Lesung aus dem Buch Josua.
In jenen Tagen
sagte der HERR sagte zu Josua:
Heute habe ich die ägyptische Schande von euch abgewälzt.
Als die Israeliten in Gilgal ihr Lager hatten,
feierten sie am Abend des vierzehnten Tages jenes Monats
in den Steppen von Jericho das Pessach.
Am Tag nach dem Pessach, genau an diesem Tag,
aßen sie ungesäuerte Brote und geröstetes Getreide
aus dem Ertrag des Landes.
Vom folgenden Tag an,
nachdem sie von dem Ertrag des Landes gegessen hatten,
blieb das Manna aus;
von da an hatten die Israeliten kein Manna mehr,
denn sie aßen in jenem Jahr von der Ernte des Landes Kanaan.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv - Kostet und seht, wie gut der Herr ist! – Kv
(Oder GL 39,1)
Ich will den HERRN allezeit preisen;
immer sei sein Lob in meinem Mund.
Meine Seele rühme sich des HERRN;
die Armen sollen es hören und sich freuen. - Kv
Preist mit mir die Größe des HERRN,
lasst uns gemeinsam seinen Namen erheben!
Ich suchte den HERRN und er gab mir Antwort,
er hat mich all meinen Ängsten entrissen. - Kv
Die auf ihn blickten, werden strahlen,
nie soll ihr Angesicht vor Scham erröten.
Da rief ein Armer und der HERR erhörte ihn
und half ihm aus all seinen Nöten. - Kv
Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korinth.
Schwestern und Brüder!
Wenn also jemand in Christus ist,
dann ist er eine neue Schöpfung:
Das Alte ist vergangen,
siehe, Neues ist geworden.
Aber das alles kommt von Gott,
der uns durch Christus mit sich versöhnt
und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat.
Ja, Gott war es,
der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat,
indem er ihnen ihre Verfehlungen nicht anrechnete
und unter uns das Wort von der Versöhnung aufgerichtet hat.
Wir sind also Gesandte an Christi statt
und Gott ist es, der durch uns mahnt.
Wir bitten an Christi statt:
Lasst euch mit Gott versöhnen!
Er hat den, der keine Sünde kannte,
für uns zur Sünde gemacht,
damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Christus, du ewiges Wort des Vaters, Ehre sei dir! – Kv
Ich will zu meinem Vater gehen
und ihm sagen:
Vater, ich habe mich versündigt! gegen den Himmel und gegen dich.
Christus, du ewiges Wort des Vaters, Ehre sei dir!
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit
kamen alle Zöllner und Sünder zu ihm,
um ihn zu hören.
Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber
und sagten: Dieser nimmt Sünder auf
und isst mit ihnen.
Da erzählte er ihnen dieses Gleichnis
und sagte: Ein Mann hatte zwei Söhne.
Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater:
Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht!
Da teilte der Vater das Vermögen unter sie auf.
Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen
und zog in ein fernes Land.
Dort führte er ein zügelloses Leben
und verschleuderte sein Vermögen.
Als er alles durchgebracht hatte,
kam eine große Hungersnot über jenes Land
und er begann Not zu leiden.
Da ging er zu einem Bürger des Landes
und drängte sich ihm auf;
der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten.
Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt,
die die Schweine fraßen;
aber niemand gab ihm davon.
Da ging er in sich
und sagte:
Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Brot im Überfluss,
ich aber komme hier vor Hunger um.
Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen
und zu ihm sagen: Vater,
ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt.
Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein;
mach mich zu einem deiner Tagelöhner!
Dann brach er auf und ging zu seinem Vater.
Der Vater sah ihn schon von Weitem kommen
und er hatte Mitleid mit ihm.
Er lief dem Sohn entgegen,
fiel ihm um den Hals und küsste ihn.
Da sagte der Sohn zu ihm: Vater,
ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt;
ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein.
Der Vater aber sagte zu seinen Knechten:
Holt schnell das beste Gewand und zieht es ihm an,
steckt einen Ring an seine Hand und gebt ihm Sandalen an die Füße!
Bringt das Mastkalb her und schlachtet es;
wir wollen essen und fröhlich sein.
Denn dieser, mein Sohn, war tot und lebt wieder;
er war verloren und ist wiedergefunden worden.
Und sie begannen, ein Fest zu feiern.
Sein älterer Sohn aber war auf dem Feld.
Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam,
hörte er Musik und Tanz.
Da rief er einen der Knechte
und fragte, was das bedeuten solle.
Der Knecht antwortete ihm:
Dein Bruder ist gekommen
und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen,
weil er ihn gesund wiederbekommen hat.
Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen.
Sein Vater aber kam heraus
und redete ihm gut zu.
Doch er erwiderte seinem Vater:
Siehe, so viele Jahre schon diene ich dir
und nie habe ich dein Gebot übertreten;
mir aber hast du nie einen Ziegenbock geschenkt,
damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte.
Kaum aber ist der hier gekommen,
dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat,
da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet.
Der Vater antwortete ihm:
Mein Kind, du bist immer bei mir
und alles, was mein ist, ist auch dein.
Aber man muss doch ein Fest feiern und sich freuen;
denn dieser, dein Bruder, war tot
und lebt wieder;
er war verloren
und ist wiedergefunden worden.
Aus dem hl. Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit
kamen alle Zöllner und Sünder zu ihm,
um ihn zu hören.
Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber
und sagten: Dieser nimmt Sünder auf
und isst mit ihnen.
Da erzählte er ihnen dieses Gleichnis
und sagte:
Wenn einer von euch hundert Schafe hat
und eins davon verliert,
lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Wüste zurück
und geht dem verlorenen nach, bis er es findet?
Und wenn er es gefunden hat,
nimmt er es voll Freude auf die Schultern,
und wenn er nach Hause kommt,
ruft er die Freunde und Nachbarn zusammen
und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir,
denn ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war!
Ich sage euch:
Ebenso wird im Himmel
mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder,
der umkehrt,
als über neunundneunzig Gerechte,
die keine Umkehr nötig haben.
Oder wenn eine Frau zehn Drachmen hat
und eine davon verliert,
zündet sie dann nicht eine Lampe an,
fegt das Haus
und sucht sorgfältig, bis sie die Drachme findet?
Und wenn sie diese gefunden hat,
ruft sie die Freundinnen und Nachbarinnen zusammen
und sagt: Freut euch mit mir,
denn ich habe die Drachme wiedergefunden,
die ich verloren hatte!
Ebenso, sage ich euch,
herrscht bei den Engeln Gottes
Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt.
Weiter sagte Jesus:
Ein Mann hatte zwei Söhne.
Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater:
Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht!
Da teilte der Vater das Vermögen unter sie auf.
Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen
und zog in ein fernes Land.
Dort führte er ein zügelloses Leben
und verschleuderte sein Vermögen.
Als er alles durchgebracht hatte,
kam eine große Hungersnot über jenes Land
und er begann Not zu leiden.
Da ging er zu einem Bürger des Landes
und drängte sich ihm auf;
der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten.
Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt,
die die Schweine fraßen;
aber niemand gab ihm davon.
Da ging er in sich
und sagte:
Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Brot im Überfluss,
ich aber komme hier vor Hunger um.
Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen
und zu ihm sagen: Vater,
ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt.
Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein;
mach mich zu einem deiner Tagelöhner!
Dann brach er auf und ging zu seinem Vater.
Der Vater sah ihn schon von Weitem kommen
und er hatte Mitleid mit ihm.
Er lief dem Sohn entgegen,
fiel ihm um den Hals und küsste ihn.
Da sagte der Sohn zu ihm: Vater,
ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt;
ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein.
Der Vater aber sagte zu seinen Knechten:
Holt schnell das beste Gewand und zieht es ihm an,
steckt einen Ring an seine Hand und gebt ihm Sandalen an die Füße!
Bringt das Mastkalb her und schlachtet es;
wir wollen essen und fröhlich sein.
Denn dieser, mein Sohn, war tot und lebt wieder;
er war verloren und ist wiedergefunden worden.
Und sie begannen, ein Fest zu feiern.
Sein älterer Sohn aber war auf dem Feld.
Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam,
hörte er Musik und Tanz.
Da rief er einen der Knechte
und fragte, was das bedeuten solle.
Der Knecht antwortete ihm:
Dein Bruder ist gekommen
und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen,
weil er ihn gesund wiederbekommen hat.
Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen.
Sein Vater aber kam heraus
und redete ihm gut zu.
Doch er erwiderte seinem Vater:
Siehe, so viele Jahre schon diene ich dir
und nie habe ich dein Gebot übertreten;
mir aber hast du nie einen Ziegenbock geschenkt,
damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte.
Kaum aber ist der hier gekommen,
dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat,
da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet.
Der Vater antwortete ihm:
Mein Kind, du bist immer bei mir
und alles, was mein ist, ist auch dein.
Aber man muss doch ein Fest feiern und sich freuen;
denn dieser, dein Bruder, war tot
und lebt wieder;
er war verloren
und ist wiedergefunden worden.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit
sah Jesus unterwegs einen Mann,
der seit seiner Geburt blind war.
Da fragten ihn seine Jünger:
Rabbi, wer hat gesündigt?
Er selbst
oder seine Eltern,
sodass er blind geboren wurde?
Jesus antwortete:
Weder er noch seine Eltern haben gesündigt,
sondern die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden.
Wir müssen, solange es Tag ist,
die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat;
es kommt die Nacht, in der niemand mehr wirken kann.
Solange ich in der Welt bin,
bin ich das Licht der Welt.
Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde;
dann machte er mit dem Speichel einen Teig,
strich ihn dem Blinden auf die Augen
und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach!
Das heißt übersetzt: der Gesandte.
Der Mann ging fort und wusch sich.
Und als er zurückkam,
konnte er sehen.
Die Nachbarn
und jene, die ihn früher als Bettler gesehen hatten,
sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte?
Einige sagten: Er ist es.
Andere sagten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich.
Er selbst aber sagte:
Ich bin es.
Da fragten sie ihn:
Wie sind deine Augen geöffnet worden?
Er antwortete: Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Teig,
bestrich damit meine Augen
und sagte zu mir: Geh zum Schiloach und wasch dich!
Ich ging hin,
wusch mich und konnte sehen.
Sie fragten ihn: Wo ist er?
Er sagte: Ich weiß es nicht.
Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war,
zu den Pharisäern.
Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht
und ihm die Augen geöffnet hatte.
Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei.
Er antwortete ihnen:
Er legte mir einen Teig auf die Augen
und ich wusch mich
und jetzt sehe ich.
Einige der Pharisäer sagten:
Dieser Mensch ist nicht von Gott,
weil er den Sabbat nicht hält.
Andere aber sagten:
Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun?
So entstand eine Spaltung unter ihnen.
Da fragten sie den Blinden noch einmal:
Was sagst du selbst über ihn?
Er hat doch deine Augen geöffnet.
Der Mann sagte:
Er ist ein Prophet.
Die Juden aber wollten nicht glauben,
dass er blind gewesen und sehend geworden war.
Daher riefen sie die Eltern des von der Blindheit Geheilten
und fragten sie: Ist das euer Sohn,
von dem ihr sagt, dass er blind geboren wurde?
Wie kommt es, dass er jetzt sieht?
Seine Eltern antworteten:
Wir wissen, dass er unser Sohn ist
und dass er blind geboren wurde.
Wie es kommt, dass er jetzt sieht,
das wissen wir nicht.
Und wer seine Augen geöffnet hat,
das wissen wir auch nicht.
Fragt doch ihn selbst,
er ist alt genug und kann selbst für sich sprechen!
Das sagten seine Eltern,
weil sie sich vor den Juden fürchteten;
denn die Juden hatten schon beschlossen,
jeden, der ihn als den Christus bekenne,
aus der Synagoge auszustoßen.
Deswegen sagten seine Eltern: Er ist alt genug,
fragt ihn selbst!
Da riefen die Pharisäer den Mann, der blind gewesen war,
zum zweiten Mal
und sagten zu ihm: Gib Gott die Ehre!
Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist.
Er antwortete: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht.
Nur das eine weiß ich,
dass ich blind war und jetzt sehe.
Sie fragten ihn: Was hat er mit dir gemacht?
Wie hat er deine Augen geöffnet?
Er antwortete ihnen: Ich habe es euch bereits gesagt,
aber ihr habt nicht gehört.
Warum wollt ihr es noch einmal hören?
Wollt etwa auch ihr seine Jünger werden?
Da beschimpften sie ihn:
Du bist ein Jünger dieses Menschen;
wir aber sind Jünger des Mose.
Wir wissen, dass zu Mose Gott gesprochen hat;
aber von dem da wissen wir nicht, woher er kommt.
Der Mensch antwortete ihnen:
Darin liegt ja das Erstaunliche,
dass ihr nicht wisst, woher er kommt;
dabei hat er doch meine Augen geöffnet.
Wir wissen, dass Gott Sünder nicht erhört;
wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut,
den erhört er.
Noch nie hat man gehört,
dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat.
Wenn dieser nicht von Gott wäre,
dann hätte er gewiss nichts ausrichten können.
Sie entgegneten ihm:
Du bist ganz und gar in Sünden geboren
und du willst uns belehren?
Und sie stießen ihn hinaus.
Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten,
und als er ihn traf,
sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn?
Da antwortete jener und sagte: Wer ist das, Herr,
damit ich an ihn glaube?
Jesus sagte zu ihm: Du hast ihn bereits gesehen;
er, der mit dir redet, ist es.
Er aber sagte: Ich glaube, Herr!
Und er warf sich vor ihm nieder.
Da sprach Jesus:
Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen:
damit die nicht Sehenden sehen und die Sehenden blind werden.
Einige Pharisäer, die bei ihm waren, hörten dies.
Und sie fragten ihn: Sind etwa auch wir blind?
Jesus sagte zu ihnen:
Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde.
Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen.
Darum bleibt eure Sünde.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Evangelientext ist dem Johannesevangelium entnommen. Er besteht aus mehreren Teilen: Zum einen aus dem Bericht der Blindenheilung, der keine direkte Verbindung zu den anderen drei Evangelien aufweist, und dadurch auf eine eigene von ihnen unabhängige Überlieferung hinweist. An ihn schließen sich sodann Dialogszenen in Form von Verhören an. Im letzten Teil kommt es zu einer Begegnung zwischen Jesus und dem Geheilten, der vom Geheilten zum Glaubenden wird.
Der Teich Schiloach, durch den die Heilung des Blindgeborenen vollendet wird, wird durch die Namensdeutung (Schiloach = der Gesandte) mit Jesus in Verbindung gebracht. Jesus heilt als der Gesandte des Vaters.
Das Anrühren des Breies ist Arbeit und somit für die gläubige Juden ein Sabbatbruch. Er wird zum "Aufhänger” für die Anklage Jesu.
Die eingangs gestellte Frage, wer den gesündigt habe und somit schuldig an der Blindheit des Mannes sei, ist zwar nur ein Randthema der Perikope. Wie schwer sich Anschauung dieser Art ausrotten läßt, zeigt sich sogar noch in unseren Tagen (AIDS als Strafe Gottes?).
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit
sah Jesus unterwegs einen Mann,
der seit seiner Geburt blind war.
Jesus spuckte er auf die Erde;
dann machte er mit dem Speichel einen Teig,
strich ihn dem Blinden auf die Augen
und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach!
Das heißt übersetzt: der Gesandte.
Der Mann ging fort und wusch sich.
Und als er zurückkam,
konnte er sehen.
Die Nachbarn
und jene, die ihn früher als Bettler gesehen hatten,
sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte?
Einige sagten: Er ist es.
Andere sagten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich.
Er selbst aber sagte:
Ich bin es.
Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war,
zu den Pharisäern.
Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht
und ihm die Augen geöffnet hatte.
Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei.
Er antwortete ihnen:
Er legte mir einen Teig auf die Augen
und ich wusch mich
und jetzt sehe ich.
Einige der Pharisäer sagten:
Dieser Mensch ist nicht von Gott,
weil er den Sabbat nicht hält.
Andere aber sagten:
Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun?
So entstand eine Spaltung unter ihnen.
Da fragten sie den Blinden noch einmal:
Was sagst du selbst über ihn?
Er hat doch deine Augen geöffnet.
Der Mann sagte:
Er ist ein Prophet.
Sie entgegneten ihm:
Du bist ganz und gar in Sünden geboren
und du willst uns belehren?
Und sie stießen ihn hinaus.
Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten,
und als er ihn traf,
sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn?
Da antwortete jener und sagte: Wer ist das, Herr,
damit ich an ihn glaube?
Jesus sagte zu ihm: Du hast ihn bereits gesehen;
er, der mit dir redet, ist es.
Er aber sagte: Ich glaube, Herr!
Und er warf sich vor ihm nieder.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Jesus erzählt eine Familiengeschichte. Drei Personen, die unterschiedliche Wege gehen, Schritte setzen. Voneinander weggehen, aufeinander zugehen. Wer ist am Ende der Verlorene? Die Geschichte bleibt offen. Die Erzählung ist zugleich eine Geschichte von leben und auferstehen, eine österliche Geschichte. Eine Geschichte, die sich in vielfacher Weise wiederholt; mit offenem Ausgang.
Eine Familiengeschichte. Zumindest so schön wie die aus der Illustrierten. Nur nicht ganz so reißerisch und aufgeschäumt. Wie heißt sie noch mal? Diese Geschichte? Vom verlorenen Sohn? Passt – und passt nicht. Offen bleibt, wer denn der verlorene Sohn ist. Schade, dass keine Tochter mitspielt. Und die Mutter ist auch unsichtbar. Eine reine Männergesellschaft. Aber die hat es in sich! Starken Männern zum Trotz: sie ist zerbrechlich! Nein, sie ist schon zerbrochen. Ob es noch ein glückliches Ende gibt?
Jesus erzählt die Geschichte frommen Leuten. Sie verstehen nicht, dass sich Jesus mit Menschen abgibt, die doch, stadtbekannt, Sünder, Verworfene, Verlorene sind. Moralisch sowieso, aber auch sonst. Sie gehören nicht dazu. Sie werden auch nie dazu gehören. Nein, sie dürfen auch nicht dazu gehören. Niemals! Sonst geht unsere Ordnung vor die Hunde. Sonst verlieren wir unsere Identität. Sonst werden wir zu Fremden in unserer eigenen Welt. Neben der Angst schält sich der Übermut heraus, besser zu sein. Größer. Frömmer. Überhaupt: Wir wissen doch, was gut ist! Am Ende ist das Raster sehr klein. Viele Menschen fallen durch. Ist die Welt dann in Ordnung? Wieder in Ordnung?
Jesus liebt es, Geschichten zu erzählen! Schöne Geschichten! Man kann sich auf Anhieb mit den Figuren identifizieren, sie sind farbig und markant, dynamisch und umwerfend einnehmend. Ich habe mich schon dabei ertappt, wer mir am sympathischsten von den dreien ist: der jüngere Sohn, der ältere, schließlich der Vater? Ich werde jetzt nichts verraten. Noch nicht. Wetten, dass Sie Ihre Wahl auch schon getroffen haben? Sagen Sie nicht, Sie seien ratlos!
Schauen wir uns einmal die Bewegungen an: Der jüngere Sohn, ohnehin nicht der Erbe des Hofes, lässt sich das Erbe auszahlen und zieht in ein fernes Land. Weit, weit weg von zu Hause. Nachdem er alles durchgebracht hat – wir können auch sagen: verspielt – wird er zum Schweinehüten geschickt. Nichts schlimmer als das. Für einen frommen Juden. Noch tiefer kann ein Mensch nicht fallen. Wir können jetzt unseren eigenen Vorstellungen freien Lauf lassen. Was das heißt, nicht tiefer fallen zu können. Dann aber bricht er auf. Aus diesem verkorksten Leben. Ich will zu meinem Vater gehen, sagt er – und sagt sich auf, was er sagen will. Eine richtige Litanei ist das. Ob er alle Worte mitnehmen kann? Ob es überhaupt einen Sinn hat? Doch: er bricht auf. Schon die Wortwahl ist klug und weitsichtig.
Dann kommt der Vater ins Spiel. Er bleibt nicht vor der Tür stehen, er geht auch nicht einfach – er läuft, er rennt ihm entgegen. Die Würde eines Vater weit hinter sich lassend. Das stinkende Etwas, das nach seinem Sohn aussieht, nimmt er in den Arm und küsst ihn ab. Der Kontrast! Man darf jetzt nicht nur den Augen trauen – man muss die Situation riechen. Mit allen Sinnen. Wie Schweine stinken…
Schließlich geht der ältere Sohn, der Bruder des zerlumpten Heimkehrers, nach Hause. Wie jeden Tag. Müde, erschöpft. Dann hört er die Bescherung, die Musik, die Feier. Überrascht lässt er sich aufklären. Sein Bruder sei heimgekehrt… Der Bruder? Der? Man spürt das Hörensagen, das aus der Ferne längst den Weg in die Heimat gefunden hat. So weit die Ferne war, so klein ist die Welt. Und was als Gerücht in die Welt gesetzt war, hat sich auf den langen Wegen verdoppelt und verdreifacht. Man spürt das Entsetzen und die große Fremdheit. Der ältere Sohn geht nicht weiter. Er geht nicht hinein. Er bleibt draußen.
Diese Geschichte lebt von den Bewegungen. Von den Bewegungen der Füße. Gehen, geschickt werden, aufbrechen – nach Hause gehen, draußen bleiben. Doch der Vater, so weiß Jesus zu erzählen, geht hinaus. In diesem „hinausgehen“ öffnet sich das Herz des Vaters. Er rennt dem verlorenen Sohn entgegen – und er geht zu seinem älteren hinaus. Er lädt zur Freude ein. Zu der Freude, dass die Welt jetzt wieder in Ordnung ist, wo doch der verlotterte, der verloren gegangene Sohn wieder zu Hause ist.
Nicht einmal beiläufig, geradezu offensichtlich, entpuppt sich die Geschichte als eine Ostergeschichte: Dein Bruder war tot, jetzt lebt er wieder. Ob den Bewegungen der Füße die Bewegung des Herzens folgen kann? Der ältere, rechtschaffene, aber auch biedere Sohn – wird er mitfeiern? Seinem Bruder sein Herz öffnen? Sich seine Geschichte erzählen lassen? Es bleibt offen! Was bleibt offen? Ob er denn am Ende der verlorene Sohn ist, schärfer gefasst: der verlorene Sohn sein möchte! Der verlorene Sohn sein muss, um sich auf ewig abzugrenzen und in seinem Schmollwinkel häuslich einzurichten. Damit keine falschen Assoziationen aufkommen: Der jüngere Sohn ist ausgezahlt. Er kommt nicht als Erbe nach Hause. Er könnte seinem älteren Bruder nur zur Seite stehen. Immer zu seinen Diensten. Wer Herr im Haus ist, ist längst ausgemacht. Aber so weit reicht die Geschichte nicht. Wird der ältere Sohn sich mitfreuen können? Wenn der erste Ärger verraucht, die Überraschung verdaut, der Augenblick gerettet ist? Wer sich nicht mitfreuen kann, ist verloren. Eine feine Pointe! Eine große Überraschung! Die Geschichte vom verlorenen Sohn? Von welchem?
Bei Hausbesuchen, in vielen Gesprächen, selbst im Internet finde ich oft Geschichten von Verlorenheit, von verlorenen Menschen, von verlorenen Träumen. Manche Geschichte bleibt ein Leben lang offen, quält aber unaufhörlich, versteckt, totgeschwiegen. Oft erzählen Menschen davon, wie sie zu verlorenen Söhnen oder Töchtern gemacht wurden, dieser Rolle aber nie entfliehen konnten. Der barmherzige Vater, der in der Geschichte Jesu aus seiner Rolle als Vater fällt und auf seine beiden Kinder liebevoll zugeht, fehlt in vielen Geschichten, die angeblich das Leben schreibt.
Der ältere Sohn, der es gewiss nicht einfach hat, taucht in vielen Erlebnissen durch die Hintertür auf. In der Form von Rechthaberei, Überheblichkeit, vielleicht auch nur aus Stolz. Stolz, der willentlich abgrenzt, manchmal aber, ohne es zu wollen, verletzt. So verletzt, dass alle Worte sich in ein eisiges Schweigen zurückziehen. Es gibt dann ein Machtgefälle. Und die Angst, sich zu öffnen. Wie unglücklich werden Menschen, die sich nicht mitfreuen können – wie unglücklich machen sich Menschen! Wer sich und andere unglücklich macht, ist verloren. Nur unsere Masken und Fassaden erzählen die Geschichte anders.
In einer Gesellschaft, in der Leistung und Besitz definieren, was ein gutes Leben ist, hat der jüngere Sohn, der uns in der Geschichte begegnet, keine Chance. Der Schweinehirt gehört nicht auf den roten Teppich! Dabei gibt es bei uns viele Menschen, die auch in frommen Augen verloren sind, vielleicht ein Fall für die Fürsorge, für die Caritas, aber wir gehen ihnen nicht entgegen, nehmen sie nicht in den Arm, richten ihnen kein Fest aus. Die Einladungskarten drucken wir mit anderen Namen. Auch in unseren Kirchengemeinden gibt es unüberwindliche – oder unüberwindlich geglaubte – Grenzen. So lange wir unsere heilen Welten pflegen, sehen und riechen wir keinen Schmerz.
