Die biblischen Texte des ersten Sonntags der Fastenzeit erzählen von Neuanfängen: der Neuanfang Gottes mit den Menschen nach der Sintflut, der Neuanfang Gottes, nachdem er sein Volk aus Ägypten herausführte, der Neuanfang, den Jesu einleitete und der Neuanfang mit der Umkehr, zu der wir von Jesus aufgerufen werden.
Von den biblischen Texten her steht der erste Fastensonntag unter dem Thema: Neu-Anfang. Wahrnehmen und beachten sollten wir dabei gleich von Beginn an: Der Anstoß dazu geht jeweils neu von Gott aus.
Wir stehen am Beginn der Fastenzeit und werden eingeladen, neu unseren Glauben zu überprüfen. Die Einladung geschieht nicht vorwurfsvoll mit dem Hinweis, was wir alles falsch gemacht haben. Vielmehr sollen wir neu bedenken, mit welcher Liebe und Sorge sich Gott uns Menschen zuwendet. Wer dies tief bedenkt und immer wieder verinnerlicht, den wird sein Herz bewegen, trotz wiederholten Versagens von der Liebe nicht zu lassen. Er wird Kraft und Mühe darauf verwenden, Gott mit Werken der Liebe zu antworten.
Mit dem Aschermittwoch haben wir die 40-tägige Fastenzeit begonnen, um uns auf das Fest der Auferstehung vorzubereiten.
Der erste Sonntag der Fastenzeit erinnert uns an die vierzig Tage, die Jesus in der Wüste zugebracht hat, bevor er mit seiner Sendung an die Öffentlichkeit trat.
Auch wir bedürfen von Zeit zu Zeit eine Phase der Klärung unserer Lebensziele, unserer Beziehungen, nicht zuletzt unserer Beziehung zu Gott. Die Fastenzeit gibt uns dafür den nötigen Raum und schafft die entsprechende Atmosphäre.
Treten wir am Beginn dieser Feier vor den Herrn hin und bitten wir ihn, dass er sich uns zuwende:
Herr,
gewohnte Wege zu verlassen, fällt uns schwer,
wir haben uns in unseren Gedanken eingerichtet,
manchmal drehen wir uns nur noch um uns.
Herr, erbarme dich.
Herr,
Schuld einzugestehen, fällt uns schwer,
Wir suchen uns zu entlasten,
manchmal geben wir den schwarzen Peter einfach weiter.
Christus, erbarme dich.
Herr,
Menschen anzunehmen, die anders sind als wir, fällt uns schwer.
Wir pochen auf unsere Traditionen,
manchmal verschwinden hinter Ordnungen und Regeln Gesichter, die wir lieben könnten
Herr, erbarme dich.
Oder:
GL 168: O Herr, nimm unsre Schuld, mit der wir uns belasten
Herr, Jesus Christus,
du hast dich vom Geist Gottes in die Wüste führen lassen.
Herr, erbarme dich.
Du hast dich den Versuchungen des Satans ausgesetzt.
Christus, erbarme dich.
Als die Zeit erfüllt war, hast du zur Umkehr aufgerufen
und das Evangelium Gottes verkündet.
Herr, erbarme dich.
Allmächtiger Gott,
du schenkst uns die heiligen vierzig Tage
als eine Zeit der Umkehr und der Buße.
Gib uns durch ihre Feier die Gnade,
daß wir in der Erkenntnis Jesu Christi voranschreiten
und die Kraft seiner Erlösungstat
durch ein Leben aus dem Glauben sichtbar machen.
Darum bitten wir durch ihn,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 1. Fastensonntag
Gott, unser Heil,
gib uns die Gnade, umzukehren zu dir.
Erleuchte unseren Verstand
und stärke unseren Willen,
damit uns diese Zeit der Buße zum Segen wird.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Montag in der 1. Woche der Fastenzeit
Wir danken dir, guter Gott, für die Fastenzeit,
für vierzig Tage der Besinnung und der Einkehr.
Du schenkst uns dein Wort,
du lässt uns den Weg Jesu mitgehen,
du hilfst uns, einen neuen Blick auf unser Leben zu werfen.
Wir bitten dich, hilf uns,
die Dinge in unserem Leben abzuwägen,
Abhängigkeiten zu entdecken
und alten Ballast abzuwerfen.
Trägheit und Resignation legen wir in deine Hände.
Du führst uns in die herrliche Freiheit deiner Kinder.
Durch Christus, unserem Herrn.
Herr, unser Gott,
wir bringen Brot und Wein für das heilige Opfer,
das wir zum Beginn dieser Fastenzeit feiern.
Nimm mit diesen Gaben uns selbst an
und vereine unsere Hingabe
mit dem Opfer deines Sohnes,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 1. Fastensonntag
Herr, unser Gott,
wir bringen diese Gaben dar
und weihen uns dir im Opfer deines Sohnes.
Nimm den Dienst deiner Kirche an.
Übe Nachsicht mit unserem Versagen
und heilige unser Leben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Montag in der 1. Woche der Fastenzeit
Kehrvers
Singet dem Herrn alle Länder der Erde,
singt dem Herrn und preiset seinen Namen.
(GL 54,1)
Wir kommen zu dir, Gott und Vater,
um dir unseren Dank und Lobpreis darzubringen.
Du schenkst uns Zeiten der Besinnung und Umkehr
und gehst jenen entgegen, die dich mit aufrichtigem Herzen suchen.
Kehrvers
Obwohl die Menschen sich immer wieder von dir abwandten,
hast du ihnen deinen Bund angeboten.
Nach der großen Flut hast du der Menschheit zugesagt,
dass du ein Gott des Lebens bist,
der nicht den Tod des Sünders will,
sondern, dass er umkehrt und lebt.
Kehrvers
Wir danken dir für die Frohe Botschaft vom Reich Gottes,
die uns dein Sohn Jesus Christus verkündet hat.
Durch sie haben wir das wahre Leben gefunden.
Kehrvers
Durch die Taufe hast du uns Anteil am ewigen Leben der Kinder Gottes gegeben
und uns aus der Not des Sterbens errettet.
Dafür danken wir dir und preisen wir dich mit allen,
die in deiner Gegenwart leben.
Danklied, z. B. Lasst uns loben, freudig loben (GL 489)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und dein Erbarmen zu preisen.
Denn jedes Jahr
schenkst du deinen Gläubigen die Gnade,
das Osterfest in der Freude
des Heiligen Geistes zu erwarten.
Du mahnst uns in dieser Zeit der Buße
zum Gebet und zu Werken der Liebe,
du rufst uns zur Feier der Geheimnisse,
die in uns die Gnade der Kindschaft erneuern.
So führst du uns mit geläutertem Herzen
zur österlichen Freude und
zur Fülle des Lebens
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn rühmen wir deine Größe
und vereinen uns mit den Chören der Engel
zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Fastenzeit 1
hat in einer großen Tiefe zum Vater gebetet.
Beten wir das Gebet, welches Christus uns selber zu beten gelehrt hat,
mit der gleichen großen Ehrfurcht.
Vater unser...
© Pfarrer Hans Tinkhauser <hans.tinkhauser@aon.at>
Gütiger Gott,
du hast uns das Brot des Himmels gegeben,
damit Glaube, Hoffnung und Liebe in uns wachsen.
Erhalte in uns das Verlangen nach diesem wahren Brot,
das der Welt das Leben gibt,
und stärke uns mit jedem Wort,
das aus deinem Mund hervorgeht.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 1. Fastensonntag
Allmächtiger Gott,
du hast uns Anteil gegeben am heiligen Mahl.
Laß uns an Leib und Seele gesunden.
Schenke uns durch dieses Sakrament deine Hilfe
und die ewige Vollendung.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Montag in der 1. Fastenwoche
Gott unser Vater
du hast deinen Sohn in die Wüste geführt,
damit wir in der Freiheit der Kinder Gottes leben können.
Segne unsere Tage in der österlichen Bußzeit.
Lass uns Christus nahe kommen,
damit wir Ostern als Fest des Lebens und der Freude feiern
durch die Erlösungstat, die Herr für uns vollbracht hat.
So segne uns der dreieinige Gott,
der Vater und der Sohn und der heilend tröstende Geist. – Amen.
© Pfarrer Hans Tinkhauser <hans.tinkhauser@aon.at>
Die katholische Kirche ist stets für Überraschungen gut. Das hat sie in den vergangenen Wochen wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Zuerst zaubert man Gerhard Maria Wagner aus dem Hut. Und mit ihm seine ganz persönliche Meinung zu Naturkatastrophen und Homosexualität. Bischof Elmar Fischer konnte da noch nachlegen: Homosexualität sei eine "psychische Krankheit wie Alkoholismus". Damit hat man nur die Angesprochenen vor den Kopf gestoßen.
Überraschend war auch der jüngste Schritt, überraschend positiv: Der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn hat mit der raschen Einberufung einer Sondersitzung der Bischofskonferenz reagiert. Und damit ein deutliches Signal gesetzt: einerseits in Richtung der vielen Kritiker, die der Kirche angesichts der aktuellen Krise ein Aussitzen selbiger unterstellten. Andererseits in Richtung der zahlreichen Katholiken, die derzeit in ernster Sorge um ihre Kirche sind. Probleme zu erkennen und diejenigen, die darunter leiden, ernst zu nehmen, ist ein erster Schritt in Richtung Deeskalation.
