Kv - Vor den Engeln will ich dir singen und spielen, o Herr. - Kv
(Oder GL 649,5)
Ich will dir danken mit meinem ganzen Herzen,
vor Göttern will ich dir singen und spielen.
Ich will mich niederwerfen zu deinem heiligen Tempel hin,
will deinem Namen danken für deine Huld und für deine Treue. - Kv
Denn du hast dein Wort größer gemacht
als deinen ganzen Namen.
Am Tag, da ich rief, gabst du mir Antwort,
du weckst Kraft in meiner Seele. - Kv
Dir, HERR, sollen alle Könige der Erde danken,
wenn sie die Worte deines Munds hören.
Sie sollen singen auf den Wegen des HERRN.
Die Herrlichkeit des HERRN ist gewaltig. - Kv
Du streckst deine Hand aus,
deine Rechte hilft mir.
Der HERR wird es für mich vollenden. /
HERR, deine Huld währt ewig.
Lass nicht ab von den Werken deiner Hände!- Kv
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korinth.
Ich erinnere euch, Brüder und Schwestern,
an das Evangelium, das ich euch verkündet habe.
Ihr habt es angenommen;
es ist der Grund, auf dem ihr steht.
Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet werden,
wenn ihr festhaltet an dem Wort,
das ich euch verkündet habe,
es sei denn, ihr hättet den Glauben unüberlegt angenommen.
Denn vor allem habe ich euch überliefert,
was auch ich empfangen habe:
Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift,
und ist begraben worden.
Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift,
und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.
Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich;
die meisten von ihnen sind noch am Leben,
einige sind entschlafen.
Danach erschien er dem Jakobus,
dann allen Aposteln.
Zuletzt erschien er auch mir,
gleichsam der Missgeburt.
Denn ich bin der Geringste von den Aposteln;
ich bin nicht wert, Apostel genannt zu werden,
weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe.
Doch durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin,
und sein gnädiges Handeln an mir
ist nicht ohne Wirkung geblieben.
Mehr als sie alle habe ich mich abgemüht -
nicht ich, sondern die Gnade Gottes zusammen mit mir.
Ob nun ich verkünde oder die anderen:
Das ist unsere Botschaft
und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Kommt her, mir nach!
Ich werde euch zu Menschenfischern machen.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit,
als die Volksmenge Jesus bedrängte
und das Wort Gottes hören wollte,
da stand er am See Gennesaret
und sah zwei Boote am See liegen.
Die Fischer waren aus ihnen ausgestiegen und wuschen ihre Netze.
Jesus stieg in eines der Boote, das dem Simon gehörte,
und bat ihn, ein Stück weit vom Land wegzufahren.
Dann setzte er sich
und lehrte das Volk vom Boot aus.
Als er seine Rede beendet hatte,
sagte er zu Simon: Fahr hinaus, wo es tief ist,
und werft eure Netze zum Fang aus!
Simon antwortete ihm:
Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet
und nichts gefangen.
Doch auf dein Wort hin
werde ich die Netze auswerfen.
Das taten sie
und sie fingen eine große Menge Fische;
ihre Netze aber drohten zu reißen.
Und sie gaben ihren Gefährten im anderen Boot ein Zeichen,
sie sollten kommen und ihnen helfen.
Sie kamen und füllten beide Boote,
sodass sie fast versanken.
Als Simon Petrus das sah,
fiel er Jesus zu Füßen
und sagte: Geh weg von mir;
denn ich bin ein sündiger Mensch, Herr!
Denn Schrecken hatte ihn und alle seine Begleiter ergriffen
über den Fang der Fische, den sie gemacht hatten;
benso auch Jakobus und Johannes,
die Söhne des Zebedäus, die mit Simon zusammenarbeiteten.
Da sagte Jesus zu Simon:
Fürchte dich nicht!
Von jetzt an wirst du Menschen fangen.
Und sie zogen die Boote an Land,
verließen alles
und folgten ihm nach.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Mit Lk 5,1 beginnt ein neuer Abschnitt im Evangelium. Nach Einführung und Absicht des Evangelisten im Vorwort (Lk 1,1-4) und der Vorgeschichte (Lk 1,5-2. 52) folgt die Vorbereitung des Wirkens Jesu in der Predigt des Täufers und der Taufe Jesu (Lk 3,1-22) und in der Versuchung (Lk 4,1-13). Lukas lässt Jesus zunächst allein öffentlich auftreten als Wanderprediger in Nazareth und Kafarnaum (Lk 4,14-44).
Von nun an ist Jesu Tätigkeit das Wirken und Lehren landauf landab in Galliläa und Palästina. Ihn umgibt, wie in konzentrischen Kreisen, der Zwölferkreis, die Schar der Jüngerinnen und Jünger und die Volksmenge. Zunächst ist es eine Volkstätigkeit im Judenland (Lk 5,1 - 9,50), dann der "Weg nach Jerusalem" (bis Lk 19,27).
Lukas stellt, anders als bei Mk 1,16-20 und Mt 4,18-22, der Berufung der ersten Jünger das Fischfangwunder voraus. Johannes nimmt dieses Wunder in die Ostergeschichten (Joh 21,1-8.11). Exegeten diskutieren die Frage, wo das Wunder angesiedelt ist: vorösterlich oder nachösterlich. Es ist wohl anzunehmen - weil Johannes den Schwerpunkt auf das Mahl legt - und Lukas auf die Nachfolge, dass es sich um ein vorösterliches Geschehen handelt.
Verse 1-3:
"Es geschah aber" ist einer der Lieblingsausdrücke des Lukas - es hat narrative Funktion, verweist den Höhrer/Leser des Evangeliums auf die Erzählebene. Die Szene kann man sich nicht nur bildhaft ausmahlen, sie ist auch von theologischer Bedeutung: Das Wort Gottes ruft die Menschen zusammen und formt sie zur Gemeinde.
Jesus steigt in das Boot des Simon - der in kollegialer Weise seine Arbeitskollegen am See führt - und lehrt von dieser Kanzel aus das Volk. Es wäre eine Überbetonung, wenn man hier schon einen Hinweis auf den Primat des Petrus sähe, sondern die Szene ist erst die Vorbereitung der kommenden Selbstoffenbarung Jesu.
Verse 4-5:
Dauer, Inhalt und Wirkung der Rede Jesu werden nicht überliefert. Das Offenbarungswunder ist im Verheißungswort das Ziel.
