Wo Menschen sich unter die Herrschaft der Tora, bzw. des Messias stellen blüht die Hoffnung auf neue Herrschaftsverhältnisse in der Gesellschaft. Sie kann neue Formen des Zusammenlebens hervorbringen. - Herrschaft ohne Herrschaft nach Bildern von Sacharja 9,9-10 und Matthäus 11,25-30.
Die Seligpreisung Jesu der "Unmündigen" und seine Rede vom Joch, das nicht drückt sind zu verstehen vor seinen Auseinandersetzungen mit den Weisen und Klugen, die ihn und seine Botschaft ablehnen. Wer wie er in Einklang mit Gott ist, wird die Last der Liebe tragen können und Ruhe finden.
Jesus stellt mit seiner Seligpreisung der Unmündigen die Welt auf den Kopf. Er entlarvt die Weisen und Klugen als Besserwisser und lädt alle, die Lasten zu tragen haben, in sein neues Gottesverhältnis einzureten. Darin werden sie Ruhe finden.
Jeder hat Lasten zu tragen. Sie können sehr unterschiedlich sein. Was bedeutet es vor diesem Hintergrund, wenn Jesus einlädt: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken!“? Inwiefern werden unsere Lebenslasten leichter?
Für das heutige Evangelium habe ich den Text der neuen Luther-Übersetzung gewählt. Das gehört sich ja auch so in diesem Lutherjahr und kurz nach dem Evangelischen Kirchentag. Ich kann nur allen empfehlen, sich diese neue Lutherübersetzungen einmal anzuschauen mit ihren kraftvollen Ausdrücken, die Luther manchmal sehr frei formuliert hat, weil der den Leuten aufs Maul geschaut hat. Viele sind längst zu Sprichwörtern geworden, wie etwa „Der Mensch denkt – Gott lenkt“. Manche dieser Übersetzungen sind heute auch unverständlich oder bringen uns einfach zum Lachen. So habe ich losgebrüllt, als ich neulich den Psalm 12 in der Lutherbibel las: Er beginnt mit dem Ruf: „Hilf, Herr, die Heiligen haben abgenommen...“. Martin Luther hat in seinem Leben immer mehr zugenommen, vor allem, seit er seine Käthe geheiratet hatte. Und in den Nachrichten würde es natürlich heißen: „Die Zahl der Heiligen hat abgenommen.“ Die (katholische) Einheitsübersetzung, die letztes Jahr auch neu herausgegeben wurde, und gerade die Psalmen sehr schön formuliert, schreibt im Psalm 12, Vers 1: „Hilf doch Herr, der Fromme ist am Ende!“
Wir sehen daran: Das Übersetzen ist eine große Kunst: Üb ersetzen! Üb, das was im vorderasiatischen Raum auf aramäisch oder meist auf Griechisch erzählt und geschrieben wurde, so auszudrücken, dass es für Menschen von heute eingängig wird. Daher ist es auf jeden Fall ein Gewinn, in der Lutherbibel und auch in der Einheitsübersetzung zu lesen.
Nach diesem Werbeblock zu unserem Evangeliumstext:
„Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken!“ –
Eine Arbeit, die mühselig ist, macht nicht besondern Spaß, ist eher fade, langweilig. In der Einheitsübersetzung heißt es: „die ihr euch plagt“, schwertut. Wenn in meinem Arbeitszeugnis steht, „...er hat sich immer bemüht, seine Aufgaben zu erfüllen...“, heißt das eigentlich: Er blickt es nicht, er taugt nichts.
Jesus ruft alle die zu sich, die nicht so fit sind , die sie schwer tun mit ihren Aufgaben, mit denen sie beladen sind: Von anderen, vom Arbeitgeber, vom Vorgesetzten. Wir hören von maximaler Auslastung, ja von Überlastung etwa auch des Pflegepersonals in Krankenhäusern und Pflegeheimen, und wir alle kennen den Druck, wenn uns immer wieder schon der nächste Termin im Nacken sitzt. Aber es gibt auch Schuldenlasten und sozial ungleich verteilte Lasten in unserer Gesellschaft, in der Menschen um ihr Überleben und ihre Existenz bangen, weil sie zum Beispiel von Arbeitslosigkeit oder Altersarmut betroffen sind, während andere sich über ein gesichertes Leben freuen können. Manchmal lädt man sich auch selbst Aufgaben und Funktionen auf, die einem zu viel sind, mit denen man überfordert ist.
Zu all diese Menschen sagt Jesus: „Kommet alle zu mir!“ Jesus kann sicher nicht für alle eine andere Lösung finden, eine leichtere Aufgabe. Und doch will er uns „erquicken“. „Denn ich bis sanftmütig und von Herzen demütig: So werdet ihr Ruhe finden für eure Seele“.
Jesus sagt auch: „Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir...“. Es ist tatsächlich so: Jeder muss sein Päckle tragen. Aber dieses Päckle kann leichter oder schwerer sein. Darauf habe ich auch selbst Einfluss: Bei allem was mich drückt, kann ich fragen: Ist das wirklich mein Problem, z.B. wenn meine Tochter eine neue Wohnung mietet, die fürchterlich teuer ist? Die ist doch selber groß! Und meine eigenen Probleme nehme ich vielleicht auch zu wichtig.
Ich war einmal eine Zeitlang beim Psychotherapeuten, und eine seiner Standardfragen war: Was kann Ihnen denn schlimmstenfalls passieren? Da wusste ich dann öfter nicht, was ich sagen sollte. Unsere Ängste werden oft bodenlos. Vor meiner Gehirnoperation gegen meine epileptischen Anfälle hat mir der Stationsarzt alles vorgelesen, was möglicherweise passieren konnte. Das mit der halbseitigen Lähmung und dem Hirntod wusste ich ja, aber da war auch die Rede von eingeschränkter Sicht und dass möglicherweise Nervenbahnen durchtrennt werden. „Ach, Herr Lohmiller, etwas Schlimmeres als halbseitige Lähmung oder Hirntod kann Ihnen doch gar nicht passieren.“. Da habe ich mir dann gesagt: Wenn das stimmt, was ich seit 44 Jahren glaube, kann ich nur in Gottes Hand fallen.“
Wenn ich Ihm alles überlasse, kommen mir auch neue Gedanken, neue Ideen. Als mir einmal gekündigt wurde, spürte ich plötzlich neue Kräfte, neue Energie in mir. Ich wollte kämpfen! Und mir fielen auch Menschen ein, an die ich mich wenden kann, zum Beispiel der Betriebsrat.
Dies alles sind Wege, wie mein Joch leichter werden kann. Jesus legt es mir nicht auf, sondern hilft mir, es zu tragen, mein eigenes Päckle, das ich brauche, um sinnvoll leben zu können, Familie, Beruf zu bewältigen: das, was mir wichtig ist, was mir Freude macht.
Und so passt auch hier die Lutherübersetzung, über die ich mich so amüsiert habe: „Die Heiligen haben abgenommen“: Wir alle gehören ja zur Gemeinschaft der Heiligen, wie es im Glaubensbekenntnis heißt. Und durch Jesu Hilfe ist unser Joch leichter geworden.
© Gastautor Wolfgang Lohmiller, D-88348 Bad Saulgau, wolf.lohmiller@t-online.de
Lieder:
GL 216: Im Frieden dein, o Herre mein
GL 347: Der Geist des Herrn erfüllt das All
GL 351: Komm, Schöpfer Geist
GL 361: Mein schönste Zier und Kleinod bist
GL 377: O Jesu, all mein Leben bist du
GL 382: Ein Danklied sei dem Herrn (3. bis 5. Str.)
GL 395: Den Herren will ich loben
GL 414: Herr, unser Herr, wie bist du zugegen
GL 416: Was Gott tut, das ist wohlgetan (3. und 4. Str.)
GL 417: Stimme, die Stein zerbricht, kommt mir im Finstern nah
GL 422: Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr
GL 435: Herr, ich bin dein Eigentum
GL 437: Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht
GL 440: Hilf, Herr meines Lebens
GL 452: Der Herr wird dich mit seiner Güte segnen
GL 464: Gott liebt diese Welt
GL 467: Erfreue dich, Himmel,erfreue dich Erde
GL 474: Wenn wir das Leben teilen
GL 481: Sonne der Gerechtigkeit
GL 489: Lass uns loben, freudig loben
GL Ö861:Anbetung, Dank und Ehre
GL Ö862: Halleluja...
GL Ö866: Ein Danklied sei dem Herrn
GL Ö891: All meine Quellen entspringen in dir
GL Ö892: Meine Seele ist stille in dir
GL Ö897: Von guten Mächten wunderbar geborgen
GL Ö907: Meine Zeit steht in deinen Händen
GL Ö919: Vater, ich will dich preisen
Kehrverse:
GL 37: Der Herr ist mein Hirt - Mit Psalm 23 - VI.
GL 38: Der Herr ist mein Licht und mein Heil - Mit Ps 27 - IV.
GL 76: Der Herr ist nahe allen, die ihn rufen - Mit Psalm 145 - I.
GL 263: Seht, unser König kommt; er bringt seinem Volk den Frieden. - Mit Psalm 23 (GL 37,2) - VI.
GL 633,3-4: Hebt euch, ihr Tore, hebt euch, ihr Tore! Unser König kommt. - VII.
Kommt, atmet auf, Ihr sollt leben.
Ihr müsst nicht mehr verzweifeln,
nicht länger mutlos sein.
Gott hat uns seinen Sohn gegeben.
Mit ihm kehrt neues Leben bei uns ein.
Ihr, die Ihr seit langem nach dem Leben jagt,
und bisher vergeblich Antworten erfragt.
Hört die gute Nachricht, dass Euch Christus liebt,
dass er Eurem Leben Sinn und Hoffnung gibt.
Ihr seid eingeladen, Gott liebt alle gleich.
Er trennt nicht nach Farben,
nicht nach arm und reich.
Er fragt nicht nach Rasse, Herkunft und Geschlecht.
Jeder Mensch darf kommen, Gott spricht ihn gerecht.
Noch ist nichts verloren, noch ist Rettung nah.
Noch ist Gottes Liebe für uns Menschen da.
Noch wird Leben finden, wer an Jesus glaubt.
Noch ist angenommen wer IHM fest vertraut.
Text und Melodie: Peter Strauch (1993)
Ihn grüßen wir jetzt in unserer Mitte und bitten um sein Erbarmen:
Barmherziger Gott,
durch die Erniedrigung deines Sohnes
hast du die gefallene Menschheit
wieder aufgerichtet
und aus der Knechtschaft der Sünde befreit.
Erfülle uns mit Freude über die Erlösung
und führe uns zur ewigen Seligkeit.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 14. Sonntag im Jahreskreis
Herr,
zu deiner Ehre feiern wir dieses Opfer.
Es befreie uns vom Bösen
und helfe uns,
Tag für Tag das neue Leben sichtbar zu machen,
das wir von dir empfangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 14. Sonntag im Jahreskreis
Kehrvers:
Danket dem Herrn, denn ewig währt seine Liebe. (GL 444)
Guter und barmherziger Gott,
wir haben uns versammelt,
um Dir unseren Dank und Lobpreis darzubringen.
Denn du bist ein menschenfreundlicher Gott bist,
der auf den Notschrei der Kleinen und Unterdrückten hört.
Kehrvers
Durch deine Propheten hast du soziale Gerechtigkeit eingemahnt
und allen Völkern Frieden verheißen.
Du hast dich auf die Seite der Schwachen gestellt
und du wirst die Gewalttätigen zur Rechenschaft ziehen.
Kehrvers
Jesus von Nazareth hast du gesandt,
um allen Völkern Frieden zu bringen.
Den Unmündigen hat er sich als Messias geoffenbart,
dessen Joch nicht drückt und dessen Last leicht ist.
Alle, die schwere Lasten zu tragen haben,
lässt er bei sich ausruhen
und verschafft ihnen Frieden.
Er ist gütig und von Herzen demütig.
Wer von ihm lernt, findet Ruhe für seine Seele.
Allen, die auf Jesus hören, hast Du deinen heiligen Geist gesandt.
Er wohnt in unseren Herzen und erweckt uns zu neuem Leben.
Jetzt schon gibt er uns die Kraft,
die Neigung zum Bösen in uns zu überwinden
und als deine Töchter und Söhne zu leben.
Darum loben und preisen wir dich
und singen wir mit allen Engeln und Heiligen dein Lob:
Danklied, z. B. Nun lobet Gott im hohen Thron (GL 393)
oder: Nun danke alle Gott mit Herzen Mund und Händen (GL 405)
Wir danken dir, treuer und barmherziger Vater,
für Jesus, deinen Sohn unseren Herrn und Bruder.
Seine Liebe galt den Armen und Kranken,
den Ausgestoßenen und Sündern.
An keiner Not ging er vorüber.
Sein Leben und seine Botschaft lehren uns,
daß du ein Gott bist, der sich der Menschen annimmt
wie ein Vater sich um seine Kinder sorgt.
Darum loben und preisen wir dich,
wir rühmen deine Güte und Treue
und verkünden mit allen Engeln und Heiligen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 3
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen dich durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn ihn hast du zum Haupt
der neuen Schöpfung gemacht,
aus seiner Fülle haben wir alle empfangen.
Obwohl er dir gleich war an Herrlichkeit,
hat er sich selbst erniedrigt
und der Welt den Frieden gebracht
durch sein Blut,
das er am Stamm des Kreuzes vergossen hat.
Deshalb hast du ihn über alle Geschöpfe erhöht,
so wurde er für jene, die auf ihn hören,
zum Urheber des ewigen Heiles.
Durch ihn preisen wir jetzt
und in Ewigkeit dein Erbarmen und
singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Wochentage 1
Jesus hat sich mit ganzer Kraft für die Armen und Schwachen eingesetzt und so den Weg gewiesen, wie Gerechtigkeit und Frieden in der Welt Wirklichkeit werden können.
So bitten wir:
Herr Jesus Christus, hilf uns, mit allen unseren Möglichkeiten mitzubauen an einem Frieden, wie nur du ihn uns schenken kannst.
Der Friede des Herrn sei mitten unter uns.
Die Verbundenheit, die wir im Friedensgruß bekundet haben, wollen wir jetzt auch in der Kollekte für ... sichtbar zum Ausdruck bringen.
Wir singen dazu das Lied:
Wenn das Brot, das wir teilen GL 470,1-5
© Gastautor Wolfgang Lohmiller, D-88348 Bad Saulgau, wolf.lohmiller@t-online.de
Herr,
du hast uns mit reichen Gaben beschenkt.
Lass uns in der Danksagung verharren
und einst die Fülle des Heils erlangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 14. Sonntag im Jahreskreis
Ein junge fragt nach dem Heiligen Geist,
er kann sich darunter nichts vorstellen.
Das ist, hört er darauf, also du weißt
doch, wir haben vor Kurzem eine Collage
gemacht zum Thema, dass es in unserer
Welt und überhaupt doch viel Gutes gibt,
Helfen zum Beispiel, Freundschaft und
so, da ist doch etwas erfahrbar davon,
möcht ich mal sagen ...
Schon, aber wer ist der Heilige Geist?
Ganz einfach, also zum Beispiel die
Friedenstaube, das ist so ein Bild.
Auch mit Begeisterung hat es zu tun.
Oder nimm eine Fußballmannschaft,
da sagt man doch auch: da ist ein
guter Geist, wenn sie elf Freunde
sind. Bei Jesus waren es zwölf. Oder
auch dreizehn, ihn mitgerechnet ...
Doch was genau ist der Heilige Geist?
Hast du's noch nicht verstanden?
Also mal andersherum: Es gibt doch,
das wissen wir alle vom Fernsehn,
etwas wie Ungeist. Länder, wo echt noch
gefoltert wird und Leute verhungern ...
Okay, okay, sagt der junge, aber was oder
wer ist der Heilige Geist?
Ich find's echt gut, dass du fragst.
Also pass auf, darüber reden wir dann
ein andermal ganz ausführlich ...
Aus: Lothar Zenetti, Auf seiner Spur. Texte gläubiger Zuversicht. Matthias Grünewald Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern 2011.

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