Und es nährt die Hoffnung auf einen generellen Umdenkprozess; nicht zuerst die Schäfchen mahnen, nicht von kritischen Dechanten Gehorsam und Loyalität einfordern, sondern sich an die eigene Bischofsmütze fassen und zu fragen: Was können wir als zuständige Ortsbischöfe tun? Viele Katholiken würden sich über überraschend deutliche Worte von Schönborn und seinen Kollegen freuen. Und dann müssten den schönen Worten noch konkrete Taten folgen.
Markus Rohrhofer in: DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.2.2009)
Die Blase ist geplatzt, weil jede Blase irgendwann platzt. Wer noch vor zwei Jahren Experten fragte, wo denn der reale Gegenwert der gewaltigen Gewinne auf den Finanzmärkten sei, wurde groß angeschaut: Welcher Gegenwert? Die Gewinne sind ja da- erklären sich also von selbst und damit den Erfolg des Systems, dessen Prinzip lautet: je größer, desto besser; je mehr, desto erfolgreicher.
Die menschliche Gier sei schuld, heißt es jetzt. Die hat es freilich schon immer gegeben. Bloß, dass ihr die globalisierte Welt ein unbegrenztes Betätigungsfeld geschaffen hat. Scheinbar.
Aber das Streben nach materiellem Reichtum allein kann die Blase nicht erklären, die jetzt geplatzt ist. Es ist eine andere, sozusagen abstrakte Gier. Oder besser: ein Wahn. Der Wahn, dass "mehr" und "größer" etwas grundsätzlich Besseres, also Erstrebenswertes seien. So folgt auf "groß" "super", auf "super" "hyper", auf "hyper" "mega", auf "mega" "giga", auf "giga" - was?
Vor der Globalisierung sorgten nationale oder technische Grenzen dafür, dass die Bäume nicht in den Himmel wuchsen, wie die alte Redewendung so schön sagt. Die weltweite Kommunikations- und Ökonomie-Vernetzung hat diese Korrektive beseitigt. Aber sind mit den Möglichkeiten auch die menschlichen Fähigkeiten gewachsen, sie zu beherrschen? Die Antwort erhalten wir soeben. Nicht mehr kontrollierbares Wachstum führt zum Tod, wie wir aus der Biologie wissen.
Eindringlichstes Sinnbild des Super-Mega-Giga-Wahns ist der globale Wettlauf um den höchsten Wolkenkratzer. Welchen Sinn macht es, ein tausend Meter hohes Gebäude zu errichten? Und wer fühlt sich wohl darin? Die Wüsten-"Metropole" Dubai, die in diesem Wettbewerb mitmacht, ist selbst eines der drastischsten Beispiele für wahnwitziges Wachstum.
Es gibt auch andere, weniger spektakuläre Beispiele, hinter denen aber dieselbe Philosophie steckt. Den Event-Wahn etwa: je größer ein Ereignis welcher Art auch immer, desto aufregender. Eine Fußball-EM mit Publikum in den Stadien oder vor den Fernsehschirmen tut's längst nicht mehr - da müssen Events in Form groß aufgezogener Fanmeilen dazu. Wenn die sich im Nachhinein als Defizit in jeder Beziehung herausstellen - wenn kümmert's dann noch? Und wer wird so kleinlich sein, die behauptete Umwegrentabilität infrage zu stellen. Hauptsache, es war ein Mega-Event.
Oder die Modellpolitik, mit der nicht nur die amerikanischen Autokonzerne in die Sackgasse gefahren sind? Möglichst groß, möglichst stark.
Um zurück zum Finanzmarkt zu kommen: Wenn selbst biedere österreichische Gemeindeverwaltungen der Gier nach möglichst hohen Renditen verfallen und Steuergelder in mehrstelliger Millionenhöhe verzocken, ist jedes menschliche Augenmaß verloren gegangen.
Und wenn jetzt so viel von Nachhaltigkeit die Rede ist: Jeder Euro, der in Bildung, Qualifikation, Integration, Förderung von innovativen Klein- und Mittelbetrieben, also direkt in Menschen investiert wird, rechnet sich letztlich um ein Vielfaches besser als die höchste Rendite auf dem Kapitalmarkt oder die (vermeintliche) höchste Umwegrentabilität von Mega-Events.
Was also folgt auf "giga", wenn wir die Botschaft der Krise verstanden haben? Die (Rück-)Besinnung auf den Menschen als kleinste und zugleich größte Einheit. Isolierte Humanbiotope und geschützte Werkstätten kann es in einer durch und durch vernetzten Welt nicht mehr geben. Die Globalisierung verpflichtet nicht nur die Entscheidungsträger in Wirtschaft und Politik, sondern jeden Einzelnen dazu, auch in seiner persönlichen Lebensweise immer die Welt mitzudenken. Und diese Aufgabe ist groß genug.
Josef Kirchengast in: DER STANDARD, Printausgabe, 23.2.2009
© 2009 derStandard.at

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.