kam man nur langsam vorwärts.
Das ist die große Überraschung, dass Jesus bald nach seiner Geburt verfolgt wird. Die Verfolgung der ersten christlichen Familie begann also schon vor 2000 Jahren. Josef und Maria werden sich gedacht haben: „Jahrhunderte haben die Menschen auf den Messias gewartet. Jetzt ist der Retter erschienen und wird verfolgt. Warum ist das so?“ Ich vermute, dass sich Gott mit allen Flüchtlingen verbrüdern wollte. Gott will sagen, dass er dem Menschen in jeder Situation beisteht. Tun wir das auch? Stehen wir den Flüchtlingen bei, lindern wir Notsituationen? Fremde aus Ägypten haben die heilige Familie aufgenommen. Helfen wir als christliche Familie auch Asylanten?
Herodes war kein Familienmensch. Er ließ nicht nur die Kinder von Bethlehem töten, er ließ auch eigene Söhne umbringen. Der Nachfolger von Herodes in Judäa war Archelaus. Dieser war noch schlimmer als Herodes. Aus diesem Grund wurde er abgesetzt und ein römischer Prokurator eingesetzt. Der uns bekannteste Prokurator war Pontius Pilatus. Unter seiner Regentschaft wurde Jesus gekreuzigt.
Jesus wurde aus religiösen Gründen bei Pontius Pilatus angezeigt. Doch der Prokurator interessierte sich nicht an religiösen Fragen. Sein Satz „Was ist Wahrheit“ ist weltweit bekannt. So versuchten die Gegner Jesu aus einem religiösen einen politischen Prozess zu machen. Sie sagten: „Dieser Jesus will sich zum König machen. Wenn du ihn freigibst, bist kein Freund des Kaisers“. Doch Christus wollte kein irdisches Reich, sondern das Reich Gottes aufrichten. Er wollte nie Präsident eines irdischen Staates werden. Trotzdem gab Pilatus nach und ließ ihn kreuzigen. Den fürchterlichsten Tod musste Jesus erleiden. Die Apostel haben nicht verstanden, dass Gott so etwas zulassen konnte. Doch Jesus will uns zeigen, dass sich Gott bedingungslos an die Menschen hingibt, auch wenn sie ihn kreuzigen. Größer kann die Liebe Gottes nicht mehr sein. So wurde unter dem Kreuz der Liebesbund Gottes mit den Menschen geschlossen.
Das erkannte als erste Person Maria. So entstand die Kirche, die neue Familie Gottes. Maria wurde zur Mutter aller Gläubigen, zur Trösterin aller betrübten Familien, die ein Kind verloren haben. Maria stand unter dem Kreuz nicht passiv, sondern aktiv. Welch ein Vorbild ist uns Maria unter dem Kreuz geworden. Sie trug das Leiden Jesu mit. Sie erkannte im Glauben, dass dieser Tod Jesu uns zum Heil dient. Mit dem Blut Jesu wurde ein neuer Bund zwischen Gott und den Menschen begründet. Das heißt, dass uns nichts mehr von Gott trennen kann.
Auch christliche Familienmitglieder soll nichts voneinander trennen. Denn sie überwinden wie die heilige Familie das Böse durch das Gute. So wird wieder Weihnachten, wenn wir die Liebe Gottes in unseren Familien weitergeben.
"Wenn 24 Stunden am Tag nicht ausreichen, muss man eben die Nacht dazu nehmen". Mit solchen oder ähnlichen Sätzen beschreiben manche Menschen ihre liebe Not mit der Zeiteinteilung. In den Wochen vor Weihnachten wird es Ihnen vielleicht ähnlich ergangen sein.
Die Zeitmamagementberater empfehlen, man solle sich überlegen, was man wann tue. Jede Tageszeit habe ihre eigene Qualität. Für meinen Teil kann ich das gut nachvollziehen. Wenn ich mich am Nachmittag oder Abend hinsetze und an einer Predigt arbeite, ist das Zeitverschwendung. Die meisten und besten Einfälle kommen mir am frühen Morgen. Wenn ich dann am Vormittag meine Gedanken zu Papier bringe, ärgert es mich, wenn Leute mir diese wertvolle Zeit schmälern mit unwichtigen Anrufen oder mit Bitten, ihren Computer anzusehen...
Vor einigen Jahren machte mich eine langjährige Bekannte, mit der ich früher beruflich oft zusammenarbeitete, darauf aufmerksam, dass von meinem Zeitbudget für unsere freundschaftliche Beziehung immer häufiger nur weniger wertvolle Zeit abfalle. Ich nähme mir nur Zeit für einen Besuch, wenn ich gerade in der Gegend sei, eine Wartezeit zu überbrücken hätte, oder gar nur, wenn ich etwas von ihr bräuchte. Wenn unsere Freundschaft Bestand haben solle, sei es notwendig, dass wir wenigstens von Zeit zu Zeit auch "wertvollere" Zeit investieren. Das hat mich ziemlich nachdenklich gemacht.
Große Qualitätsunterschiede gibt es auch im Hinblick auf Beziehungen. An manche Beziehung denkt man erst, wenn man von einer Person etwas braucht. Auch wenn man dann das Gespräch mit der Frage einleitet: "Wie geht's?", spürt das Gegenüber u.U., dass das Interesse daran, wie es ihr oder ihm geht, nicht sonderlich groß oder gar dass es geheuchelt ist. Mir antwortete einmal jemand auf die Frage "wie geht's?" mit dem Hinweis: "Wenn Sie wirklich wissen wollen, wie es mir geht, dann müssen Sie sich wenigstens eine Dreiviertelstunde Zeit nehmen und mir zuhören." Da ich mich mit dieser Antwort mehr überfordert als eingeladen fühlte, verblieben wir bei Höflichkeiten.
Beziehungen können eine sehr unterschiedliche Qualität haben. Mit manchen Menschen verbringe ich verhältnismäßig viel Zeit (auch "wertvolle"), ohne dass mich dies innerlich berührt oder nahe geht. Manche Begegnungen hingegen bauen mich auf, geben mir Kraft, obwohl sie nur punktuell waren und sich nicht festhalten ließen. Manche Beziehungen sind so tief, dass sie auch Belastungen aushalten, Krisen überstehen und daran sogar noch wachsen.
Das Weihnachtsfest konfrontiert uns mit unseren Beziehungen.
Wir machen Geschenke, um damit unsere Wertschätzung auszudrücken, um uns bei jemand in Erinnerung zu rufen oder auch nur, weil wir uns dazu verpflichtet fühlen.
Wir verbringen Zeit mit Menschen, die uns wichtig sind, die uns brauchen, die wir jedes Jahr treffen oder mit Menschen, mit denen wir schlicht und einfach gerne zusammen sind. Und die Familie spielt dabei eine besondere Rolle. Der Sonntag nach Weihnachten ist in besonderer Weise der Familie gewidmet. Die Heilige Familie – Jesus, Maria und Josef – steht an diesem Tag im Mittelpunkt.
Dabei ist es gar nicht leicht, Familie zu definieren. Was macht die Familie aus? Ist es die Tatsache, dass wir Kinder unserer Eltern sind oder vielleicht dass wir selber Kinder haben? Ist es der Rahmen, in den diese Eltern-Kind-Beziehung eingebettet ist? Oder ist es die Ehe, die Partnerschaft, das Netzwerk all meiner Beziehungen?
Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Qualität unserer Beziehungen; auch wenn es nicht einfach ist, Kriterien dafür zu finden und sie zu bewerten.
Wenn wir uns die Heilige Familie anschauen, finden wir vieles, das unseren unausgesprochenen Idealvorstellungen von Familie widerspricht. Sie eignet sich ganz und gar nicht, um daraus ein mustergültiges Bild von Familie abzuleiten. Was ist das Besondere an dieser Familie? so besonders, dass wir dafür das Wort "heilig" verwenden können?
Für mich hat die Heiligkeit der Heiligen Familie etwas mit der Qualität ihrer Beziehungen zu tun. Die Beziehung zwischen Josef und Maria ist durch eine tiefe Krise hindurchgegangen und offenbar daran gereift. Gewachsen ist auch ihre Beziehung zu Gott, einzeln wie auch gemeinsam. Es wird wohl eine längere Zeit gebraucht haben, bis sie im Kind, das ihnen anvertraut wurde, das Wirken Gottes zum Heil der Menschen und die Frucht des Heiligen Geistes erkennen konnten. Dieses gläubige Erkennen lässt ich für mich nur als Beziehungsgeschehen verstehen.
Die Qualität der Beziehungen dieser Familie ist für mich in zweierlei Hinsicht außergewöhnlich. Zunächst auf der menschlichen Ebene. Diese zeigt uns weniger, wie eine Familie idealerweise verfasst sein soll. Vielmehr fordert mir die Art und Weise, wie Josef und Maria miteinander umgehen und wie sie in extremen Belastungen zusammenhalten, Respekt ab.
Aufhorchen lässt mich aber auch die religiöse Tiefendimension ihrer Beziehung. Gott ist der innere Bezugspunkt dieser Familie, der sie zusammenhält und von der alle Kraft ausgeht.
Angesichts der Heiligen Familie frage ich mich: Welche geistliche Qualität haben meine Beziehungen? In der Ordensgemeinschaft, zur Herkunftsfamilie, zu meinen Freunden, zu Frauen und Männern in den Gemeinden, mit denen ich arbeite? Dabei geht es mir nicht um die Frage, wie oft und wie viel wir gemeinsam beten und Gottesdienst feiern. Vielmehr frage ich mich, in welcher Intensität verbindet mich Gott mit den Menschen, mit denen ich das Leben teile?
Mich fordert aber auch der menschliche Zusammenhalt dieser Familie heraus. Wie kann ich mir selbst und zugleich jenen Menschen treu bleiben, denen ich mich und die sich mir anvertraut haben? Wie können unserer Beziehungen Krisen und Belastungen durchhalten und darin sogar noch wachsen?
Weihnachten fordert mich heraus. Dieses Fest ist für mich mehr als eine Gelegenheit des Innehaltens, des Ausruhens und des sentimentalen Zusammenseins. Dieses Fest führt mich zu jener geheimnisvollen Kraft, von der meine Beziehungen leben und die ihnen Qualität verleiht.
Im Laufe einer "Google-Recherche" (das ist eine beliebte Suchmethode im Internet) mit dem Stichwort "Patchworkfamilien" stellte sich für mich heraus: "Das ist alles nicht so einfach". Als Patchworkfamilien werden Familien bezeichnet, die nicht der Grundform der Familie entsprechen: Mutter, Vater, Kinder. Meist sind es Familien, in denen ein Partner ein oder mehrere Kinder aus einer vorangegangenen Beziehung oder Ehe mitgebracht hat. Es genügt nicht, dass die beiden Ehepartner eine tragfähige Beziehung zu einander aufbauen, auch die Kinder müssen erst in das neue Beziehungsgeflecht hineinfinden. Und das macht das Leben in einer Patchworkfamilie eben nicht so einfach.
Angesichts dieser Schwierigkeiten werde ich umso dankbarer für die konkrete Familie, in der ich selbst aufgewachsen bin. Ich muss mir aber verkneifen, für ein reguläres Familienideal schwärmen zu beginnen und den moralischen Zeigefinger gegen andere Familienformen zu erheben. Mein Vater ist auch in einer Patchworkfamilie aufgewachsen. Man hat das damals nicht so bezeichnet. Mit zweieinhalb Jahren verlor er im Jahre 1914 beide Elternteile. Seine Tante, deren Ehe kinderlos war, hat ihn nach dem plötzlichen Tod seiner Mutter - der Vater war im selben Jahr im Krieg gefallen - mit nachhause genommen. Später hat sie und ihr Gatte ihre Familie mit "Geschwistern" aus anderen von Schicksalschlägen getroffenen Familien der Verwandtschaft ergänzt.
In der Kirche wird neben dem Familienideal auch noch das Ideal des ehelosen Lebens hoch gehalten. Der Religionslehrer der Ordensschule, die ich besuchte, bemühte sich, den Spagat herzustellen zwischen der Wertschätzung des Ehe- und Familienlebens und der Wertschätzung des ehelosen Lebens der Priester und Ordensleute, die Jahrhunderte lang von Theologen als der Berufung zum Ehestand überlegen eingestuft wurde.
Der Rückblick auf Jesus, der gerne zur Lösung kniffliger Wertefragen herangezogen wird, vergrößert die Verwirrung. Er selbst war unverheiratet. Damals ein Affront gegen die im Judentum herrschende Einstellung. Jesus selbst war so sehr Prophet, dass seine Verwandten ihn für verrückt hielten. Als sie ihn einmal sozusagen aus dem Verkehr ziehen wollten, wies Jesus auf seine Zuhörer und ließ seinen Verwandten samt der Mutter ausrichten: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder. Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter. Die Zugehörigkeit zum Reich Gottes und das Erfüllen des Willens Gottes ersetzte für ihn das damalige Familienideal.
Das Fest der Heiligen Familie muss meist dafür herhalten, die Idealisierung der Familie religiös zu stützen. Das Idealbild der Familie ist in unserer Zeit aber ziemlich angeschlagen. Die hohe Scheidungsrate bringt in einer großen Zahl die besagten Patchworkfamilien hervor. 59 % der Kinder wurden im Jahre 2006 in Österreich unehelich geboren.
Die Ursachen dieser Entwicklung liegen weniger darin, dass die Familie nichts mehr gilt. Im Gegenteil, die Jugendwertestudien zeigen, dass Familie und Beziehung nach wir vor zu den höchsten Werten der Jugendlichen zählen; und das nicht nur aus religiösen Motiven heraus. Der hohe Wert der Familie und partnerschaftlicher Beziehungen steht allerdings neben anderen Werten wie persönlicher Freiheit und Unabhängigkeit. Meist lassen sich nicht alle diese Werte gleichzeitig unter einen Hut bringen.
Viele Funktionen, die früher den Familien zukamen, hat heute der Staat übernommen: Alterssicherung, Krankenvorsorge usw. Es scheint heute eher so zu sein, dass viele Menschen den eigenen hohen Ansprüchen an Beziehung und Familie nicht gewachsen sind.
Das Vorbild der Heiligen Familie scheint mir wenig geeignet, das Familienideal zu restaurieren. Wenn wir genau hinschauen: So ideal war auch die Heilige Familie nicht. Sie entsprach weder dem Ideal der damaligen Gesellschaft, noch würde sie heute als Ideal durchgehen. Romantisierungen helfen wenig weiter.
Um in der Familienpolitik weiter zu kommen, muss man nach anderen Mitteln greifen. Es gilt die Frage zu lösen, wie lassen sich persönliche Beziehungen, Familie, Kinder und Beruf besser vereinbaren. Wie kann man verhindern, dass aus der Sorge für Familie und Kinder wirtschaftliche und gesellschaftliche Nachteile entstehen.
Für mich gibt es tiefere Gründe, Maria, Josef und Jesus als Heilige Familie zu feiern. Sie verkörpern Haltungen, die für das Leben als Familie notwendig sind und die zugleich das eigene Leben heiligen.
Josef und Maria tun alles, um ihrer Verantwortung für ihr Kind gerecht zu werden. Sie nehmen jede Strapaz auf sich, das Kind vor jenen zu retten, die ihm nach dem Leben trachten. Zuvor schon haben sie alles getan, ihre Beziehung zu retten.
Maria und Josef können Vorbild sein für das Lösen von Krisen. Es ist Josef hoch anzurechnen, dass er über gängige Männlichkeitsideale hinausgewachsen ist. Es ist ihm auch in religiöser Hinsicht hoch anzurechnen, dass er über die gängigen Vorstellungen von Rechtschaffenheit hinausgewachsen ist und Maria trotz aller Bedenken zur Frau genommen hat.
Maria hat es bestimmt nicht leicht gehabt mit ihrem Sohn Jesus. Er war bestimmt kein Sohn zum Herzeigen, zum Stolzsein. Seinetwegen hat sie viel mitgemacht und hatte sie viel auszuhalten vonseiten der Verwandten und vonseiten der Mitbürger in Nazareth. Sie ist zu ihm gestanden bis zu seinem Tod.
Heilig und in diesem Sinn Vorbild ist diese Familie jedoch noch durch eine ganz andere Haltung. In den biblischen Erzählungen werden uns die Eltern Jesu als Personen vorgestellt, die ganz auf Gott ausgerichtet sind und auf seinen Willen hören. Wenn Jesus jene als seine neuen Familienangehörigen betrachtet, die den Willen Gottes erfüllen, dann sind Maria und Josef prominente Mitglieder dieser neuen Familie. Das Ja Mariens Gott gegenüber ist zum Inbegriff gläubigen Gehorsams geworden. Ähnlich die Einwilligung Josefs in den Plan Gottes. Nicht zufällig treffen wir nach der Himmelfahrt Jesu Maria mitten im Kreis der Apostel, die mit ihnen betend auf die Sendung des Heiligen Geistes wartet.
Diese menschlichen und religiösen Haltungen heiligen auch heute die Familien. Im übertragenen Sinn gelten sie jedoch auch für alle anderen Lebensformen. Es geht weniger um die äußere Form der Familien. Die hat sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder gewandelt. Jede Epoche hat ihre eigenen Ideale gepflegt. Die Lösung kann nicht darin liegen, verschiedene Familienformen gegen einander auszuspielen.
Jede Art von Lebensgemeinschaft, seien es Klein- oder Großfamilien, Patchworkfamilien, Lebenspartnerschaften, auch Ordens- und Pfarrfamilien ist zur Heiligkeit berufen und bedarf des Strebens nach Heiligkeit mit Hilfe der menschlichen und religiösen Haltungen, die wir an Jesus, Maria und Josef bewundern.
Im heutigen Evangelium ist von der Flucht nach Ägypten die Rede. Jesus hatte zu Beginn seines Lebens kein Zuhause! Aber dann - nach dem Tod des Herodes - wird Josef angewiesen, nach Israel zu ziehen. Dort lässt er sich mit Maria und Jesus in einer Stadt namens Nazareth nieder. Jesus ist nun in Nazareth zu Hause.
Als ich vor etlichen Jahren mit Religionslehrerinnen und Religionslehrern im Heiligen Land war, besuchten wir auch Nazareth. Der Ort war für viele mit großen Erwartungen aufgeladen. Von Kindesbeinen an hatten sie von Nazareth gehört. Aber Nazareth ist kein Idyll. Sie waren von der Stadt enttäuscht. Ich sagte ihnen: "Ja, das ist Nazareth: eine enttäuschende Stadt! Zur Zeit Jesu noch mehr als heute war Nazareth ein Provinznest." Aber dort war er zu Hause.
Jemand kann sagen: Er ist nicht mehr auf dieser Erde zu Hause. Er ist im Himmel. Stimmt. Dennoch ist er auch hier zu Hause!
In der Lesung aus dem Brief an die Christengemeinde von Kolossä heißt es heute: "Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch"! Das Wort Christi kann bei uns wohnen! Und in seinem Wort ist er selber anwesend! "In euren Herzen wohne der Friede Christi!" Er selber ist es, der uns seinen Frieden erfahren lässt. Er selber ist in uns da! In uns und bei uns! "Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt!" Er kann bei uns zu Hause sein, wenn wir in seinem Sinne leben.
Jesus lebte mit Josef und Maria in Nazareth. Nun, da er beim Vater lebt, ist er nicht mehr an Raum und Zeit gebunden. Er kann und möchte bei uns wohnen, in uns und unter uns. Wir können ein Haus für ihn bauen, eine Wohnung für ihn herrichten, wenn wir so leben, wie es uns die Lesung sagt. Dann kann Nazareth auch in der Kaulbachstraße oder Königinstraße oder … sein!
Einige Erinnerungen an die gehörte Lesung aus dem Kolosserbrief für unseren Hausbau, für das Einrichten unserer Wohnung für ihn:
Jetzt feiern wir Eucharistie, die große Danksagung: Wir danken dem Vater, dass er uns in Jesus sein Wort schenkt. Wir danken Jesus, dass er uns zu seinen Freunden macht und zu seiner Familie. Wir danken dem Geist Gottes, dass er uns die Art lehrt, wie wir bei Gott zu Hause sein können.
Wir feiern heute das Fest der Heiligen Familie. Die Heilige Familie, Josef, Maria und Jesus standen unter dem besonderen Schutz und der Führung Gottes. Josef folgte dem, was er im Traum von Gott hörte, erzählt uns das Evangelium dieses Festes.
Gott spricht auch zu uns. Stellen wir uns – als Familie, als Gemeinschaft aller Menschen, als Gemeinschaft derer, die sich jetzt hier versammelt haben – unter Gottes Schutz und Führung. Hören wir sein Wort. Kommen wir zusammen zum heiligen Mahl am Tisch des Herrn.
Familie - dieses Wort erfüllt viele mit Hoffnung auf Heimat, auf Liebe und Geborgenheit. Familie - dieses Wort ist für viele verbunden mit Enttäuschungen und Traurigkeiten, mit zerbrochenen Träumen. Familie - das ist der Ort, an dem ich Gottes Liebe leben kann. Wo uns das zu wenig gelingt, wo wir einander Liebe schuldig bleiben, gerade unseren Eltern, Ehepartnern, Kindern gegenüber, bitten wir um das liebende Erbarmen unseren Herrn, der selbst in einer Familie aufwuchs. Er ist jetzt in unserer Mitte.
„Das Wort ist Fleisch geworden“ haben wir an Weihnachten bekannt. Wir können fortfahren und hinzufügen: „Das Wort ist in eine begrenzte Zeit gekommen“, „in einen geographisch bestimmbaren Ort“, „in eine konkrete Familie gekommen“.
In der Liturgie feiern wir jetzt seine Anwesenheit unter uns. Wir dürfen sagen: Er kommt jetzt unter uns. Ja, Er ist jetzt unter uns. Wir rufen ihn an:
Herr Jesus Christus,
von Anbeginn an wurdest du und deine Familie verfolgt,
und du hast Schutz durch Gott gefunden.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
deine Familie musste am Beginn immer fliehen,
doch du hast Heimat bei Maria und Josef
und Heimat in der Liebe des Vaters gefunden.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
wer den Willen deines Vaters erfüllst,
den nennst du Schwester, Bruder und Mutter.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
als Sohn der Jungfrau Maria und dem Heiligen Josef gehorsam.
In unserer fehlenden Einheit, rufen wir zu dir:
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
aus Ägypten wurdest du geführt, wie einst das Volk Israel,
du bist der neue Anfang.
In unseren Zwängen, die wir uns gegenseitig oft unnötig machen, rufen wir zu dir:
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
Menschen trachteten dir nach deinem Leben, doch du erfuhrst Gottes Schutz.
In unserem Hass und Eifersucht, die Leben erschweren, gar zerstören, rufen wir zu dir:
Herr, erbarme dich.
Herr, unser Gott,
in der Heiligen Familie hast du uns ein leuchtendes Vorbild geschenkt.
Gib unseren Familien die Gnade,
daß auch sie in Frömmigkeit und Eintracht leben
und einander in der Liebe verbunden bleiben.
Führe uns alle zur ewigen Gemeinschaft in deinem Vaterhaus.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Heilige Familie
Gott,
du bist wie ein Vater und wie eine liebende Mutter.
Wie du für Jesus gesorgt hast, so sorge auch in liebevoller Weise für uns.
Wir vertrauen dir besonders die Familien an, damit die Kinder in Geborgenheit und Liebe aufwachsen dürfen. Wir sehnen uns nach Angenommensein und nach Liebe. Schenke du uns das, die wir auf dich hoffen und vertrauen.
Stärke unsere Verbundenheit mit dir durch dein Wort. - Amen.
Guter Gott,
die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält -
das sagst du uns durch Paulus.
Das forderst von uns durch Jesus Sirach.
Stärke durch dein Wort unsere Liebe
und die Bereitschaft,
für einander da zu sein,
einander anzunehmen.
Sei uns Halt,
sei uns Zuversicht. - Amen.
Herr Jesus Christus,
du kennst unser Leben von Grund auf.
Wir bitten dich voller Glauben, voller Hoffnung und voller Liebe:
Für alle Familien, die ihre Heimat verloren haben, die auf der Flucht sind.
Lass sie Aufnahme finden, damit sie menschenwürdig leben können.
Für alle Kinder, die ihre Eltern verloren haben und in Heimen aufwachsen müssen,
dass sie die Geborgenheit erleben und sich entwickeln können.
Für alle Frauen und Männer, die kranke und gebrechliche Eltern pflegen.
Lohne ihren Einsatz und lass sie Unterstützung erfahren.
Für alle, die sich nach Familie sehnen, aber nirgendwo zu Hause sind.
Lass sie an ihrer Einsamkeit nicht verzweifeln.
Für alle Familien, in denen seelische körperliche Gewalt herrscht.
Lass die Opfer den Mut finden, sich Hilfe zu holen.
Für alle Familien, in denen sich Menschen wohlfühlen.
Schenke ihnen Dankbarkeit in ihre Herzen.
Für alle Familien, die an Konflikten zu scheitern drohen.
Schenke ihnen den Geist der Eintracht und Versöhnung.
Für alle Opfer von Gewalt, besonders für alle Toten und Verletzen des Terroranschlags in Australien.
Schenke ihnen Kraft, zusammen zu stehen und lass sie Menschen begegnen, die sie aufrichten.
Dir sei Lob und Preis, jetzt und in alle Ewigkeit. - Amen.
Guter Gott, du hast deinen Sohn Jesus, das Wort, das Fleisch wurde, Maria und Josef anvertraut. Voller Hoffnung bitten wir dich:
Lass alle Familien auf der Flucht Aufnahme durch Mitmenschen und Heimat finden.
Segne alle Eltern, die ein Kind erwarten und erfülle sie mit Freude, für ihre Kinder zu leben.
Sei bei allen Kindern, die misshandelt oder vernachlässigt werden und stelle ihnen Menschen zur Seite, die gut zu ihnen sind.
Gib Kraft denen, die für pflegebedürftige Angehörige da sind und erfülle die Menschen mit Dankbarkeit und Geduld, die Pflege empfangen.
Heile alle verwundeten Beziehungen zwischen Eltern und Kindern sowie zwischen Eheleuten und auch zwischen Geschwistern.
Erbarme dich unserer Verstorbenen und schenke ihnen die Liebe, nach der sich alle Menschen sehnen.
Dir sei Lob und Preis, jetzt und in alle Ewigkeit. - Amen.
Herr, unser Gott,
am Fest der Heiligen Familie
bringen wir das Opfer der Versöhnung dar.
Höre auf die Fürsprache
der jungfräulichen Gottesmutter
und des heiligen Josef.
Erhalte unsere Familien in deiner Gnade
und in deinem Frieden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Gott,
Gemeinschaft erfahren wir dort, wo wir in Freude und Liebe miteinander Feste feiern. Wir sind jetzt hier, so wie wir sind, mit unseren guten Seiten, aber auch mit unseren Fehlern und Schwächen. Du hast oft Gemeinschaft mit Menschen im Mahl gesucht.
Sei auch jetzt unsere Mitte, wenn du uns das Brot und den Wein des Lebens reichst. - Amen.
Guter Gott,
wenn Körner sich mahlen lassen,
dann entsteht Brot.
Wenn Trauben sich keltern lassen,
dann entsteht Wein.
Wenn Menschen füreinander leben,
wenn sie einander achten,
dann entsteht eine Familie.
Sei uns nahe in deinem Mahl,
mache uns eins in dir, besonders unsere
Familien. - Amen.
(für Wortgottesfeiern)
Guter Gott,
wir haben allen Grund dir zu danken.
denn du hast uns durch Jesus, deinen Sohn,
der das Leben mit uns geteilt hat, geheiligt.
Alle: Dir sei Dank und Lob und Ehre!
Er ist Mensch geworden und hat Höhen und Tiefen
menschlichen Lebens erfahren.
Durch sein Leben in einer menschlichen Familie
hat er die Familie geheiligt.
Alle: Dir sei Dank und Lob und Ehre!
Durch sein heiliges Leben hast du auch uns zur Heiligkeit berufen.
Er gab uns die Macht, Kinder Gottes zu werden.
Seinetwegen hast du uns als deine Töchter und Söhne angenommen.
Alle: Dir sei Dank und Lob und Ehre!
Er hat uns vorgelebt, wie auch wir heilig und untadelig vor dir leben können,
wie wir einander in Liebe begegnen, einander verzeihen
und miteinander in deiner Gnade leben können.
Alle: Dir sei Dank und Lob und Ehre!
Durch ihn gabst du uns jetzt schon Anteil am Frieden deines Reiches
und an der Fülle des Lebens, das du für deine Kinder bereit hältst.
Daher stimmen wir ein in den Lobgesang aller,
die in ihrer Heiligkeit bereits vollendet sind:
Danklied: z. B. GL 247: Lobt Gott, ihr Christen alle gleich
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn Fleisch geworden ist das Wort,
und in diesem Geheimnis
erstrahlt dem Auge unseres Geistes
das neue Licht deiner Herrlichkeit.
In der sichtbaren Gestalt des Erlösers
läßt du uns den unsichtbaren Gott erkennen,
um in uns die Liebe zu entflammen
zu dem, was kein Auge geschaut hat.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn groß ist das Geheimnis seiner Geburt,
heute ist er, der unsichtbare Gott,
sichtbar als Mensch erschienen.
Vor aller Zeit aus dir geboren,
hat er sich den Gesetzen der Zeit unterworfen.
In ihm ist alles neu geschaffen.
Er heilt die Wunden der ganzen Schöpfung,
richtet auf, was darniederliegt,
und ruft den verlorenen Menschen
ins Reich deines Friedens.
Darum rühmen dich Himmel und Erde,
Engel und Menschen
singen das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 2
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und dein Erbarmen zu rühmen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn schaffst du den Menschen neu
und schenkst ihm ewige Ehre.
Denn einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen:
dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch,
und wir sterbliche Menschen
empfangen in Christus dein göttliches Leben.
Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel
und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 3
Viele Menschen haben ein hohes Ziel:
Sie möchten später einmal richtig glücklich sein.
Heute bereiten sie sich darauf vor, sie sparen für die Zukunft,
sie bauen ein Haus, sie warten auf den Ruhestand.
Später einmal wird alles anders sein ...
Und wie oft hört man dann Menschen klagen,
die den Partner oder einen guten Freund verloren haben:
„Ach hätte ich doch die gemeinsame Zeit besser genützt“,
oder: „Wenn ich sie doch noch einmal in den Arm nehmen könnte ..."
Heute ist der Tag,
an dem wir uns füreinander Zeit nehmen können.
Heute ist die Zeit, miteinander zu reden, zu schweigen,
zu träumen und gemeinsam glücklich zu sein.
Ich will mein Leben nicht in eine ferne Zukunft schieben,
nicht an Bedingungen knüpfen, die erst erfüllt werden müssen.
Ich will mein Leben jetzt leben:
den besonderen Wert des Augenblicks erkennen und leben:
traurig oder froh - allein oder gemeinsam - enttäuscht oder glücklich
Ich kann im Glück wie im Schmerz die Erfahrung machen,
dass ich ein kostbares Kind des Lebens,
ein Kind Gottes bin.
Ein glückliches Leben fängt immer heute an.
Gott, unser Vater,
du hast uns mit dem Brot des Himmels gestärkt.
Bleibe bei uns mit deiner Gnade,
damit wir das Vorbild der Heiligen Familie nachahmen
und nach der Mühsal dieses Lebens
in ihrer Gemeinschaft das Erbe erlangen,
das du deinen Kindern bereitet hast.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Fest der Heiligen Familie
Gott,
wir gehen jetzt verschiedenste Wege. Wir wissen nicht, wohin sie uns führen.
Maria und Josef mussten viele Wege gehen, um Heimat zu bekommen.
Sei auch uns ein Begleiter und weise uns Wege, die uns zu einem gelungen Leben führen. Segne uns auf unseren Wegen. - Amen.
Guter Gott,
wir gehen zurück zu den Menschen,
mit denen wir leben,
mit denen wir befreundet sind.
Das Miteinander fällt nicht immer leicht.
Segne uns und schenke uns Mut,
aufeinander zuzugehen,
immer wieder neu zu beginnen,
neu zu vergeben.
So werden wir Zeugen deiner Liebe.
Dazu segne uns, du guter Gott. - Amen.
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.
Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.
Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.
Hermann Hesse
Im Dialog sein bedeutet vor allem, auf Augenhöhe miteinander zu sprechen, sich nicht für besser zu halten als der andere. Mit jedem Menschen kann man in so einen Dialog treten, auch mit dem Jüngsten, auch mit dem Elendsten…
Es bedeutet auch, auf das zu hören, was der andere im Herzen hat, das heißt, sich ihm ganz zu öffnen. Dazu ist es nötig, die eigenen Gedanken zurückzustellen, Gefühle oder Anhänglichkeiten beiseite zu lassen…
Möglichst frei sein, um sich in den anderen wirklich hineinversetzen zu können…
Ein so geführter Dialog trägt zur universellen Geschwisterlichkeit bei; er ermöglicht die Begegnung mit den unterschiedlichsten Menschen, selbst mit solchen, mit denen wir es nicht für möglich gehalten hätten.
Zur gegenseitigen Liebe gehört auch, die anderen wertzuschätzen und uns in aller Einfachheit mit ihnen zu freuen … wo die Liebe und die Güte wohnt, dort ist Gott…
Wir wissen selbst, dass wir nicht besser sind als alle anderen, und nur Gott weiß, wie wenig wir den Gnaden, die er uns geschenkt hat, entsprochen haben.
Ein Christ ist nicht besser als ein Nichtchrist. Er hat es besser. Das ist der Unterschied. Und ich versuche, so zu leben, dass die Dankbarkeit dafür, dass ich es besser habe, Gestalt gewinnt.
Aus: Chiara Lubich, Weiter als gedacht, von der Kraft der frohen Botschaft, München 2023.
Großer Gott,
ich hätte so gern einen richtigen Vater.
Mein Vater kümmert sich nicht um mich,
er hat auch meine Mutter nicht lieb.
Er kommt nie, nach uns zu schauen.
Wir sind ihm lästig, wir sind ihm zu viel.
Warum muss ich ohne Vater sein?
Ich brauche einen Vater, mit dem ich basteln
und spielen und Fische fangen kann,
mit dem ich plaudern darf,
der mich lobt, wenn ich fleißig war.
Mir gefällt es ohne Vater nicht.
Hilf mir, großer Gott, dass wir einen Vater haben,
einen ganz richtigen Vater.
Kindergebet
Ich glaube, dass man einige Tendenzen in der Gesellschaft feststellen kann, ohne jetzt den Mega-Soziologen raushängen zu lassen. Eine Tendenz ist, dass wir immer mehr in einer Singlegesellschaft leben. Es gab noch nie so viele Singles wie heute. Millionen von Menschen leben allein in ihrer Wohnung und sterben vor Einsamkeit.
Dazu kommt, dass viele Menschen in der westlichen Welt es anscheinend nicht lange miteinander aushalten können. Jedes Jahr trennen sich immer mehr Ehepaare. Lag die Scheidungsrate in den 1980er Jahren noch bei 170 000 pro Jahr, wurden seit der Jahrtausendwende vom statistischen Bundesamt jährlich 190 000 bis 200 000 Scheidungen gezählt, Tendenz steigend. In Prozent gesehen bedeutet das eine Steigerung von acht Prozent aller Ehen (1960) zu knapp 51 Prozent (2008). 700 000 Mütter mit ca. einer Million Kindern in Deutschland gelten als „alleinerziehend“; sie haben keinen Partner, der sich mit ihnen um das Kind kümmert.
Aus: Martin Dreyer, Jesus rockt, München 2011.
Ihr wurdet zusammen geboren,
und ihr werdet auf immer zusammen sein.
Ihr werdet zusammen sein,
wenn die weißen Flügel des Todes eure Tage scheiden.
Ja, ihr werdet selbst im stummen Gedenken Gottes zusammen sein.
Aber lasst Raum zwischen euch.
Und lasst die Winde des Himmels zwischen euch tanzen.
Liebt einander, aber macht die Liebe nicht zur Fessel:
Lasst sie eher ein wogendes Meer zwischen den Ufern eurer Seelen sein.
Füllt einander den Becher, aber trinkt nicht aus einem Becher.
Gebt einander von eurem Brot, aber esst nicht vom selben Laib.
Singt und tanzt zusammen und seid fröhlich, aber lasst jeden von euch allein sein,
So wie die Saiten einer Laute allein sind und doch von derselben Musik erzittern.
Gebt eure Herzen, aber nicht in des anderen Obhut.
Denn nur die Hand des Lebens kann eure Herzen umfassen.
Und steht zusammen, doch nicht zu nah:
Denn die Säulen des Tempels stehen für sich,
Und die Eiche und die Zypresse wachsen nicht im Schatten der anderen.
Khalil Gibran, Der Prophet, Walter Verlag 1973.
Jeder braucht jederzeit irgendwo Geborgenheit
und die finden wir bei uns daheim,
unser Haus ist nicht groß, aber immer ist was los,
denn wir sind ein fröhlicher Verein.
Wir sind eine große Familie,
wir gehören zusammen hier ist keiner allein.
Wir sind eine große Familie
und wir wollen es bleiben, das wird immer so sein.
Auf dem Land in der Stadt glücklich ist wer Freunde hat,
denn das Leben ist nicht immer leicht
und es kommt der Moment, wenn dem Nachbar Haus mal brennt,
dass man sich die Hand zu Hilfe reicht.
Wir sind eine große Familie,
wir gehören zusammen hier ist keiner allein.
Wir sind eine große Familie
und wir wollen es bleiben, das wird immer so sein.
Ja, wir sind auf der Welt, keiner fragt ob's uns gefällt,
jeder macht für sich das Beste draus,
irgendwann wird es sein,
da seh'n alle Menschen ein, ohne Liebe kommt die Welt nicht aus.
Ja wir sind eine große Familie,
wir gehören zusammen hier ist keiner allein.
Wir sind eine große Familie
und wir wollen es bleiben, das wird immer so sein.
Wir sind eine große Familie,
wir gehören zusammen hier ist keiner allein.
Wir sind eine große Familie
und wir wollen es bleiben, das wird immer so sein.
Songtext von Peter Alexander - Wir Sind Eine große Familie.
Gott, uns selber Vater und Mutter, segne uns:
die Jungen und die Alten, die Starken und die Gebrechlichen.
Gott, uns selber Schwester und Bruder, segne uns:
mit Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft, mit Geduld und Versöhnungsbereitschaft.
Gott, uns selber Freundin und Freund, segne uns:
mit zärtlichen Händen, mit offenen Ohren, mit ehrlichem Herzen.
Gott, segne uns, damit wir zum, Segen werden allen,
für die wir Verantwortung tragen.
Unbekannter Verfasser
Gott und Vater,
du hast den Frieden in unserer Familie gewahrt
oder uns immer wieder neu geschenkt.
Wir danken dir.
Behüte uns und hilf, uns gegenseitig in Liebe
zu tragen und zu ertragen.
Gib uns den guten Willen zur Versöhnung
nach jedem Streit
und die Kraft zu einer ehrlichen Aussprache
bei Zwistigkeiten.
Schenke uns Verständnis füreinander.
Schütze auch unsere Lieben,
die nicht gesund sind,
denen wir im Geist und bei allzu seltenen
Begegnungen verbunden sind.
Gib unserer Familie auch die Kraft,
sich nicht denen zu verschließen,
die unsere Nähe und unsere Hilfe brauchen.
Du liebst alle Menschen,
dich wollen wir lieben in unseren Nächsten.
Bleibe bei uns. Amen.
Aus: Gebete für das ganze Leben, St. Benno Verlag Leipzig 2004.
Christliche Gemeinde lebt von der ständigen gegenseitigen Vergebung, wie es ja auch in der Liturgie der hl. Messe deutlich wird: am Beginn das Schuldbekenntnis, nicht nur vor Gott, sondern auch vor den Brüdern und Schwestern, vor der Kommunion der Friedensgruß. Unwillkürlich denken wir dabei an das Wort Jesu: "Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, dann lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder. Dann komm und opfere deine Gabe" (Matthäus 5, 23 f).
Jesus schließt sich der Kultkritik der Propheten an. Als er nach der Berufung des Zöllners Matthäus mit Zöllnern und Sündern Mahl hält, sagt er in aller Deutlichkeit: "Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten" (Matthäus 9, 13)
Aus: Gerhard Bauer, Leben heißt Lieben: Drei Minuten-Impulse, Verlag Neue Stadt, München 2014.
Für mein Enkelkind Isabel
Ganz unvermutet
hat sich die Kinderhand
so im Gehen
in meine Hand geschmiegt.
Kleine Geste,
großes Geschenk
des Vertrauens -
berührt Hand und Herz.
Aus: Ilse Pauls: Worte am Weg. Gedichte. Wolfgang Hager Verlag, Stolzalpe 2013.
Eine Folge der immer höher werdenden Zahl von Trennungen und Scheidungen ist auch die steigende Zahl von Stieffamilien. Denn Partner, die sich getrennt haben, gehen selbstverständlich häufig auch neue Partnerschaften ein und gründen neue Familien. In dieser neuen Familie bringt die Frau Kinder mit, deren Vater woanders lebt. Diese sog. "Stiefvaterfamilien" sind die häufigste Form der Stieffamilie, weil nach einer Trennung die Kinder meist bei der Mutter bleiben. Aber auch der Mann kann eigene Kinder, die bei ihm leben, in die neue Beziehung mitbringen, während die Mutter dieser Kinder woanders, vielleicht schon in einer anderen Beziehung, lebt. Solche "Stiefmutterfamilien" haben es meist schwerer. Denn die Erwartungen an eine Mutter sind umfassender als an einen Vater. Selbst der aufopferndste Einsatz der Stiefmutter wird von den Kindern (auf Grund ihrer Loyalität zur leiblichen Mutter) selten belohnt.
Wenn beide Partner Kinder in die neue Beziehung mitbringen ("zusammengesetzte Stieffamilie")**, ist jeder der beiden Partner also zugleich Vater oder Mutter eines leiblichen Kindes und Stiefvater oder -mutter des Kindes des Partners. Die Situation wird noch komplizierter, wenn sich Paare nach einer zweiten oder dritten Trennung zusammenfinden.
Und oft bekommt dieses Paar noch neue gemeinsame Kinder. Für die schon mitgebrachten Kinder bedeutet das: Die Rollen auf der Geschwisterebene müssen neu verteilt, Privilegien aufgegeben, neue Verantwortlichkeiten übernommen werden.
Die Kinder bringen so ihre unterschiedliche Geschichte und durchaus verschiedene Vorstellungen vom Familienleben mit. Einfluss auf die Kinder und über die Kinder auf die neue Familie haben meistens zusätzlich auch die von ihnen getrennt lebenden Elternteile nebst den dazugehörigen Großeltern. Die Stiefgeschwister, die über die neue Partnerschaft zusammengewürfelt werden, hatten dabei nicht die Chance, sich wie Freunde auszuwählen, sondern müssen in der neuen Familie erst lernen miteinander auszukommen.
Ich denke hier an ein Beispiel: Eine Frau, die nach ihrer Trennung mit ihren zwei Söhnen (Max und Moritz) im Alter von 8 und 6 Jahren eine Weile allein gelebt hatte, lernt einen Mann kennen, der mit seiner 8-jährigen Tochter (Paula) ebenfalls allein lebt. Sie beschließen zusammenzuziehen: Die Frau zieht mit ihren beiden Söhnen in die 3-Zimmer-Wohnung des Mannes. Hier nur zwei von mehreren Konfliktsituationen: Die drei Kinder müssen sich auf einmal das Kinderzimmer teilen, in dem Paula vorher allein belebt hat. Wogegen sie sich heftig sträubt! - Paula sieht ihre Mutter einmal wöchentlich zu einer bestimmten Zeit. Der Vater von Max und Moritz hat nur sporadisch Kontakt und zahlt auch keinen Unterhalt. Auch die Großeltern der neuen Partner verhalten sich sehr unterschiedlich: Die Eltern und Geschwister der Frau akzeptieren Paula voll und nehmen sie in die Familie auf. Die Eltern des Mannes versuchen, Max und Moritz zu ignorieren.
Natürlich gibt es in der neuen Familie auch noch die üblichen Paarprobleme, wie sie in Partnerschaften ohne mitgebrachte Kinder vorkommen. Das Konfliktpotential der Stieffamilie ist aber ungleich größer als in einer "Normalfamilie", somit auch die Gefahr, dass die Partner von der Massierung der Schwierigkeiten überrollt werden und sich am liebsten wieder trennen möchten. Deshalb verdienen Stieffamilien, und das ist in Deutschland heute etwa jede sechste Familie, das besondere Interesse einer psychologischen Beratungsstelle.
Zunächst gilt es, mit dem Paar zu schauen, was sie verbindet und was sie bis jetzt trotz aller Probleme gut geschafft haben. Das ist wichtig, weil Paare das oft gar nicht mehr wahrnehmen, wenn die Probleme über ihnen zusammenschlagen. Es wird ihnen auch leichter wieder präsent, wenn jemand von außen (in diesem Fall der/die BeraterIn) diese ihre Leistung anerkennt.
Als nächstes besteht dann die Möglichkeit, Lösungen für konkrete Detailprobleme zu erarbeiten, durch die sich die Gesamtsituation schon etwas entspannen kann. Im Fallbeispiel: Paula und Max + Moritz bekamen im Kinderzimmer klar abgegrenzte eigene Bereiche, und Max durfte abends, weil sein Licht die beiden anderen störte, noch 20 Minuten im Wohnzimmer lesen.
Das Paar erkennt aber, dass es sich für die Lösung der komplexeren Probleme mehr Zeit nehmen muss. Hierzu wird auch gehören, dass im Einzelfall auch der persönliche Hintergrund der Partner beleuchtet werden muss. Gerade in Stieffamilien macht es fallweise durchaus Sinn, die Kinder in die Beratung einzubeziehen. Ein Problembereich kann das Vorhandensein einer "sekundären Stieffamilie" sein, d.h. der neuen Familie des abwesenden Elternteils. Die Kinder werden sich meist beiden Familien zugehörig fühlen. Hier müssen Wege gefunden werden, die Grenzen der neuen ("primären") Stieffamilie zu betonen, ohne die Beziehung zu den außerhalb Lebenden zu behindern.
Wichtig ist, dass alle Beteiligten wissen: Sie brauchen viel Geduld, nicht nur mit den anderen, sondern auch mit sich selbst. Schließlich hat sich herausgestellt, dass Stief-/ Patchwork-Familien etwa 5 Jahre brauchen um zusammenzuwachsen. Die Geduld hat dann aber auch ihren Lohn: So entwickeln die Kinder einer solchen Patchworkfamilie durch die wesentlich höhere Zahl von ihnen wichtigen Bezugspersonen und durch die höhere Familiendynamik eine deutlich höhere Sozialkompetenz.
Von Hanne Reutti * * Die Verfasserin ist Juristin und Mediatorin (BAFM) und als Ehe-, Familien- und Lebensberaterin in der Ehe-, Familien- und Partnerschaftsberatungsstelle, Nelkenstr. 17 in 76135 Karlsruhe, tätig. http://www.eheberatung-karlsruhe.de/seiten/patchwork.htm
Morgen ist Weihnachten. Die glücklichen Erinnerungen daran liegen so weit zurück, daß sie vielleicht ja auf reiner Einbildung basieren. Man hatte es da immerhin noch nicht mit einem alten, tollwütigen Vater zu tun, der auf einmal meine lieben und klugen Stiefkinder niederschreit, weil die gelernt haben, ehrlich ihre Meinung zu äußern. Auch über den Papst. Ich war derart erstaunt, da derselbe Vater vor zwanzig Jahren derbe Papstwitze zum Besten gab, daß ich erst mal alle niederschrie, um einen einigermaßen fragilen Frieden in der Familie wieder herzustellen. Zumindest geht der jetzt erst mal so weit, daß wir uns alle zu Weihnachten noch brav beschenken, und die Kinder sich wieder artig bei ihren Großeltern am Telefon bedanken. Glücklicherweise liegt das Jahr über eine gewisse Distanz zwischen meinem leicht reaktionären Vater, meiner Stiefmutter und den links orientierten Kindern meines Mannes, mit denen ich immerhin schon seit zehn Jahren zusammenlebe. Doch auch in seiner Familie lässt sich kurioses entdecken. Mein Schwager, seines Zeichens ebenfalls Vater, überraschte die vorweihnachtliche Runde durch absolute Unkenntniss seiner Sprösslinge, die bei seiner Exfrau leben, indem er altklug die Übersetzung eines lateinischen Zitates von seinem Sohn verlangte. Er schaute nicht schlecht, als man ihm mitteilte, besagter Sohn hätte niemals Latein in der Schule gehabt. Meine Stieftochter hätte die Übersetzung parat gehabt, doch sie ist vorsichtig geworden, wenn es um die Familie geht.
Dieses Jahr sind die Kinder am Heiligabend bei ihrer Mutter, und ich verbringe die glücklichsten Stunden des Jahres mit meinem Mann und meiner Schwiegermutter alleine unter dem Weihnachtsbaum. Ich sehne schon jetzt den nächtlichen und befreienden Gottesdienst herbei, wo ich all meine bösen Gedanken bereuen und mich auf die Kinder am nächsten Tag freuen kann, die uns den Familienstress durch ihre fröhliche und lautstarke Weihnachtsfreude wieder vergessen lassen.
"koboldine" (Nickname im Internet, Pseudonym) http://kommentare.zeit.de/user/koboldine/beitrag/2007/12/23/frohe-weihnachten-patchworkfamilie
"Wenn wir schon keine Vorbilder sind, so haben wir wenigstens unsere Feindbilder."
Und es erhebt sich tatsächlich die Frage, ob wir Erwachsenen noch Vorbilder für die Jugend sind. Wer um sich schaut, der kann sich des Gefühls nicht erwehren: Wie eine Welle, ja so unaufhaltsam wie ein Krieg, kommt der Verlust von traditionellen Werten auf uns zu. Und mit diesem Werteverlust machen wir uns unseren eigenen Krieg. Ein Wert war, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Man hat von den Problemen anderer Menschen oder Länder auf sich selbst oder sein Land geschlossen: Was kann ich selbst/können wir besser machen, damit mir/uns dies und jenes nicht passiert, was könnte ich/könnten wir ändern? Gewissenserforschung ist aber heutzutage nicht mehr in. Statt dessen wird verdrängt und zum Einschlafen eine Tablette genommen.
Ein Wert war die Ehe, heute reden viele mit den eigenen Kindern nur noch vom Zusammenziehen. Früher arbeitete man Enttäuschungen auf, indem man beispielsweise einem Priester das Herz ausschüttete oder auch bei sich einen Anteil an Schuld suchte. Heute staut man die Wut auf oder gibt die Aggressionen an Schwächere weiter oder zieht sich völlig in sich zurück. Fazit: Die ganze Welt ist schlecht!
Früher lebte der Mensch aus einer Mitte, aus der er auch den Sinn, das Wozu des Leidens zu verstehen suchte und annehmen konnte. Heutzutage hat sich der Mensch "aus der Gotteskindschaft herausgelöst". Er hat keinen Vater des Vertrauens mehr. Er fühlt sich im Leid verlassen, flüchtet sich zu Wahrsagern und Tischerückern. Oder in die Welt der Depression, der Obdachlosigkeit, des Alkoholismus.
Früher übernahm ein Paar Verantwortung für die Kinder. Heute wird der Partner verlassen, sobald man sich mißverstanden fühlt, ohne Rücksicht auf die Kinderseelen. "Sie werden es schon verkraften." Aber es ist ein Teufelskreis: die spätere Ehe muß leider auslöffeln, was die Erziehung ein-gebrockt hat. Die Kinder brauchen keinen Freizeitvater, der mit großen Geschenken an Sonntagen um die Gunst der Kinder wirbt, sie brauchen für die Entwicklung zwei ehrliche Elternteile, mit denen sie Probleme besprechen können, die nicht immer nur vor dem Fernseher herumlungern und ihre Angst vor einem Gespräch in der Familie pflegen, mit denen sie sich identifizieren können. Menschen mit Fehlern und Schwächen, die auch gelernt haben zu streiten.
Ein Wert war sicher auch das Verzeihen. Heute ist ein Seitensprung Grund genug, sich zu trennen. Wegwerfgesellschaft! Früher baute man auf gemeinsamer Ehegeschichte, heutzutage verdrängt man sie und baut allzurasch mit einem anderen Partner an einer neuen Geschichte. Ein Wert war das Feiern von Festen, von Sonntagen.
Sicher, es gibt sie noch: Liebe statt Egoismus, Verantwortung statt Verantwortungslosigkeit, Kraft aus dem Glauben. Es gibt Paare, die zur Beratung gehen und miteinander kämpfen. Es gibt welche, die Seminare in Bildungshäusern besuchen und ihre Beziehung pflegen. Es gibt sie, die sich in uneigennütziger Weise für Kinder einsetzen, nur, diese Paare sind so leise. Und die anderen sind so laut - so ansteckend laut ...
Aus: Elisabeth Schöffl-Pöll, Von Töchtern, Müttern und Großmüttern. Geschichten ind Dur und Moll. Butzon & Bercker Verlag Kevelaer, Klens Verlag Düsseldorf 1996.
Christliche Heiligkeit verwirklicht sich dabei vor allem in der Zugehörigkeit zu Gott, dem wahrhaft Heiligen, der »der dreimal Heilige« ist (Jes 6,3). Heilig ist einzig und allein Gott; und wir Menschen vermögen nur dadurch heilig zu werden, dass wir uns ganz in Gott hinein-verwurzeln. Von Gott selbst muss deshalb die Rede sein, wenn wir von Heiligkeit und von heiligen Menschen sprechen. Denn dort ist im Tiefsten gegeben, was unsere Kirche einen Heiligen nennt, wo das Ur-teil des Glaubens den Mut aufbringt, von einem konkreten Menschen zu bekennen, dass Gott bei ihm endgültig angekommen ist: Eine Heilige, ein Heiliger ist ein Mensch, der so offen und empfangsbereit für Gott ist, dass Gott wirklich bei ihm Ankunft, Advent, halten kann. Wenn wir Heilige verehren, dann ehren und loben wir Gott und seinen siegreichen Advent bei diesen konkreten Menschen, wie wir es in der Präfation von den Heiligen besingen: »Die Schar der Heiligen verkündet deine Größe, denn in der Krönung ihrer Verdienste krönst du das Werk deiner Gnade.«
Das Glaubenszeugnis der Heiligen fordert uns heraus, auch heute nach dem Willen Gottes zu suchen und in tiefer Gemeinschaft mit Gott zu leben. Diese Zugehörigkeit zu Gott ist uns geschenkt in unserer Taufe. Mit ihr sind wir in Christus einverleibt und damit in die Heiligkeit Gottes eingetreten. Heilig werden und als Getaufte leben ist des-halb identisch. Nur wenn wir diese Berufung zur Heiligkeit in ihrer wahren Tiefe und Strahlkraft wiederentdecken und nur wenn die einzelnen Christen ihr Christsein als ihre Berufung realisieren und als Getaufte leben, werden wir wieder mehr Berufungen zum geistlichen Leben und zum kirchlichen Dienst finden: »Nur aus der Quelle des neuen Lebens, das in der Taufe mitgeteilt wird, erfließen die Charismen, Dienste und Ämter für die Kirche.« Diese hellsichtigen Worte von KARL KARDINAL LEHMANN machen deutlich, dass die Verlebendigung des Taufbewusstseins zu den ersten pastoralen Prioritäten in der heutigen Kirche gehört und dass die vornehmliche Sorge der Kirche darin bestehen muss, den Menschen zu helfen, auf den Ruf Gottes in ihrem eigenen Leben zu hören und ihre ureigene Antwort auf die-sen Ruf Gottes geben zu können. Denn wenn uns Gott beim Namen gerufen hat, dann erwartet er von uns auch eine persönliche Antwort. Und wenn Gott, der Heilige beruft, dann ruft er uns zu einem heiligen Leben, das sich ausrichtet an seinem Willen zum Heil.
Aus: Kurt Koch, Bereit zum Innersten. Für eine Kirche, die das Geheimnis lebt. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2003.
Gott, ich danke dir für die Menschen,
die du an meine Seite gestellt hast,
Eltern, Kinder und Ehepartner,
Verwandte, Freunde und Nachbarn,
Frauen und Männer,
mit denen ich zusammen arbeite,
mit denen ich durch die Gemeinde,
die Kinder, die Freizeit, die Politik,
eine Krankheit oder eine Aufgabe
verbunden bin.
Ich danke dir, dass sie alle
von dir geliebt sind, du Gott der Liebe,
dass sie in deinen Augen
unendlich kostbar und wertvoll sind.
Ich danke dir für ihre Liebe und Freundschaft,
ihren Einsatz und ihren guten Willen.
Ich danke dir für ihre wohlwollende Kritik an mir,
für manche Skepsis gegenüber meinen Gedanken
und meinen gut gemeinten Vorschlägen.
Ich danke dir auch für die Menschen,
die mich mit ihrer Ablehnung
und Gegnerschaft herausfordern.
Sie helfen mir, mein Handeln und Denken
zu überprüfen und zu lernen,
allen Menschen in Achtung zu begegnen.
Aus: Rainer Haak, Dir neu begegnen. Gebete und Segensworte. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2004.

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Das Buch Jesus Sirach gehört zur Weisheitsliteratur. Man vermutet eine Abfassung um 200 vor Christus. In der Weisheitsliteratur werden die guten Erfahrungen des Alltags und der Geschichte gesammelt. Alle diese Erfahrungen gelten als das große Geschenk Gottes an sein Volk.
Der Verfasser des Buches Jesus Sirach betont die Bedeutung des Zusammenspiels zwischen der elterlichen Fürsorge für die Kinder auf der einen Seite und der späteren Sorge um das Wohlergehen der Eltern von Seiten der erwachsenen Kinder. Ehrfurcht und Achtung sollen das Miteinander prägen.
Das Buch Jesus Sirach ist eine im Verhältnis zum übrigen AT spät entstandene Schrift. Als Abfassungszeit kommen die Jahre um 180 v. Chr. in Betracht. Es ist das einzige Buch, das zwar nicht zum jüdischen Kanon der Bibel gehört, aber trotzdem zeitweise wie ein kanonisches Buch behandelt wurde. Für die christlichen Kirchen gehörten die meist griechischen Spätschriften, die die jüdische Tradition nicht zur Bibel zählt, schon relativ früh zum Kanon der biblischen Bücher.
Zu den griechischen Überlieferungen des Textes von Jesus Sirach sind seit 1896 ungefähr zwei Drittel des hebräischen Textes wiederentdeckt worden. Die Schwierigkeit in der Arbeit mit diesem Text liegt zum Teil in der bewegten Überlieferungsgeschichte, zum Teil auch darin, daß es eine kürzere und eine erweiterte Textfassung gibt, Verse vertauscht wurden und auch alte Übersetzungen, wie zum Beispiel die syrische und die altlateinische Fassung für das Verständnis unumgänglich sind.
Das Buch erweckt den Eindruck einer lockeren Sammlung von Sprüchen, Lehrvorschriften, Gebeten und Hymnen. Die Inhalte betreffen die alltägliche Lebenswelt, die Beziehung zu den Mitmenschen genauso wie die Beziehung zu Gott.
Eine zentrale Idee des Buches Jesus Sirach ist die Weisheit, die sogar als Person auftreten kann. Sie wurzelt in der "Gottesfurcht", der umfassenden Haltung der Offenheit und Bereitschaft des Menschen Gott gegenüber. Konkret zeigt sich diese Grundhaltung in der Anerkennung der Würde auch des Geringsten (Sir 10,19-24) und ermöglicht die Freiheit von Furcht vor allem, was geringer ist als Gott (Sir 34,16).
Die soziale und existentielle Bedeutung der Familie
Die Aussagen über die Weisheit und die Gottesfurcht sind der Horizont, in den die konkreten Ratschläge und Unterweisungen für die verschiedenen Bereiche des Verhaltens im persönlichen und öffentlichen Leben hineingestellt sind. Vielfach wird dabei so wie in diesem Lesungstext mit der Familie begonnen.
Die Weisungen die den Kindern in Sir 3,1-16 gegeben werden, sind dabei weniger als ethische, sondern als soziale Grundregeln zu sehen. Sie wenden sich an die Erwachsenen und garantieren eine Art soziales Netz oder "Pensionsversicherung" für die älteren Menschen.
Die Auswahl der Verse für die Lesung ist hier irreführend, weil sie sofort mit dem göttlichen Gebot beginnt und den konkreten Hintergrund der Vater- und Mutterschaft, der in Sir 3,1 der eigentliche Ausgangspunkt ist, streicht.
Die Generation, die jetzt für die Leben der Gesellschaft arbeitet und die Verantwortung trägt, ist auch dafür verantwortlich, daß die Älteren ein lebenswertes Leben führen können, auch wenn sie nicht mehr in der Lage sind, selbst dafür zu arbeiten. Die alten Menschen werden so zum Schatz (3,3) und zum Segen (3,8), nicht nur im Blick auf das eigene Altwerden sondern auch durch den Reichtum der Erfahrung und des Wissens, die die Wurzel des Lebens festigen (3,9) und so Zukunft auch für kommende Generationen ermöglichen.
Jesus Sirach ist voll von Texten verschiedener weisheitlicher Gattungen. Von Sprüchen über Hymnen bis zu Gebeten ist in dieser Sammlung vieles an Weisheit enthalten. Es lohnt sich, in diesem Buch einmal zu schmökern. Es befassen sich viele Abschnitte mit der Weisheit selbst. Dazwischen sind konkrete Anweisungen für die Gestaltung des Lebens eingelagert, die alle Lebensbereiche umfassen, angefangen vom persönlichen Lebenslauf bis hin zum öffentlichen Leben.
Unsere Lesung ist Teil dieser Anweisungen und befasst sich mit dem Verhältnis der Eltern zu ihren Kindern und umgekehrt. Letztliche Motivation für eine Ethik des Handelns und des Denkens ist aber die Gottesfurcht, die Anfang und Ziel jeglicher Weisheit ist (vgl. Sir 19,20).
Vgl. Marböck, Johannes, Das Buch Jesus Sirach, in: Zenger, Erich (u.a.), Einleitung in das Alte Testament, Kohlhammer 1995, 285 ff
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive