Jerusalem galt bis ins 6. Jahrhundert v.Chr. als das politische und religiöse Zentrum. Nach der Zerstörung durch die Babylonier erklingt die Ankündigung eines neuen Herrschers, der in der heutigen Lesung aber nicht mehr König genannt und auch nicht mehr mit Jerusalem in Verbindung gebracht wird.
Lesung aus dem Buch Micha.
So spricht der HERR:
Du, Betlehem-Efrata,
bist zwar klein unter den Sippen Judas,
aus dir wird mir einer hervorgehen,
der über Israel herrschen soll.
Seine Ursprünge liegen in ferner Vorzeit,
in längst vergangenen Tagen.
Darum gibt er sie preis,
bis zu der Zeit, da die Gebärende geboren hat.
Dann wird der Rest seiner Brüder zurückkehren
zu den Söhnen Israels.
Er wird auftreten und ihr Hirt sein in der Kraft des HERRN,
in der Hoheit des Namens des HERRN, seines Gottes.
Sie werden in Sicherheit wohnen;
denn nun wird er groß sein bis an die Grenzen der Erde.
Und er wird der Friede sein.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv - Stelle uns wieder her, o Gott!
Lass dein Angesicht leuchten und wir sind gerettet. - Kv
(Oder GL 46,1)
Du Hirte Israels, höre!
Der du auf den Kerubim thronst, erscheine!
Wecke deine gewaltige Kraft
und komm zu unserer Rettung! - Kv
Gott der Heerscharen, kehre doch zurück,/
blicke vom Himmel herab und sieh,
sorge für diesen Weinstock!
Beschütze, was deine Rechte gepflanzt hat,
und den Sohn, den du dir stark gemacht! - Kv
Deine Hand sei über dem Mann zu deiner Rechten,
über dem Menschensohn, den du dir stark gemacht.
Wir werden nicht von dir weichen.
Belebe uns und wir rufen deinen Namen an.- Kv
Lesung aus dem Hebräerbrief.
Schwestern und Brüder!
Bei seinem Eintritt in die Welt spricht Christus:
Schlacht- und Speiseopfer hast du nicht gefordert,
doch einen Leib hast du mir bereitet;
an Brand- und Sündopfern hast du kein Gefallen.
Da sagte ich: Siehe, ich komme
- so steht es über mich in der Schriftrolle - ,
um deinen Willen, Gott, zu tun.
Zunächst sagt er:
Schlacht- und Speiseopfer,
Brand- und Sündopfer forderst du nicht,
du hast daran kein Gefallen,
obgleich sie doch nach dem Gesetz dargebracht werden;
dann aber hat er gesagt:
Siehe, ich komme, um deinen Willen zu tun.
Er hebt das Erste auf,
um das Zweite in Kraft zu setzen.
Aufgrund dieses Willens
sind wir durch die Hingabe des Leibes Jesu Christi geheiligt -
ein für alle Mal.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Hebräerbrief wird zu den sogenannten "katholischen" (d.h. "an alle gerichteten") Briefen gerechnet. Wer ihn schrieb und wer seine Adressaten waren, wissen wir heute nicht mehr. Weil er die hebräische Bibel gut kannte, aber ausgezeichnet Griechisch konnte, nimmt man an, dass der Autor ein gebildeter Judenchrist - vielleicht aus der Diaspora - war, der für Seinesgleichen diesen Text verfasste. Er entstand zwischen 80 und 95 n. Chr.
Ursprünglich war der Hebräerbrief nicht als Brief gedacht - es fehlen Anrede und eine Grußliste, wie sie z. B. die Paulusbriefe haben -, sondern war wohl eher eine Art urchristliche Predigt, in der wichtige Stellen des Alten Testamentes ausgelegt werden. Der Verfasser möchte zeigen, dass Christus die Erfüllung der alten Verheißungen ist, um so die alttestamentliche Überlieferung mit dem Neuen, das mit Christus begonnen hat, zu verbinden. Seiner Ansicht nach ist schon im Alten Testament überall von Christus die Rede.
Aus heutiger Sicht sagen wir vielleicht, dass der Verfasser des Hebräerbriefs das Alte Testament ungebührlich vereinnahmt. Ich denke, dass sich darin ein Teil der Streitigkeiten zwischen der zahlenmäßig noch überlegenen Synagoge und der kleineren, aber ständig anwachsenden jungen Kirche widerspiegelt. Zwischen Christen und Juden war bereits ein tiefer Graben - beides zugleich konnte niemand sein. Der Autor dieser Schrift will sein jüdisches Erbe nicht preisgeben, aber ebenso wenig sein christliches Bekenntnis, und verfällt daher auf diese besondere Art der Schriftauslegung, um beides vereinen zu können.
Im vorliegenden Abschnitt des Hebräerbriefs werden zunächst die Verse 5 - 7 aus dem Psalm 40 zitiert, und zwar nach der griechischen Übersetzung, die die Juden in der Diaspora verwendeten. Psalm 40 ist ein Danklied. Der Beter preist Gott für seine Errettung aus großer Not. In den Versen, um die es hier geht, erklärt der Beter, warum er es nicht einfach bei einem Dankopfer im Tempel bewenden lässt: Gott sind diese Opfer egal. Der wahre Gottesdienst ist es, seinen Willen zu tun, und dazu möchte sich der Psalmbeter aus Dankbarkeit gerne verpflichten.
