Die Erzählung von der Einladung zum Hochzeitsmahl ist zugleich realistisch und unrealistisch bis komisch. Es geht um das Reich Gottes, zu dem wir eingeladen sind; tagtäglich. Wir haben unsere Entschuldigungen und Ausreden, die Einladung Gottes auszuschlagen.
Immer wieder müssen wir Entscheidungen treffen. Es gilt zu unterschieden zwischen dem Guten und dem Besseren. Die Berufung ins Reich Gottes bringt mit sich, dass wir uns für das Bessere entscheiden.
Das Gleichnis von der Einladung des Königs zum Hochzeitsmahl für seinen Sohn, die von den Geladenen nicht angenommen wird, hat heute neue Brisanz. Das einmal abgelegte Taufversprechen zeitigt bei vielen keine Konsequenzen.
Mitten im Herbst ein "prächtiges" Evangelium, eigentlich "prächtige" Texte, die von "feinsten Speisen" (Jes.25,6), von "Gelagen mit besten erlesenen Weinen" (Jes.25,6) sprechen, und dass es keine Not und keinen Tod gibt.
Aber auch Paulus in Philippi, offenbar eine für ihn liebenswerte Gemeinde einer kleinen Stadt in Mazedonien, führt diesen Gedanken weiter, wenn er sagt: "Alles, was ihr nötig habt, wird euch Jesus Christus aus dem Reichtum seiner Herrlichkeit schenken." (Phil.4,19).
Zu Recht steht dann nach dieser Lesung der Halleluja-Ruf vor dem Evangelium mit der Bitte, der Herr möge uns erkennen lassen, zu welcher Hoffnung wir berufen sind.
Herbst, Zeit der Ernte, überreiche Speisekarten, überall riesige Auswahl an Nahrungsmitteln, wovon ein Drittel des Gekauften im Mistkübel landet. (ORF-Mittagsjournal vom 4. Oktober 2014). Das ist aber ein anderes Thema...
Wer soviel an guten Gaben vorgesetzt bekommt, wird wählerisch. In den Gleichnissen Jesu stößt man oft auf den Kernpunkt, nicht das Gute zu wählen, sondern das Bessere anzustreben und zu erreichen. Sie werden möglicherweise einwenden, dass das bei einer Speisekarte vergleichsweise leicht ist: Ich wähle das für mich Bessere, was mir schmeckt (lat. "sapere", schmackhaft, dahinter steckt "sapientia", die Weisheit).
Das Gleichnis beginnt zunächst mit einer Einladung. Schon hier zeigt sich die Üppigkeit des Mahls "Ochsen und Mastvieh sind geschlachtet" (Mt. 22,4), die Entscheidungsmöglichkeit steht an: annehmen oder ablehnen. Die Geladenen lassen sich aus verschiedenen Gründen entschuldigen. Diese Ausreden, nicht zum Festmahl zu gehen - heute würden wir sagen, den Gottesdienst nicht mitzufeiern - sind wohl andere als heute. Die Verhaltensmuster sind gleich geblieben.
Wir sind in vielen Lebensbereichen aus verschiedenen Gründen wählerischer geworden: Angst, Sicherheitsdenken, Misstrauen, wir haben verschiedene Interessen im Blick, wollen alles bequem erreichen, ansonsten üben wir lieber Verzicht. Sind wir übersättigt, dass wir auch dieses angebotene Mahl nicht mehr brauchen, wenn ja, wovon? Muss man jeder Einladung Folge leisten? Die Bitte, zu diesem Mahl zu kommen, reicht nicht. Gott ist aber sehr geduldig. Der Zorn bedeutet enttäuschte Liebe. Interessant ist aber, dass dieses Mahl bei so vielen Entschuldigungen nicht abgesagt wird. Stattdessen - das ist der zweite Teil des Evangeliums - erzählt der Text von anderen Gästen, die dieser Einladung Folge leisten.: "Die Diener holten von der Straße alle zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen." (Mt.22,10).
Spätestens hier setzt höchster Erklärungsbedarf ein, weil diese Bilder einer Übertragung ins Heute bedürfen. Das Festmahl kann noch leicht erklärt werden: Eucharistiefeier als Hinweis auf das Reich Gottes, das in Ansätzen schon da ist und sich in der Vollendung endgültig zeigen wird.
Wichtig ist die Gestaltung unseres persönlichen Lebensweges, bei dem es wieder darum geht, nicht das Gute, sondern das Bessere zu suchen und anzustreben. Anders gesagt: Spüre deiner Berufung nach, wohin du gehen sollst, entdecke dabei deine Fähigkeiten. Das kommt auch im Weinberggleichnis Mt. 20,1-16 zum Ausdruck. Gott ruft und kümmert sich um die dritte, sechste, neunte, elfte Stunde um die Arbeiter, letztlich auch um uns. Manche folgen fast zu spät, diesem Ruf, dieser Einladung. Das ist bis heute so geblieben.
In diesem Festsaal befinden sich Gute und Böse. Wieder ein Hinweis. In jedem Menschen treffen wir Gutes und Böses an. Aber da gibt es noch eine Verständigungsschwierigkeit: Der Saal ist voll mit Auserwählten. Einer wird hinausgeworfen, weil er kein hochzeitliches Gewand anhat. Merkwürdig: Wer von der Straße kommt und überraschend zu einer Festtafel geholt wird, von dem zu verlangen, dass er festlich gekleidet erscheint, wirkt unlogisch. Es geht nicht um das edle Stück Gewand im wörtlichen Sinn, sondern um die Frage: Was hast du mit deinen Talenten und mit deiner Berufung gemacht? Hochzeitliches Gewand bedeutet, die Lebensweise so zu ändern, dass sie ohne Ausreden dem Ruf Gottes folgen kann. Daher am Schluss die Warnung, nicht ohne hochzeitliches Kleid ins Reich Gottes einzutreten. Ähnlich sagt es auch Paulus in 1 Kor 11,28: Jeder möge sich selbst prüfen.
Wichtig ist somit, diese Einladung nicht auszuschlagen, denn alle sind zu diesem Fest herzlich willkommen. Laden wir uns also nicht selbst durch Ausreden, durch falsche Prioritätensetzung aus. Daher: Herzlich willkommen bei der Eucharistiefeier! Gott spricht dich und mich höchst persönlich an. "Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, ich habe dir einen Ehrennamen gegeben!" (Jes 45,4).
Lieder:
GL 140: Kommt herbei, singt dem Herrn (4. und 5. Strophe)
GL 146: Du rufst uns, Herr, an deinen Tisch
GL 148: Komm her, freu dich mit uns, tritt ein
GL 209: Du teilst es aus mit deinen Händen
GL 213: O heilge Seelenspeise
GL 216: Im Frieden dein, o Herre mein
GL 421: Mein Hirt ist Gott der Herr
GL 422: Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr
GL 425: Solang es Menschen gibt auf Erden
GL 440: Hilf, Herr meines Lebens
GL 477: Gott ruft sein Volk zusammen
GL 489: Lasst uns loben, freudig loben
GL 491: Ich bin getauft und Gott geweiht
GL 543: Wohl denen, die da wandeln
GL 551: Nun singt ein neues Lied dem Herren
GL 554: "Wachet auf", ruft uns die Stimme (1. Str.)
GL 642: Zum Mahl des Lammes schreiten wir
Kehrverse und Psalmen:
GL 34,1+2: Herr, wer darf Gast sein in deinem Zelt, wer darf wohnen auf deinem heiligen Berg? - Mit Psalm 15 - VI.
GL 37: Der Herr ist mein Hirt; er führt mich an Wasser des Lebens. - Mit psalm 23 - VI.
GL 52,1: Herr, du bist König über alle Welt - Mit Psalm 93 - VIII.
GL 53,1,2: Hört auf die Stimme des Herrn, verschließt ihm nicht das Herz. Mit Psalm 95 - VI.
GL 56: Freut euch, wir sind Gottes Volk - Mit Psalm 100 - V.
GL 630: Halleluja - Mit Offb 19,1-7 - V.
GL 651,5: Freut euch, wir sind Gottes Volk - Mit Psalm 34 - V.
GL 651,7-8: Selig, die bei dir wohnen, Herr, die dich loben alle Zeit. - Mit Seligpreisungen
GL 653,3: Selig, die bei dir wohnen, Herr, die dich loben alle Zeit - Mit Psalm 84 - V.
Nicht jeder Gottesdienst, den wir feiern, wird zu einem großartigen Ereignis, das man nicht so schnell vergisst. Jeder Gottesdienst ist aber ein Fest, durch das wir unsere Beziehung zu unserem Gastgeber - und das ist kein Geringerer als Gott selbst - feiern. Feststimmung kann man nicht herbeizwingen. Sie entsteht und wächst in der Begegnung mit dem Gastgeber.
Am Beginn dieser Feier treten wir vor den Herrn hin und huldigen wir ihm.
Herr, Jesus Christus,
du lädst uns ein, mit dir zu feiern.
Herr, erbarme dich.
Ohne Ansehen der Person
holst du uns von überallher zusammen.
Christus. Erbarme dich.
Du beschenkst uns mit dem, was wir nötig haben,
aus dem Reichtum deiner Herrlichkeit.
Herr, erbarme dich.
Herr, unser Gott,
deine Gnade komme uns zuvor und begleite uns,
damit wir dein Wort im Herzen bewahren
und immer bereit sind, das Gute zu tun.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 28. Sonntag im Jahreskreis
Du, Gott, gehst uns nach,
du kommst immer wieder,
um uns als deine Gäste abzuholen.
Wir danken dir für deine Treue und Zuneigung.
Du weißt, wenn wir uns verschließen,
dass wir es mit der Angst zu tun bekommen
und uns mit vertrautem Terrain begnügen.
Dann schenke uns den Mut,
deine Nähe zu suchen
und deinem Wort zu folgen.
In deiner Gemeinschaft können wir lachen,
einander trösten und das Staunen wieder lernen.
Mache uns zu deinen Boten
in Christus, unserem Herrn.
Guter Gott,
du hast uns als Gäste an deinen Tisch geladen
und gewährst uns Gemeinschaft mit dir.
Dir tragen wir unsere Anliegen und Sorgen vor:
Wir bitten dich für alle, die du eingeladen hast, mit dir Mahl zu halten,
die jedoch mit dieser Einladung nichts anfangen können.
Öffne ihre Augen für das Geschenk deiner Liebe.
Wir machen uns Sorgen, weil viele Menschen, die uns nahestehen,
keinen Zugang zur Frohen Botschaft finden.
Schenke ihnen die Gnade des Glaubens.
Es tut uns weh, dass nicht alle Christen an einem Tisch zusammenfinden.
Lass unter den Christen Einheit wachsen
und räume aus, was eine volle Mahlgemeinschaft verhindert.
Ohnmächtig stehen wir vor der Tatsache,
dass Menschen einander um ihres Glaubens willen
mit Worten oder gar mit Waffen bekämpfen.
Führe sie zum friedlichen Ausgleich ihrer Interessen.
Unsere Alltagssorgen verstellen uns oft den Blick auf das,
was du uns anbietest.
Stärke unser Gespür für das Wesentliche und Notwendige.
Wir fühlen uns mit unseren verstorbenen Angehörigen und Freunden
über den Tod hinaus verbunden.
Lass sie teilhaben an deinem großen himmlischen Gastmahl.
Wir danken dir, guter Gott, für die Gemeinschaft an deinem Tisch.
Mach uns dieses Geschenkes würdig. - Amen.
Herr und Gott,
nimm die Gebete und Opfergaben
deiner Gläubigen an.
Lass uns diese heilige Feier
mit ganzer Hingabe begehen,
damit wir einst das Leben
in der Herrlichkeit des Himmels erlangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 28. Sonntag im Jahreskreis
Kehrvers:
Freut euch: Wir sind Gottes Volk,
erwählt durch seine Gnade. (GL 56,1)
Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus,
wir kommen zu dir, um dir zu danken
und deine Barmherzigkeit zu preisen.
Kehrvers
Dein Sohn Jesus Christus ist als Messias gekommen
und hat die Hülle, die alle Nationen verhüllt,
und die Decke, die alle Völker bedeckt, zerrissen.
Er hat den Tod für immer beseitigt.
Kehrvers
Uns hat er zum großen Festmahl gerufen,
zu dem er alle einlädt, die auf deine Stimme hören.
Durch die Taufe sind wir deine Töchter und Söhne geworden.
Nun dürfen wir in deiner Gegenwart leben.
Kehrvers
Er gibt sich selbst uns zur Speise,
damit auch wir in inniger Verbundenheit mit ihm und mit dir leben.
Wir schöpfen daraus die Kraft, unserer Berufung zu folgen
und seine Frohe Botschaft zu bezeugen.
Kehrvers
Mit allen Engeln und Heiligen
stimmen wir ein in das Lob der ganzen Schöpfung
und singen wir zu deiner Ehre:
Danklied, z. B.: Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben (GL 484)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn er hat beim Lezten Abendmahl
das Gedächtnis des Kreuzesopfers gestiftet
zum Heil der Menschen bis ans Ende der Zeiten.
Er hat sich dargebracht als Lamm ohne Makel,
als Gabe, die dir gefällt,
als Opfer des Lobes.
Dieses erhabene Geheimnis heiligt
und stärkt deine Gläubigen,
damit der eine Glaube
die Menschen der einen Erde erleuchte,
die eine Liebe sie alle verbinde.
So kommen wir zu deinem heiligen Tisch,
empfangen von dir Gnade um Gnade und
werden neu gestaltet nach dem Bild deines Sohnes.
Durch ihn rühmen dich Himmel und Erde,
Engel und Menschen und
singen wie aus einem Munde
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Eucharistie 2
Allmächtiger Gott,
in der heiligen Opferfeier
nährst du deine Gläubigen
mit dem Leib und dem Blut deines Sohnes.
Gib uns durch dieses Sakrament
auch Anteil am göttlichen Leben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 28. Sonntag im Jahreskreis
MB Samstag der 5. Woche der Fastenzeit
Er war berauscht von dem Fest, an dem er nicht Teil gehabt, und müde von Eifersucht. Wie früher, ganz wie früher war es gewesen! Mit erhitztem Gesicht hatte er an dunkler Stelle gestanden, in Schmerzen um euch, ihr Blonden, Lebendigen, Glücklichen, und war dann einsam hinweggegangen. Jemand müßte nun kommen! Ingeborg müßte nun kommen, müßte bemerken, daß er fort war, müßte ihm heimlich folgen, ihm die Hand auf die Schulter legen und sagen: Komm herein zu uns! Sei froh! Ich liebe dich! ... Aber sie kam keines Weges. Dergleichen geschah nicht. Ja, wie damals war es, und er war glücklich wie damals. Denn sein Herz lebte. Was aber war gewesen während all der Zeit, in der er das geworden, was er nun war? - Erstarrung; Öde; Eis; und Geist ! Und Kunst! ...
Er entkleidete sich, legte sich zur Ruhe, löschte das Licht. Er flüsterte zwei Namen in das Kissen hinein, diese paar keuschen, nordischen Silben, die ihm seine eigentliche und ursprüngliche Liebes-, Leides- und Glückesart, das Leben, das simple und innige Gefühl, die Heimat bezeichneten. Er blickte zurück auf die Jahre seit damals bis auf diesen Tag. Er gedachte der wüsten Abenteuer der Sinne, der Nerven und des Gedankens, die er durchlebt, sah sich zerfressen von Ironie und Geist, verödet und gelähmt von Erkenntnis, halb aufgerieben von den Fiebern und Frösten des Schaffens, haltlos und unter Gewissensnöten zwischen Extremen, zwischen Heiligkeit und Brunst hin und her geworfen, raffiniert, verarmt, erschöpft von kalten und künstlich erlesenen Exaltationen, verirrt, verwüstet, zermartert, krank - und schluchzte vor Reue und Heimweh.
Um ihn war es still und dunkel. Aber von unten tönte gedämpft und wiegend des Lebens süßer, trivialer Dreitakt zu ihm herauf.
Thomas Mann, Tonio Kröger, Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag 2003, S. 107f.

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