Das Gespräch zwischen Petrus und Jesus verdeutlich die Sonderstellung des Petrus unter den Mitarbeitern. Petrus ist "Fachmann" - und es wäre unsinnig, am Tage zu fischen. Aber das Wort des "Meisters" veranlasst, es doch zu tun. Einerseits ist Petrus noch Fischer, schon aber Jünger.
"Meister" ist zwar kein Hoheitstitel, aber Petrus beginnt mit dieser Anrede schon, seinen Glauben auszudrücken. Fortan wird Jesus von den Jüngern oft so angeredet.
Offen bleibt bei Lukas die Frage, wo sich eigentlich Jesus aufhält, ist er beim Fischfang im Boot? Diese Schwebe hat möglicherweise eine Bedeutung für die Gegenwart Jesu in seiner Kirche heute - sicher ist er da, aber ungewiss greifbar.
Verse 6-7:
Es wird keine Wunderhandlung beschrieben, nur das Außerordentliche des Erfolges interessiert. Es braucht "Mitarbeiter", Gefährten, Teilhaber, um den Ertrag sicher an Land zu bringen. Eine Frage deutet sich an: Kann Erfolg gefährden? Kann die Kirche bei "Erfolg" in die Gefahr des Untergangs kommen? Oder schützt die Kollegialität.
Vers 8:
In einigen Handschriften fehlt hier in Verbindung mit Simon der Name "Petrus" - Wenn er an dieser Stelle tatsächlich schon genannt ist, dann ist das ein Vorgriff auf Lk 6,14. Der "Fachmann" Simon ist überwältigt angesichts des reichen Fischzuges - und erfährt das Wunder als "Epiphanie" Jesu. Es geschehen in einem Augenblick Erkenntnis, Glaube und Umkehr. Angesichts der Herrlichkeit des Christus (bei Jesaja die Herrlichkeit Gottes im Tempel, bei Paulus die Herrlichkeit des Auferstandenen) findet der Mensch zur Anbetung und zur Umkehr.
Petrus nennt Jesus hier nicht mehr "Meister" sondern "Kyrios - Herr". Der Hörer des Evangeliums weiß ebenso wie der Evangelist um die Haltung des Petrus in der Passion.
Verse 9-10a:
Verdeutlicht noch einmal das Numinose des Geschehens und bringt die Mitarbeiter ins Spiel. Frage: Wo ist Andreas - vielleicht will Lukas hier die "Säulen" der Jerusalemer Gemeinde aufbauen: Simon Petrus, Johannes und Jakobus.
Vers 10b:
richtet sich wieder allein an Petrus. Es ist kein direkter Ruf zur Nachfolge, sondern ein Hoffnungswort, eine Offenbarungsrede. Der von Jesus verwendete Begriff "Menschen fangen" lässt im biblischen Sprachbefund eindeutig die Übersetzung zu: Menschen lebend fangen = auffangen, retten vor dem sicheren Untergang. Und tagsüber zu fischen ist ja keineswegs listig - so wird Petrus, wird die Kirche, die Menschen nicht "listig einfangen" sondern rettend auffangen.
Das "von jetzt an" bezieht sich nicht auf das Wunder an sich sondern auf das "heute" der Epiphanie Jesu im ganzen Evangelium und der Umkehr - die das eigentliche Wunder ist.
Vers 11:
Lukas konfrontiert hier die aufkommenden Ängste und Bedenken der Gemeinde mit einem großen Missionsoptimismus. Das Verlassen und Nachfolgen gehört zum Stil einer Berufungsgeschichte. Die nun angedeutet Lebensgemeinschaft mit Jesus trägt keimhaft die neue Gemeinschaft der Kirche in sich.
Jesus steht am Ufer des Sees Gennesaret und die Menschen drängen sich um ihn. Der Grund dafür ist wohl der Hunger der Menschen nach einer guten Botschaft. Um von der großen Menschenmenge gehört werden zu können, steigt Jesus in das Boot des Fischers Simon Petrus. Vom Boot aus spricht er zu der am Ufer versammelten Menge. Er hält allerdings keine Predigt, sondern er lehrt die Menschen.
Kein Fischerlatein
Der Besitzer des Bootes, Simon Petrus, der wie seine Kollegen Fischer von Beruf ist, bleibt zunächst noch unbeteiligt. Sie gehen ihrer Arbeit, dem Waschen der Netze, nach. Plötzlich fordert Jesus Petrus auf, hinauszufahren, wo es tief ist, und das Netz dort auszuwerfen. Petrus hört Jesu Wort und erzählt von der ergebnislosen Arbeit der letzten Nacht. Dann lenkt er aber ein und sagt vertrauensvoll: „… auf dein Wort hin“. Sein Vertrauen wird belohnt: Entgegen aller Fischerlogik machen Petrus und seine Kollegen mitten am Tag einen völlig unerwarteten, derart überreichen Fischfang, dass die Netze zu reißen drohen. Gemeinsam helfen sie zusammen, um den Fang ins Boot zu bringen. Das derart beladene Boot droht fast unterzugehen. Das bringt Petrus zur richtigen Deutung: Er fällt vor Jesus nieder.
Berufung statt Beruf
Nun kommt es zur entscheidenden Begegnung mit Jesus: Er und seine Gefährten Jakobus und Johannes werden von Jesus eingeladen, sich ihm anzuschließen und ihm nachzufolgen. Nachfolge ist zunächst wörtlich gemeint: Antiken Gewohnheiten entsprechend geht der Lehrer auf seinen Wegen und Wanderungen vor den Jüngern her, sie folgen ihm und lassen sich von ihm führen. Weiters meint Nachfolge aber, dass der Jünger durch die Berufung in eine enge Lebensgemeinschaft mit seinem Meister eintritt. Dieser lehrt und unterweist ihn, vor allem aber beteiligt er ihn an seinen Aufgaben. Das Bildwort vom Menschenfischen besagt, dass die von Jesus be- rufenen Jünger den Beruf wechseln. Wie Jesus üben sie von nun an nicht mehr ihren Ursprungsberuf aus, sondern gehen ihrer Berufung nach: Sie kümmern sich um das Heil der Menschen. Sie teilen Jesu Leben und arbeiten in Sachen Reich Gottes in Wort und Tun mit.
