Die Erzählung von den Hirten, denen die Engel die Geburt des Messias verkündet haben, ist eine Geschichte des Suchens und Findes. Das Suchen und Finden zieht sich durch die ganze Erzählung: Die Engel finden die Hirten, die Hirten Maria und Josef und das Kind, Und das Kind findet sie alle.
Die Rede vom Geruch der Schafe, die Papst Franziskus losgelassen hat, trifft die Mitte des Evangeliums. Der menschgewordene Gott offenbart sich zuerst den Hirten. Sie verkörpern die Armen am Rande der Gesellschaft. Die Kirche und mit ihr unsere ganze westliche Gesellschaft wird gut tun, sich der Armen zu erinnern und sich ihnen zuzuwenden und sich so ihrer Wurzeln zu erinnern.
GL 159: Licht, das uns erschien
oder GLÖ: 722,2
Oder:
Herr, Jesus Christus,
du bist als die Güte und Menschenliebe Gottes, unseres Retters, erschienen.
Herr, erbarme dich.
Engel haben den Hirten diese große Freude verkündet.
Christus, erbarme dich.
Hirten haben die Größe Gottes erkannt
und ihn gepriesen für das, was sie gehört und gesehen hatten.
Herr, erbarme dich.
GL 159: Licht, das uns erschien
Oder:
Herr, Jesus Christus,
du bist in die Welt gekommen, um alle Finsternis zu vertreiben.
Kyrie eleison.
Du schenkst uns das Licht des Glaubens.
Christe eleison.
Du hast uns berufen, als Kinder des Lichtes zu leben.
Kyrie eleison.
Allmächtiger Gott,
dein ewiges Wort ist Fleisch geworden,
um uns mit dem Glanz deines Lichtes zu erfüllen.
Gib, daß in unseren Werken widerstrahlt,
was durch den Glauben in unserem Herzen leuchtet.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.
MB Weihnachten am Morgen
Himmlischer Vater,
erfülle die Gaben dieser Erde mit deinem Segen,
damit sie das Geheimnis dieses Tages darstellen:
Wie Christus
als neugeborener Mensch und als wahrer Gott
vor uns aufleuchtet,
so laß uns durch diese irdische Speise
das göttliche Leben empfangen.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Weihnachten am Morgen
Du brichst mit uns das Brot,
du teilst mit uns den Kelch.
Herr, du schenkst dich uns.
Was von Anfang an im Himmel war,
finden wir auf deinem Tisch
mitten unter uns.
Dir danken wir.
Mit Brot und Wein.
(für Wortgottesdienstfeiern)
Kehrvers:
Dankt dem Vater mit Freude, er schenkt uns seinen Sohn. (GL 633,8)
Großer, unbegreifbarer Gott,
wir wollen dir unsere Freude und unseren Dank zum Ausdruck bringen,
denn in Jesus von Nazareth ist dein ewiges Wort Fleisch geworden
und hat mitten unter uns gewohnt.
Kehrvers
Er ist das Leben, und das Leben ist das Licht der Menschen.
in ihm kam das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, in die Welt.
Kehrvers
Allen die ihn aufnahmen, gabst du die Macht, Kinder Gottes zu werden.
Er hat die Reinigung von den Sünden bewirkt
Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen Gnade über Gnade.
Kehrvers
Alle Enden der Erde sehen nun das Heil unseres Gottes.
Darum jubelt heute der ganze Erdkreis
und stimmt mit den Engeln und Heiligen ein in den Lobpreis der Schöpfung:
Danklied: z. B.: Lobt Gott, ihr Christen alle gleich (GL 247)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn Fleisch geworden ist das Wort,
und in diesem Geheimnis
erstrahlt dem Auge unseres Geistes
das neue Licht deiner Herrlichkeit.
In der sichtbaren Gestalt des Erlösers
läßt du uns den unsichtbaren Gott erkennen,
um in uns die Liebe zu entflammen
zu dem, was kein Auge geschaut hat.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn groß ist das Geheimnis seiner Geburt,
heute ist er, der unsichtbare Gott,
sichtbar als Mensch erschienen.
Vor aller Zeit aus dir geboren,
hat er sich den Gesetzen der Zeit unterworfen.
In ihm ist alles neu geschaffen.
Er heilt die Wunden der ganzen Schöpfung,
richtet auf, was darniederliegt,
und ruft den verlorenen Menschen
ins Reich deines Friedens.
Darum rühmen dich Himmel und Erde,
Engel und Menschen
singen das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 2
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und dein Erbarmen zu rühmen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn schaffst du den Menschen neu
und schenkst ihm ewige Ehre.
Denn einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen:
dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch,
und wir sterbliche Menschen
empfangen in Christus dein göttliches Leben.
Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel
und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 3
Herr, unser Gott,
die Menschwerdung deines Sohnes
erfülle uns mit Freude und Dank.
Laß uns dieses unergründliche Geheimnis
im Glauben erfassen und in tätiger Liebe bekennen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Weihnachten am Morgen
Der barmherzige Gott hat durch die Geburt seines Sohnes die Finsternis vertrieben
und (diese Nacht) diesen Tag erleuchtet mit dem Glanz seines Lichtes;
er mache eure herzen hell mit dem Licht seiner Gnade. - Amen.
Den Hirten ließ er durch den Engel die große Freude verkünden;
mit dieser Freude erfülle er euer ganzes Leben. - Amen.
In Christus hat Gott Himmel und Erde verbunden;
durch ihn schenke er allen Menschen guten Willens seinen Frieden,
durch ihn vereine er euch mit der Kirche des Himmels. - Amen.
Das gewähre euch der dreieinige Gott,
der Vater und der Sohne und der Heilige Geist. - Amen.
MB Weihnachten
Am Ende unseres Gottesdienstes gehen unsere Wege wieder auseinander.
Jeder von uns hat einen eigenen Weg.
Hört die Segensworte des Propheten Jesaja:
Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten,
der Frieden ankündigt,
der eine frohe Botschaft bringt und Rettung verheißt,
der zu Zion sagt: Dein Gott ist König.
Horch, deine Wächter erheben die Stimme,
sie beginnen alle zu jubeln.
Denn sie sehen mit eigenen Augen,
wie der Herr nach Zion zurückkehrt.
Gott, der euch liebt,
strahle euch mit dem Lächeln eines Kindes an.
Gott, der ein gutes Wort für euch hat,
mache eure Herzen leicht.
Gott, der eure Wege begleitet,
schenke euch Frieden.
Im Namen …
Amen.
Sage, wo ist Bethlehem?
Wo die Krippe? Wo der Stall?
Mußt nur gehen, mußt nur sehen -
Bethlehem ist überall.
Sage, wo ist Bethlehem?
Komm doch mit, ich zeig es dir!
Mußt nur gehen,
mußt nur sehen -
Bethlehem ist jetzt und hier.
Sage, wo ist Bethlehem?
Liegt es tausend Jahre weit?
Mußt nur gehen,
mußt nur sehen -
Bethlehem ist jederzeit.
Sage, wo ist Bethlehem?
Wo die Krippe? Wo der Stall?
Mußt nur gehen,
mußt nur sehen -
Bethlehem ist überall.
Rudolf Otto Wiemer in: Dietrich Steinwede (Hg.), Jetzt ist die Zeit der Freude. Weihnachtliche Texte. Verlag Ernst Kaufmann, Lahr 2011.
https://youtu.be/_XMLsNmTLjY?si=ac5HCkIQqETcnNBN
plötzlich
unverhofft
mitten im kalten winter
in der nacht
in einem milieu
wo man es nicht vermutete
in einer gegend ...
die ...
ja die gegend
betlehems felder
wissen sie wo das ist
da ganz am rand der welt
da hat der himmel
die erde geküsst
maria
und da
ist ein ros entsprungen
aus einer wurzel zart
mitten im kalten winter
wohl zu der halben nacht
Wir danken dir, verborgener Gott
wir danken dir
verborgener gott
daß du uns deine stimme
hast hören lassen
deine stimme
im geburtsschrei
eines kindes
im geburtsschrei
einer neuen welt
Wir danken dir, weiser Gott
wir danken dir
weiser gott
für das kind
auf stroh
das uns menschen
einfacher
weiser
menschlicher
und göttlicher
macht
Wilhelm Willms in: Dietrich Steinwede (Hg.), Jetzt ist die Zeit der Freude. Weihnachtliche Texte. Verlag Ernst Kaufmann, Lahr 2011.
Die Geburt Jesu wird seit dem 4. Jahrhundert am Jahresende, in der Zeit der Wintersonnenwende, gefeiert. Seit 400 Jahren prägen zwei ganz unterschiedliche Zeichen dieses Fest: Christbaum und Krippe. Der Christbaum ist zuerst im Elsaß nachgewiesen, in Bürgerhäusern in Schlettstadt und Straßburg, die Krippe in Jesuitenkirchen von Coimbra, Prag und Altötting.
Die ersten Christbäume waren mit Äpfeln, Hostien und Kerzen geschmückt. Sie wurden am 24. Dezember aufgestellt, nach dem alten kirchlichen Kalender der Gedenktag von Adam und Eva. Das Grün erinnerte an das Paradies, die Äpfel an den Sündenfall, die Hostien an die Erlösung, die Kerzen an Christus, „das wahre Licht, das in die Finsternis kam" (Joh 1,4-9). Der ganze Baum war Licht in der Finsternis der längsten Winternacht und Zeichen der Erlösung. Der Brauch, ihn im Wohnraum aufzustellen, wurde später durch die Hugenotten vom Elsaß aus nach Frankreich, in die Pfalz, nach Baden und andere evangelisch gewordene Landschaften verbreitet. In Bayern führte ihn Karoline von Baden, die erste Königin von Bayern, zum Weihnachtsfest 1800 ein.
In der Biedermeierzeit wurde der Christbaum zum Inbegriff der „Deutschen Weihnacht". [Unser Bild zeigt eine Darstellung zum Märchen vom Tannenbaum von Hans Christian Andersen.] Als die Nationalsozialisten ihn zum Zeichen eines heidnisch-germanischen Julfestes machen wollten, wurde er als Antwort darauf auch in katholische Kirchen übernommen. Seither umrahmen symmetrische Fichtenwälder viele Altarräume in der Weihnachtszeit. Aber der ursprüngliche Sinn, der sich im Grün, im Apfel, der Hostie und dem Licht konkretisiert, wird kaum irgendwo gesucht. Außerhalb der Kirchen wurden Christbäume, überreich beladen, zum Symbol des Konsums.
Wenn wir seine christliche Botschaft wieder entdecken wollen, sollten wir in der Kirche nur einen Baum aufstellen, ihn mit Äpfeln, Hostien und Wachs(!)kerzen schmücken und die Texte vom Paradies, vom Licht, vom Abendmahl lesen.
Das Figurentheater der Weihnachtskrippe haben die Jesuiten vielleicht nicht erfunden. Aber als Medium der Verkündigung haben sie es überall auf der Welt verbreitet, in Portugal, Böhmen und Bayern, in ihren Missionsgebieten in Amerika und Asien. Die Figuren aus Holz, Wachs oder Terrakotta wurden so aufgestellt und beleuchtet, daß sie zu sprechen und zu handeln scheinen. Das Geschehen wurde sowohl als Erzählung aus alter Zeit und einem fernen Land historisiert, als auch im Hier und Heute vergegenwärtigt. Das neue Bildmedium wurde zu einem Welterfolg. Bald wurden Weihnachtskrippen auch an Fürstenhöfen, in Bischofs- und Klosterkirchen nachgebaut, im 19. Jahrhundert dann auch in Privathäusern.
Mit den Krippen wurden zunächst das Weihnachtsevangelium des Lukas und die Erzählung von den Weisen aus dem Morgenland nach Matthäus illustriert. Bald aber überlagerten andere weihnachtliche Legenden, Privatoffenbarungen und Dichtungen die knappen Berichte der Evangelisten. Um 1900 bemühte man sich darum, in den Figuren und Landschaften Palästina realistisch darzustellen. Seit 1930 setzten sich Heimatkrippen mit blonden Frauen und Kindern in Trachtenkleidung durch.
Heute sollte sich eine Kirchenkrippe neu mit den Texten des Evangeliums auseinandersetzen. Sie sollte fremde Motive aus Privatoffenbarungen, Apokryphen und Weihnachtsmärchen reduzieren und sich entweder um Authentizität bemühen oder um Modernität. Entweder man entscheidet sich, Palästina zur Zeit Jesu nachzustellen, also Jesus und seine Mutter als orientalische Juden zu entdecken, oder man überträgt das Geschehen in unsere Gegenwart: Wo würde heute eine überall abgewiesene junge Schwangere ihr Kind bekommen können? In einer Tankstelle? Einem Gewerbepark? Und wen würden die Engel in der Nähe wach finden? Obdachlose, Polizisten, Müllmänner?
Die Geburt Jesu mit Figuren und Kulissen in eine angeblich „gute, alte Zeit", beispielsweise ein Bergdorf des 18. Jahrhunderts, zu versetzen, ist verlogen. Krippen sollten nicht gemütlich sein, sondern aufregend wie die Geburt und das Leben Jesu.
Aus: Peter B. Steiner, Glaubensästhetik. Wie sieht unser Glaube aus? 99 Beispiele und einige Regeln. Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 2008.
Nach 2000 Jahren christlicher Sozialisation geht uns der Satz „Gott ist Mensch geworden" leicht von den Lippen. Schwieriger wird es, wenn wir die heute üblichen Worte für Neugeborene benützen: „Gott ist Baby geworden" oder „Gott ist Säugling geworden". Für das Lukasevangelium war die Geburt Jesu ein natürlicher Vorgang: „Sie gebar ihren erstgeborenen Sohn, wickelte ihn in Windeln" (2, 7). So aber sehen die Weihnachtsbilder in unseren Kirchen und Museen und auf den Weihnachtspostkarten nicht aus. Da liegt ein nacktes Kind mit Goldstrahlen auf dem Boden und wird von einer Frau mit langem offenem Haar kniend angebetet.
Es war eine Frau, die sechs Kinder geboren hatte, und die wußte was für eine harte und schmutzige Arbeit Gebären ist: die heilige Birgitta von Schweden, die seit 1370 alle bei uns verbreiteten Bilder von der Anbetung des neugeborenen Jesus angeregt hat. Zuvor, und in der Ostkirche bis heute, wurde Maria dargestellt, wie sie erschöpft von der Geburt auf einem Lager liegt und sich ihrem gewickelten Kind liebevoll zuwendet.
Distanzierte Anbetung statt tätiger Zuwendung - dieser Wandel in der Bildvorstellung hat mit Reinheitsvorstellungen zu tun. Birgitta wollte sich die Jungfrau Maria nicht mit Blut befleckt vorstellen, das göttliche Kind nicht an einer Nabelschnur hängend. Darum beschrieb sie eine Vision, wie Maria allein mit aufgelöstem Haar im Stall von Betlehem betete und plötzlich das Kind vor ihr lag, ganz rein und leuchtend wie die Sonne. In den entsprechenden Bildern wurde Jesus zum Sternenkind, nicht zum Menschensohn.
Darstellungen einer Geburt gibt es in der europäischen Kunst nicht. Sie sind möglich, wie Beispiele der afrikanischen und altamerikanischen Kunst zeigen, aber nicht in einer Bildwelt, die auf die Griechen zurückgeht. Hier war nur die Sorge um das neugeborene Kind und das Nähren an der Brust bildfähig. Die stillende Gottesmutter war ein beliebtes Andachtsbild der frühen niederländischen Kunst. An diese Tradition knüpfte Rembrandt 1635 an. Er zeigt eine Frau in einer einfachen Tracht, die ein dicht eingewickeltes Kind an ihre Brust hält. Das Kind ist satt und schläft ein; sein Mund und die Brust sind von Milch und Spucke verschmiert. Aber das Kind darf noch nicht schlafen, es kann noch nicht in das Korbbett gelegt werden. Es muß erst aufstoßen, sonst wird es die Milch erbrechen. Alle Eltern und Kinderpfleger wissen das. Nach dem Stillen ist ein schwieriger Moment, das Kind will satt einschlafen, soll schlafen, aber erst muß man es noch ein wenig aufrecht halten, den Schlaf verzögern, bis zum befreienden Aufstoßen. In diesem Moment des gespannten Wartens muß es still sein. Darum hat der Mann im Bild, Josef, sein Werkzeug - Bohrer, Sägen, Beil - beiseite gelegt und beugt sich ganz sanft und aufmerksam über das Kind.
Jeder, der mit kleinen Kindern zu tun hatte, kennt diese Situation und erkennt sie im Bild Rembrandts wieder. [Eine alltägliche, menschliche Situation, die in der nebenstehenden Radierung nochmals - anders - dargestellt ist.]
Nichts weist auf die göttliche Natur des Kindes hin: Gott ist Säugling geworden. Er, der allen Vögeln ihre Nahrung gibt, begnügt sich mit ein paar Tropfen Milch, wie der Dichter Sedulius im 5. Jahrhundert schrieb.
Rembrandt hat die Menschwerdung Gottes ernst genommen, wörtlich verstanden. Katholische Weihnachtsbilder sind „göttlicher". Strahlen, Goldglanz und Engel möblieren unsere Krippen zu Vorsälen des Himmels, so als ob Jesus von Nazareth gar nicht wirklich auf der Erde gelebt hätte. Peter Paul Rubens ist in seiner Hirtenanbetung für Neuburg an der Donau 1620 Rembrandt vorausgegangen in seinem Verzicht auf übernatürliche Lichterscheinungen. Sein weiß gewickeltes Kind liegt auf gelbem Stroh, das von einer Laterne so beleuchtet wird, daß es zu glänzen beginnt. Rembrandt zeigt nicht den Stall von Betlehem sondern die Werkstatt in Nazareth, kein Weihnachtsfest, sondern den Alltag einer jungen Arbeiterfamilie mit unendlicher Zärtlichkeit und Geduld.
Aus: Peter B. Steiner, Glaubensästhetik. Wie sieht unser Glaube aus? 99 Beispiele und einige Regeln. Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 2008.
Von einem hellgelben Strohhaufen heben sich ein blauer Esel und ein roter Ochse ab, daneben ganz in blauem Umriss eine Frau mit einem nackten Kleinkind, am Rand der Futtertrog, die Krippe, als notdürftiger Kinderbettersatz. Die Szene ist in eine rechteckige Form eingepasst, die Andeutung eines Stalls. Ihm fehlt die Vorderwand, er ist offen wie ein Puppenhaus. Giotto di Bondone hat um 1300 die biblische Geschichte in solchen Puppenhäusern ausgemalt. Über dem Stalldach befindet sich auf unserem Bild ein nachtblauer Flimmel mit einem Gestirn. Von rechts schreitet ein nackter roter Mann vor blauem Grund auf das Licht des Stalls zu, von links eine Frau mit einem grünen Tuch um die Hüften, begleitet von einem Reh.
Das Gemälde steht in einem Geflecht von Traditionen: Die Geburt im Stall nach der Erzählung des Lukasevangeliums wird seit 320 mit einer Krippe und Tieren dargestellt. Ausgehend von dem Vergleich Adam und Christus bei Paulus (1 Kor), entwickelten die Kirchenväter seit dem 4. Jahrhundert das Gegensatzpaar Eva und Maria, das bald zu einem Thema von Dichtung, Malerei und Skulptur wurde. Eine künstlerische Tradition wurde bereits genannt, die kirchliche Monumental-Malerei der Toskana um 1300. In Florenz und Siena wurden damals die Grundlagen der europäischen Malerei erarbeitet.
Aber der Maler unseres Bildes, Karl Caspar (1879-1956), wählte andere Farben. Weder nackte Männer noch Ochsen sind rot, Esel sind nicht blau. Seine Farben bilden nicht mehr ab. Damit steht er in der Tradition der Malerei des „Blauen Reiter". Die kleine Münchner Künstlergruppe wollte 1912 damit aufhören, einfach Sichtbares wiederzugeben. Statt dessen wollte sie „sichtbar machen", wie es Paul Klee formulierte.
Dieser Ausstieg aus dem überlieferten Aufgabenkreis der Kunst, nämlich Natur nachzuahmen, wie es seit Aristoteles als selbstverständlich galt, ist das einzige Ereignis von welthistorischer Bedeutung, das je in München stattgefunden hat. Der Aufbruch der modernen Kunst über die Grenzen des Materialismus zum Geistigen - so sagte das Wassilij Kandinski - fiel in die Zeit, als die katholische Kirche den Antimodernisteneid für ihre Priester einführte, um sich auf Dauer in einer defensiven Kräftekonzentration von der modernen Welt abzusetzen. Künstler, die sich der Kirche verpflichtet fühlten, gerieten dadurch in ein Dilemma. Entweder sie verrieten ihre Kunst, um den kirchlichen Auftraggebern zu gefallen, oder sie trennten sich von der Kirche.
Karl Caspar hat sein Leben lang an der Bibel als Quelle seiner Kunst festgehalten. Aber sein Werk entstand seit 1912 außerhalb der Kirchen, verteidigt von mutigen Katholiken wie Konrad Weiß und Carl Muth, aber ohne Chance gegen eine kirchliche Ablehnungsfront. Carl Muth hatte 1898 mit seiner Schrift „Steht die katholische Belletristik auf der Höhe der Zeit?” den Inferioritätsstreit ausgelöst, den Streit darüber, ob Katholiken ihrer Umwelt kulturell unterlegen seien. Karl Caspar, der zu den Gründungsmitgliedern des Deutschen Künstlerbundes gehörte, wollte eine Kunst auf der Höhe ihrer Zeit. Die Kirche konnte ihm bis lange nach seinem Tod nicht folgen, mit Ausnahme des Weihbischofs Senger von Bamberg, der ein Casparfresko für die Ostapsis des dortigen Doms durchsetzte, das 1928 großen Streit auslöste. Im Münchner Dom wurde noch 1953 ein Entwurf Caspars als zu modern abgelehnt und erst 1976 für die Unterkirche das Passionstriptychon von 1917 erworben.
Sollten sechzig Jahre, zwei Generationen, der Abstand bleiben, mit dem die Kirche den Entwicklungen der modernen Welt hinterherhinkt?
Aus: Peter B. Steiner, Glaubensästhetik. Wie sieht unser Glaube aus? 99 Beispiele und einige Regeln. Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 2008.
Ein kleines Mädchen wurde einmal von seiner Großmutter gefragt, ob es ihr ein Bild von Gott malen könnte. Die Kleine sagte: "Malen kann ich dir den lieben Gott nicht, aber ich kann dir sagen, wie er aussieht". "So", meinte die Großmutter, "wie sieht er denn aus?" "Er ist sehr groß - und sehr klein", antwortete das Mädchen. "Am Morgen reckt er sich ganz hoch auf, damit er alles gut sehen kann. Aber für die, die sich eh schon vor ihm fürchten, da macht er sich ganz klein - so klein wie ich. Nur für die frechen Leut', da ist er immer sehr groß". Das Kind hat etwas Richtiges erfasst. Gott ist groß und klein; ja gerade seine Größe, seine Souveränität, besteht darin, dass er auch "klein" sein kann; dass er eine gewisse Schwäche in Kauf nehmen kann. Er muss sich nicht ständig aufs Podest stellen. Er kann es sich leisten, arm und bedürftig zu erscheinen, in seiner Liebe. "Die Liebe fürchtet sich nicht vor ihrer eigenen Ohnmacht; darin ist sie allmächtig", so hat einmal jemand formuliert (Eberhard Jüngel). Wahre Liebe ist bereit, auf eine Stärke zu verzichten, die Zwang ausüben würde; denn sie will nicht überwältigen, sondern sucht die freie Zuwendung des anderen. Aber gerade so erweist sich ihre wahre Macht.
Den Hirten wird in der Heiligen Nacht gesagt: "Das soll euch zum Zeichen sein: ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Futterkrippe liegt" (Lk 2,12). Es käme darauf an, die Sprache zu hören, in der Gott in diesem Zeichen zu uns spricht. Es ist eine Sprache, die sich fortgesetzt hat im gesamten Leben und Wirken Jesu. Es ist die Sprache des Respekts vor unserer Freiheit, die Sprache einer gewaltlosen Liebe, die Sprache des uns geschenkten Vertrauens. Wenn wir diese Sprache verstehen, kann auch für uns die Zusage wahr werden: "Heute ist euch der Retter geboren, der Heiland, Jesus, der Bruder und Herr!" (Lk 2,11).
Augustin Schmied CSsR, Lichter die uns begleiten 2012.
Downlod als PDF
Sie selbst wäre als Kandidatin für ihre Kuppelsendung "Liebesg'schichten und Heiratssachen" gänzlich ungeeignet. Nicht nur, dass Elizabeth T. Spira glücklich verheiratet ist, sie würde sich vor der Kamera auch nicht öffnen: "Meine Gefühle erzähle ich meinem Mann. Ich bin nicht jemand, der seine Gefühle zeigt, der alles herauskotzt. Da bin ich altmodisch erzogen", sagt die 69-Jährige.
Wenn in ORF 2 eine Staffel des Quotenhits startet, schaut nicht nur fast eine Million Österreicher zu, man wird Spira wieder vorwerfen, sie sei eine Voyeurin, die einsame Seelen einfängt. Kritik, die ihr schon lange gleichgültig ist: "Es ist mir wurscht, was geschrieben wird. Man darf mich auch total angreifen - aber g'scheit und nicht nur das Gleiche immer wiederkauen. Außerdem ist ein Journalist, der kein Voyeur ist, schlecht."
Neugierig war die Mutter einer Tochter schon immer, nur die Politiker interessierten sie für ihren Beruf als promovierte Publizistin und Journalistin bei "profil", "teleobjektiv" und dem "Inlandsreport" zu wenig: "Am Abend haben wir lieber gepokert, als Konzepte geschrieben", erinnert sich Spira. Also wandte sie sich der Unterhaltung zu und entwickelte mit Historiker Michael Mitterauer 1985 die "Alltagsgeschichten". Für sie "sicher keine klassische Sozialreportage. Bei mir kamen ganz normale Leute vor, eher das untere Drittel, das nicht so begünstigt worden ist". Aus dem Format entwickelten sich auch die "Liebesg'schichten", da man bei den Recherchen "so viele einsame Menschen" getroffen hat.
Das T in ihrem Namen verdankt sie übrigens Vater Leopold, dessen Deckname Toni war. Als jüdischer Kommunist von den Nationalsozialisten gleich doppelt gefährdet, floh er nach Glasgow, wo Spira am 24. Dezember 1942 zur Welt kam. Am Heiligen Abend rannte sie oft weinend auf die Straße: "Weil das Geld immer knapp war, war meinen Eltern jede Ausrede recht Geschenke zu sparen. Also gab es etwa einen Schi zum Geburtstag und einen zu Weihnachten."
Heuer feiert sie ihren 70er - ohne Tränen, ohne Pläne, denn "Pläne verstopfen die Zukunft, also lebe ich planlos."
Christoph Steiner in der Kleinen Zeitung 2012.
Die Gestalterin der ORF-Sendereihen "Alltagsgeschichte" und "Liebesg'schichten und Heiratssachen" wurde am 24. Dezember 1942 in Glasgow als Kind jüdischer Emigranten geboren. 1946 übersiedelte sie mit ihrer Familie nach Wien und absolvierte nach dem Besuch der Volks- und Mittelschule in Wien das Studium der Publizistik an der Universität Wien. Nebenbei sammelte die promovierte Publizistin bei diversen Tageszeitungen und Zeitschriften journalistische Erfahrung. Unter anderem war sie 1972 als Redakteurin bei der Wochenzeitschrift "profil" tätig.
Seit 1973 gestaltet sie für den ORF zahlreiche Magazinbeiträge und Dokumentationen, so zeichnete sie unter anderem für die Sendung "teleobjektiv" verantwortlich.
In der ORF-Kultur ist Elizabeth T. Spira seit 1989 beschäftigt. Seit 1985 gestaltet sie die Dokumentarfilm-Reihe "Alltagsgeschichte", seit 1997 "Liebesg'schichten und Heiratssachen".
Zahlreiche Auszeichnungen...
orf.at 2012.
Weihnachten ist nicht umzubringen. Es gibt uns Antwort auf unsere tiefe Sehnsucht nach Sinn und Geborgenheit: Jesus Christus ist als Licht in die Welt gekommen, das unser Leben hell macht.
Nicht wenige Menschen scheuen es, den Geburtstag zu feiern, sobald sie älter werden. Dieser Tag erinnert sie daran, dass die Lebensuhr immer lauter tickt. Mir ist es aber wichtig, zumindest die runden Geburtstage mir lieber Menschen gebührend zu feiern. Wie sonst hätte ich Gelegenheit, meine Dankbarkeit, dass es diesen Menschen gibt, zu zeigen und spüren zu lassen.
Gerne erinnere ich mich an meinen 50. Geburtstag. Da bin ich um 5 Uhr aufgestanden, weil auf meiner Geburtsurkunde vermerkt ist, dass ich um 5 Uhr auf die Welt gekommen sei. Diesen Moment wollt ich ganz bewusst erleben. Als es so weit war, wurde ich von einem tiefen Gefühl der Dankbarkeit überwältigt; Dankbarkeit, dass ich leben darf, Dankbarkeit für meine Familie, Dankbarkeit für alles, was ich bis dahin erleben durfte.
Am 25. Dezember feiern wir den Geburtstag Jesu. Obwohl wir nicht wissen, an welchem Tag und in welchem Jahr Jesus von Nazareth geboren worden ist, ist sein Geburtsfest zu einem der größten Feiertage des Jahreskreislaufs geworden. Ich halte es für wichtig, dass wir diesen Tag ausgiebig feiern. Wann sonst hätten wir Gelegenheit, unsere Dankbarkeit für diesen großartigen Menschen auszudrücken! Jesus von Nazareth hat die Menschheitsgeschichte wie kein anderer positiv mitgestaltet. Und das gehört gefeiert.
Für gläubige Christen bedeutet Jesus von Nazareth aber noch weit mehr, als dass er großartiger Mensch war. Am 25. Dezember wurde im antiken Rom das Fest des Jupiter sol invictus gefeiert; ein Sonnwendfest: Jupiter, die höchste römische Gottheit ist die unbesiegte Sonne. Christen haben sich bald gesagt: Für uns ist Jesus Christus das Licht, das stärker ist als jede Finsternis. Es leuchtet heller als die Sonne. Nicht einmal die grausamste Art der Hinrichtung konnte ihn auslöschen. Weihnachten ist der Tag, an dem wir in die ganze Welt hineinrufen: "In ihm ist das Leben und das Leben ist das Licht der Menschen." (vgl. Joh 1,4). Dieses Licht leuchtet auch heute in der Finsternis und keine Finsternis kann dieses Licht überwältigen.
In den Medien ist es üblich geworden, von Politikern aufgestellte Behauptungen einem Faktencheck zu unterziehen. Kann man das wirklich behaupten, dass Christus das Licht ist?
Die letzten Wochen waren durchflutet von weihnachtlichem Licht. Viele Häuser waren geschmückt mit Weihnachtsbäumen und Lichterketten und die Einkaufsstraßen glitzerten in ihrer besonderen Beleuchtung. Für mich symbolisieren diese Lichter den Wohlstand, dass es uns trotz vieler Probleme im Großen und Ganzen gut geht. Es geht uns sogar so gut, dass wir auch an jene denken und ihnen helfen, denen es aus irgendeinem Grund nicht gut genug geht. Gibt es darüber hinaus noch etwas, das unser Leben heller machen kann als das, was die Menschheit in unserer Zeit erreicht hat? Braucht es da noch das Licht, von dem das Evangelium spricht? Braucht es in dieser Welt noch Christus als Licht?
Zu Weihnachten zelebrieren wir die schönen Seiten des Lebens. Das ist gut und richtig. Zugleich dürfen wir uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Errungenschaften auch ständig bedroht sind. Denken wir an die Kriege, die derzeit geführt werden, und die Gefahr, dass sie sich zu einem Weltenbrand ausweiten. Und es gibt viele Ecken und Enden der Erde, in denen das Licht der Menschenwürde und sozialer Gerechtigkeit noch nicht angekommen ist. Demokratie, Freiheit und soziale Sicherheit sind sogar mitten in Europa in Gefahr, ausgehöhlt und untergraben zu werden.
Das alljährliche Weihnachtenfeiern führt uns auch im persönlichen Umfeld vor Augen, wie zerbrechlich unsere Lebensfreude letztendlich ist. Viele strengen sich an, dass es ein schönes, harmonisches Fest wird: Friede, Begegnung, Zeit für einander... Trotz der vielen Geschenke bleiben viele Wünsche unerfüllt. Wir stoßen an unsere eigenen Grenzen, wenn wir selbst uns gegenseitig Licht sein wollen. Woher nehmen wir ausreichend Energie für dieses Licht?
Das Evangelium führt uns an den Anfang der Schöpfung. In der biblischen Schöpfungserzählung heißt es: "Gott sprach: Es werde Licht. Und es ward Licht." (Gen 1,3). Sie will damit sagen: Licht und Leben kommen von Gott her. Die Lebensenergie, die in diesem wirkmächtigen Wort Gottes zum Ausdruck kommt, ist die treibende Kraft des ganzen Kosmos. In Jesus Christus hat die Weisheit und Kraft Gottes menschliche Gestalt angenommen, ist Fleisch geworden. An seinem Lebensbeispiel sehen wir, wie auch wir für einander zum Licht werden können.
Weihnachten ist nicht umzubringen. Davon bin ich fest überzeugt. Denn in diesem Fest geht es nicht nur um den Geburtstag eines großartigen Menschen. In diesem Fest feiern wir unsere Freude am Leben und an der ganzen Schöpfung. Dieses Fest lässt uns den tieferen Sinn unserer eigenen Existenz erahnen. Und dieser Sinn ist stärker als alle Unsinnigkeiten, die unser Leben bedrohen und oft genug verfinstern.
An diesem Tag möchte ich Gott danken für den großartigen Menschen Jesus von Nazareth und für Jesus Christus, das Licht, das in ihm menschliche Gestalt angenommen und die Welt hell gemacht hat.
Die Stimmung des eigentlichen Weihnachtsfeiertages ist ganz anders als die der Zeit davor. Im Gottesdienst des 25. Dezember wird meditiert, was durch die Menschwerdung Jesu neu geworden ist. Johannes beschreibt dies im Prolog seines Evangeliums mit den Begriffen Wort (logos), Licht und Fleisch.
Wäre da nicht der große Christbaum und die Weihnachtskrippe, könnten beim einen oder anderen Zweifel aufkommen, ob das jetzt ein Weihnachtsgottesdienst ist. Die Lesungen aus der Heiligen Schrift, die wir eben gehört haben, enthalten nichts von der weihnachtlichen Romantik, die uns seit Wochen begleitet hat. Am 25. Dezember ist Ruhe eingekehrt nach den lauten Wochen vor dem Fest.
Für die Geschäftswelt beginnt Weihnachten schon Mitte November und endet schlagartig am 24. Dezember um Mittag. Die Firmen und Vereine halten in den Dezembertagen vor dem 24. Ihre Weihnachtsfeiern. Der Heilige Abend am 24. Dezember gehört den Familien. Und die katholische Liturgie sieht gleich vier Weihnachtsgottesdienste vor: »am Vorabend«, oft als Kindergottesdienst gefeiert, damit das Christkind inzwischen die Wohnung herrichten kann, »in der Nacht« als Christmette, »am Morgen« das »Hirtenamt« für die Frühaufsteher und schließlich der Festgottesdienst »am Tag«. Der Höhepunkt ist traditionellerweise um Mitternacht, denn "die Mitte des Tages ist der Beginn eines neuen Tages". Das Weihnachtsevangelium von der ergebnislosen Herbergsuche, der Geburt im Stall mit der Krippe und den Hirten, wie es alle von Kindheit an kennen, wird nur beim Gottesdienst »in der Nacht« vorgetragen.
Was bleibt da noch zu feiern am Weihnachtstag selbst, den wir heute am 25. Dezember begehen? Als Evangelium haben wir den Prolog des Johannesevangeliums gehört. Dieser klingt zwar feierlich, entbehrt aber jede Romantik. Die Ereignisse, die Matthäus und Lukas in symbolgeladenen und bedeutungsschwangeren Erzählungen schildern, bringt Johannes in einem feierlichen hymnusartigen Text zum Ausdruck. Bei genauem Hinhören entdecken wir Weihnachten in einem ganz anderen Ton. Er fasst zusammen, was wir in den Tagen und Wochen zuvor in verschiedenen Facetten ausgekostet haben. Johannes lädt ein zum Meditieren und Weiterdenken, wie die Menschwerdung Jesu unsere Welt und unser Leben verändert hat; so grundlegend verändert hat, dass die Christen von da an eine neue Zeitrechnung begonnen haben.
Was ist mit der Geburt Jesu anders geworden? – Drei Begriffe dominieren diesen Text: Wort (griechisch »logos«), Licht und Fleisch.
Der Begriff »logos« schillert in allen Farben. Er kann mit Wort, Geist oder auch Sinn übersetzt werden. Jede dieser Übersetzungen trifft nur einen Teil des in »logos« Enthaltenen. Es geht um den Sinngehalt des gesamten Kosmos, der ganzen Schöpfung, und ist untrennbar mit dem verbunden, was wir mit dem Wort »Gott« verbinden.
Mit der Geburt Jesu offenbart Gott den tieferen Sinn der Schöpfung, des gesamten Daseins. Mit der Geburt Jesu ist der vom Schöpfer hineingelegte Sinn erkennbar und sichtbar geworden.
Ein zweiter zentraler Begriff ist »Licht«. In der Schöpfungserzählung erschafft Gott das Licht mit den Worten "Es werde Licht". Das Licht überwindet die Finsternis, die über der noch zu erschaffenden Welt lag.
Mit Jesus kommt das Licht in menschlicher Gestalt in die Welt. Dieses Licht erhellt das Leben aller, die ihn aufnehmen und bereit sind, Kinder Gottes zu werden.
Schließlich betont der Evangelist, dass dieser unfassbare und unbegreifbare Logos »Fleisch« wird, sichtbar, erfahrbar, anfassbar, angreifbar. "Und das Wort ist Fleisch geworden"...
"Liebe geht durch den Magen", sagen wir. Liebe muss körperlich spürbar, erfahrbar werden, sie muss auch die leibhafte Seite des Lebens einschließen. Der Logos, der Sinn, der Geist, nimmt Fleisch an, wird leibhaft sichtbar, spürbar, Gott wird greifbar.
Wir feiern Weihnachten als rauschendes Fest, viele Wochen hindurch, mit vielen Facetten. "Am Tag danach" werden wir uns bewusst, von welch großem Ereignis wir uns haben mitreißen lassen. Danken wir Gott für alle Nuancen und Dimensionen, die dieses Fest uns bietet. Und vergessen wir nicht, Gott für den Sinn und den Geist, den unser Leben durch die Menschwerdung Jesu bekommen hat, zu danken.
Oft fragen wir, "wer bin ich eigentlich?" oder "was ist der Mensch?" In Weihnachten feiern wir die Menschwerdung Gottes und damit sehen wir den Menschen von Gott wertgeschätzt.
Was ist der Mensch? Wer sind wir selber? Man mag versucht sein, spontan zu denken: was soll so eine Frage? Nichts ist doch klarer als das. Der Mensch ist, was wir selber sind; das, was jede und jeden von uns zu etwas ganz Persönlichem und Einmaligem macht. Nichts ist uns vertrauter und bekannter als wir uns selbst.
Und dennoch fragen wir immer wieder: wer bin ich eigentlich? Wie weit bin ich so, wie ich es selber gerne sein möchte? Warum ist mein Leben gerade so verlaufen und nicht ganz anders? Warum gibt es in meinem Leben so viele Ungewissheiten und gerate ich in Situationen, die ich unbedingt hätte vermeiden wollen? Wie kann es geschehen, dass ich manchmal sogar vor mir selber erschrecke? Wir sind uns selber immer auch ein ganzes Stück weit fremd und ein Rätsel.
Ähnlich ergeht es uns mit den Mitmenschen. Da gibt es welche, von denen wir meinen: die kenne ich durch und durch; die können mir nichts mehr vormachen. Und dennoch geschieht es immer wieder, dass wir gerade von einem solchen Menschen sagen müssen: der hat mich jetzt total überrascht. Alles hätte ich von dem erwartet; nur nicht das. Gegenseitige Vertrautheit und Übereinstimmung sind nie garantiert. Deshalb geschieht es immer wieder, dass gerade auch Menschen auseinander gehen, die einander sehr nahe gestanden sind und sich bis ins Intimste hinein gekannt hatten.
Umgekehrt kann es geschehen, dass Menschen, die auf Distanz zueinander gegangen sind, vielleicht sogar nichts mehr voneinander wissen wollten, doch plötzlich wieder Zeichen von Verbundenheit austauschen. Es kann geschehen, dass Menschen, die einander abgeschrieben hatten, doch wieder zueinander finden und sich versöhnen.
Was ist der Mensch? Wer sind wir selber? Offenbar ist es nicht so einfach, eine griffige Antwort zu finden. Der Mensch ist sich selber gleichzeitig vertraut und unvertraut; er steht in Übereinstimmung mit sich selbst und ist sich doch ein Stück weit fremd. Wir sind uns gegenseitig zugleich nahe und entfernt, einander zugetan und abgewandt; wir leben innigste Gemeinschaft und erleben ebenfalls lähmende Einsamkeit.
Diese seltsamen Spannungen führen oft zu einem Gefühl von Ungewissheit. Sie vermitteln den Eindruck, wir Menschen seien unentwegt auf der Suche nach etwas, das wir nie ganz einholen können. Sie vermitteln den Eindruck, unser Leben sei und verbleibe in der Schwebe zwischen Gelingen und Misslingen und nie würden wir ganz verwirklichen können, was für uns das Wichtigste ist: wir möchten ganz Mensch, wir möchten ganz uns selber werden. Aber genau das können wir offensichtlich allein aus uns heraus nicht.
Wir können es. Wir können es ganz und gar trotz aller Spannungen und Ängste und offenen Fragen. Genau dafür steht das Fest, das wir heute feiern. Es ist ja das Fest der Menschwerdung. Weihnachten verkündet in seinem christlichen Kern nur eines: In Jesus ist Gott selber ganz Mensch geworden, damit unser Menschsein ganz gelingen kann. Das geschieht allerdings auf eine Weise, die unsere menschlichen Horizonte aufsprengt.
Mit Jesus wird der Gott Mensch, von dem das Evangelium sagt, er sei das Wort, das von Anfang an bei Gott war und durch das alles erschaffen wurde. Mit Jesus wird also der Gott Mensch, der Ursprung und Fundament ist von allem.
Mit Jesus wird der Gott Mensch, von dem das Evangelium sagt, er sei das Licht, das in jede Finsternis hinein leuchtet. Mit Jesus wird also der Gott Mensch, der all das überwindet, was dunkel, böse und verfehlt ist in unserem Leben.
Mit Jesus wird der Gott Mensch, von dem das Evangelium sagt, er gebe allen, die ihn aufnehmen, Macht, Kinder Gottes zu werden. Mit Jesus wird also der Gott Mensch, der uns Menschen als seinesgleichen annehmen und zu einer Vollendung führen will, die alles übersteigt, was wir uns vorstellen können.
Wenn es so ist, dann muss doch Gott selber vom Menschen unendlich groß denken. Der Mensch muss dann für Gott so kostbar sein, dass eben er selber Mensch wird, dass er selber sich zu dem macht, was wir Menschen sind und immer mehr und besser sein möchten.
Wenn es so ist, dann dürfen wir unser Leben voll Vertrauen in die Hand dieses Gottes legen. Wenn Gott selber Mensch wird, dann laufen wir mit unseren Erwartungen und offenen Fragen nicht ins Leere. Wenn Gott selber Mensch wird, dann bleiben die Ungereimtheiten und Spannungen unseres Lebens nicht in der Schwebe dauernder Ungewissheit. Wenn Gott selber Mensch wird, dann ist alles, was unser menschliches Leben mit sich bringt, gerade auch das, was wir nie ganz zusammenbringen, von ihm angenommen und bejaht und deshalb auf einem Weg, der zu Gelingen und Glück führen kann. Gottes Menschwerdung ermöglicht es uns, dass wir selber ganz Mensch werden können, dass wir ja sagen können zu uns selbst und unserem ganzen Leben trotz allem, was es an Begrenzungen, an Brüchen und Abgründen geben mag.
An Weihnachten dürfen wir darum dankbar aus dem Glauben heraus das bekennen, womit das heutige Evangelium schließt: „Wir haben Gottes Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit“.
Können wir angesichts so vieler unverschuldeter Not und so vielen Elends an einen Gott glauben, dem das Schicksal der Menschen nicht gleichgültig ist? Gott ist in Jesus Mensch geworden und hat sich wehrlos mitten in eine Welt hineinbegeben, in der unschuldige Menschen getötet werden. Das Licht von Bethlehem – unscheinbar und verletzlich – leuchtet uns.
Ich erinnere mich gut an ein Gespräch mit einem Patienten in der zweiten Adventswoche. Ich hatte zuvor einen anderen Patienten besucht und ihn dann begrüßt. Er hat einiges erzählt und den Besuch und das Gespräch hat er gerne angenommen. Dann nahm das Gespräch jedoch eine überraschende Wendung. Sehr freundlich sagte der Mann zu mir: Wissen Sie, zur Kirche komme ich nicht mehr und glauben, glauben kann ich auch nicht mehr.
Ich fragte zunächst was den passiert sei, dass es so gekommen sei, ob er sich über die Kirche oder auch über einzelne Mitarbeiter geärgert habe. Veränderte Strukturen, abgelehnte Gottesdienste oder auch andere Vorkommnisse bilden immer wieder ein Ärgernis, nach dem Menschen sich abwenden. Sie lehnen dann häufig die Kirche, aber nicht Gott selber ab.
Aber darum ging es nicht!
Sehr klar sagte der Patient, er könne und möchte nicht mehr an einen Gott glauben, wenn er all die Not und all das Elend in der Welt sieht. Die Kinder und alten Leute, die in den Kriegen in Syrien, in der Stadt Allepo sterben, die Opfer von Terroranschlägen, die Kinder die Weltweit verhungern. Hinzu kommen dann noch die Opfer der Naturkatastrophen. Wenn er all das sehe und erlebe könne er nicht mehr an Gott glauben, schon gar nicht daran, dass es einen guten Gott geben solle.
Meine erste Frage, oder auch mein erster Einwand waren, dass doch vieles von dem was auf dieser Welt geschieht von Menschen gemacht ist, dass doch wir es sind, die vieles verursachen. Der Mensch ist es der tötet, der Bomben wirft und die Erde zerstört. Können wir dann so einfach hingehen und Gott die Verantwortung in die Schuhe schieben?
Er ließ meinen Einwand so nicht gelten, auch wenn er zustimmte, dass viel Leid von Menschen verursacht ist. Aber, so erklärte er weiter, es sterben Kinder und mit den Kindern auch viele Menschen, die nichts für all diese Missstände können, die nichts davon entschieden haben, sondern einfach all den Dingen ausgeliefert sind, sich nicht wehren können und sterben.
An dieser Stelle wurde ich langsam einsilbiger in unserem Gespräch, habe noch etwas von der Freiheit des Menschen erzählt, die Gott achtet und die wir alle wollen, die aber eben auch Böses hervorbringen kann.
Aber war das wirklich eine Antwort auf sein Erleben und seine Enttäuschung. Er hat dabei ja noch nicht einmal etwas über seine persönliche Situation und seine Krankheit erzählt oder darüber geklagt. Es ging ihm also nicht um ihn selber, sondern um den anderen, um den leidenden Menschen heute, hier und weltweit.
Und hat er nicht auch Recht! Denke ich nicht auch oft: Sieht er denn nicht was passiert, sieht er nicht wie viele Menschen auch guten Willens an diesen grausamen Situationen nichts verändern können? Sieht er nicht die Not, aber eben auch den guten Willen vieler Menschen? Warum greift er nicht sichtbar und spürbar ein? Ist Gott so wenig mitfühlend oder ist er so ohnmächtig? - Oder?
Wir feiern Weihnachten. Wenn nicht alles mit Geschenken und gutem Essen überlagert, wird feiern wir, dass Gott Mensch wurde. Mensch mit allen Konsequenzen. Geboren als kleines Kind, ausgeliefert den Mächten seiner Zeit und schon als Kind nur knapp einem Anschlag entgangen. Schon damals starben Menschen unschuldig. Als Kind wehrlos und als Erwachsener weigerte er sich vor Pilatus, sich Legionen von Engeln schicken zu lassen, die einmal richtig aufräumen sollten.
Er bleibt Mensch, und seine Göttlichkeit nimmt nichts davon von ihm weg. Er leidet bis zur absoluten Verzweiflung. Er zerbricht auch an Gott, weil er sich im Stich gelassen fühlt. Er nimmt die schwersten und dunkelsten Seiten unseres Lebens in sich auf. Das hat er sich nicht ausgesucht, das hat das Leben mit ihm zugemutet.
Hier vorne brennt ein kleines Licht. Es ist verletzlich, ein leiser Windstoß, eine Unachtsamtkeit und es brennt nicht mehr. Es kommt aus einer der gefährlichsten Krisenregionen der Erde hier zu uns in unsere Kapelle, weil Menschen dieses kleine Licht aus Bethlehem bis hierher bringen wollten.
Dem Patienten konnte ich nur sagen, es gibt keine gute Antwort auf das viele sinnlose Leid in der Welt. Wir können nur darauf vertrauen, dass Gott es mit den Menschen trägt und dass es bei allem Bösen in dieser Welt immer auch Menschen guten Willens gibt, die als Christen, die als Gutmenschen eher eine Kerze entzünden, als alles so zu lassen wie es ist.
Mehr nicht – und doch so viel.
Weihnachten ist ein Fest der Freude, weil Gott uns liebt. Er hat Fleisch angenommen, um uns berühren zu können.
"Gnädig und barmherzig ist der Herr, reich an Huld und Gnade." Dieses Psalmwort erfüllt sich heute. Heute, feiern wir den barmherzigen Gott im Kind von Bethlehem. „Sehet doch da, Gott will so freundlich und nah zu den Verlornen sich kehren!“
Wie geschieht das? So wie es Menschen tun, wenn sie miteinander in Beziehung kommen wollen, macht es Jesus der menschgewordene Gott. Wenn wir jemand lieben, gehen wir auf die Person zu und blicken sie an.
Jesus geht auf uns zu und blickt uns an. Warum er die Liebesgemeinschaft der Dreifaltigkeit verlässt, um bei uns zu sein, bleibt ein Geheimnis. Der Hl. Alfons meint: „Gott kann von niemand beherrscht werden, die Liebe aber hat ihn überwältigt. Sie hat ihn besiegt, so dass er unser Bruder geworden ist!“ Oder ging es Jesus so, wie es uns geht, wenn wir eine Person sympathisch finden: dann fühlen wir uns angezogen, sind fasziniert von der Ausstrahlung und Schönheit des anderen. Das lässt das Negative vergessen, wir nehmen es nicht wahr. Wir dürfen wohl sagen: Jesus fand an uns Menschen so viel Attraktives, soviel Schönes und Ausstrahlendes und Liebenswertes, dass es ihn wie magnetisierte, dass er sich anziehen ließ von uns trotz unserer Fehler und Sünden. Ja, mit dieser Liebe blickt Jesus uns in die Augen. Heute gesteht er uns: „Du Mensch, ich habe eine Schwäche für Dich! In der Schwäche des Kindes komme ich wehrlos schwach - und will so alles für Dich sein!“
Das menschgewordene Gotteskind kann heute nicht sprechen. Es ist hilflos, klein, der Sprache nicht mächtig. Doch das Kind in seiner Schwäche spricht wortlos eine gewaltige Sprache, ein lautes Wort der Hoffnung und des Lebens. Ein kleines Kind ist immer Frohbotschaft und dieses Christkind ist die Gute Nachricht. Es ist das schönste und letzte Wort, das Gott zu uns Menschen spricht: „Du Mensch, ich liebe Dich! Verlass Dich auf meine Barmherzigkeit!“ Anstelle des Gotteskindes spricht es heute der Engel: „Seht, ich künde euch eine große Freude, heute ist Euch in der Davidstadt der Retter geboren, Christus, der Herr!“
Als ich mich in einer Familie verabschiedete, wollte der vierjährige auf den Arm genommen werden und mich drücken. Auch wir Erwachsene umarmen uns, und es tut gut. Die heilige Hildegard von Bingen sagt: Die Menschwerdung Gottes ist die mütterliche Umarmung Gottes für uns! Maria, Josef und die Hirten berührten dieses Kind. Im Glauben erschlossen sie sich dem tieferen, unbegreiflichen Geheimnis: in dieser Kinderhand berühren wir Gottes Hand. In diesen schwachen Kinderarmen ist Gott zum Greifen nahe, Gott zum Anfassen; es berührt uns, umarmt uns als der zärtlich-barmherzige, Gott.
Liebe Schwestern und Brüder, „Seid Barmherzig wie der Vater!“ Dieses Jesuswort erfüllt sich heute. Jeder, der einsam ist, vom Leben gebeutelt, den die Sorgen drücken: Er darf wissen, er hat einen Freund, einen guten, treuen, zärtlichen und vor allem barmherzigen Vaters. Das Fleisch gewordene Wort, der Sohn, berührt uns heute in der heiligen Kommunion; er lässt das Herz höher schlagen, er verwandelt uns und stiftet Gemeinschaft zwischen sich und Dir und zwischen Dir und den Schwestern und Brüdern.
Liebe Schwestern und Brüder, Und das Wort der Barmherzigkeit des Vater ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt! Christ der Retter ist da!
Krippenfiguren repräsentieren nicht nur die Geschichte von der Geburt Jesu. Sie repräsentieren Menschen in besonderen Lebenssituationen. Das Kind in der Krippe repräsentiert die Familie, die bald aufbrechen und flüchten wird, um ihr Leben in Sicherheit zu bringen. Es repräsentiert aber auch die Absurdität Gottes, der Mensch wird, weil er uns liebt.
Zu den Traditionen meiner Familie gehört, dass jeder Familienzweig eine eigene Familienkrippe hat. Auch meine Eltern haben mit meiner Geburt begonnen, sich eine Familienkrippe aufzubauen. Jedes Jahr kamen neue Figuren dazu. Im Prinzip sieht so die Krippe im Wohnzimmer seit Jahren gleich aus. Erst später habe ich begriffen, dass die verschiedenen Figurengruppen nicht nur eine Nacherzählung biblischer Ereignisse sind, sondern bis heute reale Lebenssituationen von Menschen widerspiegeln.
Zu dieser Figurengruppe gehören die 3 Weisen aus dem Morgenland. Sterndeuter, die die Hl. Schriften anderer Völker studiert und die Sterne am Himmel beobachtet haben. Diese Studien haben sie zum Schluss gebracht: ein neuer König wird geboren. Aber dieser König ist etwas so Besonderes, dass seine Geburt sogar von den Sternen des Himmels angekündigt wird. Sie werden neugierig und machen sich auf den Weg, um dieses Kind zu suchen. Unterwegs erkundigen sie sich bei Herodes, wo dieser neue König geboren wird.
Damit lösen sie eine Kette von schrecklichen und nicht mehr zu kontrollierenden Ereignissen aus. Aus Angst vor einem Konkurrenten befiehlt König Herodes einen barbarischen staatlich gelenkten Terrorakt: jede männliche Erstgeburt bis zum Alter von zwei Jahren muss getötet werden. Wie viele Eltern mit ihren Kindern daraufhin die Flucht ergriffen, wissen wir nicht. Auf jeden Fall macht sich die Hl. Familie mit dem Jesuskind auf die Flucht nach Ägypten. Dort bleiben sie, bis sich die politischen Verhältnisse (modern gesprochen: die Fluchtursachen) geändert haben. Dann kehren sie in ihre Heimat zu ihren Familien, Freunden und ihrer Arbeit zurück.
Mein Blick wandert dann zum Jesuskind in der Mitte. Links und rechts stehen Maria und Josef. Mein Glaube sagt mir: in diesem Kind im Stall ist Gott selbst Mensch geworden. Opfer von Macht und Terror zu werden, flüchten zu müssen, Angst um sein Leben zu haben ist nicht nur das Schicksal von Millionen Menschen unserer Tage. Es ist ein Schicksal, das Gott selbst durchlitten hat, als er auf Erden lebte. Wenn ich in die Augen des Jesuskindes blicke, dann blicke ich auch in die Augen der Flüchtenden unserer Zeit. Das hilft mir, den gegenwärtigen Flüchtlingsstrom mit anderen Augen zu sehen. Es sind in diesem Jahr nicht nur Hirten und Sterndeuter, die ich im Stall in Bethlehem sehe. Es sind auch die vielen Flüchtlinge, die zu einem Kind kommen, das ihr Schicksal geteilt hat.
Beim Blick in die Krippe sehe ich aber nicht nur die globalen Probleme unserer Zeit. Gott ist auch für mich ganz persönlich Mensch geworden. Seit ich Pfarrer bin und damit einen eigenen Pfarrhaushalt führe, lebe ich mit Hunden zusammen. Ich mag diese Tiere einfach und freue mich über ihre Gesellschaft und ihre hohe soziale Kompetenz. Obwohl ich meine Hunde wirklich gerne mag, bin ich noch nie auf die Idee gekommen: wie wäre es, wenn Du selbst einmal ein Hund wärest? Du könntest auf derselben Ebene wie sie stehen. Du könnest verstehen, wie sie denken und was sie sagen wollen. Du könntest ihnen auch viel besser beibringen, was du eigentlich von ihnen willst. Es ist eine absurde Vorstellung: so gerne ich meine Hunde habe, ich würde niemals meinen Habitus als Mensch aufgeben, um in einer niederen Lebensform - z.B. als Hund - zu leben.
Heute feiern wir diese Absurdität. Gott liebt mich so sehr, dass er nicht daran festhielt Gott zu bleiben, sondern sich entäußerte und Mensch wurde. (Phil 2). Das ist für mich das größte Wunder meines Glaubens, auch wenn ich als Theologe natürlich weiß: Das Licht in der Krippe ist die Sonne des Ostermorgens. Ich feiere deshalb Weihnachten, weil Christus von den Toten auferstanden ist. Gott hält an der Überlegenheit seines Gott-Seins nicht fest, sondern wird Mensch wie Du und ich. Weil er mich liebt. Weil er mir nahe sein will. Weil er mich verstehen möchte. Weil er mir das, was er von mir möchte so sagen will, dass ich es verstehen kann.
Diese tiefe Liebe Gottes zu mir berührt mich jedes Jahr aufs Neue. Gott ist nicht der ferne Gott, weit weg von meinem Leben, uninteressiert am persönlichen Schicksal des Einzelnen. Im Gegenteil: gerade das persönliche Lebensgeschick interessiert ihn. Er ist deshalb Mensch geworden, um daran Anteil zu nehmen. Er will sich mit mir freuen, an meinem Leid Anteil nehmen und mich dann tragen, wenn ich allein zu schwach bin, aufrecht durchs Leben zu gehen. Bis hin zu jenem Augenblick meines Lebens, in dem mich die Nacht des Todes umschließen wird: dann wird er mich auffangen und in die Herrlichkeit des Paradieses tragen.
Die Krippe ist nicht nur niedliches Beiwerk zum Fest, nicht nur eine Familientradition. In ihr spiegelt sich das Menschheitsdrama damals und heute wider. Sie ist aber auch ein Bild voller Zuversicht und Hoffnung: Gott wird Mensch, weil er mich liebt, damit mein Leben gelingt und selbst der Tod mich nicht vernichtet, sondern der Übergang zu einem neuen Leben ist. Deshalb singe ich gerne an diesem Weihnachtsfest: Christ, der Retter, ist da!
„Seid Barmherzig wie der Vater!“ Dieses Jesuswort erfüllt sich in der Geburt Jesu. Das Wort der Barmherzigkeit des Vaters ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.
"Gnädig und barmherzig ist der Herr, reich an Huld und Gnade." Dieses Psalmwort erfüllt sich heute. Heute, im Jubiläumsjahr. feiern wir den barmherzigen Gott für uns im Kind von Bethlehem. „Sehet doch da, Gott will so freundlich und nah zu den Verlornen sich kehren!“ Der barmherzige Gott, wie wir ihn jetzt im Jubiläumsjahr entdecken, begegnet uns im Christkind ganz und gar menschlich. So wie es wir Menschen machen, tut es Jesus. Wenn wir Menschen jemand lieben, gehen wir auf die Person zu und blicken sie an.
Jesus will mit uns in Beziehung kommen, er geht auf uns zu und blickt uns an; Warum er die Liebesgemeinschaft der Dreifaltigkeit verlässt, um bei uns zu sein, bleibt uns ein Geheimnis. Der Hl. Alfons meint: „Gott kann von niemand beherrscht werden, die Liebe aber hat ihn überwältigt. Sie hat ihn besiegt, so dass er unser Bruder geworden ist!“ Oder ging es Jesus so, wie es uns geht, wenn wir eine Person sympathisch finden: dann fühlen wir uns angezogen, sind fasziniert von der Ausstrahlung und Schönheit des anderen. Das lässt das Negative vergessen, wir nehmen es nicht wahr. Wir dürfen wohl sagen: Jesus fand an uns Menschen so viel Attraktives, soviel Schönes und Ausstrahlendes und Liebenswertes, dass es ihn wie magnetisierte, dass er sich anziehen ließ von uns trotz unserer Fehler und Sünden. Mit dieser Liebe blickt Jesus uns in die Augen. Heute gesteht er uns: „Du Mensch, ich habe eine Schwäche für Dich! Ich habe eine Schwäche für Dich, ja in der Schwäche des Kindes komme ich wehrlos schwach - und will so alles für Dich sein!“ Wer liebt, spricht Worte der Zuneigung Das menschgewordene Gotteskind kann heute nicht sprechen. Es ist hilflos, klein, der Sprache nicht mächtig. Doch das Kind in seiner Schwäche - wortlos spricht es eine gewaltige Sprache, ein lautes Wort der Hoffnung und des Lebens. Ein kleines Kind ist immer Frohbotschaft und dieses Christkind ist die Gute Nachricht. Es ist das schönste und letzte Wort, das Gott zu uns Menschen spricht: „Du Mensch, Du, ich liebe Dich! Mensch, ich habe eine Schwäche für Dich! Verlass Dich auf meine Barmherzigkeit!“ Anstelle des Gotteskindes spricht es heute der Engel: „Seht, ich künde euch eine große Freude, heute ist Euch in der Davidstadt der Retter geboren, Christus, der Herr!“
Als ich mich von einer Familie verabschiedete, wollte der Vierjährige auf den Arm genommen werden und mich drücken. Auch wir Erwachsene umarmen uns - und es tut gut. Die heilige Hildegard von Bingen sagt: Die Menschwerdung Gottes ist die mütterliche Umarmung Gottes für uns! Maria, Josef und die Hirten berührten dieses Kind. Im Glauben erschlossen sie sich dem tieferen, unbegreiflichen Geheimnis: in dieser Kinderhand berühren wir Gottes Hand. In diesen schwachen Kinderarmen ist Gott zum Greifen nahe, Gott zum Anfassen; es berührt uns, umarmt uns als der zärtlich-barmherzige, Gott.
Liebe Schwestern und Brüder, „Seid Barmherzig wie der Vater!“ Dieses Jesuswort erfüllt sich heute. Jeder, der einsam ist, vom Leben gebeutelt, den die Sorgen drücken: Er darf wissen, er hat einen Freund, einen guten, treuen, zärtlichen und vor allem barmherzigen Vaters. Das Fleisch gewordene Wort, der Sohn, berührt uns heute in der heiligen Kommunion - er lässt Dein Herz höher schlagen, er verwandelt uns und stiftet Gemeinschaft zwischen sich und Dir und zwischen Dir und den Schwestern und Brüdern.
Und das Wort der Barmherzigkeit des Vaters ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt! Preisen wir Gott dafür!
Weihnachten ist ein Fest voller Spannungen. Nach den intensiven und oft anstrengenden Vorbereitungen liegen nicht selten die Nerven vieler blank. Irgendwie erhoffen und erwünschen sich die meisten Menschen ein harmonisches Fest der Begegnung, der Freude und der Geborgenheit. Dabei haben wir meist Erfahrungen vor Augen, wie es früher einmal war oder wie wir es als Kinder erlebt haben. Und dann die Erfahrung: Es ist nichts mehr wie früher. Wir sind älter geworden, anspruchsvoller, sensibler, und die Rollenaufteilung "wer tut was" muss neu überlegt werden. Das Fest der Liebe wird so für manche zur Enttäuschung. Ent-täuschungen tun weh, auch wenn sie ihre guten Seiten haben. Gott sei Dank haben die meisten gelernt, Enttäuschungen wegzustecken, für eine Zeitlang wenigstens.
Dass zu Weihnachten Spannungen in der Luft liegen, hat nicht nur psychologische Gründe. Sie sind in diesem überdimensionalen Fest auch theologisch grundgelegt. Dies spiegelt sich in den biblischen Texten wider, die wir in den Weihnachtsgottesdiensten vorlesen. Da werden Dinge zusammengebracht, die weit auseinander liegen und auf den ersten Blick nicht zusammenpassen: Der Größte wird ganz klein, der allmächtige Gott wird ein hilfloses Kind, Engel kommen zu Hirten, unbeschreibliches Licht ist mitten in der Nacht zusehen, Himmel und Erde verbinden sich, Gott wird Mensch, oder wie der Evangelist Johannes es ausdrückt: Der ewige Gott, der alle unsere Vorstellungen von Raum und Zeit übersteigt, wird »Fleisch« am Rande der Welt... "Im Anfang war das Wort..." bis "und das Wort ist Fleisch geworden".
Die Menschwerdung Gottes ist ein so unbegreifliches und unfassbares Ereignis, dass alle Generationen von Christen Versuche unternommen haben, es in Worte zu fassen, die letztlich doch nicht plausibel sind. Menschen, die - wie es der Philosoph Jürgen Habermas von sich behauptet hat - »religiös unmusikalisch« sind, belächeln uns dafür bisweilen.
Mit dem Weihnachtsfest behaupten wir Christen aber, dass sich all diese Gegensätze in Jesus Christus haben vereinigen lassen. Wir sehen darin einen Liebesakt Gottes, der das Hervorbringen des Kosmos noch übertrifft.
Dies ist wohl auch der Grund, warum wir so viele Erfahrungen von Liebe aber auch Hoffnungen und Wünsche aufgrund unerfüllter Liebeserfahrungen hineinprojizieren und uns damit überfordern.
Trotzdem ist es gut, dass wir es nicht billiger geben und uns diesen Spannungen stellen. In der Person Jesu von Nazareth sehen wir, dass Unmögliches möglich ist: "Denn für Gott ist nichts unmöglich" (Lk 1,37).
Weihnachten feiern gibt uns die Kraft, dass wir uns als Menschen nicht nur mit kleinen Stücken zufrieden geben. Wie schnell genügt uns »ein bisschen Frieden, ein bisschen Freude, ein bisschen Wärme, ein bisschen Liebe«. Es ist zwar gut, klein anzufangen, wir sollen aber den Mut haben trotzdem Großes anzustreben. Gott hat in Jesus auch klein angefangen. Dieser Jesus war aber bereit, die ganze Spannung, die in der ganz großen Liebe drinnen liegt, anzunehmen und darin bis zum Äußersten zu gehen. Wir sehen es dargestellt im Kreuz. Er hat uns gezeigt, dass die ganz große Liebe möglich ist und dass solche Liebe sogar den Tod überwindet.
Weihnachten 2014 ist überschattet vom Elend, das religiöse Fanatiker und andere politische Hasardeure in unsere Gegenwart gebracht haben. Einigermaßen hilflos stehen wir den damit zusammenhängenden humanitären Problemen gegenüber. Wenn wir könnten, würden wir uns aus all dem heraushalten und das Glück unseres Wohlstandes genießen. Am liebsten würden wir unsere Augen vor den zahllosen Flüchtlingen verschließen.
Kopfzerbrechen bereiten uns auch die wirtschaftspolitischen Grenzen, an die wir gestoßen sind. Arbeitslosigkeit und Unzufriedenheit vieler gefährden den weltpolitischen wie auch den sozialen Frieden im eigenen Land. - Hat Weihnachten uns dazu etwas zu sagen?
Mir sagt Weihnachten: wir sollen in unseren Lösungsbemühungen nicht zu klein ansetzen. Menschlich sein und mitmenschlich Handeln ist möglich. Die Hoffnungen, die in uns die Frohe Botschaft vom Reich Gottes, dem Reich der Gerechtigkeit, des Friedens und der Barmherzigkeit weckt, sollten wir nicht als Utopie, als unerfüllbare Phantasie beiseite legen. Die Weihnachtsbotschaft macht uns Mut, groß zu denken und uns nicht mit halbherzigen Lösungen zufrieden geben. Die Richtung weist uns die Menschenfreundlichkeit Gottes und die Kraft gibt uns der Glaube an die Liebe Gottes, die uns befähigt, die Grenzen, die wir uns selbst setzen, zu überwinden.
Zugleich warnt uns die Weihnachtsbotschaft vor der Versuchung, dieses Reich Gottes aus eigener Kraft selbst bauen und machen zu wollen. Jesus ist gekommen, um das Reich Gottes anzukündigen. Er hat uns auf die Spuren des Wirkens Gottes in unserer Welt hingewiesen. Das Reich Gottes wächst, wo wir dem Geist Gottes Raum geben und in uns aufnehmen: "Allen die ihn aufnahmen, gab er die Macht Kinder Gottes zu werden", als Kinder Gottes zu denken, zu handeln und die Welt umzugestalten. Jeder Versuch, das Reich Gottes mit Gewalt herbeizuführen, muss scheitern. Die Liebe lässt sich nicht verordnen. Wir können sie lediglich erlernen. Weihnachten kann uns dazu hinführen.
Wenn wir uns den großen Spannungen, die in der Weihnachtsbotschaft liegen, stellen, wenn wir uns das große Versprechen der Liebe, das Gott uns in Jesus gegeben hat, annehmen, können wir daran wachsen, ja sogar über die kleinen Vorstellungen von dem, was uns möglich ist, hinauswachsen und die großen Herausforderungen der Menschlichkeit und Liebe bestehen. Nichts weniger wünsche ich Ihnen und mir zum Weihnachtsfest.
Es ist nicht leicht zu verstehen, warum das Weihnachtsevangelium Gott gerade als Wort bezeichnet. "Im Anfang war das Wort, das Wort war Gott und das Wort ist Fleisch geworden", sagt es uns. Was ist damit gemeint? Etwas unerhört Großes und Frohmachendes.
Um dem auf die Spur zu kommen, möchte ich sie zu einem kurzen Gedankenexperiment einladen. Stellen sie sich einmal vor, wir alle wären stumm. Kein Wort zwischen uns wäre möglich. Niemand könnte dem anderen etwas sagen; niemand könnte den anderen verstehen. Dann wäre uns doch das weggenommen, was uns erst ganz zu Menschen macht.
Das Wort ist für uns unentbehrlich. Weil wir des Wortes mächtig sind, tragen wir Menschen Namen und benennen wir unsere Mitmenschen mit Namen: Anna und Rosa, Jakob und Hans. Diese Namen sagen aus, dass wir nicht irgendetwas, sondern dass wir jemand sind. Das Wort macht uns zu einmaligen, unverwechselbaren Personen.
Und das Wort ist es, mit dem wir uns gegenseitig in Beziehung setzen und Gemeinschaft aufbauen. Denken Sie an das kleine Wörtlein »Ja«. Was kann da an Zusage drinstecken, bis hin zur Tatsache, dass Menschen sich mit einem einfachen Ja gegenseitig als Mann und als Frau annehmen. Worte binden und verbinden, Worte bringen Sinn und Glück.
Worte können auch trennen und verletzen. Wie viele Ehen und Gemeinschaften, wie viel Sinn und Glück ist schon zerstört worden durch das kleine Wörtlein »Nein«. Worte bringen das Größte und das Gemeinste zum Ausdruck, wozu wir Menschen fähig sind. Das Wort ist uns Instrument zur Wahrheit, aber auch zur Lüge.
Wenn wir so bedenken, was das Wort uns Menschen bedeutet, können wir bereits erahnen, was das Weihnachtsevangelium meint, wenn es uns sagt: "Im Anfang war das Wort und das Wort war Gott". Der Anfang, das, woraus alles geschaffen ist und was alles zusammenhält, dieser Ursprung ist nicht irgendetwas, ist nicht blinder Zufall, sondern ist jemand, ist Gott. Und weil alles durch dieses göttliche Wort geworden ist, ist auch alles auf Sinn und auf Beziehung angelegt.
Gott ist der Erste, der solche Beziehung schafft und stiftet. Wenn von Gott gesagt wird, er sei Wort, dann heißt das doch: dieser Gott ist nicht stumm. Nein, er spricht. "Viele Male und auf vielerlei Weise" hat Gott gesprochen, sagt die Lesung. Immer wieder hat Gott sich mit den Menschen in Beziehung gesetzt und diese Beziehungen neu zu knüpfen versucht, auch dann, wenn der Mensch sie mit seinem »Nein« abgebrochen hatte.
