Der letzte Sonntag im Kirchenjahr erscheint zunächst belanglos. Wir feiern ihn als Fest von Christus als König. Auf dieses Ziel hin läuft nicht nur das Kirchenjahr sondern die ganze Heilsgeschichte hin. In seinem endgültigen Gericht wird die Welt zurechtgerückt.
Die Gerichtsrede des Matthäus knüpft an die Hirtenrede des Propheten Ezechiel an. Der Menschensohn wird sich beim Endgericht auf die Seite der Armen und Schwachen stellen, wie der Hirte die (schwachen) Schafe von den (starken) Böcken scheidet, die die schwachen Tiere zur Seite drängen und deren Weide zertrampeln.
Der Gerichtsrede bei Matthäus geht das Gleichnis vom anvertrauten Geld voraus. Dort wird der, der sich den Druck Geld zu vermehren entzieht ins Gefängnis geworfen. Jesus preist im Gerichtsgleichnis jene selig, die Gefangene besuchen. Er stellt sich auf die Seite der Schwachen. Die Opfer von Gewalt und Ausbeutung im Blick zu haben, ist für den Weltenrichter der entscheidende Punkt.
Vorzubereiten: Krone, Königsmantel, Hirtenstab, Stoff-Schaf, Banner; Minikerze.</br> Ein Ministrant steht in zivil vor dem Altar und wird zum Hirten/König verwandelt. Dazu werden ihm nach und nach Insignien verliehen, die mit kurzen Texten erklärt werden: jede Insignie steht für eine im Evangelium erwähnte gute Tat. Die Insignien sind: Umhang, Hirtenstab, Schaf, Banner und Krone.
Allmächtiger, ewiger Gott,
du hast deinem geliebten Sohn
alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden
und ihn zum Haupt der neuen Schöpfung gemacht.
Befreie alle Geschöpfe von der Macht des Bösen
damit sie allein dir dienen
und dich in Ewigkeit rühmen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus,
deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit.
MB Christkönigsonntag
Herr unser Gott,
wir bringen das Opfer deines Sohnes dar,
das die Menschheit mit dir versöhnt.
Er, der für uns gestorben ist,
schenke allen Völkern Einheit und Frieden,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Christkönigsonntag
Kehrvers:
Jubelt ihr Lande dem Herrn;
alle Enden der Erde schauen Gottes Heil.
(GL 55,1)
Guter Gott,
wir kommen vor dein Angesicht, um dir zu danken
und dir unseren Lobpreis zu singen.
Du bist der Hirte der Völker,
der sich um seine Schafe kümmert
und sie von allen Orten zurückholt, wohin sie sich zerstreut haben.
Kehrvers
Du hast uns deinen Sohn zum Bruder gemacht.
Er hat die große Trennung von dir aufgehoben,
die durch Adams Schuld in die Welt gekommen ist.
Kehrvers
Er hat sich den Armen und Schwachen zugewandt
und ihnen gegeben, was sie zum Leben brauchen.
Seine Jünger und Freunde hat er gelehrt,
ihn in den gering Geachteten gegenwärtig zu sehen
und ihnen Gutes zu tun.
Kehrvers
Er hat den Tod überwunden
und ist als Erster der Entschlafenen von den Toten erweckt worden.
Du hast ihn als König eingesetzt,
der die Schöpfung zur Vollendung führen wird.
Kehrvers
Darum loben und preisen wir dich
und singen wir mit dem ganzen Universum dein Lob.
Danklied, z.B.:
Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren (GL 392)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
immer und überall zu danken.
Du hast deinen eingeborenen Sohn,
unseren Herrn Jesus Christus,
mit dem Öl der Freude gesalbt
zum ewigen Priester und zum König
der ganzen Schöpfung.
Als makelloses Lamm und
friedenstiftendes Opfer hat er sich
dargebracht auf dem Altar des Kreuzes,
um das Werk der Erlösung zu vollziehen.
Wenn einst die ganze Schöpfung
seiner Herrschaft unterworfen ist,
wird er dir, seinem Vater, das ewige,
alles umfassende Reich übergeben:
das Reich der Wahrheit und des Lebens,
das Reich der Heiligkeit und der Gnade,
das Reich der Gerechtigkeit,
der Liebe und des Friedens.
Durch ihn rühmen dich Himmel und Erde,
Engel und Menschen und
singen das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Christkönig
Jesus stellte sich immer wieder unter das Wort des Vaters.
Er erlebte aber auch:
Mein Vater schenkt mir, was ich dafür gebrauche.
So dürfen wir nun hoffen und um das bitten, was wir brauchen:
Das Reich Christi wird ein Reich des Friedens sein.
Dann ist vollendet, was wir jetzt manchmal ahnen können.
Um uns darin zu stärken, bitten wir:
Herr, Jesus Christus, schaue nicht auf unsere Sünden. . .
Christus spricht:
Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid,
empfangt das Reich als Erbe,
das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist!
(Mt 25,34)
Oder:
Dem König der Ewigkeit, dem unvergänglichen, unsichtbaren, einzigen Gott,
sei Ehre und Herrlichkeit in alle Ewigkeit!
(1 Tim 1,17)
Oder:
Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn.
Im Himmel Friede und Herrlichkeit in der Höhe!
(Lk 19,38)
Allmächtiger Gott,
du hast uns berufen,
Christus, dem König der ganzen Schöpfung, zu dienen.
Stärke uns durch diese Speise,
die uns Unsterblichkeit verheißt,
damit wir Anteil erhalten
an seiner Herrschaft und am ewigen Leben.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Christkönigsonntag
Wir danken dir, Christus König,
dass du das letzte Wort hast,
das entscheidende Urteil verkündest
und uns alle richtest.
Vor deinem Gericht fürchten wir uns.
Unsere Verteidigungsversuche, Ausflüchte und Schutzbehauptungen
lässt du nicht gelten.
Schenke uns liebevolle Blicke
für deine kleinsten und geringsten Brüder und Schwestern
und lass sie bei uns Heimat und Freundschaft finden.
Wir gehen in eine neue Woche
(und freuen uns auf den 1. Advent).
Um dein Kommen bitten wir dich.
In Christus, unserem Herrn.
Die ersten Christen hatten es nicht leicht: Verfolgungen machten ihnen das Leben schwer. Gleichzeitig sollte die Einheit im Glauben erhalten bleiben, und das Glaubensbekenntnis musste wiederum durchdacht sein, um sich Fragen der heidnischen Umgebung zu stellen.
Intensiv rang man nach den Zeiten der Christenverfolgung um theologische Fragen: Was war denn nun der Mann aus Nazareth? War er Mensch? War er Gott? War er ein Zwischenwesen? Synoden und Konzilien beschäftigten sich damit.
Mit Vertretern der unterlegenen Ansicht wurde nicht zimperlich umgegangen - Exkommunikationen und Verbannungen waren die Strafen. An einen der heftigsten Streitigkeiten der jungen Kirche erinnert das Christkönigsfest, das die katholische Kirche am letzten Sonntag des Kirchenjahres feiert.
Das Konzil von Nizäa hatte im Jahr 325 die Gottheit Christi gegenüber der Lehre des Arius definiert. Dieser hatte um 320 die Ansicht verbreitet, Jesus Christus sei seinem göttlichen Vater nur untergeordnet und keineswegs wahrer Gott. Vielmehr sei er Gottes erstes und vollkommenstes Geschöpf, durch dessen Vermittlung die Welt vom Vater geschaffen wurde.
Arius sah den Sohn auf der Seite der anderen Kreaturen. Dies entsprach dem damaligen griechisch geprägten Denken, das sich einen stufenweisen Ab- und Aufstieg der Wesen von Gott her bzw. zu Gott hin vorstellen konnte, wie es etwa die griechischen Sagen beschreiben. Dies aber widersprach dem Glauben der Kirche.
Schärfster Gegner des "Irrlehrers" Arius war der heilige Athanasius, der spätere Bischof von Alexandrien. Er argumentierte so: Wenn Jesus nur ein zwar edles und hoch erhabenes Geschöpf war, dann habe er die Menschen nicht von der Macht der Sünde und des Todes befreien können. Dazu habe es Gottes selbst bedurft.
Das Konzil von Nizäa bekannte daher den Glauben an die Gottheit Jesu. Dieses Bekenntnis findet sich im so genannten Großen Glaubensbekenntnis, das alle Kirchen des Ostens und Westens miteinander verbindet und von Zeit zu Zeit in den Gottesdiensten gesprochen wird.
Darin heißt es: "Wir glauben an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater."
Diese theologische Ansicht will verdeutlichen, dass sich in Jesus von Nazareth Gott geoffenbart hat; oder anders gesagt: In Jesus erkennen die Menschen, wie Gott ist. Negativ machte sich dieser theologische Streit im Lauf der Geschichte dadurch bemerkbar, dass die Gottheit Jesu überbetont und die Menschheit Jesu stark zurückgedrängt wurde.
Der Arianismus hielt sich noch über mehrere Jahrhunderte bei verschiedenen Germanenstämmen - so ist etwa die bekannte Wulfila-Bibel der Westgoten vom arianischen Bischof Wulfila übersetzt worden. Erst durch Kaiser Karl dem Großen gab es die klare Wendung zum Katholizismus.
Mit dem Christkönigsfest endet das katholische Kirchenjahr. Es lenkt den Blick auf Jesus Christus, von dem die Christen glauben, dass er am Ende der Zeit als König wiederkommen wird und zu dem sich die Kirche unterwegs sieht.
Seit 1969 wird dieses Fest am Sonntag vor dem 1. Advent begangen; zuvor wurde es am letzten Oktobersonntag gefeiert. Papst Pius XI. führte das Christkönigsfest im Jahr 1925 ein in Erinnerung an das Konzil von Nizäa, das 1.600 Jahre zuvor (325) tagte.
Norbert Göckener, November 2002.

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