"Es war einfach kein Interesse da", sagte vor drei Jahren der Leiter der internationalen Katastrophenhilfe des österreichischen Roten Kreuzes Walter Hajek in einem Interview zur größten Hungerkatastrophe seit 60 Jahren in Afrika. Monatelang haben damals Hilfsorganisationen auf die bevorstehende Hungersnot hingewiesen. Die Weltöffentlichkeit und die internationalen Medien hat es aber kalt gelassen, dass Millionen Menschen an Hunger gelitten haben und zehntausende Menschen verhungert sind.
"Es war einfach kein Interesse da", so die nüchterne Feststellung damals, die bis ins Mark hinein erschüttern muss. Aber warum interessiert es die Weltöffentlichkeit eigentlich nicht, wenn Millionen Menschen hungern? Fragen wir aber noch konkreter: Wollen wir selber wirklich von dieser Not anderer wissen? - Ich glaube, dass uns schon bewusst ist, dass das Wissen um die Not anderer uns persönlich in die Verantwortung ruft, alles uns mögliche zu tun, um fremde Not zu lindern.
Und genau daran erinnert ja auch Jesus seine Jünger, als sie ihn darauf aufmerksam machen, dass die Leute, die bei ihm sind und ihm zuhören, Hunger haben. "Gebt ihr ihnen zu essen", sagt ihnen Jesus. Er überträgt ihnen die Aufgabe, den Volksmengen zu essen zu geben, und das obwohl es scheinbar ja die Möglichkeit gäbe, die Menschen wegzuschicken, damit sie sich in den Dörfern etwas zu essen kaufen. Jesus macht seinen Jüngern aber die Verantwortung für jene bewusst, die sich hier an diesem abgelegenen, wörtlich übersetzt "öden" Ort eingefunden haben.
Dass es sich um ein ödes Gebiet handelt, ist eigentlich verwunderlich, weil Jesus diesen Ort ja mit dem Boot erreicht hat und es deshalb an diesem Ort Wasser geben muss. Wenn Matthäus hier aber dennoch von einem öden Ort spricht, erinnert er wohl an die vielen Wüstenerfahrungen in der Bibel. Immer wieder war es ja die Wüste, wo einzelne Menschen oder das Volk Israel vertiefte Erfahrungen mit Gott gemacht haben und sich aus der Wüstenzeit ein Neubeginn ergeben hat.
Einen solchen Neubeginn hat wohl auch Jesus im Blick, wenn er zu seinen Jüngern sagt, "Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen!" Die Jünger sind skeptisch und zweifeln an der Umsetzbarkeit dieser Aufforderung, denn sie sehen nur fünf Brote und zwei Fische, was ja in der Tat nichts ist im Vergleich zu der Menge an Menschen, die sich da versammelt hat.
Was Jesus dann aber sagt, bereitet das Wunder wohl schon vor. Er sagt: "Bringt sie her." Und ganz offensichtlich geben die Jünger daraufhin Jesus ihre fünf Brote und ihre zwei Fische. Und hier geschieht schon Entscheidendes: Denn indem sie ihm das bringen, was sie haben, lösen sie sich von ihrem eigenen Besitz. In dem Moment, wo sie ihre Vorräte aus den Händen geben, ändern sich nämlich die Besitzverhältnisse. Denn das Brot ist von da an nicht mehr ihr Brot allein, sondern das Brot, das für alle hier Versammelten gegeben ist und zur Verfügung steht.
Und Jesus nimmt dieses Brot und diese Fische, blickt zum Himmel, spricht das Dankgebet und bricht dann das Brot, um es den Jüngern zu geben. Und dann heißt es nur, dass die Jünger die Speisen an die Leute weitergaben. Die Jünger werden gleichsam zu den Händen Jesu. Sie geben weiter, was sie selber empfangen haben. Ihre Aufgabe ist es, den Menschen in diesem Brot den Segen und das Leben weiterzugeben, die von Jesus ausgehen.
Und genau darin liegt das Neue, das sich hier an diesem öden, abgelegenen Ort ereignet. In den vergangenen Wochen haben wir an den Sonntagen ja immer wieder Gleichnisse Jesu zum Himmelreich gehört. Darin wurde deutlich, ist, dass das Reich Gottes schon da ist, dass es klein beginnt und sich nicht aufhalten lässt in seinem Wachstum. Jesus redet im heutigen Evangelium nicht mehr nur von diesem Reich, sondern zeigt, dass das Reich Gottes bereits begonnen hat und dass es dort, wo es sich ereignet, schon jetzt auch seine Fülle erfahrbar wird.
Was uns Matthäus in der Brotvermehrung als Wunder erzählt, das wird immer dann Wirklichkeit, wenn wir miteinander Eucharistie feiern. Auch hier bringen wir Gaben zum Altar und mit diesen Gaben uns selber. Wir geben Brot und Wein aus unseren Händen, wir übergeben sie Gott und er schenkt sich einem jeden von uns in diesen Gaben in gleicher Weise in der Kommunion als Leib und Blut Christi. Die Gabe Gottes, die wir empfangen, die wir geschenkt bekommen, die enthält den Auftrag an uns, "Gebt ihr ihnen zu essen."
Wir, die wir uns und unser Leben mit den Gaben auf den Altar legen, machen uns dadurch selber verfügbar für unsere Mitmenschen und für das Kommen des Reiches Gottes. Wir werden durch die Feier der Eucharistie ein Teil des Leibes Christi und so auch füreinander verantwortlich.
Als Christinnen und Christen muss es uns deshalb interessieren, wie es anderen geht, müssen wir uns mit unseren Möglichkeiten für die Linderung der Not anderer einsetzen.
In der Brotvermehrungskirche in Tabgha am Nordufer des Sees Genezareth findet sich das berühmte byzantinische Mosaik mit den 4 Broten in einem Korb und den 2 Fischen links und rechts davon. Der Betrachter fragt sich, warum nur 4 Brote in diesem Korb zu sehen sind, wo im Evangelium doch von 5 Broten die Rede ist. Eine der Deutungen ist, dass das 5. Brot das Brot ist, das bei jeder Eucharistie auf dem Altar über dem Mosaik liegt, das gebrochen und geteilt wird. Es ist nicht das Brot einzelner, sondern unser aller Brot, das gebrochen wird und in dem sich Christus uns schenkt. Wer von diesem Brot isst, nimmt teil an der Hingabe Jesu für uns alle, die auch uns aufgetragen ist: "Gebt ihr ihnen zu essen."
Den Zusammenhang von eucharistischer Gemeinschaft und sozialer Verantwortung füreinander hat auch Dietrich Bonhoeffer in der Schrift "Gemeinsames Leben" beschrieben, aus der ich zum Abschluss einen Absatz vorlesen möchte:
"Die Tischgemeinschaft der Christen bedeutet Verpflichtung. Es ist unser täglich Brot, das wir essen, nicht mein eigenes. Wir teilen unser Brot. So sind wir nicht nur im Geiste, sondern mit unserem ganzen leiblichen Wesen fest miteinander verbunden.
Das eine Brot, das unserer Gemeinschaft gegeben ist, schließt uns zu einem festen Bund zusammen. Nun darf keiner hungern, solange der andere Brot hat, und wer diese Gemeinschaft des leiblichen Lebens zerstört, der zerstört damit auch die Gemeinschaft des Geistes. Unlöslich ist beides verbunden. Solange wir unser Brot gemeinsam essen, werden wir auch mit dem wenigsten genug haben. Erst wo einer sein eigenes Brot für sich selbst behalten will, fängt der Hunger an. Das ist ein seltsames Gesetz Gottes. Sollte nicht die Geschichte von der wunderbaren Speisung der 5000 mit zwei Fischen und fünf Broten neben vielem anderen auch diesen Sinn haben?"
© Mag. Michael Münzner
Lieder:
GL 146: Du rufst uns, Herr, an deinen Tisch
GL 186: Was uns die Erde Gutes spendet
GL 209: Du teilst aus mit deinen Händen
GL 210: Das Weizenkorn muss sterben
GL 211: Wir rühmen dich König der Herrlichkeit (1.-3. Str.)
GL 213: O wunderbare Speise (1. und 3. Str.)
GL 215: Gott sei gelobet und gebenedeiet
GL 216: Im Frieden dein, o Herre mein (2. Str.)
GL 378: Brot, das die Hoffnung nährt
GL 402: Danket Gott, denn er ist gut (11. Str.)
GL 418: Befiehl du deine Wege und was dein Herz kränkt
GL 421: Mein Hirt ist Gott der Herr (1., 3. und 4. Str.)
GL 422: ich steh vor dier mit leeren Händen, Herr (3. Str.)
GL 423: Mein Hirt ist Gott der Herr
GL 424: Wer nur den lieben Gott lässt walten
GL 425: Solang es Menschen gibt auf Erden
GL 456: Herr, du bist mein Leben, Herr du bist mein Weg
GL 459: Selig seid ihr (2. Str.)
GL 467: Erfreue dich Himmel, erfreue dich Erde
GL 474: Wenn wir das leben teilen wie das täglich Brot
GL 484: Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben (2., 3. und 4. Str.)
GL 470: Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht
GL MS748: Du bist das Brot, das den Hunger stillt
GL Ö922: Das sollt ihr, Christi Jünger, nie vergessen
Psalmen und Kehrverse:
GL 37: Der Herr ist mein Hirt; er führt mich an Wasser des Lebens - Mit Psalm 23 - VI.
GL 39: Kostet, kostet und seht: Gut ist der Herr. - Mit Psalm 34 - V.
GL 87: Aller Augen warten auf dich, und due gibst ihnen Speise zur rechten Zeit - Mit Psalm 145 (GL 76,2) - I.
GL 420: Meine Seele dürstet nach dir mein Gott - Mit Psalm 67 (GL 46,2) oder Psalm 103 (GL57,2) - II.
GL 616: Gott, du mein Gott, dich suche ich, meine Seele dürstet nach dir. - Mit Psalm 63 - IV.
Herr Jesus Christus,
du schenkst uns dein Wort, doch wir suchen anderes.
Herr, erbarme dich unser:
Herr Jesus Christus,
du sättigst die Menschen mit Brot, doch wir brauchen mehr.
Christus, erbarme dich unser.
Herr Jesus Christus,
'gebt ihr den Menschen zu essen,' so sprichst du,
doch wir fühlen uns zu schwach dazu.
Herr, erbarme ich unser.
Gott, unser Vater,
steh deinen Dienern bei
und erweise allen, die zu dir rufen,
Tag für Tag deine Liebe.
Du bist unser Schöpfer
und der Lenker unseres Lebens.
Erneuere deine Gnade in uns, damit wir dir gefallen,
und erhalte, was du erneuert hast.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 18. Sonntag im Jahreskreis
Die Bittmesse
Barmherziger Gott, heilige diese Gaben.
Nimm das Opfer an,
das dir im Heiligen Geist dargebracht wird,
und mache uns selbst zu einer Gabe,
die für immer dir gehört.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 18. Sonntag im Jahreskreis
Kerhvers:
Singt dem Herrn, alle Lander der Erde,
singt dem Herrn und preist seinen Namen. (GL 54,1)
Gott und Vater,
wir sind gekommen, um dir zu danken.
Denn du hast einen ewigen Bund mit uns geschlossen.
Du rufst uns zum lebendigen Wasser
und gibst uns das Beste zu essen.
Kehrvers
In deinem Sohn Jesus Christus hast du uns deine Liebe gezeigt.
Er hatte Mitleid mit den vielen Menschen,
er heilte ihre Krankheiten und schickte sie nicht hungrig weg.
Kehrvers
Er stärkte sie mit deinem Wort
und ließ sie von der Fülle des ewigen Lebens kosten.
Alle aßen und wurden satt.
Als die Jünger die übriggebliebenen Brotstücke einsammelten,
wurden zwölf Körbe voll.
Kehrvers
Für deine nie endende Liebe danken wir dir.
Sie gibt uns die Kraft, das, was wir haben, miteinander zu teilen
und so deinem Sohn nachzufolgen.
Mit allen Engeln und Heiligen preisen wir dich
und singen mit der ganzen Schöpfung dein Lob.
Danklied, z. B. Singet, danket unserm Gott, der die Welt erschuf (GL Ö874)
oder: Erfreue dich, Himmel, erfreue dich Erde (GL 467)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Als der wahre und ewige Hohepriester
hat er die Feier eines immerwährenden Opfers gestiftet.
Er hat sich selbst als Opfergabe dargebracht
für das Heil der Welt
und uns geboten,
daß auch wir diese Gabe darbringen zu seinem Gedächtnis.
Er stärkt uns,
wenn wir seinen Leib empfangen,
den er für uns geopfert hat.
Er heiligt uns,
wenn wir sein Blut trinken,
das er für uns vergossen hat.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten und mit all den Scharen
des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Eucharistie 1
Wir danken dir, treuer und barmherziger Vater,
für Jesus, deinen Sohn unseren Herrn und Bruder.
Seine Liebe galt den Armen und Kranken,
den Ausgestoßenen und Sündern.
An keiner Not ging er vorüber.
Sein Leben und seine Botschaft lehren uns,
daß du ein Gott bist, der sich der Menschen annimmt
wie ein Vater sich um seine Kinder sorgt.
Darum loben und preisen wir dich,
wir rühmen deine Güte und Treue
und verkünden mit allen Engeln und Heiligen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 3
Barmherziger Gott,
in den heiligen Gaben empfangen wir neue Kraft.
Bleibe bei uns in aller Gefahr
und versage uns nie deine Hilfe,
damit wir der ewigen Erlösung würdig werden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 18. Sonntag im Jahreskreis

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