Gemeinschaft mit Jesus
Die gerufenen Jünger verlassen ihre Boote, ihre bisherige Arbeit und ihre Familien. Ihr Leben hat in Zukunft einen neuen Inhalt: die Gemeinschaft mit Jesus und die Verbreitung der Botschaft vom Reich Gottes. Die Jünger teilen das Leben ihres Herrn, seine Prioritäten, seine Einstellung zum Leben, seine Vollmachten und Freuden, seine Aufgaben und schließlich auch sein Martyrium.
Der Ruf Christi „Kommt her, folgt mir nach“ ergeht seit 2000 Jahren – er ergeht auch an uns. Der Auferstandene lädt immer wieder ein, ihm nachzufolgen. Nachfolge be- ginnt dort lebendig zu werden, wo Menschen aus dem Vertrauen auf Jesus heraus zu handeln beginnen. Heute und überall ...
Reinhard Schandl
Die Berufung der ersten Jünger wird von den Evangelisten sehr unterschiedlich geschildert. Die Darstellung des Lukas beschreibt die inneren Vorgänge, die mit dem Berufungserlebnis verbunden sind.
Bevor Petrus und die Söhne des Zebedäus alles verließen und Jesus nachfolgten, erlebten sie eine Begegnung mit Jesus, die sie tief betroffen machte. Tiefe Betroffenheit ist die Basis jeder Umkehr.
Eine ungewöhnliche Begegnung des Petrus mit Jesus, der ihn mit einem ungewöhnlichen Fischfang überrascht, führt zu seiner Berufung.
In allen drei Lesungen dieses Sonntags geht es um Berufungserzählungen. In ihnen zeigt sich Gottes seltsame Personalpolitik ohne Stellenanzeigen, Jobbörsen oder Auswahlverfahren. Dennoch haben diese Menschen Geschichte geschrieben. Sie begegnen uns in unseren liturgischen Feiern.
Petrus fährt gegen alle Erfahrung und Vernunft hinaus auf den See um neuerlich zu fischen. Was hat ihn verändert? Offenbar ging von Jesus eine Faszination aus, die ihm eine neue tragfähige Basis für sein Handeln eröffnet hat.
Als Akrasia bezeichnet die Wissenschaft das Verhalten des Petrus: Handeln wider besseres Wissen. Dieser Mensch tut etwas, obwohl er eigentlich eine andere Handlung für besser hält. Er verwirft seine bisherigen Wertmaßstäbe, handelt damit von außen betrachtet „verrückt“. - Warum tut Petrus das? - Warum tun dies Menschen? Darüber zerbricht sich die philosophische Disziplin der Handlungstheorie den Kopf, bereits seit der griechischen Antike mit Sokrates und Platon bis hinein in die Neuzeit. Hier veröffentlichte Donald Davidson im Jahr 1970 den bis heute beachteten Aufsatz: Wie ist Willensschwäche möglich?
Warum handelt Petrus gegen besseres Wissen und entgegen seiner eigenen Erfahrung?
Schauen wir noch mal ganz genau hin. Ort dieser Akrasia ist das Heilige Land, näherhin das Nordufer des Sees Genesareth.
In einiger Entfernung sehen wir Fischer. Sie kommen gerade vom nächtlichen Fang zurück. Erschöpft haben sie ihre Boote aus dem Wasser gezogen und schleppen sich nun selbst an Land. Mit ihren gesenkten Köpfen wirken sie enttäuscht: keine Beute in dieser Nacht. Hunger droht. Schließlich machen sie sich dran, ihre Netze zu säubern und zum Trockenen aufzuhängen.
Da nähert sich eine große Menschenmenge unserem Schauplatz. An ihrer Spitze ein etwa 30jähriger Mann. Ganz unvermittelt steigt er in ein Boot, das am Ufer liegt. Er spricht einen von den Fischern an. Etwas widerwillig rudert dieser mit ihm ein Stück auf den See. Von dort redet der Mann zur Menge.
Die Menschen am Ufer und hören aufmerksam zu. Nach der Rede passiert etwas Überraschendes: Fischer und Prediger unterhalten sich kurz. Das Boot fährt zurück. Doch der Fischer bleibt nicht, wie erwartet, mit seinem Passagier an Land. Kaum angekommen fordert er seine Berufskollegen auf, nochmals mit ihm hinaus zu rudern. Das verwundert: Denn die Sonne steht bereits hoch über dem See. Ein heißer Tag kündet sich an: Beileibe keine optimale Bedingung für einen guten Fang, zumal Fische Licht und Wärme meiden. Simon, der Berufsfischer hört auf einen dahergelaufenen Zimmermannssohn, fährt wider besseres Wissen und entgegen aller Berufserfahrung erneut los, um zu fischen. Kann das gut gehen?
Es muss wohl zunächst mit der Ausstrahlung dieses Mannes zusammenhängen. Jesus, der Wanderprediger versteht es meisterlich, Menschenmassen in Bewegung zu setzen und ihre Herzen in Bann zu ziehen. Als „Meister“ wird er deshalb von Petrus angeredet. Der trägt aber auch selbst, durch seine Persönlichkeit, seine Aufgeschlossenheit – vielleicht auch aus Neugier – dazu bei, dass er Jesu Charme erliegt und dann wider besseres Wissen, »ver-rückt«, handeln wird.
Simon lässt seine berufliche Erfahrung mit ihren klaren Gesetzmäßigkeiten hinter sich. Und auch seinen Frust über die vergebliche Arbeit und Mühe. Er lässt sich auf ein Wagnis ein. Bildlich gesprochen vertraut er jetzt einem neuen Netz, dem Beziehungsnetz zu Jesus. Das erweist sich als tragfähiger und ertragreicher als sein bisheriges Fanggerät, das Fischernetz. Sein Loslassen des Alten und sich einlassen auf Jesu Wort, bringen Dynamik in sein Leben: Der Fang, die große Menge gefangener Fische, sind nicht mehr wichtig. Sie werden buchstäblich zu einer Randerscheinung: „Gemeinsam füllten sie beide Boote bis zum Rand.“ Die bisherigen Netze und Werkzeuge werden überflüssig. Sie verkommen zur Randnotiz, tauchen im weiteren Verlauf unseres Evangeliums gar nicht mehr auf.
Ein anderes Netz erweist nun seine Tragfähigkeit: Das Netz zwischenmenschlicher Beziehungen. Jesus hat Petrus das Seil zugeworfen. Der hat es aufgefangen. Erschrocken über den großen und unerwarteten Erfolg, wirft er sich jetzt selbst seinem Herrn voll Ehrfurcht vor die Füße: „Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder.“
Die Situation gleicht einer klassischen Gotteserscheinung, wie in der ersten Lesung. Entsprechend verhält sich auch Jesus. Mit den Worten „Fürchte Dich nicht!“ richtet er das am Boden liegende Menschlein auf, gibt ihm seine Würde zurück und erteilt Auftrag und Sendung. Um Menschen zu fangen, braucht Petrus nun keine Hilfsmittel mehr. Getrost kann er alles zurücklassen. Ihn trägt jetzt das neue Netz, das Beziehungsnetz zu seinem Meister und Herrn Jesus. Der erweist sich als tragender Halt, als Gott. Im Blick auf ihn traut sich Simon endgültig seine sichere Existenz aufzugeben und als Felsenmann »Petrus«, Jesus nachzufolgen.
Haben wir selbst schon einmal in dieser Weise gehandelt? Gegen eigene Erfahrung und wider menschliches Wissen, dem Wort der Heiligen Schrift oder unserem Gewissen gehorcht? - Akrasia betrieben? - Was haben Sie dabei erlebt, wie ist es Ihnen ergangen?
Sich diesen Fragen zu stellen lohnt. Ich denke, auch Sie erinnern sich an Situationen, Zeiten in denen ich mich gegen meine eigene Erfahrung einfach fallen lassen muss: Wenn mir die Zeit davonläuft und ich mit meiner Art zu arbeiten einfach nicht mehr nachkomme; wenn plötzlich eine Krankheit mir das Steuer aus der Hand reißt und nur noch eine Auszeit heilt; wenn ich nichts mehr spüre von diesem Gott, der doch seine Nähe zugesagt hat. - Dann bin auch ich gefordert wie Petrus das gewohnte Ufer zurückzulassen und zu vertrauen, dass Jesu Wort trägt und das Netz des Glaubens hält. Masche für Masche webt sich so im Laufe der Jahre „ein Leben aus dem Glauben“.
Wie so ein Glaubensnetz des Lebens in der Geschichte aussieht, schildert uns eine Benediktinerin, Schwester Marcella Welte, in ihrem Gedicht:
Auf Dein Wort hin, Herr,
haben Menschen das Sinnlose gewagt.
Sie haben Anfänge gesetzt,
die von vornherein zum Scheitern verurteilt schienen ...
Auf Dein Wort hin
baute Noah die Arche,
und sie trug ihn über den Spott seiner Zeitgenossen,
noch bevor sie ihn über das Wasser trug.
Auf Dein Wort hin, Herr,
ging Abraham fort in das fremde Land.
Noch weiter ging er fort,
als er aufstand, um den Sohn zu opfern
und die Verheißung in Deine Hand zurücklegte ...
Auf Dein Wort hin, Herr,
sprach Maria ihr Ja
am Morgen der Verkündigung
und am Abend des Kreuzes.
In ihr traf sich das Ja aller Gerechten seit Anbeginn der Welt
und das Ja aller Bereitschaft bis zur Vollendung der Welt.
Auf Dein Wort hin
warf Petrus das Netz aus
und empfing Fülle und Verheißung.
In Deiner Kraft
ging er über das Wasser
und ließ sich führen, wohin er nicht wollte.
Auf Dein Wort hin, Herr,
verließen die Zeugen der alten Zeit und die Zeugen unserer Zeit ihr Leben,
und fanden es neu in Dir ...
Auf Dein Wort hin
und in Deiner Kraft
dienen sie, wo jeder nur das Seine sucht,
vertrauen sie, wo andere aufgeben,
kämpfen sie, wo kein Vorteil zu erwarten ist,
verzeihen sie, wo Feindschaft über sie fällt,
glauben sie, wo alles verzweifelt,
hoffen sie, wo nichts mehr zu hoffen ist,
lieben sie, wo niemand liebt.
In Deiner Kraft und auf Dein Wort hin, Herr.
will auch ich es wieder wagen, wider besseres Wissen,
vertrauend, dass das Beziehungsnetz hält, zwischen Dir und mir.
Amen.
(c) P. Rudolf Leicht CSsR, rudolf.leicht@redemptoristen.de
Liebe Christen der Pfarrei,
heute geht's nicht um den heißen Brei,
vielmehr will ich euch erzählen,
wie so manche sich recht quälen
und - wie Petrus mit den Fischen,
einfach - nichts erwischen.
Wie geht's mit unsrer Kirche weiter?
Diese Frage macht nicht heiter.
Eher scheint es aussichtlos,
denn die Beute ist nicht groß,
wenn wir, wie Petrus auf dem See,
zu Leuten sagen: "Geh!
Brich doch auf und mach mal mit,
in unsrer Kirch', das ist der Hit!"
Da gehen sie auf Tauchstation.
"Lass mir mei Ruh, ich habe schon...
... genug zu tun,
ich will mal ruhn!"
Liegt das an uns? Ist da kein Raum
für Menschen, die auf andres schau'n?
Das Netz bleibt leer -
Wo ist der Herr?
Wenn wir weiter denken,
unser Hirn verrenken -
ja, da fällt uns dann was ein:
an den Chefs da liegt's - das muss es sein!
Der Aufbruch des Konzils ist futsch,
das gab der Kirche diesen Rutsch.
Von nun an ging's bergab
und das in ziemlich schnellem Trab.
Da beißt kein Fisch mehr an,
die da oben, die haben das getan!
Verbohrt und unflexibel,
das ist das ganze Übel!
Wir könnten doch - wir müssten nur,
so hallt's in einer Tour!
Doch bewegen brauchen wir uns nicht,
denn das ist doch des Bischofs Pflicht!
Er und der Papst, die sollen's ändern,
dann erscheint die Kirch in neuen Gewändern!
Ja, vielleicht sollt sie sich maskieren,
dann müssen wir uns nicht genieren,
wenn manches ist nicht so modern,
wie viele es vielleicht gern hörn.
Doch einmal Hand aufs Herz!
Wie geht es uns mit einem Scherz?
Gehört der in die Kirch hinein?
Oder soll er lieber draußen bleib'n?
Strahlt aus uns Freude? Haben wir Humor?
Oder bleibt das draußen vor dem Tor?
Sind wir nur ernst, verbissen, steif,
dann ist die Zeit nicht reif
auf Menschen zuzugeh'n,
die eher abseits stehn.
Das richt' kein Papst, kein Bischof, Pfarrer, Diakon
Das ist unser Job: den richt'gen Ton...
... zu treffen, der im Ohr wohl klingt
und Menschen voll ins Schwingen bringt,
der sie begeistert und holt ein,
so dass sie sehn: "Hier ist gut sein!"
Allerdings vergiss es nicht und denk,
das zu schaffen ist Geschenk
von Gott dem Herrn, der uns bewegt
und dazu seinen Geist zu geben pflegt.
Oft scheint's verrückt aus unsrer Sicht,
doch trotzdem nimmt er uns in Pflicht
und trägt uns auf, hinaus zu geh'n
auch dort, wo wir wenig Chancen seh'n.
Wenn wir das Netz auswerfen und drauf hoffen,
dass wir was fangen - Gottes Tür steht offen.
Er sagt uns zu, bei uns zu bleiben,
egal, was und wie wir's treiben.
Hauptsache ist, dass wir was tun
und nicht in unsrer Trägheit ruhn.
Dann gilt, was er dem Petrus sagt:
"Von jetzt an wirst du Menschen fangen" - sei unverzagt!
In dieser Hoffnung geht heut raus,
verkleidet Euch, nehmt mit nach Haus,
die Freude ist's, die uns bewegt
und Kirche in die Zukunft trägt.
Das wünsch ich mir und uns zusammen
und sag: So ist es. Amen.
Mit herzlichen Grüßen Stefan Durner, Pastoralreferent im PV Flossing, Kirchenplatz 2, 84570 Polling, Email: stefandurner@web.de
Gott, unser Vater,
wir sind dein Eigentum
und setzen unsere Hoffnung allein auf deine Gnade.
Bleibe uns nahe in jeder Not und Gefahr
und schütze uns.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB: 5. Sonntag im Jahreskreis
Wer sich dessen bewusst ist, wie sehr er selbst der Barmherzigkeit Gottes bedarf,
wird sich auch eher seinen Schwestern und Brüdern gegenüber barmherzig verhalten.
So lasst uns miteinander und für einander beten:
Um Menschen, die deinen Ruf hören
und es im Bewusstsein ihrer Schwächen trotzdem wagen,
ihr Leben als Priester oder Ordensleute in deinen Dienst zu stellen.
Um weltweite Solidarität und selbstlose Einsatzbereitschaft
für friedvolle Lösungen in den arabischen Ländern.
Um Ärzte und Pflegende, die selbst schon Krankheiten und seelische Verletzungen erfahren haben
und dadurch heilendes Mitfühlen ihren Patienten entgegenbringen können.
Um einen dankbaren Blick auf unsere eigene Berufung zum Christsein
und den Wunsch so leben zu können,
dass sich andere zu Christus hingezogen fühlen.
Um deine Barmherzigkeit für unsere Verstorbenen.
(Heute beten wir besonders für …)
Herr, du berufst immer wieder Menschen zum Dienst an ihren Schwestern und Brüdern.
Führe sie durch deinen Geist,
dass sie sich von dir zum Heil der anderen in Dienst nehmen lassen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn und Bruder. - Amen.
Herr, unser Gott,
du hast Brot und Wein geschaffen,
um uns Menschen in diesem vergänglichen Leben
Nahrung und Freude zu schenken.
Mache diese Gaben zum Sakrament,
das uns ewiges Leben bringt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 5. Sonntag im Jahreskreis
Engel rühmen dich, Herr.
Ihr Lobgesang kennt kein Ende.
Heilig bist du.
Aber aus unseren Händen
nimmst du an, was wir dir bringen können,
Brot und Wein,
unser Leben.
Die Freude und den Schmerz,
die Verzagtheit und die Träume.
Sprich du das Wort,
das alles verwandelt.
Brot und Wein,
unser Leben.
Du schenkst uns Leib und Blut unseres Herrn.
Mit ihm sind wir verbunden.
Von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Kehrvers:
Dir sei Preis und Dank und Ehre.
(GL 670,8)
Guter Gott, wir danken dir für die Güte und Liebe,
die du deinem Volk entgegenbringst.
Kehrvers:
Einst hast du Propheten berufen,
dass sie die Menschen an deinen Bund erinnern
und Gerechtigkeit und Barmherzigkeit einfordern.
Kehrvers:
Jesus, deinen Sohn hast du gesandt,
um durch ihn deinen Willen kundzutun
und deine Liebe zu allen Geschöpfen zu offenbaren.
Kehrvers:
Er hat Jünger in seine Nachfolge gerufen,
damit auch sie das Heil verkünden,
das du allen Völkern zugedacht hast.
Kehrvers:
Durch sie sind auch wir zur Erkenntnis deiner Wahrheit gelangt
und haben wir Anteil erhalten am Reich der Gerechtigkeit und des Friedens.
Kehrvers:
Dafür danken wir dir
und preisen wir dich mit der ganzen Schöpfung.
Danklied, z. B.: Loben den Herren, den mächtigen König der Ehren...
(GL 392)
Wir danken dir, heiliger, starker Gott.
Du lenkst die Geschicke der Welt
und sorgst für jeden Menschen.
Du versammelst uns zu einer Gemeinschaft,
damit wir alle dein Wort hören
und deinem Sohn im Glauben folgen.
Er ist der Weg - auf diesem Weg gelangen wir zu dir;
er ist die Wahrheit - sie allein macht uns frei;
er ist das Leben und erfüllt uns mit Freude.
Darum danken wir dir, Vater, für deine Liebe,
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Wir stimmen ein in den Gesang der Engel
und bekennen zum Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 2
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn hast du die Kirche
auf das Fundament der Apostel gegründet,
damit sie bis ans Ende der Tage fortbestehe
als Zeichen deiner Heiligkeit
und allen Menschen die Botschaft des Heiles verkünde.
Darum preisen wir das Werk deiner Liebe
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Apostel 2
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn er hat Großes an uns getan:
durch seinen Tod und seine Auferstehung
hat er uns von der Sünde
und von der Knechtschaft des Todes befreit
und zur Herrlichkeit des neuen Lebens berufen.
In ihm sind wir ein auserwähltes Geschlecht,
dein heiliges Volk,
dein königliches Priestertum.
So verkünden wir die Werke deiner Macht,
denn du hast uns aus der Finsternis
in dein wunderbares Licht gerufen.
Darum singen wir
mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen
des himmlischen Heeres den Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 1
Barmherziger Gott,
du hast uns teilhaben lassen
an dem einen Brot und dem einen Kelch.
Laß uns eins werden in Christus
und Diener der Freude sein für die Welt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 5. Sonntag im Jahreskreis
Zu den markanten Entwicklungen der vergangenen dreißig Jahre gehört die hohe Bedeutung der mikrosozialen Lebensbereiche: Die persönliche Lebenszufriedenheit ist hoch wie nie, die Familie seit dreißig Jahren der wichtigste Lebensbereich, Freunde und Freizeit werden wichtiger. Arbeit verliert an Bedeutung, Religion ebenso und Politik hat eigentlich nie richtig Relevanz als Lebensfeld erlangt.
Während die Bedeutung von Arbeit zurückging, steigen die Ansprüche an den Beruf und dessen Balance mit dem Privatleben. Gute Bezahlung ist das wichtigste Kriterium, dahinter folgt der Wunsch nach angenehmen Arbeitszeiten. Das Gefühl, etwas zu erreichen, die Möglichkeit, eigene Initiative zu entfalten oder ein Beruf mit Verantwortung sind für rund die Hälft e der Befragten wichtig.
Hinsichtlich der Erwartungen an eine gute Ehe oder Partnerschaft werden Treue und "Kinder" konstant als die beiden wichtigsten Faktoren genannt. Seit 1990 gestiegen ist die Wichtigkeit einer guten ökonomischen Basis einer Partnerschaft. Aus Sicht der ÖsterreicherInnen sollen Kinder im Elternhaus vor allem Verantwortungsgefühl und gute Manieren, Toleranz und Unabhängigkeit lernen.
Die Geschlechterrollenvorstellungen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich von traditionellen Rollenbildern entfernt. Dennoch stehen zwei Drittel bis die Hälfte der Männer und Frauen einer Berufstätigkeit von Frauen und vor allem Müttern skeptisch gegenüber.
Auszug aus einem Vortrag Christian Friesls auf der ÖPT 2019 in Salzburg.
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Teilhabe an der himmlischen Liturgie
Bereits die älteste melodische Fassung des Sanctus, eine Fortsetzung der wochentäglichen Präfationsmelodie, macht den ursprünglich sehr engen Zusammenhang zwischen diesen beiden Abschnitten deutlich: Mit der Sanctus-Akklamation wird die Präfation lediglich weitergeführt.
Die Ursprünge dieses Gesangs lassen sich nicht mehr ganz erhellen. Es fehlt zwar im Eucharistiegebet des Hyppolyt, scheint aber bereits um die Wende zum 1. Jh. ein Bestandteil des allgemeinen (nicht unbedingt des eucharistischen) Gebetsguts gewesen zu sein, wenngleich es in den orientalischen Kirchen erst seit dem 4., in der Westkirche sogar erst seit dem 5. Jh. nachweisbar ist.
Der Wortlaut ist der Berufungsvision des Jesaja entlehnt (Jes 6,2f), erfährt aber einige bedeutsame Abwandlungen…
Das Deus ist in beiden Texten bereits eine Ergänzung gegenüber dem alttestamentlichen Original.
Das Sabaoth - Heerscharen - bleibt in der liturgischen Fassung unübersetzt; es bezieht sich nicht nur auf die Engelscharen, sondern auf alle Geschöpfe und Wesenheiten des Sechstagewerks (Gen 2,1).
Durch die direkte Anrede des tua wird der Gebetscharakter verstärkt.
Wesentlich ist die Einbeziehung von caeli et terra - Himmel und Erde - in den Lobpreis, und zwar in sämtlichen christlichen Liturgien (und offenbar nur in diesen!). Sämtliche Engelschöre, die ganze militia coelestis exercitus, ist darin vereinigt. Vor allem in orientalischen Liturgien wurde diese Vorstellung breit ausgemalt.
Herausgehoben ist das Sanctus durch den Aspekt der Teilhabe der irdischen Liturgie an der himmlischen Liturgie im Neuen Jerusalem (vgl. Offb), das der wahre Ziel- und Heimatort der irdischen Kirche ist. Denn das eröffnende Sanctus, das auf die lobpreisenden Seraphim anspielt, will mehr sein als bloße Erinnerung: Die singende Gemeinde stimmt vielmehr in die Chöre der Engel selbst mit ein, von denen man außerdem glaubte, dass sie sich während des Messopfers um den irdischen Altar versammeln bzw. die gewandelten Opfergaben zu Gott emportragen würden.
Erst in der Deutschen Messe von Martin Luther ist die Teilhabe durch eine reine, wenngleich bildgewaltige Memoria ersetzt worden: Mitgesungen wird nicht mehr das "Heilig, heilig, heilig" der Engel, sondern vorgetragen wird eine Paraphrase der ganzen Berufungsvision! An die Stelle der Einstimmung ist eine Nacherzählung getreten.
Fortgesetzt wird das Sanctus mit dem Benedictus-Ruf, der dem Neuen Testament entnommen ist:
Hosanna in excelsis!
Offenbar auch angeregt durch Ps 117,25f:
O domine salvum me fac ... benedictus qui venit in nomine Domini.
Im evangelischen Grundtext ist das qui venit präsentisch gemeint.
Vom Gesang der Laien zum Gesang der Schola
Dass die ganze Gemeinde das Sanctus singt, war in der Alten Kirche selbstverständlich. Noch im Liber Pontificalis findet sich eine Vorschrift Sixtus' I. von 530 (Duchesne 1886/92, Liber pont. I, 128). Anfang des 7. Jh. wird jedoch im römischen Festgottesdienst der Gesang bereits von einer Schola vorgetragen (Ord. Rom. I, Andrieu 1931-1961 II, 95, PL 78, 973).
In der fränkischen Liturgie behielt man den Volksgesang und eine schlichte, mehr rezitativische Melodie an dieser Stelle zunächst bei (Caesarius von Arles, Serm. 73,3; PL 39, 2277). Noch im 12. Jh. erscheint das Sanctus als gemeinsamer Gesang von Laien und Priester (Hildbert von Le Mans, Versus de mysterio missae, PL 171, 1182. Honorius Augustod., Gemma an. I, 42, PL 172, 556D). Auffällig ist die Erwähnung der Orgel in diesem Zusammenhang, die sich an dieser Stelle offenbar nicht auf die reine Begleitfunktion beschränkte; üblich wurde seit dem 13. Jh. auch das dreimalige Schellen der Messglöckchen (Sicard von Cremona, Mitrale III, 6, PL 213, 123D. Durandus, Rationale IV, 34, 10).
Mit der Zuweisung dieses Gesangs an die assistierenden Kleriker kündigt sich freilich auch hier eine Verschiebung an (Robert Paulus, De caeremoniis II, 24, PL 177, 425). Im Zuge neuer, komplizierterer Melodien, ausgreifender Tropierung und schließlich der Einführung der Mehrstimmigkeit auch an dieser Stelle ging der Gesang dann an den Sängerchor über.
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Das deutsch "Sanctus"
Jesaja, dem Propheten, das geschah,
Daß er im Geist den Herren sitzen sah
Auf einem hohen Thron in hellen Glanz,
Seines Kleides Saum den Chor füllet ganz.
Es stunden zween Seraph bei ihm daran,
Sechs Flügel sah er einen jeden han,
Mit zween verbargen sie ihr Antlitz klar,
Und mit den andern zween sie flogen frei,
Gen ander rufen sie mit großem Gschrei:
Heilig ist Gott, der Herre Zebaoth,
Heilig ist Gott, der Herre Zebaoth,
Heilig ist Gott, der Herre Zebaoth,
Sein Ehr die ganze Welt erfüllet hat,
Von dem Geschrei zittert Schwell und Balken gar,
Das Haus auch ganz voll Rauchs und Nebel war.
Martin Luther: "Deutsche Messe und Ordnung des Gottesdienstes", 1526.
http://www.martinschlu.de/kulturgeschichte/renaissance/frueh/luther/lieder/jesajadempropheten.htm
Melodie (herunterladen als PDF):
http://www.luther-gesellschaft.de/assets/pdf/lieder/jesaja_dem_propheten_das_geschah.pdf
Von Boot aus predigt er den Vielen. Ach, denkt der Pastor, die Kanzel hat was. Jesus sitzt wahrscheinlich im Bug des Schiffes, lässt sich von den Wellen schaukeln, über ihm die Weite des Himmel, vor ihm der Strand. Bilder von Urlauberseelsorge, inszenierten Piratenfahrten und Strandgottesdiensten tauchen auf vor des Pastors inneren Augen.
Jetzt aber kämpft er sich weiter durch seine Predigt, die ganz bei Petrus gelandet ist.
Dem fühlt er sich nah, so viel vergebliche Mühe in der Nacht und kaum noch Kraft jetzt am Tag.
Was aber sagt Jesus ihm? Fahr hinaus auf die Tiefe.
Es ist, als sei das ein Sinnbild für das Leben schlechthin: Gib nicht auf, schürfe tiefer, fische frischer, verlass dich nicht auf eigene Weisheiten, vertraue dich jemand anderem an.
Kanzelgedanken eines Schwermütigen - Predigt zu Lukas 5,1-11 von Stefan Henrich.
http://predigten.evangelisch.de/predigt/kanzelgedanken-eines-schwermuetigen-predigt-zu-lukas-51-11-von-stefan-henrich
Was verstehe ich unter "Masterplan"? Es ist nicht ein billiges Wortspiel, wenn ich darunter zuerst den Plan verstehe, den der Meister, unser Herr, selber mit uns hat. Wenn wir nicht Seinen Plan zu verwirklichen suchen, mühen wir uns umsonst. "Wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst, der daran baut" (Ps 127,1). Wer sagt uns aber, was Sein Plan für uns, Seine Kirche heute ist? Wie wird das konkret? Wie soll es weitergehen? Vorweg sei ein Missverständnis abgewehrt: Sobald ich von "Mission" oder gar "Neuevangelisierung" spreche, kommt immer wieder der Einwurf: Das tun wir doch längst! Ist nicht heute fast jedes Taufgespräch, jede Erstkommunion- und Firmvorbereitung "Mission pur"? Tun wir das nicht längst schon, was jetzt als etwas Neues angepriesen wird? Ja, wir tun es, mit großem Einsatz, mit einem Erfolg, den letztlich nur Gott kennt, und mit unermüdlicher Bereitschaft, Jahr für Jahr unter schwieriger werdenden Verhältnissen neu zu beginnen. Ich kann dafür nicht genug danken.
Unter dem Begriff "Masterplan" verstehe ich kein fertiges Rezept, das ich in der Tasche haben kann. Uns geht es darum, dass wir gemeinsam neu und frisch dem Herrn selber die Frage stellen: Was willst Du, das wir tun sollen? Deine Kirche ist ja kein Selbstzweck! Was sagst DU uns durch die vielen Suchenden? Wie lässt DU uns Deinen Herzschlag im Leben so vieler vernehmen, die nicht in unseren Kerngemeinden sind? Willst DU uns nicht zu einem Umdenken, einer Umkehr führen? Rufst DU uns nicht, uns neu hinter DICH zu stellen und DIR nachzufolgen? Denken wir nicht allzu oft in allzu menschlichen Kategorien, sodass Jesus zu uns wie zu Petrus energisch sagen muss: "Du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen" (Mt 16,23)?
Ich frage mich selbstkritisch: Träume ich nicht insgeheim von der Gestalt der Kirche, die ich in meinen jungen Jahren erlebt habe? Hoffe ich nicht doch insgeheim, dass es irgendwie gelingen muss, der Kirche wieder Ansehen, Akzeptanz, Beliebtheit und greifbaren Erfolg zu verschaffen? Bin ich bereit, zur heutigen Situation wirklich ja zu sagen? Sie als die Chance zu sehen, die Gott uns heute gibt? Ich bin gewiss: Christus will seine Kirche in Dienst nehmen als Zeichen und Werkzeug der Vereinigung mit Gott und der Erlösung der Menschen (vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Lumen Gentium 1).
Wenn das Zeichen undeutlich, das Werkzeug untauglich wird, muss es neu geschmiedet werden - im Feuer der Prüfung, unter mächtigen Schlägen und im stillen Aufschmelzen des Materials und seiner Ausgießung in die kommende Form. Denn der Geist will unsere Herzen erneuern und mit ihnen das Angesicht der Erde.
"Mission zuerst" habe ich als oberste Priorität des "Masterplanes" genannt. Welche konkreten Schritte folgen daraus? Zuerst die Frage: Wie können wir unsere Jüngerschaft in der Nachfolge Jesu vertiefen, beleben, ja sie konkret lernen und einüben? Welche Entwicklungen unserer Struktur und Organisation braucht es in unserer Diözese, damit wir uns auf unsere Mission ausrichten können? Welche Strukturen müssen wir eventuell aufgeben, welche ändern, welche neu schaffen, damit sie der Mission dienen?

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An diesem Sonntag steht auch die 2. Lesung in thematischer Verbindung zur 1. Lesung und zum Evangelium - und kann als sich entwickelnde Einheit betrachtet werden:
Herrlichkeit Gottes in der Theophanie des Jesaja, Herrlichkeit Gottes im Wort der Predigt Jesu und in der Überfülle des reichen Fischfangs, Herrlichkeit Gottes in der Erscheinung Jesu als Auferstandener für die Apostel und für Paulus, Erkenntnis der Unzulänglichkeit bei Jesaja, Petrus und Paulus, Reinigung, Indienstnahme und Zustimmung.
Deshalb wären wohl alle drei Texte zu verlesen und könnten in ihrem inneren Zusammenhang ein Thema der Verkündigung sein: unzulängliche Menschen sind berufen, Gottes allumfassendes Heil und die überreiche Fülle seines Lebens zu bezeugen:
- Jesaja: die Rettung des "heiligen Restes" durch Gott,
- Petrus: die Rettung der Menschen im Wirken der Kirche,
- Paulus: die Rettung der Menschen durch die "unverdiente Gnade" des Auferstandenen.
Zum zeitlichen Ablauf:
Die Bekehrung des Paulus ist etwa für die Zeit 30-32 einzuordnen. Um das Jahr 50 entstand die Gemeinde in Korinth, bei deren Organisation Paulus entscheidend mitgewirkt hat. Im Sommer 51 verlässt Paulus Korint und bald stellen sich Misstände und Probleme ein:
Streitigkeiten zwischen Judenchristen und Heidenchristen, zwischen arm und reich treten auf, Missstände beim Gottesdienst werden erkannt und vor allem wird die Meinung laut, Paulus sei nicht rechtens Apostel und die Auferstehung könne es gar nicht gegeben haben. Diese Vorwürfe machen ihm zu schaffen und spiegeln sich wider in dem Brief, den er ca. 54/55 aus Ephesus nach Korinth geschrieben hat.
Verse 1-8 befassen sich mit Christus, die Verse 9-11 mit Paulus selbst.
Verse 1-2:
Paulus weist hin auf eine wohl in der jungen Gemeinde bestehende Glaubensformel, die er "Evangelium" nennt. Diese Glaubensformel ist nicht nur inhaltlich, sondern sogar wörtlich festzuhalten.
Der Glaube an die Auferstehung ist der Grund, auf dem Verkündigung und Leben stehen, Halt für Gegenwart und Zukunft.
Verse 3-8:
Wenn wir davon ausgehen, dass der Brief lange vor den Osterevangelien geschrieben ist, und Paulus betont, dass er keine neue Botschaft verkündet, dann finden wir hier eins der ältesten schriftlichen Zeugnisse des vorhandenen Osterglaubens, der sich wörtlich ausgeformt hat. Diese Formel hat Paulus "empfangen" - das verweist auf eine verlässliche Überlieferungskette.
Der Tod Christi stellvertretend und zugunsten der Menschen geschieht der Schrift gemäß (vgl. Gen 22; Ex 12; Jes 53; Ps 16,10...)
Die Liste der Auferstehungszeugen beginnt mit Petrus, führt über den Zwölferkreis, führt über fünfhundert Brüder hin zu allen Missionaren der jungen Gemeinde.
Vers 8:
Paulus reiht sich in den Kreis der Zeugen ein, obwohl es ihm nicht zusteht. "Fehlgeburt - Missgeburt" meint wohl mehr das Verhalten vor der Bekehrung - vor der neuen geistlichen Geburt.
Verse 9-10 begründen nun, warum Paulus rechtmäßiger Verkünder des Evangeliums ist, trotzdem er die Kirche verfolgt hatte: Gottes Gnade wirkt in ihm.
Vers 11 ist gleichsam noch einmal eine Zusammenfassung seines Anliegens.
Im 15. Kapitel seines 1. Korintherbriefes entfaltet Paulus die Auferstehungshoffnung der Christen. Der Apostel erinnert an das Evangelium, das er in Korinth verkündet hat. Dabei hat er das Evangelium auch nur empfangen, ohne etwas davon wegzunehmen oder hinzuzutun.
Das Evangelium ist hier kein Erzählzusammenhang, sondern die Zusammenfassung dessen, was die Christusbotschaft ausmacht: für unsere Sünde gestorben, begraben und am dritten Tage auferweckt - und Tod und Auferweckung "gemäß der Schrift" (=AT). Wir haben hier eine der ersten "Kurzformeln" des Glaubens vor uns - oder das Urbekenntnis überhaupt.
Welche Bedeutung dieses Bekenntnis hat, erläutert Paulus mit dem Wort "erscheinen". Jesus ist dem Kephas (Petrus) erschienen, den Zwölf, mehr als fünfhundert Brüdern - und als "Letztem" auch ihm, Paulus. Paulus nennt sich eine "Missgeburt“ und spielt auf seine Biographie an. Was "erscheinen" heißt, ist unterschiedlich erfahrbar und erfahren worden. Was sie alle verbindet, denen Jesus "erschienen" ist, ist, dass sie Zeugen seiner Auferweckung geworden sind (passiv!).
Leider hat Paulus die Frauen "vergessen", die nach dem einhelligen Zeugnis der Evangelien die ersten Zeugen der Auferweckung wurden. Aber: das Evangelium, wie es von Paulus den Korinthern in Erinnerung gerufen wird, ist das "erste" überhaupt - die Evangelien sind später entstanden.
Paulus formuliert sehr dicht: "das ist unsere Botschaft, und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt".
Die heutige 2. Lesung ist das älteste Schriftzeugnis über die Auferstehung Jesu (um 55/57 n. Chr.) und ist damit älter als die Auferstehungsberichte der Evangelien. Das Zentrum bildet die Bekenntnisformel des Paulus, die er vermutlich selber aus früherer Tradition übernommen hat und in Botschaft von Tod und Auferstehung Jesu zusammengefasst hat (Vers 3).
Paulus selbst hat in seinem Damaskuserlebnis Jesus als den Lebenden erfahren (Apg 9,4). Er kennt eine ganze Reihe von Augenzeugen , denen der Auferstandene erschienen ist.