Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
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Lesung aus dem ersten Buch der Könige:
In jenen Tagen
kam Elíja zum Gottesberg Horeb.
Dort ging er in eine Höhle,
um darin zu übernachten.
Doch das Wort des Herrn erging an ihn:
Komm heraus
und stell dich auf den Berg vor den Herrn!
Da zog der Herr vorüber:
Ein starker, heftiger Sturm,
der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach,
ging dem Herrn voraus.
Doch der Herr war nicht im Sturm.
Nach dem Sturm kam ein Erdbeben.
Doch der Herr war nicht im Erdbeben.
Nach dem Beben kam ein Feuer.
Doch der Herr war nicht im Feuer.
Nach dem Feuer
kam ein sanftes, leises Säuseln.
Als Elíja es hörte,
hüllte er sein Gesicht in den Mantel,
trat hinaus
und stellte sich an den Eingang der Höhle.
(Lektionare 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem ersten Buch der Könige:
In jenen Tagen
kam Elíja zum Gottesberg Horeb.
Dort ging er in eine Höhle,
um darin zu übernachten.
Doch das Wort des HERRN erging an ihn:
Was willst du hier, Elija?
Er sagte:
Mit leidenschaftlichem Eifer bin ich für den HERRN,
den Gott der Heerscharen, eingetreten,
weil die Israeliten deinen Bund verlassen,
deine Altäre zerstört
und deine Propheten mit dem Schwert getötet haben.
Ich allein bin übrig geblieben
und nun trachten sie auch mir nach dem Leben.
Der HERR antwortete:
Komm heraus
und stell dich auf den Berg vor den Herrn!
Da zog der Herr vorüber:
Ein starker, heftiger Sturm,
der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach,
ging dem Herrn voraus.
Doch der Herr war nicht im Sturm.
Nach dem Sturm kam ein Erdbeben.
Doch der Herr war nicht im Erdbeben.
Nach dem Beben kam ein Feuer.
Doch der Herr war nicht im Feuer.
Nach dem Feuer
kam ein sanftes, leises Säuseln.
Als Elíja es hörte,
hüllte er sein Gesicht in den Mantel,
trat hinaus
und stellte sich an den Eingang der Höhle.
Kv: Lass uns schauen, o Herr, deine Huld
und schenke uns dein Heil! – Kv
(GL 623,2)
Ich will hören, was Gott redet: /
Frieden verkündet der Herr seinem Volk und seinen Frommen, *
sie sollen sich nicht zur Torheit wenden.
Fürwahr, sein Heil ist denen nahe, die ihn fürchten, *
seine Herrlichkeit wohne in unserm Land. – (Kv)
Es begegnen einander Huld und Treue; *
Gerechtigkeit und Friede küssen sich.
Treue sprosst aus der Erde hervor; *
Gerechtigkeit blickt vom Himmel hernieder. – (Kv)
Ja, der Herr gibt Gutes *
und unser Land gibt seinen Ertrag.
Gerechtigkeit geht vor ihm her *
und bahnt den Weg seiner Schritte. – Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder!
Ich sage in Christus die Wahrheit
und lüge nicht
und mein Gewissen bezeugt es mir im Heiligen Geist:
Ich bin voll Trauer,
unablässig leidet mein Herz.
Ja, ich wünschte selbst verflucht zu sein,
von Christus getrennt,
um meiner Brüder willen,
die der Abstammung nach mit mir verbunden sind.
Sie sind Israeliten;
ihnen gehören die Sohnschaft,
die Herrlichkeit und die Bundesschlüsse;
ihnen ist das Gesetz gegeben,
der Gottesdienst und die Verheißungen;
ihnen gehören die Väter
und ihnen entstammt der Christus dem Fleische nach.
Gott, der über allem ist,
er sei gepriesen in Ewigkeit. Amen.
(Lektionare 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Mit dem 9. Kapitel beginnt im Römerbrief ein längerer Abschnitt, in dem sich Paulus mit einem Konflikt auseinandersetzt, der ihn persönlich in besonderer Weise trifft. Er ist der Abstammung nach Jude, war selbst Pharisäer und hat eine solide jüdische theologische Ausbildung erhalten. Vor seiner Bekehrung eiferte er leidenschaftlich für seine jüdische Religion und bekämpfte das neu entstehende Christentum als unnötige und unerlaubte Abweichung vom wahren Glauben. Was nun? Hatte er sich geirrt. Ist all das, was er damals geglaubt hat, nun irrelevant?
Paulus sucht mit der Tatsache fertig zu werden, daß die meisten seiner Volksgenossen den "neuen Weg", wie man das Christentum anfangs nannte, ablehnten. Dabei zeigt sich, daß er sich seinem Volk nach wie vor innigst verbunden ist. Für die Rettung seines Volkes bietet er sich selbst als Opfer an. In den nächsten Kapiteln bietet Paulus ein theologisches Konzept, in dem die jüdische Herkunft des Christentums nicht nur nicht geleugnet wird, sondern einen festen theologischen Platz hat.
Halleluja. Halleluja.
Ich hoffe auf den Herrn,
ich warte auf sein Wort.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:
Nachdem Jesus die Menge gespeist hatte,
drängte er die Jünger, ins Boot zu steigen
und an das andere Ufer vorauszufahren.
Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken.
Nachdem er sie weggeschickt hatte,
stieg er auf einen Berg, um für sich allein zu beten.
Als es Abend wurde, war er allein dort.
Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt
und wurde von den Wellen hin und her geworfen;
denn sie hatten Gegenwind.
In der vierten Nachtwache kam er zu ihnen;
er ging auf dem See.
Als ihn die Jünger über den See kommen sahen,
erschraken sie,
weil sie meinten, es sei ein Gespenst,
und sie schrien vor Angst.
Doch sogleich sprach Jesus zu ihnen
und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es;
fürchtet euch nicht!
Petrus erwiderte ihm und sagte:
Herr, wenn du es bist,
so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme!
Jesus sagte: Komm!
Da stieg Petrus aus dem Boot
und kam über das Wasser zu Jesus.
Als er aber den heftigen Wind bemerkte,
bekam er Angst.
Und als er begann unterzugehen,
schrie er: Herr, rette mich!
Jesus streckte sofort die Hand aus,
ergriff ihn
und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger,
warum hast du gezweifelt?
Und als sie ins Boot gestiegen waren,
legte sich der Wind.
Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder
und sagten: Wahrhaftig, Gottes Sohn bist du.
(Lektionare 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Im Evangelium dieses Sonntags wird uns eine Erzählung aus dem Matthäusevangelium vorgetragen, die sich in ähnlicher Gestalt auch bei Markus und bei Johannes (nicht aber bei Lukas) findet. Dies ist ein Hinweis, daß diese Geschichte im Leben der Christen der ersten Generation einen wichtigen Platz einnahm. Über die Parallelen bei Markus und Johannes hinaus weiß Matthäus noch vom zu versinken drohenden Petrus zu erzählen.
Die Erzählung ist dicht angefüllt mit symbolträchtigen Elementen: Nacht, Wasser, Wellen, Gegenwind... Diese sind über den historischen Hintergrund hinaus bedeutsam geworden. Sie vermögen das Lebensgefühl vieler Jesusjünger bildhaft auszudrücken. Petrus wurde zu einer exemplarischen Gestalt eines im Glauben angefochtenen Jüngers.
Mehr als eine Wundergeschichte ist diese Erzählung eine Erscheinungs- und Offenbarungsgeschichte. Sie zielt auf das Erkennen der Göttlichkeit Jesu hin und schließt mit dem Glaubensbekenntnis: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn.
Während der Sturm auf dem See im NT mehrfach genannt wird, ist der Seewandel des Petrus Sondergut bei Matthäus. Das heißt, dass diese Aussage ihm besonders wichtig ist.
Die Fähigkeit, über das Wasser zu gehen, ist eine göttliche. Wenn Petrus daran für einen Moment Anteil bekommt, zeigt es die Dimension der Wertschätzung des Petrus bei Gott. Und es unterstreicht den Charakter der Berufung des Simon zum Petrus. Erst nach diesem Wunder wird der Sturm gestillt, und die Jünger finden zu ihrem Bekenntnis.
Das Matthäusevangelium ist an eine judenchristliche Gemeinde gerichtet. So ist zu vermuten, dass die Psalmen mitgehört wurden, in denen der Beter im Wasser bald untergeht, aber doch noch errettet wird.
Manchmal fühlt sich das Leben an wie eine Fahrt über einen aufgewühlten See: Der Wind kommt von vorne, die Kräfte lassen nach, und die Angst wird größer als das Vertrauen. Die biblischen Texte dieses Sonntags erzählen davon, dass Gott uns gerade in solchen Momenten begegnet – nicht immer laut und spektakulär, sondern oft leise und unerwartet. Und wenn wir zu sinken drohen, ist Christus längst da und streckt uns seine Hand entgegen.
Kennen Sie diese Momente? Sie stehen morgens auf. Eigentlich hat der Tag noch gar nicht richtig begonnen – und trotzdem fühlen Sie sich schon erschöpft. Das Handy meldet die ersten Nachrichten: wieder Krieg, wieder Krisen, wieder Streit. Im Beruf wächst der Druck. In der Familie gibt es Sorgen. Und die Kirche verändert sich schneller, als manche von uns mithalten können. Manchmal denkt man: „Ich schaffe das alles nicht mehr.“ Genau in eine solche Stimmung hinein erzählt das heutige Evangelium von einem Boot auf dem See.
Die Jünger sitzen in einem Boot. Es ist Nacht. Der Wind kommt von vorne. Die Wellen schlagen gegen das Boot. Eigentlich ist das ein ganz normales Bild. Aber wenn wir ehrlich sind: Dieses Boot sind wir. Unsere Familien. Unsere Gemeinden. Unsere Kirche. Vielleicht sogar unser eigenes Herz. Manchmal läuft das Leben eben nicht bei Sonnenschein. Manchmal haben wir Gegenwind. Manchmal rudern wir und kommen trotzdem kaum vorwärts. Und manchmal fragen wir uns: Wo ist Gott eigentlich, wenn das Leben so unruhig wird?
Petrus ist wieder einmal typisch Petrus: große Klappe, großes Herz. Als er Jesus auf dem Wasser sieht, ruft er sofort: „Herr, wenn du es bist, dann befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme!“ Das ist mutig. Vielleicht ist es auch ein kleines bisschen verrückt. Und Jesus sagt nur ein einziges Wort: „Komm!“ Nicht: „Überlege erst noch einmal.“ Nicht: „Mach zunächst einen Glaubenskurs.“ Und auch nicht: „Füll bitte erst das entsprechende Formular aus.“ Einfach: „Komm!“ Und tatsächlich: Petrus steigt aus dem Boot.
Ich glaube, das wird oft unterschätzt. Die eigentliche Sensation ist nicht, dass Petrus später untergeht. Die eigentliche Sensation ist: Er steigt überhaupt aus. Die meisten von uns wären vermutlich sitzen geblieben. Sicher. Trocken. Vernünftig. Aber eben auch ohne dieses Abenteuer mit Jesus.
Ich frage mich manchmal: Wie viele Chancen lassen wir liegen, weil wir lieber im Boot bleiben? Wir würden gerne vergeben – aber wir trauen uns nicht. Wir würden gerne einen Menschen besuchen – aber wir verschieben es. Wir würden gerne wieder beten – aber morgen ist schließlich auch noch ein Tag. Wir würden gerne neu anfangen – aber was werden die anderen sagen?
Das Boot ist bequem. Doch Wachstum findet nur selten im sicheren Boot statt. Wenn die Angst größer wird als das Vertrauen Dann geschieht das Entscheidende: Petrus schaut plötzlich nicht mehr auf Jesus. Er schaut auf den Wind. Auf die Wellen. Auf die Gefahr. Und sofort beginnt er zu sinken. Ist das nicht auch unser Problem? Wir schauen oft viel länger auf das, was uns Angst macht, als auf den, der uns trägt.
Jesus sieht die Möglichkeiten. Wir sehen Krisen. Jesus sieht Menschen. Wir sehen Grenzen. Jesus sieht Zukunft. Natürlich bedeutet Glauben nicht, die Wirklichkeit schönzureden. Die Wellen sind da. Der Wind ist stark. Die Angst ist nicht eingebildet. Aber die Frage lautet: Worauf richte ich meinen Blick? Nur auf den Sturm? Oder auch auf Christus, der mir entgegenkommt?
Mich beeindruckt besonders, was dann geschieht. Petrus geht unter. Er schreit: „Herr, rette mich!“ Und Jesus hält ihm keine Predigt. Er sagt nicht: „Siehst du! Ich habe es dir doch gesagt.“ Er sagt auch nicht: „Selbst schuld. Du wolltest ja unbedingt aussteigen.“ Nein. Jesus streckt sofort seine Hand aus und ergreift ihn. Das ist typisch Jesus: Er diskutiert nicht zuerst. Er rettet zuerst. Vielleicht ist das die schönste Botschaft dieses Evangeliums: Der Glaube besteht nicht darin, niemals unterzugehen. Der Glaube besteht darin, zu wissen, wer nach meiner Hand greift, wenn ich zu sinken beginne.
Genau das erleben wir auch in der ersten Lesung. Elija erwartet Gott im Sturm. Aber Gott ist nicht im Sturm. Dann kommt ein Erdbeben. Doch Gott ist nicht im Erdbeben. Dann kommt das Feuer. Aber auch im Feuer ist Gott nicht. Schließlich kommt ein leises, sanftes Säuseln. Und Elija spürt: Jetzt ist Gott da.
Wie oft wünschen wir uns einen lauten Gott! Ein großes Wunder. Ein eindeutiges Zeichen. Eine Stimme vom Himmel. Am besten noch schriftlich und mit Unterschrift. Aber Gott liebt die leisen Töne. Er begegnet uns im stillen Gebet. Im Blick eines Menschen. In einer Umarmung. In einem Lied. Im Schweigen einer Kirche. In einem kleinen Satz: „Ich bin für dich da.“ Vielleicht sollten wir wieder lernen, nicht nur auf den Lärm der Welt zu hören, sondern auch auf das leise Reden Gottes.
Der Wind dieser Welt wird nicht einfach aufhören. Es wird neue Krisen geben. Neue Sorgen. Neue Schlagzeilen. Neue Unsicherheiten. Aber mitten darin spricht Jesus bis heute dieselben Worte wie damals auf dem See: „Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!“ Nicht irgendwann. Nicht erst im Himmel. Sondern heute. Hier. Jetzt.
Christus sitzt mit im Boot. Vielleicht ist das der wichtigste Gedanke für die kommende Woche: Wir müssen nicht über das Wasser laufen können. Wir müssen auch nicht immer stark sein. Wir dürfen Angst haben. Wir dürfen zweifeln. Wir dürfen sogar manchmal untergehen. Es genügt, wenn wir wissen, wer uns die Hand entgegenstreckt und wer mit uns im Boot sitzt. Denn wo Christus an Bord ist, verschwindet nicht jeder Sturm. Aber wir sind im Sturm nicht allein. Und manchmal kann sogar der Gegenwind zu einem Rückenwind des Glaubens werden.
Komm! Folge mir nach! - Dieser Ruf wird von Petrus zunächst leichtfüßig angenommen. Doch die darauffolgende Erfahrung erschüttert Petrus und auch die anderen Jünger. Dieser Berufung liegt eine Gottesoffenbarung zugrunde! Im Schlussvers bezeugen sie dies in ihrem Credo: „Wahrhaftig, Gottes Sohn bist du!“
„Komm“, sagte Jesus zu Petrus – und Petrus kam. Aber dann ...
Immerhin, Petrus versuchte dem Ruf Jesu zu folgen. Aber irgendetwas dürfte da nicht ganz geklappt haben bzw. es dürfte Petrus nicht ganz klar gewesen sein, was das bedeutet: „Komm, folge mir nach“. Bevor jedoch dieser Ruf Jesu an Petrus ergeht: „Komm!“, lässt Matthäus die HörerInnen wissen, dass die vierte Nachtwache begonnen hat. Zur Erinnerung: Dies war zur Zeit der Römer der letzte Teil der Nacht, der Teil, der bereits in den Morgen übergeht, wo die Dämmerung anbricht. Und genau da findet eine ungewöhnliche Begegnung der Jünger mit Jesus statt!
Ungewöhnlich war nicht die Art der Begegnung. Diese spiegelt in einer Bildsprache wieder, was letztlich Petrus und auch den anderen Jünger schwer zu schaffen macht, sie zutiefst erschüttert in ihrer Weg- und Lebensgemeinschaft mit Jesus, ihrem Meister. Es ist das Erkennen, das Erblicken, wer sie hier zur Nachfolge beruft.
In dieser Momentaufnahme des Lebens erscheint ihnen alles gespenstisch, irreal und nicht zu glauben, so würden wir, aufgeklärt, wie wir sind, sagen. Sie jedoch waren erschüttert über das, was sie sahen, mit all dem hatten sie am Ende der Nacht nicht gerechnet.
Aber womit hatten Petrus und die im Boot gebliebenen Freunde nicht gerechnet? "Komm!" - komm mit, komm her, komm schau einmal – wie oft hören wir das Wort „komm“, wie oft sagen wir selber zu jemanden „komm“?! Ein Wort, das uns wohl nicht zu tiefst erschüttert, wenn wir es hören. Es braucht auch nicht viel Vertrauen, viel Glauben, wenn wir im Alltag von Freunden, von Familienmitgliedern gerufen werden „komm“...
Dieser Ruf „Komm!“, der von Jesus an Petrus ergeht, ist es, der so tief erschüttert. Er beinhaltet die Berufung zur Nachfolge, die einhergeht mit dem Auftrag zur Verkündigung.
In dieser Berufungsszene reagiert Petrus zuerst zweifelnd und kleingläubig (wörtlich übersetzt: wenig vertrauensvoll), wie im Alten Testament in den Berufungserzählungen des Mose oder Elija. Dass er dann nach Rettung rufen kann, beruht auf einer Gotteserfahrung. Diese können wir uns in zwei Etappen vorstellen: zuerst das Erfahren, dann das „Bekräftigen, Bezeugen“ der Gotteserfahrung.
Schauen wir noch einmal auf Petrus, dann auf die anderen Jünger: Petrus wird aus der stürmischen „Nacht“ voller Gegenwind herausgeholt und er steht nun am Anfang aufgrund seiner Erfahrung: Buchstäblich bricht bei ihm der Tag an – und dann auch, wie wir hörten, bei den anderen Jüngern: Sie bekennen, sie bezeugen Jesus: „Wahrhaftig, Gottes Sohn bist du!“
Wir begegnen in diesem Evangelium also Zeugen einer Offenbarung Gottes. Davon gibt es in der biblischen Tradition viele, wie schon erwähnt Mose oder Elija, die ebenfalls Zeugen von Gottesoffenbarungen sind. Oft ist es ein langer Weg, ein innerer Glaubensweg, der durchwandert werden muss, mit Zweifeln, Misstrauen und Gegenwind „gepflastert“. Gestärkt wird Elia durch das Brot und Wasser und Petrus durch das Wort „Komm“ und die ausgestreckte Hand Jesu.
Was wäre möglich, wenn??? „Ja, wenn...“ hören wir uns selber oft sagen, wenn wir nicht genug Vertrauen, innere Überzeugung, Zutrauen, Glauben in uns vorfinden und uns abhängig machen von unseren Ängsten.
Viele Menschen sehen das Hellwerden, den Anbruch des neuen Tages nicht bzw. können es aus verschiedensten Gründen nicht sehen. Wir wissen nicht, was sie bis auf die Grundfeste ihres Lebens erschüttert, was den Boden unter ihren Füßen ins Wanken gebracht hat. Können sie in diesen Momenten des Lebens erahnen, wer ihnen zu dieser Stunde in ihrer Not den Weg in den Morgen zeigen kann?
Vertriebene, Flüchtlinge in ihren Booten, Menschen am Rande der Gesellschaft – wer sagt „komm“ und streckt ihnen die Hand entgegen?
Das heutige Evangelium hat an Aktualität nichts verloren. Im Gegenteil, die Ängste von heute schreien uns in den Worten „und als er anfing zu sinken“ entgegen. Die vierte Nachtwache kündigt die Morgendämmerung, das Hellwerden des neuen Tages an und sie birgt die „Verwandlung durch die Erfahrung Gottes“ in sich. Sie mündet im Bekenntnis, im Credo: Ich glaube! Ich vertraue!
Die Begegnung mit dem „Göttlichen“ in einem selbst, in mir, wird mit den Worten „ich glaube“ gefestigt, bezeugt.
Ob auch wir ein „ich glaube“ in unserer Lebenserfahrung haben? Und ist unser Glaube, unser Vertrauen ein fester Grund, der uns trägt, der uns Mut macht, anderen entgegenzugehen, ihnen die Hand zu reichen? Verkündet wurde uns heute die Begegnung in der vierten Nachtwache, die uns alle ermutigt, den Anbruch eines neuen Tages zu erspüren und uns zum neuen Leben berufen zu lassen.
Naturereignisse können zu Realsymbolen werden für unsere Kämpfe, Bedrohungen Ängste. Gebet in der Stille lässt uns ruhig werden, stärkt unser Vertrauen und gibt uns Kraft.
Jedes Leben ist Hochrisikoform, mitunter lebensgefährlich, auch für Elija im Kampf gegen den Baáls-Kult, daher rückt in diesen sonntäglichen Lesungen das Thema Vertrauen, Glaube und Hoffnung gegen alle Angst in den Vordergrund unserer Betrachtungen.
Die Geräuschkulissen des Lebens finden wir schon in der ersten Lesung dargestellt. „Das Wort des Herrn erging an Elija.“ (1 Kön 19,9). Elija zieht sich in die Höhle zurück, um zu übernachten. Die Höhle war damals auch Wohnstätte, auch ein Stück Geborgenheit, um Ruhe zu finden. Für die leisen Töne, für sanfte Bewegungen wird man besonders sensibel. Vor der Höhle: Sturm, Erdbeben, Feuer. Was könnte das für uns heißen? Der Sturm rüttelt durch, das können ganz persönliche gravierende Lebensereignisse sein. Wir leben auch heute im Sturm der Zeit, viele Probleme, Sorgen stürmen auf uns ein; Erdbeben, Regenmassen, Trockenheit: Ereignisse, die erschüttern, sprachlos machen; Feuer kann oft nichts Gutes bedeuten, Vernichtung, alles wird niedergebrannt.
Das sind Realsymbole (kommt von „symbolon“ Zerbrochenes wird zusammengesetzt). Im Sturm der Zeit, in den Herausforderungen des Alltags nimmt man die Feinheiten des Lebens und auch die diskrete Stimme Gottes kaum noch oder überhaupt nicht wahr, weil Lärm und Getöse alles durchdringt. So ging es auch Elija im Kampf gegen die fremden Götter, besonders den Baáls-Kult. Gott spricht leise zu uns. Er lädt ein mit ihm ins Gespräch zu kommen, mit ihm Mahl zu halten. (siehe Offb 3,21).
Das wird im Evangelium mit dem Sturm auf dem See verdeutlicht. Im Matthäusevangelium ist uns um das Jahr 80 herum diese Geschichte überliefert worden, eine Zeit, in der die erste Welle der Christenverfolgungen abgeebbt und eine neue auf die Gemeinde zugekommen ist, wo der Jerusalemer Tempel schon zerstört war Auch hier, so wie in der ersten Lesung, gibt es viele Realsymbole, Erfahrungselemente, die wir auch heute machen. Christenverfolgungen weltweit.
Jesus zieht sich zurück, um zu beten, Elija sucht in einer Höhle Unterschlupf. In der Ruhe wird er empfänglich für das Wort Gottes. Jesus betet, geht in die Einsamkeit. Gebet braucht auch Stille., um sich zu sammeln, um die innere Unruhe zu besänftigen. Man muss sich immer wieder fragen: Was treibt mich um? Oftmals finden wir keine klaren Gedanken, um den überschwappenden Wellengang der Gefühle Einhalt zu gebieten. Das Gebet als Verbindung zum Vater, dafür ist Jesus beispielgebend. Es ist immer wichtig, mit Gott im Gespräch zu bleiben. Gott spricht jeden ganz persönlich an. Das geschieht vor allem in der Stille. Auch wir haben, milieubedingt, verschiedene Sprachschichten: Mit sehr gut bekannten Menschen werden wir anders reden als mit Vorgesetzten, Amtspersonen etc.
Das Gespräch mit Jesus verwandelt, das nennen wir beten. Der innerweltliche Trubel fällt ab. Damit sind wir schon beim Bild aus dem heutigen Evangelium: Der Gang des Petrus über das Wasser und wie er plötzlich versinkt. Wer das ausprobieren will, es wird nicht funktionieren. Was soll dann dieses unverständliche Bild? Wenn alle schweren Lasten, Sorgen, Probleme zumindest vorübergehend abgelegt sind, der Blick auf Jesus gerichtet bleibt, wird nichts passieren, kein Ertrinken in den Sorgen des Alltags. Wie wir uns aber von ihm abwenden, weil die Angst uns nach unten zieht, ist es vorbei. Die Form der Angst ist dann kein Schutzmechanismus mehr, sondern macht eng, engt Sichtweise und Weitblick ein. Jesus reicht die Hand in Not, bewahrt vor dem Ertrinken. Er will entängstigen. „Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!“ (Mt 14,27).
Fragen wir uns in den verschiedenen Lebenslagen selber: Was überwiegt bei uns: Glaube, Vertrauen oder doch wieder die Angst, auch wenn uns bewusst wird, dass jedes Leben Hochrisikoform ist, ob Sie verheiratet sind, allein leben oder in verschiedenen Partnerschaften Ihre Zeit verbringen. Schwacher Glaube, Unentschlossenheit verzögert mutige Entscheidungen. Auch Jesus musste seinen Lebensweg erst finden und war ein Lernender, aber er schaute immer auf den Willen seines Vaters. Blaise Pascal (1623-1662, französischer Mathematiker und christlicher Philosoph), bringt es auf den Punkt: „Der Glaube unterscheidet sich vom Beweis. Der eine ist menschlich (spricht unser Sicherheitsdenken an), der andere eine Gottesgabe.“
Versuchen wir in diesen Augusttagen, auf unser Inneres zu hören in Stille. Gehen Sie in den Wald, in die Kirche oder an einen anderen ruhigen Ort und überprüfen Sie, ob in Ihrem Leben die Angst oder das Vertrauen Übergewicht hat.
Wann ist etwas ein Wunder? Petrus erlebte sein Wunder in der Begegnung mit Jesus. Wunder kann man jedoch nicht festhalten. Gott tat und tut Wunder zu allen Zeiten. Wir sind herausgefordert, Gottes Wunder zu sehen.
Mit diesem Titel ging Katja Ebstein 1970 für Deutschland in den Grand Prix Eurovision de la Chanson. Ein kleines Wunder geschah damals tatsächlich: Deutschland kam auf Platz drei – bis dahin der beste Platz. 12 Jahre später gelang der erste Sieg.
Eine Zeile aus dem Lied heißt: „Wenn sie dir begegnen, musst du sie auch sehn.“ Gelingt uns das? In Schlagzeilen der Zeitungen kommt es immer wieder vor: „Wunderbare Rettung eines Menschen aus Trümmern eingestürzter Häuser.“ „Wunderbare Rettung eines Kranken durch eine nicht für möglich gehaltene Operation.“ Und frisch Verliebte sagen sich manchmal: „Es ist ein Wunder, dass ich dir begegnet bin!“
Ein Wunder ist sicherlich auch die Erfahrung, die im Evangelium berichtet wird. Auf dem Wasser, das keine Balken hat, laufen Menschen. Der eine ist Jesus nach einer langen Gebetsnacht auf dem Berg. Schon aus der Zeit des Exodus kannten die Juden: „Gottes Nähe verändert!“ Wenn Mose in das Offenbarungszelt ging und wieder herauskam, war er verändert. Etwas aus der Begegnung hatte noch Platz in ihm.
Der andere Mensch auf dem Wasser war Petrus. Wenn sein Meister Jesus ihm sagt: „Komm auf dem Wasser zu mir“, dann tut er es. Und dann geht es. Nachgedacht wird später. „Das kann doch nicht sein. Wasser hat keine Balken. Ich bin in eine Gefahr gekommen, die mich untergehen lässt.“
In diesem Moment geschehen schon die nächsten Wunder: Er wird gerettet, und eine vom Sturm geprägte Gegend ist plötzlich wieder ruhig. - Still ruht der See.
Ein Phänomen beschreiben ist das eine. Es zu verstehen ist das andere. Dies gilt auch hier. Im Verstehen der biblischen Texte lautet eine Frage: „Wofür wird das erzählt? Was ist die Botschaft dahinter?“
Die große Überschrift über die Kapitel 13 bis 17 des Matthäusevangeliums heißt "Reich Gottes". In Gleichnissen wirbt Jesus darum, sich auf dieses Reich Gottes einzulassen. In den verschiedenen Gleichnissen sind immer wieder andere Rahmen gesetzt. Alle Menschen sollen spüren können: Darin kann ich mich wiederfinden. Als sie nicht ganz oder nicht richtig verstehen, erläutert Jesus es ihnen wieder.
Nach der Predigt zieht er sich auf den Berg zurück. Er sucht die Nähe zu dem, von dem er spricht. Er macht sich immer tiefer fest. Er macht sich immer vertrauter. Er strahlt im Leben aus, was er spricht. Und er ist überzeugend. Mit dem Lied gesagt: Das Wunder eines durch und durch ehrlichen Lebens geschieht.
Das andere Wunder: Das überzeugende Lebensbeispiel Jesu steckt an. Petrus lässt sich darauf ein. Für einen Moment ist er ganz wie sein Meister. Er lebt Gottvertrauen und nichts kann ihm etwas anhaben. Diesen Moment kann ihm keiner nehmen. Er kann jetzt sagen: „Gottes Reich ist viel größer, als ich es mir denken konnte. Das nehme ich mit in die Zukunft.“
Im weiteren Verlauf des Lebens scheitert Petrus immer wieder. Doch die Erfahrung dieses Moments hilft ihm, zurückzufinden. Petrus wird im Lauf seines Lebens immer wieder gefordert sein, sich auf neue und unbekannte Dinge einzulassen. Das fällt leichter, wenn man eine Ahnung der Größe Gottes gemacht hat.
Die Lesung der Alten Bundes aus dem ersten Buch der Könige sagt: In diesem Moment brauchten Gott und Elija die Intimität. Also zeigt Gott sich im sanften, leisen Säuseln. Das passte und war gut.
Aber wenn es passte, entdeckten die Menschen im Beben Gott neu. Wenn es nötig war, verbarg Gott sich im brennenden Dornbusch oder in der Feuersäule des Exodus. Es sind andere Erfahrungen, doch immer die Botschaft: Ich komme zu dir und du verstehst es. So kann Gott am See von Genezareth im Sturm kommen. Petrus hat es erkannt.
Katja Ebstein sang 1970: „Wenn dir Wunder begegnen, musst du sie auch sehn.“ Es kann für uns ein Motto werden. Ich muss sehen, wo Gottes Wunder mir begegnet. Dazu kann es helfen, daran zu glauben. Wenn Gott der Gott des Lebens ist, sucht er auch heute Kontakt zu uns. Wenn es nicht anders geht, tut er es durch die kleinen oder großen Wunder.
Die Gotteserfahrung des Elija auf dem Berg Horeb ereignete sich, nachdem er von den gewaltigen Wogen des Lebens hin- und hergeworfen wurde. Doch Gott ist nicht in den Gewalten, er begegnet ihm in der Stille. Petrus und die anderen Jünger erfahren, dass Jesus Herr ist über alle Naturgewalten. Sich ihm anzuvertrauen ist die Herausforderung des Glaubens.
Wie ruhig der See jetzt ist! Schaut! Eine große Stille liegt über dem Wasser. Als wenn nichts gewesen wäre. Alle Ängste, Aufregungen, Kämpfe - vorbei. Die Geister und Ungeheuer sind verschwunden. Müde und mitgenommen gehen sie an Land. Flüchtlinge. Ihre Gesichter sind gezeichnet. Doch in ihre Seelen schaut keine Kamera. Sie haben alle einen Namen. In der Statistik sind sie aber nur Zahlen. Und gerinnen zur Krise.
Heute gesellen sich zwei Menschen dazu. Der eine, Elia - aus der ersten Lesung - hat Erfahrungen mit Gewalt. Nicht mal als Opfer. Der andere, Petrus - aus dem Evangelium - ist gerettet worden. Vor dem Untergang standen beide. Sie sind, buchstäblich, an ihr Ende gekommen, an Grenzen, die nicht zu überwinden waren. Dass sie leben, verdanken sie einem Wunder. Dem Wunder, dass Gott sie nicht fallen lässt. Und sich ihnen offenbart. In einer großen Ruhe, die vor allem Anfang liegt. Sie können noch einmal neu anfangen. Die Stürme sind verebbt. Wie ruhig der See jetzt ist! Schaut!
Es ist schon etwas Einmaliges, in der Kirche zu sein.
Elia's Geschichte ist verwinkelt und verworren. Zwischen Ekstase und Verlorenheit. Ich war eifrig, Gott zu verteidigen, sagt er. Leidenschaftlich. Unerbittlich. Konsequent. Ich habe mich angelegt mit den Priestern, die für andere Götter arbeiteten – für die Fruchtbarkeitsgötter und Fruchtbarkeitsgöttinnen, von denen es so viele gab. Nebenbuhler verträgt Gott nicht. Ich war ganz sicher, Gott richtig verstanden zu haben. Ich wusste, was wahr ist. Ich war immer mit mir im Reinen.
Am Ende siegt die Gewalt. Wie so oft in den Geschichten, die wir kaum entwirren können. Elia selbst legt Hand an. Waren es 450, gar 850 Priester, die umgebracht werden? Die Opferzahl ist nicht mehr zu eruieren. Ein Massaker. Aber wir kennen den Namen des Baches, der das Blut schlucken musste: Der Bach Kischon. Was dieser Bach zu erzählen hat! Und dann doch auswaschen, reinwaschen muss. Alles fliesst. Eine schreckliche Geschichte, fromm verbrämt und verklärt. Elia muss es sich sogar gefallen lassen, als Gotteskämpfer stilisiert zu werden - oder kam ihm das gerade recht? Aber man spürt die Zerrissenheit. Selbst in den alten, heiligen Texten. Wir sehen Elia in einer Höhle. Dort begegnet ihm – Gott. Es war sein sehnlichster Wunsch, ihn einmal zu sehen. Doch wie kommt Gott? In einem Sturm, der Berge zerreißt? In einem Erdbeben? Im Feuer? Das sind nicht nur Naturgewalten – das sind auch Bilder für Gewalt überhaupt. Unberechenbar. Unkontrollierbar. Einschüchternd. Gott selbst wird oft mit diesen Bildern geschmückt. Gewaltig – groß – unnahbar. Als ob er nur so Gott sein kann.
Gott aber erscheint in einem Hauch, in einem Säuseln, leicht, sanft. Wie ein Atemzug. Elia sieht auch nichts von ihm – er hört auch kein Wort, keine Stimme, nur den Hauch. Elia verhüllt sein Gesicht in seinem Mantel, schleicht nach draußen und stellt sich vor die Höhle. Elia hat Gottes Atem, seinen Lebensatem gehört – und dann ist ER weg. Jetzt ist alles still. Im Schweigen verhüllt. Elia atmet. Ein und aus.
Hatte Gott nicht am Anfang den Menschen seinen Atem gegeben? Ist sein Atem nicht meine Seele? Verbindet uns das nicht alle? Gott lässt sich hören. Gewalt ist nicht einmal in seiner Stimme. Wenn er kommt, atmet alles auf. Jetzt kommt Elia aus seiner Höhle. Die Welt sieht anders aus als vorhin. Dabei war es nur ein Hauch. Ein Hauch, der alles verwandelt, alles verändert.
Ob Petrus den feurigen Elia's kennt? Ganz sicher. Seine Geschichte wurde erzählt, in immer wieder neuen Variationen. Zuletzt soll Elia in einem feurigen Wagen in den Himmel gefahren sein. Da schlagen schon die Herzen der Kinder höher. Ein feuriger Wagen! Petrus ist Fischer, ein einfacher Mann. Eigentlich heißt er auch nur Simon. Aber Jesus hat ihn Petrus, Fels, genannt. Und steht treu zu ihm. Ein großes Vertrauen. Einen Beweis hat Petrus auch noch nicht erbringen müssen. Als er sich aber wenigstens zu Jesus bekennen soll, versagt er schmählich. Dabei nimmt er in der Regel den Mund immer zu voll. Wir kennen – und lieben – ihn als Draufgänger. Er überlegt nicht lange. In seinem Urteil ist er schnell sicher. Überschätzt sich dabei aber auch. Das passt zu ihm: Herr, lass mich über das Wasser gehen.
Dabei war das Boot weit draußen auf dem See, das Wasser aufgewühlt, der Sturm schier endlos. Die Wellen spielen mit dem kleinen Boot. Wir spüren die Angst, aber auch den Kampf. Die Jünger Jesu kennen den See, ihren See. Sie haben ihn schon so manches Mal nass und verschwitzt ihr Leben abgerungen. Wie sich das anhört? Und dann einer allein! Herr, lass mich über das Wasser gehen. Haben wir je davon gehört, dass ein Mensch über das Wasser geht? Über Wasser gehen kann? Und dann auch noch durch im Sturm? Eine schöne Allmachtsphantasie. Möchtest du nicht vielleicht auch in den Himmel fahren?
Es ist ein gewaltiges Bild! Mit gewaltigen Mächten. Der tosende, aufgewühlte See - das kleine Boot, unter Schaum und Gischt kaum auszumachen - hin und hergerissene Menschen, ganz allein auf sich gestellt. Nur: Jesus ist auch da. Von ihm werden Menschen staunend sagen, dass ihm sogar Wind und Wellen gehorchen. Er ruft Petrus: Komm! Petrus aber versinkt. Wie erwartet, wie befürchtet. Dabei bestärken wir uns in unseren Vorbehalten und Zweifeln. Wir haben längst aufgegeben, das Unmögliche zu denken. Jesus aber hält Petrus fest. Er nennt ihn einen Kleingläubigen. Gibt es das Wort überhaupt? Gibt es denn auch Großgläubige?
Petrus weiß um seinen Kleinglauben. Er hat nicht nur diese entsetzliche Szene im Kopf, als er fast untergegangen wäre, er erinnert sich auch gut an jene Nacht, in der er Jesus einfach verleugnet hat. Dreimal. Es hätte ihm nicht geschadet, auch nichts gekostet, wenn er zu Jesus gestanden hätte. Eine schreckliche Geschichte. Jetzt ist Petrus untergegangen. Er hatte kein Vertrauen. Wohl auch kein Selbstvertrauen. Konnte er erwarten, womöglich hoffen, von Jesus noch einmal angesehen, angenommen zu werden? Wie auf dem See: Jesus hält Petrus fest, Jesus hält an Petrus fest. Er vertraut ihm sogar seine Kirche an, Menschen, die sich wie Petrus danach sehnen, glauben zu können, gehalten zu werden.
Die Geschichte von der Stillung des Sturmes ist eine Geschichte mitten aus dem Leben. Sie erzählt von Vertrauen, von Glauben, von Liebe. Und sie lässt uns wie in einem Spiegel unsere Angst, unsere Unsicherheit, unseren Kleinglauben sehen. Wie viele Untergangsgeschichten wohl heute zusammen kämen, wenn sie erzählt würden? Unter Großgläubigen sind wir nicht.
In gewisser Weise hat diese Geschichte traumhafte Züge. Sie braucht diese Züge auch, um von einem Wunder zu erzählen. Von einem Wunder, das immer wieder geschieht. Komm!
Erzählen wir doch heute von dem Wunder der Stille. Elia lernt Gott in einem Hauch kennen. Er offenbart sich in seinem, in meinem Atem. Petrus begegnet er in einer großen Stille. Die Gewalt ist verstummt. Auch die Naturgewalt. Der Sturm ist gestillt. Gestillt. Still.
Erzählen wir doch heute von den Untergängen. Menschen gehen unter. Wenn sie nichts mehr haben, woran sie noch glauben können. Wenn ihre Hoffnungen immer enttäuscht werden. Wenn sie der Gewalt hilflos ausgeliefert sind. Wenn sie sich selbst verlieren. Die Seele aufgewühlt, ausgeliefert, ratlos. Stürmische See - im Herzen. Wir Menschen sterben viele Tode, bevor wir sterben. Der letzte ist wohl nicht der schlimmste.
Im Evangelium sehen wir Jesus über den See kommen. Er kommt uns im Sturm entgegen. Er hält auch die, die gerade auf der Flucht sind. Ausgeliefert. Von Schleppern verkauft. Auf der Suche nach einer neuen Heimat. Kleingläubige sehen keinen Weg. Kleingläubige gewähren kein Vertrauen. Kleingläubige verlieben sich in ihre Zweifel. Jesus kommt über den See. Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Habe ich? Wir könnten einmal tief durchatmen ...
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne,
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Dem Gang Jesu über den See ging eine dramatische Zeit voraus: Jesus erfährt vom Tod Johannes des Täufers, er kann sich dem Volk nicht entziehen, gibt ihnen auf wunderbare Weise Brot und zieht sich im Gebet zum Alleinsein mit dem Vater zurück. Er überwindet seine eigene Angst und fordert die Jünger auf, nicht kleingläubig zu sein.
Vor einigen Jahren entschloss ich mich, zusammen mit einem Mitbruder im Urlaub einen Teil Giechenlands mit dem Fahrrad zu erkunden. Griechenlandkenner rieten uns davon ab mit dem Argument, dass es dort im August unerträglich heiß sei. Wir spotteten darüber und brachten als Gegenargument, man müsse nur schnell genug fahren und den Fahrtwind zur Kühlung nutzen. Was zunächst als Spaß gemeint war, bewahrheitete sich auf unserer unvergesslichen Radtour um den Peloponnes. Die größere Herausforderung waren die Berge und die manchmal steilen Anstiege der Nebenstraßen, auf denen wir unterwegs waren. Aber auch die haben unserer Kondition gut getan. Gegenwind ist zwar meist unangenehm, man kann ihm aber auch positive Seiten abgewinnen. Er kühlt nicht nur, er erhöht auch den Trainingseffekt.
Der Gegenwind im übertragenen Sinn, mit dem wir im Leben immer wieder zu kämpfen haben, hat auch mehrere Gesichter. Meist ist er unangenehm und lehrt uns das Fürchten. Manchen Menschen bläst er existenzbedrohend ins Gesicht.
Der Kampf mit Wind und Wellen, wie er in der Evangelienperikope von den Jüngern erzählt wird, ist ein Bild für Existenzkämpfe, denen sich jeder Mensch in irgend einer Weise ausgesetzt sieht. Der eine kämpft um das wirtschaftliche Überleben, der andere um einen Arbeitsplatz, wieder andere kämpfen gegen eine lebensbedrohende Krankheit... Und nicht immer wird dieser Kampf gewonnen.
Auch Jesus hatte Gegenwind in seinem Leben. Das übersehen wir allzu leicht, wenn wir die schönen Geschichten der Bibel lesen. Am vergangenen Sonntag hörten wir die Vorgeschichte des heutigen Abschnittes. Jesus wollte sich in die Einsamkeit zurückziehen, nachdem ihm zu Ohren kam, dass Johannes der Täufer enthauptet worden war. Vielleicht überlegte er sogar, sich ins Privatleben zurückzuziehen. Er war Realist genug, um abschätzen zu können, was das Vorgehen gegen Johannes für ihn und sein Programm bedeutete. Zur ersehnten Nachdenkpause kam es aber nicht, da die Menschen herausfanden, wo er sich aufhielt, und ihn auch dort mit ihrer Not bedrängten. Das Mitleid mit ihnen ließ ihn nicht zur Ruhe kommen. Er heilte die Kranken, predigte und sättigte sie in ihrem geistigen, geistlichen und leiblichen Hunger.
Erst in der darauffolgenden Nacht blieb ihm Zeit, seine eigene Not vor den himmlischen Vater zu bringen. Wir dürfen wohl davon ausgehen, dass er sich bewusst war, dass er durch das, was er tat, nicht nur sich selbst, sondern auch seine Jünger in Gefahr brachte. Vermutlich waren diese sich dessen noch gar nicht bewusst.
"Nachdem er alle weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um in der Einsamkeit zu beten", lesen wir. Nach dem Zusammensein mit dem Vater kehrt er zurück zu seinen Jüngern, die sich auf dem See gegen Wind und Wetter abmühten.
Die Begegnung mit den Jüngern und vor allem die Szene mit Petrus zeigen, wie anders diese mit dem "Gegenwind" umgingen. Sie versuchten, mit dem Einsatz all ihrer Kräfte und ihrer gewiss reichen Erfahrung als Fischer gegen den Sturm anzukämpfen. Jesus hingegen steht durch seine Verbindung zum Vater über all dem. Ihm kann diese Bedrohung nichts anhaben. Für einen kurzen Moment kann es ihm Petrus gleichtun. Doch sein Glaube lässt sich allzu leicht in Frage stellen, und er beginnt zu sinken. Im Ausruf "Herr, rette mich!" kommt schließlich zum Ausdruck, was ihn und auch uns allein retten kann, wenn es um das Letzte geht: Der Halt, den der Herr allein geben kann.
So gesehen wurde diese Sturmnacht eine heilsame Erfahrung für die Jünger, vor allem für Petrus. Ohne Sturm und Gegenwind wären sie vermutlich auf der Stufe eines Schönwetterglaubens stehen geblieben, wie er sich nach der wunderbaren Brotvermehrung anbot.
Es ist schön und gut zu erleben, wie der Glaube Menschen bessert, heilt, Orientierung gibt, sättigt. So könnte man den Inhalt der Erzählung vom letzten Sonntag zusammenfassen. - Doch gibt der Glaube an Gott auch Halt, wenn es härter im Leben zugeht?
Die Geschichte vom Seesturm ist eine bildhafte Zusammenfassung des Schicksals Jesu und seiner Jünger. Auch ihm und ihnen allen ist letztendlich nicht erspart geblieben, was Johannes dem Täufer widerfahren ist. Was Jesus über die Wellen und Abgründe seines Lebens hinweg getragen hat, war seine Verbindung mit dem Vater. Schritt für Schritt hat er auch seine Jünger in diese innige Gottesbeziehung hineingeführt.
Was erwarten wir vom Glauben? Dass er unsere Wunden heilt? Dass er uns geistige Orientierung gibt? Dass er uns geistliche Nahrung bietet? - Das alles kann er uns geben. Und dennoch bleiben uns existentielle Bedrohungen nicht erspart: Misserfolg, Verlust des Einkommens, des Arbeitsplatzes, eines nahen Menschen, das Zerbrechen von Beziehungen, Unfälle, unheilbare Krankheit... Diese werden zur großen Herausforderung des Glaubens. An ihnen kann der Glaube zerbrechen oder auch wachsen. An ihnen wachsen manche Menschen über sich hinaus.
Dazu fallen mir viele Begegnungen mit Menschen ein, die in ihrem Leben in diesem Sinn mit Stürmen und Gegenwind zu kämpfen hatten. Nach menschlichen Maßstäben haben viele von ihnen den Kampf verloren. Und dennoch sind viele an diesem ihren Schicksal als Menschen und als Glaubende gewachsen.
Was können wir tun? - Jesus zeigt uns, wie wichtig die innige Verbindung mit dem Vater ist. Sie gibt innere Ruhe und Kraft. Darüber hinaus ermuntert uns Jesus, wie Petrus das scheinbar sichere Boot zu verlassen und ganz auf Gott zu vertrauen. Wenn es um das Letzte geht, kann auch uns nur ein "Herr, rette uns!" helfen. Zu dieser höchsten Reife des Glaubens will er uns hinführen.
Wie schnell das Wetter Katastrophen auslösen kann, haben wir in den vergangenen Wochen miterlebt. Das Wetter können die Menschen nicht machen und nur wenig beeinflussen. In seiner Unberechenbarkeit ist das Wetter auch ein Bild für die Unberechenbarkeit des Lebens und des Schicksals. Auch da gibt es eine Auf und Ab, Sonnenschein, Stürme bis hin zu Katastrophen.
Gott ist bei uns, er geht mit uns, er ist uns gerade dann nahe, wenn es in unserem Leben stürmisch hergeht. In diesem Vertrauen stärkt er uns und bestärken wir uns gegenseitig, wenn wir miteinander Gottesdienst feiern.
Am Beginn dieser Feier rufen wir ihm zu "Herr, rette uns!" - So könnte man den uralten Ruf der Christen "Kyrie eleison!" treffend übersetzen.
Wir sehen, was in der realen Welt geschieht. Erklären können wir es nicht immer. Dann versuchen wir es trotzdem.
Die Jünger Jesu erlebten: Eigentlich kann Jesus nicht da sein, aber er ist dennoch da. Eigentlich hat er sich zum Gebet mit dem Vater auf den Berg zurückgezogen, und wir sind im Boot losgefahren. Wie kann das sein? Was geschieht, das verändert uns. Ist da der Begriff Wunder angebracht?
Das Wetter können die Menschen nicht machen und nur wenig beeinflussen. Und das ist gut so. In seiner Unberechenbarkeit ist das Wetter auch ein Bild für die Unberechenbarkeit des Lebens und des Schicksals. Auch da gibt es eine Auf und Ab, Sonnenschein, Stürme bis hin zu Katastrophen.
Gott ist bei uns, er geht mit uns, er ist uns gerade dann nahe, wenn es in unserem Leben stürmisch hergeht. In diesem Vertrauen stärkt er uns und bestärken wir uns gegenseitig, wenn wir miteinander Gottesdienst feiern.
Am Beginn dieser Feier rufen wir ihm zu "Herr, rette uns!" - So könnte man den uralten Ruf der Christen "Kyrie eleison!" treffend übersetzen.
Herr, Jesus Christus,
du lässt uns nicht allein in den Stürmen des Lebens.
Kyrie eleison.
An dich glauben wir. Hilf unserem Kleinglauben.
Christe eleison.
Du bist wahrhaftig Gottes Sohn.
Kyrie eleison.
Herr, Jesus Christus,
du hast dein Vertrauen auf den Vater gesetzt.
Herr, erbarme dich.
Du hast die Nöte der Menschen gesehen und ihnen die Hand zum Leben gereicht.
Christus, erbarme dich.
Du schenkst uns Hoffnung für die Ewigkeit.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du bist zu uns in die Welt gekommen.
Herr, erbarme Dich.
Du bist bei uns, wenn das Leben es nicht gut mit uns meinst.
Christus, erbarme Dich.
Auf Dich können wir vertrauen.
Herr, erbarme Dich.
Herr Jesus,
Gebet und die Nähe deines Vaters waren die Quellen deiner Kraft.
Kyrie, eleison.
In deinen Worten und Zeichen wurdest du die Quelle der Kraft für deine Jünger.
Christe, eleison.
Dein Wort zu hören, gemeinsam zu beten und dich zu empfangen, gibt uns Kraft für die Woche. Kyrie, eleison.
Allmächtiger Gott,
wir dürfen dich Vater nennen,
denn du hast uns an Kindes Statt angenommen
und uns den Geist deines Sohnes gesandt.
Gib, daß wir in diesem Geist wachsen
und einst das verheißene Erbe empfangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 19. Sonntag im Jahreskreis
Biete auf deine Macht, Herr, unser Gott,
und komm.
Entreiße uns den Gefahren,
in die unsere Sünden uns bringen.
Mache uns frei und rette uns.
Darum bitten wir durch Jesus Christus,
deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 1. Freitag im Advent
Gott, du bist da.
Deine Gegenwart umhüllt und durchdringt uns
wie die Luft, die wir atmen,
ohne die wir nicht leben können.
Gib, daß wir dir ganz vertrauen
und leben ohne Angst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Auswahl 5
Barmherziger Gott,
du kennst unsere Schwachheit und unsere Not.
Doch je hinfälliger wir sind,
um so mächtiger ist deine Hilfe.
Gib, daß wir das Geschenk dieser Gnadenzeit
freudig und dankbar annehmen
und dein Wirken in unserem Leben bezeugen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Freitag der 4. Woche der Fastenzeit
Gott, du Quelle allen Lebens,
du teilst deine Gabe aus ohne Maß.
Öffne uns Ohr und Herz,
und sättige uns mit deinem Wort.
Darum beten wir zu dir, dem guten Vater,
in der Kraft des Heiligen Geistes,
durch Jesus Christus, unseren Herrn.
WB 18. Sonntag im Jahreskreis A
Gott, du stellst dich auf die Seite derer,
die auf dich ihre Hoffnung setzen.
Schenk uns den Mut,
unser Leben dir und deiner Liebe anzuvertrauen.
Durch Christus, unseren Herrn.
Gott, dein Sohn hat uns von deiner menschenfreundlichen Liebe gekündet
und uns ermutigt, uns in allem an dich zu wenden.
So kommen wir jetzt, am Beginn der neuen Woche, zu dir.
Leite uns in unserem Vertrauen auf dich und die Botschaft deines Sohnes
und stärke uns in deiner heiligen Geisteskraft,
damit wir in den Anforderungen der neuen Woche nicht untergehen.
Gott,
dein Sohn Jesus hat deine Nähe gesucht,
um sie dann mit seinen Jüngern zu teilen.
Wir suchen heute deine Nähe,
um sie mit unseren Schwestern und Brüdern zu teilen.
So gib dich uns zu erkennen
jetzt, in der Woche und im ganzen Leben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Treuer, barmherziger Gott,
du schenkst uns das große Vertrauen,
uns von keiner Gewalt einschüchtern,
von keinem Sturm knicken,
von keiner Welle brechen zu lassen.
Dafür danken wir dir.
Du kennst die Geschichten von Menschen,
über die sich ein Gewitter zusammenbraut,
die Angst davor haben, unterzugehen,
die nach Luft schnappen.
Komm ihnen entgegen. Fange sie auf.
Dass wir deinen Atem hören,
dass sich eine große Stille ausbreitet,
darum bitten wir in Christus, unserem Herrn.
Guter Gott,
viele Ereignisse in unserer nächsten Umgebung und Entwicklungen auf der ganzen Welt ängstigen und beunruhigen uns.
Wie die Jünger im Boot rufen auch wir zu dir:
Herr, rette uns!
Steh allen bei, die von der gegenwärtigen Hitze und Trockenheit schwer getroffen sind.
