Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Jesaja.
So spricht der Herr:
Wahrt das Recht
und übt Gerechtigkeit,
denn bald kommt mein Heil
und meine Gerechtigkeit wird sich bald offenbaren!
Und die Fremden, die sich dem Herrn anschließen,
um ihm zu dienen und den Namen des Herrn zu lieben,
um seine Knechte zu sein,
alle, die den Sabbat halten und ihn nicht entweihen
und die an meinem Bund festhalten,
sie werde ich zu meinem heiligen Berg bringen
und sie erfreuen in meinem Haus des Gebets.
Ihre Brandopfer und Schlachtopfer
werden Gefallen auf meinem Altar finden,
denn mein Haus
wird ein Haus des Gebetes für alle Völker genannt werden.
(Lektionare 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Jesaja.
So spricht der Herr:
Wahrt das Recht
und übt Gerechtigkeit,
denn bald kommt mein Heil
und meine Gerechtigkeit wird sich bald offenbaren!
Selig der Mensch, der dies tut,
und jeder Einzelne, der daran festhält,
den Sabbat zu halten und ihn nicht zu entweihen
und seine Hand vor jeder bösen Tat zu bewahren.
Der Fremde, der sich dem HERRN angeschlossen hat,
soll nicht sagen:
Sicher wird er mich ausschließen aus seinem Volk.
Der Eunuch soll nicht sagen:
Sieh, ich bin ein dürrer Baum.
Denn so spricht der HERR:
Den Eunuchen, die meine Sabbate halten,
die wählen, was mir gefällt
und an meinem Bund festhalten,
ihnen gebe ich in meinem Haus und in meinen Mauern
Denkmal und Namen.
Das ist mehr wert als Söhne und Töchter:
Einen ewigen Namen gebe ich einem jeden,
der nicht ausgetilgt wird.
Und die Fremden, die sich dem Herrn anschließen,
um ihm zu dienen und den Namen des Herrn zu lieben,
um seine Knechte zu sein,
alle, die den Sabbat halten und ihn nicht entweihen
und die an meinem Bund festhalten,
sie werde ich zu meinem heiligen Berg bringen
und sie erfreuen in meinem Haus des Gebets.
Ihre Brandopfer und Schlachtopfer
werden Gefallen auf meinem Altar finden,
denn mein Haus
wird ein Haus des Gebetes für alle Völker genannt werden.
Kv: Die Völker sollen dir danken, o Gott,
danken sollen dir die Völker alle. – Kv
(GL 46,1)
Gott sei uns gnädig und segne uns. *
Er lasse sein Angesicht über uns leuchten,
damit man auf Erden deinen Weg erkenne, *
deine Rettung unter allen Völkern. – (Kv)
Die Nationen sollen sich freuen und jubeln, /
denn du richtest die Völker nach Recht *
und leitest die Nationen auf Erden.
Die Völker sollen dir danken, o Gott, *
danken sollen dir die Völker alle. – (Kv)
Die Erde gab ihren Ertrag. *
Gott, unser Gott, er segne uns!
Es segne uns Gott! *
Fürchten sollen ihn alle Enden der Erde. – Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder!
Euch, den Heiden, sage ich:
Gerade als Apostel der Heiden preise ich meinen Dienst,
weil ich hoffe,
die Angehörigen meines Volkes eifersüchtig zu machen
und wenigstens einige von ihnen zu retten.
Denn wenn schon ihre Zurückweisung
für die Welt Versöhnung bedeutet,
was wird dann ihre Annahme anderes sein
als Leben aus den Toten?
Denn unwiderruflich sind die Gnadengaben
und die Berufung Gottes.
Denn wie ihr einst Gott ungehorsam wart,
jetzt aber infolge ihres Ungehorsams Erbarmen gefunden habt,
so sind auch sie infolge des Erbarmens, das ihr gefunden habt,
ungehorsam geworden,
damit jetzt auch sie Erbarmen finden.
Denn Gott hat alle in den Ungehorsam eingeschlossen,
um sich aller zu erbarmen.
(Lektionare 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der jüdische Heidenmissionar Paulus (Gal 1,16) wendet sich an seine Lesergemeinde in Rom, die mehrheitlich aus dem Heidentum stammt. Er selbst ist betroffen, daß sein Volk Jesus als den Messias ablehnt, sieht aber zugleich in seiner Missionstätigkeit unter den Heiden die Chance, Angehörige seines Volkes zu interressieren "und wenigstens einige von ihnen zu retten". Denn Gott will die Heiden durch Christus erretten, aber nicht anstatt der Israeliten, sondern zusätzlich zu ihnen. Da alle - Juden und Heiden - Sünder sind, sind alle auf das Erbarmen Gottes angewiesen. Und Gott nimmt trotz der Ablehnung durch einen großen Teil des Volkes Israel seine Verheißungen nicht zurück; er will alle Menschen retten.
Paulus spielt als Jude zunächst einmal den christlichen Glaubenseifer der bekehrten fremden Völker aus gegen das Glaubensverständnis seines eigenen jüdischen Volkes. Schließlich aber findet er zum Fazit: Gleich mit welcher Vergangenheit sich jemand auf die Suche nach Gott in seinem Leben macht, am Ende zählt der Gehorsam gegenüber diesem Gott. Was bei den Propheten noch das Halten der Form war, wird bei Paulus zum Halten der Gebote.
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder!
Euch, den Heiden, sage ich:
Gerade als Apostel der Heiden preise ich meinen Dienst,
weil ich hoffe,
die Angehörigen meines Volkes eifersüchtig zu machen
und wenigstens einige von ihnen zu retten.
Denn wenn schon ihre Zurückweisung
für die Welt Versöhnung bedeutet,
was wird dann ihre Annahme anderes sein
als Leben aus den Toten?
Ist aber die Erstlingsgabe vom Teig heilig,
so ist es auch der ganze Teig;
und ist die Wurzel heilig,
so sind es auch die Zweige.
Wenn aber einige Zweige herausgebrochen wurden,
du aber als Zweig vom wilden Ölbaum
mitten unter ihnen eingepfropft wurdest
und damit Anteil erhieltest
an der kraftvollen Wurzel des edlen Ölbaums,
so rühme dich nicht gegen die anderen Zweige!
Wenn du dich aber rühmst, sollst du wissen:
Nicht du trägst die Wurzel,
sondern die Wurzel trägt dich.
Nun wirst du sagen:
Die Zweige wurden doch herausgebrochen,
damit ich eingepfropft werde.
Gewiss, wegen des Unglaubens
wurden sie herausgebrochen.
Du aber stehst durch den Glauben.
Sei daher nicht überheblich,
sondern fürchte dich!
Hat nämlich Gott die Zweige,
die von Natur zum edlen Baum gehören,
nicht verschont,
so wird er auch dich nicht verschonen.
Siehe nun die Güte Gottes und seine Strenge!
Die Strenge gegen jene, die gefallen sind,
Gottes Güte aber gegen dich,
sofern du in seiner Güte bleibst;
sonst wirst auch du herausgehauen werden.
Ebenso werden auch jene,
wenn sie nicht im Unglauben bleiben,
wieder eingepfropft werden;
denn Gott hat die Macht, sie wieder einzupfropfen.
Wenn du nämlich
aus dem von Natur wilden Ölbaum herausgehauen
und gegen die Natur
in den edlen Ölbaum eingepfropft wurdest,
dann werden erst recht sie
als die von Natur zugehörigen Zweige
ihrem eigenen Ölbaum wieder eingepfropft werden.
Denn ich will euch, Brüder und Schwestern,
nicht in Unkenntnis über dieses Geheimnis lassen,
damit ihr euch nicht selbst für klug haltet:
Verstockung liegt auf einem Teil Israels,
bis die Vollzahl der Heiden hereingekommen ist,
und so wird ganz Israel gerettet werden,
wie geschrieben steht:
Es wird kommen aus Zion der Retter,
er wird alle Gottlosigkeit von Jakob entfernen.
Und das ist der Bund, den ich für sie gestiftet habe,
wenn ich ihre Sünden hinwegnehme.
Vom Evangelium her gesehen sind sie Feinde,
und das um euretwillen;
von ihrer Erwählung her gesehen aber sind sie Geliebte,
und das um der Väter willen.
Denn unwiderruflich sind die Gnadengaben
und die Berufung Gottes.
Denn wie ihr einst Gott ungehorsam wart,
jetzt aber infolge ihres Ungehorsams Erbarmen gefunden habt,
so sind auch sie infolge des Erbarmens, das ihr gefunden habt,
ungehorsam geworden,
damit jetzt auch sie Erbarmen finden.
Denn Gott hat alle in den Ungehorsam eingeschlossen,
um sich aller zu erbarmen.
Halleluja. Halleluja.
Jesus verkündete das Evangelium vom Reich
und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:
In jener Zeit
zog sich Jesus in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück.
Und siehe, eine kanaanäische Frau aus jener Gegend kam zu ihm
und rief: Hab Erbarmen mit mir,
Herr, du Sohn Davids!
Meine Tochter wird von einem Dämon gequält.
Jesus aber gab ihr keine Antwort.Da traten seine Jünger zu ihm
und baten: Schick sie fort,
denn sie schreit hinter uns her!
Er antwortete:
Ich bin nur
zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.
Doch sie kam,
fiel vor ihm nieder
und sagte: Herr, hilf mir!
Er erwiderte:
Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen
und den kleinen Hunden vorzuwerfen.
Da entgegnete sie: Ja, Herr!
Aber selbst die kleinen Hunde
essen von den Brotkrumen,
die vom Tisch ihrer Herren fallen.
Darauf antwortete ihr Jesus:
Frau, dein Glaube ist groß.
Es soll dir geschehen, wie du willst.
Und von dieser Stunde an
war ihre Tochter geheilt.
Matthäus übernimmt die Geschichte von Mk (Mk 7,24-30) und formt sie sprachlich um, indem er auch eigene Akzente setzt. Seine Darstellung wirkt durch die direkte Rede gleich zu Beginn lebendiger. Aus dem Exorzismus ist eine Heilungsgeschichte geworden, in der der Glaube der Frau im Mittelpunkt steht.
Zwei Auslegungstraditionen ziehen sich durch die Kirchengeschichte. Zum einen wird der Text heilsgeschichtlich gedeutet, wobei die überwiegende allegorische Deutung den Text spiritualisiert. Die Hunde sind in dieser Lesart die Heiden, die Kinder stehen für Israel, der Tisch ist die heilige Schrift, das Brot das Evangelium. Zum anderen wird der Text paränetisch gedeutet, wobei das Verhalten der Frau in den Mittelpunkt gestellt wird. Ihre Demut, bzw. ihr Glaube wird als Vorbild gesehen.
Die heidnische Frau begegnet Jesus und bittet ihn um Hilfe, wobei sie ihn in jüdischer Gebetssprache anspricht. Dadurch kann sich die mt Gemeinde mit ihr identifizieren. Die Frau nennt Jesus "Davidssohn" und zeigt darin, dass sie sich an ihn, den Messias Israels, wendet. Obwohl sie um die Priorität Israels weiß, erhofft sie sich dennoch von Jesus Hilfe. Die Frau erfährt vielfache Ablehnung. Jesus schweigt, die Jünger fühlen sich belästigt, Jesus argumentiert schließlich ablehnend und stellt in einem Beispiel aus dem täglichen Leben klar, dass die Frau eigentlich keine Aussicht darauf hat, berücksichtigt zu werden. Die Frau aber lässt sich nicht abwimmeln, sondern benutzt das von Jesus gebrauchte Bild aus dem Haushalt, um deutlich zu machen, dass ihr Vertrauen auf Jesu Hilfe ungebrochen ist. Die Frau geht davon aus, dass von seiner Barmherzigkeit wenigstens ein klein wenig auch für die Heiden übrig bleiben wird. Und das würde ihr reichen. Als Jesus diesen Glauben der Frau sieht, ist er beeindruckt und die Tochter wird gesund.
Wenn in dem Beispiel ein Hund erwähnt wird, so ist mit dem Hund ein zum Haushalt gehörender Hund gemeint, nicht einer der streunenden Hunde, die negativ gesehen und verachtet wurden. Es geht in dem Beispiel um die unterschiedliche Behandlung der Kinder und der Haushunde, die in abgestufter Weise versorgt wurden. Bei Mt geht es nicht (wie bei Mk) um eine Reihenfolge, sondern um die grundsätzlich unterschiedliche Behandlung von Kindern und Hunden. Die Frau nimmt den Vergleich Jesu auf und kämpft um Jesu Barmherzigkeit.
Als Kanaanäerin war die Frau für Jesus eine Fremde, fernab seiner Religion. Die Frau aber sieht im Gottessohn ihre letzte Chance und bittet ihn um Hilfe. Diese Episode beinhaltet nun verschiedene Momente, die die Aussageabsicht des Evangelisten verstärken: zunächst das Schweigen Jesu, dann die Idee der Jünger, die Frau abzuwimmeln und schließlich die nochmalige kalte Schulter Jesu (V. 24). Mit jedem Moment, den die Frau übersteht, wird ihr Bezug zum Gottessohn größer und intensiver. Bis er schließlich das Entscheidende an der Haltung der Frau auf den Punkt bringt: Dein Glaube hat dir geholfen. In der Neusammlung des Gottesvolkes stehen nicht das Gesetz oder der Sabbat an erster Stelle, sondern der Glaube der Menschen.
Was Jesus nach Tyrus und Sidon geführt hat, darüber rätseln die Bibelfachleute. Auffällt, dass Matthäus diese Begebenheit in der Mitte seines Evangelienwerkes berichtet. Fest steht, dass eine heidnische Frau dank ihres hartnäckigen Glaubens einen Strategiewechsel seines prophetischen Wirkens auslöst und damit die Grenzen des "Hauses Israel" sprengt. Am Ende der Evangelienerzählung wird Jesus seine Jünger in die ganze Welt aussenden und ihnen zusagen, dass er mit ihnen sei "bis ans Ende der Welt".
Wow! Das hat Jesus gesagt? Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt… - Nur? Eine große Irritation breitet sich aus. Unser Jesus kann das gar nicht gesagt haben! Wir wissen doch, wie er war, wie er ist. So war er nicht! Und wenn - doch? - Die einfachste Lösung ist, ein wenig genauer hinzuschauen. Lasst uns das mal machen!
Da sind die Ortsangaben. Schon ziemlich am Anfang. Tyros und Sidon. Das ist ziemlich weit draußen, also fremde Gegend, fremdes Land, fremde Menschen. Was Jesus da zu suchen hat? Matthäus, der die Geschichte erzählt, erzählt auch nur, dass sich Jesus zurückzieht. Warum aber zieht sich ein Mensch zurück? Um Abstand zu gewinnen? Aus Neugierde? Um zur Ruhe zu kommen? Um Zweifel, auch Selbstzweifel, zu klären? Matthäus legt uns da eine feine Spur! Jesus hat sich nach Tyros und Sidon zurückgezogen, um über seinen Weg nachzudenken und sich seiner Sendung zu vergewissern. Darf ich das einfach einmal „Exerzitien“ nennen? Exerzitien in Tyros und Sidon!
Im Wörterbuch, dann sogar KI-generiert, finden wir eine kurze Beschreibung: Exerzitien (von lateinisch exercere = üben) sind geistliche Übungen im christlichen Glauben. Sie dienen der inneren Einkehr, dem Schweigen und der Begegnung mit Gott. Ziel ist es, das eigene Leben zu ordnen, Ballast abzuwerfen und neue Ausrichtung im Glauben zu finden.
Richtig auffällig ist auch, an welcher Stelle Matthäus von diesen Exerzitien erzählt. Mitten im Evangelium! Kapitel 15., 28 Kapitel sind es insgesamt. Bei Matthäus. Mitten nicht nur im Evangelium – mitten auf einem Weg, den Jesus beschritten hat! Das letzte Wort spricht der Auferstandene – ganz am Ende des Evangeliums: Gehet hin in alle Welt! Geht zu allen Völkern! Geht zu allen Menschen! Tauft. Lehrt.
Denn: ich bin bei euch, alle Tage, bis an der Welt Ende! So hat Luther das übersetzt. Und gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Bis an der Welt Ende schließt selbst die gottverlassensten Winkel ein – und gleichzeitig wird auf einem Zeitstrahl leuchtend die Hoffnung dargestellt, dass die Welt nicht untergehen kann, solange er, Christus, der Auferstandene, die Welt zusammenhält, zusammenführt und in Liebe verbindet. Den Apokalyptikern von einst und heute wird der Wind aus den Segeln genommen. „Ich bin bei euch“ ist übrigens der Name Gottes! Ich bin bei euch! Mose hat es als erster gehört – nicht schlecht, so weit zurückgehen zu können. Oder zu müssen.
Wo waren wir stehen geblieben? Jesus ist mitten auf seinem Weg. Er findet seinen Weg über die gewohnten, gewöhnlichen und erwarteten Wege hinaus! Das sind doch die ausgetretenen Latschen: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt…
Also, Exercitien in Tyros und Sidon. Mitten drin muss Jesus auf seinem Weg zurückschauen, alles Revue passieren lassen, was er gesagt und getan hat – um noch einmal neu aufzubrechen. Gestärkt. Und alles ist abgewogen!
Nun sind auch hier aller guten Dinge drei! Mensch, Matthäus, was ist dir da gelungen! Jetzt müssen wir alle gut zuhören! Wer bringt Jesus auf die neue Spur? Es ist weder von einer Offenbarung die Rede, noch davon, dass Jesus bei einem – womöglich meditativen – Spaziergang auf die springende Idee kommt. Es ist eine Begegnung! Genauer noch! Es ist eine heidnische Frau, die Jesus auf die Sprünge hilft. Entschuldigung, das hört sich sehr menschlich an – und ist es auch! Die Frau, die keinen Namen hat, also für viele Frauen steht, die sich mit ihr identifizieren können, kontert einfach. Oder: Sie nimmt Jesus bei seinem Wort - und wendet es.
Jesus sagt:
Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen
und den kleinen Hunden vorzuwerfen.
Sie sagt:
Ja, Herr!
Aber selbst die kleinen Hunde
essen von den Brotkrumen,
die vom Tisch ihrer Herren fallen.
Schon ein starkes Stück, die Frau mit dem Schimpfwort „Hund“ zu belegen! Typisch. Auch nicht ungewöhnlich. Am Ende geht es immer um Klassifikationen: Ich ein Mensch – du ein Hund. Ich der Herr – du bückst dich bitte. Das lässt sich beliebig variieren und mit neuen, anderen Schimpfbezeichnungen kombinieren oder ersetzen. Was die Frau macht, ist umwerfend: Ja, Herr! Aber dann kommt es – DAS Gegenargument, mit dem Jesus in seiner Argumentation geschlagen wird: Auch die kleinen Hunde, die kleinen Menschen, die hier leben, die Menschen, die beschimpft und ausgegrenzt werden – sie essen von dem einen Brot! Selbst, wenn es auf die Erde fällt. Es ist das eine Brot! Es wird gebrochen. Es wird geteilt. Es wird sogar mit den Hunden geteilt.
Die Frau sagt nicht viel. Sie ist die Meisterin von zwei, drei Sätzen. Aber sie zeigen Jesus – seinen Weg! Tyros und Sidon haben wir wohl schon zu lange übersehen...
Ich bin ganz fasziniert, was hier in Tyros und Sidon passiert: Jesus muss sich geschlagen geben. Von der Weisheit einer Frau, die in dieser gottlosen Gegend es doch wagt, Jesus um Hilfe anzurufen. Hilf mir, sagt sie – und dann erzählt sie ihre Geschichte. Die Geschichte von einem bösen Geist. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt: Böse Geister breiten sich überall aus. Sie haben noch nie Grenzen respektiert. Sie respektieren auch keine Wahrheit, kein Recht – und selbstverständlich auch keinen Glauben. Sie hinterlassen kaputte Biografien, egal, in welcher Sprache sie geschrieben werden. Sie hinterlassen verbrannte Erde, egal, wo einst Hoffnungen blühten.
Aber das sollen wir doch sehen! Die bösen Geister werden gebannt! In Tyros und Sidon und an vielen Stellen – und Enden – der Erde.
Jesus sagt:
Frau, dein Glaube ist groß.
Es soll dir geschehen, wie du willst.
Und von dieser Stunde an
war ihre Tochter geheilt.
Die bösen Geister fürchten nichts so sehr wie den – Glauben.
Ab jetzt müssen wir, wenn wir das Evangelium lesen, dieser Frau unseren Dank abstatten, unserem Herrn auf die Sprünge geholfen zu haben.
Weg von der eigenen kleinen Welt bis an die Ende der Erde.
Weg von historischen Befangenheiten hin zu einer Offenheit, in der der Glaube wachsen kann.
Weg von Nationalismus und Rassismus hin zu einer Gemeinschaft, in der wir alle von dem einen Brot essen.
Weg von der verstummten Hilflosigkeit hin zu dem offenen Wort, das Gott selbst bewegt.
Schade, weil wir den Namen der Frau nicht kennen, können wir ihren keinen Gedenktag widmen. Aber der 20. Sonntag im Jahreskreis – eigentlich eine langweilige Bezeichnung, finden Sie nicht auch? – könnte von uns den Namen bekommen: Tag der Exerzitien Jesu. Mal sehen, was die Oberen dazu sagen.
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Jesus wusste sich nur zu seinem jüdischen Volk gesandt. Hier gab es neben den klassischen Frommen auch viele Außenseiter:innen, die er wieder in die Mitte holte. Jesus wird aber auch schon mit Menschen außerhalb des Judentums konfrontiert, die seine heilende Botschaft und Nähe suchen. Im heutigen Evangelium ist es eine Frau mit schwerkranker Tochter außerhalb Israels, die ihn ordentlich herausfordert. Nach der Heilung ihrer Tochter wird sie wohl in den phönizischen Hafenstädten von Tyrus und Sidon die Frohe Botschaft verbreitet haben.
Für wen ist diese Evangelienstelle gedacht? Wer soll davon profitieren? In zweitausend Jahren ist die Frohe Botschaft bis an die Enden der Erde verkündet worden – nicht immer mit friedlichen Mitteln –, und so hat sich das Christentum weltweit ausgebreitet.
Wenn wir zurückgehen auf das Matthäusevangelium, aus dem wir gerade einen Abschnitt gehört haben, dann ist das gar nicht selbstverständlich. Jesus weiß sich als frommer Jude zur Sammlung der Menschen aus den versprengten zwölf Stämmen des Volkes Israel berufen, darum auch die Zahl Zwölf für die Apostel. Diese sendet er nach Kapitel 10 aus mit den Worten: „Geht nicht den Weg zu den Heiden und betretet keine Stadt der Samariter, sondern geht zu den verlorenen Schafen Israels.“ (Mt 10,5 ff.)
Nun geht aber Jesus selbst in heidnisches Gebiet, wie es im heutigen Evangelium heißt: „Er zog sich ins Gebiet von Tyrus und Sidon zurück.“ – Sogleich wird er mit einer Frau aus der Gegend und ihrer Not konfrontiert. Sie ruft: „Hab Erbarmen mit mir, Herr, Sohn Davids. Meine Tochter wird von einem Dämon gequält!“ – Jesus aber gibt ihr keine Antwort. Er ignoriert sie also vorerst. Als Fremde gehört sie sozusagen nicht zu seiner Zielgruppe. Es scheint nur logisch, dass seine Jüngerschaft ihn auffordert, die fremde und lästige Frau fortzuschicken: „Schick sie fort, denn sie schreit hinter uns her!“ (Mt 15,23).
Soweit die neue Einheitsübersetzung. In anderen Übersetzungen, z. B. auch der alten Einheitsübersetzung, sagen die Jünger zu Jesus aber nicht: „Schick sie fort“, sondern: „Befrei sie (von ihrer Sorge)“. Nach der Luther-Übersetzung sagen sie zu Jesus: „Lass sie doch gehen / Entlass sie doch“ – mit einer Fußnote: „Andere Übersetzung: Stell sie zufrieden“. Was gilt also?
Zögert Jesus selbst, wenn er ganz allgemein antwortet: „Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israels gesandt?" - Für wen ist die frohe Botschaft gedacht? Wer soll davon profitieren? Nur die eigene Bevölkerung?
Tatsächlich haben seine eigenen Leute nichts zu essen, wie es einige Verse später (Mt 15,32 ff.) heißt. Das ist im Nachkriegsisrael, das von den Römern vollkommen zerstört ist, bittere Realität, von der der Evangelist ausgeht. Eine Menschenmenge von viertausend Menschen hat sich um Jesus versammelt. Er ruft seine Jünger:innen zu sich und sagt: „Ich habe Mitleid mit diesen Menschen. Sie sind schon drei Tage bei mir und haben nichts mehr zu essen. Ich will sie nicht hungrig entlassen, sonst brechen sie auf dem Weg zusammen.“ (Mt 15,32).
Aber auch in den Hafenstädten von Tyrus und Sidon herrscht Hungersnot. Wenn es also nicht für alle reicht, wer geht vor? Regiert das Gesetz der großen Zahl gegenüber einem Einzelinteresse? Müssen die eigenen Leute auf jeden Fall zuerst satt werden?
Auch wenn wir hier und heute nicht hungern: Diese Art von politischer Debatte kommt uns vermutlich bekannt vor.
Die fremde Frau, die allen lästig wird, entscheidet die Angelegenheit nicht allgemein, aber sehr konkret für sich und für ihre Tochter. Jesus erwidert ihr: „Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und es den Hunden hinzuwerfen.“ Sie darauf: „Ja, Herr. Aber selbst die kleinen Hunde essen von den Brotkrumen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“
Sie stellt Jesu Prinzipien also nicht infrage, was uns vielleicht befremdet. Sie stimmt ihm zu: Ihr seid die Herren, ihr esst am Tisch. Ihr könnt uns Hunde nennen, und das sind wir. Wir essen von den Resten am Boden. Jederzeit können wir mit einem Fußtritt verscheucht werden.
Wir im Westen des 21. Jahrhunderts sind schockiert von dieser Weltsicht. Aber wie schaut es, zweitausend Jahre später, mit den großen Fragen von Hunger und Gerechtigkeit aus? Haben die Armen in der Welt, haben Frauen und Kinder in unserer Gesellschaft Stimme und Macht in den großen Verteilungskämpfen?
Die fremde Frau im Evangelium entscheidet nicht die Weltlage und nicht die großen Fragen der Gerechtigkeit. Nur die Reste fordert sie für sich und ihre Tochter, aber das entschieden genug. Es scheint wenig, und doch hängt alles davon ab, vor allem das Leben und die Gesundheit ihrer Tochter.
Darauf antwortet ihr Jesus: „Frau, dein Glaube ist groß. Es soll geschehen, wie du willst. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt“. Ihr festes Vertrauen hat ihn überzeugt. „Dein Wille geschehe“ – das sagt Jesus sonst nur zu seinem Vater am Ölberg…
„Befrei sie“ oder „Schick sie fort“, das ist in unserer heutigen Bibelstelle also die Alternative, für die Jünger:innen und für Jesus selbst, wie es sich hier darstellt.
Die großen Fragen der Gerechtigkeit können wir vermutlich, auch als Christinnen und Christen, nicht lösen. Vielleicht ist es wenig, was wir tun können. Aber wir können dranbleiben, wenn es uns selbst unter den Nägeln brennt, und wir können überlegen und abwägen und müssen nicht reflexartig nein sagen, wenn uns die Not anderer konkret trifft.
Wenn die fremde Frau von den Resten spricht, werden wir an die Brotwundergeschichten erinnert, von denen bei Matthäus gleich eine im selben Kapitel folgt. In der Ökonomie der Welt geht es um Hunger und Konkurrenz, in der Ökonomie des Gottesreiches aber um Teilen und Verteilung. Dann werden die „Eigenen“ satt, aber von den Brotresten werden auch noch sieben Körbe voll. Genug also für die Ausländer:innen, die „Fremden“, die „Anderen.“ Genug gegen die Dämonen des Hungers, der Angst und des Brotneides.
© Dr.in Maria Prieler-Woldan, Linz
Dieser Predigtvorschlag baut auf auf eine alternative Versauswahl zur zweiten Lesung: Die vorgesehene Leseordnung für den 20. Sonntag setzt nach einigen Versen vom Beginn des 9. Kapitels des Römerbriefs mit dem Schluss des Kapitel 11 fort. Fast drei Kapitel dazwischen werden ausgelassen. Und das, obwohl gerade dort die unauflösliche Verbundenheit der Kirche mit dem Judentum zur Sprache kommt: Ohne das Judentum können wir unseren eigenen Glauben nicht leben und verstehen; ohne Judentum als Quelle und Lebenskraft gibt es keine christliche Identität. Diese Einsicht ist noch nicht alt; sie ist eine Frucht des Konzils.
„Der Dialog und die Freundschaft mit den Kindern Israels gehören zum Leben der Jünger Jesu“ schrieb Papst Franziskus in seiner Enzyklika Evangelii gaudium. Dieses Thema knüpft an die Lesung aus dem Römerbrief an, die wir gehört haben. (Röm
Der Abschnitt kommt vielen unbekannt vor, obwohl sie seit Jahrzehnten regelmäßig am Sonntag in die Kirche gehen. Ja es ist so: Den Text der heutigen Lesung habt ihr vermutlich heute zum ersten Mal im Gottesdienst gehört.
Die kirchliche Leseordnung folgt derzeit dem Römerbrief des Apostels Paulus. Allerdings werden an diesem Sonntag fast drei Kapitel übersprungen, obwohl dieser Abschnitt ein zentraler Text über die Wertschätzung des Judentums enthält. Dass wir als Kirche erkannt haben, wie grundlegend das Judentum für unseren Glauben ist, ist vor allem eine Frucht des Zweiten Vatikanischen Konzils vor über 60 Jahren. Ich habe heute diesen Absatz als Lesung gewählt, der sonst immer ausgelassen wird.
Die Anhänger des Messias Jesus in Rom, an die Paulus um das Jahr 55 seinen Brief schreibt, sind stolz auf den neuen Weg, den sie angenommen haben. Es sind keine Juden, sondern Gläubige aus den so genannten „Völkern“, aus den „Nationen“. Diese neubekehrten Christinnen und Christen blicken mit Geringschätzung auf das alte Judentum herab: Das Judentum habe nicht erkannt, dass mit Jesus schon die neue Zeit herangebrochen sei, die Endzeit, die Verheißung des Heils. Das Judentum sei überholt, meinen sie: Wir sind die Erleuchteten, wir sind etwas Besseres…
Nein!, sagt Paulus da ganz deutlich. Paulus ist jüdischer Gelehrter. Er ist stolz darauf, ein Pharisäer zu sein und er weiß um die Heilszusagen Gottes an sein Volk: Diese sind nicht aufgehoben, nur weil Jesus gekommen ist. Wenn ihr dem, was Jesus gelebt und gelehrt hat, folgen wollt, könnt ihr den Weg nur gemeinsam mit dem Judentum gehen, ist er überzeugt. Paulus bringt dazu zwei Bilder:
Zuerst den Sauerteig. Gibt man vom Sauerteig das erste Stück beiseite, um Gott für seine Gabe zu danken, so macht das den ganzen Teig heilig. Auch wenn man dies am übrigen Teig nicht sieht, den man verarbeitet. „Ist die Erstlingsgabe vom Teig heilig, so ist es auch der ganze Teig.“
Ihr esst von der geistlichen Nahrung des Volkes Israel, meint Paulus. Auch wenn euch das vielleicht in eurer Umgebung nicht auffällt, Tatsache ist: Die ganze Offenbarung ist heilig, die Zusagen Gottes an das jüdische Volk bleiben unwiderruflich.
Das zweite Bild ist der Ölbaum. Paulus sagt: Die ihr an Christus Jesus glaubt, ihr seid wie wilde Triebe, die in einen guten Ölbaum eingepfropft worden sind. Ihr fühlt euch jung und frisch. Aber vergesst nicht, wer euch trägt und woher ihr eure Kraft bekommt: Der alte Baum trägt euch, die Wurzel des Ölbaums Israel! „Wenn du als Zweig vom wilden Ölbaum in den edlen Ölbaum eingepfropft wurdest und damit Anteil erhieltest an der Kraft seiner Wurzel, so erhebe dich nicht über die anderen Zweige. Wenn du es aber tust, sollst du wissen: Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich.“
Schauen wir uns um im Bild des Paulus: Es gibt viele gute Zweige um uns, in den wir als Kirche eingepfropft wurden. Das Judentum ist nicht nur Wurzel. Es ist lebendig und trägt Früchte. Es gibt auch noch andere Bilder, die von der Beziehung von Christen und Juden sprechen: Geschwister zum Beispiel, ja Zwillinge sogar. Oder nach einer anderen biblischen Vorlage: Kundschafter, die gemeinsam den Weg in Gelobte Land gehen.
Jeden Sonntag lesen wir einen Psalm - ein jüdisches Lied: So ist es in der Gottesdienstordnung vorgesehen. Der Psalm 67 spricht heute auch von dieser Unterscheidung zwischen dem Volk – dem jüdischen Volk – und allen anderen Völkern, den Nationen. Wir haben für die Erfüllung der alten jüdischen Verheißung gebetet: Alle Völker mögen das Heil Gottes erkennen, alle Welt mögen den Gott Israels fürchten und ehren.
Ja, unser Gott, der Vater Jesu, die Quelle der Heiligen Geistkraft, ist kein anderer als der Gott des Judentums! Wir bekennen, dass Jesus uns zur Quelle des Judentums führt. Papst Franziskus schreibt: „Als Christen können wir das Judentum nicht als eine fremde Religion ansehen.“ Ähnlich klar sagte schon zuvor in den 1980er Jahren Johannes Paul II bei seinem epochalen Besuch in der Synagoge von Rom. Alle unsere biblischen Schriften sind jüdische Schriften, die Lesungen und der Psalm verbinden uns bei jedem Gottesdienst mit dem Judentum. "Amen" und "Halleluja" sind hebräische Worte, das Vaterunser ist ein durch und durch jüdisches Gebet. Das Ewige Licht in unserer Kirche brannte schon im Tempel von Jerusalem. Wir finden es heute auch in jeder Synagoge.
Wir feiern den Gott Israels – wen sonst! Auf dass uns die Freude über dessen Nähe und Liebe erfülle: jetzt und in jedem Gottesdienst und alle Tage unseres Lebens.
© Dr. Markus Himmelbauer ist Seelsorger der Pfarre Attersee in der Diözese Linz. Von 1996 bis 2015 war er Geschäftsführer des österreichischen Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit.
Die kanaanäische Frau im Evangelium dieses Sonntags lässt sich nicht von den Jüngern abwimmeln. Sie bleibt auch Jesus gegenüber hartnäckig, bis er ihren starken Glauben sieht und über Konventionen hinweg ihre Bitte erfüllt. Können wir als Kirche heute als exquisiter elitärer Club auftreten und die vielen Fragen, die Menschen heute der Kirche stellen, unbeantwortet lassen?
Exquisit, exklusiv, elitär - das also ist die Grundidee unseres christlichen Glaubens, wie Jesus sie heute den Menschen vermittelt. Erst schicken Jesu Jünger diese Bittstellerin weg, dann legt Jesus selbst noch nach und sagt der Kanaanäerin ins Gesicht: "Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt". Topographisch lassen sich das Land Kanaan der biblischen Zeit und Israel nicht genau trennen, kulturell hingegen schon: Mit jenen aus dem Land Kanaan waren alle gemeint, die nicht dem Glauben an Jahwe folgten. Einer solchen Fremden in Not erteilt Jesus nun also erst einmal eine grobe Abfuhr: "Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den kleinen Hunden vorzuwerfen." Bei der Frau aber ist weder Enttäuschung, Entsetzen oder sonst ein negatives Gefühl zu erfahren. Sie bleibt einfach hartnäckig. Die Begegnung, von der wir gerade hörten, erinnert so ein wenig an den Umgang mit der Frau aus Samarien am Brunnen des Jakobs. Auch sie muss recht arbeiten, dass die Beziehung zu Jesus nicht abbricht.
Exquisit, exklusiv, elitär - man kann die Haltung Jesu und seiner Jünger durchaus so interpretieren. Jesus will aber eine andere Haltung deutlich machen. Wenn auch seine Jünger wohl durchaus genervt waren von der Fremden und ihrem Anliegen, hatte Jesus im Kontakt mit ihr eine andere Absicht. Wie schon der Evangelist Johannes in der Erzählung von der Frau am Jakobsbrunnen, macht der Evangelist Matthäus in dieser Erzählung klar, dass der Gottessohn nicht ausschließen sondern einladen und einbeziehen will. Zwar stellt er die Frau noch einen Moment lang auf die Probe, dann aber schaut er über alles, was die zwei trennt, hinweg und lässt sie wissen: "Dein Glaube ist groß. Es soll dir geschehen, wie du willst. - Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt." Jesus schickt sie nicht weg, er macht keine Triage, es gibt kein Ranking innerhalb derer, die Heil erleben dürfen. Wer auf das Heil Gottes setzt, darf es erfahren. Und noch eine Kleinigkeit haben wir schnell überhört, die aber wesentlich ist. Wie schon im Anfang des Matthäusevangeliums die drei Könige, so setzt die Frau ihre Hoffnungen wohl auf den Gottessohn, aber wir hören nicht, dass sie ihm weiter folgt, dass sie zu seiner Jüngerin wird. Gleich wie die drei Könige: Sie sind einfach wieder heimgekehrt.
Die Botschaft des Evangelisten Matthäus ist deutlich: Exquisit, exklusiv, elitär - das ist alles andere als ein Merkmal der christlichen Idee. Wer auf diesen Gottessohn und seine Botschaft setzt, wird nicht gefragt, woher er kommt. Und: Er wird auch nicht gefragt, wohin er will. Die Botschaft Jesu ist universal - das Wort von der Freiheit der Kinder Gottes ist wirklich ernst gemeint.
Und jetzt wird es herausfordernd. Schon Jesu Jünger haben sich damit recht schwer getan. "Schick sie fort, denn sie schreit hinter uns her!", - man kann ja verstehen, dass die von Jesus eingeforderte Flexibilität stresst. Aber der Anspruch Jesu an seine Freunde steht nicht zur Diskussion.
Dasselbe gilt für den Anspruch Jesu an seine Nachfolgegemeinschaft heute, die Kirche.
Schon der Prophet Jesaja ruft den Fremden zu: "Wahrt das Recht und übt Gerechtigkeit, denn bald kommt mein Heil und meine Gerechtigkeit wird sich bald offenbaren!". Die Erfahrung des Wirken Gottes erschloss sich zu allen Zeiten und erschließt sich bis heute zuerst einmal dann, wenn Menschen miteinander menschlich umgehen. Da spielt es eben keine Rolle, woher jemand kommt, welche religiöse Traditionen jemand mitbringt. Die Jünger Jesu und auch wir können vom Beispiel des Gottessohnes lernen: Inklusion ist keine Erfindung jüngster Generationen, sondern ein typisches Merkmal der jüdisch-christlichen Religion. - Eigentlich. Wie weit die Realität dem theoretischen Anspruch hinterherhinkt, wissen wir.
Ein kleiner Trost ist: Der Anspruch Jesu hat auch schon zu Zeiten der frühen Kirche und nicht nur heute die Menschen nervös gemacht. Der Völkerapostel Apostel Paulus hat in seiner Missionszeit vor allem versucht zu trennen: Männer von Frauen, Christen von Heiden. - Wir hören das in seinen Briefen sehr gut heraus. Man kann die Angst des Paulus und sein Streben nach klarer Ordnung ja durchaus verstehen: Die Kirche befand sich am Anfang, und was sollte aus ihr denn werden, wenn man sie einfach machen ließe. Und so ließ Paulus die Menschen wissen, was geht und was nicht.
Die paulinische Unsicherheit angesichts der Frage, was der Geist Gottes unter den Menschen anrichten könnte, ist geblieben - bis in unsere Tage. Auch heute noch sehen viele die Kirche wie an ihrem Anfang und haben große Angst, was denn wohl passieren würde, wenn man diesem unseren Gott tief vertrauen und die Kirche einfach mal laufen ließe. Viele mit Verantwortung in der Kirche schweigen, verweisen auf beschränkte Machtbefugnisse oder mangelnde dogmatische Möglichkeiten, wenn es um brennende Fragen geht, die vor allem die Umgebung unserer hiesigen Kulturen den Kirchen stellt. Fragen wie: Wie zum einen gehen wir um mit Patchworkfamilien? Zum anderen ist in denen dann auch noch oftmals die Frage nach dem kirchlichen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen zu klären? Was ist nun mit der Rolle der Frauen in der Kirche? Was ist nun mit gleichgeschlechtlich Liebenden in der Kirche?
Im Umgang mit der kanaanäischen Frau, die aus einer anderen Umgebungskultur als Jesus und seine Begleiter stammt, bringt Jesus die Situation nach Diskussion und Abwägen zu einem klaren Ende: "Dein Glaube hat dir geholfen". Und er befreit die Frau von dem, was sie belastete, nämlich die Krankheit der Tochter.
Wie würde der Gottessohn heute auf all jene reagieren, die ihn mit den vorhin genannten Fragen behelligen würden? Und wie würden dann all jene reagieren, die heute in der Rolle der Jünger von damals sind, die stetig und immer lauter rufen: "Schick sie fort?" Als Gemeinschaft in der Nachfolge Jesu Christi müssen wir uns heute ganz genauso wie die Jünger zur Zeit Jesu fragen: Können wir die brennenden Fragen der Zeit von uns weisen, die Fragenden wegschicken? Und: Worauf kommt es dann am Ende eigentlich an? Auf die sprichwörtliche Ruhe im Dom oder auf das mächtige Wirken des Heiligen Geistes, an den wir doch glauben?
Jede Gesellschaft kennt Haltungen, die für ein Funktionieren des gemeinschaftlichen Lebens nötig sind. Die abendländische Tradition nennt diese Tugenden. In den Lesungen dieses Sonntags werden uns einige christliche Tugenden ans Herz gelegt.
Die Texte dieses Sonntags erwähnen mehrmals Gerechtigkeit, Beruf, Berufung. Wir könnten noch Ausdauer dazunehmen. Dann haben wir die Leitbegriffe bzw. die Themen dieses Sonntags. Ich verstehe sie als Leitlinien auf unserer Lebensstraße, auch Leitlinien für eine funktionierende Gemeinschaft.
Die erste Lesung beginnt schon so: „Wahrt das Recht und übt Gerechtigkeit“, noch deutlicher wird das Buch Deuteronomium: Wir „sollen der Gerechtigkeit nachjagen.“ (Dtn 16,20). Diese abstrakten Begriffe können kaum für sich allein stehen, brauchen einen Kontext, der sagt, wie sie in einer bestimmten Situation zu verstehen sind. Was bedeutet für uns „Gerechtigkeit“ in unserem Alltagsleben? Das aristotelische Gerechtigkeitsprinzip sagt vereinfacht: Gleiches mit Gleichem und Ungleiches mit Ungleichem behandeln.
Es gibt verschiedene Formen der Gerechtigkeit. In unseren Tagen spielt die Verteilungsgerechtigkeit eine große Rolle. Sie soll nach statistischen Angaben in Österreich extrem ungleich sein. Die Zuteilung von Gütern muss nach Maßgabe der „Würdigkeit“, also auch der Wertschätzung und der Verdienstmöglichkeit gegeben sein. Der Gerechtigkeit „nachjagen“ heißt, in allen Lebensbereichen ständig bemüht sein, eine ausgleichende Gerechtigkeit zu finden. Gerechtigkeit zu leben, ist ein Beziehungsgeschehen und setzt Wahrheit voraus. Gerechtigkeit und Wahrheit sind Grundlagen für den Sinn unseres Lebens. Klar ist auch, dass die Gesetzesgerechtigkeit nicht die persönliche Lebenssituation immer abdecken kann, da bedarf es auch der personalen Gerechtigkeit. „Gott ist ein treuer, unbeirrbarer, gerechter und gerader Gott“, sagt das Buch Deuteronomium 32,4. Diese Gerechtigkeit sollte in unserem menschlichen Tun das Ziel sein, damit wir gerechte Menschen werden. Das braucht Orientierung.
Gott rechnet mit unserer Schwachheit, auch mit unserem Ungehorsam, daher hören wir in der zweiten Lesung: „Denn unwiderruflich sind die Gnadengaben und die Berufung Gottes“ (Röm 11,29), die Gott gewährt, weil er uns aus unserem Ungehorsam herausführen will. Wenn hier vom Ungehorsam die Rede ist, müssten wir auch das Gegenteil, den Gehorsam in den Blick nehmen. Der Begriff enthält „horchen“, zuhören, was jemand sagt und sein Verhalten danach richten. Gehorsam aus biblischer Sicht heißt auf den Willen des Vaters hören, auf die innere Stimme des Geistes, auf den Heiligen Geist in mir, der durch Schweigen zu mir spricht. Es gibt auch den Gehorsam gegenüber Institutionen: Staat, Kirche, Schule, Körperschaften, die sind notwendig, sonst funktioniert das Gesellschaftsgefüge nicht. Wie allerdings die Erfahrung lehrt, kann auch hier Manches schiefgehen. Letzte entscheidende Instanz für den Menschen ist sein Gewissen.
Das Evangelium zeigt die Schwachheit und Heilsbedürftigkeit an einer namenlosen Frau, einer Kanaanäerin, die um das Wohl ihres Kindes bangt. Um an Jesus heranzukommen, beweist sie große Ausdauer, lässt sich nicht abwimmeln: Herr, hilf mir! Zwei Dinge sind in diesem Evangelium bemerkenswert: Jesus ist als Mensch ein Lernender. Auch er hat als Mensch Umkehr nötig. Diese Umkehr zeigt sich im Mitgefühl. Die Frau belehrt Jesus durch ihren festen Glauben und ihr Vertrauen: „Es soll dir geschehen, wie du willst.“
So bekommen wir an diesem Sonntag Leitlinien für unsere Lebensstraße durch die Begriffe „Gerechtigkeit“, Berufung“, den Ruf durch den Geist, der zu uns spricht, sowie Ausdauer (auch) im Glauben. Vielleicht können Sie etwas davon für Ihre Lebensgestaltung brauchen.
In der Erzählung der Heilung der Tochter einer kanaanäischen Frau begegnet uns ein schroffer Jesus, wie wir ihn sonst nicht kennen. Dank ihrer Hartnäckigkeit erkennt Jesus ihren tiefen Glauben und revidiert offenbar sein Konzept der Verkündigung der Frohen Botschaft vom Reich Gottes, das er vermutlich zunächst nur den Juden bringen wollte.
„Von dort zog sich Jesus in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück.“ Dies ist das alte Stammesgebiet von Ascher, von dem es im Segen des Jakob schicksalhaft heißt: „Ascher, fett ist sein Brot, Königskost liefert er.“ (Gen 49,20). Als fruchtbares Land wird es beschrieben. Diese Gegebenheit wird durch die Perikope im Matthäusevangelium fortgesetzt; denn die Begegnung Jesu mit der namenlosen Kanaanäerin wird reiche Frucht bringen!
Wer von uns möchte als „Hund“, wie es im Evangelium zu hören war, beschimpft werden; so weit geht die Tierliebe von Menschen doch nicht - oder? Ich frage mich: wieso lässt sich die namenlose Frau, die noch dazu als Kanaanäerin und damit als Ungläubige ausgewiesen wird, diese Beschimpfung durch Jesus gefallen? „Es ist nicht recht, das Brot den Kindern (Israels) wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen.“
„Das Brot vor die Hunde werfen…“ Was ist das für eine Art und Weise über Brot zu sprechen, zu denken? Das erschüttert unser „Jesusbild“ gewaltig. Dies passt doch so gar nicht zu ihm, der als Sämann in vielen Gleichnissen „auftritt“.
Gehen wir ganz an den Beginn der Perikope, wo seine erste Reaktion auf die Bitte der Frau „keine Antwort“ war. Auch diese „Unhöflichkeit“ ist kaum mit dem Jesus, den wir Herrn, Bruder, Freund nennen, zu vereinbaren. Selbst seinem damaligen Freundeskreis, den Jünger, ist diese Reaktion Jesu zuwider, peinlich, sodass sie ihn anflehen, sich doch der Frau zu erbarmen. Wenn wir so das Verhalten von Jesus zu Beginn der Perikope ansehen, ist der Lernprozess für Jesus bis zum Ende des heutigen Evangeliums enorm.
Die Begebenheit, welche sicher nicht zufällig im ursprünglichen Gebiet vom Stamm Ascher stattfindet, gibt einen großartigen Einblick in eine Situation, die zum Ort des Lernens für Jesus geworden ist. Durch die Begegnungen mit den bittenden, verzweifelten, in Nöten geratenen Menschen und ihren Wünschen, ihrem Glauben hat Jesus in der persönlichen Auseinandersetzung mit ihnen den Willen Gottes erfahren: „Dein Reich komme, dein Wille geschehe…“, so hat er gelehrt, aber auch danach gelebt. In den Evangelien erfahren wir, wie er offen war für den „Willen Gottes“, den Weisungen Gottes, der Tora. Von diesem lernenden, begreifenden, erkennenden Jesus haben wir heute in der Begegnung mit der Frau gehört.
Wer ist diese Frau, die in ihrer Beharrlichkeit zur „Schule“, zu einem Ort des Lernens für Jesus wird? - Persönlichen Namen hat sie, wie viele Frauen in der Bibel, keinen. Bei Matthäus wird sie als Kanaanäerin, bei Markus als Syrophönizierin vorgestellt. Somit war damals klar, dass sie eine „Ungläubige“ war. Dazu kommt noch, dass sie im Küstengebiet von Sidon und Tyrus, welches zur Zeit Jesu Teil des Römischen Reiches (Provinz Syrien), heute Libanon, zu Hause war. Bei der Bevölkerung im Inneren Galiläas, der auch Jesus und seine Jüngergruppe angehörten, löste die Bevorzugung dieser wohlhabenden Küstenregion durch die Römer das Gefühl der Ausbeutung aus! Sie, die galiläischen Bauern, hatten auf Druck der römischen Besatzung dieses „heidnische“ Gebiet mit Getreide zu versorgen! Der Hinweis „Es ist nicht recht, das Brot den Kindern (Israels) wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen.“ ist als sozialkritische Komponente am politischen System zu sehen und verweist auf die soziale Benachteiligung einer Gruppe hin!
Stichwort Brot in dieser Perikope: Vom Brot, welches in Fülle für die 12 Stämme Israels da ist, erfahren wir in der Perikope „Die Speisung der Fünftausend“. Diese Erzählung leitet das Thema „Brot“ in diesem Kapitel im Matthäusevangelium ein. Durch die Verortung der heute gehörten Perikope in das alte Stammesgebiet von Ascher, greift Matthäus das Thema Brot noch einmal auf: „Ascher, fett ist sein Brot, Königskost liefert es.“ (Gen 49,20), so heißt es im Buch Genesis.
Und noch einmal wird ein paar Verse weiter eine Broterzählung eingefügt. Dieses Mal sind es jedoch nicht 12 Körbe, sondern „nur“ 7 Körbe, die mit den übrig gebliebenen Brotstücken gefüllt wurden. Die sogenannte „Speisung der Viertausend“ findet nun im heidnischen Gebiet, der Dekapolis statt, dort wo einst 7 heidnische Stämme sich ansiedelten. Die Reihenfolge der Perikopen ist nicht zufällig. Denn diese drei Broterzählungen „Speisung der Fünftausend – Die Erhörung der Bitte einer heidnischen Frau – Die Speisung der Viertausend“ geben so bewusst den Prozess einer „Horizonterweiterung“ wider, und wir erfahren von einem Jesus, der aus der gesellschaftlichen Peripherie herauswächst. Er wendet sich aufgrund der Beharrlichkeit einer „heidnischen“ Frau, aus seinem religiösen-ethnischen Kulturkreis nun anderen gesellschaftlichen Gruppen, wie der heidnischen Bevölkerung zu.
Auf die anfangs gestellte Frage "Wieso lässt sich die namenlose Frau, die noch dazu als Kanaanäerin ausgewiesen wird, diese Beschimpfung durch Jesus gefallen?" gibt es nun eine Antwort: Ihre Hartnäckigkeit, Beharrlichkeit, letztlich ihr Glaube hat sie die anfänglich erfahrenen „Herabwürdigungen“ überwinden lassen. Dadurch wird sie wahrgenommen, gewinnt sie Aufmerksamkeit. Und Jesus spricht ihr aufgrund ihres Glaubens zu: "Frau, dein Glaube ist groß. Es soll dir geschehen, wie du willst. Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt."
Es findet – so würde man es heute nennen – eine Inklusion statt: Nicht nur zu den verlorenen Schafen Israels fühlt sich Jesus von nun an berufen, sondern auch anderen Völkern wendet er sich mit der Botschaft vom Reich Gottes zu.
Der Schlussgedanke geht wieder zurück zum Anfang der Überlegungen: Wer möchte schon als „Hund“ bezeichnet, beschimpft werden? Es sind wir, die wir zwar nicht so bezeichnet werden wollen, aber biblisch betrachtet können wir als die Nachfolger der Heidenchristen, „die Hunde“, gesehen werden, die von den Brotresten, die vom Tisch fallen, etwas bekommen. Jesus ist auch für die "Hunde", für die Heiden da. Er wendet sich ihnen zu und holt sie in die Welt der Frohbotschaft vom Reich Gottes herein. Die „Sammlung der Völker“, die schon Abraham, dem „Vater vieler Völker“, zugesagt wurde, beginnt sich zu erfüllen.
In der Begegnung Jesu mit einer kanaanäischen Frau lernen beide voneinander und aneinander und wir von ihnen: Alle Menschen haben Wert und Würde, Gott liebt alle Menschen. Allen Menschen ist das Heil Gottes geschenkt.
In der Begegnung Jesu mit einer kanaanäischen Frau, die er zunächst abschütteln will, erkennt er ihr grenzenloses Vertrauen und lässt sie teilhaben an der grenzenlosen Barmherzigkeit Gottes.
Wie groß ist eigentlich das Volk Gottes? Wir könnten Zahlen zusammensuchen, Landkarten zusammenstellen und Geschichten zusammenlegen. Aber so richtig eindrücklich ist das alles nicht.
Es sind einzelne Geschichten, die von Wundern berichten. Da wollen uns die biblischen Texte, die wir heute zu hören bekommen, Augen und Ohren öffnen.
Fremde kommen dazu. Sie sind dann dabei, als wären sie immer schon dabei gewesen. Das erzählt uns Jesaja. Israel verliert seine Erwählung nicht. Gott bleibt seinem Bund treu. Das erzählt uns Paulus. Eine Frau bewegt Jesus, über seine Grenzen, über seine Schatten zu springen. Mit ihr kommt die ganze Welt in seinen Blick. Das erzählt uns der Evangelist Matthäus.
Das Volk Gottes ist voller Überraschungen. Wer alles dazu gehört. Wer alles dazu kommt.
Dass wir auch Volk Gottes sind, wird uns vor unseren Augen und Ohren ausgebreitet.
Unseren Herrn wollen wir anrufen.
Jesus wusste sich nur zu seinem jüdischen Volk gesandt. Hier gab es neben den klassischen Frommen auch viele Außenseiter:innen, die er wieder in die Mitte holte. Jesus wird aber auch schon mit Menschen außerhalb des Judentums konfrontiert, die seine heilende Botschaft und Nähe suchen. Im heutigen Evangelium ist es eine Frau mit schwerkranker Tochter außerhalb Israels, die ihn ordentlich herausfordert. Nach der Heilung ihrer Tochter wird sie wohl in den phönizischen Hafenstädten von Tyrus und Sidon die Frohe Botschaft verbreitet haben.
© Dr.in Maria Prieler-Woldan, Linz
Heute lädt uns der Gottessohn einmal mehr ein, ihm unser Leben anzuvertrauen - ganz und gar auf ihn zu setzen. Ohne Wenn und Aber. Sein Versprechen, seine Zusage: Mit ihm haben wir wirklich richtig gesetzt. Aber: Gelingt uns das - stehen wir uns nicht oft genug selbst im Weg?
Gottes Nähe zu suchen, Gottes Heil zu erhoffen und Gottes Liebe zu erfahren - dazu sind alle Menschen berufen. Die Hautfarbe oder die Zugehörigkeit zu einem Volk, spielen da keine Rolle. Das müssen wir Menschen immer wieder neu begreifen.
Öffnen wir uns Gott, dem Vater aller Menschen, öffnen wir uns Jesus, der allen die Liebe Gottes brachte, öffnen wir uns dem Heiligen Geist, der alle in Liebe vereint.
Bitten wir um das Erbarmen des dreifaltigen Gottes:
Herr,
wir wägen immer wieder ab,
wer zu uns gehört, wen wir mögen,
wer uns doch vom Leibe bleiben möge.
Herr, erbarme dich.
Christus,
in der Begegnung mit einer fremden Frau
ist dir deine Sendung bewusst geworden.
Wo Enge war, weitet sich die Welt.
Christus, erbarme dich.
Herr,
du schickst uns in die Welt.
Du lässt uns in entfernte Ecken schauen
und in entlegenen Winkeln bist du auch da.
Herr, erbarme dich.
Die Nationen sollen sich freuen und jubeln, /
denn du richtest die Völker nach Recht *
und leitest die Nationen auf Erden.
Die Völker sollen dir danken, o Gott, *
danken sollen dir die Völker alle.
(Ps. 67)
Ehre sei Gott in der Höhe!
Jesus Christus,
wer auf dich setzt, geht den richtigen Weg.
Herr, erbarme dich.
Du zeigst Wege auf, die wirklich zum Heil führen.
Christus, erbarme dich.
Du machst uns Mut.
Herr, erbarme dich
Herr, Jesus Christus,
Heil verkündend bis du zu uns gekommen.
Herr, erbarme dich.
Die Liebe und Gerechtigkeit des Vaters hast du offenbart.
Christus, erbarme dich.
Der Barmherzigkeit des Vaters hast du vertraut bis in den Tod.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du bist für alle Menschen Mensch geworden.
Herr, erbarme Dich.
Jeder darf dir nachfolgen.
Christus, erbarme dich.
Du erbarmst dich aller.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
du bist gekommen, um das Volk Gottes zu den Quellen des Lebens zu führen.
Herr, erbarme dich.
Du bist gekommen, um allen Menschen die Liebe des Vaters zu offenbaren.
Christus, erbarme dich.
Du bist gekommen, um alle, die auf dich ihr Vertrauen setzen, in das Volk Gottes einzugliedern.
Herr, erbarme dich.
Barmherziger Gott,
was kein Auge geschaut und kein Ohr gehört hat,
das hast du denen bereitet, die dich lieben.
Gib uns ein Herz,
das dich in allem und über alles liebt,
damit wir den Reichtum deiner Verheißungen erlangen,
der alles übersteigt, was wir ersehnen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 20. Sonntag im Jahreskreis
Gott, du Beschützer aller, die auf dich hoffen,
ohne dich ist nichts gesund und nichts heilig.
Führe uns in deinem Erbarmen den rechten Weg
und hilf uns,
die vergänglichen Güter so zu gebrauchen,
daß wir die ewigen nicht verlieren.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 17. Sonntag im Jahreskreis
Gott, unser Vater,
du hast uns durch deinen Sohn erlöst
und als deine geliebten Kinder angenommen.
Sieh voll Güte auf alle, die an Christus glauben,
und schenke ihnen die wahre Freiheit
und das ewige Erbe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 5. Sonntag der Osterzeit
MB 23. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott, sieh gnädig auf alle,
die du in deinen Dienst gerufen hast.
Mach uns stark im Glauben,
in der Hoffnung und in der Liebe,
damit wir immer wachsam sind
und auf dem Weg deiner Gebote bleiben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 16. Sonntag im Jahreskreis
Aus allen Nationen, Herr, unser Gott,
sammelst du dir ein Volk.
Mach uns bereit,
Mauern einzureißen, die Menschen trennen,
und schenke uns deine Liebe, die alle eint.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und herrscht jetzt und in Ewigkeit.
WB 20. Sonntag, Jahreskreis A
In diesen Sommertagen
begegnen uns,
Gott, Vater und Mutter aller Menschen,
Touristen, Einheimische und Fremde.
An vielen Orten sind auch wir nicht zu Hause.
Viele Gesichter, Kleidungsstücke und Sprachen umgeben uns.
Schenke uns Hände, die reden können,
und Ohren, die verstehen.
Und ein Lächeln, das Frieden stiftet.
In unserem Herrn Jesus,
der uns an seiner Sendung Anteil gibt.
Deine Liebe erobert die Welt.
In der Kraft deines Geistes.
Für alle Zeiten. – Amen.
Guter Gott,
von allen Enden der Erde, aus allen Lebensweisen,
aus allen Gesinnungen, aus allen Situationen unseres Daseins
rufst du uns in deine Nachfolge.
Wenn wir auf dich setzen, dann lässt du uns nicht allein,
dann bist du der Gott unseres Lebens.
Dafür danken wir durch deinen Sohn,
der dich, o Gott, als Mensch bezeugt hat,
in der Kraft des Heiligen Geistes, der uns eint,
von heute bis in alle Ewigkeit. – Amen.
Vater aller Menschen,
wir kommen zu dir aus der Verlorenheit unseres Alltags.
Bei dir suchen wir Trost und Halt.
Allen Menschen kommst du mit deiner Menschenfreundlichkeit entgegen.
Hilf uns auf dem Weg durch die kommende Woche,
diese Menschenfreundlichkeit zu leben
und schenke der Welt ein friedvolles Miteinander,
hier und in der ganzen Welt.
Das erbitten wir durch deinen Sohn, Jesus Christus,
unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Barmherziger Gott,
was kein Auge geschaut und kein Ohr gehört hat,
das hast du denen bereitet, die dich lieben.
Gib uns ein Herz, das dich in allem und über alles liebt.
Erfülle an uns deine Verheißungen,
die alles übertreffen, was wir ersehnen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
(Im Messbuch vorgesehen, in der Fassung des Revisionsentwurfs, aus: Studien und Entwürfe zur Messfeier, Texte der Studienkommission für die Messliturgie und das Messbuch, hrsg. von Eduard Nagel in Verbindung mit Roland Bachleitner, Freiburg i.Br. 1995.)
Gott, du Vater aller Menschen - aber auch wirklich aller Menschen,
Du Vater der Ausländer,
Du Vater der Gescheiterten,
du Vater derer, die an den Rand gedrängt werden,
dein Wort lasse uns wachsen in der Liebe zu allen.
Dein Wort mache uns fähig, die Würde aller anzuerkennen. - Amen.
(In den Fürbitten ist von Dietrich Bonhoeffer das Gedicht „Christen und Heiden“ eingeflochten:
https://www.dietrich-bonhoeffer.net/zitat/451-menschen-gehen-zu-gott-in-i/)
Im Evangelium begegnet uns eine Frau, die mutig und verwegen für ihre Tochter kämpft und dabei selbst Jesus über sich hinauswachsen lässt. Sie ist nur eine Fremde. Eine Gottlose. Wir bewundern, wie das Volk Gottes wächst.
Viele Menschen rufen und warten vergebens.
Erst gehen sie in den Medien unter, dann verlieren sich ihre Spuren.
Menschen gehen zu Gott in ihrer Not, flehen um Hilfe,
bitten um Glück und Brot um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod.
So tun sie alle, alle, Christen und Heiden.
Viele Menschen, viele Institutionen gehen in Krisengebiete,
bringen Hilfe, berichten von Not und Elend.
Menschen gehen zu Gott in Seiner Not,
finden ihn arm, geschmäht, ohne Obdach und Brot,
sehen ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod.
Christen stehen bei Gott in Seinen Leiden.
Viele Menschen machen sich zu Anwälten der Schwachen,
den Verstummten geben sie ein Gesicht,
sie treten für die ein, die übersehen werden.
Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not,
sättigt den Leib und die Seele mit Seinem Brot,
stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod,
und vergibt ihnen beiden.
So mancher Ort ist zum Niemandsland geworden,
vermint, versandet, abgebrannt.
So manche Hoffnung hat sich in Luft aufgelöst,
enttäuscht und verbittert.
Herr,
schenke uns den Glauben,
der dich selbst überwindet.
Guter Gott,
wir denken an die vielen Menschen, die nicht in Ruhe, Frieden und Freiheit leben können, und nicht das Nötigste haben, weil ihr Land vom Krieg betroffen ist: Menschen in der Ukraine und Russland, in Israel und Gaza, im Iran und Libanon und in vielen anderen Gebieten der Welt.
Wie die kanaanäische Frau rufen wir: Herr, hilf uns!
Wir denken an die unzähligen Menschen auf der Flucht: vor Krieg, Gewalt, Klimakatastrophen. Eltern, die ihre Kinder nicht ernähren und zur Schule schicken können. Frauen, die sich ständig vor Vergewaltigung in Acht nehmen müssen. Jugendliche, die in Lagern hinter Zäunen aufwachsen.
Wir denken an die verwüstete Erde: durch Kriegsfahrzeuge, durch Minen, durch Niederbrennen der Ernte. An die verwüstete Kultur: Häuser, Krankenhäuser, Bibliotheken in Schutt und Asche, und an die verwüsteten Herzen und Seelen der Menschen.
Wir denken auch an unsere persönlichen Anliegen und vertrauen sie dir an.
Stille…
So rufen wir zu Dir, guter Gott, durch Christus, unseren Herrn und Bruder und in der Kraft des Heiligen Geistes. - Amen.
© Dr.in Maria Prieler-Woldan, Linz
Guter Gott,
du schickst uns nicht fort. Bei dir dürfen wir ankommen mit dem, was auf unseren Herzen brennt.
So rufen wir zu dir und bitten dich:
Wir beten für alle Schülerinnen, Schüler, Lernende und Studierende, die sich in den kommenden Tagen und Wochen im neuen Schuljahr, Lehrjahr oder Studienjahr zurechtfinden müssen:
Schenke ihnen Geduld und Offenheit für alles Neue.
Wir beten für alle, die sich in wenigen Wochen als Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Weltsynode auf den Weg nach Rom machen:
Öffne ihre Herzen, Augen und Ohren für die vielen unterschiedlichen Weisen, wie der Glaube in aller Welt gelebt wird.
Wir beten für all jene, deren Rufen, Klagen und Hoffen in der Kirche ungehört bleibt, wenn es um Missstände in unserer Kirche geht.
Lass sie dran bleiben, weil der Glaube hilft.
Wir beten für alle, die in ihrem Denken und Handeln lieber trennen und differenzieren statt versöhnen und einen:
Schenke ihnen die Bereitschaft, darauf zu vertrauen, dass du stets grösser bist als all unser Planen und Kalkül.
Wir beten für all jene, die ihren irdischen Lebensweg beendet und erlöst eingegangen sind in deine Herrlichkeit:
Vergilt ihnen allen Einsatz für das Gute und mache ganz, was in ihrem Leben Bruchstück geblieben ist.
Barmherziger Gott,
im Glauben daran, dass du es bist, der am Ende alles zum Guten fügt, vertrauen wir dir unsere Bitten an;
durch Christus, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
In der Hoffnung auf eine Welt, in der alle ohne Unterschied in Frieden zusammenleben, lasst uns gemeinsam zu Gott, unserem Vater, beten, dessen Erbarmen allen gilt:
Für Papst Franziskus und seiner Vision von einer Kirche, die ausnahmslos allen Menschen offensteht.
Für die Menschen in unseren südlichen Bundesländern und den ebenso betroffenen Nachbarregionen, die durch Überschwemmungen und Muren vor den Trümmern ihrer Existenz stehen und der Unterstützung vieler bedürfen.
Für Menschen in unserer Gesellschaft, die Mut zum Brückenbauen fördern und fordern.
Für Offenheit im Umgang mit jenen, die vor allem Fremden und Unvorhersehbaren Angst haben, und für jene, die je nach Erfordernis der Situation außerhalb aller Regeln handeln.
Für unsere Verstorbenen, für die wir dich bitten, dass sie durch deine grenzenlose Lieben ihr Heil erlangen.
Weil wir alle, so verschieden wir auch sind, uns in deiner Liebe geborgen wissen dürfen, loben wir dich und danken dir jetzt und allezeit. - Amen.
Guter Gott,
du wendest Dich allen Menschen zu.
Voll Vertrauen bitten wir dich:
Für alle Menschen, die sich ohne Ansehen der Person um notleidende Mitmenschen kümmern.
Für alle Menschen, die sich ausgegrenzt fühlen, weil sie anders sind.