Der Autor des Hebräerbriefs deutet diese Stelle nun ganz neu, indem er die Psalmworte Christus selber in den Mund legt, und liest sie so: Christus erteilt den Opfern der alten Art eine Absage. Denn er ist das wahre Opfer. Aber nicht ein blutiges Tieropfer, sondern ein Opfer der neuen Art: Er kommt, um Gottes Willen zu tun. Wenn Christus also das wahre Opfer ist, dann nicht in erster Linie deshalb, weil er stirbt, sondern weil er zu Gottes Willen ein ungeteiltes Ja sagt.
Einer der Schwerpunkte des Briefes an die Hebräer ist die Ausfaltung der Bedeutung des Hohepriestertums Jesu Christi.
In Abhebung von und zu den Opfern im älteren Testament wird klar angesprochen, dass Gott an den vorangegangenen Opferformen keinen Gefallen mehr hat und diese Opferformen werden gleichsam außer Kraft gesetzt. Er setzt nun ein zweites Opfer, die Opfergabe seines Leibes in Kraft - ein Opfer von völlig neuer Qualität.
Die Opferthematik steht in diesem Textabschnitt im Vordergrund. Doch bei genauerem Studium erhält Vers 7, "Da sagte ich: Ja, ich komme - so steht es über mich in der Schriftrolle -, um deinen Willen, Gott, zu tun." eine große Bedeutung. Hier wird angesprochen, dass Jesus der verheißene und erwartete messianische Heilsmittler ist. Dies rückt die Perikope nicht nur in die Nähe der alttestamentlichen ersten Lesung, sondern erklärt auch ihre Verwendung in der Adventzeit, in der die erwartete Begegnung mit Jesus Christus als Erfüllung aller Sehnsüchte und Vorbereitung auf sein zukünftiges Kommen am Ende der Geschichte gesehen werden kann.
Die Lesungsperikope zeigt wie viele andere Stellen des Hebräerbriefes folgende inhaltliche Linie: In Jesus Christus ist das alttestamentliche Opferwesen "ein für allemal" aufgehoben. Das heißt nicht, dass die Opfer zu ihrer Zeit nicht ihre Berechtigung gehabt hätten, es bedeutet aber, dass ihre nie vollständig erreichte Intention, nämlich die Heiligung der Glieder des Volkes Gottes, in Jesu Menschwerdung, Sterben und Tod zur Erfüllung gekommen ist. Die Textstelle spielt dabei auf Ps 40,7-9 an.
Die im Alten Bund gesuchte Vollendung ist mit Jesus Christus endgültig wirksam geworden. Er ist der im Alten Testament, in der "Schriftrolle", vielfach verheißene und erwartete Heilsmittler, der Messias. Dieser Gedanke - nicht die Opferthematik (diese ist letztlich eine vom Verfasser des Briefes gewählte Hilfskonstruktion zur Veranschaulichung der Bedeutung Jesu) - verknüpft unsere Perikope denn auch mit der ersten Lesung (Mi 5,1-4a) und rückt sie in die Zeit des Advents, dessen Grundthemen ja die Erfüllung der großen Sehnsüchte des alttestamentlichen Gottesvolkes im Kommen Jesu Christi und die Vorbereitung seines endzeitlichen Kommens sind.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg
und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.
Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet.
Und es geschah,
als Elisabet den Gruß Marias hörte,
hüpfte das Kind in ihrem Leib.
Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt
und rief mit lauter Stimme:
Gesegnet bist du unter den Frauen
und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.
Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte,
hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.
Und selig,
die geglaubt hat, dass sich erfüllt,
was der Herr ihr sagen ließ.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Evangeliumsperikope verknüpft innerhalb der Kindheitsgeschichte des Lukasevangeliums jenen Erzählstrang, der von der Geburt Johannes des Täufers berichtet, mit dem Erzählungstrang über die Geburt Jesu. So ist schon allein durch den größeren Kontext, in dem die Perikope steht, der theologische Hauptakzent gesetzt: es geht in erster Linie um die Begegnung zwischen Johannes dem Täufer und Jesus. Nach damaliger jüdischer Anschauung spiegelt sich das Leben von Erwachsenen schon in ihrem Verhalten im Mutterleib. Der Täufer erkennt Jesus, auf den er später das Volk hinweisen wird. Er wird zum ersten im Volk Israel, der Jesus als den kommenden Retter wahrnimmt und begrüßt. Seine freudige Bewegung - das Hüpfen oder Strampeln - im Leib der schwangeren Elisabeth zeigt, dass es sich wirklich um eine Begegnung mit dem Messias handelt, denn es wird hier auf eine Verheißung aus dem Prophetenbuch Maleachi angespielt, wo es heißt, dass in der messianischen Zeit die Geretteten in Jubel ausbrechen und wie Kälber aus dem Stall springen werden (Mal 3,20).
Auch die Begrüßung Marias durch Elisabeth ist von diesem Aspekt her zu verstehen. Elisabeth ist die ältere von beiden und steht auch gesellschaftlich höher. Dennoch neigt sie sich vor Maria und erweist darin ihre Ehrfurcht vor der Mutter des kommenden Messias. Es handelt sich um eine Ursprungsszene späterer Marienverehrung. Elisabeth deutet auf die einzigartige Berufung Mariens und bezeichnet Maria sie als "gesegnet mehr als alle anderen Frauen" und "Mutter meines Herrn". Damit sind zentrale Motive der Verehrungswürdigkeit Mariens benannt, die bis heute gelten. Als weiteres Motiv kommt in der abschließenden Seligpreisung hinzu: Maria ist die vorbildlich Glaubende – sie hat dem Wort Gottes geglaubt, hat sich ihm geöffnet und war für es verfügbar.