Jesus erzählt die Geschichte von der Verlorenheit als eine Geschichte der Barmherzigkeit. Der alte Vater geht seinen Söhnen entgegen. Was „jetzt“ ist, will er verbinden. Was „alt“ ist und gestern war, fängt er in seinen Armen auf. Weit über das Maß, das der Würde eines Vaters gemäß ist. Wer jetzt Gott im Spiel und im Spiegel sieht, bekommt einen neuen Blick auf alles, was verloren geht. Und freut sich, freut sich mit: Er war verloren und ist wiedergefunden worden!
Paulus hat das so formuliert:
"Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung:
Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden."
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Spannungen und Streitigkeiten in Korinth geben Paulus Anlass, zur Versöhnung aufzurufen. Versöhnung fällt nicht leicht, weil Gefühle und Verletzungen mit im Spiel sind. Der Blick auf Jesus und auch Paulus können uns helfen, Versöhnungsbereitschaft zu entwickeln.
Anlass und Hintergrund für Paulus, den Korinthern einen Brief zu schreiben mit dem Aufruf sich zu versöhnen, waren wohl vorhandene Spannungen, Streitigkeiten und gegenseitige Verunglimpfungen innerhalb der christlichen Gemeinde von Korinth. Der Apostel weiß genau, Versöhnung lässt sich nicht kommandieren oder erzwingen. Sie wird nur möglich, wenn es gelingt, die innere Bereitschaft zur Versöhnung zu stärken und den Willen zur Versöhnung zu erhöhen. So unterlässt Paulus in diesem Brief jede Art von herber Kritik und umfangreicher Mahnungen, die auszusprechen er sich sonst nicht scheut. Paulus hat für sein Anliegen eine viel bessere Idee, die mehr bewegt als Kritik, Aufrufe und Mahnungen.
Der Apostel lenkt den Blick auf Gott. Dieser hat ein ungeheures Interesse an einem guten, freundlichen und vor allem herzlichen Verhältnis zu jedem Menschen. Wie tief dieses Verlangen Gottes geht, zeigt sich darin, dass er seinen Sohn in die Welt sendet, der immer neu den Menschen die ganze Güte des Vaters offenbart. Man muss von Zeit zu Zeit innehalten, um auch mit dem Gefühl das Sehnen Gottes und sein Verlangen nach inniger Gemeinschaft mit uns lebendig zu erspüren.
Unsere Kränkungen Gott gegenüber bewirken keinen Stillstand seines Wohlwollens, erzeugen in ihm keine Rachegedanken. Immer wieder kommt er von sich aus mit Geduld und Langmut auf uns zu, um ein ausgesöhntes Verhältnis zu erwirken. Er, der völlig Unschuldige, der durch uns Unrecht erlitten hat, unternimmt Schritte zur Versöhnung auf uns zu. Paulus ist überzeugt: Wer dies ehrlich bedenkt, der geht in sich, der benötigt keine Mahnung, keinen ausdrücklichen Aufruf, zur Versöhnung bereit zu sein und nach ihr zu streben. Wer sich vor Augen führt, was er Gott antut, wenn er sein göttliches Angebot zur Versöhnung ausschlägt, der wird keinen Augenblick zögern, Versöhnung zu einem vorrangigen Lebensziel zu machen.
Nun sind die Tat, das Vollbringen und der Weg zur Versöhnung nicht immer leicht. Die Gefühle spielen in uns Menschen eine große Rolle. Wir Menschen können uns gegenseitig sehr verletzen durch geringe gegenseitige Wertschätzung und Achtung, durch Bloßstellen und Ehrabschneidung, durch Zufügen von Unrecht in vielfältiger Weise. Die Kette der Verwundungen reicht vom einfachen Missverständnis bis hin zu Spannungen, Ablehnung und Spaltung, gelegentlich bis zu Feindschaft und Hass. Und die Gegensätze bleiben nicht immer auf einzelne Menschen beschränkt. Sie können sich auf eine ganze Familie, Kreise, Gruppen, Gesellschaftsschichten ausdehnen. Soll Leben gelingen, dann ist die Bereitschaft zur Versöhnung nötig: im Kleinen wie im Großen.
Auch wenn die Versöhnung oft schwierig ist: jeder kann bei sich selbst mit dem Aufbau von Versöhnungsbereitschaft beginnen. Mit einem versöhnlichen Charakter können wir viel an Spannungen, Unbehagen und Ärger abbauen, mindestens einer Überhitzung der Gefühle vorbeugen.
Als Erstes ist hilfreich, die eigenen Gefühle unter Kontrolle zu bringen mit der Frage: Stachele ich mich selbst an zu Wiedervergeltung und Rache? Die uns zugefügten Verwundungen tun uns weh. Das soll nicht kleingeredet werden. Tatsache ist aber ebenso: Wir können uns auch selbst zusätzlich aufheizen und unseren Ärger vergrößern. Dessen sollten wir uns bewusst sein und es als Erstes unterlassen.
Wenn wir dann auf Jesus schauen, haben wir als Zweites ein Vorbild. Ihm gleichzukommen, wird uns nicht gelingen. Aber der Blick auf ihn wird uns motivieren, behutsam mit Menschen umzugehen. Wie vielen Verkennungen, Beleidigungen, Fehlbeurteilungen war Jesus ausgesetzt! Sie taten ihm mit Sicherheit alle weh. Dennoch versagte er sich, Rache zu nehmen und Wiedervergeltung zu üben. Selbst die Qualen seiner Hinrichtung übermannten ihn nicht, von seiner Grundhaltung der Versöhnungsbereitschaft abzuweichen. Versöhnung wird für jeden nur möglich mit der Bereitschaft, immer wieder auch Leiden durchzustehen.
Für Paulus wurde Jesus zum großen Vorbild. Als Erstes verinnerlichte der Apostel, mit welcher Barmherzigkeit und Versöhnungsbereitschaft ihm Gott auf dem Weg nach Damaskus begegnet war. Trotz seiner massiven Verfolgung der Christen wendet sich Gott an ihn mit einem versöhnlichen Angebot. Paulus hätte in seinem Fanatismus und in den in sich aufgebauten negativen Gefühlen den Christen gegenüber verbleiben können. Die Freiheit dazu war ihm nicht genommen. Aber Paulus bekehrt sich, nimmt sich Jesus zum Vorbild und ist künftig bereit, auch denen, die ihm Unrecht tun, versöhnlich zu begegnen. Die Bereitschaft zur Versöhnung lässt ihn ein ganz neues Leben beginnen.
Das Angebot Gottes an Paulus ergeht auch an uns. Auch wir sind frei in der Entscheidung von Annahme oder Ablehnung. Die Besinnung auf Gottes Versöhnungsbereitschaft und das Betrachten des Lebens Jesu werden uns helfen, den eigenen Willen zur Versöhnung zu stärken.
Und auch folgende Frage könnte eine Hilfe sein: Was tue ich mir selbst an, wenn ich in der Unversöhnlichkeit, Ablehnung, im Streit und in Feindschaft verharre, anstatt Versöhnung anzustreben? Wie sehr belasten und knebeln mich aufrecht erhaltene Verärgerung, Bitterkeit oder ein sich rächen Wollen!
Die Fastenzeit als Zeit der Besinnung will uns helfen, unser Leben zu überdenken. Versöhnung ist in vielen Fällen nicht leicht. Aber sie ist der große Schritt, dem Leben im Miteinander Freude und Glück abzugewinnen, Brücken zueinander zu bauen, Christus ähnlich zu werden.
In der Fastenzeit kann an jedem Sonntag auch auf die Lesungen des Lesjahres A zurückgegriffen werden. Die Erzählung von der Heilung des Blindgeborenen wirft zunächst die Frage auf: Wer ist schuld an seiner Blindheit? Die eigentliche Herausforderung ist aber das Erkennen der Messianität Jesu, für die Pharisäer jedoch blind bleiben.
Unsere heutigen Sonntagstexte geben die Möglichkeit beim Evangelium zwischen Lukas und Johannes auszuwählen. Heute soll der Blick auf die Stelle des Johannes- Evangeliums gerichtet sein. Es befasst sich unter anderem auch mit der ganz schwierigen Frage: „Wer ist schuld am Unfall, an Krankheit etc.?" Wer ist schuld am Absturz der Boeing 737 über Äthiopien, wer ist schuld an einer missglückten Herztransplantation, wer ist schuld an der Bluttransfusion, die von Malaria durchseucht war? Nichts gegen Ursachenforschung, die ist sogar sehr wichtig und soll auch durchgeführt werden, aber alles dagegen jemanden Schuld umzuhängen, am besten dem, der sich dagegen nicht wehren kann.
Das ist Sündenbockmentalität, die wir schon aus dem Alten Testament kennen. Diese Sündenbockmentalität spielt in der jüdischen Liturgie des Jom Kippur, des großen Versöhnungsfestes, eine wichtige Rolle. Ein Bock wurde symbolisch beladen mit den Sünden des Volkes Israel in die Wüste geschickt, um die jährliche Versöhnung zwischen Gott und den Menschen darzustellen.
Sünde heißt von der Liebe Gottes sich bewusst abzusondern, was letztlich zu Unglück und Leid führt. Zu diesen Themen wurden schon ganze Bibliotheken verfasst ohne letztgültige Antworten. Auch dieser Abschnitt des Johannes- Evangeliums befasst sich mit dieser Frage und auch damit: Sind wir nicht sehr oft sehr rasch zur Hand mit Schuldzuweisungen? Auch hier wieder: Wer hat gesündigt? Somit heimlich und versteckt gefragt: Waren es doch nicht die Eltern für deren Schlechtigkeit der blinde Sohn zu büßen hat? Im Buch Ijob eine ähnliche Fragestellung durch die Freunde nach all dem, was Ijob an Unglück passiert ist: Hast du nicht doch irgendetwas angestellt?
In dem Volksspruch "Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort!" zeigt sich durch Jahrhunderte hindurch ein unmenschlich strenges Buchhaltergottesbild. Wir unterscheiden zu wenig zwischen selbstverschuldetem und unverschuldetem Leid etwa bei Naturkatastrophen. Manchmal greift aber auch dieses Auseinanderhalten von Unglücksfällen zu kurz.
Jesus offenbart sich im Evangelium als „Licht der Welt“. Zu den Pharisäern, die die Eltern und ihren Sohn verhören, ja sogar ihn noch von der Synagoge ausschließen, weil das offizielle pharisäische Judentum die Messianität und göttliche Herkunft Jesu mit allen Mitteln bekämpft. Zu diesen Pharisäern sagt Jesus: „Ihr durchforscht die Schriften, weil ihr glaubt, in ihnen das ewige Leben zu haben.“ (Joh.5,39.40). Die Pharisäer verbinden nämlich Blindheit und Sünde miteinander.
Mit der Ursachenforschung: Wer ist schuld an Krankheit und Leid verbinden sich sehr oft Spekulationen, die vom eigentlichen Thema des heutigen Evangeliums wegführen. Es geht ums Sehen, Erkennen und um Glauben, somit um Vertrauen. Es ist doch merkwürdig, dass die Antwort Jesu auf die Frage: „Wer ist schuld an seiner Blindheit?“ von den Pharisäern nicht zur Kenntnis genommen wird, weil sie seine Messianität leugnen. „Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern die Werke Gottes sollen an ihm sichtbar werden.“ (Joh.9,3). Stattdessen setzen die Pharisäer auf Sanktionen, von Vertrauen, Glauben, Erkennen keine Spur. Die Pharisäer erkennen nicht, dass sich Jesus durch den Blinden offenbart.
Ja, der österliche Glaube ist herausfordernd, in der Gegenwart besonders, wo sich Strömungen zeigen, die Religion nicht nur wegwünschen, sondern bekämpfen. Die christliche Botschaft will Heilsbotschaft und nicht Schreckensnachricht sein bis hin zu dem bereits zitierten Spruch „Auch kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort“. „Da muss ein Wunder geschehen“ hören wir oft, wenn sich verworrene, aussichtslose Situationen, auch Krankheiten ganz anders entwickeln als wir uns das vorstellen. Allzu oft bleibt aber das Wunder des Glaubens, des Vertrauens, außer Acht. Der Heilungsprozess in dieser Welt geschieht hier und jetzt. Gefragt ist unsere Mitarbeit, unser Tun und unser Vertrauen. Das alles gehört zusammen. Fehlen sollten aber nicht die Tugenden der Klugheit und des Weitblicks.
