Das Weinberg-Gleichnis gewährt uns einen Einblick in die Lebenswelt Israels zur Zeit Jesu. Ursprünglich war daran gedacht, dass das "Land der Verheißung" nicht in einem hohen Maße den Großgrundbesitzern gehören sollte, sondern allen, die Gott aus der Knechtschaft Ägyptens befreit hatte. Dass jeder frei und unabhängig leben könne, das war das große Ideal der Wanderer durch die Wüste.
Doch mit der Zeit übernahm Israel die Struktur, die es im Land Kanaan vorfand. Reiche, zum Teil Gauner, nahmen immer mehr Land in Besitz. Der Umfang der Ländereien wurde oft so groß, dass die Felder und Weinberge von ihren Besitzern selbst nicht mehr allein bewirtschaftet werden konnten. Sie übergaben Teile oder auch das gesamte Anwesen Pächtern, die einen Teil des jährlichen Ertrags an den Eigentümer abzuliefern hatten. Dieses System war in sich nicht übel oder verwerflich, wenn es nicht zahlreiche Großgrundbesitzer gegeben hätte, die bewusst Kleinbauern in den Ruin trieben. In Zeiten der Not lieh man den Kleinbauern Geld zu Wucherzinsen mit der Absicht, ihren Besitz einzukassieren, sollten die Bauern nicht pünktlich ihre Schulden abbezahlen.
Der Gutsbesitzer in unserem Gleichnis gehörte offensichtlich nicht zu dieser Sorte Landverpächter. Solide bringt er den Weinberg auf Vordermann, ehe er ihn Pächtern übergibt, da er zu verreisen gedenkt. Seinen Anteil an den Früchten lässt er sich nicht bringen, was eigentlich üblich war. Er schickt seine Knechte, nimmt damit den Pächtern einen Teil ihrer Arbeit ab. Sein Gut-Sein wird vonseiten der Pächter jedoch nicht belohnt. Im Gegenteil: Sie scheuen sich nicht zu morden, um selbst Besitzer der in Pacht befindlichen Grundstücke zu werden. Damit erweisen sie sich in ihrer Gesinnung noch gemeiner als die raffgierigen Großgrundbesitzer, auf die viele im Land zornig waren.
Klar und mit einer gewissen Schärfe trägt Jesus seinen Zuhörern das Gleichnis vor, damit sie - vor allem die Pharisäer und Schriftgelehrten unter ihnen - sich zur Überprüfung ihres eigenen Handelns herausgefordert fühlten. Die Übertragung der handelnden Personen im Gleichnis auf die Gegenwart war leicht und ohne weitere Erklärungen von jedem der Zuhörer zu vollziehen. Der Herr des Weinbergs ist Gott, die Pächter sind die Zuhörer, die Boten und Knechte des Weinbergsbesitzers die Propheten, die fast alle umgebracht wurden, der Sohn ist Jesus selbst. Schonungslos legt Jesus den Zuhörern dar, was aus dem von Jahwe angelegten Weinberg des Gottesvolkes geworden ist.
Nach Jesu Tod und Auferstehung und mit der Ausbreitung des Christentums hatte sich ein neues Volk Gottes geformt. Diesem neuen Volk Gottes gehören Juden wie Heiden an. Israel ist nicht mehr alleiniger Träger des Heils. Die Mitgliedschaft beim neuen Gottesvolk ist nicht gebunden an eine Nationalität, sondern ergibt sich aus dem Streben und dem Bemühen, Gott wohlgefällige Früchte zu bringen. Diese Menschen, gleich welcher Nationalität sie angehören, sind die im Evangelium erwähnten neuen Pächter. Die gläubig gewordenen Heiden lernten, sich zusammen mit den gläubigen Juden-Christen als das neue Volk Gottes zu verstehen. Sie nehmen Jesus ernst, der den Jüngern den Auftrag erteilte, alle Völker in seine Jüngerschaft als Volk Gottes zu führen.
Als Seelsorger möchte Matthäus mit dem Blick auf das alte Israel die Christen warnen, mit der Zeit in ein gleiches Verhalten abzurutschen wie Israel. Denn die Gefahr bleibt zu jeder Zeit, Gott seinen zurecht erwarteten Anteil nicht abzuliefern.
Der Evangelist richtet seine Warnung an jeden einzelnen. Jeder soll sein Gewissen erforschen, seine Gesinnung prüfen, sein Bestreben in der Liebe stärken und kraftvoll erhalten; und wo es nötig ist, einen neuen Anfang setzen. Dabei geht es dem Evangelisten an dieser Stelle seines Evangeliums nicht um die Qualität oder Menge der Früchte; es geht um die Qualität der Pächter.
Damit sind auch wir herausgefordert, uns zu fragen: Welche Gesinnung trage ich in mir? Stellen wir uns diese Frage mit der Sorge, die Matthäus bewegte. Er will uns nicht nerven, aber zur Wachsamkeit drängen. Zurückschauen sollen wir und eine ehrliche Bestandsaufnahme tätigen. Was ist aus mir geworden? Als eine Art Weinberg, so können wir im übertragenen Sinn sagen, hat Gott unser Inneres angelegt. Mit unseren Talenten und Fähigkeiten, mit der uns gegebenen Kraft, mit dem Boden, auf dem wir stehen, mit den Sonnenstrahlen, die uns erreichen, sind wir ein Weinberg, der Früchte bringen kann. Wir sind nicht festgelegt, welche Qualität sie aufzuweisen haben. Sodann können wir überlegen, welch schützenden Zaun wir um uns errichten wollen, um Gefährdungen von uns abzuhalten. Auch eine Kelter können wir uns einbauen. Die Kelter mit ihrer Presse war dazu da, aus den Trauben den Saft zu gewinnen. Unsere Besinnungsfrage könnte heißen: Wie kann ich aus den Früchten, die ich bringe, noch Edleres, den Wein, herausholen? Die Pächter des Weinbergs hätten dem Besitzer sicher Trauben abliefern können oder Wein. Beides hätte dieser wahrscheinlich als das ihm Zukommende angenommen. Meine Früchte der Kelter aussetzen heißt im übertragenen Sinn: Mein Gut-Sein nicht beenden, wo es unter Druck kommt, mir Kraft, Zeit und Nerven kostet, nicht anerkannt wird, keine Erwiderung findet, mir Nachteile einbringt, aus Neid Gegnerschaft hervorruft.
Gut-Sein wird nicht immer belohnt. Diese Erfahrung machte der Weinbergbesitzer, diese Erfahrung machen wir. Aber durch die Kelter gegangenes Gut-Sein wird zu einer qualitativ höheren Gabe und als Baustein gelegentlich zu einem Eckstein, selbst wenn es von manchen nicht anerkannt, geschätzt oder sogar verworfen wird.
Was wird unser Motiv sein, was sollte uns bewegen, ein Weinberg zu sein, der gute Früchte hervorbringt? Es wird vor allem Dankbarkeit gegenüber Gott sein. Wer in Ruhe bedenkt, mit welcher Sorge uns Gott umgibt in seiner Liebe zu uns, der wird Gott sagen: Ich möchte dir, meinem Gott, danken durch die Früchte, die ich bringe. Denn wunderbar und groß ist dein Anteil daran, dass ich fähig bin, gute Früchte zu bringen. Selbst wenn ich krank, schwach, alt, behindert bin, kann ich Früchte tragen - Früchte des Wohlwollens, der Liebe, des Verzeihens, des Trostspendens oder der Ermutigung. Dir, meinem Gott, überbringe ich als Tribut und Gabe: Dank, Lobpreis, Verehrung, mein Vertrauen in dich und mein erneutes Ja zu dir und deinem Willen, meine Mühe.
Nehmen wir die Sorge des Matthäus nicht auf die leichte Schulter. Wir sind getauft, bekennen uns auch grundsätzlich zu Gott und Jesus Christus. Aber Gott wünscht sich auch, dass wir Früchte bringen. Beschnitten, die Taufform der Israeliten, und gottgläubig waren die Juden auch. Nur die Früchte, die sie hätten bringen können und die sich Gott von ihnen wünschte, fehlten bei vielen. Dass sich dies bei uns nicht wiederholen möge, darum ringt Matthäus.
"Stark wie der Tod ist die Liebe, die Leidenschaft ist hart wie die Unterwelt. Ihre Gluten sind Feuergluten, gewaltige Flammen. Auch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen; auch Ströme schwemmen sie nicht weg." (Hld 8,6f).
Liebe ist eine Urgewalt; selten harmlos. Liebe setzt enorme Kräfte frei, lässt aufblühen, wachsen. Wenn Liebe jedoch nicht gelingt, können die geweckten Kräfte zerstörerisch wirksam werden. Was enttäuschte oder verschmähte Liebe auslösen kann, gibt reichlich Stoff für Romane und Krimis. Wer jemals Liebe erfahren hat, kann dies nachfühlen.
In diesen Tagen tritt in Rom eine weltweite Bischofssynode zusammen, um über Fragen um Ehe und Familie zu beraten. Einerseits haben die meisten Menschen hohe Erwartungen an Ehe, Partnerschaft und Familie, andererseits gehen viele dieser Erwartungen nicht in Erfüllung. Paare, die sich Liebe versprochen haben, bis der Tod sie scheide, müssen zur Kenntnis nehmen, dass ihnen das nicht gelungen ist. Die meisten leiden daran. Viele suchen neue Wege und geraten mit der überlieferten Praxis der Kirche in schmerzliche Konflikte.
Kern dieser Konflikte ist, dass die Beziehung der Ehepartner als Abbild der Beziehung Gottes zu seinem Volk und der Beziehung Christi zur Kirche verstanden wird. Der Bund Gottes mit seinem Volk und die Beziehung Christi zur Kirche sind von Gott und von Christus her unaufhebbar.
In der Lesung und im Evangelium dieses Sonntags wird die Beziehung Gottes zu seinem Volk mit der Beziehung eines Weingartenbesitzers zu seinem Weinberg verglichen. Echte Winzer sind nicht nur geschickte Unternehmer und Weinproduzenten, sondern Liebhaber, die innig und mit ihrer ganzen Existenz an ihren Weingärten und an der Erzeugung einzigartiger Weine hängen. Guten Wein kann man zwar im Supermarkt kaufen oder in einer gut sortierten Vinothek erwerben, ihn aber an Ort und Stelle, wo er gewachsen ist, womöglich im Beisein des Winzers zu verkosten, ist ein außergewöhnliches Erlebnis. Die Beziehung des Winzers zu seinem Wein hat etwas Erotisches.
Von der Innigkeit dieser Beziehung her kann man die Reaktion des Weinbergbesitzers nachfühlen, der aus Enttäuschung seinen Weinberg verwildern lässt, bzw. seinen Weingarten von seinen vertragsbrüchigen Pächtern zurückfordert. Der Konflikt tut sich auf, weil die Beziehung des Weingartenbesitzers zu seinem Weinberg mehr ist als ein rechtlich geregeltes Besitzverhältnis, mehr als ein Geschäftsmodell. Es geht um Liebe mit all ihren Chancen und Gefährdungen.
Um Liebe geht es auch in der Beziehung Gottes zu seinem Volk und in der Beziehung Christi zur Kirche. Die entscheidende Frage ist meines Erachtens: Wie kann diese auf der Seite des Gottesvolkes und des Kirchenvolkes neu entfacht werden? Liebe kann man nicht erzwingen. Auch das Einfordern stößt an Grenzen. Um die Liebe neu zu entfachen, braucht es vor allem pastorales Engagement. Hier neue Impulse zu setzen ist wichtiger und zugleich schwieriger, als den Codex anzupassen.
Die Bibel erzählt uns auch, wie Gott seinem Volk und jedem Einzelnen nachgeht, wie er sich mit allen Mitteln müht, die Liebe zurückzugewinnen. Sie erzählt vom Guten Hirten, der dem verirrten Schaft nachgeht, vom Vater, der wartet, bis sein Sohn erkennt, wie gut er es im Hause des Vaters hat, und heimkehrt.
Das vorliegende Gleichnis von den vertragsbrüchigen Pächtern beinhaltet auch, dass der Besitzer nicht mit Gewalt oder Rechtshilfe seinen Weinberg zurückholt, sondern seinen Sohn schickt in der Hoffnung, dass er sie damit überzeugen kann. Auch als sie den Sohn töten, bleibt auf der Ebene der Liebesbeziehung. Nachdem die Pächter die Chance mit dem Sohn zu kooperieren nicht wahrnehmen, laufen sie ins Leere. Der Weinberg wird einem Volk übergeben, von dem der Besitzer erwartet, dass dieses die erwarteten Früchte bringt.
Die weltweite Umfrage zur Vorbereitung auf die Weltbischofssynode hat gezeigt, dass die die Diskrepanz zwischen den Idealen hinsichtlich Partnerschaft, Ehe und Familie und dem Gelingen, bzw. Scheitern an den Idealen für viele Menschen dazu führt, dass sie zur Kirche auf Distanz gehen und Gefahr laufen, dass damit auch ihre Beziehung zu Gott Schaden nimmt. Hier neue Wege zu finden, die das große Kraftfeld der Liebe Gottes zu den Menschen, der Liebe Christi zu seiner Kirche, die in der menschlichen Liebe und Ehe abgebildet ist, mehr in die Mitte kirchlichen Lebens rücken, ist die große Herausforderung für die kommende Weltbischofssynode.
Allmächtiger Gott,
du gibst uns in deiner Güte mehr,
als wir verdienen,
und Größeres, als wir erbitten.
Nimm weg, was unser Gewissen belastet,
und schenke uns jenen Frieden,
den nur deine Barmherzigkeit geben kann.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 27. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger Gott,
nimm die Gaben an,
die wir nach deinem Willen darbringen.
Vollende in uns das Werk der Erlösung und der Heiligung
durch die Geheimnisse,
die wir zu deiner Verherrlichung feiern.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 27. Sonntag im Jahreskreis
Kehrvers:
Freut euch: Wir sind Gottes Volk,
erwählt durch seine Gnade. (GL 56,1)
Wir haben Grund, dir zu danken, großer Gott.
Dir verdanken wir uns Leben und alles, was da ist.
Du hast den Menschen als dein Abbild geschaffen
und ihm aufgetragen, die Schöpfung zu hüten und zu bebauen.
Kehrvers
Wie du einst den Menschen in den Garten Eden gestellt hast,
hast du dein Volk in ein Land geführt,
das von Milch und Honig fließt,
und es ihm zum Erbe gegeben.
Kehrvers
Als sich dein Volk, das du umsorgt hast,
wie ein Winzer seinen Weinberg,
von dir abwandte und nicht die erwarteten Früchte brachte,
hast du Jesus von Nazareth gesandt,
damit er die Herzen der Deinen dir zukehre.
Kehrvers
Sie haben ihn, der in sein Eigentum kam,
nicht erkannt und nicht anerkannt.
Die Seinen nahmen ihn nicht auf.
So hat er von neuem ein Volk zusammengerufen
und dir zugeführt.
Kehrvers
Wir danken dir, dass wir zu deinem Volk gehören.,
dich kennen, vor dir stehen und dir dienen dürfen.
Darum preisen und loben wir dich
und singen wir dir unser Lied.
Danklied, z.B. "Alles meinem Gott zu Ehren." (GL 455)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn wir erkennen deine Herrlichkeit in dem,
was du an uns getan hast:
Du bist uns mit der Macht deiner Gottheit
zu Hilfe gekommen und
hast uns durch deinen menschgewordenen Sohn
Rettung und Heil gebracht
aus unserer menschlichen Sterblichkeit.
So kam uns aus unserer Vergänglichkeit
das unvergängliche Leben
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir jetzt und in Ewigkeit
dein Erbarmen und singen mit den
Chören der Engel das Lob
deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 3
Gott der Heerscharen, stelle uns wieder her!
Lass dein Angesicht leuchten und wir sind gerettet!
(Ps 80,8)
Oder:
Christus spricht:
Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe,
der bringt reiche Frucht.
(Joh 15,5)
Oder:
Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,
ist zum Eckstein geworden.
(vgl. Mt 21,42)
Gott und Vater,
du reichst uns das Brot des Lebens
und den Kelch der Freude.
Gestalte uns nach dem Bild deines Sohnes,
der im Sakrament unsere Speise geworden ist.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB 27. Sonntag im Jahreskreis
Papst Franziskus ruft alle Gläubigen zum Gebet für die bevorstehende Bischofssynode in den Gottesdiensten am Sonntag, den 28. September 2014, auf. Gleichzeitig bittet er die Ortskirchen, Pfarrgemeinden, Ordensgemeinschaften, Verbände und Bewegungen an den Tagen vor und während der Synode ebenfalls um das Gebet. In Rom wird dazu an jedem Tag bis zum Abschluss der Synode in der Kapelle "Salus Populi Romani" der Basilika Santa Maria Maggiore für die Synode gebetet werden.
Für die Bischofssynode hat Papst Franziskus ein eigenes "Gebet zur Heiligen Familie" verfasst. Dieses Gebet wird für die Gottesdienste ebenso empfohlen wie spezielle zu diesem Anlass vom Vatikan formulierte Fürbitten.
Jesus, Maria und Josef,
auf euch, die Heilige Familie
von Nazareth,
richten wir heute den Blick
voller Bewunderung und Zuversicht;
in euch betrachten wir
die Schönheit der Gemeinschaft
in der wahren Liebe;
euch empfehlen wir alle unsere Familien,
damit sich in ihnen die Wunder der
Gnade erneuern.
Heilige Familie von Nazareth,
anziehende Schule des
heiligen Evangeliums:
lehre uns, deine Tugenden nachzuahmen
mit weiser geistlicher Disziplin,
schenke uns den klaren Blick,
der es versteht, das Werk der Vorsehung
in den täglichen Wirklichkeiten
des Lebens zu erkennen.
Heilige Familie von Nazareth,
treue Behüterin des
Geheimnisses der Offenbarung:
lass in uns die Wertschätzung
für die Stille neu erwachen,
mach unsere Familien zu
Abendmahlssälen des Gebets
und verwandle sie in kleine Hauskirchen,
erneuere das Verlangen nach Heiligkeit,
stütze die edle Mühe der Arbeit,
der Erziehung,
des Zuhörens, des gegenseitigen
Verstehens und der Vergebung.
Heilige Familie von Nazareth,
erwecke in unserer Gesellschaft
wieder das Bewusstsein
des heiligen und unantastbaren
Charakters der Familie,
unschätzbares und unersetzbares Gut.
Jede Familie sei aufnahmefreudige
Wohnstatt der Güte und des Friedens
für die Kinder und für die
alten Menschen,
für die Kranken und Einsamen,
für die Armen und Bedürftigen.
Jesus, Maria und Josef,
zu euch beten wir voll Vertrauen, euch
vertrauen wir uns mit Freude an.
Brüder und Schwestern,
als Familie der Kinder Gottes, und angetrieben durch den Glauben, erheben wir unser Gebet zu Gott dem Vater und bitten, dass durch die Gnade Christi unsere Familien zu echten Hauskirchen werden, in denen die Liebe Gottes gelebt und bezeugt wird.
Beten wir gemeinsam und sprechen:
Herr, segne und heilige unsere Familien.
Für Papst Franziskus: Gott hat ihn dazu berufen, in der Kirche den Vorsitz in der Liebe zu führen. Der Herr stärke ihn in seinem Dienst an der Einheit im Bischofskollegium und im ganzen Volk Gottes.
Für die Synodenväter und die anderen Teilnehmer der III. außerordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode: Der Geist des Herrn erleuchte sie, damit die Kirche angemessen auf die heutigen Herausforderungen für die Familien antworten kann, in Treue zum Plan Gottes.
Für die Regierenden der Nationen: Der Heilige Geist inspiriere sie zu Projekten, die die Familie als Urzelle der Gesellschaft fördern, wie es dem göttlichen Ratschluss entspricht, und die sich der Unterstützung von Familien in Schwierigkeiten widmen.
Für die christlichen Familien: In der ehelichen Gemeinschaft hat der Herr das Siegel seiner Gegenwart hinterlassen. Er mache unsere Familien, nach dem Vorbild der Heiligen Familie von Nazareth, zu Heimstätten des Gebets und zu innigen Gemeinschaften des Lebens und der Liebe.
Für die Eheleute in Schwierigkeiten: Der Herr, der reich an Barmherzigkeit ist, begleite die Eheleute, durch den mütterlichen Dienst der Kirche, mit Verständnis und Geduld auf dem Weg der Vergebung und der Versöhnung.
Für die Familien, die wegen des Evangeliums ihre Heimat verlassen müssen: Der Herr, der mit Maria und Joseph nach Ägypten geflohen ist, stärke die Familien im Exil mit seiner Gnade und eröffne ihnen Wege brüderlicher Nächstenliebe und menschlicher Solidarität.
Für die Großeltern: Der Herr ist von den heiligen Greisen Simeon und Anna im Tempel empfangen worden. Er mache die Großeltern zu weisen Mitarbeitern für die Eltern in der Weitergabe des Glaubens und in der Erziehung der Kinder.
Für die Kinder: Der Herr des Lebens hat die Kinder zu sich kommen lassen und sie als Vorbild hingestellt, um in das Reich Gottes zu gelangen. Er erwecke in uns allen die Ehrfurcht vor dem werdenden Leben und schenke Inspiration zu Erziehungsprojekten, die der christlichen Sicht auf das menschliche Leben entsprechen.
Für die Jugendlichen: Der Herr hat die Hochzeit zu Kana geheiligt. Er lasse die jungen Menschen die Schönheit der Heiligkeit und Unverletzlichkeit der Familie im göttlichen Ratschluss wiederentdecken, und er helfe den Verlobten auf ihrem Weg zur Feier der Trauung.
Gott, der du das Werk deiner Hände nicht preisgibst, höre unser Gebet. Sende den Geist deines Sohnes, und erleuchte die Kirche am Beginn des synodalen Wegs. Lass sie die Herrlichkeit der wahren Liebe betrachten, die in der Heiligen Familie von Nazareth aufleuchtet, und lehre sie nach ihrem Vorbild die Freiheit und den Gehorsam, um mit Mut und Barmherzigkeit auf die Herausforderungen der heutigen Welt zu antworten.
Durch Christus, unsern Herrn.
Es ist Jesu Frohe Botschaft, dass der Bund, den die Eheleute schließen, umschlossen und getragen ist vom Bund Gottes, der auch dann Bestand hat, wenn das zerbrechliche menschliche Band der Liebe schwächer wird oder gar stirbt. Die endgültige und unverbrüchliche Bundesund Treuezusage Gottes entzieht den menschlichen Bund der menschlichen Willkür; sie verleiht ihm Festigkeit und Beständigkeit. Das Band, das Gott um die Brautleute legt, wäre falsch verstanden, wollte man es als ein Joch verstehen; es ist vielmehr Gottes menschenfreundliche Treuezusage; es ist Ermutigung und immer wieder neue Quelle der Kraft, inmitten der Wechselfälle des Lebens einander die Treue zu halten.
Augustinus hat aus dieser Botschaft die Lehre vom unauflöslichen Eheband abgeleitet, das auch dann bestehen bleibt, wenn die Ehe menschlich gesehen zerbricht. Vielen ist dies heute schwer verständlich. Man darf dieses Band jedoch nicht als eine Art metaphysische Hypostase neben oder über der personalen Liebe der Eheleute verstehen; es geht allerdings auch nicht in der affektiven gegenseitigen Liebe auf und stirbt nicht mit ihr (GS 48; EG 66). Die Lehre vom Eheband ist Evangelium, d. h. endgültiger Zuspruch und bleibend gültige Zusage. Als solche nimmt sie den Menschen und seine Freiheit ernst. Es ist die Würde des Menschen, endgültige Entscheidungen treffen zu können. Sie gehören bleibend zur Geschichte eines Menschen; sie prägen ihn bleibend; man kann sie nicht einfach abstreifen und ungeschehen machen. Werden sie durchkreuzt, dann bedeutet dies eine tiefe Wunde. Wunden können heilen, doch es bleibt eine Narbe zurück, die immer wieder schmerzt; aber man kann und darf, wenngleich mühsam, weiterleben. Ähnlich ist Jesu Frohe Botschaft, dass für den, der umkehrt, durch Gottes Barmherzigkeit Vergebung, Heilung und Neuanfang möglich sind.
Paulus greift die Botschaft Jesu auf. Er spricht von einer Heirat »im Herrn« (1 Kor 7,39). Gemeint ist nicht eine kirchliche Form der Eheschließung. Eine solche hat sich erst Jahrhunderte später - endgültig erst durch das Dekret Tametsi des Konzils von Trient (1563) - herausgebildet. Die »Haustafeln« (Kol 3,18 - 4,1; Eph 5,21 - 6,9; 1 Petr 2,18 - 3,7) zeigen, dass dieses »im Herrn« das ganze Leben in der Familie, das Verhältnis von Mann und Frau, von Eltern und Kindern, von im Haus lebenden Herren und Sklaven umfasst. Die Haustafeln nehmen die patriarchale Hausordnung auf, modifizieren sie aber »im Herrn«. Sie sind Beispiele für die normverändernde und normprägende Kraft des christlichen Glaubens. Durch sie wird aus der einseitigen Unterordnung der Frau unter den Mann ein gegenseitiges Verhältnis der Liebe, die auch die übrigen Familienbeziehungen prägen soll. Paulus sagt sogar - was in der gesamten Antike singulär, ja revolutionär war -, dass der Unterschied zwischen Mann und Frau bei denen, die »einer in Christus« sind, nicht mehr zählt (Gal 3,28).
Der Epheserbrief geht noch einen Schritt weiter. Er greift die alttestamentliche, besonders bei Hosea (2,18-25) bezeugte Metapher des Ehebundes als Bezeichnung des Bundes Gottes mit seinem Volk auf. In Christus hat dieser Bund seine Erfüllung und Vollendung gefunden. So wird nun der Bund von Mann und Frau Realsymbol für den in Jesus Christus zur Erfüllung gelangten Bund Gottes mit den Menschen. Was seit Anbeginn der Welt eine Wirklichkeit von Gottes guter Schöpfung war, wird nun vergegenwärtigendes Zeichen des Mysteriums Christi und der Kirche (Eph 5,32). Das Trienter Konzil sah aufgrund einer erst im 12. Jahrhundert zum Abschluss gekommenen theologiegeschichtlichen Entwicklung in dieser Aussage die Sakramentalität der Ehe angedeutet (DH 1799; vgl. DH 1327). Die neuere Theologie sucht diese christologische Begründung trinitätstheologisch zu vertiefen und versteht die Familie als realsymbolische Darstellung des Geheimnisses der trinitarischen communio.
Aus: Walter Kardinal Kasper, Das Evangelium von der Familie. Die Rede vor dem Konsistorium. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2014.

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