Weil Gott Wort und somit aus sich selbst heraus Beziehung ist, tut Gott alles, um die Beziehung mit den Menschen zu retten und auf ein solides Fundament zu stellen. Er spricht sein letztes und endgültiges Wort und das tut er auf eine Weise, die einfach überwältigend ist. "Und das Wort ist Fleisch geworden", sagt das Weihnachtsevangelium. Damit erweist sich Gott als das Wort, das uns Menschen auf Augenhöhe anspricht und das für uns Menschen ganz und gar und ausschließlich Ja ist. Kurz und prägnant hat das der Apostel Paulus zum Ausdruck gebracht, wenn er im zweiten Korintherbrief schreibt: "Gottes Sohn Jesus Christus ist nicht als Ja und Nein zugleich gekommen; in ihm ist das Ja verwirklicht" (2 Kor 1,19).
Dieses Ja hat Jesus eingelöst, als er in seinem Leben und Sterben sich auch das zu Eigen gemacht hat, was die dunklen Seiten des Menschseins sind: unsere Begrenztheit und Not, unsere Ängste und unser Leiden. Am Kreuz hat er selbst die Schuld der ganzen Menschheit auf sich genommen und die Bitternis des Todes durchlitten, um sogar das schlimmste Nein und die gottwidrigste Finsternis mit seinem Ja zu umfangen. Denn alles, was er angenommen und durchlitten hat, das hat er auch geheilt.
Deshalb sagt das Weihnachtsevangelium, dass das fleischgewordene Wort für uns Menschen das Licht ist, das in der Finsternis leuchtet. Weil es reines Ja ist, leuchtet dieses Licht allen. Es leuchtet auch denen, die Beziehungen abgebrochen haben, die scheinbar ausweglose Schuld mit sich herumtragen, deren Lebenssinn ausgetrocknet ist, die keine Hoffnung und Zukunft mehr kennen und vielleicht sogar das Leben wegwerfen wollen. Darin besteht das eigentliche Wunder von Weihnachten: weil Gott durch seine Menschwerdung ein Ja zu uns Menschen gesprochen hat, das grenzenlos ist und auch noch die letzten Abgründe des Menschseins ausleuchtet, darum gilt dieses Ja wirklich allen: den Lachenden wie den Weinenden, den Zuversichtlichen wie den Verzweifelten, den Gesunden wie den Kranken.
"Allen gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben", sagt das Weihnachtsevangelium. Damit lässt es so richtig frisch und unverbraucht die Freude und den Reichtum unseres Glaubens aufleuchten. Was gibt es Schöneres und Größeres, als sich dem Ja, das Gott an Weihnachten zu uns spricht, aufs Neue anzuvertrauen und darauf das eigene Leben zu bauen? Wir tun es, wenn auch wir unser eigenes Leben aus dem Ja heraus gestalten, wenn wir Menschen sind, die trotz allem, was es an Enttäuschungen geben mag, Ja sagen zu den Mitmenschen und zur Welt. Wir tun es, wenn wir aufs neue Ja sagen zu Gott und immer wieder aus der lebendigen Beziehung mit ihm die Kraft schöpfen, das Leben zu gestalten auf Sinn und auf Beziehung hin. Diesem Gott können wir am heutigen Festtag nur Dank sagen und ihn preisen mit den Worten, mit denen das Weihnachtsevangelium schließt: "Wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit".
Schon fast wieder vergessen, von anderen Schlagzeilen eingeholt und überrannt und doch in seinen Auswirkungen für die Menschen wahrscheinlich noch genau so tragisch und verheerend wie während des Geschehens selber. Der Taifun auf den Phillipinen. Unvorstellbar die Macht der Zerstörung und des Elends, vor dem Menschen einfach machtlos standen und stehen. Wir alle haben die Nachrichten und Sondersendungen gesehen und auch schon fast wieder vergessen. Aber mitten in diese Nachrichten hinein, gab es eine ganz ungewöhnliche Nachricht. Mitten im Taifun hatte eine junge Mutter ein Kind bekommen. Mitten in allem Elend, all der Naturgewalt und der Zerstörung wird ein Kind geboren und als Hoffnungszeichen gepriesen.
Meine erste Reaktion auf diese Nachricht war: Mein Gott jetzt auch noch das. Ich dachte dies als Vater und Mensch, der es gewohnt ist durchgeplant und abgesichert zu leben. Da reden sich doch Reporter nur für eine gute Schlagzeile etwas schön. Aber es kamen auch Zweifel, vielleicht liege ich ja mit meiner ersten Reaktion falsch. War dieses Kind, ich glaube es war ein kleines Mädchen, doch für die Menschen in all der Gewalt und dem Chaos, in all der Angst und der Aussichtslosigkeit, in all der Verzweiflung und Wut ein Hoffnungszeichen, das ihnen gezeigt hat, wir sind nicht am Ende, sondern auch jetzt beginnt wieder etwas Neues?
Ein kleines Leben beginnt und es trägt die ganze Sehnsucht des Lebens in sich. Es will leben. Es will lachen. Es will weinen. Es will die Sonne sehen. Es will sein Leben gestalten. All das, wird es für sich wollen und all das wird es nicht alleine tun. Dazu gehören Menschen, die sich von dem Wunsch zu leben anstecken lassen, die ebenfalls schlicht und einfach leben wollen.
Ein Projekt eines Journalisten in einer der am schlimmsten zerstörten Städte macht diesen Lebenswunsch noch auf eine andere Art und Weise deutlich. Er hat 100 Einwegfotoapparate an Kinder und Jugendliche verteilt mit dem Auftrag Bilder aus ihrer Sicht zu fotografieren. Sie haben in ihren Bildern sehr genau die Zerstörung und das Elend wahrgenommen und sie haben gleichzeitig wieder angefangen die kleinen und großen Hoffnungszeichen zu fotografieren: Das Haus, das wieder aufgebaut wird, die Spielsachen die aus den Trümmern geborgen und wieder gereinigt wurden und sie fingen wieder an, sich über ihre Zukunft und ihre Wünsche Gedanken zu machen. Ein Mädchen wollte schlicht und ergreifend »Miss-World« werden.
Auch das noch, war meine erste Reaktion, der ich nur ein paar Bilder sehe und ansonsten gut und ruhig Weihnachten feiern kann. Eine echte Hoffnung, Mut wieder anzufangen, neues Vertrauen gewinnen, Träume haben und gemeinsam anpacken, die Reaktion von Menschen auf den Philippinen, die alles verloren haben.
Nach vielen Jahren als Seelsorger fällt es mir manchmal nicht ganz leicht noch über Weihnachten zu predigen. Das meiste ist gesagt. Aber als ich über dieses neugeborne Mädchen auf den Philippinen nachdachte, kamen mir Josef, Maria und Jesus in den Sinn. Auch hier eher widrige Umstände und schlechte Startbedingungen, bedroht und ohne feste Bleibe. Wer würde mit diesem Kind tauschen wollen? Wer mit den Eltern? Freiwillig wahrscheinlich nur die, denen es noch schlechter geht.
Und doch ist es gerade dieses Kind, das durch seine Botschaft vom Reich Gottes, durch seine Art mit den Menschen umzugehen die Welt bis heute verändert. Dies geschieht durch Menschen, die sich in den großen Kirchen beheimatet fühlen und es geschieht durch Menschen, die lange der Kirche jedoch nicht ihrem Glauben den Rücken gekehrt haben oder nie bewusst zu ihr gehört haben. Sie alle fühlen sich dieser Botschaft verpflichtet, auch wenn so manche Ereignisse dieses Jahres auch für viele Christinnen und Christen schwierig waren. Aber es gibt immer wieder auch die andere Seite, die das kleine Mädchen auf den Philippinen, seine Eltern und die Menschen zeigen, die die Hoffnung nicht aufgegeben haben.
Es gibt diesen schönen Satz den man auf so manchen Geburtsanzeigen findet: „Jedes Kind, das geboren wird, bringt von Gott die Botschaft mit, dass er noch nicht an der Menschheit verzweifelt“. Dieser Satz stimmt aber auch anders: Jedes Kind, das geboren wird bringt Gott die Botschaft, dass wir an ihm noch nicht verzweifelt sind und das Leben wagen!
So gehen Gott und Mensch weiter aufeinander zu.
Die Kirche ist festlich geschmückt. Der Kirchenchor hat eine neue Messe einstudiert. Die Ministranten haben eifrig mit dem Weihrauchfass und den Leuchtern geübt. Es soll ein besonderer Gottesdienst werden. Heute am Weihnachtstag. Gestern Abend schon haben wir im Kreise unserer Lieben mit dem Feiern begonnen. Die Kerzen am Christbaum entzündet, Geschenke ausgepackt. Sich ein gutes abendliches Mahl gegönnt. So haben wir es gerne. So sind wir es uns auch gewöhnt. Das sind so die Standards für das Weihnachtsfest. Eine Psychologin hat unlängst gemeint: Wer bei diesem Spiel mitspielen will, der soll das tun. Wer nicht, soll das früh genug den anderen mitteilen.
Ich kenne solche Menschen, die da nicht mittun, die für sich entschieden haben mit dem Weihnachten feiern aufzuhören. Alleinstehende Verkäufer beispielsweise, die nach dem Stress der Adventwochen froh sind, dass der ganze Verkaufsrummel vorbei ist und sie endlich nichts mehr tun müssen, und sich schon gar keine Weihnachtslieder mehr anhören müssen. Die schlicht und einfach ihre Ruhe haben und sich ausruhen wollen.
Es gibt auch andere: Wer das ganze Jahr über kaum oder keine sozialen und familiären Beziehungen pflegt, wird dies auch nicht an den Weihnachtstagen tun. Da ist es schon viel, ein, zwei Weihnachtskarten zu schreiben. Wenn möglich, ist schon alles vorgedruckt und man muss nur noch unterschreiben. Jene Menschen sind an Weihnachten nicht mehr oder weniger ärmer dran als sonst.
Schließlich gibt es auch jene, die Weihnachten nicht feiern, weil sie einen anderen Glauben oder eine andere Weltanschauung haben. Geht ja auch, oder?
Es gibt auch noch jene andere nicht zu unterschätzende Gruppe, welche zwar offiziell sich als christlich deklariert, aber eher zu den praktizierenden Atheisten zu zählen wäre: Weihnachten als Fest der Liebe und als Fest der Familie, wäre wohl hier eine passende Definition.
Ich möchte ihnen nun nicht die Festtagsfreude nehmen. Im Gegenteil. Ich möchte aufzeigen, dass es alles andere als selbstverständlich ist, dass wir heute und hier miteinander in dieser Kirche das Fest der Geburt Christi so feierlich begehen dürfen. Es ist ein Geschenk.
Wie feiern die Geburt Christi, aber wir gratulieren Jesus nicht zu seinem Geburtstag. Wir zünden auch keine Kerzen auf einer Geburtstagstorte an und bringen ihm keine Geschenke mit. Das tun wir, wenn jemand von uns Geburtstag hat, als Zeichen der Zuneigung und Wertschätzung. Und als Zeichen der Dankbarkeit: Ich bin so froh, dass es dich gibt in meinem Leben.
Wir dürfen heute vielmehr feiern, dass Gott uns das größte Geschenk gemacht hat. Seinen Sohn. Wir sind die Beschenkten. Über alle Massen hinaus. Jede menschliche Vorstellung übersteigend.
Das Wort des Jahres 2012 lautet "Rettungsroutine". Es bezeichnet einen im alten Jahr nahezu selbstverständlich gewordenen Umgang mit hoch verschuldeten Ländern. Man hat sich gewöhnt, Maßnahmen zu ergreifen, die notwendig sind, damit angekündigtes Unheil verhindert werden kann. Worunter die Bevölkerung in den betroffenen Staaten zu leiden hat, ist schon genug.
"Rettungsroutine" hat wohl auch Gott im Laufe der langen Heilsgeschichte bekommen. "Rettungsroutine Gottes" meint, dass Gott nicht mit seinem Volk abgeschlossen hat, dass er es nicht einfach so seinem Schicksal überlassen kann, bei aller Freiheit, die er ihm immer wieder auch lässt.
Die Heilige Schrift weiß viel darüber zu erzählen, wie Gott hilfreich in das Geschick seines Volkes und einzelner eingreift. Immer wieder. Doch mit Jesus Christus, seinem Sohn, hat er ein für alle Mal der Welt und den Menschen Heil und Erlösung geschenkt. Jesus Christus ist der Retter, der Messias. So bekennen wir es in unserem Glauben.
"Nach christlicher Überzeugung hat Gott sich in Jesus auf unüberbietbare Weise offenbart und den Menschen einen Weg gezeigt, der zu einem geglückten Dasein führt. Das und nichts anderes ist mit Erlösung gemeint. Diesen Weg aber hat Jesus nicht nur gewiesen, sondern ist ihn auch selber gegangen." (Imbach, Josef, Hört der Engel helle Lieder. Brauchtum und Betrachtungen zur Advents- und Weihnachtszeit, S 93)
Jesus weist uns den Weg zu einem geglückten Dasein. Und er macht es uns vor, wie das geht.
Glücklich sein, das eigene Leben als sinn- und wertvoll erfahren, das ist die Triebfeder, die Motivation für unser Leben. Jesus selbst ist das Wort, das uns dazu den Weg in die richtige Richtung weist. "Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt." haben wir im Evangelium gehört. Dieses Wort, nämlich Jesus selbst, Wohnung geben, auf dieses Wort sich einzulassen, daran Maßstab zu nehmen, das persönliche Leben immer wieder neu daraufhin auszurichten, das bleibt die konkrete Aufgabe jedes einzelnen Christen.
Herr Jesus, was willst du, dass ich tue?
Herr Jesus, hilf' mir in dieser Entscheidung?
Herr Jesus, was würdest du sagen?
Dann bleibt er nicht fern von mir, irgendwo, abseits jeglicher Realität, sondern dann ist er, der Erlöser und Retter, mitten unter uns und mitten in meinem Leben. Ja, vielleicht sogar auch Mitte meines Lebens?
Große Theologen haben versucht, das Geheimnis der Menschwerdung Gottes mit vielen Worten und langen Sätzen zu beschreiben und zu begreifen. Karl Rahner, der große Konzilstheologe, hat es - so meine ich - mit erstaunlich wenig und schlichten Worten auf den Punkt gebracht:
"Gott hat sein letztes, tiefstes, schönstes Wort
im fleischgewordenen Wort
in unsere Welt hineingesagt.
Und dieses Wort heißt:
Ich liebe dich, du Welt, du Mensch.
Ich bin da.
Ich bin bei dir.
Ich bin dein Leben.
Ich bin deine Zeit.
Ich weine deine Tränen.
Ich bin deine Freude." (Karl Rahner)
So einfach und doch zugleich wunderbar kann die Weihnachtsbotschaft sein. Wenn sie doch auch nur jene erreichen könnte, die Weihnachten nicht oder nicht mehr feiern können.
Dass wir Weihnachten feiern können, ist ein Geschenk, das wir sorgsam auspacken und behüten sollten. Damit es nicht verkommt, sondern im Gegenteil: unser Leben hell macht und erfüllt. Christ, der Retter, ist da! , mögen wir nicht allein in der Heiligen Nacht aus vollem Herzen singen können.
Für mich ist heute noch Advent. Warum? Ich kann Gott noch nicht von Angesicht zu Angesicht sehen. Aber Weihnachten sagt mir: Gott kommt mir in dieser Welt als Mensch entgegen. Welch eine Ehre! Welch eine Auszeichnung! Gottes Sohn steigt herab, um mich mit dem Lift in den höchsten Himmel zu führen.
Da frage ich mich, wer bin ich eigentlich, dass Gott so Großes an mir tut? Da frage ich mich aber auch, warum ziehe ich den Nächsten in den Dreck, warum spreche ich oft nur von seinen schlechten Seiten? Warum sprechen wir Christen nicht von dem, was Gott Großes an uns tut? Wenn ich einen Menschen auf dem Sterbebett sehe, denke ich mir: der Mensch ist aus sich nichts, Ohnmacht pur.
Aber in der weihnachtlichen Gegenwart des Herrn darf jeder Mensch aufblühen. Gott hat sich inkarniert, hat sich eingefleischt. Er teilt mit uns Freud und Leid, aber auch den Tod. Er lässt uns teilhaben an seinem Leben, damit auch wir auferstehen. Er nennt uns nicht mehr Knechte, sondern Freunde. Mit der Menschwerdung Gottes ist Christus unser Bruder geworden. Höher geht es nicht mehr. Daher sind wir nur ein wenig unter Gott gestellt (vgl. Ps 8). Weihnachten ist daher für mich ein größeres Wunder als die Erschaffung der Welt. Mit diesem Fest setzt Gott einen radikalen Neuanfang.
O, mögen doch alle Menschen vor diesem Gott niederfallen und ihn anbeten. Dieser Gott lässt unsere Sorgen vergessen, weil er uns berührt. Die deutsche Schriftstellerin Nelly Sachs (1891-1970) fragt den Höchsten: "Fing nicht deine Menschwerdung mit der Sehnsucht nach dem Menschen an?" Mit Weihnachten macht das Leben Sinn, macht uns Gott zu seinen Söhnen und Töchtern. Weihnachten führt uns ins Licht. Denn Gott traut sich uns auf ewig an. Er lässt seine Liebe und seine Herrlichkeit über uns aufgehen.
Professor Jozef Niewiadomski schrieb im "Tiroler Sonntag" (vom 20./27. Dez. 2012, S. 28), dass Gottes Sohn in meinen und der Menschen Saustall kommt, um ihn sauber zu machen. Er nimmt unsere Schande hinweg, gibt uns wie dem verlorenen Sohn einen Ring und ein hochzeitliches Gewand. Damit wir Menschen nicht ins Gericht kommen, heftet er unseren Schuldschein an sein Kreuz. Ich brauche mich vor Gott nicht mehr fürchten. Denn der erste, der den Weg zum Himmel fand, war ein Verbrecher, der rechte Schächer. Gottes Sohn ist die menschgewordene Liebe, damit wir uns in seinem Lichtkegel ändern können. Weihnachten ist ein Fest der Hoffnung, der Vergebung, der Zuversicht. Höre und staune: Durch die Menschwerdung Christi soll die ganze Welt verwandelt werden und ihr die Vergänglichkeit genommen werden.
"Die ganze Schöpfung soll das Kleid Christi anziehen", sagt der Diakon Ephräm, der Syrer, der im 4. Jahrhundert gelebt hat. Damit bekommt Weihnachten einen ganz tiefen Sinn: Das Unfertige in der Welt wird durch Christus vollendet, aber nicht auf Knopfdruck. Gott will sich mitteilen, sich verströmen, weil er die Liebe ist. Wir dürfen die Unvollkommenheiten der Welt und unsere Begrenztheiten annehmen, weil Gott die ganze Schöpfung mit seiner Herrlichkeit erfüllen wird. Ich brauche nicht alles tun, nicht perfekt sein, weil Christus alles gut macht: Die Kranken werden gesund, Blinde sehend und Aussätzige rein. Gott ist Mensch geworden, um alle unsere Tränen abzuwischen (Offb 21,4). Er will mit uns den Weg der Gnade, der Freundschaft und der Liebe gehen.
Weihnachten ist das größte Wunder. Es hört nie auf. Es setzt sich durch alle Jahrhunderte fort. Die Liturgie ist nichts anderes als ständige Weihnacht. Der Anfangstext des Liedes "Alle Jahre wieder kommt das Christuskind" ist daher nicht richtig.
Gott wird Mensch in jeder Eucharistiefeier. Christus steht vor unserer Tür und bittet um Einlass. Wir nehmen ihn auf und geben ihm Herberge. Daher betonen die Mystiker, dass es auf die Geburt Gottes in uns ankommt. Für C. G. Jung ist die Gottesgeburt im Menschen das Ziel der menschlichen Selbstwerdung. Wenn Gott im Menschen geboren wird, dann kommt er von dem kleinen Ich weg zu seinem eigentlichen Wesen, zum Selbst. Das Menschliche ist immer auf das Göttliche hingeordnet. Die Gottesgeburt in uns verwandelt den ganzen Menschen.
Die selige Elisabeth von der Dreifaltigkeit sagt: "Der Himmel ist in dir. Und suche ich ihn woanders, finde ich ihn nicht". Welch ein Wunder: Bethlehem ist in mir. Lasst uns Gott preisen und danken. Lasst uns anbeten den Herrn, der so Großes an uns tut.
Es ist an diesem Heiligen Abend spät geworden - oder früh. Es ist Nacht. Draußen. In unserer Kirche aber haben wir Kerzen angezündet. Sie verbreiten einen hellen Schein. Ihr Licht ist warm. Es ist schön, in der Nacht das Licht zu sehen. Aber um uns herum sehen wir das Dunkle. Im Dunkeln verschwindet so mancher Umriss. Auch so manches Gesicht. Wir singen Weihnachtslieder. Wir besingen die stille Nacht. Aber so ganz still ist es nicht einmal in uns. Manche Gedanken lassen sich nicht abstellen. Sie sind da. Vielleicht sogar drohend, verletzend, ohne Punkt und Komma. Es ist an diesem Heiligen Abend spät geworden - oder früh. Wir erwarten einen neuen Tag. Weihnachtstag.
In unseren Weihnachtsliedern wird immer wieder und mit vielen Wendungen das Licht besungen, das aufgeht. Ein neuer Tag beginnt, ein neuer Zeitabschnitt, ein neues Leben. Wir rechnen sogar die Jahrhunderte und unser eigenes Leben "nach Christi Geburt". Anno Domini: Jahr des Herren.
So singen wir heute Nacht von einem aufgehenden Licht, von Morgenglanz - und davon, dass es tagt. Wir können nachher sogar sehen, dass der Morgen graut. Am Horizont macht sich der Tag breit. Langsam. Unaufhaltsam. Wir können zuschauen. Den Mantel hochgezogen.
Jochen Klepper schreibt 1937 in einer für ihn sehr schweren Zeit - er hatte eine Jüdin geheiratet, die zwei Töchter mit in die Ehe brachte - ein "Weihnachtslied". So der schlichte Titel. Das Lied drückt ein großes Vertrauen aus. "Die Nacht ist vorgedrungen". Und:
"Und wer zur Nacht geweinet, der stimmet froh mit ein: der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein".
Angst und Pein. Vielleicht auch morgen. Ja. Aber es ist ein Übergang zu sehen. Altes wird zurückgelassen, Neues beginnt. Wir hören die Engel mit ihrer Botschaft, die alles hell macht, wir sehen die Hirten noch in der Nacht aufbrechen, wir sehen gar die Weisen aus dem Morgenland ziehen: Sie bringen die große Welt mit, Wissenschaft und Klugheit dazu.
So ist in dieser Nacht alles in Bewegung. Sogar der Himmel, sonst verschlossen und undurchdringlich, scheint die Lichtfülle nicht mehr bändigen zu können. Die Worte nicht,
auch die Hoffnungen nicht. Nein, in dieser Nacht können wir nicht in der Nacht bleiben.
1880 schreibt Emil Quandt:
Mit den Hirten will ich gehen,
meinen Heiland zu besehen,
meinen lieben heilgen Christ,
der für mich geboren ist.
Der Liederdichter, von Beruf Textilfabrikant, spricht von "meinem Heiland", "meinen lieben heilgen Christ" - und macht sich mit den Hirten auf den Weg. Nicht eine vergangene Geschichte wird erzählt oder besungen - es ist meine Geschichte. Mein Weg. Meine Aussicht: "der für mich geboren ist".
Das Zauberwort von Weihnachten ist: gehen. Ich will gehen. Zunächst eine ungewohnte Perspektive, sitzen wir Weihnachten doch über längere, womöglich lange Zeit, an reich gedeckten Tischen. Die Klage, zu viel gegessen, zu viel getrunken, zu viel gesessen zu haben, gleicht einem weihnachtlichen Ritual. Zumindest in den meisten unserer Kreise.
Gehen kommt dann geradezu einer Befreiung gleich.
In der zweiten Strophe lässt sich der Liederdichter Quandt von den Engeln anfeuern:
Mit den Engeln will ich singen,
Gott zur Ehre soll es klingen,
von dem Frieden, den er gibt,
jedem Herzen, das ihn liebt.
Es sind einfache Worte. In ihnen klingen die Worte der Engel, andererseits darf ich meine eigene Stimme, meine eigene Melodie finden. Mit meinem Herzen, das ihn liebt. Das ist dann mehr als ein Ritual, entzieht sich auch vorgegebener Formen. Mit den Engeln will ich singen! Ich!
Interessant ist das schon: Während im Weihnachtsevangelium zuerst die Engel singen und dann die Hirten gehen, hat der Liederdichter die Geschichte umgedreht. Zuerst kommt der Aufbruch, dann der Gesang. So sehr hier eine moderne Lebensauffassung sichtbar wird, so sehr wird auch betont, dass wir Zeugen eines Wunders sind.
In dem Weihnachtslied von Quandt heißt es:
Mit Maria will ich sinnen
Ganz verschwiegen und tief innen
über dem Geheimnis zart:
Gott im Fleisch geoffenbart.
Jetzt kommen wir als Menschen zur Ruhe. Haben wir nicht auch im Evangelium gehört, dass Maria "alle diese Worte in ihrem Herzen bewegte"? Alles, was sie gehört hat: von den Engel und von den Hirten. Jetzt darf ich mit Maria sinnen - oder: dem Geheimnis Gottes nachspüren, dass er sich als Mensch offenbart. Mein Fleisch, mein Blut. Der Dichter weiß, dass er mit menschlichen Worten an seine Grenzen kommt - er kann nur, "ganz verschwiegen und tief innen" Gott nahe kommen.
Und wieder einmal mehr: Mit Maria. Sie wird zu einer lieben Gefährtin. Zu meiner Gefährtin. Ich bin mit ihr zusammen. Darf, soll ich das als Weihnachtsgeschenk bezeichnen? Ein größeres wüsste ich jetzt nicht.
Überhaupt: Immer wieder heißt es in diesem Lied: mit. Mit den Hirten gehen. Mit den Engeln singen. Mit Maria sinnen. Es sind Worte, die auf vielfältige Weise Bewegungen nachzeichnen - meine Bewegung. Auch meine Bewegtheit. Ich bin bewegt. Ich werde bewegt. In dieser Nacht können wir nicht in der - Nacht bleiben. Nicht allein. Nicht jeder für sich. Mit den Hirten, mit den Engeln, mit Maria - miteinander gehen, singen und sinnen. Alles ist in Bewegung. So eine Nacht gibt es kein zweites Mal!
Es ist spät geworden. Oder früh. Manch einer schaut schon auf die Uhr. Hört er nicht bald auf? Ja, meine Predigt soll jetzt ein Ende haben. Das Geheimnis von Weihnachten feiern wir gleich in der Eucharistie. Eine große Danksagung! In dieser Nacht gedenken wir der Menschwerdung Gottes. Wir feiern seine Menschlichkeit. Wir freuen uns, dass er einer von uns geworden ist, unser "Gesell". Alle, die uns im Glauben vorausgegangen sind, feiern mit. Nicht nur Hirten und Engel.
Mit dir selber, mein Befreier,
will ich halten Weihnachtsfeier;
komm, ach komm ins Herz hinein,
laß es deine Krippe sein.
Frohe und gesegnete Weihnachten!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als alle Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus
unserem Herrn.
Darf ich Sie zu einem Festmahl einladen? Drei Gänge! Sie sind noch satt von gestern? Sie würden sich aber etwas entgehen lassen. Also: zur Vorspeise gibt es zur Vorfreude einen Happen Hoffnung, zum Hauptgericht ein Engels-Menü und dann als Dessert das leuchtende Wort. Etwas kann ich Ihnen auch versprechen: Dieses köstliche Gericht wurde bisher noch in keiner Fernsehsendung angerichtet, ist aber auch nicht schwer. Das Rezept ist ganz einfach. Die Zutaten sollen nur ganz frisch sein.
Das Rezept für die Vorspeise ist von Jesaja . Lange ausprobiert hat er es auch. Dann hat er sie fein angerichtet Menschen serviert, denen der Appetit, gar die Lebensfreude schon lange vergangen war. Wenn ein Mensch am Ende ist, wenn es keinen Lichtschimmer in der Ferne gibt - dann schmeckt das Essen nicht mehr. Die Bissen bleiben im Hals stecken. Die Zunge ist trocken. Was macht Jesaja? Er weckt erst einmal den Hunger. Die Lust auf einen neuen Anfang. Den Mut zur Hoffnung:
"Brecht in Jubel aus, jauchzt alle zusammen, ihr Trümmer Jerusalems!
Denn der Herr tröstet sein Volk, er erlöst Jerusalem.
Der Herr macht seinen heiligen Arm frei vor den Augen aller Völker.
Alle Enden der Erde sehen das Heil unseres Gottes."
Vorspeisen sind klein. Sie sollen auch noch nicht satt machen. Sie schmeicheln aber der Zunge. Sie sind wie ein Versprechen: Gleich kommt mehr. Eine große Freude kündigt sich an. Gott selbst wird kommen! Er wird sich der Menschen annehmen, die das Lachen verlernt haben, für die das Leben zu einer Ruine geworden ist, die von einer großen Traurigkeit heimgesucht werden. Ein schönes Bild: Gott krempelt seine Ärmel auf - vor den Augen der ganzen Welt. Und dann sieht man ihn Zupacken. Aus Ruinen macht er Paläste. Aus verzagten Existenzen glückliche Menschen. Aus verkorksten Geschichten bezaubernde Träume. So gut schmeckt die Vorspeise. Jetzt hat Jesaja sie mir hingestellt. Ich bin jetzt dran!
Dann kommt das Hauptmenü. Das Rezept kommt von einem unbekannten Meister. Nicht einmal seinen Namen kennen wir. Nur, dass er "Hebräer" heißt. Auf seiner Karte steht: Engels-Menü. Erst bin ich irritiert: Ein Rezept von Engeln? Ein Rezept für Engel? Aber dann verstehe ich:
"...er - Jesus - ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Abbild seines - Gottes-Wesens;
er trägt das All durch sein machtvolles Wort, hat die Reinigung von den Sünden bewirkt und sich dann zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt;
er ist um so viel erhabener geworden als die Engel, wie der Name, den er geerbt hat, ihren Namen überragt."
Gewiss, Gott hat sich auf vielerlei Weise geäußert und offenbart, mal ganz laut, meistens aber ganz leise, viele Menschen sind ihm begegnet. Aber dann, als es nicht mehr anders ging und die Zeit reif war, ist Gott den Menschen so nahe gekommen, dass sie ihn als einen der ihren ansehen konnten. Wir sehen ein menschliches Gesicht, auf ihm aber die Herrlichkeit, die Größe, die Schönheit Gottes! Jetzt liegt auf jedem menschlichen Gesicht ein besonderer Glanz. Auch auf gezeichneten, gefurchten und verzerrten Gesichtern. Auf Gesichtern, die Geschichten erzählen und verbergen. Auf Gesichtern, die lachen und leuchten.
Aber ein Gesicht fällt heute auf: Es ist Gottes Gesicht für uns. Wir sehen es in der Krippe liegen. Das Gesicht eines Kindes. Zerbrechlich. Aber die ganze Welt wird von ihm angelacht - und die Sterne, der Mond, die Sonne - eben das All - geben sein Leuchten zurück. In seinem Glanz lösen sich Schuldverstrickungen, werden Sünden vergeben, treten Menschen aus dem Schatten heraus: dann können wir neu anfangen. Dann wird die ganze Welt neu! Gott fängt mit uns seine Geschichte neu an. Mit mir! Ich bin weder vorbereitet noch besonders gut für diesen Job. Aber der, der so viel erhabener geworden ist als die Engel, vertraut mir die Worte der Engel an: Siehe, ich verkündige euch eine große Freude. Euch ist heute der Heiland geboren ... Und wir hören die vielen Engel: Ehre sei Gott in der Höhe - und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens.
Hauptgerichte brauchen ihre Zeit. Zu Weihnachten besonders. Wir erzählen. Von früher. Von morgen. So manche Sorge kommt hoch, so manche Angst ringt um Worte - und so manche Enttäuschung birgt Konfliktpotential - aber bei einem guten Essen können die alten Geschichten eine wundersame Wendung bekommen. Engels-Menü! Ein Rezept von Engeln? Für Engel?
Krönender Abschluss ist eine besondere Kreation - sozusagen den Höhepunkt des festlichen Schmausens. Das Rezept ist von Johannes. Sein Dessert kommt wie ein leuchtendes Wort!
"Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.
Im Anfang war es bei Gott.
Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.
In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen."
Worte faszinieren mich. Es gibt so schöne Worte. Sie fallen wie Licht in mein Leben. Sie machen mich schön. Sie machen mich reich. Sie machen mich groß. Schöner, reicher und größer als die vielen Dinge, auf denen ich mein Vertrauen setze - oder die mich auch gefangen nehmen. Wie das klingt! Ich habe dich lieb! Ich stehe zu dir! Ich glaube an dich!
Sein - Gottes - erstes Wort ist: es werde Licht. Sein zweites: Werde du Licht. Sein drittes: Ich bin bei dir. Ich gehe mit. Was Johannes so kunstvoll und schön in kleine Sätze gepackt hat, gleicht einem Gedicht: "Alles ist durch das Wort geworden" - ich auch.
Schöpferisch, liebevoll, aber auch aufmüpfig und herausfordernd kommt Gott zu Wort - und zur Welt. Aber wenn er redet, wird die Welt neu. Wir entdecken: Neue Gedanken. Neue Köpfe. Neue Herzen. Kaum zu glauben, wie mächtig das Wort ist! Es verwandelt meine Welt, stiftet Frieden, schenkt Versöhnung. Von ihm heißt es: "in ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen".
Heute ist Weihnachten. Ein großes Fest. Wir sind eingeladen, uns an einen gedeckten Tisch zu setzen. Nach köstlichen Rezepten - von Jesaja, dem "Hebräer" und Johannes - wird ein Dreigänge-Menü ausgerichtet. Damit unsere Sehnsucht einen Ort bekommt. Damit die Sehnsucht vieler Menschen ernstgenommen wird. Damit die Gewissheit wächst, dass Gott "zuletzt" geredet hat, also das letzte Wort hat. Wir haben Zukunft vor uns:
"Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben."
Ich glaube, jetzt sind wir doch wieder bei den Engeln...
Und der Friede Gottes,
der höher ist als alle Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne,
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
GL 159: Licht, das uns erschien
Oder:
Herr, Jesus Christus,
du bist das Wort, durch das alles geworden ist.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
du bist das Licht, das jeden Menschen erleuchtet.
Christus, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
du gabst uns Macht, Kinder Gottes zu werden.
Herr, erbarme dich.
Allmächtiger Gott,
du hast den Menschen in seiner Würde wunderbar erschaffen
und noch wunderbarer wiederhergestellt.
Laß uns teilhaben an der Gottheit deines Sohnes,
der unsere Menschennatur angenommen hat.
Er, der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Weihnachten - Am Tag
Gott, unser Vater,
in diesen Gaben
willst du uns Versöhnung schenken
und uns wieder mit dir verbinden.
Nimm sie an
und gib durch sie unserem heiligen Dienst
die höchste Vollendung.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Weihnachten am Tag
(für Wortgottesdienstfeiern)
Kehrvers:
Dankt dem Vater mit Freude, er schenkt uns seinen Sohn. (GL 633,8)
Großer, unbegreifbarer Gott,
wir wollen dir unsere Freude und unseren Dank zum Ausdruck bringen,
denn in Jesus von Nazareth ist dein ewiges Wort Fleisch geworden
und hat mitten unter uns gewohnt.
Kehrvers
Er ist das Leben, und das Leben ist das Licht der Menschen.
in ihm kam das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, in die Welt.
Kehrvers
Allen die ihn aufnahmen, gabst du die Macht, Kinder Gottes zu werden.
Er hat die Reinigung von den Sünden bewirkt
Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen Gnade über Gnade.
Kehrvers
Alle Enden der Erde sehen nun das Heil unseres Gottes.
Darum jubelt heute der ganze Erdkreis
und stimmt mit den Engeln und Heiligen ein in den Lobpreis der Schöpfung:
Danklied: z. B.: Lobt Gott, ihr Christen alle gleich (GL 247)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn Fleisch geworden ist das Wort,
und in diesem Geheimnis
erstrahlt dem Auge unseres Geistes
das neue Licht deiner Herrlichkeit.