Für alle Menschen, die die Kirchen verlassen, weil sie sich nicht mehr zu Hause fühlen können.
Für alle Menschen, die niemanden haben, der ihnen zur Seite steht.
Für alle Menschen, die sich um die Ökumene und die Einheit der Kirchen bemühen.
Für alle Menschen, die durch die Ablehnung der anderen verletzt werden.
Für alle Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen, weil sie dort keine Zukunft sehen.
Für uns alle, dass wir erkennen, das Deine Liebe allen Menschen gilt.
Für unsere Verstorbenen.
Guter Gott,
du hast deinen Sohn in die Welt geschickt, damit alle Menschen deine Botschaft hören. Lass uns gemeinsam am Himmelreich bauen.
Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. - Amen.
Gott, unser Vater!
Auf unseren Wegen müssen wir manchmal Grenzen überschreiten.
Dabei begleitet uns oft auch Angst vor dem Neuen und Unsicherheit.
Um deine Hilfe bitten wir:
Dein Blick umfängt alle Menschen.
Öffne den Blick deiner Kirche auch auf jene, die ihren Lebensweg nicht mit Christus gehen können.
Das weltweit verbreitete Coronavirus sprengt alle nationalen und gesellschaftspolitischen Grenzen.
Hilf unserer Menschheitsfamilie gegenseitig in dieser Not Verantwortung zu übernehmen.
Grenzerfahrungen gehören zu jedem menschlichen Leben.
Lehre uns daran zu reifen anstatt zu resignieren.
Du stärkst uns mit deinem Wort, deinem Brot und deinem Segen.
Mach uns bereit, deine Gaben mit anderen zu teilen.
Du willst, dass alle Menschen Freude an dem von dir geschenkten Leben haben.
Führe uns und alle unsere Verstorbenen zur ewigen Freude bei dir.
Gott, in deiner Menschwerdung hast du alle nur denkbaren Grenzen überschritten.
Dass auch wir niemanden ausgrenzen, erbitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn und Bruder. - Amen.
Herr Jesus Christus,
du schenkst Heil und Heilung, ohne Ausnahme, ohne Ansehen der Person.
Wir bitten dich:
Für Menschen, die fremd sind oder sich fremd fühlen,
dass sie ihren Wert und ihre Würde erkennen.
Für Menschen, die sich ungeliebt fühlen,
dass sie nicht verzweifeln, sondern deine Liebe durch Mitmenschen erfahren.
Das Leben vieler Menschen wird durch Krieg, Terror und Gewalt beschädigt.
Hilf Frieden schaffen in allen Ländern der Erde und in allen Familien.
Schenke Erbarmen denen, die sich deiner Liebe verschließen und deren Glauben klein ist.
Hilf allen Menschen einander nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung zu entdecken.
Steh denen bei, deren Leben durch ungerechtet Vorurteile eingeschränkt ist.
Bekehre die Herzen derer, die Ausländer oder Andersdenkende an den Rand drängen und verachten.
Darum bitten wir dich, der du in der Einheit des Heiligen Geistes, mit Gott, dem Vater lebst und herrschest in alle Ewigkeit. - Amen.
Herr,
wir bringen unsere Gaben dar für die Feier,
in der sich ein heiliger Tausch vollzieht.
Nimm sie in Gnaden an
und schenke uns dich selbst
in deinem Sohn Jesus Christus,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 20. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
sieh auf die Gaben,
die deine Gemeinde zum Altar bringt.
Heilige uns in dieser Feier
und gewähre, was wir von dir erbitten.
Durch Christus, unseren Herrn.
MB 1. Woche im Jahreskreis
Herr,
nimm die Gebete und Gaben deiner Kirche an;
und was jeder einzelne zur Ehre deines Namens darbringt,
das werde allen zum Heil.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 24. Sonntag im Jahreskreis
Heiliger Gott,
diese Gabe werde zum reinen Opfer,
das deinen Namen groß macht unter den Völkern.
Für uns aber werde sie zum Sakrament,
das uns die Fülle deines Erbarmens schenkt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 31. Sonntag im Jahreskreis
Brot haben wir auf den Tisch gelegt,
zu ihm den Becher mit Wein gestellt.
Wie du gesagt hast:
Zu deinem Gedächtnis.
Brich uns das Brot,
teile mit uns den Kelch,
dann geht dein Wort in Erfüllung:
Esst, dies ist mein Leib,
trinkt, dies ist mein Blut.
Bist du kommst, danken wir dir.
Du bist der Weinstock, wir die Reben.
Wie Jesus es uns gesagt hat.
Mit ihm sind wir verbunden.
In Ewigkeit.
Gütiger Gott,
der Tisch ist gedeckt mit den Gaben,
die die Gegenwart deines Sohnes bezeichnen.
Wenn wir an ihn glauben, durch ihn hoffen
und wie er lieben, können wir nicht irren.
In dieser Gemeinschaft am Altar stärkst du uns dazu.
Dafür danken wir dir durch ihn, Christus, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Kehrvers:
Jubelt dem Herrn, alle Lande,
Halleluja, preist unsern Gott.
(GL 643,3)
Guter und barmherziger Gott,
wir sind zusammengekommen, um dir zu danken und dich zu loben.
Von dir kommt das Heil für alle Menschen
und du offenbarst deine Gerechtigkeit allen, die dich suchen.
Kehrvers
Unwiderruflich hast du deinem Volk Gnade und Berufung gewährt.
Du hast ihm deine Weisheit geoffenbart
und ihm durch deinen Bund und durch dein Gesetz den Weg zum Leben gewiesen.
Kehrvers
Du hast deinen Sohn zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt,
dass er sie zurückführe zu den Quellen des Lebens
und sie mit dem Brot stärke,
das für die Kinder deines Volkes bestimmt war.
Kehrvers
Er hat Erbarmen gehabt mit allen, die auf ihn ihre Hoffnung setzten,
und ihnen gegeben, was sie zum Leben brauchten.
Allen, die an ihn glauben, hat er die Macht gegeben,
Kinder Gottes zu werden durch die Wiedergeburt in der Taufe.
Kehrvers
So sind auch wir zum himmlischen Gastmahl geladen
und essen auch wir vom Tisch, den du denen deckst,
die auf dich hören und ihr Leben nach deinem Willen ausrichten.
Kehrvers
Dafür danken wir dir und loben wir dich.
Wir stimmen ein den in den Lobgesang der ganzen Schöpfung
und singen mit allen Engeln und heiligen.
Danklied, z.B. Nun danket alle Gott (GL 405) oder GL 403
Wir danken dir, treuer und barmherziger Vater,
für Jesus, deinen Sohn unseren Herrn und Bruder.
Seine Liebe galt den Armen und Kranken,
den Ausgestoßenen und Sündern.
An keiner Not ging er vorüber.
Sein Leben und seine Botschaft lehren uns,
daß du ein Gott bist, der sich der Menschen annimmt
wie ein Vater sich um seine Kinder sorgt.
Darum loben und preisen wir dich,
wir rühmen deine Güte und Treue
und verkünden mit allen Engeln und Heiligen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 3
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn wir erkennen deine Herrlichkeit in dem,
was du an uns getan hast:
Du bist uns mit der Macht deiner Gottheit
zu Hilfe gekommen und
hast uns durch deinen menschgewordenen Sohn
Rettung und Heil gebracht
aus unserer menschlichen Sterblichkeit.
So kam uns aus unserer Vergänglichkeit
das unvergängliche Leben
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir jetzt und in Ewigkeit
dein Erbarmen und singen mit den
Chören der Engel das Lob
deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 3
Jesus verkündete das Evangelium vom Reich
und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.
(Mt 4,23b)
Oder:
Dein Glaube ist groß.
Es soll geschehen, wie du willst.
(Mt 15,28)
Oder:
So sehr hat Gott die Welt geliebt,
daß er seinen einzigen Sohn hingab,
damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht,
sondern das ewige Leben hat.
(Joh 3,16)
Geheimnisvoller Gott
du willst, dass alle Menschen heil werden
und an deiner Fülle teilhaben.
Nimm von uns Misstrauen und Zweifel
und verwandle uns
in Glaubende und Vertrauende.
Verborgener Gott
du willst, dass alle dich kennen
und deine Gerechtigkeit offenbar wird.
Nimm von uns Misstrauen und Zweifel
und verwandle uns
in Glaubende und Vertrauende.
Unbegreiflicher Gott
du willst, dass alle an deine Gegenwart glauben
und deine liebevolle Zuwendung spüren.
Nimm von uns Misstrauen und Zweifel
und verwandle uns
in Glaubende und Vertrauende.
Barmherziger Gott,
im heiligen Mahl
schenkst du uns Anteil am Leben deines Sohnes.
Durch dieses Sakrament
mache uns auf Erden Christus ähnlich
und lass uns im Himmel zur vollen Gemeinschaft mit ihm gelangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.
MB 20. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
schenke uns durch dieses Sakrament
die Fülle deines Erbarmens
und mache uns heil.
Gewähre uns deine Hilfe,
damit wir so vor dir leben können,
wie es dir gefällt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 21. Sonntag im Jahreskreis
Barmherziger Gott,
das Sakrament der Erlösung,
das wir empfangen haben,
nähre uns auf dem Weg zu dir
und schenke dem wahren Glauben
beständiges Wachstum.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 4. Sonntag im Jahreskreis
Gütiger Gott,
die heilige Speise, die wir empfangen haben,
durchdringe uns mit ihrer Kraft.
Sie vertiefe unseren Glauben,
mache stark unsere Hoffnung
und entzünde unsere Herzen zu Werken der Liebe.
Lass das göttliche Leben, das du uns geschenkt hast,
sich entfalten und Frucht bringen für das ewige Leben.
Darum bitten wir…
MB Schlussgebete zur Auswahl 10
Herr, unser Gott,
in deinem Wort und Sakrament
gibst du uns Nahrung und Leben.
Laß uns durch diese großen Gaben
in der Liebe wachsen
und zur ewigen Gemeinschaft
mit deinem Sohn gelangen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 23. Sonntag im Jahreskreis
Gott,
wenn du uns die Menschen zeigst, die du liebst,
verändern sich unsere Blicke,
verwandeln sich Vorurteile,
leuchten Gesichter.
Das erbitten wir von dir.
Dann wächst uns eine neue Woche zu,
Begegnungen, die glücklich machen,
Träume, die in Erfüllung gehen,
Sorgen, die klein werden.
Wenn wir hetzen, schenke uns Ruhe,
wenn wir gehetzt werden, Gelassenheit.
Um deinen Segen bitten wir dich für alle Menschen.
Du kennst ihre Namen,
du teilst ihre Geschichten.
In Christus, der unser Bruder geworden ist. – Amen.
Guter Gott,
du hast uns die frohe Botschaft verkündet und uns an deinem Tisch versammelt.
Lass uns in Frieden leben. Lass uns teilen, was wir sind und haben.
Lass uns an Frieden und Gerechtigkeit glauben und uns dafür einsetzen. – Amen.
© Dr.in Maria Prieler-Woldan, Linz
Barmherziger Gott,
du hast uns gerufen, dein Wort zu hören
und deine Gegenwart zu feiern.
Du hast unseren Glauben genährt und uns Hoffnung gegeben.
Nun sendest du uns hinaus in die Welt,
dass wir den Menschen in Wort und Tat
deine heilende Gegenwart bezeugen.
Begleite uns dazu mit deinem Segen.
So bitten wir durch Christus, unseren Herrn. – Amen.
Vater im Himmel,
bei dir dürfen wir uns geborgen fühlen.
