Die Stimmer des Rufers in der Wüste möchte uns im Advent erreichen. Die Wüste ist ein Ort, „gefüllt“ mit Erfahrungen des Glaubens. Johannes wird gefragt, wer er sei. Johannes fordert uns auf, uns selbst zu fragen, wer wir sind.
Der Sonntag Gaudete weckt Erwartungen im Hinblick auf das Kommen des Messias, den Johannes der Täufer ankündigt. Er bringt Bilder des Trostes und des Heilwerdens.
Zwei Drittel des Advent sind heuer schon vorbei. Eine kurze Adventszeit. Diesen Sonntag zünden wir die hellere Kerze, die rosa Kerze an, auch die liturgische Kleidung ist angepasst. Die Vorfreude strahlt auf das kommende Ereignis der Geburt Jesu aus. Christus hat sich als „Licht der Welt“ offenbart. Das sollten auch wir sein als einzelne Person, noch viel mehr als Pfarre, als kirchliche Gemeinschaft.
Freude, gute Nachricht, wird uns verkündet. Haben wir aber wirklich Grund zur Freude? Diese Tage und auch das gesellschaftspolitische Umfeld würden eher zumindest zum Stirnrunzeln neigen, gar nicht zu denken an plötzliche Schicksalsschläge, die zu Weihnachten noch schmerzhafter sind als sonst. Entsteht da nicht ein krasser Widerspruch, wenn wir im Thessalonicherbrief hören: „Der Gott des Friedens … bewahre euren Geist, eure Seele und euren Leib unversehrt.“? »Unversehrt bewahren«, wenn wir im wahrsten Sinn des Wortes vom Schicksalsschlag getroffen werden! „Wo bleibst du Trost der ganzen Welt, worauf sie all ihr Hoffen stellt?“, singen wir in einem Kirchenlied.
Die Texte bedürfen somit einer genaueren Untersuchung. Der Thessalonicherbrief enthält bemerkenswerte Stichworte: „Freut euch!“ Die Freude zeigt sich im Gespräch. Wollen Sie es anders hören? Im Dialog mit Gott, im Hinhören, was Gott uns sagt, im Gebet als unsere Antwort. Die Freude zeigt sich hoffentlich auch im Dank. Eucharistie, das griechische Wort, ist der feierliche Dank an Gott, dass er uns Heil zusagt aus aller Not. „Löscht den Geist nicht aus!“ Prüfen wir, ob diese Gute Nachricht, das Versprechen glaub-würdig ist. Ist es wert zu glauben, was uns mitgeteilt wird? Wir werden aufgefordert, unseren Verstand einzuschalten. Wir haben keine Beweise für diese Frohe Botschaft, wohl aber Heilsgewissheit. Ich weiß, diese Botschaft ist glaub- würdig.
Wer vermittelt uns diese Gute Nachricht, die Heilsgewissheit? In diesen Tagen des Advents begleitet uns Johannes der Täufer. Wir kommen nicht an ihm vorbei, denn alle vier Evangelisten sprechen von seinem Wirken. Er ist kein Diplomat, der tausendmal überlegt, wie er auch Unangenehmes auf sanfte Tour verbreitet, sondern ein authentischer Zeuge für die Wahrheit, die ihm auch das Leben kostet. Durch die ganze Menschheitsgeschichte löst diese Heilszusage Jesu immer wieder Konflikte und Unverständnis aus. Die Taufe des Johannes ist eine Umkehrtaufe, die Taufe nachher ist Geisttaufe, Taufe der Unsterblichkeit, der Wiedergeburt; nicht als Ratte, Mistkäfer, Prinz oder Prinzessin, sondern auf ewiges Leben bei Gott, dort wo es keinen Tod, keine Krankheit, kein Leid, keine Angst mehr gibt. Gott sagt uns zu, dass er vollendet, was er in der Taufe begonnen hat. Er schickt uns also nicht im Kreis herum, das wäre unbarmherzig. Getauft wird im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Nach dem authentischen Zeugen Johannes kommt Jesus selber. „Im Anfang war das Wort“ (Joh.1,1), also die Person Jesu, die eine neue Ethik bringt, die auf Liebe, Wahrheit und Gerechtigkeit, auf Menschenwürde und Gewaltlosigkeit aufbaut. Wenn wir heute ein Stück aus dem Evangelium des Alten Testaments, aus Jesaja hören, dann berichtet auch der Evangelist Lukas (Lk 4,18-20), dass Jesus in der Synagoge diese Stelle verkündet: „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe und alle heile, deren Herz zerbrochen ist, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Gefesselten die Befreiung, damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“ Mit der Geburt Jesu hat das Reich Gottes schon begonnen. „Der Geist des Herrn ruht auf mir“, heißt auch für uns: Auskunft geben, Rechenschaft über unseren Glauben ablegen, den Verstand zu gebrauchen, frei werden von der Enge des Denkens und der Kleinkariertheit, sich loslösen und befreien lassen, sich nicht mehr gefangen und gefesselt fühlen von Ängstlichkeit und Hoffnungslosigkeit. Das ist Anliegen dieser Frohen Botschaft und des Freudensonntags „Gaudete“.
Freilich bringen gar nicht selten Wahrheit und Ehrlichkeit Nachteile in Beziehungen und beruflichem Fortkommen. Johannes büßt das sogar mit dem Leben. Gewiss, ein unlösbares Problem. Die sonntäglichen Texte sprechen aber Mut und Freude zu. Das wird mit weiteren Bildern aus der 1. Lesung untermauert: die Hochzeit mit dem Bild von Braut und Bräutigam, ein Glückszustand; die Saat wächst, Zeichen für werdendes Leben mit Zukunft; der Garten als Symbol für blühendes Leben. Bezeichnend auch, dass in der Bibel am Anfang ein Garten steht, nämlich das Paradies und am Ende der Bibel der Garten der Auferstehung.
Mein Adventwunsch an Sie: Tragen Sie diese Bilder hinein in die Tage des Advents. Es sind Bilder der Freude, der Zuversicht, prüfen Sie, wo Irrlichter, das eigentliche „Licht der Welt, Jesus Christus“ als Orientierungshilfe verdrängen. „Prüfet alles, und behaltet das Gute!“ (1 Thess.5,21).
Allmächtiger Gott,
sieh gütig auf dein Volk,
das mit gläubigem Verlangen das Fest der Geburt Christi erwartet.
Mache unser Herz bereit für das Geschenk der Erlösung,
damit Weihnachten für uns alle ein Tag der Freude und der Zuversicht werde.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 3. Adventsonntag
Herr, unser Gott,
in dieser Feier
erfüllen wir den Auftrag deines Sohnes.
Nimm unsere Gaben an
und gib deiner Kirche die Gnade,
immer und überall sein Opfer zu feiern.
Schenke uns durch dieses Geheimnis dein Heil,
das du der Welt bereitet hast.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Adventsonntag
Kehrvers:
Danket dem Herrn, denn ewig währt seine Liebe. (GL 444)
Herr und Gott,
wir kommen zu dir, um dir Dank zu sagen und deine Größe zu preisen,
denn wir haben Grund, uns von Herzen über dich zu freuen.
Wie die Erde die Saat wachsen lässt,
bringst du, Gott und Herr, Gerechtigkeit hervor.
Kehrvers
Du hast uns den Messias gesandt,
damit er den Armen die Frohe Botschaft bringe
und alle heile, deren Herz zerbrochen ist.
Den Gefangenen ließest du Befreiung verkünden
und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufen.
Kehrvers
Johannes der Täufer ist ihm vorausgegangen
und hat Zeugnis abgelegt für das Licht.
Er hat auf den hingewiesen, der nach ihm kommt.
Als Stimme des Rufers in der Wüste hat er aufgefordert,
den Weg für den Herrn zu ebnen.
Kehrvers
Der Geist des Herrn leitet auch uns an,
dem Messias den Weg zu bereiten,
für Gerechtigkeit zu sorgen und Frieden zu stiften
Mit der ganzen Schöpfung singen wir dir zum Lob:
Danklied, z.B. "Singt dem Herrn ein neues Lied" (GL 409)
oder "Nun saget Dank und lobt den Herren" (GL 385)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel,
zu danken und dein Erbarmen zu preisen.
Denn schon leuchtet auf der Tag der Erlösung,
und nahe ist die Zeit unsres Heiles,
da der Retter kommt
unser Herr Jesus Christus.
Durch ihn rühmen wir das Werk deiner Liebe
und vereinen uns mit den Chören der Engel
zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
Präfation vom Advent 5
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen dich
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Ihn hast du der verlorenen Menschheit
als Erlöser verheißen.
Seine Wahrheit leuchtet den Suchenden,
seine Kraft stärkt die Schwachen,
seine Heiligkeit bringt den Sündern Vergebung.
Denn er ist der Heiland der Welt,
den du gesandt hast, weil du getreu bist.
Darum preisen wir dich
mit den Cherubim und Serafim
und singen mit allen Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Advent 3
Barmherziger Gott,
komm durch dieses heilige Mahl
uns schwachen Menschen zu Hilfe.
Reinige uns von Schuld
und mache uns bereit für das kommende Fest.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Adventsonntag
der sagt ich bin
sagt uns ihr seid
der sagt ihr seid
sagt uns ich bin
das licht der welt
Aus: kurt marti, geduld und revolte. Die gedichte am rand. Im radius-verlag, Stattgart 1995.
Es ist gut, dass es Weihnachten gibt. Allerdings müssen wir aufpassen, wie wir es verstehen und feiern. Der Glanz der Friedensbotschaft von Weihnachten darf nicht zum Flitter werden. Kerzenlicht darf uns nicht die Welt verstellen, so wie sie ist.
Manchmal habe ich den Eindruck, ein solcher Hinweis sei in unserer Welt wichtiger als früher. Man flüchtet sich aus der Realität des täglichen Lebens, dem Stress der Vorbereitung und der Hast unseres Lebens in ein Weihnachten, bei dem man endlich alles sonst selig vergessen kann; viele schlagen die Tür hinter sich zu und fahren in die Ferne. Nehmen wir so Weihnachten ernst? Ist es nicht bloß ein schöner Kindertraum, aber am Ende doch nichts für die Erwachsenen? Haben das Lametta und mancher Kitsch etwas mit unserer Welt zu tun?
[…]
Aber genau in diese Welt kommt Gott selbst. Er kommt in unsere zerrissene, schäbige und oft banale Welt, in der z. B. das Recht des Stärkeren immer zu siegen scheint. Es ist die Welt, wo uns so viel Ungerechtigkeit, Bosheit und Egoismus die Luft und fast jede Hoffnung auf eine Besserung der Verhältnisse nehmen. Das ist gerade das Wunder der Weihnacht, dass uns nicht ein edles Paradies vorgegaukelt wird, sondern dass Gott seinen einzigen, vielgeliebten Sohn in diese Zeit schickt. Die Verheißungen von Gottes Frieden auf dieser Erde gelten uns. Es ist eine Hoffnung, die der Not ins Gesicht schaut und ihren Fragen nicht ausweicht. Darum ist es auch gut, wenn wir an Weihnachten all jene nicht vergessen, die nicht auf der Sonnenseite dieser Erde wohnen können: die Armen, die Kranken, die Straßenkinder, die Obdachlosen, die trotz vieler Anstrengungen immer wieder von Ungerechtigkeit und Elend bedrängten Menschen der Dritten Welt. Es ist gut, dass es gerade heute und in diesen Tagen die Sammlungen für Adveniat und Brot für die Welt gibt.
Weihnachten ist ein Fest der Ermutigung und dabei ganz bodennah. Deswegen dürfen wir auch unseren eigenen Sorgen und Nöten nicht ausweichen. Ganz in unserer Nähe. Gerade die vielen einfachen und kleinen Leute, die uns in der Weihnachtsgeschichte begegnen, angefangen bei einem ohnmächtigen Kind, rufen uns an diesem Fest auf, die Spuren der Hoffnung auch bei uns selbst zu suchen. Wir werden sie, wenn wir uns etwas mühen, auch leicht finden.
Aus: Karl Kardinal Lehmann, Mut zum Umdenken. Klare Positionen in schwieriger Zeit. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2003.
Der Herr ist mit euch (& mit deinem Geiste)
kommt alle her, die ihr müde & beladen seid,
die ihr euch plagt & euch fragt, warum ihr ziehende Nomaden seid.
weit, weit, weit seid ihr hierher gekommen:
ihr jungen & fremden, bekannten & frommen.
egal welcher Farbe, egal welcher Haut,
die ihr eingeladen seid, miteinander vertraut
ohne danach zu fragen, woher & wohin,
wir sind Brüder & Schwestern auf der Suche nach Sinn.
wir sind Pilger im Leben, wo überall wir uns bewegen,
auf der Suche nach uns selbst, auf der Suche nacheinander -
zum Lichte, zur Dichte von Leben & Fülle,
Liebe ist der Kern und Freude die Hülle.
die Sehnsucht nach Geborgenheit & Verständnis
bündelt unsere Vielheit zu einem Bekenntnis:
wir leben, wir atmen nur durch seinen Geist
wir leben, wir atmen... ihr wisst, was das heißt:
der Herr ist mit euch (& mit deinem Geiste)
also öffnet euch: öffnet euer Herz, öffnet eure Seelen,
so wie Fenster, werft die Gespenster
fehlender Gelassenheit, quälender Enthaltsamkeit,
werft eure Sorgen über Bord, eure Nöte weit, weit fort.
werdet Ruhe, werdet Stille, stoppt das Reden,
werdet Hörer, hört zu, lauscht dem Leben,
fragt nicht woher, fragt nicht wohin,
denn ihr geht euern Weg vor Gott im Land der Lebenden.
ihr seid Beschenkte mit den Gaben seines Geistes,
also schenkt selbst, gebt euch ganz, denn das heißt es.
ihr seid berufen alle Stufen so zu überspringen,
wir sind hier, um Dank darzubringen,
um zu weinen, zu lachen, zu tanzen, zu singen.
tun wir alles gemeinsam, wird es gelingen.
singen wir Lieder um besser zu sehen.
ihr seid die Glieder, ihr werdet verstehen ...
der Herr ist mit euch (& mit deinem Geiste)
Text: Thomas Gerlach
Wer von Ihnen einmal in Muße die 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven zu Ende gehört hat, dem werden diese Verse bekannt vorkommen. Der fast taube Beethoven greift in seinem letzten Satz zur Überraschung seiner damaligen Zuhörer, die ganz auf ein Instrumentalstück eingestellt waren, auf Friedrich Schillers "Ode an die Freude" zurück und lässt Chor und Solisten daraus zitieren.
"Freude, schöner Götterfunke, Tochter aus Elysium. Wir betreten feuertrunken, Himmlische, dein Heiligtum!"
Fr. Franziskus Knoll OP, Köln, Predigt über Jes. 35, 1-6a.10.
19 Betrachten wir nun ein wenig die Person Jesu im Verlauf seines irdischen Lebens. Er hat in seiner Menschheit unsere Freuden erfahren. Er hat offenbar eine breite Skala menschlicher Freuden kennengelernt, geschätzt und geteilt, einfache tägliche Freuden, wie sie jedem zugänglich sind. Die Tiefe seines Innenlebens hat keineswegs seinen Blick für das Konkrete abgestumpft, nicht seine Empfindungsfähigkeit beeinträchtigt. Er bewundert die Vögel des Himmels und die Lilien des Feldes. In ihm wiederholt sich auf unmittelbare Weise der Blick Gottes auf die Schöpfung am Morgenrot der Geschichte. Gern hebt er die Freude des Sämanns und des Schnitters hervor, die Freude des Mannes, der einen verborgenen Schatz findet, die des Hirten, der sein Schaf, oder die der Frau, die ihr verlorenes Geldstück wiederfindet, die Freude der zum Fest geladenen Gäste, die Freude bei einer Hochzeit, die Freude des Vaters, der seinen Sohn, von einem Leben der Verschwendung endlich heimgekehrt, aufnimmt, und die der Frau, die ein Kind zur Welt bringt. Diese menschlichen Freuden sind für Jesus von solch hoher Bedeutung, da sie für ihn die Zeichen der geistlichen Freuden des Reiches Gottes sind: Freude jener Menschen, die in dieses Reich eintreten, dorthin zurückkehren oder dort arbeiten; Freude des Vaters, der sie empfängt. Auch Jesus selbst zeigt seinerseits Zärtlichkeit, als er Kindern begegnet, die zu ihm kommen wollen, als er einen reichen Jüngling trifft, der gewissenhaft und bestrebt ist, noch mehr zu tun; als er zu Freunden kommt, die ihm ihr Haus öffnen wie Marta, Maria und Lazarus. Eine Freude ist es für ihn vor allem, wenn er erlebt, dass man das Wort aufnimmt, seine Reichtümer opfert, dass eine Sünderin oder ein Zöllner wie Zachäus sich bekehrt, dass eine Witwe sich trotz ihrer Not zum Geben entschließt. Er jubelt vor Freude, als er feststellt, dass den Kleinen und Demütigen die Botschaft vom Reich geoffenbart wird, während sie den Weisen und Klugen verborgen bleibt (20).
20 Ja, weil Christus "wie wir als Mensch gelebt hat, in allem uns gleich, außer der Sünde" (21), so hat er auch die gefühlsmäßigen und geistlichen Freuden als Gabe Gottes erfahren und angenommen. Er verkündete rastlos "den Armen die Botschaft vom Heil, den Trauernden Freude" (22). Das Lukasevangelium bezeugt in besonderer Weise diesen Anlass zur Freude. Alle Wunder Jesu und seine Verzeihung schenkenden Worte sind ebenso viele Zeichen für die Güte Gottes: das ganze Volk aber freute sich über all die herrlichen Taten, die durch ihn geschahen (23), und gab Gott die Ehre. Für den Christen geht es wie für Jesus darum, die menschlichen Freuden, die der Schöpfer ihm gewährt, zu leben, in Danksagung vor dem Vater.
Papst Paul VI., Über die christliche Freude, Apostolisches Schreiben "Gaudete in Domino" (9.5.1975)
http://www.kathpedia.com/index.php?title=Gaudete_in_domino_%28Wortlaut%29 - (09.12.2014)
I. Wäre Zeit wie ein Kleid, dann könnte ich in sie hineinschlüpfen, einmal in die Arbeitszeit, dann in die Freizeit, in die Mußestunden, in die Sommerzeit, oder in den Urlaub. Ich würde sie tragen wie einen Arbeitsanzug, wie ein Partykleid, wie eine Küchenschürze oder einen Smoking. Wäre Zeit wie ein Kleid, dann könnte ich auch leicht wieder aus ihr heraus. Wie herrlich wäre das! Aus der Schulzeit, aus der Wartezeit, aus der Ölbergstunde, aus der Leidenszeit, aus dieser mir manchmal so schrecklichen heutigen Zeit, aus der Todesstunde.
II. Aber Zeit ist mir näher als ein Kleid, näher sogar als meine Haut, als meine Hand, als mein Fleisch, als mein Blut, als mein Herz. Sie ist kein Ding, keine Sache, kein Besitz, den ich haben kann, kaufen kann, erwerben kann. Ich habe nicht Zeit: Ich bin zeitlich! Ich bin in der Zeit, seit dem Tag, da ich lebe. Ich bin von gestern auf heute, von heute auf morgen. Ich werde, ich wachse, ich bin unterwegs, ich verändere mich, ich entwickle mich, ich reife, ich altere, ich bin zum Tode. Ich werde nicht mehr sein, wenn die Zeit für mich abgelaufen ist. Ich bin als Mensch zeitlich, das ist meine Definition, meine Bestimmung, meine Begrenzung, meine Voraussetzung (...)
V. Ich kenne einen, der in seinem Sterben sagte: Es ist vollbracht. Dabei war er - menschlich gesehen - gescheitert, seine Liebe brachte ihm Hass, seine Rede brachte ihm Verurteilung, seine Wahrheit brachte ihm den Tod. Dennoch sagte er: Es ist vollbracht. Ich schaue auf ihn und erkenne, dass seine Geschichte ein deutliches Woher und Wohin hatte, eine Herkunft und eine Zukunft: Gott als Vater. Mit diesem Gott lebte er, liebte er, sprach er, handelte er, litt er, starb er und konnte sagen: Es ist vollbracht. Und der gleiche Gott hat diese kurze, 33 Jahre währende, begrenzte Geschichte in der Auferweckung bestätigt und gerechtfertigt, als wollte er sagen: Dies gilt vor mir, so gilt einer bei mir, das ist das Leben eines Menschen, wie es mir gefällt.
VI. Ich möchte einmal sagen können: Es ist vollbracht! Und ich darf hoffen, dass mir dies hinter Jesus her gelingt, dass meine Geschichte zu einer Heilsgeschichte wird. So will ich versuchen, mein Leben vollzubringen, zu füllen wie er mit geteiltem Brot, mit geschwisterlicher Umarmung, mit gestiftetem Frieden, mit geschenkter Vergebung, mit erwiesener Gerechtigkeit, mit erwirkter Freiheit, mit gehaltener Treue, mit redlicher Wahrhaftigkeit, mit Liebe zu denen, die mich brauchen. So will ich versuchen, mein Leben vollzubringen, zu füllen wie er unter der Last der Konflikte, in der Zwickmühle von Spannungen, unter der Bürde von Verantwortung, in den Zwängen der Probleme, unter dem Druck der Leistung, in den Stunden der Leiden, unter dem Kreuz, dem ich nicht ausweichen kann. So will ich versuchen, mein Leben vollzubringen, zu füllen wie er im aufmerksamen Bewusstsein, im ständigen Hören, im immer wieder aufgenommenen Gebet, im liebenden Gehorsam zu Gott, der allein mein Leben richten und ins Recht setzen kann ...
Alois Albrecht, in: das Thema 23 (1981).

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Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
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