Innerhalb des Lukasevangeliums werden die Kindheitsgeschichten von Jesus und Johannes dem Täufer berichtet. Beide Erzählstränge laufen nahezu parallel ab. Die inhaltliche Verknüpfung der beiden miteinander erfolgt durch das heutige Evangelium. Dadurch wird zumindest eine Nahebeziehung, wenn schon keine direkte Begegnung, zwischen Jesus und Johannes hergestellt. Nach alter jüdischer Überzeugung meinte man, dass sich das spätere Verhalten eines Menschen bereits im Mutterleib widerspiegle - und so bricht Johannes ob der Begegnung mit Jesus gleichsam in Jubel aus.
In dieses Bild passt auch das Verhalten von Elisabet. Sie, die ältere der beiden Frauen und die eindeutig in der sozialen Hierarchie höher stehende, verneigt sich vor Maria - vgl. dazu auch den Vers 43: "Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?". Weiters preist Elisabet Maria, weil diese dem Wort Gottes vertraut und glaubt.
Rein formal lässt sich das heutige Evangelium in folgenden Handlungsablauf aufteilen:
1,36 Verkündigung der Schwangerschaft Elisabets
1,38: Einwilligung Marias in den Heilsplan Gottes
1,39-41: erzählende Einleitung: Maria macht sich auf zu Elisabet; Gruß Mariens; Reaktion des Kindes
1,42a: Redeeinleitung durch Elisabet
1,42b-45: Elisabet preist Maria
1,46a: Redeeinleitung Marias
1,46b-50: Preisung Gottes durch Maria wegen seiner Heilstat an ihr selbst
1,51-55: Preisung Gottes durch Maria wegen seiner (zukünftigen) Heilstaten
1,56: erzählerischer Abschluss: Rückkehr Marias nach Hause
1,57: Geburt des Täufers
Nachdem Maria die Botschaft des Gottesboten Gabriel, Mutter des Gottessohnes zu werden, gehört und ihrer Berufung auch zugestimmt hat, bricht sie aus Nazaret auf, um ihre Verwandte Elisabet im Bergland von Judäa zu besuchen. Aus dem dringenden Bedürfnis, ihr zu begegnen, macht sie sich spontan und eilig auf den Weg. Dieser Weg ist anstrengend und auch gefährlich. In der damaligen Zeit betrug die Reisezeit in etwa vier Tage.
Eine beispielgebende Zusammenkunft
Die Begegnung der beiden Frauen kontrastiert viele Treffen von Menschen unserer Zeit: Maria und Elisabet gehen nicht in Konkurrenz und vergleichen, wem Gott die größere Ehre zuteilwerden ließ. Sie freuen sich vielmehr an der jeweiligen Gnade, die Gott der anderen geschenkt hat. Sie wissen: Was sie sind und haben, ist nicht eigene Leistung, sondern Geschenk Gottes. Ihr Gespräch dient nicht dazu, die eigenen Vorzüge und Verdienste anzupreisen, sondern dem Lob der Freundin und vor allem dem Lob Gottes.
Wirken des Heiligen Geistes
Für Lukas ist alles, was mit und um Jesus herum passiert, der Wirkung des Heiligen Geistes zu verdanken (z.B. 4,1.14; Apg 1,2.8.16; 2,4). Dementsprechend wird auch Elisabet von dieser Gotteskraft gepackt und spricht geradezu prophetisch „mit lauter Stimme“ Maria ein großes Kompliment aus. Dieses besteht im griechischen Text darin, dass Maria „gepriesen unter den Frauen“ ist (nicht wie früher in der alten Einheitsübersetzung „mehr als alle anderen Frauen“!). Grußworte wurden damals nicht nur als Wünsche, sondern als wirksame Kraftübertragungen verstanden.
Auch das Hüpfen des ungeborenen Kindes ist Wirkung des Geistes. Für Lukas nimmt damit Johannes seine auf Jesus hinweisende Rolle schon vorgeburtlich ein.
Maria als „Mutter des Herrn“
Wenn Elisabet Maria als „Mutter meines Herrn“ bezeichnet (V. 43), so ist im größeren Textzusammenhang Gott selbst als „Herr“ angesprochen (vgl. VV. 28.32.38.45), weniger wahrscheinlich ist damit die altchristliche Bezeichnung Jesu als des Herrn (vgl. etwa Phil 2,11) gemeint. Der Maria zugesprochene Glaube an die Botschaft Gottes steht im Gegensatz zum Zweifel des Zacharias gegenüber der Ankündigung der Geburt seines Sohnes Johannes durch den Engel Gabriel (1,18-20). Als Antwort auf den geistgewirkten Gruß Elisabets folgt im Anschluss daran das bekannte Magnifikat Marias (VV. 46-55), das im täglichen abendlichen Stundengebet der Kirche (Vesper) seinen Platz bekommen hat.
Einander Zeit schenken
Im Gegensatz zu den Beziehungsmustern heutiger Menschen erledigen die zwei Frauen keinen kurzen Höflichkeitsbesuch, sondern sie nehmen sich ausgiebig füreinander Zeit: Maria bleibt drei Monate bei ihrer Verwandten (V. 56).
Roland Schwarz
© Diözese Linz. Team Bibelwerk Linz und Glaubenskommunikation
Der Besuch Marias bei Elisabeth lässt die beiden ihre Freude an ihrer Schwangerschaft und ihr Gesegnetsein von Gott her miteinander teilen. Geteilte Freude ist doppelte Freude.
Das Bild vom Besuch Marias bei ihrer Verwandten Elisabeth hat sich in vielen Menschen tief eingeprägt. Die Freude über die Gegenwart Gottes kommt darin zum Ausdruck.
Maria besucht Elisabeth und teilt mit ihr ihre Freude. Es ist nicht leicht einen Menschen zu finden, mit dem man die tiefsten Gefühle oder gar Glaubenserfahrungen teilen kann. Weihnachten ist eine Chance, wo diese Sehnsucht Erfüllung finden kann und zu einem Ort der Gottesbegegnung werden kann.
Die Begegnung zwischen Maria und Elisabeth ist mehr als die Begegnung zweier schwangerer Frauen. Sie erkennen, dass sich an ihnen die Barmherzigkeit Gottes gezeigt hat.
Lieder:
GL 143: Mein ganzes Herz erhebet dich
GL 218: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit
GL 220: Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern
GL 221: Kündet allen in der Not
GL 222: Herr, send herab uns deinen Sohn
GL 223: Wir sagen euch an den lieben Advent
GL 224: Maria durch ein Dornwald ging
GL 227: Komm du Heiland aller Welt
GL 230: Gott, heilger Schöpfer aller Stern
GL 357: Wie schön leuchtet der Morgenstern
GL 372: Morgenstern der finstern Nacht
GL 395: Den Herren will ich loben
GL 527: Ave, Maria zart, du edler Rosengart
GL 528: Ein Bote kommt, der Heil verheißt
GL 530: Maria, Mutter unsres Herrn
GL 554: Wachet auf, ruft uns die Stimme
GL 622,4: Sieh, der Herr kommt in Herrlichkeit
GL Ö792: Herr, sende, den du senden willst
GL Ö795: Maria, sei gegrüßet, du lichter Morgenstern
GL Ö798: O komm, o komm, Emmanuel
Psalmen und Kehrverse:
GL 48: Biete deine Macht auf, Herr, unser Gott, und komm, uns zu retten! - Mit Psalm 80 - I.
GL 234,1: Ihr Himmel, tauet den Gerechten, ihr Woken regnet ihn herab. - Mit Psalm 80 (GL 48,2) - I.
GL 234,2: Rorate caeli desuper, et nubes pluant iustum. - Mit Psalm 80 (GL 48,2) - I.
GL 622: Habt Mut, ihr Verzagten, und fürchtet ein nicht! Gott selbst wird kommen und euch erretten. - Mit Jes 35 - VIII.
GL 633,3-4: Hebt euch ihr Tore, hebt euch, ihr Tore! Unser König kommt - Mit Psalm 24 - VII.
Allmächtiger Gott,
gieße deine Gnade in unsere Herzen ein.
Durch die Botschaft des Engels
haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt.
Führe uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.
MB 4. Adventsonntag
Gott, du Herr der Welt,
du hast alle Dinge geschaffen und den Menschen geboten,
die Mühen der Arbeit auf sich zu nehmen.
Lass alles, was wir beginnen,
dem Wohl unserer Mitmenschen
und dem Wachstum des Reiches Jesu Christi dienen,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Besondere Anliegen 25
Guter Gott, dir ist nichts unmöglich.
Wir bitten dich,
verwandle durch deinen Geist diese Gaben
zum Brot des Lebens und zum Kelch des Heiles
und erwecke durch ihn auch uns zu neuem Leben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.
(Anrufungen nach den sog. O-Antiphonen des Stundenbuchs)
Kehrvers:
Lobet den Herrn, preist seine Huld und Treue.
(GL 401)
Jesus, göttlicher Herr,
o Weisheit,
hervorgegangen aus Gottes Mund,
mächtig wirkst du in aller Welt, und freundlich ordnest du alles.
Kehrvers
Jesus, göttlicher Herr,
o Herr und Fürst des Hauses Israel,
du bist dem Mose erschienen in der Flamme des Dornbuschs
und gabst ihm das Gesetz am Sinai.
Kehrvers
Jesus, göttlicher Herr,
o Spross aus Isais Wurzel,
gesetzt zum Zeichen für die Völker.
Vor dir verstummen die Mächtigen,
dich rufen die Völker.
Kehrvers
Jesus, göttlicher Herr,
o Schlüssel Davids und Zepter des Hauses Israels.
Du öffnest und niemand schließt,
du schließest und niemand öffnet.
Kehrvers
Jesus, göttlicher Herr,
o Morgenstern,
Aufgang und Glanz des unversehrten Lichtes,
der Gerechtigkeit strahlende Sonne.
Kehrvers
Jesus, göttlicher Herr,
o König der Völker,
den sie alle ersehnen,
Eckstein, der das Getrennte eint,
Schlussstein, der den Bau zusammenhält.
Kehrvers
Jesus, göttlicher Herr,
o Immanuel,
Gott mit uns, du unser König und Lehrer,
du Sehnsucht der Völker und ihr Heiland.
Kehrvers
Danklied: z.B.: Nun danket alle Gott mit Herzen Mund und Händen (GL 405)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel,
zu danken und dein Erbarmen zu preisen.
Denn schon leuchtet auf der Tag der Erlösung,
und nahe ist die Zeit unsres Heiles,
da der Retter kommt
unser Herr Jesus Christus.