Jeder und jede von uns ist dir wertvoll und kostbar.
Du kennst uns bei unseren Namen
und beschenkst uns mit deinen Gnadengaben.
Dafür danken wir dir und loben dich,
jetzt und bis in deine Unendlichkeit. – Amen.
Gott, du Vater aller Menschen,
du sendest uns aus zu den Mitmenschen.
Alle sollen deine Liebe erfahren.
Segne uns und lass mache unser Herz immer weiter
für die Fremden,
für die, die wir nicht kennen.
So werden wir Zeugen deiner Liebe,
die du allen Völkern und Nationen schenken willst. - Amen.
wenn ihr
mich
GOTT
ruft
wenn ihr mich
sucht
ihr Menschen aller Völker
Menschen aller Nationen
ja
dann erfahrt
ICH
bin schon da
auf dem Weg eures Lebens
denn ich bin der Gott mit euch
der Gott aller
ICH
das Alpha und das Omega
der nahe
und doch unfassbare
GOTT
Beatrix Senft
Erst einmal schockierend, dieses Evangelium: Jesus will der Frau nicht helfen, weil sie keine Jüdin ist. Erst im Gespräch erkennt er, dass auch sie dennoch ein Mensch ist, dem geholfen werden muss, und dass sie gläubig ist, auch ohne jüdisch zu sein.
In dem Buch »Wie Jesus glauben lernte« führt Willi Bruners aus, dass auch Jesus zunächst in einem engen jüdischen Kontext angefangen hat. Das allumfassende der Gottesbotschaft ist auch ihm erst nach und nach bewusst geworden. Das macht den Menschen Jesus so sympathisch und glaubwürdig. Ganz Mensch musste er auch erst lernen, die gesamte Botschaft zu begreifen.
Bei Jesaja war bereits klar: jeder und jede, der oder die glaubt, jeder und jede, der oder die den Sabbat hält, gehört zu Gottes Reich. Jesus lernt nun: auch Nichtjuden sind willkommen. Er lernt es, weil die Frau mit ihm in den Disput geht. Sie lässt sich nicht abspeisen. Und er ist - und nur dann kann man lernen - ihren Argumenten gegenüber offen und lässt sich überzeugen. Es geht jetzt nicht mehr darum, sich an Gesetze zu halten: es geht um den Glauben. Jeder, der glaubt, gehört dazu. Formalien interessieren nicht mehr. Die Apostel werden sich später uneins sein, ob Heiden nicht wenigstens zunächst beschnitten werden müssen. Einfach zum Judentum konvertieren geht ja nicht. Aber es wird immer wieder klar: Gott hat seinen Sohn zu allen Menschen gesandt.
Uns, die wir heute auch aus den Evangelien zu leben versuchen, sollte dieses Evangelium aufrütteln: Alle sind eingeladen in Gottes Himmelreich, niemand wird ausgeschlossen. – Wer also sind wir, dass wir die Menschen einteilen und sortieren? Einteilungen in „richtige“ und „falsche“ Kirchen, wie wir sie manchmal vornehmen, sind nicht von Belang. Es interessiert nicht die Konfession, der ich angehöre. Es ist egal, ob ich überhaupt einer Kirche angehöre. Es kommt drauf an, wer ich bin, wie ich lebe, was ich glaube oder vielleicht glauben lernen kann: Gott wendet sich allen Menschen zu. Wenn wir das verinnerlichen, sind viele Konflikte schon mit der Wurzel ausgerissen: Wenn wir alle geliebte Kinder Gottes sind, dann sollten wir einander in Liebe zugewandt sein. Wir brauchen uns nicht zu bekämpfen. Wir gehören zusammen.
Beatrix Senft
Die Geschichte [Mt 15,21-28 par] ist in vieler Hinsicht bemerkenswert und rätselhaft zugleich. Gerade deshalb gehört sie zum »Urgestein« des Neuen Testaments, ist nicht nur theologische Reflexion, sondern auch Biographie Jesu.
Durch die namenlose Frau lernt Jesus: Er ist nicht nur für die verlorenen Schafe des Hauses Israel da! Die Sammlung aller Völker beginnt. Insofern hat die Frau für ihn eine Botschaft, die ihm in der Begegnung mit ihr gegeben wird und die er vorher so nicht sah. Und er versteht sie: Er ist auch für die »Hunde« (die Heiden) da.
Das Matthäusevangelium deutet in dieser Lernlinie eine Steigerung an. Schon einmal, in Kafarnaum, war er einem Heiden begegnet, einem römischen Hauptmann, der ihn um Rettung seines kranken Dieners gebeten hatte. Nach Lukas, der die Geschichte aus der gleichen Überlieferungsquelle kennt, schickt der Hauptmann einige jüdische Älteste zu Jesus mit der Bitte, zu kommen und den Diener zu retten. Die Ältesten sagten Jesus: „Er verdient es, daß du seine Bitte erfüllst; denn er liebt unser Volk und hat uns die Synagoge gebaut" (Lk 7,5) - ein Sympathisant Israels also, aber doch offensichtlich (noch) kein Jude. Der Hauptmann weiß, daß sich ein frommer Jude durch das Betreten eines heidnischen Hauses unrein macht. Also bittet er Jesus nur um ein Wort, „dann wird mein Diener gesund" (Mt 8,8). Auch hier am Ende das Erstaunen Jesu: „Einen solchen Glauben habe ich in Israel noch bei niemand gefunden" (Mt 8,10).
Eine heidnische Frau, ein römischer Soldat - durch sie lernt Jesus eine neue Perspektive seiner Sendung zu den Menschen - so jedenfalls zeichnen es die Evangelisten. Zu einer großen »Heidenmission« hat sich Jesus allerdings auch durch diese Begegnungen nicht bewegen lassen.
Im Hintergrund taucht Jona auf, der nach 4 Kön 14,25 aus Gat-Hefer stammt, in dessen Nähe später Nazaret erbaut wird. Das Buch Jona wird (wahrscheinlich nach dem babylonischen Exil) gegen religiösen Partikularismus geschrieben: Gott erbarmt sich, weil sie Buße in Sack und Asche tun, auch der heidnischen Stadt Ninive und ihrer Bewohner — und erweckt damit den Unwillen des Hebräers Jona Schon die Sendung dorthin empfindet Jona als Zumutung und flieht „weit weg vom Herrn“ (Jona 1,3). Nachdem ihm dies mißlingt, erhofft er sich den Untergang für die Stadt. Aber auch dabei wird er eines Besseren belehrt. Als Gott den Glauben und die Umkehr der Leute von Ninive sieht, „da reute Gott das Unheil, das er ihnen angedroht hatte, und er führte die Drohung nicht aus“ (Jona 3,10). Jona bekehrt sich nicht. Gott verändert dagegen sein geplantes Verhalten und erbarmt sich der Heiden.
Vielleicht hat Jesus an seinen Landsmann Jona gedacht, als er den Glauben der Frau sah, die nicht locker ließ. Vielleicht erinnerte er sich an Jonas schlechtes und Gottes gutes Verhalten - und fiel nicht in Jonas Fehler, sondern ahmte Gott nach und lernte, den eigenen inneren Partikularismus zu überwinden. Zumindest den Evangelisten Matthäus und Lukas und ihrer Überlieferung waren der Prophet Jona und die Bekehrung der Leute von Ninive gegenwärtig. Das zeigt sich in einer recht deutlichen Antwort Jesu an einige Schriftgelehrten und Pharisäer, die ein Zeichen von ihm sehen wollen (vgl. Mt 12,38 - 41 par Lk 11,29-32).
Die Bekehrung Jesu zur heidnischen Frau, sein Lernprozeß hat Folgen. Noch einmal erzählt der Markusevangelist von einer Brotvermehrung, der zweiten. Nach der für Jesus lehrreichen Begegnung verläßt er das Gebiet von Tyrus wieder „und kam über Sidon an den See von Galiläa, mitten in das Gebiet der Dekapolis“ (Mk 7,31). Er geht also nicht nach Kafarnaum zurück ans galiläische Westufer, er wendet sich dem Ostufer zu, dem größtenteils heidnischen Gebiet (wenn auch mit jüdischen „Neusiedlern" seit der Hasmonäerzeit). In diesem Gebiet der Heiden kommt es zu einer zweiten Speisung vieler Menschen. Manche Bibelwissenschaftler halten diese „Speisung der Viertausend für eine Doublette der ersten Speisung, um den Wundertäter noch stärker hervorzuheben: Jesus kann nicht nur einmal das Brotwunder wirken, er kann es gleich zweimal. Doch spätestens der Schluß der Erzählung läßt aufhorchen: „Dann sammelte man die übriggebliebenen Brotstücke ein, sieben Körbe voll“ (Mk 8,8). Bei der ersten Brotvermehrung sind es zwölf Körbe, jetzt sammelt man sieben Körbe.
Nach alter Überlieferung siedelten im Gebiet der Dekapolis sieben heidnische Stämme, so daß sich die sieben Körbe auf diese Heidenvölker beziehen. Wie Jesus das Zwölfstämme-Volk Israel speist, so auch die Heiden. Das endzeitliche Mahl ist allen Menschen, Juden und Heiden, bereitet. Eine heidnische Frau hat mit ihrer Beharrlichkeit dieses zweite Mahl bewirkt. Sie lockte geradezu aus Jesus eine neue Einstellung zu den Heidenvölkem heraus. Die spatere Heidenmission der jungen Kirche hatte hier eine wichtige Belegstelle für sich. Es scheint nicht so, als habe sie diese Erzählung erst „erfinden“ müssen.
Aus: Wilhelm Bruners, Wie Jesus glauben lernte. Herder-Taschenbuch. 2006.

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Im Jahr 538 v. Chr. erließ der Perserkönig Kyros das Edikt über den Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem (Esra 6,3-5) und erlaubte im folgenden Jahr die Rückkehr der Juden aus dem babylonischen Exil. Im Jahr 515 wurde der neue Tempel eingeweiht und sollte das Zentrum für die neue Gemeinde in Jerusalem sein. Doch es blieb die Frage offen: Wer gehört zu dieser Gemeinde, wer darf im Tempel beten und Opfer darbringen? Darauf die Antwort Jesajas: Ein neuer Abschnitt der Heilsgeschichte ist angebrochen und braucht daher eine neue Ordnung. Jeder, der vor Gott "recht" ist und sich zu ihm bekennt, darf am Gottesdienst teilnehmen. Die Einhaltung des Sabbat, der im Exil zum entscheidenden Bekenntniszeichen geworden war, wird zum Zeichen der Rechtgläubigkeit - bis zur Zeit Jesu.
Der Beginn des 56. Jesajakapitels lässt uns wissen: Gottes Heil ist für alle. Gott gibt jedem und jeder einen “ewigen Namen, der nicht ausgetilgt wird.” Es ist keine Rede davon, dass ein zu Gott Gehöriger beschnitten sein muss, sondern lediglich den Sabbat zu halten hat. Die Zugehörigkeit zum Volk Gottes richtet sich nicht nach religiösen oder nationalen, sondern nach ethischen Maßstäben.
Die Shoah-Gedenkstätte Yad Vashem (dt.: “Denkmal und Name”) in Jerusalem führt ihre Bezeichnung auf diesen Jesaja-Vers 56,5 zurück: So wie die Shoa versucht hat, die Namen der Opfer auszulöschen und durch Nummern zu ersetzen, bringt diese Opferstätte (und ähnliche) all die Namen wieder ins lebendige Gedächtnis der Menschheit zurück - den festen Glauben des Jesaja teilend: Bei Gott geht niemand vergessen, bei ihm hat jede/r einen Namen.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive