Lesung aus dem Buch Exodus.
In jenen Tagen
sprach der HERR zu Mose und Aaron im Land Ägypten:
Dieser Monat soll die Reihe eurer Monate eröffnen,
er soll euch als der Erste unter den Monaten des Jahres gelten.
Sagt der ganzen Gemeinde Israel:
Am Zehnten dieses Monats
soll jeder ein Lamm für seine Familie holen,
ein Lamm für jedes Haus.
Ist die Hausgemeinschaft für ein Lamm zu klein,
so nehme er es zusammen mit dem Nachbarn,
der seinem Haus am nächsten wohnt,
nach der Anzahl der Personen.
Bei der Aufteilung des Lammes müsst ihr berücksichtigen,
wie viel der Einzelne essen kann.
Nur ein fehlerfreies, männliches, einjähriges Lamm darf es sein,
das Junge eines Schafes oder einer Ziege müsst ihr nehmen.
Ihr sollt es bis zum vierzehnten Tag dieses Monats aufbewahren.
In der Abenddämmerung
soll die ganze versammelte Gemeinde Israel
es schlachten.
Man nehme etwas von dem Blut
und bestreiche damit die beiden Türpfosten und den Türsturz
an den Häusern, in denen man es essen will.
Noch in der gleichen Nacht soll man das Fleisch essen.
Über dem Feuer gebraten
und zusammen mit ungesäuertem Brot und Bitterkräutern
soll man es essen.
So aber sollt ihr es essen:
eure Hüften gegürtet,
Schuhe an euren Füßen
und euren Stab in eurer Hand.
Esst es hastig!
Es ist ein Pessach für den HERRN.
In dieser Nacht gehe ich durch das Land Ägypten
und erschlage im Land Ägypten
jede Erstgeburt bei Mensch und Vieh.
Über alle Götter Ägyptens halte ich Gericht,
ich, der HERR.
Das Blut an den Häusern, in denen ihr wohnt,
soll für euch ein Zeichen sein.
Wenn ich das Blut sehe,
werde ich an euch vorübergehen
und das vernichtende Unheil wird euch nicht treffen,
wenn ich das Land Ägypten schlage.
Diesen Tag sollt ihr als Gedenktag begehen.
Feiert ihn als Fest für den HERRN!
Für eure kommenden Generationen
wird es eine ewige Satzung sein, das Fest zu feiern!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Exodus:
In jenen Tagen
sprach der HERR zu Mose und Aaron im Land Ägypten:
Dieser Monat soll die Reihe eurer Monate eröffnen,
er soll euch als der Erste unter den Monaten des Jahres gelten.
Sagt der ganzen Gemeinde Israel:
Am Zehnten dieses Monats
soll jeder ein Lamm für seine Familie holen,
ein Lamm für jedes Haus.
Ist die Hausgemeinschaft für ein Lamm zu klein,
so nehme er es zusammen mit dem Nachbarn,
der seinem Haus am nächsten wohnt,
nach der Anzahl der Personen.
Bei der Aufteilung des Lammes müsst ihr berücksichtigen,
wie viel der Einzelne essen kann.
Nur ein fehlerfreies, männliches, einjähriges Lamm darf es sein,
das Junge eines Schafes oder einer Ziege müsst ihr nehmen.
Ihr sollt es bis zum vierzehnten Tag dieses Monats aufbewahren.
In der Abenddämmerung
soll die ganze versammelte Gemeinde Israel
es schlachten.
Man nehme etwas von dem Blut
und bestreiche damit die beiden Türpfosten und den Türsturz
an den Häusern, in denen man es essen will.
Noch in der gleichen Nacht soll man das Fleisch essen.
Über dem Feuer gebraten
und zusammen mit ungesäuertem Brot und Bitterkräutern
soll man es essen.
Nichts davon dürft ihr roh oder in Wasser gekocht essen,
sondern es muss über dem Feuer gebraten sein:
Kopf, Schenkel und Eingeweide.
Ihr dürft nichts bis zum Morgen übrig lassen.
Wenn aber am Morgen noch etwas übrig ist,
dann verbrennt es im Feuer!
So aber sollt ihr es essen:
eure Hüften gegürtet,
Schuhe an euren Füßen
und euren Stab in eurer Hand.
Esst es hastig!
Es ist ein Pessach für den HERRN.
In dieser Nacht gehe ich durch das Land Ägypten
und erschlage im Land Ägypten
jede Erstgeburt bei Mensch und Vieh.
Über alle Götter Ägyptens halte ich Gericht,
ich, der HERR.
Das Blut an den Häusern, in denen ihr wohnt,
soll für euch ein Zeichen sein.
Wenn ich das Blut sehe,
werde ich an euch vorübergehen
und das vernichtende Unheil wird euch nicht treffen,
wenn ich das Land Ägypten schlage.
Diesen Tag sollt ihr als Gedenktag begehen.
Feiert ihn als Fest für den HERRN!
Für eure kommenden Generationen
wird es eine ewige Satzung sein, das Fest zu feiern!
Kv: Der Kelch des Segens gibt uns Anteil am Christi Blut . - Kv
(Oder: GL 305,3)
Wie kann ich dem HERRN vergelten
all das Gute, das er mir erwiesen?
Den Becher des Heils will ich erheben.
Ausrufen will ich den Namen des HERRN. - Kv
Kostbar ist in den Augen des HERRN
der Tod seiner Frommen.
Ach HERR, ich bin doch dein Knecht, /
dein Knecht bin ich, der Sohn deiner Magd!
Gelöst hast du meine Fesseln. - Kv
Ich will dir ein Opfer des Dankes bringen,
ausrufen will ich den Namen des HERRN.
Meine Gelübde will ich dem HERRN erfüllen
in Gegenwart seines ganzen Volks, - Kv
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korinth.
Schwestern und Brüder!
Denn ich habe vom Herrn empfangen,
was ich euch dann überliefert habe:
Jesus, der Herr,
nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot,
sprach das Dankgebet,
brach das Brot
und sagte: Das ist mein Leib für euch.
Tut dies zu meinem Gedächtnis!
Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch
und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut.
Tut dies, sooft ihr daraus trinkt,
zu meinem Gedächtnis!
Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt,
verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre! - Kv
(So spricht der Herr:)
Ein neues Gebot gebe ich euch.
Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.
Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre!
Oder:
Dies ist mein Gebot:
Liebet einander, wie ich euch geliebt.
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
Es war vor dem Paschafest.
Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war,
um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen.
Da er die Seinen liebte, die in der Welt waren,
liebte er sie bis zur Vollendung.
Es fand ein Mahl statt
und der Teufel
hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot,
schon ins Herz gegeben, ihn auszuliefern.
Jesus,
der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte
und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte,
stand vom Mahl auf,
legte sein Gewand ab
und umgürtete sich mit einem Leinentuch.
Dann goss er Wasser in eine Schüssel
und begann, den Jüngern die Füße zu waschen
und mit dem Leinentuch abzutrocknen,
mit dem er umgürtet war.
Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm:
Du, Herr, willst mir die Füße waschen?
Jesus sagte zu ihm:
Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht;
doch später wirst du es begreifen.
Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen!
Jesus erwiderte ihm:
Wenn ich dich nicht wasche,
hast du keinen Anteil an mir.
Da sagte Simon Petrus zu ihm:
Herr, dann nicht nur meine Füße,
sondern auch die Hände und das Haupt.
Jesus sagte zu ihm:
Wer vom Bad kommt, ist ganz rein
und braucht sich nur noch die Füße zu waschen.
Auch ihr seid rein,
aber nicht alle.
Er wusste nämlich, wer ihn ausliefern würde;
darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.
Als er ihnen die Füße gewaschen,
sein Gewand wieder angelegt
und Platz genommen hatte,
sagte er zu ihnen:
Begreift ihr, was ich an euch getan habe?
Ihr sagt zu mir Meister und Herr
und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es.
Wenn nun ich, der Herr und Meister,
euch die Füße gewaschen habe,
dann müsst auch ihr einander die Füße waschen.
Ich habe euch ein Beispiel gegeben,
damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
In der Feier des Gründonnerstags stehen die Fußwaschung und Brot und Wein im Abendmahl als Zeichen der Liebe und Hingabe Jesu im Mittelpunkt. Dieser Tag konfrontiert uns mit der Frage, ob wir diese Zeichen nur äußerlich wiederholen, und wie wir sie mit dem füllen können, was Jesus uns anvertraut hat.
Als kleines Kind verbrachte ich öfter einige Tage bei den Großeltern. Unvergesslich bleibt mir die kleinen Milchstriezel, den meine damals noch unverheiratete Tante jeweils in der Nacht vom Samstag auf Sonntag speziell für uns Kinder gebacken hat. Für die übrigen Mitglieder der großen Familie hat sie einen großen Milchbrotwecken zubereitet. Mein Bruder und ich wurden jedoch in der Früh beim Aufstehen mit einen kleinen, speziell geflochtenen Milchstriezel überrascht, den wir auf unseren Nachtkästchen vorfanden. Dieser war für mich der Inbegriff ihrer Zuwendung. Liebe geht durch den Magen, heißt es. Liebe braucht Zeichen, an denen man sie erkennen, durch die man sie spüren kann.
Beim Abschiedsmahl Jesu, von dem wir im Evangelium gehört haben, setzte Jesus auch ein Zeichen seiner Liebe: Er hat seinen Jüngern die Füße gewaschen. Nicht alle haben dieses Zeichen gleich verstanden. Zeichen sind nicht immer eindeutig und brauchen oft eine Deutung. Jesus, der Lehrmeister seiner Jünger, erweist seinen Schülern einen Dienst, den sonst Sklaven verrichten. Er will ihnen damit ein Beispiel geben. Sein Lehrer-Schüler-Verhältnis sieht er als Dienst. Er stellte sein ganzes Leben in den Dienst der Menschen für die er da sein will. Mit diesem Zeichen will er ihnen ein Beispiel geben. Wie er sollen alle, die ihm nachfolgen wollen, handeln. Dieses Zeichen ist einerseits eine klare Absage an Herrschaftsverhältnisse, in denen die einen dienen und die anderen herrschen, zugleich zeigt er mit diesem Zeichen, wie alle allen dienen können.
