Mit dem Einzug in Jerusalem erfüllt Jesus die Prophezeiungen der Propheten: Er kommt bescheiden und friedlich und reitet auf einem Esel. Er setzt nicht auf Macht.
Politiker, die eine straffe Führung versprechen und das nationale Wir-Gefühl stärken, erfreuen sich derzeit in vielen Ländern eines regen Zuspruchs. Offenbar kommen diese damit den Bedürfnissen vieler Menschen entgegen. Es erhebt sich jedoch die Frage, ob sie ihre Versprechen auch einlösen können und ob damit ihre Länder in eine nationalistische Sackgasse geführt werden, aus der sie sich nur mühsam wieder befreien können.
Ein ähnliches Stimmungsgebräu fand Jesus vor, als er mit seinen Jüngern hinauf nach Jerusalem ging. Die Menschen trauten ihm zu, dass er ihre verletzte nationale Identität heilen und ihre Interessen gegenüber der Besatzungsmacht und den religiösen Herrschern vertreten kann.
In der Art der Propheten setzte Jesus aber andere Zeichen: Er reitet auf dem Fohlen einer Eselin. Er zitiert damit den Propheten Sacharja und will sich als Friedenskönig verstanden wissen. Für Kenner der heiligen Schriften bedeutete dies eine klare Absage gegenüber Aufstands- und Kriegsgelüsten. Ein weiteres Zeichen setzte er beim Abschiedsmahl, als er beim Brotbrechen und beim Reichen des Weines sein Selbstverständnis darlegte. Ihm ging es um die Hingabe seiner selbst und nicht um Machtergreifung. Bei seiner Gefangennahme wies er jede Form von Gewaltanwendung zurück. Alles zusammen kein Programm, mit dem man Staat machen oder Wahlen gewinnen kann.
Trotzdem sammelt er aber Anhänger hinter sich. Was er ihnen bietet, ist aber nicht mehrheitsfähig sondern eher ein Minderheitenprogramm. Von vornherein ist klar, dass er den Machtkampf vor dem Hohen Rat und vor dem politischen Statthalter nicht gewinnen kann.
Warum lesen wir das heute noch? Um ihn zu bewundern? Zu bemitleiden?
Auch wenn ihn in diesen Stunden alle im Stich gelassen haben oder ohnmächtig aus der Ferne zuschauen mussten, sodass er am Kreuz mit dem Gefühl der Gottverlassenheit ringt: Er wirbt um Jüngerinnen und Jünger, die in seine Fußstapfen treten, die ihm nachfolgen; um Menschen, die bereit sind, den gleichen Weg des Daseins füreinander, des sich Hingebens für andere zu gehen. Für ihn ist es nicht ein politisches sondern ein existenzielles Programm.
Wir, die wir in der Fastenzeit ihn begleitet haben und mit ihm hinaufgegangen sind nach Jerusalem, stehen vor der gleichen Entscheidung, vor der die Menschen damals standen: Klatschen wir seinem Programm Beifall unter dem Vorbehalt, dass er unsere Wünsche und Sehnsüchte erfüllt? Spanen wir ihn vor unsere eigenen politischen Karren als Religionserneuerer, Sozialreformer oder Gesellschaftspolitiker? Gehen wir mit ihm, weil ein so aufrichtiger Mensch unsere Solidarität verdient? Oder folgen wir ihm nach, weil wir für uns erkannt haben, dass seine Art zu leben unser eigenes Dasein mit Sinn und Tiefe erfüllt?
Unsere Inszenierung des Palmsonntags mündet in die Eucharistiefeier, in der wir Brot und Wein zum Gedächtnis an ihn erheben, seinen Leib und sein Blut uns einverleiben und so fähig werden, selbst in sein Dasein für die Menschen einzutreten. Hier entscheidet sich, ob dieser Tag nur ein traditionsfrohes Spiel bleibt oder uns in das Geheimnis von Tod und Auferstehung Jesu hineinführt.
Begrüßung und Hinführung:
Zur Feier des Palmsonntagsgottesdienstes begrüßen wir Sie recht herzlich. Vielleicht hat sich der eine oder andere gefragt, was der Esel hier soll. Es ist in der Tat ungewöhnlich. Doch er hat heute durchaus eine tragende Rolle zu spielen. Wir erinnern uns, was vor 2000 Jahren sich bei und in Jerusalem ereignet hat. Und wir hören hin, was uns überliefert wurde. Und werden dann - so hoffe ich - verstehen, worum es geht, und was der Esel heute hier verloren hat. Passen wir gut auf!
Erzähler: Jesus ist mit seinen Jüngern unterwegs. Er ist auf dem Weg nach Jerusalem. Bevor sie in die Stadt kommen, bleibt Jesus stehen. Er sagt zu seinen Jüngern:
Jesus: "Geht voraus in das nächste Dorf. Es heißt Betphage. Dort werdet ihr einen Esel finden, der an einem Pflock angebunden ist. Noch niemand ist auf diesem Esel geritten. Bindet ihn los und bringt ihn zu mir. Auf ihm will ich in die Stadt hineinreiten. Wenn euch der Herr, dem der Esel gehört, fragt, warum ihr das Tier losbindet und mitnehmt, so sagt ihm: Der Herr braucht ihn. Dann wird er ihn euch geben.
Erzähler: Die beiden Jünger gehen in das nächste Dorf. Sie finden alles so, wie Jesus es gesagt hat. Sie sehen den jungen Esel und wollen ihn losbinden, doch da kommt der Besitzer und fragt: Was bindet ihr meine Esel los? Die beiden Jünger sagen: Der Herr braucht ihn. Da gibt der Mann ihnen den jungen Esel.
Als sie den Esel zu Jesus gebracht haben, setzt Jesus sich darauf. Und so reitet er in die Stadt Jerusalem hinein. Viele Menschen kommen ihm entgegen und ziehen mit ihm in die Stadt hinein. Doch plötzlich geschieht etwas Seltsames, Ungewohntes, was noch niemand gehört hat. Die Leute beginnen zu singen: Jesus soll unser König sein! Hosianna, hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn.
Barmherziger, ewiger Gott,
segne diese Zweige,
die Zeichen des Lebens und des Sieges sind.
Mit ihnen ehren wir Jesus, unseren König.
Mit Liedern begleiten wir ihn in seine heilige Stadt.
Gib, dass wir durch ihn zum himmlischen Jerusalem gelangen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
(Nach Regine Schindler, Mit Gott unterwegs. Die Bibel für Kinder und Erwachsene neu erzählt, 1996)
Kind: Eine Frage habe ich mir schon oft gestellt. Warum hast du damals den Esel genommen, und nicht ein Pferd?
Jesus: Erinnere dich, was in den alten Schriften beim Propheten Sacharja geschrieben steht: "Freue dich, du Stadt Jerusalem. Dein König kommt zu dir. Ein gerechter König ist er. Er ist arm und mächtig. Auf einem jungen Esel wird er in die Stadt reiten." Darum brauche ich dieses Tier. Weil ich dieser König bin. Euer König. Wie damals ziehe ich euch heute nach Jerusalem ein. Ob mir auch heute die Leute, große und kleine, so zujubeln wie damals?
Liedruf (Teil aus dem Sanktus - einmal vorgesungen - alle wiederholen):
Hosanna, hosanna, hosanna, so preisen dich alle
Kind: Herr Jesus, wir loben dich. Denn du hast viele Menschen geheilt.
Liedruf
Kind: Herr Jesus, wir preisen dich. Denn du hast uns von Gott erzählt.
Liedruf
Kind: Herr Jesus, wir loben dich. Denn du bist unsere grosse Hoffnung.
Liedruf
in der Kirche Orgel
KG 414,1-2. "Seht, er kommt, seht unsern Herrn nach Jerusalem"
(Nach Regine Schindler, Mit Gott unterwegs. Die Bibel für Kinder und Erwachsene neu erzählt, 1996)
Evangelist: (Ambo), Jesusworte (Altar), Sonstige: (Stabmikrofon), Petrus/Pilatus: (Stabmikrofon)
Die Leidensgeschichte unseres Herrn Jesus Christus.
(Geräusche )
Evangelist: Nach dem Abendmahl ging Jesus in einen Garten auf dem Ölberg. Seine Jünger gingen mit ihm. Dort kniete er nieder und betete:
Jesus: "Vater, wenn du willst, kannst du mir das Leiden und den Tod ersparen. Doch nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen."
Evangelist: In seiner Todesangst betete Jesus so sehr, dass sein Schweiß wie Blut auf die Erde tropfte.
(Trommelschläge - wie das Blut auf die Erde tropft ...)
Lied: KG 216,1. Strophe, Komm zu mir, mein Herr
Evangelist: Jesus stand auf und ging zu seinen Jüngern zurück. Doch sie schliefen. Es war Abend und Angst und Sorge haben sie müde gemacht. Jesus fragt sie:
Jesus: "Wie könnt ihr schlafen? Wacht auf und betet, damit ihr der kommenden Prüfung standhaltet."
Evangelist: Als Jesus noch mit seinen Jüngern sprach, kamen Männer in den Garten. Judas Iskariot, einer der Jünger Jesu, war ihr Anführer. Er ging auf Jesus zu und wollte ihm einen Begrüßungskuss geben. Jesus fragte:
Jesus: "Judas, willst du mich mit diesem Kuss verraten?"
(Leiser Schlag auf das Becken)
Evangelist: Zu den Männern sagte Jesus:
Jesus: "War ich nicht Tag für Tag bei euch im Tempel? Warum habt ihr nicht gewagt, dort etwas gegen mich zu unternehmen? Aber jetzt ist eure Stunde da, jetzt hat die Finsternis die Macht."
(Leiser Schlag auf das Becken)
Evangelist: Die Soldaten nahmen Jesus fest und führten ihn in das Haus des Hohenpriesters. Dort versammelten sich die Ältesten, die obersten Priester und die Gesetzeskundigen. Sie fragten Jesus:
Sonstige: "Bist du Gottes Sohn?"
Jesus: "Ich bin es."
Evangelist: Im Hof des Hohen Rates saß auch Petrus. Er wollte wissen, was weiter mit Jesus geschah. Da kam eine Magd zu ihm und sagte:
Sonstiger: Auch du warst mit diesem Jesus aus Galiläa zusammen.
Evangelist: Doch er leugnete es vor allen Leuten und sagte:
Petrus: "Ich weiß nicht , wovon du redest, ich kenne den Menschen nicht."
Gleich darauf krähte ein Hahn.
Evangelist: Und Petrus erinnerte sich an das, was Jesus gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich.
(Leise Trommelschläge: die Tränen fallen auf die Erde)
Lied: KG 216,2 Jemand weint, mein Herr
Evangelist: Sie brachten Jesus zum römischen Statthalter Pontius Pilatus. Ihre Anklage lautete:
Sonstige: Er beunruhigt das Volk! Er behauptet, er sei der Retter den Gott seinem Volk versprochen hat, der König!
Evangelist: Pilatus fragte Jesus:
Pilatus: " Bist du der König?"
Jesus: "Du sagst es."
Evangelist: Für Pilatus war Jesus unschuldig. Trotzdem führte er Jesus hinaus zu seinen Anklägern und sagte:
Pilatus: "Da seht, der Mensch!"
Evangelist: Sie aber riefen:
Sonstige: "Er soll am Kreuz hängen"
Pilatus: "Dann nehmt ihn und kreuzigt ihn! Für mich ist er unschuldig."
Sonstige: "Wir haben ein Gesetz, das bestimmt, dass er sterben muss. Er hat ja von sich selbst gesagt, er sei Gottes Sohn."
Evangelist: Sie bedrängten Pilatus so lange, bis er Angst bekam und Jesus zum Tod am Kreuz verurteilte.
Lied: KG 216,4 Jemand betet, Herr
Evangelist: Jesus trug sein Kreuz bis vor die Stadt hinaus auf einen Hügel. Dieser Hügel war die so genannte Schädelhöhe, die auf Hebräisch Golgota heißt. Dort schlugen sie ihn ans Kreuz.
(Hammer- Nägel ins Holz schlagen)
Evangelist: Mit ihm wurden zwei Verbrecher hingerichtet. Ihre Kreuze standen links und rechts vom Kreuz Jesu. Pilatus ließ ein Schild oben an das Kreuz Jesu nageln. Darauf stand: Das ist Jesus von Nazareth, der König der Juden.
(Ministrant bringt das Kreuz mit dem Corpus und stellt es vor dem Altar auf)
Evangelist: Beim Kreuz standen vier Frauen: Seine Mutter, die Schwester seiner Mutter, die Frau des Klopas und Maria von Magdala. Der Jünger, den Jesus liebte, stand bei Maria. Als Jesus seine Mutter sah, sagte er:
Jesus: "Er ist von nun an dein Sohn."
Evangelist: Zu dem Jünger sagte er:
Jesus: "Sie ist von nun an deine Mutter."
Evangelist: Von da an nahm der Jünger Maria zu sich und sorgte für sie. Jesus wusste, dass sein Leiden nun ein Ende hatte.
Jesus: "Es ist vollbracht!"
Evangelist: Dann senkte er den Kopf und starb.
(Jesus setzt sich auf den Boden)
Evangelist: Wir knien nieder und halten einen Augenblick Stille
Danach alle Sprecher: Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Rettung, im Kreuz ist Erlösung. Wir danken dir, Herr Jesus Christ, dass du für uns gestorben bist.
Evangelist: Josef von Arimathäa nahm Jesus Leib vom Kreuz, wickelte ihn in ein Leinentuch und legte ihn in ein Grab, das in einen Felsen gehauen war. Dann rollte er einen großen Stein vor den Eingang.
Kurzes Orgelspiel
Wer hätte das geglaubt? Da spielt einer den König, reitet auf einem Esel in Jerusalem ein. Seine Anhänger jubeln, sehen sich am Ziel ihrer Wünsche und hoffen, dass es jetzt endlich losgeht mit dem lang erwarteten Neuen, mit diesem geheimnisvollen Reich des Messias.
Sie können sich doch nicht verrechnet haben in Jesus. Tatsächlich ist etwas Königliches in ihm, auch wenn er auf einem Esel daher geritten kam. Er benimmt sich so, als ob er alle Macht, alle Autorität auf seiner Seite hätte.
Sogar später noch, als für Petrus alles in Scherben liegt, hat Pilatus dieselbe Erfahrung gemacht, und schließlich bei seinem Tod auch noch diejenigen, die dabei waren.
Wer hätte das geglaubt? Das mit dem Esel war kein Spiel. Und die Kinder haben sich nicht getäuscht, als sie Hosanna riefen. Und Pilatus nicht, und Johannes nicht und Maria nicht, und Maria von Magdala nicht.
Die Kinder, die Fremden und die Liebenden haben schon sehr früh verstanden. Und später Tausende, Zehntausende, Hunderttausende andere auch. Durch alle Höhen und Tiefen der Kirchengeschichte haben sie verstanden. Und die silberne Spur der Begeisterung, der Tränen und der Liebe zieht sich immer länger hin. Jesus ist ein König. Er ist es tatsächlich. Wenn auch auf ganz andere Art. Selbst ein Esel erkennt das immer mehr. (nach Jürgen Olf)
Herr Jesus Christus, du bist unser König.
Du hast ein weites Herz für alle unsere Anliegen.
Wir vertrauen dir.
Darum bitten wir dich:
Wir beten für alle, die sich nach Frieden sehnen.
Wir beten für alle, deren Vertrauen enttäuscht wurde.
Wir beten für alle, die in diesen Tagen den Weg mit Jesus gehen.
Wir beten für alle, die ihre Hoffnung auf Jesus setzen.
Wir beten für alle, die um einen lieben Verstorbenen trauern.
Erhöre unsere Bitten, o Herr,
und sende uns deinen guten Geist,
der uns Kraft gibt, Mut und Liebe.
Dir sei Lob und Preis in alle Ewigkeit.
Amen.
Gabenbereitung: Orgelspiel.
Gabengebet: aus dem Messbuch
Präfation aus dem Messbuch
Sanktus: Heilig ... (siehe Sanktuslied beim 1. Teil)
Kinder-Hochgebet
Akklamation: "Wir preisen deinen Tod ..." - gesungen
Vater unser: gesungen
Kommunion: Orgel
Gott des Lebens.
Wir haben gefeiert, dass Jesus in Jerusalem als König eingezogen ist.
Er ist unser König - viel stärker als der Tod.
Wir bitten dich,
lass uns ihn loben und preisen durch unser Leben.
Heute und alle Tage unseres Lebens und darüber hinaus.
Danklied: KG 593,1-3 Gib uns Frieden jeden Tag
Segen und Entlassung:
Auszug: Orgel
In der Kar- und Osterliturgie geht es nicht nur um das Schicksal Jesu, sondern auch um unser Schicksal.
Zum Einzug Jesu in Jerusalem gibt der Evangelist Johannes einen sehr nüchternen Kommentar: "Das alles verstanden seine Jünger zuerst nicht" (Joh 12,16)
Die feierliche Palmprozession mit ihren Riten und Gebräuchen findet in vielen Gegenden großen Anklang. Aber wird ihr Sinn begriffen? Was bedeutet der festliche Einzug Jesu, den die Jünger erst nach Ostern begriffen haben? Was sagt uns die Palmprozession am Beginn der Kar- und Ostertage?
Der Einzug Jesu in Jerusalem ist keine Episode am Rande, keine Nebensache, die sich zufällig ergeben hat. Die Initiative zu diesem Einzug geht von Jesus selbst aus. Er gibt den zwei Jüngern den Auftrag: "Geht in das Dorf, das vor euch liegt; dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los, und bringt sie zu mir." Jesus selbst will durch diesen Einzug ein Zeichen setzen und zum Ausdruck bringen, wer er ist und was sich nun in Jerusalem ereignen wird.
Die Jünger, das Volk und selbst die Pharisäer lassen sich auf den Vorgang ein, ohne recht zu wissen, was das Ganze zu bedeuten hat. Die beiden Jünger holen die Eselin und das Fohlen, viele breiten ihre Kleider auf der Straße aus, andere schneiden Zweige von den Bäumen und streuen sie auf den Weg. Und immer mehr jubeln Jesus zu: "Hosanna dem Sohn Davids"; das heißt übersetzt: "Bringt doch Heil". Die ganze Stadt gerät in Aufregung und man fragt: "Wer ist das?"
Jesus erhebt mit diesem Einzug den Anspruch, der Messias zu sein. Er bringt aber zugleich zum Ausdruck, dass er in ganz anderer Weise Messias ist als erwartet. Er kommt nicht mit Macht, nicht hoch zu Ross. Er reitet auf einer Eselin. Er kommt gewaltlos und friedfertig.
Die Gegner Jesu spüren trotzdem den Anspruch Jesu, der hier verborgen ist. Sie fordern: "Meister bring doch deine Jünger zum Schweigen" (Lk 19,39).
Jesus weist sie zurück: "Ich sage euch: Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien" (Lk 19,40).
Beim Einzug Jesu in Jerusalem kündet sich an, was sich in nächster Zeit ereignen wird: Jesu Tod am Kreuz und seine Auferstehung.
Was hat uns dies heute zu sagen? - Das, was sich vor fast 2000 Jahren ereignet hat, ist nicht Vergangenheit. Die Liturgie der Kar- und Ostertage will dieses Geschehen, das auch uns unmittelbar betrifft, vergegenwärtigen. Wie die Zeitgenossen Jesu, sollen wir uns von diesen Ereignissen betreffen lassen und in Glaube oder Unglaube dazu Stellung beziehen. Das Werk der Erlösung soll an uns wirksam werden.
Die Palmprozession mit der anschließenden Eucharistiefeier ist die Eröffnung der Liturgie der Kar- und Ostertage, die am Gründonnerstag, am Karfreitag und in der Osternacht ihre Höhepunkte findet. Es geht in diesen Tagen nicht um eine fremde Sache, die uns nichts angeht. "Res mea agitur". Es geht um meine Sache; es geht nicht nur um das Schicksal Jesu, sondern auch um mein Schicksal.
Liedvorschläge:
GL 279: Hosanna dem Sohne Davids (Kyrie)
GL 280: Singt dem König Freudenpsalmen
GL 281: Also sprach beim Abendmahle
GL 288: Hört das Lied der finstern Nacht
GL 289: O Haupt voll Blut und Wunden
GL 290: Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen
GL 299: Der König siegt, sein Banner glänzt
GL 369: O Herz des Königs aller Welt
GL 460: Wer leben will wie Gott auf dieser Erde
GL 477: Gott ruft sein Volk zusammen
GL 485: O Jesu Christe, wahres Licht
GL Ö818: Aus der Tiefe rufen wir zu dir
GL Ö819: Lass mich deine Leiden singen
GL Ö820: Herr Jesus Christ, wir suchen dich
GL Ö821: Jesus zieht in Jerusalem ein, Hosianna
Kehrverse und Psalmen:
GL 36,1-2: Auf dich haben unsere Väter vertraut, und du hast sie gerettet. - Mit Psalm 22 - II.
GL 52: Herr, du bist König über alle Welt - Mit Ps 93 - VIII.
GL 293: Mein Gott, mein gott, warum hast du mich verlassen? - Mit Psalm 27 (GL 38,2) - IV.
GL 302,2: Hosanna dem Sohne Davids! - Mit Psalm 57 (GL 649,6) - VII.
GL 302;3: Hosanna, hosanna, hosanna in der Höhe - Mit Psalm 118 (GL 66,2) oder Psalm 122 (GL 68,2) - VI.
GL 629,5-6 (564): Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit - Mit Phil 2,6-11 - VI.
GL 639,1: Erbarme dich meiner o Gott, erbarme dich meiner. - Mit Psalm 121 (GL 68,2) - VI.
GL 657,5: Christus war für uns gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuze. Mit Psalm 121 (GL 68,2) - VI.
Mit der Feier des Palmsonntags beginnen wir die Feier der Karwoche, der großen heiligen Woche.
Im Geiste ziehen wir mit Jesus hinauf nach Jerusalem und erleben wir mit ihm seine Vollendung als von Gott gesandten Messias. Mit ihm durchleiden wir auch den Weg des Kreuzes, den er für uns gegangen ist. Mit ihm erinnern wir uns, wie er beim Abschiedsmahl seinen Jüngern die Füße gewaschen, mit ihnen Mahl gehalten hat und seinen bevorstehenden Leidensweg als Hingabe für uns gedeutet hat.
Am Beginn dieser Feier huldigen wir Christus als Sohn Davids, als Messias und Erlöser.
(Fortsetzung der Feier mit der Segnung der Palmzweige und der Palmprozession oder mit den Kyrierufen)
Barmherziger, ewiger Gott,
segne + diese Zweige,
die Zeichen des Lebens und des Sieges sind.
Mit ihnen ehren wir Jesus, unseren König.
Mit Liedern begleiten wir ihn in seine heilige Stadt.
Gib, dass wir durch ihn zum himmlischen Jerusalem gelangen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Palmsonntag
Allmächtiger, ewiger Gott,
deinem Willen gehorsam,
hat unser Erlöser Fleisch angenommen,
er hat sich selbst erniedrigt
und sich unter die Schmach des Kreuz es gebeugt.
Hilf uns,
daß wir ihm auf dem Weg des Leidens nachfolgen
und an seiner Auferstehung Anteil erlangen.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.
MB Palmsonntag
Großer Gott,
wir feiern in dieser Heiligen Woche
den Höhepunkt des Kirchenjahres.
Laß uns still und nachdenklich werden
und unsere Verbindung zu Christus stärken,
der uns in Tod und Auferstehung den Weg
vorausgegangen ist, und der mit dir lebt
und herrscht in Ewigkeit.
Allmächtiger, ewiger Gott,
dein Sohn hat sich bis zum Tod am Kreuz erniedrigt
und die Sünden der Menschen auf sich genommen.
Hilf uns,
daß wir mit ihm im Leiden ausharren
und zur Herrlichkeit der Auferstehung gelangen.
Durch ihn, Christus, unseren Herrn.
Gott, unser Vater,
im Vertrauen auf dich hat Jesus den Weg des Messias auf sich genommen,
der ihn durch Leiden und Tod hindurch zur Auferstehung führte.
So treten auf wir mit unseren Bitten an dich heran:
Wir beten für alle, die ein schweres Schicksal zu tragen haben.
Stärke sie und lass sie das Vertrauen in deine Vaterliebe nicht verlieren.
Wir beten für alle, die wegen ihrer religiösen Überzeugung verfolgt werden.
Gib ihnen Kraft zum Ausharren und lass sie ihre Hoffnung nicht verlieren.
Wir beten für die Völker in Palästina und Syrien.
Zeige ihnen Wege zum Frieden.
Wir beten für alle, die religiös und politisch Andersdenkende bekämpfen.
Lass sie teilhaben an der Weite deines Herzens.
Wir beten für alle, die der Botschaft Jesu gleichgültig gegenüber stehen.
Lass sie die befreiende Kraft deines Evangeliums erkennen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Herr, unser Gott,
schenke uns Verzeihung
durch das Leiden deines Sohnes.
Wir haben sie zwar durch unsere Taten nicht verdient,
aber wir vertrauen auf dein Erbarmen.
Darum versöhne uns mit dir
durch das einzigartige Opfer
unseres Herrn Jesus Christus,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Palmsonntag
Kehrvers:
Herr Jesus, dir sei Rum und Ehre. (GL176,3)
Guter Gott, wir danken dir,
dass du uns Jesus Christus als Messias und Erlöser gesandt hast.
Er ist als Friedensfürst in Jerusalem eingezogen
und hat uns deinen göttlichen Frieden gebracht.
Kehrvers
Er ist gekommen, nicht um zu herrschen,
sondern um zu dienen.
Er hat als Hirte sein leben hingegeben für seine Herde,
damit wir ewiges Leben erlangen.
Kehrvers
Er hat unsere Schuld getilgt
und uns mit dir, Gott und Vater, versöhnt.
Er hat uns die Macht gegeben, Kinder Gottes zu werden
und in deinem Licht zu leben.
Kehrvers
Dafür danken wir dir mit allen Engeln und Heiligen.
Wir stimmen ein in den Lobpreis deines auserwählten Volkes
und singen dir zur Ehre:
Danklied, z. B."Gott wohnt in einem Lichte... GL 429
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken und
das Werk deiner Liebe zu rühmen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Er war ohne Sünde
und hat für die Sünder gelitten.
Er war ohne Schuld und hat sich
ungerechtem Urteil unterworfen.
Sein Tod hat unsere Vergehen getilgt,
seine Auferstehung
uns Gnade und Leben erworben.
Darum preisen wir jetzt
und in Ewigkeit dein Erbarmen
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Palmsonntag
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und das Werk deiner Gnade zu rühmen.
Denn das Leiden deines Sohnes
wurde zum Heil für die Welt.
Seine Erlösungstat bewegt uns,
deine Größe zu preisen.
Im Kreuz enthüllt sich dein Gericht,
im Kreuz erstrahlt die Macht des Retters,
der sich für uns dahingab,
unseres Herrn Jesus Christus.
Durch ihn loben dich deine Erlösten
und vereinen sich mit den Chören der Engel
zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Passionszeit 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und das Werk deines Erbarmens zu rühmen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn wiederum kommen die Tage,
die seinem heilbringenden Leiden und
seiner glorreichen Auferstehung geweiht sind.
Es kommt der Tag des Triumphes über den alten Feind,
es naht das Fest der Erlösung.
Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel
und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Passionszeit 2
(nicht approbierter Studientext)
Gott, es ist gut, deine Liebe zu preisen!
Jesus, dein Sohn, reitet als König in Jerusalem ein,
Jesus, ein König für die Sünder, für die Kranken, für den Frieden.
Weil Jesus vom Tod auferstanden ist,
ist Jesus auch heute noch König für die Menschen mit gutem Willen.
Dafür loben wir dich
und singen mit den himmlischen Chören:
© Franz Wenigwieser, OFM
Herr, unser Gott,
du hast uns im heiligen Mahl gestärkt.
Durch das Sterben deines Sohnes
gibst du uns die Kraft,
das Leben zu erhoffen, das uns der Glaube verheißt.
Gib uns durch seine Auferstehung die Gnade,
das Ziel unserer Pilgerschaft zu erreichen.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Palmsonntag
1
mit einer schar von freunden (freundinnen auch)
durch galiläas dörfer und Städte ziehend
hat er kranke geheilt und geschichten erzählt
von der weltleidenschaft des ewigen gottes
2
privilegien der klasse der bildung galten ihm nichts
zu seinem umgang zählten tagelöhner und zöllner
wo mangel sich zeigte an nahrung oder getränk
teilte er fische brot und wein aus für viele
3
die gewalt von gewalthabern verachtete er
gewaltlosen hat er die erde versprochen
sein thema: die zukunft gottes auf erden
das ende von menschenmacht über menschen
4
in einer patriarchalischen welt blieb er der sohn
und ein anwalt unmündiger frauen und kinder
wollten galiläer ihn gar zum könig erheben? er aber
ging hinauf nach jerusalem: direkt seinen gegnern ins garn
5
auf einem jungesel kam er geritten - kleinleute-messias:
die finger einer halbweltdame vollzogen die salbung an ihm ...
bald verwirrt bald euphorisch folgten ihm die freunde die jünger
um bei seiner Verhaftung ratlos unterzutauchen ins dunkel
6
über sein schweigen hin rollte der schnelle prozess
ein afrikaner schleppte für ihn den balken zum richtplatz hinaus
stundenlang hing er am kreuz: folter mit tödlichem ausgang -
drei tage später die nicht zu erwartende wendung
7
anstatt sich verstummt zu verziehen ins bessere jenseits
brach er von neuem auf in das grausame diesseits
zum langen marsch durch die viellabyrinthe
der völker der kirchen und unserer unheilsgeschichte
8
oft wandelt uns jetzt die furcht an er könnte
sich lang schon verirrt und verlaufen haben
entmutigt verschollen für immer vielleicht - oder bricht er
noch einmal (wie einst an ostern) den bann?
9
und also erzählen wir weiter von ihm
die geschichten seiner rebellischen liebe
die uns aufwecken vom täglichen tod -
und vor uns bleibt: was möglich wär’ noch
Kurt Marti in: Georg Langenhorst, Gedichte zur Bibel. Texte - Interpretationen - Methoden. Ein Werkbuch für Schule und Gemeinde. Kösel Verlag, München 2001.
Herr Jesus Christus, du bist als König in Jerusalem eingezogen.
Die Leute haben dir zugejubelt.
Doch schon nach ein paar Tagen hat sich die Stimmung gedreht.
Deine Widersacher haben die Menschen aufgewiegelt gegen dich und deine Botschaft.
Auch unser Lebensweg kennt Anerkennung und Widerstand.
Er führt uns durch Konflikte und Auseinandersetzungen hindurch.
Und oft genug erleben wir, dass Menschen sich gegen uns stellen und uns bekämpfen.
Lass uns diesen Weg gemeinsam mit dir gehen.
Lass uns erfahren: In uns ist ein Königtum, das nicht von dieser Welt ist,
das uns daher diese Welt auch nicht nehmen kann.
Du gehst deinen Leidensweg nicht als Gebeugter und Erniedrigter, sondern als König.
Du bleibst auch in der größten Verachtung und Misshandlung König.
Lehre mich, meinen Weg zu gehen gemeinsam mit dir
und im Bewusstsein meiner königlichen Würde.
Dann werde ich dem Leid nicht ausweichen.
Aber auch wenn Menschen mich lächerlich machen,
wenn sie mich beschimpfen, wenn sie mich verleumden,
können sie mich in meiner Würde nicht zerbrechen.
Das Königtum in mir, das nicht von dieser Welt ist,
kann nicht zerstört werden.
So lehre mich, Herr Jesus Christus, mit dir den Weg zu gehen,
damit auch mein Weg über das Kreuz in die Herrlichkeit führt,
nicht nur in die Herrlichkeit nach dem Tod,
sondern auch in den ursprünglichen Glanz,
mit dem du mich und meine Seele ausgestattet hast.
Das Licht von Ostern soll schon jetzt über all meinen Wegen
durch Dunkelheit und Drangsal hindurch scheinen,
damit ich unterwegs nicht gefangen bleibe,
sondern mit dir tapfer weiter schreite
hinein in das wahre Leben. Amen.
Aus: Anselm Grün, Schenk mir ein weites Herz. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2006.
Im Entree grüßt den Besucher ein hellbräunliches Kruzifix links an der Wand. Drei Schritte weiter, zwischen Empirespiegel und Kerzenhalter, ist ein anderes, ein dunkelbraunes Kruzifix zu bewundern, mit Holzwurmspuren sogar.
Im Wohnzimmer, ein bißchen überstellt mit Biedermeiermöbeln, mit Biedermeierschränken voll kostbarem Porzellan, entdeckt man nach und nach vier hängende gehängte Christusse, alle aus Holz. Holz sei lebendiger, sagt Frau von Wattenried.
In ihrem Arbeitszimmer steht ein fast schwarzer Kruzifixus frei auf dem Schreibtisch, ein seltenes Stück offenbar, aus ebenholzähnlichem Material geschnitzt. Über einem Bücherglasschränkchen, Rokoko und aus der Zeit, schwebt ein vormals bemaltes Exemplar, die Farben sind verblichen und zum Teil abgefallen. Ein drittes Kruzifix ist kunstvoll in einer Zimmerecke angebracht, schräg nach vorne geneigt, die Enden des Querbalkens berühren beide Wände. Katholikin? Ah nein, und Protestantin nur, weil es sich schließlich gehöre, etwas zu sein, aus Tradition, denn zum Münster pflege ihresgleichen zu stehen, das Münster sei ihre Patrizier-Kirche, sei es immer gewesen mit all seinen Chorstühlen, Wappenscheiben, Gräbern. Wie der Plebs seinerzeit, in der Reformation, alle Kunstwerke im Münster kurz und klein geschlagen habe, das sei allerdings barbarisch gewesen, nicht die Art der feinen Leute, mon Dieu.
Herr von Wattenried ist Schatzmeister einer Zunft, Säckelmeister ist der genaue Ausdruck dafür. Er stehe auf Engeln, sammle Goldengel vor allem, sein Arbeitszimmer könne übergangen werden deshalb.
Die Wände des Schlafzimmers, Biedermeier wiederum und ein Salon beinahe, sind im Sinne ehelicher Harmonie sowohl mit vergoldeten Engeln wie mit hölzernen Kruzifixen bestückt. Die Objekte sind nicht ohne Geschmack im großen Raum verteilt, zwischen altdunklen Öllandschaften der niederländischen Schule, so daß die Menge (ein Doppelengel, vier Einzelengel, drei Kruzifixe) nicht einmal unangenehm wirkt. Herr von Wattenried sei halt mehr für Idyllisches, für schwebende Heiterkeiten, sie aber ziehe verhaltene Dramatik vor und, richtig besehen, brächten Kruzifixe diese verhaltene Dramatik am ausdrucksvollsten, am konzentriertesten zur Darstellung, vielleicht deshalb, weil alles sich in einer einzigen Person abspiele. Daß über dem schmucken Ehebett der von Waffenrieds ein Doppelengel schwebt, spricht für ihren Geschmack und für ihren Protestantismus.
Wiederum ganz den Kruzifixen gehört das Gästezimmer. Drei Exemplare. Frau von Wattenried übrigens trägt kein Kruzifix als Hals- und Kettenschmuck, das verrät Stilgefühl.
Im überraschend kleinen Eß-Salon neben der Küche sind erst zwei Sammelobjekte zu sehen. Die Sammlung sei eben erst im Aufbau. Regelmäßig und hartnäckig klappere sie die Antiquitätengeschäfte ab. Herr von Wattenried, viel beschäftigt, viel beansprucht, finde dafür wenig Zeit, auch werde jetzt eine horrende Menge von Engeln angeboten, der Markt sei von Fälschungen, Nachahmungen überflutet, es brauche enorm viel Zeit und Spürsinn, um da auf einen grünen Zweig zu kommen, deshalb seien bisher die Kruzifixe in der Überzahl geblieben. Sobald sich Herr von Wattenried aber besser werde entlasten können, im Hauseigentümerverband, in der Bank, in der Gesellschaft Schweiz-Südafrika, würden die Engel rasch einmal aufholen und gleichziehen können. Engel und Kruzifixe paßten verflixt gut zusammen, das zeige sich jetzt schon, wo die Sammlung doch erst in ihren Anfängen stecke. Nur eben: gute Ware sei rar, man müsse wählerisch sein, auch bei Kruzifixen.
Kurt Marti in: Was hat denn das mit Gott zu tun? Hrsg. Klaus Seehafer, Kreuz Verlag Stuttgart Zürich 2001.

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