In der sichtbaren Gestalt des Erlösers
läßt du uns den unsichtbaren Gott erkennen,
um in uns die Liebe zu entflammen
zu dem, was kein Auge geschaut hat.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn groß ist das Geheimnis seiner Geburt,
heute ist er, der unsichtbare Gott,
sichtbar als Mensch erschienen.
Vor aller Zeit aus dir geboren,
hat er sich den Gesetzen der Zeit unterworfen.
In ihm ist alles neu geschaffen.
Er heilt die Wunden der ganzen Schöpfung,
richtet auf, was darniederliegt,
und ruft den verlorenen Menschen
ins Reich deines Friedens.
Darum rühmen dich Himmel und Erde,
Engel und Menschen
singen das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 2
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und dein Erbarmen zu rühmen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn schaffst du den Menschen neu
und schenkst ihm ewige Ehre.
Denn einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen:
dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch,
und wir sterbliche Menschen
empfangen in Christus dein göttliches Leben.
Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel
und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 3
Barmherziger Gott,
in dieser heiligen Feier
hast du uns deinen Sohn geschenkt,
der heute als Heiland der Welt geboren wurde.
Durch ihn sind wir wiedergeboren
zum göttlichen Leben,
führe uns auch zur ewigen Herrlichkeit durch ihn,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Weihnachten am Tag
Gott sagt uns in der Menschwerdung seines Sohnes nicht nur, wer er ist; er sagt uns auch, wer wir Menschen sind. Auch das ist heute nötig. Denn viele haben die Orientierung verloren. Sie wissen nicht mehr, warum und wozu sie da sind. Sie kommen sich wertlos vor. Im vergangenen Jahrhundert sind Wert und Würde des Menschen oft auf der Strecke geblieben. Mord und Totschlag hat es zwar von Anfang an, seit Kain und Abel, gegeben. Aber hat es jemals zwei so schreckliche Weltkriege, so schlimme Massenvernichtungswaffen, so brutalen, Menschen verachtenden Terrorismus gegeben?
Wie banal wir oft über den Menschen denken zeigt sich daran, dass wir von Ungerechtigkeit, Lieblosigkeit, Treulosigkeit, Eitelkeit, Lüge und vielem anderen oft einfach sagen: »Das ist menschlich.« Müssten wir nicht umgekehrt sagen: Treue, Anstand, Fairness, Gerechtigkeit und Erbarmen sind die wahre Größe des Menschen und Zeichen einer wahrhaft menschlichen Kultur?
Gott hat durch die Menschwerdung eine eindeutige und endgültige Antwort auf die Frage gegeben: Was ist der Mensch? Die Antwort lautet: Der Mensch, jeder Mensch, ist ein erbarmungswürdiges und zugleich ein liebenswürdiges Wesen. Wir sind erbarmenswürdig, weil wir uns nicht aus eigener Kraft aus unserer Not und unserem Elend befreien können. Wir sind in unserem Elend auf Gottes Erbarmen angewiesen. Unsere Größe ist, dass wir - und zwar jeder Einzelne von uns - für Gott liebenswürdige Wesen sind, so liebenswürdig, dass Gott selbst Mensch geworden ist. Er wollte uns ganz nahe sein. So hat jeder Mensch einen unendlichen Wert, ganz unabhängig davon, ob er Einheimischer oder Fremder, gesund oder krank, alt, behindert ist, unabhängig davon, ob er reich oder arm ist. Jeder ist für Gott liebenswert; jeder ist unendlich wertvoll. Gott wollte Mensch werden, damit wir an seinem göttlichen Leben Anteil haben.
Sind wir uns dieser Würde immer bewusst? Sind wir nach dem Vorbild Gottes barmherzige Menschen, die Erbarmen haben mit den anderen, oder sind wir gleichgültig gegenüber dem Leid anderer? Ist es bei uns im zwischenmenschlichen Bereich nicht recht kalt geworden? Droht die Humantemperatur unserer Welt nicht oft unter den Gefrierpunkt zu fallen? Weihnachten eröffnet uns eine neue Kultur wahrer Menschlichkeit und menschlicher Solidarität.
Gott teilt unser schwaches Menschsein, um uns sein göttliches Leben mitteilen zu können. Wer schon einmal in Betlehem war und dort die Geburtskirche besucht hat, der weiß, dass man sie nur durch ein sehr niedriges Tor betreten kann; man muss sich also bücken, um hineinzukommen. Das scheint mir symbolisch zu sein. Gott selbst hat sich klein gemacht, als er in diese Welt kam. Da dürfen auch wir uns nicht groß machen. Wir müssen uns klein machen, wenn wir zum Kind in der Krippe kommen wollen, und wir müssen uns herunterbücken zu unseren Mitmenschen. Wenn wir niederknien und beten, dann sind wir am größten.
Aus: Walter Kardinal Kasper, Bedenke dein Geheimnis. Meditationen zu Advent und Weihnachten. Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2015.
Nach 2000 Jahren christlicher Sozialisation geht uns der Satz „Gott ist Mensch geworden" leicht von den Lippen. Schwieriger wird es, wenn wir die heute üblichen Worte für Neugeborene benützen: „Gott ist Baby geworden" oder „Gott ist Säugling geworden". Für das Lukasevangelium war die Geburt Jesu ein natürlicher Vorgang: „Sie gebar ihren erstgeborenen Sohn, wickelte ihn in Windeln" (2, 7). So aber sehen die Weihnachtsbilder in unseren Kirchen und Museen und auf den Weihnachtspostkarten nicht aus. Da liegt ein nacktes Kind mit Goldstrahlen auf dem Boden und wird von einer Frau mit langem offenem Haar kniend angebetet.
Es war eine Frau, die sechs Kinder geboren hatte, und die wußte was für eine harte und schmutzige Arbeit Gebären ist: die heilige Birgitta von Schweden, die seit 1370 alle bei uns verbreiteten Bilder von der Anbetung des neugeborenen Jesus angeregt hat. Zuvor, und in der Ostkirche bis heute, wurde Maria dargestellt, wie sie erschöpft von der Geburt auf einem Lager liegt und sich ihrem gewickelten Kind liebevoll zuwendet.
Distanzierte Anbetung statt tätiger Zuwendung - dieser Wandel in der Bildvorstellung hat mit Reinheitsvorstellungen zu tun. Birgitta wollte sich die Jungfrau Maria nicht mit Blut befleckt vorstellen, das göttliche Kind nicht an einer Nabelschnur hängend. Darum beschrieb sie eine Vision, wie Maria allein mit aufgelöstem Haar im Stall von Betlehem betete und plötzlich das Kind vor ihr lag, ganz rein und leuchtend wie die Sonne. In den entsprechenden Bildern wurde Jesus zum Sternenkind, nicht zum Menschensohn.
Darstellungen einer Geburt gibt es in der europäischen Kunst nicht. Sie sind möglich, wie Beispiele der afrikanischen und altamerikanischen Kunst zeigen, aber nicht in einer Bildwelt, die auf die Griechen zurückgeht. Hier war nur die Sorge um das neugeborene Kind und das Nähren an der Brust bildfähig. Die stillende Gottesmutter war ein beliebtes Andachtsbild der frühen niederländischen Kunst. An diese Tradition knüpfte Rembrandt 1635 an. Er zeigt eine Frau in einer einfachen Tracht, die ein dicht eingewickeltes Kind an ihre Brust hält. Das Kind ist satt und schläft ein; sein Mund und die Brust sind von Milch und Spucke verschmiert. Aber das Kind darf noch nicht schlafen, es kann noch nicht in das Korbbett gelegt werden. Es muß erst aufstoßen, sonst wird es die Milch erbrechen. Alle Eltern und Kinderpfleger wissen das. Nach dem Stillen ist ein schwieriger Moment, das Kind will satt einschlafen, soll schlafen, aber erst muß man es noch ein wenig aufrecht halten, den Schlaf verzögern, bis zum befreienden Aufstoßen. In diesem Moment des gespannten Wartens muß es still sein. Darum hat der Mann im Bild, Josef, sein Werkzeug - Bohrer, Sägen, Beil - beiseite gelegt und beugt sich ganz sanft und aufmerksam über das Kind.
Jeder, der mit kleinen Kindern zu tun hatte, kennt diese Situation und erkennt sie im Bild Rembrandts wieder. [Eine alltägliche, menschliche Situation, die in der nebenstehenden Radierung nochmals - anders - dargestellt ist.]
Nichts weist auf die göttliche Natur des Kindes hin: Gott ist Säugling geworden. Er, der allen Vögeln ihre Nahrung gibt, begnügt sich mit ein paar Tropfen Milch, wie der Dichter Sedulius im 5. Jahrhundert schrieb.
Rembrandt hat die Menschwerdung Gottes ernst genommen, wörtlich verstanden. Katholische Weihnachtsbilder sind „göttlicher". Strahlen, Goldglanz und Engel möblieren unsere Krippen zu Vorsälen des Himmels, so als ob Jesus von Nazareth gar nicht wirklich auf der Erde gelebt hätte. Peter Paul Rubens ist in seiner Hirtenanbetung für Neuburg an der Donau 1620 Rembrandt vorausgegangen in seinem Verzicht auf übernatürliche Lichterscheinungen. Sein weiß gewickeltes Kind liegt auf gelbem Stroh, das von einer Laterne so beleuchtet wird, daß es zu glänzen beginnt. Rembrandt zeigt nicht den Stall von Betlehem sondern die Werkstatt in Nazareth, kein Weihnachtsfest, sondern den Alltag einer jungen Arbeiterfamilie mit unendlicher Zärtlichkeit und Geduld.
Aus: Peter B. Steiner, Glaubensästhetik. Wie sieht unser Glaube aus? 99 Beispiele und einige Regeln. Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 2008.
Von einem hellgelben Strohhaufen heben sich ein blauer Esel und ein roter Ochse ab, daneben ganz in blauem Umriss eine Frau mit einem nackten Kleinkind, am Rand der Futtertrog, die Krippe, als notdürftiger Kinderbettersatz. Die Szene ist in eine rechteckige Form eingepasst, die Andeutung eines Stalls. Ihm fehlt die Vorderwand, er ist offen wie ein Puppenhaus. Giotto di Bondone hat um 1300 die biblische Geschichte in solchen Puppenhäusern ausgemalt. Über dem Stalldach befindet sich auf unserem Bild ein nachtblauer Flimmel mit einem Gestirn. Von rechts schreitet ein nackter roter Mann vor blauem Grund auf das Licht des Stalls zu, von links eine Frau mit einem grünen Tuch um die Hüften, begleitet von einem Reh.
Das Gemälde steht in einem Geflecht von Traditionen: Die Geburt im Stall nach der Erzählung des Lukasevangeliums wird seit 320 mit einer Krippe und Tieren dargestellt. Ausgehend von dem Vergleich Adam und Christus bei Paulus (1 Kor), entwickelten die Kirchenväter seit dem 4. Jahrhundert das Gegensatzpaar Eva und Maria, das bald zu einem Thema von Dichtung, Malerei und Skulptur wurde. Eine künstlerische Tradition wurde bereits genannt, die kirchliche Monumental-Malerei der Toskana um 1300. In Florenz und Siena wurden damals die Grundlagen der europäischen Malerei erarbeitet.
Aber der Maler unseres Bildes, Karl Caspar (1879-1956), wählte andere Farben. Weder nackte Männer noch Ochsen sind rot, Esel sind nicht blau. Seine Farben bilden nicht mehr ab. Damit steht er in der Tradition der Malerei des „Blauen Reiter". Die kleine Münchner Künstlergruppe wollte 1912 damit aufhören, einfach Sichtbares wiederzugeben. Statt dessen wollte sie „sichtbar machen", wie es Paul Klee formulierte.
Dieser Ausstieg aus dem überlieferten Aufgabenkreis der Kunst, nämlich Natur nachzuahmen, wie es seit Aristoteles als selbstverständlich galt, ist das einzige Ereignis von welthistorischer Bedeutung, das je in München stattgefunden hat. Der Aufbruch der modernen Kunst über die Grenzen des Materialismus zum Geistigen - so sagte das Wassilij Kandinski - fiel in die Zeit, als die katholische Kirche den Antimodernisteneid für ihre Priester einführte, um sich auf Dauer in einer defensiven Kräftekonzentration von der modernen Welt abzusetzen. Künstler, die sich der Kirche verpflichtet fühlten, gerieten dadurch in ein Dilemma. Entweder sie verrieten ihre Kunst, um den kirchlichen Auftraggebern zu gefallen, oder sie trennten sich von der Kirche.
Karl Caspar hat sein Leben lang an der Bibel als Quelle seiner Kunst festgehalten. Aber sein Werk entstand seit 1912 außerhalb der Kirchen, verteidigt von mutigen Katholiken wie Konrad Weiß und Carl Muth, aber ohne Chance gegen eine kirchliche Ablehnungsfront. Carl Muth hatte 1898 mit seiner Schrift „Steht die katholische Belletristik auf der Höhe der Zeit?” den Inferioritätsstreit ausgelöst, den Streit darüber, ob Katholiken ihrer Umwelt kulturell unterlegen seien. Karl Caspar, der zu den Gründungsmitgliedern des Deutschen Künstlerbundes gehörte, wollte eine Kunst auf der Höhe ihrer Zeit. Die Kirche konnte ihm bis lange nach seinem Tod nicht folgen, mit Ausnahme des Weihbischofs Senger von Bamberg, der ein Casparfresko für die Ostapsis des dortigen Doms durchsetzte, das 1928 großen Streit auslöste. Im Münchner Dom wurde noch 1953 ein Entwurf Caspars als zu modern abgelehnt und erst 1976 für die Unterkirche das Passionstriptychon von 1917 erworben.
Sollten sechzig Jahre, zwei Generationen, der Abstand bleiben, mit dem die Kirche den Entwicklungen der modernen Welt hinterherhinkt?
Aus: Peter B. Steiner, Glaubensästhetik. Wie sieht unser Glaube aus? 99 Beispiele und einige Regeln. Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 2008.
Gemeingüter sind verlässlich. Das unterscheidet sie von den (Finanz-) Märkten. So wichtig und richtig Forderungen nach staatlicher Regulierung prinzipiell sind – es geht nicht nur um Staat oder Markt. In der gegenwärtigen Neujustierung der Kräfteverhältnisse zwischen den Akteuren muss ein grundsätzlich neues Gleichgewicht zwischen einer lebendigen Bürgergesellschaft, dem Markt und dem Staat erstritten werden. Diese demokratische Dimension wird allzu häufig in den aktuellen Diskussionen vergessen. Ob in den Kämpfen um Wasser, um freie Kultur oder um den Schutz der Atmosphäre – es besteht die Gefahr, dass die Allgemeinheit die Verfügungsrechte über die gesellschaftlichen Reichtümer preisgibt. Das ist der wichtigste Augenöffner des vorliegenden Sammelbandes.
Gemeingüter sind allgegenwärtig. Sie machen einen Gutteil unseres Reichtums aus – auch wenn wir dazu neigen, sie nicht wahrzunehmen. Wo dies nicht passiert, da wächst ermutigend Neues. Menschen kämpfen in ganz unterschiedlichen (Selbst-) Organisationsformen lokal und global für faire Zugangsrechte zu sauberem Trinkwasser, für den Erhalt der Saatgutvielfalt, für freie Software und freien Austausch von wissenschaftlichem Wissen oder für vitale öffentliche Räume.
Das Konzept der Gemeingüter verbindet all diese Auseinandersetzungen, und es bringt die Prinzipien von Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit, Transparenz und Demokratie mit Innovationsfreundlichkeit zusammen. Die Gemeingüterdebatte transportiert die Idee der ökosozialen Marktwirtschaft in die globalisierte Informations- und Wissensgesellschaft. Sie fragt somit nach erfolgreichen Prinzipien, Organisationsformen und Institutionen des Wirtschaftens – auch jenseits von Markt und Staat. Das ist alltagsrelevant und aufregend.
Barbara Unmüßig in: Wem gehört die Welt? Zur Wiederentdeckung der Gemeingüter. Netzausgabe.
Wie eine Blume am Winter beginnt
so wie ein Feuer im eisigen Wind,
wie eine Puppe, die keiner mehr mag,
fühl ich mich am manchem Tag.
Dann seh ich die Wolken, die über uns sind,
und höre die Schreie der Vögel im Wind.
Ich singe als Antwort im Dunkel mein Lied
und hoffe, dass nichts geschieht.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Sonne
für diese Erde, auf der wir wohnen.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Freude,
ein bisschen Wärme, das wünsch' ich mir.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Träumen
und dass die Menschen nicht so oft weinen.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Liebe,
dass ich die Hoffnung nie mehr verlier .
Ich weiss, meine Lieder, die ändern nich viel.
Ich bin nur ein Mädchen, das sagt, was es fühlt.
Allein bin ich hilflos, ein Vogel im Wind,
der spürt, dass der Storm beginnt.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Sonne
für diese Erde, auf der wir wohnen.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Freude,
ein bisschen Wärme, das wünsch ich mir.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Träumen
und dass die Menchen nicht so oft weinen.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Liebe,
dass ich die Hoffnung nie mehr verlier .
Sing mit mir ein kleines Lied,
dass die Welt im Frieden lebt.
http://www.songtexte.com/songtext/nicole/ein-bisschen-frieden-4bf2cb46.html
[HTML] Jesus: "Das Wort". Mit dieser Ausdrucksweise ist zunächst einmal festgehalten, dass bei Jesus sein Wort, sein Reden ein zentrales und charakteristisches Element gewesen ist.
Jesus hat gesprochen, und sein Sprechen war ein Ereignis. Zuhörer haben ihre Betroffenheit einmal so ausgedrückt: "Noch nie hat ein Mensch so gesprochen wie er" (Joh 7,46). Ein anderes Mal sagen die Leute: "Er lehrt, spricht wie einer, der Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten" (Mk 1,22). Das Wort Jesu hatte eine beeindruckende Originalität, und es hatte eine innere Autorität und Kraft.
Dabei ist nicht nur an seine Predigt zu denken an Gruppen von Leuten. Genauso wichtig und mächtig waren die Worte, die Jesus zu Einzelnen persönlich sprach. Dazu gehören z.B. die Nachfolge-Worte. Das waren wirkmächtige Anrufe, die dem Leben der Apostel eine völlig neue Richtung gaben. Oder die heilenden und befreienden Worte. "Öffne dich!", sagt Jesus zu dem Taubstummen, und das Evangelium vermerkt: "da öffneten sich seine Ohren und das Band seiner Zunge wurde gelöst" (Mk 7,34f).
Solche Ereignisse und Erfahrungen waren mit ein Grund, dass man von Jesus sagen konnte: "Er ist das Wort". Was er sagte, das hat gewirkt. Es hat herausgefordert -man musste Stellung beziehen - und es hat befreit, ermutigt, geheilt.
Deshalb war eines der frühesten schriftlichen Dokumente im Urchristentum eine Sammlung von Jesus-Worten, die sogenannte Spruch- oder Redenquelle.
Einheit von Wort und Leben
Jesus ist das Wort. In dieser Formulierung ist weiterhin zum Ausdruck gebracht, dass bei Jesus Reden und Tun, Reden und Sein eine Einheit bildeten. Darin war seine Autorität letztlich begründet.
Wort und Existenz sind bei ihm nicht auseinandergeklafft. Jesus war selbst drin in dem, was er sagte: Er, mit seiner Überzeugung, mit seiner Hoffnung, seiner Liebe, auch mit der Bereitschaft, sein Wort wahrzumachen durch den Einsatz seines Lebens. Was er z.B. gesagt hat, gepredigt hat über das Erbarmen und die grenzenlose Liebe Gottes, das hat er gesagt im Wissen darum, dass ihm diese Botschaft das Leben kosten kann.
Bei Charles Peguy, einem französischen christlich orientierten Schriftsteller (1873-1914), findet sich der Satz: "Das Wort: der eine zieht es aus der Manteltasche, der andere reißt es aus seinem Fleisch". Das heißt: Der eine sagt etwas, ohne dass es ihn selbst tiefer berührt; bei dem anderen gibt es diesen Abstand nicht. Jesus ist mit seinem Wort eins geworden. Er hat es "aus seinem Fleisch gerissen". Er ist das Wort, das er spricht. Sein Wort ist "Fleisch geworden": in seinem Tun, seinem Leben und Leiden.
Gott zur Sprache gebracht
Jesus: Das WORT. Damit ist schließlich und vor allem gemeint, dass durch Jesus und in Jesus Gott zu Worte gekommen ist: der letzte Ursprung und Grund der Welt und unseres Lebens.
Was Gott seit je den Menschen sagen und mitteilen wollte, das ist in Jesus endgültig hörbar und sichtbar, hat in ihm Gestalt bekommen, ist "Fleisch geworden". Er ist das leibhaftige Wort Gottes, DIE Offenbarung des Vaters (vgl. Hebr 1,1f).
Wenn die Hl. Schrift vom "Worte Gottes" redet, dann ist damit auch gemeint, dass Gott sich uns zuwendet. Verbindung mit uns aufnimmt, Gemeinschaft zwischen sich und uns begründet, einen Bund stiftet. Jesus, das Wort Gottes in Person, das heißt dann: Er ist es, in dem Gott sich in letzter Konsequenz mit uns verbunden hat. Jesus selbst verkörpert die unauflösliche Verbindung zwischen Gott und den Menschen, den Neuen, ewigen Bund.
Aus:
Augustin Schmied, Lichter, die uns begleiten. Gedanken zu den christlichen Festen, veröffentlicht im Dezember 2012 hier im Downloadbereich des Predigtforums.
Für den Vorabendgottesdienst ist als Evangelium der Stammbaum Jesu nach Matthäus vorgesehen. Er zeigt die Verwurzelung Jesu in der ihm vorausgehenden Geschichte (Mt 1,1-25).
In Kirchen aus dem Mittelalter sieht man den Stammbaum Jesu oft bildlich dargestellt: den Baum aus der Wurzel Jesse. Unten, die Wurzel: Jesse oder Isai, der Vater Davids, und dann geht es hinauf in die Äste und Zweige, bis hin zu Maria mit dem Kinde Jesus.
Es gibt Leute, die viel Zeit und Geld investieren in Ahnenforschung. Auch wenn man selbst nicht so weit geht: es ist schon interessant zu sehen, woher man kommt; wer die Vorfahren waren, die uns ihr Erbe hinterlassen haben. Wir kennen sie kaum noch, wenn es über die Großeltern oder die Urgroßeltern hinausgeht. Und doch haben sie alle etwas an uns weitergegeben: nicht nur biologisches Leben; ihr Leben als Ganzes, ihre Person, haben Wirkungen hinterlassen.
Kommen wir zurück zum Stammbaum Jesu! Es ist ein ziemlich trockener, eintöniger Text: ständig Namen, die fremd klingen. Diese kargen Angaben bekämen Farbe und Leben, wenn man die dazu gehörigen Geschichten aus dem Alten Testament läse. Es hat jedenfalls viel zu bedeuten, dass Jesus in eine menschliche Herkunftslinie hineingestellt wird.
Leben mit positiven und negativen Vorgaben
Jesus, der wie kein anderer Mensch, von Gott her zu uns gekommen ist, ist gleichzeitig tief verwurzelt in der vorausgehenden Geschichte Israels und der ganzen Menschheit. Im Lukasevangelium wird der Stammbaum Jesu bis auf Adam zurückgeführt (Lk 3,23-38).
Christus ist nicht wie ein Meteor vom Himmel gefallen, quer zu allen Verbindungslinien und Entwicklungen der Menschheitsgeschichte. Er steht im Zusammenhang einer langen Vorgeschichte. Es war bei Jesus wie bei uns allen. Wir sind Nachkommen und Erben. Und das prägt uns: helfend und gefährdend.
Jesus konnte auf guten Grundlagen aufbauen. Er konnte in die Spur einer großen religiösen Tradition eintreten. Er konnte anknüpfen an lang erprobte und bewährte Formen der Frömmigkeit und der ethischen Lebensführung. Sein Beten war vorbereitet und getragen durch die Gebetserfahrung und -sprache seines jüdischen Volkes. Man denke an die Psalmen! Bedeutende religiöse Persönlichkeiten konnten ihm Anreger und Vorbild sein: Abraham, Mose, die Propheten.
Diese positiven Vorgaben wurden Jesus näherhin und zunächst durch seine Familie vermittelt: durch Maria und Josef. Durch diese Beiden ist dem menschlichen Bewusstsein Jesu auch sein himmlischer Vater in den Blick gekommen.
Jesus musste aber auch mit negativen Einflüssen fertig werden, mit Hypotheken, die sich unter seinen Vorfahren angesammelt hatten; die ihm zur Versuchung werden konnten.
In der Geschichte Israels gab es auch Abwege und Irrwege, Spuren ins Unheil. Von manchen der Männer, die im Stammbaum genannt werden, berichten die Bücher des Alten Testaments, dass sie gegen die Bundesordnung Gottes handelten und das Volk in eine falsche Richtung mitrissen. Das wird öfter von Königen Israels gesagt. Es gab Ungerechtigkeiten und Verbrechen; falsche Vorstellungen von dem, was zum Heile dient; Verehrung von "Götzen".
Mit solchen negativen Einflüssen musste sich Jesus auseinandersetzen, um seinen Weg zu gehen und dem Auftrag des Vaters zu entsprechen.
Ähnliches gilt auch von uns. Unsere Vorgeschichte wird positive Impulse enthalten; Hilfen, Ermutigung; zum Guten lockende Gestalten. Aber es gibt wahrscheinlich auch erschwerende oder gefährliche Elemente, zumindest, wenn man auch an die Geschichte des Volkes denkt, zu dem wir gehören. Es kommt darauf an, der Lichtspur in unserer Geschichte zu folgen.
Grenzen, die kein Unheil sind
Der Stammbaum Jesu zeigt, dass zum menschlichen Leben Jesu konstitutive Begrenzungen gehörten; Grenzen, die trotzdem seinen Raum und Zeit umspannenden Einfluss nicht gemindert haben.
Jesus wurde in eine ganz bestimmte Menschheitslinie hineingeboren, in ein ganz bestimmtes Volk. Er war Jude; die Christen haben das oft vergessen. Er hat nicht alle Sprachen gesprochen und verstanden. Er ist in vielen Punkten "Kind seiner Zeit" gewesen.
In den Grenzen seines Lebens hat Jesus aber eine universale Ausstrahlung entfaltet. Er hat als Person und mit seiner Botschaft Menschen aller Völker ansprechen können. Die neutestamentliche Bibel, die seine Geschichte und seine Worte weitergibt, ist in alle Sprachen übersetzt; sie ist wohl das am meisten verbreitete Buch überhaupt geworden. Jesus hat die menschlichen Grunderfahrungen miterlebt - den Weg vom Kindsein bis zum Tode; er war mit den elementaren Situationen der Menschen vertraut. Deshalb kann er allen nahe kommen.
Interessant in diesem Zusammenhang ist ein Interview, das der jüdische Schriftsteller und Nobelpreisträger Isaac Bashevis Singer (1904-1991) gegeben hat. Er sprach davon, dass öfter junge Leute, Studenten, zu ihm kommen und fragen, wie sie es machen sollten, um es zu einem guten Schriftsteller zu bringen. Singer meinte, er sage ihnen, dass sie sich nicht mit Gewalt und nicht zu weit weg von ihrem menschlichen Wurzelboden entfernen sollten. Möglichst Kontakt halten zu den eigenen Ursprüngen ("stay with it" -"bleib dran"!). Singer selbst hat den Nobelpreis in Literatur 1978 für Werke erhalten, die er zunächst in seiner Muttersprache, in Jiddisch, verfasst hatte, in einem (leider) nur noch von Wenigen gesprochenen Dialekt des Ostjudentums. Aber in dieser an sich begrenzten Ausdrucksform war er er selbst, konnte er Originelles und weltweit Bedeutendes schaffen.
Stammbaum Jesu Christi: Jesus eingesenkt in das Wurzelgeflecht der Menschheit! So ist er der Erlöser geworden. Aus dem Inneren der Menschheitsgeschichte her hat er uns einen Weg gebahnt: den Weg zu Gott, dem Vater, und den Weg zu den Mitmenschen. Auf diesen Weg können wir uns mitnehmen lassen.
Aus:
Augustin Schmied, Lichter, die uns begleiten. Gedanken zu den christlichen Festen, veröffentlicht im Dezember 2012 hier im Downloadbereich des Predigtforums.
In die biblischen Texte, die über das Weihnachtsmysterium sprechen, sind große Worte wie Freude und Friede eingewoben. Sie bezeichnen etwas, was jeder Mensch und jede menschliche Gemeinschaft dringend braucht, gleichviel ob sie es wissen und wollen oder nicht.
"Frieden - du großes Augenlid - das alle Unruhe verschließt - mit deinem himmlischen Wimpernkranz - Du leiseste aller Geburten". Mit diesen Zeilen endet ein Gedicht von Nelly Sachs, einer der größten Dichterinnen des 20. Jahrhunderts, der auch der Nobelpreis für Literatur verliehen worden ist. Dieses Gedicht, ich halte es für das schönste, das Nelly Sachs verfasst hat, hat viel mit Weihnachten zu tun. Es beginnt mit den Worten "Einer wird den Ball aus der Hand der furchtbar Spielenden nehmen." Dieser Eine ist offenbar eine Messiasgestalt. Die Schriften des Alten Testaments reden mit vielen einander ergänzenden Worten und Bildern vom Messias, den das Volk des Alten Bundes erwartet hat und heute noch erwartet. Er wird vor allem als Friedenskönig vorgestellt und Isaias redet auf bewegende Weise von seiner Geburt als Aufgang eines großen Lichtes:
Das Volk, das in Finsternis wandelt, erschaut ein gewaltiges Licht. Über den Bewohnern eines finsteren Landes strahlt ein Lichtglanz hell auf.
Reichen Jubel schenkst du, schaffst große Freude. Man freut sich vor dir, wie man sich freut bei der Ernte, wie man jubelt beim Teilen der Beute.
Denn das Joch seiner Last, den Stab auf seiner Schulter, den Stock seines Zwingherren zerbrichst du wie am Tage von Midian.
Ja, jeder Soldatenstiefel, der polternd einherstampft, jeder Mantel, im Blute geschleift, wird verbrannt und im Feuer verzehrt!
Denn ein Kind wird uns geboren, ein Sohn wird uns geschenkt, auf dessen Schulter die Herrschaft ruht. Man nennt ihn: Wunderrat, Gottheld, Ewigvater, Friedensfürst.
Groß ist die Herrschaft, und der Friede ist endlos auf Davids Thron und in seinem Reich; er errichtet und stützt es durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Der Eifer des Herrn der Heerscharen wird dies vollbringen!
Dieser Isaiastext ist eine von den großen Friedensbotschaften der Bibel. Sie wird fortgesetzt durch die Weihnachtsevangelien des Neuen Testaments.
Diese biblische Botschaft vom Frieden ist jederzeit zugleich schwach und stark. Sie wird auch am diesjährigen Weihnachtsfest in eine Welt hineingesprochen, die geprägt ist durch große Konflikte, in Gestalt von Terror und Krieg, durch Elend in großen Teilen Afrikas und Lateinamerikas und durch friedensgefährdende weil auf Unrecht basierende Politik. Zu diesem Unfrieden in der großen Welt kommt der Unfriede in vielen kleineren Gemeinschaften und im Herzen vieler Menschen, die unversöhnt sind mit anderen und mit sich selbst, und in all dem und über all das hinaus unversöhnt mit Gott.
"Einer wird kommen und den Ball aus der Hand der furchtbar Spielenden nehmen", sagt das scheinbar wehrlose Gedicht von Nelly Sachs angesichts dieser vielgestaltigen Friedlosigkeit. Der Ball, von dem hier gesprochen wird, ist unsere Erde, unsere Menschenwelt. Die sehr Mächtigen können mit ihr spielen und sie haben es im 20. Jahrhundert oft getan. Das Kind von Bethlehem hat als Mann von Nazareth und als gekreuzigter und auferstandener Christus diese gefährlich Spielenden nicht entwaffnet. Sie spielen immer noch und werden weiterspielen. Das Kind von Bethlehem hat aber als Mann von Nazareth die Herz und Mund öffnende Bergpredigt verkündet, eine Friedensbotschaft, die zugleich schwach und stark ist, wie ein Kind. Jedes Kind ist schwach, weil wehrlos. Und zugleich ist ein solches Kind stark durch seine Liebenswürdigkeit, durch seinen Charme. Wie ein Sauerteig wirkt daher der Friede Christi inmitten der Menschheit und ihrer Geschichte; sanft und meistens leise, aber nicht wirkungslos. Und manchmal stehen Friedensboten im Namen Christi auch auf und reden mit prophetischer Schelte laut, dröhnend gegen das vielgestaltige Unrecht, das Böse. Öfter gilt freilich das Isaiaswort über den Frieden stiftenden Knecht Gottes als einen, dessen Stimme man auf den Gassen und heute in vielen Massenmedien nicht hören kann. Aber seine Stimme ist da, sie ist da im Gewissen vieler, freilich im Ganzen viel zu weniger Menschen. Und sie führt auch zur Tat. Sie weist Wege, sie heilt und sie baut Brücken von Mensch zu Mensch, von Mensch zu Gott.
Das Evangelium der dritten Weihnachtsmesse, das wir vorhin gehört haben, redet von Christus als dem im Kind von Bethlehem in Welt und Geschichte eingetretenen ewigen Wort und Sohn Gottes, als Licht der Welt. Viele verweigern sich auch heute diesem Licht. Viele führen Krieg gegen dieses Licht. Aber, sagt das Evangelium- der Johannesprolog-, das Licht war schließlich stärker. Der Saldo der Weltgeschichte wird ein positiver sein.
Dieses Licht, liebe hier versammelte Christen, Brüder und Schwestern will auch in uns und durch uns und leuchten. Wo dies geschieht, da mehren sich der Friede und die Freude. Beides wünschen wir einander für heute und für alle Tage des kommenden Jahres.
Egon Kapellari auf: www.dekanat.at
Unsere tiefste Angst ist nicht, dass wir unzulänglich sind; unsere tiefste Angst ist, daß wir unermesslich machtvoll sind. Es ist unser Licht, das wir fürchten, nicht unsere Dunkelheit. Wir fragen uns: "Wer bin ich eigentlich, dass ich leuchtend, begnadet, phantastisch sein darf?" Wer bist du denn, es nicht zu sein? Du bist ein Kind Gottes. Wenn du dich klein machst, dient das der Welt nicht. Es hat nichts mit Erleuchtung zu tun, wenn du schrumpfst, damit andere um dich herum sich nicht verunsichert fühlen. Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes zu verwirklichen, die in uns ist. Sie ist nicht nur in einigen von uns, sie ist in jedem Menschen. Und wenn wir unser eigenes Licht erstrahlen lassen, geben wir unbewußt anderen Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu tun. Wenn wir uns von unserer eigenen Angst befreit haben, wird unsere Gegenwart ohne unser Zutun andere befreien.
Nelson Mandela, Auszug aus seiner Antrittsrede 1994.
Ein Wort, ein Satz -: aus Chiffren steigen
erkanntes Leben, jäher Sinn,
die Sonne steht, die Sphären schweigen,
und alles ballt sich zu ihm hin.
Ein Wort - ein Glanz, ein Flug, ein Feuer,
ein Flammenwurf, ein Sternenstrich -
und wieder Dunkel, ungeheuer,
im leeren Raum um Welt und Ich.
Gottfried Benn, Ein Wort.
Komm, du Heiland aller Welt;
Sohn der Jungfrau, macht dich kund.
Darob staune, was da lebt:
Also will Gott werden Mensch.
Nicht nach eines Menschen Sinn,
sondern durch des Geistes Hauch
kommt das Wort in unser Fleisch
und erblüht aus Mutterschoß.
Wie die Sonne sich erhebt
Und den Weg als Held durcheilt,
so erschien er in der Welt,
wesenhaft ganz Gott und Mensch.
Glanz strahlt von der Krippe auf,
neues Licht entströmt der Nacht.
Nun obsiegt kein Dunkel mehr,
und der Glaube trägt das Licht.
Gott dem Vater Ehr und Preis
Und dem Sohne Jesus Christ;
Lob sei Gott dem Heilgen Geist
Jetzt und ewig. Amen.
(Der Hymnus "Veni redemptor gentium” wurde im 4. Jh. vom Kirchenvater Ambrosius in Mailand gedichtet. Die hier vorgelegte Übersetzung ins Deut sche stammt von Markus Jenny 1971.) Aus: Egon Kapellari, Menschenzeit in Gotteszeit. Wege durch das Kirchenjahr. Styria Verlag, Graz Wien Köln 2002.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.