Das Wissen um die Zeichenhaftigkeit dieser Handlung lässt das, was Jesus am darauffolgenden Tag erlebt, in einem anderen Licht erscheinen. Es ist nicht das Scheitern eines religiösen Erneuerers, sondern er will sein Leben als dienende Hingabe an die Menschen verstanden wissen.
Der Gründonnerstag kreist noch um weitere Zeichen der Liebe und Hingabe. In der Lesung aus dem Brief an die Gemeinde in Korinth ruft Paulus in Erinnerung, was im Leben der Christen regelmäßige Praxis war. Dieses allen vertraute Zeichen wurde offenbar nicht von allen in seiner ganzen Tragweite verstanden. Auch dieses Zeichen bedurfte einer Deutung. Am Abend vor seiner Gefangennahme und Hinrichtung nahm Jesus Brot und Wein, gab sie seinen Jüngern zu essen und zu trinken. Auch dieses Zeichen bedeutet die Hingabe seines Lebens. Er fordert die Jünger auf, dies zu seinem Gedächtnis auch in Zukunft zu tun. Dieses Zeichen ist zum Mittelpunkt christlichen Lebens geworden.
Zeichen können mehr sagen als Worte. Sie können Zusammenhänge ausdrücken, die man mit Worten nur unzureichend beschreiben kann. Diese Zeichen kann man sogar spüren, ihre Wirkung hält länger an als Worte, die allzu schnell verklingen. Brot und Wein gehen durch den Magen.
Zeichen bedürfen aber einer behutsamen Handhabung. Wo sie nur oberflächlich vollzogen werden, verkommen sie zu einer hohlen Geste. Wenn sie nicht von dem erfüllt sind, was sie bezeichnen, bewirken sie das Gegenteil.
Die Feier des Gründonnerstags konfrontiert uns von diesen Zeichen her mit vielen Fragen: Ist unser Leben erfüllt mit Hingabe an die Menschen, für die wir als Christen da sein wollen? Wie viel Dienst ist drinnen in unserem Leben als Christen? Papst Franziskus geißelt immer wieder den Klerikalismus, der sich über Menschen erhebt und über sie herrschen will. Dabei geht es nicht nur um selbstherrliche Kleriker. Oft wird die Mitarbeit in der Kirche von Fragen abhängig gemacht, was man darf oder nicht darf, und nicht von der Frage, was kann ich an Gutem für die anderen einbringen.
Wir sollten uns auch der Frage stellen, ob der zahlenmäßige Rückgang an Gottesdienstfeiernden vielleicht auch damit zusammenhängt, dass das "Tut dies zu meinem Gedächtnis" nicht mehr als Mittelpunkt des gemeinsamen Feierns erlebt wird. Fragen der Gestaltung, welche Lieder sollen gesungen werden, welcher Chor tritt auf, wie lange darf eine Messfeier sein, bzw. wie kurz soll sie sein, sind durchaus wichtige Fragen. Oft stehen sie aber so im Vordergrund, dass sie das "Geheimnis des Glaubens", das wir feiern, zudecken.
Petrus wollte den fußwaschenden Jesus zunächst nicht an sich heranlassen, weil er sein Ansinnen nicht verstanden hat. Erst als Jesus ihm sagte: "Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir.", lässt er sich darauf ein.
Der Gründonnerstag konfrontiert uns mit der Frage: Lassen wir Jesus an uns heran, wenn wir im Gottesdienst die uns anvertrauten Zeichen der Liebe und Hingabe vollziehen? Lassen wir seinen Dienst der Liebe an uns geschehen? Und in einem zweiten Schritt: Sind wir bereit, seinem Beispiel zu folgen? Auch unsere Liebe muss konkret und spürbar werden.
Die Lesungen des Gründonnerstag erzählen von der Hingabe Jesu, die Gemeinschaft stiftet und das Reich Gottes sichtbar macht. Sie fordern uns auf, es ihm gleich zu tun.
In der Fußwaschung erleben wir die fleischgewordene Zärtlichkeit Gottes. Wir werden am Gründonnerstag aufgefordert, uns wie Jesus dem Nächsten zuzuwenden.
Beim Abschiedsmahl hat Jesus ein Zeichen gesetzt und seinen Jüngern die Füße gewaschen. Es geht nicht darum, dass wir dieses Zeichen wiederholen, sondern dass wir unseren Dienst an den Menschen in der gleichen Haltung wie Jesus tun.
Heute am Gründonnerstag stehen die Füße im Mittelpunkt unseres Beobachtens. Sie erzählen viel. Die Geschichte, in der sie vorkommen, verlangt eine Fortsetzung in unserem Leben.
Beim Abschiedsmahl Jesu mit seinen Jüngern setzt er zwei große Zeichen: Wie ein Diener wäscht er ihnen die Füße, damit sie Anteil haben an ihm. Im Mahl gibt er sich ihnen zur Speise. Auf diese Weise ist er aufs Innigste mit ihnen verbunden.
Mit dem Gründonnerstag treten wir in das "sacrum triduum", also in die österliche Dreitagesfeier einer "Symphonie aus Dunkel und Licht", wie ich erst kürzlich lesen konnte. Es spielen hier Trauer, Angst, aber auch Hoffnung und Zuversicht herein. Der "Hohe Donnerstag" eröffnet drei wichtige Gedanken:
1. Jesus hatte immer eine "offene Gesellschaft" um sich und grenzte nicht aus. Er pflegte Tischgemeinschaft mit Frauen, Reichen, Sündern, Sklaven, Dirnen, Zöllnern. Auch beim sogenannten "Letzten Abendmahl" waren Menschen unterschiedlichster Charaktere bei Tisch. Grenzen die Kirchenleitungen nicht auch heute noch immer allzu viele von dieser Tischgemeinschaft aus unterschiedlichsten Gründen aus?
2. Das Amt des Dienens, Begleitens und Helfens durch das Beispiel der Fußwaschung. Sie ist nichts anderes als praktische Umsetzung des Mahles hinein in den Alltag. Mangelt es nicht auch heute sehr oft an der Hilfestellung gegenüber unseren Nächsten in einer Gesellschaft, die starke Tendenzen zur Entsolidarisierung zeigt?
3. Jesus schenkt sich selber: "So oft ihr es tut, tut es zu meinem Gedächtnis." In der Eucharistie zeigt sich "das Osterfest Christi als das 'Lebens-Mittel' und die 'Lebens-Mitte' der Kirche. Manna-Brot vom Himmel für die pilgernde Kirche," (Philipp Harnoncourt), aber auch für unsere persönliche Lebens- und Pilgerreise als Stärkung auch für manche Wüstenwanderung, die wir durchzustehen haben.
Jesus nimmt also Abschied aus dem Kreis seiner Freunde. Aber was bleibt? Erinnerungen, die verblassen, Spuren, die sich verlieren? Nein, diese Freundschaft, dieser Bund mit den Menschen soll bestehen bleiben in ganz konkreten Zeichen, im Zerbrechen des Brotes und im Dienst aneinander. Auf diese Weise bleiben Freundschaft und tiefe Verbundenheit mit Gott und untereinander bestehen. Heute werden wir in besonderer Weise daran erinnert: Wie dieses Brot zerbricht, wird auch Jesus zerbrochen, aber nicht um zugrunde zu gehen, sondern um Nahrung für alle Menschen zu sein, die sich zum Tisch des Herrn eingeladen fühlen. Kein einsames Zerbrechen, sondern ein Ausgeteiltwerden, eine Lebensbegleitung für uns Menschen, kein Tod für sich selbst, sondern Vorankündigung für die Vollendung aller. Diese Freundschaft trägt die Nähe Gottes in sich.
Der Gründonnerstag mahnt aber auch, dieses große Geschenk des gemeinsamen Brotbrechens und Mahlhaltens nicht abzuschwächen in Ersatzformen vereinfachter Feiern, weil es immer weniger Vorsteher bzw. Priester gibt.
"Gut, dass es die Pfarre gibt", Motto der vergangenen Pfarrgemeinderatswahl in Österreich. Zu ergänzen: Gut, dass es Gemeinde gibt. Sie wird aber nur bestehen können, wenn dieses wichtige Element des Brotbrechens weiter garantiert bleibt, wenn sich die Buntheit und Vielfalt der Menschen auch in einer etwas breiteren Vielfalt der Zugangsbestimmungen in den Dienstämtern der Kirche zeigt, denn Brot ist ein lebenswichtiges Nahrungsmittel, nicht nur für unser irdisches Dasein, sondern auch "Brot des Lebens", von dem Jesus selber sagt, dass Er es ist.
Gründonnerstag: Jesus schenkt sich in den Gestalten von Brot und Wein. Brot öffnet jeden Mund. Möge dieses Brot auch unseren Mund öffnen, nicht nur, um zu essen, sondern auch, um Gutes zu sagen, um einzuladen, um zu verzeihen, um Brücken zu bauen, Freundschaften anzubahnen und zu festigen zu Gott, zum Nächsten, zum Frieden in uns selbst.
Am Gründonnerstag erinnern wir uns ans das letzte Mahl, das Jesus mit seinen Jüngern eingenommen hat. Den Jüngeren dürfte noch nicht bewusst gewesen sein, dass dieses Mahl ein Abschiedsessen war.
Gläubige Juden feierten an diesem Abend den Aufbruch des Volkes Israel aus der Sklaverei in Ägypten. Den traditionellen symbolische Zeichen, die bei der Paschafeier üblich waren, fügt Jesus noch zwei weitere bedeutungsvolle Handlungen hinzu und legte den Jüngern ans Herz, diese in Erinnerung an sein Leben immer wieder zu vollziehen. Wie ein Sklave wusch er als Meister den Schülern die Füße und teilte mit ihnen Brot und Wein. Mit diesen Zeichen fasste er deutend sein Leben zusammen. Die Erinnerung daran prägt unser ganzes Leben als Christen.
Am Beginn unseres Gottesdienstes bitten wir Gott um Vergebung für alle Oberflächlichkeiten, durch die wir oft unser Leben bestimmen lassen.
Allmächtiger, ewiger Gott,
am Abend vor seinem Leiden
hat dein geliebter Sohn der Kirche
das Opfer des Neuen und Ewigen Bundes anvertraut
und das Gastmahl seiner Liebe gestiftet.
Gib, daß wir aus diesem Geheimnis
die Fülle des Lebens und der Liebe empfangen.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.
MB Gründonnerstag
Als Jesu Kirche feiern wir weltweit in jeder Eucharistiefeier seine Lebenshingabe am Kreuz für alle Menschen.
Ihn lasst uns bitten:
Am heutigen Abend sind wir wie die Jünger damals um deinen Tisch versammelt.
Wandle uns zu einer Kirche, die sich deiner Mahlgemeinschaft als würdig erweist.
Mit deinem Dienst der Fußwaschung an deinen Jüngern hast du uns gelehrt, wie Gemeinschaft funktionieren kann.
Hilf uns, zu erfahren, dass alle besser leben, wenn wir mehr miteinander als gegeneinander arbeiten.
Deine Worte über Brot und Wein hast du Personen anvertraut, deren priesterliches Wirken die Zuwendung Gottes zum Menschen erfahrbar machen soll.
Weise deiner Kirche den Weg aus dem Eingestehen von Problemen zu Taten für eine Zukunft nach deinem Willen.
In deiner Angst und Einsamkeit am Ölberg bist du uns in den Ängsten und einsamen Stunden unseres Lebens ganz nahe.
Dich bitten wir für alle Menschen, die in ihrer Lebenssituation verzweifeln oder sich ausgegrenzt und allein gelassen fühlen.
Wie das Weizenkorn, das stirbt und viele Frucht bringt, hast du dein Leben hingegeben um uns die Frucht der Erlösung zu schenken.
Wir bitten dich für unsere Verstorbenen um deine ewige Nähe für sie.
Herr, Jesus Christus!
Du schenkst dich uns in den Gestalten von Brot und Wein.
So mit dir verbunden kann unser Leben zum Heil für uns selbst und die anderen werden.
Lass uns in Dankbarkeit deine Nähe im Sakrament und der Gemeinschaft deiner Kirche finden. - Amen.
Herr,
gib, daß wir das Geheimnis des Altares ehrfürchtig feiern;
denn sooft wir die Gedächtnisfeier dieses Opfers begehen,
vollzieht sich an uns das Werk der Erlösung.
Durch Christus, unseren Herrn.
MB Gründonnerstag
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Als der wahre und ewige Hohepriester
hat er die Feier eines immerwährenden Opfers gestiftet.
Er hat sich selbst als Opfergabe dargebracht
für das Heil der Welt
und uns geboten,
daß auch wir diese Gabe darbringen zu seinem Gedächtnis.
Er stärkt uns,
wenn wir seinen Leib empfangen,
den er für uns geopfert hat.
Er heiligt uns,
wenn wir sein Blut trinken,
das er für uns vergossen hat.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten und mit all den Scharen
des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Eucharistie 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn er hat beim Lezten Abendmahl
das Gedächtnis des Kreuzesopfers gestiftet
zum Heil der Menschen bis ans Ende der Zeiten.
Er hat sich dargebracht als Lamm ohne Makel,
als Gabe, die dir gefällt,
als Opfer des Lobes.
Dieses erhabene Geheimnis heiligt
und stärkt deine Gläubigen,
damit der eine Glaube
die Menschen der einen Erde erleuchte,
die eine Liebe sie alle verbinde.
So kommen wir zu deinem heiligen Tisch,
empfangen von dir Gnade um Gnade und
werden neu gestaltet nach dem Bild deines Sohnes.
Durch ihn rühmen dich Himmel und Erde,
Engel und Menschen und
singen wie aus einem Munde
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Eucharistie 2
Jesu Sicht auf seine Jünger war immer die Perspektive des Vaters.
Was er für die Jünger empfand, wollte er ihnen geben.
So lasst uns zu diesem Vater rufen:
Herr, in den Zeichen der Liebe bist du deinen Jüngern so nahe gekommen,
dass sie darin deinen Frieden in Fülle spüren konnten.
Bevor auch wir nun in der Eucharistie deiner Liebe begegnen,
bitten wir dich:
Schaue nicht auf unsere Sünde. . .
Allmächtiger Gott,
du hast uns heute
im Abendmahl deines Sohnes gestärkt.
Sättige uns beim himmlischen Gastmahl
mit dem ewigen Leben.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Gründonnerstag
Das Johannesevangelium gilt als spätestes und judenfeindlichstes Evangelium. Neuere Forschungen zeigen aber, dass dem nicht so ist. Vielmehr wären judenfeindliche Übersetzungen zu korrigieren.
Pauschal wird den Juden, so scheint es, im Johannesevangelium die Fähigkeit zur Gotteserkenntnis abgesprochen (Joh 5,37; Einheitsübersetzung 2016):
„Auch der Vater selbst, der mich gesandt hat, hat über mich Zeugnis abgelegt. Ihr habt weder seine Stimme je gehört noch seine Gestalt gesehen.“ Der Neutestamentler Rudolf Bultmann schreibt hierzu in seinem einflussreichen Kommentar zum Johannesevangelium: „[...] den Juden ist Gott gänzlich verborgen; sie haben keinen Zugang zu ihm [...]. Die prätendierte Gotteserkenntnis der Juden ist also Lüge [...]; nicht etwa bloßer Irrtum, der auf Mangel an Informationen beruht, sondern Schuld, denn sie ist Verschlossenheit gegen Gott.“
Deutlich kommt hier eine große Distanz zwischen Judentum und Christentum zum Ausdruck. Aus solchen Passagen folgert man, das Johannesevangelium sei entstanden, als die junge Christenheit bereits deutlich vom Judentum zu unterscheiden war. Es gilt als spätestes und judenfeindlichstes Evangelium.
Judenchristliches Johannesevangelium
Um so überraschender scheint es, dass in der alten Kirche mit dem Johannesevangelium eine judenchristliche Identität verteidigt wurde, gerade dieses Evangelium diente dazu, den endgültigen Bruch zwischen Christentum und Judentum in Kleinasien hinauszuzögern. Polykrates von Ephesus verteidigte sich Ende des zweiten Jahrhunderts gegen römische Übergriffe. In Rom hatte man entschieden, die ursprüngliche christliche Osterpraxis zu ändern. Das christliche Osterfest war schließlich aus dem jüdischen Pesach entstanden, die ersten Christen waren Juden und feierten das Pesach-Fest. Die Anklänge an das jüdische Pesach sind noch heute in der Liturgie des Osterfestes nicht zu übersehen. Wie auch die Juden, die dieser Tage ihr Pesach feiern und des Auszugs aus dem ägyptischen Sklavenhaus gedenken, rufen auch die Christen zu Ostern mit den liturgischen Lesungen die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei in Erinnerung.
Damit waren natürlich anfänglich jüdisches und christliches „Pesach“ verwechselbar - bis hinein in die verwendeten Begriffe. Im Griechischen wird „Pascha“ sowohl zur Bezeichnung des jüdischen wie des christlichen Festes verwendet. Da auch für die Ermittlung des Termins der beiden Feste gleiche Bedingungen galten, fielen diese Feste in den ersten Jahrzehnten der Christenheit auf denselben Termin. Verwechslungsgefahr bestand: Juden feiern Pesach und gedenken des Auszugs aus Ägypten, Christen feiern Pesach und deuten den Auszug aus Ägypten auf die Auferstehung Jesu. Diese Verwechslungsgefahr soll durch einen Eingriff in den Festkalender der römischen Kirche beseitigt werden. Man entfernte sich wohl um die Mitte des zweiten Jahrhunderts bewusst von den jüdischen Feiern, indem das Osterfest als zusätzliches Kriterium auf einen Sonntag fallen muss. In der Wissenschaft spricht man vom so genannten „dominikalen Osterfest“, dem Osterfest also, das auf den als Dominica oder Sonntag bezeichneten Tag fällt.
Für dieses dominikale Osterfest kann man sich auf die synoptischen Evangelien
- also Matthäus, Markus und Lukas - berufen. Das in diesen drei Evangelien beschriebene Letzte Abendmahl Jesu ist ein Pesach-Mahl. Die Pesach-Lämmer sind bereits geschlachtet und erst am Pesach-Tag selbst wird Jesus nach der Chronologie dieser Evangelien gekreuzigt. Am „ersten Tag“ wird Jesus von den Toten auferweckt und eben das ist die Grundlage dafür, auf dieser Chronologie aufbauend, das dominikale Osterfest einzuführen.
Kreuzigung am Rüsttag von Pesach
Gerade weil mit Gründonnerstag liturgisch die Fußwaschung verbunden ist, fällt heute oftmals nicht mehr auf, dass diese nur im Johannesevangelium bezeugt wird. Das letzte Mahl Jesu, von dem im dreizehnten Kapitel des Johannesevangeliums berichtet wird, kann jedoch keinesfalls ein Pesach-Mahl gewesen sein. Schließlich wird bei der Einleitung in das letzte Mahl Jesu im Johannesevangelium ausdrücklich hervorgehoben, dass es „vor dem Pesach“ stattgefunden habe (Joh 13,1). Das im Johannesevangelium beschriebene Mahl wird also einen Tag vor dem Pesach-Mahl gegessen worden sein.
Auch wird Jesus nach dem Johannesevangelium am „Rüsttag des Pesach-Festes“ (Joh 19,23) gekreuzigt. Dieser Rüsttag ist der Tag des ersten Frühlingsvollmondes nach der Tag-und-Nacht-Gleiche des Frühlings, an diesem werden die Pesach-Lämmer geschlachtet. Nach dem jüdischen Kalender, dessen Monate von den Mondphasen abhängig sind, handelt es sich bei diesem Tag um den 14. Nisan.
An diesem Tag begannen die kleinasiatischen Gemeinden mit ihrem christlichen
Pesach. Sie folgten damit weiterhin der jüdischen Festpraxis. Der römische Bischof Victor forderte nun in einem Brief die kleinasiatischen Gemeinden auf, von ihrer Festpraxis abzurücken. Die liturgische Nähe dieser Gemeinden zum Judentum war dem römischen Bischof offenkundig ein Dorn im Auge, war es doch wohl zur Zeit Victors bereits rund ein halbes Jahrhundert her, dass die römische Kirche den liturgischen Bruch mit dem Judentum vollzogen hatte. Eben diesen Bruch wollte der römische Bischof Victor auch für Kleinasien durchsetzen. Hiergegen setzte sich Polykrates, der Bischof von Ephesus, zur Wehr, indem er auf das Johannesevangelium und die mit diesem Evangelium verbundenen Traditionen in seiner Kirche verwies.
