Wann und wo fühlen Sie sich überfordert, allein und Dingen ausgesetzt, mit denen Sie nur schwer fertig werden?
Wann und wo spüren wir, spüren Sie und ich, dass wir einen anderen brauchen, damit wir mit einer Erfahrung, einer Situation oder einer Nachricht gut umgehen können?
Wann und wo erfahren Sie, es ist jemand da, der Sie trägt, der Zeit für sie hat, der Sie begleitet?
Wann und wo erreicht Sie die Botschaft Gott ist jemand, der Sie auf Adlerflügeln trägt, der für Sie gerade dann ein Hirte ist, wenn Sie sich verloren fühlen ?
Das Volk Israel hat im heutigen Evangelium den Auszug aus Ägypten mit all seinen Gefahren und Anstrengungen geschafft. Es ist in der Wüste an einem wichtigen Etappenziel, am Berg Sinai angekommen. Aber es beschleicht es auch das Gefühl, dass sich nach einem langen und gefährlichen Wegstück einstellt. Wie haben wir das eigentlich geschafft? Warum nehme ich das alles auf mich? Was wird noch auf uns zukommen? Warum bin ich nicht da geblieben, wo ich war, auch wenn dort nicht alles gut war? Gut aber auch, dass ich es bis hier her geschafft habe! Erfahrungen mitten in der Wüste, wo ein Teil geschafft ist und einiges noch vor einem liegt.
Oder auch die Menschen in den Dörfern und Städten, denen Jesus mit seinen Jüngern begegnet. Sie scheinen auf ein gutes Wort zu warten, auf jemanden, der sich ihnen zuwendet, der etwas mitzuteilen hat, das Hoffnung gibt. Die Menschen scheinen mit ihren Krankheiten, Leiden und Sorgen von Jesus etwas zu erwarten. Erfahrungen von Menschen, die sich verloren fühlen, oder im Bild des heutigen Bibeltextes von Schafen, die keinen Hirten haben.
Gerade bei Krankenbesuchen in der letzten Zeit begegnet mir immer wieder die Frage Warum? Diese Frage wird immer wieder gestellt und doch bin ich als Zuhörer und Seelsorger zu bestimmten Zeiten für bestimmte Fragen immer wieder besonders sensibel, es hat also auch etwas mit mir zu tun. Und die Menschen, die mich so gefragt haben, fragen sicherlich nach dem Grund ihres eigenen Leids, aber daran schloss sich unmittelbar auch die Frage nach dem oft zu großen Unglück in der Welt, dass Menschen unverschuldet trifft, wie jetzt in China und Birma.
Ich werde dann zunächst immer auch stumm, denn hier theologische Erklärungen zu versuchen ist oft kaum mehr als ein billiger Fluchtversuch vor einer wirklichen Antwort und ein Schlag ins Gesicht des Fragenden. Es gibt keine Antwort, die ich geben kann, die wirklich eine Antwort ist.
Und auch Jesus, der die Not der Menschen am eigenen Leibe spürt, gibt keine großartigen Erklärungen ab über Gottes Allmacht oder dass wir nur Vertrauen haben müssen. Nein, er wendet sich dem einzelnen Menschen zu. Und er tut etwas Zweites, er ruft seine Freunde zu sich und gibt ihnen den Auftrag für die Menschen da zu sein. Es sind Menschen mit einem Namen, Menschen, die man ansprechen kann, Menschen mit einem Gesicht, mit Hand und Fuß. Es geht in diesem Evangelium nicht um kirchliche Ämter, sondern darum, dass es Menschen gibt, die füreinander da sind, oder wie es die Lesung ausdrückt, ihr sollt mir als ein Reich von Priestern und als ein heiliges Volk gehören.
Dazu gehört dann auch die Glaubenserfahrung des Israeliten, die in der Lesung angesprochen ist. Gott hat das Leid seines Volkes in der Unterdrückung gesehen und es in die Freiheit geführt. Damit ist nicht gesagt, dass er den Menschen alle schwierigen Erfahrungen, alles Leid und alle Not abnimmt, aber schon, dass er der Gott ist, der mit Ihnen auf dem Weg ist, oder wie es in der Lesung heißt: wie ich euch auf Adlerflügeln bis hierher getragen habe. Aber auch der junge Adler, der lange von seinen Eltern getragen wird, muss irgendwann selber fliegen.
Zu unserer Freiheit als Menschen gehört, das Leid und Glück, Hoffnung und Trauer, Leben und Tod Teil unseres Lebens sind, weil wir freie Menschen und nicht Marionetten einer übergeordneten Macht sind.
Von Dietrich Bonhoeffer, der in seinem Lied: Von guten Mächten wunderbar geborgen, deutlich sein tiefes Grundvertrauen ausdrückt, kommt ebenso der Satz: Wir müssen in der Welt so mit Gott leben, als lebten wir ohne Gott. Der Deus ex machina, der alles für uns klärt ist der Gott der Bibel nicht.
Gott mutet uns das Leben zu, auch dann wenn es uns Angst macht, aber er ist auch der Adler, der uns trägt oder der Hirte der uns führt.
Wann und wo erreicht sie und mich diese Botschaft?
Firmspendungen in einigen Pfarren liegen hinter mir. In den eigenen Pfarren sind diese in diesem Jahr ebenfalls Vergangenheit. Es ist interessant in diversen Pfarren mitzubekommen und zu sehen sowie zu hören, welch Mühen und Anstrengungen sich Mitarbeiter unterziehen und auferlegen in der Vorbereitung der Firmkandidaten. Und erst recht im Gestalten des Firmgottesdienstes. Die Firmlinge treten an um zu begrüßen, sie treten an, um einen Einleitungstext zu sprechen, sie treten an, um Bußgedanken vorzubringen, sie treten an, um zum Evangelium Sprüchleins zu sagen, sie treten an, um vor und nach der Firmspendung einen Text vorzutragen, sie treten an und treten an und bringen auch noch nach der Kommunion einen Meditationstext, und sie sind getrimmt auf so genannte rhythmische Lieder, die ja so etwas für junge Leute sind.
Oh Schreck, oh Graus, nach der Firmung sind sie weg. Sie werden von kaum bis nie wieder gesehen. Manche dann doch irgendwann, irgendwo wieder. Irgendwie funktioniert da etwas nicht mit Familie Kirche. So gerne wird von Schwesterlichkeit und Brüderlichkeit in der Kirche gesprochen. Sogar in Gebeten im Messbuch bitten wir Gott, dass er auf seine Familie schauen möge. Erhört er unsere Formeln nicht? Oder hat es doch einen Haken mit Familie, Schwestern und Brüdern. Nämlich, dass die Kinder doch Flügge werden müssen?! Oder nicht?!
Wir wollen mündige Christen, Menschen, die in Welt und Kirche Verantwortung übernehmen und dann dürfen sie nicht flügge werden, dann müssten sie am Schürzenzipfel der Mutter Kirche kleben bleiben! Ach, sie sind ja noch nicht so reif, sie können das ja noch nicht! Aber in der ganzen Vorbereitung wird ihnen gesagt, das Firmsakrament ist das Sakrament, durch welches sie jetzt mündige Christen, oder der Verantwortung gewachsene Christen werden.
Aber sie sind doch dazu nicht fähig! Sie verabschieden sich doch per Firmung von Kirche. Ja warum werden sie dann gefirmt? Was wird da in der Vorbereitung bis hin zur Firmspendung herum- und vorgegaukelt?!
Konrad Paul Liessmann, Professor für Philosophie an der Uni Wien, bringt, denke ich in seinem Essay Juvenilität (siehe Kontexte) einiges auf den Punkt. Es wird Flexibilität, Mobilität und Globalisierung verkündet. Das verkünden aber die Erwachsenen. Von einem Arbeitsplatz bis zur Pensionierung zu träumen ist ja sowieso nur mehr die Vorstellung eines Gestrigen. Ständig hat man sich für Neues offen zu halten und sich an Geldflüssen und Aktienströmungen zu orientieren. Folglich bleiben Treue, Heimatliebe, Traditionen und Prinzipien der Welt der Folklore reserviert.
Mit Homer oder Goethe im Kopf herumzulaufen führt in dieser Welt in den Wahnsinn. Damit kann niemand die Fernsehwelt auf sich einströmen, oder Radio einprasseln lassen. In der Medienwelt mithalten, oder seine Chancen nicht zu verspielen, da muss man eben anders ticken.
Letztlich weist aber Liessmann schon hin, dass Jugendzeit vergeht, ein Durchgangsstadium ist, und nicht überbewertet werden darf. Und die Welt wird folglich dadurch weder besser, aber auch nicht schlechter.
Somit werfe ich hier die Frage ein, was bedeutet das nun für Kirche? Oder bedeutet es doch nichts? Es muss etwas bedeuten, degeneriert sich Kirche nicht selbst zu einem Folkloreverein. Viele Aktionen und Vorgänge deuten leider in diese Richtung.
Nun, mit wem würde Jesus heute Mitleid haben? Ich würde sagen mit uns, den hauptamtlichen Seelsorgern in der Kirche und zwar nicht wegen unserer Müdigkeit und Erschöpfung, sondern wegen unserer Naivität. Liegt nicht hier etwa eine Aktualisierung unserer matthäischen Evangelienperikope? Die Ernte ist groß, aber wir bürokratisieren und versuchen uns mit Methoden der Spaßgesellschaft. Bzw. Haupt- und Ehrenamtliche machen Spagat um Spagat, um ihre Existenzberechtigung zu beweisen und die Rückmeldung zu erhalten, wie geil doch wieder eine Veranstaltung, Gottesdienst mit eingeschlossen, gelaufen ist.
Dem gegenübergestellt klingt die Evangelienstelle dezent und spiegelt eine Schlichtheit, da bei all der Überdimension der Ernte dann doch der Herr, Gott, ins Spiel kommt und er der Hauptakteur oder der Eigentliche bleibt, nicht vergessen wird, nicht ausgeklammert wird, der sich um Arbeiter sorgt. Und erst nach Festhalten dieses Bestandes, erhalten die Jünger die Vollmacht.
Der tschechische Dichter Vladimír Holan, gest. 1980 in Prag, lebte in der Kommunistenzeit in selbst auferlegter Isolation. Sein Schaffen wurde von der kommunistischen Kulturpolitik faktisch ignoriert. Und doch klingt im Gedicht (siehe Kontexte), Parkspaziergang, bei allem was es gibt, / Es gibt Parks, es gibt Schwarzes,... Es gibt Worte, Es gibt Geschrei. Es gibt Schweigen…. Es gibt Berge. Und Helle… Es gibt im Zwang ein Geheimnis… Und darum: Einmal. Einmal…/ das doch letztlich ganz andere an und durch in diesem Wort Einmal. Es erinnert an die Redewendung der Erwachsenen aus meiner Kindheit, wurde uns nach einer von ihnen nicht in Ordnung befundenen Kindeshandlung gedroht mit dem Ausspruch: Na warte nur einmal! In diesem Fall war dieses Einmal negativ, eine Androhung von Sanktionen. Im Gedicht von Vladimír Holan schlägt dieses Einmal am Ende nach all den Aufzählungen, was es alles gibt, den Klang einer Wohltuendheit an, da selbst der Zwang das Geheimnis nicht töten kann, denn es lebt selbst im und somit wider Zwang.
Auf der 3. europäischen ökumenischen Versammlung, 3. bis 9. September 2007 in Sibiu /Hermannstadt / Nagyszeben in Rumänien, ich war als Delegierter dabei, malte Prof. Andrea Riccardi (Mitbegründer der Gemeinschaft Sant'Egidio) in seinem fulminanten Vortrag, "Das Licht Christi scheint auf alle - Hoffnung auf Erneuerung und Einheit in Europa", das Bild aller Möglichkeiten und Chancen von uns Christen in der Welt. Spirituelle Männer und Frauen verzichten nicht darauf, die Welt aufzurichten (siehe Kontexte). Und er unterstreicht dies mit einem Zitat von Martin Buber: "Bei sich selbst anfangen, das ist das Einzige was zählt… der Punkt des Archimedes, dass ich selbst die Welt verändern kann, besteht in meiner eigenen Veränderung."
Es scheint mir wesentlich im Bewusstsein zu haben, dass wir Kirche in der Welt und auf der Welt sind. Über die Tellerränder der eigenen Gemeinden hinauszublicken. Es ist leicht gesagt. Die Wirklichkeit in den Gemeinden zieht uns hier immer wieder hinunter. Und so ist es kein Wunder, wir schmoren im eigenen Saft und machen Spagat um Spagat. Dem zuwider handeln können legt sich im letzten Satz unserer Perikope nicht nur nahe, sondern liefert Basis, uns zu befreien von Zwängen und Nöten: Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.
Gott,
du unsere Hoffnung und Kraft,
ohne dich vermögen wir nichts.
Steh uns mit deiner Gnade bei,
damit wir denken, reden und tun, was dir gefällt.
Darum bitten wir im heiligen Geist durch Jesus Christus.
MB 11. Sonntag im Jahreskreis
Bittmesse
Herr, durch diese Gaben
nährst du den ganzen Menschen:
du gibst dem irdischen Leben Nahrung
und dem Leben der Gnade Wachstum.
Lass uns daraus immer neue Kraft schöpfen
für Seele und Leib.
Darum bitten wir im heiligen Geist durch Jesus Christus, unseren Herrn.
MB 11. Sonntag im Jahreskreis
Kehrvers,
z. B.: Freut euch: Wir sind Gottes Volk,
erwählt durch seine Gnade. (GL 56,1)
Gott unser Vater,
du nimmst Anteil an allem, was wir erleben,
woran wir uns freuen und woran wir leiden.
Wir treten vor dich, um dir zu danken und deine Größe zu preisen.
Kehrvers
Du hast mit den Menschen einen Bund geschlossen
und ihnen Gebote gegeben, die sie zum wahren Leben führen.
Du warst deinem Volk nahe und hast es in Schutz genommen.
Kehrvers
Dein Sohn Jesus Christus ist zum Guten Hirten geworden,
der sich der Müden und Erschöpften angenommen hat.
Er selbst hat Kranke geheilt, Tote zum Leben erweckt
und die Ausgestoßenen in die Gemeinschaft des Volkes zurückgeholt.
Kehrvers
Seinen Jüngern hat die Vollmacht gegeben zu verkünden,
wie nahe du den Menschen bist.
Sie haben es Jesus gleich getan und haben aller Welt gezeigt,
dass dein Reich mitten unter uns gegenwärtig ist.
Kehrvers
Er lädt auch uns ein, das Himmelreich zu bezeugen.
Umsonst haben wir empfangen, umsonst sollen wir geben.
Mit allen Aposteln und Heiligen stimmen wir ein in den Lobgesang auf deine Größe
und preisen wir dich mit unserem Lied.
Danklied, z. B. "Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren" (GL 392)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn wir erkennen deine Herrlichkeit in dem,
was du an uns getan hast:
Du bist uns mit der Macht deiner Gottheit
zu Hilfe gekommen und
hast uns durch deinen menschgewordenen Sohn
Rettung und Heil gebracht
aus unserer menschlichen Sterblichkeit.
So kam uns aus unserer Vergänglichkeit
das unvergängliche Leben
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir jetzt und in Ewigkeit
dein Erbarmen und singen mit den
Chören der Engel das Lob
deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 3
Herr, unser Gott,
das heilige Mahl ist ein sichtbares Zeichen,
dass deine Gläubigen in dir eins sind.
Lass diese Feier wirksam werden
für die Einheit der Kirche
Darum bitten wir im heiligen Geist
durch Jesus Christus, unseren Herrn.
MB 11. Sonntag im Jahreskreis

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