4. Sonntag der Fastenzeit, LAETARE, gute Chancen mit diesen Texten in unser Inneres zu blicken, ins Innere zu gehen, um in der Erkenntnis Gottes voranzuschreiten. Das wünsche ich Ihnen für diesen österlichen Festkreis.
Die Parabel vom "verlorenen Sohn" und "barmherzigen Vater" birgt mehr als die Geschichte von Barmherzigkeit und Vergebung. Die drei Akteure verkörpern unterschiedliche Weisen, nach dem Lebensglück zu suchen.
Der Apostel Paulus behauptet, wir seien "neue Schöpfung", das Alte sei vergangen, Neues sei geworden. Wir laufen Gefahr, vom Gesetz hart und unversöhnlich geworden auf unsren Verfehlungen sitzen zu bleiben. Jesus lädt uns ein zur Barmherzigkeit. Dann können auch wir ein Fest feiern.
Die Erzählung vom barmherzigen Vater und seinen beiden Söhnen stellt uns Jesus Gott in seiner Barmherzigkeit vor. Es geht dabei um mehr als um Besitz und Vermögen. Es geht um das Gelingen des ganzen Lebens. Die Barmherzigkeit Gottes ist ein Schlüsselbegriff des Evangeliums.
Barmherzigkeit ist ein Schlüsselmotiv christlichen Glaubens und Lebens.
<h3><i>Predigt zu Joh 9,1-41</i></h3> Die Erzählung von der Heilung des Blindgeborenen (Lesejahr A) stellt uns Personen vor, die auf die gleiche Erfahrung sehr unterschiedlich reagiert haben. Ängstliche Gesetzestreue, die sich aus allem heraushalten, laufen Gefahr, im Vorraum des Glaubens stehen zu bleiben.
Bei diesem Heilungsbericht kommen vor: der Blindgeborene, seine Eltern, die Jünger, Pharisäer, Nachbarn und andere. Ihre Meinungen über Jesus gehen weit auseinander. Die Skala erstreckt sich von größter Hochschätzung über Zweifel bis zur Ablehnung.
Auch heute schlägt das Pendel für oder gegen Jesus ähnlich aus. Die französische Schriftstellerin Marie Noel schreibt dazu: "Fromme Damen sprechen über Jesu Erdenwandel. Nach Jerusalem wären sie ihm alle gefolgt. Alle wären die heiligen Frauen gewesen. - Wäre ich ihm gefolgt? - Ich bin dessen nicht sicher... Ich wäre damals gewesen, was ich heute bin, ein gutes Pfarrkind von Jerusalem. Eine gottesfürchtige Seele, treu dem Gesetz, ein wenig ängstlich, die demütig den Rat der Rabbis annimmt in schwierigen Fällen der Religion. Und diese Seele wäre in einem begeisterten Anlauf zu Christus gegangen. Mit Gewissensbissen freilich. Ihm folgen hieß ja, sich den Priestern zu widersetzen. Und niemals würde sie sich in der Synagoge widersetzt haben. Sie hätte geglaubt, gegen Gott zu sündigen."
Marie Noel frägt nach meinem Standpunkt: Auf welcher Seite stehe ich? In welcher Entfernung zu Christus würde ich meinen Platz finden?
Die Eltern des Blindgeborenen haben nicht den Mut, sich zu Jesus zu bekennen. Sie fürchten, von der Synagoge ausgestoßen zu werden. Sie wollen keine Scherereien. Sie halten sich aus allem heraus, was Nachteile bringen könnte. Diese Eltern sind durch ihren Sohn in die Nähe Jesu gekommen. Sie haben das Bessere erlebt, aber sie ziehen keine Konsequenzen. Sie bleiben im alten Gleis. Sie haben ihre Gnadenstunde ungenützt verstreichen lassen. Wir hören nie wieder etwas von ihnen.
Christus sagt: "Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen" (Mt 10,32). Paulus betont im Galaterbrief (1,10): "Wäre ich nur darauf aus, den Menschen zu gefallen, wäre ich kein Diener Christi." Es hätte nie eine christliche Religion und Kirche gegeben, wenn sich Menschen nicht getraut hätten, unerschrocken auf Gott mehr zu hören als auf die Menschen (Apg 4,19).
Um Jesus näherzukommen, braucht es mehr, als sich vom Sog der großen Masse treiben zu lassen. Wer den Einfluss Jesu erfahren will, muss sich freischwimmen von den kurzatmigen Tagesmeinungen in der Öffentlichkeit. Zu dem stehen, was man als die Wahrheit erkannt hat, war und ist auch heute eine wichtige Voraussetzung für den Glauben an Christus. Das Ansehen und die Anerkennung bei den anderen dürfen nicht der entscheidende Gesichtspunkt sein. Um Christus näherzukommen, braucht es wenigstens eine gewisse Freiheit vom Meinungsdruck der Umgebung.
Es gibt zu denken, dass Jesus aus religiösen Gründen und von frommen Leuten abgelehnt wurde. Man hat gemeint, in der Verurteilung Jesu "Gott einen heiligen Dienst" zu erweisen (Jo 16,2). Jesus ist bekämpft worden von Menschen, die meinten, Jesus würde die heiligen Überlieferungen Israels zerstören und ihren Glauben gefährden.
Weil Jesus den Blindgeborenen am Sabbat heilte, kamen einige mit ihrem Glauben ins Schleudern. Sie meinten, dieser Jesus kann nicht von Gott sein, weil er sich am Sabbat ein wenig anders verhält, als sie es gewohnt sind. Für sie bedeutete jede Abweichung vom Althergebrachten von vornherein schon etwas Schlechtes. Ihre bisherige Praxis stellten sie nicht in Frage. Sie konnten sich gar nicht vorstellen, dass da jemand sie eines Besseren zu belehren weiß.
Mit Jesus taten sich jene Leute schwer, die nur gelten ließen, was sich seit langem eingebürgert hatte und nicht neu überdacht werden musste. Die Pharisäer konnten nicht verkraften, dass ein dahergelaufener Rabbi ihnen am Zeug flickt. Ihr Ansehen würde schwinden. Sie selber müssten ihre Standpunkte ändern. Ihre Sicherheit wäre dahin. Wer weiß, was da sonst noch alles durcheinander käme. Darum kehren sie lieber zurück zum Alten. Da kennt man sich aus. Für die ängstlichen Gesetzestreuen brachte Jesus viel zu viel in Bewegung.
Man darf die Gewissheit im Glauben nicht mit Starrheit und Schwerfälligkeit verwechseln. Glaube ist nicht der Hort für jene, die bloß Beruhigung und Bestätigung suchen. Es hieße Christus nicht ernst nehmen, wenn sich hinter meinem Glauben jene Gesinnung versteckt, die der österreichische Theologe Martin Gutl mit folgenden Worten charakterisierte:
"Steig herab vom Kreuz!, so schrien sie.
Wir wollen glauben, wenn wir nichts lernen müssen.
Wir wollen glauben, wenn alles so bleibt, wie es ist.
Wir wollen glauben, wenn unsere Ruhe nicht gestört wird.
Wir wollen glauben, wenn unsere Wahrheit zum Lehrsatz wird.
Wir wollen glauben, doch wir wollen uns nicht ändern.“
Liebe Schwestern und Brüder, fast alle von uns haben schon einen langen Glaubensweg hinter sich. Trotzdem kann niemand von uns sagen, seine Beziehung zu Jesus sei vollständig entwickelt. Das Leben mit Christus ist so umfassend, dass es sich zu jedem Zeitpunkt lohnt, sich noch mehr auf ihn einzulassen. Wir sollten nie anfangen aufzuhören und nie aufhören anzufangen, weitere Schritte auf ihn zuzugehen.
Um in eine ganzheitliche Beziehung zu Christus hineinzuwachsen, genügt es nicht, nur mit einer oberflächlichen Neugier an Christus heranzugehen.
Nicht nur für junge Leute besteht heute die Gefahr, dass man an allen möglichen Religionen ein wenig nippt, ohne die geistigen und sittlichen Konsequenzen zu ziehen. Christus selber sagt: Wer die Wahrheit kennt und sie tut, der wird tiefer in mein Leben eindringen. Wer bloß Gründe dafür und dagegen abwägt, bleibt im Vorraum des Glaubens stehen. Der zündende Kontakt kann nicht von anderen geborgt werden. Der Einzelne muss sich selber auf Jesus einlassen, so wie Liebende sich selber mit ihrer ganzen Zukunft ins Spiel bringen. Um Gott näher zu kommen, gilt es, das Misstrauen abzubauen und sich seinem Einfluss zu öffnen.
Das kann sich so vollziehen, dass wir Christus erlauben, in unsere Tiefen, in unsere innere Verletzungen und Abwehrhaltungen einzudringen. Jeder von uns hat bestimmte negative Erlebnisse und schmerzvolle Erinnerungen in den Tiefen seines Unbewussten. Wir werden davon frei, wenn wir von diesen inneren Verletzungen loslassen. Wir müssen Gott erlauben, dies alles wieder gutzumachen und zu heilen. Solche Heilung dauert länger und hat erst dann wirklich eingesetzt, wenn wir an diese Verletzungen und schmerzlichen Erfahrungen ohne Traurigkeit, Empörung und Scham zurückdenken können. Auch was wir nicht verstehen, sollten wir auf Gott hin offenhalten. Vielleicht lässt er uns später erkennen, was er damit bewirken wollte.
Wer erahnen will, um was es bei Jesus geht, der muss näher herantreten und sich hineinbegeben in die Schritte, die Jesus vollzogen hat: wie Jesus in seiner Verbundenheit mit seinem himmlischen Vater lebte; wie Jesus mit den Menschen umging, mit den Kranken, mit den Kindern, den Frauen, seinen Jüngern und den Sündern.
Es geht darum, nicht auf halbem Wege stehen zu bleiben und kurzsichtig nur sein Leid los zu werden, ohne sich der Botschaft Jesu und seinem göttlichen Heilswirken zu öffnen. Viele Ärzte können ein Lied davon singen, wie sehr Patienten den Heilungserfolg wieder gefährden, wenn diese sich nicht umstellen; wenn sie nicht beachten, was ihnen geraten wird; wenn sie nachher den alten Lebensstil weiterführen und erneut auf ihre Gesundheit sündigen.
Im Streitgespräch mit den Pharisäern verteidigt der Geheilte das Wunder Jesu und wird deshalb von der Synagoge ausgestoßen. Später trifft ihn Jesus und frägt ihn: Glaubst du an den Menschensohn? Dieser antwortete: Ich glaube, Herr. Und er warf sich vor ihm nieder... Der Evangelist betont: Ohne die Glaubensschritte vom Wissen zum Tun gibt es kein wahres, dauerhaftes Heil.
Eines der bekanntesten Gleichnisse im heutigen Evangelium erzählt eine spannende Familiengeschichte: ein Vater, dessen Großherzigkeit schier maßlos ist; ein Sohn, der schließlich in der Gosse landet - bei den Schweinen, und dem es erst dann reicht; und zu guter Letzt ein zweiter Sohn. Der Ältere der beiden, der, der brav geblieben ist, anständig, der sein Lebtag lang gearbeitet hat, und am Ende dieses Gleichnisses steht gerade der draußen vor der Tür.
Ich lade ein, dass wir uns in diese Geschichte hineinbegeben. Aber an wessen Stelle sollen wir uns hineinversetzen? Nun, aller Voraussicht nach gehören wir hier in der Kirche eher nicht auf die Seite des verlorenen Sohnes - der würde wohl am Sonntagvormittag nicht in der Kirche sitzen, sondern in irgendeinem Bett liegen - und nicht unbedingt in seinem eigenen.
Wir hier im Gottesdienst können uns aller Wahrscheinlichkeit nach eher auf die Seite des älteren Sohnes stellen: ich nehme an, dass die meisten von uns ein einigermaßen wohlgeordnetes Leben führen; viele von uns werden einem Beruf nachgehen, wir sorgen uns um unsere Familien und Angehörigen und versuchen so anständig wie möglich durchs Leben zu kommen. Wir wissen, dass Arbeit zum Leben dazugehört, wir pfeifen nicht auf unsere Pflichten, sondern haben gelernt, dass das eben auch dazugehört zum Leben. Kurz und wohlgemerkt ohne abfälligen Beiton gesagt: Leute wie wir halten die Kirche und die Welt am Laufen.
Und dann das: der Vater wirft sich dem Hallodri an die Brust. Dem, der sein Geld - man verzeihe mir den kräftigen Ausdruck, aber er trifft es wohl am besten - verhurt hat; der schließlich, als er nicht mehr aus noch ein wusste, zurückgekrochen kommt. Ja, ganz am Ende kriecht er doch noch zu Kreuze!