Für Jesus sind die Juden erwähltes Volk
Damit lässt sich der auf den ersten Blick erstaunliche Umstand bemerken, dass das vermeintlich „judenfeindlichste Evangelium“ dazu dient, eine judenchristliche Praxis zu rechtfertigen. Der Eindruck eines angeblich „vorsätzlich judenfeindlichen“ Evangeliums relativiert sich, wenn man berücksichtigt, dass griechische Kirchenväter, die keinesfalls als Philosemiten bezeichnet werden können, das Johannesevangelium weit weniger judenfeindlich verstanden haben, als die neutestamentliche Forschung der Neuzeit.
Das judenfeindliche Verständnis des Johannesevangeliums ruht oftmals auf durchaus problematischen Übersetzungsentscheidungen auf, welche längst hätten korrigiert werden müssen. Dies gilt auch für den eingangs zitierten problematischen Vers. Aus philologischen Gründen sollte so übertragen werden: „Und der Vater, der mich gesandt hat, hat von mir Zeugnis gegeben. Ihr habt euch niemals seine Stimme zu Herzen genommen noch sein Wesen verstanden.“
Es geht gerade nicht darum, dass Jesus den Juden die Gotteserkenntnis absprechen würde, für Jesus sind die Juden das erwählte Volk, mit den Vertretern des Judentums diskutiert er über Inhalt und Bedeutung der „Schrift“ - und die „Schrift“ ist hier das, was im Christentum dann „Altes Testament“ genannt wird. Gerade das an einer ganzen Reihe von Stellen traditionell judenfeindlich übersetzte Johannesevangelium sollte also gerade rund um Ostern eine Mahnung sein, die jüdischen Wurzeln des Christentums nicht zu vergessen.
Ursprünglich diente dieses Evangelium zur Verteidigung einer judenchristlichen Identität. Die neutestamentliche Wissenschaft sieht es heute weitgehend als späten und judenfeindlichen Text und steht somit vor der Aufgabe, ihre eigenen judenfeindlichen Traditionen, die exemplarisch im oben angeführten Zitat aus dem einflussreichen Kommentar Rudolf Bultmanns deutlich werden, zu überwinden.
Der Verfasser leitet zwei FWF-Projekte an der Uni Wien, die in die Editio Critica Maior des Neuen Testaments eingebunden sind. Ziel dieses multinationalen Forschungsvorhabens ist eine verbesserte wissenschaftliche Erschließung des Neuen Testaments.
Die deutsche Sprache unterscheidet nicht wie die lateinische oder englische zwischen dem, der ein heiliges Opfer - ein Sacrificium oder sacrifice - darbringt, und dem, der zum Opfer wird, Victima oder victim. In beiden Fällen ergibt sich das Opfer aus dem spannungsreichen Wechselspiel von Liebe, Begehren, Schuld und Leid. Seit den 60-er Jahren verbreitet Aufopferung aus Liebe einen altmodischen, moralischen Mief, dem es zu entkommen gilt. Im aufgeklärten Zeitalter war Selbstverwirklichung und Spaß angesagt, sowohl in der Liebe als auch in der Liturgie. Die religiös aufgeklärten 68-ger haben intellektuell nur noch die selbstmitleidige Opferrolle victima zugelassen, die es kritisch zu hinterfragen gilt, da wir doch alle viel zu lange den Repressalien einer „falschen“, verkrusteten Weltanschauung, Theologie und Moral nicht zuletzt der Kirche zum Opfer gefallen sind. Das alltägliche Sacrificium verdünnte sich bis zur Unkenntlichkeit und eine Hl. Messe für drei oder vier Besucher zahlt sich gar nicht aus. Außerdem ist ein Wortgottesdienst gemütlicher. Wer dennoch daran festhielt, wurde als konservativer Hinterwäldler von Gestern abgestempelt. Denn wenn Gott die Liebe sei, kann er doch nicht seinen Sohn geopfert haben! Das wäre blanker Sadismus. Nein danke! Diese „Gedanken“ lösten bei den Gläubigen in den post 68-iger Jahren bis heute eine anhaltende geistig-religiöse Revolution aus. Wozu in der Spaßgesellschaft aus Liebe zu Gott und dem Nächsten etwas und gar sein Leben aufopfern, wie es die Heiligen taten? Die herkömmlichen Stätten dieses Opfergedankens wie Klöster, Ordenshäuser und Priesterseminare leeren sich. Religiöse Selbstverwirklichung und Freizeit schauen eben anders aus als „Hingabe“. Und doch: Liebe und Leid lassen sich nicht wegrationalisieren. Wer wirklich jemanden liebt, nimmt so manches Opfer freiwillig auf sich, auch für Gott. Und nicht nur der Mensch — auch Gott. Credo quia absurdum est!
MJP in: "Die Brücke", Pfarrblatt der katholischen Stadtkirche Leoben. 44. Jg. / Nr. 2 / 2019
MJP in: "Die Brücke", Pfarrblatt der katholischen Stadtkirche Leoben. 44. Jg. / Nr. 2 / 2019
Die Liturgien von Gründonnerstag bis zur Osternacht bilden das Zentrum des christlichen Glaubens. Im Grunde ist es eine große Feier, die in drei Teile gegliedert ist, voll von großen Symbolen, Gesten und Texten. Wir versuchen, die Essenz der drei Feiern erlebbar zu machen. Der Gründonnerstag ist der Auftakt zu den drei Österlichen Tagen. Christen erinnern sich an den Tag, an dem das letzte Abendmahl gefeiert wurde, dem die Fußwaschung vorausging. Jesus machte sich buchstäblich klein. Er kniete sich vor jedem seiner Jünger nieder, um ihm zu dienen und den Schmutz von den Füßen zu waschen. In vielen Kirchen waschen die Priester den Gemeindemitgliedern heute Abend die Füße. Man muss gewaschen werden, um Anteil an Jesus zu haben Der Geist der dienenden Liebe ist konkret; es sind die Tage vom Gründonnerstag bis zur Osternacht, sie bilden das Zentrum des christlichen Glaubens. Jesus machte sich zum Sklaven für uns. Er offenbart das Wesen Gottes.
Im Grunde ist es eine große Feier, die in drei Teile gegliedert ist.
Die Liturgie vom Gründonnerstag ist das letzte Abendmahl, dem die Fußwaschung vorausging. Die Abendmahlsfeier knüpft an das jüdische Gedächtnisfeier der Befreiung aus Ägypten mit dem Durchzug durch das Rote Meer an, wobei vorher das Lamm geschlachtet und gegessen wurde, das große Symbol für Christus.
Was symbolisch und real im Sakrament gefeiert wird, ist das Gedächtnis des Kreuzes-Todes, seine Lebenshingabe. Wir beten Seinen Tod an als Hingabe, die unser eigenes Leid und das der ganzen Welt hin zu den Füßen des Gekreuzigten trägt. Der Schrei Jesu „warum hast du mich verlassen?“ Und dann “Es ist vollbracht! Vater in deine Hände empfehle ich meinen Geist!“ ist schon der Beginn der pfingstlichen Geistausströmung, um aus der Jünger-Gemeinde, die junge Kirche hervor zu hervorzubringen beginnt.
Pater Bernhard Bossert CSsR
Gestern
die Verwandlung
des Wassers in Wein
Heute
die Verwandlung
des Weines in das Blut des Herrn
Morgen
die Verwandlung
meines Sterbens in sein Auferstehn
Aus: Lothar Zenetti, Sieben Farben hat das Licht. Worte der Zuversicht. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 2006.
„Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!" 1 Kor 11, 23b-25.
Wir feiern Eucharistie, weil Jesus uns den Auftrag gegeben hat: Tut dies zu meinem Gedächtnis. Wir feiern Eucharistie, damit Jesus in unserer Erinnerung lebendig bleibt, und weder als Person noch in seiner Heilsbedeutung für uns in Vergessenheit gerät. Aber kann von dieser Feier der Erinnerung, auch wenn sie nach unserem Glauben ganz eigener Art ist, und die Person, derer gedacht wird, selbst gegenwärtig wird, eine Wirkung ausgehen?
Das letzte Abendmahl war eingebettet in eine andere Erinnerungsfeier, in das jüdische Osterfest, in das Gedenken an die Errettung des jüdischen Volkes aus dem Sklavenhaus Ägypten. Diese Erinnerung an das machtvolle Wirken Gottes war und ist für das jüdische Volk, besonders in leidvollen Situationen, eine Quelle der Kraft und der Hoffnung.
Die Erinnerung an den Auszug aus Ägypten ist ein treffendes Beispiel dafür, wie wirksam die Erinnerung im Leben der Menschen sein kann. Dies gilt in gleicher Weise für das Leben der Völker wie für das Leben des einzelnen. Die lebendige Erinnerung an erlittenes Unrecht kann zu Revolutionen führen. Die lebendige Erinnerung an überstandenes Leid kann Mut zu einem neuen Leben schenken.
In der Eucharistiefeier wird das Leben und Sterben Jesu vergegenwärtigt und uns immer neu ins Bewusstsein gebracht: „Das ist mein Leib für euch... Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut." Jesus hat für uns gelebt, ist für uns gestorben und auferstanden. Durch ihn wird die Trennung zwischen Gott und Mensch überwunden und der Neue Bund gestiftet.
Was in und durch Jesus Christus für uns geschehen ist, soll in der Eucharistiefeier uns zuteil werden. „In der Liturgie, besonders im heiligen Opfer der Eucharistie, vollzieht sich nämlich das Werk unserer Erlösung" (Liturgiekonstitution Nr. 2).
Tut dies zu meinem Gedächtnis! Sooft wir Eucharistie feiern, erinnern wir uns an das Fundament unserer Hoffnung. Indem wir uns erinnern an das, was Gott in Jesus Christus gewirkt hat und wirkt, sollen wir Kraft gewinnen für unser Leben.
Du bist Brot -
als Leben selbst gegeben.
Brot, das satt macht
und mit Leben füllt.
Brot,
das tröstet,
das stärkt,
das Mut macht
für das ewige Leben.
Aus: Ilse Pauls, Worte am Weg. Gedichte. Wolfgang Hager Verlag, A-8852 Stolzalpe 70.
Das zentrale Sinnbild von Geborgenheit ist wahrscheinlich der Mutterleib. Da war ich geschützt, warm gehalten, wurde sanft vom Fruchtwasser hin und her gewiegt. So mancher Psychologe sagt, das sei der Ursprung jener Sehnsucht. Und eine Frau, die ein Kind in sich wachsen spürt, wird diese Geborgenheit wahrnehmen. Es hat sich auch im 21. Jahrhundert nichts daran geändert, dass dies immer noch ein Wunder ist - auch wenn die Schwangerschaft schwierig oder unerwünscht ist oder von Furcht begleitet. Ein Mensch geborgen in einem anderen Menschen - welch eine Erfahrung! Und wir haben sie alle gemacht...
[... ]
Geborgenheit meint ein Wohlgefühl, das nicht durch Sicherheit hervorgerufen wird, sondern die Erfahrung von Wärme, innerem Frieden, Ruhe und Nähe. Als ich versucht habe, einer Amerikanerin zu erklären, worüber ich in diesen Tagen schreibe, habe ich gemerkt: Es gibt im Englischen eigentlich gar keinen angemessenen Begriff dafür. Und so fand ich es auch gar nicht verwunderlich, dass der Deutsche Sprachrat und das Goethe-Institut "Geborgenheit" 2004 im Rahmen eines internationalen Wettbewerbs zum zweitschönsten Wort der deutschen Sprache kürten. Eine Frau aus der Slowakei hatte den Begriff vorgeschlagen, weil er in ihrer Sprache nicht vorkomme ...
Der Begriff "Geborgenheit" scheint auf den ersten Blick vielleicht etwas romantisch oder emotional oder auch altmodisch. Auf dramatische und höchst aktuelle Weise wurde jedoch deutlich, was "bergen" bzw. "geborgen werden" bedeutet, als chilenische Bergleute im Sommer 2010 in einem Schacht tief unter der Erde eingeschlossen waren. Sie überlebten das Unglück, hausten nun aber weit unter der Erde. Zum Glück gab es nach zwei Wochen Kontakt zur Außenwelt. 69 Tage waren die 33 Männer eingeschlossen. Und endlich, am 12. und 13. Oktober, wurden sie geborgen, einer nach dem anderen. Eine Rettungskapsel machte die Bergung möglich. Fernsehsender aus der ganzen Welt berichteten über dieses Ereignis. Menschen fieberten mit, beteten, hatten Angst, und am Ende brach sich unter Tränen überschwänglicher Jubel Bahn. Ich denke, dass deshalb so viele Menschen rund um den Globus diese Ereignisse verfolgt haben, weil die Sehnsucht, jemanden zu bergen oder selbst geborgen zu sein, so groß ist. Und selbst wenn solch wundersame Bergung nicht gelingt, wollen wir doch die Toten bergen - damit sie einen Ort finden, an dem sie Ruhe finden, wir sie betrauern können.
Aus: Margot Käßmann, Sehnsucht nach Leben. Mit Bildern von Eberhard Münch. adeo Verlag in der Gerth Medien GmbH, Asslar 2011.
Warum hat Jesus sich mit Zöllnern und Sündern, mit Armen und Verlassenen an einen Tisch gesetzt? Viel leichter wäre doch gewesen, was alle anderen taten und tun: das Tischtuch zu zerschneiden und getrennt zu sitzen - die Armen in ihren Hütten, die Reichen im Schlemmerlokal, die Bürgerlichen beim Stammtisch, alle jeweils unter sich. Nein: Jesus durchkreuzt solche Abgrenzungen, er bildet eine neue Gemeinschaft. Er ist überzeugt, dass Gottes Reich angebrochen ist, die Weltherrschaft seiner zuvorkommenden Güte. Da ist jeder wichtig und deshalb sind die Ärmsten und Isoliertesten für ihn die ersten Adressaten.
Worum es ihm geht, das fasst er wie in einem Vermächtnis zusammen im Letzten Abendmahl: Noch in der Nacht des Verrates und angesichts des Todes - jeder andere wäre eher verzweifelt oder hätte gekniffen - bricht er das Brot, teilt er sich aus und mit. Alle sollen ein für allemal erkennen, wer er ist und wer Gott ist. Ausdrücklich heißt es ja im Kelchwort: »Für euch und für alle.« Das alles Entscheidende daran ist die Kraft seines Lebens für andere; dadurch stiftet er Versöhnung, schenkt er Vergebung, ermöglicht er Wandlung. Deshalb Eucharistie, deshalb das Fest der Danksagung.
Mutter Teresa sagte: Keiner darf so aus der Kirche herausgehen, wie er hineingegangen ist. Es ändert sich ja etwas. »Wandlung« sagen wir. Durch Gottes Heiligen Geist werden Brot und Wein zu Leib und Blut Christi. Er ist ganz da in unserer Mitte, er wird uns in die Hand gegeben. Wie geht er in uns ein? Wird er empfangen oder nur geschluckt? Wie wird er »verdaut«? Wenn wir ihn in Brot und Wein wirklich zu uns nehmen mit allem, was er ist und was ihn ausmacht, dann müsste sich das auswirken. Jedenfalls haben wir es mit in der Hand, ob wir uns durch ihn und in seinem Sinne wandeln lassen und durch uns die Welt gewandelt wird, ein Stück wenigstens.
Die Person Jesu ist nicht in gleicher Weise verfügbar, wie Brot und Wein verfügbar sind. Wer ihn nur einfach schlucken will, verschluckt sich.
Gegner können miteinander reden, geballte Fäuste können sich öffnen zum Friedensgruß. An einer alten Kirche steht zu lesen: »Hier tritt man ein, um Gott zu lieben. Von hier geht man fort, um die Menschen zu lieben.«
Leib Christi
»Das ist mein Leib für euch.« Das Wort der Wandlung! Indem Christus so mit Leib und Blut real präsent ist, ganz da für uns, geschieht etwas mit uns. Die Wandlung geht nicht über uns hinweg oder an uns vorbei, sie erfasst uns selbst. Wir werden Leib Christi.
Die Kirche ist der Leib Christi, sagen wir. Was heißt das? Es kommt nicht von ungefähr. Der Grund liegt im Abendmahl: »Das ist mein Leib für euch.« Bedenkt, was dieser Leib in sich hat, er schließt euch zum Leib Christi zusammen. »Empfangt, was ihr seid: Leib Christi, damit ihr werdet, was ihr empfangt: Leib Christi« (Augustinus).
Von hierher wird deutlich, wer zum heiligen Mahl einlädt. Nicht wir laden ein; die Tischgemeinschaft erwächst nicht aus unserer gegenseitigen Sympathie, nicht einmal aus unserer »Würdigkeit«. Christus lädt ein; es geht an den »Tisch des Herrn«, zum »Mahl des Lammes«. Er und er allein steht in der Mitte, er und er allein will gehört und empfangen werden. Der Priester handelt in seinem Auftrag, »in persona Christi«.
Worauf alles ankommt, ist dies: Der Herr schenkt sich selbst in seinem Mahl. Alles andere, auch das Miteinander, bekommt von daher seine Begründung. Erst die Gemeinschaft mit dem Leib Jesu Christi bewirkt die Gemeinschaft im Christusleib der Kirche. Darum gibt es auch eine Unwürdigkeit gegenüber dem Leib Jesu Christi selbst. Das darf gerade heute bei dem häufigen Kommunionempfang nicht in Vergessenheit geraten. Der Altartisch, der Tisch des Herrn, darf nicht mit einem x-beliebigen Tisch verwechselt werden. Unterscheidung tut not. Wer nicht an die Gegenwart des Herrn glaubt, darf nicht zu seinem Tisch treten.
Aus: Franz Kamphaus, Hinter Jesus her. Anstöße zur Nachfolge. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2010.
Vor etwa zwanzig Jahren fuhr ich mit einigen Freunden in die Wüste Sahara. Da man bei solchen Unternehmungen nicht sicher ist, wie sie ausgehen, habe ich vorher noch ein Testament gemacht. Für ein Testament ist zu überlegen, was im Fall des Todes mit dem angehäuften Mammon geschehen soll. Es stellt sich dabei aber auch die Frage, auf welchen Nenner ich mein Leben eigentlich bringen will, was tatsächlich im Angesicht des Todes wichtig geworden ist, was letztlich im Schmelztiegel des Sterbens noch Bestand hat. Was ist nämlich das Typische meines Lebens? Was möchte ich weitergeben und verschenken? Worin kann mein Leben zur Gabe werden? Was ist mein letzter Wille? Welche Texte der Heiligen Schrift sollen bei meinem Begräbnis verkündet werden? Welches Wort soll auf der Todesanzeige stehen? Jesus hat uns am Abend vor seinem Tod seinen letzten Willen kundgetan: "Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe (Joh 13,14)
Es gibt Handlungen im menschlichen Leben, die oberflächlich erledigt werden. Manche Geschäfte erschöpfen sich im augenblicklichen Vorgang. Es gibt aber auch Zeichen, Worte und Taten, von denen wir überzeugt sind: Diese sind mir ganz wichtig, da ist alles zusammengefasst, was mir bedeutsam ist, da stecke ich ganz drinnen, an dieser Geste bin ich selber zu erkennen. Das kann ein bestimmtes Wort sein, ein Händedruck, eine Geste, ein Kuss, eine Umarmung, ein Symbol. Jesus hat uns ein solches Zeichen geschenkt, das ganz typisch ist für ihn, ein Zeichen, das sein ganzes Leben symbolisch zusammenfasst und in dem er ganz drinnen steckt. "Und sie erkannten ihn, als er das Brot brach" (Lk 24,35).
Von Pfarrern, Politikern und Wirtschaftsmanagern heißt es, dass sie sich gerne Denkmäler setzen. Waren es früher Triumphbögen oder Paläste, so sind es heute eher Straßen, Brücken und soziale Einrichtungen. Wichtig ist die Gedenktafel, deren Inschrift kommende Generationen an die großen Namen erinnern soll. Jesus hat uns ein solches Denkmal hinterlassen, eine Geste, mit der er über die Zeiten hinweg überliefert werden wollte. Die Eucharistie und die Fußwaschung sind Tradition im ursprünglichen Sinn Jesu. Sie sind die Weise, mit der das Gedächtnis an Jesus lebendig erhalten werden soll.
Jesus nahm Brot
Es gab Zeiten, in denen bei uns das Brot heilig war. Bevor ein Laib Brot angeschnitten wurde, wurde er gesegnet. Brot galt als Gabe Gottes, von der nichts verlorengehen durfte. Heute ist das Brot ein Wegwerfprodukt. Es landet - nicht bloß in den Schulen - in den Abfallkübeln. Millionen Tonnen Weizen werden ins Meer geschüttet. "Das Brot und das Wort sind Kleingeld geworden. Wir beten um tägliche Abfallkübel" (Christine Busta). Verloren ist der ehrfürchtige und aufmerksame Umgang mit Brot. Da nützt auch die sympathische Werbung für "das Körberl" nicht viel. Die Heiligkeit des Brotes ist auch nicht durch Bilder von hungernden Kindern in der Dritten Welt wiederzugewinnen, die uns ein schlechtes Gewissen einreden.
Was bedeutet Brot als sakramentales Zeichen? Das Brot ist transparent auf die Erde hin, wie es im Gabengebet der Eucharistie heißt: "Du schenkst uns das Brot, die Frucht der Erde ...", auf den Humus hin. Im Brot steckt die ganze Mühe, der Schweiß der menschlichen Arbeit. Das Brot nimmt die glanzlose Alltäglichkeit mit hinein, in der es nichts Besonderes, keine Aktion, keine Show, keine Unterhaltung gibt.
Brot ist transparent auf das Du, auf das tägliche Miteinander hin. Das ist schon von den Arbeitsgängen her so. Arbeit muss ja nicht isolieren, sie kann auch eng miteinander verbinden. Ausdrücklich wird das Miteinander im gemeinsamen Essen, im Mahl. Es wäre schlimm, wenn wir "Eigenbrötler" würden.
Wenn Jesus dieses Brot zum Sakrament macht, so will er damit sagen: Ihr selbst, euer Leben, eure Arbeit, eure Gemeinschaft sollen zum Leib Christi werden. "Empfangt, was ihr seid, Leib Christi. Werdet, was ihr empfangt, Leib Christi", wie der Hl. Augustinus beschreibt. Heilige Messe und Leben sind nicht zwei Paar Schuhe. Wenn manchmal zu hören ist: Die Messe hat mir nichts zu sagen, die Eucharistie gibt mir nichts, oder wenn manche meinen, die Messe hätte nichts mit dem Leben zu tun, so kann das auch daran liegen, dass das Leben verkehrt, verblendet und entfremdet ist. In der Eucharistie wird gebündelt, was im Leben wichtig ist, ja, wie Leben gelingen kann.
Jesus nahm den Kelch mit Wein
"Das ist der Kelch des Neuen und Ewigen Bundes", heißt es dann im Hochgebet. Im Bund steckt die Verbindung, das Sich-Binden, die Verbindlichkeit. Das passt nicht zum Kult der Unverbindlichkeit, die alle Möglichkeiten offenhalten will. - Jesus ist das Ja Gottes in letzter, nicht mehr zurücknehmbarer Verbindlichkeit. Wenn er dieses Ja Gottes im Angesicht des Todes spricht und lebt, so ist es nicht mehr zerstörbar. Von Jesus her hat Gott nicht zwei Seiten: ein lächelndes, liebes und ein grausames Gesicht. Gott hat keinen Januskopf, er ist keine Chimäre. Im Kelch wird diese Treue der Liebe und des Bundes Gottes mit uns Menschen deutlich. Jedes Mal wieder.
Für euch ...
In den Wandlungsworten steckt das bedeutungsschwere Wort: "Für euch". Früher hat man dafür die Worte Stellvertretung und Sühne verwendet. Stellvertretung heißt bei der Eucharistie nicht, dass es da die billige Gnade ohne den Preis der Umkehr gäbe und wir uns die Wandlung, die Umkehr ersparen könnten. Im Gegenteil!
Stellvertretung heißt bei der Fußwaschung nicht, dass wir uns einen Vertreter, einen Ersatzmann suchen und uns so den Dienst, das Beugen auf den Boden, das Einatmen des Fußgeruches ersparen könnten. Im Gegenteil!
Jesus hat bei der Eucharistie und bei der Fußwaschung als Einzelner getan, was auf alle übergehen soll. Er will durch sein Tun die Freiheit des Dienstes und der Hingabe in uns freisetzen.
Christen müssen zu Stellvertretern werden, die die Stelle im Leben, in der Gesellschaft freihalten, die allein Gott gebührt. Christen müssen zu Stellvertretern werden auch in der Caritas, sie müssen den Platz für die Würde des Menschen freihalten, für den Armen, den Behinderten, den Fremden, gerade auch dann, wenn es heißt, dass das Boot -mit Ramsch! - voll ist. Stellvertretung üben heißt, dort Freiräume der Liebe zu schaffen, wo die Freiheit mit Füßen getreten wird. Jesus hat das "Für euch" gerade in einer Situation des Nicht-Verstehens, der Ablehnung und der Gleichgültigkeit gelebt, er hat es gratis, umsonst getan. An ihm konnte sich die Sünde totlaufen, er litt die Konsequenzen der Schuld aus.
Jesus hat uns seinen letzten Willen hinterlassen, er hat uns sein Testament gegeben. "Tut dies zu meinem Gedächtnis", sagte er, "damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe" (vgl. I Kor 11,24f bzw. Joh 13,15).
Aus: Franz Kamphaus, Hinter Jesus her. Anstöße zur Nachfolge. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2010.
Unser Brot - Dein Brot
Dein Brot - unser Brot
Unser Wein - Dein Wein
Dein Wein - unser Wein
Unser Leben - Dein Leben
Dein Leben - unser Leben
Unsere Gedanken - Deine Gedanken
Deine Gedanken - unsere Gedanken
Unsere Welt - Deine Welt
Deine Welt - unsere Welt
durch Jesus Christus, unseren Herrn
Aus: Anton Rotzetter, Gott, der mich atmen lässt. Gebete des Lebens, Herder 1986.
Es gibt Menschen, die stecken andere an -
mit ihrer Fröhlichkeit, mit ihrem Optimismus,
mit ihrem Humor.
Es gibt Menschen, die strahlen etwas aus.
In ihrer Gegenwart fühlen wir uns wohl.
Ihr Reden ermuntert, ihr Schweigen ist beredt.
Sie meiden das Laute; sie lieben die Stille.
Es gibt Menschen, die wünscht man sich zu
Freunden. Sie sind uns sympathisch
vom ersten Augenblick unserer Begegnung an.
Sie wirken gelassen, herzlich, selbstlos.
Es gibt Menschen, die künden Freude
schon allein durch ihr Da- und Sosein.
Sie leben die Frohbotschaft...
Aus: Adalbert Ludwig Balling: Der Seele Flügel verleihen, Agentur des Rauhen Hauses Hamburg.
Die Apostel, vor allem Petrus, sind bestürzt. Das passt überhaupt nicht in ihr Konzept. Damit können sie nichts anfangen. Petrus ist entrüstet: "Herr, du willst mir die Füße waschen?" (...) Es ist gar nicht so leicht, die Liebe Jesu zuzulassen, weder in ihrer erhabenen Gestalt noch in ihrer Entäußerung. Es ist gar nicht so leicht, sich ganz von Jesus lieben zu lassen. Etwas in uns sträubt sich dagegen. Aber Jesus sagt: Wenn du diese Liebe bis zum Äußersten nicht zulässt, gehörst du nicht zu meinen Jüngern, zu meinen Geistesverwandten.
In Ehrfurcht wollen wir schauen, wie Jesus den Jüngern die Füße wäscht. Erst Petrus, der sich geschlagen gibt, denn zu Jesus will er gehören. Das geht ihm über alles.
Dann kommt Jesus [zu allen anderen Jüngern]. Dann komme ich an die Reihe. Jesus fragt mich: Soll ich dir die Füße waschen? Ich weiß, das bedeutet tiefes Anteilhaben an allem, was sein ist, an seiner Freude und seiner Trostlosigkeit, an seinen Siegen und seinen Qualen, an seinem Tabor und seinem Kalvarienberg, an seinem Leben und an seinem Tod. Bin ich bereit? Bin ich bereit, seine Kleider zu tragen? Bin ich bereit, in seinem Geist zu leben? Bin ich bereit zu lieben, wie er liebt? Auch das gehört zur Wahrhaftigkeit der Eucharistiefeier.
Aus: Piet van Breemen; Was zählt, ist die Liebe. Exerzitien für den Alltag. Herder Verlag Freiburg - Basel - Wien 1999.
Noch erstaunlicher ist, dass Jesus uns bei beiden Gesten aufträgt, wir sollten das Gleiche tun. Nachdem er seinen Jüngern die Füße gewaschen hat, sagt er: "Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe." (Johannes 13, 15) Und nachdem er sich selbst zur Speise und zum Trank gegeben hat, sagt er: "Tut dieses zu meinem Gedächtnis!" (Lukas 22, 19) Jesus beruft uns, seine Sendung, die vollkommene Liebe Gottes in dieser Welt zu offenbaren, fortzuführen. Er beruft uns zur völligen Selbsthingabe.
Wir wollen nichts für uns selbst behalten, sondern unsere Liebe soll so voll, so radikal, so umfassend sein wie seine. Er will, dass auch wir uns bis zum Boden beugen und einander die Stellen berühren, die es am meisten nötig haben, gewaschen zu werden. Er will, dass auch wir zueinander sagen: "Esst von mir und trinkt von mir." So sollen wir durch dieses umfassende wechselseitige Einander Ernähren ein Leib und ein Geist werden, geeint von der Liebe Gottes.
Als Toni zu seiner Gemeinschaft von der Liebe Jesu sprach und als ich sah, wie er ihnen die Füße wusch und ihnen das Brot und den Wein gab, kam es mir vor, als erhaschte ich kurz einen Blick auf das neue Reich, das zu bringen Jesus gekommen war. Jeder und jeder im Raum wusste, wie weit sie oder er noch davon entfernt war, ein vollkommener Ausdruck der Liebe Gottes zu sein. Aber ebenso war jeder bereit, einen Schritt in die Richtung zu tun, die Jesus gewiesen hatte.
