Im Gleichnis vom anvertrauten Geld wird der Umgang mit weltlichem Vermögen zum Beispiel für den Umgang mit dem geistlichen Vermögen des Himmelreiches. Im Vertrauen auf den Vermögensgeber können wir alle Ängstlichkeit ablegen und unsere geistlichen Gaben nützen.
Mit dem »Welttag der Armen« macht Papst Franziskus auf ein besonderes Talent, das der Kirche anvertraut ist, aufmerksam: Der Dienst an den Armen. Sensibilität für die Not der Armen ist eines der großen Talente, die Gott uns geschenkt hat.
Hier werden einige Ansätze erläutert, wie man dieses Gleichnis auf den heutigen Sonntag ummünzen könnte -entweder man vertieft sich in einen der genannten Aspekte oder man unternimmt mehrere Anläufe, um den Reichtum des heutigen Evangeliums zu vermitteln.
"Bei uns muss ihr Geld arbeiten!", Werbeslogan aus der Bankenbranche. In Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise löst dieser Spruch eher hämisches Grinsen oder Zorn in weltweiten Teilen der Bevölkerung aus. Für wen muss das Geld arbeiten? Für der Welt größtes Casino, der Wallstreet, mit ihren findigen Bankiers und Börsenmaklern, die die Kugel immer ins Gewinnfeld der Manager rollen lässt? - Talenteumschichtung der anderen Art.
Das heutige Evangelium arbeitet mit einem Gleichnis, das sogar unseren Sprachgebrauch beeinflusst hat. Wenn wir von begabten Menschen reden, meinen wir, dass sie über besondere Talente verfügen. Talente sind zur Zeit des Matthäus unerschwingliche Geldsummen, kaum vorstellbare Zahlen, wie wir sie jetzt fast täglich in den Nachrichten aus dem Banken- und Wirtschaftssektor hören.
Das heutige Gleichnis stellt Beziehung und Vertrauen in den Vordergrund und nicht die Angst. Der Herr, so können wir dieser Perikope entnehmen, lässt seine MitarbeiterInnen nicht allein. Sie sollen an ihren Plätzen ihrer Arbeit nachgehen, ihre Kraft ausschöpfen. Gott hat so ein großes Vertrauen zu den Menschen, dass er jedem von uns ein riesiges Vermögen übergibt - sein Leben. Der Herr gibt nicht jedem irgendwelche Gaben auf seine Lebensreise mit, sondern wir alle bekommen Talente, Begabungen nach unseren Fähigkeiten. Sehr oft sehen wir im Laufe unseres Lebens, dass wir im Grunde nicht überfordert wurden. So manche Frage, die möglicherweise aus Neid oder Eifersucht entsteht, könnte unterbleiben: Warum bin ich nicht schöner, gescheiter als. . .? Wieso wird mein Arbeitskollege immer bevorzugt? Es gilt ein Selbstwertgefühl - nicht mit Egoismus zu verwechseln - zu entwickeln, bei mir zu Hause zu sein.
Was bedeutet das konkret, ohne ein kochbuchartiges Lebensrezept vorzustellen? Wie gehe ich mit mir, mit meinen Lebenschancen um, was hat Gott mir anvertraut? Dabei geht es nicht um die Zahl der Talente. Vielleicht habe ich bedeutend mehr als nur ein Talent. Im Laufe meines Lebens besteht die Chance, diese zu entdecken, Herausforderungen, die Beruf und Beziehungen stellen, mutig zu begegnen, nichts ängstlich zu vergraben. Wenn Gott jedem etwas von seinem "Vermögen" weitergibt, dann gebührt demjenigen Achtung, der es gut verwertet. Manche Talente wirken nach unseren Maßstäben so klein und bedeutungslos, wie etwa das Talent des guten Zuhörenkönnens, des mitfühlenden oder anerkennenden Wortes, der scharfen Beobachtungsgabe und der Klugheit, zu sehen, wo Hilfe nötig ist. Freilich sind diese scheinbar so unbedeutenden Talente nicht pressewirksam. Was gelingt uns an Talenten in der jungen Generation zu entfalten und welche Begabungen können junge Leute bei älteren Semestern entdecken?
Noch ein anderes Problem rückt das Evangelium in den Mittelpunkt der Überlegungen: Wieso wird jener Mann so hart bestraft, der nichts Böses getan hat? Er war auf seine Weise sehr sorgsam. Damit ja nichts verkommt, vergräbt er sein Talent, er bringt es in Sicherheit. Sollte er vielleicht hoch pokern, Grenzen überschreiten, alles verlieren, in die Schuldenfalle tappen, wie wir das gegenwärtig rundherum erleben? Sicher nicht. Jesus wirft ihm Angst, mangelndes Vertrauen vor, keine Zivilcourage mit Augenmaß zu haben, keine oder kaum Lebensperspektiven zu entwickeln. "Herr, ich hatte Angst vor dir", sagt der Mann. Das aber bekämpft Jesus in diesem Gleichnis. Angst wird hier als Sünde angerechnet. Zu berücksichtigen ist aber, dass Angst verschiedene Nuancen hat. Es geht nicht um den Schutzmechanismus, den jeder gesunde Mensch in sich trägt. Dieses Gleichnis engt die Angst auf Schuld ein. Die Angst hat verschiedene Ursachen. Gemeint ist hier, wenn jemand unterlässt, was er tun soll, dann gibt es schuldhafte Angst. Leider gibt es auch die institutionelle Angst, wie wir sie heute in der Kirche erleben. Sie ist lähmend, lässt den Heiligen Geist nicht wirken. Auf diese Weise entsteht Schuld. Dafür werden wir zur Verantwortung gezogen.
Jesus weiß, dass wir manches verschleudern und verspielen. Er wird heil machen, was wir nicht oder nur schlecht zustande bringen. Das Evangelium ist ein großer Trost, dass wir mit dem auskommen, was wir mitbekommen haben. Niemand wird zu Unmöglichem angehalten.
In unserem Leben halten wir uns vor Augen: Ich muss nicht das Beste, sondern mein Bestes geben. Dieser Grundsatz erleichtert unser Leben, auch bei allen Niederlagen, die wir durchmachen müssen. "Komm, nimm teil an der Freude, am Festmahl deines Herrn!" Dieses Versprechen ist uns sicher, wenn wir uns bemühen, mit Gottes Hilfe Talente dazuzugewinnen.
Lieder:
GL 272: Zeige uns, Herr deine Allmacht (2. Str.)
GL 418: Befiehl du deine Wege (2. Str.)
GL 422: Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr
GL 428: Herr, dir ist nichts verborgen
GL 456: Herr, du bist mein Leben
GL 464: Gott liebt diese Welt, und wir sind sein eigen
GL 468: Gott gab uns Atem, damit wir leben
GL 481: Sonne der Gerechtigkeit (5. Str.)
GL 483: Halleluja; Ihr seid das Volk, das der Herr sich ausersehn
GL 484: Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben
GL 489:Lasst uns loben, freudig loben
GL 551: Nun singt ein neues Lied dem Herren (3. Str.)
GL 552: Herr, mach uns stark im Mut
Psalmen und Kehrverse:
GL 31: Selig der Mensch, der seine Freude hat, seine Freude hat an der Weisung des Herrn - Mit Psalm 1 - IV.
GL 71: Selig, wer Gott fürchtet und auf seinen Wegen geht - Mit Psalm 128 - VIII.
GL 544: Halleluja - Mit Seligpreisungen- V.
Erstmals wird heuer an diesem Sonntag auch der von Papst Franziskus ausgerufene Welttag der Armen begangen. Diese Idee hatte Papst Franziskus beim Abschluss des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit. Zukünftig soll dieser Sonntag bewusst vor dem kommenden Christkönigsfest den Armen gewidmet sein. Was mit dem Jahr der Barmherzigkeit begonnen wurde, geht weiter.
Dieser Welttag knüpft in unseren Breiten ideal an die Feier des Caritas- oder
Elisabethsonntages an. Stehen doch die Gottesdienste an diesem Sonntag im Zeichen derer, die von Franziskus als „Arme“ bezeichnet werden. Erinnert dieser Tag doch daran, dass es auf unser Tun ankommt.
„Meine Kinder, wir wollen nicht mit Wort und Zunge lieben, sondern in Tat und Wahrheit“ (1 Joh 3,18). Mit diesem Wort aus dem ersten Johannesbrief beginnt Papst Franziskus seine Botschaft zum Welttag der Armen.
Die diözesane Caritas bittet an diesem Sonntag in den Gottesdiensten bei der
Elisabethsammlung um Spenden für die Unterstützung von Menschen in Not in OÖ. Mag auch bei uns die Armut weniger eindrücklich sein als die sichtbare Armut im Süden unserer Welt, so gibt es doch viele Menschen die ebenfalls auch bei uns von Armut, Mangel, Not betroffen sind. Die Caritas versucht die Spenden des heutigen Sonntags in ihrem Einsatz Tag für Tag zum Wachsen zu bringen, aus scheinbar Wenig wird Viel vor Ort, wenn zur rechten Zeit die Not gelindert wird, wenn die Hilfe ankommt, gemacht. So werden in 12 Sozialberatungsstellen der
Caritas bedürftige Menschen mit Beratung, mit Zuschüssen für Heizung und Miete und mit Gutscheinen für Lebensmittel und Kleidung unterstützt. 460 Obdachlose und Menschen ohne Krankenversicherung werden im Help-Mobil kostenlos medizinisch versorgt. Im Haus für Mutter und Kind in Linz und im Hartlauerhof in Asten kommen die Spenden der heutigen Sammlung zum Einsatz.
Das heutige Evangelium von den Talenten soll in dieser Richtung befragt werden – geht es doch in dem von Jesus erzählten Gleichnis auch um das Viel oder Wenig, um das Wunder des Wachsens, wenn man nur den rechten Mut dazu aufbringt.
An das Wunder der geteilten Gabe glauben wir als Kirche, an das Wunder der Vermehrung von scheinbar Wenigen für viele. Daher sagen wir auch Danke für die heute gegebenen Spenden im Namen derer, die dieses Wachsen dann am eigenen Leib ebenfalls erfahren dürfen.
Gott, du hast uns Zukunft und Hoffnung verheißen.
Herr, erbarme dich.
Gott, du hast uns in Jesus Christus deine unendliche Liebe gezeigt.
Christus, erbarme dich.
Gott, du stärkst unsern Glauben durch den Heiligen Geist.
Herr, erbarme dich.
Gott, du Urheber alles Guten,
du bist unser Herr.
Laß uns begreifen, daß wir frei werden,
wenn wir uns deinem Willen unterwerfen,
und daß wir die vollkommene Freude finden,
wenn wir in deinem Dienst treu bleiben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 33. Sonntag im Jahreskreis
Guter Gott,
du hast uns reich beschenkt und mit vielerlei Begabungen ausgestattet.
Trotz aller Anstrengung und Mühe können wir vieles nicht bewirken, was notwendig wäre.
Wir bitten dich um deine Hilfe:
Für alle, die durch Katastrophen oder Krieg ihre Lebensgrundlagen verloren haben.
Lass sie einen Platz finden, wo sie neu anfangen können.
Für alle, die ihre Begabungen und Fähigkeiten nicht ins Arbeits- und Berufsleben einbringen können.
Lass sie Aufgaben finden, die sie ausfüllen und von denen sie leben können.
Für die Kinder und Jugendlichen, dass sie genügend Chancen bekommen,
ihre Begabungen und Fähigkeiten zu entfalten
und zum Wohl aller in die Gesellschaft einzubringen.
Für alle Frauen und Männer im Sozialbereich,
dass es ihnen gelingt, die Begabungen der
ihnen anvertrauen Menschen gut zu sehen und zu fördern.
Für die Kirche, dass es ihr besser gelingt,
die Vielfalt der vorhandenen Begabungen zu schätzen
und ihr im Leben der Gemeinden Raum zu geben.
Herr, wir danken dir für alles, womit du uns beschenkt hast.
Nimm an unseren Lobpreis und unser Bitten. - Amen.
Herr, unser Gott,
die Gabe, die wir darbringen,
schenke uns die Kraft, dir treu zu dienen,
und führe uns zur ewigen Gemeinschaft mit dir.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 33. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
die Gaben, die wir bereitet haben,
sind Zeichen unserer Hingabe an dich.
Darum bitten wir:
Wie Brot und Wein in der Kraft des Geistes geheiligt werden,
so heilige auch uns selbst immer mehr
nach dem Bilde unseres Herrn Jesus Christus,
der mit dir lebt und Leben schenkt in alle Ewigkeit.
MB Auswahl 6
Kehrvers:
Jubelt ihr Lande dem Herrn;
alle Enden der Erde schauen Gottes Heil.
(GL 55,1)
Gott und Herr, wir kommen vor dich,
um dir zu danken und dir unser Lob zu singen.
In deiner Liebe hast du den Menschen als dein Abbild geschaffen
und ihm die Erde anvertraut, dass er sie behüte und bebaue.
Kehrvers
Einen jeden hast du mit Talenten und Fähigkeiten ausgestattet,
dass wir sie zum Wohle aller
und zum Nutzen der ganzen Schöpfung einsetzen.
Israel hast du als dein besonderes Volk auserwählt,
damit es dir diene und zum Segen für alle werde.
Kehrvers
Durch Jesus von Nazareth hast du ein neues Volk zusammengerufen.
Er hat seine Jünger mit den Gaben des Heiligen Geistes ausgestattet,
sie als Verwalter eingesetzt
und ihnen die Sorge für das Himmelreich aufgetragen
Kehrvers
Wir danken dir, dass auch wir die Frohe Botschaft
von deiner Liebe und Barmherzigkeit vernommen haben
und zu deinem Volk gehören.
Wir warten auf das endgültige Offenbarwerden deiner Größe und Herrlichkeit
und singen mit allen Heiligen zu deinem Lob:
Danklied, z. B. Nun singt ein neues Lied dem Herren (GL 551)
Wir danken dir,
treuer Gott und barmherziger Vater,
für deinen Sohn Jesus Christus,
unseren Herrn und Erlöser.
Er hatte ein Herz für die Armen und die Kranken,
die Ausgestoßenen und die Sünder.
Den Bedrängten und den Verzweifelten war er ein Bruder.
Sein Leben und seine Botschaft lehren uns,
dass du für deine Kinder sorgst
wie ein guter Vater und eine liebende Mutter.
Darum rühmen wir deine Güte und Treue
und singen mit allen Engeln und Heiligen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
MB Besondere Anliegen 4
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen dich
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn erstehen die Kinder des Lichtes
zum ewigen Leben,
durch ihn wird den Gläubigen
das Tor des himmlischen Reiches geöffnet.
Denn unser Tod ist durch seinen Tod überwunden,
in seiner Auferstehung ist das Leben für alle erstanden.
Durch ihn preisen wir dich (in österlicher Freude)
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Osterzeit 2
Gütiger Gott,
die heilige Speise, die wir empfangen haben,
durchdringe uns mit ihrer Kraft.
Sie vertiefe unseren Glauben,
mache stark unsere Hoffnung
und entzünde unsere Herzen zu Werken der Liebe.
Lass das göttliche Leben, das du uns geschenkt hast,
sich entfalten und Frucht bringen für das ewige Leben.
Darum bitten wir…
MB Schlussgebete zur Auswahl 10
Wer fragt: "Was hat man zu tun?" – für den gibt es keine Antwort. "Man" hat nichts zu
tun. "Man" kann sich nicht helfen, mit "Man" ist nichts mehr anzufangen. Mit "Man" geht
es zu Ende. Wer aber die Frage stellt: "Was habe ich zu tun?" – den nehmen die
Gefährten bei der Hand, die er nicht kannte und die ihm alsbald vertraut werden und
antworten. "Du sollst dich nicht vorenthalten."
Aus einem Gottesdienstbehelf der Caritas der Diözese Linz.
„Ein Haufen schnatternder Gänse wohnt auf einem wunderbaren Hof. Sie veranstalten alle sieben Tage eine herrliche Parade. Das stattliche Federvieh wandert im Gänsemarsch zum Zaun, wo der beredtste Gänserich mit ergreifenden Worten schnatternd die Herrlichkeit der Gänse dartut. Immer wieder kommt er darauf zu sprechen, wie in Vorzeiten die Gänse mit ihrem mächtigen Gespann die Meere und Kontinente beflogen haben. Er vergaß nicht dabei das Lob an Gottes Schöpfermacht zu betonen. Schließlich hat er den Gänsen ihre kräftigen Flügel und ihren unglaublichen Richtungssinn gegeben, dank deren die Gänse die Erdkugel überflogen.
Die Gänse sind tief beeindruckt. Sie senken andächtig ihre Köpfe und drücken ihre Flügel fest an den wohlgenährten Körper, der noch nie den Boden verlassen hat. Sie watscheln auseinander, voll Lobes für die gute Predigt und den beredten Gänserich.
Aber das - ist auch alles. Fliegen tun sie nicht. Sie machen nicht einmal den Versuch. Sie kommen gar nicht auf den Gedanken. Sie fliegen nicht, denn das Korn ist gut, der Hof ist sicher, und ihr Leben bequem.“
Aus einem Gottesdienstbehelf der Caritas der Diözese Linz
Die Zahl der Priesterweihen ist in Österreich seit den 1960er- Jahren ständig zurückgegangen. Im Jahr 1962 wurden noch 172 Welt- und Ordenspriester geweiht, im Jahr 2003 waren es nur noch 37, 2005 gar nur 32. Die Not wird noch größer, weil der Altersdurchschnitt der Priester sehr hoch ist. Die zahlenmäßig starken älteren Jahrgänge sterben allmählich und können durch die Neugeweihten keineswegs ersetzt werden. Allein in der Erzdiözese Wien sind 250 Pfarren ohne Priester am Ort. Die Zahl wächst, sodass künftig ein Priester für immer mehr Pfarren zuständig sein wird.
Die Situation in anderen europäischen Ländern ist ähnlich. Weltweit ist der Priestermangel aber noch viel größer. Erwin Kräutler - er kommt aus Vorarlberg und ist Bischof von Xingu in Brasilien - erzählte mir von einem Ad-Limina-Besuch bei Johannes Paul II. Er berichtet über seine Diözese, die flächenmäßig dreimal so groß ist wie Österreich. Der Papst fragte ihn nach der Zahl der Priester. "Ich habe 26, Heiliger Vater", antwortet er. Darauf der Papst: "Wie machen Sie das dann?"
Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga aus Honduras, ein Salesianer, der übrigens vor der letzten Papstwahl ernsthaft unter den möglichen Kandidaten genannt wurde, berichtete in einem Vortrag an der argentinischen Botschaft beim Heiligen Stuhl im Jänner 2007, dass in seiner Diözese manchmal ein Pfarrer für 100.000 Gläubige zuständig ist. Die Aktivitäten der Sekten nehmen dort sprunghaft zu. In sehr herzlicher Weise nehmen sich diese vor allem der Kranken an. "Ein Pfarrer, der für 100.000 Gläubige zuständig ist, wäre kaum in der Lage, als Erster am Krankenbett zu stehen." Aber was noch schwerer wiegt, in manchen Gebieten Afrikas und Asiens haben Gläubige nur mehr zwei oder dreimal im Jahr die Gelegenheit, Eucharistie mitzufeiern.
Die römisch-katholische Kirche hat sich lange zu Recht gerühmt, eine Kirche der Sakramente zu sein im Gegensatz zur evangelischen Kirche, die eher eine des "Wortes" sei. Heute wird in unseren Pfarren immer häufiger auch am Sonntag aus Priestermangel nur ein Wortgottesdienst gefeiert, während manche lutherische Pfarren in Wien jeden Sonntag Abendmahl feiern, "Eucharistie", wie sie es jetzt auch nennen.
Dieser Notstand drängt nach Lösungen. Wo zeichnen sie sich ab?
Die "pragmatische" Lösung
Da sich die personelle Lage nicht bald ändern wird und gesamtkirchlich derzeit keine hilfreichen Änderungen zu erwarten sind, treffen die Diözesen eigenständig Notlösungen. Sie passen ihre Strukturen der geringeren Priesterzahl an. In Deutschland, Frankreich und auch in Österreich plant man große Seelsorgeräume, in denen mehrere Pfarren zusammengefasst werden. Ein oder mehrere Priester gemeinsam mit einem Team von Laienseelsorgern leiten die Pastoral von einer Zentralpfarre aus. Man argumentiert, dass das ohnehin auch der schwindenden Zahl von Katholiken entspreche. Überdies sind die Verkehrsmöglichkeiten heute gerade in Europa so gut, dass jeder, der will, auch zum Gottesdienst in größerer Entfernung fahren kann.
Pastoraltheologen wenden dagegen ein, dass hier kleineren Gemeinden ihre bisherige Selbstständigkeit genommen wird. Und das sei sowohl gegen das Lebensgefühl der Menschen als auch gegen eine oft lebendig gewordene Liturgie am Ort. Menschen suchen gerade heute mehr denn je "Behausung" in erlebbarer Gemeinschaft, da sie sonst ohnehin vielfach "unterwegs" und vereinzelt sind. Kirche ist in vielen Gemeinden die letzte Form der Sozialisation, bringt Menschen im Feiern und Trauern zusammen. Die nach dem Konzil erneuerte Liturgie verlangt nach einer "tätigen Teilnahme" der Mitfeiernden. Das setzt aber eine Gemeinde voraus, wo man sich kennt, und es braucht Räume, die überschaubar sind.
Aus: Helmut Krätzl, Eine Kirche, die Zukunft hat. 12 Essays zu scheinbar unlösbaren Kirchenproblemen. Styria Verlag, Graz Wien Klagenfurt 2007.

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