Was würde ich mir da erwarten als rechtschaffener Bruder vom Vater? Zumindest dass er sich die Entschuldigung anhört, das Zerknirschtsein des Jüngeren einfordert - aber nein, der Vater wirft sich ihm an die Brust, noch bevor der überhaupt etwas gesagt hat. Zuerst die Zuwendung.
Und mir als älterem Bruder steigt die Galle hoch. Ich bin anständig geblieben. Und plötzlich stehe ich draußen vor der Tür - drinnen spielt die Musik, wird getanzt und gefeiert. Aber der Vater - der scheint unermüdlich in seiner Barmherzigkeit - er geht raus zu mir, er lässt mich nicht draußen stehen, und er bittet mich, reinzukommen, mich einzuklinken in die Gemeinschaft und mitzufeiern.
Er mutet mir zu, ein wenig von seiner Barmherzigkeit zu übernehmen. Und ich habe die Wahl...
So in etwa vielleicht das Erleben dieses älteren Bruders. Wieder von außen betrachtet erlaube ich mir, hier eine Linie zu ziehen zum Thema Caritas. Denn es ist die Caritas des Vaters, die sich dem Verlotterten an die Brust wirft. Die gar nicht auf seine Beteuerungen wartet, sondern ihm entgegenläuft. Eine verrückte Caritas, die unsere üblichen Maßstäbe überwindet.
Und in diesem Gleichnis steckt die Aufforderung an uns, ein wenig an dieser übermäßigen Caritas teilzuhaben - auch reinzugehen ins Haus, wo das Leben spielt, die eigene Selbstgerechtigkeit zu überwinden, das Beharren auf die eigene Anständigkeit aufzugeben. Sich dem und der an die Seite zu stellen, die es bis jetzt vermasselt haben, die versagt haben, die Mist gebaut haben. Und mit ihnen zu feiern, dass auch sie wieder eine Chance haben.
Noch ein letzte Bemerkung dazu: Jede und jeder, der caritativ handelt, kennt den Vorwurf, man würde den Unanständigen helfen, denen, die Dreck am Stecken haben. Das heißt dann oft: "Hilfe verdienen nur die, die schuldlos in Not geraten sind. Aber die anderen - die sollen schauen, wo sie bleiben. Mir wurde ja auch nicht geholfen...". Hören sie einfach mal Haussammlerinnen und Haussammlern zu, die für die Caritas von Tür zu Tür gehen, was die so zu Gehör bekommen. Oder lesen Sie nach im Internet nach, was da so alles gepostet wird zu Zeitungsartikeln, wenn über Menschen berichtet wird, die schuldig geworden sind in ihrem Leben.
Und schon steht er wieder draußen: der Bruder vor der Tür - lässt sich verhärten und kämpft mit den eigenen inneren Regungen! Er kann es nicht aushalten, Zeuge zu werden von einer Güte, die das übliche Maß übersteigt! Bestenfalls verdient einer eine zweite Chance, aber was, wenn jemand eine dritte oder vierte Chance benötigt? Wer im Sozialbereich tätig ist, weiß: manche brauchen ein Lebtag lang immer wieder neue Chancen.
Es ist kein Leichtes, sich immer wieder auf die Spur der Barmherzigkeit Gottes auszurichten, die eigene Gestimmtheit zu überwinden und reinzugehen. Dazu braucht es schon einen, der rauskommt, einen einlädt und einen damit rausholt aus der eigenen Charakter-Panzerung. Aber nur so gelingt das Fest - und keiner, keine muss draußen vor der Tür bleiben! Das Haus steht offen für alle!
© DSA Mag. Wilfried Scheidl, Caritas der Diözese Linz
Ob sich die beiden Brüder getroffen haben, jetzt beim Fest - oder auch später? In der Geschichte, die Jesus erzählt, bleibt offen, wie der Tag zu Ende geht. Aber so farbig und leidenschaftlich erzählt, wissen wir gar nicht, wohin wir schauen sollen. Wir sehen zwei Männer: einer ist zerlumpt und herunter gekommen heimgekehrt - er trägt jetzt ein festliches Gewand und einen Siegelring am Finger - der andere kehrt nach einem langen und harten Tag verschwitzt nach Hause zurück und traut seinen Augen nicht. Man hat ihn nicht einmal gerufen. Wenn er die Musik nicht gehört hätte. . .
Dazwischen der Vater. Er läuft, Alter und Würde vergessend, seinem Sohn entgegen, schließt ihn in den Arm, richtet ihm ein Fest aus. So sieht Barmherzigkeit aus - denke ich. Ob der Vater überhaupt weiß, wie tief sein Sohn gefallen ist? Bei den Schweinen ist er gelandet! Ausgerechnet bei den Schweinen! Frommen jüdischen Ohren dreht sich der Magen um. Tiefer kann ein Mensch nicht fallen. Das Erbe - längst verjubelt und verprasst. Nichts, aber auch wirklich nichts, was bleiben könnte, einer Erinnerung wert.
Wie dagegen steht der ältere Bruder da! Fleißig, strebsam, engagiert. So richtig bodenständig. Ein guter Sohn. Er wird das Lebenswerk des Vaters erhalten und mehren. Es ist bei ihm in besten Händen. Die Familienchronik bekommt noch viele neue Seiten - und die Bilanzen glänzen. Aber kaum, dass ich es so sage: Woher weiß ich das alles? Was ist, wenn ich nur eine tolle Projektionsfläche für meine Lebensvorstellungen suche? Wieder einmal dem Idealbild eines erfolgreichen Lebensmodells aufsitze? Ich sehe den Vater werben - für den Bruder, der tot war und wieder lebt, der verloren war, aber wieder gefunden wurde. Es ist die Einladung, sich mitzufreuen. Mehr nicht. Da bricht die Geschichte dann ab. Wie lange die Musik wohl noch spielte? Ob sich die Brüder getroffen haben, jetzt beim Fest - oder auch später?
Mich hat diese Geschichte immer schon fasziniert. Seit Kindertagen. Die Bilder aus meiner Kinderbibel habe ich heute noch vor Augen. Heute weiß ich auch, was mich an dieser Geschichte so bewegt: dass ein Mensch fehlen, gar sein Leben verfehlen kann - und doch nicht verloren geht. Ich kenne das auch anders: wer tief fällt, bleibt unten. Ein Wort von Brecht geistert durch meinen Kopf: Lass fallen, was fällt - gibt ihm noch einen Tritt! Zumindest: Die Zukunft ist verbaut.
Aber bleiben wir doch noch ein wenig bei dem "verlorenen Sohn" - unter dieser Bezeichnung hat er zumindest sprachlich Karriere gemacht. Ob die Bezeichnung aber richtig ist? Es ist doch die Geschichte eines Menschen, der aus der kleinen Welt ausbricht und die große Welt erobern will. Als jüngerer Sohn kann er sich auch nur sein Erbteil auszahlen lassen und dann sein eigenes Glück suchen. Die Erbfolgeregelung ist klar - auch, dass jetzt ein eigener Weg ansteht. Verwerflich ist hier nichts. Eher selbstverständlich. Nein, als der Sohn geht, ist seine Geschichte offen. Hätte er denn - zu Hause bleiben sollen? Als Juniorpartner ohne eigenes Recht? Womöglich als erster Knecht?
Der Vater gibt ihm alles mit: seine Liebe und sein Erbteil. So viel Vertrauen!
Dieses Vertrauen trägt den Sohn, als er am Ende ist, auch wieder nach Hause. Wie viel Mut dazu gehört - ich zittere richtig mit. Ob mein Stolz mir nicht im Wege stünde? Es gehört schon etwas dazu, so nach Hause zurück zu kommen. Ohne etwas vorweisen, ohne etwas mitbringen zu können. Erbe verspielt, Chancen verspielt, Zukunft verspielt. Ein Verlierer, aber: ein Verlierer mit ganz viel Vertrauen - das ist der Sohn. Darin ganz und gar der Sohn seines Vaters. Manchmal fällt mir auf, wie eng mir diese Geschichte gerät. In den buntesten Farben male ich mir aus, was dieser Typ in der Ferne alles anstellt - und mein Zeigefinger wächst. Nur: Jesus erzählt die Geschichte mit ganz viel Liebe. Er erzählt die Geschichte eines Menschen, der in seinem Leben zwar alles verspielt, aber in seinem Vertrauen wächst. Der Voyeur in mir sieht sich bloßgestellt. Was kann ich denn wirklich sehen? Wirklich wissen?
Die Geschichte, die Jesus erzählt, ist provoziert. Als einer, der sich mit Sündern an einen Tisch setzt, sozusagen auf dem Präsentierteller, vor den Augen sämtlicher Frommen, kennt er die Wege seiner Schützlinge. Ihnen gegenüber werden unendliche Sündenregister zusammengestellt, Vorwürfe gesammelt und Vorurteile gepflegt, aber Jesus erzählt die Geschichte eines Vaters, der seinen Sohn freigibt - und ihn wieder aufnimmt, der ihn gehen lässt - ihn aber aus dem Dreck aufhebt, der ihm Vertrauen mitgibt - und sein Vertrauen erntet. Eine Wundergeschichte also. Nichts für Moralisten. Nichts für Kleingeister. Die werden immer nur die Auswüchse suchen, die Aufbrüche aber nicht zu würdigen wissen.
Ich komme noch einmal zurück auf die Redeweise vom "verlorenen Sohn". Der Vater nennt ihn so - weil er sich freut, ihn gefunden zu haben. Ja, er freut sich so sehr, dass er zur Mitfreude einlädt. Wir hören ihn rufen: Mein Sohn war tot . . . mein Sohn war verloren . . . War! Vergangenheit. Wir sehen den Schlussstrich förmlich. Eine große Entdeckung in dieser Geschichte: Es geht nicht um Verlorenheit - es geht um Gefunden sein.
Ich kenne viele Menschen, die sich einmal neugierig, mutig und mit vielen guten Vorsätzen auf das Abenteuer Leben eingelassen haben. Aber dann ging manches anders als geplant oder erwartet. Eine Beziehung ging auseinander. Ein Job wurde zum Albtraum. Finanziell hatte man sich verspekuliert. So oder so: Träume platzten wie Seifenblasen. In vielen Fällen kam die Angst dazu, etwas falsch, gar sich schuldig gemacht zu haben. Im Hinterkopf ist immer, dass ein Leben gelingen muss - und wenn es dann scheitert? Unansehnlich wird? Oft sind nicht einmal Menschen in der Nähe, die zuhören, überlegen, mittragen können. Was in Jesu Geschichte bei den Schweinen endet, endet in vielen anderen Geschichten im Suff, vor dem Kadi oder beim Therapeuten. Menschen haben ein feines Gespür dafür, wann etwas zu Ende ist. Wenn dann noch die Hoffnungslosigkeit dazu kommt, gerät Leben in einen gefährlichen Bannkreis.
Ich bin überrascht, dass sich der Sohn nicht erklären muss und der Vater keine Vorhaltungen macht. Wäre es vielleicht nicht sogar hilfreich, klärend, befreiend, jetzt ein Gespräch zu führen? Dass das Evangelium das - jetzt - nicht erzählt, heißt auch nicht, es habe kein Gespräch gegeben. Nur - jetzt - ist die Umarmung dran, das Fest, die Freude. Das sollen wir sogar mit offenen Augen sehen. Und uns mitfreuen. Das Bekenntnis fehlt gleichwohl nicht. Ich habe gesündigt - sagt der "verlorene Sohn". Ein offenes Bekenntnis, das Wunder wirkt. Damit wird die eigene Erfahrung nicht schlechtgemacht, aber auch nicht gut geredet, das eigene Leben nicht verdammt, aber auch nicht entschuldigt. Es geht um den neuen Anfang!
Jesus erzählt diese Geschichte ganz frommen Menschen. Das ist nicht einmal ironisch gemeint. Er erzählt ihnen, ebenso einfach wie glanzvoll, warum er sich mit Sündern trifft, mit ihnen isst, ein Teil ihrer Geschichte wird: weil er die Verlorenen sucht und findet - und auch die, die verloren gegeben werden, ihrem Schicksal entreißt. Eine große Wahl lässt er uns nicht: Wer sich nicht mitfreut, der bleibt draußen. Der geht verloren. Eine schreckliche Perspektive für den älteren Bruder. Ob sich die beiden Brüder getroffen haben, jetzt beim Fest - oder auch später? Vielleicht ist es gut, dass Jesus die Geschichte offen hält. Für mich.
Wenn wir gleich Brot und Wein auf den Altar stellen, in einem großen Lobpreis die Taten Gottes rühmen und Christi Opfer unter uns gegenwärtig wird , dann wird unter uns auch die Geschichte lebendig, in der Tote zu leben anfangen und verlorene Söhne und Töchter nach Hause kommen.
Und der Friede Gottes,
der höher ist als alle Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Lieder:
GL 140: Kommt herbei, singt dem Herrn (4. und 5. Str.)
GL 145: Wohin soll ich mich wenden (1. und 3. Str.)
GL 266: Bekehre uns, vergib die Sünde (4. und 7. Str.)
GL 267: O Mensch bewein dein Sünde groß
GL 271: O Herr, aus tiefer Klage (3. und 4. Str.)
GL 273: O Herr, nimm unsere Schuld
GL 277: Aus tiefer Not schrei ich zu dir
GL 377: O Jesu, all mein Leben bist du
GL 416: Was Gott tut, das ist wohlgetan (4. Str.)
GL 425: Solang es Menschen gibt auf Erden (1. und 4. Str,)
GL 427: Herr, deine Güt ist unbegrenzt
GL 439: Erhör, o Gott, mein Flehen
GL 440: Hilf, Herr meines Lebens
GL 464: Gott liebt diese Welt
GL 481: Sonne der Gerechtigkeit
GL 543: Wohl denen, die da wandeln
GL Ö814: O höre, Herr, erhöre mich
GL Ö815: Sag ja zu mir, wenn alles nein sagt
Psalmen und Kehrverse:
GL 42: Nach Gott, dem Lebendigen, dürstet meine Seele - Mit Psalm 42 und 43 - VI.
GL 373: Du bist Licht und du bist Leben, Christus, unsere Zuversicht. - Mit Psalm 42 und 43 (GL 42,2) - VI
GL 517: Der Herr vergibt die Schuld und rettet unser Leben. - Mit Psalm 63 (GL 616,2) - IV.
GL 518: Beim Herrn ist Barmherzigkeit und reiche Erlösung - Mit Psalm 146 (GL 77,2) - VII.
GL 616,1-2: Gott, du mein Gott, dich suche ich - Mit Psalm 63 - IV.
GL 639,3-4: Beim Herrn ist Barmherzigkeit, bei ihm ist Erlösung in Fülle. - Mit Psalm 130 - II.
Am 4. Fastensonntag dürfen wir die Farben mischen: violett und weiß. Violett steht für Busse, weiß aber ist die Farbe von Ostern. Wir sehen durch das Violett hindurch – das Licht. Darum ist dieser Sonntag „rosa“. Die Fastenzeit hat ihre Mitte erreicht. Jetzt sehen wir Ostern vor uns. Der Sonntag trägt auch einen schönen Namen: Lätare! Freue dich!
„Laetare Ierusalem: et conventum facite omnes qui diligitis eam: gaudete cum laetitia - Freue dich, Stadt Jerusalem! Seid fröhlich zusammen mit ihr, alle, die ihr traurig wart. Freut euch und trinkt euch satt an der Quelle göttlicher Tröstung.“ (Jes. 66,10f.)
Was uns traurig macht, schuldig spricht, Angst einjagt – das befehlen wir unserem Herrn.
In der Fastenzeit sind wir eingeladen, über uns nachzudenken. Im zweiten Brief des Apostels Pauls an die Korinther und im Evangelium wird uns heute das Thema „Versöhnung“ vor Augen gestellt. Sich versöhnen ist oft nicht leicht. Dies darf aber nicht der Grund sein, Versöhnung zu umgehen oder sie gar nicht erst anzustreben.
Im 15. Kapitel des Lukasevangeliums erzählt Jesus, wie ein Schaf sich verlaufen hat und der Hirte nicht ruht, bis er es wiederfindet, wie einer Frau ein Geldstück abhanden gekommen ist und sie in ihrem Haus alles auf den Kopf stellt, bis sie es findet, und wie ein junger Mensch auf Abwege gerät und sein Vater auf ihn wartet, ihn aufnimmt, als wäre nichts geschehen.
Man hat das 15. Kapitel im Lukasevangelium das "Evangelium im Evangelium" genannt. Wenn auch das ganze Evangelium gute Kunde ist von einem liebenden Gott, so wird doch in diesem Kapitel die Botschaft Jesu von Gott wie in einem Brennpunkt eingefangen. Jesus will uns in diesen drei Gleichnissen zeigen, wie Gott uns Menschen gesonnen ist, wie viel ihm daran gelegen ist, dass wir nicht verloren gehen, uns selbst nicht verlieren.
Herr,
eigentlich sind wir fröhliche Menschen.
So schnell haut uns nichts um.
Aber wir sind oft schwach, wenn wir stark sein müssten
Herr, erbarme dich
Christus,
du suchst und findest verlorene Menschen.
Keiner wird in seiner Vergangenheit eingeschlossen.
Du lädst uns ein, uns mitzufreuen.
Christus, erbarme dich
Herr,
eigentlich sind wir fröhliche Menschen.
Doch unsere Vorurteile verletzen.
Mit Gleichgültigkeit und Hochmut machen wir unsere Welt kaputt.
Herr, erbarme dich
"Ich suchte den Herrn, und er hat mich erhört,
er hat mich all meinen Ängsten entrissen.
Blickt auf zu ihm, so wird euer Gesicht leuchten,
und ihr braucht nicht zu erröten." (Ps. 34,5f.)
Herr Jesus Christus,
du hast Gottes Sehnsucht und Verlangen nach enger Verbundenheit mit uns Menschen verkündet.
Herr, erbarme dich.
du hast Versöhnungsbereitschaft gelebt.
Christus, erbarme dich.
Du unterstützt unser Bemühen um Versöhnung mit deiner Gnade.
Herr, erbarme dich.
Es stärke uns der Herr, damit wir von lebendig gelebtem Glauben nicht abweichen, sobald es schwer für uns wird.
Jesus.
du bist gekommen zu suchen, was verloren war.
Kyrie eleison.
Jesus,
in dir erkennen wir die grenzenlose Liebe Gottes.
Christe eleison.
Jesus,
du willst uns frei machen von aller Selbstgerechtigkeit.
Kyrie eleison.
Herr, unser Gott,
du hast in deinem Sohn
die Menschheit auf wunderbare Weise mit dir versöhnt.
Gib deinem Volk einen hochherzigen Glauben,
damit es mit froher Hingabe dem Osterfest entgegeneilt.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 4. Fastensonntag
Du, Gott,
schenkst uns eine Freude, die nicht vergeht.
Wir danken dir für deine Nähe.
Wenn wir dir erzählen, wie sich Verlorenheit anfühlt,
wie sich Dunkelheit um Menschen legt,
wie Wege ins Leere führen,
dann bist du immer schon da.
Du erzählst uns, wie Neuanfänge aussehen,
alte Geschichten aufbrechen
und die Welt in einem neuen Licht erstrahlt.
Schenke uns offene Herzen
und leuchtende Augen,
damit wir uns von Herzen freuen können.
Was tot ist, fängt zu leben an,
was verloren ist, wird gefunden
in Christus, unserem Herrn,
Freund und Bruder auf unseren Wegen.
In der Geschichte, die Jesus erzählt, werden wir zur Freude eingeladen.
Wir sehen menschliche Verlorenheit
und wie schwer es ist, neu aufzubrechen,
nach Hause zu kommen und angenommen zu werden.
Darum beten wir heute:
Herr,
dir befehlen wir die Menschen, die ungestüm, mutig und selbstsicher ihr Leben in die Hand nehmen.
Schenke ihnen gute Freunde, eine Portion Skepsis und den Mut, rechtzeitig die Reißleine zu ziehen.
Wir rufen zu dir: Herr, hilf uns, Freude zu teilen.
Herr,
wir denken an die Menschen, die Schiffbruch erleiden, alle Brücken abgebrochen haben und jetzt heimatlos sind.
Schenke ihnen den Mut, über Schuld zu reden, alte Fäden neu zu knüpfen und Durststrecken durchzustehen.
Wir rufen zu dir: Herr, hilf uns, Freude zu teilen.
Herr,
vor dir äußern wir unsere Sorgen, dass Europa als Heimat vieler Nationen, Sprachen und Kulturen von vielen Menschen zur Disposition gestellt wird.
Schenke den verantwortlichen Politikern den unverstellten Blick auf die vielen versteckten Ängste
und den Mut, Schwierigkeiten gemeinsam zu lösen.
Wir rufen zu dir: Herr, hilf uns, Freude zu teilen.
Herr,
wir kennen die menschliche Verantwortung für die Umwelt, die unter Missbrauch, Gier und Ausbeutung ächzt.
Schenke allen jungen und alten Menschen ein Gespür für die Not der Welt und den klaren Blick auf unsere eigenen Abhängigkeiten und Interessen.
Wir rufen zu dir: Herr, hilf uns, Freude zu teilen.
Herr,
uns begegnen Menschen, die zu Opfern gemacht und fallen gelassen werden, die als verloren gelten und in den Nachrichtendschungeln untergehen.
Schenke allen Menschen ein Gesicht, das schön anzusehen ist und uns allen Augen, die Wunden wahrzunehmen.
Wir rufen zu dir: Herr, hilf uns, Freude zu teilen.
Du, Herr, lädst uns ein, uns zu freuen.
Du, Herr, lädst uns ein, ein Fest zu feiern.
Mit allen, die verloren gingen
und mit allen, die es immer schon besser wussten.
Du fängst mit uns eine neue Geschichte an.
Das Alte vergeht,
siehe, es wird alles neu.
In Christus, unserem Herrn.
Herr Jesus Christus,
du willst deine und des Vaters Versöhnungsbereitschaft in unsere Herzen pflanzen.
Wir bitten dich:
Stärke und festige unseren Willen, mit all unseren Kräften Versöhnung anzustreben.
Öffne unsere Augen für Möglichkeiten, Brücken zu bauen, um Versöhnung zu ermöglichen.
Schenke Segen und Erfolg allen, die sich für Versöhnung einsetzen: in der Welt, in Familie und Verwandtschaft, bei Nachbarn und in der Öffentlichkeit.
Lass alle Menschen in ihren Nöten deine Hilfe erfahren und Unterstützung finden durch den Beistand vieler um sie her.
Stehe denen bei, die verkannt werden, Unrecht erleiden, verfolgt werden oder um ihres Glaubens Willen Verachtung und Benachteiligung erfahren.
Nimm alle Verstorbenen auf in die Gemeinschaft mit dir.
Herr Jesus Christus,
deine Liebe zu uns und dein Erbarmen sind grenzenlos.
Wir danken dir für alle Hilfe und deine Sorge um uns. - Amen.
Gott, den barmherzigen Vater, der uns die Freiheit schenkt, immer wieder umzukehren und zu ihm aufzubrechen,
lasst uns bitten:
Für die Menschen im Südosten Afrikas, die derzeit von einer humanitären Katastrophe ungeheuren Ausmaßes betroffen sind.
Für die Kirche, die sich im Bewusstsein ihres menschlichen Versagens bemüht, Fehler einzugestehen und neu Vertrauen aufzubauen.
Für alle Menschen, die einen Neuanfang in ihrer Beziehung zu dir wagen
um respektvolle Begleitung auf ihrem persönlichen Glaubensweg.
Für uns selbst, denen Vergebung aufgetragen ist und die wir selbst auch immer wieder der Vergebung bedürfen.
Für unsere Verstorbenen, die Christus durch seinen Tod und seine Auferstehung in das Reich seines Vaters holt.
Vater! Deine Arme sind ausgestreckt und heißen alle willkommen, die zu dir umkehren.
Dafür gebührt dir unser Dank jetzt und allezeit. - Amen.
Herr, unser Gott,
in der Freude auf das Osterfest
bringen wir unsere Gaben dar.
Hilf uns, gläubig und ehrfürchtig das Opfer zu feiern,
das der Welt Heilung schenkt und den Tod überwindet.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 4. Fastensonntag
Herr,
wir bringen dir unseren Hunger nach Leben,
die Sehnsucht, geliebt und angenommen zu werden.
Wir bringen dir unsere Träume,
unsere Enttäuschungen und Ängste,
unsere Schuld.
Wir haben nur Brot und Wein.
Du aber stillst unseren Hunger,
du nimmst uns an,
du richtest für uns ein Fest aus.
Du schenkst uns Brot und Wein.
Du hüllst dein Wort darin ein.
Du lässt uns dich schmecken.
Liebe, die immer schon war,
Liebe, die keine Zeit kennt,
Liebe, die die Welt verwandelt.
Dir danken wir!
Komm, unser Herr!
Kehrvers:
Danket dem Herrn, denn ewig währt seine Liebe. (GL 444)
Gott und Vater,
wir bringen dir unseren Lobpreis dar,
denn wir haben Grund dir zu danken,
da du barmherzig bist.
Du hast von deinem Volk die Schande der Knechtschaft abgewälzt
und in ein Land geführt, das ihm zur Heimat wurde.
Du nimmst auch heute die Schande der Knechtschaft von uns,
wenn wir von deinen Wegen abgewichen sind.
Kehrvers
In Jesus Christus hast du uns gezeigt,
dass du der barmherzige Vater bist,
der unsere Freiheit achtet und uns wieder aufnimmt,
wenn unsere eigenen Wege ins Nichts geführt haben.
Kehrvers
In ihm sind wir eine neue Schöpfung geworden,
er hat uns mit dir versöhnt
und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen.
Kehrvers
Du lädst uns ein zum österlichen Mahl der Versöhnung,
gibst uns Ansehen und Achtung
und teilst mit uns die Freude,
wenn einer zu dir heimkehrt.
Kehrvers
Wir stimmen ein in das Fest der Freude
und singen mit allen Schwestern und Brüdern,
mit allen Engeln und Heiligen dein Lob:
Danklied, z. B.: Den Herren will ich loben (GL 395)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn durch seine Menschwerdung
hat er das Menschengeschlecht
aus der Finsternis zum Licht des Glaubens geführt.
Wir sind als Knechte der Sünde geboren,
er aber macht uns zu deinen Kindern
durch die neue Geburt
aus dem Wasser der Taufe.
Darum preisen wir jetzt
und in Ewigkeit dein Erbarmen
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Fastensonntag 4
Wenn alles schief zu gehen scheint,
dann erwartest du mich mit offenen Armen.
Wenn ich mich verirrt habe
im Dickicht meiner egoistischen Interessen,
dann erwartest du mich mit offenen Armen.
Wenn ich meinen Weg verloren habe
und das Gefühl der Heimatlosigkeit
mich zur Verzweiflung treibt,
dann erwartest du mich mit offenen Armen.
Wenn ich mutlos werde
angesichts der an mich gestellten Anforderungen,
dann erwartest du mich mit offenen Armen.
Nur deshalb
kann ich meinem Leben eine neue Richtung geben:
Geborgen in deinen Armen,
frei von Angst
kann ich mich öffnen für meine Mitmenschen.
Mitten im Leben – das Scheitern
Mit all seiner Unbegreiflichkeit.
Mit all seiner Trauer und Wut.
Mit all seinen eigenen Anteilen.
Mitten im Leben ein Neuanfang.
Mit seinen Möglichkeiten.
Mit all seiner Lebendigkeit.
Mit all seinen Beziehungen.
Mitten im Leben Gott.
In der Chance, die neue gegeben wird.
In dem Menschen, der mir entgegenkommt
In Gott, der mich annimmt.
Allmächtiger Gott,
dein ewiges Wort ist das wahre Licht,
das jeden Menschen erleuchtet.
Heile die Blindheit unseres Herzens,
damit wir erkennen, was vor dir recht ist,
und dich aufrichtig lieben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 4. Fastensonntag
Wir danken dir, Herr,
für die hellen Töne,
für das freundliche Licht,
für diesen Sonntag Lätare.
Es macht uns glücklich, Ostern zu sehen.
Die Termine der neuen Woche,
die kleinen und großen Begegnungen,
die Worte, die wir sagen
und für die uns der Mut fehlt,
sind schon in deinem Herzen.
Hilf uns, die hellen Töne und
das freundliche Licht untereinander zu teilen
und den vielen dunklen Farben
das österliche Weiß beizumischen
in Christus, unserem Herrn. – Amen.
Barmherziger Gott,
schenke uns die Freude,
einem anderen Menschen zu begegnen,
ihn mit offenen Armen zu empfangen
und seine Lasten mitzutragen.
Bewahre uns vor der Angst,
uns zu übernehmen,
ausgenutzt zu werden oder
selbst nicht genug zu haben.
Wir bitten dich:
Geh mit uns und lass uns in deinem Wort
Kraft und Beistand finden, Gewissheit und Mut.
Wie wir es gehört haben
von unserem Herrn Jesus Christus.
Der Ewige, gelobt sei sein Name,
lasse dich in Frieden ziehen, wenn du das Leben entdeckst.
Der Treue, gelobt sei sein Name,
schenke dir gute Gefährten und Gefährtinnen, wenn du unten bist.
Der Barmherzige, gelobt sei sein Name,
gebe dir die große Freude, einem anderen Menschen Halt zu geben.
Das gewähre euch der dreieinige Gott,
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
Am Leben vorbeigelebt
wird es heißen
beim Letzten Gericht.
Immer gezögert,
verschoben,
gewartet,
getrauert,
doch niemals
begonnen,
niemals Fehler
gemacht,
geirrt
oder verloren.
Immer Angst gehabt
vor Krankheit,
vor dem Versagen,
vor dem Tod. –
So wie
der ältere Sohn:
immer daheim geblieben,
aber vielleicht
auch nie richtig
zu Hause gewesen?
Aus: Ilse Pauls, Der innere See. Internationaler Literatur und Lyrik Verlag 1997.
Wenn sich das Leben so anfühlt, als wäre alles ein Traum, man zwar bewusst ist, aber sich trotzdem nicht ganz hier anfühlt.
Wenn man das Gefühl für Interessen, Menschen und Tätigkeiten verliert, die einen vorher noch Freude und Befriedigung gegeben haben.
Wenn man sich energiearm fühlt, wenig Kraft hat aufzustehen und die Dinge zu tun, die einen rufen und die man tief in sich als seine Berufung fühlt.
Wenn man beim besten Willen nicht das erreichen und schaffen kann, was die Stimme im Kopf von einem verlangt und einen dann beschämt und verurteilt, weil man es nicht erreichen konnte.
Wenn man das Gefühl hat, dass etwas fundamental anders ist, das Leben und die eigne Wahrnehmung nicht mehr dieselbe ist.
Das Gefühl der Verlorenheit.
https://unendlichsein.de/das-gefuehl-der-verlorenheit/ - 25.03.2019
Synonyme vor Verlorenheit
verlorengehen
verlorengeben
Verlorenes
verloren sein
verloren gehen
verloren geben
verloren
verlohen
Verlogenheit
verlogen
Synonyme nach Verlorenheit
verlosen
Verlosung
Verlosungstopf
verlottern
verlottern lassen
verlottert
verlottert angezogen sein
verludern
verludern lassen
verlumpen
ähnliche Synonyme
Verlorenheit
Verlogenheit
Verdorbenheit
Verworfenheit
Verborgenheit
Verworrenheit
Verlegenheit
in Verlegenheit bringen
in Verlegenheit gebracht
in Verlegenheit bringend
https://www.synonyme.de/verlorenheit/ - 25.03.2019
Ich will zu meinem Vater gehn heut am Tag.
Er wird ein jedes Wort verstehn, das ich wag,
das ich wag.
Weil es noch ein Zuhause gibt, lauf ich hin.
Ich weiß, dass mich mein Vater liebt, wie ich bin,
wie ich bin.
Er ist's, der dich von fern erblickt, tief im Staub.
Sein Herz hat er vorausgeschickt. Sieh und glaub!
Sieh und glaub!
Er ist's, der dir entgegenläuft weit, wie weit;
der dich mit Liebe überhäuft und verzeiht,
und verzeiht.
Den Lumpenrock schafft man beiseit – brennt wie Spreu.
Nun trägst du Schuh und Ring und Kleid funkelnd neu,
funkelnd neu.
Hoch hebt das Fest der Heimkehr an, nie erschaut.
Die Freude, die nur danken kann, jubelt laut,
jubelt laut.
Lasst uns zu unserm Vater gehn, ich und du.
Er ruft, bis alle ihn verstehn: Kommt herzu!
Kommt herzu!
Die Schwelle ist hier deutlich der Ort zwischen „draußen“ und „drinnen“, zwischen der „Welt“ und dem „Vaterhaus“; der völlig heruntergekommene Sohn kniet genau an der Grenze, sein Stock zeigt noch auffällig an, wo er herkommt. Haltung und Gestik des Vaters sind anrührend menschlich - der weite Schritt zeigt noch die Eile an, die linke Hand stützt und will dem Sohn aufhelfen, die rechte liegt beruhigend - zärtlich auf dessen Schultern. Zugleich ist da mehr als „nur“ Menschlichkeit: würde der sich herabbeugende Vater aufrichten, wäre er von monumentaler Übergröße. Und Rembrandt hat den bewegten und bewegenden Moment der Begegnung eingefasst, „verewigt“ durch eine sehr strenge Komposition: Die Vater-Sohn-Gruppe ist in ein annähernd gleichseitiges Dreieck eingeschrieben; das ist sowohl die „stabilste“ geometrische Figur wie auch darüber hinaus ein Symbol des Göttlichen.
Unser letztes Bild ist wirklich ein „ letztes Bild“: In seinen letzten Lebensmonaten ist Rembrandt - er starb 1669 - daran gegangen, die „Heimkehr des verlorenen Sohnes“ in einem für ihn ungewöhnlich großen Format (262 x 206 cm) zu malen. Er wird mit diesem, seinem „letzten Wort“ gar nicht mehr fertig. Allein dies ist schon bewegend und anrührend: Ein ganzes Malerleben lang beschäftigt den Künstler diese Geschichte, in gewissem Sinne identifiziert er sich mit ihr. Und dann am Schluss dieser Schluss! Dieser ungewöhnliche biographische Ernst des Werkes macht fast ein wenig ehrfürchtig. Hier fasst ein alter Mann seine Lebenserfahrungen mit allen Höhen und Tiefen zusammen. Und er spricht von seiner Hoffnung über dieses Leben hinaus. Das entspricht der Auslegungstradition des Gleichnisses; die Geschichte vom verlorenen Sohn wird als Bild des menschlichen Lebensweges gesehen und die „Heimkehr“ als Heimkehr zu Gott am Ende des Lebens, als Eintritt in das „ewige Leben“ gedeutet. Ein Kunstwerk als persönliches Bekenntnis!
Der Maler sagt: Der Tod, dessen Nähe ich spüre, wird mich zu Gott führen, ich werde seine Liebe und Güte erfahren, er wird mich aufnehmen mit meiner ganzen elenden Geschichte. Durch das ungewöhnliche Format sind die Figuren im Bild annähernd lebensgroß. Der Sohn kniet als Rückenfigur am linken Bildrand, so dass es für den Betrachter leicht ist, sich mit ihr zu identifizieren, sozusagen in sie hineinzuschlüpfen. Ein Bild, eine Geschichte, die wir nacherleben, „nachfühlen“ können. Das halte ich mit für das Bemerkenswerteste an diesem Bild: es kommt alles auf das „Fühlen“ an. Zu „sehen“ gibt es für Vater und Sohn nichts. Der Sohn kuschelt sich in das Dunkel des Vaterschoßes, der greise Vater hat die Augenlider gesenkt und wirkt wie ein Blinder, der den Sohn ertastet. Diese Konzentration auf das Tasten, Fühlen und Spüren ist für einen Maler, dem es in seinem ganzen Leben um das Sehen und das Sichtbare gehen musste, eine ungewöhnliche Sache: sozusagen die Einsicht, dass es Dimensionen und Schichten der Wirklichkeit gibt, die dem Augensinn verschlossen bleiben und dennoch wirklich sind. Ähnlich wie in der Radierung von 1636 gibt es auch hier bei aller „Menschlichkeit“ der Szene Hinweise auf ein „Mehr“. Sehr einfach kommt dies in der fast demonstrativ ausgezogenen Sandale des Sohnes ins Bild, die an Ex 3,5 - Mose am brennenden Dornbusch - erinnert: „Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden“. Der Vater mit dem roten Umhang erscheint wie eine Schutzmantelmadonna; der Umriss des Mantels kongruiert in der Komposition mit dem Torbogen im Hintergrund. Dadurch wird die an sich flüchtige Gebärde verfestigt, bekommt etwas Endgültiges, Ewiges. Dies ist jetzt das Glück, das nicht mehr beeinträchtigt werden kann durch die Angst vor dem Verlust. Das entspricht ja auch zum Teil einer menschlichen Erfahrung: dass etwas, was verloren und wieder gefunden wurde, nicht mehr verloren werden kann.
Übrigens spielt auch hier - wie in der Radierung von 1636 - die Szene auf der Schwelle, am Eingang. Das signalisiert: Hier endet die Geschichte nicht, hier beginnt sie neu. Das Beste kommt noch: das Fest! Wird der „große Bruder“ am Fest teilnehmen? Ihn haben wir bis jetzt nie erwähnt, auch die Künstler haben ihn - wie die ganze Auslegungstradition – sehr vernachlässigt. Dabei ist die Geschichte um seinetwillen erzählt! Jesus spricht hier zu den „Pharisäern und Schriftgelehrten“, die seine Zuwendung zu den „Zöllnern und Sündern“ nicht verstehen können (vgl. Lk 15,1f.). Häufig haben die Maler den „älteren Bruder“ in der Schlussszene des Gleichnisses gezeigt, wie er sich von Vater und Bruder brüsk abwendet. In Rembrandts Bild sehen wir in der Gruppe rechts einen nachdenklichen Mann stehen, der durch denselben roten Mantel wie der Vater ausgezeichnet ist. Ist das vielleicht der „Ältere“? Ist er bewegt? Läßt er sich von der Liebe des Vaters beeindrucken und bewegen, am „Fest der Versöhnung“ teilzunehmen?
Bild und Text unter:
https://www.bistum-essen.de/presse/artikel/nah-lukas-1511-32-das-gleichnis-vom-verlorenen-sohn/ - 25.03.2019
BALLETT IN DREI SZENEN
Libretto von Boris Kochno, frei nach dem Lukas-Evangelium
URAUFFÜHRUNG: am 21. Mai 1929 am Théâtre Sarah-Bernhardt, Paris
CHOREOGRAPHIE: George Balanchine
AUSSTATTUNG: Georges Rouault
ENSEMBLE: Diaghilews Balletts Russes
TANZSOLISTEN: Serge Lifar - Félia Dubrowska - Michael Federow - Léon Woizikowski.
Personen
Der verlorene Sohn
Der Vater
Die beiden Schwestern
Zwei gute Freunde
Eine Verführerin namens Sirene
Zwei Diener
Zechkumpane
Das Geschehen spielt zu biblischen Zeiten, Dauer etwa 35 Minuten.
Man kann es auch positiv sehen, wenn es einen jungen Mann drängt, die weite Welt kennen zu lernen, anstatt lebenslang die Hammelherde seines Vaters zu hüten. Seine beiden Freunde haben ihm erzählt, dass in den Tempeln Kanaans hübsche Mädchen zur Liebe bereit sind und gegen Lohn geheime Wünsche erfüllen. Der Vater hat natürlich kein Verständnis für solchen Unsinn, weil der Junge als Arbeitskraft zu Hause gebraucht wird. Er soll eines Tages Hof und Herde übernehmen und in der weiten Welt kommt er nur auf dumme Gedanken. Die beiden Schwestern heulen Rotz und Wasser, weil sie am liebsten mitkommen möchten. Der Entschluss des jungen Mannes ist unabänderlich und dem Vater bleibt nichts anderes übrig, als ihn mit Barmitteln auszustatten, damit der Liebling einen guten Start hat, um etwas Eigenes aufzubauen. Den Ausreißer lockt eher das Abenteuer, um mit der Waffe in der Hand schnell zu Vermögen zu kommen. Der Abschied fällt schwer. Wird er hin und wieder zu Besuch kommen?
Die drei Freunde begeben sich auf die Wanderschaft und treffen auf ein Zelt. Es handelt sich um ein getarntes Spielkasino mit bescheidener Ausstattung. Spielautomaten gibt es keine, nur Spielwürfel. Ein lautstarkes Orchester spielt zum Tanz auf und im Ausschank gibt es süffigen Wein. Die obskure Gesellschaft begegnet den drei Grünschnäbeln zunächst mit Argwohn. Doch das Misstrauen schwindet schnell, da die Ankömmlinge sich als ungewöhnlich gastfreundlich erweisen. Bald fließt der Wein für alle und es lockern sich die Beine zu orgiastischer Tanzlust. Eine Schöne, von allen Sirene genannt, tritt auf, um sich an den Fremdling, der das große Geld in der Tasche hat, heranzumachen. Sie tanzt lustbetont und beteuert dem unerfahrenen Jüngling ihre heiße Liebe. Um ihre erotischen Reize zu unterstreichen, hat der Kostümbildner der Zeltherrin zum roten Samtmantel noch einen hohen roten Hut aufgesetzt. Unser Ausreißer ist große Mengen von Alkohol nicht gewohnt - der Geist lässt nach und die Müdigkeit meldet sich an. Logisch, dass einem Schlafenden, der Vermögen mit sich herumträgt, die Taschen ausgeleert werden. Es ergeben sich Verteilungskämpfe unter den Räubern, bei der die Zelteinrichtung in Mitleidenschaft gezogen wird. Die beiden Freunde lassen sich nicht aussperren, mischen mit und Sirene will natürlich auch ihren Anteil. Im Dämmerzustand bekommt der Verprügelte noch mit, dass man ihm die Kleider auszieht, denn auch getragene Textilien lassen sich auf dem Markt gut verkaufen. Tatsächlich fühlt der Enttäuschte sich nun wie ein 'Verlorener Sohn'. Dabei wollte er nur Freunde gewinnen und hatte es gut gemeint. Sein erstes Abenteuer hat er hinter sich gebracht und die Erfahrung gemacht, dass die Welt böse ist. Sirenes Liebe hatte keinen Bestand, sie entschwindet ohne Abschied. Im geschützten Zelt des Vaters ist es immer noch am Schönsten. Der Reumütige gibt seiner Depression tänzerisch Ausdruck.
Das Geld ist alle und jetzt aber nichts wie nach Hause! Der Fußmarsch über Stock und Stein ist anstrengend und die Füße bluten. Nachts ist es in der Wüste lausig kalt und tagsüber brennt die Sonne unbarmherzig auf die nackte Haut. Bis zum Zelteingang der väterlichen Behausung reichen noch die Kräfte, dann sackt der unfreiwillige Wanderer zusammen.
Ja ist er es wirklich? Der Kleine ist zurückgekommen. So schnell hatte man ihn nicht erwartet. Die lieben Schwestern finden ihn in erbarmungswürdigem Zustand am Zelteingang. Der Vater kommt herbei und schließt den verzogenen Balg in seine Arme.
1. Der Abschied
2. Die Freunde
3. Die Sirene
4. Die Tänzer
5. Der verlorene Sohn und die Sirene
6. Das Trinkgelage
7. Plünderung
8. Erwachen und Reue.
9. Aufteilung der Beute
10. Die Rückkehr
Von der Erzählung der Bibel weicht der zweite Akt erheblich ab. Es wird nicht moralisiert, sondern die Handlung gerät zur Groteske, so wie es die russischen Komponisten in ihren Bühnenwerken lieben. Der Auftritt der Sirene ist in der Bibel nicht vorgesehen, für das Ballett aber zwingend notwendig. Die expressiven Klänge Prokofieffs zu den orgiastischen Tänzen faszinieren durch ihre Disharmonie ungemein. Den missgünstigen Bruder hat der Librettist aus dem Handlungsteil des dritten Aktes entfernt.
Das Werk entstand kurz vor Prokofieffs Rückkehr in die Heimat und wurde von Diaghilews Balletts Russes vor der Auflösung der Truppe noch einstudiert. Der Erfolg war immens.
Beim Stichwort Vergewaltigung schlagen normalerweise die Wellen der Empörung hoch. Nicht so bei Marco W., der bei seiner Rückkehr aus der Türkei fast wie ein Volksheld gefeiert wird. RTL sichert sich die Exklusivrechte und strahlt ein Interview aus, das einer Heiligenverehrung gleicht.
Er ist im Zielgruppen-relevanten Alter, er strahlt unerschütterlichen Optimismus aus, er lächelt auch in größter Pein - keine Frage: Marco W. ist ein Sieger-Typ, einer, dem man so leicht nichts krummnimmt. Einer, den die Leute mögen.
Dass ihm, fernab der Heimat, böse Vorwürfe das Leben schwermachen, dass er eine 13-jährige Urlauberin vergewaltigt haben soll, dass seine Unschuld noch nicht bewiesen ist - all das ist weit weg, wenn RTL den verlorenen Sohn in der Heimat empfängt. (. . . )
Über die Bedingungen dieses Vertrages, der dem Sender ermöglichte, ihm noch auf dem Heimflug einen Reporter zur Seite zu stellen und ihn seitdem konsequent von der Öffentlichkeit abzuschirmen, ihn weit weg von seinem Wohnort Uelzen in Nürnberg unterzubringen und als einziger Sender die erste - natürlich innige - Umarmung mit seinen Eltern zu filmen, ist hingegen nichts bekannt. (. . .)
Die Zeit sei ihm dort lang geworden, erzählt Marco W., nur einmal im Monat habe er seine Eltern für eine Stunde treffen dürfen, und nach fünf Monaten sei ihm zum ersten Mal aufgefallen, dass man aus der Situation auch lernen könne. Er sei nun netter zu seinen Eltern und würde sich andere Gedanken um seine Zukunft machen.
Sätze, die man einem 17-Jährigen, der gerade aus der Haft entlassen wurde, nicht vorwerfen kann. Von Journalisten allerdings, die offenbar viel Zeit und Gelegenheit hatten, den jungen Mann mit der umstrittenen Vergangenheit eingehend zu befragen, könnte man schon eine Prise mehr Esprit erwarten.
Es ist doch Weihnachten.
So aber plätschert das rund 20-minütige, von Werbung unterbrochene Gespräch dahin, verliert sich in Nichtigkeiten und findet seinen Höhepunkt in Marcos Wunsch, dass er nun wieder zur Schule gehen und sein altes Leben aufnehmen wolle. Ob er meine, dass das möglich sei, jetzt, wo er sich so verändert habe, muss Lanz doch noch mal nachhaken. Ja, das meine er, sagt Marco W., der ursprünglich vorgehabt hatte, nach dem Türkei-Urlaub seinen Schulabschluss zu machen und einen technischen Beruf zu erlernen.
Nur nach dem Tag "danach" wird er befragt, wie er die Verhaftung erlebt habe. "Wir dachten, das sei eine Verwechslung und es würde sich alles aufklären." Na, dann ist ja alles klar. Wenn Marco schon selbst nicht an seine Schuld glaubt, wer sollte es dann tun?
Die Boulevardpresse und das Publikum scheinen ihr Urteil gefällt zu haben. Wer so nett lächelt und wie ein Star gefeiert wird, der kann kein böser Mensch sein. Wozu braucht man da noch Richter?
Vor acht Monaten sei er ein ganz normaler Tourist gewesen, jetzt kenne ihn jeder, und er fliege im Privatjet nach Hause. "Ein Teenager, der überglücklich ist, und sich vielleicht ein wenig wie ein Star fühlt", umschreibt RTL den Eindruck. Wozu also Ausgewogenheit, wenn ein bisschen Stimmung so gut tut? A star is born, die Mischung ist perfekt. Marco W. ist blutjung, niemand mag ihm wirklich etwas Böses zutrauen, dazu ist er stets freundlich und bemüht. Dass der Anwalt der Gegenseite noch am Tag der Entlassung eine Expertise britischer Psychologen vorgelegt haben soll darüber, dass das Mädchen tatsächlich vergewaltigt worden sein soll, tut bei so viel Starrummel nun wirklich nichts zur Sache. Bei RTL hat man den Glauben an das Gute im Menschen wiedergefunden, das ist so kurz vor Weihnachten ganz viel wert.
Ruth Schneeberger in Sueddeutsche am 17.12.2007.
http://www.sueddeutsche.de/kultur/13/427768/text/

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
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Verbunden ist diese Erfahrung, die sich jetzt endgültig von den traumatischen "Fleischtöpfen Ägyptens" löst, mit der Passahfeier und wird in ihr - von Generation zu Generation - neu vergegenwärtigt.
Auffallend an dieser Perikope 5,2-12 sind die vielen Beziehungen zum Buch Exodus mit den Motiven der Beschneidung (Ex 4,24ff), der Paschafeier (Ex 12) und dem Manna (Ex 16,35).
In Vers 9a ist der "Name" sehr wichtig: sowohl das Tetragramm JHWH ("Jahwe" = der Herr), als auch der Name des Anführers Josua (= "Jahwe ist Rettung") - dessen griechische Variante "Jesus" heisst! Die hier genannte "ägyptische Schande" meint wohl die Knechtschaft, das Leben auf fremdem und nicht eigenem Land.
Die in Vers 10 genannte Datierung mit dem ersten Frühlingsneumond (als Paschatermin) hatte großen Einfluss auf den christlichen Ostertermin. Das Fest der ungesäuerten Brote (Mazzot: Vers 11) war ursprünglich wohl ein vom Pesachfest unabhängiges Fest.
Vers 12 sagt, dass hier ein neuer Abschnitt des Volkes Israel beginnt. Dieser Neubeginn wird auch durch die Zeichenhandlung der Beschneidung (Verse 2-8) gefestigt: Die Israeliten sind nicht mehr von den Ägyptern abhängig, sondern sind nun Gottes Volk.
Durch die Auswahl dieser Stelle als Lesung in der Fastenzeit wird eine wichtige Etappe der Heilsgeschichte im Anweg auf Ostern benannt.