Das war ein Abend in Paris, den ich nicht so schnell vergessen werde.
Aus: Henri Nouwen, Jesus, Eine Botschaft, die Liebe ist, Freiburg, 2003.
Bleibet hier und wachet mit mir,
wachet und betet, wachet und betet.
Bleibt hier - bleibt stehen
Bleib hier - halt inne
Bleib hier - komm zur Ruhe
Bleib hier und nimm deine Aufgekratztheit wahr
Bleib hier und spür die Unruhe
Bleib hier trotz Juckens und Hin- und Herrutschens
Bleib, statt dich zu verduften
Bleib, nicht, als gäbe es groß was zu tun
Bleib, weil du einfach hier gebraucht wirst
Bleibet hier und wachet mit mir,
wachet und betet, wachet und betet.
Bleib, weil genau du gebraucht wirst
Bleib, wenn du ehrlich zu mir stehst
Bleib, wenn deine Solidarität mehr ist als ein Schönwetterspruch
Bleib, wenn der Rest der Welt sich aus dem Staub macht
Bleib, wenn du fürchtest, den Kürzeren zu ziehen
Bleib, wenn du Angst hast, allein zurückzubleiben
Bleib, um Zeichen zu sein gegen das schnöde Vergessen
Bleib - und entdecke den Raum der stillen Treue
Bleibet hier und wachet mit mir,
wachet und betet, wachet und betet.
Bleib hier bei mir
Bleib, weil ich es bin
Bleib, ja was brauchst du sonst für Gründe
Bleib, ich bin es
Bleib, ich brauche deine Nähe
Bleib, ich brauche deine Gegenwart
Bleib, ich brauche Zeugen
Bleib, ich brauche Zeugen für den unerhörten Vorgang
Bleib, sonst wird man es uns nicht glauben
Bleib, steh ein für der Liebe Sinn
Bleibet hier und wachet mit mir,
wachet und betet, wachet und betet.
Bleib, so sagen es die Augen der Kranken
Bleib, so sagt es uns das Kind
Bleib, fleht ein Einsamer
Bleib nah am Saum des Elends
Bleib solidarisch mit der Gottverlassenheit
Bleib am Rande des Scheiterns
Bleib, den Opfergang zu beherzigen
Bleib und trotze dem blinden Schicksal
Bleib dort, wo sich der Abgrund aufgetan hat
Bleib, den ewigen Gott in diesem Abgrund zu beschwören
Bleibet hier und wachet mit mir,
wachet und betet, wachet und betet.
Wachet mit mir
Wachet, denn Schläfer gibt es genug
Wachet, denn das Heil ist schnell verschlafen
Wachet, denn das Himmelschreien der Geschundenen weckt
Wachet, denn die Verzweiflung der Kreatur braucht Zeugen
Wachet, denn Ablenkung und Unterhaltung schläfern die Liebe ein
Wachet, denn das will ausgehalten sein
Wachet, denn das erklärt sich nicht hoppla hopp
Wachet und fragt, Herr, wie lange noch
Wachet mit allen, die vor Schmerzen keine Ruhe finden
Wachet mit allen, deren Schlaf auf Lebenszeit zerstört ist
Wachet und beherzigt das himmelschreiende Grauen
Wachet und nehmt Maß an der größeren Liebe Christi
Bleibet hier und wachet mit mir,
wachet und betet, wachet und betet.
Quelle unbekannt
Vom menschlichen Hunger und dem Augenblick der Ewigkeit
»Verweile doch, o Augenblick, du bist so schön!« Diese Worte pflegen Menschen zu sagen, wenn sie in einer Liebesbeziehung mitten im Strudel der Zeit Oasen der Ewigkeit erleben dürfen und deshalb wünschen, dass die Zeit stehen bleibt. Indem sie sich gegenseitig in die Augen blicken, möchten sie am liebsten den »Augenblick« - im tiefen Doppelsinn dieses Wortes - festhalten. Solche Oasen der Ewigkeit mitten in der Zeit brauchen wir Menschen auch im Leben des Glaubens. Die christliche Tradition nennt sie die Zeit der Anbetung Gottes. Diese ist eine qualifizierte Zeit, die Zeit Gottes mitten in der Weltzeit und auch gegen sie, nämlich als Unterbrechung des natürlichen Zeitenlaufs. Anbetung Gottes ist der Einbruch der Ewigkeit in die Zeit der Welt, auch wenn es nur für die Zeitspanne eines »Augenblicks« ist.
Aufrechter Gang und Kniefall vor Gott
»Verweile doch, o Augenblick, du bist so schön!« Diese Worte werden auch Glaubenden immer wieder im Herzen hochsteigen, wenn sie die eucharistische Anbetung pflegen. Hier erleben sie den Augen-Blick schlechthin, nämlich den Blick Jesu Christi, der uns ansieht und uns sein An-Sehen schenkt, ja der uns ein solches Ansehen schenkt, dass wir im Herzen froh werden dürfen. Was aber wäre in der Welt und Kirche heute Not-wendiger als die Erfahrung der Gegenwart des Auferstandenen in unserem Leben? Diese Gegenwart Jesu Christi wird uns in besonderer Weise in der eucharistischen Anbetung geschenkt, in der wir Augen und Herzen ganz auf den richten, der uns auf eine so liebenswürdige Weise nahe sein will.
»Anbetung« ist freilich ein arg unmodernes Wort geworden. Auf das erste Zusehen hin ist dies sogar verständlich. Denn Anbetung bedeutet, dass Menschen vor Gott, und zwar im buchstäblichen Sinn, in die Knie gehen. In die Knie zu gehen empfinden Menschen heute aber weithin als Entwürdigung oder gar als Demütigung. Denn wir haben gelernt, den aufrechten Gang zu lieben, und haben Angst, das Rückgrat zu verlieren. Und dies mit bestem Recht! Denn in der Welt muss man »den Mann« und »die Frau stehen«, in der Welt darf man in der Tat vor niemandem in die Knie gehen, und in der Welt ist nichts und niemand anzubeten. Die Anbetung Gottes hingegen schenkt die heilsame Erfahrung: Nur wer ein starkes Rückgrat hat, kann sich so tief bücken, weil er dankbar erspürt, dass er seinen aufrechten Gang gerade dem verdankt, vor dem er in die Knie geht und den er anbetet. Den aufrechten Gang in der Welt lernt der Mensch im Kniefall vor Gott.
Solche Anbetung Gottes vermag nur im Lebensraum eines radikalen Vertrauens zu gedeihen. Denn Vertrauen bedeutet, sich selbst aus dem Gefängnis des eigenen Ich zu lösen und demjenigen, dem man begegnet, zu trauen und sich ihm anzuvertrauen. Da sich im Vertrauen aber die tiefste Sehnsucht des Menschen nach einer maßlosen Erfüllung seiner ebenso maßlosen Hoffnungen zum Ausdruck bringt, kann solches Vertrauen in der Welt nie aufgehen. Die Welt ist, um mit dem Dichter KURT TUCHOLSKY zu sprechen, »eine Nummer zu klein geraten, um die unendliche Sehnsucht eines Menschen stillen zu können«. Diese tiefe Wahrheit äußert sich sogar noch in der Sucht, die nicht zufälligerweise in der heutigen Zeit so weit verbreitet ist. Denn selbst noch die Sucht ist ein Zeichen eines maßlosen Hungers, der in dieser Welt nie befriedigt werden kann.
Es ist kein Zufall, dass wir in der biblischen Botschaft immer wieder den Bildern von Hungern und Dürsten begegnen, um die tiefste Sehnsucht des Menschen auszudrücken. Der christliche Glaube weiß von einem maßlosen Hunger; ja er selbst ist dieser Hunger. Denn »christlicher Glaube ist heiß auf das, was kommt. Er gibt sich nicht zufrieden mit dem, was ist. Er ist auf den richtigen Geschmack gekommen für das, was wahr ist und bewährt, auch wenn es noch nicht voll da ist« (BISCHOF FRANZ KAMPHAUS).
Aus: Kurt Koch, Bereit zum Innersten. Für eine Kirche, die das Geheimnis lebt. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2003.
Das Brot ist neben dem Kreuz das größte Symbol des christlichen Glaubens. Das ist nicht verwunderlich: Es gibt im Deutschen das Wort "Kumpan” für einen Menschen, der mir im Alltag verbunden ist, der die gleichen Erfahrungen mit mir macht, die gleiche schwere Arbeit zu leisten hat, der mit mir so vieles teilt, was der Tag bringt. Das Wort kommt vom Lateinischen: conpanis und bedeutet also ein Mensch, der mit mir durch das tägliche Brot verbunden ist, oder um es noch wesentlicher zu sagen: Er ist Mit-Brot, er ist mir Brot, ich bin ihm Brot.
Auch im Französischen gibt es dieses Wort: copain, es meint den Menschen, der sich aus allen anderen heraushebt und der mir in Freundschaft verbunden ist, einen Menschen, der mir viel bedeutet, der mir so notwendig ist wie das tägliche Brot.
Ich glaube, daß wir von daher einen neuen Zugang zur Eucharistie bekommen könnten: Wir sind alle einander "Kumpane”, "copains”, Menschen, die einander Brot sind, die einander in Glaube, Hoffnung und Liebe nötig haben wie das tägliche Brot. Und diese Erfahrung übersteigt eine bloß menschliche Annahme. Wir sind das füreinander, weil Jesus Christus unser Kumpan ist, unser copain, Gott und Mensch, der mit uns unser Leben teilt, der uns sein Leben mitteilt als Brot für das Leben der Welt.
Von dieser Brotfeier könnte sich eine neue Welt aufbauen: Zwei oder drei sind in Christus versammelt und lernen sich von Christus her neu verstehen, eben als "Kumpane". Um diesen kleinen Kreis herum können sich neue Kreise bilden, bis die ganze Welt erfaßt ist. Darum gehört die Offenheit für die ganze Welt zum Wesen dieser Feier. Darum nennt man im Gottesdienst auch die Namen des Papstes und verweist auf alle Bischöfe, Priester und Diakone, weil sich eben von dieser Feier her die ganze Welt neu aufbaut. Und darum hat man in der alten Kirche vor der Kommunion immer ein Stück der konsekrierten Hostie in den Wein gesenkt und dabei an andere Eucharistiegruppen der Stadt, des Landes, der Welt gedacht. Und darum hat man den Gottesdienstteilnehmern Hostienbrote mitgegeben, damit die Kranken und anderen, die nicht an der Feier teilnehmen konnten, mit in die neue Welt der "Kumpane” Christi einbezogen werden konnten.
An diese Überlegung möchte ich zwei faszinierende Gedanken des heiligen Franziskus anschließen. Zunächst einmal diesen: Franziskus hat das Symbol des Brotes bzw. die Feier der Eucharistie entgrenzt. Er bleibt nicht in der Kirche oder in einer bestimmten zeitlichen Dauer der Messe. Er sieht die Eucharistie überall auf der Welt. Am besten, ich erzähle aus der Lebensgeschichte des Heiligen: Franziskus erfährt in seiner Armut immer wieder die menschliche Not. Und nun umgibt er diese Not sozusagen mit einer eigenen Liturgie. Die Brüder sollen sich aufmachen und von Tür zu Tür gehen. Sie sollen dann sagen: "Gepriesen sei der gute Gott”, gleichsam als Eröffnungsspruch für eine eigenartige Kommunionfeier.
Dann folgt die Bitte: "Wegen der Liebe, mit der Gott liebt, helft mir in meiner Not.” Und das Brot, das man dann bekommt, soll wie eine Hostie ehrfürchtig entgegengenommen werden. "Denn es ist heiliges Brot, das durch das Lob und die Liebe Gottes geheiligt ist." Um das zu verstehen, muß ich hinzufügen, daß man damals schon, wie übrigens teilweise heute noch, die Hostie heiliges Brot nannte. Und "heiligen" war damals das Wort für konsekrieren.
Mit anderen Worten: Die Eucharistie vollzieht sich nicht nur als Feier in der Kirche, sondern auch in der Erfahrung von Hilfe, in der liebenden Begegnung der Menschen.
Ganz auf dieser Linie liegt, wenn Franziskus den Ausdruck "Tisch des Herrn" nicht für Kommunionbank oder Altar - wie wir vermuten würden - gebraucht, sondern eben für Caritas, spontane Hilfe, für das Teilen im Alltag.
Eucharistiefeier und Alltag gehören also zusammen. Sie verhalten sich wie das Symbol zur Wirklichkeit, auf die es hinweist: Wir sind Kumpane nicht nur in einem symbolischen Sinn, sondern wirklich. Wir müssen das Symbol umsetzen in die tägliche Praxis, in die gegenseitige Hilfe hinein, in Schenken und Empfangen.
So dürfen wir auch folgende Geschichten eucharistisch, als Wirklichkeit der Eucharistie im Alltag, deuten.
Einmal hatten sich Franziskus und seine Brüder ein strenges Fasten vorgenommen. Sie wollten mit Jesus in der Wüste solidarisch sein und so ganz Gott gehören. Vierzig Tage lang sollte dieses Fasten dauern. Und nun geschieht es, daß eines Nachts einen Bruder so der Hunger plagt, daß er es nicht mehr aushält und weint und schreit. Was tut Franziskus? Er hört das Weinen und Seufzen dieses Bruders, steht auf, schaut, was im Hause ist an Brot, Rüben, Trauben, Wein und bereitet ein festliches Mahl. Und damit der Bruder wegen seiner Schwäche sich nicht schämen muß, fängt Franziskus mit dem Essen und Trinken an.
Das ist Eucharistie im Alltag: Einfühlung, Solidarität, Teilen.
Ein anderes Mal sieht Franziskus, wie ein Bruder krank und schwach herumläuft. Er denkt sich, daß ihm vielleicht ein paar Trauben Freude bereiten und ihm neue Kraft geben könnten. Er lädt den Bruder zu einem kleinen Spaziergang in den Weinberg ein und setzt sich mit ihm unter eine Rebe, und sie geben sich nun gegenseitig köstlich süße Trauben.
Das ist Eucharistie im Alltag, die Kommunion der Aufmerksamkeit, der Geschwisterlichkeit und des Teilens.
Ein zweiter Gedanke, der mich bei Franziskus so fasziniert: Franziskus glaubt nun, daß Christus allgegenwärtig ist: im Wort, im Sakrament, in den Aussätzigen, in den Armen, aber auch - und das ist das Ungewohnte - in den Reichen. Franziskus unterscheidet nämlich zwei sich ergänzende Aspekte an Christus: Da ist einmal Christus, insofern er Not leidet, ohnmächtig ist, arm, abhängig, auf die Hilfe anderer verwiesen - und auf diese Weise ist er in den Armen, Kranken, Aussätzigen, Bettlern gegenwärtig bis ans Ende der Welt. Und dann ist da Christus, insofern er glücklich, mächtig und voll Kraft ist, reich, frei, großzügig im Schenken - und auf diese Weise ist er - aber nur so! - in den Gesunden und Erfolgreichen.
Was nun aber entscheidend ist: Christus ist nur dann im vollen Sinne gegenwärtig, nur dann wirklich ganz erfüllend da, wenn sich die beiden Gruppen geschwisterlich im Empfangen und Schenken entsprechen, was im lebendigen Hin- und Herfließen der Liebe erfahrbar wird. Nur im Teilen, in das alle einbezogen sind, ist Christus real präsent, mit Leib und Blut da - jetzt und in alle Ewigkeit.
Darum ist das Brot die Hoffnung der Welt - wie das Kreuz, an dem sich Jesus hingab für alle.
Aus: Anton Rotzetter, Gottes Leidenschaft ist Liebe. Der Sinn von Kreuz und Auferstehung. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 1990.
Einen Tisch träume ich
unendlich in allen Dimensionen
ungezählten Menschen bietet er Platz
an dem Hände sich berühren
Blicke sich begegnen
Worte Wiederklang finden
Einen Tisch träume ich
der aller Gastgeber ist
jeder - so gewollt - wie Platz genommen
einfach willkommen
Einen Tisch träume ich
an dem kein Mund leer
kein Herz trocken bleibt
Worte werden gereicht
die nach Dank schmecken
Lieder gesungen
einfach zum Geschenk
Ein Stück Brot und ein Schluck Wein sättigen
auch für diesen Morgen
jenseits von Raum und Zeit
mit Dir
Ich träume ein Mahl das die Menschen vereint
von allen Gesichtern dieser Welt lebt
ein Krümel die Welt sättigt
und ein Schluck spüren lässt:
"Du bist aller Gastgeber"
Aus: Gemeinsam entdecken. Ökumenische Gebete und Meditationen, Herausgegeben von Marcus Leitschuh und Cornelia Pfeiffer. Bonifatius / Verlag Otto Lembeck, Paderborn / Frankfurt am Main 2003.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.
Das "Fest der Wallfahrt nach Jerusalem" hat sich schon sehr früh in der Geschichte Israels mit einem noch aus der Zeit vor der Landnahme stammenden Hirtenbrauch, dem Passa, verbunden. Möglicherweise handelte es sich um die Tradition von Halbnomaden beim Aufbruch der Herden zum Weidewechsel durch ein Tieropfer und Bestreichen von bestimmten Gegenständen mit Blut, das Wohlergehen der Herde und das Fernhalten von bösen Mächten zu erreichen.
Geschichtlich kann nicht mehr geklärt werden, wie sich dieser Brauch mit der aus Ägypten eingewanderten Gruppe der Israeliten verbunden hat. Das Bestreichen der Türpfosten mit Blut (Ex 12,7.22) und das Tragen der nomadischen Wandertracht gehören jedoch später fest zur Erinnerung an den Auszug aus Ägypten.
Die spätere Verbindung des siebentägigen Mazzenessens mit dem Passabrauch dürfte durch die kalendarische Nähe der beiden Feste entstanden sein. Wichtig und bezeichnend für den Glauben der Israeliten ist jedoch, daß bei der Verbindung beider Feste der inhaltliche Schwerpunkt eindeutig auf der geschichtlichen Dimension der Errettung Israels aus Ägypten liegt. Das Essen von nicht gesäuertem Brot wird dadurch ebenfalls erklärbar: die israelitischen Frauen konnten aufgrund des hastigen und überstürzten Aufbruchs aus Ägypten den Teig nicht mehr säuern. Der nächtliche Passabrauch, die Tierschlachtung und der Blutritus wurden so zum Eingangsgeschehen der Woche des Mazzenessens.
In Dtn 16 ist die Verbindung der Feste bereits ganz vollzogen. Nach 2 Kön 23,21-23 wird das Passafest im Jerusalemer Tempel gefeiert. Der nachexilische Text unserer Lesung läßt erkennen, daß sich aber auch der Brauch, das Fest im Familienkreis zu feiern, noch lange gehalten hat. Auch Jesus begeht das Passafest nach den Evangelientexten der Synoptiker zwar in Jerusalem, aber analog zu den Familienfeiern in der Gemeinschaft mit seinen Jüngern.
Ex 12 legt einen Erinnerungskult fest und verbindet ihn mit der Befreiungstat Gottes: das Schlachten des Lammes und der Blutritus (ein alter Hirtenritus) sowie das Mahl stiften Gemeinde (Vers 3); es ist eine Feier in den Häusern (Verse 4 f), durch die gleichzeitige Feier in allen Häusern aber ist es eine Feier der Gemeinschaft. Die bleibende Erinnerungsfeier gibt allen späteren Generationen Anteil an der Erwählung (durch das Zeichen des Blutes) und an der erlösenden, rettenden Tat Gottes.
Dabei werden zwei ursprünglich unabhängige Dinge zusammengebracht: Das Fest der ungesäuerten Brote und die Regeln für die Feier des Pessach. Diese Dinge müssen ursprünglich getrennt gewesen sein, weil ein Getreideanbau erst in Kana erfolgte.
Die große Botschaft lautet Rettung. Gott rettet sein Volk. Und er gibt ihm eine Regel. Wer die Regel befolgt, gibt Antwort auf die Rettung und bejaht sie. Das Geschehen in Ägypten macht deutlich, wie ernst Gott es mit seinem Bundesangebot nahm.