Lesung aus dem Buch Daniel.
Daniel sagte:
Ich schaute in meiner Vision während der Nacht und siehe:
Da kam mit den Wolken des Himmels
einer wie ein Menschensohn.
Er gelangte bis zu dem Hochbetagten
und wurde vor ihn geführt.
Ihm wurden Herrschaft, Würde und Königtum gegeben.
Alle Völker, Nationen und Sprachen dienten ihm.
Seine Herrschaft ist eine ewige, unvergängliche Herrschaft.
Sein Reich geht niemals unter.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus der Offenbarung des Johannes.
Jesus Christus ist der treue Zeuge,
der Erstgeborene der Toten,
der Herrscher über die Könige der Erde.
Ihm, der uns liebt
und uns von unseren Sünden erlöst hat
durch sein Blut,
der uns zu einem Königreich gemacht hat
und zu Priestern vor Gott, seinem Vater:
Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht
in alle Ewigkeit. Amen.
Siehe, er kommt mit den Wolken
und jedes Auge wird ihn sehen,
auch alle, die ihn durchbohrt haben;
und alle Völker der Erde
werden seinetwegen jammern und klagen.
Ja, Amen.
Ich bin das Alpha und das Ómega,
spricht Gott, der Herr,
der ist
und der war
und der kommt,
der Herrscher über die ganze Schöpfung.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Im Buch der Offenbarung des Johannes wird der Ablauf der letzten Dinge von der Auferstehung und Erhöhung Christi bis zu seiner Wiederkunft und dem Aufrichten einer neuen Herrschaft beschrieben. Dahinter steht die Erwartung vom nahen Ende der Welt und des Anbruchs einer neuen Welt.
Erst seit dem Ende des 4. Jh. n. Chr. ist die Offenbarung des Johannes in der ganzen christlichen Kirche als heilige Schrift anerkannt. Vom Mittelalter bis zur Neuzeit ist die Offenbarung des Johannes auf die Kirchen- bzw. weltpolitische Deutung angewandt worden. Man nahm an, dass der Verlauf der Weltgeschichte in diesem Buch geweissagt wurde.
Im vorliegenden Abschnitt - am Beginn des Buches - wird der Name Jesu Christi zuerst mit drei Prädikaten geschmückt; sie sind aus den Psalmen entlehnt (Ps 89; PS 38; Ps 28) und entsprechen dem alten christlichen Bekenntnis: gestorben - auferstanden - erhöht.
Er war Zeuge, der für die Wahrheit Zeugnis ablegte. Seine Auferstehung bedeutet den Anbruch der Auferweckung aller Toten (vgl. 1 Kor 15,20), darum heißt er auch "Erstgeborener der Toten". Als der Erhöhte schließlich ist er zum Herrn über die Mächtigen und über die Reiche der Welt eingesetzt worden.
Im Vers 8 fügt Gottes Wort selbst seine Bestätigung hinzu:
Das A und O (Alpha und Omega; erster und letzter Buchstabe des griech. Alphabets) als Hinweis vom Anfang bis zum Ende, soll die Allmacht des Schöpfers und Vollenders umschreiben. Er, der ist, war und kommt, ist der Allherrscher.
Die zweite Lesung gehört zur gleichen Gattung wie die erste. Die Offenbarung des Johannes wurde in Patmos am Ende der Regierungszeit des Kaiser Domitian (81-96 n.Chr.) verfasst. Gott erweist sich als Gott in und über der Geschichte ("der da ist und der da war"), der seinen Sohn eingesetzt hat als König über die Erde. Damit wird der universale Charakter des Königtums Jesu ausgedrückt.
Jesus Christus wiederum hat uns eingesetzt, an seiner Herrschaft teilzunehmen und ein priesterliches Volk zu sein (V. 6). Das endzeitliche Geschehen hat mit Kreuz und Auferstehung Christi bereits begonnen und wirkt in unsere Gegenwart hinein. Diese christliche Hoffnung klingt als Grundton mit.
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit
fragte Pilatus Jesus:
Bist du der König der Juden?
Jesus antwortete:
Sagst du das von dir aus
oder haben es dir andere über mich gesagt?
Pilatus entgegnete:
Bin ich denn ein Jude?
Dein Volk und die Hohepriester
haben dich an mich ausgeliefert.
Was hast du getan?
Jesus antwortete:
Mein Königtum ist nicht von dieser Welt.
Wenn mein Königtum von dieser Welt wäre,
würden meine Leute kämpfen,
damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde.
Nun aber ist mein Königtum nicht von hier.
Da sagte Pilatus zu ihm:
Also bist du doch ein König?
Jesus antwortete:
Du sagst es,
ich bin ein König.
Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen,
dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege.
Jeder, der aus der Wahrheit ist,
hört auf meine Stimme.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Hintergrund des heutigen Abschnittes aus dem Johannesevangelium ist das erste Verhör des Pilatus mit Jesus. Im Unterschied zum Markusevangelium verhandelt darin Pilatus alleine mit Jesus, die anklagenden Juden sind nicht dabei.
Im Verhör geht es um die Frage nach dem Status Jesu – eine sehr politische Frage. Jesus beantwortet die Fragen mit: "Ja, ich bin ein König". Aber sein Königreich ist nicht von dieser Welt. Er ist damit kein politischer Machthaber und nicht vergleichbar mit den Mächtigen dieser Welt. Sein Kommen in diese Welt hat den einen Sinn, für die Wahrheit zu zeugen. Alle, die in dieser Wahrheit sind, gehören zu den wahren Bürgern seines Königreiches.
Als Überschrift zu diesem Evangelium könnten wir schreiben: das Drama des Verhörs Jesu durch Pontius Pilatus. Es ist ein weiterer Mosaikstein, das Christusgeheimnis zu lüften, ein Faden, der sich durch das gesamte Johannesevangelium zieht und ein Anliegen des Verfassers war. Im Evangelium kommt das Spiel um Macht zum Ausdruck - und zugleich die Angst, diese Macht zu verlieren. Nicht in der Person des Pontius Pilatus, der das Königtum Jesu anerkennt, sondern vielmehr beim jüdischen Hohenpriester und seinem Gefolge. Pontius Pilatus ist nur eine kleine, unbedeutende Spielfigur bei jenem Schachspiel, das darauf abzielt, Jesus schachmatt zu setzen. Die Angst, Macht zu verlieren, bleibt jedoch unbegründet. Doch das sehen die jüdischen Gelehrten nicht. Jesus trennt die politische von der himmlischen Macht (ausgedrückt im Jesuswort in Vers 36). Sein Königtum ist nicht von dieser Welt und von daher für die irdischen Machthaber ungefährlich. Doch ein Mensch ohne Einsicht in die großen Zusammenhänge erkennt das nicht.
Allmächtiger, ewiger Gott,
du hast deinem geliebten Sohn
alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden
und ihn zum Haupt der neuen Schöpfung gemacht.
Befreie alle Geschöpfe von der Macht des Bösen
damit sie allein dir dienen
und dich in Ewigkeit rühmen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus,
deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit.
MB Christkönigsonntag
Herr unser Gott,
wir bringen das Opfer deines Sohnes dar,
das die Menschheit mit dir versöhnt.
Er, der für uns gestorben ist,
schenke allen Völkern Einheit und Frieden,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Christkönigsonntag
Kehrvers:
Die Völker sollen dir danken, o Gott,
danken sollen die die Völker alle.
Oder: Dir sei Preis und Dank und Ehre! (GL 670,8)
Gott und Vater unseres Herrn und Königs Jesus Christus,
wir kommen zu dir, um dir unseren Dank darzubringen.
Du hast dich als der Herr der Welt erwiesen.
Als die Zeit erfüllt war,
hast du uns deinen Sohn als Messias und Erlöser gesandt.
Kehrvers
Er ist in die Welt gekommen, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen
und alle, die aus der Wahrheit sind, an sich zu ziehen.
Er hast uns von unseren Sünden erlöst durch sein Blut
und uns zu Königen gemacht und zu Priestern vor dir, seinem Vater.
Kehrvers
Er hat unsere Menschenwürde wieder hergestellt
und uns als Erben seines himmlischen Reiches eingesetzt.
Ihm hast du Herrschaft, Würde und Königtum gegeben.
Alle Völker, Nationen und Sprachen müssen ihm dienen.
Seine Herrschaft ist ewig, sein Reich geht niemals unter.
Danklied, z. B. GL 408: Lobet und preiset, ihr Völker, den Herrn…
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
immer und überall zu danken.
Du hast deinen eingeborenen Sohn,
unseren Herrn Jesus Christus,
mit dem Öl der Freude gesalbt
zum ewigen Priester und zum König
der ganzen Schöpfung.
Als makelloses Lamm und
friedenstiftendes Opfer hat er sich
dargebracht auf dem Altar des Kreuzes,
um das Werk der Erlösung zu vollziehen.
Wenn einst die ganze Schöpfung
seiner Herrschaft unterworfen ist,
wird er dir, seinem Vater, das ewige,
alles umfassende Reich übergeben:
das Reich der Wahrheit und des Lebens,
das Reich der Heiligkeit und der Gnade,
das Reich der Gerechtigkeit,
der Liebe und des Friedens.
Durch ihn rühmen dich Himmel und Erde,
Engel und Menschen und
singen das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Christkönig
Allmächtiger Gott,
du hast uns berufen,
Christus, dem König der ganzen Schöpfung, zu dienen.
Stärke uns durch diese Speise,
die uns Unsterblichkeit verheißt,
damit wir Anteil erhalten
an seiner Herrschaft und am ewigen Leben.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Christkönigsonntag

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Das 7. Kapitel des Buches Daniel bildet das "Herzstück" des gesamten Danielbuches. In diesem Kapitel wird auch ein "letztes" Wort über die brutalen Weltreiche gesagt, die uns in den vorausgegangenen Geschichten über Daniel und seine Freunde vor Augen geführt wurden.
Im vorliegenden Abschnitt begegnet uns der Ausdruck "Menschensohn". Die kurze Szene (Verse 13b) widerspiegelt eine Inthronisationsfeier.
Dass das Königtum menschenähnlichen Charakter hat, bedeutet, aus der symbolischen Sprache zurückübersetzt, dass es göttlichen Wesens ist.
Dieses Königtum kommt von "oben" und nicht von unten, der Welt der "unheimlichen Tiere", die bei Daniel die mächtigen Reiche dieser Welt verkörpern.
Jesus selbst hat den Titel "Menschensohn" für sich beansprucht, vor allem dann, wenn er von seinem Leiden und seinem Kommen in Herrlichkeit sprach.
Die erste Lesung aus dem Buch Daniel ist ein Teil einer Vision Daniels, in der die Ereignisse der Zeit - das Buch entstand in der ersten Hälfte des 2. Jhdt. v. Chr. - und der Zukunft in Bildern gefasst werden. Das Buch Daniel ist ein apokalyptisches Buch. Damit gehört es zu einer Schriftgattung, die versucht, den Plan Gottes aus der Geschichte heraus kundzutun, jenen Plan, der auf die Vollendung der Welt und des Menschen in Heil/Gericht abzielt.
Den grauenhaften Tieren, grässlich anzusehen, ganz und gar unheilig, Symbole für damalige Königreiche, wird der eine Heilige, der Messias - hier im Begriff des Menschensohnes ausgedrückt - gegenübergestellt. Während alle anderen Königreiche untergehen, hat seines Bestand. Während alle anderen Königreiche also zeitlich und räumlich begrenzt sind, reicht das endzeitliche Gottesreich, von dem Daniel in seiner Vision spricht, über alles hinaus.
Darum geht es im aramäischen Hauptteil des Danielbuches: die Aufrichtung der Königsherrschaft Gottes angesichts der einander ablösenden Weltherrschaften von menschlichen Machthabern zu manifestieren. Ein Grund zur Hoffnung für all jene, die unter willkürlicher Machtausübung und Fremdbestimmung durch die Machthaber ihrer Zeit leiden.