Steh allen bei, die durch Sturm, Hagel und Unwetter Schaden erlitten haben.
Steh allen bei, die in Kriege hineingezogen worden sind oder von Terrorakten bedroht werden.
Steh allen bei, deren Lebenspläne von einer unerwarteten Diagnose durchkreuzt worden sind.
Steh allen bei, die an einer schweren Erkrankung zu leiden haben.
Steh allen bei, die ihren letzten Weg angetreten sind.
Du, Herr, bist bei uns in allen frohen und bedrohlichen Ereignissen.
Beseitige unsere Zweifel, hilf unserem Kleinglauben
und stärke unser Vertrauen in deine rettende Macht. - Amen.
Verbunden mit allen, die unserer Hilfe bedürfen, wenden wir uns an dich, unseren Vater, und bitten dich für sie:
Für alle in deiner Kirche, die unter der scheinbaren Erfolglosigkeit ihres Einsatzes für dich und dein Reich leiden.
Für alle Menschen in den Pflegeberufen, die sich in ihrem Dienst überfordert und mit ihren Kräften am Limit fühlen.
Für alle, die aufgrund der veränderten wirtschaftlichen Bedingungen ihre Vorstellung von einem gesicherten und guten Leben nicht mehr umsetzen können.
Für alle, die bereit sind, das Bild das sie von dir haben, und die Art, wie sie ihren Glauben leben, immer wieder neu zu hinterfragen.
Für unsere Verstorbenen und alle, die um sie trauern und sich in ihrem Schmerz nach einer helfenden Hand sehnen.
Hilf uns, deine Nähe in unseren Nöten besonders dort zu erahnen, wo du uns anders beistehst als wir es erwarten.
Dir wollen wir danken und deine Größe preisen, jetzt und allezeit. - Amen.
Guter Gott,
oft werden wir von den Wellen des Lebens hin und her geworfen, und der Wind bläst uns ins Gesicht.
Voll Vertrauen bitten wir:
Für alle Menschen, die in Verzweiflung versinken:
Strecke Deine Hand aus und sei ihnen Halt!
Für alle Menschen, die vor den Anforderungen der Welt den Kopf in den Sand stecken:
Strecke Deine Hand aus und sei ihnen Halt!
Für alle Menschen, die vor ihren Problemen davonlaufen:
Strecke Deine Hand aus und sei ihnen Halt!
Für alle Menschen, die in ihrer Heimat um ein menschenwürdiges Leben kämpfen:
Strecke Deine Hand aus und sei ihnen Halt!
Für alle Menschen, die auf der Flucht sind vor Hunger und Krankheit, Verfolgung und Krieg:
Strecke Deine Hand aus und sei ihnen Halt!
Für alle Menschen, die das Vertrauen in andere verloren haben: Strecke Deine Hand aus und sei ihnen Halt
Für alle Menschen, die vom Schicksal gebeutelt sind und nicht mehr weiter wissen:
Strecke Deine Hand aus und sei ihnen Halt!
Für alle Kranken und Sterbenden:
Strecke Deine Hand aus und sei ihnen Halt!
Guter Gott,
wir sind Dir nicht egal. Du hast uns Deinen Sohn gesandt, damit er uns Halt und Leben ist. Schenke uns Vertrauen darauf, dass er immer bei uns ist und uns Halt bietet.
Darum bitten wir Dich durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. - Amen.
Beten wir wie Jesus zum Vater in den großen Anliegen unserer Zeit:
Wir rufen: Vater, hilf deinem Volk
Wir beten für die Menschen, die deine Liebe im Moment nicht mehr sehen können.
Wir beten für die Menschen, deren Leben durch Hunger und Gewalt bedroht ist.
Wir beten für die Menschen, die in den Zeiten von Urlaub und Ferien andere Kirchen aufsuchen und an Wegkreuzen verweilen.
Wir beten für die Menschen, die jetzt deine Nähe suchen.
Wir beten für die Menschen, die im Moment zu schwach sind, so zu beten wie früher.
Wir beten für die Menschen, die auf das Gebet von Freunden und Fremden hoffen.
Wir beten für die Sterbenden dieser Stunde und für alle Verstorbenen.
Dein Sohn hat gesagt, dass kein Gebet umsonst gesprochen wird.
Darauf bauen wir und dafür danken wir. - Amen.
Erfahrungen, die unerwartet einen positiven Ausgang nehmen, lassen in uns Zuversicht und eine positive Grundstimmung wachsen. In der Bibel wird immer wieder von Situationen berichtet, in denen sich Gott uns in seinem Erbarmen und Mitgefühl zuwendet.
Ihn lasst uns bitten:
Für eine Kirche, die Gegenwind von außen und innen verspürt.
Für alle Menschen, die die politische Situation ihres Landes zu Verzweiflung und Lebensangst führt.
Für alle Kranken, die von Schmerzen und Ungewissheit geplagt, ängstlich nach jedem Hoffnungsstrahl Ausschau halten.
Für uns selbst, die oft in Gewohntem verfangen das unerwartete Eingreifen Gottes ins eigene Leben nicht zulassen wollen.
Für unsere Verstorbenen, für die wir erhoffen, dass sie von Gottes starker Hand gehalten das ewige Heil erlangen.
Immer wieder sind wir als Christen eingeladen, uns wie Petrus auf Jesu Wort „komm“ einzulassen. Damit erweisen wir Gott alle Herrlichkeit und Ehre und stimmen mit der ganzen Schöpfung in Dank und Lobpreis ein. - Amen.
Gott uns Vater,
die dunklen Seiten des Lebens
bringen viele Menschen in große Bedrängnis.
Für sie bitten wir:
Herr, rette sie!
Für alle Menschen, die ums Überleben kämpfen
und auf der Flucht sind vor Hunger- und Dürrekatastrophen.
Für alle Menschen, die in unmenschlichen Systemen gefangen sind
und um ihre Freiheit kämpfen.
Für alle Menschen, die durch Unwetter, Erdbeben oder andere Naturkatastrophen ihre Existenzgrundlage verloren haben.
Für alle Menschen, die durch einen Unfall
oder durch einen Schicksalsschlag hart getroffen sind.
Für alle Menschen, die sich in Hilfsorganisationen für in Not Geratene einsetzen
und dabei ihre eigene Sicherheit riskieren.
Für alle Opfer von Katastrophen und Kriegen.
Schenke ihnen ewiges Leben.
Herr, wir glauben und vertrauen,
dass du unser Leben in deinen Händen hältst
und es gut mit uns meinst.
Dafür danken und preisen wir dich. Amen.
Herr, unser Gott,
wir bringen die Gaben zum Altar,
die du selber uns geschenkt hast.
Nimm sie von deiner Kirche entgegen
und mache sie für uns zum Sakrament des Heiles.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 19. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
dein Sohn hat uns versprochen,
er werde in unserer Mitte sein,
wann immer wir in seinem Namen versammelt sind.
Er selber erfülle das Lobgebet,
das wir über Brot und Wein sagen,
mit seiner Hingabe und Liebe.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Auswahl 4
Gott,
in deiner Kraft kam dein Sohn
seinen Jüngern entgegen
und sie erkannten ihn.
In dieser Kraft segne die Gaben von Brot uns Wein,
die wir bereitet haben,
damit auch wir in ihnen den erkennen,
der uns sagt: Ich bin es.
Er, dein Sohn, der mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit. - Amen.
Kehrvers:
Alles, was atmet, lobe den Herrn. (GL 616,5)
Guter Gott, wir danken dir, dass du uns nahe bist.
Du hörst auf das Rufen deines Volkes, wenn es in Not ist,
und lässt es nicht im Stich.
Kehrvers
Immer wieder hast du dich deinen Propheten zu erkennen gegeben,
du hast sie deine Stimme vernehmen
und deine Gegenwart spüren lassen.
Kehrvers
Deinen Jüngern bist du beigestanden,
als sie von den Wellen des Sees hin- und hergeworfen wurden.
Du hast ihr Vertrauen gestärkt und ihnen zugerufen:
Fürchtet euch nicht!
Kehrvers
Petrus hast du deine rettende Hand entgegengestreckt,
als er aus Kleinglauben Angst bekam und zu versinken drohte.
So hast du dich deinen Jüngern als wahrer Sohn Gottes gezeigt.
Kehrvers
Auch für uns bist du der feste Grund,
auf den wir unser Leben bauen können.
Auch uns streckst du deine Hand entgegen,
wenn wir in Gefahr sind und zu dir rufen: Herr, rette uns.
Kehrvers
Mit allen Engeln und Heiligen preisen wir dich.
Wir danken dir für deine Güte und Nähe,
wir bekennen dich als den wahren Sohn Gottes
und singen zu deinem Lob:
Danklied, z. B. Nun saget Dank und lobt den Herren (GL 385)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn wir erkennen deine Herrlichkeit in dem,
was du an uns getan hast:
Du bist uns mit der Macht deiner Gottheit
zu Hilfe gekommen und
hast uns durch deinen menschgewordenen Sohn
Rettung und Heil gebracht
aus unserer menschlichen Sterblichkeit.
So kam uns aus unserer Vergänglichkeit
das unvergängliche Leben
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir jetzt und in Ewigkeit
dein Erbarmen und singen mit den
Chören der Engel das Lob
deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 3
Wir danken dir, treuer und barmherziger Vater,
für Jesus, deinen Sohn unseren Herrn und Bruder.
Seine Liebe galt den Armen und Kranken,
den Ausgestoßenen und Sündern.
An keiner Not ging er vorüber.
Sein Leben und seine Botschaft lehren uns,
daß du ein Gott bist, der sich der Menschen annimmt
wie ein Vater sich um seine Kinder sorgt.
Darum loben und preisen wir dich,
wir rühmen deine Güte und Treue
und verkünden mit allen Engeln und Heiligen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 3
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und dich mit der ganzen Schöpfung zu loben.
Denn deine Vorsehung waltet über jeder Zeit;
in deiner Weisheit und Allmacht
führst du das Steuer der Kirche
und stärkst sie durch die Kraft des Heiligen Geistes.
In ihm kann sie allezeit auf deine Hilfe vertrauen,
in Not und Bedrängnis zu dir rufen
und in Tagen der Freude dir danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir dein Erbarmen
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Heiliger Geist 2
Herr Jesus,
du warst auf dem Berg, um mit dem Vater zu sprechen.
Und du bist bei uns, wenn wir in deinem Namen rufen:
Vater unser…
In deinem Wort "Komm!" hast du Petrus Kraft und Mut gegeben, im Griff nach seinem Arm hast du ihm Sicherheit und Frieden geschenkt.
Um diesen Frieden bitten wir:
Herr Jesus Christus…
Zusage Gottes:
Fürchte dich nicht
ich habe dich beim Namen gerufen
ich weiß, was du brauchst
du darfst mir vertrauen
ich bin bei dir
wenn Stürme des Lebens über dich kommen
können sie dir nichts anhaben
wenn Wellen der Not dich bedrohen
reißen sie dich nicht fort
wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt
keine Flamme kann dich verbrennen
denn ich dein Gott
bin bei dir
du darfst mir vertrauen
ich bin dein Retter
fürchte dich also nicht
nach Jes 43
Barmherziger Gott,
wir haben den Leib und das Blut deines Sohnes empfangen.
Das heilige Sakrament bringe uns Heil,
es erhalte uns in der Wahrheit
und sei unser Licht in der Finsternis.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 19. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
du nährst uns im heiligen Sakrament
mit dem Brot des Lebens.
Erhalte uns in deiner Gnade
und tröste uns in jeder Not.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Samstag der 1. Fastenwoche
Gütiger Gott,
du hast uns den Leib und das Blut
deines Sohnes geschenkt.
Was wir auf Erden im Geheimnis feiern,
sei uns Stärkung auf dem Weg zur Vollendung.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Samstag nach Aschermittwoch
Barmherziger Gott,
wir haben den Auftrag deines Sohnes erfüllt
und sein Gedächtnis begangen.
Die heilige Gabe,
die wir in dieser Feier empfangen haben,
helfe uns,
daß wir in der Liebe zu dir und unseren Brüdern
Christus nachfolgen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 33. Sonntag im Jahreskreis
Herr, wenn wir jetzt wieder in unseren Alltag gehen,
schenke du uns die Kraft für jeden Tag der Woche
und lass uns gehen ohne vorgefasste Ideen,
ohne schon an Erschöpfung und Mutlosigkeit zu denken.
Lass uns dich immer wieder erkennen.
Wenn wir im Vertrauen auf dich gehen, dann finden wir dich nicht erst am Ziel, sondern unterwegs im Leben.
Gott,
in Sturm, in Beben, in Feuer
und im leisen Säuseln des Windes
hast du Menschen angesprochen.
Heute hast du uns angesprochen.
Wir danken dir für dieses Erleben
und für den Mut, den es uns macht.
Wir danken dir durch Christus, unseren Herrn. - Amen.
Du bist der Anfang, du bist das Ende. Gott.
Wir danken dir, dass alle Tage bei dir aufgehoben und geborgen sind.
Die Tage, die wir hinter uns gelassen haben,
die Tage, die jetzt vor uns liegen.
Wenn dunkle Wolken aufziehen, bist du der Schimmer am Horizont,
wenn die Wellen hoch gehen, kommst du uns entgegen in der Nacht,
wenn Stürme toben, schenkst du die große Stille,
die vor allem war was kam.
Wir sehen jeden Tag Abhängigkeiten und Herausforderungen.
Wir sprechen mit Menschen, die uns zugetan sind,
aber auch kritisch gegenüberstehen.
Auf manches freuen wir uns schon.
Die neue Woche gleicht einem unbeschriebenen Blatt.
Bewahre uns in deiner Liebe,
nimm unser Vertrauen in deine Hand
und hilf uns, alles Böse zu überwinden.
In Christus, unserem Herrn. – Amen.
Gott, du Schöpfer aller Dinge,
du hast uns Menschen die Welt anvertraut
und willst, dass wir ihre Kräfte nützen.
Aus dem Reichtum deiner Liebe
schenkst du uns die Früchte der Erde:
den Ertrag aus Garten und Acker,
Weinberg und Wald,
damit wir mit frohem und dankbarem Herzen
dir dienen.
Erhöre unser Gebet:
Halte Ungewitter und Hagel,
Überschwemmung und Dürre,
Frost und alles, was uns schaden mag,
von uns fern.
Schenke uns alles, was wir zum Leben brauchen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Der Segen des allmächtigen Gottes,
des Vaters und des Sohnes +
und des Heiligen Geistes,
komme auf euch herab und
bleibe bei euch allezeit. - Amen.
MB Segensgebete 1
Wir rufen zu dir, barmherziger Gott:
Schau gnädig auf dein Volk, das an dich glaubt.
Lass alle, die auf deine Güte vertrauen,
deine Hilfe erfahren
und überall die Großtaten deiner Liebe verkünden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Der Segen des allmächtigen Gottes,
des Vaters und des Sohnes +
und des Heiligen Geistes,
komme auf euch herab und
bleibe bei euch allezeit. - Amen.
MB Segensgebete 10
Der Vater segne euch,
denn euch hat er sein Reich versprochen. - Amen!
Der Sohn segne euch,
denn er will euch so stärken, wie er es bei Petrus getan hat. - Amen!
Der Heilige Geist segne euch,
denn er hilft euch, die Gegenwart Gottes zu spüren. - Amen!
Und der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes erfülle und stärke euch. - Amen!
Bei Gott zuhause sein
macht leicht
er zieht nicht nach unten
er hebt dich nach oben
lässt dich über Wasser gehen
Bei Gott zuhause sein
macht leicht
er richtet auf die Schultern
gibt den Füßen festen Tritt
lässt das Haupt erheben
Bei Gott zuhause sein
macht leicht
mein Vertrauen in ihn
gibt mir Flügel
sein Bergen
erhebt mein Herz
und macht Mut
die Schwere zu lassen
mich leicht zu machen
(Man kann den Text auch zum Kyrie verwenden. Wenn man ihn als Rahmen verwenden möchte, kann man ihn als Schlussmeditation nochmals lesen.)
Pfarrer Fredi Bertnatz
Petrus, der erste Papst. Keineswegs der heilige, unfehlbare Vater der Kirche, im Gegenteil: Kleingläubig nennt Jesus ihn. Weil er Angst vor der eigenen Courage hat. Weil er dem Spruch Jesu nicht vertraut, obwohl er Jesus kennt und weiß, dass er ihm vertrauen kann.
Aber worum geht es hier eigentlich? Ich bin noch nie am See Genezareth gewesen. Aber am Bodensee und am Ijsselmeer. Große Seen, die auf vielen Bildern so aussehen, als wären sie Idylle pur: glatte Wasserfläche, ein paar Boote und Bötchen darauf… Was soll einem da schon passieren? Aber je nach Wetterlage kann das total umschlagen, und hohe Wellen sind plötzlich da, wo sich vorher die Boote im Wasser spiegelten. Wenn dann noch Gegenwind hinzukommt, wird es ungeheuer gefährlich, auf diesen Seen zu segeln, zu rudern, oder sonst irgendwie mit dem Boot zu fahren. Wenn das Boot wild hin und her geworfen wird von den Wellen, wenn einem der Gegenwind ins Gesicht bläst, dann kann einem angst und bange werden. Deshalb wird ja auch vor Unwettern gewarnt auf einem solchen See. Und wenn es dann auch noch dunkel ist, kein Ufer zu erkennen, dann endet eine solche Fahrt möglicherweise tödlich, auch bei erfahrenen Seeleuten.
Die Jünger waren schon eine Weile mit Jesus unterwegs. Sie bewunderten ihn. Vielleicht waren sie oft auch erschrocken von seiner Radikalität. Der Glaube an ihn verlangte ihnen so einiges ab. Er wird nicht zweifelsfrei gewesen sein, bei keinem. Und die Situation auf dem See kann man sich beispielshaft so vorstellen: Jesus schickt sie los, ins Verderben… So könnte es sich angefühlt haben. Und als er so plötzlich auftaucht, nicht im Boot, sondern mitten in dem Unwetter, da haben sie noch mehr Angst. Petrus aber will vertrauen. Er will glauben, dass das Jesus ist, und er will glauben, dass mit Jesus alles gut wird. Aber dann, dann bekommt er sozusagen Angst vor der eigenen Courage. Er realisiert seine Situation, die eigentlich menschenunmöglich ist. Und in seiner Angst fängt er an zu versinken.
Ich habe mal in einem Bibliodrama diesen Petrus „gespielt“. Ich konnte mich gut in ihn einfühlen. Wie oft stehe ich vor einer Situation, die mir heikel erscheint und ich traue mich eben nicht. Ich vertraue weder meinen Fähigkeiten noch darauf, dass Gott mir beisteht. Genauso muss es dem Petrus gegangen sein. Er vertraute sich nicht und auch nicht Jesus. Weil es nicht gelingen konnte. Weil es den Naturgesetzen und all seiner Erfahrung als Fischer widersprach. Aber Jesus rettet ihn. Und er glättet die Wogen. Die Jünger erfahren, dass sie ihm vertrauen können.
Ohne den Gegenwind, ohne den Sturm hätten sie es nie erfahren: dass sie ihm wirklich vertrauen können, dass er sie rettet, wenn sie unterzugehen drohen, wenn sie den Gegenwind des Lebens nichts entgegenzusetzen haben. Jeder und jede von uns kommt in seinem Leben in solche Situationen, wo er oder sie hin und her geworfen wird im Sturm des Lebens, wo der Gegenwind so stark ist, dass man nicht dagegen ankommt und die Nacht so dunkel, dass man kein Licht erkennen kann. Diese Herausforderungen des Lebens sind auch Herausforderungen des Glaubens. Die Frage ist, wie wir damit umgehen. Hält uns die Nacht umfangen, ist die Furcht so groß, dass sie uns lähmt? Oder gelingt es uns, die Herausforderung anzunehmen, haben wir den Mut, es mit ihr aufzunehmen?
Es gibt Situationen im Leben, ich weiß das selbst, da gibt es keinen Wunschausgang. Wenn etwa Partnerschaften und Freundschaften zerbrechen, wenn ein geliebter Mensch stirbt, wenn man die Arbeit verliert oder eine Krankheit von einem Besitz ergreift. Da gilt es mit der Situation umzugehen. Das zu tun, zu denken, zu sagen, was möglich ist. Das Beste daraus zu machen, wie man so sagt. Manchen hilft dann das Gebet. Manche gehen einfach weiter, weil Stehenbleiben keine Option ist.
Ich wünsche uns allen, dass wir das Vertrauen nicht verlieren. Das Vertrauen auf Gott. Und damit auch das Vertrauen darauf, dass wir über uns selbst hinauswachsen können und wachsen können an den Herausforderungen des Lebens. Man kann nie tiefer fallen als in Gottes Hand. Vertrauen wir darauf!
Edith Furtmann, familie.furtmann@t-online.de
in meine Dunkelheiten
sprichst du
KOMM
in das Hin und Her
meines Lebens
sprichst du
KOMM
in mein Erschrecken
sprichst du
KOMM
hab Vertrauen
fürchte dich nicht
in mein mangelndes Vertrauen
meine Ängstlichkeit
meine Kleingläubigkeit
sprichst du
KOMM
in all deinem Sein
strecke ich dir die Hand entgegen
Herr
lass sich auch
die Stürme meines Lebens legen
und
rette mich
Beatrix Senft
Im Boot des Lebens
hin und her geworfen,
werden wir
in Netze verstrickt,
vom Sturm zerzaust,
zu Boden geworfen,
schreiend zu Gott.
Doch ER liegt
scheinbar schlafend
im Boot der Welt.
Noch immer begreifen wir nicht,
dass wir nicht hinausfallen können –
aus dem Boot,
aus IHM selbst.
Denn in IHM leben wir,
bewegen wir uns und sind wir.
Noch immer fragt er uns:
„Habt ihr kein Vertrauen?“
Ilse Pauls, unveröffentlicht.
Viele Menschen fragen
„Was ist Schuld daran?
Warum kommt das Glück
Nicht zu mir?“
Fangen mit dem Leben
Viel zu wenig an
Dabei steht das Glück
Schon vor der Tür
Wunder gibt es immer wieder
Heute oder morgen
Können sie geschehen
Wunder gibt es immer wieder
Wenn sie dir begegnen
Musst du sie auch sehen
Viele Menschen suchen
Jeden Tag auf's neu
Jemand, der sein Herz
Ihnen gibt
Und wenn sie schon glauben
Er kommt nie vorbei
Finden sie den einen
Der sie liebt
Wunder gibt es immer wieder
Heute oder morgen
Können sie geschehen
Wunder gibt es immer wieder
Wenn sie dir begegnen
Musst du sie auch sehen
Wunder gibt es immer wieder
Heute oder morgen
Können sie geschehen
Wunder gibt es immer wieder
Wenn sie dir begegnen
Musst du sie auch sehen
youtube.com, Quelle: LyricFind: Songwriter: Carsten Gerlitz / Christian Bruhn / Guenter Loose.
Sich
einander
zuwenden
Wo
die
verletzlichkeit
am größten ist
Wo
heilung
not-wendig ist
Aus: Pierre Stutz; 50 Rituale für die Seele. Herderverlag Freiburg 2001.
In diesem Augenblick steigt aus dem Wort des Petrus ein so starker Glaube auf, dass er in dem „Komm!“ des Herrn seine letzte Möglichkeit erreichen kann. Der Glaube des Petrus ist für einen Augenblick „rein“ – in völliger Absehung von sich selbst ganz auf den Herrn gerichtet. Und die Kraft des Herrn geht auf der Brücke des „Komm!“ so auf Petrus über, dass dieser wie Jesus über Wasser gehen kann. Petrus erfährt in diesem Augenblick die Wahrheit des Jesuswortes: „Ihr müsst Glauben an Gott haben. Amen, das sage ich euch: Wenn jemand zu diesem Berg sagt: Heb dich empor und stürze dich ins Meer! und wenn er in seinem Herzen nicht zweifelt, sondern glaubt, dass es geschieht, was er sagt, dann wird es geschehen!“ (Mk 11,22f)
Aus: Johannes Bours; Da fragte Jesus ihn. Herderverlag Freiburg 1983
wie bist du zugegen
und wie unsagbar nah bei uns.
Allzeit bist du um uns in Sorge,
in deiner Liebe birgst du uns.
Du bist in allem ganz tief verborgen,
was lebt und sich entfalten kann.
Doch in den Menschen willst du wohnen,
mit ganzer Kraft uns zugetan.
Huub Oosterhuis in: Gotteslob Nr. 414.
Auf meinem Schreibtisch befindet sich seit vielen Jahren eine Karte mit einem Spruch von Karl Barth, der mich durch die Stürme des Lebens begleitet. Die Karte zeigt einen rudernden Menschen, der in einem Boot sitzt, das von den Wellen hin- und hergeworfen wird. Der Spruch lautet:
„Nicht aussteigen im Sturm, sondern weiterrudern!“ (Karl Barth)
In Extrem- und Grenzsituationen unseres Lebens, wenn Existenzängste über uns herfallen, kann so ein Wort eine Hilfe sein. Gerade dann, wenn Ängste über uns herfallen – beispielsweise vor einer schwierigen OP oder in einer lebensbedrohlichen Krankheit – ist es wichtig, diesen Existenzängsten etwas entgegenzusetzen. Dazu gehört insbesondere das Vertrauen!
Edgar Rohmert in: Sonntagsgruß zum 19. Jahreskreis 92. Jahrgang 2017.
Göttliches Wort, der Gottheit Schrein,
führ uns in dein Geheimnis ein.
Brennender Dornbusch, der nicht verbrennt,
nenn uns den Namen, den niemand kennt.
Wolkensäule voll Herrlichkeit,
geh uns voran im Dunkel der Zeit.
Schlüssel Davids, der öffnet und schließt,
weis uns die Quelle, die immer fließt.
Logos, Wort und Antwort zugleich,
Erschließe uns das Gottesreich.
Aus: Die Feier des Stundengebetes. Stundenbuch. Für die katholischen Bistümer des Deutschen Sprachgebiets. Herderverlag Freiburg – Basel – Wien 1978.
"In diesem losgelösten Sommer spürte Irene zum ersten Mal das Wegfließen des Wassers weit draußen näher als den Sand unter den Füßen. An den Treppen der Steilküste, wo Erde bröckelte, sah Irene wie in all den anderen Sommern die Warntafel stehen 'Erdrutschgefahr'. Die Warnung hatte in diesem losgelösten Sommer zum ersten Mal wenig mit der Küste und viel mit Irene zu tun."
Die oben genannten Sätze stehen fast am Anfang von Herta Müllers Roman "Reisende auf einem Bein". Herta Müller stammt aus Rumänien. Seit 1987 lebt sie in (West-)Berlin. Deutsch ist ihre Muttersprache.
"Erdrutschgefahr": Diese Warnung wird hier zum Bild der inneren Unsicherheit eines Menschen, für den nichts mehr hält. Das Vertraute trägt ihn nicht mehr.
Einmal, vor vielen Jahren, erlebte ich in Wien ein Erdbeben geringen Ausmaßes. Einige Dachziegel fielen herunter, die Pendeluhren blieben stehen. Es dauerte nur kurz, nur einige Sekunden. Aber ich kann mich an das merkwürdige Gefühl der Unsicherheit erinnern, wenn der Boden, auf den man vertraut, unverlässlich wird. Die selbstverständliche Sicherheit gerät ins Wanken. Ich erinnere mich nicht an Angst, dafür dauerte es zu kurz, sondern an ein großes Staunen.
In den beiden Schöpfungsberichten, die am Anfang der Bibel stehen, gibt es für das bewohnbare Land zwei Bilder. Nach dem ersten Bericht teilt Gott am zweiten Schöpfungstag das Festland von den Wassern und nennt es Land, Erde. "Gott sprach: Das Wasser unterhalb des Himmels sammle sich an einem Ort, damit das Trockene sichtbar wird. So geschah es. Das Trockene nannte Gott Land ..."
Im zweiten Schöpfungsbericht gibt es ein anderes Bild. Da ist zuerst die Erde eine leere, unfruchtbare Wüste, in der Gott einen Garten anlegt, um den Menschen dorthin zu versetzen.
Die beiden Bilder entsprechen unseren verschiedenen Erfahrungen der Erde, des Landes. Wer eine Schiffsreise gemacht hat oder nach einer Luftreise sicher gelandet ist, freut sich über das Land, das ihn trägt. Der Reisende aber, der aus der Wüste kommt, er freut sich über die Oasenstadt. Sein Herz erhebt sich: Isfahan!
Er hat bewohnbares Land gefunden. Die zwei Bilder sind verschieden. Gemeinsam aber sagen sie uns: Das, was dich trägt, wo du leben kannst - es kommt von Gott.
Darauf müssen wir uns verlassen. Auch wenn wir in unserem Leben die Erfahrung machen, dass nichts mehr hält. Wenn nichts mehr bleibt von dem, was uns, wie wir glaubten, getragen hat. Nicht nur das Bankkonto und der Beruf, auf die wir unsere Sicherheit gebaut hatten. Auch unser Vertrauen auf andere Menschen, unsere Liebe: Es hält nichts mehr. Alles ist ins Wanken geraten. Erdrutsch. Erdbeben.
Auch dann, sagt uns die Heilige Schrift, bist du in Gottes Hand. Er lässt dich nicht fallen.
Aus: joop roeland, an orten gewesen sein. Otto Müller Verlag / Verlag Die Quelle. Salzburg /Feldkirch 1999.

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Der Prophet Elija führt einen erbitterten Kampf gegen den Baalskult. Das Volk Israel besteht aus ehemaligen Nomaden, die sich im Raum Palästina niedergelassen haben. Sie "sickerten" in die Siedlungsgebiete kanaanäischer Ackerbauern und Stadtbewohner ein. Diese verehrten Baal und andere Fruchtbarkeitsgötter. Die Einwanderer - nun selbst seßhafte Ackerbauern - waren versucht, mit den neuen Gewohnheiten auch die Religion der Seßhaften anzunehmen.
Lebensinhalt des Propheten Elija ist es, für den alten Jahweglauben zu kämpfen. Dabei ist er nicht zimperlich. Er beschwört auf dem Berg Karmel ein Gottesurteil herauf und nimmt dieses zum Anlaß, die Baalspriester und Propheten niederzumetzeln. Obwohl er scheinbar einen Sieg errungen hat, muß er in die Wüste fliehen. Erschöpft wünscht er sich den Tod. Ein Engel Gottes richtet ihn auf und stärkt ihn. Er nimmt Zuflucht beim Gottesberg Horeb.
Der Horeb gilt als der Berg, auf dem sich Jahwe Mose geoffenbart hat und mit Israel den Bund geschlossen hat. Von Mose wird eine ähnliche Gotteserfahrung erzählt, wie sie in der heutigen Lesung vorliegt ( Ex 33,18-23).
Der vorliegende Text ist nicht aus einem Guß. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man mehrere Ungereimtheiten. Die sind ein Zeichen, daß der Text mehrmals überarbeitet worden ist, um darin neuere theologische Anliegen unterzubringen.
Hauptanliegen des Textes ist es, einen Umbruch bezüglich der Gottesvorstellungen deutlich zu machen. Für die Religionen der umliegenden Völker Israels waren gewaltige Naturereignisse wie Blitz, Donner, Erdbeben usw. Erscheinungen, in denen sie ihre Gottheiten erkannten. Die Propheten entmystifizierten in ihrer Predigt diese Naturerscheinungen. Für sie offenbart sich Gott im Wort, in der Botschaft, die er seinen Propheten mitteilt. Gott spricht zu seinen Dienern. Das Wort überwiegt nun an Bedeutung den Riten und kultischen Vollzüge. Die Stimme Gottes hört, wer das "leise Säuseln" wahrzunehmen vermag.
Elija hatte viele Erfahrungen mit Gott gemacht. In seinem Namen hatte er gegen den Baalskult gekämpft. Sein Gott hatte ihm deutlich gemacht, dass er über das Ziel hinausgeschossen hatte. Aber er machte ihm auch seine Treue deutlich.
Nun sollte am Berg Horeb eine neue Erfahrung kommen. Elija wird eingeladen: "Stell dich dem Herrn!"
Wie in einer Geschichtsausstellung wird an alte Gotteserfahrungen erinnert: Sturm, Beben und Feuer waren Erfahrungen mit Gott. Und sie waren Erfahrungen, die in anderen Religionen eine Rolle spielten.
Jetzt beginnt das neue: Gott zeigt sich im Säuseln. Das Hebräische Wort Ruach erinnert an den Geist, der über der Urflut schwebt. Gott zeigt sich in einem leisen Zeichen. Nur der, der genau hinhört, erkennt ihn. Elija hatte in den 40 Tagen seit seinem Zusammenbruch gelernt, zu hören.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive