Die Osternachtfeier beginnt mit dem Entzünden des Lichts. Die 1. Lesung erzählt vom 1. Tag der Schöpfung und der Erschaffung des Lichts. Am 1. Tag der Woche ersteht der Herr vom Tod. Alles wird hell. Die Wächter der Finsternis fallen wie tot zu Boden. Ein neuer Tag, eine neue Zeit begint.
In dieser Nacht tanzen die Texte, die Bilder, die Sehnsüchte – und die Verheißungen! Ein Tanz des Lebens, der Freude – ganz ausgelassen. Und unbeschwert. Wie am ersten Tag! Als alles anfing.
Am 1. Tag der Schöpfung wird das Licht geschaffen. Alles wird hell. Sogar das Tohuwabohu, das Chaos. In diesem Licht grünt und wächst die Schöpfung. Mit jeder Pflanze, jedem Tier, jedem Menschen. Abgeschlossen ist nicht, was Gott angefangen hat. Mit unserer, mit seiner Welt.
Dann hören wir heute von der Prüfung Abrahams. Jetzt ist alles ganz dunkel. Entsetzen pur. Seinen Sohn soll Abraham opfern – mehr: den Träger der Verheißung Gottes. Abraham macht sich tapfer auf den Weg. Isaak stapft neben ihm. Fragend. Wo ist denn das Opfertier? Abraham ist in einer Zwickmühle. Egal, was er macht – es ist verkehrt. Gibt es da einen Ausweg? Einen Weg ins Freie? Wie komme ich mit den vielen Zweifeln zurecht, die mich gelegentlich überfallen wie ein Dämon in der Nacht? Dass Gott selbst die Situation wendet, feiern wir in dieser Nacht.
Und dann ein drittes Beispiel aus dem Reigen der Lesungen in dieser Nacht:
Gott führt sein Volk aus der Gefangenschaft in die Freiheit. Zukunft ist ein anderes Wort für Liebe. Liebe eröffnet, Liebe schenkt Zukunft. Weil Liebe auf uns – zukommt. In seiner Treue begleitet Gott Menschen in ein neues Leben. Phantastisch in den alten Bildern: in das Land, in dem Milch und Honig fließen. Ich habe den Geschmack auf der Zunge. Leben. Gefülltes Leben. Es gibt keinen Hunger mehr, keinen Mangel – und niemanden, der schlägt. Der knechtet. Der Gewalt ausübt. In diesem Land gibt es auch keine Tränen mehr – sie werden vorher abgewischt. Im letzten Buch der Bibel lesen wir von dem himmlischen Aufstand gegen die kleinen und großen Potentaten dieser Welt, die nicht nur die Welt unter sich aufteilen, die auch jede Hoffnung zunichte machen wollen. Aus Kalkül, aus Rachsucht, aus Gier. Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.
Am 1. Tag der Schöpfung wird das Licht geschaffen. Alles wird hell.
Am 1. Tag wird Jesus von den Toten auferweckt.
Wir gehen in den ersten Tag!
Im Evangelium lesen wir, dass in der Morgendämmerung des ersten Tages der Woche Maria aus Magdala und die andere Maria das Grab Jesu aufsuchen. Ob sie Zeugen des Erdbebens sind? Ob sie den Engel des Herrn auf dem weggewälzten Stein sehen? Leuchtend, hell, einem Blitz gleich?
Ostern hat mit Leuchten, mit Aufleuchten zu tun. Die Nacht wird zerrissen. Buchstäblich. Sie hängt in Fetzen herunter. Schlaff, kraftlos, ohne jede Schönheit. Ich weiß: das Bild ist brüchig. Manchmal liebe ich die Nacht, weil sie so still ist, so unheimlich weit und im Mondlicht glänzend. Aber die andere Seite der Nacht sind Einsamkeit, Sorge und Klage. Menschen wälzen sich in ihrem Bett, finden keine Ruhe, fürchten den Morgen. Selbst wenn die Sonne dann aufgegangen ist, geht die Nacht weiter. Sie frisst sich in das Leben, nistet sich ein. Wie vielen Menschen mag das so gehen? Auch in dieser Nacht.
In der Nacht tanzt auch der Tod. Mit seinen vielen Schergen, Helfershelfern und Dummköpfen.
Mit Alpträumen und Trauer.
Schauen wir uns die Wächter an. Sie wurden von Amts wegen bestellt. So klar ist nicht, was sie bewachen sollten. Einen Toten? Ich nehme die Angst der Mächtigen wahr, die auch noch nach dem Tode Jesu – das Leben, sein Leben fürchten. Die das Leben so fürchten, dass sie Wächter bestellen – und bezahlen. Hat Jesus nicht von Auferstehung geredet? Nicht auszudenken, wenn das tatsächlich wahr sein sollte.
Reden wir von den Wächtern, die wir uns heute bestellen – oder bestellen lassen.
Da sollen Kontrollgremien über den Waffenhandel befinden. Aber die Lobbys sind wie Mühlmäuse. Auf edlem Papier wachsen die Aktienkurse. Mit dem Tod lassen sich tolle Geschäfte machen. Wir setzen Statisten in Amt und Würde. Sie sind wie Wächter am Grab, Wächter an einem der vielen Gräber, in denen Menschen namenlos verschwinden. Oder als Flüchtlinge stranden.
In unseren Gesellschaften nehmen wir Hassparolen und Hassreden wahr. Sie schmeicheln sich als vernünftig ein, säen aber Misstrauen und Angst. In der Anonymität der Netze gehen die einen unter, die anderen treten mit Füßen nach anderen. Worte werden zu Totschlägern. Die Netze bergen nicht mehr, sie fangen nicht auf – sie nehmen gefangen. In ihnen tauchen auch viele Wächter auf. Wächter diskutieren nicht. Wächter haben immer Recht. Der Tod braucht viele Wächter.
Wir diskutieren über die Schere zwischen arm und reich. Sie wird wohl immer größer. Statistiken bieten ein reichhaltiges Material. Aber viele Menschen verschwinden in den Zahlen, verlieren ihr Gesicht, verlieren ihre Würde. Am Ende kann keiner dafür. Es ist die Macht des Faktischen, die längst die Herrschaft angetreten hat. Verklausuliert – und gelegentlich überraschend offen. In den Medien, in den Köpfen, wohl auch in den Herzen. Viele Wächter werden bestellt und königlich entlohnt, die Dinge nicht beim Namen zu nennen. Wächter lieben den Schatten ihrer Herren. Sie bauen sich groß auf, um ihrer Erbärmlichkeit zu entkommen. Stimmt es eigentlich, dass immer die Kohle stimmen muss?
Im Evangelium lesen wir, dass die Wächter wie tot zu Boden fallen. Sie konnten weder ihrer Rolle gerecht werden noch das Leben hindern. Deshalb muss es ein Erdbeben geben! Deshalb muss der Stein weg! Deshalb muss der Engel wie ein Blitz leuchten! Wörtlich ist das zu nehmen! Der Tod scheitert. Seine Sicherungssysteme – liegen wie tot am Boden. Jetzt reden wir von Hoffnung! Jetzt hat die Liebe das letzte Wort! Jetzt beugen wir uns nicht mehr!
Künstler haben diese Szene vielfältig, aber immer genial und grandios zu malen verstanden. Die Wächter des Todes schlafen – und Jesus erstrahlt in himmlischem Licht. Es wird hell. Am ersten Tag!
An diesem Morgen tanzen die Texte, die Bilder, die Sehnsüchte – und die Verheißungen. Der Prophet Jesaja tritt zu mir, schaut mich an – und sagt: Komm doch mit in den Reigen! Jetzt höre ich, was er sagt. Hoffnungsvoll, aber bestimmt. Verträumt, aber realistisch:
"Der Ruchlose soll seinen Weg verlassen, der Frevler seine Pläne. Er kehre um zum Herrn, damit er Erbarmen hat mit ihm, und zu unserem Gott; denn er ist groß im Verzeihen.
Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege – Spruch des Herrn.
Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt und sie zum Keimen und Sprossen bringt, wie er dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe."
Frohe Ostern!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus, unserem Herrn.
Die Frauen, die Jesus suchten erlebten Furcht und Schrecken, aber auch Freude, als sie Jesus begegneten. Durch die Taufe sind wir Schwestern und Brüder Jesu und Mit-Auferstandene.
Die Frauen suchen den Toten schon in der Morgendämmerung. Ihr liebendes Herz will den Toten beweinen und das grausame Geschehen miteinander verarbeiten. Sie sind hilflos und ohnmächtig.
„Und, siehe, es geschah ein gewaltiges Erdbeben, denn ein Engel kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Seine Gestalt leuchtete wie ein Blitz und sein Gewand war weiß wie Schnee. Die Wächter begannen vor Angst zu zittern und fielen wie tot zu Boden.“ Die Frauen geraten in eine fürchterliche Angst. Das haben sie nicht erwartet. Gewalt und Macht tut sich auf. Was hat das zu bedeuten? Sie wissen nicht, was die Ereignisse ankündigen.
„Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er lag. Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden. Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Ich habe es euch gesagt. Sogleich verließen sie das Grab und eilten voll Furcht und großer Freude zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden.“ Die Wächter lagen wie tot am Boden. Sie, die einen Toten bewachen sollen, sind wie tot – und der Tote lebt! Welch ein Widerspruch!
Die Frauen sind voll Furcht und großer Freude, sagt die Schrift. Die Ereignisse voller unerwarteter Macht verunsichern sie. Sie fürchten sich, weil alles so anders ist und in einer noch nie erfahrenen Gewalt geschieht. Trotzdem verbreitet der Bote Gottes auch Freude. Vielleicht erinnern sich jetzt die Frauen: Hatte es Jesus nicht vorausgesagt? Sie eilen zu den Jüngern. Und plötzlich kommt Jesus selber: “Seid gegrüßt!“ Sie gingen auf ihn zu und umfassten seine Füße. Jesus sagt: „Fürchtet euch nicht! Geht zu meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen, dort werden sie mich sehen!“ Jesus nimmt den Frauen die Angst. Er macht Mut. Seine vertraute Stimme erklingt. Er nennt zum ersten Mal die Jünger seine Brüder. „Geht zu meinen Brüdern!“ Wir dürfen sinngemäß sagen „und zu meinen Schwestern“: Durch sein Erlöserleiden hat er uns, seine Schüler, zu den Seinigen gemacht. Wir sind nicht mehr die ungelehrigen Jünger. Wir sind seine Geschwister aus Gnade. Der Vater hat uns in Seine Familie aufgenommen.
Diese unsere Aufnahme in die Gemeinschaft mit dem Vater und dem Geist im Auferstandenen Jesus ist uns geschenkt in der Taufe. Paulus erklärt das im Römerbrief: Er greift das Bild vom Untertauchen im Wasser auf. Untergetaucht und wie begraben ist unserer sündiger und gottloser Mensch. Aufgetaucht und lebendig gemacht ist unser neuer erlöster Mensch. Wir sind durch unsere Taufe österliche Menschen. Wir sind jetzt innerlich erstanden, ein „neuer Christus“. Paulus sagt: „Nicht mehr ich lebe, Christus lebt in mir!“. Er hat mich zum neuen Leben geboren. Wir sollen „für die Sünde tot sein, für Gott in Christus leben!“ Wir sind eine Neuschöpfung. Das erfahren wir, wenn wir lieben, wie Jesus geliebt hat. Diese Liebe entspringt dem österlichen Geist und macht uns jetzt schon zu Mit-Auferstandenen. Singen wir heute dazu unser Oster-Halleluja!
Von einem Mitbruder wird erzählt, dass er sich beim Predigen krampfhaft am Rednerpult, bzw. an der Kanzel festhielt und nie auch nur eine kleine Geste wagte. Ein Kollege wollte ihn ermutigen, seine Rede sowohl im Tonfall wie auch körpersprachlich etwas lebendiger werden zu lassen. Bei der Osterpredigt sei es ihm gelungen, ab und zu den linken oder den rechten Daumen zu bewegen und beim Satz "Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaft auferstanden!" habe er sogar beide Mittelfinger hochgehalten...
Nicht jeder liebt es theatralisch. - Ganz anders der Evangelist Matthäus. Er schildert die Auferstehung Jesu, wie sie vielleicht ein Hollywood-Regisseur inszeniert hätte. Die übrigen drei Evangelisten erzählen jedenfalls nicht vom Erdbeben, nichts von den Wächtern und auch die Engel verhalten sich bei ihnen viel dezenter.
Ein wenig kann ich die Not des biblischen Schriftstellers nachfühlen. Man kann doch nicht ein so großes Ereignis, das unsere Lebenswirklichkeit schlagartig so grundlegend verändert, sang- und klanglos über die Bühne gehen lassen. Die Stilelemente, die der Evangelist einsetzt, sind nicht an den Haaren herbeigezogen. Von alters her sind sie das Beiwerk einer Gotteserscheinung. Wenn Gott selbst eingreift, wenn Gott selbst tätig wird, dann erschüttert das nach diesen Vorstellungen die ganze Erde. Sie bebt, Blitz und Donner u. a. m. lassen den Menschen erzittern.
Dem Evangelisten Matthäus geht es dabei weniger um einen historischen Tatsachenbericht, wie wir es von einer modernen Nachrichtenagentur gewohnt sind. Er will mit Nachdruck darauf aufmerksam machen, was da Unvorstellbares geschehen ist.
Der Glaube, dass Jesus von den Toten auferstanden ist, und die Hoffnung, dass er auch uns nicht im Tod verkommen lässt, stellt wahrlich das ganze Leben unter ein neues Vorzeichen.
Der Tod bleibt zwar Tod, Krankheit bleibt Krankheit, Hass bleibt Hass und Unrecht bleibt Unrecht. Das Leiden daran bleibt auch Leiden, es fühlt sich aber anders an. Wer so auf Gott vertraut wie Jesus und wer so wie Jesus glauben kann, dass Gott auch ihn nicht dem Untergang überlässt, für den haben all diese Negativa den letzten Schrecken verloren. "Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?" (1 Kor 15,55), bringt dies der Apostel Paulus auf eine bündige Formuierung.
In diesem Sinne es gut, dass der Evangelist uns auf diese dramatische Wende aufmerksam macht, auch wenn Erdbeben, Blitz und Donner nicht mehr die Mittel unserer Wahl sind. Der Weg zum Glauben an die Auferstehung verläuft aber viel weniger spektakulär. Matthäus versäumt nicht, uns diesen Weg auch zu zeigen. Der auferstandene Christus schickt seine Jünger zurück in das Leben, aus dem heraus sie aufgebrochen und ihm nachgefolgt sind. Er lässt ihnen durch die beiden Frauen ausrichten, sie sollten zurück nach Galiläa gehen, dort würden sie ihm begegnen.
Wo Menschen nach den Worten und nach dem Beispiel des Jesus von Nazareth zu leben beginnen, dort begegnen sie dem liebenden und treuen Gott, der Jesus aus dem Tod gerettet hat. Das Leben in der Geborgenheit eines liebenden und väterlichen Gottes war für Jesus Alltagsrealität. Dieses begann für ihn nicht erst nach seinem Tod. Die Macht und die Größe Gottes begegnete ihm in seinem Alltag. Weil er in einer so ungewöhnlichen Gottesbeziehung lebte, sind um ihn herum die Menschen heil und ganz geworden. Lahme sind aufgestanden und gesund heimgegangen, Blinden sind die Augen aufgegangen, Menschen haben sich miteinander, mit Gott und mit sich selbst versöhnt und so ein neues Leben begonnen.
An die Auferstehung glauben heißt, mit dem Wissen um die Geborgenheit des liebenden Gottes durchs Leben zu gehen. Er ist die Basis unseres Auferstehungsglaubens. Dank Jesus leben wir in dieser neuen Realität. Das ewige Leben, nach dem wir uns im Innersten sehnen, hat bereits begonnen.
Ostern erinnert uns an die Taufe. In der Taufe hat für uns die neue Wirklichkeit des ewigen Lebens begonnen. Auch das Leben in diesem neuen Bewusstsein ist nicht spektakulär. Es zeigt sich vor allem in einer positiven Grundstimmung unseres Lebens.
Wichtig scheint mir, dass diese positive Grundstimmung tief genug in uns verwurzelt ist. Es genügt nicht, dass wir sie einmal im Jahr mit Pauken und Trompeten inszenieren und feierlich zu Schau tragen. Entscheidend ist, dass wir uns von diesem Wissen verwandeln und in unseren Handlungen und Gedanken diese neue Wirklichkeit durchscheinen lassen.
Wir werden Christen in Japan in diesem Jahr Ostern feiern?
Wie würden Menschen in Lybien, wenn Sie denn Christen wären, in diesem Jahr Ostern feiern?
Wie würden Menschen in Afghanistan, wenn Sie den Christen wären, in diesem Jahr Ostern feiern?
Wie können Menschen in Japan, ganz besonders um das Atomkraftwerk Fukushima herum überhaupt noch leben angesichts der Zerstörung und der täglichen Bedrohung, dessen Ende nach menschlichem Ermessen unabsehbar ist?
Wie können Menschen in Lybien angesichts des Krieges im eigenen Land noch leben, wo ihre Nachbarn, Freunde und Familien täglich um Leib und Leben bangen müssen?
Wie wollen Menschen in Afghanistan, angesichts einer so langen Zeit, in der sie mit der täglichen Bedrohung und der täglichen Sorge um genügend Essen leben müssen, überhaupt noch wieder eine Perspektive für ein friedliches Zusammenleben entwickeln?
Was Jahre lang eine Nachricht aus fernen Ländern war, so spüre ich es zumindest, wird auf einmal etwas, was mich angeht, was mich nicht mehr einfach zur Tagesordnung übergehen lässt. Und ich spreche hier nur von einigen großen Nachrichten, viele bleiben ungenannt, ebenso wie unsere persönlichen Bedrohungen.
Wie feiern wir als Menschen und Christen hier in Rheine in diesem Jahr Ostern wenn wir all das wahrnehmen und an uns heranlassen.
Können wir Ostern feiern angesichts des Leids der Menschen in Japan, in Lybien und Afghanistan und an vielen anderen großen und kleinen Orten unserer Welt?
Ist Ostern nicht das Versprechen Gottes, das das Leben den Tod besiegt hat? Gilt das hier uns jetzt, für uns und für die Menschen in Japan und anderswo?
Mir geht es angesichts des Leids und der Not in der Welt, aber auch der eigenen Sorge um die Zukunft so, dass ich eine große Angst und Dunkelheit spüre. Kann das alles noch gut ausgehen? Hier möchte ich meine und die Verantwortung von Menschen insgesamt sehen. Ich könnte mehr tun für eine bessere und gerechtere Welt und doch bleibt auch der Teil, den wir nicht beeinflussen können. Ein Erdbeben ist nicht von Menschen gemacht, wohl aber das Atomkraftwerk, das ein einer solchen Stelle steht.
Wie können wir Ostern feiern? Das Licht der Osterkerze brennt nicht. Kann sie, darf sie brennen heute, hier und jetzt für uns und zum Zeichen des Lebens?
Ein chinesisches Sprichwort lautet: Es ist besser ein Licht anzuzünden, als über die Dunkelheit zu klagen. Oder vielleicht auch eine einfachere deutsche Variante: Wenn du meinst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her.
Christus, gestern und heute (senkrechter Balken)
Anfang und Ende (Querbalken)
Alpha (über dem Kreuz)
Omega (unter dem Kreuz)
Sein ist die Zeit (1. Ziffer)
und die Ewigkeit (2. Ziffer)
Sein ist die Macht und Herrlichkeit (3. Ziffer)
in alle Ewigkeit Amen. (4. Ziffer)
Durch seine heiligen Wunden,
die leuchten in Herrlichkeit,
behüte uns und bewahre uns
Christus, der Herr. Amen
Lasset uns beten.
Allmächtiger, ewiger Gott,
du hast durch Christus allen,
die an dich glauben,
dass Licht deiner Herrlichkeit geschenkt.
Segne diese Osterkerze
und entflamme in uns die Sehnsucht nach dir,
dem unvergänglichen Licht,
damit wir mit reinem Herzen
zum ewigen Osterfest gelangen.
Darum bitten wir durch Christus,
unserem Bruder und Freund. Amen.
In dem dieses kleine, teilweise unscheinbare, auch verletzliche Licht hier brennt, sind wir damit in allem, was uns angeht, mit unseren Dunkelheiten und unserer Sehnsucht nach Licht mit hineingenommen in die Verletzlichkeit und Dunkelheit unserer Welt, aber ihr nicht aussichtslos ausgeliefert.
Der Keim der Hoffnung, der nicht ganz erstickt, die kleine Flamme, die dennoch brennt, den nächsten Schritt, den wir trotz allem wagen, ist vielleicht in unserer Welt, ganz sicher aber für uns selber von größerer Bedeutung als so manche gewaltige Aktion.
Als Menschen und als Christen bleiben wir verletzlich, angestoßen und ausgeliefert, aber wir können Ostern feiern in Japan, in Lybien und hier, weil Jesus all unsere Erfahrung mit in seine Gottheit aufgenommen hat und zu einer wirklichen Vollendung führt.
Lied: Gl. 928 1-3 Alleluja Lasst uns singen
Es waren schon einmal bessere Zeiten. Für die Botschaft von Ostern. Oder besser gesagt, für die Kirche, die diese Botschaft mit allem Freimut und aller Treue verkünden soll. Wir wissen um die gegenwärtige Not vor Ort, wo Seelsorger fehlen, wo Gemeinden zusammengelegt werden müssen, wo Kinder und Jugendliche aus dem Alltag der Kirche immer mehr verschwinden,... wo viele Christen die Kirche mit ihrem "Austritt" verlassen, ... oder aber wo eine "Gottvergessenheit" - vielleicht weniger eine "Religionsvergessenheit" - Einzug in den Alltag hält...
Wir wissen auch um Vorwürfe gegen einzelne Seelsorger und Seelsorgerinnen... Es waren schon einmal bessere, aber wohl auch schlechtere Zeiten - für die Botschaft von Ostern. Denken wir nur an die Verfolgungszeiten der ersten Jahrhunderte, oder an blutige Christenhetzte bis in unser Jahrhundert. Wie oft war und ist es gefährlich Ostern zu feiern...
Das derzeitige Image der Kirche, die schlechten Meldungen, dies alles betrifft viele von uns hier, die wir feiern wollen, die wir uns vom Auferstandenen "treffen" lassen wollen, die wir in unserem Zeugnis bestärkt werden wollen: Laien, Frauen und Männer in der caritativen oder pastoralen Mitarbeit, Seelsorger und Seelsorgerinnen. Viele von uns leiden an diesem Zustand, auch in diesen Tagen von Ostern.
Zugleich begegnen uns gerade in diesen Tagen von Ostern viele Menschen in unseren Gottesdiensten, die nur von Zeit zu Zeit, vielleicht an den hohen "Festtagen", unter uns sind. Es ist schön, dass Sie heute hier und unter uns sind. Auch Sie gehören wesentlich zu uns!
Wenn wir heute diese Liturgie der Osternacht feiern, so dürfen wir uns alle hier zuerst ganz einfach "erfassen" lassen von den Texten, den Liedern, den Zeichen (Licht, Wasser...) und vor allem vom frohen Halleluja! Es ist nicht bloß ein Gedächtnis eines Ereignisses vor langer Zeit, das wir heute begehen. Es betrifft uns Menschen heute, ganz gleich wo wir leben, wie weit wir im Glauben feststehen, wie alt oder jung wird sind.
Papst Benedikt XVI. hat in seinem neuesten Jesusbuch auch Bezug genommen zum Glauben von Ostern, dem Glauben an die Auferstehung von Jesus von Nazareth. Er stellt dabei einmal mehr fest: "Der christliche Glaube steht und fällt mit der Wahrheit des Zeugnisses, dass Christus von den Toten auferstanden ist. Wenn das nicht so wäre, hätte das Christentum wohl einige Ideen, von bemerkenswerten Vorstellungen über das Sein und das Sollen formuliert, wäre also eine religiöse Weltanschauung und Jesus eine religiöse Persönlichkeit, die uns vielleicht zum Nachdenken einladen könnte". Aber: es wäre alles dies kein Maßstab für die Fragen nach dem 'woher' und 'wohin' und 'wozu'.
"Nur wenn Jesus auferstanden ist, ist wirklich Neues geschehen, das die Welt und die Situation des Menschen verändert", so der Papst. "Nur wenn Christus auferstanden ist, haben wir einen Maßstab, auf den wir uns verlassen können. Denn dann hat Gott sich wirklich gezeigt". Das ist auch der zentrale Punkt unseres heutigen Festes. Wir feiern und bekennen die Auferstehung von Jesus Christus, der damit die Welt- und Menschheitsgeschichte verändert hat.
Manchmal denke ich mir, es ist wohl mehr als ein Wunder, dass die Kirche, die Kirchen, durch all die Jahrhunderte dieses Geheimnis weiterzutragen vermochten, trotz und neben all dem oft viel zu mangelhaften "Bodenpersonal".
Heute feiern wir Ostern - die Auferstehung von Jesus Christus. Auferstanden in eine neue Dimension, welches wir in seinem großen Geheimnis nur erahnen können. Dieser Auferstandene ist der von Gott endgültig selig "Aufgenommene", dessen "Geschichte nicht verwest ist in der leeren Nichtigkeit der Vergangenheit, sondern ihr Ende in der Vollendung hat" (Karl Rahner). Auferstehung ist dann auch ein Zeichen und Hinweis auf unser mögliches Ziel als Einzelne und als Volk Gottes.
Heute dürfen wir uns als Beschenkte fühlen. Wir dürfen dafür danken, dass wir in diese große Gemeinschaft der Christen gestellt sind. Wir dürfen dafür danken, dass wir in einer großen Weltgemeinschaft von Milliarden Getaufter - in seiner Kirche - unterwegs sind. Wir dürfen dafür danken und erahnen, dass die Botschaft von Jesus Christus auch mich ganz persönlich meint und betrifft: mein Leben, meine Hoffnungen, meine Zweifel, meine Sorgen und meine Ängste - die bis in das Sterben hinein gehen.
Nehmen wir heute ganz bewusst ein Zeichen dieses Festes mit nach Hause. In Form einer Kerze, in einem anderen Zeichen, in Eiern, Osterschinken, Osterbrot (in Speisen, welche an diesem Abend gesegnet werden) oder einfach als inneres Licht! Es waren schon einmal bessere Zeiten, aber auch schon viel schlimmere.
Ostern und die Botschaft der Auferstehung soll uns - trotz und neben allem - ermutigen und mit Freude erfüllen. Wenn der Herr mit uns ist, wer kann uns letztlich wirklich bezwingen? Wenn der Herr mit uns ist, wird er auch seine Kirche immer wieder erneuern; wer könnte dies je verhindern?
Auch wenn immer auch Fragen offen bleiben, so dürfen wir heute in aller Freude und mit Freimut sagen: Der Herr ist auferstanden. Er ist wirklich auferstanden!
Die Liturgie, besonders in der Heiligen Woche, der Karwoche, weist eine Symbolik auf, die uns alle berührt und uns in großer Dichte die Existenz unseres Lebens und unserer Lebenswege vor Augen führt und auch durch viele Schriftlesungen zu Gehör bringt.
In der Segnung des Feuers und der Osterkerze werden Wesensmerkmale unserer Existenz angesprochen: Licht, Dunkelheit, Zeit, aber auch die Wundmale bzw. Verwundungen und Niederlagen, die niemand wegleugnen kann.
In dieser Nacht der vielen Erzählungen, der Dunkelheit und des Lichts, der vielen Wege, die auch Umwege, vielleicht gar nicht so selten auch Irrwege sein können, erfahren wir einen gemeinsamen Durchzug durch die Geschichte Israels und damit auch den schwierigen Weg unseres Christseins. Aber nicht genug damit! Die vielen Stationen können auch eine Widerspiegelung unseres Lebens sein. Manche davon sind vielleicht nicht unsere persönlichen, aber doch die von vielen Frauen und Männern. Durch diese biblischen Erfahrungstexte zieht sich wie ein roter Faden Gottes Sehnsucht, dass wir Menschen ihn unter uns wohnen lassen und unser Leben nach seiner Sehnsucht gestalten.
Der Exodus-Text zeigt, dass Gott punktgenau führt. Wir erkennen allerdings viel erst davon im Nachhinein, im Rückblick. Gott hat die Israeliten vor dem Tod errettet. Aber wie geschieht das? Die einen durften leben auf Kosten anderer. In diesem Fall sind es die Ägypter, die mit Ross und Wagen ertranken. Das wirft manche schwerwiegende unbeantwortbare Frage auf: nach dem Gottesbild, nach der Vernichtung unschuldigen Menschenlebens. Für uns alles unverständlich! Sogar am höchsten Fest des Lebens kommt der Tod herein. Der liturgische Festkreis, ja auch der Alltag selbst, lehren, dass Tod und Leben sehr nahe beieinander sind.
Der Glaubensformel des Zweiten (=Neuen Testaments) "Gott, der Jesus von den Toten erweckt hat" steht der Satz des Ersten (=Alten Testaments) gegenüber "Gott, der dich aus Ägypten geführt hat." - Heute ist auch dort Ägypten, wo es Ausbeutung der Arbeitskraft gibt, wo Profite nicht hoch genug sein können und viele ihre Arbeitsplätze verlieren. Ägypten ist dort, wo Menschen Schmach und Beleidigungen ausgesetzt sind, wo ihre Menschenwürde nicht ernst genommen wird, wo sie sich in ihren Beziehungen, in ihrer Arbeitswelt eingeengt fühlen, wo sie unmündig gemacht werden, das heißt, all ihren Schmerz, ihre Trauer nicht artikulieren können und dürfen, wo die Sklaverei auch heute in neuer Form das Sagen hat. Es bleibt uns aber auch nicht erspart, die sicheren Fleischtöpfe zu verlassen und wegzuziehen, eine neue Existenz aufzubauen. Das war damals nicht leicht und ist heute genauso schwierig im Zeitalter der Flexibilität und Dynamik, wo der Mensch nicht zur Ruhe kommt und auch nur schwer Geborgenheit und Sicherheit findet.
Unsere Verwundungen und Wundmale, die wir dabei hinzunehmen haben, die wir aber auch anderen bewusst oder unbewusst schlagen, sind auch die Wundmale des Herrn, die in der Osterkerze in kreuzförmiger Gestalt dargestellt sind. In der Osterkerze ist auch die Jahreszahl eingeprägt, aber nicht alles findet hier auf Zeit Heilung oder Linderung der Schmerzen, der Angst, aber vielleicht wird einiges, was uns plagt, leichter erträglich. Jesus lädt uns ein, der Macht des Bösen, der Macht des Todes Hoffnung entgegenzusetzen.
Es ist jene Hoffnung, die durch die Errettung aus Ägypten und durch die Auferstehung Jesu zur Realität geworden ist.
Christus sagt von sich, dass er Weg, Wahrheit, Licht und Leben ist. In der Taufe erhält der Getaufte seine Taufkerze, die an der Osterkerze entzündet wird als Zeichen dafür, dass Christen Lichtträger sind, die durch die Geheimnisse der Osternacht auch Wärme geben können.
Christen sind eingeladen, sich zu "verbrennen", indem sie Licht und Wärme für sich selbst und andere sind. Weil wir aber diesen Anforderungen kaum gerecht werden, sendet er uns seinen Geist: "Ich …lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch." (Ez. 36,26). Auch die pfingstlichen Gnadengaben dürfen wir schon jetzt in der Osternacht empfangen.
Ostern 2008. - Ich wünsche uns allen, dass sich der österlich-pfingstliche Geist in unseren Familien, Gemeinden, Dörfern und Städten, besonders auch in den Kirchen sichtbar macht, dass wir alle Mut haben, aufzustehen - also den Aufstand zu wagen gegen alles Einengende, Ängstliche und Krankmachende.
Wir haben die Osternachtfeier mit der Segnung des Feuers und der Osterkerze, mit dem Einzug der Osterkerze und dem feierlichen Exsultet eröffnet. Von alters her haben die Christen diese heilige Nacht singend und betend durchwacht.
Dabei riefen sie in Erinnerung, wie Gott der Herr sich in der Geschichte seines Volkes als Gott des Lebens erwiesen hat. Immer wieder hat er sich der Not seines Volkes erbarmt und ihm neue Lebensmöglichkeiten eröffnet.
In den nun folgenden Lesungen hören wir von der Erschaffung der Welt, (1. Lesung);
[vom Gehorsam des Abraham, der bereit ist, seinen Sohn zu opfern, (2. Lesung);]
von der wunderbaren Errettung des Volkes Israel aus der Hand der Ägypter, (3. Lesung);
und von den Verheißungen, die Gott seinem Volk durch die Propheten zusichert.
Viele dieser Worte erhalten durch den Tod und durch die Auferstehung Jesu eine neue Sinntiefe. Durch die Taufe sind auch wir mit dem Leib Christi verbunden, haben wir teil am neuen Bund Gottes mit seinem Volk und an den Hoffnungen der Christen, die sich daran knüpfen. Davon hören wir in den neutestamentlichen Lesungen.
In der Osternacht empfangen von alters her die Taufbewerber das Sakrament der Taufe. Durch die Taufe erhalten sie Anteil an der Fülle des ewigen Lebens, das Christus uns durch seinen Tod und seine Auferstehung erschlossen hat.
Für alle Getauften ist die Anlass, für das Geschenk der Gotteskindschaft zu danken und das Taufversprechen zu erneuern.
Die nun folgende Tauffeier beginnt mit der Anrufung aller Heiligen. Durch die Taufe sind wir von Gott geheiligt und in die Schar der Heiligen berufen worden.
Als letzter Abschnitt der Osternachtliturgie folgt nun die Eucharistiefeier. Dankbar gedenken wir des Todes und der Auferstehung Jesu. Im heiligen Mahl erhalten wir Anteil an seinem Leib und dem Blut, das er für uns vergossen hat. Christus nimmt uns mit hinein in seine innige Verbundenheit mit dem Vater und in sein ewiges Leben.
er dritte Teil der Osternachtliturgie ist die Tauffeier, in der wir unsere Gotteskindschaft durch die Taufe erneuern. Am Anfang der Weihe des Wassers wird die Allerheiligenlitanei gesungen: Die heiligen Männer und Frauen sind Zeichen dafür, dass für uns alle das Ziel des ewigen Lebens erreichbar ist. So sind sie uns Vorbilder, wie wir unser Leben auf dieses Ziel hin gestalten sollen.
Allerheiligenlitanei
Von der Dunkelheit des Lebens und des Sterbens sind wir noch umfangen und erwarten doch auch das Licht der Welt. Es ist die Nacht, in der das Kreuz, der Tod, das Leiden überwunden ist, in der das neue und ewige Leben von Gott in unserer Welt Einzug hält: Der Stein ist weg. Das Grab ist leer. Jesus ist auferstanden.
Allmächtiger, ewiger Gott,
du hast durch Christus allen, die an dich glauben,
das Licht deiner Herrlichkeit geschenkt.
Segne dieses neue Feuer,
das die Nacht erhellt
und entflamme in uns die Sehnsucht nach dir,
dem unvergänglichen Licht,
damit wir mit reinem Herzen zum ewigen Osterfest gelangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
(aus dem MB)
Jesus Christus ist für uns Wärme, Licht und Leben.
Zeichen dafür ist die Osterkerze, die wir nun entzünden:
Guter Gott,
Gott der Liebe, Gott des Lebens.
Voll Vertrauen auf Dein unvergängliches Licht
zünden wir diese Kerze an.
Das Licht sei uns ein Zeichen des Vertrauens,
der Liebe und der Hoffnung,
in Stunden der Freude und in Stunden des Leides.
Wir zünden diese Kerze an, weil wir wissen:
Dein Sohn Jesus Christus ist bei uns
und bleibt bei uns alle Tage unseres Lebens und darüber hinaus.
Lass sein Licht über uns und alle Menschen leuchten.
Das Licht Christi aber gehe in unseren Herzen auf
und erstrahle in der ganzen Welt. Amen.
Diese österliche Freude lasst uns weiterreichen von Hand zu Hand,
von Licht zu Licht.
Wir wollen uns alle erfassen lassen von diesem einen Licht
und uns vereinen im Licht des österlichen Lebens,
das in dieser Nacht den ganzen Erdkreis umspannt.
Nach der Lichtfeier hören wir in den Lesungen des ersten und zweiten Testamentes den Grund unserer Osterfreude, die Heilsgeschichte vom Anfang der Welt bis hin zur Auferstehung Jesu Christi: Gott erweist sich als der, der Leben schafft und Leben will, der den Menschen immer wieder von allem Schweren befreit. Wir hören, wie die Heilsgeschichte Gottes mit uns Menschen seine Fortsetzung findet und in dieser Nacht auch in unseren Herzen weitergeschrieben werden will.
Der dritte Teil der Osternachtliturgie ist die Tauffeier, in der wir unsere Gotteskindschaft durch die Taufe erneuern. Am Anfang der Weihe des Wassers wird die Allerheiligenlitanei gesungen: Die heiligen Männer und Frauen sind Zeichen dafür, dass für uns alle das Ziel des ewigen Lebens erreichbar ist. So sind sie uns Vorbilder, wie wir unser Leben auf dieses Ziel hin gestalten sollen.
Allerheiligenlitanei
Gebet nach der 1. Lesung (Gen 1,1 - 2,2):
Allmächtiger Gott,
du bist wunderbar in allem, was du tust.
Lass deine Erlösten erkennen,
dass deine Schöpfung groß ist,
doch größer noch das Werk der Erlösung,
die du uns in der Fülle der Zeit geschenkt hast
durch den Tod des Osterlammes,
unseres Herrn Jesus Christus,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Oder (wenn die Kurzfassung gelesen wurde):
Allmächtiger Gott,
du hast den Menschen wunderbar erschaffen
und noch wunderbarer erlöst.
Hilf uns, den Verlockungen der Sünde
durch die Kraft des Geistes zu widerstehen,
damit wir zu den ewigen Freuden gelangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Gebet nach der 2. Lesung (Gen 22, 1-18):
Gott, du Vater aller Gläubigen,
durch deine Gnade
mehrst du auf dem ganzen Erdenrund
die Kinder deiner Verheißung.
Durch das österliche Sakrament der Taufe
erfüllst du den Eid,
den du Abraham geschworen hast,
und machst ihn zum Vater aller Völker.
Gib allen, die du zu deinem Volk berufen hast,
die Gnade, diesem Ruf zu folgen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Gebet nach der 3. Lesung (Ex 14,15 - 15,1):
Gott,
deine uralten Wunder
leuchten noch in unseren Tagen.
Was einst dein mächtiger Arm
an einem Volk getan hat,
das tust du jetzt an allen Völkern:
Einst hast du Israel
aus der Knechtschaft des Pharao befreit
und durch die Fluten des Roten Meeres geführt;
nun aber führst du alle Völker
durch das Wasser der Taufe zur Freiheit.
Gib, dass alle Menschen Kinder Abrahams werden
und zur Würde des auserwählten Volkes gelangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Oder:
Herr, unser Gott,
du hast uns durch das Licht des Neuen Bundes
den Sinn der Wunder erschlossen,
die du im Alten Bund gewirkt hast:
Das Rote Meer ist ein Bild für das Wasser der Taufe;
das befreite Volk Israel deutet hin
auf das heilige Volk des Neuen Bundes.
Gib, dass alle Menschen durch den Glauben
an der Würde Israels teilhaben
und im Heiligen Geist
die Gnade der Wiedergeburt empfangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Gebet nach der 4. Lesung (Jes 54,5-14):
Allmächtiger, ewiger Gott,
verherrliche deinen Namen.
Gewähre, was du den Vätern
um ihres Glaubens willen versprochen hast,
und mehre durch die Taufe die Zahl deiner Kinder.
Lass deine Kirche erfahren, dass sich erfüllt,
was die Heiligen des Alten Bundes gläubig erhofft haben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Gebet nach der 5. Lesung (Jes 55,1-11):
Allmächtiger, ewiger Gott,
du einzige Hoffnung der Welt,
durch die Propheten hast du die Heilsereignisse angekündigt,
die sich in unseren Tagen erfüllen.
Erwecke du selbst in uns das Verlangen,
dir immer treuer zu dienen;
denn niemand macht Fortschritte im Guten,
wenn ihn nicht deine Gnade führt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Gebet nach der 6. Lesung (Bar 3,9-15.32 - 4,4):
Gott, unser Vater,
du mehrst die Zahl deiner Kinder
und rufst aus allen Völkern
Menschen in deine Kirche.
Beschütze gütig die Täuflinge,
damit sie den Quell der Weisheit niemals verlassen
und auf deinen Wegen gehen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Gebet nach der 7. Lesung (Ez 36,16-17a.18-28):
Gott,
du unwandelbare Kraft, du ewiges Licht,
schau gütig auf deine Kirche
und wirke durch sie das Heil der Menschen.
So erfahre die Welt,
was du von Ewigkeit her bestimmt hast:
Was alt ist, wird neu,
was dunkel ist, wird licht,
was tot war, steht auf zum Leben,
und alles wird wieder heil in dem,
der der Ursprung von allem ist,
in unserem Herrn Jesus Christus,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Oder:
Herr, unser Gott,
durch die Schriften des Alten und des Neuen Bundes
führst du uns ein
in das Geheimnis dieser heiligen Nacht.
Öffne unsere Augen für das Werk deines Erbarmens
und schenk uns durch die Gnade dieser Osternacht
die feste Zuversicht, dass auch unser Leben
in deiner Herrlichkeit vollendet wird.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Oder (wenn eine Taufe folgt):
Sei uns nahe, allmächtiger Gott,
und wirke in den Sakramenten,
die uns deine Liebe schenkt:
Sende den Geist aus,
der uns zu deinen Kindern macht,
den Geist, durch den dir aus dem Wasser der Taufe
ein neues Volk geboren wird.
Was wir unter heiligen Zeichen vollziehen,
das vollende du mit deiner Kraft.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Nach dem Gebet zur letzten Lesung aus dem Alten Testament:
Lasset uns beten.
Gott, du hast diese Nacht hell gemacht
durch den Glanz der Auferstehung unseres Herrn.
Erwecke in deiner Kirche den Geist der Kindschaft,
den du uns durch die Taufe geschenkt hast,
damit wir neu werden an Leib und Seele
und dir mit aufrichtigem Herzen dienen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Osternacht
Herr, unser Gott,
nimm die Gebete und Gaben deines Volkes an
und gib, dass diese österliche Feier,
die im Opfer des wahren Osterlammes ihren Ursprung hat,
uns zum ewigen Heil führt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Osternacht
Wir bringen das Brot,
Zeichen für alles, was die Erde hervorbringt;
wovon die Menschen leben,
wonach wir Menschen hungern,
warum wir uns abmühen,
Brot, das alle Menschen der Erde ernähren soll.
Wir bringen den Wein,
Zeichen für das, was die Erde uns schenkt und bietet.
Zeichen für das Leben selbst.
Denn wir dürsten nach Leben,
nach Lebenserfüllung, nach Lebensfreude;
Freude, die allen Menschen verheißen ist.
Wir bringen uns selber.
Nimm uns, wie wir sind,
wie wir sein möchten.
Bediene dich unserer Anstrengungen.
Mache Brot und Wein, -
mach uns, deine Gemeinde -
zum Zeichen deiner Gegenwart in unserer Welt.
darum bitten wir durch Christus,
den Auferstandenen Herrn und Bruder.
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater, immer und überall zu danken,
diese Nacht (diesen Tag, diese Tage)
aber aufs höchste zu feiern,
da unser Osterlamm geopfert ist,
Jesus Christus.
Denn er ist das wahre Lamm,
das die Sünde der Welt hinwegnimmt.
Durch seinen Tod
hat er unseren Tod vernichtet
und durch seine Auferstehung
das Leben neu geschaffen.
Darum jubelt in dieser Nacht (heute)
der ganze Erdkreis in österlicher Freude,
darum preisen dich die himmlischen Mächte
und die Chöre der Engel
und singen das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Osterzeit 1
In Christus, dem Auferstandenen, haben wir den Weg zum Vater.
Daher lasst uns mit all dem, was wir in diese Nacht mitgebracht haben,
an Freude und Hoffnung, an Sorgen und Leid, als Gebet vor Gott bringen:
Vater unser im Himmel ...
Einladung zum Friedensgebet:
Die Botschaft von der Auferstehung ist eine wahrhaft große Botschaft des Friedens und des Heils...
Unser Osterlamm ist geopfert, Christus, der Herr. Halleluja!
Wir sind befreit von Sünde und Schuld.
So lasst uns Festmahl halten in Freude. Halleluja!
Feuer
Entsteht aus einem kleinen Funken. -
Aber nur, wenn es etwas gibt,
das sich anstecken lässt.
Dann wir der Funkten zu einem Licht,
das wärmt
das durch seine Hitze
etwas verändert.
Gott,
lass deinen Funken auf mich überspringen,
damit ich deinen Funken
weitertragen kann,
damit ich die Welt ein bisschen
verändern kann,
damit ich die Menschen ein bisschen
verändern kann,
damit ein großes Feuer entsteht,
das uns Menschen von der
klebrigen Schlacke, die uns umhüllt, befreit.
Aus: Werkmappe, Kath. Jungschar, Innsbruck 1996.
Herr, unser Gott,
du hast uns durch die österlichen Sakramente gestärkt.
Schenke uns den Geist deiner Liebe,
damit deine Gemeinde ein Herz und eine Seele wird.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Osternacht
Licht-Strahlen streifen
sanft und leise
die Augen
verkünden den Anbruch
eines neuen Tages
die sprengende Leucht-Kraft
der Morgensonne
weckt die müden Lider
durchflutet den Raum
mit buntem Farbenzauber
Strahlen brechen
mit eleganter Leichtigkeit
Schatten und Licht
ziehen eine Leucht-Spur
der Hoffnung
kraftvoll und stark
jeden Tag neu
ist dieser Licht-Einfall -
durchdringender
als jedes Dunkel der Nacht
spürbar durchdrungen
vom Licht des Ostermorgens
verklingt die Trauer
wiegt das Herz wieder leicht
wenngleich Narben zurückbleiben
im Aufgang der Sonne
erscheinen die Dinge
in einem anderen Licht
gibt es Hoffnung - österliche Zuversicht!
Michaela E. Lugmaier, Ostern 2017
Nicht erst,
wenn alle Mißverständnisse
weggeräumt sind,
sondern
wenn ich alles
vergeben habe.
Wenn der schwere Stein
meiner Traurigkeit
vom Herzen weggeweint ist
und ich wieder
Hoffnung habe.
Wenn ich nicht mehr
flüchten will,
sondern mich
auf den Weg mache
zu meinen Brüdern und Schwestern.
Dann erst
werde ich IHM begegnen
in den Gesichtern
der geringsten meiner Brüder,
in Seinem Wort,
in Seinem Brot.
Dann erst werden mir
die Augen aufgehen,
und mein totes Herz
lebt wieder
und brennt für Dich
Ilse Pauls
Zu Paul Celans Gedicht „Zürich, Zum Storchen“
Den goldenen Schimmer der Auferstehung
lass uns hinüberretten in den Alltag.
Seinen Glanz bewahren,
seine Gegenwart erspähen
in manchen Bildern,
Offenbarungen,
Gesprächen …
Es gibt Worte,
die Glanz innehaben,
Blicke, die strahlen,
Begegnungen,
die Ewigkeit ahnen lassen …
Lass uns das Hellwort finden,
das uns trägt,
das mit uns geht.
Ilse Pauls
Linzer Bischof verortet Leibfreundlichkeit des Christlichen in Werken der Barmherzigkeit, in Sakramenten, in leiblicher Auferstehung und auch in der leiblichen Liebe.
Linz, 24.3.2016 (KAP) Mit Ostern setzt Gott ein "Ausrufezeichen" mit der Botschaft "Ich mag den Leib". Entgegen allen Klischees von christlicher Leibfeindlichkeit sieht der Linzer Bischof Manfred Scheuer viele Elemente einer "Leibfreundlichkeit des Christlichen". Er verortete diese in einem Oster-Interview der Linzer "KirchenZeitung" in den leiblichen Werken der Barmherzigkeit, in den sinnlich erfahrbaren Sakramenten, und ebenso im Glauben an die Auferstehung auch des Fleisches, den die Christen bekennen. Als weitere Beispiele nannte Scheuer die leibliche Liebe, "in den Dimensionen von Agape, Caritas, aber auch von Freundschaft und Eros".
In der heutigen Gesellschaft gebe es zwar die "Betonung einer vordergründigen Leibfreundlichkeit", jedoch sind viele der alltäglichen Erfahrungen nach den Worten des Bischofs leibfeindlich. Bei der Arbeit werde der Leib oft losgelöst vom ganzen Menschen gesehen, in der Medizin werde der Leib manchmal "wie ein Motor" behandelt, "den man repariert" und der zu funktionieren habe. Es gehe aber vielmehr darum, "auf den Rhythmus des Leibes zu achten und auf seine Signale zu hören", erklärte der leidenschaftliche Bergwanderer.
Ostern ist für Scheuer "das Zusammen von Tod und Auferstehung" und somit mehr als nur ein Frühlingsfest, als welches von vielen der Palmsonntag empfunden werde. Auferstehung knüpfe an eine menschliche Ursehnsucht an, die über den Tod hinaus auf eine Versöhnung von Glück und Gerechtigkeit hofft.
Wenn Umfragen einen hohen Prozentsatz an Christen ergeben, die nicht an die Auferstehung glauben, stelle sich für ihn - so Scheuer - die Frage: "Finden sich die Leute einfach ab damit, dass Menschen kaputtgehen und das eigene Leben sinnlos ist? Das wäre schon ein Alarmzeichen." Denn das würde nach den Worten des Bischofs bedeuten, "dass todbringende Kräfte letztlich obenauf sind". Der Auferstehungsglaube sei auch ein Fingerzeig dafür, ob "wir das Leben lieben und annehmen können, oder finden wir uns eigentlich ab mit den offenen oder versteckten Formen des Todes?"
Für "kritische und solidarische Zeitgenossenschaft"
Zu Ostern ist laut Scheuer "die Gegenwart der leiblichen und auch durch das Leid hindurchgehenden Liebe Gottes" besonders erfahrbar. Gott fordere die Kirche zugleich auf, an den konkreten Menschen mit ihren Freuden und Hoffnungen, ihrer Trauer und Angst dranzubleiben. "Das gelingt uns manchmal besser, manchmal schlechter." Der Linzer Bischof plädierte für eine "Zeitgenossenschaft" der Kirche, die nicht einfach Angleichung bedeute. "Wer sich mit dem Zeitgeist verheiratet, erlebt sich schnell als Witwer", zitierte Scheuer den dänischen Philosophen Sören Kierkegaard. "Mir geht es um eine kritische und solidarische Zeitgenossenschaft", betonte der Bischof.
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Manchmal stehen wir auf
Stehen wir zur Auferstehung auf
Mitten am Tage
Mit unserem lebendigen Haar
Mit unserer atmenden Haut.
Nur das Gewohnte ist um uns.
Keine Fata Morgana von Palmen
Mit weidenden Löwen
Und sanften Wölfen.
Die Weckuhren hören nicht auf zu ticken
Ihre Leuchtzeiger löschen nicht aus.
Und dennoch leicht
Und dennoch unverwundbar
Geordnet in geheimnisvolle Ordnung
Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.
Marie Luise Kaschnitz in: Georg Langenhorst, Gedichte zur Bibel. Texte – Interpretationen – Methoden. Ein Werkbuch für Schule und Gemeinde. Kösel Verlag, München 2001.
Deutscher Theologe Bruners in Zeitschrift "miteinander": Glaube an Auferstehung bedeutet Hoffnung auf Gerechtigkeit für die Opfer.
Wien, 15.04.14 (KAP) Wer die Möglichkeit einer Auferstehung der Toten ausschließe, der riskiere, "unter Niveau zu leben", da er die Möglichkeit einer Gerechtigkeit auch für die Opfer der Geschichte nicht sehe. Das unterstreicht der deutsche Theologe und Seelsorger Wilhelm Bruners in einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "miteinander" des Canisiuswerks. Ostern könne daher als ein Fest des Widerstandes gegen den Tod und Christen entsprechend als "Widerstandskämpfer gegen den Tod" verstanden werden.
Angesichts der Millionen Menschen, die täglich "um ihr Leben auf Erden betrogen" werden - sei es durch Kriege, Missbrauch oder unmenschliche Systeme -, sei es "geradezu zynisch, ihnen zu sagen, mit dem Tod sei alles zu Ende", so Bruners. "Dann wären die Mörder und Täter gut heraus. Wer zieht sie zur Rechenschaft? Keiner?" Zugleich warnt Bruners vor einer überzogenen "Heldenverehrung der Toten", die häufig an die Stelle der "Lebensverehrung" trete: "Junge Menschen, die so früh gestorben sind, ermordet wurden, wollten leben. Wollten keine toten Helden sein."
Wilhelm Bruners ist Theologe, Seelsorger und Erwachsenenbildner am Theologisch-Pastoralen Institut (TPI) in Mainz. Von ihm stammt u.a. das Buch "Und die Toten laufen frei herum. Ein Begleiter durch die österliche Zeit". (Weitere Infos: <link http://www.canisius.at/ _blank external-link-new-window "Opens external link in new window">www.canisius.at</link>)
Kathpresss 15.04.14 - Copyright 2014 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich (www.kathpress.at) Alle Rechte vorbehalten.
Glauben Sie fragte man mich
An ein Leben nach dem Tode
Und ich antwortete: ja
Aber dann wusste ich
Keine Antwort zu geben
Wie das aussehen sollte
Wie ich selber
Aussehen sollte
Dort
Ich wusste nur eines
Keine Hierarchie
Von Heiligen auf goldnen Stühlen sitzend
Kein Niedersturz Verdammter Seelen
Nur
Nur Liebe frei geworden
Niemals aufgezehrte
Mich überflutend
Kein Schutzmantel starr aus Gold
Mit Edelsteinen besetzt
Ein spinnwebenleichtes Gewand
Ein Hauch
Mir um die Schultern
Liebkosung schöne Bewegung
Wie einst von tyrrhenischen Wellen
Wie von Worten die hin und her
Wortfetzen
Komm du komm
Schmerzweb mit Tränen besetzt
Berg-und-Tal-Fahrt
Und deine Hand
Wieder in meiner
So lagen wir lasest du vor
Schlief ich ein
Wachte auf
Schlief ein
Wache auf
Deine Stimme empfängt mich
Entlässt mich und immer
So fort
Mehr also fragen die Frager
Erwarten Sie nicht nach dem Tode?
Und ich antworte
Weniger nicht.
Marie-Luise KASCHNITZ: Ein Leben nach dem Tode, in: Gesammelte Werke in sieben Bänden. Bd. 5: Die Gedichte. Insel Verlag, Frankfurt/M. 1985.
Wagen wir es, die Auferstehung zu glauben? Oder ist sie uns nur ein Mythos, den man an einem solchen Ostertag - auf sich beruhen lässt oder umgekehrt? Warum glauben wir? Warum können wir intellektuell redlich glauben? Wir können es. Glaubend bejahend natürlich, nicht rationalistisch eine Zustimmung erzwingen. Wir können intellektuell redlich an Jesu Auferstehung glauben, auch ohne in alle Probleme der heutigen Exegese über diese Frage eingestiegen zu sein. Warum? Gegenfrage: Darf ich intellektuell redlich an meine eigene "Auferstehung" glauben? Das heißt: Darf ich mein Leben darauf aufbauen, dass das, was mein Leben ausmacht: Freiheit, Verantwortung, Liebe, endgültige Bedeutung hat und nicht verschwindet in den Abgrund des sinnlosen Nichts? Wenn ich aber darauf baue und dabei weiß, dass ich mich nicht zerfällen kann in zwei heterogene Wirklichkeiten, die sich in ihrem Schicksal gleichgültig trennen, Materie und Geist genannt, dann glaube ich an meine Auferstehung.
Karl Rahner, Das große Kirchenjahr. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 1990.
halleluja
das lachen beginnt
es füllt neu
das leben
das land
halleluja
die lasten des tages
sind freudig zu nehmen
den staub des alltags
von der seele gewaschen
halleluja
das herz ist neu offen
für gott
für die menschen
hinein kann das neue
der kommenden zeit
halleluja
die wege sind wagnis
doch tragen sie sicher
auch wenn nur die nächsten
schritte zu kennst
halleluja
sag
singe und rufe
so laut und behutsam
dass jeder begreift
halleluja
ostern ist jetzt
hier, heute und morgen
bei dir und bei mir
beim freund und beim feind
halleluja
das lachen beginnt
Almut Haneberg, woher-wohin-wozu, Gebete und Texte für junge Christen, Hrsg. Provinzialat der Redemptoristen, A-1010 Wien, 2007.
Abel steh auf
Es muß neu gespielt werden
Täglich muß es neu gespielt werden
täglich muß die Antwort noch vor uns sein
die Antwort muß ja sein können
wenn du nicht aufstehst Abel
wie soll die Antwort
diese einzig wichtige Antwort
sich je verändern
wir können alle Kirchen schließen
und alle Gesetzbücher abschaffen
in allen Sprachen der Erde
wenn du nur aufstehst
und es rückgängig machst
die erste falsche Antwort
auf die einzige Frage
auf die es ankommt
steh auf
damit Kain sagt
damit er es sagen kann
Ich bin dein Hüter
Bruder
Wie sollte ich nicht dein Hüter sein
Täglich steh auf
Damit wir es vor uns haben
Dies Ja ich bin hier
Ich
dein Bruder
Damit die Kinder Abels
sich nicht mehr fürchten
weil Kain nicht Kain wird
Ich schreibe dies
Ich ein Kind Abels
Und fürchte mich täglich
vor der Antwort
die Luft in meiner Lunge wird weniger
wie ich auf die Antwort warte.
Abel steh auf
damit es anders anfängt
zwischen uns allen
Die Feuer die brennen
Das Feuer das brennt auf der Erde
soll das Feuer von Abel sein
Und am Schwanz der Raketen
Sollen die Feuer von Abel sein.
Hilde Domin, Sämtliche Gedichte, hrsg. Nikola Herweg und Melanie Reinhold, Frankfurt: S. Fischer 2009.
"Ist aber Jesus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos. Wir werden dann auch als falsche Zeugen Gottes entlarvt, weil wir im Widerspruch zu Gott das Zeugnis abgelegt haben: Er hat Christus auferweckt" (1 Kor 15,14). Mit diesen Worten stellt der heilige Paulus ganz drastisch heraus, welche Bedeutung der Glaube an die Auferstehung Jesu Christi für die christliche Botschaft als Ganze hat: Er ist ihre Grundlage. Der christliche Glaube steht und fällt mit der Wahrheit des Zeugnisses, dass Christus von den Toten auferstanden ist.
Wenn man dies wegnimmt, dann kann man aus der christlichen Überlieferung zwar immer noch eine Reihe bedenkenswerter Vorstellungen über Gott und den Menschen, über dessen Sein und Sollen zusammenfügen - eine Art von religiöser Weltanschauung -, aber der christliche Glaube ist tot. Dann war Jesus eine religiöse Persönlichkeit, die gescheitert ist; die auch in ihrem Scheitern groß bleibt, uns zum Nachdenken zwingen kann. Aber er bleibt dann im rein Menschlichen, und seine Autorität reicht so weit, wie uns seine Botschaft einsichtig ist. Er ist kein Maßstab mehr; der Maßstab ist dann nur noch unser eigenes Urteil, das von seinem Erbe auswählt, was uns hilfreich erscheint. Und das bedeutet: Dann sind wir alleingelassen. Unser eigenes Urteil ist die letzte Instanz. Nur wenn Jesus auferstanden ist, ist wirklich Neues geschehen, das die Welt und die Situation des Menschen verändert. Dann wird er der Maßstab, auf den wir uns verlassen können. Denn dann hat Gott sich wirklich gezeigt.
Joseph Ratzinger, Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, Herder-Verlag, Freiburg, 2011.
Wagen wir es, die Auferstehung zu glauben? Oder ist sie uns nur ein Mythos, den man an einem solchen Ostertag auf sich beruhen lässt oder umgekehrt? Warum glauben wir? Warum können wir intellektuell redlich glauben? Wir können es. Glaubend bejahend natürlich, nicht rationalistisch eine Zustimmung erzwingen. Wir können intellektuell redlich an Jesu Auferstehung glauben, auch ohne in alle Probleme der heutigen Exegese über diese Frage eingestiegen zu sein. Warum? Gegenfrage: Darf ich intellektuell redlich an meine eigene "Auferstehung" glauben? Das heißt: Darf ich mein Leben darauf aufbauen, dass das, was mein Leben ausmacht: Freiheit, Verantwortung, Liebe, endgültige Bedeutung hat und nicht verschwindet in den Abgrund des sinnlosen Nichts? Wenn ich aber darauf baue und dabei weiß, dass ich mich nicht zerfällen kann in zwei heterogene Wirklichkeiten, die sich in ihrem Schicksal gleichgültig trennen, Materie und Geist genannt, dann glaube ich an meine Auferstehung.
Karl Rahner, Das große Kirchenjahr, Herder-Verlag, Freiburg Basel Wien 1990.
Ostern ist neben Pfingsten das älteste und es ist das höchste Fest der Christenheit. Seine Wurzeln liegen im jüdischen Passah (Pessach)-Fest. Das deutsche Wort Ostern leitet sich vom indogermanischen Wort für Morgenröte ab. Die Osterzeit beginnt mit dem Ostermorgen und endet 50 Tage später mit Pfingsten.
Bis zum 3. Jahrhundert feierte man Ostern als einen Festtag, im 3. Jahrhundert wurde dann die Woche vorher, die Karwoche, als Vorbereitungszeit zur Fastenzeit; im 4. Jahrhundert wurden die drei heiligen Tage von Gründonnerstag Abend bis Ostersonntag Morgen als Höhepunkt des Kirchenjahres eingeführt.
Das 1. Konzil von Nicäa legte fest, dass der Ostersonntag am 1. Sonntag nach dem 1. Vollmond nach Frühlingsanfang gefeiert wird. Daraus ergibt sich, dass der Ostersonntag nach dem im Westen gültigen gregorianischen Kalender frühestens am 22. März, spätestmöglich am 25. April stattfindet. Die orthodoxen Kirchen berechnen Ostern nach dem julianischen Kalender (► Kalenderwesen), der gegenüber unserem gregorianischen derzeit um 13 Tage zurückhinkt. Nach orthodoxer Tradition darf Ostern außerdem nicht vor oder zusammen mit dem jüdischen Passahfest gefeiert werden. Deshalb feiern orthodoxe und westliche Kirchen das Osterfest meist an unterschiedlichen Sonntagen.
Traditionell wird in orthodoxen und katholischen Kirchen, zunehmend auch in protestantischen, die Osternacht gefeiert. Die Liturgie der Osternachtfeier besteht traditionell aus vier Teilen:
Die Lichtfeier hat neben dem Halleluja-Ruf das Licht als wichtigsten Bestandteil. Meist erhalten die Gottesdienstteilnehmer bereits am Eingang der Kirche eine Kerze, die dann an der Osterkerze entzündet wird. Gelegentlich wird sogar ein richtiges Osterfeuer entfacht. Solche Feuer wurden bereits in heidnischer Zeit praktiziert: man versuchte, mit diesem Frühlingsfeuer die Sonne magisch auf die Erde herab zu ziehen. Die ersten christlichen Osterfeuer gab es um 750 in Frankreich, seit dem 11. Jahrhundert sind sie im deutschsprachigen Raum verbreitet. Auch Flammenräder ließ man von Hügeln hinabrollen. Heute steht die Osterkerze im Mittelpunkt der Osternachtfeier. Erstmals erwähnt wurde eine Osterkerze 384 in Piacenca in einem Brief von Hieronymus. Spätestens 417 gebrauchte sie Papst Zosimus in Rom. Im 10. Jahrhundert etablierte sich die Osterkerze; sie brennt während der ganzen Osterfestzeit bis Pfingsten. Danach wird die Kerze neben den Taufstein gestellt und brennt bei Taufen.
Wortgottesdienst
Taufe bzw. Tauferneuerung: Im 4. Jahrhundert wurde die Osternacht zur großen Taufnacht der Kirche, dadurch entstand die Verbindung von Ostern und Taufe. In der katholischen Kirche weiht der Priester in der Osternacht das Taufwasser für das ganze Jahr. Die Gläubigen nehmen das geweihte Wasser mit nach Hause, es soll sie zuhause ebenso so wie ihre Häuser vor Unheil schützen.
Ein Teilablass wird demjenigen Gläubigen gewährt, der sein Taufversprechen nach einer dafür vorgesehenen Formel erneuert; geschieht dies während der Feier der Osternacht oder am Jahrestag der Taufe, so kann ein vollkommener Ablass gewonnen werden.
- Die <link http://www.heiligenlexikon.de/Kalender/Ostern.html>Eucharistie</link>- (Abendmahls-)feier als Vergewisserung der Gegenwart des Auferstandenen Christus.
Das Lamm - oder eine junge Ziege - ist Symbol der Wehrlosigkeit gegen wilde Tiere, den Scherer und den Schlächter, es ist das klassische Opfertier im Alten Testament. Auch Jesus Christus wird als Lamm bezeichnet: Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt (Johannesevangelium 1, 29). Im christlichen Altertum legte man Lammfleisch unter den Altar. Es wurde geweiht und am Auferstehungstag als erste Speise verzehrt.
Im 12. Jahrhundert wurden erstmals nachweislich Eier geweiht. Eier gelten seit jeher als Fruchtbarkeitssymbol; im Mittelalter waren sie als Zahlungsmittel bedeutend. Sie wurden zum Symbol der Auferstehung Christi, weil seine Auferstehung aus dem Grab dem Schlüpfen der Küken aus der Schale verglichen wurde. Neben Eiern wurden bald auch Schinken, Milchprodukte und Brot zur Weihe gebracht. Man wollte die lange Fastenzeit mit dem Verzehr der geweihten Speisen würdig beenden.
Im 13. Jahrhundert werden erstmals bemalte Ostereier erwähnt. Nach den Fastenvorschriften war der Verzehr von Eiern in der Karwoche untersagt; die Hennen legten trotzdem, die Eier wurden gelagert; am Ostermorgen war dann der Eierkonsum besonders hoch. Man beschloss, diese gesammelten Karwochen-Eier zu bemalen und weihen zu lassen, damit sie sich von gewöhnlichen Eiern unterscheiden. Eine Färbung der Eier ist 1615 durch einen Straßburger Handwerksmeister belegt, die kunstvolle Bemalung der Eier war vor allem in Osteuropa verbreitet.
Evangelische Familien entwickelten im 17. Jahrhundert den Osterhasen als Eierlieferanten, erstmals erwähnt um 1680 im Elsass von dem Mediziner Georg Franck von Frankenau. Er sollte die Eier bemalen, verstecken und legen. Damit wollten die Protestanten sich von den Katholiken distanzieren, deren Fastenbräuche und Eierweihe sie ablehnten. Der Osterhase ist Symbol für Ostern und neues Leben wegen seiner Fruchtbarkeit - besonders im Frühling - und weil er mit offenen Augen schläft. Auch der Hahn brachte in manchen Gegenden die Eier, in der Schweiz der Kuckuck, in Westfalen der Fuchs, in Thüringen der Storch. Im fränkischen Ansbach wurde 1757 angeblich ein eierlegender Hase gefangen und darüber ein Protokoll verfasst. Erst im 19. Jahrhundert konnte sich der Osterhase überall durchsetzen.
Aus Polen stammt der Brauch der Speisensegnung. Am Karsamstag oder zu Ende der Osternacht-Feier werden in katholischen und einigen orthodoxen Kirchen Speisen gesegnet, die die Gläubigen in Körben mitgebracht haben und die dann zum Frühstück am Ostersonntag im Kreis der Familie verzehrt werden .
http://www.heiligenlexikon.de/Kalender/Ostern.html
Was das Geheimnis der Osternacht - die Auferstehung des Herrn - bedeutet, versucht die Kirche in dieser heiligen Nacht in ihrer Sprache zu sagen: in der Sprache der Symbole. Drei große Symbole sind es, die die Liturgie der Auferstehungsnacht beherrschen: das Licht, das Wasser und »das neue Lied« , das Alleluja.
Das Licht zunächst. Es ist eines der Ursymbole der Menschheit. Das irdische Licht ist der unmittelbarste Abglanz der göttlichen Wirklichkeit, der am meisten uns ahnen läßt von demjenigen, der im unzugänglichen Lichte wohnt (1 Ti 6,16). In den beiden großen heiligen Nächten des Kirchenjahres, Weihnachten und Ostern, verschmilzt die Symbolik des Lichts mit derjenigen der Nacht. Beide Male stellt die Kirche im Widerspiel von Nacht und Licht symbolisch dar, was der jeweilige Inhalt des Festes ist: der sieghafte Einbruch Gottes in die Welt, die ihm keinen Platz geben will und ihm dennoch am Ende den Platz nicht verwehren kann. Dies Christusdrama von Licht und Finsternis erreicht nun, an Ostern, seinen Mittel- und Höhepunkt. Die Finsternis hat zu ihrer letzten Waffe gegriffen, zum Tod. Sie hat in ordentlichem Gerichtsverfahren die Wahrheit und die Liebe zu den Hauptschuldigen der Weltgeschichte erklärt und den Träger des Lichts verurteilt. Aber die Auferstehung bringt die große Wende. Das Licht hat gesiegt und lebt nun unbesiegbar, und das Wichtigste: Es hat ein Stück Welt an sich gezogen und verwandelt in sich. Damit ist das Drama freilich noch nicht zu Ende. Sein Ende steht noch aus. Es trägt sich zu in der Parusie des Herrn. Noch ist es Nacht, wenn auch eine Nacht, in der ein Licht entzündet ist. Wenn er wiederkommt, wird Tag sein für immer.
Das zweite österliche Element ist das Wasser. Wie das Licht so ist auch das Wasser ein Ursymbol der Menschheit. Das Wasser verkörpert die Köstlichkeit der Erde. Wer einmal Durst gelitten hat, der weiß das. Wer einmal die sengende Gewalt der Sonne ertragen hat viele Stunden hindurch und dann plötzlich einen frischen, glitzernden Wasserquell entdeckte, weiß, daß es in der Tat nichts Köstlicheres gibt als dies helle klare Wasser. So ruft das Wasser die Erinnerung wach an Paradies und Fruchtbarkeit. Dies ganze Geheimnis des Wassers ist anwesend in der Osterfeier, eingefangen in sie und zugleich auf höhere Ebene erhoben. Denn davon will uns die Osternacht sagen, daß ein weit köstlicherer Quell noch als es je auf Erden ihn gab, aus der geöffneten Seite des Herrn entsprungen ist (Joh. 4,10; 7,37; 19,34). So ist am Kreuz der wahrhaft köstliche Quell der reinen Hingabe, der sich selbst verschwendenden Liebe Gottes entsprungen. Alle Kostbarkeit des Wasser ist darin gesammelt: die Kraft der Reinigung, der Fruchtbarkeit, das Erquickende und Tröstende und Belebende.
Das dritte österliche Element ist "das neue Lied" : das Alleluja. Freilich - das neue Lied im Vollsinn werden wir erst singen in der "neuen Welt", wenn Gott uns beim "neuen Namen" ruft (Apok. 2,17), wenn alles neu geworden ist. Aber etwas davon dürfen wir vorwegnehmen in der großen Freude der Osternacht. Denn das Singen und zumal dasjenige des neuen Liedes ist im Grunde gar nichts anderes als die Gestaltwerdung der Freude. Das Alleluja ist einfach das wortlose Sich-Aussingen einer Freude, die keine Worte mehr braucht, weil sie über allen Worten steht. Wenn aber das Alleluja-Singen das dritte Element des Symboldramas der österlichen Liturgie ist, dann ist dies dritte Element im Grunde der Mensch selbst, in dem diese Urmöglichkeit des Singens und Jubilierens steckt. Es ist wie ein erstes Aufdecken dessen, was mit uns einmal sein kann und sein soll: daß unser ganzes Wesen einmal eine einzige große Freude sein wird. Welch ein Ausblick!
Aus: Joseph Ratzinger, Dogma und Verkündigung. München : Erich Wewel Verlag 1973.
Wir können nur dann von einer endgültigen Lebenshoffnung redlich sprechen, wenn wir, wenigstens anfänglich, schon eine Erfahrung von Auferstehung gemacht haben, schon in diesem Leben, hier und heute.
Wie der Mensch schon viele Tode mitten im Leben stirbt, so geschieht auch Auferstehung jetzt, zum Beispiel dieser Art:
Aus: Karlheinz May, Vom Duft der Auferstehung. Die vier Evangelien in Auszügen mit Meditationen, kommentierenden Texten und Zeichnungen. Im Eigenverlag (Holsteinstr 1, D-51065 Köln).
Eingesperrt sein, mit drückenden Lasten beladen sein - all das erweckt die Sehnsucht nach Befreiung, nach Erlösung aus solcher Entfremdung. Man kann die Worte "Befreiung" und "Erlösung" auch ohne Bezug auf einen religiösen Inhalt aus-sprechen. In der Sicht des christlichen Glaubens aber ist die tiefste Wurzel aller Unfreiheit, aller Entfremdung des Menschen die Gebrochenheit seiner Beziehung zu Gott. Erlösung bedeutet im Vollsinn dieses Wortes dann die Wiederherstellung der Freundschaft zu Gott. Aus dieser Gottesfreundschaft erwächst auch die Kraft, andere Menschen und sich selbst anzunehmen.
Christus, der Sohn Gottes, ist den Menschen nachgegangen bis in die äußerste Entfernung von Gott. Bis dorthin, wo der Mensch dem Menschen zum Wolf wird; wo Kain seinen Bruder Abel tötet; wo das Kreuz steht, an dem der Herr einsam zwischen Himmel und Erde leidet und stirbt.
Christus hat in äußerster Liebe den Raum der Distanz der Menschen von Gott leidend und sterbend durchschritten. Und er hat diesen Raum in seiner Auferstehung aufgebrochen und eine Bresche geschlagen in den verschlossenen Horizont, der die Menschen von der siegreichen Liebe Gottes trennt. Die Kirche besingt diesen er-lösenden Durchgang Christi durch das "Rote Meer" der Sünde und des Todes in das "Gelobte Land” des Himmels, in die vollendete Beziehung zum Vater Gott auch mit den hymnischen lateinischen Worten "Captivam duxit captivitatem": "Er hat die Gefangenschaft gefangen gesetzt."
Das Osterereignis, das den Karfreitag mit dem Ostermorgen Christi verbindet, hat grundsätzlich allen Menschen die Tür aufgetan zu einem neuen Himmel und zu einer neuen Erde, zum ewigen Ostern. Der Weg dorthin ist zeitlebens freilich nur Pilgerschaft, und quer über diesen Weg sind Schwellen gelegt, an denen wir uns für oder gegen die Liebe Gottes entscheiden.
Aus: Egon Kapellari, Ein Fest gegen die Schwerkraft. Osterbetrachtungen. Styria Verlag Wien Graz Klagenfurt 1993.

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