Durch ihn rühmen wir das Werk deiner Liebe
und vereinen uns mit den Chören der Engel
zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
Präfation vom Advent 5
Elisabeth erkannte die Berufung Mariens, Johannes erkannte deinen Sohn.
Lass uns dich erkennen, wenn wir mir den Worten deines Sohnes beten:
Vater Unser…
Einleitung zum Friedensgebet:
Elisabeth spürte Frieden, auch wenn sie dich nicht sah.
Wir spüren immer wieder Frieden in dir, auch wenn wir dich nicht sehen.
Aber weil wir um dich wissen, bitten wir auch nun:
Schaue nicht auf unsere Sünden…
Allmächtiger Gott,
du hast uns in diesem Mahl das Heil zugesagt
und uns schon jetzt Anteil daran gegeben.
Lass uns das Kommen deines Sohnes in Freude erwarten
und mache uns umso eifriger in deinem Dienst,
je näher das Fest seiner Geburt heranrückt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 4. Adventsonntag
Elisabeth! Maria!
Zwei Frauen - gleich und doch verschieden.
Alt und jung in guter Hoffnung.
Elisabeth! Maria!
Halt suchend - Halt gebend.
Welche Kraft - welche Freude.
Elisabeth! Maria!
Leibhaftige Begegnung.
Zärtlichkeit - Nähe
Elisabeth! Maria!
Gegeben von Gott.
Hinausgetragen in die Welt
von Frauen
im Mutterleib.
Elisabeth! Maria!
Das Reich Gottes ist nah.
"Die Hoffnung in sich tragen" 2. Advent 2006, Materialien für einen Gottesdienst Hg. Evangelische Frauen in Hessen und Nassau e.V.
[HTML] Wo bist du
inneres Kind, göttliches Kind
in einer Sternstunde meines Lebens
ahnte ich dich
als Bewegung in mir
für einen kurzen Moment
spürte ich
dass es dich gibt
und dass du alles neu machst
dass du die Liebe pur bist
aber jetzt
wo bist du jetzt
vielleicht
kann ich dich wiederfinden
wenn ich statt in mir
in der Begegnung
mit anderen suche
dann, ja dann
hüpft es wieder
vor Freude
in mir
Monika Kilian (Quelle unbekannt)
Bewahren, was mich im Herzen berührt.
Nachklingen lassen, was in meinem Innersten Anklang findet.
Nachwirken lassen, was meine beharrliche Geduld fördert.
Bewahren, was verbindet mit allen Menschen guten Willens.
Pierre Stutz, Weihnachten unserer Sehnsucht folgen. Herder Spektrum.
Ich möchte dir begegnen,
großer, wunderbarer Gott,
hineingezogen werden in den Strom deiner Liebe,
der alles fortnimmt, was mein Leben bedrückt und erschwert.
Ich glaube daran, dass du mir dereinst solches schenken wirst.
Lass mich einen Hauch davon jetzt erfahren!
Ich fühle mich überfordert,
alle wollen etwas von mir!
Ich bin ausgelaugt, leer und einsam.
Du großer, wunderbarer Gott,
ich möchte Begegnung mit dir erfahren,
Begegnung, die mich wandelt.
Komm in meine Leere, fülle sie mit dir;
Komm in meine Einsamkeit, ziehe mich an dich!
Dann kann ich von dir erfüllt und verwandelt
Wieder leichtfüßiger meines Weges gehen
Und meine Weggefährten an dich erinnern.
Monika Nemetschek, Schattenseiten des Lebens - und wo bleibt Gott?
3 Monate bleibt sie bei Elisabeth, so heißt es. 3 Monate waren nötig, um zu fragen, aufzuarbeiten, zu klären, zu hoffen, zu beten. 3 Monate, die Maria vielleicht als Schutzraum gebraucht hat, bevor sie umkehren und heimkehren konnte. 3 Monate nehmen sie sich Zeit füreinander, für sich und Gott.
So beginnt die Weihnachtsgeschichte: zwei Frauen mit völlig unmöglichen Schwangerschaften, zu alt die eine, zu jung die andere. Zwei einfache Frauen, die nicht einmal befugt waren, den Tempel zu betreten, reden aus Gottes Geist. Ihre Begegnung rührt sie in der Tiefe an und verwandelt sie so, dass sie am Ende singen - ein Lied der Hoffnung.
Margot Runge, aus Adventkalender 2012, des Canisiuswerkes.
Mache dich auf den Weg und suche das Licht,
das tief in deiner Seele unter vielen Traurigkeiten fast erloschen ist.
Mache dich auf den Weg und grabe die Hoffnung aus,
die tief in deiner Seele unter tausend Ängsten ganz verschüttet ist.
Mache dich auf den Weg und lass die Lebenskräfte frei,
die tief in deiner Seele durch erlittene Schmerzen ganz gefesselt sind.
Mache dich auf den Weg und finde wieder heim zu dir selbst.
Und du wirst wieder leuchten und hoffen und leben.
Christa Spilling-Nöker in: "Wenn es Weihnachten wird" (Topos plus, Kevelaer 2009).
Vielleicht
wenn ich still werde
höre ich den Gesang der Sterne
im Blau der Nacht.
Vielleicht
wenn ich ruhig werde
höre ich das Lied der Sehnsucht
im Dämmern des Morgens.
Vielleicht
wenn ich ganz Ohr werde
höre ich den Klang des Schweigens
am helllichten Tag.
Vielleicht
wenn ich dich einlasse, Engel,
und du mich berührst
mit dem Flügel des Himmels
vielleicht
weckst du mein Ja
vielleicht wächst dann das Wunder.
Vielleicht. Jetzt?
"Für Gott ist nichts unmöglich"
Hildegard Nies, Te Deum, Dezember 2012.
Eine Person bildet den Brennpunkt eines weiten Raumes.
So kann man die Frage "Wer ist Jesus von Nazaret?" nicht getrennt von seiner Vor- und Nachgeschichte stellen. Keine Person kann verstanden werden
a) unabhängig von der vergangenen Geschichte, in der sie stand und die sie trägt und herausfordert und auf die sie kritisch reagiert;
b) unabhängig von ihren Beziehungen zu denen, mit denen sie umging, von Zeitgenossen, die von ihr empfangen, und die sie ihrerseits beeinflusst und zu bestimmten Reaktionen herausgelockt haben;
c) unabhängig von dem Einfluss, den die Person auf die Geschichte hatte, die nach ihr kommt, oder unabhängig von dem, was sie vielleicht unmittelbar in Bewegung setzen wollte.
Mit anderen Worten, eine menschliche Person ist der persönliche Brennpunkt einer Reihe von interaktiven Beziehungen zu Vergangenheit und Zukunft und zur eigenen Gegenwart. Dies alles gilt auch für Jesus.
Quelle: Edward Schillebeeckx, Jesus. Die Geschichte von einem Leidenden, Freiburg 1992.
"In den Evangelien - und auch schon in der Spruchquelle - wird Johannes klar als der Vorläufer Jesu gesehen. Seien Person und Predigt werden ihm vor- und untergeordnet. Wenn die Spruchquelle die von intensiver Naherwartung geprägte Täuferpredigt aufgenommen hat, darf vermutet werden, dass dies auf deren christlichen Verkündigung weiterwirkte...
Nach Mt. 11,12 ist in den Tagen Johannes des Täufers die Himmelsherrschaft bereits wirksam, wenn sie auch Gewalt erleiden muss. Nach Mt 3,2 kündigt er wie Jesus (vgl. 4,17) die Nähe der Himmelsherrschaft an. Nach Lk 16,16 gehört Johannes noch zur Epoche von Gesetz und Propheten und wird erst seitdem das Reich Gottes proklamiert. Die Spannung erscheint recht deutlich, wenn im Anschluss an Jesu Wort, das Johannes als den größten unter den Frauen Geborenen preist, gesagt wird: "Der Kleinste in der Himmelsherrschaft aber ist größer als er" (Mt 11,11 par).
In der eindeutigen Hinordnung auf Jesus sehen die Evangelien den Täufer als Mann zwischen den Epochen, als letzten Propheten der das Alte beschließt und zum neuen überleitet.
Am weitesten ist die 'Verchristlichung' des Täufers dort gediehen, wo er und sein Wirken mit Jesus parallelisiert werden. Im Johannesevangelium wird uns der Täufer vorgestellt als erster christlicher Bekenner, der Zeugnis ablegt für Jesus, damit alle zum Glauben an ihn gelangen (1,6-8), der sogar hinweist auf Christus als das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt (1,29). Damit ist er endgültig hineingestellt in das Evangelium und für dieses in Beschlag genommen.
Quelle: Gnilka Joachim, Die frühen Christen, Ursprünge und Anfang der Kirche, 1999.
Im Übrigen kann man nur sagen: Ich mache meine ersten Schritte in dieser Richtung. Nach diesen ersten Schritten werde ich die Möglichkeit und Freiheit haben, die nächsten wichtigen Schritte zu tun. In allem vertraue ich aber auf Gottes Führung und Fügung, und weiß, dass Gott den Gerechten und darüber hinaus auch den Sünder milde und leise auf seinem Weg führt, bis er bei dem angelangt ist, der das ewige Leben ist.
Quelle: Karl Rahner, Horizonte der Religiosität. Kleine Aufsätze, hrsg. von Georg Sporschill, Wien 1984.
Eine Person bildet den Brennpunkt eines weiten Raumes.
So kann man die Frage "Wer ist Jesus von Nazaret?" nicht getrennt von seiner Vor- und Nachgeschichte stellen. Keine Person kann verstanden werden
a) unabhängig von der vergangenen Geschichte, in der sie stand und die sie trägt und herausfordert und auf die sie kritisch reagiert;
b) unabhängig von ihren Beziehungen zu denen, mit denen sie umging, von Zeitgenossen, die von ihr empfangen, und die sie ihrerseits beeinflusst und zu bestimmten Reaktionen herausgelockt haben;
c) unabhängig von dem Einfluss, den die Person auf die Geschichte hatte, die nach ihr kommt, oder unabhängig von dem, was sie vielleicht unmittelbar in Bewegung setzen wollte.
Mit anderen Worten, eine menschliche Person ist der persönliche Brennpunkt einer Reihe von interaktiven Beziehungen zu Vergangenheit und Zukunft und zur eigenen Gegenwart. Dies alles gilt auch für Jesus.
