Auf dem Berg der Verklärung zeigt sich Jesus einigen seiner Jünger in seiner ganzen Herrlichkeit. Der Abstieg in die Niederungen des Lebens, den Jesus in seinem Weg nach Jerusalem vollzog, zeigt erst seine ganze Herrlichkeit, indem er seine ganze Liebe offenbar macht.
Auf dem Berg der Verklärung wird den Jüngern ein Bild der Vollkommenheit vorgestellt. Zugleich erleben sie sich in Unvollkommenheit und wollen das Vollkommene festhalten. Sie müssen lernen, im Weitergehen das Unvollkommene zu überwinden.
Sind Sie imstande in einem Satz zu sagen, wie Sie sich den idealen, vollkommenen Menschen vorstellen? Wahrscheinlich kaum, es würde eher oberflächlich, viel unerwähnt bleiben oder nur armseliges Gestammel. Manche Fragen, auch die des Glücks und der Vollkommenheit brauchen viel Zeit, sogar ein Leben lang. Willst Du wie Dein Vater, Deine Mutter, wie ein Supersportler, wie ein Popstar, wie Papst Franziskus oder wie die Miss 2017 sein? Wir Menschen haben viele Erwartungen und Hoffnungen.
Die Antwort in der 1. Lesung ist kurz und prägnant: „Du sollst ein Segen sein!“ (Gen.12,3). Das waren die Worte Gottes an Abraham. Segen bedeutet Wachstum, Gefallen, Gutes sagen und tun. Das Gute ist die Nähe Gottes, und in jedem Menschen ist der Funke Gottes vorhanden. Auf diese Weise wirst Du auch Deine Zukunft und die Deiner Mitmenschen absichern, aber es kostet Mühe, Geduld, Abstieg in die Niederungen des Alltags.
Auch diese drei Jünger, die auf dem Berg Tabor waren, haben Erwartungen und Hoffnungen. Sie erleben eine Taborstunde, wir würden sagen: eine Sternstunde, wie sie nur ganz selten im Leben vorkommt. Im siebenten Himmel sein, wo Raum und Zeit bedeutungslos werden. Die Heilige Schrift spricht „vom Leben in Fülle“ (Joh.10,10). So muss es wohl auch den Jüngern ergangen sein - Verklärung des Herrn- nur für einen Augenblick wird etwas klar. Es ist ein bedeutender Tag für Jesus und seine Freunde, ein Tag des Übergangs.
Wir haben während unseres Lebens laufend Übergänge: die Geburt, die Kindheit, alle weiteren Lebensphasen bis zum letzten Atemzug, dem Hinübergang zum Herrn. Jeder Übergang hat die Bedeutung vom Vorläufigen bis zum Ende. Da wird uns bewusst, was alles bruchstückhaft und ergänzungsbedürftig ist.
Für einen kurzen Moment sehen die Jünger klar – Verklärung. Der 1. Korintherbrief (13,12-13) verdeutlicht unsere Unvollkommenheit und die der drei Jünger: „Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt ist mein Erkennen Stückwerk, dann aber werde ich durch und durch Erkennen, so wie auch ich durch und durch erkannt worden bin. Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe.“ Besser kann man menschliche Unvollkommenheit und den Hinweis auf die Vollendung gar nicht ausdrücken.
Das Evangelium geht noch weiter, wenn es von einer leuchtenden Wolke spricht und die Stimme sagt: „Das ist mein geliebter Sohn, den ich erwählt habe; auf ihn sollt ihr hören.“ (Mt.17,5). Das gilt auch für uns: Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter, den/die ich erwählt habe. Ganz ähnliche Worte kennen wir im Evangelium von der Taufe Jesu: „Du bist mein geliebter Sohn, den ich erwählt habe.“ (Mt.3,17; Mk.1,11; Lk. 3,22). Selbstverständlich gehören auch die Töchter dazu. Diese Wolke umhüllt uns mit seiner Liebe. In der feierlichen Liturgie deuten wir das durch den Weihrauch an, umhüllt, hineingenommen in die Liebe Gottes.
Das Evangelium sagt aber auch: Das ist jetzt noch nicht das Ende. Das sollten die erkennen, die bei Jesus sind. Neues erzeugt Angst. Auch die drei fürchten sich. „Sie fielen nieder auf ihr Gesicht und fürchteten sich sehr.“ (Mt.17,6). In unserer heutigen Sprache würde das heißen: Die haut´s um oder: Die setzt´s am Hintern. »Fürchten« meint hier »Respekt haben«, fasziniert sein, Furcht als Wissen um die Größe Gottes. Menschen wollen Augenblicke des Glücks festhalten. Das Bleibende wird durch die Hütte dargestellt. Übergänge sind oft sehr schwierig zu meistern. Es tauchen Ängste auf, weil es wieder zurückgeht in die Niederungen des Alltags. Augustinus dokumentiert das so: „Steig herab, Petrus, steig ab, um auf der Erde zu arbeiten und zu dienen, um verachtet und gekreuzigt zu werden auf der Erde. Das Leben [gemeint ist Jesus], steigt ab, um getötet zu werden, das Brot steigt ab, um auszugehen, der Weg steigt ab, um unterwegs müde zu werden, die Quelle steigt ab, um dürr zu werden. Und du, Petrus weigerst dich, zu arbeiten?“ (zitiert nach: Luz Ulrich in: EKK ½ S 516f).
Die Niederungen des Alltags bekamen auch Petrus und seine Urgemeinde zu spüren durch Gerichtsverfahren, Verfolgungen.
Der Übergang führt vom Bruchstück zum Ganzen. Dieser Berg ist Zeichen dafür, dass der Zustand dieser Welt nicht so bleibt. Daran erinnert und ermutigt das Evangelium als Vorbereitung auf das große Osterfest.
Abraham wird in fortgeschrittenem Alter von Gott aus seinen bisherigen Lebenszusammenhängen herausgerufen und in ein neues Land geführt. Er wagt dies unter dem Segen Gottes. Als Mensch, der so Gott vertraut, wird er selbst zum Segen für die kommenden Generationen. Auch wir können dem Segen Gottes vertrauen und so selbst zum Segen werden.
Abraham erhält einen Auftrag und eine Verheißung. Der Auftrag: Zieh fort aus deinem Land. Er muss aufbrechen, muss ganz aus seinem bisherigen Leben heraus. Er muss die Beziehungen abbrechen, zu seiner Sippe, zu seiner Verwandtschaft, zu seiner Heimat. Er muss all das loslassen, was ihn festhalten könnte, was ihn am Aufbrechen hindert, was ihn auf dem Weg ablenkt. Abraham verlässt die Sicherheit seines bisherigen Lebens. In Chaldäa, seiner Heimat, hatte er Ansehen, er war geschützt, er konnte leben. Er hatte alles, was für ihn so wichtig war: Geborgenheit, ein Zuhause, seinen Lebensunterhalt. Er hatte seine Götter, seine Religion, damit einen Sinn und eine Begründung für sein Leben. Dort, in seinem Vaterhaus hatte sein Gott seinen Sitz. Nach damaliger Auffassung waren Götter sesshaft, an einen bestimmten Ort gebunden. Aus seiner Heimat ausziehen bedeutet auch: seinen Gott verlieren.
Der Auftrag Gottes an Abraham war schwer, hat ihn fast überfordert. Gott gebietet ihm, zu verlassen, loszulassen. Wie ein Flüchtling, ein Heimatvertriebener, ein Abenteurer muss er, der 75-jährige alte Mann, sich frei machen, sich auf den Weg machen. Er muss sich genau überlegen: Was nehme ich mit, was kann ich mitnehmen? Vieles muss er zurücklassen, sich von Vielem trennen. In einem Alter, in dem man sich längst zur Ruhe gesetzt hat, erhält er den Auftrag, neu zu beginnen. Um das zu können braucht Abraham ein großes Vertrauen in die Führung dieses Gottes, der sich ihm offenbart. Er muss vertrauen, dass dieser Gott ihm beisteht auf seinen Wegen, ihn beschützt, ihn dorthin führt, wo er hin soll. Er muss vertrauen, dass Gott ihm alles neu schenkt, was er braucht, ihn in einem ganz anderen Maß beschenkt.
„Zieh weg aus deinem Land“ ist für Abraham nicht nur Verlust, sondern auch Verheißung, das reizt ihn, zieht ihn an. Sein Leben, bisher auf einen engen Raum beschränkt, gewinnt eine neue Weite, eine ganz andere Perspektive. Ihm wird ein neues Land versprochen, eine neue Heimat. Ein neues Volk wird durch ihn, den bis dahin kinderlosen alten Mann, entstehen. Eine neue Religion, eine tiefere Beziehung zu Gott, ein neues Bild von ihm, beginnt. All dies hat Abraham nicht in der Hand, er muss es nicht in den Griff nehmen, sondern warten, hoffen, bis es entsteht und wächst. Er muss vertrauen, dass Gott seine Verheißungen erfüllt.
Die Verheißung an Abraham weist ihn weit in die Zukunft hinein, weist auf das Volk Israel mit seiner langen und bewegten Geschichte, weist auf Jesus, den Messias, und weist auf die Kirche, das neue Volk Gottes, das durch Jesus entstanden ist. Erst mit Jesus und mit denen, die an ihn glauben, bestätigt sich die Verheißung an Abraham endgültig. Da hat er tatsächlich Nachkommen, so zahlreich, wie die Sterne am Himmel. Auch wir als Christen sind Kinder Abrahams, er ist, wie Paulus schreibt, „Vater unseres Glaubens.“
Abraham erfährt sich als jemand, der Gott auf seiner Seite sieht. Dieser Gott segnet ihn. Er erneuert damit, was er dem Menschen schon nach der Schöpfung geschenkt hat: seinen Segen. Damit erwartet dieser Mann mehr Leben, ein anderes, fruchtbares Leben für sich. Gott sieht nicht zu, wie einer in der Enge und Begrenztheit seines Daseins dahinvegetiert, innerhalb seiner Grenzen scheitert, sondern er will, dass der Mensch sich ändert, sich wandelt, auf dem Weg sich erneuert. Er schenkt ihm neue Anfänge, öffnet ihm eine andere Lebensperspektive.
„Du sollst ein Segen sein!“ sagt Gott zu Abraham. Das kann bedeuten, durch dich wird sichtbar, dass Gott ein Freund des Lebens ist, dass er unser Leben gelingen lassen will, dass er uns eine ungeahnte Zukunft schenken kann. Das kann bedeuten, dass die Erwählung, die Abraham erfahren hat, sich nicht nur auf ihn bezieht, sondern durch viele Generationen weiterreicht, auf viele Menschen zutrifft. Der Segen, den Gott Abraham zuspricht, ist nicht nur auf Israel beschränkt, sondern gilt für alle anderen Völker, damit auch für uns.
„Du sollst ein Segen sein,“ gilt für Sie hier, für heute. Wie ist das zu verstehen?
Allein dadurch, dass Sie an Jesus Christus glauben, ihm vertrauen, zu ihm beten, entsteht eine Verbindung zwischen dem Herrn und Ihnen. Das heißt, er strahlt in Ihr Leben hinein, er erfüllt Sie mit seinem Geist. Damit verwandelt er Sie. Was Sie vom Herrn empfangen, das wirkt in Ihre Umgebung hinein, in Ihre Familie, in Ihr Haus. Es wirkt bei den Menschen, denen Sie begegnen. Ob Ihnen das bewusst ist oder nicht, spielt keine Rolle. Wir müssen nicht alles wissen und überprüfen.
Sie werden zum Segen, wenn Sie davon überzeugt sind, dass Gott Sie liebt, dass er Sie mit seiner Liebe erfüllt. Und dann können Sie nicht anders, als diese Liebe weitergeben. Das merken die anderen Menschen. Das merkt sogar Ihr Hund, ob Sie ihn mögen oder nicht.
Wie wichtig der Segen für Sie ist, weiß ich nicht. Früher sagte man: „An Gottes Segen ist alles gelegen.“ Ich denke mir: Wenn ich etwas vorhabe, eine längere Fahrt zum Beispiel, und Gott will nicht, dann komme ich garantiert nicht vom Fleck. Wenn er aber hinter mir steht, wenn er mich begleitet, mich segnet, dann geht das gut. Ich komme ans Ziel und komme sicher wieder heim. Vieles im Leben vermögen wir nicht. Mit seinem Segen gelingt uns alles.
Die Verklärung Jesu bietet ein Bild voller Licht und Herrlichkeit. Jesus hatte mit den drei Jüngern, die er mit sich auf den Berg genommen hatte, so etwas wie eine Sternstunde erlebt. Man könnte denken: fast zu schön, um wahr zu sein. Solche Sternstunden sind sicher eine Ausnahme. Aber es gibt sie. Jede und jeder von uns hat so etwas schon im eigenen Leben erfahren. Da gibt es Augenblicke, wo alles stimmt, wo ein Gefühl von Harmonie und Glück uns durchflutet. Vielleicht war es so, als Sie zum ersten Mal verliebt waren, oder als Sie nach einer Krise wieder gewusst haben, wie es weiter gehen kann im Leben.
Solche Augenblicke sind eher selten. So schnell sie über uns kommen, so schnell gehen sie vorüber. Wir können sie nicht festhalten. Petrus wollte das. Wie gern hätte er die drei Hütten gebaut und sich auf dem Berg der Verklärung eingenistet. Es ging nicht. Zusammen mit den Anderen musste er hinunter ins Tal, hinunter in den Alltag. Genau so geht es auch uns. Für einen Augenblick kann das Leben aufleuchten in strahlendem Licht. Und schon ist es vorüber. Schon wieder umgibt auch uns der Alltag. Und da werden wir immer mit Sorgen und Problemen konfrontiert. Eng und ermüdend kommt es uns da manchmal vor, und dann fragen wir: ist das alles; ist das mein ganzes Leben?
Da kann die Versuchung groß sein, sozusagen die Flügel hängen zu lassen und einfach vor sich hin zu leben. Man hält dann gar nicht mehr Ausschau nach etwas Besserem und Größerem. Aber in uns, unserem Inneren drin, fühlen wir uns dabei frustriert und unzufrieden. Wir spüren genau, dass wir aus unserem Leben nicht das machen, was eigentlich möglich wäre und unserer Sehnsucht entsprechen würde. Wie wär's, wenn wir uns da von der Figur anstecken lassen würden, die uns heute die alttestamentliche Lesung vorgestellt hat, von der Figur des Abraham?
Der hatte schon ein gewisses Alter und sich auch eingerichtet in seinem Land und seinem Leben. Und da hinein bricht nun wie ein Blitz aus heiterem Himmel Gottes Aufforderung, Haus und Heimat und den gewohnten Alltag zu verlassen, um sich auf einen Weg zu machen, der in ein völlig unbekanntes Land und in eine total ungewisse Zukunft führt. Es muss auf Abraham wie ein Schock gewirkt haben, urplötzlich alles Vertraute hinter sich lassen zu sollen. Viele, auch sorgenvolle Gedanken werden ihm durch Kopf und Herz gegangen sein. Sollte er wirklich, trotz vorgerücktem Alter, noch einmal einen neuen Anfang wagen? Konnte er das für sein Leben und das seiner Angehörigen wirklich riskieren und einfach so der Verheißung Gottes vertrauen? Eines war für Abraham sicher klar: sein normaler Alltagstrott war total in Frage gestellt. Er stand vor der Entscheidung, etwas Neues zu wagen und sich auf einen unbekannten Weg zu machen.
Die Fastenzeit stellt uns vor eine ähnliche Situation. Sie eröffnet auch uns einen Weg, der zu etwas Neuem und Großem hinführen will, zum Osterfest. Die Fastenzeit fordert uns auf, diesen Weg des Glaubens zu gehen. Aber dazu müssen auch wir bereit sein, manch Liebgewordenes, manches, mit dem wir uns im Alltag arrangiert haben, zu hinterfragen und neu zu gestalten, in der Partnerschaft, in der Familie, im Beruf und in der freien Zeit. Sind wir bereit, in diesem Sinne Altvertrautes, Bequemes hinter uns zu lassen, aufzustehen, uns neu auf den Weg zu machen, einfach, weil Gott uns dazu einlädt?
Aber wie damals Abraham, so sagt Gott auch uns zu, dass er mit uns sein wird auf diesem Weg. Genau das verheißt das Evangelium von heute, genau das will das Bild von der Verklärung vermitteln. Petrus und die anderen Jünger mussten zwar hinunter vom Berg der Verklärung. Aber dabei waren sie nicht allein. Auch Jesus ging hinunter. Er ging den Weg mit ihnen in die Niederungen des Lebens. Er ging den Weg so weit hinab wie niemand sonst, bis ans Kreuz, aber durch das Kreuz hindurch zur Auferstehung.
Er wird also nicht immer leicht sein, dieser Weg. Im Gegenteil. Er fordert viel, letztlich alles. Aber wie Abraham Gottes Zusage vertraut hatte, so dürfen auch wir darauf vertrauen, dass wir auf dem Weg des Glaubens immer von Gott begleitet und gehalten sind, und vor allem dürfen wir darauf vertrauen, dass dieser Weg wirklich zu etwas Großem und Beglückendem hinführt.
Dafür hat die Verklärung auf dem Berg so etwas wie eine Vorschau gegeben. Es ist die Vorschau auf das, was Ostern und Auferstehung bedeuten. Sie bedeuten vor allem, dass unser Leben ausgerichtet ist auf etwas Großes und Beglückendes, auf die Gemeinschaft mit jenem Gott, der uns die Fülle des Lebens schenken will. Was das genau beinhaltet, das wissen wir nicht. Wir können es uns nicht einmal vorstellen. Und doch bietet die Verklärung Jesu dafür einen Vorgeschmack. Sie sagt uns: der Weg dazu ist offen und das Ziel wird Licht und Glück sein. Wir müssen allerdings bereit sein, aufzustehen, das Abgestandene hinter uns zu lassen und uns auf den Weg zu machen, so wie Abraham es getan hat ganz im Vertrauen auf Gott. Dann wird Ostern für uns wahrhaft zum Fest des Lebens und dann wird unser ganzes Leben sich einmal vollenden im Licht der Verklärung.
Lieder:
GL 142: Zu dir, o Gott, erheben wir
GL 266: Bekehre uns, vergib die Sünden
GL 273: O Herr, nimm unsre Schuld
GL 325: Bleibe bei uns, du Wandrer durch die Zeit
GL 357: Wie schön leuchtet der Morgenstern
GL 363: Herr, nimm auch uns zum Tabor mit
GL 364/Ö853: Schönster Herr Jesu
GL 365: Meine Hoffnung und meine Feude
GL 368: O lieber Jesus, denk ich dein (6. Str.)
GL 370: Christus, du Herrscher Himmels und der Erde
GL 372: Morgenstern der finstern Nacht
GL 393: Nun lobet Gott im hohen Thron
GL 412: Die Herrlichkeit des Herrn bleibet ewiglich (Kanon)
GL 428: Herr, dir ist nichts verborgen (3. Str.)
GL 429: Gott wohnt in einem Lichte (Str. 1, 4, 5)
GL 448: Herr, gib uns Mut zum Hören
GL 452: Der Herr wird dich mit seiner Güte segnen
GL 464: Gott liebt diese Welt (Str. 3, 4, 6)
GL 481: Sonne der Gerechtigkeit
GL 485: O Jesu Christe, wahres Licht
GL 560: Christus Sieger, Christus König
Psalmen und Kehrverse:
GL 38,1: Der Herr ist mein Licht und mein Heil - Mit Psalm 27 - IV.
GL 43: Gott hat dich gesegnet auf ewig - Ich rühme deinen Namen durch alle Geschlechter - Mit Psalm 45 - V.
GL 46,1: Lass dein Angesicht über uns leuchten, o Herr - Mit Psalm 67 - II.
GL 264,2: Du bist das Licht, die Völker zu erleuchten, du deines Volkes Herrlichkeit - Mit Psalm 8 (GL 33,2) - VII, VI.
GL 629,1: Du führst mich hinaus ins Weite; du machst meine Finsternis hell - Mit Psalm 30 - I.
GL 653,3-4: Selig, die bei dir wohnen, Herr, die dich loben alle Zeit. - Mit Psalm 84 - V.
Herr, Jesus Christus,
du hast deinen Jüngern deine Herrlichkeit geoffenbart.
Herr, erbarme dich.
Du bist ihnen als der von Gott geliebte Sohn gegenüber getreten.
Christus, erbarme dich.
Du hast uns Anteil am Wohlwollen Gottes gegeben.
Herr, erbarme dich.
Gott, du hast uns geboten,
auf deinen geliebten Sohn zu hören.
Nähre uns mit deinem Wort
und reinige die Augen unseres Geistes,
damit wir fähig werden,
deine Herrlichkeit zu erkennen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 2. Fastensonntag
Gütiger Gott,
durch das Wirken deiner Gnade
schenkst du uns schon auf Erden
den Anfang des ewigen Lebens.
Vollende, was du in uns begonnen hast,
und führe uns hin zu jenem Licht,
in dem du selber wohnst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Samstag in der 2. Fastenwoche
Herr,
das Opfer, das wir feiern,
nehme alle Schuld von uns.
Es heilige uns an Leib und Seele,
damit wir uns in rechter Weise auf das Osterfest vorbereiten.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Fastensonntag
Herrn, unser Gott,
im heiligen Opfer, das wir feiern,
nimm auch unsere Mühen an,
damit der äußere Verzicht,
den wir in diesen vierzig Tagen auf uns nehmen,
uns durch deine Gnade innerlich erneuere.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Donnerstag in der 2. Fastenwoche
Guter Gott,
auf dem Berg der Verklärung hast du Jesus
vor den Augen der Jünger verherrlicht.
Wir bitten Dich, nimm mit diesen Gaben auch uns an
und verwandle uns,
damit wir an seiner Herrlichkeit teilhaben können.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Kehrvers:
Alle Enden der Erde schauen Gottes Heil. (GL Ö800)
Oder: Jubelt dem Herrn, alle Enden der Erde, schauen Gottes Heil. (GL 55,1))
Guter Gott, wir kommen zu dir, um dir zu danken
und deine Größe zu preisen.
Einst hast du Abraham herausgerufen
aus seinem Volk und aus seinem Vaterhaus,
um ihn zu einem großen Volk
und zum Segen für alle Geschlechter der Erde zu machen.
Kehrvers
Mose und Elija hast du deine Herrlichkeit schauen lassen
Sie haben dein Volk durch schwierige Zeiten geführt
und ihm deinen Willen geoffenbart.
Kehrvers
Auf dem Berg der Verklärung
hast du Jesus als deinen geliebten Sohn geoffenbart,
an dem du Gefallen gefunden hast.
Kehrvers
Durch ihn hast du deinen Plan mit den Menschen vollendet.
Er ist durch Leiden und Tod hindurch
in deine himmlische Herrlichkeit eingetreten.
Kehrvers
Durch ihn hast du auch uns den Himmel aufgeschlossen
und lässt uns jetzt schon erahnen,
Was du denen bereitet hast, die dich lieben.
Kehrvers
Dafür loben und preisen wir dich
mit allen Engeln und Heiligen.
Zusammen mit der ganzen Schöpfung singen wir zu deinem Lob:
Danklied, z. B.: Gott wohnt in einem Lichte (GL 429)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn er hat den Jüngern
seinen Tod vorausgesagt
und ihnen auf dem heiligen Berg
seine Herrlichkeit kundgetan.
In seiner Verklärung erkennen wir,
was Gesetz und Propheten bezeugen:
daß wir durch das Leiden mit Christus
zur Auferstehung gelangen.
Durch ihn rühmen wir deine Größe
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Fastensonntag 2
Ja, es ist recht, dir, Vater im Himmel,
zu danken durch unseren Herrn Jesus Christus.
Auf dem Berg der Verklärung ist er Mose und Elija begegnet
und seine Größe und Herrlichkeit wurden offenbar.
Gestärkt durch diese Begegnung und durch die Gewissheit deines Wohlgefallens
ist er den Weg seiner Sendung zu Ende gegangen bis zum Tod am Kreuz.
Du hast ihn endgültig verherrlicht und zu Deiner Rechten erhöht.
Seine Aufrichtigkeit gibt auch uns die Kraft, unseren Weg in Treue zu gehen,
und die Hoffnung, dass wir einmal mit ihm verherrlicht werden.
Durch ihn rühmen wir deine Größe
und singen in Gemeinschaft mit allen Propheten, Aposteln und Heiligen
das Lob Deiner Herrlichkeit.
Herr,
du hast uns im Sakrament
an der Herrlichkeit deines Sohnes Anteil gegeben.
Wir danken dir,
daß du uns schon auf Erden teilnehmen läßt
an dem, was droben ist.
Durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Fastensonntag
Gott segne das Dunkel
Gott segne das Dunkel, das du nicht verstehst,
und lasse dich schauen
Sein Licht.
Gott segne deine Schwäche
und lasse dich erfahren
Seine Kraft.
Gott segne deine Schmerzen
und lasse sie zum Weg werden
zu Ihm.
Gott segne deine Fragen
und öffne dir Ohren und Herz,
dass du Seine Antwort verstehst zu Seiner Zeit.
Gott segne die Ungewissheit
und mache dich gewiss
Seiner Gegenwart.
Gott segne deine Hoffnung
und lasse dich vertrauen,
dass größer als deine Wünsche Seine Liebe ist.
Gott segne deine schlaflosen Nächte
und lasse den Glauben in dir wachsen,
dass ER dich führt.
Wilma Klevinghaus, in: Peter Müller: Wer aufbricht, kommt auch heim
Als ich die Ruinen von Palmyra erreichte, war ich von der langen Reise so erschöpft, dass ich mich ins Gras legte, das zwischen den Säulen und Pfeilern wuchs. Die Zeit hatte sie entwurzelt und zu Boden geworfen, als ob ein Krieg hier gewütet hätte. Ich betrachtete ehrfürchtig die Pracht, wenngleich sie zerstört war und zu der blühenden Umgebung im Widerspruch stand.
Als die Nacht angebrochen war und die Kreaturen sich unter dem Mantel des Schweigens versammelt hatten, merkte ich, dass die Luft von etwas erfüllt war, das nach Weihrauch duftete und wie Wein berauschte. Ich trank davon und spürte verborgene Hände mit meinen Sinnen spielen; meine Augenlider wurden schwer, und mein Geist befreite sich von seinen Fesseln.
Dann dehnte sich die Erde, und das Firmament zitterte. Von magischer Macht getrieben, sprang ich vorwärts und fand mich in einem Garten wieder, den sich kein menschliches Wesen vorstellen kann. Ich war umgeben von Jungfrauen, die mit nichts anderem bekleidet waren als mit ihrer Schönheit. Während sie an meiner Seite schritten, war es, als ob ihre Füße das Gras nicht berührten. Die Melodien, die sie sangen, waren gewebt aus Träumen von der Liebe; dabei spielten sie auf ihren Gitarren aus Ebenholz mit goldenen Saiten. Als ich zu einer Lichtung gelangte, stand in der Mitte ein Thron, der mit kostbaren Steinen besetzt war. Von oben fiel ein Licht in den Farben des Regenbogens auf ihn herab. Zu beiden Seiten des Thrones standen Jungfrauen und sangen lauter als zuvor. Alle blickten in eine Richtung, der ein Duft von Myrrhe und Weihrauch entströmte. In diesem Augenblick erschien aus den blühenden Zweigen eine Königin, die langsam auf den Thron zuschritt und darauf Platz nahm. Eine Schar von Tauben - weiß wie der Schnee - flogen vom Himmel herab und bildeten einen Halbmond zu Füßen der Königin.
Währenddessen priesen die Jungfrauen sie in ihren Liedern, und der Weihrauch stieg ihr zu Ehren in Säulen auf. Ich stand da und schaute gespannt auf das, was kein Menschenauge gesehen und kein menschliches Ohr gehört hat. Da gab die Königin mit ihrer Hand ein Zeichen, und jede Bewegung erstarrte. Und mit einer Stimme, die meine Seele erzittern ließ - wie die Saiten einer Laute unter der Hand ihres Spielers -, sagte sie: »Ich, die Herrin der Phantasie, habe dich, o Mensch, an diesen Platz gerufen. Ich erweise dir die Gunst, vor der Königin über den Wäldern der Träume zu stehen. Hör meine Empfehlungen und verkünde sie aller Welt: Sag ihnen, dass die Stadt der Phantasie eine Hochzeit ist; ihre Tore werden von einem Riesen bewacht, der niemanden einlässt, der kein Hochzeitsgewand trägt.
Sie ist ein Paradies, dessen Wächter der Engel der Liebe ist; niemand kann sie betreten, der nicht auf seiner Stirn das Zeichen der Liebe trägt. Sie ist ein Feld blühender Vorstellungen, und ihre Flüsse sind wie guter Wein; ihre Vögel schweben gleich Engeln, und ihre Blumen duften betörend. Nur die Kinder der Träume gelangen auf dieses Feld.
Sag den Menschen, dass ich ihnen einen Kelch der Freude angeboten habe, doch sie gossen ihn in ihrer Unwissenheit aus. Dann kam der Engel der Finsternis und füllte ihn mit Kummer. Sie tranken ihn unvermischt und waren betrunken.
Sag ihnen, dass niemand die Gitarre des Lebens spielen kann als derjenige, dessen Fingerspitzen meinen Gürtel berührten und dessen Augen meinen Thron sahen.
Isaias verfasste Verse der Weisheit - gleich Perlen auf dem Halsband der Liebsten. Johannes berichtete von seiner Vision in meiner Sprache. Dante betrat die fruchtbaren Weiden des Geistes unter meiner Führung. Ich bin ein Symbol, das die Wirklichkeit berührt, eine Wahrheit, welche die Einheit des Geistes sichtbar macht und ein Zeuge der Werke der Götter.
Sag den Menschen, dass das Denken eine Heimat hat in einer Welt jenseits der sichtbaren Welt, deren Himmel nicht verhüllt ist von den Wolken der Freude. Sag ihnen, dass die Visionen im Himmel der Götter Form annehmen und sich in der Seele widerspiegeln, damit sie ihre Hoffnung auf das lenken, was nach der Befreiung vom Leben in dieser Welt weiterleben wird.«
Und nachdem die Königin der Phantasie mich an sich gezogen und meine brennenden Lippen geküsst hatte, sprach sie: »Sag allen, dass derjenige, der die Tage seines Lebens nicht auf der Bühne der Träume verbringt, ein Sklave der Zeit sein wird.«
In diesem Augenblick wurden die Stimmen der Jungfrauen wieder lauter; Weihrauchsäulen stiegen auf und verhüllten alles. Dann dehnte sich die Erde, und das Firmament zitterte, und ich fand mich wieder inmitten der Ruinen von Palmyra. Das Morgenrot lächelte, und auf meiner Zunge waren die Worte: »Wer die Tage seines Lebens nicht auf der Bühne der Träume verbringt, wird ein Sklave der Zeit sein.«
Eine Träne und ein Lächeln
Aus: Khalil Gibran Lesebuch. Herausgegeben von Volker Fabricius. Patmos Verlag, Düsseldorf 2008.
Die Kunst, neu anzufangen, ist also vor allem auch die Kunst, unser Denken zu erneuern, zu wissen, dass die Wahrheit viel größer ist als das, was unsere begrenzten Verstandesgefäße fassen können. Das Gegenteil einer tiefen Wahrheit kann nach einem Wort von Kardinal Newman wieder eine tiefe Wahrheit sein. "Erneuert euren Geist und Sinn", ruft uns der Epheserbrief zu (Eph 4,23). Das ist eine Aufforderung, uns auch zu fragen, aus welchen Überzeugungen wir schöpfen, was die Grundüberzeugungen sind, die das Fundament unseres Lebens bilden. Glauben wir tatsächlich an die Gegenwart des lebendigen Gottes? Glauben wir tatsächlich an die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus? Glauben wir tatsächlich an die Vorsehung Gottes, die unser Leben führen und leiten kann? Hier sind Gespräche - Gespräche mit der Schrift, Gespräche mit einer geistlichen Begleiterin oder einem geistlichen Begleiter, Gespräche mit Büchern, die wir lesen, Gespräche mit Filmen, die wir sehen - ganz wichtig. Ein gutes Gespräch ist unabschließbar und so wissen wir dann auch, dass der Weg der Selbsterneuerung ein Weg ist, der nicht zu einem Ende kommt.
Aus Alois Kothgasser / Clemens Sedmak, Geben und vergeben. Von der Kunst neu zu beginnen. Tyrolia Verlag, Innsbruck Wien 2008.
"Die eigentliche und einzige Mitte des Christentums und seiner Botschaft ist darum für mich die wirkliche Selbstmitteilung Gottes in seiner eigensten Wirklichkeit und Herrlichkeit an die Kreatur, ist das Bekenntnis zu der unwahrscheinlichsten Wahrheit, dass Gott selbst mit seiner unendlichen Wirklichkeit und Herrlichkeit, Heiligkeit, Freiheit und Liebe wirklich ohne Abstrich bei uns selbst in der Kreatürlichkeit unserer Existenz ankommen kann und alles andere, was das Christentum anbietet oder von uns fordert, demgegenüber nur Vorläufigkeit oder sekundäre Konsequenz ist." So komme es bei der Neuevangelisierung unserer Welt nicht zuerst darauf an, die christliche Wirklichkeit als solche, also vor allem inhaltlich zu nennen, "sondern etwas von der Erfahrung zu sagen, die man natürlich sehr subjektiv von dieser Wirklichkeit gemacht hat". Das berühmte Wort Rahners, der Christ der Zukunft werde einer sein, der eine "Erfahrung" in göttlichen Dingen gemacht hat und somit ein "Mystiker" ist, hat hier seine Wurzeln.
63. JAHRGANG 2011 WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DE Freiburg, 13.März 2011.
aus: Geist der Unruhe. Zeitgenosse, Theologe, Prophet: Karl Rahner. Von Georg Kügler.
http://www.christ-in-der-gegenwart.de/aktuell/bes_thema_druckversion_html?k_beitrag=474873
Keineswegs zufällig wurde die Einweihung der Versöhnungskirche auf den Tag der Verklärung Christi gelegt. Tatsächlich müssen wir uns daran erinnern, wie Christus sein Werk der Umwandlung (transfiguration) in uns und in unserem Nächsten vollzieht. Er kehrt die allerinnersten Widerstände um, die sich der Versöhnung widersetzen. Er durchdringt allmählich mit seinem Licht die dunkelsten Stellen unserer Schatten.
Frere Roger Schutz in einer Presseaussendung
Im Schatten der Angst
Der Hoffnung trauen
Im Nicht-mehr
Und Noch-nicht
Zwischen gestern und morgen
Das Heute bejahen
Machtlos zulassen
Dass ich nicht leisten muss
Was ich nicht leisten kann
Aufhören mir zu beweisen
Dass ich es doch könnte
Grenzen spüren
Und ihnen erlauben zu sein
Ahnen
Dass die Zerrissenheit
Mich öffnet für Neues
Der Angst vor Schwäche und Versagen
Offen ins Auge sehen
Die verheißungsvolle Zukunft
Nicht mit Befürchtungen erschlagen
Schritt für Schritt suchen
Und suchen und weitergehen
Mich von Gottes Zumutung
Wandeln lassen
Wachsam sein
Für Gottes alltägliches
Ich-bin-da-für-dich
Im Schatten der Angst
Der Hoffnung trauen
Und mich Tag für Tag
Entscheiden fürs Leben

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