Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder!
Durch einen einzigen Menschen kam die Sünde in die Welt
und durch die Sünde der Tod
und auf diese Weise gelangte der Tod zu allen Menschen,
weil alle sündigten.
Denn ist durch die Übertretung des einen
der Tod zur Herrschaft gekommen, durch diesen einen,
so werden erst recht
diejenigen, denen die Gnade und die Gabe der Gerechtigkeit
reichlich zuteilwurde,
im Leben herrschen durch den einen, Jesus Christus.
Wie es also durch die Übertretung eines Einzigen
für alle Menschen zur Verurteilung kam,
so kommt es auch durch die gerechte Tat eines Einzigen
für alle Menschen zur Gerechtsprechung,
die Leben schenkt.
Denn wie durch den Ungehorsam des einen Menschen
die vielen zu Sündern gemacht worden sind,
so werden auch durch den Gehorsam des einen
die vielen zu Gerechten gemacht werden.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Versuchungen Jesu sind Grundmuster für Versuchungen, denen auch wie in unserem Leben ausgesetzt sind. In der Fastenzeit sollen wir uns kritisch mit diesen Neigungen auseinandersetzen und uns allein in den Dienst Gottes stellen.
Dreimal tritt der Versucher an Jesus heran und will sein Naheverhältnis zu Gott zerstören. Er erkennt ihn als Teufel und weist seine Ansinnen zurück. Auch wir zweifeln oft an Gott und greaten so in Versuchung.
Allmächtiger Gott,
du schenkst uns die heiligen vierzig Tage
als eine Zeit der Umkehr und der Buße.
Gib uns durch ihre Feier die Gnade,
daß wir in der Erkenntnis Jesu Christi voranschreiten
und die Kraft seiner Erlösungstat
durch ein Leben aus dem Glauben sichtbar machen.
Darum bitten wir durch ihn,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 1. Fastensonntag
Gott, unser Heil,
gib uns die Gnade, umzukehren zu dir.
Erleuchte unseren Verstand
und stärke unseren Willen,
damit uns diese Zeit der Buße zum Segen wird.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Montag in der 1. Woche der Fastenzeit
Herr, unser Gott,
wir bringen Brot und Wein für das heilige Opfer,
das wir zum Beginn dieser Fastenzeit feiern.
Nimm mit diesen Gaben uns selbst an
und vereine unsere Hingabe
mit dem Opfer deines Sohnes,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 1. Fastensonntag
Kehrvers: Alles, was Odem hat, lobe den Herrn. (GL 616,5)
Guter Gott, Schöpfer allen Lebens,
wir kommen zu dir, um dir zu danken.
Du hast die Welt ins Dasein gerufen
und den Menschen als dein Abbild geschaffen,
dir verdanken wir uns Leben.
Kehrvers
Du hast dem Menschen die Freiheit gelassen, eigene Wege zu gehen
und das Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten.
Du hast ihm die Erde anvertraut, sie zu behüten und bebauen.
Kehrvers
In Jesus, deinem Sohn, bist du den Menschen nachgegangen,
als sie sich in eigenen Interessen und Vorstellungen verrannten
und ihr eigenes Wohl und ihre Zukunft aufs Spiel setzten.
Kehrvers
Er hat uns gezeigt, wie heilsam es für uns ist,
auf dein Wort zu hören und deinen Willen zu beachten,
denn du liebst uns und willst uns ewiges Leben schenken.
Kehrvers
Jesus hat der Versuchung widerstanden,
menschliche Wünsche nur oberflächlich zu erfüllen.
Er hat die Sehnsucht der Menschen nach einem erfüllten Leben wahrgenommen
und uns Wege gezeigt, sie zu stillen.
Kehrvers
Dafür danken wir dir und loben und preisen wir dich mit der ganzen Schöpfung
und singen:
Danklied, z. B.: Gott liebt diese Welt (GL 464)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und dein Erbarmen zu preisen.
Denn jedes Jahr
schenkst du deinen Gläubigen die Gnade,
das Osterfest in der Freude
des Heiligen Geistes zu erwarten.
Du mahnst uns in dieser Zeit der Buße
zum Gebet und zu Werken der Liebe,
du rufst uns zur Feier der Geheimnisse,
die in uns die Gnade der Kindschaft erneuern.
So führst du uns mit geläutertem Herzen
zur österlichen Freude und
zur Fülle des Lebens
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn rühmen wir deine Größe
und vereinen uns mit den Chören der Engel
zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Fastenzeit 1
Gütiger Gott,
du hast uns das Brot des Himmels gegeben,
damit Glaube, Hoffnung und Liebe in uns wachsen.
Erhalte in uns das Verlangen nach diesem wahren Brot,
das der Welt das Leben gibt,
und stärke uns mit jedem Wort,
das aus deinem Mund hervorgeht.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 1. Fastensonntag
Barmherziger Gott,
wenn wir uns jetzt auf den Weg durch die Fastenzeit machen,
wissen wir uns begleitet durch dein Wort
und gestärkt durch das Brot des Lebens.
Schenke uns Kraft und Willen zur Umkehr,
dass wir mit gutem Geist und Herz
das Auferstehungsfest feiern können.
So bitten wir durch Christus unseren Bruder und Herrn.
Jeder des anderen Ärgernis
jeder des anderen Spaß
jeder des anderen Spielautomat
Goldene Serie, schrecklicher Reinfall
jeder des anderen Kontaktperson
Wackelkontakt, total überdreht
jeder des anderen Fels
jeder aus Stein.
Es gibt keinen Grund
dich nicht zu belügen
jedem ist alles egal.
Jeder eine Nummer
ein Loch und im Eimer
alle auf Nummer Sicher.
Jeder sieht mir irgendwie ähnlich
und verschläft jeden Tag
diesen billigen Traum:
Wenn jeder jedem Feuer gäbe
mit brennendem Paß
wäre keiner mehr jeder.
Aus: Ralf Rothmann, Gebet in Ruinen. Gedichte. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2000.
Darf ich die drei Akte der Versuchung in eins setzen? Dann würde die Geste des Teufels bedeuten: "Du, der du von oben kommst, wie willst du bei denen da unten ankommen? Ich räume das Feld, wenn du auf meinen Vorschlag eingehst." Ja wahrhaftig, Jesus scheint zu erschrecken über die gewaltige Aufgabe, die vor ihm liegt; er erschrickt über die Dreistigkeit des Versuchers. Seine Hände greifen zum Kopf, wie zur Abwehr einer Bedrohung. Wie soll er den Menschen "das Wort aus Gottes Mund" sagen, das erlösende, befreiende Wort, wie soll er ihnen "das Brot des Lebens" reichen, wenn ihre Erlösungsbedürftigkeit einzig in der Magengegend zu liegen scheint?
Jesus lässt sich von seinem Auftrag nicht abbringen. Er geht von allem Anfang an den unteren Weg, den Weg der Erniedrigung und des Gehorsams. Er, der ganz Heilige, erniedrigt sich gar so sehr, dass er den teuflischen Versucher an sich heranlässt. Der Teufel selbst, so marionettenhaft er ist, "der Affe Gottes", bleibt eine von Gott gelenkte Figur. Er wird an kurzer Leine geführt.
Jesus geht aus der Versuchung als Sieger hervor. Ein programmatischer Sieg, in dem der totale Sieg über das Böse und den Bösen schon angesagt ist und aufleuchtet.
Die Apostel mögen mit dieser Versuchungsgeschichte, einem Gleichnis sozusagen, ihren Gemeinden, die von innen und außen bedroht waren, gedeutet haben: Die Macht des Bösen ist durch Jesus radikal, d. h. von der Wurzel her, bereits gebrochen. Dennoch bleibt auch der Jünger Jesu der Versuchung zum Abfall ausgesetzt. Es bleibt uns die Bitte des Vaterunsers - wie sie richtig zu verstehen ist:
"Und lass uns nicht in der Versuchung fallen."
Aus: Karlheinz May, Vom Duft der Auferstehung. Die vier Evangelien in Auszügen mit Meditationen, kommentierenden Texten und Zeichnungen. Im Eigenverlag (Holsteinstr 1, D-51065 Köln).
Gib mir die gabe der tränen gott
gib mir die gabe der sprache
Führ mich aus dem lügenhaus
wasch meine erziehung ab
befreie mich von meiner mutter tochter
nimm meinen schutzwall ein
schleif meine intelligente burg
Gib mir die gabe der tränen gott
gib mir die gabe der sprache
Reinige mich vom verschweigen
gib mir die wörter den neben mir zu erreichen
erinnere mich an die tränen der kleinen studentin
in göttingen
wie kann ich reden wenn ich vergessen habe
wie man weint
mach mich naß
versteck mich nicht mehr
Gib mir die gabe der tränen gott
gib mir die gabe der sprache
Zerschlage den hochmut mach mich einfach
laß mich wasser sein das man trinken kann
wie kann ich reden wenn meine tränen nur für
mich sind
nimm mir das private eigentum und den wunsch
danach
gib und ich lerne leben
Gib mir die gabe der tränen gott
gib mir die gabe der sprache
gib mir das wasser des lebens
Dorothee Sölle in: Höre Gott! Psalmen des Jahrhunderts. Herausgegeben von Paul Konrad Kurz. Benziger Verlag, Zürich und Düsseldorf 1998.
In meinen grünen Tagen
fand ich die Liebe nie.
Ich blühte blind von Jahr zu Jahr,
rutschte aus auf meinem Samen
und wurd mir selber saure Frucht.
In meinen grünen Tagen.
In meinen feuerfarbenen Tagen
hielt ich die Liebe für eine stolze Frau.
Ihr Haar war lang und schwer wie Schlaf
und flog im Traum, im Gold des Traums,
davon wie Rauch.
In meinen feuerfarbenen Tagen.
Und in den Zeiten ohne Farbe,
vom Wein gemalt im schiefen Licht,
war ich den wenigsten ein Engel,
schien so vielen ohne Herz, machte
kunstvoll leere Worte und wußte doch:
Der Reim auf Schmerz, der wärs!
So kamen Leiden in Form schöner Dinge.
Während der Mond zunahm, wurde mein
Schatten dunkler, während Fehltritte abnahmen,
verzehnfachte sich ihr Gewicht.
In schwarzen Tagen kam die Warnung
als ein erstes silberweißes Haar.
Dann machte mir ein Frühling klar: So nicht!
Wer sich schwer nimmt, kann kaum fliegen.
Wer im Geld schwimmt, ist längst abgesoffen.
Wem der Himmel nicht Preis und Ehre bleibt,
der trägt eine Krone aus Stroh.
Denn dies affige Theater, das wir
Liebe nennen, ist nicht der ganze Gott.
Höchstens seine Augenfarbe.
Da wurde Schwärze noch mal Licht
und Sommer wieder Lied und Spiel.
Da hörte ich das »Danke« mit,
als lautlos eine Blüte fiel.
Aus: Ralf Rothmann, Gebet in Ruinen. Gedichte. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2000.

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