Quelle: BR-online, "radioWissen"
am Du
zum Ich werden
und am Ich des anderen
zum Du werden
ansprechen
und
angesprochen sein
erfahren
mitteilen
was Leben bringt
und Leben bewirkt
Elisabeth
Frau des Priesters Zacharias
Frau mit Namen damals
und doch
wund
mit Grenzen die fragen lassen
kinderlos
angefragt
was ist die eigene Berufung
was Gottes Geschichte
Elisabeth
offen
weil die Hoffnung nicht erstickt ist,
offen
für Gottes Wort
offen
für Gottes Tun
offen
für die Begegnung mit Maria
Elisabeth
so bist Du Ich
in der Welt
die Menschen
zu jederfrau und jederman macht
Maria
junge Frau
voll Träume
voll Wünsche
voll Lust am Leben
Maria
suchend
nach Leben
in einer Welt
die verhindert
suchend
unter Menschen
voll Angst
Maria
ansprechbar
vom Leben
von
Gott
Ursprung
des Lebens
Maria
offen für das Neue
das keimt
wächst
ich werden
ansprechbar
und
Du
werden will
für andere
Elisabeth
Maria
Begegnung
die ausspricht
die Möglichkeit Leben
die sich aufmacht
den Menschen zu finden
ihn
am Ich
zum Du
und vom
Du
zum Ich werden lässt.
Bernhard Rathmer

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
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Es handelt sich um einen der klassischen messianischen Texte des Alten Testaments. Von den meisten Exegeten wird er in die Zeit des babylonischen Exils datiert. Den Hintergrund bildet somit die Erfahrung, dass sich das Gottesvolk trotz vieler Mahnungen der Propheten immer wieder von seinem Herrn abgewandt hat und eigenen Wegen gefolgt ist, die letztlich in die Katastrophe geführt haben: Jerusalem wurde 586 v. Chr. zerstört, maßgebliche gesellschaftliche Kreise wurden nach Babylon deportiert.
Vor diesem Hintergrund entsteht die Hoffnung auf einen Herrscher ganz neuer Art, der sein Volk in eine messianische Friedenszeit führt. Nicht aus der Hauptstadt Jerusalem wird er kommen, wie die früheren Könige, sondern aus der Heimat Davids, dem unbedeutenden Bethlehem, das hier um den Flurnamen „Efrata“ ergänzt wird, der soviel wie „fruchtbares Land“ bedeutet. Aus kleinen Anfängen kann Großes werden. Die gegenwärtige Zeit wird dabei durchaus noch als schmerzvoll empfunden, denn noch ist Israel eine preisgegebene Gebärende, die in Schmerzen liegt, doch in prophetischer Weise wird bereits ein neuer Anfang verheißen, dessen sichtbares Zeichen die Heimkehr aus dem Exil nach Jerusalem, an den ursprünglichen Ort der Gottesverehrung, ist. Vom neuen Herrscher selbst heißt es, dass er der Friede sein wird. Im hebräischen Urtext steht hier „Shalom“, ein Wort, das über die landläufige Bedeutung von Frieden weit hinausgeht und auch Dimensionen wie Heil, Wohlergehen, Gesundheit, Glück, Leben in rechter Ordnung etc. miteinschließt.
Die meisten alttestamentlichen Exegeten nehmen an, dass dieser Text in der Zeit nach dem Exil Israels entstand. Nach der Zerstörung Jerusalems 586 n.Chr. wurde die Oberschicht nach Babylon verschleppt. Bei ihrer Rückkehr gab es das Königreich Israel nicht mehr, es war zu einer persischen Provinz geworden, die nicht mehr von Königen aus dem Haus Davids regiert, sondern von einem Beamten des persischen Reichs verwaltet wurde. In biblischer Zeit erlangte Israel nie wieder seine Selbständigkeit.
Unsere Perikope gehört zu den messianischen Verheißungen, die in dieser Epoche entstanden. In der Zeit der Fremdherrschaft begann man sich nach einer neuen Zeit zu sehnen, in der Israel wieder frei sein würde wie damals. Verschiedene Propheten sprachen dem Volk Mut zu und erinnerten es daran, dass Jahwe sein Volk nicht im Stich lassen werde. Allerdings hütete man sich davor, einfach die alten Zeiten zu verklären. Zu genau hielt sich die Erinnerung an die Schattenseiten der Königszeit: die Kriege, die Willkür mancher Könige und die schier unüberbrückbare Kluft zwischen von Arm und Reich. Das Neue, dass man erhoffte, war nicht einfach eine Wiederauflage des Alten. Die Texte verheißen einen König ("Messias") der ganz anderen Art, der Gerechtigkeit und Frieden sichert und sich um sein Volk sorgt wie ein Hirt, der seine Herde weidet. Sie sprechen von einer neuen, friedlichen und gerechten Art des Zusammenlebens.
Der kleine Ausschnitt aus dem Buch des Propheten Micha knüpft zunächst an die Vergangenheit Israels an: In grauer Vorzeit nahm in dem kleinen Ort Bethlehem die Dynastie Davids ihren Anfang, die danach Jahrhunderte lang Juda beherrschte. Von dort wird auch die neue Zeit ihren Anfang nehmen. Dazwischen, so der Prophet weiter, liegt eine Zeit, in der Jahwe Israel preisgibt: das Exil und die Fremdherrschaft. Alles ändert sich, sobald der verheißene König geboren wird (hier, in Vers 3 wird wohl auf die viel ältere Verheißung bei Jes 7 angespielt). In diesem König wird Jahwe selber handeln. Er wird sein Volk zusammenrufen und eine neue Art von Frieden schaffen: Friede, der nicht dadurch entsteht, dass strenge Reichsgrenzen gezogen, verteidigt und gesichert werden, sondern Friede, der "von innen heraus", von diesem neuen König, und letztlich aus der Kraft Gottes, die in ihm wirkt, ausgeht. Diese Friedensmacht des Königs löst die Grenzen Israels auf und breitet sich von dort überall aus bis an die Grenzen der bewohnten Welt.
Reine Wunschphantasien eines unterdrückten Volkes? Ich glaube, dass es um mehr geht: Der Text spricht die Ursehnsucht des Menschen nach dauerhaften Frieden an. Und er formuliert das Bekenntnis, dass Jahwe diese Sehnsucht stillen kann. Er kann die Beziehungen der Menschen so verwandeln, dass diese versöhnte und befriedete Art des Miteinanders die notwendigen Grenzen und Verteidigungslinien einzelner Gruppen und Nationen überflutet, überflüssig macht und auflöst.
Im Jahr 586 vor Christi Geburt wurde Jerusalem von den Babyloniern erobert, zerstört und die Jerusalemer Oberschicht nach Babylon deportiert. Das Königreich Israel ist von der Landkarte verschwunden und kein König aus dem Hause David regierte mehr, sondern ein persischer Statthalter verwaltete das Land. Interpretiert wurden diese Ereignisse als Folge der Nichtbeachtung der vorangegangenen Mahnungen mehrerer Propheten.
In diese Situation hinein, in der das Volk Israel in der babylonischen Gefangenschaft leidet und auf einen Neubeginn hofft, ergeht das Prophetenwort der heutigen ersten Lesung.
Ein Herrscher neuer Qualität wird in diesem Text angekündigt. Dieser wird nicht aus der Hauptstadt Jerusalem, sondern aus dem geradezu unbedeutenden "Landstädtchen" Betlehem kommen. In diesem neuen Zeitalter wird das Volk nach Hause zurückkehren, in Sicherheit leben und Frieden wird herrschen - noch ist es aus Sicht des Verfassers unseres Textes aber nicht so weit, im Moment wird dieses Heil erst angekündigt.
Das Buch Micha zählt zu den zwölf kleinen Prophetenbüchern und entstand in einem redaktionellen Prozess zwischen dem 8. und 5. Jh. v.Chr.; der Prophet selbst trat wohl (nach Mi 1,1) im 8. Jh. auf. Der Text der heutigen Lesung gehört - zumindest teilweise - zu den jüngeren Texten (ca. 6. Jh. v.Chr.), blickt verheißungsvoll in die Zukunft und ist verknüpft mit einer messianischen Heilsgestalt.
Betlehem als Verheißungsort
Angekündigt wird ein neuer Herrscher, der aus Betlehem kommen soll. Zugleich wird auf eine Kontinuität hingewiesen, denn die Ursprünge liegen weit zurück. Angespielt wird wohl auf David und die Verheißungen, die mit seinem Königtum verbunden waren: David stammte wie sein Vater Isai aus Betlehem und wurde vom Propheten Samuel von der Schafherde weggeholt und im Auftrag JHWHs zum König gesalbt (vgl. 1 Sam 16,1-13). Mit dem Königtum Davids war die Verheißung verknüpft, dass dieser Thron ewigen Bestand haben werde (vgl. Natansverheißung in 2 Sam 7,13.16). Betlehem wird mit dieser Ankündigung ein Verheißungsort und Gegenpol zu Jerusalem. Die falsche Politik der Könige führte die Stadt, die mit dem Tempel als Wohnort Gottes für unbesiegbar gehalten wurde, in den Untergang.
Versteckte Königskritik
Der verheißene Herrscher wird von Gott selbst geschenkt („... aus dir wird mir einer hervorgehen ...“). Die Ankündigung dieses Neuanfangs fällt in jene Zeit, in der Jerusalem mitsamt seinem Tempel zerstört, die Oberschicht Judas in das Babylonische Exil deportiert und der letzte König (Zidkija) entthront worden war. Damit war das davidische Königtum zu einem Ende gekommen. Interessanterweise fehlt für den angekündigten Herrscher der Titel „König“. Das Königtum in Israel war stets umstritten - von den einen begehrt und gewünscht, von den anderen kritisch hinterfragt bis hin zur Ablehnung: Von dieser Gruppe wurde allein JHWH als König anerkannt.
Ein Hirt als Herrscher
Dieser neue Herrscher wird nun als „Hirt“ bezeichnet. Dieser Titel ist unter allen Königen nur für David belegt (z.B. 2 Sam 5,2). So ist auch hier nochmals eine Verbindung zum davidischen Königtum gegeben, jedoch in Abgrenzung zu den vergangenen Königen, die in der heilsgeschichtlichen Reflexion als die Verantwortlichen für die Misere des Exils aufgezeigt wurden.
Die enge Verbindung dieses Hirten zu JHWH (er tritt in der Kraft und im Namen JHWHs auf) hat größtmögliche Auswirkungen für die „Herde“. Sicherheit und Frieden ersehnen die meisten Menschen, am meisten aber wohl jene, die ständig in Kriege verwickelt waren und sind. Israel ist bis heute ein Land, in dem Unruhen und Kriege den Alltag prägen. Dieser neue Hirt wird selbst der Friede sein, denn seine Größe beschränkt sich nicht nur auf das kleine Volk Israel, sondern erstreckt sich bis an die Grenzen der Erde - eine große Hoffnung, die das junge Chistentum in Jesus erfüllt sah und sich daher diese Verheißung in Erinnerung rief.
Ingrid Penner
© Diözese Linz. Team Bibelwerk Linz und Glaubenskommunikation